Genozid

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Der Schulz(d)effekt und der schleichende Genozid in Deutschland

Freitag, 7.4.2017. Eifel. Na, sind Sie auch so begeistert? Von Martin Schulz? Dem Heilsbringer? Der sich vor allem um die „hart arbeitenden Menschen“ kümmern will? Klar, hört sich erstmal gut an. „Hart arbeitende Menschen“ sollten ja wirklich auch besonders gewürdigt werden. Kennen Sie eigentlich einen, der wirklich „hart“ arbeitet? Ich finde, das hört sich im ersten Moment immer nach Masochismus an: Härte gegen sich selbst, Härte gegen die Mitmenschen, Härte gegen die Umwelt, gegen Kinder, Arme, Alte und Kranke – Härte ist cool. Alle finden Härte toll: die Masochisten, weil Härte so richtig schön weh tut, die Sadisten, weil Härte so richtig schön weh tut – aber den anderen. Bestimmen geistig Kranke nun unsere Werte? Was ist mit den Normalen, die lieber schmerzvermeidend leben und arbeiten wollen – wie alle biologischen Lebewesen auf diesem Planeten? Gibt es für die keinen Platz mehr?

Haben Sie schon mal einen Baum gefällt? Vielleicht, mit den modernen Motorsägen ist das ja auch kein Problem – es sei denn, man ist blöd und steht völlig falsch … oder hat nicht auf die Reichweite der Äste geachtet, wenn der Baum fällt. Sie merken: ich habe Erfahrung in diesem Bereich. Ich wollte aber gar nicht über das Baumfällen reden, sondern über das Ausgraben der Wurzeln. Baumfällen – ist was für Weicheier, die richtig harten Typen graben Wurzeln aus. Ja: das ist knallharte Arbeit in oft ungünstiger Haltung, wer da dann abends nach Hause kommt, der sollte nicht auch noch selber kochen müssen: kann der auch gar nicht, dafür ist er zu kaputt. Insofern verstehe ich schon die Forderung von diesem Schulz: um diese Menschen muss man sich kümmern. Nur: Baumwurzelausgraber ist kein Hauptjob, das macht man, wenn man ein Feld braucht und den Wald roden will: die wirklich richtig fruchtbare Arbeit – das säen – kommt viel später und ist auch nicht hart: leise und sanft rieseln die Körner aus weicher Hand in kleiner Menge zu Boden: keine harte Arbeit, sondern sehr soft. Mit einer ausgegrabenen Wurzel können Sie – trotz aller Härte der Arbeit – nichts anfangen … außer vielleicht als Deko neben dem Haus.

Man fragt sich also: was will dieser Schulz also mit diesen hart arbeitenden Menschen, die er in den Mittelpunkt stellen will? Eine Sammlung von Wurzeln fürs Kanzleramt? Scherz beiseite: harte Arbeit machen heute Maschinen, fast überall. Die Gruppe der Menschen, die wirklich noch substantielle Bedingungen für das Prädikat „harte Arbeit“ erfüllen, ist winzig klein. Steinbruch, zum Beispiel: früher noch als Strafarbeit für Kriminelle angedacht, wird heute von dicken Menschen erledigt, die in dicken Maschinen sitzen und die Steine in dicke LKW´s laden, mit denen andere dicke Männer sie dann fortschaffen – ohne selbst auch nur einen Handschlag zu tun. Natürlich wollen alle harte Typen sein, weshalb jeder heute „harte Arbeit“ macht – wenn man ihn selbst fragt. Sie haben völlig Recht, wenn Sie jetzt meinen, dass die Psyche ja auch eine Rolle spielt, nur: da werden wir kein Ende finden, denn Psyche ist schon belastet und überfordert durch einen normalen Einkauf in einer großen Stadt: unser ganzer Lebensstil überfordert sie, nicht nur die Arbeit. Ich kenne auch genug Männer, die vor dem normalen Familienleben ins Büro flüchten – weil es ihnen psychisch zu hart ist. Büro ist leise, still, ruhig dagegen. Und erzählen Sie mir jetzt nicht, dass Sie für das hin- und herräumen von kleinen Handouts jetzt auch das Prädikat „harte Arbeit“ wollen.

Nun – der Schulzeffekt ist ja jetzt schnell zum Schulzdeffekt geworden: obwohl 100 % der SPD-Deligierten ihn gewählt haben – ein Traum wie in Nordkorea. Aber noch so viel Eigenlob und grundlose Euphorie kommt halt nicht gegen die Realität an, „positives Denken“ ist immer sehr weich und angenehm, bis die Wirklichkeit an die Tür klopft – und die klopfte mit minus einem Prozent für die SPD an. Vielen blieb ich „Schulz“ im Halse stecken. Auch hart – jedenfalls für eine Partei, die dort 1990 noch 54 Prozent hatte und nun unter dreißig Prozent liegt. Damit ist dann ja auch die Bundestagswahl schon gelaufen, wir werden uns aufs Dauermerkeln einrichten müssen.

Dabei hätte der Schulz doch viel erreichen können. Das meinte auch Jakob Augstein, der auf den urigen Gedanken kam, Schulz sollte – neben sozialer Gerechtigkeit – den Deutschen wieder eine Heimat bieten (siehe Spiegel), eine Heimat, die es bei zuviel Migration nicht mehr geben könnte. Erwartet man eigentlich eher bei anderen politischen Gruppen, solche Argumente – aber die deutsche Wirklichkeit ändert sich ja gerade wieder, kehrt zurück zu alten Wurzlen, bei denen mit Minderleistern einfach mal kurzer Prozess gemacht wurde – was alle Sadisten zutiefst erfreut. Auch ich würde sagen, dass wir ernsthafte Probleme haben – die allerdings nichts mit Migranten oder Weicharbeitern zu tun haben, sondern mit einem Genozid – einem Völkermord. Nicht schnell, hart und brutal … sondern langsam, schleichend, fast schon sanft und kaum merklich, wenn man nur kurze Zeiträume betrachtet. Ich weiß: Genozid ist ein hartes Wort. Aber was lernen wir in der Schule? Überschriften sollen Aufmerksamkeit erzeugen. Mehr nicht.

Gut, blicken wir nach … Delmenhorst. Dort ist etwas geschehen, was eine neue Qualität im Spiel zwischen Staatsgewalt und Bürger einbringt: die Massenabschaltung von Wasserversorgung. 350 Menschen müssen nun vor den Toren ihres Wohnblocks Wasser in Eimern in ihre Wohnungen schleppen: besonders cool ist das für die „hart arbeitenden Menschen“ (zu denen sich wahrscheinlich jeder zählt, aber die Delmenhorster nun zurecht: zehn-Liter-Eimer in den fünften Stock zu schleppen ist schon hart), die eine Stunde früher aufstehen müssen, um zehn Eimer für die Morgendusche, zwei für die Toilette und einen fürs Frühstück (Kaffee!) bereit gestellt zu haben. Auch Familien mit Kindern dürfen endlos schleppen, die ganz Alten müssen beten, dass noch einer im Block sozial denkt und ihnen was mitbringt. Der Grund für diese Strafmaßnahme, die ja auch Mieter trifft, die brav ihre Wasserrechnungen zahlen: die Eigentümergesellschaft hat den Wasserwerken die Wasserrechnung nicht bezahlt (siehe Spiegel). Anstatt dass man diese Gesellschaft umgehend enteignet und das Eigentum den brav zahlenden Mietern (oder der Gemeinde) überträgt, läßt man lieber die Mieter dursten. Wissen Sie eigentlich, was Wasser in der Produktion kostet? Richtig: gar nichts. Das fällt umsonst vom Himmel. Klar, die Leitungen, die Wasserwerke, die Kläranlagen: die kosten was. Und wer hat die bezahlt? Richtig: auch Sie. Schon lange. Trotzdem haben Sie – wie der Fall Delmenhorst jetzt zeigt – kein Grundrecht auf Wasser, das die Natur Ihnen schenkt.

Ähnlich ist es mit der Autobahnmaut. Sie haben die Autobahn gebaut, zahlen enorme Steuern (Benzinsteuern – bitte nicht vergessen: 64 Cent von jedem Euro gehen an den Staat … auch bei Geringverdienern, Arbeitslosen oder Rentnern) für Ihren Unterhalt und bekommen letztlich von Ihrem Minister eine Rechnung über 50 Milliarden, die nun für Reparaturen fehlen … obwohl die Groko die irrsinnige Summe von 265 Milliarden Euro unter anderem in Neubau von Autobahnen stecken möchte (siehe Spiegel), die nachher wieder Reparaturkosten verursachen. Würde ich so wirtschaften – ich wäre schon längst bankrott. Würde mein Finanzverwalter so wirtschaften – er wäre schon längst gefeuert. Wirtschaftet unsere Regierung so – erhöhen sich Abgeordnete die Diäten … inzwischen automatisch, weil das so angenehmer ist. Die Maut wird einer Betreibergesellschaft zugeführt, wodurch die Hoheit über die Autobahnen zentralisiert wird (oder soll ich: stalinisiert sagen?), die Länder bekommen dafür großzügige Geldgeschenke (siehe Berliner Zeitung) und wir saftige Rechnungen, denn: stetig steigende Maut ist eingeplant. Das ist vor allem schlimm für 40 Prozent der Bevölkerung, jenen Menschen, deren Nettoeinkommen real niedriger liegt als Mitte der neunziger Jahre (siehe Spiegel). Ist Ihnen klar, was das heißt – in einem Land, wo die Grundbedürfnisse … sogar das Wasser … nur gegen Geld zu haben ist? Nahrung, Wärme, Strom: alles nur gegen Bares. Essen wächst zwar nach wie vor umsonst, Sonne und Wind spenden Gratisenergie ohne Unterlass – aber einige wenige Räuber haben sich das Geschäft unter den Nagel gerissen.

Können Sie sich vorstellen, was mit diesen 40 Prozent geschieht (vor kurzem -also 2016 – waren es übrigens noch 33 Prozent: das „untere Drittel“, siehe Deutschlandradio), wenn der Trend so weitergeht? Ständig steigende Preise, Kosten, Steuern, Beiträge bei sinkendem Lohn – in einer Umwelt in der – ganz widernatürlich – nur noch Geld und nicht mehr Arbeit Zugang zu überlebenswichtigen Ressourcen sichert? Wie lange meinen Sie könnten Sie ohne Essen, Trinken und Wärme in den Straßen von Hannover überleben – nackt? Und zunehmend wird das ihre Realität, denn: sozialer Wohnungsbau ist eine aussterbende Angelegenheit. Vor allem die Begründung ist interessant: es gibt zu wenig Rendite und man kann die Mieten nicht schnell genug steigen lassen (siehe Spiegel). Wissen Sie, was das für eine Argumentation ist? Die von Feudalherren – oder von Sklaventreibern. Ja – Kapitalismus ist immer und überall die Reinkarnation der alten Sklavenhalterstaaten: viele arbeiten für fast nichts, damit wenige in Eselsmilch baden können: an diesem Prinzip hat sich nicht viel geändert, außer dass wir inzwischen ein paar Hofnarren des großen Geldes selbst mitbestimmen dürfen … also die Wahl zwischen Merkel und Schulz haben.

Irre, oder? „In vielen Unternehmen sind Mitarbeiter nur moderne Sklaven“ konnte ich kürzlich erst lesen (Magazin Bilanz auf Xing): und ich denke, Sie können das aus eigener Erfahrung bestätigen – oder? Ach, wollen wir mal nicht persönlich werden. Es ginge auch anders. Nehmen wir ruhig mal ein Wasserwerk. Was ist Sinn und Zweck dieser „Firma“? Wasser zur Verfügung stellen. Kommt das Wasser sauber aus dem Hahn, ist die Firma erfolgreich, die Investition sinnvoll und die Rendite gerecht. Wozu da noch irgendwelche hohen Tiere dazwischenschalten, die man zusätzlich noch auf hohem Niveau durchfüttern muss? Das kann man auch auf alle anderen Firmen übertragen, die Schuhe, Benzin, Äpfel oder Teppiche liefern. Das wäre eine gesunde Wirtschaft, doch unsere funktioniert zu einem anderen Zweck: um immer mehr Sklavenhalter auf hohem, arbeitsfreien Niveau durchzufüttern, damit die mit noch mehr luxuriösem Unfug die Umwelt noch weiter vernichten können. Hören Sie dazu mal den Soziologen Oliver Nachtwey (siehe Frankfurter Rundschau).

„Was gilt als Leistung in unserer Gesellschaft? Der Aufwand ist es offensichtlich nicht: Viele Menschen arbeiten hart, bekommen dafür aber wenig Anerkennung und insbesondere wenig Gehalt. Denken sie nur an Krankenschwestern oder Kindergärtnerinnen. Andere gelten als Leistungsträger, zum Beispiel Manager, vor allem weil sie viel verdienen. Und selbst bei objektiv schlechten Leistungen erhalten sie einen hohen Bonus, schließlich sind sie ja per Definition Leistungsträger. Der Begriff der Leistung hat heutzutage wenig mit Aufwand und viel mit Status und Macht zu tun. Zuweilen dient er dazu, andere gesellschaftliche Gruppen abzuwerten.“

Nehmen Sie ein aktuelles Beispiel – eins von vielen, in denen die dekadenten Sklavenhalter erfolgreiche Firmen ruinieren, um selbst dick abkassieren zu können: unser gutes, altes Langneseeis fällt dem gerade zum Opfer (siehe Spiegel):

„Die feindliche Übernahme hat Unilever abgewehrt, jetzt baut sich der Hersteller von Langnese-Eis komplett um. Sparten werden zusammengelegt, Jobs gestrichen, die Werbung gekürzt – profitieren sollen die Aktionäre.“

Aktionäre sind Leute die Geld in Firmen investieren. In der Werbung ist das der hart arbeitende Rentner, in der Realität sind das Banken und Versicherungen, die das künstlich neu gedruckte Geld in Billionnhöhe von dem Herrn Draghi zur Verwaltung fast geschenkt bekommen (da wurde nirgends hart gearbeitet, aber überall dick kassiert) und nun damit auf den Markt drängen, um damit noch mehr leistungslose Gewinne zu machen – auf Kosten der Warenqualität, der Arbeitsqualität und der Lebensqualität aller Bürger dieses Planeten. Solche Schmarotzer hätte man früher auf dem Dorf einfach enteignet … weshalb die auch diese dicken Burgen bauten, um sich vor den zornigen Bauern zu schützen und ihr Madenleben weiter genießen zu können.

Nur noch mal eine Zahl: der Schuldenstand der Welt stieg noch auf 215 Billionen Dollar – in Zahlen wären das 215 000 000 000 000. (siehe Handelsblatt auf Xing). Bei sieben Millarden Menschen wären das        31 000 Dollar pro Kopf – ein großer Teil davon entstand in den Industriestaaten durch die Rettung jener Banken, die nun unser Wirtschaftssystem wieder zu großen Raubangriffen einiger weniger auf das Vermögen der Mehrheit missbrauchen. Jene Banken, die schon mal fünf Milliarden irrtümlich falsch überweisen (hier mal die Staatsbank KfW, siehe Spiegel).

Da gäbe es für einen Schulz doch viel zu tun: den beständigen, rücksichtslosen Raubzug des Geldes durch die Wirtschaft hält eine Volkswirtschaft nicht ewig aus, wenn innerhalb eines Jahres aus dem unteren Drittel untere 40 Prozent werden, weiß man, wohin der Zug fährt: in den Abgrund.

Genozid ist Ihnen trotzdem noch ein zu hartes Wort?

Hinsetzen! Lesen Sie mal den Artikel aus der FAZ über die kollabierende Arbeiterklasse in den USA (siehe FAZ) und die neue Todesursache, die dort auftaucht:

„Die Weißen sterben demzufolge überproportional häufig an Ursachen, die Experten unter der Rubrik „Tod aus Hoffnungslosigkeit“ zusammenfassen. Zu dieser Kategorie gehören Selbstmord, Drogentod nach Überdosis oder an Krankheiten, die Alkoholmissbrauch folgen. Case und Deaton zufolge sinkt die Lebenserwartung der Gruppe seit dem Jahr 1999. Das ist eine dramatische Entwicklung angesichts der Tatsache, dass in nahezu allen Industrieländern über fast alle Bevölkerungsgruppen hinweg die Lebenserwartung stetig steigt.“

Und das ist unser wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorreiter. Verstehe auch, dass so viele Trump gewählt haben: alles ist besser als der Tod. Ist Ihnen das erstmal Tod genug?

Nun – in zehn Jahren werden wir uns wiedersprechen. Dann werden aus den unteren dreißig die unteren sechzig geworden sein – wenn „die Wirtschaft“ 18 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland durch Automaten ersetzt hat. Und wenn die Menschen ohne Arbeit dann keine Rendite mehr bringen – stellen wir denen das Wasser ab, verbieten ihnen den Zugang zu Straßen, schneiden sie komplett von der Geldversorgung ab… den Rest erledigt dann die Natur.

Ich bleibe mal dabei: ich nenne das einen schleichenden Genozid – auch wenn manch einem bei diesem Begriff die Stricknadel aus der Hand fällt.

Deutschland-Analyse des Auswärtigen Amtes: „Deutschland ist in fast jeder Hinsicht ein autoritäres Land“.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Sonntag, 21.9.2014. Eifel. Manchmal geschehen Dinge von großer Tragweite, die schnell bearbeitet werden müssen – wie heute. Da gibt es doch in der Tat eine Analyse des Auswärtigen Amtes über die Zustände in Deutschland. Ist ja auch sinnvoll, dass sich das Auswärtige Amt mal darüber Gedanken macht: immerhin müssen die wissen, was genau die im Ausland verkaufen wollen, sollen und müssen – nicht vergessen ist die große Schmach jener Zeiten, wo man versucht hat, Inder in die deutsche Wirtschaft zu locken – und keiner kam. Ebenso kommen die Polen und Rumänen nicht in dem Ausmaß über die Grenze, wie man es einst befürchtet hatte: der deutsche Ruf eilt halt den Werbeschreiben der Industrie voraus.

Was stellte das Auswärtige Amt fest?

„Deutschland ist in fast jeder Hinsicht ein autoritäres Land“ (siehe Spiegel).

Die Begründung ist erstaunlich, innerhalb weniger Jahre hat sich einiges geändert in diesem Land – so jedenfalls der Bericht.

Das Land habe sich „unter Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem fast in jeder Hinsicht autoritären Staat entwickelt“, schreiben die Beamten in einer internen Analyse.

Wer sich daran erinnert, wie Angela Merkel im Oktober 2008 in Sachen Finanzkrise die deutsche Presse auf Kurs gebracht hat (und die Presse brav folgte), der wird sich über diese Aussage nicht wundern. Doch die Analysten gingen ja noch weiter, beschrieben die grauenvollen Zustände in Deutschland bis ins Detail:

Große Teile der Mittelschicht und der Eliten trügen die Zustände mit, weil sie „wirtschaftlich vom existierenden System profitieren bzw. abhängig sind“. Korruption sei „Teil des Systems und wird nur selektiv bekämpft“, heißt es in dem Papier.

Grausige Zeilen, die hier zu lesen sind.

„Der Bundestag tanzt nach Merkels Pfeife, und die Justiz produziert für Berlin genehme Urteile“

Unglaublich, was es da zu lesen gibt. Warum wissen wir nichts davon?

Nun- es sind unsere Lebensumstände, die uns davon abhalten, hier klar zu sehen. Sybille Berg hatte das schon vor Wochen im Spiegel beschrieben:

Wir können nichts ändern. Wir sind zu müde. Zu gestresst, um nachzudenken. Es wäre verwegener Unfug zu behaupten, der real existierende Verblödungskapitalismus hielte die Menschen von Bildung und Kultur fern, aber durch die Eigendynamik der Lebensumstände ist es für den Einzelnen sehr aufwendig, sich Zeit zu nehmen, um sein Gehirn mit etwas anderem als TV-Serien und Games zu fordern.

Wir sind beschäftigt – rund um die Uhr, Tag für Tag. Wehmütig erinnert sich Frau Berg an frühere Zeiten – an Zeiten, als es noch andere Werte im Land gab … Zeiten, als das Land noch nicht autoritär war:

Damals, als wir noch dachten, Denker seien wichtig, Intellektuelle, PhilosophInnen. Sie wissen schon. Als wir noch glaubten, klug zu sein wäre wichtiger als Plastikmöpse, Sixpacks und abgeleistete Mountainbike-Kilometer. Als viele Menschen lieber etwas Sinnvolles tun wollten als etwas, das viel Geld einbringt.

Für heutige Generationen unglaubliche Zustände. Heutige Generationen erleben einen autoritären Staat, doch leider ist die Presse komplett in den Händen der Elite und bedient die Interessen jener Teile der Mittelschicht, die real vom existierenden System profitieren oder von ihm abhängig sind. Die Veränderungen der Staatstruktur werden  nicht mehr offen diskutiert, sie werden leidend hingenommen. Man bemüht sich um seinen Plastikbusen und seine Sixpacks (die einen in Form der Bauchmuskulatur, die anderen in Form von Getränken auf der Couch), ist aber weit jenseits der Fähigkeiten der älteren Generationen, Problemkomplexe zusammenhängend begreifen zu können. Selbst wenn die Medien den erfolgreichen Umbau der Gesellschaft kritisch begleiten würden: es gäbe kaum noch jemanden, der Zeit und Fähigkeiten genug aufbringen kann, die Informationen zu verarbeiten.

Dabei gibt es schon  hinreichend Informationen, wenn man nur genau hinschaut. Hören Sie zum Beispiel Norbeit Blüm, einen der profiliertesten Politiker Deutschlands, wenn er sich über die real existierende Justiz in Deutschland ausspricht (siehe Tagesspiegel):

Dabei habe ich festgestellt, dass meine Vorstellung von Recht und Gerichten ein Kinderglaube war. Ich war ja selbst als Politiker noch vor dem Bundesverfassungsgericht und habe es betreten, als gelange man in eine höhere Welt. Aber die Gerichte sind keine Tempel von Recht und Gerechtigkeit.

Erst unlängst haben die Gerichte den Einsatz der Bundeswehr im Inneren erlaubt. Gab ein wenig Gemaule, auch von älteren, noch romantischen Systemjournalisten – aber dann war wieder Ruhe. Kein Wunder: wer in Deutschland noch was zu sagen hat, profitiert von dem System. Achtet man darauf, wie das Urteil umgesetzt wird, muss man schon auf rare „linke“ Blätter ausweichen (siehe Taz):

Die Sicherheitsbehörden können in prekären Situationen künftig auf militärische Unterstützung zurückgreifen, wenn polizeiliche Mittel nicht ausreichend erscheinen. Aktuell stellt die Bundeswehr neue Einheiten im Rahmen des sogenannten Heimatschutzes auf. Die Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSUKr) bestehen ausschließlich aus Reservisten der Bundeswehr.

„Soldaten für das aufsässige Volk“ – so betitelte Kai von Appen diesen Artikel, der ansonsten kaum Resonanz in der öffentlichen Debatte fand – dabei werden hier die Grundfesten der Demokratie erschüttert. Doch wen interessiert das schon noch: Plastikbusen und Sixpacks samt TV gibt es auch in Diktaturen … gerade dort wird die Lebensweise des häuslichen „Cocooning“ exzessiv gefördert: bloß kein realer Kontakt der Bürger untereinander ohne Kontrolle der zuständigen Behörden und staatstragenden Partien – so die interne Devise.

Der Bundestag tanzt nach Merkels Pfeife? Ich denke, man braucht hier nichts zu zitieren. Ich erinnere an das Debakel um den gigantischen europäischen Rettungsschirm – kaum ein Parlamentarier konnte bei konkreten Nachfragen korrekte Antworten geben. Wie sah es aus mit den Waffenlieferungen ins Ausland? Ging auch fast ohne Parlament. Geheimabkommen mit dem kapitalistischen Ausland (CISA, TTIP, CETA) – alles möglich ohne großartige Debatten ohne „Fraktionszwang“ – ein Zwang, der selbst schon Anlaß genug gibt, über die Freiheit der Abgeordneten kritisch nachzudenken.

Beim Thema Bundestag kommen wir natürlich auch gleich zu dem Thema Korruption. Wieder einmal müssen wir erstmal außerhalb der systemtragenden Medien nach relevanten Informationen suchen (siehe Taz)

Aber ungerechtfertigte Einflussnahme gibt es auch hierzulande. Die beginnt unter den schätzungsweise 5.000 Lobbyisten allein in Berlin, von denen manche die Politiker abseits offener, demokratischer Verfahren für ihre Interessen einspannen wollen. Und sie endet in nicht wenigen Fällen dort, wo öffentliche Aufträge und Informationen ver- und gekauft werden.

Da reden acht Lobbyisten auf einen Abgeordneten ein – zusätzlich zu den Parteikollegen, die den Einzelnen als Stimmvieh auf Kurs halten sollen, damit die Autokratie nicht gefährdet wird: für unabhängige, kritisch und frei denkende Politiker ist hier kein Raum mehr – mal ganz abgesehen davon, dass sie schon allein durch fürstliche Diäten in den Kreis der Systemelite aufgenommen worden sind – und wer hat noch nicht gemerkt, dass Geld das Bewusstsein prägt?

Kosten der Korruption in Deutschland? Absolut gewaltig: 250 Milliarden Euro Schaden richten diese Praktiken außerhalb des Bundestages an (siehe Welt), damit erreicht man fast die Dimensionen es Bundeshaushaltes, in dem auch die Kosten für Rente, Gesundheit und Arbeitslosigkeit enthalten sind.

Wer die Folgen des autoritären Staates zu tragen hat? Jene, die zugunsten der „Elite“ ihr Leben auf einem absolut kostenminimierten Existenzenniveau bewältigen müssen: die Arbeitslosen, zumeist kranke, alte und behinderte Menschen, die in Folge eines gnadenlosen Selektionsprozess der deutschen Wirtschaft (also: der Profiteure des Systems) aussortiert wurden. Eine Rückkehr zur Politik der Armenhäuser wird an ihnen vollzogen (siehe Heise), sie erhalten Reiseverbot und Hausarrest,  werden zu Zangsarbeit herangezogen oder durch staatliche Anordnung („Sanktionen“) dem Hunger- und Kältetod preisgegeben (wobei ohne Rücksicht auf Verluste auch Vermieter trotz laufender vertraglicher Verpflichtungen mit sanktioniert werden – siehe Weserkurier, eine Praxis, die die so ausselektierten Bürger zu Aussätzigen macht, denen man besser keinen Wohnraum zur Verfügung stellt) oder willkürlichen, entwürdigenden Drogentests unterzogen (siehe Huffingtonpost): rein autokratische staatliche Willkür schafft so einen künstlichen sozialen Abfallraum (das sogenannte „Prekariat“), der ein enormes Drohpotential für die jungen, gesunden Schichten der Bevölkerung enthält.

Die so drangsalierten Menschen verlieren durch die staatliche Versorgungspraxis fünf Jahre ihres Lebens (siehe Heilpraxis.net), weshalb es gerechtfertigt scheint, von einem schleichenden Genozid an Armen zu reden, der jederzeit in offenem Genozid übergehen kann.

Nebenbei bemerkt: das deutsche Modell wird langsam zum Beispiel für den ganzen europäischen Wirtschaftsraum, wieder einmal soll am deutschen Wesen, die Welt genesen – sogar in Frankreich (siehe Heise):

In der Vergangenheit hätten Krisenzeiten das Mitgefühl der Franzosen mit den Ärmeren verstärkt, seit 2008 beobachte man aber das Gegenteil: Die Solidarität lasse bedenklich nach, der Blick auf die Ärmeren verhärte sich, meldet das französische Forschungszentrum für die Beobachtung der Lebensverhältnisse.

„Große Teile der Mittelschicht und der Elite tragen diese Entwicklung mit“, was sich auch im Bildungs- und Gesundheitsbereich zeigt (siehe Frankfurter Rundschau)

Deutschland kommt trotz einiger Fortschritte beim europäischen Vergleich zur „Bildungsgerechtigkeit“ nicht über einen 14. Rang hinaus. Der Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund und Bildungserfolg – schon in den Pisa-Vergleichsstudien immer wieder kritisiert – sei noch immer viel zu groß.

Im Bereich Gesundheit (Rang 10) kann Deutschland zwar eine hochwertige medizinische Versorgung vorweisen, stellt die Studie fest. Dennoch sei die Zahl der hier zu erwartenden „gesunden Lebensjahre“ im EU-Vergleich unterdurchschnittlich (Rang 23).

Mittelschicht und Elite schotten sich bildungsmäßig ab: das Elternhaus bestimmt wieder Karriere und Bildungsmöglichkeiten (siehe Zeit), Deutschland entwickelt sich  zurück zu einem feudalen Klassenstaat – und zwei Drittel der Bevölkerung folgen der Kanzlerin auf diesem Weg – einem Weg, in dem der Bundespräsident Gauck als „König“ bezeichnet werden kann, der das Volk erzieht (siehe Zeit): aktuell erzieht er es zum Hass auf Russland (siehe Süddeutsche) und beteiligt sich gezielt an der Eskalation des Konfliktes in der Ukraine (siehe Süddeutsche): das autokratische Regime Merkel hat einen passenden Präsidenten, der die Zukunft der Deutschen auf den Schlachtfeldern der Moderne sieht.

Lediglich ein paar Linke im Bundestag fällt noch auf, welch´ sonderbarer Kurs von Deutschland und der ganzen Nato gefahren wird – wie beim aktuellen Manöver in der Ukraine (siehe Fraktion Die Linke):

Das NATO-Manöver hat sich den Namen ‚Schneller Dreizack‘ gegeben. Der Dreizack war und ist ein Symbol des militanten Flügels der Stepan-Bandera-Organisation. Diese Organisation war Teil der Nazi-Armee in der Ukraine und ist besonders durch die aggressive Vernichtungspolitik gegen Jüdinnen und Juden in der Westukraine bekannt geworden.

Wir sehen: das Auswärtige Amt liegt mit seiner Analyse völlig richtig … die deutsche Autokratie wird zum Problem für Europa und die Welt.

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Und nun: eine Entschuldigung. Wer dem oben genannten Link nachgegangen ist, wird gemerkt haben, dass es sich bei der Analyse des Auswärtigen Amtes NICHT um Deutschland gehandelten hat. Die kursiv gesetzten Zitate wurden von MIR verändert, im Original bezogen sie sich auf Russland: ein Propagandastück der aktuell sehr modernen Russenhatz in den deutschen Medien. Ich hoffe sehr, dass der kleine Kunstgriff dazu motiviert, ein wenig über Zustände in Deutschland nachzudenken – und darüber, dass man Zurückhaltung beim Steinwurf üben sollte, wenn man sich in einem Glashaus befindet.

In Wahrheit beschreibt der Spiegelartikel nicht nur Russland, sondern die bedenkliche Entwicklung der demokratischen Zivilgesellschaft auf der gesamen nördlichen Halbkugel des Planeten: zwei Drittel der Bevölkerung opfern des restliche Drittel zum Wohle der eigenen Bequemlichkeit, bauen die demokratischen Systeme zu Autokratien um, vor denen sich die Bürger in ihren Wohnungen verstecken – deshalb fehlen uns auch die großen Massendemonstrationen. Was ich hier schrieb, ist schon längst Bestandteil des Lebensgefühls der Bundesbürger.

WM-Boykott oder Arschloch sein: heute darf man sich entscheiden!

WM-Boykott oder Arschloch sein: heute darf man sich entscheiden!

Donnerstag, 12.6.2014. Eifel. Deutschland ist im Fieber, heißt es. Im WM-Fieber. Seit meiner Jugend bin ich da im Nachteil: ich verstehe das nicht. Gut: Fußball spielen ist in Ordnung – also: SELBST spielen. Das kann ganz lustig sein. Aber anderen beim spielen zuschauen? Haben sie schon mal besondere Lust daraus gezogen, anderen beim Lesen zuzuschauen? Stundenlang? „Eifelphilosoph liest Goethe, Folge 4“? Da ist selber lesen wohl besser. Nun – das Zuschauen allerdings: das hat man uns jetzt antrainiert. Egal ob beim Sex, beim Urlaub, beim Kochen, beim Renovieren: wir schauen zu. Leben aus der Dose. Vier Stunden am Tag: da fällt der Fußball nicht weiter auf, könnte man meinen.

Beim Fußball jedoch – wurde schon lange vorher zugeschaut. Die Frage ist: warum. Bei anderen Erscheinungsformen der Massenbildung (Hitlers Massenaufmärsche oder Metallicas Konzerte) fand ich mal die Erklärung, dass es sich um fragmentierte Persönlichkeiten handelt: wer da hingeht, hat eine Macke, ein Manko, einen Makel. Kann das sein? Baden in der Masse, weil man ohne sie ein GAR NICHTS ist? Nationalmannschaft als Krücke für das Gerne-Groß-Ego?

Überlassen wir die Frage den Psychologen.

Was wird da übrigens gemacht? Ich meine – so prinzipiell?

Aus gerade nicht griffbereiter Quelle (bei Interesse bitte nachfragen!) habe ich die Theorie, dass es sich um ein symbolisiertes Jagdspiel handelt: die besten Jäger des Stammes jagen das Wild, das bei „TOOOOOOR“ als erlegt gilt. Ähnliches beobachtete eine mir bekannte junge Frau beim Ritual des Fußballschauens im Kreise junger Männer: dort sah sie allerdings die Frau als Beute und das TOOOOOOR als … na ja. Neun Monate später gäbe das einen neuen Mittelstürmer.

Ich hingegen sehe eindeutig die politische Komponente. „Deutschland“ gegen „Holland“ hat eine Tradition, die auf die Zeit von 1933-1945 zurückgeht. Hier kann man ungestraft Ressentiments austragen, ohne seine eigene Haut zu Markte tragen zu müssen. „Ein Volk, ein Reich, ein Fußball“. 80 MILLIONEN WERDEN EIN TEAM: so las ich kürzlich in der Werbebeilage der Wochenzeitung. Alles ist vergessen: die Vermögensvernichtung durch Zugriff auf die Lebensversicherungen, die Enteignung durch massive Steigerung der Grundsteuer, die exobitanten Steigerungen der Privatvermögen, die zunehmende Verarmung breiter Bevölkerungsschichten – alles vergessen.

Wie in Kriegszeiten.

Eigentlich … simulieren wir Krieg. Schicken unsere jungen Männer aufs Feld, um den Gegner zu schlagen. Es ist nicht nur Krieg (mit anderen Regeln als üblich), es ist sogar der schicksalhafte ENDSIEG – siehe Spiegel:

„Gerade bei ARD und ZDF merkt man den Moderatoren und vielen Kommentatoren inzwischen an, dass es ihr Auftrag ist, das Produkt Fußball, für das die Sender eine riesige Menge Geld auf den Tisch geklatscht haben, auf Gedeih und Verderb zum Großereignis hochzujazzen“, sagte Roth dem SPIEGEL. „Sie blähen alles zur Jahrhundertbegegnung, zum Titanenkampf auf. Das ist unerträglich.“

Der TITANENKAMPF. Von staatlichen Sendern befohlen – und keinem wird schlecht?

Nebenwirkungen von Fußball? Kann man im „Westen“ lesen:

Im „Lar Santa Monica“ in Fortaleza beginnen zig Leben neu. Aber Heimleiter José Alberto Moreno warnt vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien: „Die WM wird viele Mädchen in die Katastrophe treiben.“ Er kämpft gegen Kinderprostitution und sexuelle Gewalt an Kindern.

Da fällt der internationale Herrenmensch ein und vergreift sich zwischen den Spielen an ein paar Kindern. Beim Titanenkampf kann das schon mal passieren.

Weniger interessant ist, dass man in ein Land einfällt, dass die Barbarei des Kapitalismus bis zum Exzess vorangetrieben hat – siehe Klaus Hart:

Am Pfingstsonntag haben Unbekannte unter einer City-Hochstraße Rio de Janeiros zwei junge Obdachlose angezündet. Eine junge schwangere Frau ist dabei lebendig verbrannt, während ein junger Mann im Hospital den schweren Brandverletzungen erlag. Das Verbrennen von Bettlern und Obdachlosen zählt in Rio, aber auch anderen brasilianischen Großstädten  zu den alltäglichen Verbrechen.

Solche Berichte kenne ich schon seit den siebziger Jahren: junge Businessfrau überschüttet in der Mittagspause schlafenden Indianerhäuptling mit Benzin und zündet ihn an: Barbecue auf brasilianisch. Stört aber nicht: Fussball verbindet.

Nur: wen?

Wollen wir mal die Bundesregierung zu dem Thema hören? Nochmal Klaus Hart:

In meinungsbildenden deutschen Analysen, in der deutschen Parteipropaganda wird die brasilianische Regierung ausdrücklich als “progressiv” eingestuft.

“Brasilien ist eine Industriemacht, die achtgrößte Wirtschaftsnation der Welt, modern und fortschrittlich.”

Bundesaußenminister Guido Westerwelle:  

 “Brasilien ist das Kraftzentrum Südamerikas geworden und zu einer Gestaltungsmacht mit globalem Anspruch herangewachsen”.

Eine progressive Gestaltungsmacht mit Todesschwadronen: von Brasilien lernen heißt: siegen lernen.

In der Zeitjung findet man die Geschichte eines Menschen, der … genauer hingeschaut und sich entschieden hat:

Ein halbes Jahr lang dokumentierte er die Zeit vor der WM, mischte sich unters Volk und sprach mit den Straßenkindern der gewalttätigsten Metropole Brasiliens. Dabei musste er feststellen, dass sie nach und nach verschwinden.

Sie seien, so Jensen, dem neuen Säuberungsprogramm der Stadt zum Opfer gefallen. Denn Brasilien solle schließlich auch während der WM das Bild verkörpern, das Touristen in den Medien vermittelt wird: ein lebensfrohes Land, in dem es von fruchtigen Cocktails, wirbelnden Tänzern und willigen Mädchen nur so wimmelt. Das kurbelt die Wirtschaft an! Hungernde Straßenkinder, die in den für die Touristen vorgesehenen Vierteln schlafen, passen nicht ins Bild und werden daher, so der Journalist, von der Polizei beseitigt: Sie würden nachts im Schlaf erschossen und aus den Touristenvierteln entfernt. Wohin man sie bringe, weiß keiner, sagen die Straßenkinder. Zurück bleibe eine cleane Straße, die nur darauf wartet, den Touristen vorzugaukeln, hier sei alles in Ordnung. Damit sie die WM weiterhin genießen können, während der Regen durch die Krankenhausdecken tropft und das Blut von den Straßen wäscht.

In Deutschland waren es die Juden, in Brasilien sind es die Kinder der Armen, die … „verschwinden“.

Keinen störts, es regiert König Fußball. Der jedoch … unterstützt keine Projekte gegen Kinderprostitution … jedenfalls nicht als FIFA (siehe Deutsche Wirtschaftsnachrichten).

Die dicken weißen Männer wollen sich wohl zwischendurch etwas Besonderes gönnen – man will den „brasilianischen Nächten“ wohl nicht ihren Reiz nehmen. Vielleicht nehmen sie etwas wirklich Besonderes mit nach Hause? Lepra zum Beispiel. Schauen wir doch mal bei der Bundeszentrale für politische Bildung vorbei (die sich – nebenbei bemerkt – in ihren Berichten häufiger auf den oben zitierten Herrn Hart beruft), wo uns eine brasilianische Ärztin aufklärt:

Ein öffentliches Hospital an Sao Paulos Peripherie, umgeben von Elendshütten und Katen. Die junge Ärztin Maria Paim diagnostiziert dort serienweise Lepra. „Unser öffentliches Gesundheitswesen ist sehr schlecht, wir haben mehr Fälle von Lepra als von Aids in Brasilien. Die Autoritäten wollen sich diesem sozialen Problem nicht stellen, das ist ihnen unbequem und lästig. Man denkt – sollen diese Leprakranken doch ruhig in den Slums vor die Hunde gehen – denn dort sind sie ja eingesperrt.“ 2006 wurden 52.000 Neuinfizierte gezählt, Tendenz steigend. Auf Brasilien entfallen 97 bis 98 Prozent aller Leprafälle Nord- und Südamerikas, weltweit ist es das Land mit der höchsten Lepradichte – noch vor Indien.

Mehr Lepra als in Indien, eine Kultur der Menschenbrennerei und Kindervergewaltigung: wahrlich – dieses Land ist eine fortschrittliche Gestaltungsmacht mit Zukunft, da kann man dem Neoliberalismus ohne weiteres Recht geben.

Werfen wir doch einmal eine Blick auf die Polizei in jenem Land (siehe BpB)

Nach dem Übergang zur Demokratie blieben die militärischen Strukturen der Polizei erhalten. Spezialeinheiten der Militärpolizei haben sich seitdem durch brutales Vorgehen einen Namen gemacht. Die „ROTA Einheit“ in São Paulo beispielsweise wurde 1969 zur Verfolgung von Regimegegnern gegründet. Seit der Einführung der Demokratie wird sie bis heute als Spezialeinheit der Militärpolizei genutzt. Gerade die ROTA wurde von populistischen Politikern, die gerne für härteres Durchgreifen durch die Polizei plädieren, zum Stimmenfang genutzt: In den Jahren 1991 und 1992 ist die ROTA maßgeblich an der hohen Anzahl von getöteten Zivilisten durch die Militärpolizei beteiligt und patrouilliert bis heute die Straßen der größten Wirtschaftsmetropole Südamerikas. 

Cool, oder? Wäre so, als würde man in Deutschland noch die SA auf den Straßen dulden, „aber sonst haben wir Demokratie“. Das Parlament – die Zeitschrift des deutschen Bundestages – weiß Bescheid:

Tim Cahill, Brasilienexperte von Amnesty International in London, bezeichnete Ende 2009 in São Paulo die besorgniserregende Menschenrechtslage des Tropenlandes als Diktaturerbe, überall im Staatsapparat treffe man auf Diktaturaktivisten. Straflosigkeit für Regimeverbrecher fördere heutige Straffreiheit: „Es wird weiter gefoltert und außergerichtlich exekutiert, die Lage in den Gefängnissen ist nach wie vor grauenhaft – und es gibt sogar weiterhin Todesschwadronen und Sklavenarbeit. Da wird also Früheres fortgesetzt – Brasilien ist in Lateinamerika bei der Vergangenheitsbewältigung am weitesten zurück. Das große Problem des Landes ist heute, dass der offizielle Diskurs nichts mit der politischen Praxis zu tun hat.“

Theorie und Praxis liegen weit auseinander. Erinnert an zu Hause.

2,74 Milliarden Euro flossen in den Bau von Stadien … von denen fraglich ist, ob sie rechtzeitig fertig werden (siehe rp-online). Indianerland wurde enteignet, damit „König Fußball“ residieren kann, der laufende Genozid an den Indianern findet kaum Aufmerksamkeit (siehe survival-international), für die „Sicherheit“ in den Stadien mehr ausgeben als für den Schutz der Indianer:

Die 791 Millionen US-Dollar, die für die Sicherheit bei der Fußball-WM auf der Rechnung stehen werden, entsprechen mindestens dem Dreifachen des Jahresbudgets von FUNAI, der brasilianischen Indianerschutzbehörde (81 Millionen US-Dollar).

Auch die Polizei tritt hier in bekannter Manier auf:

Sechs Stunden mit dem Auto von Salvador entfernt, erleben die Tupinambá derzeit Übergriffe durch die Polizei. Die Polizisten fallen in ihre Dörfer ein, um sie zu vertreiben, damit sich dort Rinderfarmen ausbreiten können. Im August 2013 wurden vier Tupinambá ermordet und ihre Körper verstümmelt. 26 Häuser wurden niedergebrannt.

Ein laufender Holocaust – und die Welt feiert.

Diesmal jedoch … kann man ein Zeichen setzen. HEUTE NOCH!

Heute kann man sich entscheiden, ob man den Propagandisten von ARD und ZDF folgt und sich um nationalistischen Titanenkampf  verführen läßt … oder ob man lieber ein klares NEIN zu Genozid, Kinderprostitution und Massenmord an Kindern sagt, zu Neoliberalismus und Nationalismus, zu Korruption und Geldverschwendung. Endlich hat man es selbst in der Hand, kann heraustreten aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit und ein klares Signal abgeben: MIT MIR NICHT!

Oder aber man mutiert zum grenzdebilen Fähnchenschwenker, wird eins mit Todesschwadronen, Menschenbrennern und Massenmördern, geht Hand in Hand mit übelster Korruption der Gegenwart, siehe Zeit:

In welcher Branche ist jemand tätig, der 50 Prozent der Gewinne einstecken darf, aber nur 0,01 Prozent der Verluste tragen muss? Im Rotlichtmilieu, in der Mafia, in einer Bank? Solche Konditionen gewährt nur der Sport. Angeblich hat sich Ricardo Teixeira, Brasiliens Fußballpräsident und Chef des Organisationskomitees der WM 2014, diese vorteilhafte Klausel für die WM in seinen Vertrag geschrieben.

Sich dem Trubel zu verweigern, bringt enorme Vorteile: man hat Zeit, sich um seine eigenen Probleme zu kümmern: die echten, die man – welch´ Überraschung – mit noch so vielen Toren nicht bewältigen kann … auch nicht als „Weltmeister“ – ein Titel, der an sich schon sehr denkwürdig ist.

„Stell´ Dir vor, es ist Fussball und keiner geht hin“ … wie mächtig wäre dieser König und sein völlig degenerierter Hofstaat dann? Und wie viel Geld hätte man auf einmal übrig, aus diesem Barbarenstaat einen zivilisierten Ort zu machen, der Menschenrechte für jedermann erlaubt.

Fussball oder Menschenrechte – das ist hier die Frage.

Bin mal gespannt auf die Antwort.

 

Der Eurokollaps 2012: Seuchen, Genozid, Preistreiberei – und doch nur ein Vorbote der kollabierenden Weltwirtschaft

Dienstag, 24.4.2012. Eifel. Vorgestern war "Earth Day". Ich hätte Pionier des Monats werden können. Stattdessen ist es ein Catering-Dientsleister geworden. So geht das heute: verschmutzt einer gar nichts, bemerkt man ihn nicht. Wenn aber eine Super-Umweltsau sich mal eine Biobanane kauft, kommt´s in die Zeitung. Ich kann mir kaum vorstellen, das ein Catering-Service eine erträgliche Umweltbilanz hat - auch wenn er nur Gemüse ausliefert. Irgendwie ist das doch der Hintergrund der ganzen grünen Bewegung: anstatt Energieeffizient in Hochhäusern zu leben, zersiedeln die Ökos die ganze Umwelt mit ihren Einfamilientempeln - haben aber Sonnenkollektoren auf dem Dach, die der ganzen Gegend zeigen sollen: "Wir haben´s drauf".  Das Einfamilienhäuser an und für sich eine ökologische Katastrophe sind - darüber wird in Deutschland nicht nachgedacht. Man denkt ja auch nicht darüber nach, das Kreuzfahrtschiffe soviel Dreck machen wie 2,5 Milliarden Autos oder das allein das in aller Regel die unnütze Urlaubsfliegerei eine fünfmal höhere Umweltschädigung nach sich zieht als die gleiche Strecke mit der Bahn zu bewältigen. Insofern wäre es eigentlich den "Pionier des Monats" wert, wenn ich NICHT über den globalen wirtschaftlichen Kollaps schreiben würde, der die meisten Klimasäue in Leichen verwandeln wird. Immerhin: der Erde wird es nützen - für die Menschen jedoch wird es eine heftige Zeit werden - vielleicht sogar die letzte, die sie erleben werden.

Dienstag, 24.4.2012. Eifel. Vorgestern war „Earth Day„. Ich hätte Pionier des Monats werden können. Stattdessen ist es ein Catering-Dientsleister geworden. So geht das heute: verschmutzt einer gar nichts, bemerkt man ihn nicht. Wenn aber eine Super-Umweltsau sich mal eine Biobanane kauft, kommt´s in die Zeitung. Ich kann mir kaum vorstellen, das ein Catering-Service eine erträgliche Umweltbilanz hat – auch wenn er nur Gemüse ausliefert. Irgendwie ist das doch der Hintergrund der ganzen grünen Bewegung: anstatt Energieeffizient in Hochhäusern zu leben, zersiedeln die Ökos die ganze Umwelt mit ihren Einfamilientempeln – haben aber Sonnenkollektoren auf dem Dach, die der ganzen Gegend zeigen sollen: „Wir haben´s drauf“.  Das Einfamilienhäuser an und für sich eine ökologische Katastrophe sind – darüber wird in Deutschland nicht nachgedacht. Man denkt ja auch nicht darüber nach, das Kreuzfahrtschiffe soviel Dreck machen wie 2,5 Milliarden Autos oder das allein das in aller Regel die unnütze Urlaubsfliegerei eine fünfmal höhere Umweltschädigung nach sich zieht als die gleiche Strecke mit der Bahn zu bewältigen. Insofern wäre es eigentlich den „Pionier des Monats“ wert, wenn ich NICHT über den globalen wirtschaftlichen Kollaps schreiben würde, der die meisten Klimasäue in Leichen verwandeln wird. Immerhin: der Erde wird es nützen – für die Menschen jedoch wird es eine heftige Zeit werden – vielleicht sogar die letzte, die sie erleben werden.

Wie heftig die Zeit wird, merkt man jetzt schon an Griechenland. Eine Arbeitslosigkeit über zwanzig Prozent, eine Jugendarbeitslosigkeit bei fünfzig Prozent und ein kollabierendes Gesellschaftssystem, dessen medizinische Versorgung an manchen Orten nur noch von „Ärzten ohne Grenzen“ aufrecht gehalten werden kann, Ärzten, die sich eigentlich um leidende Menschen aus ärmsten Flüchtlingsländern kümmern wollten, jetzt aber darum kämpfen, das die Malaria nicht wieder auf dem europäischen Kontinent Fuss fasst, weil wir sonst auch bald wieder Pest in Hannover haben. Das motiviert wohl auch die einheimischen Ärzte, ihre Arbeitskraft umsonst zur Verfügung zu stellen, weil es sonst in wenigen Monaten Seuchen ungeahnten Ausmasses in Griechenland geben würde.

Früher wäre es undenkbar gewesen, das europäische Länder tatenlos zusehen, wie die Armut nach Europa zurückkehrt, heute arbeiten sie tatkräftig an der künstlichen Verarmung des griechischen Volkes mit.

Oder schauen wir nach Portugal – dort bringt der Rettungsschirm (bzw. seine Nebenwirkungen) ganz direkt Leute um.  Infolge der „Sparmassnahmen“ ist die Sterblichkeit in Portugal um 20% gestiegen. Das kann man schon einen Genozid nennen: die Massenvernichtung von Leben, für das wir kein Geld mehr ausgeben möchten. So etwas lässt sich auch in Zahlen ausdrücken, die jeder versteht. Der portugiesische Rentner bekommt eine Rente von 300 Euro – im Durchschnitt. Infolge der Sparmassnahmen im Gesundheitswesen zahlt er für einen Krankenhausbesuch 20 Euro, für weitere Untersuchungen (wie z.B. Röntgenaufnahmen) 50 Euro.

Das würde auch reichen Deutschen weh tun. Gut, der Artikel kommt aus den USA – man regt sich dort auch über die Horrorspritpreise in Europa auf. Fast acht Dollar pro Gallone kostet der Sprit hier, während die gerade im Schnitt bei 3,80 Dollar liegen – das wären umgerechnet ca 75 Cent pro Liter. Das wären Preise, die die deutsche Wirtschaft und die deutschen Familien sehr entlasten könnten – wenn man sie ihnen gönnen würde.

Tut man aber nicht.

Erst recht unheimlich wird es, wenn man nach Spanien schaut. Spaniens drei größte Banken sind fast doppelt so groß wie der Rest der Wirtschaft … und haben dicke Probleme. Spaniens Wirtschaft schrumpft … und seine Arbeitslosenzahlen sind die höchsten in Europa – sie liegen noch über denen von Griechenland.

Damit sind die Probleme Europas aber noch nicht zuende. Wir haben die Rückkehr längst besiegt geglaubter Seuchen zu verzeichnen, Alter wird zunehmend immer früher wieder ein tödliches Risiko und wir erleben eine Preistreiberei wie zu Zeiten großer Weltwirtschaftskrisen – eine Preistreiberei, die nur noch durch immer mehr „frisches Geld“ überdeckt wird – und dabei haben wir noch gar nicht über Italien geredet. Italien hat die gleichen Probleme wie Griechenland, Portugal und Spanien – ist nur größer als alle drei zusammen. Sinkende Wirtschaftsleistung, steigende Arbeitslosigkeit, schrumpfende Wirtschaft: der altbekannte Teufelskreis geht auch dort um.

Insofern kann es nicht verwundern, das es Stimmen gibt, die den Zusammenbruch der europäischen Union für Mai/Juni diesen Jahres erwarten – mit guten Argumenten. Man erfährt dort nebenbei, das Griechenland neben den bislang in deutschen Medien abgehandelten Schulden nochmal ungedeckte Verbindlichkeiten in Höhe von 800% des BIP hat. Noch bedrochlicher sind aber die „Hebel“, Hebel, die die Krise überhaupt erstmal ausgelöst haben. Hatte die Lehmanbank noch 30 Dollar pro Dollar echtem Kapital verliehen, liegt die Quote für die EZB, die allen Schrott aufkauft, den die Bankenwelt sich ausgedacht hat, schon bei 36:1. Die ganze Eurozone hat eine Quote von 26:1, die Bankenwelt der USA von – überaschenderweise – 13:1.

Die deutschen Banken?

Liegen mit 32:1 deutlich über dem katastrophalen Lehmanlevel.

Aber wir retten alle.

Das man unter diesen Umständen in den USA einen massiven Kollaps der Eurozone erwartet, verwundert kaum noch – allerdings sieht es in den USA selbst nicht viel besser aus.

53 % der Collegeabsolventen sind unterbeschäftigt oder arbeitslos, die Anzahl der Städte und Gemeinden, die unter ihrer Schuldenlast zusammenbrechen, wächst weiter so wie auch die Zahl der Zwangsversteigerungen. Geht es um die Staatsschulden, wird es noch schlimmer. Insgesamt 160 Billionen Euro Schulden haben Unternehmen, Privatpersonen und Regierungen weltweit aufgehäuft, Regierungen allein liegen bei 40 Billionen – wovon die US-Regierung mit 14 Billionen mehr als ein Drittel zu verantworten hat.

Gegen diese Schuldenlawine sind auch die 18 Billionen Dollar, die die globale Elite in Steuerparadiesen angehäuft hat, nur ein Tropfen auf dem heissen Stein – aber man versteht auf einmal, warum sie diese ausgeprägten Fluchttendenzen hat. Wie es aussieht, werden wir dem totalen Zusammenbruch, der laut einer Studie des renommierten MIT im Jahre 2030 droht, überhaupt nicht mehr entkommen können.

Das wird Milliarden von Menschen das Leben kosten.

Auch das ist nicht weiter verwunderlich, denn auf jeden Politiker, der etwas an den Verhältnissen ändern möchte, kommen tausend Lobbyisten, Anlageberater, Auto-, Reise- und Versicherungsverkäufer, Investmentbanker, Anwälte und Unternehmensberater, die die Schuldenblase noch weiter anfeuern und dafür von den Medien umfangreich als „Leistungsträger“ gewürdigt werden, anstatt das man sie als Totengräber der menschlichen Zivilisation anklagt.

Für die Erde jedoch wird dies ein Segen sein.

Man wird merken, das es ihr ohne Catering-Service noch besser geht als mit grün angehauchtem Catering-Service.

Das Leben an sich wird neue Wege finden, sich auszudrücken – und intelligente Käfer der Zukunft mögen die Reste unserer Städte für sonderbare Felsformationen halten (für die sie tolle vernünftige Erklärungen haben werden) und das plötzliche Aussterben der haarlosen Riesenaffen einer Klimaveränderung zuschreiben, die der Einschlag eines Riesenmeteors verursacht hat.

Das ist für uns auch weniger peinlich als wenn man sich die Geschichte erzählen würde, wie wir wirklich untergegegangen sind: aus Faulheit, Dummheit und Niedertracht – und weil wir mit dem Konstrukt „Konzern“ unsere eigenen Weltuntergangsmaschinen gebaut haben.

Ein wenig ähneln unsere Konzerne ja auch in der Tat den ausgestorbenen Dinosauriern: sie werden immer größer, fressen immer mehr, bis sie letztlich alles aufgefressen haben, was sie zum Leben brauchten. Dinosaurier hatten nur keinen Staat, der sie dann auffangen musste, noch Banken, die ihnen Heu und Fleisch zwischenfinanziert haben.

Man sieht: hätte ich das nicht geschrieben, dann hätte ich Chancen gehabt, Pionier des Monats zu werden.

Ich kann aber nicht ruhig zusehen, wie Menschen umgebracht werden. Heute sterben in Portugal wieder ein paar, die ohne Sparpakete noch leben würden – und gerade heute wird bekannt, das die Deutsche Wirtschaft auch in Deutschland höhere Mortalitätsquoten fordert – also: mehr Sparmaßnahmen.

Wir sind schon mitten drin im Kollaps – wir nennen es nur anders.

Darum ist es auch letztendlich egal, ob man was drüber schreibt oder nicht, denn wie es aussieht, wird die Marktwirtschaft es in der Tat schaffen, die Menschheit von der Erde zu tilgen – auch ohne Weltkrieg mit der SOZ.

 

 

 

 

 

 

Der Hauch des Todes im Nacken der Hartz IV-Empfänger

Die mangelhafte Gesundheitsversorgung der Empfänger von Arbeitslosengeld II führe auch dazu, dass in Deutschland von Armut betroffene Menschen kürzer lebten, ergänzte Trabert. Nach Studien sei bei Männern die Lebenserwartung um zwölf Jahre geringer als bei wohlhabenden Menschen, bei Frauen handele es sich um acht Jahre.

weiterlesen.

Das ist im Grunde genommen nichts Neues, schon in den dreißiger Jahren wurde Arbeitslosigkeit und ihre Folgeerscheinung genauestes untersucht, man stelle fest das die Lebenserwartung drastisch sinkt, und man diese Lebenserwartung noch mehr reduzieren kann mit Repressalien und öffentlichen Druck. Fachärzte wie Psychologen und Psychotherapeuten wissen um diese Dinge sehr genau, und bei vielen  die auf der Hartz IV – Galeere angekettet sind, schlägt sich dieses System der Repressalien in psychosomatische Krankheit nieder, und es wird weiterhin perfektioniert, damit der Druck die Menschen effizienter zerstört.

Es ist nicht die Arbeitslosigkeit was Menschen krank macht, dies wird immer wieder von seiten der Befürworter für Vollbeschäftigung gebracht, es ist vielmehr das herab spucken auf die Arbeitslosen, man sieht sie als eine Gefahr für die Gesellschaft an, denn es sind Parasiten, Schmarotzer, denen man den Hahn zu drehen muss, denn nur ein ungeborenes Kind aus diesem Milieu,  ist ein gutes Kind, denn es schlägt einem schon keinen Baseballschläger über den Kopf, so zumindest Gunnar Heinsohn, und noch einige andere Vertreter die dieses Menschenverachtende-Bild  vertreten.

Den Vasallen der Bertelsmannstiftung  ist dieses Faktum genauestens bekannt und haben dafür Hartz IV über die Agenda 2010 gesellschaftsfähig etabliert, mit dem Wissen um das frühe absterben dieser Gruppe. Gigantische Milliardenbeträge werden so eingespart und das nicht nur am Eckregelsatz sondern vielmehr an der Rente.

Die Lumpenelite weiß zu gut dass durch Automatisierung und Rationalisierung immer mehr Arbeitskräfte freigesetzt werden, und bevor man diese Masse an Menschen durchfüttert, lässt man sie einfach verrecken, denn die Milliardenbeträge müssen in Taschen der Leistungsträger fließen, denn nur sie sind ein Garant für Wirtschaftswachstum.

Ich muss sagen die Nationalisten haben aus ihren Fehlern gelernt, sie haben sich globalisiert, und perfektioniert, der schleichende Genozid, oder Mord auf Raten haben sie zum Perfektionismus gebracht,und was ihnen am besten gelungen ist, sie haben diesen Mord gesellschaftsfähig gemacht, ihre Anhänger werden immer größer. Sogar der Zentralrat der Juden schweigt dazu!

Und wenn wieder einmal die Pappkameraden genannt NPD aufmarschieren, stellt sich eine ganze Nation dagegen, und demonstriert und im selben Atemzug ,unterstützen sie die Hartz IV- Galeere, was ein Widerspruch.

Gewalt und Gegengewalt in der sozialen Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts: der kommende Genozid

Es gab Zeiten, da hatten wir mal der Gewalt den Kampf angesagt. „Wir“? – ja, wir. Wir Jugendlichen Ende der siebziger Jahre, die Willy Brandts Aufruf gefolgt sind und mehr Demokratie wagen wollten. Uns habt ihr die „Grünen“ zu verdanken.

Die Lösung der Gewaltfrage schien zu Anfangs einfach. Erstmal selbst auf Gewalt verzichten. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Und dann der Gewalt die Nährstoffe entziehen – in einem Klima von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sollte sie keinen Grund mehr haben, sich zu entfalten. Die „Alten“ von damals erzählten zwar von „Adolfs sicheren Straßen“ und man erfuhr irgendwann, das die Mafia unter Mussolini verschwand, aber man konnte sich beruhigt zurücklehnen und sagen: „damals hatten die Verbrecher halt alle Uniformen“ – und hat es damit auch irgendwie getroffen.

In meiner Kindheit in einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet in den sechziger Jahren war die Haustür immer offen, damit die Kinder ein- und ausgehen und die Nachbarn jederzeit hereinkommen konnten. Wo gibt es das heute noch? Nun – hier, vor Ort vielleicht. Aber das ist eine kleine Enklave des Friedens, eines Friedens, der auch wohl irgendwann vergehen wird.

Die Mehrheit der Deutschen ist jetzt für die Pläne von Stuttgart 21. Jedenfalls die Mehrheit jener, die bei Meinungsumfragen befragt werden. Ein toller Erfolg der Protestbewegung, die mit der gleichen Naivität auf die Straße gegangen ist wie wir früher. Aber der Bahnhof wird jetzt grüner – während der Rest des Landes laut der Zeit dem bislang üblichen Muster folgt:

Nach Überwindung der Wirtschaftskrise folgt die Einkommensverteilung hierzulande wieder ihrem langjährigen Muster: Die Schere zwischen den Einkommen aus Löhnen einerseits sowie aus Gewinnen und Kapitalerträgen andererseits geht in Deutschland laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung weiter auseinander. Bruttolöhne aus Erwerbsarbeit machten demnach 2010 im ersten Halbjahr 65,5 Prozent aus und damit 2,9 Prozentpunkte weniger als 2009. Bruttogewinne hingegen hatten im ersten Halbjahr einen Anteil von 34,5 Prozent am Volkseinkommen – 2,9 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Wer arbeiten geht, ist der Dumme. Das merken die Dummen auch, regen sich aber eher über die Arbeitslosen mit wenig Geld auf anstatt über die Arbeitslosen mit Yacht, Porsche und Privatflieger. Im 21. Jahrhundert verdient Geld Geld – wer dort mit Arbeit Geld verdienen will, glaubt wohl auch noch an soziale Marktwirtschaft. Wo eine Gesellschaft enden soll, die nur noch darauf aus ist, Geldhaufen künstlich immer schneller aufzuhäufen, kann mir niemand erzählen … zumal es immer irgendwo jemanden geben muß, der den Preis für die Arbeit erbringen muß. Viele der alten Geldhaufen sind laut Wikipedia schon im alten Preußen angelegt worden.

Die Kinderarbeit in dieser massiven, ausbeuterischen Form wurde bald zu einem sozialen Problem in den heutigenIndustrienationen. Die Armee hatte wegen der vielen kranken Kinder zunehmend Schwierigkeiten, genügend gesunde Rekruten zu finden. Preußen erließ deshalb 1839 ein Gesetz (Preußisches Regulativ), das Kindern unter neun Jahren die Arbeit in Fabriken verbot; die 9- bis 16-Jährigen durften nicht mehr als zehn Stunden täglich arbeiten, nicht mehr an Sonntagen und nicht mehr nachts.[4] Im Jahr 1853 wurde das Mindestalter für die Fabrikarbeit auf zwölf Jahre angehoben. Noch 1858 arbeiteten allerdings 12.500 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren in preußischen Fabriken. Als Folge der Kinderarbeit wurde in Preußen die Gewerbeaufsicht gegründet. Ein am 1. Januar 1904 in Kraft getretenes Kinderschutzgesetz untersagte imDeutschen Reich die Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahren in gewerblichen Unternehmen.

So gründet man Geldhaufen. Irgendwo zu Beginn steht ein großes Verbrechen – und auch wenn die Erben noch so schön Klavier spielen und Gedichte rezitieren: es klebt Blut an diesem Geld. Armee und Kaiser haben die Kinder in Deutschland gerettet, die Industriebarone hätten sie weiter verheizt.

Machen wir heute auch noch – interessiert immer noch nur ein kleines Häuflein ungenierter Kritiker wie hier zum Thema „Wilhelmsplatz“:

Hauptsächlich in Indien und China werden Pflastersteine in vielen Steinbrüchen von Kindern zwischen 9 und 14 Jahren geschlagen und landen dann als Billigangebote auf dem deutschen Markt.

In München, Köln und vielen anderen deutschen Städten wurden solche Pflastersteine aus Entwicklungsländern offenbar ungeniert auf öffentlichen Flächen verlegt.

Vielleicht wird ein Eifelphilosoph des 23. Jahrhunderts ähnlich über unsere Zeit schreiben, wenn er detalliert auf die strukturelle Gewalt der Bundesrepublik schaut … und auf die Gegengewalt, die es auslöst. Hoffentlich stößt er auch auf den Bericht der Zeit-Autorin Susanne Leinemann, „Der Überfall“ heißt er.  Sie wurde fast totgeschlagen von … Aussortierten.

Als ich zu mir komme, liege ich auf dem Bürgersteig in meinem Blut. Ich habe keine Ahnung, was geschehen ist. Bin ich gestürzt? Wo sind die beiden jungen Männer, denke ich vollkommen verwirrt, warum haben sie mir nicht geholfen? Ich gehe auf alle viere, versuche mich zu orientieren – alles ist unscharf, trotzdem erkenne ich die vertraute Umgebung. Meine Handtasche, keine Ahnung, wo die ist. Mein Gesicht ist nass und klebrig. Blut, überall Blut. Ich versuche aufzustehen, taumele, falle, kann mich mit den Armen abfangen. Die Kinder, denke ich. Ist zu Hause alles in Ordnung? Ich muss nach Hause, sofort! Ich fühle keine Schmerzen, wanke wie eine Betrunkene über die Straße. Der Blick nach vorn hält mich aufrecht, es ist nicht weit, eine Ecke noch bis zu unserem Haus. Es ist so dunkel, so furchtbar dunkel. Auf die Idee, nach Hilfe zu schreien, komme ich nicht.

Sechs Tage werde ich auf der Station bleiben. Schädel-Hirn-Trauma zweiten Grades. Schädelbruch über der Augenhöhle. Hirnhautriss. Luftbläschen sind eingedrungen, es besteht Infektionsgefahr. Niemand weiß, wie sich die Blutung am Gehirnaußenrand entwickelt. Sollte ich plötzlich doppelt sehen, schärft man mir ein, muss ich sofort eine Schwester rufen.

Laut Statistik wird das Land immer friedlicher….trotzdem verwandeln sich die Häuser immer mehr in Festungen. Nur Paranoia?

Ich glaube kaum. Frau Leinemann war zum Zeitpunkt des Überfalls (Beute: 35 Euro) 41 Jahre alt. Etwas Jünger ist die Zeit-Redakteurin Cosmia Schmitt, 35, die in einem Essay deutlich macht, was wir zu erwarten haben:

Heute stehen die Babyboomer mitten im Berufsleben. Die nächsten 20 Jahre verstopfen sie die Führungsposten. Dann gehen sie in den Ruhestand – und ein Millionenheer aus Rentnern wird dieses Land bevölkern. Sie werden uns die Luft abschnüren. Sie werden reisen wollen und konsumieren, sie werden in die Hörsäle strömen und Kunstgeschichte studieren und jede Rentenkürzung abwehren. Und die Parteien werden sich ihren Bedürfnissen anpassen, wer kann schon auf so viele Wählerstimmen verzichten?
Unter uns Jungen hört man oft den Satz: »Wir würden ja gern Revolution machen, wir wissen aber nicht, wogegen.« Die Babyboomer werden unser Wogegen sein.

Wenn einem die „Luft abgeschnürt wird“, dann darf man aus Notwehr … was alles tun? Renten massiv kürzen, Wahlrecht und Bildungsmöglichkeiten einschränken?

Von den jugendlichen Tätern OHNE Migrationshintergrund der Frau Leinemann kann man sich noch distanzieren. Ist halt Prekariat, da kann man nichts machen. Dabei stand ihnen Frau Leinemann bei ihren Zielen nur ebenso im Weg wie die Rentner der Frau Schmitt im Wege stehen – auf ihrem Weg nach oben, dorthin, wo Geld sich von selbst vermehrt.

In einer Gesellschaft, in der Geld gleich Leben ist – wieviel Geld braucht man da, um sein Überleben sichern zu können? Wieviel Geld braucht man, um sich einen geschützten Raum aufbauen zu können, von dem aus man sich seinen Platz im Leben erobern kann? Wie „sozial“ ist eine Marktwirtschaft, in der „heile Familie“ ein Gut ist, das sich nur noch gutsituierte Menschen leisten können? Wieviel Gnade, Toleranz, Güte und Menschlichkeit erwartet man von einem Millionenheer von Kindern, die von Politik und Gesellschaft abgestraft wurden, weil ihre Eltern Langzeitarbeitslose waren – Langzeitarbeitslose, die die Industriebarone gezielt geschaffen und an deren Diskriminierung ihre Werbeblättchen gezielt mitgearbeitet haben? Wieviel Gnade kann man erwarten, wenn schon die gutsituierten Mitbürger zum Genozid blasen?

All die gutgemeinte Sozialarbeit wird wenig nützen, wenn Industrie, Werbung, Politik, Schule, Medien andere Werte vermitteln und sogar der Bundespräsident und der Verteidigungsminister sagen, es sei ganz ok, wenn wir unsere wirtschaftlichen Interessen mit militärischer Gewalt im Ausland verteidigen, damit der Zugang zu billigen Pflastersteinen nicht verwehrt wird.

Nichts anderes haben die jugendlichen Schläger auch gemacht: ihre wirtschaftlichen Interessen mit Gewalt verteidigt, sich das Geld geholt, das offensichtlich – angesichts der umgebenden Luxuskultur – in Massen vorhanden ist, das sie aber niemals durch Arbeit bekommen können, weil wir für Arbeit kein Geld mehr geben können – die Selbstvermehrung des Geldes verschlingt alles, was für die Entlohnung der Arbeit notwendig wäre.

Hören wir noch mal Frau Leinemann zu, die über den Täter schreibt:

»Und wenn ich einen umbringen muss, damit ich in den Knast komme – da habe ich meinen Fernseher, meine Zigaretten und meine Ruhe«, droht der Brutalste der drei im Februar 2010 in Gifhorn, nachdem die Polizei zum dortigen Kinderheim gerufen wurde. Er hatte randaliert. Da ist er noch fünfzehn. Zwei Monate später wird er nachts mit der Holzkeule auf mich einschlagen.

Das hört sich nach einem sehr niedrigen Anspruchsniveau an … Fernseher, Zigaretten, Ruhe. Man stelle sich vor, wie es wäre, wenn man den Jugendlichen einfach Fernseher, Zigaretten und Ruhe spendiert hätte – zumal die ja sonst keiner wollte. Dabei haben sie andererseits doch viele Qualitäten, die sie zum Leistungsträger auszeichnen würden:

Er habe ja schon viel gesehen, sagt der Vorsitzende Richter am Ende des Prozesses, aber so etwas »Desolates« sei ihm selten untergekommen. Biografien, vollkommen ohne Halt – keine Familie, keine Religion, keine abgeschlossene Schulausbildung, keine Hobbys. Dabei sind die drei das Produkt von lauter gut gemeinten Absichten – einer weitverzweigten Sozial- und Therapieindustrie, von Sozialpädagogen, Psychotherapeuten, Erziehern, Angestellten der Jugendämter.

Familie, Religion, Hobbys … sowas hat man in Kreisen von Leistungsträgern nicht, weil man all seine Kraft auf den Erfolg des Unternehmens ausrichtet. Gut – Schulausbildung braucht man da schon. Nicht immer – aber schon häufiger. Insofern sind die Täterkinder nicht nur das Produkt der Erziehungsindustrie, sondern eigentlich das Produkt der ganzen Leistungsgesellschaft. Damit wir Geld für aufgeschäumten Milchkaffee haben, müssen in Indien Kinder billig Steine schlagen – sonst würden unsere Innenstädte aussehen wie in der alten DDR und es gäbe auch keinen Kaffee, den Kinder in Guatemala fast umsonst anbauen.

Die Therapieindustrie leisten wir uns, damit wir die Folgen dieses Systems nicht mehr so sehen und um die Frauen der Leistungsträger zu beschäftigen. Würden wir wirklich faire Löhne zahlen, wäre Kaffee nur noch an Feiertagen bezahlbar. Aber vielleicht hätten wir dann wieder mehr Familie, mehr Religion, mehr Hobbys und brauchten unsere Türen nicht mehr abzuschließen.

Ich schätze aber mal, wir werden eher erstmal wieder zu „Adolfs sicheren Straßen“ zurückkehren. Der Bürger ruft nach der „harten Hand“. Vielleicht erlaubt sich die Geschichte eine ironische Wendung und wir bekommen erneut einen Kaiser, der uns erneut einen Sozialstaat schenkt, den die Industriebarone dann wieder abbauen können. Was in Erinnerung an die Demokratie des 21. Jahrhunderts bleiben wird ist Hartz IV, Rente mit 67 (plus noch mehr …), Traumrendite aus Kinderarbeit und unsichere Straßen – das ist keine Bilanz, auf die man stolz sein kann und keine Entwicklung, die einen optimistisch in die Zukunft schauen läßt.

Eine schlimme Kindheit ist kein Freibrief zum Verbrechen, meint Frau Leinemann – und damit hat sie recht. Aber eine schlimme Kindheit ist auch nicht die beste Grundlage für den Erwerb eines verantwortungsbewußten, friedvollen, konstruktiven Charakters.  Und wenn wir als Gemeinschaft der Bürger in diesem Land ein Klima der Gewalt schaffen und uns an der Beute der Gewalt erfreuen, dann werden wir uns irgendwann auch die sichersten Türen nicht mehr schützen … zumal viele von uns als Pflegefall auf die liebevolle Zuwendung dieser Menschen angewiesen sein werden.


Resteverwertung, Hartz IV und die Betreuungsindustrie

Ich habe in der ZEIT ONLINE einen Artikel : Hartz IV- Kindheit nach Vorschrift gelesen, in dem Stefan 10 Jahre alt ist und mit seinen Eltern und seiner Schwester das erste Mal zusammen beim Arbeitsamt ist….

Erschreckend ist in diesem Zusammenhang  ein Kommentar den ich euch hier gerne bringen möchte.

1. Langsam nervt es

Seit im Februar diesen Jahres das BverfG das Urteil zu diesem Thema gefällt hat, hat das Thema Hartz IV zu einer inflatinären Zunahme an Artikeln in den diversen Gazetten geführt. Das allein wäre jedoch noch nicht nervig, wenn die Behandlung dieser Thematik die komplette Zielgruppe der ALG II Empfänger betreffen würde. Aber nein, fast 100 Prozent befassen sich mit den angeblich so bedauernstwerten Familien mit kleineren Kinder und da ganz besonders die Gruppe der Alleinerziehenden (Frau von der Leyens Lieblingsgruppe). Man hält also für völlig normal, Menschen mit jahrzehnterlanger Erwerbsbiographie, die aber vor Erreichen des Renteneintrittsalters aus dem Systen gekegelt wurden, in die Altersarmut zu schicken, da dies in nahezu keinem Bericht erwähnt wird. Aber Leute, die nichts auf die Reihe bringen, außer sich fortzupflanzen, gehört dann aber die ganze Aufmerksamkeit. So wird man das Unterschichtenproblem aber niemals in Griff bekommen, indem man schlechten Geld weiteres hinterherwirft. Solange dort das Geld fließt (oder auch andere Transfers) vermehrt sich das Problem automatisch. Erkennt stattdessen endlich die Lebensleistung all derer an, die jahrzehntelang das Wohlfahrtssystem getragen haben, aber nun vom Arbeitsmarkt ausgespuckt worden sind. Und nehmt die Jungen an die Kandarre.

Es ist denke ich soweit, dass die Saat von Thilo Sarrazin, Gunnar Heinsohn, Guido Westerwelle und wie sie noch alle heißen mögen auf geht, man verblödet eine ganze Generation, gibt ihnen zum Schluss einen Knüppel in die Hand, und sagt das ist das Unterschichtenproblem das gelöst werden muss, wenn diese eliminiert sind klappt es auch wieder mit dem Wirtschaftswachstum, denn sie bremsen mit ihrem unwerten Leben das System aus, sie verschlingen Milliardenbeträge und das auf Kosten der Leistungsträger die dieses System schultern müssen, hinweg mit ihnen.

Jeder der noch einigermaßen klar bei Verstand ist, und hier die Zeichen nicht erkennt macht sich mitschuldig an dem Genozid an Millionen Menschen die in dem automatisierten und rationalisierten Arbeitsprozessen nicht mehr gebraucht werden.
Ja Genozid, das spreche ich hier aus, es ist ein Genozid auf Raten, eine moderne Selektionsrampe, die über politischen Druck, Schikane, mediale Hetze erreicht wird, diese Menschen werden nicht alt, sie sterben im Schnitt 12 Jahre eher, und je höher der Druck auf sie focusiert wird, desto schlimmer werden ihre Krankheitsbilder und sie siechen vor sich hin.

Eine Hand voll Menschen haben mit ihrem gigantischen Geld über Generationen hinweg Technologie und Know-how eingekauft dass sie für sich und ihresgleichen arbeiten lassen, eine Produktionssteigerung von über 500 % haben diese Herren Konzernbesitzer in den letzten 20 Jahren erreicht, und im selben Atemzug haben wir etwa allein in Deutschland 11 Millionen Menschen die in diesen Prozessen nicht mehr gebraucht werden, man nennt sie auch schlicht Niederleister.

Die eingeführte Agenda 2010 unter Schröder, Clement, Fischer wurde zum Krieg gegen die eigene Bevölkerung im Sinne der Kapitaleigner ausgerufen, stoppt diesen Wahnsinn, denn es kostet jetzt schon Menschenleben, und es werden mehr.

Es werden keine Öfen mehr gebraucht, nein man bedient sich ihrer noch als eine Art  Resteverwertung , die in den Armutindustrien ihren Dienst verrichten müssen,damit sich wieder diese Kapitaleigner über das Sozialbudget unter dem Deckmantel fördern und fordern sich ihre Villen und Yachten finanzieren.

Dieses so genannte Betreuungsindustrie sind die modernen KZ-Lager des 21. Jahrhunderts, und das alles unter dem Deckmantel der Betreuung.

Ruanda: Holocaust, deutsche Militärberater, die Kirche, die Franzosen und die unbekannten Weltkriege

Ich weiß nicht, ob sich noch jemand an Auschwitz erinnern kann? … ist eine Frage, die man wohl niemals wird stellen müssen. Auschwitz ist allgegenwärtig – und das ist auch gut so.  Die skrupellose industrielle Massenvernichtung einer (oder mehrerer, wenn man die Roma mitzählt, gegen die Frankreich gerade wieder vorgeht) Volksgruppen schien eine neue Qualität der inneren Gewalt zu sein so wie die Atombombe eine neue Qualität der äußeren Gewalt war.  So stolz wir auf unsere Technik, unseren Fortschritt und unsere Zivilisation waren,  so mußten wir doch erkennen, das wir ethisch entweder gar keine Fortschritte gemacht hatten oder sogar dabei waren, Rückschritte zu machen.

Dazu gab es ein deutliches „nie wieder“ der ganzen Volksgemeinschaft, denn wenn wir das nicht in den Griff bekommen, wird die Welt letztlich in einem nuklearen Feuerbrand untergehen.  So wurde also Auschwitz und das dritte Reich von vorne bis hinten durchgekaut … der Umgang mancher Medien mit Hartz IV-Abhängigen in den letzten Jahren gibt allerdings zu denken,  ob wirklich viel verstanden worden ist.

Wir beschäftigen uns ja nicht mit Auschwitz, weil uns langweilig ist, sondern weil wir unter allen Umständen die Lager wieder verhindern wollen, die Lager … und den Völkermord.

Was die Lager angeht, kriegen wir das halbwegs in den Griff, was aber den Völkermord angeht, so haben wir schrecklich versagt. Würde ich fragen, ob sich noch jemand an Ruanda erinnern kann, dann … würde ich wahrscheinlich Schweigen hören oder irgendetwas über Stammeskriege.

Ruanda hat den Nachteil, das da Neger wohnen. Das interessiert schon mal keinen und der latente Rassismus führt dazu, das wir die sowieso für affenähnliche Untermenschen halten, deren Schicksal uns nichts angeht.  Zur Beruhigung unseres Gewissens … schicken wir den Niebel mit etwas Geld dahin, ca. 88 Cent für jeden der acht Millionen Einwohner … und das war es dann auch.

Rede ich dann von deutschen Militärberatern, die 1993/1994 vor Ort in Ruanda waren, so werden wahrscheinlich alle so verdutzt gucken wie ich. Kann doch gar nicht sein, so etwas gibt es doch nicht? Davon müssten wir doch wissen? Stimmt vollkommen, tun wir aber nicht.

„Die Franzosen, die Belgier und auch die Deutschen hatten Dutzende von Militärberatern auf allen Kommandoebenen der Armee und der Gendarmerie und unterhielten Ausbildungseinrichtungen in Ruanda“, erwähnt Genereal Reméo Dellaire in seinem Bericht „Handschlag mit dem Teufel“ (Verlag 2001, 2003, Seite 152).

Was die dort taten und warum es so viele waren … der kanadische General der UNO wird es nie erfahren.

So wenig wir über die deutschen Militärberater wissen, so wenig wissen wir auch über den Holocaust in Ruanda, der den Holocaust in Deutschland an Geschwindigkeit,  Grausamkeit und Gründlichkeit übertraf und deshalb eigentlich an erster Stelle Untersuchungs- und Unterrichtsgegenstand jeglicher gewaltpräventiven Maßnahme sein muß.

Stattdessen … Schweigen wir.

Die Belastungen im bilateralen Verhältnis im Zuge der Verhaftung der ruandischen Protokollchefin in Frankfurt Anfang November 2008 aufgrund eines von den französischen Justizbehörden ausgestellten Europäischen Haftbefehls konnten dank der gemeinsamen deutsch-ruandischen Erklärung vom 19. Januar 2009 und der Wiederbesetzung der Botschafterposten überwunden werden. Die zeitweise Eintrübung des bilateralen Verhältnisses hat nichts an dem grundsätzlich positiven Bild Deutschlands in Ruanda geändert und auch das traditionell enge und gute beiderseitige Verhältnis nicht nachhaltig negativ tangiert. Deutschland gilt als ein Partner ohne eigennützige wirtschaftliche oder politische Interessen. Die rasche deutsche Hilfe nach dem Genozid und Bürgerkrieg 1994 wird von den Ruandern gewürdigt.

Im Großraum Kigalis gab es seit dem 19.02.2010 mehrere Anschläge mit Handgranaten, die auch Todesopfer forderten.

Meint das Auswärtige Amt.

Wären da Palästinenser oder Israelis beteiligt: es gäbe wieder großes Geschrei.  Handgranaten richten schlimme Dinge an.  Aber: sind ja nur Neger.

Wir nörgeln gerne mal schulmeisterlich an denen herum:

Aber hinter dieser scheinbar überwältigenden Zustimmung verbirgt sich ein eiserner Griff. Kritische Zeitungen wurden eingestellt, Oppositionelle mit Anklagen wegen »Terrorismus«, »Leugnung des Völkermords« und »Verbreitung genozidaler Ideologie« an der Registrierung für die Wahlen gehindert. Andere wurden umgebracht.

Und kriegen dafür eine Abfuhr vom Staatschef, die uns nicht gefällt:

Paul Kagame selbst spricht dem Ausland schlicht jedes Recht ab, am politischen System Ruandas Kritik zu üben. Eine Weltgemeinschaft, die sehenden Auges einen Völkermord zugelassen habe, habe niemanden über Demokratie zu belehren.
Quelle: Die Zeit
Da schlagen wir mal schnell zurück … und schon ist Kagame, ohne dessen Rebellen der Völkermord noch viel mehr Opfer gefordert hätte, ein Unmensch:
Ruandas Präsident Kagame bringt kritische Stimmen im Land zum Schweigen: Eine Oppositionspolitikerin steht unter Hausarrest, zwei Mordfälle bringen die Regierung in Erklärungsnot. In Kagames Partei wächst die Unzufriedenheit über dessen autoritären Stil.
Quelle: FAZ
Gräbt man tiefer … findet man wie üblich mehr Dreck.  Dreck scheint inzwischen der Urgrund der Weltpolitik zu sein, die sich – seltsamer- und unerklärlicherweise – in einer immer häßlichere Richtung entwickelt:
Wir sahen uns nicht einer neuen Weltordnung gegenüber, wie George Bush zwei Jahre zuvor verkündet hatte, sondern einer Weltordnung, in der die Vernichtung menschlichen Lebens zu Friedenszeiten ein nie gekanntes Ausmaß erreicht hatte.
So beschreibt General Dellaire die politische Wirklichkeit des Jahres 1994 … vor dem Massaker, vor Irak und Afghanistan (a.a.O. Seite 92).
Wir können uns heute nur noch weiter wundern, wie die Welt, die in den siebziger Jahren neben ein paar verschwindenden Militärdiktaturen und ein paar Umweltproblemchen nur noch den kalten Krieg als Problem hatte, sich nach dem Ende des kalten Krieges in ein Schlachthaus verwandelt, vor dem uns als Bundesbürger (sofern wir nicht zum kreis der anonymen Militärberater gehören) nur noch das Fernsehen mit seiner rosaroten Dauerbrille schützt.
Dabei erleben wir die Verfinsterung der politischen Wirklichkeit am eigenen Leibe, nicht umsonst wollen 88 % der Deutschen eine andere Wirtschaftsordnung oder lehnen in ähnlichen Prozentzahlen den Kriegseinsatz ihrer Kinder in Afghanistan ab.  Es ist der Import des Elends der Dritten Welt, mit deren Lohnkosten wir auf einmal konkurrieren sollen, ohne das vor Ort die Preise gesenkt werden.  Diesen Spagat halten auch wir nicht lange aus.
Was Dellaire – obwohl er als wichtiger Mann mit Einfluß vor Ort war – wohl nicht mitbekommen hat, war: in Ruanda mischten auch andere mit.
Der Holocaust war von langer Hand vorbereitet und geplant, es gab sogar Prämieren.
Und die Franzosen mischten selber mit:
Französische Soldaten waren direkt am Völkermord in Ruanda beteiligt, bei dem zwischen April und Juli 1994 über 800.000 Menschen getötet wurden. Dies geht aus einem Bericht über „die Verwicklung des französischen Staates in den Völkermord in Ruanda 1994“ hervor, den eine unabhängige Untersuchungskommission am Dienstag nachmittag in Ruandas Hauptstadt Kigali vorlegte.

Der Bericht, der bereits im November 2007 fertiggestellt worden war, soll nun als Grundlage für mögliche juristische Schritte gegen Frankreich dienen, sagte die ruandische Regierung. 33 Politiker und Militärs aus Frankreich werden namentlich als Verantwortliche genannt

Nach dem Mordanschlag auf Präsident Habyarimana am 6. April 1994 sammelten sich die führenden Hutu-Extremisten in der französischen Botschaft in Ruandas Hauptstadt Kigali, wo sie die für den Genozid verantwortliche neue „Übergangsregierung“ bildeten. Französisches Militär, zur Evakuierung weißer Ausländer nach Kigali entsandt, verweigerte verfolgten Tutsi Hilfe, und französische Waffenlieferungen an die Täter gingen während der organisierten Massaker weiter, während Frankreich im UN-Sicherheitsrat Bestrebungen blockierte, die Massaker als „Völkermord“ zu bezeichnen und damit ein Eingreifen zu erzwingen.

Ende Juni schließlich, als das Völkermordregime vor der militärischen Niederlage gegen die RPF stand, besetzten französische Truppen den Westen Ruandas, offiziell um dem Morden ein Ende zu setzen, tatsächlich aber um zu versuchen, die Eroberung ganz Ruandas durch die RPF zu verhindern. In beispielloser Detailliertheit führt der Untersuchungsbericht aus, wie die Soldaten der französischen Eingreiftruppe „Turquoise“ mit den Hutu-Mordmilizen zusammenarbeiteten, statt sie zu entwaffnen. Sie gingen mit ihnen gemeinsam auf Patrouille, sie lieferten ihnen gefangene Tutsi aus, sie ließen sich von den Milizen mit Tutsi-Mädchen beliefern, die sie dann vergewaltigten.

In einzelnen Fällen sollen französische Soldaten selbst Morde an verfolgten Tutsi begangen oder Leichen auf ihren Wagen transportiert haben. Am Kivu-See, der die Grenze zu Zaire bildet, erklärten sie den Milizen, wie man Leichen so ins Wasser wirft, dass sie nicht sichtbar an der Oberfläche treiben. In der Südprovinz Gikongoro verhafteten französische Soldaten überlebende Tutsi und warfen sie gefesselt aus Hubschraubern im Tiefflug über dem geschützten Nyungwe-Regenwald ab.

Quelle: Taz

Auch die katholische Kirche war dabei.

Die unabhängige Menschenrechtsorganisation „African Rights“ (London) legte bereits im Frühjahr 1998 Fakten über den Völkermord von 1994 vor: „Es gibt zwingende Beweise dafür, dass eine Reihe von Bischöfen, Priestern, Nonnen und Mönchen den Völkermord geduldet haben oder aktiv daran beteiligt waren“ (gl, 15.5.1998).

Konkret nennt African Rights z. B. Pater Rutihunza, der ein Massaker an behinderten Tutsi-Kindern und ihren Betreuern organisiert hat. Oder Pater Seromba, der Soldaten dafür bezahlt hat, dass sie 2000 Tutsis mit Raupenfahrzeugen in einer katholischen Kirche zermalmten. Der Pater, der die Tutsis zuvor in die Kirche lockte, wurde mittlerweile zum Tode verurteilt. Auch Erzbischof Ntihinuyurwa und Bischof Misago werden in dem Bericht als Kriegsverbrecher genannt.

Der Vatikan deckt bislang Angeklagte und ließ einige von ihnen nach Italien, Frankreich, Belgien sowie andere afrikanische Länder evakuieren. Papst Johannes Paul II. hat sich nur einmal öffentlich in den Konflikt eingeschaltet: Er bat um Gnade für 22 wegen Massakers und Völkermord an Tutsis zu Tode verurteilte römisch-katholische Hutus.

Quelle: Das weiße Pferd

Dabei war ihre Macht nicht gering:

Die katholische Kirche, der 70% der Ruander angehören, hätte als einzige die Autorität gehabt, das Blutbad zu stoppen. Doch »die meisten ihrer Priester und Nonnen hatten 1994 bei dem Blutbad teilnahmslos zugesehen oder gar den Mördern geholfen.« (Spiegel 1/2000)

»Die ruandischen Bischöfe sagten, noch nachdem das Schlachten längst begonnen hatte, der Hutu-Regierung ihre Zusammenarbeit zu und forderten die Bevölkerung auf, deren Anordnungen zu befolgen …« Zwei Jahre nach dem Genozid plage eine Gruppe ruandischer Priester das Gewissen. »Doch die Teilnehmer des Diskussionskreises wurden strafversetzt; den Initiatoren drohte der Vatikan gar mit dem Kirchenausschluss.«

Quelle: Kirchenopfer

Doch wie gehen wir damit um? Mit der üblichen Methode: intellektuell erstmal alles in Frage stellen und dann warten, bis neue Schlagzeilen den Holocaust samt Schuldigen verdrängen, denn wir haben  ja noch einen deutschen Holocaust, der abzuarbeiten ist.

Der Politikwissenschaftler Alan J. Kuperman stellte zentrale Annahmen dieser Kritik an der Weltgemeinschaft in Frage. Er betont, frühzeitig habe es keine eindeutigen Beweise für einen Völkermord in Ruanda gegeben.

Quelle: wapedia

Er hätte vielleicht einfach mal in Österreich Zeitung lesen sollen:

Schon 1990 warnten europäische Botschafter: „Die rasante Verschlechterung der Beziehungen zwischen den zwei Ethnien birgt ein enormes Risiko schrecklicher Konsequenzen für Ruanda und die ganze Region.“ Zwei Jahre später schrieb der belgische Botschafter ganz unverblümt vom Plan eines extremistischen Hutu-Zirkels, „die Tutsi auszulöschen und so das ethnische Problem auf ihre Weise zu lösen“. Eine CIA-Analyse warnte im Jänner 1994 vor Massakern mit 500.000 Toten.

Aber Experten meinen halt auch nur das, wofür sie bezahlt werden.  Bezahlt worden ist auch der Rebellenführer Kagame, der den Holocaust beendete, um danach an einem uns völlig unbekannten Weltkrieg teilzunehmen.

1998 eskalierte der Konflikt zu einem gewaltigen Kampf um Kongos Rohstoffreichtum und die Vormacht in der Region, dem sogenannten „afrikanischen Weltkrieg“. 5,4 Millionen Menschen starben. Bis zu neun Staaten waren beteiligt – allen voran Ruanda, das mit verbündeten Warlords die Rohstofflagerstätten im Ostkongo ausbeutete. Hilfe für seine schlagkräftige Armee erhielt Präsident Kagame aus den USA.

Quelle: diePresse

Während General Dallaire noch verzweifelte, weil Ruanda so unwichtig war, das kein Land sich für Ruanda-Hilfe interessierte, waren die Großmächte schon längst aktiv:

Deshalb auch erklärte man damals in Paris, es gelte, die Sphäre der „Francophonie“ (also des postkolonialen französischen Sprachraums) gegen den Verlust eines Mitgliedslands – bedroht von einer „anglophonen und marxistischen“ Guerilla – zu verteidigen. Daher unterstützte man offen die ruandischen Streitkräfte (FAR), rüstete diese auf und stellte ihnen französische Militärberater zur Verfügung. Die französische Armeepräsenz in Ruanda wuchs von 5.200 Mann, vor dem Ausbruch der Rebellion der RPF im Oktober 1990, auf alsbald über 50.000 Mann (zur Jahresmitte 1992). Theoretisch sollten französische Militärs die Soldaten der ruandischen Streitkräfte (FAR) nur beispielsweise in den Gebrauch der Artillerie einweisen. Real aber feuerten sie oftmals selbst die Schüsse ab, wie auch aktuell nochmals ausdrücklich in ‚Le Monde‘ (vom 22. 11. 2006, Seite 5) bekräftigt wird. An derselben Stelle wird hinzugefügt : „Von höchster Geheimhaltung umgeben, schickt Frankreich die Helikopter, die die erste Offensive der RPF stoppen.“

Zudem nimmt das kleine Ruanda den Platz einer «Gebirgsfestung“ ein, von der aus größere Teile des damaligen Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) beherrschbar schienen. Diese strategische Position Ruandas spielte übrigens tatsächlich in späteren Jahren, ab 1996/97, bei den aufflammenden Kriegen in Zaire/Kongo eine sehr wichtige Rolle. Kurz : Ruanda war eine wichtige Schachfigur auf dem Brett sowohl der französischen, als auch der US-amerikanischen Afrikapolitik.  (Die deutsche Außenpolitik und Außenwirtschaftspolitik segelte dabei eher im Windschatten dieser beiden Mächte, vor allem der USA, um in ihrem Gefolge Marktanteile zu gewinnen.)

Quelle: Hagalil

Darum durfte der Holocaust auch nicht verhindert werden, obwohl man es leicht gekonnt hätte:

Im Januar 1994 wurde der kanadische Befehlsleiter Roméo Dallaire über illegale Waffenlager und die Erstellung von Tutsi-Todeslisten informiert. Sein Vorhaben, jene Lager auszuheben, wurde ihm durch Kofi Annan, damals Unter-Generalsekretär der UNO und verantwortlich für friedenserhaltende Einsätze, untersagt. Rückblickend auf seine zahllosen Warnungen vertritt Dallaire heute noch die Überzeugung: Mit 5000 Blauhelmen und einem robusten Mandat hätte der Völkermord verhindert werden können.

Quelle: ecz

Wir (also, die westliche Welt, allen voran die USA) brauchen aber die Gebirgsfestung Ruanda für unsere Handys:

In der Demokratischen Republik Kongo schuften nach wie vor Kinder und Jugendliche in von Rebellen kontrollierten Minen, um Coltan zu gewinnen. Der Rohstoff für die Mobilfunk-Industrie wird auf illegalen Wegen in die Industriestaaten exportiert und ist für die Hersteller von Mobiltelefonen unentbehrlich. Für die ZDF-Reportage „Kongos verfluchter Schatz – Das schmutzige Geschäft mit dem Coltan„, die am 20. August um 00.00 Uhr gesendet wird, hat sich der Journalist Patrick Forestier in das Gebiet der Minen und der Rebellen gewagt.

Quelle: epo

Von all dem hat der UN-General nichts gewußt. Jeder Internetnutzer kann sich besser informieren als der kommandierende UN-General vor Ort … was ein erschreckendes Bild auf die Informationskultur der UN wirft.

Und ebenso erschreckend ist das Bild, das der Ruanda-Holocaust von der politischen Wirklichkeit unserer Umwelt hinterläßt.

Trotz (oder gerade wegen) der Informationsfluten, die tagaus tagein über uns hereinbrechen, wissen wir eigentlich nichts. Gar nichts.

Und wie ich manchmal mit Grausen feststelle:  wir wollen auch gar nichts wissen.  Der sensible deutsche Intellektuelle (gerne auch mal fahrradfahrender kunstliebender Vegetarier und in Meditationskünsten bewandert)  wendet seinen Blick gerne auch mal ab, weil es ihm  zu grausam erscheint, was dort geschieht.  Oder er arbeitet kräftig daran mit, wie jene Radiomoderatoren Ruandas, die zum Holocaust aufgerufen hatten.

Es bringt nichts, sich jetzt bei zugehörigen Wählerklientel anzubiedern, um sie hinterher an der Macht wieder vor den Kopf stoßen zu müssen. Die Rente mit 67 ist hart, aber richtig, und nach Lage der Dinge werden wir auf eine Rente mit 70 zusteuern. Das muss man den Leuten, auch und gerade den eigenen, schonend beibringen – und ihnen nicht nach dem Mund schwätzen.

Quelle: Spiegel-online

So der „preisgekrönte“ Spiegel-Journalist Christoph Schwennicke.

Und wenn ich jetzt sage: das ist der erste Schritt zum Genozid an Alten (wegen der „Lage der Dinge“ und anderen Sachzwängen) … hört mir dann jemand zu? Prüft das jemand nach? Will das jemand wissen?

„Menschen sind Kosten auf zwei Beinen“.

Der Rest ist nur die Abwicklung der Konsequenzen des Leitsatzes.  Und in Ruanda haben wir schon mal … geübt.  Ausschwitz war eindeutig noch zu teuer, scheint mir.

Es etabliert sich eine neue Weltordnung,   in der die Vernichtung menschlichen Lebens zu Friedenszeiten ein nie gekanntes Ausmaß erreicht.

Und alle schauen weg….oder machen mit wie in Ruanda.  Hauptsache, das Handy kann auch Video und Internet und man selbst lebt alterslos und ewig.

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