Gemeindearbeit

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Bürgerarbeit

Ich wollte die Frau ja als Bundespräsidentin. Ehrlich … von allem, was im Angebot war, wäre die für mich die erste Wahl gewesen. Aber: der Bürger hat ja anders entschieden. Anders? Der Bürger hat gar nicht entschieden, Entschuldigung. Die Vertreter der Bürgervertreter haben andes entschieden. Ein Land voller Vertreter … eine Vertreterrepublik. Eine Bürgerrepublik wollten wir sein, eine Vertreterrepublik sind wir geworden.

Wäre nun Frau von der Leyen Bundespräsidentin geworden, wäre uns wohl das hier erspart geblieben:

http://www.n-tv.de/politik/Von-der-Leyen-stellt-neues-Jobwunder-vor-article1025836.html

Mit dem Programm „Bürgerarbeit“ will die Bundesregierung Langzeitarbeitslose in Zukunft intensiver fördern. Die Arbeitslosen sollen Arbeiten ausführen, die dem öffentlichen Interesse dienen. Das Problem der Verdrängung regulärer Arbeitsplätze sollen die Kommunen lösen.

Am Schönsten finde ich den letzten Satz. Schauen wir uns doch mal an, was die so machen sollen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,705679,00.html

Die „Bürgerarbeiter“ könnten beispielsweise ältere und behinderte Menschen betreuen, Sportangebote für Jugendliche leiten oder Laub aufsammeln, schlug die Ministerin vor.

Stimmt. Daran krankt das Land. Die Jugendlichen schreien nach Leitern für Sportangebote, die Parks sind schon lange unter einer Laubschicht begraben und die älteren und behinderten Menschen – meist selbst Hartz IV-abhängig – werden sich sicher freuen, wenn ihnen zwangsweise eine wildfremde Person in die Wohnung hineingenötigt wird, di eihre Betreuungspflichtstunden ableisten muß.

Und ich dachte, wir müßten jetzt sparen? So hieß es doch? War da nicht mal irgendetwas in den Medien gewesen, das wir zuwenig Geld hätten? Nun, die Kommunen haben ganz sicher wenig Geld – und das Problem werden sie bald lösen können. Einfach dem Mann, der bisher das Laub entsorgt hat, die Kündigung geben … und ihn fünf Minuten später für die Hälfte des Geldes auf Kosten der Bundesanstalt für Arbeit Laub fegen lassen.  Gemeinden können da … sehr kreativ werden.

Vielleicht bedeutet das mit der Betreuung für ältere und behinderte Menschen auch, das die in Zukunft als Sonderfallmanager für die ARGEn arbeiten. Auch das kann Personalkosten sparen.

Kostenpunkt der ganzen Sache laut NTV: 1,3 Milliarden Euro, 50% zahle Deutschland direkt, 50% zahlen für über den europäischen Sozialfond.

Am Anfang stehe eine mindestens sechsmonatige „Aktivierungsphase“, an der rund 160.000 Hilfebedürftige teilnähmen. Bei jedem Betroffenen soll individuell getestet werden, für welche Aufgabe er in Frage komme. Erfahrungsgemäß könnten vier von fünf Arbeitslosen auf diese Weise vermittelt werden oder verzichteten freiwillig auf Regelleistungen, sagte von der Leyen. – so Spiegel-Online.

Sechs Monate werden also wieder „externe Qualifikationen“ hinzugekauft. Eine richtige Geldschwemme für die Arbeitslosenindustrie. Da müssen aber einige Parteikollegen mit ihren „Unternehmensberatungen“ gerade mal wieder ordentlich Not haben.  Macht ja auch Sinn … man braucht ja auch wirklich hochkarätiges Sachwissen, um beurteilen zu können, ob einer Laub fegen kann oder nicht. Ich hoffe, das sechs Monate überhaupt ausreichen um diese diffiziele Fragestellung beantworten zu können.

Ein wenig übel wird mir bei diesem „freiwilligen Verzicht auf Regelleistungen“.  Das … erinnert so ein wenig an die vielen „Freiwilligkeiten“ in der DDR. „Bürger Schulze entschloß sich freiwillig und ohne Zwang zu einem sozialverträglichen Frühableben in Form von freiwilligem Nahrungsentzug und erhielt dafür den Orden HELD DER ARBEIT!“  Na ja …. an Orden wird hierzulande wohl solange gespart werden, bis der Schwager von Frau von der Leyen eine Firma aufmacht, die Orden herstellt – oder bis die EU Subventionen dafür bereitstellt

Kritik an diesem Konzept gibt es natürlich. Ich glaube nicht, das Wirtschaft oder Gemeinde sich beschweren werden. Mein Freund Hannes arbeitet als Altenpfleger. Er ist ein wenig älter als ich und sein Rücken ist noch desolater. Er hatte schon immer so eine altruistische Ader und wollte die bei alten Menschen austoben. Zu Beginn waren noch zehn Menschen auf der Station. Jetzt machen zwei die Arbeit….aber immer öfter kommen Ein-Euro-Kräfte hinzu. Die Kosten für die Abteilung konnten enorm gesenkt werden, eine Verbindung zur steigenden Suizidrate unter Heimbewohnern, ihre zunehmende geistige Verwirrung infolge der Vereinsamung oder zunehmende Todesraten infolge von Pflegemängeln werden bis heute nicht untersucht….aber gelegentlich kommt ja was in den Nachrichten.

Altenpflege ist ein Ausbildungsberuf. ALTE sind auch Menschen. Und während Arbeitslosigkeit manche nicht betrifft, betrifft ALTENPFLEGE uns alle – auch wenn wir noch so schön privat versichert sind. Kostendruck haben alle Altenheime – auch die noblen. Und die Versuchung, mal eben den Arbeitslosen Volkswirt für einen Euro an die Oma zu lassen … sind überall recht groß. Immerhin wird bei Erfolg schon am Monatsende eine gute Rendite herausspringen.

Auch Sportunterricht ist eine hochqualifizierte Aufgabe. Das muß man normalerweise studieren. Sportlehrer verdienen sich mit diesen Aufgaben nebenbei schon mal einen Euro dazu. Andere machen es ehrenamtlich.

Was also macht Frau von der Leyen – die kleine Prinzessin aus dem Lande von ganz weit weg? Nichts anderes, als mit Steuergeldern Arbeitsplätze abzubauen. Da kommt Freude auf.

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/DEUTSCHLAND/7384992.php

Die Linke kritisierte das Vorhaben daher als „eine Mogelpackung“. Ihre Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann sprach von „Zwangsarbeit zu Niedriglöhnen“. Unklar sei auch, ob durch die „Bürgerarbeit“ bestehende Beschäftigungsverhältnisse verdrängt würden.

Was den Linken noch nicht klar ist, wissen Arbeitsmarktexperten schon lange:

http://www.n-tv.de/politik/Von-der-Leyen-stellt-neues-Jobwunder-vor-article1025836.html

Kritiker indes verweisen darauf, dass vergleichbare Modellprojekte bisher kaum zur Arbeitsmarktintegration von Arbeitslosen beigetragen haben. Bisweilen ist sogar das Gegenteil der Fall: Weil die Arbeitslosen in einem Förderprogramm eingebunden sind, können sie keine andere Beschäftigung annehmen. Zudem gilt es als heikel sicherzustellen, dass der staatliche soziale Arbeitsmarkt keine regulären Jobs verdrängt.

Es ist Unsinn, kostet Geld, vernichtet sozialversicherungspflichtige Jobs aber macht ´nen schönen Fuß – und darauf kommt es an. Auf den schönen Fuß der Ministerin. Wieso bezahlen wir eigentlich für solche Qualitätsarbeit noch Geld? Könnte die das nicht wenigstens ehrenamtlich machen?

Sinn macht das Dingen nur … wenn man bedenkt, das 50% der Kosten aus Brüssel kommen, man also 34000 Arbeitslose bequem für drei Jahre auf den Bierdeckel von Brüssel parkt … den wir als Steuerzahler aber auch bezahlen.  Für die Statistik aber … der reine Hit. Schon heute liegen die Artikel fertig geschrieben im Keller, die diese Maßnahme in drei Jahren als großen Befreiungsschlag loben.

Ich würde das anders lösen.

Ich weiß nicht, ob den deutschen Arbeitgebern schon diese Adresse bekannt ist:

http://www.arbeitsagentur.de/nn_27328/Navigation/zentral/Unternehmen/Arbeitskraeftebedarf/Arbeitskraeftebedarf-Nav.html

Hier findet man als Unternehmen ganz tolle Sachen:

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Toll, oder? Habe ich ganz alleine gefunden – ohne Staatssekretär im Hintergrund oder teure Arbeitsgruppen. Hier können ganz einfach und kostenlos Unternehmen Mitarbeiter für ihre vielen Millionen offenen Stellen finden – ganz paßgenau auf des Unternehmen zugeschnitten. Unglaublich, oder? Was es nicht alles gibt… Und wer da nicht angefordert wird … der kriegt nichts, weil ihn keiner braucht. Da kann man noch so lange „Aktivierungsphasen“ machen – es ändert sich nichts an der Tatsache, das man nicht mehr gebraucht wird – aus Gründen, die bekannt sind und die kein Arbeitnehmer zu verantworten hat.

Wenn aber jetzt mal wirklich einer gebraucht werden sollte … hat er Pech gehabt. Er ist in einer Maßnahmen und steht dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.

Und was den Staat angeht … auch da wüßte ich was. Einfach mal die Leute wieder einstellen, deren Stellen man zuvor abgebaut hat.

http://www.bpb.de/wissen/68ET1Y,0,0,Besch%E4ftigte_des_%F6ffentlichen_Dienstes.html

Waren 1991 noch 6,74 Millionen Personen im öffentlichen Dienst beschäftigt, so waren es 2006 nur noch 4,58 Millionen – davon 1,59 Millionen Beamte, 22.000 Richter, 184.000 Berufs- oder Zeitsoldaten, 192.000 Auszubildende und 2,59 Millionen Arbeitnehmer.

Das ist ein Abbau von 2,16 Millionen Stellen. Das konnte die Privatwirtschaft so schnell nicht auffangen. Da hat der Staat angefangen, sich von den Bürgern zu verabschieden, aus der Dienstfunktion wurde Herrschaftsfunktion. Nun gut, wenn Not ist, dann müssen wir halt alle den Gürtel enger schnallen. Aber es ist keine Not … oder haben wir auch nur einen Euro Schulden seit 1991 abgebaut? Hat es irgendwas gebracht, Millionen von „Bürgerarbeitern“ auf die Straße zu setzen?

Als die angefangen haben, Bürger auf die Straße zu setzen, hatten wie 600 Milliarden Euro Schulden. Aber es war ja kein Geld mehr da, Stellenabbau wurde von jedem Unternehmensberater gepredigt, „Lean Managemant“ war gerade „in“. Jetzt sind die Jobs weg und wir haben 1700 Milliarden Euro Schulden.

Und bei wem ist das Geld jetzt angekommen und liegt nutzlos herum?

Der Wahnsinn hat doch mitlerweile Formen angenommen, die selbst Laien erkennen können … aber von der Leyen wohl nicht.

Die Vertreter haben Geschmack an Macht und Geld gefunden. Aus Volksvertretern sind Volksbeherrscher geworden, die immer unverblümter als Gegenpart zur Gesellschaft auftreten und den Souverän mit Füßen treten in der Hoffnung, das da noch ein Euro ´rauskommt.  Wollen wir hoffen, das sie nicht auch Volksverräter geworden sind.

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