Finanzkrise

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Wie wird Geld geschaffen?

Teil-Transskript über das Geldsystem (Mitschrift)

Wie wird Geld geschaffen? Jetzt werden Sie vielleicht sagen durch den Staat bzw. Zentralbanken. Nun – einerseits stimmt das, andererseits wird eine viel größere Menge an Geld durch Geschäftsbanken geschaffen. Und wie machen die das? Durch die Schaffung von Kredit. Letztere Auffassung zu sein, war in der Vergangenheit oftmals Anlass für Sport und Angriff.

Der Handelsblatt Redakteur Norbert Häring  schrieb dieser Tage:

„Im ökonomischen Wissenschaftsbetrieb stehen bis heute Geldschöpfungstheoretiker in der Nähe von Leuten, die sich Hüte aus Alufolie basteln, um sich gegen Gedanken lesende Außerirdische zu schützen.“

Da trifft es sich gut, wenn wie Norbert Häring ebenfalls berichtet, die Bank of England – mit einigen Geldmythen aufräumt. Aus einem Papier, das die sogenannte Mutter aller Zentralbanken veröffentlichte, habe ich drei wesentliche Punkte für sie übersetzt.

„Statt dass Banken Einlagen erhalten, wenn Haushalte sparen und sie dann verleihen, schafft die Drittvergabe der Banken Einlagen. Statt dass Banken Einlagen herleiten, die bei Ihnen hinterlegt sind, schafft der Akt der Kreditvergabe Einlagen – die Umkehrung der Reihenfolge, die in der Regel in Lehrbücher beschrieben wird.“

Haben Sie es halbwegs verstanden? A.) die Geldscheine, die Sie benutzen sind, im Grunde genommen nichts anderes als Schuldscheine. Geld wird geschaffen über Kredit. Kredit gleich Schulden ohne Schulden kein Geld im ganzen System. Sehr simpel, aber sehr interessant …

B.) die Schöpfung von Geld durch Geschäftsbanken ist ein Buchungsvorgang. Stellen Sie sich vor Sie sind Kunde bei einer Bank, haben ein Girokonto, gehen zu der Bank und beantragen ein Kredit über 100.000 Euro, aus irgendeinem Grund, wird Ihnen der Kredit gewährt, und dann passiert Folgendes:

„Die Bank bucht in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung von 100.000 Euro gegenüber dem Kunden ein. Gleichzeitig schreibt die Bank dem Kunden auf dessen Girokonto 100.000 Euro gut – welche in der Bankbilanz auf der Passivseite geführt werden. Die Gutschrift erhöht die Einlagen des Kunden auf dem Girokonto – es entsteht Giralgeld, das die Geldmenge erhöht.

Die Tatsache, dass Geschäftsbanken Geld schöpfen und in welchem Umfang sie das tun, ist von großer Relevanz Steve Keen einer der bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftler unserer Tage sagt beispielsweise – das eine Mangelerscheinung in Wirtschaftswissenschaften gerade darin besteht, dass Wirtschaftswissenschaftler diese Tatsache nicht in ihren Modellen mit einbauen.

“Warum?

Würden Sie zugeben, dass Banken Geld durch die Vergabe schaffen, und das Geld durch die Rückzahlung der Schulden vernichtet wird, fliegen all die einfachen Gleichgewichtsgleichnisse der konventionellen Wirtschaftswissenschaften zum Fenster raus. Insbesondere hängt das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität nun von den Kreditvergabeentscheidungen der Banken ab und von den Rückzahlungsentscheidungen der Kreditnehmer. Wenn Banken schneller herleihen oder die Kreditnehmer langsamer zurückzahlen, wird es einen Boom geben; wenn es umgekehrt ist, wird es einen Konjunktureinbruch geben.“

Ein weiterer wichtiger Punkt, wo sich die Spreu vom Weizen trennt, für welche Aufgaben und Zwecke werden diese Kredite eigentlich verwendet?

Nicht selten landen diese Kredite in Spekulationsgeschäfte. Zur Vertiefung in das Thema möchte ich Ihnen zwei Bücher empfehlen, das ist zum einen von Matthias Binswanger – „Geld aus dem Nichts“ wie Banken Wachstum ermöglichen und Finanzkrisen verursachen. Und da ist der Titel im Grunde genommen auch schon Programm. Und das andere Buch, ebenfalls über Wechselwirkung zwischen Geld, Kredit, Schulden und den Finanzmärkten – Hymann P. Minsky „Instabilität und Kapitalismus“  worin vorgestellt wird, was die sogenannte Hypothese der finanziellen Instabilität ist. Und ich denke, nach den beiden Büchern sind Sie schon viel besser aufgestellt um ein besseres Verständnis der Finanzkrise, die ja noch immer andauert und sich eventuell dadurch dagegen auch abzusichern. ~Transskript-Ende

 

Wirtschaftscrash 2014: jetzt live (und leise) im Euroland

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Dienstag, 6.10.2014. Eifel. Nun ist es heraus: die nächste Runde der Wirtschaftskrise bricht über uns herein.  Wieder einmal rücken ganz neuartige Weihnachtsgeschenke in den Bereich der Möglichkeiten: Kartoffeln, Reis, ein Päckchen Butter – Alltagliches kann ganz schnell wieder zu einem kleinen – überlebenswichtigen – Wunder werden. Zu wild gedacht?

Die Verteilung unserer von 6000 Firmen produzierten Lebensmittel hängt von 4 (in Worten VIER) großen Handelsketten ab: Aldi, Lidl, Edeka und Rewe (siehe Spiegel), im Schnitt versorgt jeder dieser Ketten 20 Millionen Menschen. Brechen diese vier weg – ist Schluss mit der Nahrungsmittelverteilung in Deutschland (außer bei Norma, will  ich hoffen – ich gehe da immer gerne hin, weil es da so schön leer ist).

Warum sollten die nun Zusammenbrechen?

Nun … die Banken haben wieder einmal Probleme. Große Probleme … man redet nur nicht so offen drüber. In der Flut der Nachrichten erfahren wir nebenbei, dass der Goldman-Sachs-Mann Mario Draghi für Billion Euro Ramschpapiere zur Entlastung der Bank kaufen wollte. Ramschpapiere? Ja – „forderungsbasierte Kreditverbriefungen“ sind der Ramsch, mit dem man uns hier herreinlegen will.

Darf ich das kurz mal erläutern?

Die schlauen Kerle der Bankenindustrie sind immer auf der Suche nach Geschäften. Dabei haben sie nicht immer ausschließlich das Wohl des Unternehmens im Auge, sondern vor allem die reichlich fließenden Boni. Darum ist es kein Wunder, dass Banker gerne 50 Milliarden Dollar an Krediten herausgeben, wenn dafür ein paar Milliarden Boni Verkaufsprovision fließen. Damit die Boni fließen, darf man nicht so genau hinschauen, wie gut eigentlich die Bonität des Kreditnehmers ist. Dann jedoch hat man ein Problem: irgendwann bricht das Kartenhaus zusammen und die Bank bleibt auf 50 Milliarden Dollar Schulden sitzen. Eine neue Idee muss her: forderungsbasierte Wertpapiere.

Man nimmt hundert Kredite (faule, ganz faule und weniger faule), bündelt sie in einem Karton zusammen und macht daraus ein Wertpapier – das man wieder gegen gute Boni verkaufen kann! Was man braucht, ist ein gutes Rating für das Papier – was aber leicht zu bekommen ist: die Mitarbeiter von Ratingagenturen sind nicht gerade die Krone der Schöpfung, sie gleichen eher Beamten im Postamt – wer versehentlich mehr drauf hat, geht an die Wallstreet (siehe M. Lewis, The Big Short, Goldman 2011, Seite 209).  Für die schlauen Banker ist es ein leichtes, die dummen Ratingleute davon zu überzeugen, dass es sich hier um erstklassige, absolut sichere Produkte handelt – die ein AAA-Rating verdienen.

Das bekamen sie dann auch – und so wanderten die Tretminen durch die Welt, bis sie in den Tresoren deutscher Banken landeten (wie ich mich erinnere, haben sich auch Stadtkämmerer daran verschluckt) – oder auch in den Tresoren von jetzt nicht mehr vorhandenen US-Banken.

Alle hatten Boni, alle waren froh – bis auf die paar Leute, die auf einmal Wertpapiere gekauft hatten, die nichts wert waren. Da war dann die Altersversicherung gleich fort – aber Hauptsache, die Banken hatten ihre „Risiken“ ausgelagert.

Das war 2008.

Nun haben wir 2014. Was haben wir aus der Krise gelernt?

Nichts.

Das Unglück ist, dass die spannendsten Geschichten im Wirtschaftsteil der Zeitungen stehen. Den liest kaum jemand aus dem großen Publikum. Dort kann man zum Beispiel lesen, dass im vergangenen August in Deutschland etwa 884 000 verschiedene Finanzderivate gehandelt wurden, aber nur zum kleinen Teil an der Börse, der Rest ging unkontrolliert über den Banktresen. Alles Wettscheine. Irre. (Hans Ulrich Jörges, „Über uns schwebt ein großer Hammer“ in Dirk C. Fleck, Die vierte Macht. Hoffmann und Campe 2012).

Wie sollen die paar US-Ratingagenturen auch 884 000 verschiedene Finanzprodukte bewerten? Schaffen die 800 am Tag, wären die trotzdem 1000 Jahre unterwegs, selbst mit Überschichten und der Bewertung von 8000 am Tag könnte man erst im Jahre 2114 das Urteil der Ratingbeamten erwarten … und bis dahin sind Millionen neuer Produkte auf dem Markt.

Dieser Entwicklung haben wir es zu verdanken, dass auch 2014 wieder Ramschpapiere in den Tresoren der europäischen Banken liegen. Wie kommen die dahin? Man wusste doch, dass man diese Pfui-Papiere nicht kauft, diesen „finanziellen Atommüll“ (siehe Handelsblatt):

Die EZB bewegt sich immer schneller auf einer abschüssigen Bahn, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Er habe erwartet, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm zunächst nur auf Papiere hoher Bonität beschränke, um erst einmal das Eis für solche Aktionen zu brechen. „Dass es dabei bleiben würde, hielt ich aber für unwahrscheinlich angesichts der Not, in der sich viele Banken Südeuropas befinden“, sagte Sinn weiter. „Sie können dem Druck der Wirtschaftsprüfer, Bilanzwahrheit herzustellen, nicht mehr allzu lange standhalten.“

„Bilanzwahrheit“ … auf deutsch: die Einsicht, das die Sicherheiten im eigenen Tresor nichts wert sind, die Schulden aber real, die Einsicht, dass man pleite ist. Auch aus Deutschland kommt Kritik an dieser Praxis (siehe Handelsblatt):

In Deutschland wächst der Widerstand gegen den Kurs von EZB-Präsident Mario Draghi. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisierte im Nachrichtenmagazin „Focus“, mit dem von Draghi angekündigten Ankauf von sogenannten „Ramschanleihen“ könnten Kreditrisiken „auf die Notenbank und damit den Steuerzahler verlagert“ werden.

Ja – genau das passiert gerade – die Kreditrisiken (also: das Risiko, dass die Kreditnehmer ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können, die Papiere also nichts wert sind und man gutes Geld zum Fenster herausgeworfen hat) wird freundlicherweise von der EZB getragen: zum Nutzen der Boni ganzer Etagen in den großen Bankhäusern. Erwähnte ich schon, dass Draghi früher Goldman-Sachs-Mann war? Darf ich fragen, wo der landet, wenn seine Dienstzeit beendet ist?

Nun – angeblich rudert Draghi jetzt etwas zurück – doch schaut man genauer hin, hört man Erstaunliches (siehe Manager-Magazin):

Die Papiere sollten als zweitbeste Note einer Ratingagentur mindestens „BBB-“ tragen. Ausnahmen gälten für Griechenland und Zypern, weil ABS aus diesen Ländern sonst kaum infrage kämen.

Also kaufen wir Griechenland und Zypern jeden Ramsch ab, damit das europäische Bankensystem nicht zusammenbricht. Keiner fragt, woher diese Ramschpapier eigentlich kommen – aber manche sehen schon schwere Zeiten auf uns zukommen. Was Draghi nicht ganz so deutlich sagt: die Staaten haben gerne Inflation – und zwar auch gerne viel. Der Bürger mag Deflation – endlich wird sein Geld auch mal von ganz allein mehr wert sein, wie es die Banker den Reichen tagtäglich möglich machen – aber der Staat mag die Inflation, je mehr, umso besser: die Staatschulden schmelzen dann wie Schnee in der Sonne.

Nun – ich versprach einen Wirtschaftscrash 2014, live und im Euroland. Dazu müssen wir jetzt ein wenig weiter schauen – alles gut dokumentiert durch die deutschen Leitmedien. Wir behalten in Erinnerung: Grundlage der Wertpapierpyramide ist der Kredit vor Ort: der Konsumentenkredit. Ja – das berichtete der Spiegel (siehe Spiegel):

Mitte Oktober, so kündigte Draghi an, wolle die EZB damit beginnen, den Banken der Eurozone Kredite abzukaufen – zunächst in Form von Pfandbriefen, die zum Beispiel mit Immobilien besichert sind, danach auch in Form von verbrieften Unternehmens- oder Verbraucherkrediten, sogenannten Asset Backed Securities (ABS).

Das ist ihr auf Pump gekaufter Fernseher, ihre auf Pump gekaufte Wohnung – und Kredite, die sich Unternehmen angesichts der guten Ertragslage gegönnt haben. Ach ja – am 15.6.2014 gab der oben erwähnte Jens Weidmann dem Focus ein Interview (siehe Focus):

„In einigen Ländern – auch in Deutschland – sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase – und dann sollen wir als Eurosystem niederländische Immobilienkredite kaufen?“, so der Bundesbankpräsident.

Ja – die Niederlänger hatten schon ihre Immobilienblase – dort wird niemand mehr seine überteuerten Häuser los. Und JA: die aus diesen Krediten gebastelten Finanzprodukte will der Draghi jetzt den Banken abkaufen und somit die Verluste sozialisieren, um unter anderem die Staatsschulden der Euroländer durch Inflation weg zu bekommen.

Und jetzt passiert Folgendes (siehe Spiegel):

Die Nachricht klingt dramatisch – und vielleicht ist sie es auch: Um 5,7 Prozent sind die Aufträge der deutschen Industrie im August weggebrochen. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009. Damals musste Deutschland gerade die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise verkraften. Die Wirtschaftsleistung stürzte im Gesamtjahr um rund fünf Prozent ab.

Im Januar 2009 hatte die deutsche Wirtschaft den Crash von 2008 verarbeiten müssen … und jetzt verarbeitet sie gerade den Crash von 2014. Während der Spiegel noch von steigendem Privatkonsum spricht, findet man im Handelsblatt angemessenere Darstellungen (siehe Handelsblatt):

„Nach dem guten Juli kommt im August das bittere Erwachen. Die konjunkturelle Dynamik in Deutschland ist zum Erliegen gekommen. Über die Exportseite werden wir in den kommenden Monaten eine Belastung spüren. Die gesamte Stimmung dürfte sich weiter eintrüben, die private Konsumlaune lässt auch nach. Im dritten Quartal könnte die Wirtschaft erneut leicht geschrumpft sein“, sagt Ulrike Karstens von Sal. Oppenheim. Die gesamte Stimmung dürfte sich weiter eintrüben, die private Konsumlaune lasse auch nach. Im dritten Quartal könnte die Wirtschaft erneut leicht geschrumpft sein.

Wird die Produktion zurückgefahren, gibt es weniger zu verdienen, gibt es weniger zu verdienen, kann man weniger kaufen, der Umsatz geht zurück, Läden müssen schließen, noch mehr Menschen fallen in die Arbeitslosigkeit, können ihre Kredite nicht mehr bedienen … und der ganz große Knall kommt, weil die Banken schon jetzt arg an den Grenzen sind – dank FORTLAUFENDER Geschäfte mit Ramschpapieren, die es nach den Erfahrungen von 2008 gar nicht mehr geben dürfte.

Irre, oder?

Was sagte die Politik dazu – vor drei Wochen (siehe Format):

„Zur Panik oder zur Depression ist kein Anlass“, betonte Schäuble aber. „Die wirtschaftliche Entwicklung ist laut den neusten Zahlen in Deutschland robust.“

Zudem befindet sich der Euro fast im freien Fall:

Noch vor wenigen Wochen habe die Währung bei rund 1,39 Dollar notiert, nun liege sie knapp unter 1,30 Dollar.

Heute liegt er bei 1,26 Dollar … und mit diesem immer wertloserem Geld kaufen wir jene Waren, die unsere Industrie braucht.

Verstehen sie nun, warum die Jugend Europas (und die Jugend der Welt) der Investorenlegende Marc Faber leid tut (siehe Handelsblatt)?

Und nicht nur die Jugend kann einem leid tun – die sich weiter ausbreitende Arbeitslosigkeit der Zukunft verführt wieder mal österreichische Politikaspiranten zu Phantasien des Größenwahn (siehe indexexpurgatorius):

“Warum braucht ein Alleinstehender eine Zweizimmerwohnung, die von der BH (Bezirkshauptmannschaft, Anm.) gestellt wird? Warum braucht ein Mindestsicherungsempfänger ein Handy, einen Fernseher oder einen Laptop?”, fragt der Abgeordnete. Seiner Meinung nach hätte etwa das Wiederbeleben von Armenhäusern Sinn

Da wird schon weit in die Zukunft gedacht – und dann werden wir merken, warum die Wirtschaftsteile der Zeitungen so wichtig gewesen wären.

Die Banken haben die  Tresore wieder voller Ramschpapiere, die Wirtschaft reagiert wie 2009, die Armen werden wieder gejagt und zu Sündenböcken gemacht: die Krise ist mit voller Wucht zurück.

Aber diesmal reden wir nur gang ganz leise darüber, denn DEUTSCHLAND GEHT ES GUT (Tagesbefehl A. Merkel).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geopolitik

Wenn die EU uns demnächst (und jetzt ja auch schon) in den Abgrund reißt, interessiert es niemanden weil wir Europäer zu träge sind. Schade eigentlich, das wir Südeuropa allein lassen und einfach so weiter machen wie bisher. Ölkrise? Finanzkrise? ESM? Vertrag von Lissabon?

Wasserprivatisierung? Monsanto? Fukushima? u.v.m. interessiert niemanden.

Den eigenen Konsum überdenken? Etwas ändern? Nein – nicht der Deutsche.

Dafür geht es dem Michel zu gut. NOCH!!

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Planspiele für den Währungskrieg – ein Buchtip

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Wenn Sie noch nicht wissen, was Sie Ihrem politikverdrossenen Partner zu Weihnachten schenken sollen, dann habe ich einen hübschen Buchtipp für Sie:
„Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen EURO, Dollar und Yuan“ von James Rickards als e-book bzw. „Währungskrieg: Der Kampf um die monetäre Weltherrschaft“ als gebundene Ausgabe.

waehrungskrieg_rickards

 

Ich beziehe mich mit diesem Aufsatz auf die Kindle-Ausgabe. Die wörtlichen Zitate sind als solche kenntlich gemacht. Auf geht es also zur Darstellung eines Planspiels im Pentagon, an dem James Rickards, der Autor, beteiligt war und das er in seinem Buch beschreibt!

Faszinierend daran ist, wie eine solche Veranstaltung abläuft. Diesmal geht es nicht um den Einsatz von Massenvernichtungswaffen oder um Aufstände in anderen Weltgegenden, sondern um das „geistige“ Spiel mit dem Florett der Intelligenz. Man versucht, Entwicklungen im voraus zu erkennen und Antworten auf die Probleme zu entwickeln, bevor sie aktuell werden.

Mich erstaunte das Beharrungsvermögen der anwesenden „Spielteilnehmer“ mit dem sie unangenehmen Problemstellungen auswichen. Und das in einem Thinktank beim Brainstorming! – Richards wollte offensichtlich in seiner Rolle als Mann der Wirtschaft durch sein Verhalten als des Teufels Advokat (advocatus diaboli) mehr Beweglichkeit in das Denken bringen.

Aus diesem Kriegsspiel werde ich jetzt mit etlichen Zitaten aufzeigen, was so in diesen „diskreten Zirkeln der Macht“ durchdacht wird. Es darf wohl vorausgesetzt werden, dass nicht nur in den Vereinigten Staaten von Amerika solche Planspiele stattfinden, sondern dass auch Russland, China, Japan ihre eigenen Militärs und Geheimdienste „spielen“ lassen. Also bitte keine Vorverurteilungen.

Aus dem Geleitwort von Daniel Eckert zur deutschen Ausgabe:

Heute ist der Währungskrieg eine anerkannte Realität, so geschickt ihn die offiziellen Stellen auch zu verbergen suchen. Die Machtzentralen der führenden Wirtschaftsblöcke USA, Europa und China manipulieren ihre Zahlungsmittel, um sich ökonomische Vorteile zu verschaffen. Ebenso wie die wichtigen Nebenakteure Japan, Großbritannien, Russland und die Schweiz nehmen sie in Kauf, dass der Wert des Geldes zerrüttet wird. In diesem riskanten Spiel ums Welt-Geld scheinen die USA die Nase vorn zu haben. Washington ist es gelungen, seine Währung abzuwerten, den anderen „Wachstum zu stehlen“ (wie Rickards es nennt), ohne Verwerfungen an den heimischen Kapitalmärkten zu provozieren.

Rickards, James (2012-06-11). Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen Euro, Dollar und Yuan (German Edition) (pp. 9-10). FinanzBuch Verlag GmbH. Kindle Edition.

Aus dem Vorwort

Am 15. August 1971, einem ruhigen Sonntagabend, trat Präsident Nixon in der beliebtesten Fernsehshow des Landes vor die Kameras, um den Amerikanern seine New Economic Policy vorzustellen. Die Regierung verhängte nationale Lohn- und Preiskontrollen, setzte einen Aufschlag auf Importe fest und hob die Dollarkonvertibilität zum Gold auf. Durch einen seit längerem schwelenden Währungskrieg, der das Vertrauen in den US-Dollar erschüttert hatte, war das Land in eine Krise gestürzt und der Präsident zu dem Schluss gekommen, dass die Lage extreme Maßnahmen erforderte.

Rickards, James (2012-06-11). Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen Euro, Dollar und Yuan (German Edition) (p. 11). FinanzBuch Verlag GmbH. Kindle Edition.

Folglich wird wieder einmal ein US-Präsident (Obama) im Fernsehen (und im Cyberspace) vor das amerikanische Volk treten und radikale Maßnahmen ankündigen, um den Dollar vor dem völligen Kollaps zu retten, und sich dabei auf eine ihm kraft seines Amtes zustehende Autorität berufen, die schon einmal von einem amerikanischen Präsidenten in Anspruch genommen worden war. Dieser neue Plan könnte sogar eine Rückkehr zum Goldstandard beinhalten.

Das Gold, das die Europäer und Japaner derzeit in New York deponiert haben, wird konfisziert und in den Dienst der New Dollar Policy gestellt werden. Natürlich werden die Europäer und Japaner für ihr abhandengekommenes Gold entsprechende Zertifikate erhalten, die sie dann zu neuen, höheren Kursen in „New Dollar“ konvertieren können.

Rickards, James (2012-06-11). Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen Euro, Dollar und Yuan (German Edition) (p. 12). FinanzBuch Verlag GmbH. Kindle Edition.

Rätselhaft für viele Beobachter ist das krasse Unvermögen der Ökonomen, die wirtschaftlichen Katastrophen der letzten Jahre vorherzusagen, geschweige denn zu verhindern.

Rickards, James (2012-06-11). Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen Euro, Dollar und Yuan (German Edition) (p. 15). FinanzBuch Verlag GmbH. Kindle Edition.

Größer als irgendeine einzelne Bedrohung aber ist die Gefahr, dass am Ende ein Zusammenbruch der amerikanischen Währung steht. Wie hochrangige Militärs und Geheimdienstler inzwischen erkannt haben, können die Vereinigten Staaten ihre einzigartige militärische Vorherrschaft nur mithilfe einer ebenso dominanten Rolle des US-Dollar aufrechterhalten. Das Ende des Dollar würde auch das Ende der nationalen Sicherheit der USA bedeuten.

Rickards, James (2012-06-11). Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen Euro, Dollar und Yuan (German Edition) (p. 16). FinanzBuch Verlag GmbH. Kindle Edition.

Hier nun folgt eine Beschreibung des APL, über das wir Europäer so gut wie nichts wissen :

Über die Waffen- und Weltraumforschung hinaus hat die Tätigkeit des Applied Physics Laboratory für das amerikanische Militär immer schon auch eine ausgeprägte intellektuelle und strategische Komponente aufgewiesen. Eine herausragende Stellung unter diesen abstrakteren Funktionen des APL nimmt das Warfare Analysis Laboratory ein, eine der US-weit führenden Einrichtungen für Planspiele und strategische Planung. Die Simulationsplaner vom APL gehören weltweit zu den Besten des Faches, aber dieses Finanzspiel erforderte zum Teil völlig neue Ansätze und nicht zuletzt ein Wall-Street-Expertenwissen, das dem typischen Physiker oder Militärplaner abgeht. Diese Lücke zu füllen, war meine Aufgabe.

Rickards, James (2012-06-11). Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen Euro, Dollar und Yuan (German Edition) (p. 21). FinanzBuch Verlag GmbH. Kindle Edition.

Eine Szene während des Planspiels muss ich allerdings noch zitieren:

Was mich betraf, hieß das nur, dass Russland klüger und härter spielen und etwas Unerwartetes tun musste, um die Vereinigten Staaten aus dem Konzept zu bringen. Als Amerikaner, der sich Sorgen machte über den ökonomischen Kurs, den unser Land steuerte, und über unsere Verwundbarkeit gegenüber Finanzattacken wollte ich, dass die Vereinigten Staaten in der Spielumgebung einen Schock oder zumindest einen herben Rückschlag erlitten.

Rickards, James (2012-06-11). Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen Euro, Dollar und Yuan (German Edition) (p. 33). FinanzBuch Verlag GmbH. Kindle Edition.

Bitte nicht vergessen: Es handelt sich im ersten Teil des Buches um den Bericht eines tatsächlich stattgefundenen Spiels. Inwiefern das dann die Wirklichkeit darstellt, wird man beim Lesen herausfinden.

Rickards brachte also den damals noch fiktiven Spielbeitrag ein, dass Russland seine Währung mit Gold decken könnte. Die beteiligten Mitspieler fanden diese Idee blödsinnig und machten sich darüber lustig. Am Morgen des nächsten Tages ging jedoch eine Meldung um die Welt, nämlich im Drudge Report: Weiter also mit dem Zitat:

Typisch für den Drudge Report, prangte in der Seitenmitte die große Porträtaufnahme einer einzelnen Person. An diesem Morgen war es Wladimir Putin. Die Schlagzeile unter dem Bild verkündete, dass Russland dazu aufrief, den Dollar als Leitwährung abzulösen und nach einer alternativen Reservewährung suchte, einer Währung, die unter Umständen durch materielle Vermögenswerte wie Gold gedeckt sein könnte. ….

Natürlich war es leicht, Putin als Chauvinist oder Schlagzeilensucher abzutun, aber ich wusste, dass man sich in Europa, China und beim IWF in der Tat schon Gedanken über Alternativen zum Dollar gemacht hatte. Putin hatte lediglich vor allen anderen das Maul aufgerissen und die Welt von Russlands Unzufriedenheit mit der dollarbasierten Hegemonie in Kenntnis gesetzt, die die Vereinigten Staaten der Welt aufgezwungen hatten…..

Rickards, James (2012-06-11). Wie Nationen mit Währungen Kriege führen: Der Kampf zwischen Euro, Dollar und Yuan (German Edition) (p. 53). FinanzBuch Verlag GmbH. Kindle Edition.

Ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen „strategisches Denken“ dieser politischen Kreise näherbringen konnte. Das Buch hat es nämlich wirklich in sich. Was sonst noch alles in solch einem Planspiel diskutiert wird, ist außerordentlich spannend. Wie ein Krimi eben.

Der Teil II ist überschrieben mit „Währungskriege“.
Hier handelt es sich um geschichtliche Wirklichkeit. Das Buch ist gut geschrieben und übersetzt. Der zweite Teil bietet einen interessanten Einblick in die Geschichte des Geldes und des Goldes.

In den Zeiten der Golddeckung ging es den Menschen besser, es gab weniger Arbeitslosigkeit, weniger Hunger, die Währungen blieben vergleichbar. (Reines Gold in 999,9 % und in Gramm messbar).

Will man wieder dahin kommen, muss man allerdings die Goldvorräte aus privaten Händen (insbesondere der Rockefellers, Rothschilds, Morgans, etc.) einsammeln. Sie sollen, wie alle anderen Mitbürger, die gleiche Startposition erhalten, denn sonst hätten sie schon wieder alle Reichtümer auf ihrer Seite, die sie zuvor durch ihre Machenschaften an sich rafften. Es hilft auch nicht, den Differenzwert zwischen altem und dem neu zu schaffenden Goldpreis mit 90 % auf den Wertzuwachs zu versteuern. Da müssen schon ausgeglichenere Spielfelder gestaltet werden. Hierüber zu spekulieren, ist jedoch noch zu früh.

Wenn Ihre Englischkenntnisse gut sind, empfehle ich die preiswertere Version:
Currency Wars: The Making of the Next Global Crisis [Kindle Edition]
für ca. 9 Euro. Sie können das entsprechende Programm für Ihr Tablett oder auch für jeden Computertyp bei Kindle kostenlos herunterladen.
Das Buch auf gepressten Bäumen gibt es hier.

Und nicht vergessen: Dies ist nur ein Kriegsspiel-Szenario!

Mit Dank an Frau Kopfstaendler für den Artikel und den Finanz Buch Verlag für die Erlaubnis, das Cover zu zeigen.

Beim Link auf Amazon, den ich dort einfügen musste, wäre ich fast in die Keramikabteilung gelaufen, meinen Mageninhalt abgeben. Leider hat Frau NaJa recht, billiger gehts nicht. Ich möchte aber darum bitten, wenn irgend Möglich, woanders zu kaufen. Und ein Kindle, der es Amazon ermöglicht, nachträglich(!) bereits gekaufte Bücher auf Ihrem(!) Gerät zu löschen, sollte in einer idealen Welt möglichst schnell als „Netter Versuch, aber unverkäuflich“ im Technikmuseum landen.
Rb.

Der finanzielle Putsch

Video-Schnipsel zum Finanzwahnsinn:

[gefunden bei Politaia]

Ein kurzer Nachrichtenüberblick – 2012.04.18

Es kann nicht immer viel sein…

 War klar, oder?

Die Finanzkrise sollte den Banken eine Lehre sein. Der Fiskus bittet die Branche seitdem zur Kasse. Eine Abgabe soll einen Rettungsfonds füllen, um ein Polster für neue Schieflagen zu bilden. Doch das Geld tröpfelt nur.

Na ja, sind dann ja nur 140 Jahre…

Fast vergessen:

Der französische Energiekonzern Total kommt nach eigenen Angaben beim Einsatz gegen das Gasleck an der havarierten Plattform “Elgin” in der Nordsee voran. Es gebe “deutliche Fortschritte”, teilte der Konzern am Samstag mit. Total will schweren Schlamm in das undichte Bohrloch pressen und außerdem Entlastungsbohrungen vorantreiben.

 Und das hier auch:

You already know that Fukushima’s fuel pool number 4 may be the single greatest threat, but that pool number 3 is very dangerous as well.

Soo viele gruselige Bilder

 Dann hoffen wir mal, daß Sarkozy auch bald vergessen wird:

Nicolas Sarkozy hat am Wochenende mit einer letzten Kraftanstrengung versucht, das Unmögliche doch noch möglich zu machen und den immer wahrscheinlicher werdenden Wahlsieg des Sozialisten François Hollande zu verhindern – ohne Erfolg.

 Die Wikipedia ist Böse™

Nun aber hat der unübersehbar geisteskranke Attentäter selbst offenbart, woher er seine Inspiration nahm: Wichtigste Quelle seiner Ideologie sei nicht Broders Schriftwerk, nicht das Blog eines nordischen Schwertmannesr und nicht Sarrazins „krude These“ (Der Spiegel) vom Untergang Deutschlands, sondern das Internet-Lexikon Wikipedia gewesen.

 Wie immer gibts hier schöne, aufgelesene und kommentierte Nachrichten. Das obligatorische Beispiel:

Bundespräsident Joachim Gauck: EU sollte mehr Macht haben
Und der Heini fordert sogar ein „uneingeschränktes Ja zu Europa“. Also im Klartext: Egal was es uns Steuerzahler kostet. Aber wenn man seine 200.000 Euro im Jahr lebenslang sicher hat, verliert man eben schnell jeglichen Kontakt zur Lebensrealität der normalen Leute.

Ach ja: Gaucks unermüdliches Freiheits-Geschwätz verträgt sich übrigens ganz hervorragend mit seinem „uneingeschränkten Ja zu Europa“, auch wenn die EU-Regierung derzeit flächendeckenden Demokratieabbau betreibt, die totale Überwachung anstrebt und auch vor dem Einsatz des Militärs nicht zurückschreckt, um die Interessen der Vermögenden durchzusetzen. Das alles ist KEIN Widerspruch. Gauck war schon immer ein Prediger der kapitalistischen Freiheit – und nicht etwa ein Prediger zugunsten der Freiheit des Pöbels.

 

 

Multimedia:

Für die gepflegten Vorurteile:
„Statt ungesunden Biokram gibts lieber frisch gekochte Pizza. Von Steinofen!“


[Ja ich weiß, Scripted Reality – aber dann wars eine beindruckende schauspielerische Leistung]

Eine Durchhaltesendung. Alles wird Gut™:

FNORD

Die Erde ist wieder eine Scheibe

Vor einem Jahr gab Steffen Kampeter (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, dem Deutschlandradio Kultur ein Interview, in dem er die neue Leitlinie europäischer Politik auf eine für die Zeit typische Parole brachte:

“Solidarität gibt’s nur im Austausch für Solidität”

Inzwischen ist diese durch und durch undemokratische und grundrechtsfeindliche Vorstellung bei Kampeter und der gesamten Bundesregierung weiter ausformuliert und mit Leben gefüllt worden. Abmachungen zwischen Regierungschefs werden bereits als national und bilateral bindend angesehen, noch bevor die zuständigen Parlamente über die geschlossenen Vereinbarungen abgestimmt haben. Der verfassungsgemäße Ratifizierungsprozess, die Einbeziehung der Legislative und die geforderte Auseinandersetzung mit den Vorschlägen der Regierung,  ist unter der verbalen Peitsche der “Alternativlosigkeit” zu einer reinen Schauveranstaltung verkommen. Demokratie findet nicht mehr statt. Aus Sicht der Exekutive gilt die parlamentarische Zustimmung inzwischen als bloße Formsache. Eine Kontrolle braucht sie zudem nicht zu fürchten.

Warum schreibe ich das? Weil ich entsetzt darüber bin, wie sich Steffen Kampeter heute morgen im Deutschlandfunk zur Griechenlandpolitik geäußert hat. Die Entmündigung von Staaten sei unter dem entleerten Schlagwort “Reformen” einfach hinzunehmen. Die Risikoabsicherung der Kapitalgeber sowie die Meinung ihrer Vertreter aus EU-Kommission, EZB und IWF (genannt Troika) sei unter Preisgabe volkswirtschaftlicher Vernunft und des innergesellschaftlichen wie europäischen Friedens einfach höher zu bewerten. Auf die Frage des Moderators Peter Kapern, wie ein Land, das Hunderttausende arbeitslos mache, wieder auf den Wachstumspfad zurückkommen solle, antwortete Kampeter zweimal nicht, sondern spuckte nacheinander den schon oft gelöffelten, aber nicht verdaubaren neoliberalen Dogmenbrei ins Mikrofon.

“Reformen” müssen umgesetzt werden, unabhängig von Inhalt und Wirkung der verordneten Dosis. Denn Zweifel am Umsetzungswillen darf es nicht geben. Das beunruhigt schließlich Märkte und lasse auf einen Mangel an Verlässlichkeit schließen. Folglich wird der politische Streit und der Widerstand, den Romantiker und linke Sektierer als letzte demokratische Zuckungen wahrscheinlich missverstehen, auch als hinderlich und überflüssig betrachtet.

“Dass es darüber politischen Streit, politische Diskussion und auch Widerstand in Griechenland gibt, finde ich politisch wie menschlich nachvollziehbar, aber ich sehe keine realistische Alternative, dass die Griechen die Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre jetzt aufarbeiten müssen.”

Menschlichkeit ist für Kampeter nachvollziehbar, aber Unmenschlichkeit offensichtlich “alternativlos”. Politischer Streit und politische Diskussionen sowie der Protest, kurz gesagt: die Demokratie ist für Kampeter gerade noch nachvollziehbar, die Durchsetzung des Gegenteils aber alternativlos.

Obwohl die Wissenschaft durch simple Beobachtung belegt hat, dass die Erde rund ist, behauptet Kampeter und die Bundesregierung, sie sei eine Scheibe. So wie Kampeter reden und antworten nur mittelalterliche Priester und Inquisitoren, denen Aufklärung fremd ist und die Demokratie als Hort der Ketzerei betrachten. Deshalb bauen sie auch auf die Lüge, um ihren schwachen, nein, widerlegten Argumenten demagogische Schlagkraft zu verleihen.

Kapern: Widerstand gibt es zum Beispiel gegen die Forderung der Troika, die Löhne und Gehälter zu kürzen. Widerstand von den Arbeitnehmern, das verwundert noch weniger, aber es gibt auch den Widerstand der Arbeitgeber. Haben die denn alle keine Ahnung von Wirtschaftspolitik?

Kampeter:Es geht nicht darum, dass hier jetzt Ahnung von Wirtschaftspolitik zu bewerten ist, sondern die Entscheidung, sich auf das Votum der Troika zu verlassen, hat etwas damit zu tun, dass wir uns auf die Kompetenz der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds stützen. Diese Institutionen haben bei der Restrukturierung vergleichbarer Probleme in der Vergangenheit Erfolg gehabt, ich verweise insbesondere auf den Internationalen Währungsfonds, und das ist ein Maßstab, der die Debatte eben aus dem politischen Streit herausführen soll – insoweit, als dass wir dieses Expertenvotum zur Grundlage der politischen Entscheidung machen.”

Der internationale Währungsfonds hat seit 30 Jahren erfolglos Restrukturierungsprogramme an Ländern praktiziert. Immer wieder scheiterte die Strategie des Sparens. Auch mit Blick auf Griechenland ist das bereits sichtbar, wenn man nicht mit verschlossenen Augen oder der Überzeugung eines Wanderpredigers wie Kampeter durch die Welt stolziert. Als Gläubiger einer Irrlehre muss er natürlich eine Erhöhung der Dosis fordern, um von dem verabreichten Gift und der Inkompetenz abzulenken, die auf einer speziellen deutschen Variante wirtschaftspolitischer Scharlatanerie beruht.

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Westliche Nötigungskultur kontra Diktatur: 0-1 … über den Kampf der Systeme

Mittwoch, 11.1.2012. Eifel. Ein wunderbarer Morgen, den der Spiegel gleich mit einer unglaublichen Nachricht versüßt: in der Tat gibt es jetzt ein Ranking für die beliebteste Prinzessin in Europa. Ich sagte ja: unglaublich. Wer hätte wirklich gedacht, das so eine kleine Belgierin soviel unbeliebter ist als all die anderen unwichtigen Damen? Warum sieht man sich überhaupt genötigt, im "Sturmgeschütz der Demokratie" Text für feudale Hofberichterstattung zu verschwenden? Sind da wirklich alle Hemmungen gefallen - oder will man uns langsam auf eine neue Zukunft vorbereiten? Dazu passt eine Meldung aus Tschechien, die von besonderer Bedeutung ist, da dieses Land nicht nur intelligente Menschen hat und auf  eine lange Tradition des Widerstandes gegen den Ostblock blicken kann,  sondern auch dank der neueren Geschichte einen direkten Vergleich beider Systeme anstellen kann. Das Ergebnis ist erschütternd - das, was wir Demokratie nennen, kommt bei denen ganz schlecht weg: gerade mal 26 % der Tschechen sollen noch zufrieden mit der Demokratie sein - der Rest knirscht nur noch mit den Zähnen.

Mittwoch, 11.1.2012. Eifel. Ein wunderbarer Morgen, den der Spiegel gleich mit einer unglaublichen Nachricht versüßt: in der Tat gibt es jetzt ein Ranking für die beliebteste Prinzessin in Europa. Ich sagte ja: unglaublich. Wer hätte wirklich gedacht, das so eine kleine Belgierin soviel unbeliebter ist als all die anderen unwichtigen Damen? Warum sieht man sich überhaupt genötigt, im „Sturmgeschütz der Demokratie“ Text für feudale Hofberichterstattung zu verschwenden? Sind da wirklich alle Hemmungen gefallen – oder will man uns langsam auf eine neue Zukunft vorbereiten? Dazu passt eine Meldung aus Tschechien, die von besonderer Bedeutung ist, da dieses Land nicht nur intelligente Menschen hat und auf  eine lange Tradition des Widerstandes gegen den Ostblock blicken kann,  sondern auch dank der neueren Geschichte einen direkten Vergleich beider Systeme anstellen kann. Das Ergebnis ist erschütternd – das, was wir Demokratie nennen, kommt bei denen ganz schlecht weg: gerade mal 26 % der Tschechen sollen noch zufrieden mit der Demokratie sein – der Rest knirscht nur noch mit den Zähnen.

Die RP zeigt uns heute die Weltuntergangsuhr. Sie hat sich in diesem Jahr weiter in Richtung Apokalypse bewegt – vielleicht ein guter Grund, mal zu schauen, was an unserer Demokratie oder unserer Gesellschaft nicht stimmt. Einen Schritt in diese Richtung unternimmt Muslim Market – wo man sich die Frage stellt, warum sich „Wissenschaftler“ so oft prostituieren und dabei auf einen eigentlich wichtigen Nebenaspekt gestoßen ist:

Obwohl jede Hochkultur ihre spezifischen Eigenheiten hat, die nicht problemlos auf andere Systeme übertragbar sind, so haben doch Wissenschaftler in ganz unterschiedlichen Bereichen – ob Historiker, Sozialwissenschaftler oder Wirtschaftswissenschaftler – einige typische Merkmale ausgemacht, die alle jenen Untergängen gemeinsam sind. Das interessante bei dieser Art von Forschung besteht darin, dass noch nie in der Geschichte eine deutlich wahrnehmbare Gruppe von eigenen Wissenschaftlern den Untergang des eigenen Systems diagnostiziert und entsprechend Gegenmaßnahmen vorgeschlagen hat (z.B. den rechtzeitigen Ausstieg). Stets waren es die Anderen in der Geschichte oder in fernen Ländern. In der neueren Zeit gibt es zudem ein Zusammenspiel von Wissenschaft und Propaganda, die zuweilen die gesamte Wissenschaft auf den Kopf stellt. Beispielsweise ist gemäß Propaganda die Islamische Republik Iran seit 30 Jahren am untergehen, während die objektiven Daten genau das Gegenteil beweisen. Hingegen ist das Westliche System – würde man die bisher erforschten Daten der Wissenschaft darauf anwenden – im totalen Untergang begriffen, ohne dass es irgendeinen Ausweg gibt, aber kaum ein Wissenschaftler warnt davor. 

Das westliche System im totalen Untergang begriffen? Das kann doch nur ein Forum für deutschsprachige, gottesehrfürchtige Muslime so sehen. Und natürlich die Wissenschaftler von der Weltuntergangsuhr. Und der intelligente Tscheche:

Bestimmendes Thema in Havels dramatischem wie essayistischem Werk war die Entfremdung des heutigen Menschen von der sogenannten Lebenswelt. Diese werde dadurch hervorgerufen, dass in der aufgeklärten Gesellschaft die Wissenschaft die Position der obersten Instanz, die zuvor dem unbekannten Höheren (Gott o. ä.) vorbehalten war, eingenommen hat. Diese Entfremdung sah Havel als Ursache der Probleme der heutigen Menschheit, sowohl der Umweltzerstörung, die durch die von der Wissenschaft ermöglichte Technisierung der Ökonomie hervorgerufen wurde, also auch der ehemaligen kommunistischen Diktaturen, denen die Vorstellung einer wissenschaftlich organisierten Gesellschaft (wissenschaftlicher Sozialismus) zugrunde liegt.

Huch, wie schrecklich. „Wissenschaft“, unser höchstes Gut- ein häßlicher Teufel? Wie sollen wir das eigentlich noch verstehen? Die können ja nur gelogen haben. Wissenschaft hat uns die Kaffeemaschine gebracht, das Flugzeug, das Auto – dank Wissenschaft können wir endlich fliegen, trocken durch die Landschaft rasen, Kaffee trinken. Was soll daran schlecht sein?

Immerhin fordern jetzt auch westliche Wissenschaftler die absolute Macht des wissenschaftlichen Sozialismus ein – wobei sich die Frage stellt, ob es dann auch wirklich Sozialismus wird – oder nicht eher eine Gesellschaft nach dem Geschmack ihrer Finanziers. Das übersieht man bei „Wissenschaft“ immer: es bedarf eines Geldgebers. Der einsame Forscher im alten Burgturm hat ausgedient, moderne Grundlagenforschung ist teuer – und bringt erstmal nichts. Jeder Wissenschaftler ist erstmal ein überfinanzierter Arbeitsloser, der ganz schnell seinen Job verliert, wenn er nicht Ergebnisse vorweisen kann, die seine Geldgeber befriedigen. Ein wichtiger Grund auch, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen – „Forschung“ hätte eine Chance, wieder frei zu werden.

Schauen wir uns doch mal die Welt an, die uns „Wissenschaft“ und „Demokratie“ gerade so präsentieren. In Deutschland zum Beispiel sind wir Rekordhalter in der Armutsproduktion geworden. Nirgendwo sonst in Europa bedeutet Arbeitslosigkeit das sofortige gesellschaftliche Aus – sehr oft lebenslänglich. Viele, die noch Arbeit haben, leben von Billiglöhnen, was den Staat – also die Gemeinschaft – Milliarden kostet. Und wie es aussieht, werden wir in diesem Jahr in Deutschland – einem Land, dem es angeblich noch sehr gut geht, eine ganze Flut von Arbeitslosen bekommen – nicht nur uns, sondern ganz Europa droht eine nie dagewesene Pleitewelle. Das wird dann wieder Folgen haben – einen „nie dagewesenen Rückgang beim Privatkonsum“ – wir gerade beispielsweise in Portugal. Eine schöne Formulierung für Armut, Krankheit, Not und Hunger.

Wundert es da, das man unzufrieden wird mit dem System der Demokratie, das man sich zurücksehnt zu den Zeiten, wo die Prinzessin ihre schützende Hand über die Armen im Land gehalten hat und der weise und gerechte König alle Feinde des Volkes – alle Lügner und Betrüger, Lumpenhunde und Heiratsschwindler aus dem Lande jagen lies? Einer Welt, ohne Pornodarsteller, die sich absichtlich von Flammenwerfern verbrennen lassen, eine Welt ohne Holzfäller, die kleine Indianermädchen bei lebendigem Leibe verbrennen, in der Menschen nicht reich werden, weil sie auf die Pleite demokratischer Staaten wetten oder als Millionäre soviel Steuern zahlen wie normale Arbeitnehmer.

Die Chinesen haben es da leichter. Die haben keine Demokratie und holen sich ihr Wissen aus dem Westen. Jetzt, wo sie es haben, drängen sie unsere Firmen aus dem Land  und zerschlagen unsere Produkte – zur Zufriedenheit der Regierung – auf offener Straße. Wir könnten natürlich stolz und erhobenen Hauptes sagen: ist uns egal, wir sind die alte griechische Demokratie, die Wohlstand, Freiheit und Glück in die Welt bringt – vor allem für die kleine Frau und den kleinen Mann von der Straße, wir messen uns jederzeit gerne mit den Bürgern kommunistischer Diktaturen!

Man merkt aber schnell – dieser alte Spruch wirkt nicht mehr. Man macht sich damit lächerlich – unser Wohlstand schwindet täglich mehr, Nötigung bestimmt unseren Alltag, sobald der Wecker uns brutal aus dem Schlaf reißt, und glücklich sind wir nur noch, wenn wir besoffen sind. Ein leibeigener Bauer war freier als der moderne Stadtbürger – immerhin konnte er schlafen, bis die Sonne aufging, konnte in seiner Arbeitszeit bestimmen, was er wann wo tat und wurde von allen staatlichen Formularen verschont … ja, in der Tat wollte der Landesfürst nur die Ernte, er stand nicht den ganzen Tag hinter dem Bauern und schaute zu – sowas gibt es nur bei Sklaven und in unserer Nötigungskultur. Die Wissenschaft sollte uns darüber aufklären, das die Lebenswelt der alten Kreter den Kretern ein Höchstmaß an Glück brachte anstatt nur darauf zu schauen, das ihre Häuser keine Flachbildschirme hatten. Brauchten die ja auch nicht, die hatten echtes Leben gleich vor der Haustür – und konnten sogar noch hineingehen.

Wissenschaft sollte uns vielleicht auch mal darüber aufklären, was „Nötigung“ eigentlich ist. Nötigung ist strafbar – auch wenn man es nur versucht. Das Gesetz hat auch eine sehr weise Formulierung:

Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Natürlich gibt es da viel zu diskutieren – vor allem mit Juristen. Wenn wir aber die Juristen mal außen vor lassen und einfach mal schauen, wie oft wir in unserem technisierten, vollständig durchorganisierten Leben genötigt werden, Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht wollen. Wollen wir wirklich morgens aufstehen, obwohl unser Körper dringend nach Schlaf ruft? Dann elf Stunden in Autositzen und Bürostühlen herumhängen, was unseren Rücken ramponiert, anschließend Gammelfleisch und Müllfraß in uns hineinstopfen, um uns den Rest des Tages einer elektronischen Bilderflut zu widmen, die wirklich gar nichts mehr mit unserer eigenen Lebenswelt zu tun hat – außer, das wir erfahren, das in unserer Nötigungskultur das Verbrechen die größte Wirtschaftsmacht darstellt – wie in Italien die Mafia?

Und auf einmal merken wir … es geht gar nicht um die Demokratie. „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen“ sagte mal ein Mensch, der von „Wissenschaftlern“ streng verfolgt wird, weil er zu oft von seinem Gott sprach – und diese Taten können wahrlich nichts mehr mit Demokratie zu tun haben.  Was ist demokratisch an einer Kultur, die erst die „Rationalisierung“ einführt und dann Arbeitslose mit Freiheitsentzug und Hunger dafür bestraft, das es Rationalisierungen gab? Was ist demokratisch an einer Kultur, in der das Volk den Banken Geld schenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln, das die aber dann lieber wieder der EZB zurücküberweisen, um sichere Zinsen zu kassieren – oder sich vor dem Verlust des geschenkten Geldes zu schützen, dabei aber in Kauf nehmen, das alle Firmen vor die Hunde gehen, die infolge der Rezession kurzfristige Überbrückungsdarlehen brauchen. Demokratie hat was mit Gemeinschaft zu tun, das, was wir haben – ist Kleptokratie, die Herrschaft der Diebe, Räuber und sonstigen Nötiger … darum werden mafiöse Strukturen hier so erfolgreich. Da aber Kulturen, die nur von anderen leben, parasitäre Strukturen sind, die ohne Wirt nicht leben können (was der chinesische Wirt wohl gerade merkt), brauchen wir uns nicht wundern, das uns die Apokalypse ins Haus steht.

Der erste Schritt, um die Apokalypse zu stoppen, ist die Erkenntnis, das wir auf dem Weg zu Demokratie waren, aber dann doch eine Nötigungskultur serviert bekamen – eine Kultur, die die Kellner, die sie uns servierten,  reicht gemacht hat. Ohne Bewußtseinsbildung, Rückbesinnung auf echte Werte (nein, nicht Sachwerte noch Aktien – sondern eher LEISTUNGSWERTE) wird es nicht möglich sein, der sterbenden Kultur der Kleptokraten eine wachsende Kultur der Demokraten entgegenzustellen. Wir brauchen hier gar keine Revolution – es reicht schon eine einfache Evolution.

Was spräche dagegen, den Nötigungsparagraphen einfach mal auf das Arbeitsleben auszudehnen? Auf die Jobcenter? Die Finanzbehörden? Die Krankenhäuser und Schulen? Was spräche dagegen, erstmal freie, starke, selbstbewußte Souveräne zu erziehen – anstatt immer nur ängstliche Duckmäuser in optimierter Käfighaltung?

Was spräche dagegen … eine Kultur des Glücks zu gestalten, der Freiheit, der Gleichheit und Brüderlichkeit – um die andere Völker uns beneiden?

Mit diesem Personal und dieser Kultur  könnten wir uns dann entspannt dem Kampf der Systeme stellen … und vielleicht die Zeiger der Weltuntergangsuhr wieder zurückstellen. Echte Demokratien haben den Vorteil, das sie als Gemeinschaft agieren. Das hat seinen Preis – „Sozialkosten“ – aber auch seinen Lohn: Kreativität, Fleiß, Effektivität, Sicherheit, Wohlstand – und schon ist man von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit nicht mehr weit entfernt. Die Wissenschaftler sollten uns ruhig mal öfter darüber informieren, wie stark und mächtig der Mensch in Gemeinschaft ist, anstatt immer nur darüber, wie schädlich sein Atem für das Klima sein kann.

Unsere Zivilisationskäfigmenschen in der Nötigungskultur jedoch … werden mehr Sklaven, die Ungleichheit lieben, weil sie die Chance erhöht, selber Sklaven zu bekommen – und Brüderlichkeit ist ihnen völlig fremd. Dafür züchten sie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs, Depressionen und Impotenz. Ein feines Volk – das selbst gegen Diktatoren mit Exekutionsmobilen 0:1 verliert.

Unmöglich, so eine Evolution?

In einer Welt, in der Schottland wieder frei wird, ist nichts unmöglich, denke ich mir.

 

 

 

Der Untergang des Abendlandes und die glaubhafte Gegenmacht gegen den Bankfeudalismus

Dienstag, 10.1.2012. Eifel. Bei uns geht alles seinen gewohnten Gang. Der größte Coup der Geld- und Halsabschneider bei uns vor Ort war die Umwandlung des Naturschutzgebietes in einen Nationalpark. Das hat uns viele kahle Hänge beschert, weil jetzt Holz großflächig geschlagen werden darf - die Fichten - nicht einheimische Bäume - werden im Massen geschlagen und verkauft. China braucht Holz. In dreihundert Jahren aber werden wir hier schöne Buchenwälder haben - wenn nichts schiefgeht. In solch einer apokalyptischen Umgebung fällt es aber umso leichter, sich mit dem Ernst der Lage zu beschäftigen, die Gerald Celente - hier bei Denkbonus - wie folgt beschreibt:

Der Überlebenskampf der Menschen wird sich von wirtschaftlichen Maßnahmen auf die Anwendung von Waffengewalt ausweiten. Kriegerische Auseinandersetzungen sind nicht nur in den USA, sondern auch in Europa zu erwarten. Alte, längst vergessene Rechnungen werden wieder hervorgeholt werden und die Eurostaaten werden sich gegenseitig mit Schuldvorwürfen überhäufen. Die hässliche Fratze des Krieges wird nicht nur über dem europäischen Kontinent ihr Haupt erheben. Die Folge werden gewaltige Flüchtlingsströme sein, auch nach Europa hinein, welche die Situation zusätzlich verschärfen werden. Den endgültigen Kollaps der USA und Europas sieht Celente gegen Ende 2012 herannahen. Unter diesen Umständen hält er auch einen dritten Weltkrieg für möglich.

Dienstag, 10.1.2012. Eifel. Bei uns geht alles seinen gewohnten Gang. Der größte Coup der Geld- und Halsabschneider bei uns vor Ort war die Umwandlung des Naturschutzgebietes in einen Nationalpark. Das hat uns viele kahle Hänge beschert, weil jetzt Holz großflächig geschlagen werden darf – die Fichten – nicht einheimische Bäume – werden im Massen geschlagen und verkauft. China braucht Holz. In dreihundert Jahren aber werden wir hier schöne Buchenwälder haben – wenn nichts schiefgeht. In solch einer apokalyptischen Umgebung fällt es aber umso leichter, sich mit dem Ernst der Lage zu beschäftigen, die Gerald Celente – hier bei Denkbonus – wie folgt beschreibt:

Der Überlebenskampf der Menschen wird sich von wirtschaftlichen Maßnahmen auf die Anwendung von Waffengewalt ausweiten. Kriegerische Auseinandersetzungen sind nicht nur in den USA, sondern auch in Europa zu erwarten. Alte, längst vergessene Rechnungen werden wieder hervorgeholt werden und die Eurostaaten werden sich gegenseitig mit Schuldvorwürfen überhäufen. Die hässliche Fratze des Krieges wird nicht nur über dem europäischen Kontinent ihr Haupt erheben. Die Folge werden gewaltige Flüchtlingsströme sein, auch nach Europa hinein, welche die Situation zusätzlich verschärfen werden. Den endgültigen Kollaps der USA und Europas sieht Celente gegen Ende 2012 herannahen. Unter diesen Umständen hält er auch einen dritten Weltkrieg für möglich.

Wieder einmal Weltuntergang 2012. Wie in der Prophezeiung. Als Mensch, der versehentlich in esoterischem Umfeld groß geworden ist, hat man seine Mühe mit diesen Prophezeiungen …. aktuell geht ja die Welt wegen dem Mayakalender unter. Kaum jemand mag ermessen, was solche Botschaften für Jugendliche bedeuten, die eigentlich glaubten, sie hätten ihr Leben noch vor sich.

Manches … ist aber geeignet, einen nachdenklich stimmen zu lassen.

Während des Studiums hatte ich mich gegen Nostradamusanhänger zu wehren, die mit seinen wirren Psalmen durch die Gegend rannten und versuchten, alle Welt vor der islamischen Invasion zu warnen … das war Anfang der achtziger Jahre. Ich wiederlegte dies durch Daten über die Militärmaschinerie der Nato – allein der italienische Grenzschutz war stärker als die ganze lybische Armee.

2012 sieht das schon viel realistischer aus: drei Millionen Moslems sind schon in Deutschland – und bricht hier der Staat durch massive Reformen und Sparanstrengungen zusammen, können die MG-bestückten Pickup-Trucks der lybischen „Rebellen“ in unseren Straßen schnell zum vertrauten Alltagsbild werden.

Um 2000 herum hatte ich dann Auseinandersetzungen mit jenen, die meinten, die Herrschaft des Satans würde beginnen, er würde die moderne Zivilisation benutzen, die Menschheit in unglaubliches Elend zu führen.

Wieder war es einfach, die Apokalyptiker zu widerlegen: Handel, Demokratie und Maschinenbau hatten zu sehr stabilen Wohlstandsgesellschaften geführt, Krieg, Hunger, Pest und Tod waren weit aus der Lebenswirklichkeit Mitteleuropas verbannt worden. Gut – die letzten beiden Weltkriege hatten ziemlich viel Unheil angerichtet und neue Qualitäten der Massenmordens gezeigt – aber das bekam man halt durch den Wohlstand und die Demokratie in den Griff.

2012 sieht auch das schon wieder ganz anders aus. Jetzt zeigt sich, das das Abendland in einer riesigen Falle steckt: militärisch abhängig vom großen Bruder USA, wirtschaftlich und politisch abhängig von einer kleinen Gruppe von Weltkonzernen, die Versorgungslage und Meinungsbildung diktieren. Drehen die den Hahn zu, haben wir innerhalb kürzester Zeit ein unglaubliches Elend in Nürnberg, Dresden und Hannover – und nicht nur in Ostafrika, was so schön weit weg ist.

Kann sich nur keiner vorstellen (und MAG sich keiner vorstellen), so wie man sich 1911 auch nicht das Grauen der Grabenkriege von 1916 vorstellen konnte, wo allein in einer einzigen Schlacht eine Million Menschen verloren gingen – in etwa die Stärke der gesamten preussischen Armee (samt Verbündeter) im vorherigen Krieg.

Mir fällt es aus dieser persönlichen Tradition heraus nun etwas schwer, gegen den Herrn Celente zu argumentieren, zumal er kein Apokalyptiker ist – sondern nur ein Unternehmensberater.  Unternehmer sollten schon wissen, welche Absatzchancen Europa die nächsten zehn Jahre zu bieten hat.

Noch schwerer fällt es mir, ihm zu widersprechen, wenn ich in den Medien herumstöbere. Sogar die Tagesschau meldet, das die Sparprogramme in Griechenland die Wirtschaft zerstören, weshalb jetzt noch mehr Sparprogramme „durchs Parlament gepeitscht werden sollen“. In Griechenland selbst wehren sich gerade Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Handel gegen die alternativlos geforderte Senkung der Mindestlöhne – eine unabdingare Forderung der „Gläubiger“, die jedoch kein Problem damit haben, das Griechenland seine Rüstungsprogramme vorantreibt – es gibt sogar Gerüchte, das man gerne noch mehr Waffen an Pleitegriechen liefern möchte:

Hauptprofiteur der griechischen Aufrüstungspolitik ist dabei ausgerechnet Europas Sparmeister Deutschland. Laut dem gerade veröffentlichten Rüstungsexportbericht 2010 sind die Griechen nach den Portugiesen – auch ein Staat kurz vor der Pleite – die größten Abnehmer deutscher Kriegswaffen. Spanische und griechische Zeitungen verbreiteten gar das Gerücht, Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hätten Griechenlands Ex-Premier Giorgos Papandreou noch Ende Oktober am Rande eines Gipfeltreffens daran erinnert, bestehende Rüstungsaufträge zu erfüllen oder gar neue abzuschließen.

Würde ein Vater einer Arbeitslosenfamilie seine Kinder hungern lassen, um sich eine Schrotflinte zu kaufen, wären alle im Land alarmiert. Hier jedoch – will das Jobcenter nebenbei auch noch als Waffenhändler auftreten.

Hat man Celente gelesen, macht das sogar Sinn.

Der IWF glaubt nicht mehr an die Rettung Griechenlands, der Kollaps des Euro rückt täglich näher, Zeit also, dem Steuerzahler noch schnell mal richtig tief in die Tasche zu greifen. Kein Wunder, das die öffentliche Rhetorik über die Krise immer mehr Begriffe aus dem Kriegswesen entnimmt.  Manche Menschen wissen halt noch, was einem total abhängigen Land geschieht, wenn es kein Geld mehr hat, seine Rechnungen zu bezahlen.

Manche Menschen wissen auch, das der Untergang nicht alternativlos ist – siehe Prof. Ulrich Blum, Wirtschaftsprofessor aus Halle, in der FTD:

Die griechische Tragödie verdeutlicht, dass Gesundschrumpfen nicht funktioniert. Die Fähigkeit zu einer notwendigen Umsteuerung muss möglich sein, ohne dass die Therapie schlimmer als die Krankheit wird – sonst zerfällt die demokratische Legitimierung. Derzeit geht dies nicht, weil der Nationalstaat oder sogar die EU am Verhandlungstisch schwächer ist als die Finanzindustrie. Das zeigt, wie notwendig eine Verringerung der Systemik ist – dazu muss eine glaubhafte Gegenmacht erzeugt werden.

Er zeigt auch auf, wie der Staat mit Firmen umgehen muss, die ihn in seiner Existenz bedrohen:

Das Verabschieden des Sherman Act im Jahr 1890 durch den amerikanischen Kongress war wegweisend für eine ordnungs- und politökonomische Diskussion: Wenn die Demokratie oberstes politisches Gestaltungsprinzip ist, um Tyrannei zu verhindern, dann kann in der Wirtschaft nicht Machtballung durch Kartellierung zugelassen werden. Infolge dieser Entwicklung wurde der Standard Oil Trust – ein seinerzeit „systemisches Unternehmen“ – zerschlagen.

Klingt einfach und überzeugend, oder? Leider haben die Machtballungen die letzten hundert Jahre gelernt, sich anzupassen und okkupierten erstmal wichtige Schaltstellen der Macht in Parteien und Medien. Geld machts möglich – man wollte ja nicht wie Standard Oil enden. Deshalb schlagen heute Politiker ernsthaft vor, immer mächtigere Konzerne zu bauen, deshalb wurden die Boni in der Börsenwelt mehr als verzehnfacht – auch wenn aktuell zu Hungerlöhnen von 385000 Dollar gearbeitet werden muß (von dem Geld, das Goldman Sachs seinen Mitarbeitern zahlt,  könnte man in Griechenland 32 Lehrer bezahlen – noch mehr, wenn deren Gehälter jetzt noch weiter gekürzt werden), deshalb fordern die Banken – deren Hedge Fonds gerade Verluste wie selten zuvor einfahren – mehr Geld zur Finanzierung von Italien, damit die Boni bei Goldman-Sachs wieder üppiger fließen können, während man uns Normalbürgern klar macht, das wir uns an sinkenden Wohlstand gewöhnen müssen. Sicherheitshalber bereitet sich die EU schon mal gezielt auf „linke“ Massenproteste zu, während das US- Militär Software zur gezielten Meinungsmanipulation in sozialen Netzwerken entwickeln lässt.

Eine „glaubhafte Gegenmacht“ gegen „systemische Unternehmen“ haben wir schon. Deshalb hatten wir das System „Staat“ geschaffen. Der Staat – das sind wir alle. Der Staat, das ist die freie Stadt aufs Land verteilt, das ist jenes Instrument, mit dessen Hilfe sich die Menschheit von Hunger, Pest, Krieg und Tod (also: den apokalyptischen Reitern) befreit hat – und der Tyrannei des Feudalismus, der immer Elend für das Volk folgt … wie die aktuelle Tyrannei des Bankfeudalismus zeigt.

Was aber tun, wenn der Staat versagt, die wichtigsten Schaltstellen der Macht im Staat gekauft worden gekauft worden sind?

Nun – erstmal müßten wir uns darüber klar werden, das WIR DER STAAT SIND.

Und dann müssten wir unsere eigenen Fehler erkennen, warum die Täter ungeschoren davon kommen:

Weil sich niemand diesen Leuten entgegenstellt. Weil die Politik sich freiwillig ausliefert, der Wähler sich von der Politik verabschiedet. Wir treten den Rückzug ins Private an, resignieren und lamentieren darüber, dass ,die da oben’ sowieso machen, was sie wollen. Das ist übrigens eine Haltung, die in der Geschichte schon häufiger zu Katastrophen geführt hat.

„Im Würgegriff der Mafia aus Finanzwelt und Politik“ heißt der Artikel aus der Welt vom Juni 2011, in der wir auch erfahren, warum die ganze Krise kein Unfall war:

Die Finanzwelt folgt der Logik der Mafia, nämlich der Orientierung am höchstmöglichen Gewinn bei minimiertem Risiko. Dazu werden alle Mittel eingesetzt, die Wirksamkeit versprechen, etwa in Kontakten mit Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Die Vorstellung, dass die wirklich gefährliche Mafia sich durch Gewaltbereitschaft auszeichnet, ist naiv. Ihre große Gefahr ist ihr Einfluss, ihre Macht, indem sie Verbindungen aufbaut, korrumpiert, wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten zum eigenen, ungehemmten Vorteil umfunktioniert oder außer Kraft setzt. Das ist die Logik der Mafia.

Der Mann sollte es wissen: er ist Europas erster Korruptionsbekämpfer.

Wir haben es hier mit extrem kriminellen Elementen zu tun, die ihre Mitmenschen durch feine Anzüge täuschen wollen, wie es einst Al Capone tat. Wenn wir sie nicht stoppen können, werden die apokalyptischen Reiter vielleicht wirklich noch in diesem Jahr über Europa hinwegziehen – wie 2002 über Argentinien.

Wie wir eine eigene Gegenmacht bilden können?

Vielleicht sollten wir auch da nach Argentinien schauen: Betriebsbesetzungen, Straßenblockaden, Tauschringe und eine eigene Währung haben das Volk vor dem Schlimmsten bewahrt. Anstelle des „Überlebenskampfes mit Waffengewalt“ – den die Kriminellen bevorzugen – haben die Argentinier das Miteinander gewählt.

Das können wir auch. Schon wäre die glaubwürdige Gegenmacht da – denn wenn wir unsere Waren selbst produzieren, selbst tauschen oder mit selbst garantiertem Geld bezahlen … dann können wir uns ganz galant aus der Affäre ziehen. Mal ehrlich: die Tonnen von Papiereuro könnten wir doch Banken und Politikern dann schenken. Sollen die sehen, wie sie die dann hin- und herschieben. Für ein glückliches Leben – brauchen wir die eigentlich nicht.

Vielleicht hilft die Landkarte von Regiogeld e.V., Alternativen zu finden in einer Welt, die scheinbar alternativlos dem Untergang geweiht ist.

 

 

 

Die Domäne der Eliten: wie ein Afrikaner mittels deutschen Steuergeldern eine Schweizer Bank ruinierte und Griechen arbeitslos machte

Die Domäne der Eliten: wie ein Afrikaner mittels deutschen Steuergeldern eine Schweizer Bank ruinierte und Griechen arbeitslos machte

Die morgendliche Fahrt durch die Eifel war wieder einmal ein Genuss. Ein wunderschöner Sonnenaufgang über nebelverhangenen Tälern entschädigt schon für so manches. Man freut sich des Lebens, alles ist so richtig schön rund, sogar die Wirtschaftskrise ist wieder einmal vorbei: hinreichend Gründe, mal einen richtig prallen „das-Leben-ist-schön“-Artikel zu schreiben, wären da nicht … diese kleinen leisen Gedanken im Hinterkopf, die ich jetzt mal erläutern möchte. Wir haben ja jetzt Kursfeuerwerk und alle freuen sich. Der DAX – fast tot – lebt wieder auf, scheint nahezu unsterblich zu sein … siehe Manager Magazin:

Überraschungsschlag von EZB, Fed & Co: In einer konzertierten Aktion bieten die wichtigsten Zentralbanken der Welt den krisengeschüttelten Banken zusätzliches Geld an. Die Geldflut sorgt für ein Kursfeuerwerk: Der Dax schließt klar im Plus.

Wenn ich jetzt eine Bank wäre, die Geld fast umsonst bekommt – was mache ich eigentlich damit? Nun – ich könnte einfach das Geld nehmen und kaufe mit einem Schlag ganz viele Aktien. Wenn ich für viel Geld Aktien kaufe, dann wittern alle anderen Morgenluft und kaufen auch viele Aktien, wodurch der Wert der Aktien immer mehr steigt. Irgendwann muss das aber ein Ende haben – das geliehene Geld muss zurück und der Gewinn eingefahren werden. Also verkaufen wir alles auf einmal, streichen den Kursgewinn ein und rühmen uns unserer unglaublich tollen Fähigkeiten.

Jeder Langzeitarbeitsloser könnte so Millionär werden. Da wundert es nicht, das man zwischendurch einfach auch mal eine ganz ganz dicke Niete erwischt:

2 Milliarden Dollar – einfach so verzockt … von einem 31-jährigen Mann aus Ghana. Ob es da einen Zusammenhang mit den geplanten Massenentlassungen bei der Bank gibt, kann man erstmal nicht feststellen. Zweifellos – für so einen Coup braucht man Fachkräfte aus dem Ausland: kein heimischer Arbeitsloser wäre so dumm, so verantwortungs- und skrupellos Werte in derart großen Mengen zu vernichten.

Ach ja … Ghana. Wollen wir mal mit Hilfe von Wikipedia einen Blick in die Heimat des Täters werfen:

Im Jahresbericht 2009 der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wird unter anderem bemängelt, dass die Strafjustiz zu langsam arbeite und die Gefängnisse überfüllt sind. Auch der Umstand, dass keine Schritte zur Abschaffung der Todesstrafe unternommen wurden, findet in dem Bericht Erwähnung. Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor an der Tagesordnung, obwohl neue Gesetze eigentlich zu einer Besserung der Situation beitragen sollten. Schätzungen zufolge war jede dritte Frau von familiärer Gewalt betroffen. Das seit 2007 geltende Gesetz gegen familiäre Gewalt zeigte offensichtlich noch keine Wirkung.[23]Auch die weibliche Genitalverstümmelung findet weiterhin Anwendung.
Homosexualität unter Männern ist illegal und wird strafrechtlich verfolgt. Menschen die zu sexuellen Minderheiten (LGBT) gehören werden massiv diskriminiert, gedemütigt und mitunter von der Polizei erpresst. Homosexuelle Männer sind in Gefängnissen oft sexuellen und sonstigen körperlichen Misshandlungen ausgesetzt.[24]
Auch gibt es zahlreiche Berichte darüber, dass Menschen mit Behinderungen oder HIV/AIDS diskriminiert und gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Der Handel mit Frauen und Kindern, ethnische Diskriminierung, politisch und ethnisch motivierte Gewalt, Kinderarbeit sowie Zwangsarbeit von Kindern stellt das Land vor große Herausforderungen.[25] 

Wie kommt jetzt wohl ein junger Mann aus diesem Land, das selbst noch „vor großen Herausforderungen“ steht, in eine Position, die es ihm erlaubt, Milliardengeschäfte in den Sand zu setzen? Wer trifft denn da Personalentscheidungen? Ist ja immerhin nicht der erste Fall dieser Art. Ein Grund für mich, einfach mal weiter zu suchen.

Vielleicht steckt dahinter ja auch einfach eine gute Geschichte? Freundliche, liebes, humanes Imperium rettet homosexuellen aids-kranken Jungen vor der Hinrichtung in seinem Heimatland? Oder er wurde als Kind von einer englischen Familie gekauft, die sich keinen Butler leisten konnten, hat sich dann aber doch nach oben arbeiten können? Ich werde fündig bei der Berliner Morgenpost:

 Nach Angaben der Universität von Nottingham hat der Mann dort 2003 einen Bachelor in E-Commerce und Digitalwirtschaft gemacht. Von 1992 bis 1998 besuchte er ein Internat in West Yorkshire. Ein Foto Adobolis zeigt einen jungen Mann mit gepflegtem Bart und offenem Hemdkragen. Er wirkt entspannt und selbstbewusst. Sein Profil bei Facebook ist übrigens inzwischen abgeschaltet.

Nicht nur sein Profil bei Facebook ist abgeschaltet, auch sein Linkedin-Eintrag existiert heute nicht mehr, der Wikipediaartikel ist gelöscht, für die englische Seite liegt ein Löschantrag vor. Da der Mann in Haft sein soll … wer verwischt denn hier gerade Spuren?

Was kostet eigentlich so ein Internat in England? Hier hilft das Internet:

In England bewegen sich die Kosten für den Aufenthalt im Internat durchschnittlich bei rund 30.000 britischen Pfund im Jahr. Das entspricht einer Monatsrate von etwa 2800 Euro. Diese Kosten beinhalten in der Regel alle Lehrmittel, Unterkunft und Verpflegung, sowie die meisten Sportangebote. Hinzu kommen allerdings meist noch die Kosten für Musikunterricht, Uniform und Taschengeld.

Den Vermögenden unter uns möchte ich gleich einen Tipp geben: selbstverständlich beteiligt sich auch der deutsche Hartz IV-Abhängige mit seinem Leistungsverzicht an der elternfernen emotionsarmen waisenartigen Aufzucht ihres Elitezöglings:

Nach aktueller Vorschrift können Eltern Schulgeld bis zu 5000 Euro pro Jahr von der Steuer absetzen. 

Hartz IV-Regelsatz für ein Jahr: 4368 Euro. Kein Wunder, das in der deutschen Politik der Wunsch besteht, diese Fachkräfte dann auch in Deutschland einzusetzen – sie waren immerhin teuer genug.

Doch bleiben wir in England.

Als gefragte Ausbildungsstätten mit langer Tradition sind Internate in Großbritannien mittlerweile auch für den deutschen Nachwuchs von hohem Interesse. Nicht jeder wird genommen. Entscheidend sind neben den Geldbeutel der Eltern, vor allem das Persönlichkeitsprofil, die Interessen und Stärken der Kinder. 

Geldbeutel der Eltern? Ach ja … die Kosten für das Internat sind „nach oben hin offen“. Eine Freundin von mir hatte ihren Sohn dort. Es hatte sich auch gelohnt: dort werden internationale Netzwerke fürs Leben geschmiedet und Fundamente für große Karrieren geschaffen:

Nach dem Abschluss an einem Internat in Großbritannien verfügen die Schüler über das weltweit anerkannte International Baccalaureate (IB). Mit dem IB in der Tasche und Tatsache, ein englisches Internat besucht zu haben, sind alle nötigen Voraussetzungen für ein Studium an einer Top-Uni geschaffen.

Das begeistert mich. Ich war dann gleich mal bei einer Internatsberatung – doch die Ackworth School des Herrn Adobolis fand ich nicht – dafür wurde ich bei  einer britischen Internatsberatung fündig: es handelt sich dabei um eine Quäkerschule, die schon Kinder ab 2 Jahren aufnimmt – und vierteljährlich 6627 Pfund aufruft.

Seltsam, einen solchen skrupellosen Zockergeist auf einer Quäkerschule zu finden, den Quäker sind eigentlich eher sympathische Leute. Ich war mal bei denen in Köln virtuell zu Gast:

Versuche einfach zu leben. Ein aus freiem Willen gewählter, einfacher Lebensstil ist eine Quelle der Stärke. Lass dich nicht dazu verlocken, Dinge zu kaufen, die du nicht benötigst oder die du dir nicht leisten kannst. Informierst du dich über die Auswirkungen, die dein Lebensstil auf die Weltwirtschaft und die Umwelt hat? 

Weise Worte … die aber überhaupt nicht zu dem Zockerkönig passen. Wie kommt so ein Quäkerzögling aus Ghana dazu, sich in der Finanzwelt zu verlaufen? Wie kommt der überhaupt auf diese Schule? Nun …. Papa hatte Geld und beste Beziehungen:

John Adoboli, a retired United Nations employee from Ghana, said he knew the financial sector was a high risk area, but he had no doubts about his son’s competence and integrity.

Ich hätte als Vater auch keinen Zweifel daran gehabt, das mein Sohn ein Klasse-Typ ist, wenn ich 41000 Dollar im Jahr – insgesamt also 246000 Dollar – in seine Schulausbildung investiert hätte – nach aktuellem Wechselkurs 178 000 Euro. Das Ergebnis jedoch – war mager:

He once described himself as „obsessed with material things and girls“ and enjoys „boutique wines“.

He moved into a new apartment in Stepney, East London, four months ago after living in a £1,000-a-week flat in Spitalfields on the edge of the City.

Ein richtiger Partylöwe soll er gewesen sein, der mit Geld nur so um sich geworfen hat … und das ist auf der Schule nicht bemerkt worden? Wurde da nicht – außer nach dem Geldbeutel der Eltern – auch nach Charakter ausgesiebt?

Nach welchem Charakter?

Erinnern wir uns nochmal an die soziale Situation in Ghana … und hoffen sofort, das das Geld für das Internat nicht durch Kinderhandel verdient wurde, sondern durch ordentliche, auch durch den deutschen Steuerzahler getragene Bezüge von UN-Angestellten. Wir fragen uns auch nicht, warum ein Bürger aus Ghana sein Geld nicht lieber in Ghana angelegt hat, um dort die sozialen Missstände zu beheben … und ich glaube, wir wollen auch gar nicht mehr wissen, wieviel man wirklich bei der UNO verdient, um seinen Sohn sechs Jahre lang in ein britisches Internat schicken zu können.

Deutsche Bundestagsabgeordnete könnten sich das nicht so einfach leisten, auch wenn der Steuerzahler noch so sehr hilft.

John Adoboli war Stabsoffizier der UN – in „heißen“ Einsatzgebieten wie Afghanistan, Kambodscha oder Irak. Da gab es sicher auch Zulagen … aber wird einem nicht irgendwie mulmig bei dem Gedanken, das man bei der harmlosen Suche nach den Ursprüngen eines wilden „Traders“ auf einmal mittendrin ist im Krieg gegen den Terror?

Kweku Adobolis Chef ist übrigens spurlos verschwunden. Auch so ein junger, knackiger Aufsteiger, eine Fachkraft aus dem Ausland. Vielleicht auch aus einem Eliteinternat?

Solche Kinder wachsen fast als Waisen auf. Sie haben keine Heimat, kein Zuhause – und somit kaum familiäre Verpflichtungen. Mit Ghana oder anderen Desasterstaaten als Hintergrund ist ihre soziale Eingebundenheit noch geringer … ideale Kandidaten also, um Volkswirtschaften, Währungen oder Anleger zu ruinieren und nachher als Opferlamm zu dienen, das bequem abgeschoben werden kann … wenn mal was schief geht.

Ein fünfzigjähriger Schweizer wäre da schon vorsichtiger – immerhin kauft er in den gleichen Geschäften ein wie seine Opfer, ist möglicherweise noch mit manchen verwandt oder wohnt in der gleichen Straße wie sie. Aber vorsichtige Leute machen keine riskanten Geschäfte, und ohne Risiko gibt es keine Millionenboni.

Gut, das man da 31-jährige Afrikaner zum verheizen heranzüchten kann.

Währenddessen leiden andere unter den Folgen der „Experimente“: 20000 griechische Staatsbedienstete werden entlassen. Ihre Kinder werden keine Privatschule besuchen – das gibt es nur für Täterkinder, nicht für die Kinder von Opfern.

Der Spiegel wagt einen seichten Blick auf die größeren Dimensionen dieser Geschäfte:

Die Politik wähnte sich mächtig, als sie vor drei Jahren die US-Investmentbank Lehman Brothers pleitegehen ließ. Ein fataler Irrtum. Die Finanzkrise hat gezeigt, wie sehr das Wohl der Staaten an ihren Banken hängt – und dass Regierungen den Märkten nur hinterherhecheln. Gerade jetzt in der Euro-Krise.

Sieht man nun, warum Verschwörungstheorien blühen? Warum man mit allem rechnen muss?

Wenn man öffentlich die Ohnmacht der Regierungen beschreiben kann und durch einen einfachen Trader aus Afrika auf Strukturen stößt, die jenseits aller normalen bürgerlichen Dimensionen sind (aber auf ihre Steuergelder gerne zurückgreifen), wie kann man da erwarten, das man sich von den täglichen Beruhigungspillen der Tagesschau noch ruhig stellen läßt?

Neben Beruhigungspillen bezüglich des Finanzdesasters möchte man uns übrigens aktuell andere Pillen verkaufen:

In einer offiziösen deutschen Publikation werden Mittel und Methoden zur Erzeugung von Kriegsbereitschaft in der Bevölkerung diskutiert. Die Autoren, die hochrangige Funktionen in Staatsverwaltung, Bundeswehr, Wissenschaft und Medien bekleiden, äußern unter anderem die Auffassung, Bilder von „blutrünstigen Diktatoren“ oder „verhungernden Kindern“ dienten als „moralisches Schwungrad für einen militärischen Einsatz“. Auch die Fernsehaufnahmen vom Einsturz des World Trade Center in New York am 11. September 2001 hätten wie „Motivationspillen“ für den Krieg gegen Afghanistan gewirkt. Dabei unterscheiden die Autoren klar zwischen Massenpropaganda für den „Mann auf der Straße“ und einer ebenfalls von ihnen angemahnten „sicherheitspolitischen Debatte“. Letztere sei eine „Domäne der Eliten“, heißt es: Insbesondere die „außen- und sicherheitspolitisch ernst zu nehmenden Bundestagsfraktionen“ müssten lernen, „Entscheidungen ohne falsche Rücksicht auf die öffentliche Akzeptanz zu treffen“.

Das ist die Domäne der Eliten, die sich um öffentliche Akzeptanz nicht auch noch kümmern kann. Und zu dieser Domäne gehört auch, das (auch) deutsche Steuergelder über UNO-Konten die Aufzucht von Tradern finanzieren, die ungeniert Volkswirtschaften vernichten.

Wetten, ich finde noch mehr ähnliche Lebensläufe an den Schalthebeln der Finanzmacht?

Und darf ich vermuten, das die ihren Job nicht durch die Lottozentrale bekamen?

Entscheidend sind neben den Geldbeutel der Eltern, vor allem das Persönlichkeitsprofil, die Interessen und Stärken der Kinder. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir haben halt die Probleme des Kapitalismus schon in der Schule gelernt – Gregor Gysi im Bundestag

Tja, und deshalb werden die vom Verfassungsschutz beobachtet. Aber zum Glück (für den Verfassungsschutz) gibt es inzwischen viele, die daran arbeiten, das zu ändern. So viele, daß man schon deshalb „Unwählbar“ sagen muß, weil die nicht rausgeworfen werden.

Aber schön reden kann er:

Die Demokratie ist nicht nur gefährdet. Wir haben es wirklich mit Zerstörung zu tun. Wir haben es mit einer Systemkrise zu tun. Wir haben es mit einer Diktatur der Finanzmärkte zu tun. Es sind nicht die Linken, sondern die Finanzmärkte, die den Kapitalismus von innen heraus zerstören. Diese konservative Regierung ist nicht einmal klug genug zu begreifen: Wenn Sie jetzt gerade zur Erhaltung der Strukturen schlauer wären, würden Sie den Spitzensteuersatz erhöhen, würden Sie eine Vermögensteuer einführen. Aber Sie machen es nicht, weil Sie nicht begreifen, welche Fragen auf dieser Erde und Europa anstehen.

 

 

Eine kurze Erklärung der Finanzkrise

[Video]

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Griechenland in der Krise: Kiffende Sonnenuhren und kein Wasser fürs Meer (Teil 1)

mopeds

Auf dem Wege zum internationalen Nachrichtenmagazin leistet sich nun auch der Nachrichtenspiegel eigene Auslandskorrepondenten. Einer davon hat sich todesmutig in die Abgründe der griechischen Inseln begeben und versorgt uns nun mit Bildern der gar erschröcklichen Lage dort.

Wie wir alle wissen, ist die gegenwärtige Lage der griechischen Wirtschaft einzig und allein durch den Schlendrian und die Vergnügungssucht der einheimischen Bevölkerung entstanden. Stimmt. Wie man hier sehen kann kiffen dort sogar die Sonnenuhren:

Gleichzeitig leisten sich die Einwohner, selbst in den kleinen Dörfern deutsche Luxuskarossen, von denen wir hier nur träumen können:

 

Selbst die Haustiere müssen den Gürtel engerschnallen:

Die schlaueren Eingeborenen wappnen sich bereits gegen den drohenden sozialen Flächenbrand. Feuerlöschersammlungen sprießen überall aus dem Boden:

Selbst das fahren von Mopeds wird verboten, um die Benzinimporte zu drosseln. Und Parken darf man sie auch nicht. Man hofft auf den Export – wobei der Weltmarkt für gebrauchte Mopeds schon längere Zeit eher stagniert und das gesteigerte griechische Angebot gar nicht aufnehmen kann.

Schlimm trifft es auch die Fischer und die Tourismus-Industrie. Aufgrund von Sparmaßnahmen fehlt sogar das Wasser, um das Meer aufzufüllen:

Tja, da hilft nur noch… Beten

© alle Bilder: Wolfgang Menne

Live Ticker zur Spanischen Revolution

„Das nun folgende Medienprotokoll erklärt seit Mittwoch dem 18. Mai 2011 detailiert, warum die Berichterstattung in Sachen Spanien, aber auch sonst, in den vergangenen Tagen dubios erschien.

Sinn dieses Medienprotokolls ist es, eine Informationslücke zu schließen, die im Zuge der Ereignisse in Spanien entstand. Der Ursprung der Informationslücke sind unterschiedlich schnelle Informationsflüsse in den sozialen Netzwerken und den Leitmedien. Diese zeitliche Lücke kann gesamtgesellschaftliche Verwirrung stiften.“

Und genau diesen Live-Ticker findet man hier bei „le bohémien“ (klick)

Nach einem Tweet von… ja, genau: le_bohemien. Zufrieden der Herr?

Steuerschätzer rechnen mit Plus, unterm Strich steht aber immer noch ein Minus

Können sie sich noch an die letzte Steuerschätzung erinnern? Das war im November 2010. Damals haben die Experten die Erwartung formuliert, dass der Staat mit deutlich höheren Einnahmen rechnen könne. Vor allem der damals noch Ein-Themen-Partei FDP hat das gefallen. Die Liberalen glaubten, ihr Steuersenkungswahlversprechen doch noch umsetzen zu können. Bekanntlich kam es dann zu Steuervereinfachungen, mit denen sich die liberalen Fachmänner für Luftbuchungen ohne Bodenhaftungsrückkehrversicherung (Zitat: Volker Pispers) brüsteten.

Stolz verkündete man, mit der Erhöhung der Werbungskostenpauschale auch etwas für kleinere und mittlere Einkommen getan zu haben. Dabei kostet die Erhöhung der Pauschale den Staat gerade einmal 330 Millionen Euro im Jahr. Die Beschäftigten dürfen sich demnach auf etwa ein bis zwei Euro Steuerersparnis freuen. Die Hoteliers waren da zuvor deutlich besser weggekommen. Rund eine Milliarde Euro pro Jahr verschenkte die schwarz-gelbe Bundesregierung mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen. Eine weitere Reform der Unternehmenssteuern schlug mit rund 2,5 Milliarden Euro zu Buche.

Das alles wird natürlich durch die freudige Botschaft der Steuerschätzer gedeckt, dem Fiskus stünden künftig höhere Einnahmen zur Verfügung. Im Jahr 2010 schlossen Städte und Kommunen ihre Bilanzen gerade wegen des unerwarteten Steuersegens mit einem Rekorddefizit von 10 Mrd. Euro ab. Da fragt man sich doch glatt, was von höheren Erwartungen zu halten ist, die den katastrophalen Ist-Zustand regelmäßig ausblenden.

Volker Pispers hat das einmal so formuliert:

„D.h., in einer Situation, in der der Staat auf jeden Fall deutlich weniger einnehmen wird, als er ausgibt, wollen sie mögliche Mehreinnahmen für noch höhere Ausgaben nutzen, wohl um das Einnahmen-Ausgaben Abstandsgebot nicht zu verletzen.“

Der Staat gibt deutlich mehr Geld für Bankenrettung aus, als er zur Verfügung hat. Im letzten Jahr betrug die Nettoneuverschuldung 304,4 Mrd. Euro. Davon entfielen allein 232,2 Milliarden Euro, also über 76 Prozent der Neuverschuldung, auf Maßnahmen zur Stabilisierung maroder Finanzinstitute. Sicher ist, dass noch mehr Geld zur Rettung des Finanzkasinos locker gemacht werden muss. Der dauerhafte Eurokrisenmechanismus ist, wie zu erwarten war, bereits jetzt schon am Ende seiner Kräfte angelangt.

Wenn man die Berichterstattung über den Einbruch der griechischen Wirtschaft und den damit verbundenen Vertrauensentzug durch die Märkte so verfolgt, kann man wirklich den Eindruck gewinnen, als hätten Journalisten und verantwortliche Politiker das Märchen vom Spardiktat geglaubt. So als ob sich der Spruch Solidarität nur gegen Solidität tatsächlich verwirklichen ließe. Es war von Anfang an klar, dass mit dem Kürzen von Löhnen, Renten und Sozialleistungen bei gleichzeitiger Erhöhung der Konsumsteuern, die Nachfrage ein- und die Wirtschaft zusammenbrechen würde und damit auch die Einnahmen des Staates.

Das sich Dummstellen der Kanzlerin in dieser Frage haben alle kritiklos zur Kenntnis genommen, weil sie es gut fanden, dass den angeblich so faulen Griechen mal so richtig in den Arsch getreten wurde. Jetzt wird es für die Deutschen wieder teurer. Das war absehbar. Von den Griechen hätte man lernen können, es bei den Portugiesen besser zu machen. Aber nein, auch da wird erst der Fuß ausgefahren. Am Ende wird es noch teurer. Garantiert. So etwas kann man als realistische Erwartung durchaus formulieren. Es wird nur nicht getan.

Stattdessen blickt man auf die Steuerschätzer, die für dieses Jahr neuen Geldsegen voraussehen und somit eine weitere Debatte über Steuersenkungen in Gang setzen werden. Im Grunde genommen kann man es wieder nicht erwarten, die erwarteten Mehreinnahmen, ganz unabhängig davon, ob sie denn auch tatsächlich eintreten, gleich wieder auszugeben.

Geschätzte Steuermehreinnahmen haben eben eine höhere Glaubwürdigkeit als das sicher vorhersagbare Zusammenbrechen ganzer Volkswirtschaften infolge nach wie vor ungezügelt agierender Finanzmärkte, die ihre Verluste durch staatliche Rettungsschirme dauerhaft absichern durften. Wetten, dass es am Ende wieder heißt, die Katastrophe sei völlig unerwartet, wie ein Spring-ins-Feld-Teufel, über uns gekommen?

Was schätzen sie?

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Über die Märkte und das Vertrauen

In dieser Woche sind die Rohstoffmärkte plötzlich eingebrochen. Nun werden wieder viele Gründe genannt, warum das so gekommen sei. Einen Beitrag zur Erklärung leisten sie aber nicht. Ich habe zuletzt darüber berichtet. Auf den NachDenkSeiten hat Albrecht Müller ebenfalls darüber geschrieben und speziell die Spekulation in den Vordergrund gerückt. Dabei hat er die Fragestellung vorangestellt, ob man Spekulation überhaupt braucht, damit ein Markt funktioniert.

Diese Frage ist sehr interessant, weil es ja unter den Analysten selbst kritische Querdenker wie den "Mr. Dax" Dirk Müller gibt, die das Geschehen an den Märkten zum Teil aufs Schärfste verurteilen, aber andererseits nie zugeben würden, dass diese Märkte, auf denen Preise für Währungen, Staatsanleihen und Rohstoffe scheinbar objektiv gebildet werden, überflüssig seien.

Für Börsenexperten wie Müller sind immer noch die Märkte treibende Kräfte im Spiel um Refinanzierung, Investitionen und wirtschaftlicher Entwicklung. Damit bläst er ins selbe Horn wie jene Politiker, die unbedingt das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen wollen, obwohl Misstrauen gegenüber eben diesen, die die Krise verursacht und deren Verluste durch die Staaten übernommen wurden, dringend angebracht wäre.

Zwar gibt auch Dirk Müller keinen Pfifferling mehr auf die Bewertungen der Ratingagenturen, die seiner Meinung nach weniger objektive denn politische Entscheidungen treffen, trotzdem behauptet auch er, dass die Aktivitäten großer Anleihezeichner wie Pimco (Pacific Investment Management Company), die zu Beginn des Jahres haufenweise US-Staatsanleihen verkauften, etwas zu bedeuten hätten.

Das Vertrauen in staatliche Schuldtitel sei angekratzt und auch die Amerikaner müssten sich darauf einstellen, dass ihr Top-Rating irgendwann einmal zur Disposition stehen könnte, weil die Notenbank viel zu viel Geld drucken würde, das im Prinzip nur den Schuldenstand immer weiter in die Höhe treibe, was letztlich fern jeder realistischen Perspektive auf Abtragung dieser Verbindlichkeiten geschehe. Vor zwei Wochen gab es dann auch den Knall. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte angekündigt, den Tripple A Status der USA zu überdenken.

Für Dirk Müller ist also einerseits das, was die Ratingagenturen sagen, nicht mehr von Bedeutung und andererseits dann aber doch wieder, weil sie vollkommen logisch auch die Bonität der USA in Zweifel ziehen.

Dieser Spagat funktioniert nur, weil der Glaube an die Ideologie, dass Märkte und Vertrauen etwas mit einander zu tun hätten, konsequent durchgehalten wird. Dabei hat die Spekulation an den Märkten eben überhaupt nichts mit Vertrauen zu tun, sondern schlicht damit, dass es keine Regeln gibt. Alles ist möglich und noch mehr. Der Staat übernimmt sogar die Verluste beim Zocken, weil er die Spielteilnehmer für systemrelevant erklärt hat.

Wer also nun behauptet, dass der Staat versagt, weil er seine Zentralbanken nicht am Gelddrucken hindert, hat das Grundproblem nicht verstanden. Es geht eben nicht um eine angebliche Geldschwämme, zu niedrige Zinsen oder eine zu hohe Staatsverschuldung, sondern darum, dass durch Spekulation exorbitant hohe Gewinne realisiert werden können. Dazu Albrecht Müller treffend:  

Spekuliert wird nicht, weil die Zinsen niedrig sind. Wenn die Spekulationsgewinne 30 % und mehr betragen, dann ist es ziemlich unerheblich, ob die Zentralbanken 4 % Zinsen oder 0 % verlangen.

Der Anfang wäre die Ächtung der Spekulanten. Die Ackermanns, die Steinbrücks, die Spekulanten von Goldman Sachs und ihre Berater vom Schlage Ottmar Issings. Sie gehören nicht an die Spitze einer von Frau Merkel eingerichteten Kommission zur Reform der internationalen Finanzmärkte sondern auf die Anklagebank. Zumindest moralisch.

Quelle: NachDenkSeiten

Glaube und Ideologie sorgen aber dafür, dass der Staat und jene gewählten Gestalten, die beauftragt sind, ihn zu lenken, davon ausgehen, dass der Finanzsektor ein Bereich sei, in dem etwas gutes für die Volkswirtschaft produziert würde, dass zum Beispiel Banken noch etwas anderes als Geldverleihen anbieten könnten, bei dem man eine Rendite von über zwanzig Prozent erwirtschaften könnte, also ein Vielfaches des jährlichen BIP-Wachstums.

Wer eine so hohe Rendite verspricht, muss spätestens nach den Erfahrungen der aktuellen Finanzkrise als kriminell bezeichnet werden. Die Amerikaner klagen ja bereits gegen die Deutsche Bank. Wann sind wir endlich dran? Frau Merkel, die sich über den Tod von Menschen freut, umgibt sich mit lauter kriminellen Gestalten. Zu Guttenberg ist ein, jetzt auch von offizieller Seite bestätigter, Betrüger, der sich vorsätzlich einen akademischen Grad erschlichen hat und das gesamte Management in der Kommission zur Verschleierung des organisierten Verbrechens auf den Finanzmärkten ist ebenso befallen.

Zurzeit trifft sich die Mafia in Brüssel unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um über die nicht funktionierende Eurorettung zu beraten. Wahrscheinlich wird die Hängepartie erneut in die Verlängerung gehen und alles dafür getan werden, dass die Gläubiger, also vor allem deutsche Banken, geschont werden. Eine Beteiligung der Zocker an den Kosten der Krise wird nicht als Alternative in Betracht gezogen werden, zumal im Merkelschen Dauerkrisenmechanismus eine Gläubigerhaftung in ferner Zukunft ohnehin vorgesehen sein soll.

Die Regierungen müssten, und sie können es auch, dem Spuk ein Ende setzen. Das bedeutet aber, dass sie das Versagen der Märkte anerkennen. Denn nur auf der Grundlage versagender Märkte sind hohe Eigenkapitalrenditen oder permanente Exportüberschüsse überhaupt erst möglich. Danach muss der Staat die Funktion der Banken, die lieber im Investmentgeschäft tätig sind, selber übernehmen und die Versorgung der realen Wirtschaft mit Liquidität sicherstellen. Warum sollte eine Zentralbank nicht selbst Geld verleihen anstatt es den privaten Banken günstig zur Verfügung zu stellen, die es dann wiederum erst gegen hohe Aufschläge an Staaten eines Währungsraums oder den Privatsektor weiterverleihen?

Der Staat hat ganz allein das unverschämte Recht, in seiner Währung Geld zu drucken und durch die Erhebung von Steuern dieses Geld auch wieder einzunehmen. Er kann also nicht pleite gehen.

"Zu sagen, die Märkte würden den Staaten keine Liquidität mehr zu Verfügung stellen, ist so, als ob der Wirt eines Gasthauses, der sein Bier von einer einzigen großen Brauerei bezieht, sagt, er würde diesen Bierbrauern kein Bier mehr verkaufen."

Quelle: Heiner Flassbeck, Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts

Es kann also nicht die Lösung sein, den Finanzmärkten neues Futter zu geben, nur weil man der fälschlichen Annahme folgt, ein Vertrauen wiederherstellen zu müssen, damit das System zur Ruhe kommt. Die Wahrheit ist, dass der Finanzmarkt überhaupt keine stabilisierende Wirkung, die man sich mit solchen absurden Maßnahmen wie Sparprogrammen für Defizitsünder, entfalten kann. Das Gegenteil ist richtig. Auf den Finanzmärkten kommt es nämlich nicht darauf an, sich innovativ oder mit einer Verbesserung der Produktionsverfahren von anderen Marktteilnehmern abzusetzen, sondern schlicht darauf, “mit vielen anderen zusammen, eine Blase zu erwischen, während sie sich noch aufpumpt.” (s.o. Flassbeck).

Es geht also nie darum, reale Produkte und Produktionsprozesse zu verbessern und damit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhöhen. In Wirklichkeit verschwenden Finanzmärkte und die dort stattfindende Spekulation immens viele Ressourcen, ohne dass dadurch ein Gewinn für die Volkswirtschaft entstehen würde. Die Krisenhaftigkeit ist dabei eine Grundbedingung dieses Prozesses. Wer also Finanzmärkte für wichtig hält, wie deutsche Finanzminister zum Beispiel, die sich auch unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit mit den gleichen Mitarbeitern umgeben (Jörg Asmussen) und diese zum einen als Brandstifter und zum anderen als Feuerwehrmänner einsetzen, nehmen wissentlich oder unwissentlich, in jedem Fall aber fahrlässig, volkswirtschaftliche Krisen und instabile Verhältnisse in Kauf.

Neben der Schließung des Finanzkasinos gehört deshalb auch die Entfernung von Politikern aus dem Amt dazu, die nicht verstehen oder verstehen wollen, was um sie herum geschieht. Die auch nicht begreifen oder begreifen wollen, dass es Alternativen zur stupiden Bankenrettung gibt und zu einer Wirtschaftspolitik, die blind und taub dem Dogma sich selbst regulierender Märkte folgt.

Am Ende wird nämlich das Märchen erzählt, dass nicht die Märkte, sondern der Staat versagt hätte und deshalb die Krise erst entstehen konnte. Richtig aber ist, dass der Staat, in seiner Handlungsfähigkeit durch korrupte Politiker beraubt, ohnmächtig gehalten und zur falschen Antwort gezwungen wird. Die gewählte Regierung behauptet immer, gestalten zu wollen. Die gewonnene Hoheit über die Institutionen wird aber missbraucht, um zu Gunsten privater Monopolisten den Staat zu zerstören. Das ist auch ein Form der Gestaltung, aber keine, mit der es sich auf Dauer leben lässt.

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Die Herde folgt nur der Herde und sonst nichts

Die Rally an den Rohstoffmärkten scheint ein Ende gefunden zu haben. Der Ölpreis sackt nun schon den zweiten Tag infolge ab und auch bei Edelmetallen geht es abwärts. Die Herde flüchtet mal wieder genauso kollektiv wie sie mitten in der Krise eingestiegen war. Toll ist mal wieder die Begründung der verdutzten Analysten:

Zum einen fürchten die Anleger eine weitere Straffung der Geldpolitik im wichtigen Verbraucherland China und damit einen Nachfragerückgang. Zum anderen schüren die zuletzt schwachen US-Konjunkturindikatoren die Angst vor einer weiter nachlassenden Wachstumsdynamik in den Vereinigten Staaten, aber auch in Europa.

Zudem nähmen die Investoren nach der langen Rohstoffhausse Gewinne mit, sagten Analysten. Die Stimmung habe gedreht, die Investoren verkauften zunehmend risikoreiche Vermögenswerte. Dies zeige sich auch daran, dass neben Rohstoffen auch Aktien abgestoßen würden.

Quelle: FTD

Die Stimmung habe gedreht. Genau das ist es. Alles andere ist quatsch und soll nur Wissenheit an einer Stelle vortäuschen, wo in Wirklichkeit nur Ahnungslosigkeit und Dummheit vorhanden sind. Börsenanalysten sind so überflüssig wie Sandkästen in der Sahara.

Ein weltweiter Nachfragerückgang hat im Krisenjahr 2009 auch nicht dazu geführt, dass die Anleger weiter aus dem Risiko gegangen sind. Das genaue Gegenteil war der Fall. Im März 2009 stiegen plötzlich die Aktienkurse und vor allem der Preis für Öl und andere Rohstoffe wieder. Der Tiefpunkt der Krise war zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht erreicht und die Öllager waren voll.

Damals hieß es von den Analysten, dass die Märkte den Aufschwung vorwegnehmen würden, weil Frühindikatoren nach oben gezeigt hätten. Brüderle hätte es wahrscheinlich auch nicht anders formuliert, aber mit der Realität haben solche Glaskugelbotschaften rein gar nichts zu tun. Trotz Einbruch der Weltwirtschaft verdoppelte sich der Ölpreis damals in relativ kurzer Zeit. Hatte denn diese Entwicklung etwas mit Nachfrage oder einer Wachstumsdynamik zu tun?

Nun soll ausgerechnet eine Straffung der Geldpolitik in China den Absturz der Kurse erklären. Warum nicht die chinesische Immobilienblase? Oder das europäische Selbstzerstörungsprogramm, das gerade auch auf Portugal ausgeweitet wurde?

Konsequenterweise müssten die Analysten doch sagen, dass die Märkte einen neuerlichen Einbruch der Realwirtschaft vorwegnehmen würden. Wie passt das dann aber mit den Erwartungen derselben Leuchten zusammen, die immer noch von moderaten Wachstumsraten für dieses und die kommenden Jahre ausgehen?

Sie sehen schon, dass hier Nachrichten produziert werden, die dem Reich der Fantasie entsprungen sind. Dabei gehe es immer nur um die Frage, rein ins Risiko oder raus, schreibt der Ökonom Heiner Flassbeck in seinem Buch “Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts. Der einzelne Anleger oder Spekulant läuft immer der gesamten Herde hinterher, ganz unabhängig von wirtschaftlichen Rahmendaten und Fakten.

Es kommt nur darauf an, irgend eine Geschichte glaubhaft zu verkaufen, zum Beispiel das ein Staat pleite gehen oder eine Ressource knapp werden könnte und schon läuft das widerliche Spiel, in dem es keine Regeln gibt und eine Menge Menschen real betroffen sind, weil sie sich plötzlich keine Lebensmittel mehr leisten können. Dieser Mechanismus und seine Verbreitung durch vollkommen behämmerte Börsenanalysten muss endlich beendet werden.

Die Rohstoffpreise sind schlichtweg falsch, weil der Markt ohne Regeln versagt.

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Ein Leyenspiel zwischen Holschuld und Holauftrag

Die aufgewachte Protestbewegung des über Jahre hinweg eingeschlafenen Bildungsbürgertums kehrt auch am heutigen Ostermontag auf die Straße zurück, um deutschlandweit gegen die Atomkraft zu demonstrieren, 25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl. Das ist richtig und wichtig, nur wünschte man sich, dass nicht nur Atomkraftwerke, sondern auch Entscheidungsträger wie Frau von der Leyen endlich abgeschaltet werden.

Das Röschen im Merkel-Kabinett, zuständig für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, möchte am liebsten einkommensschwache Eltern dazu zwingen, dass sie für ihre Kinder das jämmerliche Bildungspaket der Ministerin beantragen, welches sich völlig unerwartet als weiterer Rohrkrepierer der Bundesregierung entpuppt hat. Dabei geht es um den Versuch, die Schuld für das politische Versagen auf die Betroffenen abzuwälzen, die angeblich zu dumm oder zu stur seien, die Segnungen der schwarz-gelben Giftmutter zu verstehen und anzunehmen. Deshalb will man alle Anspruchsberechtigten informieren, auch mehrsprachig, um darauf hinzuweisen, dass einerseits eine „Holschuld“ bestehe und andererseits eine Verpflichtung, sich für die Bildung der eigenen Kinder zu interessieren.

Frau von der Leyen ignoriert somit auch weiterhin die Tatsache, dass es weder genügend Angebote wie Schulessen gibt, noch die zehn Euro pro Monat ausreichen, um aktiv am Vereinsleben teilnehmen zu können. Es ist kein Wunder, dass das Bildungspaket der Ministerin nicht angenommen wird. Das hat aber weniger mit einem Vermittlungsproblem zu tun, als vielmehr mit einer Ministerin und Mutter, die die Sprache der Betroffenen nicht verstehen will, um ihre auf ganzer Linie gescheiterten Bemühungen rund um das Thema Hartz-IV zu verdecken.

Es ist schon verwunderlich. Eigentlich müsste es nach gängigem Vorurteil einen Run auf das Bildungspaket der Bundesregierung geben, da das Merkmal eines Sozialschmarotzers gerade darin besteht, leistungslos überall dort abzukassieren, wo es etwas zu holen gibt. Viele Familien verzichten aber auf das staatliche Almosen. Wahrscheinlich haben die schon genug. Ganz im Gegensatz zur Berater- und Anwaltszunft, die mit politischer Unterstützung sehr viel größere Summen für nichts aus den nicht vorhandenen Steuermitteln abschöpfen dürfen, um ihre knappen Einkommen aufzustocken.

Der Bundesrechnungshof hat den massiven Einsatz von Beratern bei dem staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin kritisiert. Nach Informationen des stern rügte der Rechnungshof den Soffin bereits Ende Dezember in einem vertraulichen Bericht. „Die Vertragsgestaltung“ habe der Soffin „oft im Wesentlichen“ seinen Auftragnehmern überlassen, bemängelte der Rechnungshof. Den Unterlagen habe sich zum Teil „nicht entnehmen“ lassen, warum man für die Aufgaben überhaupt „einen externen Berater benötigte“. Überdies habe der Soffin bei einzelnen Aufträgen „vergaberechtlich fragwürdig“ gehandelt und etwa auf Ausschreibungen verzichtet. Es sei auch „nicht immer“ gelungen, „den Anschein von Interessenkonflikten“ zu vermeiden, kritisierte der Rechnungshof.

Quelle: Stern

Tausende Euro für ein Protokoll und hohe Spesenrechnungen: Der Bundesrechnungshof wirft Ministerien einen nachlässigen Umgang mit Aufträgen an Anwaltskanzleien und Berater vor. Deren Einsatz sei oft nicht ausreichend begründet.

Quelle: Spiegel Online

In den bildungsnahen Schichten geht das eben reibungsloser mit der „Holschuld“. Da wartet ein Anwalt wie Friedrich Merz, ehemaliger Hoffnungsträger der Union, eben nicht erst darauf, dass die Politik mit Geldgeschenken zu ihm kommt, sondern bietet sich und seine zweifelhafte Beratungsdienstleistung permanent an, um vor, während und nach nicht erbrachter Leistungen völlig überhöhte Zahlungen zu kassieren. Solche Leute haben in Wirklichkeit einen regelrechten „Holauftrag“.

Im Gegensatz dazu, sind bildungsferne Familien laut Ursula von der Leyen ganz anders gestrickt.

“Weil die Familien unterschiedlich sind, brauchen wir auch eine gestufte Ansprache. Eine Alleinerziehende, die sich ohnehin für die Bildung ihrer Kinder krummlegt, kommt vielleicht schon mit den Kontaktdaten des Ansprechpartners auf dem Amt zurecht. Bildungsfernere Familien erreichen wir erfolgreicher, wenn wir dorthin gehen, wo die Kinder sind. Die wirklich schwierigen, bildungsfernen Eltern, die weder auf Briefe reagieren noch bei einem Elternabend in Schule oder Kita auftauchen, trifft man ganz sicher im Jobcenter, wo sie sich zur Arbeitsvermittlung melden müssen. Diese Chance können wir nutzen, damit auch diese Kinder das Bildungspaket bekommen.”

Quelle: Sozialticker

Friedrich Merz müsste man sein, der als Veräußerungsbeauftragter der nordrhein-westfälischen Landesbank WestLB 5000 Euro pro Tag (100.000 pro Monat) einsackt für eine Aufgabe, die er nach Sachlage gar nicht erbringen kann.

Um bei einem Verkauf „Verluste für den Bund zu vermeiden“, so der Rechnungshof, müsste der Erlös „mindestens das ausgewiesene Eigenkapital erreichen“. Dafür bräuchte die WestLB „nachhaltig renditestarke Geschäftsfelder“ – was unsicher erscheint. Schon im Juli 2010, kurz nach der Auftragserteilung an Merz, formulierte der Finanzvorstand der Landesbank Zweifel an deren „Veräußerbarkeit“. Investoren würden eine zweistellige Eigenkapitalrendite erwarten, so Vorstand Hans-Jürgen Niehaus – doch die könne die Bank auch 2011 nicht bieten. Ähnlich urteilte vor wenigen Wochen eine sechsköpfige Expertenkommission, die die Bundesregierung eingesetzt hatte. „Für einen Verkauf im Ganzen“, wie ihn Merz versucht, seien die Chancen „sehr begrenzt“, schrieben die Fachleute unter dem Vorsitz des Bonner Professors Daniel Zimmer.

Quelle: Stern
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Rating-Agenturen

Inzwischen dürfte jedem klar sein, dass Rating-Agenturen über Wohl und Wehe ganzer Staaten entscheiden. Ihrer Bewertung der Kreditwürdigkeit – sie kennen ja Tripple A (AAA), die Bestnote, und den Ramschstatus, der bereits mit dem Buchstaben B beginnt – folgen alle Marktteilnehmer. Wenn eine Rating-Agentur glaubt, Länder wie Griechenland, Irland, Portugal oder Spanien herabstufen zu müssen, weil sie viele Schulden haben, dann verteuern sich deren Staatsanleihen und Kreditausfallversicherungen. Dass das ein Geschäft für Banken und Spekulanten ist, soll nicht das Thema sein, sondern vielmehr die Frage, wie die Rating-Agentur zu ihrer Bewertung kommt.

Heute wurde bekannt, dass Standard & Poor’s den Tripple A Status der Vereinigten Staaten in Frage stellt. Es drohe eine Herabstufung.

Der Rating-Riese Standard & Poor’s stellt die Top-Bonität der USA in Frage. Die US-Kreditwürdigkeit werde zwar weiter mit der Bestnote „AAA“ bewertet, der Ausblick sei jedoch negativ, teilte S&P am Montag in New York mit. Es droht also eine Herabstufung in den kommenden zwei Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu komme, liege bei 33 Prozent, sagte eine Analystin der Rating-Agentur.

Quelle: Spiegel Online

Und weil eine Analystin präzise ausgerechnet haben will, dass eine Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent für eine Herabstufung bestehe, brechen sämtliche Kurse an den Aktienmärkten ein. Dabei ist die exorbitant hohe Verschuldung der USA kein neues Phänomen. Im Jahr 2009 lag die Staatsverschuldung der USA bei 83 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen bei moderaten 3,7 Prozent. Für Rating-Agenturen war das damals kein Problem. Japan hatte im Jahr 2009 sogar eine Staatsverschuldung von 190 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen lagen aber unter einem Prozent. Deutschlands Schuldenstandsquote betrug in 2009 73 Prozent des BIPs. Die Zinsen auf zehnjährige Anleihen lagen bei 3,3 Prozent.

Wo ist da also ein Zusammenhang zwischen Schuldenstand und Verzinsung? Die südeuropäischen Staaten Griechenland mit 112%, Portugal mit 77%, Spanien mit 54% und Italien mit 114% Staatsschuldenstand mussten in 2009 Zinsen zwischen vier Prozent (Spanien) und sechs Prozent (Griechenland) zahlen. Welcher Logik folgt das?

„Mit anderen Worten, der im Vergleich zu Japan nur ungefähr ein Viertel mal so stark verschuldete spanische Staat zahlt den dreifachen Zinssatz. Griechenland, das nicht einmal doppelt so hoch verschuldet ist wie Deutschland, musste mit 276 Basispunkten im Vergleich zu Deutschland fast den doppelten Zissatz für seine Staatsschulden aufbringen. Das noch stärker verschuldete Italien hingegen hatte nur 82 Basispunkte über dem deutschen Zinssatz zu schultern. Das lässt nur den Schluss zu, dass selbst im Urteil der ‚Märkte‘ öffentliche Schuldenstand und Zinsdifferenzen viel weniger miteinander zu tun haben, als allgemein unterstellt.“

Quelle: Heiner Flassbeck, Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts

Und es ist auch im Fall der USA jetzt so. In 2009 betrug die Rendite der zehnjährigen Papiere wie oben erwähnt 3,7 Prozent. Nun ist der Markt durch die Ankündigung von S&P verschreckt, wie es heißt. Dabei liegen die aktuellen Zinsen auf zehnjährige Anleihen bei 3,44 Prozent. Wieso entsteht gerade jetzt Panik, obwohl die Zinsen im Vergleich zu 2009 niedriger sind? Nur weil Analysten einer Rating-Agentur eine 33prozentige Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA errechnet haben wollen? Geht’s noch? Und wieder greift der Herdentrieb.

Offensichtlich soll die drohende Herabstufung ein politisches Signal sein und zwar gegen die Obama-Administration. Den rechten Hardlinern in der republikanischen Opposition, die noch härtere Sparmaßnahmen verlangen bei gesenkten Bush-Steuersätzen, dürfte das in die Karten spielen. Es geht mal wieder darum, dass eine Regierung gezwungen werden soll, gegen jeden ökonomischen Sachverstand, sich dem Diktat von Spekulanten zu unterwerfen. Die Tatsache, dass den Einschätzungen des Rating-Agentur-Gesindels, die sich der Tarnung wegen Analysten nennen, immer noch große Bedeutung beigemessen wird, ist ein Zustand, den es dringend zu überwinden gilt.

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