Flüchtlinge

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Das Geteilte vereinen

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Bild:https://cdn.pixabay.com CCO

DAS GETEILTE VEREINEN

Die Mutter von Christentum und Islam ist,
das wird jetzt so oft und stark vermisst
das Judentum, das vorher war
das ist doch allen klar

Das Judentum, das hat hervorgebracht
das Kind, das jetzt zu Weihnachten lacht
und später kam der weise Prophet
Mohammed, der 600 Jahre später lebt

Nun ist eben die Mohammed Religion
eben viel jünger schon,als Mutter und Christus-Sohn
Und wenn wir denken, wo wir vor 600 Jahren waren
da wurden verbrannt Hexen in Scharen

Es kämpften im 30 jährigen Krieg vor 400 Jahren
die Lutheraner gegen des Kaisers Kriegerscharen
Das war genau von 1618 bis 1648 unter Wallenstein
Gustav Adolf kämpfte mit den Schweden nicht allein

Sie kämpften für Freiheit ziemlich hart
Europa blieb damals nichts erspart
100 Jahre davor wütete die Pest
Der 30 jährige Krieg holte sich den Rest

Nun Pest und Cholera zugleich
die wüten jetzt im Araberreich
denn sie haben von außen gemachte Revolutionen
die bewegen dort viele Millionen

Der Islam hat durchaus sehr erfreuliche Reformen
die entsprachen aber nicht den religiösen Normen
So wurde auch der Gründer der Bahai ermordet
der sehr wichtige Erneuerung fordert

Ganze Völkerwanderungen hat der Deep State bewegt
Die Häuser der Flüchtlinge sind zu Staub zerlegt
auch in Südamerika dieser Sturm fegt
und sich noch immer kein Ende regt

Auf der Mauer, auf der Mexiko Mauer
sitzt Onkel Donald auf der Lauer
Er möchte eine Immigrantenrevolution gegen sich verhindern
will er Verhältnisse wie Arabien oder Ukraine lindern?☺

Wenn es im mittleren Osten ordentlich kracht
dann die Machtelite herzhaft lacht
ist da ein Krieg angedacht?
wird der gut entfacht?

Trotzdem ist es nicht verkehrt,
wenn man Onkel Donald manchmal doch verehrt
Denn durch den Abzug seiner Syrientruppen
scheinen sich die Medien als Kriegspropaganda zu entpuppen

Auch in Korea der Frieden ist in Sicht
Onkel Donald hat dort gebracht viel Licht
Die beiden Erzfeinde nähern sich an
und jetzt ist eben Syrien dran?

Es gibt nach Ansicht der höchsten Obrigkeit
zu viele Menschen auf der Welt,
die oben sind nicht immer gescheit
da geht es vielen nur ums eigne Geld

Wenn jeder sinnvoll leben würde
wäre das für uns ja keine Bürde
Als sinnvoller Nebeneffekt
man viel gesünder lebt☺

Auch zwischen dem Westen und dem Osten
die Atom-Abrüstungsverträge rosten
das könnte uns wieder einen Weltkrieg kosten?
Rüstungsausgaben sind aber auch große Wirtschaftsposten

China soll den Patentschutz einhalten
doch in Europa die Geheimdienste walten
denn Uncle Sam möchte auch unsere Wirtschaftsgeheimnisse wissen
da wirst Du keinen Patentschutz vermissen

Denn die Dienste sind gerissen
auf unsere Politiker können wir….
Die versorgen die Lobbies wie es denen gefällt
der Bürger wird um seine Leistung geprellt

Selbst die Glühbirne kann Daten senden
daran wird sich auch nichts ändern
vielleicht war das für die EU der Grund
warum man das Ende der alten Glühbirne tat kund?

Es klafft die Lücke zwischen Arm und Reich
nicht nur bei uns sondern auch drüben über dem großen Teich
Wie schön wäre das Teilen für alle beiden Seiten
die einen zerplatzen, die anderen das Leben kaum bestreiten

Da wirkt ein Teil von jener Kraft
die stets das Spalten will und damit Ohnmacht schafft
Sie spaltet Menschen und Atom
weltweit haben wir das Spalten schon

Es soll keinen Geist geben
wir sollen ohne Geist leben
Geistlos sollen wir sterben
die Skeptiker wollen die Scherben

Man reißt den Kosmos weg vom Stoff
Doch Prof.Dürr sagt uns ganz schroff
dass es die Materie ja so gar nicht gibt
und dass uns der Geist dahinter liebt

Ost und West könnte man leicht befrieden
Weg mit der Nato aus unnötigen Kriegen
für Russland braucht es auch Sicherheit
der Raketenschild der ist nicht gescheit

Die Abwehrwaffen in Rumänien und Polen
die soll doch gleich der Teufel holen
denn diese Raketen die die Welt entzweit
sie sind rasch als Angriffswaffen bereit

Diese Info ist in Militärkreisen bekannt
in den Medien wird sie nicht genannt
Die Militärs wissen eben mehr
doch hüten sie ihre Infos sehr

Wenn Ukraine seine Blockfreiheit behält
dann kommt sehr rasch dieser Krieg aus der Welt
und Wenn Europa und Uncle Sam die Grenzen garantieren
dann kann für die Ukraine nichts mehr passieren

In Nordafrika weg mit den strategischen- und Ölinteressen
da hilft Vermittlung, Kulturverständnis und genug zu essen
Ein Marshallplan, für die geplagten Regionen
sonst flüchten dort die Millionen

Weg mit Raketen und Waffen
dann könnte man das schaffen
Warum sollen wir das nicht denken
auch wenn verrückt sind, manche die die Welt lenken?

Wer menschlich mit Menschen umgeht
dann der Frieden viel leichter steht
Doch wenn die Menschen begreifen, dass alle werden benutzt
dann schaut die Machtelite wohl ganz verdutzt

Wenn wir die Zusammenhänge kapieren
dann brauchen wir nicht so viel parieren
Es bräuchten dann nicht so viele krepieren
und man müsste darnach nicht so viel reparieren

Man kann uns dann nicht gegeneinander hetzen
bei Unverständnis fliegen sonst die Fetzen
Wenn jeder geduldig die Sorgen des Nachbarn anhört
dann ihn vielleicht auch eine etwas andere Gesinnung nicht stört?

Mit Wärme und Licht den Menschen begegnen
das brächte für alle großen Segen
seine eigene guten Ideale pflegen
zur Wahrheit und zum Licht kommt man auf vielen Wegen

Quellen:

https://de.rbth.com/politik/2016/10/13/us-raketenschild-in-europa-ist-russland-das-eigentliche-ziel_638467
https://de.sputniknews.com/politik/20171214318688917-us-raketenabwehr-osteuropa-schwaeche/
https://www.heise.de/tp/features/Neue-multinationale-Nato-Brigade-in-Rumaenien-gegen-Russland-3853739.html?seite=all
https://www.nachdenkseiten.de/?p=45924
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19864
http://schnittpunkt2012.blogspot.com/2011/05/otpor-geplante-revolutionen.html
https://www.sueddeutsche.de/politik/proteste-in-der-arabischen-welt-die-umsturz-gmbh-1.1061251
https://science.orf.at/stories/2878107
https://linkezeitung.de/2018/10/25/von-soros-inspiriert-us-milliardaere-planen-bunte-revolution-gegen-trump/ 

https://orf.at/stories/3105812/

https://www.nachrichtenspiegel.de/2015/09/13/revolutionen-mit-dramatischem-ergebnis-schaupatz-fluechtlingsdrama-in-europa-und-nordafrika/

https://www.nachrichtenspiegel.de/2018/12/26/die-unteilbare-welt-von-prof-hans-peter-duerr-quantenphysiker-mitarbeiter-von-nobelpreistraeger-werner-heisenberg/

https://www.bahai.ch/de/

https://www.deutschlandfunk.de/mahatma-gandhi-der-gewaltfreie-dschihadist.886.de.html?dram:article_id=376109

Vogelschiss-Presse

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So schlimm kann unsere Lage denn wohl doch nicht sein. „heidi klum und tom kaulitz“ – das ist der topgereihte Suchvorschlag in deutschen Landen, den mir Googles Messaging Service  gestern beim Einrichten meines neuen Smartphones präsentierte.

Stimmt also nicht ganz, was gerade auf Telepolis beklagt wird: Dass in Deutschlands „Systemmedien“ nur noch AfD-Themen gebracht würden (siehe heise.de). Obwohl das in letzter Zeit ja nicht nur auf „Systemmedien“ zugetroffen hat, auch unsere Social Media Newsfeeds waren tage-/wochenlang mit Vogelschiss-Meldungen zugemüllt. Ja, wirklich, wie skandalös: Wie hat der Gauland die NS-Zeit nur als Vogelschiss bezeichnen können? Ist doch absolut verniedlichend, nur die Scheiße von putzigen Vögelchen als Methapher heranzuziehen. Er hätte mindestens „Hundescheiße“ sagen müssen. Wobei auch da sofort der Protest der (zahlreichen) Hundebesitzer gekommen wäre. Also: Dinosaurierscheiße wäre wohl der einzig angemessene Begriff gewesen, auf den man sich einigen könnte – allerdings nur, solange die Gender Madstream- und Queer-Community nicht mitredet. Spätestens dann ist auch die Dinosaurierkacke am Dampfen und es hagelt regenbogenfarbene Teddybären und Dildos.

Nach der Rettung der Flüchtlingsschiffe „Aquarius“ und der „Lifeline“ flackert an dunkeldeutschen Stammtischen nun also wieder die Diskussion über Angela Merkels Politik der offenen Grenzen auf. Hinter vorgehaltener Hand – die Blockwarte hören ja heute wieder mit – raunt während des abendlichen Tagesschau-Guckens auch die dunkeldeutsche Hausfrau ihrem White Trash-Mann zu: „Du, ich weiß nicht, wie lange wir das noch schaffen.“ Immerhin wird verlautet, dass laut Umfragen in afrikanischen Ländern bis zu zwei Drittel der Einwohner auswandern wollen (Quelle: Welt).

Man könnte jetzt ein noch härteres Vorgehen gegen die kuchenbackenden Nazis dieses Landes fordern, aber ich fürchte es wird alles nichts helfen. Denn es ist zwar in der Tat schwer einzusehen, aber leider eine unbarmherzige Gesetzmäßigkeit des Lebens, dass es rein gar nichts nützt, wenn man die Augen vor Problemen verschließt oder ihr Ansprechen zu tabuisieren versucht. Wie man sieht, hat es ja auch nichts genützt, dass man das Wort „Lügenpresse“ verboten hat: Die vom rülpsenden Konsensmoloch (© Wolf Reiser) täglich ausgestoßene zähschwarze Lügen-/Manipulationsmasse ist damit um keinen Deut weniger geworden, sondern stinkt zum Himmel wie nie zuvor. Die Schreiber unserer Qualitätsmedien haben nach dem Verstummen der Lügenpresse-Rufe nicht etwa zur Räson gefunden, sondern ergeben sich nun sogar vollends der Tollwut und geifern nach dem großen Knall mit dem russischen Bären.

Ebenso werden auch die „AfD-Themen“ weiterhin unverrückt vor uns stehen bleiben, auch wenn die AfD und ihre Vogelschiss-Rührer schon morgen von der Bühne verschwänden. Ob  die auf deutschem Boden ausgeübte Gewalt der Flüchtlinge denn nun zu Recht bestehe oder sich die Flüchtlinge dieses Recht zu Unrecht nehmen (ich meine: darf man Flüchtlingen die Dinge verwehren, mit denen sie unsere Werbung an jeder Straßenecke anfixt, aber wozu ihr Portemonnaie nicht ausreicht?) und ob diese Gewalt zu denselben Zuständen und NoGo-Zonen und Parallelgesellschaften führen wird wie in den Vororten von Frankreich, Schweden und den USA … oder ob es in Deutschland anders kommen wird, indem wir in Schulen und Amtsstuben das Kreuz abnehmen und stattdessen die alternativlosen Frieden verströmende Mutti der Nation aufhängen – alles das wird an den vielverachteten Stammtischen des deutschen Packs weiterhin diskutiert werden. Zumindest dann, wenn jedermann die auf der Straße liegenden Scherben eigenhändig  aufräumen muss, da der deutsche Wirtschaftsmotor nicht mehr wie gewohnt brummt und die Merkel‘sche Müllabfuhr nicht mehr ausrücken kann.

Wie auch immer. Die Realität geht weiter und wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Während wir uns gerade dabei gefallen, dass die deutschen Besatzungsmitglieder der NGO „Lifeline“ über 200 Flüchtlinge  in den sicheren Hafen von Malta gebracht haben und diese ebenso wie die über 600 Flüchtlinge  der „Aquarius“ nun in der EU Aufnahme finden, so registrieren die wenigsten, dass im Sog solcher Erfolgsstories in der Wüste Afrikas gerade mehr als doppelt so viele Flüchtlinge sterben wie bei der Überquerung des Mittelmeers . Jetzt gerade werden sie z.B. an der Südgrenze Algeriens einfach in der Sahara ausgesetzt (siehe nzz). Wer interessiert sich schon dafür, dass nicht zuletzt aufgrund der deutschen Grenzöffnung in weiten Teilen Nordafrikas mittlerweile eine vollendete No-Future-Stimmung herrscht?  Die meisten jungen Menschen dort haben es aufgegeben, sich in ihrem eigenen Land Ideen für die Zukunft zu machen, ihr einziges Trachten ist nur noch: „Wie schaffe ich es auch ins Schlamerkelland?“ – diese Haltung ist aus vielerlei Gründen auch durchaus verständlich. Aber was ist unsere Haltung dazu, die wir alle logistischen, wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten in Hand halten? Wo bleibt der Masterplan zum wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbau Afrikas? Oder haben unsere hochdotierten Thinktanks etwa andere Pläne auszubrüten? Nicht einmal über ein Ende der Waffenexporte in Krisenregionen kann sich die westliche Wertegemeinschaft einigen. Während wir hier die großmütige Aufnahme von ein paarhundert gestrandeten Bootsflüchtlingen ins Kameralicht rücken, zerfetzt es in fernen Ländern tausende andere mit den nach DIN-ISO-Norm gefertigten Ballistikprodukten unseres „Maschinenbaus“, auf den wir vor aller Welt so stolz sind und der hierzulande Arbeitsplätze und Wohlschand sichert.

Aber lassen wir die ganzen Ironisiehülsen und anstaltmäßigen Metaphern, mit denen man sich heute durchlavieren muss, um überhaupt irgendetwas ansprechen zu können, ohne an den politisch korrekten Sprachregelungen anzustreifen, einmal beiseite. Ganz im Ernst: Die Heuchelei rund um die Flüchtlings-Thematik ist kaum noch zu ertragen. Eine austeritäre Bundeskanzlerin, die aus rein ökonomischem Kalkül ganze Völkerschaften knallhart an die Wand fahren lässt und die auch das eigene Land bedingungslos einem neoliberalen Diktat und viele Menschen einer existenzbedrohlichen Verarmung unterworfen hat, tut nun so, als ob es bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Afrika u.a. um Humanität gehe.

In Wirklichkeit lautet die unausgesprochene Direktive der unsichtbaren Hand des Marktes, das wirtschaftlich verwertbare, durchsetzungsstarke „Material“ abzuschöpfen, der Rest kann verrecken. „Wir brauchen jedes Jahr 400.000 Zuwanderer netto, um den Bedarf der Unternehmen zu decken“, verkündet Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit in einem jüngsten Interview in der Welt.  Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, wie in den oberen Planungsetagen der westlichen Wertegemeinschaft über Migration gedacht wird, der mag sich eventuell ein Agenda-Dokument des World Economic Forums zu Gemüte führen: „The Business Case for Migration“ (datiert 2013).

Wenn es wirklich um Humanität ginge und man die größte Not lindern wollte, dann müsste man jeden durchsetzungsstarken jungen Mann, der es hierher geschafft hat, zurück in seine Heimat schicken und ihn stattdessen gegen drei Alte, Kranke oder Arme austauschen, die nicht die Möglichkeit haben, sich im darwinistischen Kampf bis ins wunderbare Schlamerkelland durchzuschlagen, sondern die daheim ohne Hilfe bei kaputten Wasserleitungen dahinsiechen – indes ihre Heimatländer dank des Brain Drains und der Abwanderung der Jungen gerade dabei sind, vollends zusammenzubrechen. Dann würde ich auch liebend gerne bei der Refugees Welcome Bewegung mithelfen, ganz im Ernst! – Denn mit den Alten, Kranken und Armen hätten wir dann Menschen im Land, die sich keine Illusion mehr über den Charakter des Neoliberalismus machen, da sie dessen mörderische Konsequenz am eigenen Leib zu spüren bekommen haben. Menschen, die etwas anderes im Kopf haben als Heidi Klum und Tom Kaulitz. Menschen, mit denen wir den Drachenkampf aufnehmen und die Wende schaffen können!

 


Foto: pixabay/CC0

 

 

Brief eines besorgten Bürgers an einen unbesorgten Bürger

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Freitag, 25.11.2016. Eifel. Sehr geehrter Herr Gommel. Mit großem Zorn hatte ich Ihren Brief gelesen, der sich gerade inflationär im Internet verbreitet. Kein Wunder, Populismus verbreitet sich immer schnell und gut. Im ersten Moment dachte ich: das schreit nach einer geharnischten Antwort. Es muss endlich Schluss gemacht werden mit diesem schleichenden Faschismus, der im Gewand eines „Gutmenschen“ daherkommt und die demokratischen Grundlagen dieses Landes mit Füßen tritt. Dann las ich, dass Sie seit frühester Jugend unter schweren Depressionen leiden – und strich dieses Schreiben wieder aus meiner to-do-Liste. Man tritt nicht auf Menschen, die auf dem Boden liegen. Depressionen sind ein ernsthafter, ja höllischer Zustand, ein Krebs des Geistes, der alles helle, gute, lichte im Inneren auslöscht. Man sollte sich dafür nicht schämen noch schimpfen: angesichts dessen, wie sich unsere humane Umwelt und unsere natürliche Umwelt die letzten Jahre entwickelt haben, sind Depressionen der natürliche Zustand liebender Geister -und ich habe deshalb Verständnis dafür, dass immer mehr Menschen in ihren Wohungen bleiben und dort eine fein vorgekaute Traumwelt vorgesetzt bekommen – auch in der Tagesschau – in die sie sich flüchten können angesichts einer Welt, die an allen Ecken und Enden aus den Fugen gerät: vom kleinsten sozialen Element – den persönlichen Beziehungen – bis zu den größten sozialen Elementen: den Kriegen.

Eine Freundin hatte sich für Sie stark gemacht, für Sie mit Leidenschaft gekämpft, Sie seien ein „guter“, hatte sie mir versichtert – und meinte, Sie und ich stünden auf derselben Seite. Meinte, Sie hätten mehr Leid auf der Welt gesehen, als wir beide zusammen – nun, was mich angeht, muss ich sagen: über das Leid, das ich erlebt habe, schreibe ich so gut wie gar nicht – daher wohl der Eindruck. Einen Teil meiner Jugend habe ich im Umfeld von Mord, Prostitution und Vergewaltigung verbracht, meinen Zivildienst, um genau zu sein: ich war der einzige „Zivi“ im Resozialisierungsheim, der nicht von den Bewohnern zusammengeschlagen wurde – aber auch nur, weil ich schneller war als die. Gleichzeitig starben mir meine Freunde weg – verschmutzte Drogen waren der Hauptgrund. War unangenehm. Im Studium hatte ich wieder Pech – unangenehme, beruflich bedingte Begegnungen mit „Satanismus“, in Zusammenarbeit mit kirchlichen Kreisen und Sektenberatungen rutschte ich wieder einmal hinein in eine Wirklichkeit, die nie in die Tagesschau findet, weil sie das Hobby höchster, wohletablierter Kreise betrifft. Von den konkreten Erfahrungen vor Ort habe ich nie berichtet, ich kann nur sagen: ich kann mir seit dem übelste Splatterfilme anschauen: sie sind harmlos gegen das, was meine Augen live sehen mussten.

Später musste ich im Auftrag der Pharmaindustrie um die Welt reisen – und durfte noch mehr abscheuliches Elend betrachten, was mich gelegentlich in Lebensgefahr brachte: ging ich doch dort hin, wo Weiße nicht hin dürfen (ja, es gibt auch diesen, wohl „guten“ Rassismus), doch haben mich diese Ausflüge sehr bereichert. Was ich nur nie tat: meine Kamera zücken. Nicht ein Bild habe ich davon gemacht – obwohl man damit gut Geld hätte verdienen können. Ich wollte den Menschen nicht auch noch ihre Würde nehmen. Ich erzähle das, damit Ihnen klar ist, dass ich generell ein gewisses Ressentiment gegen Fotojournalisten habe (und inzwischen auch gegen Bezahlmedien insgesamt, doch das ist eine andere Geschichte), die „Aasgeier des Leids“, wie ein Freund sie mal genannt hatte. Menschen, die in den entscheidenden Momenten des Lebens hinter der Linse verschwinden, um Sensationsgier zu befriedigen. Am spannendsten waren übrigens die Ausflüge in der Hauptstadt der USA, wo ich wohl behütet im Zentrum wohnte, aber irgendwann mitten in der Nacht in Randgebieten landete, die aussahen wie Deutschland nach dem Krieg: ich war nicht allein, aber es waren hunderte, die uns jagten, es waren Szenen wie aus einem Horrorfilm. Ich hatte – das war mir bewusst – einen Blick auf die Zukunft der Menschheit geworfen, auf jene Zeit, die bald nach Deutschland kommt, weil auch wir neoliberalistischen Kapitalismus als höchstes Ziel anbeten. Dreißig, vierzig Jahre gibt uns Volker Pispers noch, bis das unsere Realität geworden ist, wie er könnte auch ich noch andere Ecken in den USA nennen, wo man studieren kann, wohin wir uns gerade entwickeln – allerdings würde man sie lebend nie verlassen. Und ich kenne auch Menschen, die sagen: wir werden schon nächstes Jahr mit Lagern für Arbeitslose in Deutschland rechnen müssen – die Zeit wird möglicherweise knapp.

Ich habe viel Elend gesehen – sogar schon als Kind. Wir schlachteten noch selbst. Erwähne ich nur, um mich vor der Unterstellung meiner Freundin zu schützen, ich sei so ein Schöngeist, der sein Zimmer nie verlassen hat. Aktuell erlebe ich beruflich wieder Elend, arbeite mit Sonderschülern und Hauptschülern: deren Lebensgeschichten stellen unsere Erfahrungen weit in den Schatten, das können Sie mir glauben – doch die bleiben der Öffentlichkeit verborgen. Schaue ich aus dem Fenster, so sehe ich sanfte Hügel, stille Seen, strahlenden Sonnenschein – doch ich weiß genau, was dort noch alles lauert. Kommt nur nicht in die Tagesschau – und wenn, dann verzerrt, als abschreckendes Beispiel von „Unterschicht“, von „Prekariat“. Wunderbare Menschen finde ich dort, mit hohem Potenzial und feinen Seelen – doch schon in jungen Jahren mit Erfahrungen konfrontiert, die ihren Geist gebrochen haben, die sie hilflos und nackt mit einer grauenvollen Realität konfrontierten. Mitten in Deutschland, dem Land, dem es so gut geht: Grausamkeiten, die nicht über meine Lippen kommen werden, weil sie den sensiblen, feingeistigen Lesern Alpträume bescheren würden, die nie enden. Ich selbst – nun, bin da härter geworden mit der Zeit. Mache da auch keine Fotos.

Nun – nachdem meine Freundin so sehr intervenierte, las ich Ihre Zeilen nochmal und nochmal, um zu verstehen, wie sie Sie wahrnahm – und erkannte, dass es da auch andere Perspektiven gibt, dass man fairer urteilen sollte. Aber ich denke: ich werde Ihnen einfach mal erzählen, warum ich so erzürnt war – es beginnt gleich zu Anfang:

„Denn neben meinen Kämpfen mit mir selbst bin ich sehr verärgert, und zwar wegen Dir. Dabei weiß ich, dass das keinem Menschen hilft – und mein Gewissen sagt mir, dass ein neuer Rant nur neuen Hass schürt. Ich werde es dennoch versuchen.“

Erstmal: „Rant“. Ihnen ist kaum bewusst, dass viele der „besorgten Bürger“ gar kein Englisch können: in der DDR wurde eher Russisch gelernt. Sie hätten auch „schimpfen“ sagen können – ist lieblicher und kann von allen verstanden werden. Sie hätten auch einfach jetzt aufhören können zu schreiben, Sie hätten Ihrem Gewissen lauschen können, das sagt: du schürst gerade wieder Hass. Doch obwohl Sie wissen, dass Sie gerade Hass säen (was sie ja „besorgten Bürgern“ vorwerfen, wie die ganze andere selbstverliebte, selbstgefällige Bande, die scheinbar gern von sich auf andere schließen und das dann für die Realität halten), machen Sie weiter. Hilft keinem, bringt nur Hass, aber: egal! So fangen Kriege an.

„In den letzten 2 Jahren bin ich Dir immer wieder begegnet. Auf Geburtstagsfeiern (nicht auf meiner), in der Bahn, auf Pegida-Demos und auf der Bank im Park. Ich höre Dein Lästern, Deine Abneigung gegen Andersartige und ich höre auch: Deine Angst.“

Ja – dieser kleine, feine Moment, den andere gern überlesen: „nicht auf meiner“. Das ist der Moment, der mich an die Masse der Mitläufer im europäischem Hasskreuzzug gegen Juden erinnert (nein, da waren nicht nur Deutsche dran beteiligt – und der endete auch nicht 1945), wo man sich selbst – bei allem „Verständnis für die Eigenarten jüdischer Kultur“ – fein und säuberlich von „denen“ abgrenzte. Das stößt gleich sauer auf – denn da fängt es an, die ersten Schritte zur Selektion: ganz leise, harmlos, schlicht. Es ginge auch anders: dass man zuerst den Menschen schätzt, respektiert und liebt, den anderen, den Fremden, den schrecklich dummen, weißen Pegidamann, erst recht dann, wenn man weiß, dass die Angst ihn regiert – und das säuberlich trennt von seiner politischen Überzeugung, die er aufgrund seiner Lebenserfahrung mit sich herumträgt: was sein gutes Recht in einer Demokratie ist.  Wissen Sie eigentlich, was Angst ist? Der Vorläufer von Panik. Bekommen Sie Angst nicht in den Griff … ja, dann war es das mit der Rationalität, Sie werden überschwemmt mit chemischen Botenstoffen, die Sie in ein Wesen verwandeln, das weit jenseits der Rationalität lebt und unmenschliche Dinge tun kann: da regiert dann das Tier: flüchtet … oder greift an. Angst – ist keine schicke Spielerei, sondern ein schlimmer, bemitleidenswerter Ausnahmezustand des Gehirns … ganz unabhängig davon, ob die Umwelt – also: Sie! – diese Angst rational für gerechtfertigt halten oder nicht.

Vollends vorbei war es dann bei mir vorbei, als ich diesen Satz las, der vor Menschenfeindlichkeit nur so triefte und die Linie komplettierte, die sich zuvor abzeichnete:

„Ich höre des Öfteren, dass Du Angst um Deinen Arbeitsplatz hast. Ich merke dazu an: Wenn ein Mensch einer komplett anderen Kultur und Sprache es schafft, Dir Deinen Arbeitsplatz wegzunehmen, warst Du nicht besonders gut.“

Ja: genau davor haben die Menschen Angst: dass ihnen ihre Lebensgrundlage weggenommen wird. Darf ich „geklaut“ sagen? Ist deutlicher als „weggenommen“. Wüßten Sie, was diese Armut, die aus dem Verlust des Arbeitsplatzes resultiert, den Menschen antun kann – und vor allem ihren Kindern: Sie hätten mehr Respekt vor dieser Angst, würden sie nicht klein reden oder verächtlich auf sie herunterschauen. Damit sind Sie im Herzen des Faschismus angelangt, im Zentrum jener Kultur, die Leistungsfähigkeit über Menschlichkeit stellt – und ich glaube, das ist Ihnen gar nicht bewusst. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich Ihren Brief mehrfach gelesen habe.

Ich gestehe: ich bin auch ein besorgter Bürger. Habe ja 2700 Aufsätze darüber geschrieben, kann man also leicht nachlesen. Ich verstehe auch ganz leicht, dass Menschen, die wenig in der Welt herumgekommen sind, Ängste entwickeln, wenn die Welt zu ihnen kommt, erst recht, wenn zuvor in den Medien genau vor diesen Menschen gewarnt wurde, ja: wir führen sogar aktiv einen heißen Krieg gegen sie: in Afghanistan und in Mali ist bzw. war die Bundeswehr im Einsatz gegen den „radikalen Islam“ – und wie gefährlich er ist, mussten man sich in tausenden von Nachrichten anhören. Ich kenne auch viele besorgte Bürger – meine Leser gehören zum überwiegenden Teil dazu. Hat da jemand was gegen Ausländer? Nein. Nur ein Bruchteil der Sorge stammt aus der Angst vor jenen, deren Länder wir bombadieren (wir Deutschen, wir Europäer und wir Natovölker), überwiegend ist es Angst vor … irrationalem Regierungshandeln, vor selbstherrlicher, unbedachter Politik nach Gutsherrenart. Das geht aber im Regierungspopulismus schnell unter der – voll auf DDR-Linie – alles zu „Rechtsradikalen“ erklärt, was nicht regierungskonform ist. Wir wissen aber schon noch, wie wir solche Regierungsformen nennen, die so vorgehen, oder? Und dass unsere Regierungsparteien weit davon entfernt sind, „links“ zu sein?

Wissen Sie, wer das letzte Mal mit grober Hand Völker in Europa umsortiert hat? Wer die „guten“ an die richtigen Plätze setzte, weit über Europa verteilt – und die „schlechten“ verhungern ließ? Einfach mal ins Geschichtsbuch schauen, ich denke, vielen besorgten Bürgern ist das noch in Erinnerung geblieben (sind ja meist ältere Semester) – und da ging es nicht nur um Juden, wie uns unser Spar-Geschichtsunterricht gerne weiß machen will, sondern um Millionen Esten, Letten, Polen und vor allem: Russen. Ich habe erst gestern noch in einer Runde mit Polen gesessen, die sich heute noch gut daran erinnern können, wie es damals war … während unsere Jugend das völlig vergessen haben – Polen übrigens, die mir ausführlich von der Feindschaft erzählten, die ihnen und ihren Kindern hier und heute im „guten“ Deutschland tagtäglich entgegen tritt. Knippst nur keiner. Sind halt Polen.

Ich erzähle Ihnen einmal etwas über dieses Land. Sollte man wissen, bevor man über die Ängste der Menschen urteilt (siehe HuffingtonPost):

Denn obwohl es dem Land so gut wie lange nicht geht, wird die Ungerechtigkeit immer größer. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Geld immer ungleicher verteilt. Sehr, sehr wenige Deutsche haben mehr als die Hälfte davon. Und ALLE anderen müssen mit dem Rest auskommen.

Diese Entwicklung ist laut einer internationalen Studie von 2011 sogar so stark wie in keinem anderen der 34 untersuchten Länder. Das muss man sich einmal vorstellen! Diese Ergebnisse sind seit Jahren bekannt und trotzdem spricht kaum jemand davon. Und eine aktuelle Untersuchung von 2015 zeigt, dass es noch schlimmer geworden ist.

Unsere Kinderarmut ist inzwischen größer als die von Tschechien und Ungarn: und da erwarten Sie, dass man es begrüßt, wenn Millionen neuer Menschen in diesen dicht bevölkerten Siedlungsraum kommen, in dem die Armut immer weiter fortschreitet? Wenn – ohne die Bürger zu fragen – nicht mehr von „Asyl“ gesprochen wird, sondern von oben herab nach altbekannter Gutsherrenart unsere demokratische Solidargemeinschaft zum „Einwanderungsland“ erklärt wird? Obwohl wir gegen diese Einwanderer seit Jahrzehnten Krieg führen … in ihren Heimatländern?

Noch mehr aus diesem Land, das per Gesetz jedes Jahr mehr Obdachlose produziert? In Hamburg stehen Asylunterkünfte leer, in die Obdachlose aber nicht hinein dürfen (siehe kritischepresseschau), und obdachlos wird man in diesem Land, das Arme mit harter Hand verfolgt, schnell: monatlich erhalten (Achtung: Neusprech) 132000 Hartz IV-Bezieher „Sanktionen“ (siehe Neues Deutschland): auf deutsch gesagt: werden zur Vernichtung freigegeben. So hatte man sich schon früher „unerwünschter Personen“ entledigt – bis man merkte, dass es zu lange dauerte, bis sie verhungerten (in Leningrad hielten die sogar Jahre durch) und man zum Gas griff. Alles schon mal dagewesen – und auch damals schon mit feinsten Worten umschrieben (hierzu: Götz Aly, Vordenker der Vernichtung – ein sehr aufschlussreiches Werk).

Häßlich, oder? Ja – es wird jetzt sehr ernst. Die Spaßgesellschaft, in der sich ohne harte Arbeit so gut leben läßt, hat tödliche Schattenseiten. Knippst man nur, wenn sie aus Syrien stammen. Hinterläßt auch Spuren bei denen, die nicht so gesegnet sind.

Wie sollen Bürger reagieren, die erleben müssen, dass ihre Mitmenschen draußen frieren müssen, während die Gäste der Bundeskanzlerin von allen hoffiert werden? Mal ehrlich: wer knippst denn schon gerne das Elend des „White Trash“? Wer interessiert sich dann schon für ihre Gefühle, ihre Wünsche, ihre Träume, ihre Ängste, ja, die werden doch schon gescholten dafür, dass sie überhaupt Ängste haben: der moderne Mensch ist da weiter, er hat gar keine Gefühle mehr. Die stören beim „business“. Der moderne Mensch gehorcht den Anweisungen der Bundeskanzlerin und ihren reichen Medienfreundinnen – und wehe, es tanzt einer aus der Reihe.

Und jenen aufgrund ihrer beschränkten Leistungsfähigkeit kurz vor der Aussortierung stehenden Bürgern sagen Sie, es ist ok, wenn Syrer ihnen Ihre Arbeitsplätze wegnehmen – und dass in einem der dichtbevölkertsten Ländern der Erde ein zusätzlicher Bevölkerungsdruck aufgebaut wird, der den Kampf ums Überleben zusätzlich verstärken wird? Lesen Sie mal diese Arbeit von Wolfgang Lieb aus dem Jahre 2010 – über unsere „Intellektuellen“, die wieder aktive Vernichtungsgedanken gegenüber der Unterschicht hegen: 5 Jahre Hartz IV – und dann: Hungertod, wenn der Frost einen nicht vorher erwischt! (siehe Nachdenkseiten)

Gut – Sie schauen nur durch die Linse einer Kamera, sehen nur das Elend, das direkt vor Ihrer Nase ist.

Wie gesagt: ich bin auch ein besorgter Bürger. Einer, der für Flüchtlingslager im Libanon Geld gesammelt hat, jene Lager mit unbeschreiblichem Elend, in dem jetzt gerade zur Winterzeit wieder gestorben wird, ohne dass ein Hahn danach kräht. 1,3 Millionen Geflüchtete leben dort – in einem Land mit vier Millionen Einwohnern. Schon mal in West-Aleppo gewesen? Das schweizer Fernsehen schockierte unlängst seine Zuschauer mit Bildern von auserlesenem Luxus in dieser „umkämpften“ Stadt (siehe swr), einem Luxus, von dem jene 14 Millionen Deutsche nur träumen können, die in den letzten Jahren „Kunden“ deutscher Jobcenter gewesen sind: täglich bedroht von Sanktionen, die sie an den Rand des Todes führen können – und auch einige getötet haben.

Will ich keine Flüchtlinge – als besorgter Bürger? Ich finde schon das Wort gräßlich – aber es ist Norm, und darum verwende ich es erstmal. Ich sage ganz klar: ich will keine Flüchtlinge. Ich finde es zum Kotzen, dass Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Und äußerst besorgt bin ich über die Methoden von Regierung und Millionärspresse, die ich im Rahmen dieser Aktionen erleben durfte. Sie werden dazu führen, dass das dringend notwendige Asylrecht abgeschafft wird. Sollen wir jetzt alle ausweisen? Du meine Güte – da fängt es an. Natürlich nicht – und ich glaube auch, dass kaum einer der „besorgten Bürger“ (außer den immer vorhandenen Altrechten, die schon vorher immer dabei waren, wenn es darum ging, Macht zu bekommen) so inhuman ist. Habe ja schon mit einigen gesprochen – schaut man näher hin, dann haben die Ängste kaum was mit Islam zu tun (den auch ich ganz in Ordnung finde, weil ich persönlich viele Muslime kenne, die ganz feine, ethisch hoch stehende Menschen sind – obwohl ich keine saudische Justiz auf europäischem Boden sehen möchte: finde Köpfen widerlich, Hände abhacken auch), aber viel mit Angst vor „Selektion“, die in Deutschland schon jetzt wieder hoch aktiv ist – aber um das zu erkennen, muss man sich in den Kreisen jener bewegen, die schon jetzt davon betroffen sind. Nun gut: nicht mehr lange, dann wird „Industrie 4.0“ nochmal 18 Millionen Deutsche zusätzlich „frei setzen“ – dann können wir weiter reden. Und wenn Sie mal über vierzig sind und nicht reich durch Fotos geworden … dann können Sie auch die Wertschätzung des Sozialfaschismus am eigenen Leib erleben.

Was ich lieber sehen würde? Wenn wir die Kinder aus dem Libanon holen würden, bevor die jetzt wieder erfrieren. Tut aber keiner. Wir schicken noch nicht mal Geld. Oder die Millionen Schwarzafrikaner. Klar – das würde hier bald zu eng werden … weshalb ja auch spontane Kurzschlüsse a´la Merkel keine Lösung der Probleme bieten – sondern sie langfristig nur verschlimmern.

Vielleicht helfen Ihnen die Worte von Sybille Berg ein wenig, die Situation der besorgten Bürger zu verstehen, jener weniger priviligierten Menschen, die wir direkt neben uns im Regen stehen lassen … oder auch im Hagel (siehe Spiegel):

Wie konnte es nur dazu kommen? Wo wir doch so tolle Theaterstücke gegen Fremdenhass gemacht haben, die wir uns auf die Schulter klopfend angeschaut haben. Und all die Luftballons. Die Medien waren sich so einig in der Beschimpfung von ein paar Deppen. Aber, verdammt, die Deppen können lesen, und was macht man, wenn man dauernd als Idiot bezeichnet wird, als Honk, als ungebildet, primitiv? Wenn ein falsches Wort im Netz einen Shitstorm statt einen Dialog hervorruft? Nach der US-Wahl überbieten sich die Medien in Weltuntergangs-Headlines und Analysen über die Abgehängten, die Ungebildeten, die Arbeitslosen.

„Erst die Arroganz der Linken macht Populisten möglich“ – so ihre Quintessenz.

Meine auch.

Und die zunehmende Tendenz, diese Gesellschaft, diese Solidargemeinschaft zu spalten: in „gut“ und … „anders“. Mal wieder.

Wo der wirkliche Skandal ist? Wir geben 7,4 Milliarden Euro für Entwicklungshilfe aus (siehe Tagesschau). Dreimal soviel für neue Autobahnen (siehe Spiegel), bald sechsmal soviel für Waffen (siehe n-tv). Wäre das anders: wir hätten mehr Menschen hier, die nicht vor Not flüchten müssen, sondern unsere Kultur studieren wollen – und bereichern können. Und ich will mich auch nicht zufrieden geben damit, dass wir Not nur noch sehr selektiv betrachten, Humanität reservieren für einen kleinen Kreis von Menschen (meist jungen, gesunden Männern), die von der Regierung bevorzugt selektiert wurden – während man ihre Frauen und Kinder, ihre Eltern und Großeltern in der Ferne verrotten läßt.

Und dies alles – macht mich zu einem äußerst besorgten Bürger, dem erst kürzlich von engagierten Menschen, die schon „gegen Rechts“ kämpften, als es noch nicht modern war, eine Warnung zugeflüstert wurde: ich müsse aufpassen, dass man mich nicht falsch verstehe …. sonst würde man mich noch als „rechts“ etikettieren.

Dieses Etikett ist heute so gefährlich wie ehedem der „Judenfreund“ (der ich auch bin: großartige Kultur, feine Menschen).

Und das – macht mich umso besorgter.

Nun – Herr Gommel – Sie hatten um ein Gespräch gebeten. Um eine Antwort. Hier ist sie. Nun können wir den Dialog beginnen. Ein PS: noch: den Natostacheldraht, der jetzt um Europa gezogen wird, habe ich – im Gegensatz zu Ihnen – anfassen müssen. Er hat mir Haut und Kleidung zerrissen: Sie haben Recht – der ist super scharf. War im Kampf um „Mehr Demokratie wagen“ unabänderlich, mit ihm in Berührung zu kommen. Man kann es aber überleben.

Und wenn Sie nicht reden wollen – dann lade ich Sie zum Denken ein. Gesehen haben Sie genug dafür – nur an den Schlussfolgerungen hapert es meines Erachtens noch:

„Wenn ich so über das bisher Geschriebene nachdenke, fällt mir auf, dass nicht nur Neonazis von der »Überfremdung« oder »Deutschland wird überrannt« sprechen. Der Einsatz von NATO-Draht (und Kriegsschiffen im Mittelmeer), spricht exakt die gleiche Sprache. Fremdenfeindlichkeit spielt sich nicht nur in den Reihen der AfD, dem Front National oder um Geert Wilders ab. 

Im Gegenteil: Die EU selbst setzt Xenophobie und Rassismus voraus, um sich vor »Eindringlichen« zu schützen.“

Jetzt brauchen Sie nur noch der Frage nachgehen, was man angesichts dieser Ausgangslage damit bezweckt, für einen kurzen Moment Ängste im Volk zu schüren..und die Grenzen für einen Moment weit auf zu machen: schon sind sie in der Realität der besorgten Bürger angekommen.

 

 

Die Schlümpfe von „Meck Pom“ haben gewählt – über Grüne Arroganz, bürgerliche Verzweiflung und die ungeschminkten Worte eines Ossis (+Video der Woche: „IRRTUM – Ihr wisst gar nichts von uns“)

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Bild: Public Domain/Wikimedia/Hans Buch

Die Empörung über das Wahlergebnis ist groß, Grünen-Politiker David Mack bezeichnete Mecklenburg-Vorpommern postwendend sogar als „das am dümmsten besiedelte Bundesland“ (siehe Huffingtonpost).

Natürlich hat man bei den Grünen gerade allen Grund, sich in die Nase zu beißen: Laut Landeszentrale für politische Bildung MV handelte es sich nur um wenige hundert Stimmen, die darüber entschieden, dass die Grünen aus dem Landtag flogen. Dabei ist es schon ein atemberaubendes Kunststück, wie es die Grünen heute zustande bringen, immer mehr in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, obwohl doch der im derzeitigen Weltgeschehen offenkundig gewordene systemische Wahnsinn quasi ein aufgelegter Elfmeter wäre, um mit klassischen Grünen Anliegen voll zu punkten und die Wählergunst praktisch jedes vernünftigen Bürgers, dem sein Leben und die Zukunft seiner Kinder lieb sind, zu gewinnen.

Aber wundert das Abwählen der Grünen wirklich? Immer mehr Menschen haben den Eindruck, dass die ehemaligen Kämpfer für Bürgerrechte, Ökologie und mehr Menschlichkeit heute zu einem grotesken Zerrbild ihrer ursprünglichen Anliegen mutiert sind. Nicht nur, dass sich grüne Spitzenpolitiker längst mit der Denkweise und dem Lobbynetzwerk der Konzerne arrangiert haben (siehe den ARD Klassiker „Rot Grün macht Kasse“), so verengt sich deren ideologisches Engagement trotz brennender ökologischer, ökonomischer, politischer und sozialer Aufgabenstellungen immer mehr auf mediale Treibjagden und Hexenverbrennungen, die an eine autoimmune Krankheit erinnern, bei welcher der Organismus seine eigenen gesunden Zellen auffrisst.

Wie der Eifelphilosoph bereits treffend geschildert hat (siehe „Brief an Deutschlands Linke: geht doch einfach nach Hause“), ist es natürlich bequemer, unter Wohlgefallen und finanziellem Geldsegen transatlantischer Netzwerke wie der Amadeu Antonio Stiftung die letzten profunden Gründenkerzellen aus dem smart gewordenen Bioladen via Facebook zu entfrienden (siehe Meedia) und zur neuen Hexenjagd gegen Globalisierungsgegner, alternative Denker, homöopathische Ärzte und Impfkritiker zu blasen (siehe z.B. Denunziationsaufruf auf Fefes Blog) als sich mit den wirklichen Mächten des politökonomischen Weltgeschehens anzulegen. Welchen Bärendienst die selbsternannten „Linken“ damit dem gesellschaftlichen Diskurs erweisen, indem sie in inflationärer Weise mit Vakuumattributen wie „Nazi“ und „Verschwörungstheoretiker“ um sich werfen, sieht man nicht zuletzt an den Wahlergebnissen: Allerortens treten stramm nationalistische Parteien und bizarre Rappelköpfe ihre Siegeszüge an. Das wäre ohne dem Versagen der klassischen linken Bürgerparteien de facto ausgeschlossen, denn an sich war ja der Großteil der Deutschen und auch der mitteleuropäischen Nachbarländer eher links-libertär-humanistisch gesonnen.

Die Bürger sind also offensichtlich eher geneigt, sich mit radikal-nationalistischen Parteien auf dünnes rechtsstaatliches Eis zu begeben als dem Weg der radikal-nihilistischen neuen Linken/Grünen zu folgen.

Ersteren zu folgen ist riskant und könnte vielleicht übel ausgehen, aber immerhin versprechen die Nationalen, zumindest die unerträglich gewordenen Machtstrukturen, die transatlantische Globalisierung und den damit einhergehenden Alltagswahnsinn wieder hinwegzufegen.

Zweiteren zu folgen, würde nach Ansicht der meisten Wähler jedoch ganz bestimmt übel ausgehen, denn die nihilistischen Ditfurthianer sind im Taumel ihrer autoaggressiven Immunerkrankung fest entschlossen, gerade diejenigen Zellen unseres Gesellschaftsorganismus zu vernichten, die eine Änderungen der derzeitigen Denk- und Wirtschaftsweise anstreben. Und besonders wenn man Kinder hat, möchte man nicht, dass diese womöglich von der aktuell um sich greifenden Borderline-Hexenhysterie der Nihilisten angesteckt werden.

Den Grünen/Linken ist es paradoxerweise sogar zu verdanken, dass das Wort „Nazi“ heute jeden Schrecken verloren hat. Indem es in vollkommen inflationärer Weise jedem an den Latz geknallt wird, der herrschende wirtschaftliche oder gesellschaftliche Verhältnisse bzw. die Regierungslinie kritisiert, denken sich immer mehr Menschen: „Hmm, also wenn das ‚Nazi‘ ist, dann ist ein Nazi ja gar nicht so schlecht, wie man uns das früher immer beigebracht hat. Dann bin ich auch lieber Nazi als so ein Ditfurthianer.“

Auch die derzeitige Polarisierung des  Flüchtlingssthemas  ist zum Haareraufen. Dabei hätte jeder Soziologiestudent im ersten Studiensemester vorhersagen hätte können, was herauskommt, wenn man in einem Land, in dem der Wohnungsmarkt knapp und der Arbeitsmarkt ebenfalls am Krachen ist, eine Millionenschaft an Migranten mit einer Millionenschaft an Inländern, die ebenfalls kaum noch ihre Existenz bestreiten können und ums soziale Überleben kämpfen (laut Jahresbilanz des Bundesverbandes Deutsche Tafel sind bereits über 1 Million deutsche Bürger auf Gratis-Essen angewiesen, Tendenz stark steigend)  einfach auf der existenziellen Ebene aufeinanderprallen lässt – in einem Land, in dem lt. Bundesagentur für Arbeit/BA jedes sechste Kind in einer Hartz-IV-Familie lebt, also akut armuts- und abstiegsgefährdet ist.

Es steht nun zu befürchten, dass wir als Menschen gespalten werden, obwohl wir in einer Zeit des eskalierenden Neoliberalismus zusammenhalten und mit aller Kraft solidarisch sein müssten.  Denn nur gemeinsam können wir die Schienen, auf denen unser Zug gerade Richtung Grand Canyon fährt, umlegen. Indem man uns allerdings in völlig konzeptloser Weise existenziell aufeinanderprallen lässt, verpufft diese Kraft bzw. wird sogar ins Destruktive pervertiert: Die Bürger streiten miteinander und reiben sich gegenseitig auf. Indes kann die neoliberale Agenda weiter ungestört durchgezogen werden.

Zurück aber zu Mecklenburg-Vorpommern und den Ossis. Was mussten die „Ossis“ nicht schon an Schmähungen über sich ergehen lassen: Die fortschritts- und frackinggläubigen Wessipolitiker und ihre Hofmedien  ließen kaum ein gutes Haar an ihnen, stellten sie bei jeder Gelegenheit als hinterwäldlerische Fortschrittsverweigerer dar, die sich nun als „Pack“ im „Dunkeldeutschland“ zusammengerottet haben und für Ruhestörung der im luxuriösen Apartment des Industrie 4.0-Zuges sitzenden Leistungsträger sorgen. Dass einige Ossis darauf hinweisen, dass der Zug, in dem wir alle sitzen, geradewegs auf den Grand Canyon zufährt, wer will solche Zwischenrufe hören? Wenn man diese Stimmen ernstnähme, dann müsste man ja die Geschwindigkeit drosseln, Halt machen und die Gleise umlegen. Aber das verschreckt laut Merkel-Doktrin womöglich die Weltmärkte und die US Ratingagenturen. Also  lautet die alternativlose Losung: weiter voll einheizen den Zug, volle Kraft voraus und über die Atlantikbrücke ab in den Grand Canyon.

Auch in den Pressemeldungen im Ausland wurde über die jüngste Wahl oft in ironisierender bis spöttischer Weise berichtet. Der österreichische Rundfunk ORF bezeichnete sie in seinen Leitartikeln mit Gänsefüßchen als „Meck Pom-Wahl“ und „Merkels Meck Pom“. Das erweckt unweigerlich Assoziationen mit dem pausbäckigen Pom-Bär aus der Kekswerbung oder mit den fortschrittsscheuen Hobbits aus dem Auenland – schlumpfartige Gesellen jedenfalls, die mit dem von Merkel gepredigten Bekenntnis zu Industrie 4.0 und der totalen Digitalisierung aller Lebensbereiche nicht viel am Hut haben, sondern denen dieser Fortschritt sogar Angst macht. Auch wurde in der Wahlberichterstattung stets betont, dass die negative Stimmungslage der Wähler ja „nur“ ein vergleichsweise dünn besiedeltes ehemaliges DDR-Gebiet betreffe, während in den wirklichen Kulturmetropolen der Merkelkurs weiterhin breite Unterstützung finde.

Meines Erachtens ist das Verächtlichmachen der Meckpombürger und „Ossis“ ein schwerer Fehler. Wir täten gut daran,  ihre Stimmen ernst zu nehmen, denn immerhin haben sich diese Mitbürger aufgrund ihrer leidgeprüften Erfahrung von Diktatur und Willkür sensibilisiert für gewisse Tendenzen, die bei weiterem Fortschreiten das gesamte Fundament von Demokratie und Rechtsstaat aushöhlen könnten.

Mitbürger, die deshalb rechtzeitig „Au !“ schreien, wenn sogar das, was im freien Westen früher am Ostblock als so abgrundtief schlecht und aller Grundrechte des modernen Menschen spottend kritisiert wurde, nun von der Bundeskanzlerin achselzuckend  als Normalität hingestellt wird: z.B. die schrankenlose Bürgerüberwachung und Durchleuchtung des Privatlebens durch ungreifbare geheimdienstliche Behörden – zu dessen Rechtfertigung die höchsten Staatspolitiker wieder die Worte von Joseph Goebbels in den Mund nehmen: „Wer nichts zu verbergen hat, hat von uns nichts zu befürchten“ (siehe Nachrichtenspiegel).

Das Lachen über die hinterwäldlerischen „Meckpom“-Schlümpfe könnte uns schon demnächst im Hals stecken bleiben. Denn immerhin wussten die Schlümpfe noch um die Existenz des dunklen Gargamel, der ihnen den Garaus machen wollte und vor dem sie daher auf der Hut sein mussten. „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“ – wer in seinem Leben noch nie erfahren hat, was es bedeutet, täglich in einer Diktatur aufzuwachen, der kann über diesen Ausspruch leicht lachen. Dabei warnen sogar bereits die Chefkonstrukteure des CIA-/NSA-Überwachungsapparats in einem offenen Brief: „Wir errichten gerade schlüsselfertige Tyranneien!“

So wie der ostdeutsche Bauunternehmer Owe Schattauer in seinem u.a. Video haben daher auch viele andere „Ossis“ erkannt, dass bereits Feuer am Dach ist – während wir wohlstandsverwöhnten Wessis noch unbeirrt an dem aus den drei Strängen technischer Fortschritt, betriebswirtschaftliche Effizienz und bodenlose Unterhaltung geflochtenen Merkel’schen Sauerzopf (dem eigentlichen „Meckpom“-Scherzkeks) festhalten.

Obwohl die Wahl der AfD in MV die drohende – und in ökonomisch-sozialer Hinsicht bereits bedrückend manifeste – Tyrannei vermutlich in keiner Weise verhindern bzw. beseitigen wird (siehe „Was wir heute brauchen wie ein Loch im Knie: „Bodenständige“ Politiker im Maulwurfspelz und AFX-Parteien“), da die AfD ein knallhartes neoliberales Programm im Talon hat und im übrigen eine noch stärkere Sanktionierung von Hartz IV-Beziehern und Minderleistern befürwortet,  so kann das Wahlverhalten in MV zumindest als Versuch der Bürger gesehen werden, die Notbremse zu ziehen.

So, jetzt aber genug der Vorrede. Ich habe ihn schon erwähnt: Owe Schattauer. Auch er kam nach der Grenzöffnung mit der Sehnsucht nach Freiheit und einem besseren Leben in den Westen. Als Rapper „C-Rebel-um“ kondensiert er seine Erfahrung der vermeintlichen Freiheit im wiedervereinigten Deutschland mit dem Fazit: „Frei ist hier nur, wer Geld hat.“

Ähnliche Worte der Ernüchterung, wie sie Owe Schattauer in seinem Song „IRRTUM – Ihr wisst gar nichts von uns“ spricht, wird es vermutlich in den nächsten Jahren en masse von Flüchtlingen zu hören geben, die aktuell noch voller Hoffnung ins gelobte Schlamerkelland strömen.

Ein weiteres bemerkenswertes Lied von Owe Schattauer ist „Brot und Spiele“, in welchem er auf ganz prosaische Weise schildert, wie er das vermeintliche Konsumparadies im Westen mittlerweile erlebt. Auch wenn die grobklötzig-spartanische Visualisierung der Videos in keiner Weise mit dem westlichen Industrial-Light-And-Magic-Niveau mithalten kann, so stellen die schlichten, aber ergreifenden Texte des kleinen Mannes von der Ossi-Straße besagte Industrial-Light-And-Magic Produktionen dennoch in den Schatten.

„IRRTUM – Ihr wisst gar nichts von uns“:

 

„Brot und Spiele“:

Nachtrag – zur Kritik, warum ich Videos von so jemand „Unmöglichem“ wie C-Rebell-um verlinkt habe (@Alethia u.a.) :

Nun, ich habe nicht das gesamte Oevre von C-Rebell-um studiert und zweifellos ist er kein Ghandi oder Hermann Hesse, den man bedenkenlos politisch korrekt zitieren kann. Sucht man das Haar in der Suppe, dann könnte man im Übrigen überhaupt niemanden zitieren, nicht einmal Hermann Hesse. Denn obwohl ich persönlich mindestens 99,9% der Aussagen von Hermann Hesse als einen meiner Lieblingsautoren bedenkenlos unterschreiben könnte, so hat er etwa mit seinen Ansichten über das Recht des Menschen zum Suizid m.E. einen argen Hacker in die Welt gesetzt, aufgrund dessen unsere Gesellschaft womöglich schon viele Menschen unnötigerweise verloren hat. Wollte man die reale Konsequenz von Hesses diesbezüglicher Äußerung ebenso wie jener von Goethes „Leiden des jungen Werther“ statistisch evaluieren, man wäre wohl erschüttert. Wie wir wissen, war sogar Friedrich Nietzsche, wohl einer der brillantesten Denker seiner Zeit, in seinem Spätwerk vor geistiger Umnachtung nicht gefeit. Wenn also selbst die führenden Geister der deutschen Kulturgeschichte durchaus auch einige blinde Flecken haben, wie soll man dann von einem Rauhbeinrapper aus dem Baugewerbe erwarten, dass er ohne Makel ist?

Der Grat der Wahrheit ist in der Tat ein schmaler und man muss wohl täglich neu das Gleichgewicht herstellen, wenn man nicht nach links oder rechts abstürzen will (wobei das jetzt rein metaphorisch gemeint ist, denn in politischer Hinsicht sind die Veortungen ‚Links‘ und ‚Rechts‘ m.E. sowieso schon komplett verhunzt und daher ein Fall für die Tonne) – insbesondere dann, wenn man es wagt, dem schwarzen Loch ins Auge zu schauen, das heute alle Grundlagen unserer Zivilisation abzusaugen droht.

Dass ich Owe Schattauers / C-Rebell-ums Videos dennoch verlinkt habe, hat aber zwei handfeste Gründe:

1.) sind die zwei Songs m.E. astreine Zeitzeugendokumente über die Zeit nach dem Mauerfall bzw. Paradebeispiele für die Desillusionierung über das vormals strahlende westliche Konsumparadies aus der Sicht eines Ossis, der in diesem Konsumparadies sein Glück gesucht hat.

2.) Da ich selbst eher denkerisch veranlagt bin, habe ich früher immer abschätzig auf eher willensgeprägte Typen wie C-Rebell-um herabgesehen, die einfach so aus dem Bauch heraus manchmal recht grobschlächtig klingende Dinge heraussprudeln lassen, noch bevor der Kopf den bewegenden Gedanken ganz zu Ende gedacht hat. Diese arrogante Haltung habe ich inzwischen gründlich revidiert. Denn was ich momentan wahrnehme ist: Es herrscht allerortens eine massive Willenslähmung, und das, obwohl wir heute fähig sind, alle politisch-ökonomischen Abgründe messerscharf zu analysieren und auf höchstem akademischen Niveau aufzubereiten. Effekt: Null, Nada. Gleichermaßen üben wir uns darin, ironisch herumzuwitzeln und den Wahnsinn, der uns schon demnächst Kopf und Kragen kosten könnte, zu überspielen und als bloßes Kasperletheater darzustellen, über das man sich schenkelklopfend abhauen könnte.

Man nehme z.B. nur die wegen ihres Scharfsinns und hohen Niveaus so vielgepriesenen „Anstalt“-Sendungen: Ehrlich gesagt, kann ich das dauernde Satirisieren und neunmalschlaue Persiflieren nicht mehr ertragen. Der Anblick des Publikums, das die abgründigsten Themen des Weltgeschehens in demaskierter Form serviert bekommt und diese Tatsachen mit leuchtenden Augen, brüllend vor Lachen entgegennimmt, zwischen den Pointen aufgrund von delektiertem Dauerschmunzeln chronifizierte Gesichtskrämpfe erzeugend, erinnert mich an die Szenerie mittelalterlicher Königshöfe, wo es ein paar Hofnarren erlaubt war, sich über die Despotenherrscher und die dekadenten Zustände im Reich lustig zu machen, solange sie sich selbst zum ulkigen Narren machen. In dem Moment, wo jemand das, was der Hofnarr persifliert, mit aufrechtem Ernst vorgebracht hätte, wäre augenblicklich sein Kopf gerollt und man hätte ihn von der Bühne entfernt. Schon alleine die Bezeichnung „Die Anstalt“ zeigt ja bereits, dass man mit seinem Vorbringen in Wirklichkeit eine gewisse Grenze nicht überschreiten wird sondern sich vorauseilend im Klamauk-Genre verortet. Und in diesem nicht für voll zu nehmenden Genre lässt man den Akteueren gerne jede Narrenfreiheit: Sie dürfen dort trompeten, sich am Kopf stellen und die Könige verulken – die dann, wenn der Konfetti des lustigen Plunderabends wieder zusammengekehrt ist, aber weiterhin ihr gewonhtes Geschäft betreiben, d.h. ihre Untertanen ausbeuten und foltern, grausame Plünderungen von Nachbarländern planen und obszöne Feste mit schokoladeglasierten Schweinen feiern während die Armen vor den Toren der Paläste verrecken.

Und genau aus diesem Grund des Verreckens habe ich mir vorgenommen, in Zukunft einen feuchten Kehricht auf politische Correctness zu geben und mich hinsichtlich zitierfähiger Quellen nicht durch die Maulkörbe und Brandmarken limitieren zu lassen, die irgendwelche selbstgerechten Pseudo-„Linken/Intellektuellen“ verteilen, die sowieso alles, was nicht aalglatt, kubisch oder mechatronisch ist, mit den „Nazis“ in einen Topf werfen und damit einem echten gesellschaftlichen Dialog und Fortschritt den größtmöglichen Schaden zufügen. Ich habe genau aus diesem Grund ganz bewusst nicht nachrecherchiert, aber angesichts seiner grundsätzlichen Systemkritik und seiner unverhohlenen Worte hat C-Rebell-um wohl bestimmt schon den gesamten Rattenschwanz an Ditfurthianern und Psiram-Inquisitoren am Hals, die ihm das Etikett „Verschwörungstheoretiker“ auf den Rücken kleben wollen.

Zweifellos wird man in seinen Statements auch viel Unausgegorenes und Zweifelhaftes finden, das kritikwürdig ist und das als Argumentationsmaterial für gefährliche politische Ambitionen zur weiteren Sanktionierung von Hartz IV-Beziehern etc. verwendet werden könnte – wenn er als „Stimme des Zorns“ seine morgendlichen Wutausbrüche, mit denen er im Auto die Radionachrichten kommentiert, sofort unredigiert online stellt, dann ist ja auch nichts anderes zu erwarten, als dass in seinem Redeschwall auch einige Knorkse dabei sind. Und natürlich hat solche Cholerik ihre eigenen Gefahren und Fallstricke. Trotzdem könnten wir akademisch verbildeten Schöngeister uns gerade von dieser Impulsivität Schattauers eine Scheibe abschneiden: Er witzelt sich nicht bloß über den nackten Wahnsinn hinweg und duckst herum, sondern er ist aus tiefstem Grund heraus empört und schreit diese Empörung auch nach Leibeskräften aus sich heraus – weil er es nicht fassen kann, wie sich der Wahnsinn heute bereits demaskiert hat und vom Großteil der Menschen auch als solcher erkannt wird, aber die Leute trotzdem lieber weiterdösen und sich mit Illusionen betäuben wollen, also den Zug weiter Richtung Grand Canyon fahren lassen – auf hohem Niveau witzelnd und sich damit nonchalant darüber hinwegerhebend, bereit noch ein Selfie zu machen, sobald der Zug über die Klippe fährt – die Zeit bis zum Aufprall dann noch nutzend, um die „Likes“ zu zählen, die man von der Online-Community für seinen letzten Schuss erhält…

Und während wir im Kopf stecken bleiben und sich die sogenannten „Linken“ ihre Zeit damit vertreiben, um via Smartphone Friedensaktivisten als Verschwörungstheoretiker zu diffamieren, kommt Owe Schattauer ins ganz konkrete Handeln, organisert z.B. gemeinsam mit Dr. Rainer Rothfuß eine Friedensfahrt von Berlin nach Russland, um im Namen der Bürger zu demonstrieren, dass wir den mittlerweile höchst gefährlichen und von den Leitmedien geflissentlich eingetrommelten Konfrontationskurs der NATO in keiner Weise mittragen wollen (Wir machen da nicht mit. Wir machen den Frieden jetzt selbst … unsere Damen und Herren Volksvertreter finden anscheinend keinen Weg, mit dem russischen Volk zu kommunizieren. Im Gegenteil, man baut in dieser äußerst brisanten geopolitischen Lage völlig verantwortungslos auf Sanktionen und Konfrontation statt auf Kommunikation. Das müssen wir ändern. Es geht darum, nicht nur zu reden, sondern einfach zu tun.“  siehe http://www.free21.org/friedensfahrt-berlin-moskau-august-2016/)

Obwohl man also endlos Pros und Contras zu seiner Person finden könnte, so muss ich angesichts des bereits halshohen Wasserspiegels sagen: Gäbe es heute mehr Menschen wie Owe Schattauer, die mit einer gesunden Allergiebereitschaft auf den zur Normalität erklärten politisch-ökonomischen-ökologischen Wahnsinn reagieren (aus einem Gespräch mit Medizinern habe ich erfahren, dass HYPOTONIE, d.i. die mangelnde Reaktionsfähigkeit auf herandringende Allergene und Toxine eine viel bedenklichere – und heute weit verbreitete – Konstitution ist als HYPERTONIE, d.i. das sofortige Reagieren auf einen Reiz durch Hautrötung etc.), dann müssten wir nicht so wie heute dem Abgrund entgegensehen, sondern könnten einer konstruktiven, menschengerechten Zukunft entgegengehen. Denn besagter Wahnsinn kann nur dann blühen, wen wir herumducksen und den Kopf in den Sand stecken. In dem Moment, wo wir uns aufrichten, muss er dahinschmelzen wie ein Schneemann im Frühling.

Merkels große Lüge: Deutschland geht es schlecht

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Montag 30.5.2016. Eifel. Was antworten Sie eigentlich, wenn man Sie fragt, wie es Ihnen geht? Ich weiß: „gut“ steht im Verhaltenskodex für Normbürger. Versuchen Sie es mal mit „schlecht“ als Antwort, ich kann ihnen sagen: äußerst unterhaltsam, was man da an Hilflosigkeit im Gesicht des Gegenübers erleben kann. So schön eingespielt sind die öffentlich zulässigen Verhaltensnormen, dass schon Kleinigkeiten genügen, um aus einem Nachbarn einen Staatsfeind zu machen. „Deutschland geht es gut“ – so tönt die deutsche Bundeskanzlerin, weit oben thronend über dem Volk, das zu blöd ist, sich selbst die Schnürsenkel zu binden oder eine Tiefkühlpizza ordentlich aufzubereiten. Pack geradezu, dem man immer erklären muss, wie es sich gerade fühlt – sonst fühlt es nachher wieder falsch.

Ich antworte oft „schlecht“ – es sei denn, mir tut mein Gegenüber leid, weil es einer solchen Antwort nicht gewachsen ist: oft reichen schon Kleinigkeiten, um einen aus der Fassung zu bringen – und man selbst ist schnell im Verdacht, rechtsradikaler arbeitsloser islamistischer Terrorist zu sein … oder wie „der Jude“ heute heißt.  Nicht, dass es mir selber schlecht ginge, im Gegenteil: ich lüge da einfach immer – aus erzieherischen Gründen. Mache ich ja auch bei meinen Kindern, muss ich machen: die haben ein Recht auf positive Zukunftsaussichten – da bleibt nur die Lüge, also muss ich hier die Merkel machen. Mir selbst – also persönlich, in meinen Kreisen – geht es sehr gut. Ich habe ausreichend Zeit, mein eigenes Leben zu leben, habe meine Bedürfnisse schon während des Studiums so weit herunterreguliert, dass sie mir ein Maximum an Freiheit geben, sehe viel Sinn in meinem Leben. Würde morgen der Sensenmann vor der Tür stehen: ich könnte erhobenen Hauptes meinen Platz in der Welt verlassen. Es war ein gutes Leben: turbulent, mit Höhen und Tiefen, reich an persönlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Eindrücken, reich an intensiven menschlichen Kontakten und Bildung. Geld und Gesundheit habe ich seit zehn Jahren nicht mehr – aber wer braucht das schon zum Glück.

Die Antwort „mir geht es schlecht“ ist trotzdem nicht falsch – und ich erläutere sie auch gern, wenn überhaupt noch Nachfragen kommen. In den letzten 15 Jahren haben wir „70 – 80 % der Biomasse an Fluginsekten“ verloren (siehe Nabu). Das haben Sie wahrscheinlich schon selbst gemerkt: wir Naturfreunde merken das schon länger (Bremsen zum Beispiel – waren in unserem kleinen Tal von einem Jahr aufs andere verschwunden), aber Sie als Autofahrer dürften auch gemerkt haben, dass Sie die Scheibe nur noch extrem selten von Insekten befreien müssen – das war früher anders.

Doch es ist nicht nur die Natur, die versagt. Auch unser Wirtschaftssystem ist gestorben, komplett zusammengebrochen. Wir merken es nur noch nicht, weil man uns die Informationen nur noch häppchenweise gibt – und kaum noch einer das notwendige geisteswissenschaftliche Rüstzeug dazu vermittelt bekommt, diese Häppchen wieder zu einer vollwertigen Mahlzeit zusammen zu fügen.

Ich will Ihnen mal eins dieser Häppchen aufzeigen: man findet es in den Kommentaren über den G-7-Gipfel in Japan, wo demokratische Politiker mit zehntausenden Polizisten vor den gemeinen Japanern geschützt werden mussten, ohne dass sich auch nur einer fragte, was denn da nicht stimmt. Hören Sie mal dazu Deutschlands wichtigstes Nachrichtenmagazin (siehe Spiegel):

„Überall grassiert die Unzufriedenheit, und sie wird genährt durch die Tatsache, dass die Wirtschaft in den G7-Staaten seit der schweren Finanzkrise vor acht Jahren noch nicht wieder auf Touren gekommen ist. Das geringe Wachstum kommt nahezu ausschließlich einer kleinen Oberschicht an der Spitze der Einkommensskala zugute, während die Einkünfte der Durchschnittsverdiener stagnieren. Als Folge der weltweiten Niedrigzinspolitik schrumpfen die Vermögen der Kleinsparer.“

Von wegen „Lügenmedien“. Die berichten schon noch die Wahrheit – nur verschleierter als früher. Man ist gezwungen, mehr als die Überschrift zu lesen. Wagt man das, erfährt man erstaunliches. Ich hoffe, Sie haben in den letzten Jahren die Jubelmeldungen über den Triumph des Kapitalismus über die Krise mitbekommen, die gerade in Deutschland ja wöchentlich ausgeschüttet wurden – alles gelogen. Man weiß ganz genau, welche Probleme die Bevölkerung hat:

„die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Auszehrung der Demokratie durch den Einfluss der Interessengruppen, das wachsende Gefühl ihrer Wähler, vor den Risiken der Globalisierung nicht mehr ausreichend gesichert zu sein.“

Nur – wie der Artikel im Weiteren darlegt – gibt es keine Lösung dafür. Die Spitzenkräfte unserer Politik und Intelligenz haben nur eins im Sinn: die Parole vom Endsieg auszugeben: „Deutschland geht es gut“. Die Wahrheit würden die seit Monaten stagnierenden Aktienmärkte nicht ertragen: die Titanic hat den Eisberg gerammt, unten steht immer mehr Bürgern das Wasser bis zum Hals, während man oben Kaviar und Champagner in die Rettungsboote packt … und Musikinstrumente zur Unterhaltung, man erinnere sich, den Porsche-SUV nicht zu vergessen.

Die Politik packt Parolen aus, Parolen vom Endsieg der deutschen Wirtschaft: „Deutschland geht es gut“. Die Erfahrung zeigt das Gegenteil. Wir werden darauf vorbereitet, dass auch Einheimische bald in Zeltstädten leben könnten (siehe Focus):

„Laut den Schätzungen der BAG Wohnungslosenhilfe hat die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland im Jahr 2014 mit 335.000 einen neuen Höchststand erreicht, darunter 29.000 Kinder. Bis zum Jahr 2018 könnten weitere 200.000 Menschen dazukommen, befürchtet die BAG W.“

Ein Grund, warum immer mehr Menschen ihre Miete nicht bezahlen können: die hohen Strompreise (siehe theintelligence):

„Aufgrund unbezahlter Rechnungen, wurde in Deutschland zuletzt in über 300.000 Haushalten von verschiedenen Energieversorgern der Strom abgestellt, das entsprach rund 800.000 Menschen. Die Betroffenen haben somit von einem Moment auf den anderen weder Warmwasser, Heizung noch Licht. Dabei ist im modernen Zeitalter ein Leben ohne Strom unzumutbar.“

Was da geschieht? Die Ärmsten finanzieren den grünen Häuslebauern die Solarzellen auf dem Dach und die Subventionen fürs Elektromobil: eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Die starken (oft steuer- oder beitragsfinanzierten) Schultern lassen sich von den schwächsten (auch von Kindern) zum Olymp tragen: perverser geht es kaum noch.

Das gilt auch für andere gesellschaftliche Sphären, die geschickt verschleiert werden. Versuchen Sie mal den Suchbegriff „Arbeitslosenindustrie“ zu googeln – sie werden so gut wie gar nichts finden. Aber „Armutsindustrie“ – das füllt den Rechner aus. Nur: es ist gar keine Armutsindustrie, an Armut läßt sich schlichtweg nichts verdienen, denn … die haben ja nichts, die Armen. An Arbeitslosen jedoch: da verdient man sich eine goldene Nase. Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten verdient daran mit, weil sie Pöstchen in Firmen haben, die die staatliche Ruhigstellung der Arbeitslosen besorgen (siehe freiewelt.net). Für diese Industrie geben wir mehr aus als für die Arbeitslosen selbst (siehe Spiegel):

„49 Milliarden Euro haben der Bund und die Kommunen 2010 für Hartz-IV-Empfänger ausgegeben, etwa drei Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Doch nur ein Teil des Geldes, 24 Milliarden Euro, ist unmittelbar für die Betroffenen bestimmt.“

Kaum zu glauben, oder? Diejenigen, die die Gesetze beschließen, verdienen daran, dass sie umgesetzt werden: da ist jedem Wahnsinn Tür und Tor geöffnet. Einfach mal die Regelsätze verdoppeln und die Arbeitslosenindustrie austrocknen: schon steigt der Binnenkonsum, Arbeitsplätze werden geschaffen, Deutschland wird wieder attraktiv für Investoren, die Jugend bekommt wieder Zukunft. Doch wir: entscheiden uns lieber für das Aufsagen von Durchhalteparolen.

Es ist kein Zufall, dass der Begriff „Arbeitslosenindustrie“ durch den Begriff „Armutsindustrie“ ersetzt wurde: für den armen Rentner interessiert sich nämlich niemand, an dem kann man auch nicht verdienen – es sei denn, man arbeitet in dem überzogenen Gesundheitssegment, verkauft Therapien, die nichts bringen gegen Krankheiten, die frei erfunden sind.

Schon längst ist klar, woran unsere Gesellschaft krankt – und weshalb die „Lügenpresse“ deutlich die Wahrheit sagen kann, ohne dass es jemand merkt (siehe Nachdenkseiten):

„Daher hat in jeder Gesellschaft und in jedem Bereich einer Gesellschaft das Establishment ein Interesse daran, dass Ausbildungsinstitutionen und Medien die Möglichkeiten eines Erkennens von Sinnzusammenhängen in geeigneten Grenzen halten. Fragmentierung – ob durch bildungsbürgerliches Wissen, durch eine PISA-orientierte Schulausbildung, durch ein “kompetenzorientiertes“ Studium oder durch Medien – ist also in diesem Sinne keineswegs Zufall, sondern ein beabsichtigter Prozess, eine Art Herrschaftsinstrument.“

Fragmentierung von Wissen – gäbe es das nicht, Sie wüssten sofort, dass der islamische Terror in der Tat rechtsradikal zu nennen wäre und bekämen Probleme damit, antiislamistische Strömungen als rechtsradikal zu definieren. Wir werden uns diesem Thema ein andermal widmen müssen – wenn es überhaupt noch erlaubt ist:

„Zu einem solchen “Hinterfragen“ sind wir alle von Natur aus befähigt, man muss sich nur entschließen, von dieser Befähigung auch Gebrauch zu machen – das war ja gerade die Leitidee der Aufklärung. Das ist oft mühsam und bedarf der Übung, doch empfinden wir häufig ein Gefühl der Befriedigung, wenn wir den Sinnzusammenhang der Dinge besser verstehen.“

Nur ist diese „Leitidee der Aufklärung“ heute „Verschwörungstheorie“ und de facto verboten – die Gesetze dazu werden sicher noch kommen. Die Titanic sinkt – und in der Dritten Klasse zeigt man Pornos, um für Ablenkung zu sorgen. Wer von Rissen im Rumpf faselt, ist ein Verschwörungstheoretiker. Wer dem Kapitän misstraut, ist rechtsradikal – oder geisteskrank. Immerhin ist die Titanic unsinkbar.

„Das große Versprechen an individuellen Lebensmöglichkeiten hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Es ist Moore, der hier spricht und der einst im Thatcherismus alter Prägung die größtmögliche Erfahrung gesellschaftlicher Perfektion erblickte: „Ihre Chancen für einen Job, für ein eigenes Haus, eine anständige Pension, einen guten Start für Ihre Kinder, werden immer kleiner. Es ist, als ob man in einem Raum lebt, der immer mehr schrumpft. Für Menschen, die nach 1940 geboren wurden, ist dies eine völlig neue Erfahrung. Wenn es noch länger so weiter geht, wird sie ziemlich schrecklich werden.“

Das sagt der Vordenker von Margret Thatcher, dem langsam die Erkenntnis kommt, „das die Linke recht hat“ (siehe FAZ). Der Artikel ist fünf Jahr alt, fünf Jahre, in denen sich nichts geändert hat  – außer dass der Top-Politiker der CDU Friedrich Merz jetzt Lobbyist für den Investmentriesen Blackrock ist (siehe Manager Magazin) – mit einer klaren Aufgabenbeschreibung:

„in der er „die Beziehungen mit wesentlichen Kunden, Regulierern und Regierungsbehörden in Deutschland für Blackrock fördern wird„. Was macht er sonst noch so?

„Aufsichtsrat der Deutschen Börse, Aufsichtsrat bei IVG Immobilien, dazu Beirat der Commerzbank sowie von Borussia Dortmund und Vorsitzender der Atlantik-Brücke“ – viel zu tun, gäbe es da echte Arbeit. Viel Einfluss für einen einzigen Menschen. Fürsten hätte man sie früher genannt. Heute – spricht man einfach nicht mehr von ihnen, hinterfragt nicht die seltsamen Machtzusammenballungen und Ämterhäufungen bei einzelnen Personen … während Millionen immer ärmer werden. Er macht jetzt mit bei der „Auszehrung der Demokratie durch Interessengruppen“ (siehe oben) – und der Steuerzahler hat viel investiert, damit Herr Merz diesen Job machen kann.

Verrückt, oder? Denen darf ich überhaupt nicht mit Insekten kommen – die kaufen keine Aktien, sind also nicht existent: wie Arbeitslose, nur billiger.

Ach ja: Arbeitslose. Zehn Jahre nach Einführung der Hartz IV-Gesetzgebung ist einem Richter etwas seltsames aufgefallen. Ja: wirklich – schon nach zehn Jahren. Die deutsche Intelligenz ist nach wie vor auf dem Damm, muss man sagen. Man stellte in der Tat fest, dass Sanktionen das zuvor mühsam klein gerechnete Existenzminimum unterschreiten – und somit möglicherweise gegen enorm viele fundamentale Gesetze verstoßen (siehe Süddeutsche):

„Eine Million Leistungsberechtigte werden jährlich sanktioniert. Eine Million! Womöglich sind Sanktionen schlicht eine einfallslose Reaktion darauf, dass sich die Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose weiter verschlechtern. Sie werden von den Jobcentern als Kunden bezeichnet – aber oft wie Penner behandelt.“

Hier haben Interessensgruppen die Grundlage von Demokratie und Menschenrechten schon ziemlich ausgehölt: der Staat wird zum Feind der Bürger, die den Folgen der Globalisierung erlegen sind – verliert man seinen Arbeitsplatz, weil Blackrock seinen Firmensitz aus steuerlichen Gründen nach Irland verlegt, wird man prompt als Täter vom Staat verfolgt – nicht nur als Penner. Gipfel der rot-grünen Idiotie war in der Tat, dass man von den Arbeitslosen verlangte, sie sollten die Folgen der Globalisierung für den bundesdeutschen Wirtschaftsraum von jetzt auf gleich ganz allein bewältigen und sich selbst quasi aus dem Nichts einen Ersatzarbeisplatz erschaffen, mit dem sie die Abzocker des Landes weiter subventionieren können.

So etwas wirkt halt auch auf die jungen Leute, von denen sich gerade einer in der Zeit sehr echauffiert – zurecht, wie ich sehe. Man erfährt dort auch nebenbei etwas über die Hintergründe der „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge – etwas, dass man vielleicht gar nicht hören will (siehe Zeit):

„Es sind vor allem die jungen Menschen gewesen, die an Bahnhöfen die Flüchtlinge willkommen geheißen haben.“

„Wie wäre es mit einer Art New Deal für die Flüchtlinge? Wenn wir einen anständigen Batzen Geld, so einen, wie ihn sonst nur Banken und Rentner kriegen, in die Hand nähmen, um damit Integrationsprogramme zu boosten, damit die Flüchtlinge hier ankommen, anpacken können, und in diesen Programmen fände unsereins, die Jungen, unbefristete, vernünftig bezahlte, steuerpflichtige Arbeit. Das wäre doch für alle gut, selbst für die Alten?“

Da hat die prekäre Jugend die Botschaft der „Hartz IV“-Gesetze verstanden und sich selbst Arbeit beschafft – und aus der Traum vom neuen empathischen Deutschland. Die Willkommenskultur war geprägt von Verdienstaussichten im sozialen Bereich für jene, die noch nicht in der „Armutsindustrie“ Fuß gefasst haben. Darum interessiert sich auch niemand groß dafür, dass weiterhin Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken – was wir recht schnell stoppen könnten, wenn „wir“ es wollen würden. Lesen Sie sich den Artikel in der Zeit ruhig mal durch: sie lesen dort von einem jungen Mann die Nöte seiner Leidesgenossen, er macht uns klar, dass bei der nächsten Bundestagswahl 50 Prozent der Wahlberechtigten über 50 sind … und seine Generation schon bei der letzten Wahl nur 15 Prozent der Wähler stellte.

Kein Wunder, dass sich keiner mehr für das Insektensterben interessiert – obwohl diese kleinen Kollegen eine unverzichtbare Grundlage für das Ökosystem bilden.

Und darum geht es mir schlecht – obwohl es mir selber gut geht. Jenseits meines Tellerrandes gibt es keine Zukunft mehr – dafür aber steigenden Wahnsinn … wie kürzlich im Wiener Theater (siehe orf):

„Diese Akkuratesse braucht es auch, wenn auf der Bühne gekotzt wird, wenn Frauen stehend in Glasgefäße urinieren, Pornoszenen nachgestellt werden und 20 Personen wild um sich schlagen, kreischen und schluchzen, wenn rohes Fleisch und Eingeweide geworfen werden, wenn echtes menschliches Blut fließt und Tragödie und Komödie einander abwechseln, wenn mehr als 20 griechische Heldinnen, Helden, Göttinnen und Götter auftreten: Denn 24 Stunden Chaos – das würde rasch langweilig. Es braucht also eine strenge Dramaturgie – und höchste Konzentration.“

Ja, Sie lesen richtig: da wird mit rohem Fleisch und menschlichen Eingeweide geworfen – sie nennen es „Unterhaltung“.

„Fabre teilt seine Erfahrung des Schlafentzugs und er teilt seine körperliche Interpretation dessen, was dem menschlichen Handeln zugrunde liegt: Status wollen. Bestimmen wollen. Und gleichzeitig: alle Zügel fahren lassen wollen, mit jedem ficken wollen, vor Schmerz losschreien wollen, jemandem die Gedärme herausreißen wollen, mit dem man eine Rechnung offen hat. Er zeigt das ganze Spektrum des Scheiterns und Reüssierens in einer Welt, die nur vermeintlich auf Vernunft aufgebaut ist.“

Wollten Sie schon mal jemandem die Gedärme herausreißen, weil Sie … „mit ihm eine Rechnung offen hatten“? Ich hoffe – sie wären angesichts dieser Gelüste sofort zum Arzt gegangen. Was unser Freund Parkwächter dort in seiner genialen Schrift aufgedeckt hat (siehe Nachrichtenspiegel) mag unsere Zukunft sein – eine Zukunft, die hier schon mal spielerisch vorweg genommen wurde. Wie gesagt: „es wird ziemlich schrecklich werden“ – wenn es so weitergeht.

Sagen selbst schon die Konservativen.

Und darum geht es auch mir öffentlich schlecht.

Alles andere hielte ich für verantwortungslos und dumm.

Sie doch auch, oder?

Dann wissen Sie ja, wie Sie ab morgen zu antworten haben.

Rat Race & Rape Culture Club Köln – warum Frauen künftig eine Armlänge Abstand halten und einen Pfefferspray dabei haben sollten

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Fotoquelle: s.u.

Der Gewaltexzess am Kölner Hauptbahnhof sitzt uns noch in den Knochen. In einem WDR-Interview spricht der Konfliktforscher Andreas Zick von einer Stimmung der „pluralistischen Ignoranz“: In der Menschenmenge erschien plötzlich „vieles legitim, weil alle es tun“ – je mehr Männer mitmachten, desto normaler und richtiger erschien ihnen ihr Verhalten zu sein (Quelle: Redezeit WDR 5).

„Pluralistische Ignoranz“, ein seltsam anmutender Begriff für ein Phänomen, mit dem wir es vermutlich demnächst noch öfter zu tun haben werden – wir sollten ihn uns merken.

Wie kommt es aber in unserem Land der Dichter und Denker zu pluralistischer Ignoranz? Vorneweg, wer nicht will, dass sein aufgeklärtes Weltbild, das ihm von Kindesbeinen an durch Schule, Uni und Medien mit dem Löffel beigebracht wurde, ins Schwanken kommt, der lese hier bitte nicht mehr weiter. Denn ich möchte heute mal kurz mit dem Bohrer unserem faulen Zahn an die Wurzel gehen. Dass man sich mit Wurzelbehandlungen nicht beliebt macht, weiß ich. Leider läuft uns das, was man zum Beliebtmachen braucht – die Zeit, gerade davon. Sodass ich das Beliebtmachen also lieber altgedienten Profis dieser Disziplin überlasse wie Markus Lanz & Co.

Statt synthetischen Honig gibt’s hier aber ehrlichen, reinen Wein, versprochen – eingeschenkt von jemandem, der selbst eine streng-wissenschaftlich akkreditierte MINT-Ausbildung absolviert hat und in einem MINT-Beruf arbeitet, der also Mitglied im Club der toten Dichter ist und weiß wovon er redet, wenn er der MINT-Gesellschaft frecherweise etwas auf den Zahn fühlt.

Aber halt, festina lente, damit habe ich schon wieder zwei Stufen überhastet übersprungen und bin fast schon im Epizentrum des schwelenden Übels angekommen. Beginnen wir zuvor mit einer symptomatischen Episode aus dem Alltag:

Wer heute auf Kur fährt, setzt sich einem nicht unbeträchtlichen Risiko aus. Es könnte sein, dass während des Kuraufenthalts zwar seine Arthritis gelindert wird, er sich dafür jedoch mit geistiger Beulenpest infiziert hat. Als meine Lebensgefährtin diesen Sommer auf Kur war, gab es dort nicht nur Moorumschläge, sondern die Kurgäste wurden auch mit einigen psychischen Schlammpackungen eingewickelt. Für die erwachsenen Menschen gab es nämlich auch weltanschaulichen Unterricht: Ein DIN-ISO-zertifizierter akademischer Psychologe dozierte in einem – für alle Kurgäste verpflichtenden – Vortrag darüber, was nach derzeit herrschender wissenschaftlicher Meinung der Mensch sei. Wer meint, dass diese Frage heute ein jeder selbst beantworten könne, da uns ja schon im Kindergarten beigebracht wurde, dass der Mensch vom Affen abstamme, der irrt.

Laut neuester wissenschaftlicher Erkenntnis sind die Gene des Körpers, in dem wir uns bewegen, weniger dem Affen ähnlich, dafür aber umso mehr dem Nagetier bzw. seinem Prototyp – der Ratte.

Die meisten Zuhörer waren zwar etwas verdutzt, aber sie haben die neue wissenschaftliche Erkenntnis widerspruchslos internalisiert – so wie es heute eben Bürgerpflicht ist, alles was aus „streng wissenschaftlicher“ Quelle verlautbart wird, widerspruchslos zu akzeptieren.

Nach Ende des Kuraufenthalts, wenn die Kurgäste nach dieser Art von Fortbildung wieder zu ihren Rattenkindern, Rattenmännern und Rattenfrauen zurückkehren, wissen sie also endlich, wie sie mit diesen Artgenossen in adäquater Weise umspringen sollen. Auch warum die Rattenkollegen in der Arbeit und der Rattennachbar hinter der Thujenhecke sich manchmal so rattig benehmen, wird einem dank des zeitgemäßen, wissenschaftlichen Weltbildes nun erklärlich. Und irgendwann beim morgendlichen Rasieren vorm Spiegel dämmert dann vielleicht auch einmal die quintessentielle Kardinalerkenntnis: Warum sich denn eigentlich an irgendwelche Ethik und Gewissen halten, wenn der Mensch ohnehin nur eine glattrasierte Ratte ist und man voll Sch(p)aß dabei haben kann, wenn man seinen Ratteninstinkten folgt?

Jeder Mensch mit nur etwas Bildung wird jetzt über diese Gedanken schmunzeln. Aber er verkennt, dass er als Bildungsbürger inzwischen zu einer schrumpfenden Minderheit gehört, denn Bildung – das bekam man gestern. Heute gibt’s in Schule und Uni nur noch Aus-Bildung. Reine Nützlichkeit und raffinierte Intelligenz ohne Zeitverlust mit schöngeistigen Orchideenfächern wie anno dazumal. MINT eben – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik.

Goethe? – Ist laut Bericht im Focus heute eines der übelsten Schimpfwörter auf Schulhöfen und spätestens seit „Fack ju Göhte“ eine Lachnummer (mit über 7 Milllionen Besuchern einer der in Deutschland erfolgreichsten Filme des Kulturdynamos „Rat Pack Filmproduktion“). Wer seinen Schülern ein Goethe-Gedicht auswendig lernen lassen will, der handelt sich als Lehrer vermutlich eine Klage der wissenschaftlich-aufgeklärten Eltern wegen versuchter Nötigung und Beleidigung des herrschenden Zeitgeists ein. Auswendig aufsagen können die Youngsters hingegen die Texte von Bushido und den Gangsta-Rappern.

Shindy, ein Kompagnon Bushidos und inzwischen selbst eine Rat Pack Rap-Ikone, gibt sich in einem Interview sichtlich verblüfft über die Millionen an verkauften Tonträgern. Zuerst habe er nach der Produktion seines Albums gedacht, die Leute werden ihn womöglich für die Kacke, die er in die Öffentlichkeit abgeliefert hat, hassen. Aber schnell habe er gemerkt, dass sie ihn stattdessen dafür lieben und ihn auf Platz 1 der bundesweiten Charts hieven. „Voll krass, Mann. Da gehste abends aus deiner Bude und dann kommen dir Kids entgegen, die alle aussehen wie ich, Haare tragen wie ich, rasiert sind wie ich. Und das Telefon klingelt ständig, weil alle anrufen und dir sagen: Ey, Shindy, du bist der King.“ Shindy bleibt seinen Fans treu, in seinem neuesten Album „FuckBitchesGetMoney“ legt er nach und liefert die lyrische Lanzenspitze zum Todesstoß gegen die Reste an Goethe, die im deutschen Volke möglicherweise noch existieren. Von einem Pädagogen habe ich gehört, dass er einen (inländischen) Schüler in seine Klasse bekam, einen Shindy-Fan, der ihm zwar umstandslos erklären konnte, was „gangbang“ ist, der aber allen Ernstes keine Ahnung hatte, wer der Mann ist, der da an der Wand am Kreuz hängt.

Während wir älteren Semester also noch darüber lächeln können, dass der Mensch vom Wesen her ein Affe oder eine Ratte ist, da wir eben noch in klassisch-griechischer Weise zwischen Körper (Genetik), Psyche (Persönlichem) und Geist (Überpersönlichem) unterscheiden können – so hat nun eine unerwartet große Masse an jungen Menschen damit begonnen, mit vorgenannter (auf die bloße Physis reduzierter) Weltanschauung Ernst zu machen und ihr gemäß zu leben. Es wird nicht nur jeder Vernunft spottend gefrackt, vergiftet und kahlgefressen, die Ratte will auch tierischen Spaß haben. Im Leben nicht auch Spaß haben, sondern einfach nur Spaß haben.

Immer wieder begegne ich – teils extrem jungen – Menschen, die erzählen, dass sie sich nun mit irgendeiner Startup-Idee selbständig machen und damit ein paar Jahre lang richtig viel Kohle scheffeln wollen, um danach nichts mehr tun zu müssen sondern „einfach nur Spaß haben“ und Party machen zu können.

Der Essayist Götz Eisenberg meint daher, dass in einer Zeit, in der in den Straßen und Lokalen unserer Großstädte praktisch Dauerparty herrsche und es fast keinen Flecken mehr gebe, der nicht dauerbepoppt und -gerockt wird, es eigentlich grotesk sei, noch extra ein Karnevalsfest zu veranstalten. Wenn man schon Abwechslung zu dem öde gewordenen Alltagsexzess suche, dann müsse man eigentlich zu Karneval ein paar Tage der Askese veranstalten, in denen man Stille, Einkehr und Mäßigung praktiziert.

Jedenfalls braucht es uns nicht zu wundern, wenn die inmitten unseres Rattenrennens angekommenen nordafrikanischen und arabischen Migranten nun ebenfalls auf den Geschmack kommen, und ein paar Tassen grüne Schleimgrütze aus dem brodelnden Hexenkessel unserer UNTERhaltungsmaschinerie abschöpfen wollen. Erwarten wir uns allen Ernstes, dass die Migranten sich inmitten unseres Kesseltreibens einfach ruhig verhalten und sich den Tag mit Smartphonewischen vertreiben? Menschen, die den ganzen Tag über durch Flachbildschirme und Werbung mit dem brachialen Imperativ des Konsums, des Exzesses und unserer westlichen Werte abgefüllt werden, sollen sich dann draußen auf der Straße ruhig, gesittet und respektvoll verhalten? Nachdem sie en masse „lustige Gratisvideos“ in HD aus westlicher Werkstatt konsumiert haben, in denen Männlein mit Weiblein – und zur Abwechslung auch mit Hunden, Pferden und Schweinen (siehe Welt ) richtig tierischen Spaß haben können?

Nun, die griechischen Helden in Ehren, aber ich fürchte, das hätte nicht einmal Herkules durchgehalten, wenn er täglich einer solchen Gehirnwäsche unterzogen worden wäre.

Wobei diese Medieninhalte ja eigentlich bloß das Pulverfass sind. Ohne Zünder wäre ein solches Pulverfass relativ ungefährlich und man könnte darüber achselzuckend witzeln und an ihm vorbeigehen. Dem Pulverfass wird jedoch der Zünder eingebaut, indem den Menschen ein szientistisch-darwinistisches MINT-Weltbild beigebracht wird. – Was, MINT? Die MINT Wissenschaften sind doch reiner Ausdruck von Aufklärung und Effizienz und unser ganzer Stolz!

Ja, ich weiß. Aber so paradox es aus heutiger Sicht noch klingen mag: Wenn man später einmal rückblickend fragen wird, welcher Faktor denn ursächlich war, dass im 21. Jhdt. ein beträchtlicher Teil der Menschheit in Barbarei und Dekadenz gestürzt ist, dann wird man erstaunt feststellen: Es war die scheinbar „wissenschaftlich“-szientistische Aufklärung und Erziehung, mit der der Mensch ethisch-moralisch kahlrasiert und geistig kastriert wurde.

Das Credo dieser Aufklärung, ohne welche der Neoliberalismus niemals seine verheerende Kraft hätte entfalten können und ohne welche der neue Führer, den der Eifelphilosoph in seinem jüngsten Artikel bereits heranrücken sieht, niemals hätte inthronisiert werden können, lautete:

„Mensch und Welt sind nur geistlose Kohlenstoffzusammenballungen, ergo ist alles Wurst, ergo können Mensch und Umwelt nach reinen Effizienzkriterien ausgeschlachtet werden.“

Durch Verinnerlichung dieses uns von Kindheit an eingeimpften szientistischen Credos wurde das Kunststück zustande gebracht, dem Menschen den Faden zu sämtlichen kulturellen Errungenschaften und seiner geistigen Entwicklung durchzuschneiden. Das, womit unsere Literaten, Philosophen und Weisen in vormals so überzeugender Weise ganze Bibliotheken gefüllt haben, wurde damit kurzerhand kompostiert.

Was als inevitable Konsequenz folgte, war das, was man als Vorläufer der Zukunft schon in der Silvesternacht in Köln & Co. 2016 in konzertierter Form beobachten konnte: Ein Aussetzen des Gewissens und eine Vermassung des Individuums. Die in unseren Zehennägeln schlummernden animalischen Impulse übernehmen die Regie und veranlassen den dauerUNTERhaltenen MINT-Bürger loszuziehen und sich zu holen, was er haben will. Der Mensch animalisiert – was die streng-wissenschaftlichen Szientisten aber zunächst nicht erschrecken wird, sondern wodurch sie sich in ihrem vorgenannten Weltbild nur bestätigt fühlen werden.

Dem aufgeklärten MINT-Bürger zu verwehren, was er haben will, wird als Frevel angesehen werden. Das hemmungslose Ausleben des dunklen Impetus unserer Zehennägel wird ja bereits jetzt als Ideal angepriesen.

Wo sind wir denn? Triebverzicht und Mäßigung, das war im Mittelalter. Wer heute was auf sich hält, der lässt die Sau raus. Sogar aus der Sicht von Kirchenvertretern, die sich mit dem Problem des hochkochenden Triebes gewaltbereiter männlicher Migranten befassen, scheidet Triebverzicht jedenfalls von vornherein aus. Stattdessen wird von einem evangelischen Pfarrer in progressiver Weise eine zeitgemäße Lösung vorgeschlagen: Die sexuellen Bedürfnisse der Migranten könnten doch durch deutsche Gratis-Prostituierte befriedigt werden (siehe Bericht im Focus). Derzeit arbeitet der Pfarrer an der Finanzierung dieser Serviceleistung durch Crowdfunding aus den Geldbörsen mitfühlender Bürger und durch einen Appell an die Hilfsbereitschaft deutscher Bordellbesitzer: Auch die Bordelle könnten so ein „gutes Werk“ verrichten, „am Vormittag ist da eh nicht viel los“.

Frauen sei jedenfalls in einer Atmosphäre, die von Shindys Hits aus „FuckBitchesGetMoney“ aufgeladen ist, die bereits vom Bundesministerium gegebene Empfehlung nahegelegt, zu Fremden am Gehsteig eine Armlänge Abstand zu halten und eventuell einen Pfefferspray in der Tasche mitzuhaben. Denn es könnte sein, dass sich der obige Focus-Bericht bereits auf den Smartphones in den nordafrikanischen Ländern verbreitet hat (genauso wie sich der 2014 in allen Sprachen potentiell Interessierter, darunter Albanisch, Arabisch, Russisch, Dari, Farsi, Patschu und Serbisch gedrehte Asyl-/Immigrations-Werbespot des Bundesamtes für Migration in Windeseile im Netz verbeitet hat ) und viele Glücksritter nun auch gerne das „gute Werk“ neoliberaler Kirchenvertreter und Bordellbesitzer in Empfang nehmen würden. Wenn das Crowdfunding zur Finanzierung der weiblichen Servicefacharbeiterinnen aber doch nicht funktioniert, wo sollen die Glücksritter dann hin mit den bei ihnen geschürten Erwartungen?

„Pluralistische Ignoranz“ – wie schon eingangs erwähnt: dieses Wort sollten wir uns merken. Und zwar in Verbindung mit seinem scheinbaren semantischen Gegensatz, der aber in Wirklichkeit das perfekte Komplementärbild zu besagter Ignoranz ist: dem MINT Credo.

 

(Um Missverständnissen vorzubeugen: es geht mir überhaupt nicht um Aus- oder Inländer. Ich kenne viele Migranten, die sich für die Übergriffe ihrer Kollegen in Köln abgrundtief schämen und die mehr moralisches Ehrgefühl haben als so mancher Inländer. Wenn wir das MINT Credo beibehalten und einen auf „Fack ju Göhte“ machen, dann werden wir landesweit Szenen wie in Köln auch ganz ohne Ausländer erleben, sobald einmal kurz der Strom ausfällt.)

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Fotocredits: unten: “Another rat” by Hammertechnologies www.hammertechltd.com CC BY 4.0 Filelink

oben/intro: “Dumbo rat” by Oskila CC BY-SA 3.0 Filelink

Die Schnauze voll von Europa – ein afrikanischer Migrant lieber wieder barfuß am Nil

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© Parkwaechter 2015

Dem Versprechen der Schlepper und dem Lockruf der Physikerin Angela Merkel folgend, hat sich vor Kurzem eine Millionenschaft an Migranten auf den Weg gemacht, um das gelobte Land Europa zu erreichen. Die Gründe für die Ausreise sind vielfältig: Krieg, Armut, Hunger (derzeit hungern weltweit fast 800 Millionen Menschen, hätten also einen guten Grund, um auszuwandern – siehe wfp) oder eben einfach die Aussicht auf ein besseres Leben in Glück und Wohlstand, das ihnen in ihrem Heimatland unerreichbar erscheint. Laut Asylrichter Peter Vonnahme (siehe Essay in Telepolis) war die Migrationswelle, die wir diesen Herbst erlebt haben, nur die Vorhut, viele Millionen Menschen stünden bereit, um dieser Vorhut zu folgen.

Nach dem ungebrochenen Andrang an syrischen, afghanischen und irakischen Flüchtlingen wird nun ein Ansturm afrikanischer Migranten erwartet. So wie ein afrikanischer Bürgermeister im Doku-Klassiker „Let’s make money“ sagt: „Wenn ihr weiter fortfährt, uns auszubeuten, dann könnt ihr ruhig 10 Meter hohe Zäune bauen, wir werden trotzdem nach Europa kommen.“ Der renommierte Historiker Hugo Portisch appelliert daher: „Wer Europa retten will, muss Afrika retten“ (siehe DerStandard).

Grund genug für den Parkwaechter, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen. Entgegen den Reisewarnungen des Außenministeriums bin ich also letzte Woche nach Afrika gereist. Neben vielen Menschen, die es beim besten Willen nicht glauben konnten, als ich ihnen von den Problemen erzählte, mit denen ein Europäer heute zu tun hat (bei meinen Gesprächspartnern herrschte dank Medienberieslung und Werbung die felsenfeste Überzeugung, dass Europa und insbesondere Deutschland ein reines Schlaraffenland sei), so traf ich auch einen Migranten, der das Alltagsleben in diesem Schlaraffenland bereits am eigenen Leibe erfahren hat und den daher nach eigener Bekundung keine vier Stiere wieder zurück nach Europa bringen.

Seine Lebensgeschichte ist alles andere als gewöhnlich: Als barfüßiger Fährmann auf dem Nil gelang es ihm, sich eine französische Touristin anzulachen. Ohne lange nachzudenken, packte er diese einmalige Gelegenheit beim Schopf und ritt mit der Französin auf einem geflügelten Blechschwan in ein neues Leben direkt im Herzen Europas.

Dass die Französin beim Anblick des äußerlich armen Fährmanns schwach wurde, wundert mich überhaupt nicht. Hadid ist ein unglaublich herzlicher, charmanter und charakterstarker Mann. Während er seine Lebensgeschichte erzählt, blitzt auf seinem sonnengegerbten Gesicht immer wieder ein ehrliches, strahlendes Lächeln auf, wie man es unter der männlichen Spezies in unseren europäischen Wohlschandsmetropolen, in denen laut WHO-Prognose Depression/Burnout in den nächsten 15 Jahren zur Volkskrankheit Nr.1 aufsteigen wird (siehe Ärztezeitung), selten sieht. Dass eine europäische Frau einen solch unverdorbenen, echten Mann attraktiver findet als die gewohnten nerdigen Smartphone-Workaholics, die sich über ihr Aftershave, ihren SUV und ihr Bankkonto definieren, war für mich durchaus nachvollziehbar.

Als ich Hadids Erzählung lauschte, war ich jedoch zwischendurch verwirrt. Denn immer wieder erzählte er in seinem gebrochenen Englisch, wie unglaublich „strong“ das Leben in Frankreich gewesen sei. Mit langgezogenem „o“ erklärte er, dass er sich niemals hätte vorstellen können „that life in Europe is sooo strong“. – Zunächst übersetzte ich dieses „sooo strong“ mit „affengeil“ oder „voll super“. Da Hadid jedoch jedes Mal, wenn er diese Phrase gebrauchte, die Hand zur Faust ballte und das zuvor noch heitere Gesicht grimmig verzerrte, fragte ich dann doch nach, was er denn mit „so strong“ meinte.

So stellte es sich heraus, dass er eigentlich „so hard“ meinte. Und er schilderte kopfschüttelnd, wie stressig, unsozial, sinnentleert und daher menschenunwürdig er das Alltagsleben in Europa erlebt hat. Da er ein hochintelligenter Mensch ist (weniger intelligente Menschen kommen da oft erst nach Jahrzehnten oder am Sterbebett drauf) , durchschaute er das Wohlschandsleben, nach dem er sich bisher so gesehnt hatte, sehr schnell als ein Leben des äußeren Scheins, das außer zu geistigem Tod letztlich zu gar nichts führt.

Unseren durchspaßten, aber eigentlich vollkommen unlustigen Lifestyle, der in Wirklichkeit kaum noch ein europäischer, sondern weitgehend ein amerikanischer ist, wollte er jedenfalls nicht bis zum bitteren Ende zelebrieren, obwohl er als Hahn im Korb alle Möglichkeiten des Luxus gehabt hätte. Während ihn also seine daheimgebliebenen Freunde um sein neues Leben in Europa beneideten, wurde er selbst von Tag zu Tag unglücklicher, seine sonnenhafte Heiterkeit verblasste. Dass er es trotzdem ganze fünf Jahre lang in Europa ausgehalten hat, war nur dem Umstand geschuldet, dass er mit seiner französischen Frau zwei Kinder zur Welt brachte, die er sehr liebte.

Nachdem der vormals vollsonnige Hadid schließlich kurz vor dem inneren Erfrierungstod stand, zog er die Notbremse. Er zog sich das Sakko und die glänzenden Lackschuhe wieder aus und kehrte zurück zu seinen Brüdern an den Nil, wo er nun wieder barfuß und im braunen Kaftankittel eine Holzlanze in den Schlamm drückt, um mit seinem Faluka-Segelboot Touristen ans andere Ufer zu bringen.

Wenn man ihn so betrachtet, merkt man ihm durchaus an, dass er nicht ganz ungeschoren vom gelobten Land Europa zurückgekommen ist. Sein an sich heiterer Blick kann ernst werden, auch sein zuvor schwarzes Haar ist seit seinem Europa-Aufenthalt angegraut. Und trotzdem fühlt er sich wieder pudelwohl, seit er die Last von Kommerz, Technokratie und Wohlschand abgelegt hat und wieder barfuß am Nil arbeitet. Er liebe sein Heimatland, den Nil, erzählt er -die ihm vertrauten Brüder und Schwestern, die Ibis-Vögel und Kühe, die am Ufer nach Futter stöbern, die Sonne, die ihm Kraft gebe (im Nildelta gibt es maximal einen Regentag pro Jahr), vor allem aber die menschliche Wärme bzw. das herzliche soziale Miteinander bei Tee und Fladenbrot und die Muße, mit der diese Alltagskultur hier zelebriert wird.

Er wolle nicht mehr tauschen, obwohl das Fährmannsgeschäft derzeit schlecht ist. In den letzten sieben Monaten hatte er an dem Hotelkai, an dem er ankert, ganze zwei Aufträge – er erzählt, dass zwar eine Menge europäischer Touristen vorbeikämen, aber diese neuerdings Angst hätten, mit einem dunkelhäutigen Moslem in ein Boot zu steigen. Er nähme das allerdings nicht persönlich und auch nicht tragisch, denn er und seine Brüder hielten zusammen und helfen sich gegenseitig. Wenn bei einem das Geschäft schlechter geht, wird er trotzdem von den anderen Mitgliedern der Familie miterhalten, sodass niemand Hunger leiden muss oder obdachlos ist. Hadid hatte Glück, er wurde nach seiner Rückkehr aus Europa von einem intakten Familiennetzwerk aufgefangen und reintegriert.

Millionen andere Migranten, die nach Europa gezogen sind oder sich gerade auf den Weg machen, haben diese Möglichkeit nicht, obwohl sie demnächst vermutlich ähnliche Erfahrungen mit unserer Kultur machen werden wie Hadid – wie ich aus meinem eigenen Bekanntenkreis von Migranten erzählt bekomme, haben die meisten von ihnen alles Hab und Gut verkauft, um die für die Schleppung nach Europa notwendigen ca. 10.000 Dollar zu lukrieren. Eine Rückkehr in ihr Heimatland kommt für sie nicht in Frage, da sie dort buchstäblich vor dem Nichts stünden.

Nach meiner Afrika-Reise bin ich jedenfalls zur Überzeugung gekommen, dass die neuen Menschen, die derzeit zu uns strömen, auch eine große Chance für uns sind. Wir brauchen Menschen vom Format eines Hadid, denn wie es scheint, schaffen wir selbst es nicht mehr, uns aus eigener Kraft aus der tödlichen Umklammerung des Kommerz-/Technik-/Unterhaltungswahns zu befreien, der uns in den Grand Canyon zu ziehen droht. So wie ein Frosch es nicht mehr aus dem heiß gewordenen Wasser eines Kochtopfes herausschafft, nachdem die Temperatur des Wassers, in dem er sitzt, stufenweise, also unmerkbar angehoben wurde und nun kurz vorm Siedepunkt steht. Ein neuer Frosch, den man in diesen heißen Topf hineinwirft, wird sofort „Au!“ schreien und wieder hochspringen. Wenn viele Frösche gemeinsam gegen den Deckel springen, können sie diesen Deckel wegreißen und eventuell auch die anderen, fast schon matsch gekochten Frösche befreien.

In den nächsten Jahren werden also viele Migranten das Hadid-Erlebnis haben und unseren PolitikerInnnen und Denkpanzer-Generälen entgegenschreien: „Seid ihr komplett wahnsinnig?! Wenn ihr so weitermacht, bringt ihr uns alle und die Umwelt um!“

Damit das stattfindet, wäre es wichtig, dass wir den Migranten nicht nur eine AusBildung, sondern vor allem echte Bildung geben. Also ihnen nicht bloß Excel und Powerpoint füttern, sondern sie auf profunde Weise mit der europäischen Kultur und Philosophie, die wir in Politik und Pädagogik bei Nacht über Bord geworfen haben, vertraut machen.

Nachdem heute auf deutschen Schulhöfen das Wort „Goethe“ laut Bericht im Focus zu einem der übelsten Schimpfwörter unter Jugendlichen geworden ist, diese aber im Gegenzug die Texte von Bushido und den Pornorappern im Schlaf aufsagen können, braucht es eben eine neue Generation, die uns aus unserem Dussel reißt und den Goethe neu aus der Taufe hebt. Gibt man herzhaften und natürlichen Menschen vom Format eines Hadid auch nur eine Prise Goethe mit auf den Weg, dann werden diese den hierzulande bereits unerträglichen Neoliberalismus/Technokratismus/Mammonismus aus den Angeln heben und uns damit vor einer drohenden Katastrophe bewahren.

Allerdings ist das Ganze ein Wettlauf mit der Zeit. Wir haben nämlich nur die erste Generation der Migranten zur Verfügung, um das zu schaffen. Diese sind menschlich noch weitgehend intakt, da sie zumeist einfachen, archaischen Verhältnissen entstammen, wo ihnen nicht sogleich nach der Geburt ein Tablet-PC vor den Kopf geschnallt und ein Smartphone zwischen die Beine geschoben wurde. Das gnadenlose Stakatto der UNTERhaltungselektronik hatte also nicht die Möglichkeit, sie menschlich kahlzuscheren. Zwar sind ihre Häuser vielfach durch US Bombenhagel zerstört worden, aber der mediale Bombenhagel auf ihr Inneres ist ihnen zumindest in ihrer frühen Kindheit erspart geblieben. Sie besitzen also noch kein dissoziiertes, sondern ein weitgehend intaktes vegetatives und Zentral-Nervensystem. Wenn es jedoch nicht gelingt, dieser ersten Generation die entsprechende Bildung bzw. die notwendige Prise an „Goethe“ beizubringen, sondern man sie nur zu technokratiegläubigen Tretmühleneseln des Kommerz erzieht, dann wäre der Zug abgefahren. Denn das erste, was die zum Wohlstand gekommenen Migranten tun würden (müssen), wäre es, ihren Kindern im Gitterbett ein Tablet-PC vor den Kopf zu schnallen und ein Smartphone zwischen die Beine zu schieben. Mit dieser zweiten Generation stünden wir dann vor der gleichen Situation wie jetzt, allerdings mit zusätzlichem Sprengpotential.

Denn aus der Migrationsforschung weiß man, dass von der ersten Generation an Einwanderern noch praktisch keine extremistischen Taten zu befürchten sind, selbst wenn diese große Vorbehalte zur Kultur des Gastgeberlandes verspüren. Die mitgebrachte kulturelle Substanz reicht scheinbar noch aus, um Enttäuschung und Wut zu kompensieren. Gelingt es allerdings nicht, deren Kindern zu vermitteln, dass das Leben in der Gesellschaft, in der sie aufwachsen, sinnvoll sei, dann würden sie lt. empirischer Studien zerstörerische Tendenzen entwickeln und sich radikalisieren.

Aber lassen wir dieses Negativ-Szenario (und auch die Gangsta-Rapper, die im Migrantenstrom natürlich ebenfalls mit von der Partie sind) wieder beiseite und konzentrieren wir uns auf die große Chance, die wir nun haben. Denn wie viele schon gemerkt haben, können wir uns gegen die gegenwärtige Europapolitik unserer Murkselpolitiker sowieso nicht wehren, egal wie wahnwitzig diese ist. Man kann für oder gegen Migration sein, aber in Wirklichkeit ist es vollkommen egal, Merkel und ihre transatlantischen Berater von Boston-Consulting & Co. ziehen sowieso ihr Ding durch. Der Zuzug von Millionen Migranten (laut ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn 32 Millionen – siehe Zeit), die Deutschland aufgrund streng-wissenschaftlicher und daher unwiderlegbarer demografischer Berechnungen benötige, ist beschlossene Sache. Ebenso wie die Absenkung bzw. Abschaffung des Mindestlohns beschlossene Sache ist (siehe WirtschaftsWoche) sowie eine weitere Anhebung bzw. Abschaffung des Rentenantrittsalters (H.W. Sinn: „Wir müssen länger arbeiten und nicht weniger lange. Die Rente mit 67 ist ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Ich würde aber noch weitergehen und das gesetzliche Rentenalter ganz abschaffen“ – siehe FAZ).

Diese Machenschaften sind auf Schiene und rollen. Indem wir aber jetzt den neu ankommenden Migranten und ihren Kindern die richtige (Charakter-)Bildung bzw. besagte Prise „Goethe“ geben, können wir die mit ökonomischen und machtpolitischen Hintergedanken akkordierte Migration zu einem Bumerang für Merkel & Co. machen. Die neue Generation würde dann den Murkselpolitikern so richtig einheizen. Sie würde den neoliberalen/mammonistischen Wahnsinn, der uns zur Normalität erklärt wurde, nicht mehr tolerieren sondern wieder zum Teufel zurückschicken.

In diesem Sinne möchte ich an alle appellieren, die durchaus verständliche Wut über die derzeitigen Verhältnisse nicht an den Migranten auszulassen (leider hat ja die Anzahl an Übergriffen auf Asylheime wieder zugenommen), sondern den Migranten in philosophisch-humanistischer Weise unter die Arme zu greifen, sie mit guten Büchern und Internet-Links zu versorgen, die in Schule und Uni nicht am Lehrplan stehen usw. Denn diese Menschen brauchen nicht nur Essen und Teddybären, sie brauchen auch geistige Nahrung, philosophische Gespräche und Schulungen, persönlichen Zuspruch etc. Dann werden sie uns Hand in Hand einen großen Dienst erweisen.

(P.S.: Ich hätte gerne ein Foto von Hadid mit seinem milden, strahlenden Lächeln in der Abendsonne am Nil veröffentlicht, aber er möchte nicht, dass womöglich seine Kinder in Frankreich Probleme bekommen, indem er etwas Kritisches über Europa sagt. So kann ich es nur mit freien Worten beschreiben: Würden bei uns mehr solche wachen, sonnigen Gesichter aufrechter Menschen ins Land strahlen, dann müssten die dicken Schneemänner und Schneefrauen, die derzeit an den Schalthebeln der Macht sind, bald schmelzen.)

 

 

Das Schicksal eines Bombenbauers als Vorbild für den Lebenslauf des Normalen Kleinbürgers

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Als Jugendlicher bin ich in der Nähe einer renommierten Waffenfabrik aufgewachsen. In deren Werkhallen wurden DIN-ISO-zertifizierte Jenseitstickets allererster Güte hergestellt: Bomben, Granaten, Raketen und Kanonengeschütze, je nach Kundenwunsch in glänzend lackierten Hülsen oder auch in klassischer, sandgestrahlter Edelstahloptik.

Dass die Produkte, die bei uns vom Förderband liefen, um heimische Abbeizbläzze zu sichern, anderen Menschen Tod und Verderben brachten, interessierte uns damals nicht, ganz einfach deshalb, weil diese anderen Menschen, die die Zielkunden unserer glänzenden Industrieprodukte waren, sich eben auch auf der anderen Seite unseres Globus befanden.

„Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“, war ein geflügelter Werbeslogan der regionalen Wirtschaftslobby und der Parteien, die sich christlich und demokratisch nannten. Und in der Tat, die Granaten waren ein Bombengeschäft. Die Bombenfabrik sorgte im weitesten Landkreis für Wohlschand. – Wobei da jetzt nicht nur diejenigen Angestellten in moralisch schlechtem Licht dastehen sollen, die reale Bomben mit Sprengstoff und tödlichem Zünder bauten. Viele andere Menschen arbeiteten derweil in scheinbar ganz biederen Berufen, in Banken und Wirtschaftskratzleien, in denen sie mit ihren Spekulationen und technischen Innovationen aber oft noch sehr viel umfassenderen menschlichen und ökologischen Kollateralschaden anrichteten als ein gemeiner Arbeiter am Bombenförderband – wenn auch nur mit einem Mausklick im weißen Hemd und nicht im Blaumann und mit ölverschmierten Händen wie der Arbeiter am Bombenförderband. Der Großindustrielle Warren Buffet zum Beispiel ist sich dessen voll bewusst, er nennt die in seinen eigenen Wirtschaftskratzleien mitgeschaffenen Finanzprodukte „Massenvernichtungswaffen“.

Aber während der Arbeiter am Bombenförderband im Blaumann sich zumindest ab und zu schief anschauen lassen musste, wenn dem ein oder anderen Mitbürger während einer alkohol- und fernsehfreien Phase kurz dämmerte, dass die wohlschandsfördernden Bomben wohl nicht nur im Museum landen werden, so genossen die nadelgestreiften Saubermänner aus den Banken und Wirtschaftskratzleien doch immer höchstes Prestige.

Und der Wohlschand wuchs wirklich rasant an. Die Zeiten, wo man sich abends vor dem Hauptfamilienaltar im Wohnzimmer darüber streiten musste, ob „Derrick“ oder „Wetten Dass“ geschaut wurde, waren schnell vorbei. Bald schon waren der Zweitfernseher in der Küche, der Drittfernseher im Kinderzimmer und der Viertfernseher im Gästezimmer etwas ganz Normales. In Wohlschandszeiten muss schließlich jeder sein individuelles Programm haben.

Auch die Motorisierung ließ nicht zu wünschen übrig. Ganz normale Werkhallenmänner konnten sich plötzlich einen dicken Audi oder einen BMW leisten. Der Zweitwagen in der Familie – vormals noch obszöner Luxus – wurde schnell etwas Normales. Zwar fuhren die Hausfrauen damals noch nicht mit Panzern (SUVs) durch die Gegend wie es heute etwas Normales ist, sondern in der Regel mit einem Opel Corsa oder einem Nissan Micra Mouse, aber egal, wer zwei Wägen vorm Gartenzaun stehen hatte und am Wochenende Spanferkelgrill veranstalten konnte, von dem wusste man, dass er „es geschafft“ hatte.

Auch der Urlaubsradius wurde immer weiter ausgedehnt. War früher der Hausmeisterstrand im italienischen Bibione und Caorle Grund genug, um bei der Heimkehr einen Foto- oder Lichtbild-Diaabend zu veranstalten, bei dem man seine Nachbarn und Verwandten damit beglückte, ihnen zu zeigen, was man in seinem Urlaub alles gesehen und gegessen hatte, so waren bald Fernstreisen angesagt. Ägypten im Winter, Safari in Senegal, zwischendurch mal schnell nach Griechenland, Thailand oder in die Karibik, war alles bald Normal – selbst jemand, der gar nichts Anständiges gelernt hatte und in der benachbarten Waffenfabrik nur Bomben lackierte, konnte es sich leisten und Wohlschandstourismus betreiben. Wohlschandstourismus, der zwar in den von den Wohlschandsbürgern bereisten Ländern innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer unglaublichen Zerstörung von Ökologie und traditioneller Kultur geführt hat, aber wen störte das schon, wenn man selbst mit gebräunter Haut und mit Meeresfrüchten gut gemästetem Bauch wieder vom Urlaub heimkommen und sich wieder an seinem Arbeitsplatz ins Neonlicht der Werkhalle stellen konnte, auf dem Bomben, Granaten und Elektronikzubehör vom Förderband liefen.

Da diese in die Safari-Länder exportierten Waren ja wieder die dortige Konjunktur belebten, profitierten auch die Entwicklungsländer von unserer Wirtschaftskraft. Eine Hand wäscht die andere, und alle zusammen wuschen wir die „invisible hand of the market“, die mit ihrer sklerotischen Krallenhand den Segen in Form von Technik, Kommerz und Wohlschand über uns ausgoss.

Bei so viel Segen, der über uns hereinprasselte, haben wir es uns in den 80ern auch innerhalb kürzester Zeit abgewöhnt, in die Kirche zu gehen. War die Kirchhalle zu meiner Zeit als Ministrant an Sonntagen noch immer pumpvoll, so drückten bald nur noch ein paar alte Mütterchen die Kirchenbank. Wozu auch einen Gott anbeten, wo man doch mit dem in der Bombenfabrik erwirtschafteten Sold nach Thailand fahren konnte und dort selbst wie ein Gott angebetet wurde, sobald man den Geldbeutel zückte? Warum vor einen Altar pilgern, wo man doch allabendlich vorm Fernseher mit dem Dosenbier in der Hand die persönliche Erleuchtung erhielt?

Zurück aber zur Waffenfabrik. Als Student war es einer meiner ersten Ferialjobs, dort Bomben zu schlichten. Obwohl ich mich heute abgrundtief dafür schäme, diese Arbeit nicht verweigert zu haben, kann ich es leider nicht mehr rückgängig machen. Kennedys Büchlein „Zivilcourage“ bekam ich erst zwei Jahre später erstmals in die Hände. Es folgten weitere Bücher, nach denen es mir wie Schuppen von den Augen fiel und der Reihe nach Lichter um Lichter aufgingen. Komisch, dachte ich – es gibt Literatur von unglaublicher Geistesgröße und da kommt man erst als Zwanzigjähriger drauf? Während man, obwohl man eine angeblich erstklassige Gymnasialausbildung besucht und bereits die ersten Studiensemester auf einer Universität von Weltrang besucht hat, bisher nur mit technokratischem Schmonsens und eitlem „wissenschaftlichen“ Nihilismus abgefüllt wurde? Dass man in seiner gesamten Adoleszenz kein einziges Wort von Platons Höhlengleichnis und auch nicht von Senecas „de brevitate vitae“ gehört hatte, sondern man im Literatur- und Lateinunterricht nur sämtliche Kapitel von Cäsars „de bello Gallico“ durchkaute? Sollte das ein Einzelschicksal sein, eine unglückliche Verkettung an Begegnungen mit besonders unfähigen Professoren und verkorksten Lehrplänen? Es konnte doch nicht etwa eine ganze Generation sein, die dermaßen grausam betrogen wird, indem man ihr in raffiniertester Weise die gesamten Schätze europäischer Geisteskultur vorenthält wie den Bienen ihren eigenen Honig und ihnen stattdessen eine schale Industriezuckerlösung füttert, von der sie dann sukzessive degenerieren und schließlich anfällig werden für Varoa-Milbe & Co. Oder steckte da System dahinter und erfolgte etwa eine gezielte Züchtung von Axolotl-Bürgern? Nein, das konnte einfach nicht sein, wir hatten doch die Aufklärung hinter uns und befanden uns am Zenit wissenschaftlicher Intelligenz. Fragen über Fragen quälten mich also nächtens. Und Gewissensbisse.

Auch wenn es mich immer noch schaudert, dass die Bombenhülsen, die ich damals angegriffen habe, auf der anderen Seite unseres Globus womöglich Häuser, Familien und Menschenleiber entzweigerissen haben. Aber das Wort ziviler Ungehorsam hat damals in meinem Kopf leider noch nicht existiert, wir waren in der Geistesart Cäsars „de bello Gallico“ dressiert. Jeder von uns grünschnäbeligen Schulabsolventen, die wir intellektuell scharf gemacht waren wie überspitzte Graphitbleistifte, hatte also sein persönliches kleines Gallien im Visier, das er erobern, unterwerfen und sich seine Bodenschätze und Humanressourcen nutzbar machen wollte. Es galt, so wie das auch heute in unserer postmodernen Zeit wieder die Doktrin des Neoliberalismus ist, der Wirtschaft und dem technischen „Fortschritt“ zu dienen und um jeden Preis etwas zu leisten, auch wenn diese Leistung pure Destruktion und ein Verrat an allen menschlichen Grundwerten, sogar an den offiziell festgeschriebenen Verfassungsgrundsätzen war. Es war also eine Ehre, in der renommierten Waffenfabrik Bomben schlichten zu dürfen. Die Tätigkeit bzw. der Name der Firma machte sich auch gut in meinem Lebenslauf und öffnete bei meinen späteren Bewerbungen so manche Tür zur „Karriere“. Wenn die Personaler meinen Lebenslauf studierten und auf meine Bombenqualifikation zu sprechen kamen, erntete ich stets wohlwollendes, anerkennendes Nicken, dass ich als ausgebildeter Maschinenbauingenieur auch über handfeste Praxiserfahrung verfügte.

Jedenfalls durfte ich in besagter Waffenfabrik auch über ein bemerkenswertes Schicksal erfahren, das damals einige Dominosteine meines Cäsarisch-kleinbürgerlichen Weltbildes ins Umfallen gebracht hat.

In der Waffenfabrik gab es nämlich einen altgedienten Arbeiter, der kurz vorm Ziel seiner Sehnsüchte stand: der Rente. – Endlich das Leben leben, das man wirklich leben will, ohne Chef und ohne Hundeleine. Urlaub machen ohne Grauen vor dem erneuten Arbeitsantritt am Montag. Mit einem Wort: Jetzt war die Karotte, die einem ständig vor die Nase gehalten wurde, damit man als Esel in der neoliberalen Tretmühle weitertrottet, endlich in Bissweite, jetzt sollte dann wirklich der verdiente Feierabend beginnen.

Der Betriebsrat hatte den altgedienten Arbeiter sogar für den Rest der allerletzten Arbeitswoche freigestellt, aber Herr Meier (Name aus Datenschutzgründen verändert) nahm das Angebot nicht an – er wollte wie gewohnt, gehorsam seinen Dienst ableisten, damit er nicht womöglich von seinem Chef eine schlechte Nachrede hat. Wer weiß, womöglich würde er später einmal ein Wort für seinen Sohn einlegen müssen, wenn dieser mit seinem Studium fertig war und eine Festanstellung suchte. Die Fabrikchefs würden dann sagen: „Ah, das ist der Sohn vom Meier, der hat bestimmt tüchtige Gene im Blut, den nehmen wir.“

Meier hat also seinen Dienst am Bombenförderband bis zum bitteren Ende abgeleistet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie ahnen wohl bereits, was dann passiert ist.

Ja, die Ironie des Schicksals wollte es tatsächlich so, dass Meier am allerletzten Tag seiner Arbeit, ca. 2 Stunden vor Antritt seiner Freiheit, eine seiner Bomben hochging und ihn in die ewigen Jagdgründe beförderte.

Meier hat einen ehrenvollen Nachruf in Schwarz-Weiß in der Lokalzeitung bekommen. Nicht nur die Kollegen haben ihn gewürdigt, der Stadtbürgermeister hätte ihn gerne posthum zum Ehrenbürger ernannt.

Hat er doch eiserne Disziplin und ideales Timing bewiesen: In den besten Jahren seines Lebens hat er nicht nur regelmäßig beim Roten Kreuz Blut gespendet, sondern auch all seine Kraft der Waffenfabrik und somit der Schaffung von gesellschaftlichem Wohlschand.

Unmittelbar nach dem Ende seiner ökonomischen Verwertbarkeit hat er absalutiert, er ist dem Staat somit nicht mehr finanziell zur Last gefallen. Das Budget für nicht konsumierte Rentenzahlungen, Krankheits- und Pflegekosten konnte der Staat daher gewinnbringend in die Ausbildung junger Fachkräfte und Ingenieure stecken, die uns heute am laufenden Band mit neuen technischen Innovationen beglücken und Wohlschand sichern wie Meier senior.

Von der Arbeit direkt in die Sargkiste. Frei nach Friedrich Nietzsche:

Arbeite!

Iss!

Stirb.

Den Zustand des menschlichen Geistes, in den wir momentan getrieben wurden, nennt Friedrich Nietzsche das „Kamelstadium“. Nietzsche stellte allerdings auch ein Löwenstadium in Aussicht – das Bild des mündigen, selbstbestimmten und dennoch empathischen Menschen, der nicht mehr lebt um zu arbeiten, sondern arbeitet um zu leben und dessen primäres Bestreben es ist, im Leben Sinn zu finden bzw. selbst Sinn zu schaffen (die Welt durch das eigene Zutun und Leben ein kleines Stückchen besser, wahrer und schöner zu machen). Findet er auf diesen Weg des „Löwen“, dann wären auch all die derzeit ausufernden Epidemien an Burnout und Depressionen in Schach gehalten – die lt. WHO Prognose innerhalb der nächsten 15 Jahre in den westlichen Industrienationen zur Volkskrankheit Nr. 1 avancieren werden (siehe Ärztezeitung). Dass es in der Nomenklatur Nietzsches nach dem „Löwenstadium“ auch noch ein metamorphosiertes „Kindstadium“ gibt, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, würde aber hier in unserer Meier-Elegie den Rahmen sprengen.

Wie dem auch sei. Dank dem Existenzkampf, der nun durch die Millionenschaft an herandrängenden neuen Migranten auf uns zukommt, ist dieses Kamelstadium jedenfalls für die nächsten Jahrzehnte gesichert. Die Migranten – in deren Heimat nicht zuletzt aufgrund unserer Bomben mittlerweile fast alles kaputt ist – werden Tag und Nacht alles geben, um ebenfalls Wohlschand zu schaffen wie wir in der Nachkriegszeit. Sie werden sich meist bedenkenlos ausquetschen lassen, ihre Gesundheit schinden, auf Gewerkschaften, Umwelt- und Arbeitnehmerschutz willig verzichten. Schließlich wollen sie sich um jeden Preis möglichst schnell ebenfalls die ersehnte Wohnung mit Waschmaschine und Flachbildschirm erringen und wenn das errungen ist, eben die Zweitwägen, den SUV etc.

Nicht umsonst jubeln die Industrieverbände über den neuen Zustrom an Humanressourcen. Schließlich waren wir mitteleuropäischen Eingeborenen nach einer Zeitspanne von über 50 Jahren nach dem Wiederaufbau nun endlich soweit, dass wir es nicht mehr notwendig hätten, zu leben um zu arbeiten, sondern bloß zu arbeiten um zu leben und uns aber primär um ein sinnvolles und glückliches Dasein, also um das wirklich „gute Leben“ zu bemühen. In einer jüngsten sozialempirischen Umfrage äußerte bereits ein unerwartet großer Anteil der Arbeitnehmer den Wunsch, lieber weniger zu arbeiten und dafür sogar auf Lohn verzichten zu wollen – was für eine Häresie wider unsere Staatsreligion, den Mammonismus! Für einen großen Teil der gebildeten jungen Leute stellt es lt. Umfrage weiters ein sehr wichtiges Kriterium dar, ob ihre Arbeit sinnvoll und nachhaltig sei und sie recherchierten vor einer Bewerbung, ob ihr potentieller zukünftiger Arbeitgeber auch eine humane Unternehmenskultur und ökologische Verantwortung auf seine Fahnen schreibt oder ob er nur ein Profitbordell betreibt. Immer mehr Absolventen lehnen daher das (praktische oder virtuelle) Bombenbauen ab.

Auch bekam man im Vieraugengespräch mit Personalchefs schaurige Geschichten zu hören, bei denen einem gestandenen Industriellen Angst und Bang über die Zukunft werden konnte. Z.B. dass bei Bewerbungsgesprächen nach einer Stellenausschreibung nicht mehr wie üblich mindestens 70 Personen in gebückter Haltung vorsprechen kommen, um einen miesen unterbezahlten Job zu ergattern, sondern oft nur noch eine Handvoll, und die wären meist schlecht motiviert. – Was für eine Beleidigung für das Selbstverständnis von renommierten Bombenfabriken und Wirtschaftskratzleien, die es gewohnt waren, dass man bei ihnen um Arbeit bettelt!

Noch dazu der radikale Prestigeverlust. Galten Banker und Aktenschlepper im Nadelstreif noch vor kurzen als pharaoähnliche Respektspersonen höherer Ordnung, so schimpft man sie nun „Finanzgesindel“ und reckt die Faust gegen sie. Sogar in London und New York, denjenigen Finanzmetropolen, die sich als erste bedingungslos dem Mammon verschrieben hatten und alles, was dessen globalem Siegeszug im Weg war, gnadenlos deregulierten – sogar in diesen Herzen des Mammonismus wurde jüngst zu „Bankster hunting days“ aufgerufen. An solchen in den sozialen Medien ausgeschriebenen Tagen gaben die Wirtschaftskratzleien an ihre Mitarbeiter die schriftliche Warnung heraus, sich nicht im grauen Anzug ins Büro zu begeben, sondern möglichst im „casual look“ in Jeans und T-Shirt, andernfalls sie womöglich auf ihrem Weg zur Arbeit gelyncht werden könnten.

„We are the 99%“, dröhnte es vom Volk. Und obwohl sich die oberen 1% sicher sein konnten, dass die aufbegehrende Masse mangels wirklicher Ideale bald wieder im Sumpf von Konsum und Unterhaltungsanreizen versinken wird – ein Hauch von Gänsehaut blieb bei den Herren der Welt doch am Rücken zurück. Was, wenn ihr Kumpel vom Milliardärsklub rechtbehalten sollte, und schon demnächst am Horizont Mistgabeln auftauchen? (siehe deutsche Übersetzung) Im Schlusssatz seines Plädoyers für mehr Gerechtigkeit meint er: „Und dann werden wir keine Zeit mehr haben zum Flughafen zu fahren, in unsere Gulfstream V zu steigen und nach Neuseeland zu fliegen.“

Nein, so weit wollen die Habichte es natürlich gar nicht erst kommen lassen. Dazu schmecken ihnen der Kaviar, der Champagner und die Sportcoupè-Spritztouren zu gut. Das System, in dem andere Leistung bringen und dabei das eigene Konto ohne Zutun exponentiell wächst, sodass man zurückgelehnt mit über den Tisch geschlagenen Füßen genüsslich die neuesten Hochglanzbroschüren durchblättern und nach dem SUV seiner Wahl gustieren konnte – dieses System will der Pöbel nun etwa in Frage stellen? Na, dann Gnade diesem Pöbel Gott!

Höchste Zeit also, ein paar Hebel in Bewegung zu setzen und diesen Pöbel aufzumischen. Und wenn er nicht spuren will, dann tauschen wir ihn eben aus, den Pöbel – gegen neue Untertanen, die sich noch aufs willfährige Spuren verstehen.

In Zeiten, in denen man als Global Player mit einem Mausklick vierstellige Milliardenbeträge zwischen Chiemsee, China und den Cayman Inseln hin- und herschieben und durch virtuelle Spekulationen Staatsressourcen sprengen, gewählte Regierungen abservieren und ganze Völkerschaften in den Abgrund führen kann, ist da auch das Austauschen seines Volkes keineswegs utopisch, sondern in Wirklichkeit nur ein Klacks.

Wozu hat man denn Jahrzehntelang daran gearbeitet, ausnahmslos alle Fäden der Macht in die Hand zu bekommen, alle Polit- und Wirtschaftsressorts, alle Medien, meinungsbildenden Institute, Think Tanks, ein weltumspannendes Netz an Lobbyisten, aus im Dunklen operierenden Nachrichtendiensten und im Scheinwerferlicht operierenden akademischen Experten, die alle im eigenen Sold stehen und die dem gleichen Götzen huldigen? Etwa, um jetzt einfach klein beizugeben und vom Gipfel der Macht abzusalutieren? Außerdem, selbst wenn einzelne Machtfürsten einen solchen Gesinnungswandel dem Fortbestand der Welt, dem Überleben der Umwelt und dem Schicksal ihrer Kindern zuliebe heute durchaus erstmals erwägen – spätestens dann aber packt sie das große Zittern. Denn was soll jemand, der es bisher gewohnt war, ein leistungsfreies oder zumindest ein leistungsträges, von anderen erwirtschaftetes Einkommen zu beziehen und der eigentlich gar nichts Anständiges gelernt hat, denn dann tun, wenn er nicht mehr am Schmalztopf des Reichtums und der Macht hängt und wenn im neoliberalen Rattenrennen niemand mehr mitmachen will? Nein, da werden nun wirklich dem bulligsten Leistungsträgen die Knie weich und er huldigt lieber nostalgischen Zeiten…

Aber sei’s drum, die Herren der Welt werden ja jetzt wieder beruhigt schlafen und sich ihres Reichtums erfreuen können. Werden die derzeit neu in unserem System angekommenen Migranten befragt, was sie hier nun als Ziel haben, so erhält man immer die gleichen Antworten: „Arbeiten und ein Normales Leben leben wie ihr hier“ oder „Studieren und dann arbeiten.“

Wie’s scheint, wird nun also alles weitergehen wie zu besten Wohlschandszeiten. Das Rattenrennen bzw. Nietzsches Kameltreiben kann in die nächste Runde gehen. Und bald schon werden sich auf einen ausgeschriebenen Abbeizblatz in der Wirtschaftskratzlei bzw. Waffenfabrik wieder 500 scharf wettbewerbende Menschen bewerben, die zu einem aufschauen und für die man Herr über Sein oder Nichtsein ist.

– Außer wir machen einen Strich durch die neoliberale Rechnung und schwingen uns zu Nietzsches „Löwenstadium“ auf. Dann würden wir erkennen, dass es eigentlich unwürdig für einen Löwen ist, in einem Hamsterrad zu laufen.

 

 

Foto: PD

Galgen für die Bundeskanzlerin, dunkeldeutsches Wutbürgertum und seine Befriedung durch pansexuelle Nacktkonzerte

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“Road to Hell” © Parkwaechter 2015

Während Angela Merkel für ihren freimütigen Lockruf an migrationswillige Menschen jedweder Couleur aus aller Welt ins gelobte Land Deutschland noch vor Kurzem für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen und als neue Mutter Theresa gehandelt wurde, so weht ihr nun ein umso schärferer Wind um die Ohren.

Das Oktoberfest ist vorbei, die mit Migranten vollgefüllten Züge, die man in den Wochen des Volksfestes wohlweislich einfach durch München nach Norden durchgewunken hatte, machen nun auch in der Hauptstadt des Bockbiers und der Weißwürste Halt und ergießen die mitgeführte Ladung an neuen Humanressourcen auf den vormals gepflegten Vorstadtrasen. Die Galgenfrist, die den Politikern nach Beendigung des Oktoberfestes gewährt war, indem die hiesige Bevölkerung sich erst einmal wieder aus dem Dussel und der Gehirneintrübung der vergangenen Wochen emporringen musste, ist nun auch vorbei. Ernüchterung kehrt ein, viele Menschen sehen nicht mehr doppelt und verschwommen, sondern klar.

Viele ahnen bereits, dass nicht nur reine Nächstenliebe im Spiel sein kann, wenn eine im Volksmund als „Frau ohne Eigenschaften“ gehandelte Bundeskanzlerin plötzlich Barmherzigkeit beweist – eine Frau, die bisher kein Problem damit hatte, der hemmungslosen Bombardierung und Bedrohnung jener Länder in Irak, Afghanistan, Libyen, Somalia, Syrien, Kosovo etc. zuzustimmen, aus welchen nun die Menschenmassen zu uns strömen. Eine Frau, die auch kein Problem damit hatte, sogar unsere Vertragspartner und europäischen Brüder, die Griechen, eiskalt an die Wand fahren zu lassen, nur weil diese die Zinsforderungen der internationalen Bankkonzerne nicht mehr bedienen konnten.

Während feststand, dass man Griechenland auf keinen Fall erlauben durfte, dass es die paarhundert Millionen Euro, die es für sein weiteres Überleben dringend brauchte, in Infrastruktur, Krankenhäuser und zur Linderung von sozialer Not zu investieren (die Säuglingssterblichkeit in Griechenland ist bereits um 43% gestiegen, die Suizidrate um 27%, vier von zehn Kindern leben in Armut), sondern eisern darauf beharrte, dass dieses Geld von den verzweifelten Griechen fast vollständig zur Zinstilgung an die Banken, also zurück an Deutsche Bank & Co. fließt (Anm.: von 100 Euro Griechenlandhilfe kamen nur 1,80 Euro im echten Leben an, die übrigen 98,2 Euro gingen mit Zinsen an die Großbanken und an andere Kreditinstitute) – nun, im Gegenzug stellt man jetzt allein in Deutschland ein jährliches Budget von zehn Milliarden Euro zur Verfügung, um hier frisch angekommene und großteils wohlgelaunte Migranten zu versorgen. Wie passt das zusammen?

Nicht etwa, dass ich es unangebracht finde, Geld für notleidende Menschen lockerzumachen, diese Forderung liegt mir fern. Ganz im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass Deutschland der Welt noch sehr viel mehr schuldet als es jemals in Geld wieder gutmachen kann, da es bisher jede völkerrechtswidrige Militärintervention seiner US Bündnispartner im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika willfährig unterstützt sowie alle Ressourcenausbeutungen, Machtpolitik, Folterungen, Drohnenmassaker und geheimdienstlichen Regierungssabotagen in den Entwicklungsländern samt Verseuchung weiter Landstriche durch Uranmunition achselzuckend mitgetragen und dadurch unendliches Leid, Krankheit und Tod verursacht hat. Das menschliches Elend, die ökologische Zerstörung und die sozioökonomischen Teufelskreise, die wir damit in Gang gesetzt haben, könnten wir selbst dann nicht mit Geld wiedergutmachen, wenn wir das gesamte in den nächsten 100 Jahren erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt an die Caritas spendeten. Allerdings wäre es angebracht, die Wiedergutmachungszahlungen schon früher zu leisten, und nicht erst, wenn Flüchtlingsströme direkt vor unseren Haustüren angelangt sind. Denn die, die es bis hierher vor unsere Haustür schaffen, sind meistens nicht diejenigen Kranken, Invaliden und Gefolterten, die das größte Elend zu tragen haben – letztere haben meist weder die Kraft noch das Geld, um sich eine ca. 10.000 Euro teure Schleppung ins gelobte Land zu leisten, sondern müssen daheim bei kaputter Gesundheitsversorgung und kaputten Wasserleitungen dahinsiechen – nun sogar ohne die Hilfe der jungen, gutausgebildeten Ärzte und Ingenieure, die sich hier in Europa ein lukrativeres Berufsfeld erhoffen und deren Ankunft die deutschen Medien so feiern.

Scheinbar sind die zehn Milliarden Euro pro Jahr in frisch motivierte Migranten eine lohnende ökonomische Investition. Sonst würden die Industrieverbände den Zustrom nicht so bejubeln. Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht in der Zuwanderung sogar „eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder“ und kündigte sogleich an, in den Flüchtlingslagern nach Mitarbeitern suchen zu wollen. Auch die Chefs von Porsche, Post und Siemens sehen das ähnlich.

Und mit der neuen Migrantenbevölkerung wird sich in der Tat leicht Wirtschaftswunder machen lassen. Die Migranten kamen mit Konterfeis von Merkel im A3-Format über die Grenzen. Das Bild von Deutschlands „Frau ohne Eigenschaften“ wurde von ihnen wie bei einer katholischen Fronleichnamsprozession beidhändig hochgehaltenen wie die Ikone einer hochverehrten Heiligen.

Kein Wunder, dass sich die Human Resource Manager der Wirtschaft schon die Hände reiben und ihre ökonomischen Messer wetzen. Denn wenn die Menschen der neu eintrudelnden Humanressourcen-Herde so naiv sind, dass sie selbst eine „Frau ohne Eigenschaften“ hochhalten, die bisher nichts anderes getan hat, als eiskalt ökonomische Direktiven zu exekutieren und die damit direkt für das globale Ungleichgewicht und die Zerstörung ihrer Heimatländer verantwortlich ist, nun dann werden sich diese Menschen gewiss auch für alles andere einspannen lassen, was man mit ihnen vorhat und ihnen demnächst als „alternativlos“ erklären wird.

So weit, so gut. Wo ein Wirtschaftswunder in Aussicht steht, da machen wir mit, dachte auch der fernsehende deutsche Bürger. Das wurde ihm ja von klein auf in Schule und Uni als Ideal eingepläut. Das Zustandebringen eines Wirtschaftswunders sei schließlich das Größte, was fernsehende Bürger in ihrem kurzen Leben erreichen können – im löblichsten Falle durch eigene unternehmerische Start-Up Initiative, und wer dazu nicht klug genug ist, eben zumindest als Esel in der neoliberalen Tretmühle einer gut etikettierten Wirtschaftskratzlei. Die fernsehenden deutschen Bürger waren daher über den Migrantenstrom zwar etwas verdutzt, aber anfangs noch guter Dinge und sogar euphorisch.

Im Überschwang der Vorfreude über die neuen Renditemöglichkeiten haben die Wirtschaftslobbyisten bzw. deren hochbezahlte Interessensvertreter leider den Fehler gemacht, dass sie auch sogleich ein paar weitere „alternativlose“ Dinge vom Stapel gelassen haben, die nun auch dem gemeinen deutschen Fernsehbürger blühen. Die ökonomischen Meinungsmacher hatten nämlich den gemeinen deutschen Fernsehbürger immer noch als geduldigen Ochsen in Erinnerung, dem man jedes Joch auferlegen kann und der alles frisst, was man ihm hinhält. Dabei reagiert der gemeine deutsche Fernsehbürger inzwischen höchst allergisch auf „alternativlose“ Tatsachen, die man ihm vorsetzt, da die Nerven dieses Ochsen bereits in vielerlei Hinsicht blank liegen und sich viele Ochsen schon mit drei ihrer vier Füße in latentem Burnout befinden, wie z.B. diese Ärztin hier beschreibt (siehe Standard).

Und während die gemeinen Fernsehbürger normalerweise vor allem, was von streng wissenschaftlicher Autorität verkündet wird, die Hände falten und willfährig befolgen, so scheint momentan der Deckel überzugehen. Denn was den Fernsehbürgern jüngst von einem der Hohepriester unserer Kommerzreligion, dem ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn als „alternativlos“ verkündet wurde, das stieß sogar sehr geduldigen Ochsen sauer auf: Von Absenkung bzw. Abschaffung des bundesweiten Mindestlohns war da die Rede (siehe WirtschaftsWoche) sowie von einer weiteren Anhebung des Rentenantrittsalters. – Sinn: „Wir müssen länger arbeiten und nicht weniger lange. Die Rente mit 67 ist ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. Ich würde aber noch weitergehen und das gesetzliche Rentenalter ganz abschaffen“ (siehe FAZ). Den Vogel schoss der scharf rechnende Mann mit dem scharfen Knebelbart aber mit seiner streng wissenschaftlichen und daher unwiderlegbaren Rechnung ab, in welcher er die Anzahl der Migranten, die Deutschland benötige, mit 32 (in Worten: zweiunddreißig) Millionen beziffert (siehe Zeit).

Es begann also in der letzten Woche in der Bevölkerung zu gären. Nicht nur am Stammtisch wurde gemurrt, auch einzelne Landesfürsten wie Horst Seehofer meldeten sich ketzerisch zu Wort und stellten bei weiterer undifferenzierter Zuwanderung ein Zerbrechen der europäischen Sozialsysteme in Aussicht (siehe Spiegel). Das wurde von den mit der Wirtschaft verzahnten Leitmedien natürlich nicht goutiert und Seehofer musste genauso wie Innenminister De Maiziere (siehe Tagesspiegel) kräftig zurückrudern, um nicht von einem veritablen Shitstorm ins dunkeldeutsche Eck der Fortschrittsverweigerer geblasen zu werden. Aber während seine Kollegen im Elfenbeinturm in Berlin sich weiterhin den Luxus erlauben können, den bloßen Direktiven der Wirtschaftsmächte und Leitmedien zu folgen, so kann einem gestandenen bayerischen Landesfürsten ein zu großes Chaos, das er mit seiner Beamtenbelegschaft kaum noch stemmen kann, schnell seine Popularität kosten.

Zu allem Übel kommt es nun innerhalb der Flüchtlingsunterkünfte selbst fast täglich zu Gewaltausschreitungen. Viele der jungen Migranten haben sich erhofft, dass sie, wenn sie es hierhergeschafft haben, gleich ein neues Leben im Sinne von Daimler-Chef Zetsche beginnen können, der sie sofort in seine Werkhallen stellen will. Nun sind da aber diese mühsame Bürokratie und die Gesetze, von denen uns die Wirtschaft immer noch nicht ganz befreit hat, die die arbeitswilligen Migranten davor abhalten, sofort loszulegen und sich die ersehnte eigene Wohnung samt Waschmaschine und Flachbildschirm zu erarbeiten. Außerdem sind da diese mühsamen anderen Migranten anderer Völker, die man überhaupt nicht riechen kann und die einem in der ohnehin schon engen Flüchtlingsunterkunft Platz wegnehmen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft berichtet daher von einer Eskalation der Gewalt in Flüchtlingsheimen, die teilweise kaum noch beherrschbar sei. Es komme an vielen Orten „sehr gezielt und gut vorbereitet nahezu täglich zu ethnischen gewaltsamen Auseinandersetzungen“ (siehe Tagesspiegel). Dabei gingen Asylbewerber auch mit selbst gebastelten Waffen aufeinander los (siehe z.B. YouTube).

In vielen großen Städten formieren sich Demonstrationen gegen die Zuwanderungspolitik Merkels. Bei einem Demonstrationszug in Dresden letzten Montag mit offiziell gezählten 9000 Wutbürgern wurde ein für Merkel errichteter Galgen gesichtet (siehe Zeit), der Staatsanwalt ermittelt. Da sieht man eben wieder, in was für einer Zeit der Extreme wir leben. Wie es scheint, kann da jemand, der gerade noch als Mutti der Nation fest im Ledersessel gesessen und als Kandidatin für den Friedensnobelpreis gehandelt wurde, schnell einmal als Delinquentin unterm Schafott enden. Die Mistgabeln, vor denen der US Milliardär Nick Hanauer seine neoliberalen Clubkollegen unlängst gewarnt hatte, sollten sie weiterhin nur ökonomisch/profitorientiert agieren, tauchen also schon am Horizont auf.

Nachdem die Lage nun sowohl in den Flüchtlingslagern als auch auf der „gutbürgerlichen“ Seite  eskaliert und kollektives Wutbürgertum droht, braucht es jetzt wirkungsvolle Maßnahmen zur Befriedung. Da ist guter Rat teuer.

Zwar hat die staatliche Exekutive bereits die entsprechenden technischen Gerätschaften angeschafft, mit der man wütenden Mob notfalls in Sekundenschnelle zum Schweigen bringen kann (hier kommentiert von Georg Schramm), allerdings wäre der Einsatz dieser Waffe sehr schmerzhaft. Da sich Schmerz bekanntlich tief ins Gedächtnis einprägt, wäre daher bei den nächsten Wahlen zu befürchten, dass selbst bisher unbeirrbares Stimmvieh seine Stimme nicht mehr der Räuber-Hotzenplotz-Partei gibt wie gewohnt. Solange noch Demkoratie herrscht, braucht es also eine schmerzärmere Lösung.

Zum Glück schreitet unsere streng wissenschaftliche Forschung voran und liefert uns am laufenden Band technische Neuerungen und Erkenntnisse, die dem Fortschritt die Bahn durch die Wildnis ebnen und irgendwann für allgemeinen Wohlschand und Tod-Sicherheit sorgen werden. In einer Radioreportage eines staatlichen Rundfunksenders wurde etwa vor Kurzem eine umwälzende wissenschaftliche Erkenntnis verlautbart, deren Folgen noch gar nicht absehbar sind:

Man hat Schimpansen und Pavianhorden intensiv studiert und ist draufgekommen, dass diese ihre Gewaltkonflikte – auch dort gibt es Kämpfe zwischen einzelnen Affenvölkern – viel intelligenter lösen als wir Menschen. Sie lassen die Kämpfe einfach in Massensex münden, wo die verfeindeten Paviane einander ihre Weibchen zur Verfügung stellen, um diese in Serie begatten zu lassen. Schon nach kurzer Zeit des orgiastischen Gemetzels ist die Kraft zum Kämpfen verpufft und die Paviane haben keine Lust mehr, sich gegenseitig zu erschlagen.

In dieser Radiosendung wurde auch Hörern die Gelegenheit gegeben, ihre Meinung zu diesem Thema zu sagen und diese Meinung war unisono – helle Begeisterung: „Ja, die Paviane und die Schimpansen sind uns da wirklich voraus, da könnten sogar wir Menschen etwas davon lernen.“

Und während Merkel und Hollande im EU Parlament noch wie versteinert vor den Vorwürfen der Opposition sitzen, Europa mit ihrer Migrationspolitik in den Untergang zu reiten (siehe YouTube), so kommt die Rettung wiedereinmal aus der Unterhaltungsindustrie. US-Popstar Miley Cyrus wird diese bahnbrechende Erkenntnis aus der Pavianforschung nun demnächst in die Praxis umsetzen (siehe ORF-Pressemitteilung). Gemeinsam mit der Rock-Band The Flaming Lips plant Cyrus ein Nacktkonzert, bei dem sowohl die Künstler als auch das Publikum die Kleidung ablegen, bevor sie sich zu Zigtausenden vor der Bühne drängen und aneinander reiben. Außerdem werde bei dem Konzert eine Milch-ähnliche Flüssigkeit „überall hingespritzt“.

Ende August bezeichnete Miley Cyrus sich als „pansexuell“ – womit sie aussagen will, dass sie sich mit allem und jedem sexuell vereinigen will, egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe und welchen Charakters.

Wer von den Migranten und den Wutbürgern würde ein Gratis-Konzertticket in eine solche Nacktkonzerthalle ausschlagen? Ist doch besser, als Galgen für Merkel zu basteln oder sich in den Asylheimen zu prügeln. Auch den Moslemfrauen würde es aus pansexueller Sicht gewiss gut tun, sich einmal aus ihren schwarzen Burkas auszuwickeln und ihre Haut ein bisschen dem Neonlicht, Rockklängen und „milchähnlicher“ Flüssigkeit auszusetzen.

Es werden sich also wohl schon demnächst alle Probleme, die uns derzeit noch abgründig und bedrohlich vorkommen, in Wonne auflösen. Wir brauchen bloß das Nacktkonzert als Kulturinstitution zu etablieren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Security-Leute, die den Konzertbesuchern an der Eingangstür die Unterhosen abnehmen, nicht den gleichen Fehler machen wie der Papst und den sch(p)aßsuchenden Menschen auch die Kondome verbieten. Sonst könnte im Nachhinein der administrative Aufwand für Vaterschaftsermittlungen und DNA-Analysen ins Unermessliche steigen.

Andererseits, so wäre wenigstens das demografische Problem gelöst, dass die zukunftsskeptischen Deutschen nicht mehr gewillt sind, ausreichend Nachwuchs in die Welt setzen – denn die derzeitigen 1,4 Kinder pro Paar sind nach Ansicht unserer wissenschaftlichen Experten eindeutig zu wenig, um den wirtschaftlichen Wohlschand und die Renten zu sichern.

Nachssatz (Ironie off):

Auch wenn das Nacktkonzert nun nicht sogleich das Oktoberfest ablösen wird. Aber die von US Popsternchen Miley Cyrus propagierte „Pansexualität“ zieht bereits weiteste Kreise und ist durchaus ernst zu nehmen.

Denn ein Großteil der Menschen schafft es noch nicht, das umzusetzen, was als Forderung der Zeit heute eigentlich vor uns stünde:

Etwas Empathie und Brüderlichkeit zu entwickeln. – Mit den Millionen und Milliarden Menschen, die auf der anderen Seite des Globus (oft genug auch Menschen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft) in unsäglichem Elend und Verzweiflung leben.

Unsere Schulbildung, Medien, Arbeits- und Unterhaltungswelt appellieren geradewegs an das Gegenteil: Die Ausbildung des krassesten Egoismus und Narzissmus wird als erstrebenswertes Lebensideal und als Normalität angepriesen.

Das innere Motiv, das scheinbarem Wahnsinn wie der Pansexualität (die sich mittlerweile, wie wir berichteten, auch auf den Missbrauch von Tieren erstreckt), Nacktkonzerten oder den bereits ganz real zur urbanen Normalität gewordenen Swingerclubs zugrunde liegt, ist eines, das durchaus gute Urgründe hat – nur versuchen es die Menschen auf einer vollkommen verkehrten und daher pervertierten Ebene zu leben.

Sie wollen sich endlich mit ihren Mitmenschen und der gesamten Umwelt vereint fühlen. Dort wo das möglich wäre – auf der seelischen Ebene -, schaffen sie es aber nicht, da ihnen in Schule, Erziehung und Medien vielfach nicht die Grundlagen dazu vermittelt wurden und stattdessen ihr individuelles menschliches Potenzial zugeschottert und zugeteert wurde. Sie versuchen daher das ersehnte Einswerden mit einem möglichst großen Umkreis ihrer Umwelt auf der körperlichen bzw. sexuellen Ebene zu vollbringen – was zunächst sehr freiheitlich klingt, aber per se zum Scheitern verurteilt ist und nach kurzem Strohfeuer letztlich nur Frustration, Scherbenhaufen (und jede Menge Scherbenkinder) zurücklässt.

Sören Kierkegaard hat hierzu die Parabel der frierenden Stachelschweine gegeben, die sich ständig zusammendrängen, um sich etwas zu wärmen, aber sofort wieder auseinanderstieben müssen, sobald sie sich mit ihren stacheligen Körpern aneinanderquetschen.

Und mit an sich guten Motiven die falsche Ebene zu erwischen kann im Leben etwas durchaus Fatales sein. Wenn ich z.B. das gute Motiv habe, meiner Familie ein Brathähnchen zu backen (Vegetarier mögen schon dieses Motiv weniger gut finden, ich weiß), – wenn ich nun ebendieses Brathähnchen anstatt in die Ebene des Backrohrs eine Etage tiefer direkt in den Feuerraum mit den Kohlen stecke, dann wird das dort verschmorte Brathähnchen nicht einmal mehr unsere Katze fressen. Genauso sind Misserfolg und Frustration die Folge, wenn man im Leben die Ebenen verwechselt. Macht man es hingegen wie die alten griechischen Philosophen und unterscheidet klar zwischen den Ebenen 1. des Körperlichen, 2. des Seelischen (Persönliches, Subjektives, Beziehungen) und 3. des Geistigen (Überpersönliches, Objektives, philosophische Gedanken), dann kommt man ganz gut durchs Leben und erspart sich fatalen Schiffbruch.

Auch die heutige Sucht nach Konsum und „Events“ führt zu solcher Frustration. Man will sich auf die Dinge und Wesen der Umwelt ausdehnen und damit innerlich reicher werden – und das ist auch ein guter, gesunder innerer Drang jedes Menschen. Nur, indem man seinem Körper möglichst viele Dinge einzuverleiben versucht, hat man die falsche Ebene für diesen Drang gewählt. Außer Arteriosklerose und Adipositas wird nicht viel dabei herauskommen, denn über die körperliche Ebene kann man sich nicht auf die Umwelt ausdehnen, das geht nur seelisch und geistig. Genauso wie beim Versuch, sich pansexuell mit allen Mitmenschen zu vereinigen, letzlich außer HIV, Syphilis und kaputter Familie nichts herauskommen wird.

In Wirklichkeit beruht die heute schon zur Volkskrankheit gewordene Schlaflosigkeit genau darauf: Man kann nicht mehr ruhigen Gewissens einschlafen, weil die Ebenen des Lebens großteils durcheinandergeraten sind und man einem sinnentleerten, eigentlich fremdbestimmten Lebensstil huldigt, der dem gesunden Menschsein und dem eigenen inneren Anliegen diametral widerspricht. Viele schlaflose Menschen machen die Erfahrung, dass sie augenblicklich wieder einschlafen können, sobald sie ihr Leben neu ausrichten und wieder etwas Sinnvolles tun. – Und mit Sinnvollem Tun muss jetzt nicht gleich der Wechsel des scheinbar sinnlosen Arbeitsplatzes gemeint sein. Nein, alleine schon in der Art, wie man seinen Kollegen und Mitmenschen begegnet, kann man etwas Erfreuliches, Hoffnungsvolles und somit Sinnvolles transportieren. Sogar in der respektvollen Art, wie man einen Gegenstand, ein Haustier, ein Lebensmittel etc. angreift, kann man eine sinnvolle Empfindung und damit Zufriedenheit und wirkliches, nachhaltiges Glücksgefühl schaffen.

Was viele nicht wissen: Das von der Unterhaltungsindustrie propagierte emotionale Hochpeitschen ist das Gegenteil von einer wirklichen, sinnvollen inneren EMPFINDUNG. Empfindung ist natürlich sehr viel leiser und unaufdringlicher als EMOTION. Auch muss man, wenn man eine wirkliche Empfindung entwickeln will, zunächst einen konkreten, z.B. einem guten Philosophen entlehnten Gedanken voranstellen. Das ist vielen zu mühsam, ich weiß, denn im Unterschied dazu gibt es Emotion sofort, wenn man auf einen bestimmten Knopf drückt. Emotion ist schon im Körper als Programm abgespeichert, man muss nur auf altbekannte Knöpfe drücken, dann spult sich ganz von selbst ein bestimmtes Rauchfeuerwerk ab, man fühlt sich für einen kurzen Moment scheinbar nicht mehr vom grauen Alltag umhüllt, sondern aus dem Trott gerissen und ekstatisch. Das ist leider trügerisch, denn nach dem Ausleben exzessiver, blinder Emotion fällt man auf eine depressivere Stufe zurück als man vorher war. Und als Mensch Kraft verliert. Was zur Folge hat, dass man beim nächsten Mal die „Dosis“ steigern muss. Obwohl die Emotionen also scheinbar sensationell sind, fühlt sich der Mensch, der ihnen blind frönt, mit der Zeit immer hohler, oberflächlicher und kränker. Der russische Autor Sergej Minaev hat dies in seinem Kultroman „Duchless-Seelenkalt“ anhand der US-russischen Partylöwen-Szene sehr trefflich beschrieben.

Hingegen wird man durch das bewusste Herankultivieren von (gedankengeführten) Empfindungen innerlich immer reicher, man kommt mit sich und der Umwelt auf einer viel tieferen Ebene in Einklang und wird ein zufriedener Mensch – was eines der bestgehütetsten Geheimnisse unserer Zeit ist, wäre diese Erkenntnis doch das Ende unseres neoliberalen Konsumsystems.

Das heißt nun nicht, dass man sich sogleich jeder Emotion entledigen müsse. Nein, gewisse Emotionen hat der Einzelne heute vielleicht sogar nötig, um eine menschlich weitgehend entfremdete, technokratische Umwelt überhaupt ertragen zu können. Sich ab und zu eine kultivierte – und die Betonung liegt auf kultiviert – Emotion einzuräumen, ist also durchaus etwas Normales. Aber wer in seinem Leben wirklich zufrieden sein will, der kann daran arbeiten, seine persönliche Waage immer mehr in Richtung Empfindung ausschlagen zu lassen und immer weniger in Richtung Emotion. Der Weg dazu lautet: Philo-Sophie (wörtlich: Liebe-zur-Weisheit). – Wenn ihn viele Menschen gehen, wird sich der derzeit herrschende Neoliberalismus/Mammonismus auflösen wie eine giftige Abgaswolke eines softwaremanipulierten VW-Motors im Wind.

In diesem Sinne der unverbindliche Rat des Parkwaechters: Wenn Sie demnächst per Postwurfsendung ein Gratisticket der CDU für ein Nacktkonzert bekommen – werfen Sie es in den Müll. Und machen Sie stattdessen einen Waldspaziergang.

 

Über Bevölkerungspyramiden und Demografen – warum die Politik unsere Städte und Werkhallen mit Migranten auffüllen will

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Fotolink (PD)

Wer derzeit nur kopfschüttelnd die Immigrationspolitik von Merkel & Co. verfolgt und auch aus den zahllosen Polit-Kolumnen rund um das Thema „Flüchtlinge“ nicht schlau wird, der hat vermutlich noch nie mit einem Demografen geredet.

Womit sich solche Grafen beschäftigen? Nun, wie der Name schon sagt, eben mit dem Volk (von gr. „demos“) bzw. der Prognose (von gr. gráphein – „schreiben“) zukünftiger Bevölkerungsentwicklungen.

So verstaubt das Wort Demografie klingt, so brandaktuell und evident sind jedoch die Forschungsergebnisse dieser Zunft. Ich durfte vor Jahren einmal auf einem Universitätskongress einem solchen Grafen dabei lauschen, was er so über unsere nächste Zukunft zu sagen hat. Schon kurz nachdem er seinen Vortrag begonnen hatte, war alle soeben noch bestehende Müdigkeit verflogen und alle Anwesenden waren hellwach. Denn was der Graf da vom Stapel ließ, war ausnahmslos starker Tobak. Dazu muss man vorausschicken, dass Demografen ihre Kunst nicht bloß zum Zeitvertreib betreiben so wie Briefmarkensammler, sondern dass ihre Berechnungen und Prognosen als „hard facts“ der Politik zugefüttert werden, damit die Regierenden rechtzeitig entsprechende infrastrukturelle, soziale und arbeitsmarkttechnische Maßnahmen ergreifen können.

Denn auch wenn der fernsehende Bürger vielfach den Eindruck hat, dass Politiker heute einfach nur„Management by Chaos“ betreiben – der Schein trügt, hinter den Kulissen arbeitet eine Heerschaar akademischer Berater und Analysten, die über messerscharfen Intellekt und alle denkbaren nachrichtendienstlichen und technischen Ressourcen verfügen. US-Präsident Franklin D. Roosevelt hat es einmal ganz offen ausgesprochen: „In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war!“

So kratzt sich auch der ehemalige Staatssekretär und Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer in einem jüngsten Artikel („Die Merkel-Regierung gehört auf den Blocksberg“) auf seinem Kopf und stellt die Frage:

„Wir werden seit Jahren als Bürger dieses Landes in einer Weise unter Mitwirkung der eigenen Sicherheitsorgane nachweislich in einer Weise ausgespäht, wie es bei Gestapo und Stasi nicht besser hätte sein können. Man will von uns alles wissen und Regierung und private Konzerne erfahren es auch. Alles richtet sich in diesem Land gegen die eigenen Bürger und diese Regierung will von der Million Migranten erst aus der Zeitung erfahren haben?

Er stellt bei dieser Gelegenheit noch eine weitere wichtige Frage, die uns aber hier zum Abschweifen führen würde und die wir daher ein andernmal behandeln wollen:

„Warum legte der wichtigste „Bündnispartner“ die Welt in Schutt und Asche und wir halten ihn nicht an, mit diesem verbrecherischen Tun aufzuhören und gefälligst die Folgen alleine zu tragen?“

Zurück also zu unserem Demografen und der Frage, warum Mutti nun eine Einladung an Migranten aller Welt in unser Land der Dichter und Denker ausgesprochen hat – zumindest an alle, die kräftig genug sind oder die genug Geld haben, es hierherzuschaffen.

Besagter Graf, der vor uns seine Powerpointfolien ausbreitete, hat sich seinen akademischen Titel auch keines keineswegs in Guttenberg’scher Manier erworben, sondern war ein richtiges Original. Seine Analysen waren so bestechend, dass ihn sogar die Regierung als Festangestellten zu sich geholt hat, um sich bei ihm exklusiven Rat für die Zukunftsplanung zu holen.

Und was er uns vortrug, war erschütternd. Er zeigte uns auf seinen Folien mehrere mögliche Zukunftsszenarien. Sie waren noch nicht gewiss und unterschieden sich durchaus, hatten aber eines gemeinsam: ausnahmslos alle zeigten eine fatale demografische Entwicklung. Die nach Alter, Leistungsfähigkeit, Berufen und sozialen Schichten gegliederten und über eine Zeitachse in die Zukunft extrapolierten Pixelmassen wirkten selbst für einen Menschen mit nur laienhafter Kenntnis der Statik wie Konstrukte, die demnächst wohl oder übel zusammenbrechen müssen: Auf dem Kopf stehende Pyramiden, Wasserkopfformen mit abgeschnürtem Hals … oder ganz einfach vollkommen fragmentierte Konstrukte.

Die Gründe für diese Fragmentierung und Ungewichtung der Bevölkerung sind vielschichtig, als einer der wichtigsten Parameter wird nach herrschender demografischer Lehre jedoch das Verhältnis Alt/Jung angesehen. Im Klartext: Wieviele leistungskräftige, das heißt steuerzahlende, das Bruttoinlandsprodukt und die Marktfähigkeit steigernde Zweibeiner hat das Land und wieviele versorgungsbedürftige/verrentete/minderleistende Zweibeiner befinden sich auf der anderen Seite der Waage?

Wenn man diese darwinistische Rechnung aktuell betrachtet, dann sieht man, dass sie immer mehr zur Ungleichung wird. Gab es zwischen 1947 und 1971 in Deutschland mehr Geburten als Sterbefälle, so hat sich das Verhältnis nun umgedreht. Und während es in unterentwickelten Ländern ein akutes Überbevölkerungproblem gibt, so gehen hierzulande lt. statistischem Zentralamt aus einer Frau bzw. aus einem zeugungsfähigen Paar nur 1,4 Kinder hervor. Das heißt, die deutsche/mitteleuropäische Bevölkerung schrumpft drastisch, und dies bei gleichzeitiger Überalterung und steigendem Verbrauch an Hochglanzressourcen und individuell beanspruchter Wohnfläche pro Kopf.

Dies alleine wäre noch nicht das Schlimmste, mit etwas Kreativität und menschlicher Gestaltungskraft der nachwachsenden Generation wäre das durchaus zu kompensieren. Nur leider wird der Verfassung dieser nachwachsenden Generation ein sehr ernüchterndes Zeugnis ausgestellt: Viele Schul- und Universitätsabsolventen leiden bereits bei Arbeitsantritt an kulturell/sozial/unterhaltungselektronisch bedingten Degenerationserscheinungen, aufgrund derer sie für den Arbeitsmarkt als unbrauchbar angesehen werden bzw. selbst therapiebedürftig sind. Und das betrifft nicht nur die psychische Verfassung (lt. WHO Statisik werden im Jahr 2030 in unseren fortschrittlichen Industrienationen Depressionen die Volkskrankheit Nr.1 sein), sondern sogar die physische (lt. einer Studie der Allianz-Versicherung aus 2012 weisen 39 % der 14- bis 24-Jährigen eine oder mehrere chronische Erkrankungen auf, die das Leben und somit die Arbeitsfähigkeit „wesentlich beeinträchtigen“).

Um bei dieser düsteren demografischen und sozio-kulturellen Entwicklung den gewohnten Lebensstil des Wohlschands und die etablierten Machtstrukturen aufrechterhalten zu können, muss man also etwas tun. Mit einem Wort: das gesamte System – genauer gesagt: diese Art von Lebensstil – ist unfinanzierbar geworden und würde bei weiterer Fortsetzung in einem Kollaps enden.

Die Syrer, Afghanen, Iraker und Somalier kommen also gerade recht. In einer Zeit, wo man mit Humanressourcen ohnehin nur noch betriebs- und volkswirtschaftlich umgeht, wird man ihnen diejenigen Plätze in der Tretmühle zuweisen, die wir selbst nicht mehr bewältigen können. Und während die meisten von uns bereits jobmüde und frustriert sind (siehe bullshitjobs), so ist die neue Armee an Arbeitswilligen hochmotiviert, Tag und Nacht alles zu geben, um sich die ersehnte Wohnung samt Waschmaschine und Flachbildschirm zu erarbeiten.

Im besten Fall kann das eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder werden“, schwärmte Daimler-Chef Dieter Zetsche diese Woche über die Zuwanderung.

Bundespräsident Gauck ist schon im April auf der Mittelmeerinsel Malta beim Besuch der dortigen Flüchtlingslager vor laufenden Fernsehkameras zur Erkenntnis gekommen, dass die jungen Migranten über eine bei uns schon fast unbekannte Arbeitswilligkeit verfügen: „Das stellt uns dann die Frage: Wollen wir die alle zurückschicken? Oder brauchen wir nicht einen Teil dieser, äh, Menschen, die eine ganz große Energie haben? Sonst hätten sie es nicht bis hierher geschafft.“

Nachdem sich dieser „Teil“ mit der „ganz großen Energie“ also im darwinistischen Kampf ums Dasein bewiesen habe, ist seine ökonomische Brauchbarkeit evident. Und diejenigen, die eigentlich wirklich unsere – und zwar bedingungslose – Hilfe bräuchten: die Kranken, Alten, Gefolterten, durch Bürgerkriege und deutsche Waffen Invalide, die schaffen es meist ohnehin nicht bis hierher und werden unser Budget nicht belasten.

Auch andere schlaue Köpfe fangen zu rechnen an. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sinniert bereits über eine bundesweite Senkung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro, da dieser die Einbindung der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt erschwere. „Um die neuen Arbeitskräfte in den regulären Arbeitsmarkt zu integrieren, wird man den gesetzlichen Mindestlohn senken müssen, denn mehr Beschäftigung für gering Qualifizierte gibt es unter sonst gleichen Bedingungen nur zu niedrigerem Lohn“, schreibt Sinn in einem Beitrag für die WirtschaftsWoche.

Indes kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche an, in Flüchtlingslagern nach Mitarbeitern suchen zu wollen. Auch die Chefs von Porsche und der Post hofften öffentlich auf frisch motivierte Kräfte und überboten sich im Chor mit den global denkenden Vertretern anderer Industriesparten im Lob auf die Vorteile der Migration für den Wettbewerbsstandort Deutschland.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert in einem Positionspapier (siehe DGB) alle Landesregierungen auf, Konzepte und Rahmenbedingungen für Zugänge der jungen Migranten zu Bildung, Ausbildung, Studium und Qualifizierung zu schaffen. Die deutsche Bundesregierung rechnet allein in diesem Jahr mit 800 000 neu einreisenden Asylsuchenden. Insbesondere eine Investition in syrische Humanressourcen erscheint lohnend. Syriens Jugend zwischen 15 und 24 Jahren weist laut UN-Statistik eine Alphabetisierungsrate von 96,4 Prozent auf, praktisch westliches Niveau – und somit beste Voraussetzung für Spracherwerb und Lernerfolg.

Auch die Bauindustrie darf sich freuen. Bundesweit fehlten inzwischen mindestens 770.000 Wohnungen, heißt es in einer Studie des auf Stadtentwicklung spezialisierten Pestel-Instituts. Unter dem Titel „Deutschland muss bauen, bauen, bauen“ berichtet die Berliner Zeitung, dass bis 2020 pro Jahr rund 400.000 Wohnungen neu gebaut werden müssten, um bundesweit den Bedarf zu decken.

Nun kommen sie also, die Zuwanderer. Muttis Ruf in die marktkonforme Demokratie hat sich in Windeseile auf allen Smartphones des Nahen/Mittleren Ostens verbreitet – und Smartphones besitzen lt. neuester Erhebung de facto alle der jungen Migranten. Die Regierung will ihnen so schnell wie möglich Sprach-Apps zum Deutschlernen auf ihre Geräte laden, damit sie die Zeit in den Wartezimmern der Erstaufnahmezentren schon mal gut nutzen können.

Sogar die Soldaten der irakischen Staatsarmee und der Polizei finden den Ruf Merkels nach Deutschland verlockender als die Aussicht, im Grabenkampf mit der IS ihr Leben zu riskieren und desertieren daher scharenweise nach Europa (http://www.haaretz.com/news/middle-east/1.676816 ). Kann man es ihnen verübeln, dass sie lieber vorm Fernseher einer Wohlschandsgesellschaft mit Bier und Weisswurst in der Hand bei der kommenden Fußball-EM mitfiebern wollen, als dagegen zu fiebern, dass die IS ihren bereits infrastrukturell in die Steinzeit gebombten Heimatboden einnimmt?

Wir haben Ihnen täglich über Fernsehen und Internet die Bilder in den Kopf gesetzt, wie luxuriös und mühelos das Leben hier in Europa ist. Ein französischer Schriftsteller hat einmal die Vermutung angestellt, dass in Wirklichkeit Katzenfutter-Werbung der Grund für die magnetische Anziehungskraft Europas auf Migranten sei. Jeder kennt wohl den Sheba-Werbespot: Eine schöne Frau in geschlitztem Abendkleid kuschelt auf einem luxuriösen Sofa mit ihrer grauen Katze, serviert ihr auf einem Teller eine feine Pastete, die sie zuvor noch liebevoll mit einer Gabel in der Mitte teilt und Stück Dille dazwischen legt. Da käme unweigerlich die Vorstellung auf: Wenn in Europa sogar die Katzen ein so schönes Leben haben, wie gut muss es dort erst den Menschen gehen?

Aber was werden wir mit dem Katzenjammer machen, wenn die jetzt nach ihrer Überfahrt ins gelobte Land noch euphorisch strahlenden Migranten feststellen, dass die Realität eine ganz andere ist? Dass selbst die deutschen Staatsbürger einem eiskalten Existenzkampf unterworfen wurden, in dem immer mehr Menschen auf Gratis-Essen bei der Tafel angewiesen sind (laut Jahresbilanz des Bundesverbandes Deutsche Tafel essen dort bereits über 1 Million deutsche Bürger, Tendenz stark steigend). Ein gelobtes Land, in dem lt. Bundesagentur für Arbeit/BA jedes sechste Kind in einer Hartz-IV-Familie lebt, in der Bundeshauptstadt ist es bereits jedes dritte Kind (Quelle: Focus Online). Ein gelobtes Land, in dem man als Mensch nicht mehr einfach alt werden kann so wie früher, sondern in dem man gefragt wird : „Kannst du es dir überhaupt leisten, alt zu werden?“ (so gesehen wörtlich auf einem Plakat einer deutschen Bank)

Was also, wenn sich unter den Migranten demnächst die große Ernüchterung breit macht? Wenn sie erkennen müssen, dass ihnen die Konsumgüter und Statussymbole, die sie haben wollen, doch nicht zugänglich sind? In Röszke/Ungarn zeigte sich bereits, wie schnell die Aggressivität junger, entwurzelter Männer hochkochen kann, wenn man ihnen verwehrt, was sie haben wollen (siehe Spiegel Online Video).

Bevor sie nach Europa gekommen sind, haben sie bereits via YouTube internalisiert, was man sich hier so an Statussymbolen zulegen muss, damit man sich vor der Sippschaft dann als richtiger Kerl anschauen lassen kann: 5 Sterne am SUV, denen Bushido hier eine Hommage singt, sollten es mindestens sein.

(Warnung: Der Sinn des Textes dieses Songs bleibt selbst einem philosophisch geschulten Kopf weitgehend verborgen und wird sich wohl erst im Jenseits erschließen. Der Rhythmus des Songs ist allerdings ein Ohrwurm, der sich bereits beim einmaligen Hören für längere Zeit festbeißen und sich bei nochmaligem Hören tief ins Holz bohren kann. Wer also SUVs bisher verachtet hat, der sei gewarnt: Wenn er den Song mehr als 1x hört ist es möglich, dass er ab nun selbst vom SUVismus besessen wird.)

 

 

(Ironie am Rande: das soeben gesichtete jüngste Posting nach ca. 14,5 Millionen Hörern dieses Songs auf YouTube stammt von User Fabian Bedoya und lautet: „Weis irgendwer woher shindy das shirt hat?“ … User Zillox IV antwortet: „Vielleicht von Criminal Damage…“)

Leider wird sich mit dem gesetzlichen Mindestlohn in Dtld. und dem Hartz IV Satz ein SUV bis ans Lebensende nicht ausgehen, oft nicht einmal ein hippes Marken T-Shirt von „Criminal Damage“, mit dem man dann zumindest am Facebook-Selfie demonstrieren könnte, dass man es zu etwas gebracht hat und in der gleichen Liga wie Bushido mitspielt.

Hingegen reicht der sauer erarbeitete Lohn heute meist gerade mal für Wohnen, Essen, Matschphone und ein paar Energy-Drinks aus dem Budget Regal des Supermarkts. Auch den sonstigen Lifestyle, wie er auf dem Album „FuckBitchesGetMoney“ breitenwirksam gepredigt wird – dem auch der Gassenhauer „5 Sterne am SUV“ entnommen ist -, wird sich der wohlstandshungrige Migrant mit einer Stelle als Kühlregalschlichter bei Lidl in der Regel wohl abschminken müssen.

Bevor er jedoch vor seinen Freunden und seiner Familie als Loser dasteht, wird er also andere Wege finden müssen, um sich die begehrten Dinge zu beschaffen. Wozu hat er denn sonst die Überfahrt über das Meer und seinen Kopf und Kragen riskiert? Etwa, um dann hier als Underdog auf einer Tafel sein Dasein zu fristen? In einer Zeit, in der man seinen Freunden täglich über Facebook ein Update gibt, was man gerade Tolles treibt und isst und wo sich jeder als superschlauer Selfmademan, Partylöwe und gut geölter Geschäftsmann gibt? – Nein, das geht gar nicht.

Der Gefängnispsychologe Götz Eisenberg hat daher in einem jüngsten Essay (siehe Nachdenkseiten) auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass für die Neuangekommenen in unserem Land Bindung entstehe – mir gefällt das Wort „Beziehung“ besser, andernfalls die hier entwurzelten jungen Menschen außer Rand und Band geraten könnten und wir später umso mehr Geld für Gefängnisbau und Polizei ausgeben müssten:

„Die Masse der jungen Männer, die nun zu uns kommen, könnten sich unter diesen Bedingungen zu einer zeitgenössischen Form dessen entwickeln, was man früher „gefährliche Klassen“ genannt hat. Viele von ihnen sind entwurzelte, oft sogar traumatisierte junge Männer zwischen Pubertät und Eheschließungsalter, für die keine verbindlichen oder wirksamen Regeln und Schranken des Verhaltens bestehen, die sich nichts und niemandem verpflichtet fühlen. Weder Arbeit – sie haben meist keine – noch stabile Liebesbeziehungen, die dem schweifenden Trieb Dauer und Form verleihen, indem sie ihn an ein Objekt fest binden, verorten sie in der Gesellschaft und halten sie von Regelverletzungen zurück.

Man hat ihre Köpfe via Fernsehen und Internet mit Bildern einer Welt des Luxus und der Mühelosigkeit versorgt, zu der man ihnen gleichzeitig den Zutritt verwehrt. Man hat in ihnen Wünsche geweckt, deren Erfüllung sie zu Mitgliedern dieser Gesellschaft machen könnte, gleichzeitig fehlen ihnen aber die Mittel dazu, diese sich auf gesellschaftlich lizenzierte Weise erfüllen zu können. So leben sie in einem Zustand permanenter Frustration und fürchten, mangels vorzeigbarer Statussymbole und demonstrativen Konsums aus der Gemeinschaft der Gleichaltrigen und der durch sie repräsentierten Gesellschaft herauszufallen oder gar nicht erst in sie hineinzukommen. Die Versuchung ist groß, sich die begehrten Dinge auf anderen, das heißt kriminellen Wegen zu besorgen. Wenn jetzt an den notwendigen emotionalen und finanziellen Mitteln gespart wird, werden wir später viel Geld für Polizei und Gefängnisse ausgeben müssen.“

Derzeit gehen Fotos unserer „Willkommenskultur“ um die Welt. Deutsche WohlstandsbürgerInnen in glänzenden Shopping Mall-Tempeln bilden mit vollgefüllten Einkaufswägen ein Spalier, durch das neuangekommene Migranten hindurchgehen und links und rechts nach geschenkten Waren greifen können. Migrantenkinder bekommen Teddybären und Plüschgiraffen in die Hand gedrückt und vergießen Tränen, sind erleichtert. Wenn man diese Bilder sieht, dann drücken solche Szenen unweigerlich auch bei einem selbst auf die Tränendrüse und gehen einem ans Herz, das ist auch mir nicht anders gegangen. In einer weitgehend technokratisierten Welt sieht man solch herzenswarme Bilder, wo Menschen einmal nicht für sich raffen, sondern etwas miteinander teilen, selten. Aber haben wir das Ganze auch zu Ende gedacht? Haben wir bedacht, was diese Bilder, die über Fernsehen und Smartphone nun rund um die Welt und auch in die mit Millionen Menschen gefüllten Flüchtlingslager in Jordanien, Libanon und in die Türkei gehen, bei den Menschen dort an Hoffnungen wecken, die wir niemals erfüllen werden können? Wieviele hunderttausende Menschen werden sich aufgrund dieser Bilder nun ebenfalls auf den Weg zu uns machen, und wieviele Zigtausende werden dabei umkommen?

Ich meine nun nicht, dass man das Helfen lassen solle, das liegt mir fern. Das Chaos und die Not, vor der wir bisher weggeschaut haben, steht nun vor unserer Tür und natürlich geht es darum, jetzt das Beste daraus zu machen und nicht unmenschlich zu reagieren. Und es ist ganz natürlich, dass Menschen begeistert sind, zu helfen, da sie oft das erste Mal in ihrem Leben die Erfahrung machen, wie es ist, eine Arbeit/Handlung auszuführen, die nicht sinnlos ist, so wie man das in seinem Job gewohnt ist (siehe bullshitjobs). Aber man kann auch diskret helfen, ohne dass es gefilmt und auf Facebook/Twitter verbreitet wird. Noch wirkungsvoller wäre es, dorthin zu spenden, wo diese Menschen herkommen, anstatt ihnen hier gönnerhaft Konsumprodukte in die Hand zu drücken.

Aber vor allem täten wir gut daran, uns Gedanken darüber zu machen, was wir den Migranten kulturell entgegenbringen, denn wenn wir sie nur nach ökonomischer Verwertungslogik integrieren wollen, dann ist ein Fiasko vorprogrammiert. Dazu müssten wir uns einmal fragen, was wir denn überhaupt selbst unter Kultur, Menschsein und Sinn des Lebens verstehen, welche Werte wir vertreten und wie wir nach außen in die Welt wirken wollen. Denn falls die neu ankommenden Menschen merken sollten, dass wir solche Werte überhaupt nicht mehr haben, und sich hinter dem glänzenden Schein unserer technisierten Wohlstandswelt nur gähnende Leere verbirgt, dann … könnte es uns vielleicht so ergehen wie den alten Römern gegenüber Odoaker und seinem Söldnerheer.

Das derzeitige Chaos mit seinen demografischen Umwälzungen wäre also eine gute Gelegenheit, uns selbst zu reflektieren.

Apropos Demografie. Lassen wir unsere Sorgen um die Zukunft zum Abschluss einmal kurz beiseite. Aus der Demografie gibt es auch etwas zu berichten, was Anlass zur Hoffnung gibt. Der eingangs erwähnte Demograf hat nämlich auch von einer empirischen Studie erzählt, über deren Ergebnis er und seine Kollegen selbst vollkommen überrascht gewesen seien:

Eine Analyse der gemeinhin als Karrieristen oder „Yuppies“ geltenden jungen und wohlhabenden Generation hat nämlich ergeben, dass es dieser Generation nicht nur wie erwartet um Profitsuche, Entertainment und egoistische Selbstoptimierung gehe (dieses Motiv nach „5 Sternen am SUV“ fand sich jedoch ausgeprägt bei der sogenannten „Unterschicht“) , sondern überraschend stellte sich heraus, dass ein beträchtlicher Anteil der jungen Menschen aus gebildeteten Schichten des materialistischen Lebensstils und der damit einhergehenden Zerstörung der Zukunft bereits überdrüssig ist und sich zunehmend mit dem Sinn des Lebens, mit Nachhaltigkeit, Spiritualität und mit altruistischen Tätigkeiten im Bereich Ökologie, Umweltschutz, Tierschutz, Slow Food Bewegung und dgl. beschäftigt. Obwohl sie äußerlich oft noch vom Mammon geknebelt sind, haben sie ihm innerlich bereits abgeschworen.

In der jährlichen Jugendstudie des Ölmultis Shell, in der Werbung und in den Zeitungen erfährt man von diesem stillen Generationenwandel freilich nichts. Das wäre ja auch eminent konsumschädigend und stellte das gesamte System, dem Shell, die Werbung und die Zeitungen dienen, in Frage. Aber der Demograf wusste, wovon er redet. Es besteht also noch Grund zur Hoffnung…

 

Nachsatz: Nach dem Hinweis, dass das Bushido-Video die schöne Schlussperspektive des letzten Absatzes wieder zunichte macht, hier also ein passenderer Schlusspunkt bzw. Ausblick, in welchem Thomas D der vom Demografen angesprochenen neuen Generation seine Worte und seinen Sound leiht (Anm: in DE eventuell nur mit Proxy erreichbar, z.B. Firefox Addon https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/hidemyass-free-web-proxy/    oder  https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/proxtube/)

 

Nachsatz II:

@Bushido: In einer Analyse der Songstexte auf http://www.annotazioni.de/post/1658 wird nachgewiesen, wie Bushido & Co. perfekte Werbeträger für die neoliberale Ideologie sind und wie sie in ihren Songtexten sozial Schwache, Hartz IV Empfänger u.a. zynisch ausgrenzen:

>> Die Künstler zeigen mehr unbewusst als bewusst, wie die neoliberale Ideologie sich in den „gesunden Menschenverstand“ eingeprägt hat. Sie inszenieren sich als neoliberale Subjekte, die „marktkonform, wettbewerbsfähig, selbstdiszipliniert, anpassungsbereit, flexibel, egoistisch, aktiv und unternehmerisch“ (ebd.) sind und entsprechend handeln. In ihren Texten zeigen sie sich als Menschen, die sich gerne selbst thematisieren, sich selbst optimieren sowie selbst darstellen. So können die Texte der Künstler als herrschaftsstabilisierend angesehen werden. Sie propagieren eine neoliberale Moral,  gesellschaftskritische Momente hingegen sind so gut wie nie vorzufinden.<<

Es ist also kein Wunder, warum Bushido, Sido & Co. täglich in den Zeitungen prangen und ihre Songs gehypt werden. Hingegen werden Rapper, die die Gangstarap-Texte doof finden und sinnvolle / der wirklichen gesellschaftlichen Not entsprechende Inhalte transportieren wollen (ja, solche gibt es auch, man hört nur nichts von ihnen), von der Musikvertriebsindustrie eisern boykottiert und von den Medien totgeschwiegen. Gegenüber diesem jungen Rapper im u.a. Video wurde sogar erreicht, dass ein Eintrag seiner Person auf Wikipedia „mangels Irrelevenz“ wieder gelöscht wurde. Dabei hat der junge Mann sowohl lyrisch als auch musikalisch wirklich etwas auf dem Kasten (er engagiert sich bei der Friedensbewegung, ist einer der bekanntesten Musiker der Montagsdemos und Friedensmahnwachen und erreicht über seinen Youtube Kanal eine Zigtausendschaft an Fans):

oder auch: „Die Welt von Morgen“  https://www.youtube.com/watch?v=ddvDp8XovsA

 

 

„Die Wirtschaft“ – Staatsfeind Nr.1

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Montag, 21.9.2015. Eifel. Ja – heute muss ich Ihnen mal wieder etwas zumuten. „Die Wirtschaft“ – Staatsfeind Nr.1 … da läuft es einem kalt den Rücken ´runter, weil – da könnte schnell der eigene Arbeitsplatz in Gefahr sein, wenn man sich zu deutlich äußert. Dank der Freiheit, die mir ein bedingungsloses Grundeinkommen gewährt, darf ich mir als einer der letzten zehntausend freien Schreiber Europas solche Freiheiten erlauben, brauche keine Rücksichten auf unsere Anzeigenkunden nehmen (wir haben und brauchen keine), keine Rücksichten auf meine Quellen aus Wirtschaft und Politik (wir haben kaum welche und brauchen keine) und keine Rücksichten auf die persönlichen Vorlieben meines Chefredakteurs nehmen (wir haben und brauchen keinen – das regeln wir im Kollektiv selber, völlig ohne Hierarchien und Streitereien, ganz demokratisch und kooperativ).

Wissen Sie eigentlich, was das ist, „Die Wirtschaft“? Nun – ich darf doch hier wohl eine Antwort erwarten, denn immerhin redet „Die Wirtschaft“ durch ihre Priester zu Ihnen wie der Gott des Alten Testament durch seine Propheten. Ja, wir sind so stolz darauf, ein weltlicher Staat zu sein – dabei huldigen wir primitivsten Kulten, nennen unseren Götzen „Die Wirtschaft“ (die sogar eine „unsichtbare Hand“ hat: ein Sonderspuk der Idiotenklasse) und hinterfragen überhaupt nicht mehr, vor wem wir da unseren Bückling machen.

Jeden Tag meldet sich „Die Wirtschaft“ zu Wort, aktuell warnt sie vor höheren Preisen (siehe Bild) oder bedrängt die Sphäre der Politik mit dem Ruf nach immer mehr Einwanderern (siehe Focus), fordert – mal wieder – Korrekturen am Arbeitsmarkt (siehe Stuttgarter Zeitung) oder fordert „Alphatiere“ als Führungspersonal (siehe Zeit), womit der „Herrenmensch“, das Urbild des von der Vorsehung zur Führung bestimmten SS-Mannes wieder Einzug hält in das Denken der Bevölkerung … bzw. in das Denken der journalistischen Funktionselite des Turbokapitalismus. Allerdings – so erklärt man uns weiter – sollte dieses Alphavieh mit seinen Statusgesten sparsam umgehen … man will nicht wieder die Guillotine herausforden – man hatte damit zu gewissen Zeiten schon mal schlechte Erfahrungen gemacht, weil die Menschheit der Meinung war, kein Viecherrudel zu sein, dass einen Leitwolf braucht.

Der Duden liefert uns eine Definition für „Die Wirtschaft“:

„Wirtschaft ist die Gesamtheit aller Einrichtungen wie Unternehmen, private und öffentliche Haushalte sowie die notwendigen Abläufe wie Käufe und Verkäufe, die mit der Herstellung und dem Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen verbunden sind.“

„Wirtschaften ist die planvolle Tätigkeit des Menschen, knappe Mittel oder wirtschaftliche Güter der bestmöglichen Nutzung zuzuführen.“

Wir brauchen nicht lange nachzudenken, um selbst zu merken: das ist etwas knapp. Private Haushalte waren an der Reform des Sozialstaates nicht beteiligt, noch an der Frage nach dem Facharbeitermangel, noch schreien Sie nach Führung durch Alphatiere oder fordern höhere Preise – hier stößt der offizielle Sprachgebrauch des Tarnbegriffes „Die Wirtschaft“ an seine Grenzen, weshalb Attack (dort findet man auch das Zitat aus dem Duden) eine andere Definition vorschlägt (siehe Attac):

„Wirtschaft umfasst alle Tätigkeiten, die einer persönlichen Gewinnmaximierung dienen.“

Auch diese Definition von „wirtschaften“ als hemmungslose Ausbreitung des persönlichen Egos ist mir ein wenig zu klein, würde sie doch auch ein „Recht auf Faulheit“ verlangen – für viele Künstler waren die kleinen Halbtagsjobs vor der Effizenzoffensive der in die Gesellschaft implementierten Unternehmensberatungen (beginnend Ende der siebziger Jahre auf Anweisung der US-Wirtschaft) überlebenswichtig zur Maximierung dessen, was sie unter einem erfüllten Leben verstanden … ich würde also vorschlagen, bei der neuen Definition von „Wirtschaft“ den Begriff „persönlichen“ zu streichen und durch „finanziellen“ zu erstetzen – beschreibt doch der Run nach möglichst viel Mammon das gesamte geistige Treiben des Abendlandes – vom Hartz-IV-Empfänger angefangen (dem „Omegatier“ – um in der griechischen Nomenklatur zu bleiben, also: dem wirklich allerletzten Ausschuss, den die Menschheit zu bieten hat) über den Bundestagsabgeordneten bis hin zum Halbgott an der Spitze der Unternehmen: ohne Rücksicht darauf, was Planet und Umwelt zu leisten und zu ertragen in der Lage sind das Streben nach hemmungsloser Anhäufung von Finanzwerten.

Es ist aber immer noch klar, dass „Die Wirtschaft“, wie sie sich in den Medien zu Wort meldet, nicht das Sprachrohr der Verbraucher, Rentner oder Arbeitlosen ist, noch dass der Studenten, Künstler, Hausfrauen, Schüler und Neugeborenen. Deshalb meine Definition

„Die Wirtschaft“ umfasst alle reichen global tätigen Entscheidungsträger, die der Gewinnmaximierung von Kapitalanlagen dienen.

Damit kommen wir erstmal besser hin – mussten allerdings noch das Wort „reich“ einführen, um den gemeinen Versicherungsvertreter und Anlageberater ausschließen zu können. Sie treffen sich auch – anders als jene, denen die Bedeutung der Treffen überhaupt nicht gewahr ist – gerne in Kreisen, die im Rahmen der globalisierten Welt eine neue Feudalstruktur erarbeiten – eine mit sparsamen Umgang mit Statusgesten aber unverkennbaren automobilen Statussymbolen: wie schon im Mittelalter erkennt man den Herrenmenschen an Kleidung und Gefährt – und am regelmäßigen Verbrauch diverser energieintensiven Luxusgüter, die sich das normale Beta- oder Gammatierchen niemals leisten könnte – und würde er auch noch so viel sparen. Das „global“ ist also ebenfalls ein wichtiger Begriff, um das zu beschreiben, was heute gesellschaftlich als „Forderer“ auftritt – aber niemals Forderungen unterworfen sein möchte. Sie arbeiten gezielt an einer Refeudalisierung der Gesellschaft (zur eigenen Gewinnmaximierung) und an der Privatisierung der Macht (zwecks Entmachtung des demokratischen Gemeinwesens) (siehe Deutschlandfunk).

Das geschieht auch ganz offen. So lehnt der Chef von Ryanair ganz offen Gewerkschaften ab (siehe Spiegel) – jene gesellschaftlichen Konstrukte, die dazu dienten, die Entstehung einer neuen Feudalklasse in Grenzen zu  halten, man entzieht Menschen („Mitarbeitern“) ganz offen die Existenzgrundlage, um die Politik zu strafen – wie z.B. bei Siemens (siehe Spiegel) und diszipliniert so die Vertreter des Volkes, die man lieber als Erfüllungsgehilfen eines Feudalstaates sehen würde. „Die Wirtschaft“ erweist sich als größte „schmarotzende“ Kraft, wie die Huffington-Post aktuell nochmal deutlich macht (sehe Huffington-Post): 100 Milliarden Euro „flüchten“ jährlich aus Deutschland ins Ausland … in nur zwanzig Jahren also die gesamte Staatsverschuldung. Ein Hartz IV-Satz von 800 Euro im Monat wäre problemlos möglich – und noch viel mehr – wenn nur „Die Wirtschaft“ wie jeder andere Bewohner Europas ihren Anteil leisten würde – anstatt nur Räuber an der Volkswirtschaft zu sein.

Stattdessen arbeitet „Die Wirtschaft“ mir Hochdruck an perfekten Überwachungssystemen (siehe Welt), die die Gier der NSA nach „Durchleuchtung“ bei weitem übertrifft, beeinflusst politische Entscheidungen durch massive Lobbyarbeit (siehe Spiegel), greift ungeniert nach der Monopolisierung allen Saatgutes (siehe Bioland), greift mit steuerlich absetzbaren Wahlkampfspenden sogar in den US-Wahlkampf ein (siehe Spiegel), besetzt ungeniert politische Machtpositionen in Krisenländern (siehe Koppverlag). Der Tag, an dem wir von „Die Wirtschaft“ regiert werden, scheint schon hinter uns zu liegen. Man schaue sich alleine den Einfluss des Bertelsmann-Konzerns an (siehe Heise):

„Aber wenn man weiß, dass jeder Bundesbürger über 14 Jahre durchschnittlich pro Tag eine Stunde mit der Nutzung von Bertelsmann-Produkten verbringt, und wenn man erfährt, dass in allen bedeutsamen sozial-, bildungs- und sicherheitspolitischen Gremien Europas die Gutachter der Bertelsmann-Stiftung sitzen und die meisten einschlägigen Entscheidungen ihre Handschrift erkennen lassen, gelangt man zu dem Schluss, dass Bertelsmann eine deutsche und europäische Großmacht ist“

Einmal ganz davon abgesehen, dass die so harmlos daherkommende Bertelsmannparty (siehe Nachrichtenspiegel) bewusst und gezielt Netzwerke zwischen Politik und Wirtschaft aufbaut, die mit keinen Demokratieverständnis vereinbar wären und an Zeiten erinnert, wo Netzwerke aus Politik und Militär den Staat beherrschten.

Das Zusammenspiel zwischen „Der Wirtschaft“ und der Politik funktioniert zum Schaden aller Bürger sehr gut, Deutschland ist so zur Steueroase geworden (siehe Spiegel) und wir sind – neben den Niederlanden – Europameister bei Zeitverträgen für junge Menschen (siehe Spiegel).

Es gibt aktuelle Studien, die den Erfolg „Der Wirtschaft“ deutlich beschreiben (siehe Oxfam).

„Armut und Ungleichheit haben in Europa massiv zugenommen. Politische Entscheidungen werden immer stärker durch reiche Eliten beeinflusst, welche Regeln zu ihrem Vorteil gestalten und so die demokratischen Institutionen untergraben. Austeritätspolitiken und ungerechte Steuersysteme dienen überall in Europa den Mächtigen.“

So etwas kann man in Deutschland inzwischen öffentlich lesen – ohne dass jedoch jemand dies zum Anlaß nimmt, die Schlussfolgerungen klar auszusprechen: „Die Wirtschaft“ ist zum Feind der Demokratie geworden, zum Feind der Bevölkerung – zum Staatsfeind Nr. 1.

Wie soll man darüber auch lesen können: „Die Wirtschaft“ und ihre Funktionselite besitzen 90 % der Werte in Deutschland, das Land ist im Jahre 2015 komplett ausgeplündert. Unsere Freiheit gleicht der Freiheit eines kleinen Farmers im Texas des vorletzten Jahrhunderts, der unterhalb der Quelle wohnt, die vom großen Viehzüchter und seinen Cowboys jederzeit blockiert werden kann. Unsere Fluss ist der Geldfluss, von dem jenseits der Regionen der Alphatierchen nur noch Tröpfchen auf die Konten der Omegaviecher landen. Der Staat – wacht nur noch darüber, dass die Farmer keinen Revolverhelden anheuern, der ihre Freiheit – also den freien Zugriff auch natürliche Ressourcen – wieder herstellt. Wilder Westen live in Germany.

„Die Wirtschaft“ sitzt inzwischen so fest im Sattel, dass man offen über „Dynastien, die Deutschland regieren“ schreiben kann (siehe Welt), Dynastien, die so mächtig sind, dass sie in elf von dreißig Dax-Konzernen „auf den Hauptversammlungen Mehrheiten durchsetzen können“ (siehe Der Westen), ohne dass sich in der politischen Ebene Widerstand regt – einer Ebene, der man das Szepter schon längst aus der Hand genommen hat.

Diese Entwicklung ist kein Zufall – sondern lang geplante politische Absicht: „Marktdemokratie“ ist hier der Kampfbegriff, der zuerst von Ronald Reagan geprägt wurde und dem Staat eine eindeutige Rolle zuweist:

„Die Privatisierung besorgt innerhalb des Nationalstaates des ideologische Geschäft einer globalen Marktwirtschaft, welche die Privatinteressen von Unternehmern und Banken vorranig bedient und das organisierte Gemeinwesen in Misskredit bringt. Der Staat wird tendenziell reduziert auf die Rolle eines Erfüllungsgehilfen des privaten Sektors, anstatt ein Forum für die Teilnahme der Menschen am öffentlichen Sektor zu sein. So zurechtgestutzt, dient der Staat nur noch als nützliches Werkzeug global operierender Firmen, Banken und Märkte, als Vertreter ihrer Interessen in internationalen Körperschaften wie der Welthandelsorganisation und dem internationalen Währungsfond, die auf dem Papier zwar demokratische Organisationen, betrieben von souveränen Staaten, sind, de fakto aber Diener globaler Wirtschaftsinteressen, die sich weder nationalen Souveränitäten noch demokratischen Instanzen unterordnen, sondern diese im Gegenteil unterminieren“. (Aus: Benjamin R. Barber, Imperium der Angst, DTV, Oktober 2007, Seite 175).

Man sollte diese Zeilen auswendig lernen, sie erklären, warum die Wirtschaft „Staatsfeind Nr. 1“ geworden ist – und einige der merkwürdigen Entwicklungen der letzten Jahre. Religion zum Beispiel ist ein konsumfeindlicher Bereich, der „Der Wirtschaft“ Konsumenten abschwatzt: je lebendiger die Religion, umso weniger Zeit steht für die täglichen Botschaften von Bertelsmann zur Verfügung. Der Islam als sehr lebendige Religion steht „Der Wirtschaft“ bei ihrer Machtentfaltung sehr im Wege – also muss er bekämpft werden. Ebenso der Sozialstaat, der Bürger dem Herrschaftsbereich „Der Wirtschaft“ entziehen kann (seit Gerhard Schröder haben endlich auch Arbeitslose einen „Chef“, der sie sanktionieren kann – nicht nur „Arbeitnehmer“, die ihren soziopathischen Alphatierchen nun völlig ausgeliefert sind, wenn sie der staatlichen Gängelung durch unqualifiziertes Personal entkommen wollen). Auch Putin ist „Der Wirtschaft“ ein Dorn im Auge: er repräsentiert den starken Staat, der es geschafft hat, sich gegen die Unterminierung erfolgreich zu wehren – das Resultat sind deutsche Kampfflugzeuge, die mit voller Bewaffnung in Litauen herumfliegen, jederzeit bereit zum Erstschlag. Natürlich ist „Die Wirtschaft“ auch für die Aufnahmen von Millionen von Zuwanderern in einem hoch verschuldeten Land: sie zahlen das nicht, gehören aber auf jeden Fall zu den Nutznießern … selbst wenn sie dieses neue Personal nur zu neuen Sicherheitsdiensten verarbeiten, die im Land ihre Interessen schützen und die weniger Solidarität mit den Opfern haben als aus Eingeborenen rekrutiertes Personal.

Benjam R. Barber ist nun auch nicht irgendwer, er gilt als einer der einflussreichsten Politiwissenschaftler der USA (siehe Wikipedia) … und findet erstaunlich viele Paralellen zwischen „Der Wirtschaft“ und dem inernationalen Terrorismus: wir stehen hier mit unserer Meinung also nicht weitab auf irgendwelchen völlig abwegigen politischen Positionen, sondern mitten drin in einer modernen Diskussion über die Disziplinierung „Der Wirtschaft“ durch die Demokratie, die – nach Barber – schon immer die Voraussetzung für die Entfaltung von Wirtschaft war – aber auch wichtiger Garant für deren Zähmung, der sie genauso bedarf, wie das Militär der Zähmung bedurfte: wer die Quelle nach Gutdünken abriegeln kann, hat so viel Macht über die Menschen wie der Mann mit dem Gewehr in der Hand.

Um diese Diskussion aber überhaupt erstmal in Deutschland und Europa führen zu können, müssen wir erstmal aufhören, uns mir falschen Begriffen täuschen und beruhigen zu lassen: „Die Wirtschaft“ ist eine bandenmäßig organisierte Kaste von Staatsfeinden, die den Staat als Erfüllungsgehilfen zur völligen Ausplünderung der Volkswirtschaft  und Aneignung sämtlicher Güter (inklusive Wasser, wie aktuell zu bemerken) missbrauchen will, eine Bande von unethischen und oft verbrecherischen Charakteren, die vor keiner Schandtat zurückschrecken, um an ihre Beute zu kommen. Ihr Wirken ist es, dass „den Westen“ für andere Kulturen als das „Reich des Bösen“ dastehen läßt und somit ursächlich für den Hass auf den Westen – und den Terrorismus – verantwortlich ist. „Die Wirtschaft“ ist es, die Arbeitsplätze vernichtet, in dem sie funktionierende Betriebe aufkauft und ausschlachtet, sie verwüstet fern der deutschen Grenzen die Umwelt und bereichert sich hemmungslos mit großer Freude durch Kinderarbeit in Asien.

Sie ist der Staatsfeind Nr. 1, eine Großmacht, deren Terror wir uns als Bürger eines demokratischen Rechtsstaates erwehren müssen so wie wir uns einst gegen den verschwendungssüchtigen Adel wehren mussten. 60 Prozent der Deutschen sind schon unserer Meinung (siehe Handelsblatt) und wissen, dass Wahlen inzwischen nur noch das Personal auswechseln, dass die Vorgaben „Der Wirtschaft“ umzusetzen hat – wie aktuell in Griechenland (siehe Spiegel), wo wieder mal „Linke“ gewonnen haben – aber trotzdem … alternativlos … „harte Zeiten“ auf die Bevölkerung warten.

Das ist ein weiter Weg … aber er lohnt sich.

 

Irritationen über eine IS-Offensive in Deutschland … und das neue Reich der Osmanen

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Freitag, 18.9.2015. Eifel. Ja, da plagt mich einiges an Gedanken. Und Angst. Ich weiß aktuell nicht mehr, welche Gedanken noch gestattet sind und welche nicht. Ich bin da etwas durcheinander gekommen, weil ich den Startschuss zum aktuellen Kurswechsel noch gar nicht mitbekommen habe. Bis vor kurzem war ich mir noch sicher, dass der Islam böse ist. Doch doch, das hatte man mir gesagt: immerhin waren wir aus diesem Grund in Afghanistan einmarschiert. Ja: wir Deutsche. Wir sind dort einmarschiert (nicht allein, aber das entbindet uns nicht der Verantwortung), haben dort Gebiete besetzt, den Opiumhandel beschützt und Menschen erschossen – aus welchen Gründen auch immer. Der Grund war allen klar: Deutschland musste am Hindukusch verteidigt werden. So weit waren unsere Soldaten marschiert, um den bösen Feind zu schlagen: den Muselmann, den irren Moslem, den abartigen Terroristen. Die waren abgrundtief böse, diese Moslems, haben in New York mit einem großen Paukenschlag am 11.9.2015 den „Kampf der Kulturen“ begonnen. Manche waren schon bis ins Sauerland vorgedrungen und wollten dort Bomben bauen: es wurde klar – die Lage ist ernst!

Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich mich an den irren Wahnsinn gewöhnt hatte, doch kaum hat man sich daran gewöhnt, ändert er schon wieder sein Gesicht (siehe Spiegel):

Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“

Das sagte jetzt meine Bundeskanzlerin. Nun – in Notsituationen zeigt man in der Regel kein freundliches Gesicht … so ein Grinsen beim Verkehrsunfall kann schnell missverstanden werden – oder ausgesprochen irre wirken. Es ist ja nun auch keine wirkliche Notsituation – jedenfalls nicht hier in Deutschland. Also kann man ruhig Grinsen und freundlich winken. Es handelt sich ja auch nicht um einen Verkehrsunfall, sondern um Flüchtlinge, die nach langer, mühsamer Reise Deutschland erreichen. Die meisten kommen aus Syrien, weil dort die Freunde der Bundeskanzlerin – Briten, Franzosen, Amerikaner – alles in Schutt und Asche bombadiert haben, Kämpfer jeder Art mit Waffen ausstatten und einen erbärmlichen Boykott der Zivilbevölkerung durchführen, der ursächlich für viele Todesfälle verantwortlich ist – im Irak hat man so 500000 Kinder vom Leben in den Tod befördert, ohne das hier Trauer angesagt gewesen wäre. Seltsamerweise zeigt Frau Merkel kein freundliches Gesicht, wenn es sich um 2,5 Millionen deutsche Kinder handelt (mehr denn je in Gefahr, von der alten Nazibehörde „Jugendamt“ aus der Familie gerissen zu werden), die aufgrund der Arbeitslosigkeit ihrer Eltern in Armut leben – aber trotzdem schulische Höchstleistungen erbringen sollen, um in Zukunft nicht weiter von Hartz IV leben zu müssen. Aber tote Kinder im Irak stört ja auch niemanden.

Bleiben wir bei meinen Sorgen. Die alten Nazis waren ja große Freunde der Araber, weil die Juden hassten. Das tun die heute noch – immer noch befindet sich Saudi-Arabien im Krieg mit Israel – ja, das gleiche Saudi-Arabien, dass nun 200 Moscheen in Deutschland bauen will – jenes Saudi-Arabien, dass die Bewegung IS finanziert (siehe Focus). Ja – die Bewegung des IS … da kommen wir noch drauf. Dem Westen hatte man übrigens früher vorgeworfen, so seine Kolonien erworben zu haben: erst kamen die Missionare, dann die Soldaten. Erst die Kirchen, dann die Kasernen. Aber die Saudis sind ja gut, sie sind gute Freunde der Familie Bush, stellten die meisten Attentäter zu den Anschlägen des Saudis Osama bin Laden und sie mögen keine Juden … was immer noch gut ankommt im Westen – obwohl wir doch angeblich von bösen, supermächtigen Juden bedroht werden, wie der Rechte gerne wettert. Judenhass in Deutschland ist aktuell wieder weit verbreitet und nimmt enorm zu (siehe BpB) – obwohl doch alle den Nazi jagen, doch auch dieser Notstand interessiert niemanden.

Ja – den Nazi jagen: das ist zum Volkssport für die Wohlstandsknubbel der Spaßgesellschaft geworden: schnell hat man ein Ettikett verpasst bekommen und verliert – ohne Anhörung, ohne Prozess, ohne demokratisch garantierte Grundrechte – seinen Arbeitsplatz. Ganz Scharen von selbsternannten Nazijägern (viele von ihnen selbst engagierte Antisemiten) laufen durch die Welt und suchen den Nazi, der sich vor allem dadurch auszeichnet, das er nicht stromlinienförmig die Regierungmeinung wiedergibt, inzwischen reicht es schon aus, wenn man andeutet, es gäbe so etwas wie ein internationales Finanztum (PbP, siehe oben), um zur öffentlichen Hatz freigegeben zu werden. Schon längst haben wir einen indirekten Maulkorberlass, den die ägyptische Regierung jetzt in ein Gesetz verwandelte: hohe Geldstrafen drohen dem Journalisten, der andere Informationen als die der Regierung genehme veröffentlicht (siehe Spiegel). Deshalb bemühe ich mich ja intensiv, die Regierungsmeinung zu verstehen, um nicht in Konflikt mit den Maulkorbwächtern zu kommen – aber wie soll mir das gelingen?

Angeordnet scheint momentan Begeisterung über die Aufnahme von Flüchtlingen zu sein – sonst will Angela Merkel selbst auswandern – wenn ich sie da richtig verstanden habe. Das will ich ja natürlich völlig vermeiden, wo kämen wir da hin. Ich wundere mich nur etwas, dass die Entwicklungshilfe – die ja gerade die Not verhindern sollte – weit hinter den gesteckten Zielen zurückbleibt, ja, sogar unter dem Durchschnitt der OECD-Länder liegt. 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes waren vorgesehen, 04, Prozent wurden erreicht – 0,38 von Deutschland, macht 6,4 Milliarden in 2014 (siehe Zeit), dabei gäbe es hier viele Menschen in Not, denen man helfen – ja sogar das Leben retten könnte, wie es der Dahlemer Verein „Kindern Leben geben“ mit seiner Arbeit für Findel- und Waisenkinder in China macht (siehe Eifeler Presseagentur) – doch solche Aktionen zaubern Frau Merkel kein freundliches Lächeln ins Gesicht.

Mühevoll hatte ich die letzten Jahre während der Diskussion um in Not geratene Deutsche gelernt, dass Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Empathie zu den betriebswirtschaftlich unerwünschten Tugenden gehörten und als „Sozialromantik“ verpönt waren, deshalb brauche ich jetzt wohl ein wenig Zeit, um zu verstehen, dass „Sozialromantik“ jetzt wieder „in“ ist – allerdings nur für arabische Flüchtlinge auf Grund einer Anordnung der „deutschen Wirtschaft“, die alle Flüchtlinge für komplett ausgebildete Quantenphysiker und Neurochirugen hält, denen man nicht den Mindestlohn bezahlen muss.

Dabei – und auch das habe ich aus den Medien gelernt – sind einige der Menschen, die wir hier Moslems nennen, alles andere als lustige Typen. Völkermorde, Massenvergewaltigungen, Menschenhandel, bestialische Grausamkeiten gegen Gefangene und Andersgläubige: die quasi aus dem Nichts aufgetauchte Räuberhorde „IS“, die gerne Menschen foltert, enthauptet und bei lebendigem Leibe verbrennt wurde uns ja unlängst erst als die neue Inkarnation des Bösen vorgestellt – wobei ich selbst ihnen den Ehrentitel „Muslim“ nicht zugestehen würde: die Wehrmacht hatte auch ein „Gott mit uns“ auf dem Gürtel, ohne dass man sie deshalb als exqusite Ehrengarde des Christentums verstehen musste. In meinen Augen sind sie nichts als eine Räuberbande – eine Räuberhorde … mit erstaunlichen militärischen Erfolgen, einer erstaunlich erfolgreichen Strategie und erstaunlichem Vermögen. Nun – wir als Deutsche bezahlen den IS via Saudia Arabien mit Hilfe unserer Sprit fressenden SUV´s – das sollte uns klar sein. Und wir aktuelle Dokumente belegen, war die Entstehung des IS dem Westen ja auch sehr genehm (siehe n-tv), nicht auszuschließen, dass auch hier der eine oder andere Dollar floss.

Und diese IS soll nun nach Europa kommen. Ja – jetzt sehen Sie, warum ich eine so lange Vorrede wählen musste: ich wäre schnell zum Ausländerfeind abgestempelt worden, hätte ich einfach nur auf die Gefahren einer unkontrollierten Masseneinwanderung hingewiesen. Dabei halte ich einiges von der Vermischung von Völkern – und mal ehrlich: Sie doch auch. Was würden wir teutonischen Geschmacksbarbaren denn ohne Gyros, Kebab, Pizza und Lasagne mit unserem Alltag anfangen? Als Mitglied eines jener Kolonialvölker, die Jahrundertelang die ganze Welt durchmischt haben, kann ich auch schlechterdings jetzt nicht den genetischen Lordsiegelbewahrer geben – allerding geht es mir ja gar nicht um Genetik, sondern um Räuberbanden.

Erst Ende Juni warnte die „Welt“, dass IS Kämpfer gezielt nach Europa geschleust werden sollen, weil hier das neue Schlachtfeld sein wird (siehe Welt) – Madam Merkel nahm dies nicht zum Anlass, ihre Freundschaft mit Friede Springer zu überdenken. Wissen Sie, wie viele von denen schon hier sein sollen? 4000 – meldete die Daily Mail am 14. September (siehe Daily Mail). Wir machen an jedem Flughafen einen Riesenbahai um jeden Einreisenden, schicken Kinder zurück in Krisengebiete, die Deutschland nur als ihre Heimat kennen, warnen Jahrzehntelang vor der Gefahr des Terrorismus … und auf einmal machen wir alle Grenzen offen. Das hier etwas schief läuft – dass hier gezielt eine Völkerwanderung in Gang gesetzt wurde – merkt auch das Auswärtige Amt und versucht in den Heimatländern der Flüchtlinge eine Gegenkampagne zu starten (siehe Spiegel) – man könnte schon das Gefühl bekommen, dass die Massenwanderung von „interessierter Seite“ initiiert worden ist – immerhin kann man so ungehindert Kämpfer nach Europa einschleusen – um sich zu rächen. In der Tat habe ich zwischendurch aufgeschnappt, dass viele Afghanen uns hassen – wegen der Besatzungstruppen, wegen der Toten, wegen dem Elend des Krieges.

Wissen Sie, was 4000 lebensmüde aber hoch aggressive IS-Kämpfer in Europa anrichten können – auch in Deutschland? Nein, natürlich nicht, dazu müssten Sie sich mit Gedanken zum Thema „Atomstaat“  auseinandersetzen, die in den achtziger Jahren angestellt wurden … und der Erkenntnis, dass unsere Zivilisation Bedrohungen aus dem Inneren wenig entgegen zu setzen hat – außer der Verwandlung in einen Polizeistaat. Und wenn ich ehrlich sein soll: unter dem Eindruck dieser Meldungen machen auf mich die Bilder der Kämpfe zwischen der ungarischen Polizei und den Flüchtlingen einen anderen Eindruck – ich sehe dort kerngesunde, kräftige und gewaltbereite junge Männer, die ausrasten, wenn sie nicht kriegen, was sie wollen (siehe Spiegel). In Deutschland würde man sie Nazis nennen. Huch – ja, was ist das denn? Wie schnell würde sich die öffentliche Meinung ändern, wenn wir anstatt von Flüchtlingen von gewaltbereiten Antisemiten reden würden? Ach – das war jetzt nur mal so ein Spass.

Noch im August gab es großes Gejammer über die klammen Haushalte der Kommunen – im Visier wieder der „asoziale Hartz IV-Schmarotzer“, der immer herhalten muss, wenn gerade kein Jude oder Moslem zur Hand ist (siehe t-online). Doch im September ist Geld in Massen da – für die Errichtung von IS-Außenstellen auf deutschem Boden.

Mmmh … das war jetzt frech. Aber manchmal muss man übertreiben, um das Absurde herausarbeiten zu können. Wird ja noch absurder – wenn die Türkei mit ins Spiel kommt, deren Außenpolitik seit einigen Jahren als „neo-osmanisch“ beschrieben wird … da heißt als Versuch, eine bis weit nach Europa und Arabien hineinreichende Einflusssphäre zu schaffen (siehe Welt). Das überrascht Sie jetzt, weil die Informationen meist in den hinteren Rängen landen – doch die seriöse Zeit spricht nicht umsonst von „Erdogan dem Eroberer“ (siehe Zeit):

„So funktioniert der Neo-Osmanismus im Wahlkampf: Wer nicht AKP wählt, versündigt sich an den großen Sultanen, gefährdet den bis heute andauernden, großen türkischen Eroberungszug.“

Es werden Szenen beschrieben, die an das Deutschland der zwanziger und dreissiger Jahr erinnern:

„Sei ein Eroberer! Wir sind bereit, die Soldaten des Präsidenten zu sein.“

„Sie haben damals gesagt, Mehmed II. könne Konstantinopel niemals erobern, aber er hat es geschafft. Heute sagen sie, die Türkei könne niemals eine Weltmacht sein. Wir werden ihnen unsere Geschichte schon noch beibringen, seid ihr dabei?“ Die Menge jubelt. „Wir wollen unsere Flagge überallhin auf der ganzen Welt bringen, seid ihr dabei?“

Stellen Sie sich bitte mal einen Moment lang vor, dies würde in Deutschland (oder in Russland) geschehen. Also: wieder geschehen. Könnten Sie sich vorstellen, was die ausländische Presse mit uns (oder Putin) machen würde? Wussten Sie noch gar nicht, dass die Türkei Weltmacht werden will – mit Einflussgebieten, die von Tunesien bis nach Kroatien reichen? Wird auch nicht so oft erwähnt, der einzige westliche Politiker, der bei entsprechenden Veranstaltungen – wo „Tacheles“ gesprochen wurde – zu Gast war, war Gerhard Schröder, der Hartz-Gott der SPD.

Die Türkei spielt auch eine wichtige Rolle bei der Versorgung des IS mit Geld – ohne ihre Hilfe könnten die ihr Öl nicht verkaufen (siehe Spiegel). Im „Kampf“ gegen die IS bombadiert die Türkei gerne die Stellungen der IS-Gegner im Ausland und tötet hunderte Kurden durch Bomben im Irak (siehe Tagesschau). Ach ja – Erdogan, der Eroberer: seltsam, dass auch bei ihm keiner weiß, woher der ehemlige Buchhalter einer Wurstfabrik eigentlich sein ganze Geld hat (siehe Wiwo). Über Fremdfinanzierung darf aber hier nicht spekuliert werden.

Im Juli letzten Jahres wetterte Erdogan noch so sehr gegen Israel, dass die für ihre Bürger eine Reisewarnung aussprachen – es gibt wieder ein Land in der Nato, in dem es gefährlich ist, als Jude zu reisen (siehe Zeit), im Juli diesen Jahres will er überraschend eine „IS-freie“ Zone schaffen – in Zusammenarbeit mit den USA. Doch was erfährt man nebenbei (siehe Spiegel):

„Es geht um den letzten porösen Grenzabschnitt, durch den der IS – von der Türkei geduldet – Kämpfer und Nachschub aufs syrische Territorium schleusen konnte.“

Kämpfer der IS – von der Türkei aus direkt nach Syrien. Oder nach Europa, um dort das neue osmanische Reich vorzubereiten? Die Türkei hat die meisten Flüchtlinge aufgenommen – und geht mit ihnen noch viel freundlicher um als die Deutschen (siehe Spiegel). Andererseits … erreichen uns auch gruselige Nachrichten aus der Türkei über einen heiligen Propheten, der Lebensraum im Westen will (siehe Nachrichtenspiegel).

Kämpfer der IS in Deutschland – das macht Angst. Soll es auch. Dort hat sich – so unglaublich das im 21. Jahrhundert auch klingt – eine bestialische Verbrecherbande ein Reich erobert, Räuberbarone der übelsten Art, die ebenfalls – unter dem Feigenmäntelchen des Islam – nach einem Großreich streben. Vor denen hat unsere Kanzlerin uns zu schützen. Unsere fragile Infrastruktur wäre einem Angriff von 4000 zu allem bereiten Kämpfern nicht gewachsen. So könnten man aber – wenn ich mal kurz herumspinnen darf – einen wichtigen Konkurrenten global agierender Konzerne sehr in Bedrängnis bringen und das Gesicht eines Landes sehr verändern … so sehr, dass es gar nicht mehr lustig ist.

Eine Million junger Männer kommen auf uns zu … und es sollen noch viel mehr werden. Das klassische Einwanderungsland USA nimmt 400 von ihnen auf.

Nun – ich hoffe, ich habe die richtigen Worte gefunden, um zum Ausdruck zu bringen, dass wir unter allen Umständen die Etablierung des IS in Deutschland (und dem Rest der Welt) vermeiden müssen – die Folgen wären katastrophal. Ich fürchte nur: wer davor warnt, wird Staatsfeind Nr. 1, weil Merkel sonst das Land verläßt.

Es sei denn natürlich … die Berichte der Medien über die Brutalität des IS waren nur ein Gag, um anderen Regierungsdirektiven zu entprechen. Dann wären meine Sorgen unbegründet … also jedenfalls die über diese seltsamen Räuberbanden.

Eine Anmerkung vom Kommentar(mit)moderator:

Es geht wieder los…
Ausländerfeindliche Hetze, Pegida-Sprüche und rechtsradikale Parolen landen sofort im Papierkorb. Spart euch die Mühe sowas zu schreiben (sollte hier eigentlich selbstverständlich sein) und uns die Mühe, es zu löschen.

Werner (Regenbogenbieger)

Eine Anmerkung vom Autor: GENAU! So falsch kann man das Anliegen meiner Worte wohl nicht verstehen – aber man sollte immer dran denken: „Generation Doof“ macht gerade Politik. Da wird alles denkbar.

 

 

60 Millionen Menschen sind auf der Flucht – Jasinna

2 Sunden, die sich lohnen:

60 Millionen Menschen sollen aktuell auf der Flucht sein und nicht wenige davon wollen nach Europa, respektive nach Deutschland.

Zu diesem Thema gibt es grob umfasst 3 Meinungen :

1. grundsätzlich JEDEN reinlassen
2. ausschließlich Kriegsflüchtlinge reinlassen.
3. gar keine Flüchtlinge mehr nach Europa lassen

…. und um diese Fragen geht`s in diesem Video.

Dieses Vid entstand über einen Zeitraum von drei Monaten, während dieser ich immer mal wieder was dran gemacht hatte, deshalb wohl is es auch so mega lang geworden.

Das Video hat ganz explizit nicht den Anspruch „politisch korrekt“ oder jederzeit emotional-distanziert zu sein, dennoch natürlich bemühe ich mich (in der Sache) objektiv zu bleiben.

Leider ist auf mein Video-Schrott-Programm Verlass (habe noch kein neues, hatte noch keine Zeit mich damit zu befassen) und so hat sich die Tonspur auch dieses Mal wieder zuverlässig ab spätestens der Mitte des Vids verzogen.

 

 

P.S.
die von bzw. auf youtube gelöschten Videos findet man hier:
https://vimeo.com/jasinna

Eilmeldung: Wirtschaft auf Kriegskurs – wie 1933

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Mittwoch, 26.8.2015. Eifel. Ja, ich weiß: eine knackige Überschrift gehört dazu. So eine wie die hier. Und glauben Sie mir: diese wird Sie nicht enttäuschen, sondern Sie mit Informationen versorgen, die Sie hoffentlich sehr nachdenklich machen werden, so wie sie mich nachdenklich gemacht haben. Wie immer gehört dazu eine etwas längere Vorrede, da es – um den Wahrheitsgehalt der Überschrift zu beweisen – notwendig ist, den Rahmen gewisser Informationen etwas zu verrücken, bzw. einer Reihe von öffentlichen Informationen einen anderen Rahmen zu geben. Die Informationen entnehme ich – wie üblich – hauptsächlich den „Qualitätsmedien“ – die ich selbst gerne mal „Oberschichtsmedien“ nenne, weil sie in erster Linie die Meinung der Geldgeber vertreten und erst im Nachgang der Wahrheit verpflichtet sind. Holen wir also erstmal ein wenig aus – mit der „Titanic“.

Ich hoffe, Sie kennen die „Titanic“? Nein, nicht die brilliante Satirezeitung, sondern das Schiff. Unsinkbares Produkt einer unbesiegbaren, perfekten Wirtschaft und unüberwindbaren, allmächtigen Technologie, die auch heute noch unser Denken, unseren Alltag und unsere Werte bestimmen. Ist gesunken – was viel über die Versprechen unserer „Leistungselite“ aussagt. Nun – vielleicht haben Sie ja auch den Film gesehen, das reicht völlig, denn dort lernen Sie den den wichtigen Leitspruch der Seefahrt in Krisenzeiten kennen: „Frauen und Kinder zuerst!“. Jedenfalls – zuerst in die Rettungsboote, weil das Überleben von Frauen und Kindern der Menschheit schon immer am Wichtigsten war: sie bedeuten Zukunft, sie stehen für das Überleben der Kultur, der Gesellschaft, der ganzen Menschheit.

Frauen und Kinder galten schon immer als besonders schützenswert – umso mehr verdutzt es, dass die aktuelle Flüchtlingswelle hauptsächlich aus Männern besteht – bis zu 77 %, berichtet die Süddeutsche Zeitung (siehe Süddeutsche), die auch gleich viele vernünftige, wirtschaftliche Gründe nennt, warum die kräftigen, jungen Männer auf die gefahrvolle Reise geschickt werden: sie haben die höchste Überlebenschance. Das galt übrigens auch zu Zeiten der „Titanic“ – auch hier hätte man die jungen Männer als kräftige Ruderer gut in den Rettungsbooten gebrauchen können, doch galten hier noch andere Grundsätze.

Brutal äußerst sich hierzu das Lifestylemagazin „Vice“ (siehe Vice): Alte, Frauen und Kinder überleben den gefährlichen Fluchtweg wohl nicht. Für Christen sieht es auch schlecht aus, die werden von ihren muslimischen Kameraden gerne mal brutal entsorgt, damit das Boot leichter wird (siehe Zeit). Ich weiß: darüber dürfen wir nicht so reden, weil die Angelegenheit für den deutschen Wohlstandsbürger sonst zu kompliziert wird und ihn in seinem Wohlfühlen stört – aber Fakt ist: da kommen nicht nur Engel ´rüber – und einige kommen sogar auf Befehl des bestialisch auftretenden „Islamischen Staates“ (wir berichteten).

Es liegt mir auch fern, nun Wasser auf die Mühlen von altrechten Junggermanen zu schütten – mir geht es vor allem um die Frauen und Kinder. Es ist gar keine Frage, dass wir Flüchtlinge aus dem Irak, aus Syrien, aus Libyen und Afghanistan aufnehmen, immerhin war es „der Westen“ – zu dem wir uns stolz und mit Überzeugung bekennen – der ihre Staaten in den Boden gebombt hat. Gesetz und Menschlichkeit gebieten diese Aufnahme – ich bin allerdings verblüfft, dass in diesem Zusammenhang noch nie das Wort „Sozialromantik“ von entsprechender Seite gefallen ist, jenes Wort, dass oft fällt, wenn es darum geht Not in Deutschland und Europa selbst zu lindern. Wir – als „der Westen“ – haben die direkte Verantwortung für die Taten und Toten in jenen Ländern, wir haben auch die direkte Verantwortung für die Zusammenrottung jener dort grassierenden kriminellen Banden, die in funktionierenden Staaten nie hätten gebildet werden können. Ich nenne diese Banden auch nicht „islamistisch“, weil ich nicht erkennen kann, in wie fern sie das Recht haben, sich auf diese Religion zu berufen – ich kann nur erkennen, dass sie ihre Symbole für ihre brutalen Raubzüge missbrauchen.

Ich frage mich auch gelegentlich, warum es in Deutschland unter den vielen Helfern nicht langsam eine Front gibt, die das tut, was wirklich notwendig ist: die „Traumschiffe“ von gelangweilten Wohlstandsbürgern befreien und vor den Küsten Libyens, Syriens und des Irak als schwimmende Aslybüros zu verankern, um die Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer drastisch zu reduzieren – und vor allem Frauen und Kindern eine Chance zu geben, die vom „Westen“ verheerten Gebiete verlassen zu können anstatt dort zwischen Bomben und Granaten ausharren zu müssen, bis die jungen Männer Carepakete schicken können – an Menschen, die dann womöglich schon gar nicht mehr leben. Ebenso gehören die Botschaften geöffnet, um schnell jene aufzunehmen, die unsere Hilfe am Dringendsten brauchen: die Alten und die Kleinen samt ihren Müttern. Doch das geschieht nicht, wird noch nicht mal angedacht.

Warum?

Hier brauchen wir nicht zu spekulieren, Johannes Pennekamp vom Wirtschaftsteil der FAZ klärt uns in wenigen Worten darüber auf, warum das nicht geschieht (siehe FAZ):

„Deutschland braucht Arbeitskräfte aus dem Ausland. Wenn Flüchtlinge schnell und ohne große bürokratische Hürden in den Arbeitsmarkt integriert werden, ist das gut für alle.“

Wir wollen keine Alten, keine Kranken, keine Kinder, keine traumatisierten Frauen – wir wollen Arbeitskräfte. Ist uns ganz lieb, wenn das ganze Gesochse den Weg nicht übersteht, wie machen unsere eigenen „Flüchtlingsspiele“: wer das Mittelmeer überlebt, wer sich im harten Kampf mit der Umwelt als überlegen gezeigt hat, hat sich einen Platz bei uns verdient. Wer verreckt, hat verloren. Brutal und gemein, oder? Da schaut nur keiner richtig hin, wir denken nur noch schwarz-weiß, was anderes lassen die Oberschichtsmedien gar nicht mehr zu: „Bist Du für Flüchtlinge oder dagegen?“ – das ist alles, wozu der demokratische Diskurs im Jahre 2015 noch fähig ist … und demokratisch ist diese Frage, die von beiden Seiten („guten“ wie „bösen“) genau so formuliert wird, überhaupt nicht.

Doch nicht nur der junge Herr Pennekamp ist für die Flüchtlinge.

Ebenfalls „für Flüchtlinge“ ist der Chef des Evonik-Konzerns (siehe Spiegel):

„Fachkräftemangel:Konzernboss will abgelehnte Asylbewerber in Deutschland halten“

Evonik? Ja, das ist dieser Konzern (siehe Handelsblatt):

„Der Einbruch in der Chemie trifft das nächste Unternehmen. Evonik will ab 2017 bis zu einer Viertel Milliarde Euro im Jahr sparen. Viele Stellen sollen gestrichen werden – von bis zu 1000 Betroffenen ist die Rede.“

Was will der Konzernboss eigentlich mit 500000 jungen Männern (oder mehreren Millionen, denn der Flüchtlingsstrom wird die nächsten Jahre nicht abreißen), wenn er noch nicht mal Platz für 1000 Eingeborene hat? Nun – die einfache Antwort wäre: Lohnkosten drücken, Gewerkschaften schwächen, brave Gefolgsleute importieren, die für die „richtigen“ Menschen stimmen – so hat das die CDU mal mit den „Russlanddeutschen“ gemacht. Jener „Boss“ hat ja auch eine sehr eigene Meinung zur Demokratie, die er als Vorsitzender des Kuratoriums der „Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik“ gern kundtut – hier in der Broschüre „Mehr Argumente wagen:

„Besonders in den Industrie-, aber auch in den Schwellenländern ist das Wachstum seit 2009 deutlich zurückgegangen, in Einzelfällen sogar auf null. Eine Hauptursache ist die Tatsache, dass es demokratisch gewählten Regierungen nur noch selten gelingt, die Schuldenproblematik in den Griff zu bekommen und zugleich saubere ornungspolitische Bedingungen für Wachstum zu schaffen.“

Er weiß auch, was dagegen zu tun ist:

„Doch gerade dann, wenn es darum geht, die Expertise aus der Wirtschaft in die politische Arbeit einzubringen, brauchen wir dringend mehr erfahrene Unternehmer in den Parlamenten. Das gilt regional und national – und erst recht auf europäischer Ebene.“

Er sagt „Unternehmer“ … meint jedoch Verwaltungsfunktionäre. Echte „Unternehmer“ gibt es kaum noch in Deutschland, erst recht nicht in großen Konzernen wie Evonik. Die haben auch keine Zeit für Politik, die müssen ein Unternehmen führen. Das zu einer Demokratie gehört, dass wir mehr Altenpfleger, Müllwerker und Putzfrauen, Rentner, Niedriglöhner und Arbeitslose im Parlament bräuchten, kommt ihm gar nicht mehr in den Sinn.

Wenn diese „Unternehmer“ sich die Mitarbeit einer Million junger Männer sichern, die sie in ihren eigenen Konzernen gar nicht brauchen, darf man doch mal fragen: warum eigentlich? Was wissen die, was wir nicht wissen?

Vielleicht geben folgende Überlegungen Aufschluss darüber.

Am 8.10.2013 gab es einen Expertenlunch im BAPP. Russel Mead erläuterte den Anwesenden die zukünftige Außenpolitik der USA, die vor allem im Nahen und Mittleren Osten einen Schwerpunkt setzt (siehe BAPP), man sieht: hier verfügt man über ein ganz anderes Wissen als der Normalbürger- und weiß vielleicht auch, warum man sich eilig dransetzen muss, die losgetretende Flüchtlingswelle – nach erfolgreicher Selektion der Schwachen – in Europa zu empfangen.

Wer mehr Hintergründe will … muss jedoch weiter in die Vergangenheit gehen, in das Jahr 1933, August, um genau zu sein. Ja, ich weiß: hier wird es jetzt haarig, weil wir unsere „Dritte-Reich-Parolen“ auswendig lernen mussten: „Hitler kam 1933 mit zehn Millionen SS-Nazi-Zombies auf die Erde, überfiel Deutschland, unterdrückte es rücksichtslos, bis die Aliierten ihn vertrieben und seine außerirdische Gefolgschaft sich in Luft auflöste“ – so – oder wenigstens so ähnlich – kommt es einem vor, wenn man das Tabu der Moderne bedenkt, alle filigranen Hintergründe der Machtergreifung und der Kriegsvorbereitung genauer zu betrachten. Warum das Tabu besteht, ist recht klar: man findet neue Täter, die auch heute wieder an den Hebeln der Macht sitzen.

Was geschah im August 1933?

Führende deutsche Konzerne (Krupp, Siemens, Georgmarienhütte, Rheinmetall -nach wie vor große „Player“ in Deutschand) gründeten die MEFO, deren Wechsel (siehe Mefo-Wechsel) die Aufrüstung finanzierten – und zwar schon im August 1933.

„Die Mefo-Wechsel waren das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen den wirtschaftlichen Oberherren und dem finsteren Rittertum, zwischen den höchsten deutschen Dynastien und den Nazis“ – jenen Nazis, die einen Krieg versprachen, einem Krieg, aus dem alle Gewinn ziehen wollten (siehe: Preparata,“Wer Hitler mächtig machte“, Perseusverlag, 3. Auflage, September 2012, Seite 299).

Und wie wollte man die Schulden zurückzahlen? Wie sollte der Gewinn erwirtschaftet werden? Hitler selbst gab nach Kriegseintritt einen Einblick in die Versprechungen an die deutsche Wirtschaft:

„Die Rückzahlung der Schulden stellt (…) kein Problem dar. Erstens stellen die Territorien, die wir mit Waffengewalt erobert haben, einen Zuwachs an nationalem Reichtum dar, der die Kriegskosten bei weitem übersteigt; zweitens erbringt die Integration von zwanzig Millionen Ausländern zu billigen Löhnen in das deutsche Industriesystem eine Ersparnis, die wiederum die vom Staat eingegangenen Schulden bei weitem übertrifft“ (siehe Preparata, a.a.O. Seite 299-300).

Das sollte man den altrechten Junggermanen mal zum Auswendiglernen mit auf den Weg geben: Hitler wollte mehr Flüchtlinge in die deutsche Wirtschaft integrieren als jeder deutsche Politiker zuvor oder danach. Jene 20 Millionen hat er auch erreicht – ohne das Nazis oder Junggermanen mit „Ausländer-raus“-Parolen reagierten. Nun – die waren auch alle an der Front. Mit welcher Front müssen wir nun eigentlich rechnen, die einen Import von Millionen junger Männer zu billigen Löhnen in den deutschen Wirtschaftsraum nötig macht? Wer will alles an einem neuen Krieg gewinnen, wer hat Vorteile dadurch?

Nun – viele, die auch heute noch ungenannt bleiben wollen, weshalb Preparata nach Veröffentlichung seines wissenschaftlichen Werkes keine Professur mehr in den USA bekam und nach Kanada ausweichen musste. Widmen wir uns noch einmal einem der Zitate, die er so fleißig gesammelt hat, diesmal vom Auslandskorrespondenten des Manchester Guardian, der 1934 bestätigte:

„Hitler standen umfangreiche Geldmittel zur Verfügung, die nicht nur aus deutschen Quellen stammten. Er bekam von gewissen kapitalistischen Interessengruppen im Ausland Geld, die von seiner Feindschaft gegen Russland oder seiner Politik, welche die Nachfrage nach Waffen verstärkte, angezogen wurden. (…). Die internationale Hochfinanz schien dem Naziregime nicht ungewogen zu sein.“ (siehe Preparata, a.a.O., Seite 267).

Nun – der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass diese Gruppen auch antisemitisch waren – es verwundert deshalb nicht, dass man nach 1945 die Überlebenden des Holocaust in einen neuen Dauerkonfliktherd namens Israel exportiert hat. Was gegen Juden geht, ist nach wie vor gesellschaftsfähig – doch wir wollen ja nicht abschweifen.

Können Sie sich denken, von welchem neuen Krieg sich „kapitalistische Interessengruppen“ derzeit am meisten versprechen? Schauen Sie mal nach Berlin, der Milliardär Poroschenko erklärt dort gerade allen Anwesenden, wer – wie 1933 – mal wieder der Feind zu sein hat: Russland (siehe Spiegel), diesmal jedoch unter demokratisch gewählter Führung (was gerne übersehen wird, aber auch allen egal ist) – aber immer noch mit viel Land, vielen billigen Arbeitskräften und vielen Rohstoffen. Gäbe es einen Krieg mit Russland – ja, dann könnten wir viele Millionen „Fremdarbeiter“ in den Fabriken gebrauchen (aber keine „minderwertigen“ Flüchtlinge wie Alte, Kranke, Frauen und Kinder – die können wir ja schon bei den Einheimischen kaum tolerieren), weil wir ja auch mal wieder viele Millionen Eingeborene an den Fronten verheizen wollen. Ist ja auch nicht wirklich schlimm, so ein Krieg – auch nicht, wenn er nuklear geführt wird … oder was meinen Sie, was hinter der Kampagne steckt, die aktuell Hiroshima und Nagasaki als wieder blühende Städte präsentiert (siehe u.a. Yahoo.de)?

Ist es wirklich nur Gier, die Grund zum Krieg gibt?

Blicken wir doch einfach mal – auf der Suche nach einer Antwort – in eins der führenden deutschen Politikmedien, den „Spiegel“, wo uns die hoch geschätzte Sybille Berg die Welt erklärt (siehe Spiegel):

„Atomkraftwerke, Waffendeals, Umweltverschmutzung: Die herrschende Klasse riecht ihren nahenden Untergang – und will noch rasch möglichst viel Unheil anrichten.“

Die herrschende Klasse bzw. ihre Wirtschaftsordnung braucht dringend frischen Wind, sie verliert das Spiel und muss mal wieder die Figuren auf dem Feld durcheinander bringen – der Kapitalismus hat sein Ende erreicht (siehe Spiegel):

„Leider scheint dieses Modell nicht mehr zu funktionieren: Die Unternehmen investieren immer weniger in neue Anlagen und Produkte. Stattdessen schütten sie große Teile ihrer Gewinne an die Aktionäre aus. Wohlstandszuwächse für die große Mehrheit der Bürger gibt es kaum noch. Die große kapitalistische Umwälzpumpe läuft leer.“

25 Prozent Verlust hat der DAX seit April erleiden müssen (siehe Spiegel), selbst „Experten“ mit äußerst positiven Erwartungen machen mit seltsamen Aussagen auf sich aufmerksam (siehe Spiegel):

„Der Absturz an den Märkten beruht nicht auf fundamentalen ökonomischen Veränderungen, sondern auf dem Zusammenbruch des normalen Marktmechanismus“

Das es da jemanden gab, der den Startschuss zur aktuellen Entwicklung gab, wird gerne übersehen – selbst wenn das mal eine Schlagzeile wert war (siehe Spiegel)

„Weltwirtschaft in der Krise: Investoren ziehen eine Billion Dollar aus Schwellenländern ab“

Und da soll es keinen Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der chinesischen Börse geben … wo eine ganze Weltwirtschaft aufgrund des Verhaltens einiger weniger Investoren in eine Krise gerät?

Nun – erklären kann ich mir das kaum – außer, dass die Wirtschaft wieder auf Kriegskurs geht, weil das Wirtschaftssystem, das seine „Leistungselite“ so generös bereicherte, in den letzten Zügen liegt. Bevor nun der Neomarxismus sich ausbreitet – wie das britische Militär in einer Studie als große Gefahr erkannte (wir berichteten) – gilt es, mal wieder alles abzuräumen, umzustürzen und zu „reformieren“: so läßt sich der Unmut der Menschen in den Ländern am Besten kontrollieren und in für die Geldelite ungefährliche Bahnen lenken.

Nun – verwirrt genug? Passiert heutzutage schon mal, wenn man versucht, Antworten auf Fragen zu finden, die sonst keiner mehr stellt.

Kurz gesagt: die Hochfinanz braucht zur Rettung ihrer Pfründe eine neue Welt – und die schafft sie sich … wie üblich … mal wieder durch einen neuen vernichtenden Krieg, vor dem Egon Bahr schon 2013 gewarnt hatte (siehe Rhein-Neckar-Zeitung).

Wollte damals nur keiner hören.

PS: für die hoffentlich nicht mitlesenden altrechten Junggermanen noch eine Erläuterung: die „Hochfinanz“ ist nur zu einem geringen Teil jüdisch, aber – wie man bei Preparata nachlesen kann – mit Judenwitzen sehr zu erfreuen. Die sind halt wie alle anderen auch.

PS 2: für die Junglinken – der Boss von Evonik ist nicht persönlich für die geschilderte Entwicklung verantwortlich, noch wüßte ich, dass er persönlich Krieg im Sinn hat. Er sollte aber mal erkären, wie er die Million Flüchtlinge unterbringen will, wo er doch selbst – trotz all´ seiner Macht – für tausend Leute keinen Platz hat.

 

 

 

 

 

 

PrimeTime – “Syrische Flüchtlinge im Libanon” mit Frank Hartmann am 19.12.13 um 20:00

Wer mehr Informationen braucht, um eine Spende für die Flüchtlinge im Libanon zu Überweisen, der kann sich am Donnerstag Abend vielleicht ein besseres Bild von der Situation dort machen.

The Radio.cc wird eine Sendung mit Frank machen, in der auch Fragen gestellt werden können:

Seit über zwei Jahren tobt der Krieg von Rebellen und Regierungstreuen in Syrien. Fast jeden Tag sehen wir es in den Nachrichten oder in der Zeitung. Flüchtlinge die aus Kriegsgebieten, nun in die umliegenden Länder ziehen. Wie geht es den Flüchtlingen dort? Was bewirken Hilfsorganisationen z.B. im Libanon?

Frank Hartmann ist vor einem Jahr in den Libanon gezogen und hat einen direkten Blick auf die Situation dort. Wie leben die Flüchtlinge dort? Wie kommen sie mit dem Winter zu recht? Was sind ihre Geschichten? Wie kann man ihnen von außerhalb helfen? Wir wollen in dieser Sendung darüber sprechen und die Fragen beantworten.

Genaueres sagt er selber in einer E-Mail:

Hallo,

wollte dich mal darüber Informieren das ich am Donnerstag ein Liveinterview bei theradio.cc gebe. also Live aus dem Camp. Es wird auch ein Dolmetscher für deutsch-arabisch dabei sein sodass die zuhörer direkt fragen an die flüchtlingestellen können. Das ganze wird dann noch auf Video aufgezeichnet und später gesendet. als podcast und youtube. Das Interview startet um 20 Uhr deutscher Zeit. Ist, so glaube ich, das erste mal das sowas gemacht wird. Die Leute dort wollen das man in deutschland mal sieht wie die leben und werden auch alle Fragen beantworten die die zuhörer stellen. Zum Beispiel was benötigt wird, was sie schon bekommen haben etc. wie es in syrien aussieht etc pp.

gruss frank
Und TAUSEND DANK an deine Leser.
=)

Der weihnachtliche Spendenaufruf

Nein, nicht für uns! Für ein Flüchtlingslager im Libanon.

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Sternbild der Hoffnung

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