Flugzeugentführungen

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Vertuschte Flugzeugentführung … oder offene Verschwendung von Steuergeldern? Beobachtungen aus der Eifel.

Vertuschte Flugzeugentführung ... oder offene Verschwendung von Steuergeldern? Beobachtungen aus der Eifel.

Freitag, 24.5.2013. Eifel. Es war – so glaube ich – an einem Montag. Ich hatte extra einen Facebookeintrag dafür gemacht, doch der ist jetzt nicht mehr da. Facebook ist halt ein Buch mit sieben Siegeln. Ich denke aber, ich kann rekonstruieren, dass es Montag, der 29. April 2013 war. Was war geschehen? Nun – erstmal das, was ich persönlich beobachtet habe. Eine zweistrahlige Maschine (eine größere Passagiermaschine) flog stundenlang sehr niedrig enge Kreise über unser Tal. Hier fliegt immer viel herum, weil Düsseldorf, Köln und Brüssel ganz in der Nähe sind … „in der Nähe“ aus der Sicht eines Flugzeuges. Wir sind hier einiges gewohnt – auch Maschinen, die Warteschleifen fliegen … aber natürlich nicht so niedrig.

Mittelpunkt der Kreise schien der obere Rursee zu sein – doch das kann täuschen. Augenzeugen berichteten von einer langen Schnur, die von der Tragfläche nach hinten abging – die sah ich nicht. Aber mir fielen seltsame Verdickungen an den Enden der Tragflächen auf, aus denen man sicher etwas hätte abspulen können.  Nun – es war Vormittags und ich hatte viel zu tun, lauschte also dem Brummer, der fleißig seine Kreise zog.

Dann kam der nächste aufgebrachte Eifeler vorbei – mit Aufnahmen und gruseligen Geschichten. Sogar mein kleiner Sohn (5) war völlig aufgeregt über die vielen Flugzeuge, die am Himmel zu sehen gewesen war.

Was wurde berichtet?

Ein Passagierflugzeug war von zwei Jagdmaschinen („nicht Bundeswehr“ war die Meinung des Zeugen) angeflogen worden. Die Maschinen näherten sich dem Passagierflugzeug auf Cockpithöhe und begleiteten es, kurz darauf schlossen vier weitere Jagdmaschinen auf. Ich habe keine Jagdflugzeuge gesehen noch gehört, muss ich gestehen, aber es gibt Fotografien der Maschinen. Nach den Aussagen anderer Zeugen kurvten die Jäger eine ganze Zeit lang am Himmel herum, aber hier habe ich keine gehört.

Dieses Manöver aber war mir bekannt, es ist eine ganz normale Sicherheitsmaßnahme im Entführungsfall, siehe der Westen:

Der Abbruch des Funkkontakts zu einer spanischen Passagiermaschine hat am Mittwoch Sorgen über eine mögliche Flugzeugentführung ausgelöst. Zwei F16-Kampfflugzeuge wurden entsandt, um die Maschine der Fluggesellschaft Vueling zum Amsterdamer Schiphol-Flughafen zu eskortieren.

Wenn der Funkkontakt zu einem Flugzeug im niederländischen Luftraum wie in diesem Fall unterbrochen sei, würden Kampfflugzeuge vom Typ F16 eingesetzt. Ihre Aufgabe sei es, „Sichtkontakt mit der (Flugzeug-)Besatzung herzustellen“, erklärte das Ministerium.

Tja – da hatten wir so einen Fall. Um Sichtkontakt mit der Besatzung einer entführten Maschine herzustellen, muss man erstmal dicht daneben fliegen und mal hineinschauen, wieviel kopftuchbewehrte Teppichmesserschwinger im Cockpit sind.

Das sind standartisierte Manöver, die auch für die deutsche Alarmrotte gelten (siehe Wikipedia):

Zur Verständigung dienen international durch die ICAO standardisierte Signale. Als Zeichen für den Abfangvorgang positioniert sich ein Abfangjäger seitlich leicht nach vorne versetzt auf die linke Seite des abzufangenden Flugzeuges, um so dem Piloten der abzufangenden Maschine Sichtkontakt zum Abfangjäger zu ermöglichen. Die so „angesprochene“ Maschine sollte dann durch Wackeln mit den Flügeln signalisieren, der Alarmrotte folgen zu wollen. Danach würde der Jäger eine Kursänderung beispielsweise in Richtung eines Flugplatzes einleiten.

Gelingt es nicht, das Luftfahrzeug unter Kontrolle zu bringen oder abzudrängen, und droht z. B. die Gefahr eines (gewollten) Absturzes mit weitreichenden weiteren Folgen, so gibt es in vielen Ländern, zum Beispiel den USA, die Möglichkeit zum Abschuss der Maschine.

Solche Prozeduren im Blick wurden unsere Zeugen nervös und fuhren hier mit entsprechender Erregung gegen 15.00 auf den Hof. Könnte ja sein, dass die gleich was abschießen werden.

Aber: gut das es die Presse gibt, die uns jederzeit präzise informiert.

Einen Tag später war die Erklärung da – zumindest eine Erklärung, die die einsam kreisende Maschine beschrieb, siehe Aachener Nachrichten vom 30.4.2013:

Vom Flugzeug aus bestimmen Jülicher Umweltforscher noch in den nächsten zwei Wochen die Bodenfeuchte im Rureinzugsgebiet. In Messungen über der Jülicher Börde und der Eifelregion erfassen sie den Wassergehalt an der Oberfläche des Bodens.

Na, sieh mal: alles klar. Jülicher Umweltforscher messen hier irgendwie irgendetwas. Was, wird ja auch genau beschrieben:

„Je nach Boden wird bis in eine Tiefe von drei bis fünf Zentimeter gemessen“, erklärt Dr. Carsten Montzka vom Jülicher Institut für Bio- und Geowissenschaften, Bereich Agrosphäre. „Dabei misst das Radar räumlich sehr präzise, die Ermittlung des Bodenwassergehaltes ist aber stark von der Rauigkeit der Bodenoberfläche abhängig.“

Wir Eifeler waren beruhigt. Ja – das erklärt, warum eine große, seltsam ausgestattete Maschine hier relativ dicht über den Boden fliegt.

Die Beruhigung hielt aber nur einen Moment an – dank modernster Technik erhielten wir nämlich prompt die Meldung:

Vom Flugzeug aus bestimmen Jülicher Umweltforscher am 16. und 17. Juli 2012 die Bodenfeuchte im Rureinzugsgebiet. In Messungen über der Jülicher Börde und der Eifelregion erfassen sie den Wassergehalt an der Oberfläche des Bodens.

„Je nach Boden wird bis in eine Tiefe von 3-5 cm gemessen“, erklärt Dr. Carsten Montzka vom Jülicher Institut für Bio- und Geowissenschaften, Bereich Agrosphäre (IBG 3). „Dabei misst das Radar räumlich sehr präzise, aber nicht sehr genau, was den Bodenwassergehalt angeht.“ 

Hey – was war das denn? Das ist ja – abgesehen vom Datum – genau dieselbe Meldung wie am Tag nach jenen seltsamen Flugbewegungen? Nur … abgegeben wurde sie ein Jahr zuvor, siehe Innovationsreport vom 13.7.2012. Kopieren die eigentlich immer ihre Artikel?

Ich wollte den Carsten jetzt mal anrufen. Vielleicht kann der auch nur diesen einen Satz? Was musste ich jedoch feststellen: beim Institut für Bio- und Geowissenschaften, Bereich Agrosphäre finde ich keinen Dr. Carsten Montzka.

Schaut man sich das Organigramm der Abteilung an, so findet sich immer noch kein Carsten Montzka.

Erst, als ich alle knapp 100 Mitarbeiter aufrufe, kann ich ihn entdecken. Ziemlich gut versteckt für jemanden, der regelmäßig in der Zeitung  zitiert wird.

Ich überlege, ihn anzurufen, doch verwerfe ich den Gedanken gleich wieder, weil eine neue Nachricht auf dem Schirm erscheint, die alles erklärt, siehe Aachener Nachrichten vom 29.4.2013, 18.18 Uhr:

Eurofighter im Formationsflug neben Kampfflugzeugen vom Typ Phantom und Tornado, Transall-Maschinen und Transporthubschrauber vom Typ Sirkorsky CH 53, dazu ein Airbus, der die Luftbetankung simulierte: Die Luftwaffe bot am Montag am Himmel über Nörvenich anlässlich der Übergabe des Luftwaffenführungskommandos einiges auf.

„Dieses sichtbare Erleben der ‚Dritten Dimension‘ gehört für mich unverzichtbar zum Selbstverständnis unserer Luftwaffe“, betonte Generalleutnant Karl Müllner gleich zu Beginn des feierlichen Übergabeappells.

Diese Information war etwas untergegangen, ging es doch im Titel des Artikels nur um eine Kommandoübergabe, die scheinbar mit einer großen Vergeudung von kostbarem Treibstoff einherging. Na ja – der Staat hat´s ja, jetzt hat er ja auch seinen Sparkommissar in die Eifel geschickt, um die Kosten für die Veranstaltung wieder einzutreiben.

Man hätte die Angelegenheit damit ruhen lassen können – mal abgesehen von dem Jülicher Doktor, der der Aachener Zeitung jedes Jahr den gleichen Satz erzählt – was vielleicht auch nur einen beunruhigenden Blick auf die Qualität bezahlter Nachrichten gibt.

Aber: die Angelegenheit blieb nicht ruhig, denn unter den Augenzeugen befanden sich Menschen, die die offiziellen Geschichten immer noch nicht mit ihren Beobachtungen in Einklang bringen konnten.

Sicher, Nörvenich ist noch näher dran als der Flughafen von Köln und die von mir beobachtete Maschine hätte schon ein Airbus sein können (oder aber auch eine B 737). Die Luftwaffe hat solche Tankflugzeuge (siehe Luftwaffe.de) – und irgendwelche auffälligen Markierungen konnte ich nicht erkennen … was schon für eine BW-Maschine spricht – oder für meine schlechten Augen.

Vor Ort waren aber immer noch viele Menschen irritiert – wahrscheinlich kannten manche auch die kleine Propellermaschine des Jülicher Instituts, das hier Messungen durchführen sollte (ich habe sie immer noch nicht gesehen – bin aber auch nicht immer draußen) und bekamen Zweifel ob dieser Erklärung.

Dafür bekamen wir auch eine neue unter dem Titel „Flugmanöver gibt Rätsel auf“ vom 2.5.2013:

Ungewöhnlich durchdringende Fluggeräusche ließen am Montagnachmittag viele Eifeler in den Himmel schauen: Was sie da erblickten, war in der Tat ein eher ungewöhnliches Bild. Tieffliegende dunkelgraue Militärmaschinen gaben Rätsel auf, weil es so aussah, als würde eine Passagiermaschine von zwei Kampfjets in kurzem Abstand begleitet.

Ja – genau das hatten die Zeugen gesehen. Ich war nur einer davon – ich sah die tieffliegende Maschine, die aber eher hell als dunkel wirkte. Na ja – meine Augen halt.

Wir erfahren dann auch genau, was wir gesehen haben:

Eurofighter im Formationsflug neben Kampfflugzeugen vom Typ Phantom und Tornado, Transall-Maschinen und Transporthubschrauber vom Typ Sirkorsky CH 53, dazu ein Airbus, der die Luftbetankung simulierte: Die Luftwaffe bot am Himmel über Nörvenich anlässlich der Übergabe des Luftwaffenführungskommandos einiges auf.

„Dieses sichtbare Erleben der ‚Dritten Dimension‘ gehört für mich unverzichtbar zum Selbstverständnis unserer Luftwaffe“, betonte Generalleutnant Karl Müllner gleich zu Beginn des feierlichen Übergabeappells.

Das kannten wir aber schon von dem Artikel vom Montag. Wortwörtlich. Auch der Rest des Artikels ist eine Kopie der Meldung vom 29.4.2013.

Luftbetankung – so erfahre ich in einem Werbefilm über die Luftwaffe (siehe Bundeswehr.de) – benötigt eine Höhe von 5500 Metern – und vor allem keinen Kurvenflug. Das Tankflugzeug muss lange Zeit stur geradeaus fliegen, damit die Jäger andocken können – und nicht niedrige Kreise über der Eifel fliegen.

Wir könnten jetzt natürlich noch weiter fragen, was wir denn da am Himmel beobachtet haben – aber die Botschaft der Medien war ja schon eindeutig genug:

fragt ihr blöden Eifelsäcke noch weiter, bombadiere wir euch mit weiteren Textbausteinen. 

Wir fragen nicht – wie denken uns unseren Teil.

Was wir gesehen haben – ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall haben wir der Verschwendung von Steuergeldern beiwohnen dürfen. Weil der Generalleutnant die dritte Dimension erleben wollte (was wir ja jetzt zur Genüge vorgebetet bekommen haben), war die halbe Luftwaffe in der Luft und blies ihren Sprit in die Eifel.

Was wir noch gesehen haben … wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Nur eins bleibt gewiss hängen: eine zusätzliche unangenehme Erfahrung mit Textbausteinen deutscher Medien.

Und vielleicht auch eine Flugzeugentführung.  Zum Betanken einer Maschine – das denke ich, ist zweifellos erwiesen – muss die Maschine HINTER dem Tanker fliegen – nicht daneben.

Daneben – wie beobachtet: auf  Cockpithöhe – fliegt man im Entführungsfall.

Ach ja – und die F4F Phantom, die in Nörvenich flogen? Hat die Luftwaffe dort gar nicht (siehe Wikipedia), die meisten sind außer Dienst gestellt (siehe Wikipedia), einige gibt es noch beim Jagdgeschwader 71 in Wittmund (Ostfriesland – siehe „Goodbye Phantom“ bei Luftwaffe.de). Vielleicht auch Vergeudung von Steuergeldern zur Generalsbespaßung … oder Textbaustein? Die Tankflugzeuge jedoch sind in Köln-Bonn stationiert – im militärischen Teil des Flughafens (siehe Bundeswehr.de).

Und das die Schuhmacherbrüder den Militärflughafen mit ihren Privatjets benutzen dürfen, ist eine kleine Information, die nur am Rande für Verwunderung sorgt.

Die Verzahnung von Millionären und Militär ist wohl schon weiter fortgeschritten, als ich vermutet hätte.

Aber auch das … geht uns nichts weiter an – was ich jetzt auch verstanden habe.

 

 

 

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