Gebote

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Die zehn Gebote des Westens – unsere wahren Werte

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Donnerstag, 31.12.2015. Eifel. Das Jahr geht zu Ende. Ein neues beginnt. Zeit- sich zu besinnen, Zeit, sich Gedanken zu machen: welche Werte sollen uns das nächste Jahr umtreiben, welche Werte leiten uns, die großen Herausforderungen zu schaffen, die die deutsche Bundeskanzlerin uns in ihrer Neujahrsansprache in den Geschenkkorb gelegt hat. Ja – was wird das für eine Ansprache werden: „“Wir schaffen das“.  Wir  – das ist schon mal dreist gelogen. Ja – wir, die wir hier leben, arbeiten, leiden und schaffen müssen, wir werden das schaffen – müssen. Wäre nur schön, wenn uns mal jemand gefragt hätte. Besonders hart trifft es die Armen, die brutale Konkurrenz auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt bekommen werden – dabei steigt die Obdachlosigkeit schon jetzt jährlich an: ein Skandal in einem angeblich so reichen und hilfsbereiten Land. Doch wer sich jetzt schützend vor die eingeborenen Armen stellt, auch an ihre Not erinnern möchte, gilt per Sprachcode der Oberschicht gleich als „Nazi“ – also als jemand, der sofort wieder Auschwitz zur Verherrlichung der arischen Herrenrasse in Betrieb nehmen würde.

„Wir schaffen das“ – echt. Ihr da oben schafft es noch nicht mal, sinnvolle Studiengänge zu organisieren, der „Bachelor“ ist kaum mehr Wert als die Tageszeitung von vorgestern (siehe Spiegel), „ihr“ schafft es nicht, ein Schulsystem zu generieren, dass den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird, ihr habt überhaupt kein Konzept für die 18 Millionen Arbeitslosen, die in den nächsten Jahren neu zu den jetzt schon überarbeiteten Ämtern strömen werden. Darf ich noch mal daran erinnern (siehe Ingenieur.de)?

Langfristig könnte die schnelle Technologisierung 59 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland gefährden: Von den 30,9 Millionen Beschäftigten, die die Studie der ING-Diba berücksichtigt hat, würden rund 18 Millionen durch Maschinen und Software ersetzt. „Der Übergang hat schon begonnen“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING-Diba und Co-Autor der Studie, in einem Bericht der Welt. „Schon jetzt sind einige Industriebereiche vollvernetzt und werden fast vollständig von Robotern geführt.“

Fragt „uns“ jemand, ob wir das wollen? „Wir schaffen das“ – schallt einem da entgegen .. mehr Konzept hat die Oberschicht nicht. Das „Wir“ – das sind die jene 80 % der Deutschen, die in den letzten Jahren reale Einkommensverluste hinnehmen mussten. Das andere „Wir“ schafft es noch nicht mal, die deutsche Staatsverschuldung realistisch zu berechnen – da ist in Wirklichkeit überhaupt nichts stark – es sind keine zwei Billionen (also: 2000 Milliarden), die wir in den Miesen stehen, sondern 5,8 Billionen (siehe Wiwo) – wenn man die Renten- und Pensionsansprüche mit einberechnet – an deren Auszahlung heute realistisch niemand mehr glaubt.

Das wir in dieser Situation kostspielige Militäreinsätze starten (bei denen auch nur wir hier unten unsere Kinder in die Wüste schicken), ist schon ziemlich dreist – das sich der deutsche Bundestag trotz dieser Sachlage beständig neue Superdiäten leistet, noch dreister. Zeit, also mal zu fragen: nach welchen Werten leben eigentlich „die da oben“ – bzw. nach welchen Werten soll dieses ganze Land leben, das durch „Nudging“ nun erzogen wird, die Werte der Oberschicht vollständig zu übernehmen. Zehn Werte habe ich gefunden, Werte, die einst von einem unbekannten Gott einem unbekannten Propheten mitgegeben wurden, während das Volk noch voller Freudentaumel um die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte tanzte. Hören Sie sie sich an:

Das erste Gebot:

Ich bin der Markt, Dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Vergessen Sie Allah, Brahman, Gott, Odin, das Nichts und Ihre Ahnen: es ist ein neuer Spieler im Land – und er will alles. „Markt“ nennt er sich, und das Wirken seiner unsichtbaren Hand gestaltet unser aller Alltag. Andere Formen der Religion sind streng verboten, alle Götter werden per Beschluss der Naturwissenschaften als „nicht existent“ definiert, Widerspruch ist verboten: es ist ein neuer Herr in der Stadt – und er zahlt gut für seine Diener.

Das zweite Gebot:

Der Markt sei Dein Gott, diene ihm und hinterfrage ihn nicht, sonst wird er Dich und die Deinen verfolgen bis ins dritte Glied

Der Markt steht außerhalb jeglicher Kritik – und Sie sind per Gesetz verpflichtet, alles zu unternehmen, um seiner Hilfe nicht zu bedürfen; scheitern Sie, kann der Markt Ihnen und ihren Kindern alle Gnade (sprich: Geld) streichen. Diene dem Markt ein seinem Gesetz und die Rendite wird auf immer Dein sein.

Das dritte Gebot:

Du sollst am Feiertag arbeiten.

Der Markt ist immer und ewig, er kennt keine Pause und keine Ruhe, also sollst auch Du keine Pause und Ruhe kennen; der Markt arbeitet 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche – und so sollst auch Du arbeiten zum Wohle der Heiligen des Marktes und der Rendite.

Das vierte Gebot

Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter verlassen.

Der Markt verlangt einen ganzen Mann (oder eine ganze Frau), er kennt weder Kindheit noch Alter noch duldet er Menschen, die sich von Kindheit und Alter einschränken lassen: der wahre Diener des Marktes entsorgt seine Eltern sobald das Erbe eingefahren ist, dafür stellt der Markt Heime jeder Preisklasse und Quallität zur Verfügung. Wer seine Eltern pflegt und hegt, entzieht dem Markt seine Arbeitskraft – Sünde!

Das fünfte Gebot:

Du sollst töten wo Kollateralschäden dem Markt dienen

Wer dem Markt den Zugang verweigert, wer ihm Rohstoffe vorenthält oder menschliche Arbeitskraft, der kann sanktioniert werden bis der Tod eintritt. Der Markt ist unser Gott, sein Reich komme, sein Wille geschehe. Wo unheiliger Geist gerechtem Geschäft im Wege steht, kennt der Markt keine Gnade: der Markt will Zugang zu allen Märkten, allen Rohstoffen und allen Menschen, zu allem, was man kaufen und verkaufen kann und er will alles und jeden käuflich machen zum Dienste der Rendite – wer dem widerstrebt, ist des Todes.

Das sechste Gebot:

Du sollst ehebrechen

Wenn der Marktwert Deines Weibchens infolge Alter oder Krankheit die Rendite trübt, tilgt der Markt alle Eide und innige Versprechen und gibt Dir Freiheit, ihm besser zu dienen. Dies gilt auch für Deine Kinder und deren Kinder: wird ihr Nutzen unerkennbar, verstosse sie, oder – wo es geht: verkaufe sie! Denke daran: der Markt will, dass Du Dich optimierst – das gilt auch für Frau und Kind!

Das siebte Gebot:

Du sollst nicht von Reichen stehlen

Der Diener des Marktes nimmt von den Schwachen, den Dummen, den Einfältigen und gibt es den Schlauen, den Hinterlistigen, denen, die falschen Schein heilig sprechen; doch niemals nimmt er von denen, die reiche Rendite haben, denn ihrer ist das Himmelreich. Die Reichen sind die Heilligen des Marktes – sie sind unantastbar für Recht, Gesetz oder Moral.

Das achte Gebot:

Du sollst falsch Zeugnis gegen jeden Nächsten reden, der den Markt und Deine Rendite in Gefahr bringt.

Kommt einer, lästert den Markt, spottet über seine unsichtbare Hand, klagt über die hohen Renditen der Reichen, die der Markt in seiner Gnade diesen gewährt hat, so nehme diesen Menschen aus Deinen Reihen, beschuldige ihn der schlimmsten Laster, die Dir genehm sind, denn er hat den Zorn des Marktes auf sich genommen – keine Lüge ist zu widerwärtig, keine Schmach zu unangemessen um ihn der gerechten Strafe zuzuführen.

Das neunte Gebot:

Du sollst begehren Deines Nächsten Haus!

Das Haus Deines Nächsten sei Dein Ziel, denn der Markt Dein Gott braucht Bewegung, braucht ewiges Wachstum – nur wo genommen wird, da kann auch verteilt werden, nur wo das Heim genommen wird, wird es Motivation geben, dem Markt mit allem zu dienen, was man geben kann.

Das zehnte Gebot:

Du sollst begehren Deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh und alles, was Dein Nächster sonst noch hat!

Der Markt braucht Wachstum, Du brauchst Wachstum: schau Dich um – deine Nächsten haben alles, was Du zum Wachstum brauchst: mache sie Dir untertan Nimm es und verkaufe es: der Markt wird es Dir vergelten. Doch bedenke immer: der Reiche ist nicht Dein Nächster – und wird es nie sein. Nichts gebe es, was nicht Deinem Willen untertan ist, alles gehört jenen, die dem Markt dienen – sie sollten nicht zögern, es sich zu nehmen, sei es mit List, mit Tücke oder raffinierter Gewalt.

Das sind die zehn Gebote des Marktes, der Kern aller Werte des Westens. Doch über allem schwebt ein Gesetz, dass alle eint und über allen steht, ein Gesetz, dass vielen Jünger des Marktes in sich tragen und in der Welt verbreiten als Richtschnur für jene, die einfachen Geistes sind:

Liebe niemanden als DICH SELBST!

Dies ist das große Gebot, dem der Westen in allen Teilen seines Seins dient, dies ist das Gebot, dass der Markt seinen Gläubigen mitgibt, damit sie Rechtes tun in der Welt, verfolgen sie dies, schaffen Sie Konsum, machen sich ihre Umwelt als Rohstoffquelle untertan so wie ihre Nächsten, schaffen eine Welt, die dem Markt gefällt: dort, wie jeder mit aller Kraft gegen den anderen streitet, wo um Marktanteile blutig gekämpft wird, wo die Schwachen hungern und die Starken alles in großem Maße verschwenden, dort, wo jeder jedes Jahr zehn Prozent mehr leisten muss als im Vorjahr, bis Alter und Krankheit ihn hinauswerfen oder eine Maschine seine Arbeit übernimmt.

Wer diese Gebote ehrt und in sich aufnimmt, gelobt sie zu befolgen, ist ein wahrer Bürger des Landes, in dem der Markt der Herr ist. Hat jemand nichts mehr zu verkaufen, ist alt, krank, müde und erschöpft, so soll er draußen bleiben, wo Heulen und Zähneknirschen das Sagen haben. Doch doch: „Wir schaffen das“ – und dabei beten wir:

Allmächtiger Markt aus den Himmeln, geheiligt sei Deine unsichtbare Hand, die über uns gekommen ist, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe – im Staate, der Firma und der Familie, unser täglich Brot gib uns heute und erhöhe unsere Schuld wie auch wir erhöhen unsere Forderungen und führe uns nicht in Versuchung durch romantische Träumereien von Menschenrechten und Sozialstaat sondern erlöse uns von den Bösen, die Frieden und Liebe predigen wo der Markt Gesetz sein soll, denn Dein ist das Reich und die Kraft und alle Herrlichkeit in Ewigkeit: Heil dem Markt!

Das sind die Werte, das ist die Religion, die uns ins nächste Jahr begleiten wird. Ich irre da? Die Willkommenskultur der Deutschen ist vorbildlich? Ich sehe wenig Willkommenskultur für Obdachlose, Arbeitslose, psychisch Kranke, Alte oder Menschen, deren Vorstellung von Würde es nicht erlaubt, sich dem Markt als Arbeitstier zur Verfügung zu stellen, noch sehe ich Willkommenskultur für jene, da darüber reden wollen. Ich sehe wenig Willkommenskultur in der Tatsache, das wir direkt für die giftigsten Müllhalden der Welt verantwortlich sind (siehe gemeinsam für Afrika), einen ganzen Kontinent ausplündern … und ihnen nun noch ihre jungen Menschen stehlen, die das von uns verursachte Elend nicht mehr aushalten. Ich wage die Voraussage, dass die Willkommenskultur innerhalb weniger Tage verschwinden wird, wenn man merkt, dass viele, die da kommen, keinen verwertbaren Wert für hiesige Märkte haben – geschweige denn dafür schuften wollen, dass unsere Rentenlücke kleiner wird. Dann wird man sehen, wie der Markt mit jenen umgeht, die keine Rendite mehr abwerfen, die nur noch „Kosten auf zwei Beinen“ sind (siehe t-online):

„Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat der Bundesregierung Tricksereien bei der Festlegung der Hartz-IV-Sätze vorgeworfen – zu Lasten der Empfänger. Die statistischen Grundlagen für die Festlegung der Sätze würden von Regierungsseite „willkürlich manipuliert“, um die Leistungen an die Empfänger „trickreich“ kleinzurechnen.“

Da wurden auch trickreich die Bezüge für jene klein gerechnet, denen die Willkommenskultur gelten soll – doch hier gilt ja das achte Gebot und verhindert jede Diskussion.

Wenn Sie noch Zweifel haben: welche Werte erlauben es uns, völkerrechtswidrig in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzugreifen – Eingriffe, die inzwischen schon regelmäßig erfolgen: durch Geldspenden, durch Unterstützung beliebiger Oppositionen oder direkt durch militärische Intervention?

Wir heißen selbstzufrieden 3000 Menschen willkommen, die jeden Tag den Weg nach Deutschland geschafft haben – und ignorieren weiterhin die 30000 Kinder, die jeden Tag sterben, weil der Markt ihnen alles genommen hat. Das … schaffen „wir“ nicht.

Wollen es auch gar nicht – denn es entspringt nicht den echten Geboten des Westens – um nur ein Beispiel zu nennen. Aber „wir“ – wir werden das wieder ausbaden dürfen mit unseren marktfremden Werten der Nächstenliebe, die es der Regierung erlaubt „wir schaffen das“ zu sagen.

Nun denn: nun wissen Sie, was nächstes Jahr auf Sie zukommt. Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch! Sie wissen ja jetzt, wo es langgeht – oder?

 

 

 

 

 

 

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