Frieden

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Das Böse

Das Böse


Sonntag, 5.4.2014. Eifel. Sonntag sind immer gern gesehene Zeiten, um sich jenseits des Alltagshorrors besinnlichen Themen zu widmen, die eher aufbauen denn informieren sollen. Wem selbst nichts einfällt, geht halt in die Kirche und setzt sich mit dem dortigen Angebot auseinander – oder bleibt im Bett und verzichtet ganz auf die Besinnlichkeit. Wir brauchen sie ja auch nicht mehr – wir haben das Rundumsorglospaket des Kapitalismus frei Haus geliefert bekommen. Wer braucht schon Besinnung, wenn er konsumieren kann?

Na ja – Sonntags fällt der Konsum schwerer. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, was oft dazu führt, dass die ihrem Lebenssinn beraubten Konsumdrohnen sich selbst, ihrer Freizeit und der Sinnlosigkeit ihrer Existenz hilflos ausgeliefert sind und sehnsüchtig auf die Zeit warten, wo der Chef, die Regierung, die Wissenschaft, die Werbung und das Kaufhaus dem Leben wieder Sinn und Richtung geben. Vielleicht sollten wir den heutigen Sonntag – allein aus Gründen der Langeweile – mal wieder Themen widmen, die der Kapitalismus gerne verdrängt, übersieht, ignoriert und außen vor läßt. Ja? Sollen wir? Ich bin mal mutig und schlage … DAS BÖSE als Thema vor.

Ja – die Hälfte der Leser wendet sich jetzt ab. „Den Teufel gibt es nicht“ – so murmeln sie im Abgang.

Aber moment? Vom Teufel sprach ich gar nicht! „Teufel“ …. der geht zurück auf den vorchristlichen Pan, dessen Lüsternheit ihn der Kirche so verdächtig gemacht hat, dass sie ihn „verteufelt“ hatten. Pan selbst jedoch … ist Gestalt gewordene Natur – und nicht das personifizierte Böse. Ich merke, es wird kompliziert. Zeit, Hilfe zu suchen.

Kennen Sie Johannes Baptista Scaramelli? Jesuit, gestorben 1752. Er entwarf dereinst „Regeln zur Unterscheidung der Geister“. Wird heute noch von Mönchen gerne gelesen, die sich ihr privates Glück nicht durch wirre Gedanken stören lassen wollen. Sein Werk stellt inzwischen ein Standardwerk für geistiges Personal da, für Menschen, die sich bewusst vom Bösen abwenden wollen … an das wir nicht glauben wollen: was ja auch ein Weg ist, damit umzugehen.

Ich lese gerne mal extreme Texte aus ferner Vergangenheit, um einen alternativen Blick auf unsere Kultur zu erhalten – für diesen Zweck ist Scaramelli gut geeignet, allein, wenn ich mir schon die erste Regel anschaue:

Das erste Kennzeichen der Einwirkung des bösen Geistes auf unseren Willen sind Unruhe, Verwirrung und Trübsinn. All dies steht im direkten Gegensatz zum Frieden, den Gott verleiht. Und in der Tat: wenn der Teufel uns offen versucht, so erregt er in uns Gefühle des Hasses, des Unwillens, des Zorns und des Neides; alles trübe und unruhige Leidenschaften; oder er ruft auch in der Seele Begierden nach sinnlichen Ergötzungen, Reichtümern und Ehren hervor, welche mit ihrem blendenden Schein anlocken, aber, wenn man sie nicht hat, uns quälen und wenn man sie erlangt, uns auf tausenderlei Art beunruhigen.

(aus: Scaramelli, Regeln zur Unterscheidung der Geister, FE-Medienverlag 2011, Seite 21 – 22).

Bleiben wir bei diesen „ersten Kennzeichen“. Wir wollen ja keine Jesuiten werden, noch Scaramelli in die bundesdeutsche Verfassung schreiben. Ich möchte nur zu einem Gedankenexperiment einladen – weil Sonntag ist.

Stellen Sie sich mal vor, unsere Kultur würde ihre ganze Kraft in den Kampf gegen böse Geister stellen – nur für einen Moment.

Unruhe – wegen drohender Arbeitslosigkeit zwecks Kosteneinsparungen (aktuell: Airbus Group, 800 Stellen trotz Wachstums der Aktie im 157 % in drei Jahren, siehe ManagerMagazin)? Verwirrung – wegen polizeilichen Zwangsräumungen ohne richterlichen Beschluss (ganz aktuell: siehe TAZ)? Trübsinn – wegen „Sonntag“ (siehe Sybille Berg im Spiegel)?

Gehört abgeschafft. Sind Auswirkungen der Einflüsterungen böser Geister.

Merken Sie, wie elegant und zivilisiert diese Lösung ist? Nicht der Manager ist böse, nicht der übergriffliche Polizist, der den demokratischen Grundsatz der Gewaltenteilung ignoriert, nicht die Konsumdrohne, die an der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz verzweifelt, sondern … „böse Geister“.

Das ist uraltes Denken. Vorchristlich. Vorreligiös, könnte man sagen. „Das Böse“ besteht aus Einflüsterungen böser Geister … nicht etwa aus einem Schaden an der Seele des Menschen – oder aus grundsätzlichen Fehlprogrammierungen der Psyche.

Stellen Sie sich vor, wir würden aktiv – mit der ganzen manipulierenden Gewalt der Werbewirtschaft – die Wirkungen böser Geister anprangern und so den Menschen die Möglichkeit geben, sie zu erkennen, sich ihrem Einfluss zu entziehen! Wie sähe unsere Welt aus … ohne Hass, ohne Neid, ohne Unwillen, ohne Zorn?

Keine Unruhe.

Keine Verwirrung.

Kein Trübsinn.

Was also hält uns eigentlich davon ab, mit aller Kraft gegen „das Böse“ vorzugehen und für eine Gesellschaft zu werben, in der es Ruhe gibt, Klarheit und Glück? Geprägt von Werten der Liebe, der Toleranz, der Sympathie und der Gelassenheit?

Grund genug hätten wir dafür – denn hier, mitten im aufgeklärten Europa des 21. Jahrhundert – wütet das Böse ungehindert in großem Stil, siehe Spiegel:

Es sind erschreckende Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Frauen in Europa. Jede dritte Befragte einer EU-weiten Umfrage wurde schon einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt, jede 20. Frau berichtete von Vergewaltigung.

Nun – wir haben den Glauben an „böse Geister“, „das Böse“ und vor allem „den Teufel“ abgeschafft. Einen Feind, den man nicht sehen will, kann man nicht bekämpfen. Kämpfen wollen wir aber trotzdem – und hier sind wir dann … anders als die alten Kulturen, deren Weisheit Scaramelli nur für den katholischen Raum aufbereitet hat … völlig abgedreht, völlig unmenschlich geworden.

Schlimmer noch als die katholische Kirche, die aus einer fruchtbaren Naturgottheit ein personifiziertes Böse gemacht haben, haben wir das Böse auf die Erde geholt und aus MENSCHEN das personifizierte Böse gemacht … das wir dann mit aller Gewalt bekämpfen. Juden. Armenier. Indianer. Kurden. Hexen. Arbeitslose. Zigeuner. Frauen. Männer. Aktuell sind die Russen dran – und der Islam. Oder der Unternehmer und die Jobcentermitarbeiterin.

Die Ergebnisse lassen sich sehen: die aufgeklärten, rationalen, vernünftigen und den Idealen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verpflichteten Demokratien führen genauso brutale Massenvernichtungskriege wie die Horden der Tyrannen: ein Fest für böse Geister.

Deren Botschaft wird ja auch von den Medien in breiter Front ausgestrahlt und immer wiederholt, die ganze Werbewirtschaft erweist sich als fünfte Kolonne böser Geister und ruft gezielt Begierden hervor nach Kaffee und Urlaubsfahrten, Lottogewinnen oder Jauchs Millionen, „Wetten Das“ – Ehrungen oder „DSDS“-Sangesprämien.

Wenn es gilt, die Botschaft böser Geister zu verbreiten, stehen auf einmal alle Medien stramm. So erziehen sie das Volk zum Hass auf die, die böse sind, zum Neid auf die, die reich sind (entweder reich an Geld oder reich an Zeit), zum Zorn auf die, die sich nicht dem Reich der bösen Geister anschließen und zum Unwillen, etwas gegen diesen „Mainstrem“ zu unternehmen.

Das Ergebnis? Ein depressives, unglückliches, gewalttätiges Volk.

Was wäre wohl … wenn die Medien die Botschaft guter Geister verbreiten würden? Nur mal so aus Spaß angedacht?

Wenn wir – fern von jeder Art von Religion oder Katholizismus – die Botschaften eines Epikur über ein glückliches Leben zur Grundlage unserer Werbebotschaften machen würden, wo nicht der Genuss des Kaffees höchstes Ziel des Lebens ist … sondern die Befreiung von der Gier nach Kaffee?

Nach Scaramelli wäre das Ergebnis des Einflusses guter Geister „Liebe, Freude und Friede“ (a.a.O., Seite 14) – Epikur verspricht das Gleiche, wenn man Herr über seine Begierden wird – anstatt täglich neue zu entfachen und diesen ständig nachzulaufen.

Wie wäre es … wenn wir nicht nur das Reden über das Böse, den Teufel und die Dämonen ausrotten würden, sondern die Auswirkungen des Bösen in der menschlichen Gesellschaft angehen würden?

Nun – die „Liebe“ erklären wir zur „Sozialromantik“ und somit zu einem Ausdruck krankhaften Schwachsinns.

Die „Freude“ wird als „Schadensfreude“ gefeiert – alle gieren danach, die Demütigungen des „Dschungelcamp“ zu konsumieren.

Und der „Friede“ – gehört ebenfalls in den Bereich der Sozialromantik, Massenmord an Zivilisten wird alternativlos zu „Kollateralschaden“ erklärt, den man im Kampf gegen „DEN Bösen“ hinnehmen muss.

So etwas geschieht, wenn man den Kampf gegen „das Böse“ zum Kampf gegen „den Bösen“ macht.

Letzerer ist aber bequemer, denn der Kampf gegen „das Böse“, gegen die Einflüsterungen böser Geister, findet in einem selber statt. Hier kann man keine gedungenen Mörder ausschicken, die mit Drohnen, Bomben oder Gift dem „Teufel“ den Garaus machen und so das Gewissen beruhigen. Funktioniert ja auch nicht: das Böse bleibt – trotz aller Kollateralschäden. Es verschwindet nicht, wenn man alle „Bösen“ dieser Welt ausrottet – zumal die „edlen Retter“ den „bösen Tyrannen“, die sie so heldenhaft bekämpfen, immer ähnlicher werden … was sehr zu unserer Verwirrung in politischen und moralischen Fragen beiträgt.

Wo sind wir da nur gelandet?

Nur ein paar besinnliche Gedanken über ein nahezu ausgestorbenen Begriff, ein wenig Hilfe dazu von einem asketischen Wanderprediger – und schon haben wir eine Antwort auf die Frage, wieso eigentlich die „westliche Wertegemeinschaft“ „Lebensraum im Osten“ sucht, wieso die deutsche Verteidigungsministerin von einer neuen Ostfront und einer Neuauflage des Afrikakorps träumt.

Würden wir Scaramelli fragen – ihm wäre das völlig klar. Die bösen Geister sind außer Rand und Band, sie haben die Herrschaft über die Erde übernommen, dirigieren uns in unserem Leben inzwischen in jedem kleinsten Detail und verwandeln die Erde in ein Jammertal. Das natürliche Immunsystem der menschlichen Gesellschaft versagt im Kampf gegen diese „Viren“ vollkommen – trotz Aufklärung, Demokratie und Erklärung der allgemeinen Menschenrechte.

Der Grund ist einfach: die Bedrohung wird nicht mehr als solche erkannt: Grundlage für das Versagen eines jeden Immunsystems. „Das Böse“ gibt es nicht – das ist jedem klar. Über so etwas redet man auch nicht.

Das wir aber „den Bösen“ aufhalten müssen – auch mit aller Gewalt ohne Rücksicht auf die Folgen: das erleben wir gerade am Beispiel Putin, der gerade in den Medien den Arbeitslosen als Urbild des Bösen ersetzt. Ist wie eine Autoimmunerkrankung, die sich gegen die eigenen Zellen richtet, anstatt gegen die Viren, die diese Zellen besetzen wollen.

Das geht auch politisch immer weiter, Sie akzeptieren das, ohne zu merken, was geschieht: schon längst sind Sie als Bürger selbst zum „Bösen“ geworden, Sie zahlen sogar Steuern dafür, dass Sie sich selbst bekämpfen lassen dürfen. Völlig ohne jeden Protest akzeptieren wir, dass „Riot-Control“ (also: Aufstandsbekämpfung) zu unserem Alltag gehört und bei jeder Demonstration zum Einsatz kommt – wie aktuell bei der Demonstration gegen die Sparpolitik (Scaramelli würde hier vielleicht von der gewollten Herrschaft des Hungers reden, eines ziemlich großen bösen Dämons, ja, sogar einer der apokalyptischen Reiter) in Brüssel, die von vielen Medien ignoriert wurde (siehe Russia Today).

Wie wäre es, wenn wir – nur mal zum Spaß angedacht – uns mit Scaramelli in jene Situation begeben würden und mit Polizisten und Demonstranten über böse Geister reden, die ihneneinflüstern, das Böse im jeweils anderen Menschen zu sehen …. anstatt in dem ihn bedrängenden Geistern? Wenn wir gegen den Hass, den Zorn, den Neid und den Unwillen selbst vorgehen würden anstatt jene Menschen zu schlagen (oder töten), die wir für unsere Gefühle ursächlich verantwortlich machen?

Die Welt wäre sofort friedlicher.

Ist aber schlecht fürs Geschäft.

Na ja – es ist halt Sonntag. Da darf man so etwas denken. Geschäfte haben zu.

Morgen ist wieder Montag, da haben die Geschäfte wieder auf und helfen uns, jene Begierden zu stillen, die wir ohne Werbung gar nicht hätten. Morgen können wir wieder in der sicheren Gewissheit leben, dass Boshaftigkeit alternativlos zum menschlichen Verhalten dazugehört … obwohl schon ein Blick in die Geschichte reichen würde, um zu erkennen, dass es gar nicht so alternativlos ist.

Man findet sogar Menschen, die gezielt gegen das Böse vorgehen wollen – etwas, das unserer Kultur einfach nur als krank bewertet, während wie Aufstandbekämpfung, Kollateralschäden oder politisch gewollten Hunger als völlig normal und gut akzeptieren und völlig vergessen haben, dass auch uns Meinungsfreiheit, der Schutz der Zivilbevölkerung und die sozialen Menschenrechte viel Wert sein sollten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Armageddon am Sonntag: der Weltkrieg der Seelenlosen

Armageddon am Sonntag: der Weltkrieg der Seelenlosen

Sonntag. 16.3.2014. Eifel. Schöner Sonntag, oder? Man kann ausschlafen, in Ruhe frühstücken, bevor eine Zeitspanne unsäglicher Langeweile beginnt – jedenfalls für vielen, wenn wir Sybille Berg folgen wollen, die sich im Spiegel ausführlich über die Nöte der Wohlstandsbarbaren am Sonntag ausgelassen hat. Wäre früher undenkbar gewesen: man war heilfroh, dass die Kirche Adel und Wirtschaft den Sonntag als Feiertag abgetrotzt hatte: endlich ein Tag ohne Arbeit!

Warum wir ihn heute nicht mehr so genießen können? Nun – das ist einfach zu beantworten: wir arbeiten gar nicht mehr. Jedenfalls erledigen wir keine Arbeiten mehr, wie wir seit Anbeginn der Menschheit erledigt hatten: wir kultivierten Umweld, sorgten uns um das Gemeinwesen, schufen im Sinne eines ewigen Friedens Gerechtigkeit – so gut es uns möglich war und planten weise und langfristig unsere Zukunft.

Heute leben wir anders: die Quartalszahlen der Konzerne bestimmen unser Wohlbefinden, täglich mahnt die Börse und ruft zur Pflege des Kapitalismus auf, stündlich berichten Nachrichten über den großen Erfolgszug des Kapitalismus gegen eine böse, dumme, hinterhältige und gemeine Umwelt, die überall … von Ägypten über Syrien bis zur Ukraine … Scharfschützen auf dem Dach hat.

Wissen Sie, was der große General Douglas Mac Arthur am 2.9.1945 gesagt hat?

„Wir hatten unsere letzte Chance. Wenn wir kein besseres oder gerechteres System schaffen können, wie das Armageddon vor unserer Tür stehen“.

Nun – die Chance haben wir verpasst. Gründlich. Geht nur ein wenig fehl, stehen wir – trotz „Demokratie“ und aller angeblichen Bemühungen um „Frieden“ – wieder vor einem Weltenbrand … dem mutmaßlich letzten der Menschheitsgeschichte. Sicher, es wäre sehr unvernünftig, einen Krieg mit Russland vom Zaun zu brechen, wenn China sich Russland anschließt … aber wo regiert im Reich der Politik und Wirtschaft, im Reich von Macht und Gier, schon Vernunft?

Während sich andere blasiert über ihre unglaublichen Leiden am Sonntag echauffieren, geht das Armageddon Tag für Tag weiter. Wir werden nur nicht beständig darüber informiert – das könnte die Geschäfte stören.

In den letzten vierundzwanzig Stunden sind auf unserem Planeten 80000 Hektar Regenwald zerstört worden. Volle 13000 Tonnen giftiger Chemikalien wurden in unsere Umwelt entlassen. Mehr als 45 000 Menschen sind verhungert, davon 38000 Kinder. Und mehr als 130 Pflanzen- oder Tierarten sind durch menschliches Handeln ausgelöscht worden. (Ein Artensterben von diesen Ausmaßen fand zuletzt beim Untergang der Dinosaurier statt).

(Aus: Thom Hartmann, Unser ausgebrannter Planet, Riemann Verlag, 2000, Seite 23 – dort findet sich auch des Zitat des erfolgreichen Pazifikkriegers).

Ein ganz normaler Sonntag.

Nun, das Buch ist ja alt. Sicher haben Politik und Wirtschaft seitdem viel getan, denkt man sich: dafür werden die ja auch fürstlich bezahlt. Außerdem ist das ja auch alles weit weg – wir haben in Deutschland keinen Regenwald.

Nun – schauen wir einfach mal nach. Direkt vor Ort: Umweltbericht der Landesregierung NRW von 2013 … direkt vor meiner Tür:

Das Artensterben schreitet auch in NRW voran. Nach dem jüngsten Umweltbericht der Landesregierung ist die Zahl der ausgestorbenen oder verschollenen Arten in Nordrhein-Westfalen so hoch wie nie und liegt inzwischen bei über neun Prozent. 1979 waren es bereits fünf Prozent. Insgesamt sind nach der jüngsten Roten Liste etwa 45 Prozent der beobachteten Arten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder ausgestorben.

Wer Zahlen mag: das ist ein Anstieg der Vernichtungsquote von 900 % in nur 35 Jahren.

Geht aber nicht nur um Tiere. Es geht auch um Wasser:

In NRW verschwinden täglich rund zehn Hektar Natur durch Bebauung. Der Trend zum Flächenverbrauch ist zwar rückläufig, trotzdem ist der Verlust von Freiflächen zu Gunsten von Siedlungs- und Verkehrsflächen weiterhin zu hoch.

Klar, das wissen wir schon lange. Sofortiger weltweiter Baustopp wäre angesagt – erst recht dort, wo noch wertvolle Ackerfläche liegt … oder wertvolles Grundwasser.

Die Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen sind zum Großteil weiterhin nicht in einem ökologisch guten Zustand. Demnach verfügen lediglich acht Prozent der untersuchten 13.750 Gewässerkilometer in NRW über ein intaktes Ökosystem. 92 Prozent sind in einem mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand.

Beim Grundwasser gibt es auch keine Entwarnung.

Nach der aktuellen Bestandsanalyse sind rund 40 Prozent der Grundwasserkörper in NRW wegen hoher Nitratbelastungen derzeit nicht in einem guten chemischen Zustand. Seit 1990 gibt es keine nennenswerten Verbesserungen.

Klar, es gibt auch Erfolgsmeldungen – aber die stehen in keinem Vergleich zum laufenden Armageddon. Nur 8 Prozent der Fließgewässer sind noch intakt.

Eigentlich müßte das Volk Amok laufen: es ist dem Untergang geweiht.

Was gab es gestern in der Tagesschau? Sandstürme in Deutschland:

Sandstürme haben am Sonnabend in Mecklenburg-Vorpommern örtlich den Verkehr behindert. Nach der langen Trockenheit trugen starke Windböen infolge eines Wetterumschwungs an mehreren Stellen im Land Boden und Sand von den ausgedörrten Äckern und Feldern auf die Fahrbahnen.

So fängt es an. Stürme fegen die hauchdünne fruchtbare Oberfläche fort – dann folgt die Wüste. Mitten in Deutschland.

Die Frage ist: warum ist das so? Darüber wird viel diskutiert.

Eigentlich ist jede Diskusstion überflüssig – auch wenn das jetzt den normalen Akademikern zuwider ist: es wäre Zeit, Taten folgen zu lassen. Dafür bezahlen wir ja Regierungen – eigentlich.

In Wirklichkeit bezahlen wir die für nichts. Man sollte eine Institution schaffen, die „Eingliederungsvereinbarungen“ für Regierungen schafft: bekommt ihr Hungertote, Kriegsgefahr und Umweltapokalypse nicht in einem Jahr in den Griff, werden die Diäten und Alimente gekürzt. Pro Jahr um 30%. Oder pro Quartal? Bei Arbeitslosen soll diese Methode wahre Wunder wirken, sagt die Regierung.

Die Ursache der Misere?

Ghandi hat da mal einen Tip gegeben: Die Natur hat genug, um uns alle zu ernähren, aber nicht genug, um die Gier weniger zu stillen. (Jugendrotkreuz.at).

Ja – Gier. Gier nach MEHR, IMMER MEHR UND NOCHMAL: MEHR.

Die Philosophie des weißen Mannes … nicht, wie oft von weißen Umweltschützern so gern erwähnt, die Gier des Menschen an sich. Überhaupt: wir reden nicht gerne über diese Täter. Wer ist schon gegen Sklaverei, wenn er zu den Haltern gehört. Die Tatsache, dass unsere Armen nicht nackt und hungernd auf der Straße liegen, hat nur damit zu tun, dass wir unsere Preise auf dem Rücken farbiger Untermenschen (momentan: hauptsächlich gelbe) niedrig halten. T-Shirt, Jeans, Turnschuhe – sogar unnötiger Nippes wird mit viel Arbeitsaufwand zu ganz ganz wenig Geld weit weg von hier gefertigt. Toller Trick: so machen wir unsere Armen auch zu Tätern, auf die wir immer wieder fein mit dem Finger zeigen können: „Huch, seht mal: die kaufen bei Kik. Nein, was für Unterdrücker!“.

Die Kritiker selbst sieht man häufiger auf der Kö in Düsseldorf.

Schön blöd, oder?

Das ist Absicht, meint jedenfalls Peter Scholl-Latour, ein Mensch, der in den Folterkellern der Gestapo die Abgründe menschlichen Seins erleben durfte, siehe Heise:

Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung, besonders der medialen Massenverblödung.

Wenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von TAZ bis Welt, über die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im großen Stil berichten, flankiert von den technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, dann kann man nur feststellen, die Globalisierung hat in der Medienwelt zu einer betrüblichen Provinzialisierung geführt. Ähnliches fand und findet ja bezüglich Syrien und anderen Krisenherden statt.

Nur – gerade diese Massenverblödung schützt uns vor dem kollektiven Amoklauf, der folgen würde, wenn wir merken würden, dass unser Schiff mit rasender Geschwindigkeit sinkt.

Die Kultur des weißen Mannes ist eine Kultur der Gier – vom Milliardär bis zu Hartz IV: überall hört man das gleiche Geschrei nach MEHR, IMMER MEHR UND NOCHMAL MEHR.

Wir verhalten uns wie kranke Psychpathen, die im Rausche der Völlerei im Oktober den Kornspeicher leerfressen, der sie über den Winter bringen sollte – und währenddessen lassen wir uns dazu verführen, ein absurdes Spiel „Gut“ gegen „Böse“ zu spielen, so als ob gerade wir die weiße Weste hätten. Dafür reicht ein Blick in den Spiegel von heute: Krim – alles Mafiosi (Spiegel), Venezuela – alles Mörder (Spiegel), Paris, London, Peking – tödlich verseucht (Spiegel) … nur der Deutsche, der ist weise und gut und hat den vollen Durchblick (ebenfalls: Spiegel):

Das umstrittene Referendum auf der Krim findet offenbar regen Zulauf, viele der 1,5 Millionen Wahlberechtigten sollen bereits abgestimmt haben. Außenminister Steinmeier spricht in einem Zeitungsinterview von einer „brandgefährlichen Lage“.

In der Tat: eine gefährliche Lage. Die Hälfte der Wahlberechtigten hatte ihre Stimme schon im ersten Drittel des Tages abgegeben: sowiel Demokratie ist für Sozialdemokraten wirklich brandgefährlich. Hier ist dringend ein Anschluß an die Massenverblödung der EU erforderlich, damit auch deren Sonntage unerträglich öde werden.

Lauschen wir nochmal Sybille Berg, die uns ausführlich über ihren Sonntag berichtet hatte:

Wo bist du am Sonntag, wenn die Welt um dich mit sich beschäftigt ist, die Geräte schlafen, keiner dich treibt, dich braucht und du allein bist. Mit dir. Etwas Unbekanntem.

 

So läufst du herum, sprichst mit dem Gestühl, alle schweigen, keiner mag dich. Und du denkst an damals, als du zum ersten Mal erkanntest, dass du keine Seele hast.

Ja – das ist es doch! Das erkärt alles!

Der weiße Mann hat keine Seele mehr.

Darum wirkt Verblödungsfunk so gut – und darum ändert sich auch nichts am laufenden Armageddon. Im Gegenteil: die Seelenlosen, die schon Pflanzen, Wasser, Tier und Luft vernichten, wollen genau das! Wenn kein Leben in ihnen ist – dann soll es auch nirgendwo anders sein.

Und wenn ihr eigenes Land voller Morde, Mafia und Seuchen ist, dann darf es den anderen auch nicht besser gehen.

Wir hatten unsere letzte Chance.

Jetzt haben wir Armageddon – übrigens auch symbolisch, wie der Papst selbst kürzlich erfahren musste, siehe Süddeutsche vom 27.1.2014:

Als Papst Franziskus zwei weiße Tauben aus dem Fenster des Apostolischen Palastes fliegen ließ, war das als Zeichen des Friedens gedacht. Doch die Tiere kamen nur wenige Meter weit, bevor sie von zwei anderen Vögeln heftig attackiert wurden.

Der Frieden komme dieses Jahr nur ein paar Meter weit.

Einen Monat später … wäre fast Weltkrieg gewesen.

Aber den brauchen wir eigentlich nicht mehr, der läuft auch schon so – seit vielen Jahren: der Weltkrieg der Seelelosen gegen alles Lebendige.

Wird der jetzt auch noch zum heißen Krieg um die Krim oder die Ukraine, dann bekommt der seelenlose weiße Mann nur mal wieder eine Portion seiner eigenen Medizin zu spüren, die jetzt gerade die Welt verzehrt.

 

 

Die Linkspartei geht auf Kriegskurs

Mit Dank an die World Socialist Web Site für diesen Artikel:

 

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Von Johannes Stern 
18. Oktober 2013

Die Linkspartei ist dabei, sich offen für Auslandseinsätze der Bundeswehr und eine aktivere Rolle des deutschen Imperialismus einzusetzen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem die herrschende Elite Deutschlands über eine aggressivere Außenpolitik diskutiert, um ihre wirtschaftlichen und strategischen Interessen international zu verteidigen.

In einer Aufsatzsammlung unter dem Titel „Linke Außenpolitik: Reformperspektiven,“ die jüngst beim Think Tank WeltTrends erschien, plädieren führende Außenpolitiker der Linkspartei offen für deutsche Militäreinsätze, die Verteidigung imperialistischer Bündnisse und Verträge, eine enge transatlantische Kooperation mit den USA und eine größere internationale Rolle Deutschlands.

Bisher hatte die Linkspartei als einzige Bundestagspartei Auslandseinsätze der Bundeswehr offiziell abgelehnt, die Außenpolitik der USA kritisiert und sich in ihrem Programm sogar für die Auflösung der NATO ausgesprochen. Damit soll nun offiziell Schluss sein. Nach den Bundestagswahlen ist die Linkspartei dabei, auch in außenpolitischen Fragen politischen Ballast abzuwerfen. Sie signalisiert der herrschenden Elite damit, dass sie zukünftig gewillt ist, auch in der Außenpolitik „Verantwortung“ zu übernehmen – entweder als Teil einer zukünftigen Regierungskoalition oder als loyale Oppositionspartei.

In einem Beitrag mit dem Titel „Die Linke und Militäreinsätze“ wirbt der verteidigungspolitische Sprecher der Linkspartei, Paul Schäfer, der gleichzeitig Obmann der Linksfraktion im Verteidigungsausschuss des Bundestags ist, offen für die Unterstützung von Militäreinsätzen. Schäfer fordert, dass die Linkspartei „möglichst präzise und besonders restriktive Kriterien“ entwickeln müsse, „um unsere Haltung zu solchen Militärmissionen festzulegen“.

Gleichzeitig stellt Schäfer klar, dass der Zustimmung seiner Partei zu zukünftigen Kriegseinsätzen in Wirklichkeit kaum Grenzen gesetzt sind. „Nicht a priori abzulehnen“ wären Einsätze, „die von den Vereinten Nationen legitimiert und auch geführt werden, mit denen ein […] Friedensabkommen durchgesetzt werden soll, [und] die zur Implementierung von Vereinbarungen, die die legitimen Anliegen der bis dato Unterdrückten bzw. Entrechteten widerspiegeln, führen.“

Des Weiteren seien Militäreinsätze zu unterstützen, „die von ‘zivilgesellschaftlichen’ Akteuren wie Menschenrechtsgruppen, humanitären Hilfsorganisationen, Gewerkschaften innerhalb eines Landes und international ausdrücklich befürwortet werden.“

Mit anderen Worten: die Linkspartei ist bereit, allen Einsätzen der Bundeswehr in den letzten zwei Jahrzehnten im Nachhinein ihren Segen zu geben und kommende mitzutragen. Tatsächlich gibt es keinen einzigen Einsatz der Bundeswehr, weder den im Kosovo noch den in Afghanistan, der nicht unter eines der von Schäfer genannten Kriterien fallen würde. Das würde vor allem auch für einen Krieg gegen Syrien gelten, wo die von der Linkspartei unterstützten Oppositionsgruppen seit langem einen Militärschlag fordern.

Wie die Vertreter der anderen Bundestagsparteien ist Schäfer bemüht, seine Unterstützung für eine brutale imperialistische Kriegspolitik mit zynischer Menschenrechtspropaganda zu rechtfertigen. Er fragt: „Stößt nicht eine Verabsolutierung des Einmischungsverbots moralisch und juristisch an eine Grenze, wenn es um Genozid bzw. Massenmord geht?“, und fordert: „Wir können als Linke denjenigen, die sich in ausweglosen Situationen ihren Unterdrückern und Verfolgern gegenüberstehen, nicht die Solidarität verweigern.“

Schäfer ist sich natürlich bewusst darüber, dass hinter den von ihm propagierten „humanitären“ Militäreinsätzen in Wirklichkeit handfeste wirtschaftliche und geostrategische imperialistische Interessen stehen. Er schreibt: „Die Rückkehr Afrikas auf die Bühne der Weltpolitik, die nicht zu übersehenden begehrlichen Blicke der USA, aber auch Frankreichs, Deutschlands und Chinas, auf den vergessenen Kontinent, hat zu tun mit der Entdeckung neuer Rohstoffvorkommen (Öl, Öl, Öl).“

Und genau aus diesem Grund unterstützt sie Schäfer! Er schreibt: „Wer jedoch meint, damit das Thema internationale Militäreinsätze erledigt zu haben, springt entschieden zu kurz. Könnte es nicht sein, dass solche Einsätze durchaus von bestimmten Interessen der Kapitalverwertung und politischen Einflusserweiterung geleitet sind und dennoch zur Versorgung und Rückkehr von Flüchtlingen, und zur Rettung Hunderttausender Menschenleben und zur Deeskalation von Gewalt beitragen?“

Das ist die zynische Sprache eines ehemaligen Stalinisten, der nun dafür eintritt, die Interessen des deutschen Imperialismus auch mit militärischen Mitteln zu verteidigen. Schäfer war von 1970 bis 1988 Mitglied der DKP.

Die Linkspartei begnügt sich nicht damit, bestehenden Bundeswehreinsätzen im Nachhinein ihren Segen zu erteilen, sondern fordert explizit ein aggressiveres Auftreten des deutschen Imperialismus. Sie stimmt damit in den Chor der gesamten herrschenden Elite ein, die nach Jahrzehnten der Zurückhaltung fordert, dass Deutschland international wieder eine viel stärkere Rolle spielen müsse.

In einem Beitrag unter dem Titel „Reformen zur Stärkung der UNO sind notwendig und sichtbar“ erklären die Linkspartei-Außenpolitiker Paul Schäfer, André Brie, Stefan Liebich, Ernst Krabatsch und Gerry Woop, dass Deutschland „den erneuten nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat für zwei Jahre“ dafür nutzen solle, seinen „Einfluss“ geltend zu machen. Die Linkspartei wolle dabei auch als Oppositionspartei im Bundestag „einen Beitrag leisten“ und mit „eigenen Impulsen dazu den Diskussionsprozess“ befördern, „vor allem mit Blick auf die besondere Verantwortung und Einflussmöglichkeit der Bundesrepublik Deutschland“.

Zu den erklärten Zielen gehören „die Bekämpfung des Terrorismus“ und „Sanktionen als Zwangsmaßnahmen nach Kapitel VII der UN-Charta“.

Die Linkspartei macht damit deutlich, dass sie bereit ist, die Interessen des deutschen Imperialismus auch in einem engen außenpolitischen und militärischen Bündnis mit den USA zu verteidigen. Die neokolonialen Kriege gegen den Irak und Afghanistan wurden unter dem Deckmantel des „Kampfs gegen den Terror“ geführt; dem NATO Bombardement Libyens vor zwei Jahren ging eine Resolution nach Kapitel VII der UN-Charta voraus.

In einem weiteren Beitrag unter der Überschrift „Linke zwischen Antiamerikanismus und Bündnisfrage“ argumentiert Gabriele Kickut, die stellvertretende Direktorin des Zentrums für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit der linksparteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung, der US-Imperialismus könne eine „progressive“ Rolle spielen. Laut Kickut müsse man die US-Außenpolitik als „imperialen Liberalismus“ verstehen, und davon ausgehen, „dass liberale politische Ziele auch unter Einsatz militärischer Gewaltmittel oder durch den Aufbau hegemonialer Strukturen verfolgt werden“.

Kickut fordert, dass diesem Ansatz „bei der Konzeption transatlantischer Aspekte linker Außenpolitik mehr Beachtung geschenkt“ wird. Sie betont, dass „die globalen Herausforderungen der heutigen Zeit […] nur in Kooperation mit und nicht in Konfrontation gegen die USA lösbar“ seien. Gerade „linke Politik“ komme „auch in Zukunft nicht an den USA vorbei“.

Schließlich erklärt André Brie das ganze offizielle Programm der Linkspartei zur Makulatur. Im Aufsatz „Weltgesellschaft oder Globalisierung“ schreibt er, der Grundsatz „Pacta sunt servanda“ (Verträge sind einzuhalten) müsse die Grundlage jeder „linken“ Außenpolitik sein. Das Prinzip sei „nicht nur für das gesellschaftliche öffentliche und private Vertragsrecht eine geradezu zivilisatorische Notwendigkeit, sondern gleichermaßen auch für die internationalen Beziehungen, Organisationen, zwischenstaatliche Vereinbarungen und das Völkerrecht insgesamt.“

Die Nato, die die Linkspartei angeblich abschaffen will, und das mit ihr verbundene Geflecht von internationalen Verträgen gelten damit als unantastbar.

Die Unterstützung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr, die Aufrechterhaltung der engen außenpolitischen Beziehungen zu den USA und die Verteidigung von bestehenden Bündnissen wie der NATO gelten als Voraussetzung für eine Regierungsbeteiligung auf Bundesebene. Mit ihren neuen „Reformperspektiven“ zur Außenpolitik macht die Linkspartei deutlich, dass sie sich ernsthaft darauf vorbereitet. Bereits im Wahlkampf war die zentrale politische Forderung der Linkspartei eine Regierungskoalition aus SPD und Grünen. Gregor Gysi, der Spitzenkandidat der Linkspartei, hatte sich Anfang August als Außenminister ins Spiel gebracht.

Die Tatsache, dass Gysi das Vorwort zum Band verfasst hat, zeigt, dass der neue außenpolitische Kurs von der gesamten Partei mitgetragen wird. Gysi wurde erst in der letzten Woche in seinem Amt als Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Bundestag bestätigt.

Im Wahlkampf hat die Linkspartei versucht, ihre Kriegspolitik zu verstecken und behauptet, sie lehne Auslandseinsätze der Bundeswehr und Krieg ab. Einige Arbeiter und Jugendliche haben sie gewählt, weil sie ihrer tief wurzelnden Ablehnung gegen Krieg und Militarismus Ausdruck verleihen wollten.

Nun gilt es, die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Broschüre „Linke Außenpolitik“ lässt keinen Zweifel mehr, dass die Linkspartei – ähnlich wie die Grünen vor 15 Jahren – dabei ist, sich in eine offene Kriegspartei zu verwandeln. Sie wird eine entscheidende Rolle bei der Rückkehr des deutschen Imperialismus auf die Weltbühne spielen.

Bedingungsloses Grundeinkommen als Rettung vor dem Staatsinfarkt

Bedingungsloses Grundeinkommen als Rettung vor dem Staatsinfarkt

Wer wie ich in den siebziger Jahren groß geworden ist, der weiß, wie motivierend es sein kann in einer Gesellschaft zu leben, die sich in einer Aufbruchphase befindet. Es war die Zeit, in der man anfing, die letzten lebenden Nazis aus den Ämtern zu vertreiben, in der viele Menschen alternative Lebensentwürfe ausprobierten, in der man Vertrauen fassen konnte in das „Modell Deutschland“ mit seiner niedlichen kleinen Hauptstadt am Rhein. Es war eine Zeit, in der Zuhälter beim Sozialamt die Raten für ihren Porsche bezahlt bekamen – was erstmal entsetzte, aber beim näheren Hinschauen konsequent fair und sozial war: niemand sollte durch Arbeitslosigkeit seinen gesellschaftlichen Status verlieren.  Für so ein Land hat man dann gerne 120 Stunden die Woche gearbeitet – und auch gerne Steuern gezahlt.

Jedenfalls habe ich das getan.

Damals konnte man noch Kants Schrift „Zum Ewigen Frieden“ lesen und glauben, man erlebt, wie sie – nachdem sie schon in die UN-Charta eingeflossen ist – Realität wird und der Welt den ewigen Frieden schenkt. Ein Blick nach Wikipedia zeigt, wo das Problem liegt

Erster Abschnitt: Die sechs Präliminarartikel

  1. „Es soll kein Friedensschluss für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden.“
  2. „Es soll kein für sich bestehender Staat (klein oder groß, das gilt hier gleichviel) von einem anderen Staate durch Erbung, Tausch, Kauf oder Schenkung erworben werden können.“
  3. „Stehende Heere (miles perpetuus) sollen mit der Zeit ganz aufhören.“
  4. „Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden.“
  5. „Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewalttätig einmischen.“
  6. „Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem andern solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind, Anstellung der Meuchelmörder (percussores), Giftmischer (venefici), Brechung der Kapitulation, Anstiftung des Verrats (perduellio) in dem bekriegten Staat etc.
Die Stichworte „Libyen“, „Irak“, „Israel“, „Afghanistan“, „Grenada“, „DDR“ zeigen, das man sich nicht daran zu halten gedenkt – und so die Chance auf Frieden verwirkt. Ein aktuelles Beispiel, über das meiner Meinung nach viel zu wenig geredet wird? Schauen wir kurz nach Libyen und hören uns eine Gegenmeinung an:

Man erfährt, dass die NATO-Luftangriffe auf Libyen brutal und gnadenlos fortgesetzt werden. Gemeldet werden seit Beginn der Aggression ca. 20 000 Luftwaffenkampfeinsätze. In Tripolis wurde am 29. Juli 2011 die Antennen der TV-Sender bei Luftangriffen durch Zerstörung von drei Satelliten weitgehend lahm gelegt.

Ziel der NATO ist, dass die Welt nicht mehr die Meinung aus Tripolis erfahren soll. Auch in den etablierten Medien des Westens darf kaum mehr über Libyen berichtet werden. Eine der täglichen Meldungen aus Tripolis ist z. B. die Mitteilung vom 9. August 2011, die auch über die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass verbreitet wurde, dass in einem Dorf nahe der Stadt Slitan bei NATO-Luftangriffen 85 friedliche Einwohner, darunter 33 Kinder ermordet wurden !! 
Kant dreht sich über soviel Dummheit und Unvernunft aktuell im Grabe herum – aber es sollten halt auch keine Staatsschulden in bezug auf äußere Staatshändel gemacht werden.  Wer sich Geld leiht, um Krieg zu führen (wie aktuell die USA bei den Chinesen) wird über kurz oder lang eine hohen Preis dafür bezahlen müssen. Wie es kam, das der fein ausgedachte Weg zum Frieden so abrupt verlassen wurde?
Nun – das System kollabiert und schlägt deshalb wild um sich. Es ist wie mit Tieren auf der Jagd: die angeschossenen, die den sicheren Tod vor Augen haben, sind die gefährlichsten. Sie sind unberechenbar wir Staaten, die vor dem Bankrott stehen. Noch werden wir mit lustigen Nachrichten bei Laune gehalten, das Manager-Magazin erteilt uns heute ein Lektion in „positiven Nachrichten“: da erfahren wir, das die Zahl der Beschäftigten weiter steigt und wollen gerade jubeln, bis wir erfahren, das die deutsche Wirtschaft kaum noch wächst….was bedeutet, das wir bald große Probleme bekommen werden:
 „Die deutschen Banken könnten mit den gleichen Problemen kämpfen wie die französischen Institute“, sagte Eichengreen jüngst im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“. „Wenn das Wachstum in Deutschland schwächer wird, könnten diese Probleme sehr schnell für alle sichtbar werden.“
Welches System kollabiert da eigentlich? Die bürgerliche Zivilgesellschaft?
Nein. Nur ein Teil von ihr. Zur bürgerlichen Zivilgesellschaft gehören alle Menschen, weshalb sie den „Arbeiter- und Bauernstaat“ auch höflich die Tür weisen musste: die Definition des Menschen nur als Arbeitstier für die Parteioberen macht uns so wenig froh wie die Definition des Menschen nur als Arbeitstier für die Kapitalbesitzer. Die ersteren sind nun schon gegangen und von der Bühne der Politik verschwunden, die letzteren jedoch befinden sich gerade in einem Sterbeprozess, auf den der Tagesanzeiger in der Schweiz hinweist:
In einem Video-Interview mit dem «Wall Street Journal» analysiert der Star-Ökonom Nouriel Roubini den Zustand der westlichen Industriestaaten. Wegen einer massiven Umverteilung des Wohlstandes zugunsten der Superreichen sei die Nachfrage in den westlichen Industriestaaten zusammengebrochen. Der Einbruch sei so dramatisch, dass wir Glück gehabt hätten, nicht bereits jetzt in eine Depression abgerutscht zu sein, sagt Roubini und prophezeit im besten Fall lange Jahre einer schmerzhaften Stagnation.
Schön, wenn man so etwas auch in einer Nato-Zeitung lesen könnte, doch die Nato spielt gerade den militärischen Arm des Kapitalismus und schlägt besonders wild um sich – auch gegen Frauen und Kinder.  Da muss man Rücksicht darauf nehmen, das die Journalisten in Natoländern über Natomassaker nicht so ausführlich berichten: man will ja nicht seinen Arbeitsplatz oder seine Karriere gefährden.
All dies ist keine Frage der Ideologie mehr und es geht auch nicht um Fairness oder Moral. Wer das System retten will, muss jetzt handeln. «Die Märkte funktionieren nicht mehr», sagt Roubini. «Der Kapitalismus ist im Begriff, sich selbst zu zerstören.»
Es ist darob wichtig, zu erkennen, das dieser Zerstörungsprozess sich nicht nur in ein paar Zahlen auf Bildschirmen äußert, sondern als Zerstörung bürgerlicher Moral und Ethik in den Krawallen in London wie auch in den Bomben auf Lybien: ein sterbendes System bekommt Panik. Die einen plündern Läden, wer mehr kann, plündert Märkte oder Länder.
Vereinfacht gesagt sieht die Lage der westlichen Industriestaaten derzeit wie folgt aus: Konzerne und Superreiche haben in den letzten Jahrzehnten ungeheure Vermögen angehäuft und profitieren heute von tieferen Löhnen, billigem Geld und sinkenden Steuern. Der Mittelstand hingegen blutet aus: Die Löhne sinken, die Wohnkosten und die Steuerbelastung steigen. Das Resultat ist eine einbrechende Nachfrage, die im Begriff ist, in eine Verelendungsspirale zu münden. Dieses Phänomen ist Ökonomen bestens bekannt, sei es als «Liquiditätsfalle» oder als «Balance Sheet Recession».
Das sind klar Worte. Die Verelendungsspirale erleben gerade wir Deutschen sehr bewußt, manche sehen sogar einen Zusammenhang mit hohen Selbstmordraten in östlichen Bundesländern, die Arbeitszufriedenheit nimmt bundesweit rapide ab:
Auch der internationale Vergleich ist erschreckend: Das IAQ verweist auf die Ergebnisse der European Social Survey, einer Analyse der Jobzufriedenheit in 22 europäischen Ländern. Hier rangiert Deutschland auf Platz 18 – abgeschlagen hinter den anderen west- und nordeuropäischen Staaten. Hinter den deutschen landen nur noch die Arbeitnehmer der Slowakei, der Ukraine, Bulgariens und Russlands. Am zufriedensten am Arbeitsplatz sind laut der Studie Dänen, Schweizer und Finnen.
Dabei zählen Menschen mit Arbeitsplätzchen (Arbeitsplatz mag ich diese Leihteilzeitbeschäftigungen wirklich nicht mehr nennen) noch zu den Gewinnern in diesem Land.
Die Lösung für dieses Problem ist nach Roubini einfach:
Der Weg aus der Liquiditätsfalle sieht anders aus: Kurzfristig muss mit sinnvollen Investitionsprogrammen in Infrastruktur und Bildung Nachfrage geschaffen werden, um Massenarbeitslosigkeit und Deflation zu verhindern. Gleichzeitig muss der Lohnzerfall der Mittelschicht gestoppt werden. Um zu verhindern, dass die Staatsschulden ausser Kontrolle geraten, muss die massive Umverteilung zugunsten der neuen Oligarchie wieder rückgängig gemacht werden. Das geht nur – wie es auch Buffett fordert – mit einer Erhöhung der Steuern für Superreiche.
Das dürfte dann … das Ende sein, denn die Superreichen werden ihr ergaunertes Vermögen nicht freiwillig abgeben. Oder … man findet andere Lösungen:
Seit jeher beschäftigen sich Philosophen mit der Frage, ob jeder einen Anteil an der Erde haben solle. Eine Lösung wäre das Grundeinkommen. In der Schweiz wird darüber vielleicht bald abgestimmt. Auch der frühere Spitzenbanker Klaus Wellershoff ist dafür und sagt: „Der Gedanke ist bestechend einfach“
So etwas … kommt dann auch aus der Schweiz. In Deutschland ginge das nicht … schon wegen der Gewerkschaft:
Krämer ist ein brummiger Gewerkschafter aus dem Bundesvorstand von Verdi und arbeitet in Berlin. In Berlin wird das Altpapier nicht versorgt, und auch sonst ist hier vieles anders als auf dem Zürichberg. Krämer kann gar nicht alle Argumente gegen das Grundeinkommen aufzählen, so viele sind es. Es würde den Wert der Arbeit mindern, die Löhne kaputt machen, Leute würden entlassen, da alle ja abgesichert seien. Das BGE sei „Aufstocken für alle“, sagt Krämer. Die Gewerkschaften haben es nicht so mit Utopien.
Also werden wir das System gewaltsam kollabieren lassen, damit bis zum Schluß alle ein Arbeitsplätzchen haben, auf dem sie beständig unzufriedener dahinvegetieren? Und das wirkt nicht irgendwie … krank?
Eine Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen wir gar nicht mehr führen: es geht nicht mehr ohne. Das bedingungslose Grundeinkommen ist alternativlos: wenn man die zivile Bürgergesellschaft des 20. Jahrhunderts mit all ihren Errungenschaften im 21. Jahrhundert erhalten will. Wir werden ein neues Wirtschaftssystem brauchen – aber das wird sich automatisch aus diesem Grundeinkommen entwickeln.  Es werden sich damit auch neue gesellschaftliche und politische Systeme entwickeln, die Zivilgesellschaft wird von der Wirtschaft unabhängiger, möglicherweise wird die Produktion von Luxusgütern zurückgehen – aber das wird sowieso nicht zu verhindern sein, wenn das System gewaltsam kollabiert.
Die alles entscheidende Frage beim BGE, wie es auch kurz genannt ist, ob es auch finanzierbar ist.
Die Antwort darauf ist ein – alternativloses – ja!
Wir finanzieren gerade schon das Überleben von 80 Millionen Bundesbürgern. Schon gemerkt? Das klappt ja … schon seit sechzig Jahren. Da kommen erstmal keinerlei neue Kosten auf uns zu. Nur die Verteilung muss neu organisiert werden, unproduktive oder schädliche finanzelle Überversorgungen (mit denen letztlich unter anderem gegen den Euro gewettet wird) müssen abgebaut werden zugunsten der Rettung der Wirtschaftsgemeinschaft. Auf Subventionen für unrentable Unternehmen werden wir wohl verzichten müssen – und auf einen unausgeglichenen Haushalt wegen Rettung der Banken vor den Folgen ihres eigenen Fehlverhaltens ebenfalls.
Wir werden uns jeden einzelnen Posten der Haushalte anschauen müssen … auch wenn es für Politiker, Manager und Gewerkschafter unangenehm wird und manche wohl versorgte Baufirma schließen muss, weil ihr Überleben nur durch nicht finanzierbare Staatsaufträge gesichert werden kann.
Bahnhofsneubau oder Bürgerglück: dazwischen gibt es keinen Mittelweg.
Das ähnelt der Therapie beim Herzinfarkt: auch dort gibt es überversorgte Areale, die viel zu viel Blut bekommen, während andere … absterben. Daran stirbt letztlich aber der ganze Mensch, obwohl es den überversorgten Zellen ganz Klasse geht. Darum schafft man mit Operationen oder Medikamenten einen Ausgleich … und pumpt nicht immer mehr Kunstblut in den Menschen hinein oder versucht die minder versorgten Zellen per Befehl (nichts anderes ist Hartz IV) zu besserer Leistung trotz Blutmangel anzuregen.
Darum brauchen wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen als Rettung vor dem Staatsinfarkt – oder wir erleben das Ende des „freien Westens“ im Kampf der Armee gegen Plünderer.
Noch haben wir die Wahl: machen wir einen mutigen, historisch beispielhaften vernünftigen Schritt zum ewigen Frieden – oder lassen wir die Welt in Chaos und Anarchie versinken?

Das Ende der Arbeit? Brennende Manager, Hunger und steuerfreie Millionäre.

Wie gerne würde ich was Schönes schreiben – etwas, das zum Wetter passt. Früher habe ich so Menschen motiviert: Geschichten von der Goldenen Zukunft erzählt, einer Zukunft, in der der Mensch die Möglichkeit hat, sein volles kreatives Potential zu entfalten, weil der „Fluch Arbeit“ durch Maschinen von ihm genommen wurde und so Gelegenheit genug war, das Reich des Ewigen Friedens auf Erden zu etablieren.

Nun – für manche scheint es dieses Reich zu geben, in der SZ lese ich heute von ihnen:

Was für ein Leben: viel Geld verdienen, eine Villa am See besitzen – und die Gewissheit haben, dass das Finanzamt nur selten vorbeikommt. Nach Ansicht der Grünen reduzieren viele Bundesländer absichtlich die Zahl der Steuerprüfungen.

Irgendwie sind manche auf der Reise in die Goldene Zukunft falsch abgebogen. Am Ende der Arbeit wartete nicht das Paradies auf uns, sondern die ARGE, eine Institution, die Armut per Gesetz verordnet und sich der hohen Kunst verschrieben hat, zehn reale Arbeitslose mit einem einzigen (oft auch noch fiktiven) Arbeitsplatz zu beschäftigen. Was dabei herauskommt, kann jeder daheim selbst herausfinden: einfach mal zehn Tomaten in eine Tasse quetschen, in die eigentlich nur eine einzige hineinpassen würde.  Ein Tipp: mit Vernunft hat das Ergebnis nur noch wenig zu tun.

Gegen Hartz informiert vorab aber schon mal, welche Pläne noch so angedacht sind, um das Problem der verschwundenen Arbeit zu  lösen:

So wird ersichtlich, dass Union und FDP langfristig das System der Absicherung und Integration von Arbeitslosen umorganisieren wollen, weg von einem Leistungsanspruch, hin zu mehr Subventionen für Arbeitgeber, dem Ersatz von Pflichtleistungen, auf die Arbeitslose einen Rechtsanspruch haben, in Ermessensleistungen und hin zu einer entlohnungsfreien Arbeitspflicht in der freien Wirtschaft für Arbeitslosengeld II Bezieher (ALG II).

Entlohungsfreie Arbeitspflicht … schönes Synonym für Sklavenarbeit. So errichtet man Imperien – einfach mal Babylonier, Römer oder Mongolen fragen, die haben damit schon Erfahrungen gesammelt.

Nun reagieren Arbeitslose auf diesen Prozess der Integration von zehn Personen auf einen Bürostuhl im Prinzip wie Tomaten: sie gehen kaputt – oft, aber nicht immer. Unsere weichen Westtomaten neigen da besonders schnell zum zerplatzen, die Inder sind da laut Welt schon ganz anders drauf:

Sie waren sauer über anstehende Entlassungen: Mehrere Stahlarbeiter haben einen Manager ihres Konzerns mit Benzin übergossen und verbrannt.

So kann es auch gehen – Kampf um den Arbeitsplatz mal ganz anders.  Sollte sich das Einbürgern, würden Tarifverhandlungen in Zukunft wohl andere Ergebnisse zeitigen, aber man könnte dann wohl nicht mehr darauf verzichten, Millionäre zu besteuern. Ob dieses Modell des Arbeitskampfes sich durchsetzt, wird die Zukunft zeigen – erkennbar ist aber jetzt schon, das am Ende der Arbeit nicht das Paradies auf uns wartet – sondern seltsamerweise der Hunger. In den USA hat man da laut „Querschüsse“ schon Erfahrungen gesammelt:

Laut den Daten des US-Landwirtschaftsministerium (United States Department of Agriculture) stieg die Zahl der Food Stamps Bezieher im Dezember 2010, bereits den 26. Monat in Folge, auf 44,082 Millionen an, nach 43,595 Millionen im Vormonat und nach 38,978 Millionen im Vorjahresmonat.

Das riecht verdächtig nach Hunger, kann aber nicht sein, weil es den in den USA nicht mehr gibt. Den haben die USA aber so elegant aus dem Weg geräumt wie die Deutschen ihre Arbeitslosenzahlen, siehe Wikipedia:

Im Jahre 2006 geriet das Ministerium in die Schlagzeilen, weil es in seinem neuesten jährlichen Bericht über die Nahrungsmittelversorgung der US-Bevölkerung den Begriff Hunger entfernte und durch dieeuphemistische Bezeichnung „sehr niedrige Nahrungssicherheit“ (very low food security) ersetzte. Dem Bericht zufolge gehören 12 % der US-Amerikaner, also über 35 Millionen Menschen, zu der durch sehr niedrige Nahrungssicherheit gefährdeten Gruppe.

Super! Einer von acht Amerikanern hungerte schon 2006. Man darf nicht daran denken, was wäre, wenn es heute auch noch Hunger in den USA gäbe, die Zahlen würden wohl sehr unheimlich werden. Wie gut, das die Definitionskünstler unter den wohlversorgten Regierungsbeamten immer erfolgreicher das Sandmändchen für die Bevölkerung spielen, während der Hunger laut Manager Magazin immer weiter vorrückt:

Eskalierende Preise treiben tausende Inder durch die Straßen, in China warnt Premier Wen Jiabao vor Unruhen: Ein Inflations-Tsunami droht das boomende Asien zu überfluten, das Deutschland wie ein Hafenschlepper aus der Rezession ziehen half. Jetzt fürchten Ökonomen Schockwellen bis nach Deutschland.

Auf diese Schockwellen bereiten sich wohl die asozialen Raffgeier und Gierschlünde der Gesellschaft vor – zusammen mit den Verantwortlichen in Regierung und Opposition, alle nach dem Motto: nach mir die Sintflut! Nur so scheint man die steigende Abwesenheit praktischer Vernunft  in Regierungs- und Wirtschaftsgeschäften erklären zu können.

Das haben wir also davon gehabt, das wir uns vor 150 Jahren (eine unglaublich kurze Zeit, wenn man recht bedenkt) mit ein paar glitzernden Perlen von unseren Äckern haben fortlocken lassen. Im Prinzip geht es uns da wie den Indianern, die auch die gleichen Perlen hereingefallen sind. So verlockend, so sicher, geborgen und golden schien die Zukunft in den industrialisierten Städten zu sein, doch am Ende war das alles nur ein Trugschluß und auf Sand gebaut. Am Ende der ganzen Zivilisationsentwicklung zeigt sich, das wir immer noch dem gleichen Urteil unterliegen, dem schon unsere Urväter gehorchen mußten: ohne Arbeit droht der Hunger – nur ist er diesmal künstlich erzeugt, politisch gewollt – oder durch bloße Dummheit in die Welt gekommen.

Diesmal aber haben wir nicht mehr die Kraft, ihn im Notfall zu verbannen. Sollte die Welt uns wirklich mal übel gesonnen sein, so kann dieses Land nur noch einen winzigen Bruchteil seiner Bevölkerung ernähren, die man bei „Freies Wort“ nachlesen kann:

Die regionale Selbstversorgung liegt in Deutschland nur noch bei alarmierenden 10%, in Havanna, Kuba, sind es 70%.

Wer würde also richtig ernste Krisen überleben? Jene Krisen, die unserer Bundeswehr den Ölhahn abdrehen könnten?

Über mangelnden Revolutionswillen in diesem Land sollte man sich anhand dieser Zahlen nicht mehr wundern – hier steht der Hunger schon vor der Tür, obwohl der Tisch noch prall gefüllt scheint. Bricht nur einmal die Lieferkette zusammen – wegen Ölmangel, Krieg, Seuchengefahr … dann haben wir auch kein Problem mehr mit der Arbeitslosigkeit, sondern nur noch eins mit der Leichenentsorgung.

Da müssen die Millionäre und Parteifunktionäre dann aber mal selbst Hand anlegen und zum ersten Mal in ihrem Leben richtig arbeiten. Vielleicht tröstet das ja den einen oder anderen jener Mitbürger, die in ihrem Leben immer nur eins kannten: zuviel Arbeit für zuwenig Geld.

 



 

 

 

 

Der kommende Aufstand – Gedanken zu Deutschland 2011

Vor zwei Jahren habe ich angefangen, Gedanken im Internet zu veröffentlichen. Zuvor hatte ich den politischen Bereich des Lebens zum Wohle meines Seelenheils ausgeblendet. Mir war nach einem ruhigen, beschaulichen Leben, das der Liebe zur Weisheit gewidmet war – und nicht er Erlangung von Ruhm, Ehre oder Macht, die jeder für sich und alle zusammen erst recht der menschlichen Seele nicht gut tun … nach meiner Erfahrung. Ich war nun nicht immer so weltabgewandt. Zuvor habe ich das Gesundheitsbudget im Auftrag der Pharmaindustrie vergrößert – da landen Philosophen heutzutage, wenn sie essen wollen. Ich habe in den teuersten Hotels in Deutschland gewohnt, teuerste Fernreisen mitgemacht und in kleiner Runde schwerreiche Menschen persönlich kennengelernt, Menschen, für die Ackermann ein kleiner Knilch ist. Man kann nicht sagen, das ich mich dort mit Ruhm bekleckert habe, aber ich habe Impressionen von „oben“ bekommen, Einblicke in Funktionen von US-Konzernen (die ich auch vor Ort besuchen konnte) und in die Mentalität von „Funktionseliten“.  Das war mir persönlich wichtig, um ein umfassendes Bild vom Menschen und der Welt entwerfen zu können.

Nun sind zwei Jahre ins Land gegangen, wo ich aufgrund ständig politischer werdender Artikel gezwungen war, einen konkreteren Blick in die Welt zu werfen, einen Blick, der zunehmend Beunruhigendes an den Tag bringt. Meine Überzeugung, das sich die Welt schon automatisch in Richtung Vernunft entwickeln wird und letztendlich in eine Welt des „ewigen Friedens“ verwandelt, schrumpft täglich und die bewußte, absichtliche Erzeugung von Leid und Qual per Gesetz durch gewählte Volksvertreter befremdet mich mehr als ich in Worte fassen kann. Vor kurzem zitierte ich eine Religionswissenschaftlerin, die in einem Nebenaspekt ihrer Untersuchung über „Satanismus in Deutschland“ zu der Erkenntnis kam, das Satanismus nicht mehr so schlimm sei, weil die Werte satanischer Sekten mitlerweile auf breite Bevölkerungsschichten übergehen. Ich war verwundert über die Banalität der Erkenntnis, die eigentlich alle Alarmglocken zum Klingen bringen sollten, denn: im Kern ist der Mythos „Satan“ der Mythos von einem absoluten Menschenfeind. Werden seine Werte gesellschaftlicher Standard, dann bekommen wir … die Hölle auf Erden in einer Form, das ein Konzentrationslager ein Urlaubsort dagegen wäre.

Jeder Mensch, der nur ansatzweise Kenntnis von der Bedeutung und Wirkung ethischer und moralischer Normen auf die Entwicklung gesellschaftlicher Prozesse hat, müsste Zeter und Mordio schreien angesichts dieser Entwicklung – und es ist kein Wunder, das mehr und mehr Menschen über Aufstände nachdenken, Aufstände wie jene, die gerade Nordafrika umgestalten.

Ich denke auch: wenn die breite Masse der Bevölkerung (die sowieso schon angenervt ist – inklusive weiter Teile der „Funktionselite“, die nur noch deshalb funktionieren, weil sie sich auf Kosten anderer bequem die Taschen füllen können, um sich dann auf ihrer Segelyacht unbeobachtet schöne drogenumnebelte Träume von einer fernen, besseren Welt erlauben zu dürfen) wissen würde, wohin die Reise geht, dann wäre die Reise schnell zuende. Weder Christen noch Atheisten, weder Arme noch Reiche, weder kluge noch dumme, weder Faschisten noch Kommunisten, weder Demokraten noch Monarchisten wollen so eine Welt wie die, auf die wir zusteuern – und ganz normale Wähler wie ich wollen das sowieso nicht.

Nun kommt immer häufiger der Wunsch nach Aufruhr, nach Aufstand und wird auch in unseren Kommentaren öfter geäußert – manchmal so heftig und brutal, das wir es nicht veröffentlichen. Ich bin kein Freund von Aufruhr und Aufstand – so etwas stört die Kontemplation und die Besinnlichkeit und bringt die Mahlzeiten durcheinander. Aber als Schachspieler kann ich mich der Faszination der strategischen Planung nicht entziehen und möchte deshalb den kommenden Aufrührern einige Gedanken mit auf dem Weg geben.

Wer immer einen Aufruhr plant, braucht eine Analyse der Versorgungssituation, sonst verhungern seine Aufrührer auf dem Marktplatz. Unsere angeblich ach-so-freie Gesellschaft ist gekennzeichnet durch eine große (staatliche geförderte) Zersplitterung und Vereinzelung (weshalb auch getrennte Hartz IV-abhängige pro Monat 120 Euro mehr bekommen als normale „Hartz-Mütter“, hier hat der Gesetzgeber eine gezielte „Trennungsprämie“ vorgesehen, wie gestern erwähnt ist die gesamte Familienpolitik seit 2000 ähnlich ausgerichtet) sowie durch eine absolute Abhängigkeit der Gesamtbevölkerung von externen Dienstleistern, die Wasser, Nahrung und Energie in Händen halten. Selten waren Menschen so einsam wie heutzutage, so abhängig und hilflos. Sicherheitshalber (man weiß ja: „even the worsest case“ ist das erfolgreichste Managementprinzip, das der Bankenwelt durch umsichtige und fehlerfreie Planung Riesengewinne auf Staatskosten beschert hat) sollte man davon ausgehen, das diese Entwicklung seit dem Ende der 90´er Jahre gezielt gestartet wurde – vielleicht fürchtet man sich bei der Planung dann zwar vor einem blossen Verschwörungsgespenst, aber man erspart sich auf jeden Fall ein „böses Erwachen“.

Widerstand und Aufruhr lassen sich nur schlecht mit Formen der Legalität vereinbaren. Irgendwo wird es schon ein Gesetz geben, gegen das man versehentlich verstößt – und im Handumdrehen sind neue geschaffen, die die bisherigen erlaubten Lücken von Rebellion schließen. Was der Rebell aber braucht, ist Legitimität, nicht Legalität. Es ist entscheidend wichtig, das er „besser“ ist, das er Visionen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ in sich trägt und sein Leben nach dem Prinzip der Nächstenliebe ausrichtet, was umso wichtiger ist, als die Gesellschaft momentan einen ganz gegensätzlichen Kurs ansteuert. Wem sich nun unbewusst Bilder eines elitären „Seelenadels“ vor Augen entfalten, der liegt richtig – was die Effizienz der Bewegung und ihre Nachhaltigkeit angeht. Im Prinzip wird man im Laufe der Entwicklung nicht um eine Konsequenz herumkommen, der sich auch demokratische Indianerstämme beugen mußten: der Kriegshäuptling muß her (und zwar viele davon). Allerdings sollte man dieses Bild eher mit einem Gandhi als mit einem Che Guevarra auskleiden.

Die Werte sind bequemerweise schon da: die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte hat ihr eine politische Form gegeben. Der Alltag scheint jedoch zu zeigen, das die Formulierung allein nicht reicht – einfach mal die Hartz-abhängigen fragen, wieviel Menschenrecht bei ihnen aktuell gerade ankommt, nach neuesten Meldungen müssen die sich jetzt auch als Tagelöhner verdingen, weil man sie sonst per Gesetz dem Hunger ausliefert … Prinzipien, bei denen es einem eiskalt den Rücken herunter laufen sollte, weil der Geruch der „Vernichtung unwerten Lebens“ wieder im Raum steht.

Im erweiterten Gegenzug würde ich empfehlen, der satanischen Gesellschaft ein größeres, positives Gesamtbild entgegen zu stellen, ein Gesamtbild, das aber völlig unabhängig sein sollte von klerikaler oder weltanschaulicher Kleinkariertheit und sich nicht darum kümmert, welcher Gott „den Größten“ hat (aber gleichzeitig offen ist für die Akzeptanz der einzelnen „Gottesbilder“), sondern gezielt die Arbeitshypothese formuliert, das es ein höchstes gutes Gefühl gibt, das wir empfinden können („können“,  nicht „müssen“) einen höchsten Gedanken gibt, den wir denken können („Gott“ ist dafür als Begriff schon viel zu klein) und das dieser höchste Gedanke moralische Forderungen stellt, die (wieder mal „even the worsest case“) nach unserem Ableben honoriert oder … sanktioniert werden. Dies ist der natürliche (und im Sinne der praktischen Vernunft) vernünftigste Gegenpol einer wertmäßig  ins „satanische“ abdriftetenden Gesellschaft.

Die Diskussion, ob es „Gott“ nun wirklich „gibt“ oder nicht, kann man sich völlig ersparen, schon die Begrifflichkeit in dieser Fragestellung ist eine Katastrophe. Letztlich brauchen wir nur eine Arbeitshypothese, die der aktuellen entgegenläuft, in der Investmenbanker sich für die „Herrscher des Universums“ halten … was auch eine Form von Religion ist, der man folgt, wenn man ihr nicht bewusst etwas entgegenhält und ihr sich nicht bewusst verweigert.  Neben der Aufklärung über das Bedrohungspotential der aktuellen politischen Entwicklung brauchte eine demokratische Erneuerungsbewegung auch einen minimalen Grundkonsens, der es erlaubt, das Verbindende in allen Menschen zu sehen und sich nicht – wie aktuell – darin zu vertiefen, was jetzt gerade bei dem anderen nicht hundert Prozent der eigenen Meinung entspricht.

Von Hitler über Pol Pot bis Stalin und Bush schätzten alle Übelmenschen ein gutes Essen, eine warmes Nachtlager, menschliche Geselligkeit und … zumindest den Namen nach … sogar ein Streben nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit – nur die Definition der Begriffe sowie die Methoden, die zum Einsatz kamen, waren recht kontraproduktiv.

Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit sind allgemeinverbindliche Werte, Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit sind normale humane Standardwerte, ohne die wir die Konfrontation mit Höhlenbären und Säbelzahntiger sowie die Unwetter der Eiszeit nicht überlebt hätten.

Das hat nun Konsequenzen bezüglich der Methoden, die bei einem Aufstand zur Wahrung der Legitimität zu berücksichtigen sind. Wer gleich morgen losrennen möchte um Barrikaden zu errichten und Banker, Politiker oder Unternehmensberater zu erschiessen, lebt im falschen Jahrtausend – oder der falschen Weltgegend. Das weiß auch die Nato, die deshalb den Begriff  „flexibel response“ entwickelt hat. Da man aber nun nicht die Potentiale der Natoarsenale hat (noch aus ethischen Gründen darauf zurückgreifen dürfte) , muss man andere Wege suchen – die schon längst entwickelt worden sind. Es gibt Strategien des gewaltlosen Widerstandes (die aber auf Seiten der Widerständler zu den gleichen Todesfällen führen können für „normale“ Kriege), die sehr überzeugend sind und im Prinzip die Armeen des Warschauer Paktes gewaltlos aus Europa vertreiben sollten – eine ungleich schwerere Herausforderung als die Änderung  gesellschaftlicher Leitprinzipien.

„Flexibel response“ bedeutet im Prinzip, das man den Grad der Heftigkeit der Auseinandersetzung vom Gegner bestimmen läßt – und sich in einer Situation weiß, in der man sich der materiellen Überlegenheit des Gegenübers bewusst ist. Für gewaltfreie Widerständler bedeutet dies, das man dem Feind die Beute möglichst „ungeniessbar“ werden läßt – bei möglichst geringem Verlust an Menschen oder Material. Im Extremfall (das wäre dann die zivile „Atombombe“) – auf Deutschland heruntergebrochen – würde das die komplette Blockierung von Schienen, Autobahnen und Landstraßen bedeuten, solange, bis hier keine Rendite mehr eingefahren werden kann, die Blockierung von Seehäfen und Flughäfen, Golfplätzen und anderen Orten, an denen man als Wirtschaftsräuber seine Beute genießen kann.

Das könnte funktionieren – selbst in einem der Kernländer der „satanischen Revolution“, die gerade die bürgerliche Welt zu vernichten trachtet um nach der Weltherrschaft zu greifen. Hierzu bedarf es zu allererst der Aufklärung, der Entwicklung einer gemeinsamen Sprache, der Besinnung auf gemeinsame (bürgerliche) Werte – genauso wie vor 1789. Das der Schuh drückt,  merken alle – von ganz oben bis ganz unten – nur wo genau der Stein sitzt, ist diesmal etwas schwieriger zu definieren als damals.

Aber wir wollen ja auch einen Aufstand des Miteinanders, nicht neue Variationen des Gegeneinanders, weshalb man auf die Definition von Feindbildern weitläufig verzichten kann.

Wer Aufstand will, sollte allerdings wissen, das er bereit sein muß, sein eigenes Leben für das Ziel zu geben – alles andere  ist Humbug. Je mehr Planung, Absicht und Bewußtheit hinter der Errichtung einer „satanischen Weltordnung“ steht (die sich aber auch genauso gut einfach aus Dummheit entwickeln kann), umso mehr Menschen werden sterben bei dem Versuch, sie aufzuhalten.

Andererseits … war es in unserer christlich-abendländischen Gesellschaftsordnung noch nie so leicht, große Gedanken real bei der Arbeit zu beobachten – und gerade wir Deutschen haben wir durch das Dritte Reich eine besondere Chance erhalten: wir durften live eine Gesellschaft erleben, in der „satanische“ Werte einen ersten Versuch auf Alltagstauglichkeit  starteten.

Das Ergebnis ist bekannt – und sollte normale Wähler nicht zur Nachahmung reizen.

So gesehen kann – wer will – die momentane historische Herausforderung mit größten Gedanken füllen: auf der Ebene der ethischen Leitprinzipien bewegen wir uns auf das Armageddon zu, auf die Apokalypse, auf den großen Kampf zwischen den fiesesten, übelsten Gedanken, die wir denken können („ich fresse den Rest der Menschheit auf um den größten Bauch der Weltgeschichte zu bekommen„) und den höchsten Gedanken, die wir leben können (die selbstlose Aufopferung für seine Mitmenschen), es ist eine Auseinandersetzung mit einer letzten, großen historischen Dimension, die letztlich über das Überleben der ganzen Menschheit entscheiden wird, wer will, mag hier die große Auseinandersetzung zwischen „gut“ und „böse“ sehen, eine Auseinandersetzung, die geeignet ist, die edelsten Züge der Menschheit hervorzurufen … oder ihre niedersten.

Wer nun als Normalbürger noch Motivation braucht, um Stellung zu beziehen, dem sei mal ein Besuch in einem Pflegeheim mit renditefreundlichen Personalschlüssel empfohlen. Eine Gesellschaft mit „satanischen“ Leitprinzipien hat keinen Platz für Alte, Kranke, Schwache … ja noch nicht mal für Kinder. Sie hat letztendlich … überhaupt keinen Platz für Menschen.

Insofern ist es nun die Aufforderung an die normalen Wähler, sich zu entscheiden: für die Prinzipien des Hasses oder die Prinzipien der Liebe, für den Gott der Vernichtung oder für den der Schöpfung, für den Geist des Gegeneinanders oder den Geist des Miteinanders, für asozial oder sozial, für inhuman oder human, für Sozialdarwinismus oder Menschenrechte.

Ich kann diese Entscheidung auch mit anderen Bildern ausmalen – und bleibe im christlichen Abendland bei christlichen Bildern (in Japan würde ich sie ganz anders malen), die ich Wikipedia entleihe:

Das Neue Jerusalem (auch „himmlisches Jerusalem“ genannt) entspringt einer Vision aus dem neutestamentlichen Buch der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, wonach am Ende der Apokalypse eine neue Stadt, ein neues Jerusalem entstehen wird. Dies geschieht, nachdem der alte Himmel und die alte Erde vergangen sind.

So beschreibt Offb 21,1–2 EU, dass bei der Apokalypse, dem letzten Gericht und dem Endkampf zwischen Gott und dem Teufel, letzten Endes Gott als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen wird. Daraufhin werden die Erde und der Himmel erneuert und eine Stadt wird aus dem Himmel herabfahren: das neue Jerusalem.

Noch besser als ein blosses „gegen“ wäre mir eine Entwicklung „für“ etwas. Und wir selbst, wir ganz normalen Menschen, könnten problemlos ein himmlisches Jerusalem bauen, die Errichtung einer Stadt mit einer Ausdehnung von 2200 Kilometern wäre uns auch ohne göttliche Hilfe technisch möglich … und in einem blühenden Garten umgeben von seinen Lieben zu sterben scheint mir ein erstrebenswerteres Ziel zu sein als im Pflegeheim bei lebendigem Leibe zu verrotten.

Und in sofern – ist es die Entscheidung zwischen der Errichtung der Hölle auf Erden ganz nach Dantes Prinzipien, einem Ort, wo dem Hungernden die köstlichsten Speisen vor Augen geführt werden, die er aber nie erhalten wird (in etwa vergleichbar mit dem Besuch eines Hartz-abhängigen Kindes in einem Supermarkt, wo angesichts verlockendster Waren das beständige „NEIN“ des Elternhauses eine unüberwindbare Grenze setzt und tagtägliche Qual schafft) und der Schaffung eines neuen Paradieses, in dem die Menschheit wieder zu alten Prinzipien des Miteinanders zwecks Steigerung der Lebensqualität zurückkehrt.

Es ist im Prinzip – nur unsere Wahl, die den Verlauf der Geschichte entscheidet. Und eigentlich … ist die Wahl alternativlos. Die Hölle hat letztendlich keinen Platz für Menschen, im Sinne der Renditemaximierung sind wir Kosten auf zwei Beinen, die es gegen Null zu fahren gilt. Was das praktisch heißt, haben wir in Deutschland schon mal erlebt.

Persönlich ist es die Entscheidung, auf welches Leben man kurz vor seinem Tode zurückblicken möchte: das von Adolf Eichmann oder das von Albert Schweitzer.

Und … um noch mal ein Wort an die Eichmänner unter uns zu verlieren: man sollte schon ganz ganz sicher sein, das die weltweit in allen Religionskreisen und unterschiedlichesten Kulturen vorhandenen Vorstellungen von der Existenz von Bewußtheit nach dem Tode völliger Nonsens ist, denn … den Eichmännern unter uns soll es dort (völlig jenseits christlicher Auferstehungshoffnungen) ziemlich übel ergehen. Sollte man sich irren mit seinem materialistischen Egoismus … würde man sehr lange einen hohen Preis bezahlen. Extrem lange.

Ich persönlich glaube, das Mythen wie „Der Herr der Ringe“ gerade deshalb eine so hohe Resonanz im Gemüte der Menschen entfalten, weil sie instinktiv wissen, das es große Entscheidungen gibt, die gerade getroffen werden müssen – womöglich endgültige Entscheidungen, Entscheidungen darüber, ob der Mensch in Zukunft ein unantastbares Geschöpft „Gottes“ ist, ausgestattet mit unveräußerlichen Rechten … oder einfach nur ein Kostenfaktor, den es zu minimieren gilt, ob wir als „Elben“ oder „Orks“ enden wollen.

Diese Entscheidung ist die erste, die man fällen muß. Ganz persönlich und ganz alleine.

Und dann können die weiteren Schritte folgen – die Aufklärung, die Sammlung und die Transformation.

Am Ende mag wirklich eine „goldene Stadt“ entstehen, eine Zivilisation, die in den Mythen der Menschheit als „Goldenes Zeitalter“ weiterleben wird, aber diesmal als ein „Goldenes Zeitalter“, das nicht enden wird und nur noch als Schatten durch die Märchen der Menschheit geistert.

Am Anfang wird – wie so oft – das Wort stehen müssen.

Das geht dann aber auch ganz ohne Gott.

Und mal ehrlich – ganz ehrlich – wenn man sich wirklich vor das deutsche Volk stellen und sie fragen würde, ob sie die totale satanische Gesellschaft wollen: würden sie nochmal alle laut „JA!“ brüllen wie als Antwort auf Goebbel´s Frage nach dem totalen Krieg?

Ich denke, nach den Erfahrungen, die in diesem Land vorhanden sind, ist es eigentlich ein recht ideales Land, um Träume von „einem neuen Himmel und einer neuen Erde“ zu gebären und sie in die Tat umzusetzen.

Wir hätten auch ganz schnell keine Arbeitslosen mehr, denn zu tun und zu schaffen wäre genug. Das Leben ist momentan kein Ponyhof, aber wir könnten es einfach mal umbauen: dann wäre es einer.  Das ist zwar viel Arbeit, aber dann würde ja endlich gelten, das sich Leistung wieder lohnt – und das wollen ja sogar die Neoliberalen.

Also: fangen wir an.

Entscheiden wir uns. Ich bin mir sicher, das man weltweit eine Mehrheit für das Überleben der Menschheit in Wohlstand, Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit erhalten wird.

Der Rest ist banale Organisation von alltäglichen Arbeitsabläufen.

 

 

 

 

 

 

Peace

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Peace

© Jotha

Krieg und Frieden … in Deutschland. Über Ärzte, Tote und Beute

Über Krieg und Frieden haben sich Menschen viel Gedanken gemacht – und obwohl der Krieg schonmal als „Vater aller Dinge“ verherrlicht wurde, finden die meisten Menschen dieses Planteten Krieg doof – erst recht die, die gerade einen haben. Wir haben ja jetzt auch auf einmal gemerkt, das Krieg ist. Ganz plötzlich. Gott sei Dank haben wir jetzt einen Adeligen als Verteidigungsminister, sonst hätten wir das ja nie gemerkt, aber die kennen sich ja aus mit der Kriegführerei, haben ja jahrtausendelang nichts anderes gemacht.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article8466567/Guttenberg-Afghanistan-Einsatz-wurde-verharmlost.html

 Die Politik, die Gesellschaft – zu lange hätten sie die Augen vor den Realitäten im Einsatzgebiet verschlossen, zu lange wurde nicht von „Krieg“ in Afghanistan gesprochen.

Was ist das eigentlich: Krieg? Es wird immer oft davon geredet, doch wissen die wenigsten, was das wirklich ist. Der letzte echte Krieg in diesem Land ist 65 Jahre her, nur noch Rentner haben ihn erlebt – und auch die waren damals noch jung.  Mahner werden meinen: Krieg hat was mit Ballerspielen zu tun. Weit gefehlt … es sei denn, auch ein Jäger würde Krieg gegen Kaninchen führen. Die Jagd …  macht auch Frauen Freude. Ich kenne begeisterte Jägerinnen, die ihr Geld als Ärztin verdienen und nebenbei in der Praxis Yogakurse anbieten.

Wir sollten also Jagd und Krieg trennen … obwohl es bei beiden Formen der Auseinandersetzung um „haben“ geht:

http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg

Das Wort „Krieg“ bedeutet ursprünglich „Hartnäckigkeit“, „Anstrengung“, „Streit“.[2] Das Verb „kriegen“ heißt einerseits „Krieg führen“, andererseits „bekommen, erhalten“: Dies kann Herkunft und Charakter dieser kollektiven Gewaltanwendung anzeigen. Auch wo andere Kriegsanlässe im Vordergrund stehen, fehlt selten ein ökonomischer Hintergrund.

Ich denke, mit etwas Anstrengung kann man aus diesem „selten“ auch ein „nie“ machen, denn ich vermute mal, das man auch hinter jedem Genozid handfeste wirtschaftliche Interessen finden kann – außer bei denen natürlich, wo der Grad der geistigen Zerrüttung die Freude am Krieg führen bestimmt. Und ein Staat … ist ursprünglich immer auf Raub gegründet. „Das Land ist meins!“ – steht am Anfang jeder Staatsgründung. Gäbe es in Afghanistan keine Rohstoffe, würde keine Sau dort die saudi-arabischen Terroristen des 11.9.2001 bekämpfen wollen.  Immerhin ist Krieg eine Investition, man benötigt Kredite und die Geldgeber wollen Sicherheiten – selbst wenn das Land noch einen König hat. Das konnte man schon von den Fuggern lernen.

Krieg ist einfach. Waffe nehmen, abdrücken: Schluß mit lustig. Oder man hungert den Feind aus, das geht auch, da stirbt er dann von alleine und man muß sich nicht auch noch die Hände schmutzig machen.

Frieden hingegen – ist schwerer:

http://de.wikipedia.org/wiki/Frieden

In der wissenschaftlichen Diskussion unterscheidet man zwischen dem oben genannten engen Friedensbegriff, der die Abwesenheit von Konflikten beinhaltet, und einem weiter gefassten Friedensbegriff. Letzterer umfasst neben dem Fehlen kriegerischer Gewalt, bei Johan Galtung direkte Gewalt genannt, auch das Fehlen kultureller und struktureller Gewalt. Nach dieser Definition bedeutet Frieden also zusätzlich das Fehlen einer „auf Gewalt basierenden Kultur“, sowie das Fehlen repressiver oder ausbeuterischer Strukturen. Ein struktureller Frieden wäre die konkrete Utopie eines sozialen Zusammenlebens in Harmonie und ohne Statuskämpfe und „Reibungsverluste“. Frieden wird hier positiv definiert als „die Fähigkeit […], Konflikte mit Empathie (= der Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellung und Mentalität anderer Menschen einzufühlen), mit Gewaltlosigkeit und mit Kreativität oder spielerisch zu klären und zu lösen.“ Dies erfordert neben kommunikativer Friedensarbeit das Erkennen der Bedeutung von „Rechtskommunikation“ und eine intensivere Beschäftigung mit den Ursachen streitlegenden Verhaltens, das mit „Machtkommunikation“ Streiteskalationen provoziert und begünstigt.

Ich denke, wir sollten diesen weiter gefaßten Friedensbegriff nehmen, damit nicht wieder irgendein Adelshampel uns nachher vorwirft, wir hätten da wieder was aus Überforderung verharmlost – diesmal wollen wir alles richtig machen, denn: möglicherweise haben wir ja auch Krieg im eigenen Land.  Wo es Verteilungskämpfe gibt, sollte es doch vorher einen Krieg gegeben haben, der die Beute auf die Seite der Verteiler gebracht hat.

Verteilungskämpfe haben wir auf jeden Fall beim Krieg um das Sozialbudget und der tobt immer weiter. Die Bastion der Arbeitslosenversicherung wurde schon erfolgreich geplündert – mit gravierenden Folgen für Staatstreue und Demokratieempfinden der Bürger – die Rentenversicherung ist noch zu mächtig aber das klar definierte Fernziel, die Gesundheit jedoch ist als zweitgrößter Posten des Sozialbudgets ist in greifbarer Nähe, also toben die Verteilungskämpfe erstmal dort:

http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/0,2828,706513,00.html

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr etwas mehr Gewinne verbucht als erwartet. Der Überschuss lag rund 300 Millionen Euro höher als zunächst geschätzt und betrug 1,4 Milliarden Euro.

Die Krankenkassen haben Gewinne erwirtschaftet, weshalb wir jetzt alle noch mehr bezahlen müssen.  Ist ungefähr so, als wenn der Ober nochmal mit der Rechnung kommt, nachdem wir bezahlt haben.  Und weil wir alle so unermeßlich blöde sind, merken wir das nicht einmal und zahlen in Zukunft gerne noch mehr. Auch Kopfpauschalen. An Fuß- Bauch- und Handpauschalen wird ebenfalls gearbeitet, Ärzte sind da erfinderisch. Wenn´s um Geld geht, operieren die auch schon gerne mal ohne Zulassung, Hauptsache, man kann es abrechnen:

http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/aerztepfusch-in-drk-kliniken/

Jahrelang sollen Ärzte an DRK-Kliniken Patienten operiert haben, obwohl sie dafür nicht ausgebildet waren.

Toll, oder? Na ja, Löcher in Menschen machen kann jeder. Dann ein bischen rumrühren in den Innereien, wieder zunähen und man ist den Malediven und dem Ferarri schon wieder ein Stück nähergekommen.  Ärztepfusch geschieht nur selten? Leider nicht:

http://www.netdoktor.de/Magazin/Die-fehlbaren-Goetter-in-Weis-10481.html

Schwächen eingestehen? Diese Eigenschaft ist unter Ärzten nicht gerade weit verbreitet. Mediziner gehen mit ihren Missgeschicken jedoch freimütiger um als gedacht. In einer aktuellen Umfrage gaben von 985 Ärzten rund 95 Prozent ärztliche Pannen zu

95% … aber für diese Leistung möchte man natürlich gut bezahlt werden. Manche Menschen möchten gut dafür bezahlt werden, das sie sich morgens erfolgreich die Socken anziehen.  Des Menschen  Wunsch ist halt sein Himmelreich.

http://www.sueddeutsche.de/wissen/medizin-mehr-tote-durch-aerztepfusch-als-im-strassenverkehr-1.603145

Demnach zählt das Risiko, an Kunst- und Behandlungsfehlern im Krankenhaus zu sterben zu den zehn häufigsten Todesarten – noch vor Aids und Brustkrebs. Rothmund forderte seine Zunft auf, eine „Politik des Schweigens“ zu beenden und Konsequenzen zu ziehen.

Mehr Todesfälle durch Ärztepfusch als durch den Straßenverkehr … aber unsere Streitkräfte operieren in Afghanistan. Dieser Artikel ist etwas älter … geändert hat sich seit dem nichts, außer das einige hundertausend Menschen durch den medizinischen Komplex umgebracht oder verstümmelt worden sind – zum einen, weil es Geld bringt und zum anderen, weil man immer irgendwo ein perverses Genie findet, das Frauen gerne die Brüste abschneidet. Da hat schon so mancher die Abweisungen durch hübsche Mädchen in der Schulzeit bitter gerächt. Ärzte sind nämlich auch nur Männer – in Wirklichkeit.

Und wem jetzt noch nicht schlecht ist, der findet hier auch noch mehr:

http://www.aerztepfusch-linkliste.de/

Trotz dieser Leistungsbilanz hört die Gilde der Brustabschneider zu den gierigsten im Lande. Gerade noch ordentliche Zuwächse gehabt, stehen sie jetzt schon wieder auf der Straße:

http://www.welt.de/wirtschaft/article8472147/Hausaerzte-wollen-aus-Protest-Praxen-schliessen.html

Patienten müssen sich auf geschlossene Praxen vorbereiten. Die Hausärzte wollen einem Bericht zufolge gegen die Gesundheitsreform streiken.

1. Halbjahr 2008: 89.839
1. Halbjahr 2009: 92.720
Veränderung: 3,2 Prozent

Da kann man nur sagen: stimmt. Das ist wenig. Da hat ja ein Pharmareferent mehr. Viele von denen kommen übrigens als Zeitsoldaten von der Bundeswehr, es gibt auch Pharmafirmen, die stellen grundsätzlich keine religiösen Menschen ein oder auch keien Wehrdienstverweigerer. Der Dienst an der Pille fordert den ganzen Mann, da kann man keine Zimperlieschen gebrauchen. Immerhin geht es um Leben und Tod … und man braucht Leute, die die gewieften Mediziner in die Tasche stecken können. Immerhin soll der Arzt verschreiben, was die Firma will und nicht, was Kassen oder Patienten Nutzen bringen würde. Und es bedarf schon außerordentlicher Überzeugungskünste um solchen Giftmüll noch an den Mann zu bringen:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/avandia-vermarktung-wichtiger-erfolg-fuer-glaxo-am-gruenen-tisch;2618751

Der britische Pharmakonzern Glaxo Smithkline hat bei seinem umstrittenen Diabetes-Mittels Avandia einen wichtigen Teilerfolg errungen: Trotz möglicher Herzrisiken sprach sich ein Beratergremium der US-Gesundheitsbehörde FDA nach zweitägigen Beratungen mehrheitlich für eine weitere Vermarktung des umstrittenen Medikaments aus.

Ich kenne mich ein wenig aus mit Thiazolidindionen, alldieweil ich Glaxomitarbeiter zu dem Thema Ende der neunziger Jahre ausgebildet habe. Schon damals stand fest: das Zeug bringt Leute um. Deshalb waren alle froh, das es nicht kam. Jetzt … ist es da, wird bleiben und noch mehr Leute umbringen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,679261,00.html

Das Diabetes-Medikament Avandia ist offenbar schwer gesundheitsschädlich. Das berichtet die Online-Ausgabe der „New York Times“ („NYT“) unter Berufung auf einen internen Regierungsbericht. Dem vertraulichen Dokument zufolge könne das Medikament der Firma GlaxoSmithKline tödliche Herzkrankheiten auslösen. Allein im dritten Quartal 2009 habe das Mittel mit dem Wirkstoff Rosiglitazon 304 Tode verursacht.

Aber immerhin steht das dann im Beipackzettel. Und zwar so, das das keiner verstehen kann. Dann sind alle abgesichert.  Ich denke, solche Streifzüge durch die Welt der Medizin sind mal wichtig, damit man andere Meldungen erfolgreich verarbeiten kann:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,706575,00.html

Patienten sollen künftig einen Teil ihrer Arztrechnung aus der eigenen Tasche bezahlen – und so eher auf teure Behandlungen verzichten. Dies fordert eine Beraterkommission der Bundesregierung.

Das wird letztendlich viele Leben retten. Weil man nicht mehr hingeht. Aber was wir ja jetzt gelernt haben: Frieden – ist anders.

Nochmal, damit es nicht untergeht? Hier:

Nach dieser Definition bedeutet Frieden also zusätzlich das Fehlen einer „auf Gewalt basierenden Kultur“, sowie das Fehlen repressiver oder ausbeuterischer Strukturen.

Wir schießen momentan nicht in Deutschland. Aber wir sterben trotzdem – und Pharmafirmen, Apotheken und Ärzteschaft streiten sich wie ein hungriges Rudel Hyänen um die Beute….und die ist dieses mal sechsmal so hoch wie die Beute, die man durch die Enteignung der Arbeitslosen erziehlt hat. Mit Hilfe dieser Beute hat die BA immerhin einige hoch bezahlte Stellen für persönliche Freunde besetzen können.

Frieden … nochmal … Frieden ist anders. Ganz anders. Aber er macht nicht so viele Leute krank wie Krieg – und an Gesundheit kann man überhaupt nichst verdienen.

Und weil es gerade so paßt, noch ein paar Zitate:

http://www.miprox.de/Sonstiges/Arzneimittel-Tollhaus-Deutschland.htm

Deutsche Chirurgen amputieren bei Zuckerkranken viel zu häufig: In unseren Kliniken werden pro Jahr fast 30 000 Amputationen vorgenommen. „Das sind viel mehr als in anderen europäischen Staaten wie Frankreich, den Niederlanden, Italien und den skandinavischen Ländern“, sagte Hans Henning Wetz von der Universität Münster. „Es könnten 8000 bis 10 000 weniger sein.“ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Deutschland schon vor Jahren in einer Deklaration aufgefordert, die Amputationen bei Zuckerkranken zu halbieren.

Derzeit werden auf Grund von jährlich vier Millionen „grauen Mammographien“ 100 000 Frauen operiert, die nicht operiert werden müssten, wenn stattdessen mit der Qualität der europäischen Nachbarländer wie zum Beispiel der Niederlande gescreent würde, heißt es in einem Gutachten des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Von den jährlich 100 000 operierten Frauen sterben im Schnitt 4000.

Kein Wunder, dass auch die Zahl der durch Arzneimittel geschädigten Patienten ohne direkte Todesfolge ungeheuer groß ist. So kam Professor Wehling an seinem Mannheimer Institut zu einem nicht weniger skandalösen Resultat: Mehr als zwei Millionen ältere Menschen über 60 Jahre müssen jährlich nur deshalb in Kliniken eingewiesen werden, weil sie von niedergelassenen Ärzten unsachgemäß mit Medikamenten behandelt werden.

Nach Prof. Dr. Peter Schönhöfer, Pharmakologe und seit vielen Jahren Mitherausgeber des unabhängigen Arznei-Telegramms in Berlin, steht zweifelsfrei fest: „Das allgemeine Handlungsprinzip im deutschen Gesundheitswesen ist Betrug.“ Mit einer im medizinischen Fachschrifttum seltenen Deutlichkeit hat sich auch die altehrwürdige Münchner Medizinische Wochenschrift in die gesundheitspolitische Diskussion eingemischt. Unter der Überschrift „Weiße Kittel und schmutzige Hände“ nahm das angesehene Ärzteblatt den Medizinbetrieb als „Unrechtssystem“ ins Visier und zitierte den Leiter der Sonderkommission „Abrechnungsbetrug“ beim Bundeskriminalamt, Raimund Schmidt, mit einer vernichtenden Feststellung: „Die kriminellen Strukturen im Gesundheitswesen sind nur noch vergleichbar mit der ‚organisierten Kriminalität‘.“

Darum möchte ich hier deutlich sagen: Wir befinden uns im Krieg. Es wird gestorben, verstümmelt, vergiftet, betrogen … nur geschossen wird nicht. Wurde aber im Mittelalter auch nicht – und aus der Sicht des Opfers ist mir relativ egal mit welcher Absicht ich umgebracht werden. Afghanistan ist ein Witz gegen das, was einem blühen kann, wenn man zum Arzt geht:

Angesichts der von ihm geschätzten 30 000 Arzneimitteltoten pro Jahr sei nun vor allem die Politik zu raschem Handeln aufgefordert; denn die durch diese Todesfälle verursachten Folgekosten allein beziffert Frölich auf mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr. Noch bizarrer sind die Untersuchungsergebnisse seines Kollegen Wehling, der jüngst in dem angesehenen Fachjournal Deutsche Medizinische Wochenschrift die Vermutung anstellte, dass von den 500 000 Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wahrscheinlich 100 000 verhindert werden könnten, wenn die Patienten nicht die falschen Arzneimittel bekämen.

Das ist nicht nur Krieg, das ist ein Vernichtungskrieg – auch wenn die Weißkittelkrieger noch so freundlich lächeln. Das konnten die Mongolen auch.

Das Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen hat errechnet, dass die Lebenserwartung der Bevölkerung im gleichen Maße sinke wie die Arztdichte in Ballungsräumen zunehme. Der renommierte Medizinpublizist Dr. med. Hans Halter ist auf Grund eigener Nachforschungen zu ähnlich alarmierenden Ergebnissen gelangt: „Bürger, die in einem Gebiet mit vielen Ärzten und reichlich Krankenhäusern wohnen, verwandeln sich rascher in Patienten, werden häufiger operiert, nehmen mehr nebenwirkungsreiche Medikamente und sterben, gemessen am statistischen Durchschnitt, früher.“

Aber anders als in Afghanistan nennen wir dies jetzt auch mal ganz deutlich: Krieg. Damit nicht der nächste Adelige uns in Zukunft wieder sagen kann, wir hätten da etwas verharmlost. Doch dafür wissen wir jetzt auch, warum das alles so teuer ist.

Kriege kosten Geld.

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