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Deutschland – die Kultur der Angst … und des Bösen

Dienstag, 5.12.2017. Eifel. Erstmal ein persönliches Wort. So langsam entwickeln meine Beiträge hier den Stil von Vorlesungen – ich hoffe, das stört Sie nicht? Ich habe auch nur selten noch Zeit für lange Diskussionen, meine Lebenszeit ist gerade – wegen meiner Krankheit und der meiner Kinder – äußerst knapp. Trotzdem ist es mein innigster Wunsch, den mir möglichen Teil dazu beizutragen, eine bessere Welt aufzubauen. Dafür schaue ich erstmal dahin wo es hakt – bei leichtem Klopfen im Motor oder leerem Tank kauft man sich ja auch nicht sofort einen Neuwagen, sondern schaut erst mal nach, ob es nicht sanftere Lösungen gibt. Das kann manchmal Angst machen – doch ist dies nicht beabsichtigt, noch wäre Angst ein falsches Gefühl, dass sich breit macht. Doch gleich dazu mehr, denn: dieses mal möchte ich einem ganz besonderen Menschen einen Gefallen tun und eine Frage beantworten, die im Vorbeigehen gestellt wurden:

„Du hast die verschiedenen Mythen angesprochen, und ich stimme zu: das Gegeneinander müssen wir irgendwie überwinden. Das grösste Problem ist vermutlich die Angst voreinander. Falls Du mal Zeit hast, kannst Du einmal etwas darüber schreiben? Nicht so sehr aus psychologischer Sicht, sondern aus gesellschaftspolitischer und philosophischer Sicht?“

Ja – den Begriff Mythen … das sei zuvor bemerkt … verwende ich gerne und oft und schon so lange, dass ich ganz vergessen habe, dass er im modernen oft durch den Begriff „Lüge“ ersetzt wird – mein Begriff Mythen enthält tiefe Wahrheiten, die nur auf anderem Wege nicht zu vermitteln sind, unbewiesene Themenkomplexe, die viel Wahrheit enthalten.  Natürlich ist die Existenz von Homosexuellen kein Mythos, um mal ein Beispiel zu geben, aber bei der Auseinandersetzung um diese Lebensweise blühen viele Mythen auf – ganz ursprünglich und die Frage: ist das natürlich oder nicht natürlich? Sind wir alle homosexuell und die Homophoben nur viel zu verklemmt – oder ist Homosexualität nur eine Verirrung der Launen, die dazu führen wird, dass alles tierische Leben innerhalb einer Generation aussterben würde? Ich möchte über diesen einen – beispielhaften – Punkt nicht ausführlich diskutieren (auch nicht über die anderen 60 Geschlechter, die Facebook aktuell zur Auswahl anbietet), sondern gleich zu Beginn jene Perspektive benennen, die in all´ jenen Diskussionen zu kurz kommt: wir begegnen uns in diesen Diskussionen nur noch als fragmentierte Wesen, als aufgeteilte Wesen, die auf einen bestimmten Aspekt unserer Lebendigkeit reduziert werden, als wäre dies alles, was uns ausmacht. Viel mehr Frieden hätten wir, wenn wir uns in erster Linie als Menschen begegnen würden.

Nehmen wir einen anderen Mythos, der noch viel mehr Menschen betrifft (ja: in der Tat ist die Gruppe der Homosexuellen verschwindend klein in der Gesellschaft – und es ist schon etwas auffällig, wie viel Zeit und Energie auf die Abhandlung von Sexualpraktiken verwendet wird, die doch – da wird wohl jeder zustimmen – generell Privatsache ist, sofern niemand zu Schaden kommt): der Kampf der Geschlechter, der ewige, große Kampf von Mann gegen Frau – spüren Sie auch beim Lesen dieser Zeilen, wie sich innerhalb von Ihnen schon etwas in Position bringt, wie Sie sich in Reih´ und Glied stellen, um mit „ihrer“ Gruppe in Verteidigungshaltung zu gehen? Sicher – der eine mehr, der andere weniger, aber betroffen davon sind die meisten. Es ist zudem wirklich seltsam, wie manche sich über Transvestiten aufregen, sich aber selbst zu Karneval – da, wo es „erlaubt“ ist – in dümmlichste Gestalten verwandeln, aber nie die Perspektive schaffen, wie heilend das sein kann, Menschen in der Gesellschaft zu haben, die Karneval (also – das ursprüngliche Fest, dass unserer Orgie kontaktloser Geselligkeit vorausging, einem Fest, in dem sich alles umdrehte, was zuvor als normal galt) in den normalen Alltag hineinbringen … wobei es müssig ist zu diskutieren, warum die so sind, wie sie sind: die Freiheit des Menschen ist doch in einer christlichen Gesellschaft höchstes Gut?

Wenn wir uns nur als fragmentierte Wesen begegnen, ist der Konflikt vorprogrammiert: der Arbeiter gegen den Unternehmer und den Arbeitslosen, der Rote gegen den Schwarzen, der Grüne gegen den Gelben, der Christ gegen den Heiden – und nicht zu vergessen: der richtige Christ gegen den Falschen. All´jene – für den anderen jeweils böse Menschen –

Das ist unsere moderne Welt – der fragmentierte Mensch gegen den Rest der Welt, ein Mensch, der sich – ohne großen Widerspruch – als durch einen bloßen Teilbereich seiner Existenzform vollständig beschrieben ansehen läßt – und sich viel zu oft auch als solcher ansieht. Millionen kleiner Inseln, in der jeder für sich … schrecklich einsam ist, dies aber mit dem enormen Getöse kontaktloser Geselligkeit in unterschiedlichsten Formen übertüncht – und sei es durch das hirnlose Blöken politischer Parolen, die er selbst nie hinterfragt hat … hier sehen wir auch umgehend ein Manko der ganzen modernen politischen Welt: anstatt Weise mit eher konservativen oder eher progressiven Visionen, die im friedlichen Dialog den meisten Gewinn für alles Leben herausholen wollen, dabei ihre eigenen Positionen auch stets kritisch hinterfragen und Respekt vor dem Wert des Gegners haben, ist die politische Welt voller Kasperle, die eine seicht geschriebene Rolle im Theater schlecht ausfüllen.

An jenem Inselgefühl war auch die Philosophie der Aufklärung Schuld, hat sie uns doch klar gemacht – nochmal, Plato war damit schon vor 3000 Jahren dran – dass wir durch die Beschränktheit unserer möglichen Dankkategorien (nach Kant sind es nur 12 Kategorien, in die wir Umweltreize sortieren können) und die Beschränktheit unserer körperlichen Sinne (was letztlich Descartes zu dem Schluss brachte, dass nur die Tatsache des Denkens selbst uns dazu bringen kann,  zu beweisen, dass wir wirklich „sind“) unwissend und blind, taub und gefühllos in einem völlig unverständlichen Universum herumreisen. Es war aber auch die Philosophie, die uns – von vielen kaum bemerkt – da wieder herausholte. Es war Arthur Schopenhauer, der durch längeres Reflektieren des Zustandes „Mitleid“ erkannte, dass Mitleid unser Zugang zur Welt ist: nur durch Mitleid (und nicht Mitgefühl – was wesentlich seichter und distanzierter ist und nicht zu sofortigen Tat auffordert) können wir in direktem Kontakt mit unserer Umwelt treten, weil wir das Leid der leidenden Kreatur (sein Beispiel war ein Pudel, der Schmerzen hat) tief in uns erkennen und somit mit ihm in gleicher Weise mitleiden – und ergo auch so schnell handeln, als hätten wir selbst einen Dorn in der Haut. Das Mitleid ist die Brücke zwischen allen lebendigen Kreaturen – und die edelste und wahrste Eigenschaft des Menschlichen an sich.

Hört sich irre an, oder?

Nitzsche sah das genau so – nur waren seine Schlussfolgerungen anders: durch Mitleid wurde das Leid ansteckend! Nitzsche starb, als er das Leid eines Pferdes nicht mehr aushalten konnte, das vor seiner Tür geschlagen wurde … war also im Alter wieder natürlich menschlich, bewies quasi durch Tat das Gegenteil seiner Philosophie.

Wir können und dürfen diese Zusammenhänge aber auch anders sehen: als freie Menschen dürfen und können wir jeder Zeit Mitleid – ohne jede großartige gedankliche Reflexion – als zentralen Wert unseres Lebens setzen … einfach so. Gleiches gilt natürlich auch für den Sadismus, jene recht neue Form von Ethik, die auf den Marquis de Sade zurück geht, dessen Name überhaupt erst den Begriff in die Welt brachte. Entscheiden sie selbst: welche Welt wäre Ihnen lieber, wo würden Sie sich wohler fühlen: in einer Welt, in der jedes menschliche Wesen sein Mitleid auslebt – oder in einer Welt, in der jedes menschliche Wesen seine eigene Lebensqual aus Rache an einer bösen Welt an anderen Geschöpfen ausläßt?

Nun – sie haben keine Wahl: Sie leben schon längst in einer Welt, die von den letzteren dominiert wird – und gerade das macht ja Angst – womit wir zur nächsten Frage kommen, der Frage nach der Angst. Angst selbst – oft auch als Feind betrachtet – ist einfach ein natürliches Gefühl, somit erstmal gar nicht zu bewerten. Sie ist – wie Schmerz – ein unangenehmes Gefühl, sicher. Doch Schmerz … ist ein Ausnahmezustand der Nerven, eine Überreizung der selbigen – wie viel Spaß wir ohne Nerven an Sexualität hätten, kann sich jeder vorstellen, auch der Badeurlaub mit Wind und Sonne auf der Haut, hellem Licht und betörendem Rauschen der See würde wie der warme, streichelnde Sand unter unseren Füßen völlig bedeutungslos für uns werden, hätten wir keine Nerven – und niemand würde sich wünschen, bloß wegen der Existenz von Schmerzen alle Nerven aus seinem Körper zu entfernen. Schmerz – ist der Preis, den wir für Nerven zahlen müssen … und zwar nur dann, wenn es Sinn macht: spüren wir Schmerzen, werden wir – wie beim Mitleid – zur Handlung aufgerufen, z.B. endlich mal zum Zahnarzt zu gehen und langfristig gesehen den Zuckerkonsum runter zu schrauben. Und für den Masochisten – also jene Sadisten, die ihren Hass auf Leben gegen sich selbst wenden (oder manchmal einfach schon so gefühllos geworden sind, dass sie lieber Schmerzen spüren anstatt das ewige Garnichts weiter ertragen zu müssen) – ist Schmerz sogar was Sinnvolles.

Und die Angst voreinander? Läßt Sie sich hinreichend damit erklären, dass wir über die Existenz von Sadisten, von „bösen“ Menschen wissen?

Ich habe mal die Edda gelesen, jene Sammlung aus alten germanischen Liedern, Sprüchen und Gedichten, in der mir etwas besonderes begegnet ist: die heilige Gastfreundschaft der Germanen. Jeder war als Gast aufzunehmen – und das in den Zeiten, in denen wir außerordentliche Gewalt und chaotische Zustände vermuten und mit Schaudern dran denken: doch als müder, erschöpfter Wanderer konnten Sie sich sicher sein, niemals obdachlos zu werden, schon in den Zeiten vor Christi Geburt gab es Menschen im „bösen“ Deutschland (jetzt mal absichtlich überspitzt formuliert), die „Menschlichkeit“ (also: die Akzeptanz von Mitleid als obersten, nicht zu hinterfragenden Wert) gelebt hatten – wenn auch gepart mit außerordentlicher Vorsicht vor dem Anderen.

Heute, in der aufgeklärten, zivilisierten Gegenwart … erleben wir so etwas nur noch selten. Wer kriegt nicht gleich Panik bei dem Gedanken, einen Fremden in seine Wohnung zu lassen?

Sicher – manches in Ihnen wird jetzt revoltieren, sich empören, sagen: so einfach kann man das doch nicht sagen – und da haben Sie völlig Recht! Nur: wieviel Wörter soll ich in dieser kleinen Vorlesung noch machen, um die größten Fragen der Menschheit zu beantworten? Ich kann Ihnen sagen: es werden hunderttausende sein müssen – die Sie mit Sicherheit nie lesen werden. Sie müssen mir ja auch nicht auf diesem Weg der Sicht der Welt folgen – was mich aber nicht davon abhält, anderen Menschen aufzuzeigen, dass man den Rahmen, in dem man die Welt deutet, auch anders drehen kann … und darf.

Angst ist eine natürliche Reaktion auf Bedrohung – wie Schmerz. Sie ist an sich nicht zu verteufeln – obwohl es passenderweise auch geistige Strömungen im esoterischen Bereich gibt, die Angst selbst – wie andere „dunkle“ Gefühle – als Feind ansehen und sie uns absprechen wollen … ohne zu merken, dass sie uns damit einen großen Teil unserer Menschlichkeit nehmen, die wir auch brauchen: sofern wir nicht in einer Welt voller Liebe und Mitleid leben (und die gab es schon vor der Existenz des Menschen nicht und wird es auch nach seinem Verschwinden nicht geben – die Energieversorgung diese Planeten ist nun mal kannibalisch: einer frisst den anderen – darüber ist auch noch gesondert zu reden) hilft uns die Angst, wachsam zu bleiben.

Warum ist unsere Angst aber um so vieles größer als die Angst der wilden Germanen?

Dazu gäbe es viel zu sagen: das dörfliche soziale Umfeld gibt einem Menschen im Stamm viel mehr Sicherheit, Hilfe wäre jederzeit vor Ort, der einzelne Gast würde ein Attentat (sofern er es im Sinn hat) nicht lange überleben – sowas könnte man anführen, ich jedoch habe anderes im Sinn: machen Sie einfach mal den Fernseher an, was sehen Sie?

Tausend Krimis auf hundert Kanälen. Die beständige Botschaft – unterstützt durch „Nachrichten“ über übelste Verbrechen jeder Art – dass der Feind des Menschen der Mensch ist. Die Folge? Alle bleiben irgendwann in ihrer Wohnung, denn draußen, ja, draußen: da lauert der Feind. In der Nachbarschaft, auf der Arbeit, im Straßenverkehr. Wenn Sie denen dann noch Szenen vorspielen von der Bestialität der IS und eine Million junger Männer aus diesen Lebensräumen nach Deutschland importieren, dann explodiert die Angst – und der Ruf nach dem starken Führer kommt wieder hoch. Ja – sowas kann man steuern … wie auch eine andere Gesellschaft. Schauen Sie sich mal den Film „Free Rainer – dein Fernseher lügt“ an: dort wird ein Experiment durchgeführt – als Schauspiel – das demonstriert, wie man durch Änderung der TV-Botschaft die ganze Gesellschaft umbauen könnte. Vier Stunden am Tag lassen sich die Menschen mit der Botschaft von der bösen Welt einlullen – noch nie in der bekannten Geschichte der Menschheit waren wir in so zeitlicher, fast allumfassender Dichte der Indoktrination ausgesetzt – flankiert von Radio und Zeitung.

Ach ja – das Böse. Haben Sie noch kurz Zeit? Wirklich – ich wollte nur einem sehr großzügigen und edlem Menschen, der Mitleid beispielhaft lebt, eine Frage beantworten, aber Antworten, die erschöpfend sind, kriegen Sie nicht im Twitterformat.

Ein kurzer Exkurs über das Böse – was in uns die tiefsten Ängste auslösen kann – auch weil die Begegnung mit dem Bösen, wie andernorts schon mal ausführlich dargelegt, viel eher ein Gefühl von Entsetzen und Abscheu ist denn ein rationales moralisches Urteil. Kurz gesagt: es gibt drei Formen davon. Die erste Form ist jene, die wir die satanische nennen würden (obwohl der Begriff völlig falsch ist, aber sei´s drum): die Auflösung des Menschen im – um ein Beispiel zu nennen – orgiastischen Opiumrausch, man kann sie bildhaft mit dem Element Feuer darstellen. Die zweite Form ist jene, die Hannah Arendt bei Adolf Eichmann gesehen und als „Banalität des Bösen“ beschrieben hat – während die feurige Form des Bösen die Auflösung des Menschen beschreibt – zur Not in alle Einzelteile – ist diese Form eher eisig, frostig, schön symbolisiert durch Hochhäuser aus Glas und Stahl, in denen jede Lebendigkeit eingefroren und systematischer Massenmord jederzeit möglich wird (aus banalen, betriebswirtschaftlichen Gründen) – und ja, nebenbei haben wir hier jene Aspekte, die zum Drogenproblem der USA führen – eigentlich jede Großstadt ist so gesehen ein Tempel des Bösen in seinen beiden Formen – der extremen Hitze und der extremen Kälte. Nichte Wärme oder Kälte an sich sind schlimm, nicht Chaos und Ordnung an sich, nicht links und rechts an sich, sondern – ihre Extreme. Darum läuft eine Gesellschaft gut, in der progressive Chaoten mit konservativen Schlipsträgern gemeinsam nach Lösungen suchen, mit denen alle gut leben können – und darum laufen Gesellschaften schlecht, in denen eine der Kräfte die Oberhand gewinnt.

Die dritte Form des Bösen ist weniger bekannt, wir finden sie im ersten Satz der Bibel: Und Gottes Geist schwebte über den Wassern. In jenen „Wassern“ finden wir den Leviathan, nicht Wal, sondern eins jener Wesenheiten, die vor der Erschaffung des Universums das Nichts beherrschten – und sich enorm gestört fühlen durch die Sonnen in ihrer Leere. Es ist die schlimmste, vernichtendste Form des Bösen, die Menschen je erkannt … oder ersonnen … oder erfühlt … haben, doch eine, die einem nur höchst selten begegnet. Das chaotische Böse kann gelegentlich mal einen Menschen aus Zorn und Raserei töten – und dabei sogar Lust empfinden, das aus der Vernunft geborene Böse kann jederzeit mal eine Million Menschen auslöschen – ohne jedes Gefühl – die aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein zu großer Kostenfaktor geworden sind die und Bilanz trüben, aber das Böse jenseits der Schöpfung erfreut sich an Schmerz und Leid, fügt es gerne absichtlich zu und trachtet letztendlich nach der völligen Vernichtung allen Seins; es ist Hass pur … und folge ich meinem aktuellen Lieblingsautor Preparata, so wird die intellektuelle Szene der USA gerade von den Anbetern (und ja: einige von denen beten wirklich und richtig auf einsamen Hügeln zu diesen chtonischen Göttern) jener Form des Bösen beherrscht … was uns einige merkwürdige Abweichungen in der Geschichte erklären kann, die – wenn nur rein aus der Vernunft heraus gestaltet – eine planetare Zivilgesellschaft etabliert hätte. Diese Form des Bösen würde auch – theoretisch gedacht – die anderen Formen vernichten, bildlich gesprochen auch den Satan vernichten, wenn es das könnte (und es ihn gäbe).

Es gibt Menschen, die verschreiben sich diesen Formen des Bösen, preisen sie als höchstes Gut. Warum – nun, da kommen wir in psychologische Bereiche, die wir in diesem Format nicht noch zusätzlich erschöpfend abhandeln können, doch die Begegnung mit diesen Menschen kann Angst erzeugen. Einfach gesagt: wenn führende Politiker strunzdämliche Sätze formulieren wie „wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ oder arbeitslose Menschen als Parasiten und Schmarotzer abgetan werden, wird automatisch flächendeckend Angst erzeugt. Ohne eine gewisse Lust an der Qual von Menschen (Mitbürgern) wäre so ein Gesetzesmonster wie Hartz IV überhaupt nicht denkbar – und alle anderen Formen von Kriegen eben so wenig.

Haben wir nun alle Fragen unserer geschätzten Leserin beantwortet? Ich hoffe: ja. Erschöpfend? Nein – aber ich wollte unbedingt unter 3000 Wörtern bleiben. Einfach mal so – weil diese einfachen Fragen nach der Angst des Menschen vor dem Menschen in Wirklichkeit nicht einfach sind sondern Philosophiegeschichte und Menschheitsgeschichte (was im Prinzip dasselbe ist, bedenkt man, dass Menschen von Werten geleitet werden – leider heutzutage oft völlig unbewusst – die von der Philosophie gesetzt wurden) der letzten dreitausend Jahre betreffen.

Und was man dagegen tun kann?

Nun – manche … tun was dagegen, schaffen eine menschliche Kultur innerhalb des Chaos, jenseits von rechts und links – wie jenes kleine Dorf in Britannien, das sein Schicksal selbst in die Hand genommen hat (siehe: Schlaglichter.at). Das ist möglich, wenn die Menschen den Mythos vom bösen Menschen sein lassen, wenn Konservative sozialistisch werden, um ihr eigenes Dorf zu retten – und Sozialisten aus gleichem Grund mit Konservativen „eine Sache“ machen (und sich effektiver, konservativer Arbeitsorganisation unterwerfen), sich auf ihr Menschsein besinnen und zusammen … ein kleines Wunder schaffen. Und gerade solche Wunder möchten die dunklen Kräfte verhindern und erfinden eine Flut von Kampfbegriffen (wie „Querfront“), um sie im Ansatz zu ersticken. Man wird nicht automatisch rechts, nur weil man mit einem „Rechten“ (der auch von der CDU, der FDP oder den GRÜNEN sowie der SPD …. und aktuell auch den Linken … kommen kann – nicht alle Rechten sind Nazis, in Wirklichkeit ist das nur eine winzige Minderheit) zusammen den Staudamm repariert, der zu zerbrechen und das Dorf zu überfluten droht. Auch hier wird – wie mit den Krimis und Hartz IV – flächendeckend Angst geschürt … vor den bösen, unsichtbaren, überall verborgenen Nazihorden, die nur darauf warten, wieder über die zivile Welt herzufallen.

Und – um ein klares Wort zu sagen: der NS-Staat war ein Staat, der die eisige Form des Bösen bis zum Exzess ausgelebt hat, so wie die IS die chaotische Form des Bösen auslebt (sofern ich den aktuellen Berichten trauen darf); die von der (nichtjüdischen!) Plutonomie gesteuerte Zivilisation jedoch … nun, gehorcht nach Preparata eher der dritten Form des Bösen, die absolute Vernichtung im Sinn hat. Wenn man de Sade verstanden hat, versteht man auch warum: aus Zorn über eine Welt, in der der Tod den eigenen materiellen Reichtum vernichtet.

Und jetzt … habe ich doch über 3000 Wörter gemacht.

Sorry.

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Die unerträgliche Trägheit der Deutschen: G 20 in Hamburg

Freitag, 7.7.2017. Eifel. Es ist mal wieder Zeit, kurz etwas in eigener Sache zu schreiben. Rufen Sie mal den „Nachrichtenspiegel“ auf, das nichtkommerzielle Nachdenkmagazin, das am 4.7.2010 startete. Ja – wir sind jetzt sieben Jahre alt geworden, haben die Kleinkindphase hinter uns. Vor 2015 waren es zehn Millionen Leser, heute sind es: 18.536.882 Zuschauer seit dem 09.12.2011 12:00. Gut – die kommen nicht alle täglich vorbei, es verteilt sich auf eine lange Zeit: aber es scheint mir schon erstaunlich zu sein, wie viele Menschen man als Privatmann erreichen kann, auch mit langen, komplizierten Texten, die ihre Quellen hauptsächlich aus dem Mainstream beziehen. Ja – ist ja oft kritisiert worden: ich lese Mainstream. Ich bin ja auch kein Verfechter des Wortes „Lügenpresse“, ja manchmal scheint mir halt „Lückenpresse“ zu hart, ich würde eher von „Willkürpresse“ reden, die reale Informationen mit massiver sprachlicher Gewalt in irreale Schemata presst – mein Job ist es da nur, sie in anderen Schemata abzubilden, kleine Geschichten darüber zu schreiben, aus welcher Sicht man das noch sehen könnte, um sich umfassend eine Meinung bilden zu können. „Even the worst case“ war die Devise, als ich damals anfing zu schreiben – für jemanden aus dem Management ganz normal, für die Politik in Berlin: eine fremdartige Perspektive, dort herrschte eher Pippi Langstrumpf – man machte sich die Welt, wie es einem gefällt.

Kurz nach unserem fünften Geburtstag erhielt ich einen offenen Brief von dem Herrn Parkwächter – ich hatte wohl den Eindruck erweckt, als wäre ich hoffnungslos und würde bald das Schreiben einstellen; er wollte mir ins Gewissen reden, warum das gar nicht geht. Ich gestehe, er hatte Recht – und immer wenn mich der Gedanke beschleicht, dass ich vielleicht doch lieber Fernsehen schauen oder Bier trinkend am Strand liegen sollte, dann weiß ich, dass ich dort in seinen Worten die Gründe finde, nochmal ein paar Worte zu machen – und zwar heute auf Wunsch eines Menschen, der die Welt nicht mehr versteht.

Gehen wir dazu erstmal in die jüngere Vergangenheit. Können Sie sich noch an das Jahr 1987 erinnern? Ich zitiere da mal was aus dieser Zeit (siehe Spiegel):

„Die Belagerung begann mitten in der Nacht. Lange vor Beginn der Frühschicht rückten Trupps mit Hunderten von Stahlarbeitern in die Stadt aus. Sie riegelten Bundesstraßen ab und sperrten eine Autobahnauffahrt. Knapp 16 Stunden lang blockierten die Männer eine dreispurige Rheinbrücke.“

Faszinierend, oder? Obwohl ich auch zu den Menschen gehörte, denen die Staus an jenem Tage zu schaffen machten, war meine Laune gut: solange sowas noch auf deutschen Straßen geschah, war die Demokratie sicher. Wenn wirklich was schief lief in der Bürokratie, konnte man sicher sein: die Jungs vom Stahlwerk machen die Autobahnen dicht:

„Der Duisburger Stadtteil Rheinhausen war vorigen Mittwoch fast abgeriegelt. Hinter Straßensperren und heißen Kokskörben hatten sich Tausende von Stahlarbeitern in Stellung gebracht. Arbeiter drohten, dicke Stahlbrammen auf die Autobahn zu werfen oder die A 2 zu besetzen. Selbst NRW-Ministerpräsident Johannes Rau konnte nur auf Schleichwegen in die Stahlfestung gelangen.“

Ja. Es kam keine Polizei, sondern der Ministerpräsident. Persönlich – um mit den Jungs zu reden. Die Jungs zeigten auch deutlich, dass der Spaß vorbei war, sie wurden sehr persönlich und zeigten Konsequenzen auf:

„In Rheinhausen verbrannten Arbeiter eine Stoffpuppe. Sie trug den Namen des für den geplanten Abbau verantwortlichen Chefmanagers Gerhard Cromme. Ein Demonstrant trug ein Pappschild vor dem Bauch: „Wenn Krupp-Rheinhausen stirbt, dann stirbt auch Cromme“.“

Und das Volk? War auf ihrer Seite:

„Der ganze Stadtteil, geprägt von Krupp und verschweißt mit Stahl, macht mobil. Rund 12000 Duisburger Schüler bauten sich vorigen Donnerstag neben einem Galgen auf und forderten „Zukunft für die Kinder von Rheinhausen“.“

Sie hatten verstanden, welche taktischen Schritte sie zu unternehmen hatten, um ihre strategischen Ziele zu erreichen: ist die Autobahn dicht, geht nichts mehr in den Städten. 18 Jahre später verriet die SPD zusammen mit den Grünen mal wieder ihre ganze Wählerschaft, zersägte den Sozialstaat, brach der Arbeitnehmerschaft das Rückgrat, führte stolz den besten Niedriglohnsektor Europas ein – also: Sklavenarbeit für Millionen – und nichts rührte sich. Man konnte sich wundern: wenn schon ein paar hundert Stahlarbeiter erfolgreich Straßen blockieren konnten, wenn ein paar tausend Stahlarbeiter einen ganzen Stadteil erobern konnte – was konnten da Millionen ausrichten? Nun: eine ganz neue Republik schaffen, eine Republik, die aktiv auf die Herausforderungen der Gegenwart zum Schutze der Eigentümer des Landes (der Bürger – also: uns alle) reagiert und nicht nur Arbeitslose als Sündenböcke an die Wand stellt, die auf einmal ganz allein für die Folgen der irren und willkürlichen Globalisierungsorgien verantwortlich gemacht wurden – als Faulpelze, Parasiten und Schmarotzer, nicht in der Lage, sich durch positiv Denken einen echten Arbeitsplatz herbeizuphantasieren.

Was war geschehen in den Jahren?

Nun – manche sagen, es seien die Arbeiter, denen  durch Hartz IV der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Ich habe dazu mal in privatem Kreise eine Umfrage gestartet, bekam dazu unter anderem diese Antwort:

„Lieber Reiner, wie du weißt, habe ich 6,5 Jahre als Gründer und Vorsitzender einer Unternehmerbewegung viele Vorträge gehalten. Darüber was sich in diesem unserem Lande ändern muss. Ganz ohne linke Gesinnung. Während und danach sagten die meisten, genau so isses. Kaum war eine Nacht vergangen, stiegen sie in ihr Hamsterrad und machten weiter wie zuvor. Dabei könnten wir sovieles tun. Wir müssten nicht nach den Parteien und Verbänden rufen. Wir müssten nur lernen ungehorsam zu sein. Ungehorsam gegen den Konsum, gegen die Behörden, gegen die Parteien, gegen Zwangsgebühren, gegen Banken und, und , und…..“

Das – sagt ein Unternehmer. Sogar der Chef einer Unternehmerbewegung. Der Chef von Unternehmern, die wissen, das wir wirtschaftlich mit Vollgas an die Wand fahren – um hier Panik zu kriegen, braucht man auch gar keine „linke Gesinnung“, volkswirtschaftlich geschulter Sachverstand reicht völlig aus – oder die Erkenntnis, dass Deutschland wieder von einer kleinen Elite regiert wird (siehe Welt), die uns erlaubt, alle vier Jahre einen von zwei Kanditaten ihrer Wahl zu wählen. Hören wir nochmal eine andere Stimme dazu – eine weitere Perspektive aus dem Freundeskreis:

„Für die Passivität gibt es zahlreiche Gründe:
die allgemeine Verblödung und Angst, aufzufallen und bestraft zu werden, sind wohl die wichtigsten. Sie sind ein Ergebnis der autoritären bis totalitären Prägungen unserer Geschichte, in der mindestens seit dem Mittelalter die schamlose Ausbeutung und Versklavung der Bevölkerungsmehrheit mit äusserster Brutalität durchgesetzt wurde. Wer sich dagegen auflehnte, hing schnell am nächsten Galgen, wurde bei den Bauernaufständen niedergemetzelt oder im KZ vergast. Die braven Vollstrecker hingegen wurden befördert und grosszügig beschenkt. Ihre Nachfahren leben oft heute noch von diesen geerbten Reichtümern.
Nur wenige Jahrzehnte lang, nach dem letzten verloren Krieg, musste der deutsche Michel auf Druck der Siegermächte und wohl auch infolge der Kriegsmüdigkeit nach den Elensdsjahren mal kleinere und demokratische Brötchen backen: die allgemeinen Menschenrechte sollten plötzlich in Deutschland Staats- und Erziehungsziel sein. Sie wurden in den 60er und 70er Jahren propagiert, aber nach dem Zusammenbruch des Kommunismus schnell wieder in die Mottenkiste verstaut, weil sie „die da oben“ beim „Durchregieren“ zu sehr stören. Daher breiten sich wieder die Urinstinkte des Obrigkeitsstaates aus, spätesten seit dem mit H4 wieder ein wirksames Folterinstrument bereitgestellt wurde. Unterwürfigkeit und Anpassung sind also in Deutschland fast kontinuierlich durchgesetzte Erziehungsziele und wurden, besonders von den weniger gebildeten Schichten, internalisiert. Sie müssten in einem aufwendigen Lernprozess erstmal wieder abgebaut werden, bevor eine wirksame Emanzipation einsetzen könnte.“

Ja – vielleicht ist das was spezifisch deutsches? Duckmäusertum, Biedermeierphantasien, Anpassungsfanatismus? Ich habe kürzlich Unterlagen sichten dürfen, die Schüler beschrieben, die vor echten Unternehmern Bewerbungsgespräche simulierten, hier konnte man ankreuzen: „Kleidung: angepasst – nicht angepasst“. Zu meinen Schulzeiten hätte das einen Aufstand gegeben – heute wird dieser Übergriff in die intimsten Bereiche des Menschen klaglos hingenommen, ja, noch nicht mal verstanden, was das für ein Übergriff ist.

Gut – wir haben ja noch Demonstrationen wie beim G-20-Gipfel in Hamburg, wo jetzt schon hunderte Menschen verletzt sind (siehe Spiegel) und die Staatsgewalt auch bewusst auf Journalisten einprügelt (siehe Neues Deutschland) – aber es sind ja auch sehr wenig Demonstranten, die dort aufmarschiert sind – und eine bemerkenswerte Unterstützung durch die Bevölkerung erhalten. Ist es wieder da, das neue, vierte Reich, das ganz Europa unter seine Macht zwingt? Ist es vielleicht genau das, was Arbeitnehmer und Unternehmer in ihrer Apathie eint: die gnadenlose Furcht vor dem unbarmherzigen Staat, der jederzeit hemmungslos zuschlagen kann?

Es waren nur 6000 Arbeitsplätze, die damals in Duisburg auf dem Spiel standen und eine Revolte auslöste, die schnell hätte blutig werden können. Sind nämlich harte Jungs, diese Stahlarbeiter. Hart wie Kruppstahl, sozusagen. Sie wollten auch nicht „demonstrieren“ (was nur Sinn macht, wenn die Obrigkeit dieses Ritual als Zeichen akzeptiert), sondern … richtig dicken Stunk machen. Gnadenlos, umbarmherzig, hemmungslos – die symbolische Verbrennung eines Menschen ist keine Kleinigkeit … und wenn man ihren Worten traut, war das nicht nur ein Zeichen, sondern ein Versprechen. Es war keine Demonstration – es war eine Barrikade, die eine deutliche Linie in den Sand zieht und sagt: bis hierher und nicht weiter. Es ging auch um viel: das Überleben einer Stadt … die heute enorme soziale Probleme hat. Und es gab erstaunlich viel Solidarität (siehe sozialismus.info).

Heute geht es um viel mehr: aber die Meldung, dass US-Investoren den Abbau von 20000 Arbeitsplätzen bei der Deutschen Post fordern (ein erstaunlicher Eingriff in die „inneren Angelegenheiten eines Landes“) findet man nur noch am Rande (siehe junge Welt), niemand käme auf die Idee, den Frankfurter Flughafen dafür zu blockieren. Ja – stellen Sie sich doch einfach mal vor, es wären eine Million Demonstranten (so viele wie früher mal auf den Ostermärschen), die in Hamburg gegen den irrsinnigen G-20 Gipfel (im Grunde eine reine Privatveranstaltung auf Kosten der Steuerzahler, die nur die Interessen der „Investoren“ vertritt) angehen – und sie hätten den Flughafen blockiert, damit die ganze Invasion der Funktionselite überhaupt nicht ins Land gelangen kann? Mit 19000 Polizisten kann man sehr gut auf ein paar hundert Demonstranten einprügeln (siehe Zeit), da ist noch kein großes persönliches Risiko zu erwarten – muss man jedoch Barrikaden stürmen, die von einer Übermacht gehalten werden … fällt einem vielleicht ein, das hinter den Barrikaden die Steuerzahler stehen, denen man sein eigenes Gehalt zu verdanken hat … und dass man in erster Linie zum Schutze dieser Steuerzahler im Dienst ist und nicht zum Schutze ausländischer Potentaten. Selbst im Flaggschiff der deutschen Nachrichtenfront wird offen diskutiert, dass die Polizei nur Prügelknabe für die Politik ist (siehe Tagesschau) … einer Politik, die sich ganz offen das Verhandeln mit dem Bürger abgewöhnt hat und lieber offen den Knüppel regieren läßt.

Aber: wo bleiben die Millionen … deren Arbeitsplätze durch die „Industrie 4.0“ in unglaublicher Menge (man spricht für Deutschland von 18 Millionen) abgebaut werden? Die Millionen, die erwarten dürfen, dass das aktuelle Pilotprojekt – Gratisarbeit durch Arbeitslose für Behörden und Unternehmen (siehe taz) … also: konsequente Rückkehr zur Sklavenhaltergesellschaft … bald für sie alle Standard werden wird?

Was ist der Grund dafür, dass ein ganzes Land in ohnmächtige Apathie verfällt?

Ich habe da an ungewöhnlichem Orte eine Erklärung gefunden, mitten im ehemaligen „Sturmgeschütz der Demokratie“ (heute eher: die Haubitze des Konformismus) – von einem ehemaligen Manager und Karrierecoach (siehe Spiegel):

„Wir lesen dieselben Bestseller, pfeifen dieselben Hits, nutzen dieselbe Suchmaschine, tummeln uns im selben sozialen Netzwerk und schmieden die gleichen Karrierepläne. Und natürlich sehen wir im Fernsehen dieselbe Werbung, die Millionen Menschen individuelles Glück verspricht, sofern diese – aufgepasst! – alle das gleiche Duschgel, die gleiche Versicherung oder die gleiche Schlaftablette kaufen. Da weiß man, was man hat: ein Reihenleben im Reihenhaus.

Und doch weigert sich das Glück, bei uns einzuziehen. Denn tief innen fragen sich viele: „Was hat dieses Leben eigentlich mit mir zu tun?“ Immer mehr Menschen fühlen sich im falschen Film. Vier von zehn Deutschen geben an, die Qualität ihres Lebens nehme ab. Hinter hektischer Aktivität, hinter lächelnden Gesichtern, hinter makellosen Fassaden gähnt ein Abgrund aus Sinnlosigkeit. Die Depression ist zur Volkskrankheit geworden, Menschen verlieren ihr Leben durch Anpassung.“

Ja – deshalb hatte ich 2015 den Begriff „Zombiefizierung der Gesellschaft“ gewählt, auf den mein Kollege Parkwächter dann geantwortet hatte. „Menschen verlieren ihr Leben durch Anpassung“ … und wandeln nur noch als lebende Tote durch ihr sinnloses Leben. Ja – schauen Sie mal in den Spiegel: dann sehen Sie einen. Und Sie können heute schon sicher sein, dass Sie das, was Sie ihr „Leben“ nennen, zum Zeitpunkt ihres Todes (der Sie mit absoluter Sicherheit ereilen wird … selbst, wenn Sie derzeit ganz feste nicht daran glauben) am meisten bereuen werden (siehe Tagesanzeiger).

Und die Quelle dieser Pest?

Nun – was der Karrierecoach erkannt hat, findet man –  mit anderen Worten – auch bei Jean Ziegler (siehe Junge Welt):

„Die neoliberale Wahnidee will uns eintrichtern, dass sich der Markt selbst reguliert, dass er Naturkräften folgt und der Mensch nichts anders tun kann, als sich diesen Marktkräften zu unterwerfen. Dadurch wird der Mensch seiner historischen Subjektivität und Singularität beraubt. Er verhält sich nur noch so, wie ihm die Warengesellschaft das diktiert.“

Schwieriger formuliert, gleiche Botschaft: die absolute Vernichtung des „Ich“ durch … Werbung, jenem Motor der Informationsindustrie, ohne den sie keinen Tag überleben könnte, einem Motor, der von den „raffiniertesten Manipulatoren“ (siehe Zeit) betrieben wird, einer Manipulation, die den Reichen so wichtig ist, dass sie per EU-Richtlinie in Zukunft noch viel mehr Raum einnehmen darf  (siehe Handelsblatt).

Vier Stunden am Tag schauen sie fern – davon sind 1,3 Stunden raffinierteste Werbung, der Sie sich auch in Printmedien wie Stern, Spiegel, Focus nicht entziehen können – die sind ja inzwischen reine Werbeblätter mit kleinem Raum für das – meiner Meinung nach sinn- und zweckfreie – „aneinanderfügen scheinbar relevanter Fakten“ (so ein ARD-Mann über die Tagesschau, dem Leitmedium der Deutschen – siehe Spiegel). Die Kernbotschaft? „Deutschland geht es gut – und das ist ein Grund zur Freude“ … und Sie können daran teilnehmen, wenn Sie sich für ein Reihenleben im Reihenhaus entscheiden und alles so ausführen, wie es Ihnen die Warenwirtschaft und ihre Unterhaltungsclowns diktieren. Die sind sogar so gut, dass sie den Deutschen einreden, dass man – trotz perfektestem Straßensystem der Welt – einen geländetauglichen radikal umweltschädlichen Protzwagen (SUV) braucht, um sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können … wer das schafft, kann auch Eskimos Kühlschränke verkaufen.

Was manipuliert wird? Alles. Gezielt ausgerichtet auf Ihr Unterbewusstsein. Ich persönlich schaue schon allein deshalb keine Werbung mehr, weil die in wenigen Sekunden so massive Angriffe auf meine Lebensziele, mein Selbstwertgefühl und die Sinnhaftigkeit meiner Existenz ausführen (mit Bildern geht das deutlich schneller, hierzu später mal mehr) und ich – wirklich – Stunden brauche, um die so implementierten „Werte“ aufzufinden und zu eliminieren, dass ich schlichtweg kapitulieren musste: die sind mir einfach über – und ich denke, das gilt für jedermann.

Und so … fehlt einfach die Kraft, das Selbstbewusstsein, das Solidaritätsgefühl (das ja immens abgenommen hat in den letzten Jahren – siehe Heitmeyerstudie bei Boell.de) weil die Werbewirtschaft elementarste Bereiche unseres Selbstseins zertrümmert – Tag für Tag. Und weil wir es auch – weitgehend umbewusst – zertrümmern lassen.

Daneben … fiel mir aber letztens noch ein ganz andere Aspekt auf, den ich so kaum in der Literatur fand: die, die vor dem Fernseher sitzen, werden behandelt, als seien sie die Könige der Welt. Boten bringen ihnen Nachrichten aus aller Welt, bekannte Stars singen nur für Sie und erniedrigen sich zur Unterhaltung des Königs im Dschungelcamp, wichtige Menschen diskutieren im TV nur für sie, Kanzlerin und Präsident berichten direkt an sie – so wurden früher nur Könige behandelt. Vielleicht – wenn man es nicht hinterfragt – fühlt man sich dann sogar auch so, wenn man auf dem Sofa sitzt: wie der kleine Herr der Welt. Eine tödliche Illusion, die zerbricht, sobald der Ausbeutungsplatz abgeschafft wurde (ja – von Arbeitsplatz rede ich da gar nicht mehr, ich habe verstanden und erlebt, welchen Zweck „Führen mit Zielen“ im Arbeitsleben hat).

Warum sollte der Herr der virtuellen Welt – der jederzeit zwischen hunderten Programmen wählen kann – überhaupt Autobahnen blockieren?

„Deutschland geht es gut – und das ist ein Grund zur Freude“: wir haben direkt die Kanzlerin, die dieses Gefühl wohl am besten aufgegriffen hat.

Sie zweifeln?

Gut, ich mache Ihnen einen Vorschlag. Vielleicht nur … ein Gedankenexperiment. Setzen Sie sich in Zug und Auto und fahren Sie nach Hamburg, bevor die Potentaten ankommen. Ein paar Millionen von Ihnen reichen völlig – die Stadt wird aus allen Nähten platzen, es ist noch nicht mal eine Demonstration … aber an G 20 wäre nicht mehr zu denken. Ist das plausibel für Sie? Machen Sie es jetzt … oder schauen Sie genau in sich hinein, welche Widerstände in Ihnen auftauchen, beobachten Sie genau, was die Stimmen der Werbewirtschaft in Ihnen sagt. Wäre der erste Schritt, sie zu identifizieren – und abzuschalten, damit Sie ihr eigenes Leben wiederbekommen.

Warum Sie nach Hamburg fahren sollten?

Schauen Sie mal an, was dort ausgeheckt wird (siehe Spiegel):

„In Wahrheit verfolgten die G20 jedoch eine „neoliberale“ Agenda, die aus Deregulierung, Privatisierung, rigider Haushaltsführung und Öffnung für ausländische Investoren bestehe. Es fehle der Bezug zur massiven Arbeitslosigkeit, schlechter Infrastruktur und Strategien, wie man gezielt afrikanische Unternehmen stützen kann. Das wichtige Thema Bildung blende der Plan ganz aus.“

Da geht es um Afrika – aber diese „neoliberale Agenda“ ist halt der kleinste gemeinsame Nenner der G 7 … die damit die G 20 infizieren und dominieren wollen. Für die Ärmsten der Armen haben die gar keinen Platz mehr – weder hier noch in Afrika.

Kommen Sie ins Handeln, bevor … auch Sie zu den Ärmsten der Armen gehören.

Und glauben Sie mir: Sie werden mir am Ende Ihres Lebens dankbar sein, weil Sie … dann letzen Endes doch noch mal ein eigenes Leben hatten.

Oder irre ich da?

 

 

 

Brief eines besorgten Bürgers an einen unbesorgten Bürger

Digital StillCamera

Freitag, 25.11.2016. Eifel. Sehr geehrter Herr Gommel. Mit großem Zorn hatte ich Ihren Brief gelesen, der sich gerade inflationär im Internet verbreitet. Kein Wunder, Populismus verbreitet sich immer schnell und gut. Im ersten Moment dachte ich: das schreit nach einer geharnischten Antwort. Es muss endlich Schluss gemacht werden mit diesem schleichenden Faschismus, der im Gewand eines „Gutmenschen“ daherkommt und die demokratischen Grundlagen dieses Landes mit Füßen tritt. Dann las ich, dass Sie seit frühester Jugend unter schweren Depressionen leiden – und strich dieses Schreiben wieder aus meiner to-do-Liste. Man tritt nicht auf Menschen, die auf dem Boden liegen. Depressionen sind ein ernsthafter, ja höllischer Zustand, ein Krebs des Geistes, der alles helle, gute, lichte im Inneren auslöscht. Man sollte sich dafür nicht schämen noch schimpfen: angesichts dessen, wie sich unsere humane Umwelt und unsere natürliche Umwelt die letzten Jahre entwickelt haben, sind Depressionen der natürliche Zustand liebender Geister -und ich habe deshalb Verständnis dafür, dass immer mehr Menschen in ihren Wohungen bleiben und dort eine fein vorgekaute Traumwelt vorgesetzt bekommen – auch in der Tagesschau – in die sie sich flüchten können angesichts einer Welt, die an allen Ecken und Enden aus den Fugen gerät: vom kleinsten sozialen Element – den persönlichen Beziehungen – bis zu den größten sozialen Elementen: den Kriegen.

Eine Freundin hatte sich für Sie stark gemacht, für Sie mit Leidenschaft gekämpft, Sie seien ein „guter“, hatte sie mir versichtert – und meinte, Sie und ich stünden auf derselben Seite. Meinte, Sie hätten mehr Leid auf der Welt gesehen, als wir beide zusammen – nun, was mich angeht, muss ich sagen: über das Leid, das ich erlebt habe, schreibe ich so gut wie gar nicht – daher wohl der Eindruck. Einen Teil meiner Jugend habe ich im Umfeld von Mord, Prostitution und Vergewaltigung verbracht, meinen Zivildienst, um genau zu sein: ich war der einzige „Zivi“ im Resozialisierungsheim, der nicht von den Bewohnern zusammengeschlagen wurde – aber auch nur, weil ich schneller war als die. Gleichzeitig starben mir meine Freunde weg – verschmutzte Drogen waren der Hauptgrund. War unangenehm. Im Studium hatte ich wieder Pech – unangenehme, beruflich bedingte Begegnungen mit „Satanismus“, in Zusammenarbeit mit kirchlichen Kreisen und Sektenberatungen rutschte ich wieder einmal hinein in eine Wirklichkeit, die nie in die Tagesschau findet, weil sie das Hobby höchster, wohletablierter Kreise betrifft. Von den konkreten Erfahrungen vor Ort habe ich nie berichtet, ich kann nur sagen: ich kann mir seit dem übelste Splatterfilme anschauen: sie sind harmlos gegen das, was meine Augen live sehen mussten.

Später musste ich im Auftrag der Pharmaindustrie um die Welt reisen – und durfte noch mehr abscheuliches Elend betrachten, was mich gelegentlich in Lebensgefahr brachte: ging ich doch dort hin, wo Weiße nicht hin dürfen (ja, es gibt auch diesen, wohl „guten“ Rassismus), doch haben mich diese Ausflüge sehr bereichert. Was ich nur nie tat: meine Kamera zücken. Nicht ein Bild habe ich davon gemacht – obwohl man damit gut Geld hätte verdienen können. Ich wollte den Menschen nicht auch noch ihre Würde nehmen. Ich erzähle das, damit Ihnen klar ist, dass ich generell ein gewisses Ressentiment gegen Fotojournalisten habe (und inzwischen auch gegen Bezahlmedien insgesamt, doch das ist eine andere Geschichte), die „Aasgeier des Leids“, wie ein Freund sie mal genannt hatte. Menschen, die in den entscheidenden Momenten des Lebens hinter der Linse verschwinden, um Sensationsgier zu befriedigen. Am spannendsten waren übrigens die Ausflüge in der Hauptstadt der USA, wo ich wohl behütet im Zentrum wohnte, aber irgendwann mitten in der Nacht in Randgebieten landete, die aussahen wie Deutschland nach dem Krieg: ich war nicht allein, aber es waren hunderte, die uns jagten, es waren Szenen wie aus einem Horrorfilm. Ich hatte – das war mir bewusst – einen Blick auf die Zukunft der Menschheit geworfen, auf jene Zeit, die bald nach Deutschland kommt, weil auch wir neoliberalistischen Kapitalismus als höchstes Ziel anbeten. Dreißig, vierzig Jahre gibt uns Volker Pispers noch, bis das unsere Realität geworden ist, wie er könnte auch ich noch andere Ecken in den USA nennen, wo man studieren kann, wohin wir uns gerade entwickeln – allerdings würde man sie lebend nie verlassen. Und ich kenne auch Menschen, die sagen: wir werden schon nächstes Jahr mit Lagern für Arbeitslose in Deutschland rechnen müssen – die Zeit wird möglicherweise knapp.

Ich habe viel Elend gesehen – sogar schon als Kind. Wir schlachteten noch selbst. Erwähne ich nur, um mich vor der Unterstellung meiner Freundin zu schützen, ich sei so ein Schöngeist, der sein Zimmer nie verlassen hat. Aktuell erlebe ich beruflich wieder Elend, arbeite mit Sonderschülern und Hauptschülern: deren Lebensgeschichten stellen unsere Erfahrungen weit in den Schatten, das können Sie mir glauben – doch die bleiben der Öffentlichkeit verborgen. Schaue ich aus dem Fenster, so sehe ich sanfte Hügel, stille Seen, strahlenden Sonnenschein – doch ich weiß genau, was dort noch alles lauert. Kommt nur nicht in die Tagesschau – und wenn, dann verzerrt, als abschreckendes Beispiel von „Unterschicht“, von „Prekariat“. Wunderbare Menschen finde ich dort, mit hohem Potenzial und feinen Seelen – doch schon in jungen Jahren mit Erfahrungen konfrontiert, die ihren Geist gebrochen haben, die sie hilflos und nackt mit einer grauenvollen Realität konfrontierten. Mitten in Deutschland, dem Land, dem es so gut geht: Grausamkeiten, die nicht über meine Lippen kommen werden, weil sie den sensiblen, feingeistigen Lesern Alpträume bescheren würden, die nie enden. Ich selbst – nun, bin da härter geworden mit der Zeit. Mache da auch keine Fotos.

Nun – nachdem meine Freundin so sehr intervenierte, las ich Ihre Zeilen nochmal und nochmal, um zu verstehen, wie sie Sie wahrnahm – und erkannte, dass es da auch andere Perspektiven gibt, dass man fairer urteilen sollte. Aber ich denke: ich werde Ihnen einfach mal erzählen, warum ich so erzürnt war – es beginnt gleich zu Anfang:

„Denn neben meinen Kämpfen mit mir selbst bin ich sehr verärgert, und zwar wegen Dir. Dabei weiß ich, dass das keinem Menschen hilft – und mein Gewissen sagt mir, dass ein neuer Rant nur neuen Hass schürt. Ich werde es dennoch versuchen.“

Erstmal: „Rant“. Ihnen ist kaum bewusst, dass viele der „besorgten Bürger“ gar kein Englisch können: in der DDR wurde eher Russisch gelernt. Sie hätten auch „schimpfen“ sagen können – ist lieblicher und kann von allen verstanden werden. Sie hätten auch einfach jetzt aufhören können zu schreiben, Sie hätten Ihrem Gewissen lauschen können, das sagt: du schürst gerade wieder Hass. Doch obwohl Sie wissen, dass Sie gerade Hass säen (was sie ja „besorgten Bürgern“ vorwerfen, wie die ganze andere selbstverliebte, selbstgefällige Bande, die scheinbar gern von sich auf andere schließen und das dann für die Realität halten), machen Sie weiter. Hilft keinem, bringt nur Hass, aber: egal! So fangen Kriege an.

„In den letzten 2 Jahren bin ich Dir immer wieder begegnet. Auf Geburtstagsfeiern (nicht auf meiner), in der Bahn, auf Pegida-Demos und auf der Bank im Park. Ich höre Dein Lästern, Deine Abneigung gegen Andersartige und ich höre auch: Deine Angst.“

Ja – dieser kleine, feine Moment, den andere gern überlesen: „nicht auf meiner“. Das ist der Moment, der mich an die Masse der Mitläufer im europäischem Hasskreuzzug gegen Juden erinnert (nein, da waren nicht nur Deutsche dran beteiligt – und der endete auch nicht 1945), wo man sich selbst – bei allem „Verständnis für die Eigenarten jüdischer Kultur“ – fein und säuberlich von „denen“ abgrenzte. Das stößt gleich sauer auf – denn da fängt es an, die ersten Schritte zur Selektion: ganz leise, harmlos, schlicht. Es ginge auch anders: dass man zuerst den Menschen schätzt, respektiert und liebt, den anderen, den Fremden, den schrecklich dummen, weißen Pegidamann, erst recht dann, wenn man weiß, dass die Angst ihn regiert – und das säuberlich trennt von seiner politischen Überzeugung, die er aufgrund seiner Lebenserfahrung mit sich herumträgt: was sein gutes Recht in einer Demokratie ist.  Wissen Sie eigentlich, was Angst ist? Der Vorläufer von Panik. Bekommen Sie Angst nicht in den Griff … ja, dann war es das mit der Rationalität, Sie werden überschwemmt mit chemischen Botenstoffen, die Sie in ein Wesen verwandeln, das weit jenseits der Rationalität lebt und unmenschliche Dinge tun kann: da regiert dann das Tier: flüchtet … oder greift an. Angst – ist keine schicke Spielerei, sondern ein schlimmer, bemitleidenswerter Ausnahmezustand des Gehirns … ganz unabhängig davon, ob die Umwelt – also: Sie! – diese Angst rational für gerechtfertigt halten oder nicht.

Vollends vorbei war es dann bei mir vorbei, als ich diesen Satz las, der vor Menschenfeindlichkeit nur so triefte und die Linie komplettierte, die sich zuvor abzeichnete:

„Ich höre des Öfteren, dass Du Angst um Deinen Arbeitsplatz hast. Ich merke dazu an: Wenn ein Mensch einer komplett anderen Kultur und Sprache es schafft, Dir Deinen Arbeitsplatz wegzunehmen, warst Du nicht besonders gut.“

Ja: genau davor haben die Menschen Angst: dass ihnen ihre Lebensgrundlage weggenommen wird. Darf ich „geklaut“ sagen? Ist deutlicher als „weggenommen“. Wüßten Sie, was diese Armut, die aus dem Verlust des Arbeitsplatzes resultiert, den Menschen antun kann – und vor allem ihren Kindern: Sie hätten mehr Respekt vor dieser Angst, würden sie nicht klein reden oder verächtlich auf sie herunterschauen. Damit sind Sie im Herzen des Faschismus angelangt, im Zentrum jener Kultur, die Leistungsfähigkeit über Menschlichkeit stellt – und ich glaube, das ist Ihnen gar nicht bewusst. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich Ihren Brief mehrfach gelesen habe.

Ich gestehe: ich bin auch ein besorgter Bürger. Habe ja 2700 Aufsätze darüber geschrieben, kann man also leicht nachlesen. Ich verstehe auch ganz leicht, dass Menschen, die wenig in der Welt herumgekommen sind, Ängste entwickeln, wenn die Welt zu ihnen kommt, erst recht, wenn zuvor in den Medien genau vor diesen Menschen gewarnt wurde, ja: wir führen sogar aktiv einen heißen Krieg gegen sie: in Afghanistan und in Mali ist bzw. war die Bundeswehr im Einsatz gegen den „radikalen Islam“ – und wie gefährlich er ist, mussten man sich in tausenden von Nachrichten anhören. Ich kenne auch viele besorgte Bürger – meine Leser gehören zum überwiegenden Teil dazu. Hat da jemand was gegen Ausländer? Nein. Nur ein Bruchteil der Sorge stammt aus der Angst vor jenen, deren Länder wir bombadieren (wir Deutschen, wir Europäer und wir Natovölker), überwiegend ist es Angst vor … irrationalem Regierungshandeln, vor selbstherrlicher, unbedachter Politik nach Gutsherrenart. Das geht aber im Regierungspopulismus schnell unter der – voll auf DDR-Linie – alles zu „Rechtsradikalen“ erklärt, was nicht regierungskonform ist. Wir wissen aber schon noch, wie wir solche Regierungsformen nennen, die so vorgehen, oder? Und dass unsere Regierungsparteien weit davon entfernt sind, „links“ zu sein?

Wissen Sie, wer das letzte Mal mit grober Hand Völker in Europa umsortiert hat? Wer die „guten“ an die richtigen Plätze setzte, weit über Europa verteilt – und die „schlechten“ verhungern ließ? Einfach mal ins Geschichtsbuch schauen, ich denke, vielen besorgten Bürgern ist das noch in Erinnerung geblieben (sind ja meist ältere Semester) – und da ging es nicht nur um Juden, wie uns unser Spar-Geschichtsunterricht gerne weiß machen will, sondern um Millionen Esten, Letten, Polen und vor allem: Russen. Ich habe erst gestern noch in einer Runde mit Polen gesessen, die sich heute noch gut daran erinnern können, wie es damals war … während unsere Jugend das völlig vergessen haben – Polen übrigens, die mir ausführlich von der Feindschaft erzählten, die ihnen und ihren Kindern hier und heute im „guten“ Deutschland tagtäglich entgegen tritt. Knippst nur keiner. Sind halt Polen.

Ich erzähle Ihnen einmal etwas über dieses Land. Sollte man wissen, bevor man über die Ängste der Menschen urteilt (siehe HuffingtonPost):

Denn obwohl es dem Land so gut wie lange nicht geht, wird die Ungerechtigkeit immer größer. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Geld immer ungleicher verteilt. Sehr, sehr wenige Deutsche haben mehr als die Hälfte davon. Und ALLE anderen müssen mit dem Rest auskommen.

Diese Entwicklung ist laut einer internationalen Studie von 2011 sogar so stark wie in keinem anderen der 34 untersuchten Länder. Das muss man sich einmal vorstellen! Diese Ergebnisse sind seit Jahren bekannt und trotzdem spricht kaum jemand davon. Und eine aktuelle Untersuchung von 2015 zeigt, dass es noch schlimmer geworden ist.

Unsere Kinderarmut ist inzwischen größer als die von Tschechien und Ungarn: und da erwarten Sie, dass man es begrüßt, wenn Millionen neuer Menschen in diesen dicht bevölkerten Siedlungsraum kommen, in dem die Armut immer weiter fortschreitet? Wenn – ohne die Bürger zu fragen – nicht mehr von „Asyl“ gesprochen wird, sondern von oben herab nach altbekannter Gutsherrenart unsere demokratische Solidargemeinschaft zum „Einwanderungsland“ erklärt wird? Obwohl wir gegen diese Einwanderer seit Jahrzehnten Krieg führen … in ihren Heimatländern?

Noch mehr aus diesem Land, das per Gesetz jedes Jahr mehr Obdachlose produziert? In Hamburg stehen Asylunterkünfte leer, in die Obdachlose aber nicht hinein dürfen (siehe kritischepresseschau), und obdachlos wird man in diesem Land, das Arme mit harter Hand verfolgt, schnell: monatlich erhalten (Achtung: Neusprech) 132000 Hartz IV-Bezieher „Sanktionen“ (siehe Neues Deutschland): auf deutsch gesagt: werden zur Vernichtung freigegeben. So hatte man sich schon früher „unerwünschter Personen“ entledigt – bis man merkte, dass es zu lange dauerte, bis sie verhungerten (in Leningrad hielten die sogar Jahre durch) und man zum Gas griff. Alles schon mal dagewesen – und auch damals schon mit feinsten Worten umschrieben (hierzu: Götz Aly, Vordenker der Vernichtung – ein sehr aufschlussreiches Werk).

Häßlich, oder? Ja – es wird jetzt sehr ernst. Die Spaßgesellschaft, in der sich ohne harte Arbeit so gut leben läßt, hat tödliche Schattenseiten. Knippst man nur, wenn sie aus Syrien stammen. Hinterläßt auch Spuren bei denen, die nicht so gesegnet sind.

Wie sollen Bürger reagieren, die erleben müssen, dass ihre Mitmenschen draußen frieren müssen, während die Gäste der Bundeskanzlerin von allen hoffiert werden? Mal ehrlich: wer knippst denn schon gerne das Elend des „White Trash“? Wer interessiert sich dann schon für ihre Gefühle, ihre Wünsche, ihre Träume, ihre Ängste, ja, die werden doch schon gescholten dafür, dass sie überhaupt Ängste haben: der moderne Mensch ist da weiter, er hat gar keine Gefühle mehr. Die stören beim „business“. Der moderne Mensch gehorcht den Anweisungen der Bundeskanzlerin und ihren reichen Medienfreundinnen – und wehe, es tanzt einer aus der Reihe.

Und jenen aufgrund ihrer beschränkten Leistungsfähigkeit kurz vor der Aussortierung stehenden Bürgern sagen Sie, es ist ok, wenn Syrer ihnen Ihre Arbeitsplätze wegnehmen – und dass in einem der dichtbevölkertsten Ländern der Erde ein zusätzlicher Bevölkerungsdruck aufgebaut wird, der den Kampf ums Überleben zusätzlich verstärken wird? Lesen Sie mal diese Arbeit von Wolfgang Lieb aus dem Jahre 2010 – über unsere „Intellektuellen“, die wieder aktive Vernichtungsgedanken gegenüber der Unterschicht hegen: 5 Jahre Hartz IV – und dann: Hungertod, wenn der Frost einen nicht vorher erwischt! (siehe Nachdenkseiten)

Gut – Sie schauen nur durch die Linse einer Kamera, sehen nur das Elend, das direkt vor Ihrer Nase ist.

Wie gesagt: ich bin auch ein besorgter Bürger. Einer, der für Flüchtlingslager im Libanon Geld gesammelt hat, jene Lager mit unbeschreiblichem Elend, in dem jetzt gerade zur Winterzeit wieder gestorben wird, ohne dass ein Hahn danach kräht. 1,3 Millionen Geflüchtete leben dort – in einem Land mit vier Millionen Einwohnern. Schon mal in West-Aleppo gewesen? Das schweizer Fernsehen schockierte unlängst seine Zuschauer mit Bildern von auserlesenem Luxus in dieser „umkämpften“ Stadt (siehe swr), einem Luxus, von dem jene 14 Millionen Deutsche nur träumen können, die in den letzten Jahren „Kunden“ deutscher Jobcenter gewesen sind: täglich bedroht von Sanktionen, die sie an den Rand des Todes führen können – und auch einige getötet haben.

Will ich keine Flüchtlinge – als besorgter Bürger? Ich finde schon das Wort gräßlich – aber es ist Norm, und darum verwende ich es erstmal. Ich sage ganz klar: ich will keine Flüchtlinge. Ich finde es zum Kotzen, dass Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Und äußerst besorgt bin ich über die Methoden von Regierung und Millionärspresse, die ich im Rahmen dieser Aktionen erleben durfte. Sie werden dazu führen, dass das dringend notwendige Asylrecht abgeschafft wird. Sollen wir jetzt alle ausweisen? Du meine Güte – da fängt es an. Natürlich nicht – und ich glaube auch, dass kaum einer der „besorgten Bürger“ (außer den immer vorhandenen Altrechten, die schon vorher immer dabei waren, wenn es darum ging, Macht zu bekommen) so inhuman ist. Habe ja schon mit einigen gesprochen – schaut man näher hin, dann haben die Ängste kaum was mit Islam zu tun (den auch ich ganz in Ordnung finde, weil ich persönlich viele Muslime kenne, die ganz feine, ethisch hoch stehende Menschen sind – obwohl ich keine saudische Justiz auf europäischem Boden sehen möchte: finde Köpfen widerlich, Hände abhacken auch), aber viel mit Angst vor „Selektion“, die in Deutschland schon jetzt wieder hoch aktiv ist – aber um das zu erkennen, muss man sich in den Kreisen jener bewegen, die schon jetzt davon betroffen sind. Nun gut: nicht mehr lange, dann wird „Industrie 4.0“ nochmal 18 Millionen Deutsche zusätzlich „frei setzen“ – dann können wir weiter reden. Und wenn Sie mal über vierzig sind und nicht reich durch Fotos geworden … dann können Sie auch die Wertschätzung des Sozialfaschismus am eigenen Leib erleben.

Was ich lieber sehen würde? Wenn wir die Kinder aus dem Libanon holen würden, bevor die jetzt wieder erfrieren. Tut aber keiner. Wir schicken noch nicht mal Geld. Oder die Millionen Schwarzafrikaner. Klar – das würde hier bald zu eng werden … weshalb ja auch spontane Kurzschlüsse a´la Merkel keine Lösung der Probleme bieten – sondern sie langfristig nur verschlimmern.

Vielleicht helfen Ihnen die Worte von Sybille Berg ein wenig, die Situation der besorgten Bürger zu verstehen, jener weniger priviligierten Menschen, die wir direkt neben uns im Regen stehen lassen … oder auch im Hagel (siehe Spiegel):

Wie konnte es nur dazu kommen? Wo wir doch so tolle Theaterstücke gegen Fremdenhass gemacht haben, die wir uns auf die Schulter klopfend angeschaut haben. Und all die Luftballons. Die Medien waren sich so einig in der Beschimpfung von ein paar Deppen. Aber, verdammt, die Deppen können lesen, und was macht man, wenn man dauernd als Idiot bezeichnet wird, als Honk, als ungebildet, primitiv? Wenn ein falsches Wort im Netz einen Shitstorm statt einen Dialog hervorruft? Nach der US-Wahl überbieten sich die Medien in Weltuntergangs-Headlines und Analysen über die Abgehängten, die Ungebildeten, die Arbeitslosen.

„Erst die Arroganz der Linken macht Populisten möglich“ – so ihre Quintessenz.

Meine auch.

Und die zunehmende Tendenz, diese Gesellschaft, diese Solidargemeinschaft zu spalten: in „gut“ und … „anders“. Mal wieder.

Wo der wirkliche Skandal ist? Wir geben 7,4 Milliarden Euro für Entwicklungshilfe aus (siehe Tagesschau). Dreimal soviel für neue Autobahnen (siehe Spiegel), bald sechsmal soviel für Waffen (siehe n-tv). Wäre das anders: wir hätten mehr Menschen hier, die nicht vor Not flüchten müssen, sondern unsere Kultur studieren wollen – und bereichern können. Und ich will mich auch nicht zufrieden geben damit, dass wir Not nur noch sehr selektiv betrachten, Humanität reservieren für einen kleinen Kreis von Menschen (meist jungen, gesunden Männern), die von der Regierung bevorzugt selektiert wurden – während man ihre Frauen und Kinder, ihre Eltern und Großeltern in der Ferne verrotten läßt.

Und dies alles – macht mich zu einem äußerst besorgten Bürger, dem erst kürzlich von engagierten Menschen, die schon „gegen Rechts“ kämpften, als es noch nicht modern war, eine Warnung zugeflüstert wurde: ich müsse aufpassen, dass man mich nicht falsch verstehe …. sonst würde man mich noch als „rechts“ etikettieren.

Dieses Etikett ist heute so gefährlich wie ehedem der „Judenfreund“ (der ich auch bin: großartige Kultur, feine Menschen).

Und das – macht mich umso besorgter.

Nun – Herr Gommel – Sie hatten um ein Gespräch gebeten. Um eine Antwort. Hier ist sie. Nun können wir den Dialog beginnen. Ein PS: noch: den Natostacheldraht, der jetzt um Europa gezogen wird, habe ich – im Gegensatz zu Ihnen – anfassen müssen. Er hat mir Haut und Kleidung zerrissen: Sie haben Recht – der ist super scharf. War im Kampf um „Mehr Demokratie wagen“ unabänderlich, mit ihm in Berührung zu kommen. Man kann es aber überleben.

Und wenn Sie nicht reden wollen – dann lade ich Sie zum Denken ein. Gesehen haben Sie genug dafür – nur an den Schlussfolgerungen hapert es meines Erachtens noch:

„Wenn ich so über das bisher Geschriebene nachdenke, fällt mir auf, dass nicht nur Neonazis von der »Überfremdung« oder »Deutschland wird überrannt« sprechen. Der Einsatz von NATO-Draht (und Kriegsschiffen im Mittelmeer), spricht exakt die gleiche Sprache. Fremdenfeindlichkeit spielt sich nicht nur in den Reihen der AfD, dem Front National oder um Geert Wilders ab. 

Im Gegenteil: Die EU selbst setzt Xenophobie und Rassismus voraus, um sich vor »Eindringlichen« zu schützen.“

Jetzt brauchen Sie nur noch der Frage nachgehen, was man angesichts dieser Ausgangslage damit bezweckt, für einen kurzen Moment Ängste im Volk zu schüren..und die Grenzen für einen Moment weit auf zu machen: schon sind sie in der Realität der besorgten Bürger angekommen.

 

 

Der totalitäre Alltagsfaschismus der Neoliberalen

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Donnerstag, 1.Oktober 2015. Eifel. Ich weiß nicht mehr, woher der Satz kommt, dass derjenige, der in der Demokratie schläft in der Diktatur wieder erwacht, aber so könnte es einem heute gehen … besser gesagt: so geht es einem, wenn man mit politischem Geist die gesellschaftliche Gegenwart wahrnimmt. Andere werden da deutlicher (siehe sopos.org):

„Wie konnte es gelingen, dass sich in Europa nach Nationalsozialismus und Stalinismus eine weitere Variante totalitären Denkens etablieren und hegemonial werden konnte?“

Ja – das ist eine sozialistische Seite. Selten geworden, heutzutage. Das Zitat stammt aus einem Text über ein neues Buch „Unterwerfung als Freiheit“ von Patrick Schreiner, welches sich dem Leben im Neoliberalismus zuwendet – jener modernen Ideologie, nein – jener modernen Religion, die totalitär unseren Alltag bestimmt, wie es sich ein Hitler nicht hätte erträumen lassen. Das Tolle daran ist: keiner merkts, bzw. keiner will es merken – und wie auch in jenen unseligen Zeiten des „Dritten Reiches“ alle mitmachten – na, jedenfalls fast alle – und niemand traut sich mehr, gegen das herrschende totalitäre System aufzubegehren … außer ein paar ungehorsame Einzelgänger vielleicht, die sich dank glücklicher Fügung dem Terror entziehen konnten, weil sie keine Angst um ihren Arbeitsplatz haben brauchen.

Ich kenne dieses Buch nun nicht – man kann ja nicht immer alles lesen – denke aber jetzt schon, dass es sich zu lesen lohnt: der Ansatz jedenfalls ist dringend notwendig, um für jedwede Form von Widerstand festen Boden unter den Füßen zu bekommen (siehe theorieblog.attac.de):

„Patrick Schreiner spannt dabei den Bogen von der Ratgeberliteratur über die Esoterik-Bewegung, den Leistungssport, Castingshows und die Pseudo-Glitzerwelt der echten und vermeintlichen Prominenz. Fündig wird er auch in den sozialen Netzwerken und bei der Betrachtung von über Werbung und Medien transportierten Konsum- und Lifestylemustern. In all diesen Bereichen lassen sich nicht nur die Kernelemente neoliberalen Denkens aufdecken, sondern auch die Mechanismen, wie dem Menschen neoliberales Denken eingetrichtert wird. Überall entdeckt Schreiner versteckt oder ganz offen die immergleichen Anforderungen: Sei flexibel! Diszipliniere dich! Handele wie ein Unternehmen! Schau auf dich selbst!“

Erschreckend, wie weit der Einfluss dieses totalitären Systems reicht, oder? Direkt bis in Ihr Wohnzimmer, Ihre Küche, Ihr Schlafzimmer … Ihren Kopf.

Damit wir uns darüber unterhalten können, müssen wir erstmal Begriffe definieren, damit wir nicht aneinander vorbeireden. Ich benutze den Begriff Faschismus in diesem Kontext als Synonym für „Das Böse“. So wird er in den USA gebraucht (siehe die Verwendung seiner Symbolik z.B. in diversen Hollywooddramen – oder die Verwendung diverser abwertender NS-Kampfbegriffe in der US-Politik, die dieses „Böse“ braucht, um sich selbst zu rechtfertigen). Ich möchte ihn nicht – wie mein zitierter Vorredner – mit dem Stalinismus gleichsetzen, der eine idealistische Komponente enthielt, während die Parole des Faschismus gleich zu Beginn alles Glück der Erde durch Ausmerzen allen unwerten Lebens versprach und dieses Versprechen auch in die Tat umsetzte: unterstützt durch die (begeistert?) schweigende Mehrheit des deutschen Volkes.

Es ist natürlich hart, sich der Erkenntnis stellen zu müssen, dass man auf einmal wieder in einer Diktatur lebt, wo wir doch Freiheit überall haben, ja, Freiheit in allem leben dürfen, vor allem dürfen wir alles kaufen was und wo wir wollen (Bonität vorausgesetzt) und können Sex mit jedem haben, wann und wo wir das auch immer wollen (und der Erschließung weiterer sexuellen Konsumobjekte zum hemmungslosen Ausleben seiner niederen Triebe wird mit Hochdruck gearbeitet – wie zum Beispiel in Form von Tierbordellen).

Noch härter wird jedoch die Erkenntnis sein, wo Sie selber Agent und Erfüllungsgehilfe einer neuen faschistischen Religion sind – ohne groß zu merken, was Sie da tun … und wie Sie selbst an Ihrer eigenen Vernichtung aktiv mitarbeiten.

In einem Artikel über die Propaganda neoliberaler Heilslehren in moderner „Hip-hop-Musik“ werden die geforderten Charaktereigenschaften (wenn auch mit unklaren Quellenangaben) deutlich ausformuliert (siehe annotazioni):

Der neoliberale Mensch ist „marktkonform, wettbewerbsfähig, selbstdiszipliniert, anpassungsbereit, flexibel, egoistisch, aktiv und unternehmerisch“ – eine Beschreibung, die nur noch gebildete Menschen (die eine nahezu verschwundene Minderheit darstellen – unabhängig vom „Bildungsgrad“, der selbst nur noch ein anderer Begriff für die Qualität der Vermarktbarkeit ist) als faschistoid verstehen, weil sie sich an Hitlers Beschreibungen des „Neuen Menschen“ erinnern (siehe Deutsche Welle):

Adolf Hitler spricht von der Verweichlichung der Jugend in der Weimarer Republik und formuliert das „neue“ Ideal der Nazis: „flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ so soll die Jugend ab sofort sein.

Der Mensch wird Hund, dienstbares, treu ergebenes, kritik- und geistloses Vieh: ein Ideal, das seltsam anmutet im angeblichen Land der Dichter und Denker, das eine Demokratie sein wollte – und trotzdem eifert eine ganze Nation ihm nach, will gefällig sein, vermarktbar, belastbar wie Leder, flexibel wie ein Windhund, hart wie totes Metall. „Fit for Job“ – so werben die Fitnesscenter, die das Gegenteil der Buddhafigur zum Götzen erklären, „Boddybuilding“ wird bis zum Exzess betrieben – um jenen Gestalten ähnlich zu werden, die in den NS-Kunst idealisiert wurden und auf jedem Werbeplakat für die Wehrmacht oder die SS zu finden waren: der gemanische Siegertyp ist Gesellschaftsideal geworden – wenn ich mit Anglizismen wie „six-pack“ versüßt.

Wie in der NS-Zeit dringt die Propaganda tief in den Alltag der Menschen ein, erst kürzlich erinnerten die „NachDenkSeiten“ an einen der größten Skandale im deutschen Fernsehen: in bekannten „Seifenopern“ wurden gezielt Gesprächspassagen von Unternehmerverbänden eingebaut, um das neue, neoliberale Menschenbild zu befördern (siehe NachDenkSeiten). Wie man dort lesen kann, blieb der Skandal völlig ohne Folgen, die Umerziehung des Menschen zum Hund wird vielerseits begrüßt – vor allem von den Herrchen. Eigentlich ein Verbrechen, Menschen so zu manipulieren, die sich einfach nur zur Entspannung etwas Unterhaltung gönnen wollten – aber wie auch in der NS-Zeit sind Verbrechen der Herrchen nicht weiter schlimm – wie wir aktuell anhand der „VW-Affäre“ wieder einmal bemerken dürfen. In breiter Front verniedlichen die Medien einen beispiellosen kriminellen Akt, in einem Fernsehauftritt war sogar der Vizekanzler zu sehen, der davon sprach, dass „lediglich ein falsches Bauteil eingebaut wurde“. Sicher: Qualitätsarbeit ist von den Selbstdarstellern der Gegenwart nicht mehr zu erwarten, auch Honda (siehe Spiegel), Toyota und Nissan (siehe Spiegel) mussten bis zu 6,5 Millionen Fahrzeuge zurückrufen – bei manchen Airbags bestand sogar Explosionsgefahr. Hier jedoch waren es Versehen – bei VW war es ein krimineller und staatsfeindlicher Akt der systematisierten Täuschung, des großflächigen Betruges und des professionalisierten Gesetzesbruches, Elemente, die die Massenmorde des Hitlerregimes von anderen Massenmorden unterschieden – alles unter der Führung eines Mannes, der erst kürzlich noch als einer der „erfolgreichsten Chefs der Welt“ gefeiert wurde (siehe Handelsblatt).

Viel perverser als die Schleichwerbung sind jedoch die Ratingevents, in denen sich ein ganzes Volk einem „rating“ unterzieht. Gemeint sind jene „Shows“, die seriell zum Zwecke der Unterhaltung Verlierer produzieren: Deutschland sucht den Superstar, Dschungelcamp, Voice of Germany, das Supertalent, Wetten dass, wer wird Millionär, Let´s dance und wie sie alle heißen: Deutschland ist im Ratingfieber der künstlich geschaffenen Pseudowettbewerbe, in denen stetig jeglichem Leben ein Wert beigemessen wird, ein Stellenwert …. der es von „unwertem Leben“ unterscheiden soll. Die „Wettbewerbsfähigkeit“ wird überlebensnotwendig, der Sozialdarwinismus schlicht sich auf geniale Art zurück in das Leben der Menschen – angefangen vom „Guinnes-Buch der Rekorde“ bis hin zum Götzen Fussball.

Ach ja: Fußball. Hier kann sich der kruppstahlharte, windhundschnelle und lederzähe deutsche Mann in einer künstlich eng definierten (und somit eigentlich sinnlosen) Umwelt beweisen und so die Überlegenheit des neoliberalen Menschenbildes demonstrieren, um dann endlich von den Medien als Meinungsbildner wahrgenommen zu werden. Möglich ist das dank enormer Spenden aus Industriekreisen, deren Begrenzung jetzt schon wieder verhindert wurde (siehe Spiegel), weiterhin dürfen „Investoren Fußballklubs mit Geld zuschütten„, um die Rankingorgie deutscher Städte weiter laufen zu lassen. Man weiß sehr genau, warum man dort investiert: Fussball tradiert die Werte des neoliberalen (oder faschistischen) Menschenbildes perfekt, läßt eine Hand voll Sieger zu Millionären werden – und eine absolute Mehrheit zu Müll.

Vergessen wir oft: die „the winner takes all“-Mentalität (zu Deutsch: alles gehört dem Führer) produziert für einen Gewinner neunundneunzig Verlierer – jedenfalls in der echten Welt, in der nicht die begrenzten Laborbedingungen von „König Fußball“ vorherrschen. Die Folgen sind katastrophal: hier liegt der Urgrund für allen Hunger, alle Armut, alle Vertreibung in der Welt – um nur ein paar Elendsfaktoren aufzuzählen, die durch den neuen faschistoiden „Leistungskult“ (der eigentlich ein Räuberkult ist) ins Leben gerufen wurden. Schauen wir uns die Fakten kurz einmal an (siehe ntv):

Zum dritten Mal in Folge ist das weltweite Vermögen im vergangenen Jahr gewachsen. Das globale Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte stieg 2014 laut einer Allianz-Studie um über sieben Prozent auf den Rekordwert von 136 Billionen Euro. „Damit könnten die privaten Haushalte sämtliche Staatsschulden der Welt ungefähr dreimal tilgen“, sagte Allianz-Chef Oliver Bäte.

Wie die Studie zeigt: gerade in Deutschland zementiert sich die Ungleichheit, wir haben wieder eine Gesellschaft, in der die (neoliberale) „Partei“ und ihre „Goldfasane“ vom Leistungswahn des Pöbels richtig absahnen, während für die Hamster im Rad nichts übrig bleibt (siehe dasmädchenimpark):

„Natürlich beeinflusst eine solche Auffassung von Wirtschaft zuallererst unsere Arbeitswelt. Symptomatisch sind die Schwächung der Gewerkschaften, die Flexibilisierung (heißt: Prekarisierung) von Arbeitsverhältnissen und ein flächendeckender Rückgang der Lohnquote: Der Anteil der Einkommen, der an die Arbeitnehmer fließt, wird also immer kleiner. Gleichzeitig werden Sozialausgaben gekürzt. Die zwangsläufige Folge ist die inzwischen wohlbekannte Schere zwischen Arm und Reich, die immer weiter auseinandergeht.“

Wir – die Gemeinschaft der deutschen Bürger, ebenso die Gemeinschaft der europäischen Bürger oder die Gemeinschaft der Weltbürger werden immer ärmer … und leben ein Leben in Angst, welches im Prinzip (und nur im Prinzip, noch nicht in der totalen, endgültigen Ausformung, wo es um die komplette Ausrottung unwerten Lebens geht) dem Leben im Dritten Reich ähnelt: unsere Angst ist die „Angst vor Überflüssigkeit“ – so als hätte es nie zuvor einer Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, eine französische Revolution oder eine christliche, humanistisch orientierte Religion gegeben (siehe Süddeutsche):

„In unserer Gesellschaft sind wir extrem auf Leistung gepolt, da dürfen Angestellte natürlich niemals durchleuchten lassen, dass sie nicht 180 Prozent Gas geben. Wenn diese Menschen dann auch noch das Damokles-Schwert des drohenden Jobverlusts über sich spüren, dann geben sie schon aus reinem Selbstschutz vor, mehr zu tun, als sie wirklich leisten. Das hat mit Faulheit nichts zu tun, sondern damit, dass Menschen an ihre Grenzen getrieben werden und ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt.“

Spüren Sie schon, wie der Geist der „Vernichtung durch Arbeit“ wieder Realität geworden ist? Merken Sie, wie Sie selbst durch fortlaufende Selbstoptimierung an ihrer eigenen Vernichtung arbeiten? Auch an ihrer physischen? Der Herzinfarkt mit 38 fällt nicht vom Himmel: da wurde vorher intensiv dran „gearbeitet“ – mit Überstunden, Leistungsdruck und Dauerängsten.

Ich könnte Ihnen noch viel erzählen über das faschistoide System des Neoliberalismus, Dinge, die sie verblüffen würden, Dinge, die einen Hitler freuen würden: Auto und Radio waren ihm enorm wichtig, deshalb hat er Volkswagen gegründet (ja: da hat Verbrechen Tradition) und Autobahnen bauen lassen, ebenso begrüßte er den Volksempfänger (siehe Spiegel): sein deutsches Volk wohnte im Eigenheim, fuhr so oft es ging mit dem Auto und hörte Radio … heute müßte man da allerdings eher den Fernseher nennen. Seltsam, wie sehr seine Vorstellung vom Alltagsleben unseren Alltag gestalten – nicht seltsam allerdings, wenn man sich erinnert, dass wir in einem neuen totalitären System leben: ihre Methoden zur „Bespaßung“ (bzw. Ablenkung) der Massen sind halt immer die gleichen. Leider haben wir nicht mehr so viele Dokumente zum Volkskühlschrank oder der Volkswohnung, die das Bild vervollständigen könnten (und auch für uns enorm wichtig sind). Auch bei uns wird „der neue Mensch“ in breiter Front als selbstverständlich in den Medien vorgestellt, beworben und als alternativloser sozialer Standard eingeführt, ohne dass wir das noch groß bemerken.

Uns läuft allerdings langsam die Zeit davon, weshalb wir uns jener neuen Qualität zuwenden müssen, die Sie ganz persönlich betrifft … und die unsere Zeit von der des Dritten Reiches qualitativ unterscheidet: früher war es der SA-Mann auf der Straße, der für „Ordnung“ sorgte (was führende Hip-Hoper heute noch begeistert) …heute haben wir den SA-Mann im Kopf. Ja – auch totalitäre Systeme entwickeln sich weiter, werden schlauer, raffinierte, hinterhältiger (wie VW zum Beispiel). Gemeint es etwas, was sich als fünfte Kolonne des Neoliberalismus von hinten nähert – in einem scheinbar spirituellen Gewande, der „Esoterik“.

Während echte Esoterik (man kann auch sagen: Religion) von den Machthabern weit an den gesellschaftlichen Rand und darüber hinaus verbannt worden ist, feiert die Tradition der „falschen Christen im Westen“ (so Alfred Schütze in seinem Werk „Das Rätsel des Bösen) beständig neue Höhepunkte in Form des „positiven Denkens“ und all seiner Spielarten, die alle das gleiche Thema haben: wer erfolglos ist, wer Probleme hat, wer arm ist, krank, einsam, allein (wobei letztere eigentlich den Dauerzustand des erfolgreichen, ständig auf Wettkampf und Konkurrenz getrimmten egoistischen neoliberalen Charakters) ist selbst schuld an seiner Misere: er denkt einfach falsch. Jeder kann es schaffen, jeder hat das Zeug dazu, wenn er nur die Parolen des Neoliberalismus (die es in verschiedenen Spielarten gibt) wortgetreu nachplappert und in sein Gehirn stanzt. Vorgegaukelt wird uns das – völlig irre und wahnhafte – Bild einer Welt, die nur aus Multimillardären bestehen wird, wenn alle nur positiv genug gedacht haben: endlose Welten mit endlosem Reichtum werden als vorhanden vorausgesetzt, um den Wahn weiter nähren zu können.

Vorbei ist die Zeit, wo man sich als „in die Welt geworfen“ verstehen durfte (Sartre) – in eine Welt, die gefallen war und der Erlösung bedurfte (Christus). Unsere Welt ist perfekt – und wer in ihr nicht zurecht kommt, ist „Waste“ – Müll, selbstverständlich arbeiten Firmen, die diese Volksratings betreiben, eng mit den Geheimdiensten zusammen, um die Herrschaft der Herrchen zu sichern(siehe Zeit).

Will man nun Widerstand leisten, so ist hier zuallererst anzusetzen – doch bei den meisten ist der Kampf schon verloren, wie man anhand des Krieges auf deutschen Autobahnen (die man eigentlich treffender Mörderbahnen nennen müßte – oder Hitlers Triumph) (siehe FAZ), des Bildungsterrors gegen die deutschen Kinder und des Statuswettkampfes in der Vorortsiedlung unschwer erkennen kann: das Auto mit dem höchsten Verletzungspotential und der höchsten Umweltverschmutzung erzielt die besten Verkaufsergebnisse  – akutell gibt es das sogar mit Schutzausrüstung vor Biowaffen (siehe Chip-online).

Dann muss man erkennen, dass man in einem der denkbar schlechtesten politischen Systeme lebt: dem Totalitarismus, den wir heute mal – um seine Gefährlichkeit zu demonstrieren – Faschimus genannt haben (auch zu Recht, wie ich meine). Wenn wir dann verstanden haben, dass wir nicht Götter auf dem Ponyhof sind, sondern Opfer im Gulag, können wir anfangen über die nächsten Schritte zu sprechen – die sicher nicht angenehm und zum Wohlfühlen geeignet sind.

Oder aber wir marschieren weiter im Geichschritt, passen uns überall an, sind jederzeit und überall widerspruchslos einsetzbar, sind … schlimmer dran als die Sklaven im alten Griechenland, die sich zum Zwecke der bestmöglichsten Ausbeutung ihres Lebens nicht noch dauern selbst optimieren mussten – dafür sorgte damals noch der Sklaventreiber.

Im Rahmen der Einsparprogramme machen wir den heute selbst, sind „marktkonform, wettbewerbsfähig, selbstdiszipliniert, anpassungsbereit, flexibel, egoistisch, aktiv und unternehmerisch“ … und tun so, als ob wir niemals altern würden, leben in einem neuen totalitären System und faseln dauernd von Freiheit.

Kündigen Sie in Deutschland einfach mal grundlos ihren Ausbeutungsplatz (ohne auf Vermögen aus früheren Raubzügen zurückgreifen zu können): sie werden sehen, wie „frei“ sie dann sind.

Vogelfrei.

 

 

 

 

Fernsehterror – die Einbahnstraße in die Diktatur – von allen gern gesehen.

Digital StillCamera

Samstag, 18.7.2015. Eifel. In den letzten Tagen ist mir vor allem eins eingefallen: es lohnt sich nicht mehr, die politische Realität zu beschreiben. Mit einem Gefühl des Mitleids habe ich erleben müssen, dass ein Bloggerkollege – viel bekannter als meine Wenigkeit – nach über 4000 Artikeln zusammengebrochen ist: keiner kauft seine Bücher, keiner gibt ihm etwas zurück von dem, was er seinen Mitmenschen schenkt. Sollte ich in einigen Jahren ebenso enden – verbrannt an kalter Unmenschlichkeit – oder vom eigenen Idealismus? In Spanien – so berichtete das Schweizmagazin – gelten Blogger schon als Terroristen, wenn sie „den Frieden“ stören … also auf deutsch: die Regierung oder die Wirtschaft kritisieren – sie landen direkt im Gefängnis. Würde sich lohnen, diesen Gerüchten nach zu gehen, denn: was heute am Rande Europas Realität wird, wird morgen zur Norm für alle: wir wollen ja Rechtsgleichheit in Europa. Ich hadere ein wenig mit mir, diesen Weg weiter zu gehen, denn ich merke: ich gehe diesen Weg allein – für viele, die am Rande klatschen und in Windeseile fort sind, sobald es ernst wird – mal von einer Hand voll Unbeirrbarer abgesehen. Für meinen persönlichen Sitz im Leben eine strategisch ziemlich dämliche Ausrichtung – und erst recht für meine Kinder.

Dann kam der gestrige Tag und ich war eingeladen, etwas „Fernsehen“ zu schauen. „Fernsehen“ habe ich zum Schutz meiner Kinder vor über 10 Jahren abgeschafft – als erste Notmaßnahme. Es gibt noch einen Bildschirm, Spielgeräte, ein Filmabspielgerät – und ein begrenztes Zeitvolumen zur Nutzung dieser Weltfluchtmöglichkeiten. Nein – die liegen informationsmäßig nicht hinterher, im Gegenteil: sie liefern erstklassige Zeugnisse – und überspringen auch schon mal eine Klasse, trotz ihrer zweifellos vorhandenen Handicaps. Sie fühlen sich nur oft von Blöden umgeben – eine normale Erfahrung, wenn man sich unter Menschen begibt, die sich einer fragmentierten Wirklichkeit hilflos ergeben. Fragmentierte Wirklichkeit? Ja – ich beziehe mich hier auf einen Vortrag von Professor Rainer Mausfeld über „Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagement“ (bitte mal selber Dr. Google fragen, Fräulein you tube weiß da Antwort), bzw. auf die kognitiven Techniken, die zur Anwendung kommen: durch Fragmentierung der Daten werden sie aus ihrem „Sinnzusammenhang“ gerissen, bzw. verlieren ihre Stellung im Kontext der Ereignisse, die Dekontextualisierung sorgt dafür, dass sie als isolierte Einzelfälle dastehen, während die Rekontextualisierung ihnen neue Bezugsrahmen zuweist – ein Beispiel wäre hier die Ermordung von 4 Millionen Muslimen im „Kampf gegen den Terror“, die wir gelassen hinnehmen, während wir 6 Millionen ermordete Juden, Roma, Kommunisten und harmlose Nachbarn, deren Grundstück man sich aneignen wollte, mit größtem (und angemessenem) Entsetzen betrachten. Ja – wir erleben gerade einen Massenmord an Muslimen – und denken, dass ist auch gut so: Stichwort Pegida.

Ein anderes Beispiel: Griechenland – das da Schulden gemacht wurden, um eine große Armee aufzubauen, die sich in erster Linie gegen den Natopartner Türkei wehrt, dass Deutschland an dieser Armee super verdient hat, dass die Nato darauf besteht, dass diese Armee ihre Stärke beibehält, erzählt man uns nicht so oft und deutlich. Wir bleiben bei dem fragmentierten Teil „die Griechen haben unser Geld“ – schon ist der Zorn des Volkes vorprogrammiert. Ja – ich war gestern zu Gast in dem Raumschiffcockpit der „Tagesthemen“, wo mir eine hübsche junge Frau die Wirklichkeit in Fragmente zerlegte. Ein kurzer Blick nach hier, ein kurzer Blick nach da: ich hatte die Illusion der Informiertheit. Alexis Tsipras baut das Parlament um …. dass er de fakto das NEIN des griechischen Volkes in ein JA umgewandelt hat, erklärt mir die griechische Parlamentspräsidentin (siehe Spiegel), dass somit erwiesen ist, dass selbst linkeste Linke nur noch Büttel nicht näher erwähnter Geldgeber sind, muss ich mir selber denken – dabei ist diese Entwicklung das deutliche Zeichen dafür, dass die Demokratie sich in Europa verabschiedet hat. Kein Wunder: Prof. Mausfeld hatte mich ja auch darüber aufgeklärt, dass der Neoliberalismus niemals Demokratie dulden darf, sie ist sein erklärter Feind. Das wir auch in Deutschland eine starke außerparlamentarische Opposition bräuchten, um überhaupt nur eine minimale Chance zu haben, uns dem Griff des Finanzadels zu entziehen, sollte Thema in jeder Schule, Universität, Berufsschule, Parteischule, jeder Gewerkschaftsfortbildung und auch in allen Kirchentagen sein – doch auch hier irren die Zuschauer nur noch in einer fragmentierten Wirklichkeit umher.

Beispiel? Ein angeblich lustiges Drama über „Almut und irgendwen“ flimmerte über den Bildschirm, die tragische Begegnung einer Oberschichtsfrau (Zahnärztin) mit ihrer Putzfrau. Ich traute meinen Augen kaum, als die Botschaft sich völlig entfaltete: wie die arme Putzfrau durch ihre „Emotionen“ über die reiche Zahnärztin triumphierte. Was bleibt als Botschaft fürs Prekariat? „Lass´ denen doch die Millionen, Hauptsache, wir haben uns lieb“. Das die Putzfrau als Kind das gleiche Potential (wenn nicht sogar mehr) als die Oberschichtsfee hatte, muss ich mir selber mühsam erschließen, dass allein die Existenz solcher „Klassen“ der Vergangenheit angehören sollte, ist wohl schon sehr lange in Vergessenheit geraten. Gruselig, wie selbstverständlich der neue deutsche Junkerstaat das Bewusstsein besetzt hat – auch das der Autoren.

Im nächsten Krimi begegne ich ihm wieder. Überraschung: die Kameraführung hat sich im deutschen Film der letzten zehn Jahre wohl deutlich verbessert. Keine Überraschung: die gleichen Mythen vom Herrenvolk und seinen Untermenschen, die hauptsächlich ängstlich hinter ihren Gardinen hervorlugen. Am Menschlichsten? Die Polizei, die singend und feiernd auf dem Revier einen Dachs jagt: eine lustige Kinderbande. Draußen … der unsichtbare Untermensch und die durchweg finsteren Herrenmenschen: eine Gutsherrin, ein Ingenieur, ein Tierschützer. Durch Werbung erfuhr ich, dass es noch mehr dieser Krimis gibt, dass sie mehrfach täglich über den Bildschirm wandern – und welche Botschaft verbreiten sie? Bleib als kleiner Mann hinter der Gardine, da draußen ist nur der Teufel los. Das ist die bewusste Inszenierung von „Hobbes“ Krieg „aller gegen alle“ – die als deutscher, gesellschaftlicher Normalzustand beschrieben wird – äh … „vorgeschrieben“ wird. Ich denke mir, wenn man sich dieser Schwachsinnsplörre täglich ausliefert, traut man sich bald wirklich nicht mehr vor die Tür.

Was wird der gesellschaftliche Effekt dieser Berieselung mit der fragmentierten Realität eines Thomas Hobbes´ sein? Nun – das war schon vor Jahrhunderten klar: der absolute Monarch muss her, der Polizeistaat unter dem Kommando des Diktators, der endlich aufräumt … so räumt man den Weg für einen neuen Hitler frei, der für den Junkerstaat den Dreck wegräumt und die Straßen für die SUV`s freimacht, frei von den rostigen Blecheimern und überfüllten Bussen der Untermenschen. Die Entsolidarisierung der Gesellschaft (siehe Heitmeyer) wird täglich durch 4 Stunden unterhaltsamer Gehirnwäsche brachial vorangetrieben – wobei ich mich der Speerspitze des Wahns – der Werbung – noch gar nicht genähert habe.

Wir könnten auch eine andere Realität darstellen, eine Realität, die das Deutschland Goethes wiederspiegelt anstatt dass zerbrochene Junkerdeutschland Bismarks wieder aufleben zu lassen … doch dafür geben die Geldgeber keine Gelder, wer Geschichten von Solidarität, Liebe, Mitgefühl, Empathie erzählen möchte, landet mit der Diagnose „Sozialromantik“ in der Heilanstalt – für immer.

Welche Folgen das für unsere Zukunft haben wird? Nun – das ist nicht schwer zu erraten. Die deutsche Vergangenheit zeigt uns genug darüber – der Junkerstaat Bismarks ging nahtlos (und ohne Besitzverlust) in den Junkerstaat Hitlers über, der wiederum ohne Probleme – mit nur kurzen Irritationen 1968 – in den Junkerstaat a´la Kohl, Schroeder und Merkel überging. Darf man nun sagen, dass wir uns vielleicht zuallererst einmal mit dem „Junkertum“ in Deutschland beschäftigen sollten … nicht mit den jungen Adeligen, sondern mit den Krautjunkern: den Großgrundbesitzern und ihrem Dienstadel. Doch über die … wissen wir ja nichts. Außer dass sie Deutschland regieren.

Es wäre eine Riesenarbeit, ihnen auf die Spur zu kommen – und mir dünkt, auf diesem Wege drohen Lungenembolien, Autounfälle und tödliche Badewannen. Also bleiben wir lieber in unseren Fernsehträumen, wo lustige Polizisten die Konsumameise vor dem bösen Wolf schützen, der jederzeit und überall lauern kann. Immer mehr werden wir im Alltag zu diesen asozialen Dummschafen, die uns im Fernsehen als allgemeingültige Wahrheit menschlichen Seins präsentiert werden – und wir werden immer mehr nach starker Führung rufen, nach einer Angela Merkel im Pickelhaube. Ach – das ist ja schon geschehen.

Doch ist es wirklich ratsam, sich durch dauernde Defragmentierung der Wirklichkeit, durch dauerndes Zusammensetzen der geteilten Fragmente zu einer überraschend anderen Wirklichkeit bei den neuen Junkern, der neuen unsichtbaren Adelspartei unbeliebt zu machen? Wichtig ist die Arbeit der Defragmentierung schon – doch besser ist, man überläßt sie jenen, die wohl versorgt in sicheren Gefilden hausen – wie Professor Mausfeld – denke ich mir. Mensch – überlegt doch mal, was man alles leisten muss, um diesem Moloch erfolgreich entgegentreten zu können: man braucht eigene Fernsehstudios, eigene Zeitungen, eigene Geschäfte – und eigentlich auch eigenes Geld … und eigene Polizei.

Dann doch lieber im Sessel sitzen, ein Bier trinken und davon träumen, wie die singende Kinderpolizei die bösen Menschen einsperrt – auch wenn die Rechnungen für dieses „Vergnügen“ immer höher anstatt niedriger werden und immer mehr Menschen aus dem Pseudo-Paradies der Maschinenmenschen vertrieben werden.

 

 

 

 

Geräteunabhängige Empfangsgebühr in der Schweiz – Abzocke auf Staatsniveau

In Deutschland macht die GEZ derzeit unrühmliche Schlagzeilen. Sie kassiert doppelt und dreifach bei den Konsumenten ab und stürzt Firmen wie Privatkunden in finanzielle Schlechtwetterfronten. Bei den Helvetiern herrscht zur Zeit noch eitel Sonnenschein, doch sind am Horizont bereits die ersten dunklen Wolken des neuen Empfangsgebühren-Inkassos zu erkennen.

Das schweizerische Parlament hat den Bundesrat beauftragt, ein neues System zur Finanzierung der schweizerischen Radio- und Fernsehwelt, genannt „service public“, zu erstellen. Die Erneuerung soll das heutige Empfangsgebührensystem ersetzen. Zukünftig wird eine geräteunabhängige Radio- und Fernsehabgabe erhoben. Das BAKOM (Bundesamt für Kommunikation) rechnet zwar nicht vor 2017 mit der Einführung, doch ist der Vorstoss in diese Richtung, aufgrund der Motion getan. Was heisst das für den Einzelnen. Wenn man in der Lage ist irgendein Fernseh- oder Radioprogramm zu empfangen, dann muss man zahlen. Unabhängig davon, ob man das Angebot nutzen will oder nicht. Der freie Entscheid des Menschen zählt hier nicht mehr. Da wir in einer hochtechnisierten Welt leben, ist der völlige Entzug aus der Medienberieselung fast nicht möglich, ausser man lebt in einer Höhle. Aber selbst dort hat man meistens „Empfang“. Die mediale Präsenz ist demnach überall, somit ist jeder betroffen, daher muss jeder zahlen. Ganz einfach!

Damit die Erfassung der Konsumenten lückenlos ist, besteht eine Meldepflicht. Sobald man fähig ist irgendwelchen Medienmüll zu konsumieren muss man dies melden.

„Das Alter der meldenden Person ist irrelevant; Minderjährige unterliegen grundsätzlich auch der Meldepflicht.“

Billag AG, Auslegungspapier vom 1. Januar 2012

In der Meldepflicht enthalten ist die Angabe des Geburtsdatums. Damit weiss die Billag AG genau, wann ihre gemeldeten „Kunden“ volljährig und somit zahlungspflichtig sind.

 

Die Akteure

Um den Zusammenhang der einzelnen Gremien zu verstehen, ist ein kleiner Ausflug in die Welt der Vetternwirtschaft angesagt. Fangen wir beim Schweizer Bund an. Er ist Hauptaktionär der Swisscom AG  (56.9%). Die Swisscom AG besitzt das Telefon- und Netzmonopol in der Schweiz und nützt dies schamlos aus, wenn man die Telefongebühren ansieht und diese mit dem Ausland vergleicht. Ein Beispiel:  PrePaid Natel Easy kostet 80 Rappen/Minute – in Deutschland und  Österreich 10 – 20 Rappen pro Minute.  PrePaid-telefonieren in der Schweiz ist kostspielig. Darum flüchten sich die meisten Konsumenten in die Abo-Falle der einzelnen Anbieter.

Die Swisscom AG beschränkt sich in ihrer Tätigkeit nicht allein auf die Kommunikation. Sie besitzt mehrere Tochtergesellschaften. Darunter die Accarda AG mit einem Anteil von 100%. Diese Gesellschaft selbst ist, nach eigenen Angaben,  Schweizer Marktführerin in der Herausgabe und Verarbeitung von Kundenkarten mit Zahlfunktion. Auch die Accarda AG ist sehr vermehrungsfreudig und besitzt einige Töchter. Eine davon ist die Billag AG. Sie beschäftigt 300 Angestellte und ist seit 1998 zuständig für die Erhebung der Radio- und Fernsehempfangsgebühren in der Schweiz. Ihr Inkassovolumen beträgt 1.3 Mia. Franken, davon muss sie eine Million Mal mahnen und circa 60‘000 Betreibungen einleiten. Das heisst in anderen Zahlen ausgedrückt: bei ihren drei Millionen registrierten Haushalten muss sie über jeden Dritten mahnen und schlussendlich 2 % ihrer „Kunden“ betreiben.

Die Billag AG macht nichts anderes wie Rechnungen zu verschicken. Selbst dies hat sie sich noch vereinfacht und versendet nur noch Jahresrechnungen in der Höhe von  CHF 462.40 inklusive  2.5% Mehrwertsteuer. Verglichen mit den Gebühren im Ausland grenzt dies an Wucher. Der Billag scheint nicht bewusst zu sein, dass in der „reichen“ Schweiz über 10% der Bevölkerung an der Armutsgrenze leben. Für diese bedeutet so eine Rechnung oft der finanzielle Genickschuss. Man hat zwar die Möglichkeit eine Quartalsrechnung zu beantragen, was aber mit einem Aufschlag von 2 Franken pro Rechnung zu Buche schlägt.

Fassen wir zusammen. Die Billag AG kassiert Geld aufgrund ihres Mandates und verteilt das Geld unter den Eltern (Accarda AG) und Grosseltern (Swisscom AG), da die Aktionäre befriedigt werden wollen. Zu guter Letzt leben die Urgrosseltern (Bund) auch noch und halten die hohle Hand hin. Der Rest wird dann unter den Bedürftigen (TV- und Radiosender, SUISA) verteilt. Mit staatlicher Unterstützung wurden Goldesel für Aktionäre geschaffen, deren „Dienstleistung“ das Verwalten von Daten ihrer Tochtergesellschaft ist. Tolles Geschäftsmodell.

 

Alternativen

Nehmen wir einmal an, die Billag AG würde aufgelöst werden. Durch die eingesparten Lohnsummen, Dividenden und weiteren Betriebskosten könnte die Gebühr auf ein Niveau gesenkt werden, dass annähernd dem entspricht, was über den Äther an „Unterhaltung“ dem Pöbel vorgeworfen wird. Die Gebühr kann in eine Steuerform integriert werden. Der Bund zahlt dann die von den Sendern benötigte Unterstützung aus dem Steuerfond.

Der Bundesrat legte 2010 einen Bericht vor, in dem er vier Möglichkeiten der Gebührenbeschaffung beschreibt.

  1. Finanzierung aus dem Bundeshaushalt bzw. aus dem Ertrag der direkten Bundessteuer .
  2. Abgabe pro Kopf und Betrieb, mit der direkten Bundessteuer erhoben.
  3. Allgemeine Abgabe pro Haushalt und pro Betrieb, unabhängig von Empfangsgeräten.
  4. Allgemeine Abgabe pro Haushalt und Betrieb mit Abmeldemöglichkeit, abhängig von Empfangsgeräten.

Der Bundesrat empfiehlt die dritte Variante und untermauert seinen Beschluss mit Zahlenakrobatik, Verdrehung von Tatsachen,  falscher Auslegung von Erfahrungswerten und sinnlosen Satzformulierungen, die anstrengend zu lesen sind und doch nichts Konkretes aussagen. Es ist nicht ersichtlich, woher die Zahlen und Fakten dieses Berichtes stammen und wie seriös diese eruiert wurden. Es macht den Eindruck, dass der Bundesrat einem neuen Goldesel den Stall putzt und die Profiteure in Stellung bringt.

Da das Mandat der Billag AG ausläuft, wird für das neue Mandat ab 2014 eine öffentliche Ausschreibung (!) durchgeführt. Derjenige, der sich am besten verkauft, darf das Inkasso für die Radio-und Fernsehgebühren machen. Da wird mit Sicherheit wieder eine Tochtergesellschaft mit mehreren hundert Angestellten aus dem Boden gestampft, Infrastruktur errichtet und ein neuer Verwaltungsapparat aufgezogen, der, wie die Billag AG jetzt, völlig aufgeblasen und überdimensioniert ist. Hauptsache neue Aktionäre können absahnen.

Wenn die Auslagerung des Inkassos so viel günstiger ist, als wenn der Bund dies selber macht, stellt sich die Frage, wieso macht er dies nicht auch bei den Steuern oder die Versicherungen bei den Prämien? Die Antwort liegt klar auf der Hand. Es ist nicht günstiger, sondern bevorteilt geldgierige Geschäftemacher, die sich auf Kosten des Volkes bereichern und uns dies als „service public“ verkaufen. Mit Tochtergesellschaften und Beteiligungen ist es einfacher öffentliche Gelder legal abzukassieren. Zudem ist keiner in der Verantwortlichkeit, da der Fokus auf die Firmen gerichtet ist und nicht auf die Akteure/Aktionäre im Hintergrund. Jeder regt sich über die Billag auf aber keiner fragt Werner Marti (Verwaltungsratspräsident) oder Manuela Staub (Lobbyistin der Swisscom im Verwaltungsrat) oder sonstige Mitglieder des Rates,  nach den Bilanzen und Geschäftsberichten oder warum die Verwaltungskosten so hoch sind. Vordergründig sieht man nur die Billag AG – und die ist in keiner Weise „fassbar“.

 

Die Geldmaschine

Eigentlich hinkt die Schweiz mit ihrer bevölkerungsstrategischen Abzockermethoden dem Ausland hinterher. Einige Länder haben bereits die geräteunabhängige Abgabe. Und es werden immer mehr, weil die Verantwortlichen merken, im Volk regt sich nix, also weitermachen.

Vermutlich wird als Nächstes eine jährliche Pauschalbusse eingeführt. Jeder, der sich in der Öffentlichkeit bewegt ist fähig eine Straftat zu begehen und macht im Jahr den einen oder anderen Regelverstoss. Also kann man sicher auch jeden büssen – einfach so – vorsorglich.

Es ist schon denkwürdig, dass der Staat seine Gebühren nicht selber eintreibt. Wieso müssen mit den Gebühren noch die gierigen Mäuler von drei Firmen gestopft werden? Allein die Ausgaben der Billag AG belaufen sich auf ungefähr 55 Mio. Franken pro Jahr. Als Vergleich: die privaten Sender in der Schweiz erhalten aus dem Gebührentopf nur 44 Mio. Franken ( von 1.3 Mia. Gebührenvolumen) und müssen diesen Betrag noch untereinander aufteilen.

Genau weiss niemand, für was die Billag AG diesen Millionenbetrag kassiert. Die Löhne belaufen sich schätzungsweise auf 22 Mio., 10 Mio. für den Briefversand und Druck, circa 10 Mio. für die Infrastruktur, viele Millionen an Dividenden und hier und da mal ein Milliönchen für „ausserordentliche“ Dienste oder sonst was. Mittlerweile wehren sich sogar einige Politiker gegen die Geheimniskrämerei und verlangen eine Offenlegung der Zahlen. Ob dies passieren wird bleibt fraglich, da vermutlich zu viele Peinlichkeiten ans Tageslicht kämen.

 

Wie weiter?

Es sollte sich jeder bewusst sein, dass die Einführung der geräteunabhängigen Empfangsgebühr nur der Vorreiter für weitere Abzockermethoden ist. Die bisherige Möglichkeit der Geldbeschaffung erledigte die Politik mit der Erhebung oder Anhebung von Steuern. Doch dieser Prozess dauert oft sehr lange, bis er durch alle Instanzen gewinkt wurde, wirkt unpopulär auf das Ansehen der Politiker und zuletzt ist noch das Volk, welches ein Referendum oder sonstige oppositionelle Kräfte dagegen entwickeln kann. Einfacher ist da eine gesetzlich verankerte Gebühr. Steuergesetze bieten oft irgendwelche Schlupflöcher, aber Gebühren sind pauschal für jedermann und nicht anfechtbar. Wenn also die geräteunabhängige Empfangsgebühr ein Erfolgsmodell zur Geldbeschaffung  wird, dann folgen Weitere. Bereits diskutierte Möglichkeiten sind: Luftgebühr (je höher der Waldanteil eines Landes, umso höher die saubere Luft resp. die Gebühr), Trottoir-Benutzungsgebühr für Kinderwagen oder eine Raumgebühr, da jeder Mensch durchschnittlich einen Kubikmeter Raum permanent für seine physische Präsenz benötigt. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Eine mögliche Variante der Gebührenbeschaffung wäre ein Bezahlsystem wie es beim Telefon genutzt wird. Man erhält mit der Telefonrechnung eine Abrechnung über die konsumierten Sendeminuten. Es ist heute durchaus technisch machbar, einen Fernseher oder sonstiges mediales Empfangsgerät so zu modifizieren, dass die gewollt empfangenen Sendeminuten/Stunden abgerechnet werden können. Ein solches System wäre nicht nur fair, sondern auch repräsentativ für den Medienkonsum eines  Volkes, da es exakt alle gewollt empfangenen Minuten mitzählen kann.

 

Quellen und Informatives:

Änderung und Ergänzung des RTVG. Verwaltungskosten der Billag und Transparenz

http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20103133

 

Systemwechsel bei der Empfangsgebühr für Radio und Fernsehen

http://www.bakom.admin.ch/empfangsgebuehren/03812/03817/

 

Empfangsgebühren für Radio und Fernsehen, Überprüfung von Erhebung und Inkasso

Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats KVF-N vom 17. Februar 2009 (09.3012)

http://www.bakom.admin.ch/empfangsgebuehren/03812/03817/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDeYR4g2ym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A–

 

Auslegung der Radio- und Fernsehgesetzgebung betreffend Melde- und Gebührenpflicht

für den privaten, gewerblichen und kommerziellen Empfang von Radio- und Fernsehprogrammen –

Übersicht über die Anwendungspraxis von Billag

http://www.billag.ch/web/de/billag/Oeffentlichkeitsgesetz/contentParagraphs/00/file0/Auslegung_120123_D.pdf

 

Stellungnahme der Billag AG zur Vernehmlassung RTVG

http://www.billag.ch/web/de/news_media/MM_31-08-12/contentParagraphs/00/file0/Stellungnahme_RTVG_d.pdf

 

Accarda: die Gruppe für integrierte Abrechnungs- und Zahlungssysteme

http://www.swisscom.ch/de/ghq/ghqgb06/kerngeschaeft/related-businesses/accarda.html

 

Wirtschaft mordet für Bordellbesuch

Ich habe eine gewissen persönliche Freude an reißerischen Artikeln. Die Inhalte der Artikel sind dafür oft weniger reißerisch - sollten eigentlich mehr besinnlich sein. Überschriften sollen ja ... neugierig machen. Habe ich letztens noch gelernt. Besinnliche Überschriften würden aber eher abschrecken. Besinnlichkeit, Nachdenklichkeit generell steht momentan nicht hoch im Kurs, der Zeitgeist mag den lauten Spaß, den Krach, das lärmende Johlen. Wohl auch ein Grund dafür, das die Demokratie von unten gestorben ist, Altkanzler Schmidt hatte wohl recht als er meinte, das das Privatfernsehen schlimmere Folgen für die Gesellschaft haben wird als die Atombombe. Mehr als es Religion je sein kann ist TV Opium fürs Volk geworden, fast vier Stunden pro Tag leben die Menschen nur noch in ihren Scheinrealitäten und lassen sich gedankenlos mit Informationen füttern. So fern sind wir von einer Zukunft, die die "Matrix-Triologie" skizziert, gar nicht mehr entfernt - im Prinzip haben viele von uns sie schon erreicht und leben in ihr. Erst die Arbeitslosigkeit bereitet dem schönen Traum ein Ende.

Ich habe eine gewissen persönliche Freude an reißerischen Artikeln. Die Inhalte der Artikel sind dafür oft weniger reißerisch – sollten eigentlich mehr besinnlich sein. Überschriften sollen ja … neugierig machen. Habe ich letztens noch gelernt. Besinnliche Überschriften würden aber eher abschrecken. Besinnlichkeit, Nachdenklichkeit generell steht momentan nicht hoch im Kurs, der Zeitgeist mag den lauten Spaß, den Krach, das lärmende Johlen. Wohl auch ein Grund dafür, das die Demokratie von unten gestorben ist, Altkanzler Schmidt hatte wohl recht als er meinte, das das Privatfernsehen schlimmere Folgen für die Gesellschaft haben wird als die Atombombe. Mehr als es Religion je sein kann ist TV Opium fürs Volk geworden, fast vier Stunden pro Tag leben die Menschen nur noch in ihren Scheinrealitäten und lassen sich gedankenlos mit Informationen füttern. So fern sind wir von einer Zukunft, die die „Matrix-Triologie“ skizziert, gar nicht mehr entfernt – im Prinzip haben viele von uns sie schon erreicht und leben in ihr. Erst die Arbeitslosigkeit bereitet dem schönen Traum ein Ende.

In einer solchen Stimmung sind Artikel, die der Wirtschaft Morde für Bordellbesuche vorwirft, völlig fehl am Platze. Man fragt sich: warum schreibt der so etwas? Will er uns etwa den Feiertag versauen?

Nein, nichts liegt mir ferner. Da ich kostenfrei schreibe und kostenfrei gelesen werden kann, ist der Konsum dieser Gedanken freiwillig, anders als das, was man während des TV-Konsums alles an versteckten Botschaften fressen muss, ist hier der Genuss völlig kontrollierbar. Niemals war der Begriff „Opium fürs Volk“ treffender als für das, das uns moderner Flachbildfernseher an modernen Flachinhalten liefern. Hier hat sich die Technik endlich mal den Inhalten angepasst, die Sendungen im Röhrenmonstrum waren noch deutlich inhaltsreicher.

Allerdings werde ich häufiger mit der Frage konfrontiert: was können wir denn dagegen tun … dagegen, das die Welt ausserhalb unseres Bildschirms immer düsterer wird. Nun – ein Tipp, den ich immer parat habe: nehmt den Fernseher vom Netz. Es gibt ein paar schöne Inhalte, die man aber auch auf DVD kaufen kann, aber der Rest … den braucht man nicht. Vor allem nicht die Werbung, deren heile Welt vergiftet mehr politisches Bewusstsein als Menschen gerne wahr haben wollen.

Was man aber noch tun kann, ist: sagt einfach die Wahrheit. Stellt sie ins Netz, vervielfältigt sie so gut ihr könnt. Auch in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein – sagt die Wahrheit. Sagt den Christen, das die Kultur, in der sie leben, satanische Züge hat und sie Widerstand dagegen leisten sollen, sagt den Konservativen, das ihr Land bald Kolonie wird, weil die Wirtschaft sie verkauft, sagt den Politikern, das sie überflüssig geworden sind, weil die  Macht nur noch vom Volk der Lobbyisten ausgeht, sagt den Liberalen, das Neoliberalismus letztendlich die bürgerlichen Freiheitswerte fressen wird … und sagt den Anlageberatern, das sie Mörder sind.

Dieser Gedanke ist nicht neu. Geäußert wurde er schon 1976 in der Zeit. Damals wurde die Frage gestellt, wer Tante Emma ermordet hat, schon damals wurde ein „erbarmungsloser Vernichtungswettbewerb bar jeder Vernunft“ vom Bundesverband des Einzelhandels angeprangert. Gebracht hatte es nichts, wir hatten damals Umwelt, Frieden und Atom auf den Widerstandsfahnen, die Rettung des Tante Emma-Ladens musste warten – wir wusste nicht das er in Gefahr war.

Jetzt ist er weg, die monopolistischen und oligopolistischen Strukturen sind gekommen – und es wird weitergemordet.  Auch mit Atom. Irgendwie scheint unsere Idee nicht funktioniert zu haben. Wir dachten ja, wir leben in einer Demokratie – also organisieren wir uns, gründen eine Partei, lassen uns wählen und fort ist das Atom. Fort … ist es noch lange nicht. Es wird nur nicht mehr so viel drüber geredet, wie zum Beispiel über Fukushima, wo die Situation immer katastrophaler wird, aber von anderen Meldungen inzwischen an den Rand der Wahrnehmung gedrückt wird. Inzwischen haben die Strontium im Grundwasser und verseuchten Tee hunderte Kilometer vom Kraftwerk entfernt…ein Riesensupergau, der natürlich gegen Meldungen von gewonnenen Basketballturnieren keine Chance hat.

Warum nun gerade die Anlageberater die Mörder sind? Nun – sie sind die Agenten des Traums vom leistungslosen Einkommen und große Schwindler vor dem Herrn:

Anlageberater verhelfen Privatleuten einer Studie zufolge nicht zu höheren Renditen. Dabei war es egal, ob die Anleger auf die Dienste einer Bank vertrauten oder unabhängige Finanzberater in Anspruch nahmen. Wissenschaftler der Universitäten Frankfurt am Main und Neapel wiesen in der am Montag veröffentlichten Untersuchung nach, dass sich im Schnitt die Depots der Anleger, die Beratung in Anspruch nahmen, in beiden Fällen nicht besser entwickelten als Depots vergleichbarer Anleger, die sich nicht beraten ließen.

Sie haben keinerlei Nutzen … ausser für ihre Herren. Am Ende der Anlageberatung ist vor allem eins passiert: Geld hat den Besitzer gewechselt. Die Oma, der Arzt und der fleissige Handwerker sind pleite, aber der Vertriebsmitarbeiter hat sich dafür einen Besuch im Bordell verdient:

Vor allem aber sind es alle Arten von Vertriebsmitarbeitern, die in Strukturvertrieben der Finanzbranche arbeiten. Diese Organisationen basieren auf einem Anreizsystem, das die Mitarbeiter antreibt und bei mehr verkauften Verträgen belohnt. Da gehört der Bordellbesuch als eine Art der Auszeichnung dazu.

So äußert sich ein Bordellbetreiber in einem Interview bei Karriere.de.  Es sein eine „beinharte Branche“ … und derartige Motivationen kein Einzelfall. Über 5000 Unternehmen buchen jährlich Incentives dieser Art:

„Abwechslung und Originalität werden dabei immer wichtiger“, resümierte die „Society of Incentive & Travel Executives“, eine internationale Organisation zur Entwicklung von Incentive-Reisen, völlig ironiefrei.

Die Profikiller lassen es sich gut gehen. Das war schon bei den alten Assassinen so.

Die aus einem Streit um die Erbberechtigung zweier ismailitischer Prinzen hervorgegangenen Assassinen (über den umgangssprachlichen Plural ḥašīšiyyīn von arabisch haschisch / ‏حشيش‎ / ḥašīš /‚Kräuter, Gräser, Hanf‘ (Cannabis sativa)) waren eine legendenumwobene militante ismailitische Sekte des orientalischen Mittelalters, die durch Berichte von Kreuzfahrern und später durch Reisende wieMarco Polo in Europa bekannt wurde. Dieser schildert sie als Sekte, die Haschisch konsumiert, orgiastische Feste feiert und Dolch- und Giftmorde an hochgestellten Persönlichkeiten verübt.

Die Prinzipien der Mörderbanden sind immer die gleichen. Aber ist es nicht zu weit gegriffen, Anlageberater (oder Investmentbanker) als Mörder zu bezeichnen?

Es wäre verantwortungslos, dies nicht zu tun. Ihre Arbeit hat Folgen, nicht nur für irische Pensionskassen. Sie schichten Vermögen von unten nach oben um, verkaufen den Traum vom arbeitsfreien Reichtum und bereichern sich selbst an der Gutgläubigkeit der Menschen. In letzter Folge droht dort Armut … und Tod, wie aktuell die steigenden Selbstmordraten in Griechenland belegen. Drei Monate lang kein bezahlter Auftrag – da nützt aller Fleiß nichts, wenn dafür kein Geld hereinkommt. Ist dann das Haus weg,  müssen die Kinder im Müll wühlen, um dem Hungertod zu entgehen, dann kann schon mal die Sicherung durchbrennen, während sich die Täter sich im türkischen Bad nebenan fröhlich vergnügen … mit jenen Frauen, die die Not in die Prostitution gezwungen hat.

Ohne Finanzwirtschaft würden dort viele Menschen noch leben.

Darum ist der Satz korrekt: Wirtschaft mordet für Bordellbesuch. Der Mord ist indirekt, aber nicht weniger effektiv.

Ist wie bei der Belagerung von Burgen im Mittelalter. Manchmal wurden sie ohne einen einzigen Schwertstreich zu Fall gebracht: durch Hunger. Das galt aber trotzdem genauso als Krieg (und als „gewonnen“) als hätte man ihre Mauern mit viel Getöse gestürmt. Für die Angreifer jedoch war es … angenehmer, den Weg des geringsten Widerstandes zu nehmen, wie aktuell in Griechenland, Spanien, Irland, Italien oder … ganz neu … in Slowenien.

Es ist inzwischen eine ganze Kaste von Anlage- Investment- oder Unternehmensberatern, die vor allem eins bewirken: das für das bischen Geld das wir haben viel zu viel Volk im Land wohnt.

Auch bei uns.

Darum sollen wir jetzt bis 69 arbeiten, unsere Arbeitslosigkeit selbst bezahlen und in unserer Freizeit die Arbeit des Staates gratis übernehmen.

Warum?

Damit die „Beraterkaste“ ihre „Erfolge“ weiter im Bordell feiern und dies von den Steuern absetzen kann. Wenn wir die Schulen selbst streichen, ist ja auch wieder Luft im Budget.

Fernsehen

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Fernsehen

© Jotha

Papa ist im Krieg – offener Brief an die ARD – Update

Sehr geehrte Fr. Dr. Knobel-Ulrich,
sehr geehrte Programmdirektion der ARD,

vorhin habe ich den Beitrag „Papa ist im Krieg“ angesehen und möchte Ihnen kurz meine Gedanken dazu mitteilen. Mein Fazit nehme ich vorweg: es handelt sich bei diesem als Dokumentation etikettierten Machwerk um nichts anderes als billige Kriegspropaganda.

Eine Homestory über Soldaten der Bundeswehr im Afghanistaneinsatz und deren Familien ist ein ganz klar subjektiver, eingeengter und vor allem emotional aufgeladener Blickwinkel, den der Zuschauer nachvollziehen, ja, nachfühlen soll. Mit einer sachlichen Dokumentation des Themas hat diese Story also schon konzeptuell nichts zu tun.

Die Interviews mit den Familien / Hinterbliebenen sind größtenteils oberflächlich oder belanglos (es wird z.B. erzählt, dass Nudeln mit Tomatensoße nach Afghanistan geschickt wurden). Allerdings finden sich immer wieder propagandistische Elemente, die dem empathisch, nicht intellektuell, involvierten Zuschauer als untergejubelt werden: ein Soldat erzählt, wie gut es die Familie in Deutschland doch hat, Hinterbliebene dürfen erzählen, wie ehrenhaft es doch war, dass der Getötete „seine Kameraden nicht im Stich gelassen hat“ etc. etc. Überzeugend sollen diese Sichtweisen dadurch wirken, dass sie von direkt Betroffenen geäußert werden. Auch die unsägliche Behauptung, die Freiheit Deutschlands werde am Hindukusch verteidigt, ist wort-wörtlich im Beitrag enthalten. Zudem gibt es hinreichend Szenen, die vor Pathos nur so triefen: die Heimkehr zur schwangeren Frau (wo impliziert wird, dass dem ehrenhaften Deutschen das Vaterland vor Frau und Kind gehe), die Ehrung der „Gefallenen“ durch den ehem. Verteidiungsminister und mutmaßlichen Betrüger zu Guttenberg, die Videokonferenz von Familien mit ihren Angehörigen im Einsatz…

Alles in allem erinnert „Papa ist im Krieg“ an eine dem Zeitgeist angepasste „Deutsche Wochenschau“, deren Zielgruppe eine Bevölkerung ist, die salopp gesagt keinen Bock auf diesen Krieg hat. Denn es ist auch auffällig, was in diesem ganzen Film nicht vorkommt: ein einziges Zitat, in dem jemand den Schmerz, die Sinnlosigkeit, dieses Krieges anspricht. Nach seinen toten Kameraden befragt meint ein Heimkehrer nur, er wolle darüber jetzt nicht sprechen; diese Szene suggeriert dem Zuschauer, das Schweigen bezüglich der genannten Themen zu brechen sei den Soldaten gegenüber aufdringlich und daher unangebracht. Goebbels wäre stolz gewesen.

Ein weiteres Indiz, wes Geistes Kind dieser Beitrag ist, findet sich im Ankünder der ARD (http://programm.ard.de/TV/daserste/papa-ist-im-krieg/eid_281066330856074), wo Deutschland gleich zweimal als „Heimatfront“ bezeichnet wird. Zwar ist der Begriff durch Gänsefüßchen markiert, doch auch dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Zuschauer als Teil dieser Front begreifen soll — denn eine andere Bezeichnung für Deutschland findet sich dort schlicht nicht. Aus dem zugehörigen Wikipedia-Artikel zitiert: „Der Begriff [Heimatfront] wurde […] propagandistisch genutzt, um dem deutschen Volk zu suggerieren, dass die Kooperation auch von Zivilisten für den Kriegserfolg entscheidend wäre, und um die Anstrengungen der Bevölkerung als militärisch bedeutsam darzustellen. Dadurch ist das Wort Heimatfront negativ belegt, und wird außerhalb des Zusammenhangs mit dem Zweiten Weltkrieg normalerweise nicht verwendet.“ Danke an die ARD also für diesen Dammbruch und die offene Erklärung, als was ihr euer Publikum offenbar betrachtet.

An die ARD: Sollte euch das Wohl der deutschen Soldaten tatsächlich so stark am Herzen liegen wie ihr vorgebt, dann klärt über die Hintergründe des Krieges auf, erklärt, warum Deutschland nicht von der Maas bis an die Memel und schon gar nicht bis an den Hindukusch reicht; macht klar, dass die deutschen Staatsbürger in Uniform, die für die Landesverteidigung einstehen, nicht in einem sinnlosen imperialen Krieg wie Bauern auf dem Schachbrett verheizt werden sollen! Zudem fordere ich Sie auf zu erklären, wie diese Quatsch-Sendung dem öffentlich-rechtlichen Auftrag gerecht wird und woher der hanebüchene Ankünder stammt, über den ich mich jetzt noch ärgere.

An die Autorin: Da Sie
1) schon verschiedentlich negativ aufgefallen sind (ich verweise auf folgende offenen Briefe:
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/harry/view.asp?ID=1534
und
http://das-kleine-nachtbuechlein.blog.de/2008/05/25/offener-brief-an-frau-dr-rita-knobel-ulr-4221915)

2) als freie Journalistin, wie ich Ihrer Homepage entnehme, für Beiträge angemietet werden können

3) bei der Produktion weitläufigen Zugang zu Bundeswehr-Zugehörigen und -Anlagen hatten und somit eine Unterstützung durch die Truppe Operative Information der Bundeswehr vermutet werden kann

fordere ich Sie hiermit auf, zu erklären, ob es sich bei „Papa ist im Krieg“ um eine Auftragsarbeit handelt und ob Andere als Sie Einfluss auf Inhalt und Konzept der Sendung genommen haben.

Hochachtungsvoll

Klingelhella

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Update:

Hier der Beitrag. Zum Jubeln oder zum Ärgern.

Der Name desjenigen, der ihn dort eingestellt hat – „Soldatenglück“ – spricht Bände. Glück ist also wenn man Menschen erschießen darf?
Ich würde nicht mit meiner Restfamilie auf die Rückkehr eines ausgebildeten Mörders warten sondern ganz schnell das Weite suchen und hoffen, daß er mich nicht findet.

Und natürlich ist er auch auf der Bundeswehr-Internetseite zu finden…

Alpha 07

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Stuttgart. 2017.

Deutschland hat sich verändert. Überwachung ist allgegenwärtig und Nacktscanner sind Alltag. Doch darüber regt sich niemand mehr auf. Im Namen der Sicherheit sind alle bereit zurück zu stehen.

Doch die Möglichkeiten, die die Gehirnforschung nun eröffnet und die Politiker zur weiteren Überwachung nutzen wollen, machen den Menschen Angst.

In Stuttgart steht die Entscheidung über den Blick ins Hirn der Bürger an. Flächendeckend. Mit der Einführung der Brainscanner…“

Eine Fernsehserie, die sich kritisch mit dem ausufernden Überwachungsstaat auseinandersetzt. Und das im öffentlich Rechtlichen. Momentan im SWR und auf der Webseite der Serie zu bewundern. Und zusätzlich ein Haufen angeschlossener Webseiten, ein Youtube Channel, Facebook (*brrr*), Blogs der Hauptdarsteller (in ihrer Rolle), Werbung der an der Entwicklung der „Brainscanner“ beteiligten Firma und eine Band der Zukunft, die Musik der 90er Jahre macht.

„“Alpha 0.7 – Der Feind in dir“ ist im Kern eine sechsteilige TV Serie um Johanna Berger, deren Leben nach dem Umzug nach Stuttgart und dem Beginn ihres neuen Jobs aus den Fugen gerät. Doch Alpha 0.7 ist mehr. Im Internet wird über Blogs, Webseiten und Filme die Welt von 2017 lebendig, die Figuren greifbarer. Das Internet wird zur eigenen Erzählung, mit den Figuren, die man in der TV Serie erlebt und deren Geschichten auch im Radio in unterschiedlichen Formen präsent sind. Und auch im Leben kann einem Alpha 0.7 begegnen: Die Band von apollon aus dem Jahr 2017, crash:conspiracy tritt bereits heute als Act der Zukunft auf und ihre Musik ist heute schon präsent…“

Bei dem Werbevideo der „Protecta Society“ musste ich zwar wehmütig an die eigentlichen Höhepunkte der Robocop Serie (die Filme, nicht die unsägliche Fernsehserie) denken: die eingeblendeten Werbungen und Nachrichtenausschnitte, die die Betreiberfirma von Robocop betreffen. Da waren „Profis“ am Werk. Und über die Band mag ich hier nicht sprechen, ist halt wie in der Mode: wenn einem nichts neues mehr einfällt wird halt Kram aus dem letzten Jahrhundert ausgegraben. Aber die Webseite des Neurowissenschaftlichen Pre-Crime-Centers ist toll gemacht (nein, nicht das Aussehen, die Inhalte).

Im Internet kann man sich die Serie anschauen. Oder im Dezember im ZDF, sofern nicht irgendein Politiker geheime Pläne des Bundesinnenministeriums in der Serie entdeckt und die Ausstrahlung verhindert.
Vielleicht bringt es den einen oder anderen dann doch noch zu Nachdenken.

Links:
Alpha 07 – der Feind in dir
Das Neurowissenschaftliche Pre-Crime-Center
Protecta Society

Das Copyright der beiden Logos liegt beim SWR

Europa: rauchfrei, zuckerfrei, alkoholfrei, autofrei, fernsehfrei, unfrei

Wenn mal so gar nichts mehr geht, dann gehts wieder gegen die Raucher. Schon lange frage ich mich: warum? Warum der Kreuzzug gegen Raucher, die mit ihrer Tabaksteuer doch dem Staat so gut tun? Helmut und Loki Schmidt beweisen in ihrem seit 90 Jahren dauernden Selbsttest, das Aktivrauchen in keiner Art und Weise schädlich sein kann. Kein Krebs, kein Herzinfarkt – alles dummes Zeug möchte man meinen.  Die Wissenschaft gibt einem da Recht, so die Cora-Studie aus der Uniklinik Hamburg:

Wider Erwarten spielt Rauchen allein für Frauen keine entscheidende Rolle für die Entstehung koronarer Herzkrankheit.

Rauchen macht auch keinen Krebs – jedenfalls statistisch gesehen. 25-30% aller Raucher bekommen Krebs … das heißt 70-75% aller Raucher bekommen KEINEN Krebs. Dafür mag es gute Gründe geben, die laut Zeit in den Genen liegen:

Raucher ohne diese erbliche Belastung haben zwar immer noch ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko, doch liegt es weit niedriger als bei den Trägern der Varianten. Darüber hinaus zeigten die Texaner, dass die grundsätzliche Verknüpfung zwischen den betreffenden Genen und Lungenkrebs trotz allem unabhängig vom Rauchen war. Das Team von deCode aus Island konnte wiederum belegen, dass genetische Abweichler weitaus häufiger echte Nikotinabhängigkeiten entwickeln und auch mehr Zigaretten rauchen, als die Kontrollen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen – ich rauche nicht.  Ich trage auch keine Burkha, trotzdem läßt mich ein Bekleidungsverbot erschauern – so weit ist es also schon gekommen, das die Kosmokraten den Menschen vorschreiben wollen, was sie wo tragen dürfen und was nicht – die Bikinipflicht für schlanke Frauen steht dicht vor der Einführung.

Ich möchte hier auch kein Plädoyer für das Rauchen halten und kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, das es sonderlich gesund ist. Vor allem aber ist es eine lästige Angewohnheit, die einerseits die Beweglichkeit einschränkt und andererseits dazu führt, das man seinen Mitmenschen sehr lästig werden kann. Das muß ja nicht zwangsläufig sein, erst recht nicht mit den Dingern, die hierzulande als Zigaretten verkauft werden aber selbst kaum noch Tabak enthalten, hier bei Wikipedia gibts mal eine Liste von den Inhaltsstoffen:

Dem Tabak werden viele Stoffe zugesetzt, um die Aufnahme des Nikotins und dessen Wirkung im Körper zu verstärken und somit das Suchtpotenzial zu erhöhen. [2][3]. Einige Stoffe haben die Eigenschaft, den Tabakrauch selbst für Kinder erträglich zu machen.[4]

Eine Großzahl von Zusatzstoffen wird nach Angaben der Tabakkonzerne zur Geschmacksverbesserung, zum Feuchthalten, zum Konservieren, für bessere Verbrennung und zum Binden der Bestandteile eingesetzt.[5]

Das sind schon mal viele Gründe, von den Industriezigaretten die Finger zu lassen. Typische Konzernprodukte zur gezielten Massenvernichtung der Bevölkerung entworfen.

Es gäbe also gute Gründe, die neuen Maßnahmen der EU zu begrüßen, die der Spiegel heute detaliert auflistet:

EU-Kommission strebt rauchfreies Europa an

Abschreckende Bilder auf Verpackungen, Qualmverbot in Eckkneipen: Die Europäische Union plant deutlich schärfere Gesetze gegen das Rauchen. Geht es nach dem zuständigen Kommissar, steht sogar der Inhalt von Zigaretten auf dem Prüfstand.

Das rauchfreie Europa, das burkafreie Europa, das judenfreie Europa – wir werden immer „besser“.

Wahrscheinlich wissen die in Europa wieder mehr als wir. Zum Beispiel, das Gott die Abgabe kerngesunder Körper am Lebensende durch einen besonderen Paradiesbonus belohnt. Hm … nein, das kann ja nicht sein.

Es kann nicht sein, das es um die Gesundheit geht, denn … Autoabgase sind ebenso gesundheitsschädlich, so berichtet die Ärztezeitung von einem höheren Brustkrebsrisiko, beeinträchtigen laut Curado Lungenfunktion von Kindern und … verursachen Lungenkrebs:

GroßstädterInnen haben die doppelte Konzentration des Krebsgiftes Benzol im Blut wie BürgerInnen aus Mittel – und Kleinstädten. AnwohnerInnen verkehrsreicher Straßen sterben zu 34% mehr als der Durchschnitt an bösartigen Lungentumoren. Beim Dickdarmkrebs liegt die Zahl der Todesfälle sogar 68% darüber. „Für Anwohner stark belasteten Straßen mit mehr als 30.000 Kfz/Tag besteht ein erhöhtes Krebsrisiko“ (Auswertung Hamburger Krebsregister).

Kommen jetzt die Warnungen (und künftigen Gruselbilder) auch auf Autos? Besonders auf die Großen mit dem Riesenmotor?

Mit Sicherheit nicht. Wir sind keine tabakproduzierende Nation, sondern eine Autofabrik. Das Auto ist uns heilig und wird nicht angetastet – deshalb jagen wir die Raucher.  Da kann man den Killer Nr. 1 schneller verdrängen: „Ja, ich fahre Porsche, aber ich habe gestern zwei Raucher erschlagen“.

Geht man mal nach Aldi – so wie ich letztens – kommt man nicht umhin zu sehen, das dies eine Aussenstelle menschenfeindlicher Taliban sein muß.  Zwei der größten Gesundheitsvernichter der Menschheit werden dort in verschiedensten auch für Kinder verlockenden Verpackungen angeboten: Zucker und Alkohol.

Grundnahrungsmittel findet man zwischen den Unmengen an Süßkram und Gesöff nur noch zufällig und gäbe es nicht noch den von Kindern produzierten Billigkram an Konsumersatzstoffen (für alle jene, die sich den echten Porsche, die echte Yacht und den echten Flieger nicht leisten können), dann könnte Aldi als kleiner Kiosk fortgeführt werden.

Ich nehme aber mal an, das Schilder mit der Aufschrift „Aldi schadet ihrer Gesundheit und der ihrer Kinder“ nicht so schnell im Laden stehen werden, obwohl Zucker und Alkohol nachgewiesenermaßen nicht unbedingt weniger schädlich als das Rauchen sind.  Ebenso wird man diese Warnungen auf Urlaubsfliegern anbringen, die der Umwelt (pro Verursacherkopf gerechnet) einen noch viel größeren Schaden zufügen als Autos. Für einen Flug in die USA kann man 30000 Km mit dem Auto fahren – nur mal, um einen Vergleich zu ziehen.

Was die Todesrate bei Zucker angeht … sie wird es wohl schlimmer werden, wenn es nach dem Fokus aus dem Jahre 2006 geht:

Die Zahl der Diabetiker nimmt in Deutschland stetig zu. Nach Berechnungen der Deutschen Diabetes-Union wird die Zahl der Zuckerkranken von heute 7,5 Millionen bis 2010 auf zehn Millionen Patienten ansteigen. Grund für die wachsende Menge ist, dass es immer mehr Alte gibt, aber auch dass die Menschen in den Industrienationen immer dicker werden. Die zunehmende Verfettung der Gesellschaft bewirkt, dass immer mehr Menschen zuckerkrank sind. Übergewicht, Bewegungsmangel und falsche Ernährung sind Hauptrisikofaktoren für Diabetes Typ 2.

Sucht man aber jetzt die Mortalitätsrate für Diabetes  so werden einem keine Zahlen entgegengeschleudert wie beim Rauchen. Man muß selber suchen, zum Beispiel im Herzinfarktregister. Die Mortalität im Krankenhaus nach frischem Infarkt (den ja alle irgendwann man kriegen) liegt bei 17,3 %. Das wären … bundesweit mit dem groben Daumen gepeilt: Millionen Tote.  Gezählt wird aber anders, deshalb sterben an Diabetes laut „Netdoktor“  „nur“ 21000 Menschen offiziell.

Ist wie beim Rauchen: stirbt jetzt Helmut Schmidt, so ist er an den Folgen des Rauchens gestorben. Hätte ja sonst 120 Jahre alt werden können.

Prinzipiell müßte man laut Fokus auch einen Kreuzzug gegen das Fernsehen starten, denn das ist auf verschiedene Art und Weise tödlich:

40000 Tote durch Fernsehen und andere Bildschirmmedien – ich weiß, das klingt reißerisch. Doch ich mache nichts weiter, als Daten aus vorliegenden Studien hochzurechnen. Durch Bewegungsmangel und zusätzliches Essen vor der Mattscheibe kommt es zu Übergewicht, was diverse Krankheiten auslöst. Durch Product-Placement wird das Rauchen gefördert. Durch die immer gewalttätigeren Inhalte verstärkt sich die Aggressivität junger Zuschauer.

Außerdem verblödet es elementar und stellt deshalb eine Gefahr für die Demokratie da. Da müßte mal der Verfassungsschutz dran – aber politisch gewollter Demokratiefähigkeitsabbau scheint ja verfassungsgemäß zu sein.

75 000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen des Alkohols – laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, zitiert bei kyportal.  Gut, dem Rauchen werden 140000 zugeschrieben, die Hälfte davon aber Herz-Kreislauf-Erkrankungen – was laut den Ergebnis der Corastudie nicht ganz so korrekt sein kann.

Also müssen wir im rauchfreien Europa auch den Alkohol verbieten. Zucker ebenso. Autofahren auch, das tötet schon zehntausende ohne Gift, die Abgastoten kommen noch eben drauf. Fernseher auch noch weg (was ich sehr begrüße) oder reduziert auf das Niveau von 1965 (Programm von 15-24Uhr, ansonsten Testbild).

Alle Unsitten aus dem Leben verbannt, macht Europa Un-frei.

Im Prinzip … darf doch jeder selbst entscheiden, wie kaputt er sterben möchte, oder? Und wer jetzt über Krankheitsfolgekosten nörgelt, dem drohe ich mit Sportverbot: laut Niederrheinzeitung kosten Sportunfälle  5 Milliarden Euro im Jahr, außerdem forder ich ein Wohnverbot, denn noch sterben -laut Stuttgarter Zeitung – im Haushalt mehr als im  Straßenverkehr, von den Folgekosten der Haushaltsunfälle mal ganz abgesehen.


Vampire und Zombies

Manchmal beschreitet man seltsame Wege, angestoßen durch Dinge, die man sich nicht erklären kann.

Eines, was mich angestoßen hatte, war die Angst eines Schulfreundes vor Vampiren. Nicht, das er an sie „geglaubt“ hätte, wir man heute neudeutsch so schön formuliert, ohne etwas damit auszusagen.

Nein … er hat sich nur vor ihnen gefürchtet. Sehr sogar. Was wäre wenn … so sein Standpunkt.

Und ich … überhaupt nicht. Auch nicht: wenn … Und so fragte ich mich: warum ist das so.

Wollte mich aber nicht mit seichten Sprüchen zufrieden geben, sondern wie gehabt der Sache soweit auf den Grund gehen, das mich die Erkärung auch wirklich zufrieden stellt.

Hätte ich vielleicht lassen sollen, denn es wurde ein sehr weiter Weg.

Zum erstenmal fündig wurde ich bei einer psychologischen Analyse des Schauerromans „Dracula“ Stoker.
Dort wurde die Wirkung jenes rein künstlich konstruierten Vampirbildes gesellschaftskritisch analysiert.

Einsamer Graf, klaut Frauen, tötet Kinder zum Spaß, Blutsauger, unheimlich, kultiviert … das war keine neue Erfahrung für die Menschen. Hunderte ihre Vorfahren hatten tagtäglich Erfahrungen mit „Adel“ gemacht … und Graf Dracula konzentrierte diese Erfahrungen als … „Angstbild“. Darum wurde er so erfolgreich, weil er auf einer „emotionalen Ebene“ „echt“ war.

Auf der gleichen Ebene, auf der auch Märchen wirken und therapeutisch mit großem Erfolg eingesetzt werden können … u.a. um Kinder von chronischen Alpträumen zu befreien.

Hach … fand ich das spannend. Mythen als Spiegelbilder seelischer Prozesse und gesellschaftlicher Mächte, die Angst erzeugen…..aber durch die Realisierung als Bild auch bewältigbar wurden.

Forschte weiter, betrat ein wunderbares … und auf der psychischen Ebene völlig reales Universum.

Moderne Mythen wurden mein liebstes Hobby. Und die alten dann auch.

Bis der Tag kam, da wurden die ältesten Flüche der babylonischen Göttin Ereschkigal war: die Toten stiegen aus den Gräbern und fraßen die Lebenden … und zudem sah ich mich wieder mit den chronischen Alpträumen meiner Kindheit konfrontiert.

Auf einmal gab es … Zombies. Nicht die blöd glotzenden dienstbeflissenen untotsklaven haitianischer Plantagenbesitzer … sondern eine ganz neue Qualtität an Mythenbildern eroberte die Welt.

Und anders als andere Versuche (die, wie der „Blob“, kläglich gescheitert sind) wurden sie … adaptiert.

Akzepitiert.

Heerscharen zerfallender, toter, häßlicher Menschen in normaler Alltagskleidung zogen eine blutige Spur durch Literatur und über Leindwände. Die Menschen schienen gar nicht genug von ihnen bekommen zu können.

George R. Romero, der „Erfinder“ jenes Horrors, gestand einmal, wann er denn das erstemal die Idee dazu hatte:

In einem Einkaufszentrum, als er gemütlich Kaffee trinkend dem Volk beim „shoppen“ zusah. Da liefen vor seinem geistigen Auge das erste Mal diese Bilder ab, die er dann auf die Leinwand brachte. Er brauchte sie nur noch äußerlich in einen Zustand zu versetzen, in dem sie sich innerlich schon längst befanden.

Der französische Zeichner Gaza hat sich daran angeschlossen … seine Zombies strömten aus den Wohnungen, als versehentlich einmal der Fernseher ausfiel. Sein Held wurde im letzten Moment gerettet, als
die Kisten wieder ansprangen und die Horden zurück zu ihrem Gott schlurften, der dann doch wieder ihr leeres Hirn mit Bildern füllen konnte.

Gaza und Romero fielen mir spontan ein, als ich dachte … was wird wohl diese Krise, die Köhler beschrieb, mit den Menschen anstellen, deren größtes Interesse bislang darin bestand, wer der nächste Superstar ist und was wohl bei Gottschalk passiert.

Zombies?

Internetsucht, Ballerspiele und die Kontrollierbarkeit des Volkes

Es ist ja jetzt mal wieder aufgetaucht und die Mietmedien berichten überall davon: die böse Internetsucht. Ja, sie ist wirklich böse zu nennen denn sie verwandelt echte lebende Menschen in Zombies:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,459446,00.html

„Sie sehen aus wie wandelnde Leichen“, sagt Psychologe Andreas Koch von der Berliner Caritas. Er meint so genannte Internet-Junkies, die täglich 10 bis 15 Stunden im Netz hängen – ohne ausreichend zu essen, zu trinken oder sich zu waschen. Viele von ihnen leben von Hartz IV und haben sich aus dem realen Leben weitestgehend verabschiedet – bis die Telefongesellschaft schließlich den Anschluss sperrt.

Als Philosoph habe ich was gegen Psychologen. Generell. Nicht gegen jeden Einzelnen, sondern gegen die Zunft generell. Ohne Anbindung an die Philosophie (bzw. an ein jeweiliges Weltbild) wird die Psychologie zur reinen Willkür. Sie kann alles erklären … in ihrem eigenen kleinen Weltbild. Wechselt man jedoch die Schule (das Weltbild ändert sich dann gleich mit) so ändert sich die Diagnose komplett. Jung, Reich, Freud, Adler … an wessen Weltbild orientiert man sich denn gerade? Ist ganz wichtig für die Diagnose, was bei dem einen krank ist kann bei dem anderen als genial gedeutet werden.

Das erwähne ich aber nur nebenbei, um das vernichtetende Urteil des Herrn Koch gleich zu Beginn etwas zu relativieren. Es ist ein abartiges Urteil, ein vernichtendes Urteil und fordert geradezu Internetverbot für Hartz-IV-Abhängige denn das Internet macht Menschen zu Zombies, die ja vielleicht doch mal in lebende Menschen beissen, weil sie alle Hemmungen verloren haben.

Ähnlich verhält es sich natürlich mit Computerspielen:

http://www.lebenshilfe-abc.de/internetsucht.html

Unter Internetsucht, Computerspielsucht oder Internetabhängigkeit versteht man den zwanghaften Drang, sich regelmäßig und extensiv mit dem Internet zu befassen.
3 Prozent aller Online-Nutzer sind internetsüchtig (Studie Humboldt Universität Berlin), insbesondere Jugendliche unter 18 Jahren neigen zum exzessiven chatten, surfen und spielen (ca. 8 Prozent sind süchtig).
Von Computerspielen abhängig sind vor allem Männer im Alter von 15 bis 25 Jahren. Meist ist der Rückzug in die virtuelle Welt des Internet eine Flucht. Die Betroffenen kommen nicht mit dem realen Leben zurecht, haben Probleme mit Partnerschaften oder dem Beruf.

Nicht vergessen … wir sind hier in der Welt der Psychologie. Es ist wichtig, sich ständig daran zu erinnern. Das ist die Welt der Beliebigkeit. Man könnte auch sagen: da man infolge der Hartz-IV-Abhängigkeit nicht mehr der Reisesucht frönen kann, Alkohol- und Nikotinsucht nicht mehr zu bezahlen sind und die Musik- Tanz- und Sexsucht ebenfalls in weite ferne gerückt sind, muß man mit seiner Zeit halt irgendetwas anfangen. Um im Gegensatz zur Fernsehsucht fordern Spiele und Internet geistige Regsamkeit.

Ich habe seit sechs Jahren kein Fernsehen mehr….was heißt, ich habe seit sechs Jahren keine Werbung mehr gesehen. Das verändert automatisch das Bewußtsein, das kann ich euch sagen. Sicher … ich weiß, wer fernsehsüchtig ist (kleiner Scherz) kommt regelmäßig mit dem Argument: es gibt da ja auch interessante Sendungen!

Ja, die gibt es. Immer weniger, immer seichter … aber sie gibt es. Nur … im Internet kann ich in 15 Minuten Tagesschau oder in 30-45 Minuten Reportage einen wesentlich umfassenderen Nachrichtenüberblick erlange sowie jedes angeschnittene Thema wesentlich deutlicher vertiefen als es die Fernsehmedien tun können.

Sie stehlen Lebenszeit, diese Fernsehmedien. Tag für Tag. Ich persönlich schaufle mir diese Zeit gerne frei um einfach mal wandern zu gehen, in der Natur zu sitzen und den Flug der Vögel zu beobachten. Soll ja gesund sein. Würde ich mich jedoch mit Fernsehen beschäftigen … hätte ich keine Zeit dafür. Fernsehen ist der Horror … es diktiert ja sogar meinen Tagesablauf, will ich die Information nicht verpassen.

Da ist das Internet wesentlich menschenfreundlicher. Spiele fördern Kreatitivät, Feinmotorik, Ausdauer.
Wer gerne Menschen umbringt, spielt gerne Ballerspiele, klar. Aber nicht jeder, der Ballerspiele spielt, bringt gerne Menschen um. Er lebt seinen Jagdtrieb aus … und sich tagelang auf ein Ziel konzentrieren zu können ist eine wichtige berufliche Qualität von Menschen, die Großes leisten können.

Was aber sehr wichtig ist … und entscheidend … sowohl im Internet als auch zu Zeiten der Jagd (ich nenne das mal so und setze die virtuellen und vergleichsweise preisgünstigen Abenteuer mit der Hirschjagd gleich, wobei man ähnliche Disziplin in der Konzentration aufbringen muß) entzieht man sich vollkommen dem „Erziehungsauftrag“ der Medien und der Werbung. Ohne eigenes Zutun wird man auf einmal gedanklich freier, weniger lenkbar.

Wen könnte das wohl stören?

Nun, all jene, die großen Wert darauf legen, das wir Werbung konsumieren, damit wir nachher Waren konsumieren. Aber nicht nur …

… schon längst setzt Werbung Werte. Wie man wohnt, wie man sich kleidet, wie man redet, wie man ißt und warum auf einmal alle „Jack Wolfskin“-Jacken haben müssen …. das kommt nur durch Werbung. Ich kenne diesen Jack nicht aber mir fällt auf, das seine Produkte sogar mein abgeschiedenes Alltagsleben erreichen – ich weiß nur nicht, warum. Kein Wunder – keine Werbung, kein Wolfskin. Man sucht gar nicht danach und bei Aldi gibt´s den nicht.

Nur ein kleines Beispiel dafür, wie tiefgreifend die Konsumzombies manipuliert werden können um ihre täglich weniger werdenden Tauschmittel auch wirklich restlos für Müll auszugeben, damit andere sinn- undzweckloserweise Berge davon anhäufen können.

Wer nun regelmäßig Werbung konsumiert, wird ganz klar sagen können, warum er nun diese Wolfsskinsachen kauft. Das weiß ich auch.

Die Freiheit, die Internet und Computerspiele bringen, muß dämonisiert werden – mit allen Mitteln.
Sonst werden „die“ noch wach, gehen auf den Marktplatz und reden mit ihren Mitmenschen über die Tatsache, das die Lebensqualität des Alltags seit dreißig Jahren beständig ab- anstatt zunimmt und man deshalb an dem „Fortschritt“ und „Wachstum“ so seine Zweifel hat …

Wer übrigens noch Zweifel an der eigenen Manipulierbarkeit hat … der werde sich dessen bewußt, das Werbung auch seine Socken und Unterhosen bestimmt. Ganz intim. Oder … trägt noch jemand die guten gesunden warmhaltenden langen weißen Wollunterhosen … und die ehedem superschicken passenden weißen Socken dazu?

Fragt euch mal, warum nicht…

Oder nehmt selbst mal eine Prise von dem, was man mit Menschen alles anstellen kann, wenn man will:

http://wie-menschen-manipulieren.com/lp/wie-menschen-manipulieren.htm?gclid=CLm12ISS9KACFQ8EZgod6mh0wA

22 Psycho-Tricks und knallharte Methoden: Das Geheimnis „Wie Menschen manipulieren“ wird gelüftet
Sofortige Erfolgsmanipulation leicht gemacht – ob in der Partnerschaft oder zum erfolgreichen Geschäftsabschluss
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Entdecken Sie das Gefühl, wenn Sie sehen, wie andere beginnen das zu tun, was Sie wollen
Diese Tipps, Tricks und Methoden zum Thema „Wie Menschen manipulieren“ finden Sie garantiert nur hier

Und das … ganz ehrlich … ist nur der Anfang. Da kommt noch viel mehr. Und keine Sorge: es wirkt 100%ig. Man muß nur seine Seele dafür verkaufen.

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