Glaube

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Jürgen Fliege – Corona und der fehlende Glaube

Wie vom Mainstream, so hat ein jeder auch ein Bild von Pfarrern. Beides zusammen ist in Corona-Zeiten eine brisante Mischung, wenn eine vermeintliche Mainstream-Stimme plötzlich öffentlich in Form eines Pfarrers über Corona redet.

Pfarrer Jürgen Fliege erreicht auch heute noch große Aufmerksamkeit und er tut dies sicher nicht aus Profilierungssucht. Wenn Menschen einsam sterben, Kinder nicht getauft werden, das wichtigste Fest der Christen ausfällt und die Kirche schweigt, ist das eine sehr brisante Situation.

Kein Krieg, keine Pandemie in der Geschichte hat die Kirche von ihrer Barmherzigkeit abhalten können, erst Corona ließ die Kirche im Gleichklang der Politik und der Medien erklingen.

Jürgen Fliege bezieht eindeutig Stellung zu dieser Situation.

Der Kirche rennen die Schäflein davon

Die Schweizer befürchten ein Land von Ungläubigen zu werden. So stand es jedenfalls in einem Artikel. Da stellt sich sofort die Frage, wer denn diese Befürchtung hat. Die Muslimische Glaubensgemeinschaft kann es nicht sein. Die haben regen Zulauf. Sie können sogar bei Überbelegung die Mitgliederzahlen „kürzen“. Sekten und Freikirchen, im Artikel grosszügig als Esoterik bezeichnet, verbuchen ebenfalls wachsende Zahlen. Die einzigen, welche über entlaufene Schafe jammern ist die staatliche Kirche.

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Sie will nun mit neuzeitlichen Methoden ihre Attraktivität steigern. Schauen wir uns mal diese Institution genauer an, und wo man modernisieren könnte. Angefangen beim sonntäglichen Gottesdienst. Die Uhrzeit ist nicht mehr zeitgemäss. Die jüngeren Kirchengänger kommen bei den ersten morgendlichen Sonnenstrahlen aus der Disco und erholen sich anschliessend bei einer After-Party. Der Gottesdienst wäre besser am Abend, kurz nach dem Frühstück der Nachtschwärmer.

Eine weitere Unart, die eigentlich sofort abgeschafft werden sollte ist das Planschbecken am Eingang der Kirche. Jeder, der reinkommt taucht seine ungewaschenen Finger in das Wasser und schmiert sich Millionen Bakterien der Vorgänger ins Gesicht. Im Mittelalter verhalfen sie so der Pest zu ihrem Siegeszug und heute kann man zwischen verschiedenen Grippevarianten wählen. Anschliessend sucht man sich einen Platz. Um während der immer wiederkehrenden Einschlafphasen etwas Abwechslung zu haben, nimmt man sich ein Gesangsbuch mit. Dann hat man wenigstens etwas zum Lesen. Es kann aber vorkommen, dass die Büchlein ebenfalls zum kulturellen Austausch der Mikroorganismen beitragen. Unzählige Vorgänger haben ihre Hinterlassenschaften mit Hilfe von Popeln und fettigen Fingern dem Büchlein übertragen und der Nachwelt als biodiversives Nachschlagewerk der letzten Jahrzehnte zur Verfügung gestellt. Deshalb werden sie auch immer schwerer.

Im Verlauf eines Gottesdienstes, Huldigung würde besser passen, muss man mehrmals die Position wechseln. Zur Auswahl stehen knien, stehen und sitzen. Das mit dem Knien ist so eine Sache. Die meisten Kirchenbesucher sind so alt wie die Bestuhlung und beim hin knien knacksen nicht nur die Sitzbänke. Einige schauen verunsichert auf den Boden, als suchen sie ihre Kniescheiben zwischen den Sitzreihen. Beim Aufstehen wiederholt sich die akustische Kulisse. Eigentlich ein kleines Wunder, wie die Bänke jahrzehntelang den Turnübungen Stand hielten. Ein tastender Griff unter die Bänke klärt das Mysterium. Durchschnittlich wird ein Laufmeter Sitzbank durch ein Kilo Kaugummi zusammengehalten.

Zwischendurch bekommt man sogar etwas zu futtern. Die Ausgabestelle faselt andauernd etwas vom „Leib Christi“. Das versteht heute keine Mensch mehr und wenn, dann erinnert es an Kannibalismus. Der Küchenchef würde besser „Soylent-Green“ rufen, wäre zeitgemässer. Zudem sind die Arbeiter der Ausgabestelle ziemlich egoistisch. Während sich die Gäste den Mund mit diesem Bisquit verkleben lassen, saufen der Küchenchef und seine Angestellten den Wein alleine. Die Gäste müssen sich mit der evolutionären Ursuppe am Kircheneingang begnügen. Das könnte man attraktiver gestalten. Ein Lunch-Paket wie im Flugzeug oder ein Buffet. Wenn schon der Leib Christi verspeist werden soll, dann je nach Geschmack. Was darf’s denn sein? Etwas Filet oder ein Stück Leber? Wäre besser als das eingetrocknete, geschmacklose Stück Presskarton, wo man eh nicht satt wird.

Dann wird in einer Kirche gesungen. Falsch, laut und unartikuliert. Es ist manchmal schwierig, zwischen den Popeln noch etwas Text zu erkennen. Entsprechend tönen die gesungenen Lieder. Hier sollte sich die Kirche ein Beispiel an der Schlagermusik nehmen. Die Kirchengänger können in der Regel die Schlagertexte auswendig, brauchen kein Gesangsbuch, welches das Immunsystem herausfordert und verfallen beim hypnotischen Grundtakt in eine euphorische Trance.

Am effektivsten kann man die Kirchengänger mit Drogen besäuseln. Bisher wurden die Besucher mit Weihrauch eingenebelt, was bei einigen schon ekstatische Gefühle auslöste. Aber wenn der Prediger dafür Hanfblüten nehmen würde, würde die Kirche wirklich zum Mittepunkt des Friedens werden. Alle hätten sich lieb, man würde stundenlang den Erzählungen des Märchenonkels lauschen und zu den Bewegungsabläufen könnte man noch „liegen“ und „rumhängen“ dazu nehmen, was einige Knie- und Bandscheiben sicher begrüssten.

Dann stehen in einer Kirche Unmengen an Möbeln rum. Die meisten dienen als Staubfänger. Den Beichtstuhl könnte man stundenweise vermieten, die Orgel durch einen DJ ersetzen und die ganzen Dekorationen verschiedenen Fasnachts-Gilden zur Verfügung stellen. Einzelne Kirchen haben eine Modernisierung durchgeführt, jedoch mit fraglichem Erfolg. Nackte Frauenkörper sind zu klein für ganze Liedertexte, auch wenn sie auf dem Altar stehen und ihre Buchstaben der Menge entgegenstrecken. Andere haben es mit Punk-Musik versucht, was aber auch nicht funktionierte.

Laut Medienberichten ist die neueste, kirchliche Integrationsmethode das Singen von Liedern, die aus einer anderen Religion stammen. Grundsätzlich eine gute Idee um Verständnis für andere Glaubensrichtungen zu entwickeln, aber auch frustrierend für die christlichen Goldkehlchen, die hoffnungslos vor einem virtuosen Imam stehen. Tante Klara mit ihren 80 Jahren ist halt nicht mehr so schnell mit ihren Stimmbändern und das daraus resultierende Stimmengewirr erinnert mehr an eine voll besetzte Bahnhofshalle. Hier ist man, glaube ich, über das Ziel hinausgeschossen.

Die Kirche sollte sich einen erfahrenen Event-Manager besorgen. Zudem ist die Jahrhunderte alte Marketingstrategie ausgelutscht. Der Reiseprospekt für Lebensmüde bietet noch immer nur zwei Destinationen an. Himmel oder Hölle. Ziemlich einfältig, dieses Angebot. Sie könnten als Draufgabe noch 72 Jungfrauen dazu packen oder wenigstens die zu sammelnden Flugmeilen erwähnen. Aber hier verpennt die Kirche den Zeitgeist. Einzig der himmlische Parzellenverkauf läuft nach wie vor auf Hochtouren. Man erwirbt ein wolkiges Sonnenplätzchen und es spielt keine Rolle mehr, wie viele Sünden man auf Erden angehäuft hat oder nicht. Scheinheiligkeit wird einfach umformuliert und heisst Heiligenschein, für was auch immer.

Generell muss die Kirche ihre verstaubten Ansichten revidieren. Die Erde ist nicht flach und sie wurde auch nicht in sechs Tagen erschaffen. Ich will die Rohrleitung sehen, mit der die Ozeane gefüllt wurden, in sechs Tagen. Und wenn nur Adam und Eva am Anfang die Welt besiedelten, dann sind wir ein einziger Inzesthaufen. Dasselbe mit den Tierpärchen auf Noah’s Arche. Hier müsste die Kirche mit alten Werten aufräumen und neue integrieren. Die Kirchengänger wanken im GangMan-Style in den Bet- Tempel, anstatt Bakterien schmieren sie sich eine Gesichtsmaske um die Augen und McDonalds beliefert das kirchliche Buffet. Möglichkeiten gibt es viele, um etwas Attraktivität in den Gebetsalltag zu bringen. Lassen wir uns überraschen.

Das Gewissen und die Kultur des Todes

Ostermontag 2011. Zeit, einige Reflexionen abzuschließen. Im Managementtraining nennt man das "Refraiming" - den Dingen einfach mal einen neuen Rahmen geben - für eine gewisse Zeit. Um neue Perspektiven zu entdecken, alte Denkgewohnheiten in Frage zu stellen, die eigene Position kritisch zu überprüfen. Ostern, das zentrale Fest der "Christenheit", ist ein guter Tag, denke ich, um mal alles aus der Perspektive von Christen zu betrachten, die ja politisch und kulturell unsere Staatsgemeinschaft prägen sollen. Ich gestehe - ich habe zu diesem Zweck das erste Mal im Leben das Evangelium des Matthäus gelesen. Sehr fremd ... aber gerade das ist ein guter Ausgangspunkt für Refraiming. Je fremder der Rahmen ist, den man der eigenen Wirklichkeit zum Abgleich überstülpt, umso deutlicher fallen die Ecken und Kanten der eigenen Weltsicht auf. Refraiming hat Nebenwirkungen. Eine wichtige Nebenwirkung ist, das "Alternativlosigkeit" aus der eigenen Weltsicht verschwindet, Dogmatismus sich in Luft auflöst und moralische Engstirnigkeit kaum noch Platz zum Überleben hat - vielleicht ein Grund, weshalb diese Kunst kaum noch angewendet wird. Es wäre schwer zu erklären, warum wir den fortschrittlichsten Sozialstaat in Afrika angreifen

Ostermontag 2011. Zeit, einige Reflexionen abzuschließen. Im Managementtraining nennt man das „Refraiming“ – den Dingen einfach mal einen neuen Rahmen geben – für eine gewisse Zeit. Um neue Perspektiven zu entdecken, alte Denkgewohnheiten in Frage zu stellen, die eigene Position kritisch zu überprüfen. Ostern, das zentrale Fest der „Christenheit“, ist ein guter Tag, denke ich, um mal alles aus der Perspektive von Christen zu betrachten, die ja politisch und kulturell unsere Staatsgemeinschaft prägen sollen. Ich gestehe – ich habe zu diesem Zweck das erste Mal im Leben das Evangelium des Matthäus gelesen. Sehr fremd … aber gerade das ist ein guter Ausgangspunkt für Refraiming. Je fremder der Rahmen ist, den man der eigenen Wirklichkeit zum Abgleich überstülpt, umso deutlicher fallen die Ecken und Kanten der eigenen Weltsicht auf. Refraiming hat Nebenwirkungen. Eine wichtige Nebenwirkung ist, das „Alternativlosigkeit“ aus der eigenen Weltsicht verschwindet, Dogmatismus sich in Luft auflöst und moralische Engstirnigkeit kaum noch Platz zum Überleben hat – vielleicht ein Grund, weshalb diese Kunst kaum noch angewendet wird. Es wäre schwer zu erklären, warum wir den fortschrittlichsten Sozialstaat in Afrika angreifen, siehe Welt:

Auch die Familienförderung ist in Libyen vorbildlich. Brautpaare erhalten 64.000 Dollar, um eine Wohnung erwerben zu können, und für ein Neugeborenes bezahlt der Staat 7000 Dollar. Wer ein Unternehmen gründet oder ein Geschäft eröffnet, erhält ein einmaliges Startkapital von 20.000 Dollar. Die Ausbildung und die medizinische Versorgung sind im libyschen Staatssozialismus kostenlos, Frauen werden wie nirgendwo in der arabischen Welt gefördert.

Schon deshalb würden die Rebellen scheitern, die nur ein Viertel der libyschen Bevölkerung repräsentierten. Gaddafi habe sein Volk seit den Nato-Angriffen bewaffnet, achtzig Prozent der Bevölkerung im Westen Libyens stehen hinter dem Regime.

Die Versicherung, das man Gaddafi nicht töten wolle, ist auch nicht mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurde, siehe Spiegel:

Sollte diese Attacke den Diktator töten? Die Nato hat in der Nacht schwere Luftangriffe auf Tripolis geflogen und dabei auch Anlagen des Machthabers Gaddafi unter Feuer genommen. Ob er sich in dem Komplex befand, ist aber unklar.

Ich frage mich: was erwartet die Bevölkerung eigentlich unter neuem Management? Welche Pläne hat die Nato, die Stellung der lybischen Frau zu sichern? Von tunesischen Frauen hörte ich schon, sie würden nicht vor der Armut sondern vor den tunesischen Männern fliehen. Wieviel werden wir den jungen Brautpaaren, den Arbeitslosen und den Unternehmensgründern bezahlen? Ersetzen wir die zerbombten Zivilgebäude … oder demonstrieren wir, das wir einer anderen Ethik folgen, einer Ethik, die aus Werbegründen noch einen christlichen Aufkleber auf dem Jagdbomber plaziert hat? Die Frage, ob unsere Waffen auch wieder mal vom Militärbischof gesegnet worden sind, will ich gar nicht mehr stellen – ich fürchte die Antwort.

Arthur Schopenhauer war in der Beantwortung der Ethik seiner Mitmenschen ähnlich gnadenlos wie er urchristliche Wanderprediger: an ihren Taten sollt ihr sie erkennen, meinte der, was ein Mensch will, ist das, was er tut, nicht das was er wünscht, meinte Schopenhauer.

Wir wünschen, ein christlicher, demokratischer, dem Frieden verpflichteter Rechtsstaat zu sein. Als solcher sehen wir uns gerne – und wenn der Islam an unsere Tür klopft, hängen wir auch gerne das christliche Schild vor die Tür: „geschlossene Gesellschaft“. Wenn man aber sieht, was wir tun – auch wir Deutsche – so würde das ethische Urteil der zuvor genannten Herren wohl anders ausfallen, siehe Spiegel:

Rund 1,5 Billionen Dollar haben die Staaten der Welt im Jahr 2009 zusammen für ihr Militär ausgegeben, hat das anerkannte Stockholmer Institut für Friedensforschung (SIPRI) berechnet. Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind die Militärsausgaben damit um fast 50 Prozent gestiegen. Nahezu drei Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung sind direkt auf Investitionen ins Militär zurückzuführen.

Am meisten Geld investieren nach wie vor die USA in ihre Armee. Mit einem Militäretat in Höhe von 661 Milliarden Dollar waren sie 2009 für 43 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben verantwortlich. Doch die Schwellenländer holen auf. Bereits auf Platz zwei der Liste der größten Militäretats der Welt folgt China, das laut Sipri geschätzte 100 Milliarden Dollar für seine Verteidigung ausgibt. Auch Russland (53 Milliarden Dollar, Platz fünf), Saudi-Arabien (41,3 Milliarden, Platz acht) und Indien (36,3 Milliarden, Platz neun) schaffen den Einzug in die Top Ten.

Wir Deutschen verdienen ganz gut an diesem Geschäft -und damit es weiter läuft, wird es wohl den einen oder anderen Krieg geben müssen. Wir pflegen eine Kultur des Todes, die eben ab und zu auch von uns verlangt, das Bomben geworfen werden. Ohne Einsatz kein Umsatz. Wir haben damit kein Problem mehr, weil wir ein „Gewissen“ abgeschafft haben. Sich mit „Gewissen“ auseinanderzusetzen, ist in der Kultur des Todes nicht mehr leicht: es gibt eine Herrschar von Psychologen, Soziologen und Philosophen, die es im Dienste der Rendite fortgeredet haben: Moral schadet der Rendite – überall. Würden wir überall gerechte Löhne zahlen, faire Preise bieten, Menschenrechte über Renditeansprüche stellen, wäre die Welt ein wunderbare Ort, aber es gäbe kaum noch Superreiche.

Eine Schwelle, die bei der Abschaltung des Gewissens zu überwinden ist, ist die Religion – weltweit. Nicht, das sich Religion nicht missbrauchen ließe, das steht wohl völlig außer Frage. Religionen werden nun mal von Menschen gemacht … und deren Mangelhaftigkeit steht nicht nur im Fokus christlicher, jüdischer oder muslimischer Religionen, sondern auch im Fokus der anderen Weltreligionen. Das der Mensch heilig wird, in dem er sich ein Symbol auf die Jacke näht, ist ein Gerücht. Aber hinter „Religion“ steht möglicherweise noch etwas anderes. Möglicherweise gibt es ein Feuer der Realität, das zum Rauch der Legenden paßt. Das wäre schlimm fürs Geschäft, denn dann hätten wir: die Stimme Gottes im Menschen. Die muß unbedingt ausgeschaltet werden, weshalb wir ja auch mehr und mehr eine Werterelativität predigen.

Diese – materialistische – Werterelativität endet natürlich an gewissen Grenzen. So ist es in Ordnung, wenn man Bomben auf einen bösen Diktator wirft, es ist aber böse, wenn man Manager kritisiert, wie unser Bundespräsident, Rotarier und „Pro Christ“ Christian Wulff ausführt, siehe Spiegel:

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat in der Talkshow „Studio Friedman“ einen gefährlichen Vergleich gewagt: Der CDU-Politiker verglich die Debatte über Managergehälter in Deutschland mit einer „Pogromstimmung“.

Manager … sind die Priester jener neuen Religion, deren Götter die Konzerne darstellen, deren Tempel in den heiligen Räumen der Banken zu finden sind, und deren Religion … eine Religion des Todes ist, der die Kultur des Todes auf dem Fuß folgt. Legt man diesen Glaubenssatz zugrunde, lösen sich die vielen Fragezeichen angesichts der moralischen Piroutten unserer Kultur auf. Es ist – wie Religion an sich – eine Frage des „Glaubens“, was in religiösem Sinne bedeutet, das man einer Weltanschauung kritiklos vertraut … und wer würde hierzulande „Wachstum“, „Aufschwung“ oder „Rendite“ ernsthaft in Zweifel ziehen?

Zweifelt man aber nicht, ist man schnell in der beliebten weil verantwortungsfreien Welt der „Alternativlosigkeit“.  Gerade moderne Politiker fühlen sich dort sehr wohl. So ist der moderne Politiker eher ausführendes Organ einer alternativlosen Wirklichkeit. Wer die letztlich denn dann gestaltet, wird nicht mehr hinterfragt.

Hierzu ist es hilfreich, wenn man die unangenehmen Gefühle, die durch Bomben zerfetzte Kinderleiber in einem erzeugen, unterdrücken kann. Weltweit in allen Kulturen sieht man das nicht so gerne. Hier wird gerne nach Vernunft gerufen – und nach „Desensibilisierung“.  Die US-Armee hat hier ihre Erfahrungen gesammelt, siehe Süddeutsche Zeitung:

Es ist gar nicht so einfach, jemanden dazu zu bringen, Menschen zu töten. Das zeigen beispielsweise Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg, als Brigadegeneral S.L.A. Marshall das Verhalten der Soldaten in der Schlacht untersuchen ließ.

Lediglich 15 bis 20 Prozent der Soldaten brachten es über sich, auf einen sichtbaren Gegner zu schießen. Als das Militär sich dieses „Problems“ bewusst wurde, haben sie es beseitigt. Im Korea Krieg waren schon 55 Prozent der Soldaten bereit, zu schießen, in Vietnam waren es dann neun von zehn. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Militär effektive Methoden eingeführt. Unter anderem Desensibilisierung, Operante Konditionierung und Rollenmodelle.

Die Kultur des Todes muß gezüchtet werden – weil sie nicht der Natur des Menschen entspricht. Es gibt ein Problem mit … dem „Gewissen“. Sogar bei professionellen Killern, siehe Welt:

Es gibt Mafiosi in mystischen Krisen. Zum Beispiel Leonardo Vitale. Das war ein Mafioso, der noch vor der Zeit der Abtrünnigen zur Polizei ging und sagte, er könne das nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren. Dem hat keiner geglaubt. Der wurde in die Psychiatrie eingeliefert. Da war er über 10 Jahre. Die einzigen, die ihm glaubten, waren Mafiosi. Die haben ihn sofort umgebracht, als er aus dem Hospital raus kam.

In der Kultur des Todes gibt es für Menschen die aus Gewissensgründen keine Morde begehen können nur einen Platz: die Psychiatrie. Das Massenmord keine normale menschliche Freizeitgestaltung ist, ist uns fremd geworden. Das es ein Gewissen gibt, auch. Dabei stellt sich auch für die biologische Anthropologie die Frage: was bringt eigentlich einen Menschen dazu, zu seinem eigenen Nachteil sein Leben für andere einzusetzen, siehe Hassenstein bei Wikipedia:

Es stellt sich die Frage, was aus verhaltensbiologischer Sicht Menschen die Kraft gibt,[22] ihre „Gewissensentscheidung“ auch gegen massive Nachteile oder Gefährdungen zu vertreten. Nach Hassenstein brauchenWahrnehmungen und gedankliche Einstellungen einen gefühlsmäßigen Faktor (dieser gehört zu einer ursprünglicheren Ebene der Verhaltenssteuerung), um zum Imperativ zu werden. Erst dann setzen sie sich im Höchstwertdurchlass gegen andere Verhaltenstendenzen durch.

Fragt man Kant, so ist klar, was Moral vernünftigerweise lebenswert macht: die Aussicht auf Belohnung. Vernunft an sich – ist nicht moralisch. Sie kann ein Waisenhaus leiten oder ein Konzentrationslager, sie kann eine Moralphilosophie entwerfen oder Lampenschirme aus Menschenhaut fabrizieren – ihr ist es egal. Vernunft ist nur ein Werkzeug. Der gefühlsmäßige Faktor ist es erst, der ein belastbares Gewissen schafft – jenes Gewissen, dessen Heldentaten wir gerne in unseren Legenden feiern, wenn wieder mal jemand gegen den allgemeinen Wahnsinn Menschenleben gerettet hat, ohne auf seinen eigenen Vorteil zu schauen.

Noch Fragen, warum eine Kultur des Todes keine lebendige, ernst gemeinte Religon in ihren Kreisen dulden darf? Es wäre eine mächtige Kraftquelle für Gewissensentscheidungen, die beim Töten stört – beim direkten Töten durch Waffen oder beim indirekten Töten durch Wirtschaften. Das ist zwar nicht das, was wir wünschen würden, aber das was wir tun … und deshalb auch das, was wir wollen.

Das ist es, was man merken kann, wenn man für einen Moment einen urchristlichen Rahmen über die Welt hängt – jenseits der Anpassungsprozesse der Kirchen, Theologen und Philosophen, die das Christentum beständig umbauen, damit es in die Kultur des Todes passt. Und in dem Moment – bevor Ostern vorbei ist und der Alltagsterror der Todeskultur das Denken wieder umgestaltet – kann man sich mal fragen, was denn eigentlich so schlecht daran wäre, eine christliche Ethik zu leben – erst recht, wenn sie durch den „allmächtigen Schöpfer des Universums“ abgesegnet wird? Eine höhere Legitimation ist gedanklich nicht mehr möglich – auch wenn es wunderlich ist, das selbst die meisten Tiere so etwas nicht brauchen, um ihre eigenen Artgenossen am Leben zu lassen.

Was wäre denn wirklich, wenn morgen früh alle anfangen, die beiden höchsten Gebote zu leben: ihren Nächsten zu lieben und den Schöpfer der Welt, der – nach alttestamentarischer Sicht – das Leben selbst ist?

Schon morgen früh steht die erste Gewissensentscheidung an: Autofahren gefährdet Menschenleben. Es sterben tausende Menschen jedes Jahr durch diese Beförderungsmethode. Die Kultur des Todes nimmt das billigend in Kauf.

Das wäre eine sehr unheimliche Welt, diese christliche, oder? Gut, das Ostern heute vorbei ist. Aber für einen Moment … durften wir die Hoffnung haben, das es zur Kultur des Todes vielleicht Alternativen geben könnte.

Morgen leben wir sie wieder.



 

 

 


 

 


Der Zahn der Zeit…

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Der Zahn der Zeit...

© Jotha

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