Faschismus

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Hitler kommt zurück. Auschwitz auch.

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Donnerstag, 21.1.2016. Eifel. Ich weiß: viele mögen Facebook nicht. Es ist halt „was amerikanisches“. Und ein Konzern. Beides Sachen, die bei nachdenklichen Menschen nicht gut ankommen. Amerika macht nun seit Jahren mit Rechtsbrüchen besonderer Art von sich reden, Konzerne sind die Erzfeinde der Menschheit: man sollte beides meiden. Ich meide es nicht. Gut – ich bin überredet worden, dort eine Filiale einzurichten., bin also nicht voller Eigenmotivation da. Mitlerweile habe ich dort auch einige nette Menschen kennen gelernt, mit denen man auf diese Weise locker Kontakt halten kann. Zudem ist das Protestpotential des Internet sehr groß, es stellt insgesamt einen weiteren Schritt zu einer planetaren Zivilgesellschaft da – einer Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Und andererseits – kann man da schauen, was so gedacht wird. Dieses fand ich bei einem Betriebsrat, mit dem ich selbst keine Verbindungen habt:

„Traut euch für 5 Minuten vor zu stellen, wir hätten den Krieg gewonnen… gesund essen, kein Landverlust, keine Besetzer, keine Aliierten, keine Lügen, keine Unterdrückung, keine Versklavung, jeder könnte in Frieden leben, keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei… vor was haben denn Deutsche Angst? Arbeit? Was machen alle heute über 50 Jahre lang unter Zwang? Mit ca. 15 Jahren kommt man aus der Schule und geht zur Arbeit bis 67. Aktuell… und ich denke, es wird noch höher gesetzt werden… oder haben sie Angst, weil sie homosexuell sind? Ist uns doch egal, wer mit wem ins Bett geht, solange man Kinder in Ruhe lässt… diese sollten sich bitte alleine entwickeln dürfen, was sie mögen… denkt mal wirklich für ein paar Minuten darüber nach! Wäre das wirklich schlimm gewesen? Auch für andere? Hitler sprach nicht nur mit Deutschen, möchte auch Menschen, die sich uns anschlossen… komisch, dass jeder denkt, Deutsche wären Rassisten… die gibt es in jedem Land, Franzosen und Engländer sind bekannt dafür und auch Italiener mögen ihre Rasse… ist das falsch? Wenn man niemandem etwas böses tut, aber sein Land mag und es für sich und sein Volk gut meint? Ich hab gelernt beim Erste-Hilfe-Kurs: zuerst muss ich mich schützen, mit Warnweste und Warndreieck… dann sehe ich erst nach dem Unfallopfer… Sicherung, damit mir nichts passiert und ich dem Hilfsbedürftigen helfen kann… liegt in unserer Natur… was sollen wir gerade lernen? Unseren Instinkt zu überleben, einfach ablegen? Idiotisch diese links Denker… idiotisch…“

Ja – denken wir mal eine Minute drüber nach. Es hätte Millionen Tote unter der slawischen Bevölkerung gegeben: die waren Untermenschen. Wären die tot, hätte man bei den Biodeutschen nachgeschaut, wer da Vorfahren aus Polen hat. Ja – Polenfeindlichkeit ist noch heute groß in Deutschland – und Hitler hätte sie als „niedere Rasse“ einfach aussortiert und vergast. Die höhere Rasse – nun, die wäre selbst gezüchtet worden: Ärzte und Naturwissenschaftler waren begeistert vom Nationalsozialismus, er gab ihnen ungeahnte Möglichkeiten, an Menschen herum zu experimentieren.

Ich möchte nun den Namen dieser Person nicht preisgeben – es geht mir nicht um persönliche Hetzjagden zur Befriedigung der eigenen Menschenjagdlust, mir geht es darum, was inzwischen in Deutschland wieder gedacht wird – und welche Exzesse die Dummheit der Generation Doof gerade feiert. Sie sind ja auch nicht selbst Schuld an diesem Meinungschaos: die Schulen versagen da auf breiter Front. Wir setzen auf MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik – dort lernt man nichts über die Gräuel des Faschismus, seine sozialen Ursachen und seine wirtschaftlichen Grundlagen aber viel darüber, wie man ihn mit besseren Waffen und tödlichem Gas ausrüstet, wie man Atomsprengköpfe und Interkontinentalraketen baut, Massen von Menschen elektronisch erfasst und kategorisiert, effektive Vernichtungslager in Szene setzt und gegen alles Geistige im Land ein Maximum an Ignoranz hervorbringt. Zu politisch oder philosophisch differenzierteren Gedanken ist man in jenen Fächern gar nicht mehr in der Lage, es gilt, Wirklichkeit zu vereinfachen und zu vergewaltigen, um an der Absolutheit von Macht zu arbeiten, einer Macht, die man im Prinzip vergöttert und er der man gerne teil hätte.

Im Internet findet man ein angebliches Mussolini-Zitat (eine Originalquelle konnte ich dazu noch nie finden, dieses stammt von Radio Utopie):

„Der Faschismus sollte Korporatismus heißen, weil er die perfekte Verschmelzung der Macht von Regierung und Konzernen ist.“

Unabhängig, ob dieses Zitat wirklich von Mussolini stammt, sollte uns der Gedanke interessieren, da die Alliierten die deutschen Konzerne komplett zerschlagen haben: sie wurden als ursächliche Basis des Nationalsozialismus und des faschistischen Staates definiert. Bei den Montagdemos fand ich hierzu Informationen (siehe lokalkompass):

„Im Industrieclub von Düsseldorf wurde Hitler der Weg zur Macht geebnet. Im Januar 1932 trafen sich die NS-Führung und Industrie zu einer Versammlung. Die Industriellen wie z. B. Krupp-Thyssen, Persil deren Chef Jost Henkel lud Hitler und Co. zu diesem Vortrag im Industrie-Club ein. Insgesamt ca. 650 Industrielle und Bankiers kamen zu diesem Treffen, um Hitlers Programm kennen zu lernen. Hitler kam gerne und brachte Hermann Göring und den damaligen Führer der Terrortruppe SA, Ernst Röhm, mit.

Sie wissen ja: Montagsdemos: dass sind die Bösen. Das sagt jedenfalls Jutta D aus F. – und viele folgen ihr bequemerweise da. Stimmt – die sind böse. Dort ist noch bekannt, was Hitler noch so alles anrichtete:

„Die Verfolgung der Juden war ein Alibi, in erster Linie ging es den Nazis um die Vernichtung von Kommunisten oder allen Andersdenkenden gegen deren Terrorpolitik. Das beweist das Verbot sämtlicher Gewerkschaften und Verfolgung aller „nichtarischer“ Gruppen wie der Romas, Sintis, aber auch Antifaschisten, Behinderte und wie schon genannt der Juden“, hieß es in einer Wortmeldung.

Hätte Hitler den Krieg gewonnen, wären heute die Brillenträger dran … ach was, die wären schon längst vergast, sind halt auch minderwertig. Wir merken aber, warum die Montagsdemos böse (also: „NAZI“) sein müssen: hier wird noch Wissen tradiert, dass in der breiten Bevölkerung gar nicht mehr vorhanden ist. Ach ja: auch zum Thema Flüchtlinge hatten diese Montagsdemonstranten eine einstimmige Meinung:

„Alle Montagsdemonstranten waren sich einig, dass nicht zwischen politischen und wirtschaftlichen Flüchtlingen unterschieden werden darf. „Diese Menschen verlassen nicht aus Lust und Laune ihre Heimat, sondern weil ein Überleben in ihrem Staate durch Krieg, Verfolgung oder Unbewohnbarkeit des Landes nicht mehr möglich ist“, argumentierte einer der Moderatoren.“

Nun – diese Andersdenkenden wurden von einer breiten Front politischer Aktivisten in Deutschland verfolgt, die Person, die so laut nach Hitler rief, wurde völlig ignoriert. Keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei: für dieses Paradies kann man schon mal ein paar Millionen Andersdenkender vergasen, die mir ihren wirren Ansichten sowieso nur zu politischen Diskussionen aufrufen, was wertvolle Arbeitszeit kostet.

Nun – gegen die Andersdenkenden wird ja jetzt vorgegangen, damit endlich wieder Ruhe im Land ist. Nachdem ein Professor für Kommunikationswissenschaften die Bundesregierung vor der Unberechenbarkeit der demokratischen Mehrheitsbildung im Internet gewarnt hatte, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis die „Etablierten“ eine Polizei auf den Plan riefen. Zwar wird das solche Kommentare wie den obigen nicht stören (der ist ja nicht voller Hass, sondern nur voller Liebe für den guten Hitler, der uns das Paradies bringen wird), aber man hat ein effektives Werkzeug, mit dem man missliebige Meinungen breitflächig vergasen – quatsch – auslöschen kann. (Entschuldigung – ich bin da gerade sehr im Thema).

Verantwortlich für diese Arbeit ist nicht etwa die Polizei – die schon jetzt politisch bedenkliche Hasskommentare jederzeit ahnden kann – sondern eine Konzerntochter von Bertelsmann: jenem Konzern, der hinter den Kulissen (zum Beispiel durch Bertelsmannpartys, in denen man sich gezielt Netzwerke zur gesellschaftlichen Einflussnahme aufbaut) viele Fäden zieht und massiv Einfluss auf die gesellschaftliche Wirklichkeit nimmt (siehe z.B. Handelsblatt) – unter anderem haben wir diesem Konzern Hartz IV zu verdanken. Hartz IV? Hören wir mal eine erfahrende Schauspielerin, diese Berufsgruppe hat regelmäßig mit Hartz IV zu tun (siehe Süddeutsche):

„In gewisser Weise ist Hartz IV schlimmer als offener Strafvollzug: Kein Krimineller darf vor seiner Verurteilung bestraft werden, und die Lebensgrundlage (ein Bürger- und Menschenrecht!) wird nicht einmal einem Mörder genommen, „Hartzern“ dagegen schon, denn der „Entzug des Lebensminimums“ wird unter dem Schönsprechtitel „Sanktion“ gern und oft auch grundlos verhängt. „Widerspruch“ oder Klage haben keine aufschiebende Wirkung; doch wer nach dem (oft mehrjährigen) Prozess noch Obdach hat und lebt, hat gute Chancen, ihn zu gewinnen.“

Und das geschieht unter dem Banner der Demokratie, unter dem Siegel von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Nein, natürlich nicht. Das Banner ist ein anderes, wie schon vor 84 Jahren, als die deutsche Lumpenelite einen „Führer“ an die Macht brachte, der zu dem Zeitpunkt politisch wegen verlorener Wahlen schon längst erledigt war.

Hartz IV scheint das Äquivalent zu den ersten Konzentrationslagern (nicht zu den Vernichtungslagern – da bestehen noch Unterschiede), allerdings hat man gelernt: man setzt auf kostengünstige und renditefreundliche Freilandhaltung. „Arbeit macht frei“ ist allerdings schon wieder Leitspruch für die Opfer.

Nun löscht eine private Firma „Hasspostings“. Die Behauptung von „Mimikama.at“ – einer Plattform, die von sich behauptet, über Internetmythen aufzuklären, dass Bertelsmann und Facebook überhaupt nichts miteinander zu tun haben, ist schlichtweg falsch (siehe Mimikama.at):

„Zwischen dem Springer Konzern und Facebook besteht keinerlei Zusammenhang“

Den Zusammenhang stellen die Leute von „Mimikama“ zwei Sätze später selber her:

„Jene Task-Force wird von „avarto“ organisiert, ein Tochterunternehmen von Bertelsmann, welches sich weltweit als Outsourcing-Dienstleister anbietet.“

Zurück zur Realität: hier unternimmt nun ein privater Konzern hoheitliche Aufgaben. Welche politische Ausbildung haben diese Leute eigentlich, um unterscheiden zu können, was ein „hetzender Hasskommentar“ ist – und was regierungskritische Meinung? Ich denke schon, dass man hierfür ein hohes Maß an Differenzierungsfähigkeit braucht – oder einfach ein Blatt Papier, auf dem der Supervisor notiert hat, welche Wortkombinationen gelöscht werden – ohne dass sich je irgendeiner mit Ziel, Absicht und Inhalt der Botschaft auseinandergesetzt hat. Was wann wie und wo gelöscht wird: das wird man nur mühsam rekonstruieren können.

Nun: obiger Post ist – wie gesagt – kein Hasskommentar, sondern eine ganz einfach Meinung. Sie steht auch nicht allein im Raum. Die Zeitschrift „Die Gießkanne“ hatte 2014 eine Umfrage veröffentlicht, bei der deutsche Schüler sich zu Adolf Hitler äußern konnten – hier ein Beispiel aus einem Gymnasium (siehe jan causa.de):

„er hat arbeit für deutsche vaterland geleistet, bruder, und hat nie Drogen genommen oder Tiere verletzt bruder deshalb war guter mann eh“

60,6 Prozent der befragten 2000 Schüler zeigten mangelhaftes Wissen über diese Zeit – und kommen deshalb auf lustige, aber in letzter Konsequenz gruselige Gedanken. „War ja nicht alles schlecht unter Hitler“ ist wieder absolut gesellschaftsfähig, aber Montagsdemos für den Frieden sind faschistisch … soweit sind wir schon. Der Schritt wieder einen Hitler zu bauen, ist nur noch winzig klein. Andere faschistische Aktionen laufen schon seit Jahren parallel, wieder einmal getragen vom Kapital und seinen MINT-Bütteln, zu denen wir auch die deutsche Ärzteschaft zählen dürfen.

Überrascht? Die träumten schon lange vor Hitler von der reinrassigen Gesellschaft und fanden in ihm den idealen Erfüllungsgehilfen für ihre lang gehegten Horrorphantasien – und in den Konzentrationslagern ideale Forschungsbedingungen, die sie weidlich ausnutzen. Heute träumt man in diesen Kreisen wieder den Traum vom „reinen Herrenmenschen“, der rein genetisch definiert wird, aber nicht mehr wie bei Hitler durch Zuchtauslese geschaffen, sondern gleich von vornherein als Herrenmensch konstruiert wird – mit politisch gravierenden Folgen:

„James D. Watson, einer der Initiatoren und für kurze Zeit Direktor des Humangenomprojektes“ hält „Menschenrechte“ für „leeres Gewäsch“, das „völlig daneben“ sei“. (aus: Stefan Rehder, Gott spielen, Pattloch 2007, Seite 23).

Eine typische MINT-Meinung: bildungsfern, menschenfern, ohne das geringste geistige Reflexionsvermögen – fehlt nur noch die SS-Uniform, um das Drama zu vervollständigen.

Unsere guten Ärzte machen da nicht mit? Schön wäre es. Hören wir dazu den Bonner Strafrechtler Günther Jakobs, der sich über die unaufhaltsam kommende Euthanasie äußerte:

„Die Ärzte machen das schon. Eine Profession, die keine Probleme damit hat, jährlich 200000 Embryos zu töten, wird auch mit der Tötung auf Verlangen keine unüberwindbaren Probleme haben – vorausgesetzt, die Gebührenordnung stimmt“. (Gott spielen, a.a.O., Seite 33).

Was dieser Jurist fordert, ist nicht weniger als die Lösung des Problems der Gesundheitskosten, die vor allem in den letzten Lebensjahren des Patienten explodieren: wie schön wäre es, wenn man sich dies ersparen könnte. Die christliche Ethik, die dem im Wege steht, ist von gestern – nicht umsonst sind MINT-Büttel streng materialistisch geprägte Atheisten:

„Meine Generation wird sich jedenfalls nicht gefallen lassen, dass eine religiöse Minderheit der Gesellschaft vorschreiben will, was sie tun und lassen darf“ (Gott spielen, ebd.)

Naturwissenschaft ohne Geist findet im Faschismus ihre ideale Grundlage. Dort, wo der Mensch nur ein Zellhaufen ist, kann er bei mangelndem Nutzen jederzeit kostengünstig entsorgt werden: wir stoßen hier in Abgründe menschlichen Denkens vor, die allen anderen Menschengenerationen völlig fremd waren und die selbst den größten Barbaren abartig vorgekommen wären, von den MINT-Nazis aber mit Wollust in die Tat umgesetzt werden – aber nicht nur von denen.

Die rot-grüne Bundesregierung – der wir Hartz-IV zu verdanken haben, ein Gesetz, dass die Nutzbarkeit von Menschenmaterial per Staatsgewalt optimieren soll – hat durch die Deregulierung des Finanzsektors den Menschenausschlachtern der Finanzbranche Tür und Tor geöffnet, niemand findet den Mut, sich den „Märkten“ entgegen zu stemmen. Das führt zu Erscheinungen seltsamster Art, die jeden Bürger direkt betreffen – wenn er mal nicht mehr leistungsoptimiert werden kann. So ist es möglich, dass „Investoren“ Altenheimketten aufkaufen können und mit ihren Mathematikern deren Rentabilität optimieren. Was geschieht dann vor Ort?

„Ich habe kaum Zeit für die Bewohner, vor allem Nachts nicht, weil ich da allein für über 30 Senioren zuständig bin. Außerdem wird an Reinigungskräften gespart. Ich muss nachts die Bäder putzen, Wäsche austeilen, Rollstühle abwaschen und die Dokumentationen machen“,“Nach außen wird betrogen: auf den Dienstplänen stehen Mitarbeiter, die gar nicht mehr da arbeiten“ es wird berichet „dass Wäsche und Windeln gespart würden und die Heimbewohner oft im Nassen lägen. Andere Senioren würden – ohne ärztliche Versorgung – mit Tabletten ruhiggestellt“. (Aus: Jürgen Roth, Gangsterwirtschaft, Heyne, aktualisierte Taschenbuchausgabe 10/2012, Seite 293-294)

Wenn die im Nassen liegen, verfaulen die bei lebendigem Leib, kommt noch Kot dazu, werden sie bei lebendigem Leib verdaut – ein Grauen, dass Konzentrationslagern nahe kommt und das für die meisten von uns Zukunft sein wird, weil der Faschismus halt regelmäßig jene Probleme löst, die der Kapitalismus allein nicht lösen kann: zum Beispiel die Vernichtung der wachsenden Armut durch Massenvernichtung der Armen, gerne auch durch Arbeit.

Und hier kommt die Masse ins Spiel, die – wie der oben zitierte Hitler-Fan – vor allem strikt gegen „links“ ist. Ja – links ist böse, dass haben wir gelernt. Rechts ist auch böse – das hören wir gerade überall. Aber da ist ja noch der goldene Mittelweg offen, jener Weg, der früher – ausgeklügelt und perfekt berechnet – als „Nationalsozialismus“ verkauft wurde, demnächst aber sicher einen anderen Namen hat … „die Mitte“ klingt da ganz gut. Was war das doch für eine wunderbare Zeit damals: der Gutmensch hatte absolute Regierungsgewalt, die Arbeitslosen wurden von der Straße gejagt, der Führer wer tierlieb, kinderlieb, war Vegetarier und nahm keine Drogen, außerdem fuhr er immer in einem offenen Auto durch die Menge, die ihm zujubelte – ganz anders als der Merkel. Und seine Hetzreden gegen die vom Kapital unterwanderte und degenerierte Demokratie werden heute wieder gern gehört.

Ich habe übrigens auch noch andere hetzende Hasssätze im Internet gefunden.

„Aber es hat sich – eher unabhängig von politischen Überzeugungen – insgesamt eine Netzöffentlichkeit erhoben, die in irritierend großen Teilen eine Fratze ist.“

„Denn intensiv diskutierte Ereignisse sind für viele Millionen Menschen in diesem Land eine fantastische Gelegenheit zum Schnauzehalten, die sie sämtlich verpassen. Es ist ein Segen, dass sich alle öffentlich äußern können, und eine Ernüchterung, auf welche Weise dieses Recht wahrgenommen wird.“

„Und meine Güte, was für ausgedehnte Ödsümpfe der Stumpfheit, die in der Kommentarlandschaft sichtbar werden.“

„“Es regnet, weil die Straße nass ist“, in den digitalen Fußgängerzonen fände man Aberhunderttausende, die diesen Satz nicht nur unterschreiben, sondern gleich zur Bundestagspetition ausformulieren würden, inklusive der Forderung, Regen zu verbieten und die Straße abzuschieben.“

„Besonders absonderlich ist dabei die fragmentierte Partialdumpfheit, bei der jemand zu Kultur oder Unterhaltung Kluges oder wenigstens Unterhaltsames äußert, nur um anschließend maximal hanebüchene Gedanken zum Weltgeschehen herauszututen.“

„Mit den sozialen Medien ist dabei eine nationale Größenordnung erreicht: Hättet ihr geschwiegen, wäret ihr weiter für potenziell zurechnungsfähig gehalten worden.“

Solche Sätze werden wohl nicht gelöscht, obwohl sie vor Verachtung triefen – einer Verachtung, die geradezu nach Vernichtung der unzurechnungsfähigen Fratzen schreit. Sie stammt von … Sascha Lobo, einem der hauptamtlichen Kommentatoren im Spiegel (siehe Spiegel-online).  Und diese Sätze sind noch mit einer Drohung versehen:

„Um so bitterer, weil man im Hintergrund bereits hämisch antidemokratische Elitisten lachen hört, die noch nie Vertrauen in die Zurechnungsfähigkeit der Vielen haben wollten.“

Der arme Herr Lobo: wir können nur bedauern, dass er gezwungen ist, sich den antidemokratischen Elitisten zuzuwenden, weil wir Bürger halt einfach viel zu „stumpf“ sind – im Vergleich zu ihm.

Und was sagen die Bürger?

Nun: Hitler kommt zurück – als Ikone des veganen antikapitalistischen Widerstandes … und als Exekutor der Rassenhygiene der genetisch optimierten Maximalleister. Auschwitz kommt auch zurück: als mathematisch zwingend logische Lösung finanzieller Probleme, die sich aus dem Gebot der Renditemaximierung ergeben (ist also nicht persönlich gemeint, wie es so schön heist).

Wenn ich nun daran erinnere, dass der NS-Staat auch eine SS-Division aus muslimischen Freiwilligen schuf, die mit „exzessiver Grausamkeit“ gegen „Kommunisten“ und „Partisanen“ vorging (siehe Wikipedia): sind dann endlich alle durcheinander … und verstehen, welchen Nutzen die „Elitisten“ spontan aus vielen jungen Männern schöpfen könnten, die hier keinerlei Wurzeln haben und völlig in der Hand des Staates sind, der ihre Versorgung jederzeit – per Sanktion – einstellen kann?

Ich denke: wäre ich ein „Elitist“ – von deren Existenz wir ja dank Herrn Lobo jetzt wissen – ich würde diese Gelegenheit erkennen … und im Notfall auch nutzen, gerade jetzt, wo der Kommunismus zeigt, wie leicht man allen Menschen zu großen Eigenheimen für 15 Euro im Monat verhelfen kann, welche Lebensqualität ein Leben unter der Parole „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit“ erreichen kann: ganz fernab jeglicher Ausbeutung und Leistungsoptimierung (siehe die Erfahrungen im Dorf Marinaleda, einer demokratischen und antikapitalistischen, genossenschaftlich organisierten Gemeinde in Spanien, z.B. bei erhöhtesbewusstsein).

Wenn „die Vielen“ merken, dass es eine Alternative gibt, von der 99 Prozent der Menschen profitieren können, was dann? Dann hat jenes Prozent der Besserverdiener ein Problem, das man mit Hilfe kampferprobter und kriegserfahrener Söldner in den Griff kriegen kann.

Aber so schlimm denken die Elitisten ja nicht, oder?

 

Deutscher Faschismus 2.0: das weltweite Erfolgsmodell – die Gesellschaft der Angst

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Donnerstag, 29. Oktober 2015. Eifel. In welcher Zeit leben wir eigentlich? Blöde Frage, oder? Und doch interessiert mich Ihre Antwort. Antworten aus den USA zeigen, dass wir – angeblich – am „Ende der Geschichte“ angekommen sind: nach dem Ende der Sowjetunion hat die demokratische Zivilgesellschaft ihr Endziel erreicht, die Geschichte hat alles ausdiskutiert, unsere Aufgabe ist es nur noch, sie zu rekonstruieren und gemütlich im Wohnzimmer zu diskutieren. Eine feine Vorstellung, oder? Damit hat die demokratische Zivilgesellschaft die Ideale eines Adolf Hitler … bzw. die Ideale seiner heute noch wirksamen Anhänger … vollendet in die Tat umgesetzt. Hitler gab vor, was der Deutsche brauchte: ein Radio (Fernsehen war damals noch nicht in großem Umfang realisierbar), ein Auto (samt Autobahnen), einen Kühlschrank und natürlich: eine Wohnung, wo er mit seiner Frau und seinen Kindern allein vor sich hin lebte: ein erfolgreiches Lebensmodell, dass die Nürnberger Prozesse unbeschadet überstand und noch siebzig Jahre später den Alltag des ganzen deutschen Volkes (ja, der ganzen, zivilisierten Welt) bestimmt – ohne, dass sich jemand groß darüber aufregt.

Wir schauen auf den Faschismus meistens nur mit einem sehr eingeschränkten Blick: da waren die bösen Nazis, die plötzlich aus dem Nichts erschienen – unmenschliche, kalte, dunkle Gestalten, stark und unerbittlich, die sich anschickten, mit dem kleinen Deutschland die ganze Welt zu erobern, dann die armen Juden, die nach jahrtausendelanger internationaler Verfolgung (die kaum jemanden interessiert) fast vor der völligen Vernichtung standen und die guten Amerikaner, die die Welt vor den Superbösen retteten. Das ist doch die Geschichte, oder? Ich habe sie ein wenig aus dem „Schwarzbuch USA“ entlehnt, wo ich die Bermerkung fand, dass die USA ohne die Nazis gar nicht denkbar wären: der Kampf gegen das Superböse formte eine ganze Nation und spiegelt sich heute noch in hunderten Hollywooddramen wieder.

Auch ja: Dramen, die Urquelle menschlicher Konflikte. In der Transaktionsanalyse habe ich gelernt, dass wir zu der Aufführung von Dramen immer drei Bestandteile brauchen: erstmal das arme Opfer, dann den bösen Täter und letztlich den guten Retter: so einfach funktioniert Politik in demokratischen Zivilgesellschaften, mit den Sozialautisten in ihren kleinen Wohlstandsburgen kann man das machen. Schauen Sie sich mal die Kriege der „Guten“ in den letzten Jahrzehnten an: das Muster ist immer noch dasselbe wie 1942: ein Superböser (Saddam Hussein, Gaddafi, Assad, Putin – oder „der Arbeitslose“) greift arme Unschuldige an (Minderheiten, Bürger, Nachbarn), die von den Superguten gerettet werden: so konnte man sogar die Grünen verführen, Bomben auf Zivilisten werfen zu lassen und sich ultragut dabei zu fühlen.

Das läuft auch heute noch, damit wird gezielt die Masse gesteuert, die – immer noch streng nach Hitlers Wunsch – isoliert vor den Bildschirmen sitzt und beständig mit einfachsten Mitteln jeweils dorthin gesteuert werden kann, wo man sie gerade braucht: war gestern noch der Mensch mit „Migrationshintergrund“ Gefahrenquelle Nr. 1 für die Gesellschaft, ist heute der Flüchtling der Segen der Demokratie … jedenfalls so lange, bis anders entschieden wird.

Es war natürlich nicht Hitler allein, der auf solche Ideen der Massenbeherrschung kam: es war die Elite er deutschen Gesellschaft, der Adel, die Instustriebarone und Banker, die vor allem ein Problem hatten: wie schützen wir unsere Raubbeute vor sich solidarisierenden Massen – wie verhindern wir „Revolution“. Die Antwort war – wie geschildert – einfach: wir packen sie in Einzelhaft in kleinen Wohlstandszellen, predigen ihnen, dass sie der Gipfel der Zivilisation sind und sorgen dafür, dass sie sich zu Tode amüsieren, während wir dann freie Hand haben, alle nutzlosen Geisteskranken in Massen zu ermorden, um uns an den eingesparten Geldern weiter zu bereichern.

Diese Gesellschaft ist natürlich eine Gesellschaft der Angst, dass wussten schon die Indianer. Hat sicher jeder schon mal gesehen, den Häuptling, der seinem Stamm zeigt, wie man unbesiegbar wird: er nimmt eine Hand voll Zweige und zerbricht sie einzeln, während er jedes Stammesmitglied anschaut … dann nimmt er ein Bündel von Zweigen, dass sich als unzerstörbar erweist. Die Botschaft ist klar: Einigkeit macht stark. Einigkeit jedoch ist in einem Volk, das sich kollektiv in Wohlstandsblasen isoliert, kaum zu erzielen – sie sind nur – streng nach Hitlers Wünschen – ein leicht dirigierbares schwaches Volk von Einzelgängern, die jeder ekeligen Sauerei in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hilflos gegenübersteht … und hemmungslos ausgeplündert werden kann.

Deshalb – machen solche Bewegungen wie Pegida dem „Establishment“ Angst – wobei es vollkommen unerheblich ist, wie rechts die eigentlich wirklich sind. Schaue ich in deren offizielles Programm (was die – weil die ja superböse sind – nur zur Tarnung geschrieben haben: solche List macht sie geradezu doppelt superböse), so finde ich viele ganz zivile Forderungen – und überhaupt kein „Ausländer-raus“-Gedröhne.

Die Angst des Establishment vor Pegida hat jetzt Jakob Augstein deutlich formuliert, er warnt davor, dass „Der Faschismus lebt“ (siehe Spiegel), beklagt unzureichende Ursachenforschung und bezieht sich hauptsächlich auf einen anderen Artikel des einflussreichen Soziologen Heinz Bude, den dieser aktuell in der FAZ veröffentlicht hat (siehe FAZ): Wutbürger, Die Koalition der Angst: Wenn Dienstleistungsproletarier und prekär Wohlhabende sich in einem diffusen Misstrauen gegen das gesellschaftliche System in Deutschland verbünden, wird es brenzlig im Land.

Er macht eine interessante Bemerkung am Rande:

Der Industriemeister, der mit einem mittleren Schulabschluss bei Audi Karriere gemacht hat, gehört zu den Etablierten, die Solounternehmerin aus dem Coachinggewerbe zu den Prekären. Man muss auf der Hut sein, weil auf den sukzessiven Statuserwerb im Lebenslauf in der Regel kein Verlass mehr ist. Durch unvorhersehbare Lebensereignisse wie eine Trennung oder eine Überschuldung ist man mit einem Mal von der oberen in die untere Mitte abgerutscht.

Und wenn der Industriemeister zufällig beim kriminellen VW-Konzern gearbeitet hat, der sein Geld mit manipuliertem Sondermüll auf vier Rädern verdient, dann kann er ganz schnell ebenso abrutschen, wenn der Konzern seine Minderleistung durch Massenentlassungen ausgleicht und dabei vor allem die Alten und Kranken entsorgt.

Locker redet Bude von den Millionen entsorgter: den Arbeitslosen, dem „Dienstleistungsproletariat“ (was für ein abscheulicher, entwürdigender Begriff – die Zeiten der „Raumpflegerin“ sind wohl vorbei, die „Putze“ kommt zurück) oder denen, die „auf den Winner-take-all-Märkten von Sportmedizinern, Webdesignern oder Gartenarchitekten auf der Strecke geblieben sind.“ – kurz all jene, die völlige Versager sind, weil sie auf dem Weg vom Tellerwäscher zum Millionär hängengeblieben sind – und das zu Zeiten, wo jeder milliardenschwerer Oligarch werden kann, wenn er es nur wirklich wolle (wie uns der russische Oligarch Chodorkowsky belehrte, bevor er inhaftiert wurde – wir berichteten).

Und er trägt auch eine konkrete Forderung vor:

Wenn dann eine Figur kommt, die sagt, ich lasse mich nicht belügen, ich lasse mir den Mund nicht verbieten, und ich weiß, was ich weiß, dann ist eine Politik gefordert, die keine Angst vor den Ängsten der Leute hat.

Die Politik des starken Mannes, der gegenüber dem Proletariat durchgreift, der das Pack beim Namen nennt, der es wieder in Lagern konzentriert, damit sie mal darüber nachdenken können, warum sie im besten Deutschland aller Zeiten leben und es diesem Land supergut geht. Nein- ich spiele jetzt nicht auf den unsäglichen Akif Pirinnci an, sondern auf Oliver Polak, der in der Welt die Wiedereröffnung der Konzentrationslager gefordert hat – diesmal jedoch für Nazis … oder die, die gerade per Akklamation zu Nazis bestimmt werden. Gleiche Behandlung wie für Juden, nur diesmal ohne Gas (siehe Welt). Dafür, dass Pirinnci dem System unterstellt hat, dass sie dies möchten, wurde er massiv angegriffen und wirtschaftlich ruiniert – dass Pollak sich diese Reaktion wünscht … von einer Politik, die keine Angst vor den Ängsten der Leute hat … hat niemanden echauffiert. Das Dramadreieck funktioniert wieder hervorragend.

Der gleiche Soziologe hat letztes Jahr noch einen anderen Artikel geschrieben: einen Artikel über die Gesellschaft der Angst, über die Sklaven der Work-Live-Balance (siehe Spiegel). Es ist ein Artikel über die aktuell Vierzigjährigen, die – oft vergeblich – versuchen, alle Ansprüchen der Gesellschaft zu erfüllen: Optimierung der Arbeitsleistung, Optimierung der eigenen Schönheit, Optimierung der Gesundheit, komplette Anpassung an das Idealbild der Werbung. Natürlich sind diese Menschen „selbst schuld“ an ihrer Misere, die direkt in Depressionen führt, mit keinem Wort wird erwähnt, dass die Philosophie des „Führen mit Zielen“, die breitflächig aufoktroiert wurde, jeden Arbeitsprozess in ein sich beständig schneller drehendes Hamsterrad verwandelt hat, während die Politik des „Hartz IV“ (unter breitem Beifall von Wirtschaft, Medien und Gesellschaft) dafür gesorgt hat, dass auf jene, die aus dem Rad herausfallen (und das sind fast alle – bis auf ein Prozent, das mit Absicht sehr sehr reich gemacht wird), die soziale Hölle wartet.

Wissen Sie, woran diese „fit-for-Job“-Generation auch arbeitet – mit Hochdruck? Schauen Sie sich einfach mal in Ruhe die Analyse der Bewerbungsphotos der Selbstoptimierer an, schauen Sie sich an, wie das „perfekte Bewerbungsbild“ gestaltet ist … jenes Bild, dass dereinst noch aus dem Automaten kommen konnte, weil es im Prinzip für die meisten Arbeiten egal ist, wie man aussieht (siehe Wiwo): was da für eine Engergie investiert wird, wie da jedes auch nur allerkleinste Detail ausgearbeitet wird … um die eigene Vermarktbarkeit zu erhöhen. Das ist ein Markt von Sklaven, die sich gegenseitig ausstechen wollen, um versteigert zu werden – und eine ganze Generation von Beratern, die ihnen bei der Verbesserung der Ersteigerbarkeit hilft. Das ist eine Gesellschaft, wie ein Hitler sie sich gewünscht hätte, eine Gesellschaft, in der jeder mit Eifer danach trachtet, dem Idealbild des genetisch hochwertigen Ariers zu entsprechen und möglichst supergesunde Gene im Bild präsentieren zu können. Was hat diese Welt noch mit jener zu tun, die wir dereinst das „christliche Abendland“ nannten, jener Welt, in der jeder einzelne Mensch ein gottgewolltes, perfektes Kunststück war, geachtet von der höchsten denkbaren Autorität … jener Welt, der wir den Grundgedanken der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verdanken, die aus den Gräueln der NS-Zeit erwachsen ist?

Ganz klar: Nichts.

Ich möchte einmal einen kurzen Passus aus einer ARD-Sendung zitieren, von „Planet Wissen“, die sich mit dem Gedanken beschäftigte, was denn gewesen wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Antwort … fand ich verblüfffend (siehe ARD):

Für die in dem „germanischen Reich“ lebende Bevölkerung sollten strenge Regeln gelten: Die Lebensführung des Einzelnen hätte der Staat von Kindesbeinen an diktiert, von der Hitlerjugend bis zum Nazi-Seniorenwohnheim hätte die Partei starken Einfluss auf die Gesellschaft gehabt. Gesteuert werden sollte das Reich durch eine Elite, die aufgrund ihrer Gene für jegliche Aufgaben innerhalb der Führungsriege eingesetzt werden konnte.

Diese „Elite“ haben wir heute, sie formiert sich gerade immer geschlossener. Heute Ministerpräsident, morgen Konzernchef – alles ist mit diesen Elite-Wesen möglich. Das Leben des normalen Menschen wird komplett durchorganisiert: Kleidung, Tagesablauf, Bildung, Glaubensgrundsätze – es wird ein standardisertes Massenwesen geschaffen, von der Wiege bis zur Bahre … betreut von RTL (die sich diese Ziel ja wirklich auf die Fahne geschrieben hatten). Werkzeug hierbei ist jedoch nicht mehr der SA-Mann sondern die wirtschaftliche Abhängigkeit des Individuums von seiner Umwelt. So läßt sich steuern, dass der moderne, deutsche Arbeitnehmer Schritt für Schritt an seiner optischen Optimierung arbeitet, seine Vermarktbarkeit beständig selbst im Blick hat, sich selbst nur noch als käufliche Ware sieht – der große Siegeszug der Prostitution und Sklaverei … und der große Triumph des Adolf Hitler im 21. Jahrhundert.

Wer sich gegen diese Form des Faschismus wendet, wird – streng im Sinne der Transaktionsanalyse – von den austauschbaren Elitewesen (die um ihre beständige Ersetzbarkeit auf jeder Stufe der Hierarchie wissen) automatisch unisono zum Superbösen erklärt: und das ist aktuell (aufgrund der weltweiten Dominanz der US-Kultur) der „Nazi“ – wie ihn Hollywood unaufhörlich vorstellt.

Und während wir den unsichtbaren Nazi jagen, den wir nur brauchen, um ein neues, menschenfeindliches Drama zu inszenieren, um neue Menschenjagden durchführen zu können und bequem „im Dienste der Menschlichkeit“ ein paar weitere unbeliebte Konkurrenten auf dem Arbeitssklavenmarkt ausschalten, schreitet die Kultur des Faschismus mit ihrem Wahn vom „optimierten Herrenmenschen“ ständig weiter fort: diesmal jedoch nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – und das aus gutem Grund.

Früher war uns das bekannt, weshalb früher eine einzige Folge der beliebten SF-Serie „Raumschiff Enterprise“ in Deutschland verboten war: man wollte keine schlafenden Hunde wecken. Ich zitiere mal aus einem Artikel über diese Folge (siehe startrek-index):

Wirklich problematisch ist der Dialog zwischen Kirk, Spock und Gill, indem Gill sagt, er hätte vorgehabt einen friedlichen Nazistaat aufzubauen, weil Nazi-Deutschland vom wirtschaftlichen Standpunkt her erfolgreich war. Spock gibt ihm daraufhin Recht und Gill erwidert noch, dass es am Anfang auch funktioniert hat, bis Melakon die Macht übernommen hat. Gill bezeichnet Nazi-Deutschland auch als die wirkungsvollste Staatsform, die die Welt je gesehen hat.

Dies hielt man 35 Jahre lang für eine Verherrlichung der NS-Zeit – und verbot die Folge bis 2011. Es fehlt noch eins dabei: der Hinweis auf den Gewinn, den eine kleine Elite mit dieser Staatsform machen konnte … und heute wieder macht. Deshalb verbot man die Folge: für skrupellose, gewissenlose Gangster war das NS-Regime die ideale Staatsform … vor allem für die Funktionsträger des Systems, das sich weltweit ausdehnen wollte, um einer kleinen, genetisch „hochwertigen“ Minderheit unbegrenzte Macht über das Proletariat zu geben, über den „Minderleister“, den „Parasiten“, die „bildungsfernen Schichten“, die „Nicht-integrierten“, die „Schmarotzer“, die „Niedriglöhner“ mit ihren „Billigjobs“ … und ihrem billigen Leben, das sich so sehr unterscheidet von dem gut umhegten Eliteleben der Funktionsträger in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien.

Ich zitiere hierzu mal die FAZ aus dem Jahre 2008, als die Philosophie der Selbstausbeutung Staatsreligion geworden war (siehe FAZ):

„Leistung allein reicht nicht für eine steile Karriere. Auf den Körper kommt es an. Glatzen, Falten, dicke Bäuche bremsen den Aufstieg. Erfolg hat, wer symmetrisch ist.“

An die Spitze kommen nur jene Menschen, die auch Hitler gerne ganz weit oben sah: die genetisch perfekten Supermenschen, die für den Rest der Welt nur noch Spott und Hohn übrig haben … wie jene (armseligen) 40-jährigen, die Bude in dem Spiegelartikel beschreibt … wobei er die Worte „Spott und Hohn“ durch „Ironie“ ersetzte. Das ist das, was ich sehe, wenn ich Sendeformate wie die „Heute-Show“ des ZDF studiere – oberflächlich lustig, mit einem lustigen (und deshalb als Konkurrent ungefährlichen) Dicken mitten in leitender Funktion, der dem elitären Publikum jede Woche hilft, sich gegenüber dem Rest der Welt überlegen zu fühlen.

Deshalb kann ich Jakob Augstein nur Recht geben (siehe Spiegel):

Enttäuschung, Lüge, Hass, Gewalt – wenn aus diesen Zutaten Politik wird, entsteht Faschismus. In Deutschland ist es wieder so weit. Leider scheut sich die Nation, bei der Ursachenforschung tief genug zu graben.

Ganz richtig. Doch der Faschismus pflanzt sich ganz woanders fort als bei Spaziergängen einer kleinen Minderheit Dresdener Bürger, die nur aus Gründen der Dramagestaltung medial hofiert werden (während man die 250000 TTIP-Demonstranten weitgehend vergaß). Enttäuschung über die geringe Ausbeutbarkeit mancher Bürger (der faltigen, kahlen, dicken Minderleister), die Lügen über ihr Sozialverhalten, der Hass gegen ihre angebliche Asozialität und die sanktionierende Gewalt gegen sie als unbotmäßige Querköpfe führen direkt in den Faschismus 2.0 – der andere Symbole, andere Uniformen, andere Sprachcodes hat als der Faschismus 1.0 – aber die gleichen Folgen haben hat: eine Gesellschaft der Angst zu erzeugen.

Darum darf man in der Heute-Show vom 16.10.2015 ungeniert Transitzonen mit Konzentrationslagern vergleichen, darf in der Welt real die Wiedereröffnung der KZ´s fordern … während Akif P. mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat medial hingerichtet wird, weil man solche Sätze in Deutschland einfach nicht sagen darf – mein Gregor Gysi. Jedenfalls … dürfen Untermenschen diese Sätze nicht sagen, ausgewählten Herrenmenschen ist dies schon gestattet.

Was wäre zu tun? Nun – viele reagieren auf das Staatsdrama mit einem Gegendrama: der „Böse“ wird ausgetauscht (Juden werden hierbei immer noch gern genommen, aber auch Moslems stehen gut im Kurs, immerhin führen wir „Guten“ gegen sie schon viele Kriege in vielen Ländern).

Dabei wäre das erste Ziel, sich aus allen Dramen auszuklinken, sich auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zu berufen und dann nüchtern und sachlich – ganz ohne Drama – um die Abwicklung der Flüchtlingskatastrophe zu kümmern … wie auch um die Ursachenforschung des Faschismus … und sein Überleben im 21. Jahrhundert.

Wir werden aber wieder dramatisch reagieren – und gegen das Böse Methoden anwenden, die schon Himmler, Göring und Goebbels glücklich machten. Wie sie fühlen wir uns dabei supergut.

Dabei hätte diese Katastrophe eine große Chance sein können: der Anlaß zur Entwicklung einer planetaren Zivilisation, die wir nötig haben, um aus dieser Katastrophe kein weiteres Massensterben zu machen – was automatisch folgt, wenn Millionen in die Kälte des Nordens fliehen. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zeigt, dass wir genug Sympathisanten für die Etablierung der ersten planetaren Zivilisationen hätten.

Nur: aus Lust am Drama, aus Unkenntnis über die Fernziele und Formen einer faschistischen Gesellschaft und aus purer Angst vor den echten technokratischen Faschisten der modernen Welt werden wir uns für etwas anderes entscheiden: wie üblich für Konzentrationslager und Massenmord – was nebenbei den Wunsch des „Klubs der Milliadäre“ nach einer reduzierten Weltbevölkerung erfüllt (wir berichteten).

Die Medien der Funktionärselite werden uns bei diesem Marsch in die unmenschliche Asozialität wieder zielgerichtet begleiten – zwecks Sicherung der eigenen Pfründe.

 

 

 

 

 

 

 

BND-Agenten im Einsatz bei NEOPRESSE: die wahre Quelle brauner Mythen.

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Donnerstag, 21.5.2015. Eifel. Sehr geschätzter Leser – ich muss Ihnen ein Geständnis machen: mein letzter Artikel bei Neopresse – Die Diktatur in Deutschland im Jahre 2015 – galt nicht Ihnen. Meine Facebookfreunde sind darüber informiert – als Kontrollgruppe. Ich habe ihn entworfen, um eine Theorie zu belegen: dass hier und jetzt Agenten eines Nachrichtendienstes aktiv an der Meinungsbildung arbeiten … bzw. aktiv an der Eliminierung eines freien, unabhängigen Nachrichtenmagazins tätig sind. Ja- ich bin nun mal Geisteswissenschaftler, wie man mir sagte: mir hervorragender Ausbildung. Ich kann halt nichts anderes und nehme die damit einhergehende Armut billigend in Kauf: es gibt manchmal wichtigeres als die Maximierung des persönlichen Rohstoffverbrauches.

Die Zutaten für dieses Experiment waren einfach: wie im Artikel zitiert eine im Handelsblatt erwähnte Studie, die besagt, dass 60% der Deutschen das mächtigste Land in Europa nicht mehr als Demokratie ansehen, ein in der konservativen Welt erschienener Artikel über die Dynastien, die Deutschland regieren und ein Artikel des Spiegel über den Einsatz einer ganzen Natobrigade zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung – aus der Sicht eines V-Mannes eine äußerst brisante Kombination, die alle Alarmglocken klingeln lassen muss: hier wagt jemand, darauf hinzuweisen, dass öffentlich als seriös anerkannte Medien offen über eine Diktatur im „Westen“ berichten … eine Nachricht, die als solche nicht erscheint, sich aber logisch aus den Informationen ergibt. Da wir von einer großen Masse an Sympatisanten für diese Nachricht ausgehen müssen, die sich – möge es der Himmel vermeiden – nachher noch zu einer basisdemokratisch organisierten Gruppierung zusammenschließen, die die Machtverhältnisse im „Westen“ zuungunsten des „Establishment“ in Frage stellt, war der Einsatz eines V-Mannes hoch wahrscheinlich.

Und der kam dann auch recht schnell. Hören wir Agent „Heiner“:

Hr. Dammann, Jahrgang 59, beschäftigen Sie sich einmal unvoreingenommen mit sowas
und den Argumenten ohne gleich in das gängige Fahrwasser zu kommen. Und dann, einer wie Sie: wer suchet der findet… darauf bezogen können Sie die Diktatur die Sie im Jetzt verorten unter anderen Gesichtspunkten sehen. Mich gan persönlich, der sich einige Zeit prüfend mit dem (link) beschäftigte hat es persönlich ungemein befreit. Anderseits erschrocken und ich erschrecke täglich mehr, wohin wir uns bewegen.

Achten Sie mal auf die Sprache. Ich weiß, dass wird in Schulen nicht mehr so gelehrt. Wie ein weiser Vater spricht er zu seinem Sohn, lenkt ab von einem wichtigen Thema (einer Diktatur im Jetzt) zu einem unwichtigen Thema (andere Gesichtspunkte – die aber direkt durch den Link vorgegeben werden). Versprochen wird: eine ungemeine Befreiung.

Der von mir entfernte Link (Holocaustleugnung ist in Deutschland eine Straftat – und zwar völlig zurecht, wenn man nicht will, dass sich die Vernichtungsorgie nochmal wiederholt) führt zu einem bekannten Holocaustleugner, dessen Thesen schon längst von einem seiner Schüler widerlegt wurde: wer arbeitet eigentlich noch mit solch´ veraltetem Material?

Hier ist die Arbeit eines Geisteswissenschaftlers gefragt, nicht die eines Journalisten, hier gilt es, die Absicht der Tat herauszufiltern … und nicht den Köder zu schlucken, der offen hingelegt wurde. Zeit, wach zu werden, lieber Leser: was wurde hier GETAN?

Mit einem einzigen Schlag wurde ein freies, unabhängiges Medium (Neopresse, um genau zu sein) als Ort besetzt, an dem man unkommentiert eine Straftat begehen kann. 300 Autoren samt des Initiators wurden so zu Nazikollaborateuren. Sollte dieser Artikel über die Diktatur in Deutschland (deren Existenz ja ein Schlag ins Gesicht eines jeden anständigen Bürgers bedeuten würde und zu dringlichem Handeln aufrief) sich also im Netz weiterverbreiten, so verbreitet sich auch automatisch die naive Holocaustleugnung mit … und entzieht der Argumentation jegliche Glaubwürdigkeit.

„Bei Neopresse fabulieren Nazis vom Endsieg über den Juden“ – so wird die Meinung der kritischen Öffentlichkeit über dieses Web-Projekt sein, was seine Reichweite sofort enorm einschränkt und jedes der kritischen Worte – wirlich JEDES – in ein äußerst braunes Licht stellt, was die Glaubwürdigkeit jeder Arbeit sofort in Frage stellt: so mordet man soziale Existenzen.

Ein hartes Stück Arbeit, was ich Ihnen da zumute, nicht wahr? Gedankliche Arbeit, wohlgemerkt.

Wäre Agent Heiner wirklich ein Nazi – so hätte er gar nichts geschrieben. Versetzen Sie sich einmal in die Situation eines rechtsradikalen Verfassungsfeindes, der einen Artikel vorfindet, der – aus der Mitte der Gesellschaft heraus – diesen Staat glaubhaft als Diktatur beschreibt: was würden Sie tun …. so als echter Nazi? Gar nichts. Ihr Ziel – ja, Ihr ganz persönliches Ziel – erfüllt der Artikel doch ebenso, ist gibt für Sie keinen einzigen Grund, hier mit veraltetem „esoterischem“ Geheimwissen präsent zu werden, Artikel dieser Art können dazu geeignet sein, die Zerrüttung der Gesellschaft in der Sie leben voranzutreiben – was ganz in ihrem Sinne ist, weil sie ja von Machtergreifung träumen.

Agent Heiner jedoch – läuft zu Hochtouren auf, weil seine Mythen (die er fleißig lernte, um Akzente zu setzen) nicht so ankommen wie geplant. Nun – die Facetten des Mythos „der Jude ist an allem Schuld und will Deutschland vernichten“ – direkt entnommen aus Hitlers Wahnvorstellungen – sind vielfältig, monoton und leicht zu widerlegen, wenn man die Perspektive ändert. Versuchen Sie es selbst – machen wir ein Gedankenexperiment. Stellen Sie sich vor – für einen Moment – dass Gott persönlich in diesem Moment alle Juden aus der Welt entfernt. Das muss man nicht wie Hitler und andere europäische Antisemiten durchführen, das geht – für einen Gott – auch per freudiger „Entrückung“. Mal ehrlich: was würde sich ändern? Der BND (und die Telekom) würden keine Daten mehr in Deutschland für die NSA sammeln? Alle Reichen in Deutschland würden 50 Prozent ihrer Aktiengewinne zur Finanzierung des Sozialstaates abgeben (ja – nur die Abgabe von 50 % der Aktiengewinne des Jahres 2016 würden die Ausgaben des Bundes für Hartz IV mehr als decken)? Sämtliche Finanzinstrumente zur Ausplünderung des Mitbürgers würden sofort aufgegeben zugunsten einer gemeinnützigen Solidarwirtschaft? Alle Netzwerke von Politik und Wirtschaft würden sich sofort auflösen? Die arabischen Staaten würden Palästina sofort friedlich und gerecht in einen großen, arabischen Staat verwandeln? Nun – das könnten sie schon jetzt: die Blockade Palästinas wurde auch von Ägypten aufrecht erhalten – und mit dem Geld Saudi-Arabiens könnte man – ohne große Anstrengungen – jedes materielle Leid im Gaza-Streifen verhindern, aus jedem Bewohner einen reichen Menschen machen. Darüber … redet man aber nicht gerne, weil es nicht zielführend ist.

Falls Sie die Fragen mit JA beantworten: mangels großflächiger Präsenz jüdischer Mitbürger in Deutschland wäre das ja hier schon jetzt möglich. Warum also geschieht es nicht? Kann es sein, dass die 85 % der Milliardäre der Welt, die nichts mit dem Judentum zu tun haben, die Funktionen ihrer Kollegen einfach ohne große Änderungen übernehmen würden – wie sie es jetzt schon in Asien tun?

Es bleibt natürlich erstmal eine Hypothese, das Agent Heiner vom BND instruiert wurde. Aber wie alle „Verkäufer“, die ihre Ware selbst nie gedanklich durchdrungen haben, macht er, was Verkäufern immer gelehrt wird: er macht ein neues Fass auf, diesmal: „nine-eleven“. Das verrät erstmal das Ziel – und seinen Auftrag: Diskreditierung eines unbequemen Nachrichtenmagazins. Auch hier muss wieder etwas Gedankenarbeit geleistet werden. Es gibt hervorragende Arbeiten zu der (mangelhaften) Verschwörungstheorie der US-Regierung über den dreisten Coup eines Bin Laden, die nahelegen, dass die Wahrheit eine Andere ist als die, die uns gerade verkauft wird. Und es gibt das von Agent Heiner zitierte Video, ein zusammengeschnittenes You-Tube-Machwerk, in dem ein hysterisch klingender Jugendlicher alle für dumm erklärt, die seinen Ausführungen nicht folgen können. Eingestellt wurde das Video von „gesund&lecker“ – einem Produzenten, der ansonsten gerne über Hanfkakao, Smoothies und Tee informiert.

Die Konsequenz – im Rahmen der laufenden Diskussion? Ein weiterer Spinnerbonus für seriöse Autoren von Neopresse. Dabei gibt es genug qualitativ hochwertiges Material zu diesem Thema.

Und wie alle schlechten Verkäufer (was jeder ist, der tut, wohinter er persönlich gar nicht steht) greift er zur „Argumentationsdusche“ via You-tube-Videos, deren Studium das Zeitkontingent jedes normalen Mitteleuropäers bei weitem übersteigen würde. Trotzdem lohnt es sich, einen Blick auf die Videos zu werfen, denn: man entdeckt etwas Besonders. Mit großer Akribie und Sorgfalt wurden Informationen gesammelt (und mit Absicht in einen anderen Zusammenhang dargestellt) – über einhundert Jahre Pressegeschichte hinweg.

Wer hat eigentlich das Potential (Zeit und Geld) so eine Arbeit zu leisten? Der einsame Neonazi aus Milwaukee? Oder doch eher ein subversiver Dienst, der das Entstehen einer Gegenkultur im Keim ersticken möchte? Hier stoßen wir auf einen Kern geisteswissenschaftlicher Arbeit, den ich Ihnen weder abnehmen kann – noch abnehmen will. In der strengsten Abteilung der Geisteswissenschaften – der Philosophie – gilt unumwunden der Satz: „ich weiß, das ich nicht weiß“ – schon seit Jahrtausenden. Deshalb ist man gut beraten, in Wahrscheinlichkeiten zu denken – was die meisten Menschen tun, sie nennen das dann modern „Glauben“ („ich glaube nicht, dass …; ich glaube, dass“) … und machen so unbewusst aus der Frage der Wahrheitsfindung eine religiöse (und damit im Rahmen der Welt wertlose) Frage.

Also: was halten Sie für wahrscheinlicher – das ein Geheimdienst seine Möglichkeiten spielen läßt, um jeden Widerstand mit verdeckt rechtsradikalen Mythen zu infiltrieren, die auf immer verhindern werden, dass sich eine kritische Öffentlichkeit zusammenschließt, um ins Handeln zu kommen … oder das ungebildete Einzelgänger durch Zufall großes esoterisches (also nur eingeweihten Kreisen zugänglichem) Wissen gefunden haben – bei youtube?

Für mich fällt das Urteil leicht (wie bei nine-eleven, wo sich eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür abzeichnet, dass die offizielle Verschwörungstheorie nicht dem tatsächlichen Geschehen entspricht): ich verweise auf zwei aktuelle Artikel, hier erstmal die FAZ vom 14.5.2015:

Neues Verfahren, altes Spiel: Im NPD-Verbotsverfahren mussten alle V-Leute aus der Führungsebene der Rechtspartei abgezogen werden – sonst droht ein wiederholtes Scheitern.

Bleiben Sie bei dem, was interessant ist: nicht das Verbotsverfahren sollte interessieren, sondern … die Anzahl von Geheimdienstleuten in der Führungsebene – die man so bequem mit rechtsradikalen Mythen versorgen kann, die mit Sicherheit dafür sorgen, dass sich 1933 nie wiederholen wird, weil sich die Altnazis so zu einer nie mehr zu großem Einfluss fähigen Gruppe entwickeln können, die Mehrheiten in Deutschland hinter sich vereinen kann.

Die zweite Meldung stammt aus der TAZ vom 12.5.2015 und beschäftigt sich mit der Involvierung des Verfassungsschutzes bei den rechtsradikalen NSU-Morden, denen der Verfassungsschützer Temme teilnahmslos und – wie der Anwalt einer der Opfer glaubhaft darstellt – im dienstlichen Auftrag beigewohnt hat.

Mit den gleichen Methoden wurde ein Erstarken der Friedensbewegung im Keim erstickt – heute gelten „Mahnwachen“ in breiter Front als Legendenorgien von Neonazis (übertrieben formuliert).

Der Trick funktioniert halt überall.

Das letzte Indiz für unseren BND-Agenten Heiner?

Er gibt auf, als er am Ende seines Schulungsmaterials angekommen ist. Kein überzeugter Kämpfer für „seine Wahrheit“ – wie man sie in rechtsradikalen Kreisen finden kann – sondern jemand mit einem Auftrag, den er gut erfüllte. Ein echter „Nazi“ hätte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die einmal begonnene Auseinandersetzung zu gewinnen – ein V-Mann jedoch zieht sich zurück, wenn sein Auftrag erledigt ist.

Die Textanalyse zu den Aussagen von „Agent Heiner“ hätte ich hier noch umfangreicher ausführen können – doch wer würde 40-5o Seiten Textanalyse noch folgen wollen? Zugegeben: von welcher Stelle er für seine subversive Arbeit bezahlt wird, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, „BND“ sei hier nur als Synonym für „Nachrichtendienste“ eingestellt.

Ja – das ist … in meinen Augen mit großer Wahrscheinlichkeit … unangenehme Wahrheit hinter vielen im ersten Moment harmlos erscheinenden Mythen, die seit Jahren die „Szene“ fluten, aber alle den gleichen Zweck verfolgen: jeden sich formenden gesellschaftlichen Widerstand gegen den sterbenden Kapitalismus mit dem – gesellschaftlich weit als solches akzeptiertem – „absoluten Bösen“ zu verquicken: dem NS-Vernichtungsstaat.

Das dieser Staat nur ein Probelauf war, dass der NS-Vernichtungsstaat nur das logische Ende eines ausufernden, in seiner Unmenschlichkeit hemmunglos feudal orientierten Wirtschaftssystems war, der Muster sein kann für alle Folgestaaten, die die Folgen der unauflösbaren Widersprüche dieses Systems zu bewältigen haben, wird so nicht mehr diskutiert, eben so wenig, wie das Grundübel jener Zeit: die Bildung absoluter Macht über die Menschheit durch engen Schulterschluß zwischen Konzernwirtschaft und Parteienwirtschaft.

Ein Blick zurück in die NS-Geschichte – auf Geschehnisse, die kaum weitergetragen werden? Meine Mutter (Arierin, Kind, 9 Jahre alt, unpolitisch) musste ihre eigene Kotze beim Bund deutscher Mädels essen. Sie hatte ihr Essen erbrochen … und 399 weitere BDM-Mädels mussten warten, bis sie das Ergebnis ihres Erbrechens vollständig vertilgt hatte. Der Vernichtungsstaat … war für jedermann hoch gefährlich – und psychisch krank bis ins Mark. Schade, dass wir den Geschichten unsere Eltern und Großeltern und Urgroßeltern nicht mehr lauschen. In jenen Lagern wurden Kinder angehalten, ihre Eltern zu verraten – und so wurden viele umgebracht, nur weil der verzogene Sohnemann sich für ein nicht gekauftes Eis rächen wollte.

Wenn Sie in einer solchen Welt leben wollen … bitte schön. Dann folgen Sie Agent Heiner in seinen Ausführungen. Aller Wahrscheinlichkeit nach bewegen wir uns direkt wieder auf eine solche Welt zu, „unwertes Leben“ wird wieder öffentlich von Parteioberen definiert: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen“.

Anders formuliert: „Wer nicht für meinen Profit billig schuftet, den bringe ich um“.

 

 

 

 

Faschismus in Deutschland 2015

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Montag, 10.5.2015. Eifel. Derzeit werden große Reden geschwungen: der Zweite Weltkrieg endete vor siebzig Jahren. Da reden gerne Menschen, die die Zeit nie erlebt haben, über Dinge, die sie nie verstanden haben, um sich selbst in ein Licht zu setzen, das sie nie verdient haben. Es wird natürlich auch gerne über „Faschismus“ gesprochen. Das der böse ist, steht außer Zweifel. Es weiß auch jeder, was Faschismus ist – und unterscheidet sich darin von der gesamten historischen Wissenschaft, der es in den letzten Jahren nicht gelungen ist, eine einheitliche Faschismusdefinition zu entwickeln.

Faschismus – so die landläufige Meinung – ist, wenn SA und SS unter der Führung Adolf Hitlers in Nürnberg Parteitage abhalten und im Anschluss Juden vergasen. SA und SS gibt es nicht mehr, Hitler ist tot, die Juden sind in Israel (ein Land, dessen Existenz vielen Deutschen ein Dorn im Auge ist, allerdings hält man es für unschick, diese Tatsache mit dem Antisemitismus der NSDAP in Verbindung zu bringen – Israelkritik … die in Teilen auch berechtigt sein mag … ist eine äußerst elegante Methode, seinen Antisemitismus ausleben zu können, ohne gleich des Faschismus verdächtigt zu werden): der Faschismus ist besiegt.

Faschismus und Antisemitismus werden gerne in einem Atemzug genannt, gedenkt man der Befreiung aus den Konzentrationslagern, so fixiert man sich – wie die deutsche Bundeskanzlerin – gerne auf die abgeschlachteten Mitbürger jüdischer Religionszugehörigkeit und vergisst dabei die Kommunisten, Arbeitslosen, die Kranken, die Nicht- angepassten, die Roma und Sinti, die unbeliebten, verleumdeten Nachbarn und wen man noch alles zum Scheiterhaufen geführt hat … Pardon: zur Gaskammer. Scheiterhaufen verwendete man in der frühen Neuzeit bei anderen unliebsamen Personengruppen, die Täter waren die gleichen: der Pöbel, der Mob, der Nachbar.

Dieser Ansicht würde Helmut Schmidt jetzt sehr wiedersprechen. Er selbst – 1942 noch in seiner faschistischen Überzeugung erfolgreich geprüfter Edelnazi – war kein Nazi, kannte persönlich nur drei davon (allen ich kenne da schon mehr – und bin nicht so alt) und ist überhaupt der Meinung, dass es in Deutschland kaum Nazis gab – jedenfalls differenziert er sehr zwischen Deutschen und Nazis (als ob die 1933 von der Wega kamen und 1945 wieder dorthin zurückkehrten) – das lernt man aus einem Artikel von Georg Diez im SPIEGEL (siehe Spiegel). 70 Jahre nach Kriegsende wäscht sich der Deutsche rein – es scheint, als ob niemals ein Deutscher Nazi gewesen sein konnte. Immerhin war der Obernazi auch Österreicher.

Vieles krankt natürlich an der Faschismusdefinition – von der es bis heute keine einheitliche gibt…..weshalb wir auch nicht in der Lage wären, seine Wiederkunft zu erkennen, es sei denn, die holen die alten Uniformen wieder aus dem Schrank und beleben Adolf Hitler per Gentechnik neu. Die in Deutschland gern geprägte Gleichung Faschismus=Antisemitismus reicht leider nicht weiter als bis zur Landesgrenze. Im Mutterland des Begriffes „Faschismus“ wandte sich der oberste Faschist Benito Mussolini mehrfach ausdrücklich gegen den Antisemitismus der „Germanen“, der „Tenno-Faschismus“ in Japan konnte  mangels Juden niemals Antisemitismus entwickeln – jedenfalls so lange nicht, bis die Medien die Holocaustleugnung des Westens nach Japan transportierten (siehe Fall Marco Polo).

Allerdings ist Faschismus ohne Antisemitismus auch nicht gerade eine angenehme Veranstaltung – doch dürfen wir in Deutschland überhaupt etwas Faschismus nennen, dass nicht gleich antisemitisch ist?

Es wäre vermessen, in den Rahmenbedingungen, die einem das Internet setzt, Texte zu entfalten, die sich umfassend um die Definition des Begriffes bemühen … hierzu wären tausende von Seiten nötig, niemand hat heutzutage mehr die Zeit, soviel komplexe Informationen zu studieren, trotzdem möchte ich durch ein paar Informationen wenigstens mal zum Nachdenken anregen. Deutschland, Japan und Italien waren nicht nur den Antisemitismus miteinander vereint, sondern durch Systeme, die ein besonderes Menschenbild hatten: Mussolini wollte das alte römische Reich wieder errichten, der römische Bessermensch sollte einen festen Platz an der Spitze der menschlichen Rasse erhalten – mit dem Mittelmeer als zentralem Herrschaftsgebiet, von wo aus der Duce über die niederen, nicht-römischen Völker herrschen sollte.

Die Japaner stammten sogar von einer Göttin ab: ihr erster Kaiser Jimmu war ein Sproß der Sonnengöttin Amaterasu, das machte sie zu den besten Menschen der Welt.

Die Deutschen jedoch waren stolz auf ihre Arier-Gene, die sie einerseits allen Menschen dieses Planeten überlegen machten und sie andererseits zum Kampf gegen ihre bösen Widersacher aufriefen: die jüdischen Völker.

Dieser Punkt – „wir“ und „die anderen“ – scheint mir sehr zentral zu sein … und erklärt auch, warum wir ungehalten auf Ausländerfeindlichkeit und Nationalismus reagieren: auch dort formiert sich ein „wir“ (ein Bund, ein „fascio“), der mit Gewalt (die in allen faschistischen Staaten vollkommen legitimes Mittel ist, weil per Definition die Superguten gegen die Ultrabösen kämpfen) gegen „die anderen“ vorgeht.

Die Ausübung von Gewalt gegen eingebildete politische Gegner ist meines Erachtens nach noch nicht das zentrale Element, weil es nicht ganz so weit trägt. Der Extremistenerlaß der Bundesrepublik Deutschland ist ebenso eine Ausübung von Gewalt gegen Unerwünschte, aber deshalb wird das Land nicht faschistisch. Was mir eher am Herzen liegt, ist der Blick auf die Mythologie, der Urgrund faschistischen Glaubens in all´ seinen Ausprägungen: die reale Existenz von genetisch optimalen „Herrenmenschen“ und minderwertigen „Untermenschen“, der „Gottmensch“ gegen das „unwerte Leben“.

Hierzu mal ein Zitat aus dem Jahre 1904 – als es noch überhaupt keinen Faschismus gab:

„Wenn dann die schlechteste Menschenware Dutzende von Dummköpfen, Verbrechern, Krüppeln, Tuberkelosen und sonstigen Missgestalten erzeugt hat, bauen wir überall Irrenanstalten, Epileptikeranstalten, Altersasyle und Zuchthäuser, um die schlimmsten Früchte ihrer Entartung auf unsere Kosten zu entsorgen. Und wir merken nicht, dass diese Art Humanität die Kulturmenschheit zugrunde richtet“.

Der Satz stammt von August Forel, einem Arzt – und hat einen besonderen Hintergrund:

„Minderwertige Menschen vermehrten sich auf Kosten der hochwertigen, die natürliche Auslese werde durch Sozialleistungen – wie zum Beispiel dem Bismarkschen Krankenversicherungsgesetz von 1883 – gehemmt.“

(Zitat aus: Kurt G. Büchel, Heilen verboten, töten erlaubt, Bertelsmann, 3. Auflage 2003, Seite 101)

Forel wird heute anders überliefert andere – humane – Schwerpunkte werden hervorgehoben – doch wie Kurt G. Büchel hervorhebt, stand er für eine besondere (medizinische) Kaste in Deutschland (bzw. im „Westen“), die sich Ende des neunzehnten Jahrhunderts erhob und den genetisch einwandfreien Herrenmenschen favorisierte – die Folge waren Massenkastrationen „minderwertiger“ Menschenware, um das Erbgut des Ausschusses für alle Zeiten aus dem Verlauf der Geschichte herauszuschneiden: der Kampf gegen den Minderleister hatte begonnen.

Erstaunlich: wir lernen sogar sozialdemokratische Rassenhygienier kennen (Alfred Grotjahn: Lungentuberkulose ist die „Krankheit der körperlich Minderwertigen“) und erfahren, dass dieser Ungeist international Fuß fasste – fest verankert im Bewusstsein der Ärzteschaft („der englische Physiologe John B. Haykraft pries 1895 den TBC-Bazillus als „Freund unserer Rasse“, weil er die Unterschicht ausmerzte“, beide Zitate Büchel, a.a.O.).

Gruselt´s ihnen schon? Die Geschichte würde sich so etwas verändern, ein Adolf Hitler wäre nicht mehr die Quelle des Faschismus – sondern nur noch eins seiner ausführenden Organe, Abteilung Deutschland. Juden – geraten nur zufällig ins Visier, weil der abscheuliche Gnom Hitler das ganze jüdische Volk zu den Minderwertigen zählte, man könnte fast meinen, das Ganze sei ein Unfall der Geschichte, der eigentlich die Armen, Kranken, Alten und Schwachen vernichten sollte aber durch Hitler versehentlich die Juden traf … gäbe es nicht historisch gut dokumentierten Antisemitismus, der bis 1848 (und noch weit darüber hinaus) reichte (siehe z.B. Wikipedia):

„Auch Immanuel Kant (1724–1804) nannte Juden „Vampyre der Gesellschaft“, die „durch ihren Wuchergeist seit ihrem Exil in den nicht unbegründeten Ruf des Betruges… gekommen“ seien.“

Hegel, Fichte, Brentano: alle beteiligten sich an der Definition des „Juden“ als „unwerten Lebens“, ohne dass dies irgendwelche Aufarbeitung nach sich zog. Es bedurfte nur noch des (Sozial-)Darwinistischen Gedankens, dass unwertes Leben ausgelöscht werden darf, um die Konzentrationslager in Bewegung zu setzen und sie mit deutschen Bürgern jüdischer Religionszugehörigkeit zu füllen … und mit allem anderen unwerten Leben – Elemente der deutschen Geschichte, die wir gerne verdrängen, so wie wir auch gerne verdrängen, dass Hitler nicht gewählt sondern von konservativen Demokraten (in einer schon innerlich fast vollständig zerrütteten Demokratie) ins Amt gehievt wurde (siehe z.B. „Machtergreifung“ bei Wikipedia).

Gleichsam haben wir die Aktion T4 verdrängt, die schon 1920 vorbereitet wurde und im Nationalsozialismus nur ein geeignetes Instrument zur Durchführung fand (siehe Wikipedia):

Die im Nationalsozialismus praktizierte sogenannte „Euthanasie“ geht auf schon um die Jahrhundertwende entwickelte eugenische Ideen, wie sie neben anderen durch den Polemiker Adolf Jost popularisiert wurden, zurück. Diese Vorstellungen wurden durch die 1920 publizierte Schrift Freigabe zur Vernichtung lebensunwerten Lebens von Binding und Hoche konkretisiert und fanden damit Eingang in die akademische Diskussion. Im Sinne einer „Rassenhygiene“ und einer Höherzüchtung der „arischen Rasse“ korrespondierten diese eugenischen Ideen nicht nur mit den Zielen der nationalsozialistischen Ideologie, sondern das festgelegte Endziel einer „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ wurde stark materialistisch begründet. Es handelte sich hierbei um einen Euphemismus für die geplante und systematische Ermordung von „Erb- und Geisteskranken, Behinderten und sozial oder rassisch Unerwünschten“; die Entscheidungen wurden hierbei nach Aktenlage von als Gutachter eingesetzten Ärzten gefällt.

Angeblich (ich warte hier noch auf Post) wurde die Aktion T 4 von engagierten Medizinern bis 1949 weiter fort geführt – was angesichts der bis ins 19.Jahrhundert zurückreichenden Vorgeschichte plausibel erscheint.

Nun schreiben wir das Jahr 2015, sind äußerst sensibilisiert auf Aktivitäten deutscher Bürger gegen ihre Mitbürger jüdischen Glaubens – und haben völlig vergessen, dass im Rahmen des Vernichtungsfeldzuges gegen das „unwerte Leben“ (zu dem 1933 – 1945 auch „der Slawe“ im Allgemeinen und „der Russe“ im Besonderen gehörte) die Vernichtung des jüdischen Volkes nur ein Unterpunkt war. Warnt darum die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mai 2015 anlässlich des Gedenkens an die Opfer des KZ Dachau lediglich vor einem Widererstarken des Antisemitismus (siehe Spiegel) so ignoriert sie vollkommen die Tradition der Vernichtung unwerten Lebens, die sich – scheinbar – 2015 in Deutschland wieder Bahn bricht (siehe Spiegel):

Auf Münkler-Watch zitieren die Blogger etwa, wie sich der Professor über Arbeitslose geäußert haben soll: „…dann schmeißen wir sie halt raus, das Mittelmeer ist groß“ (Pause) „muss ja nicht immer von Afrika rübergefahren werden zu uns, kann ja auch umgekehrt getan werden. Ein grausamer Gedanke, eigentlich ganz unmöglich, aber (Pause)“

Professor Münkler – nach Spiegel-Angaben ein „Schwergewicht“ seines Faches („Er ist oft in Talkshows zu Gast, kommt auch in anderen Medien häufig als Experte zu Wort. Er berät Politiker und politische Institutionen und veröffentlichte zahlreiche Bücher zu Themen wie Staat und Gewalt, Krieg, Weltherrschaft“, siehe Spiegel) – wehrt sich gegen diese Vorwürfe, behauptet, die Äußerungen gegen Arbeitslose so nie gemacht zu haben – aber wir brauchen gar keinen Münkler um zu sehen, dass der Geist von T 4, der Geist der Vernichtung der „sozial unerwünschten“, wieder neu in deutschen Köpfen herumspukt, die sich ja jetzt – Dank Helmut Schmidt – sicher sein können, dass „Deutsche“ und „Nazis“ Gruppen sind, die keine gemeinsame Schnittmenge aufweisen.

Wieder sind es Sozialdemokraten, die den alten Gedanken der Rassenhygiene tragen, die sozial Unerwünschten bekommen einen neuen Namen – „Minderleister“ – und werden per Ministeriumsbeschluss als „Parasiten“ und „Schmarotzer“ klassifiziert („Superminister“ Wolfgang Clement), die auch nichts zu essen bekommen sollen, wenn sie nicht ordentlich arbeiten (Franz Müntefering, siehe Zeit).

Da liegt der Gedanke nahe, sie ins Mittelmeer zu schmeißen. Wo soll man sonst mit dem Gesochse hin, dass einem höchstpersönlich selbst auf der Tasche liegt?

Angela Merkel ist gut befreundet mit Liz Mohn von Bertelsmann, deren Ablehnung des deutschen Sozialstaates kein Geheimnis ist (siehe Nachdenkseiten):

Mit ihrer Bertelsmann Stiftung steht sie der Kanzlerin mit allen Handreichungen für die politische Gestaltung der wirtschaftsliberal globalisierten Welt stets zur Verfügung. Und mit der Medienmacht des Bertelsmann Konzerns hilft sie, dass etwa die Konzepte des „überdehnten Sozialstaates“ oder der „Überalterung“ der Gesellschaft auch zur herrschenden Meinung gemacht werden.

Damit steht sie in guter Tradition von August Forel, der ebenfalls die Kulturmenschheit durch den Sozialstaat bedroht sah, jene „Kulturmenschheit“, die man heutzutage „den Westen“ nennt, gleichzeitig greift sie auch das größte Problem der dem Minderleister entgegengesetzen „Leistungsträger“ auf: die Invasion der Alten, Schwachen, Kranken, die ihr leistungsloses Luxuseinkommen in Gefahr bringen. In Zeiten, wo Dividenden den Superreichen doppelt soviel Gewinn einbringen wie die Hartz-IV-Finanzierung des Bundes kostet, wird klar, dass es Lösungen für die „sozialen Probleme“ gibt, die in Zukunft durch „Überalterung“ noch viel größer werden und jene gesellschaftliche Schicht, die schon einen Hitler für sich arbeiten lassen wollte, ist sich dessen sehr bewusst: ohne die Vermögen der Superreichen wird das Massensterben der minderwertigen Armen kaum zu vermeiden sein – und so lange die Wahlrecht haben, stellen die eine große Gefahr da, die mit allen Mitteln gebannt werden muss.

Es macht darum großen Sinn, ein Klima zu erzeugen, in dem die gar nicht mehr zur Wahl gehen (in Bremen ist aktuell der Nichtwähler mit 50 Prozent der mit Abstand stärkste politische Block, siehe Spiegel) und sich der Dikatur der Leistungsträger willenlos ergeben (siehe Handelsblatt) und so eine ausgehöhlte Demokratie zu gestalten, in der Eliten die Fäden im Hintergrund ziehen … bis die Konservativen der Meinung sind, dass es wieder Zeit ist für einen „Führer“, der „aufräumt“.

Zu weit gedacht?

Ist es zu fantastisch, sich einen „starken Mann“ (2015 geht auch eine – adelige – Frau) zu denken, der wie 1933 die zerrüttete Demokratie – an die die Mehrheit der Deutschen schon jetzt nicht mehr glaubt – zur Rettung des Volkes zerschlägt und ihm weitere Regierungslügen wie die über das „No-Spy-Abkommen“ erspart (siehe Spiegel)?

Ist es zu fantastisch zu denken, dass jene Eliten, die sich 1933 einen Hitler gönnten, sich nicht schon jetzt Gedanken darüber machen, wie sie ihre Vermögen vor den gefrässigen Minderleistern in Sicherheit bringen können …. und die am besten kostengünstig entsorgen können?

„Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen (…) Früher seien die Leute schließlich auch auf Krücken gelaufen“.

So Phillip Mißfelder, der den Wunsch nach Anhebung von Hartz IV-Regelsätzen als „Anschub für die Spiritousen- und Tabakindustrie“ bezeichnete (Zitate siehe Wikipedia).

Mir dünkt: Faschismus in Deutschland ist 2015 wieder gesellschaftsfähig … wenn er nicht gegen Juden, sondern gegen „sozial unerwünschte“ vorgeht. Und solange wir Faschismus, Antisemitismus und Bessermenschendenken nicht erfolgreich begreifen und verarbeiten, werden wir die Geschichte wiederholen … allein deshalb, weil sich die Reichen die Armen, Alten und Kranken nicht ans Bein binden wollen … uns sie seit über hundert Jahren gerne irgendwie ein für alle Mal entsorgen würden.

Der Deutsche ist vielleicht – frei nach Helmut Schmidt – nie ein Nazi gewesen, aber gebären kann er solche Ungeheuer schon … und warum sollte ihm das nicht noch einmal gelingen?

 

 

Deutschlands „Linke“ im staatsfinanzierten Mahnwichtelwahn

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Sonntag, 19.4.2015. Eifel. Es gibt Themen, die man am Besten meidet. Die Erbärmlichkeit der Linken in Deutschland ist so ein Thema. Ich kenne eine Reihe von ihnen, auch persönlich. Sehr kultivierte Menschen. Sie haben zu allen Themen eine korrekte Mehrheitsmeinung … jedenfalls eine korrekte, nach links abgewandte Mehrheitsmeinung, also eine Position, die mit den Parolen der herrschenden Machteliten so weit übereinstimmt, dass der Kritiker keinerlei Sanktionen zu befürchten hat … Sanktionen, die im modernen Deutschland zum Beispiel Arbeitslose in Obdachlosigkeit und Tod treiben, die im Irak hunderttausenden Kindern den Tod gebracht haben und in Russland aber vor allem in Griechenland für unsagbares Elend sorgte. Ich bin gerne in ihren Kreisen: sie trinken feine Weine, haben ein erotisches Verhältnis zu Buttercremetorte und lassen es sich an den schönsten Plätzen der Welt gut gehen – Plätze, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie für den Normalbürger nicht erreichbar sind.

Leider bin ich ein Arbeiterkind, weshalb ich in ihren Kreisen nie lange verweilen kann, obwohl ich respektieren kann, dass sie eine besondere Qualität darin entwickelt haben, dem Leben den höchsten Cappuccino-Genuss zu entreißen. Genau genommen mag ich sie überhaupt nicht, diese Kreise, weil sie über meinen Kreise immer Tod und Verderben gebracht haben. Fein verborgen in ihren Kaffeehäuschen, Hinterzimmern und litarischen Salons träumten sie von der Weltrevolution, die selbstverständlich

a) sie selbst an die höchsten Positionen der Macht bringen sollten

b) mit dem Blut, dem Schweiß und den Tränen der Arbeiter – der Niederen, der Unwürdigen, der Unkultivierten, Ungebildeten und sonstwie degenerierten Unmenschen erkämpft werden sollte.

Kaum jemand redet noch darüber: aber genau darum versagte die Studentenrevolte von ´68. Keiner der großen Führer hatte Sympathien für den konkreten Arbeiter vor Ort, sie waren in ihrem Denken nur Kanonenfutter für die Gewehre der Klassenfeinde. So wurde aus dem großen revolutionären Ansatz jener Jahre eine Revolte der Zweitgebohrenen, der Durchsetzungsschwachen, der Zöglinge der Elite, die es eben nicht in die „Pole Position“ geschafft haben … aber mit aller möglichen Kraft dorthin strebten, auf dem Rücken jener, die bedauerlicherweise nicht von edler Geburt waren, die weder mit Hölderlin, noch mit Marx oder Carlos Castaneda etwas anfangen konnten und so den exklusiven Bildungscode der Paralellelite nicht erfüllten, nie Zugang zu den inneren Zirkeln der der geheiligten Avantgarde bekamen … es sei denn, gelegentlich, als für allgemeines Erstaunen sorgendes Vorführäffchen: „das ist unser Paul, der Automechaniker, er hat Sartre gelesen“.

Keiner der feinen Damen und Herren der pseudolinken Genusskultur wäre auf die Idee gekommen, sich für Paul erschießen zu lassen, damit der auch Zeit für Novalis hatte. Immerhin hatte man selbst ja ein gutes Leben – die Eltern wären Ärzte, Abgeordnete, Lehrer, gewinnorientierte Nutznießer und Büttel des auf absolute Kapitalvermehrung dressierten Wirtschaftssystems mit entsprechenden finanziellen Belohnungen, die feinsten Wohnkomfort im Biedermeiersinne garantierten: schöne Heime, in die man sich zurückziehen konnte, wenn die Demo mal schief ging … und ein feines Erbe als Alterssicherheit im Hintergrund.

Auch ein Ferienhaus in der Toskana war leicht zu organisieren, um sich dort auf höchstem Niveau von der Blödheit des Pöbels erholen zu können. Ich kann mir sogar denken, dass die rot-grüne Hartz-IV-Gesetzgebung Elemente der Rache der 68´er an die arbeitende Bevölkerung enthält oder zumindest billigend in Kauf genommen wurde um sich dafür zu revanchieren, dass die sich damals geweigert haben, sich für den linken Gesinnungsadel erschießen zu lassen. Kontrollelemente dieses Adels erlebe ich auch heute noch im ganz normalen Alltag, die beiläufige Fragen „Wo haben Sie studiert?“ sorgt für systematische Abgrenzung vom Pöbel … und brüskiert regelmäßig Menschen, die nicht mit dem goldenen oder wenigstens silbernen Staatslöffel im Mund geboren sind … und deren Kindern man diesen Löffel auch vorenthalten will.

Das waren Gedanken aus den Erlebnissen meiner Jugend, Erfahrungen aus Gesprächen in Bürgerinitiativen, Selbsterfahrungsgruppen, alternativen Stadtmagazinen, Anti-Atom-Demos, Anti-Nazi-Aktionen und was man sonst noch alles zur Unterhaltung geboten bekam, Eindrücke, die man automatisch mitgeliefert bekam, wenn man den Stallgeruch des Arbeiterkindes an sich haften hatte … und in den Ferien in Gelsenkirchen blieb und in Ferienjobs schuftete anstatt mit den Eltern auf Malta Kultur zu genießen.

Sie kamen derzeit wieder hoch, als ich zwei Artikel las, die man mir empfohlen hatte:

der eine kam von einem Herren namens Spiegelfechter, der sich ausführlich über „Watch-Seiten“ auf „Facebook“ auslies (siehe Spiegelfechter) und dabei interessante Informationen zu Tage förderte:

„Wie bereits oben geschrieben, muss jeder, der sich im Netz öffentlich macht, mit Reaktionen und Gegenwind rechnen. Wer sich (mit Klarnamen) in Gefahr begibt, der kommt darin um, so könnte man überspitzt formulieren. Für die Facebook-Watch-Seiten gilt das jedoch nur eingeschränkt. Sie nennen zwar die, die sie für Antisemiten, Neurechte und Querfrontler halten, beim Namen. Sie selbst halten sich aber sehr bedeckt. Geht man beispielsweise auf die Info-Seite von „Friedensdemo-Watch“, sind dort zwei Zitate zu lesen, eines von Paul Spiegel und eines von Eldad Beck. Über die Seitenbetreiber aber erfahren wir nichts. Ein bisschen mehr bietet „Aluhut für Ken“. Ein Impressum oder etwas ähnliches gibt es dort zwar im Infobereich auch nicht. Aber immerhin die Verlinkung auf eine Website, auf der sich dann einer der Initiatoren mit einem Text äußert.“

Ja – da war sie wieder: die alte Feigheit der pseudolinken Herrenmenschenkultur. Man selber spielt den Salonlöwen fernab der Straße, um nachher über die blutigen Leiber der Untermenschen zum Sieg zu schreiten … oder – bei Verlust der Schlacht – noch ein Stück Buttercremetorte zu genießen.

Ich kann auch die Begrifflichkeiten nicht mehr hören, inhaltslose Schablonen, beliebig austauschbar, die vor allem eins zum Sinn haben: den „Anderen“, den „Fremden“ zu einem vernichtungswürdigen Untermenschen zu erklären, einen „Querfrontler“, einem „Antisemiten“, einem „Verschwörungstheoretiker“, oder einem Antitheoretiker, Quersemiten und Verschwörungsfrontler – der Erfindung von Spachcodes zur Verunglimpfung politsch vermeintlich Andersdenkener ist keine Grenze gesetzt.

Es sind winzig kleine Minderheiten, die dort ihren Lebensfrust austoben, der vor allem darin besteht, dass dieses „Leben“ ihnen nie die führenden Positionen zugestanden hat, die sie für sich selbst als selbstverständlich annahmen: arbeitsscheue Verlierer mit Großmannssucht … so hätte man das früher genannt. Man könnte sie bedauern, es gäbe keinen Grund, „Watch-Blogs“ für sie zu eröffnen, noch sich überhaupt Gedanken über sie zu machen, wenn sie nicht … durch ihre undemokratische Methodik einen immensen Schaden anrichten würden, in dem sie versuchen, eine Kultur der Denunziation, der Menschenjagd, der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ zu errichten, die sich gegen jene Opfer richtet, die sie mit ihren systematischen plakativen und monoten Etikettierungen als „unwertes Leben“ definieren.

Und das …. fand ich unlängst bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung:

Mahnwachen, Infokrieger, Reichsbürger, Putinfans, Chemtrails, Verschwörungsideologien… – Zeichen einer neuen Bewegung?

Sehen Sie das Fragezeichen? Beliebte Methodik von Pseudolinken. Es ist nicht ernst gemeint – sonst müsste man sich in eine wissenschaftliche fundierte Diskussion mit dem „Anderen“ einlassen. Das ist nie gewollt. Das wird auch offen zugegeben:

In dieser Veranstaltung wollen wir nach den verbindenden und widerstreitenden Elementen der genannten Phänomene fragen. Wir wollen Ursachen und Zusammenhänge diskutieren und mögliche Strategien des Umgangs mit diesen erkunden. Dafür haben wir Gäste eingeladen, die zunächst neue Entwicklungen und Perspektiven vorstellen, sich aber auch mit den Teilnehmenden über mögliche Gegenstrategien austauschen wollen. 

„Wir“ … gegen „die“.

Sind auch die Angeklagten selbst zugegen? Dürfen Sie sich persönlich gegen die Flut von Unterstellungen wehren?

Nein.  Wo kämen wir da hin! Der pseudolinke Volksgerichtshof weiß selbstverständlich schon vorher, dass alle Mahnwachen, Infokrieger, Reichsbürger, Putinfans, Chemtrails, Verschwörungsidelogen teil einer „neurechten“ Bewegung ist – und stört sich nicht im Geringsten darum, dass „Chemtrails“ niemals Teil einer Bewegung sein können. Und damit die die pseudolinke Einigkeit nicht stören, dürfen die auch von vornherein nicht mitspielen: es geht um die Organisation von Menschenhatz, da will man die Opfer nicht vor Augen haben.

In Kooperation mit der GEW Hamburg | Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg | Hinweis: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Ach ja … da haben wir ja auch einen Hinweis auf die Finanzierung/Unterstützung der Veranstaltung. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft – unsere pseudolinke Lehrergewerkschaft, die vor allem eins im Sinn hat: die Privilegien von Menschen mit drei Monaten Urlaub im Jahr weiter auszubauen – auf Kosten von Schülern und Steuerzahlern. Ich weiß – das ist jetzt fies – ich weiß aber nicht, warum ich ein höheres Niveau bieten sollte als die Veranstalter. Zudem kommt die Landeszentrale für politische Bildung ins Spiel – eigentlich eine feine Institution, wer jedoch persönlich verantwortlich dafür zeichnet, dass hier eine obskure Wahnveranstaltung gegen Andersdenkende stattfindet, würde mich in der Tat interessieren, denn: während der pseudolinke Salonlöwe in seinem Definitionswahn wild um sich schlägt, frei nach dem Motto „Alles Nazis außer Jutta“, ballt sich über Europa eine neue rechte Welle zusammen, die nicht „neurechts“ ist – was für ein schönes, verharmlosendes Wort, dass unterstellt, dass schon ein Norbert Blüm per Definition ein Verfassungsfeind zu sein hat und nach dem Endsieg der Revolution an die Wand gestellt werden sollte – sondern stramm menschenfeindlich mit konkreten Aussichten auf parlamentarische Mehrheiten.

Tröstlich mag erscheinen, dass sich die pseudolinken Klagegruppen spurlos verflüchtigen werden, wenn echte Faschisten wieder nach der Macht greifen – Feigheit vor dem Feind ist eines ihrer hervorstechendsten Charaktermerkmale, „Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis“ ihr Lebensmotto – und das Äußerste an Aktion, zu dem sie fähig sind.

Kennen Sie eigentlich den bekanntesten Ausspruch von Rosa Luxemburg, jener Namensgeberin der Stiftung, die den oben genannten Debattierclub ins Leben ruft, das Zitat, für das sie weithin gelobt wird?

„FREIHEIT IST IMMER DIE FREIHEIT DES ANDERSDENKENDEN!“. Ja – für sowas wurde man von Nazis erschossen. Nein – gar nicht von Nazis … sondern von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision. Das führte leider nie zu einer Ächtung soldatischen Denkens, dessen Loyalitätsromantismus uns in Zukunft beim eskalierenden Kampf „reich“ gegen „arm“ noch einige Probleme bereiten kann … und auch jetzt schon bereitet.

Bleiben wir aber selbstkritisch – und widmen den Opfern einen kurzen Blick.

Mahnwachen, genauer: Mahnwachen für den Frieden. Gegründet als Reflex auf eine im Frühjahr 2014 überraschend ins Bewusstsein tretende Kriegsgefahr, sie sich 2015 zu einer Widergeburt des kalten Krieges gegen Russland entwickelt hat … allerdings diesmal mit anderen Vorzeichen. Wo früher ein „Warschauer Pakt“ Gegenspieler war, zu dem allein die Sowjetunion 248 Millionen Menschen beisteuerte, steht heute ein europafreundliches Volk mit 140 Millionen Einwohnern gegen ein Militärbündnis mit knapp einer Milliarde Menschen und weiteren hunderten Millionen Verbündeter in Asien, Afrika und Südamerika. Das darf einen doch wohl nachdenklich stimmen. Das Gegenteil von Mahnwachen? Einberufungsbüros.

Infokrieger Menschen, die der Meinung sind, dass wir uns in einem Informationskrieg befinden – was der Spiegel offiziell bestätigt (siehe Spiegel) – eine „Facebookbrigade“ sorgt unverblümt und gedankenlos für den Kampf um die Meinungshoheit im Internet … ohne das jemand die Paralellen zu den Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision erkennt. Soldaten sollen per Definition den Bürger gegen äußere Feinde verteidigen – auch Nato-Soldaten – und nicht die Regierung vor Bürgermeinung schützen. Schon ok, dass man aufmerksam auf Aktivitäten dieses staatlicherseits begonnenen Infokrieges schaut – bevor Soldaten wieder Hinrichtungen an politisch unbequemen Menschen durchführen. Gegenteil von Infokrieger? Meinungssklaven.

Reichsbürger … haben eigentlich mit Infokriegern und Mahnwachen nicht viel zu tun – außer, dass sie für drängende Probleme einen nationalistischen Lösungansatz auf der Basis hahnebüchener Theorien bieten – im Vergleich zu Infokriegern und pazifistisch orientierten Mahnwachen eine kleine Spinnergruppe, die nichts in der Aufzählungsreihe zu suchen hat … außer, dass die beiden erstgenannten dadurch diskreditiert werden, dass man so tut, als wären alle zusammen eine homogene Gruppe. Gegenteil von Reichsbürgern? Weltbürger.

Putinfans … da wird es gleich noch haarsträubender – weil man einen solchen Begriff erstmal erklären müsste. Anstelle einer „Pro-Putin-Bewegung“ in der Republik scheint mir nur ein gewisses Unbehagen über die einseitig erscheinende Berichterstattung der kapitalistischen Medienwelt beobachtbar zu sein – daraus gleich abzuleiten, dass alle Kritiker der einseitigen Berichterstattung Putin gleich zum deutschen Bundeskanzler ernennen möchten, ist mehr als weit hergeholt … entspricht aber einer Ideologie, die gerne aus allem und jedem „Volksfeinde“ macht, wenn auch nur der geringste Verdacht besteht, dass die eigenen Pfründe in Gefahr geraten könnten.  Gegenteil von Putinfans? Amerikanismusfans.

Chemtrails … sind nun gar keine Menschen. Erstmal geht es um ein nahezu alltäglich erlebbares Himmelsphänomen: Kondensstreifen, die sich nicht auflösen und im Laufe der Zeit einen milchigen Schleier bilden. An manchen Tagen gibt es sie, an anderen nicht. Manche meinen, dort werden Chemikalien versprüht, die den Ökokollaps hinauszögern sollen, andere wiederum sagen: alles normal, da wird nur zuviel geflogen. Beides bedenklich – völlig unabhängig davon, ob manche Spinner dies in ihr rechtsradikale Gedankengewölbe einbauen oder nicht. Gegenteil von Chemtrails: blauer Himmel.

Verschwörungsideologen … da ist man wenigstens so präzise, dass man nicht „Verschwörungstheorien“ anprangert, sondern eher die Art und Weise, die diese Theorien zur Ideologie erhoben werden, zu einem geschlossenen Weltbild, über das nicht mehr diskutiert werden kann … wie etwas das Weltbild jener, die hinter Mahnwachen, Infokriegern, Reichsbürgern, Putinfans und Chemtrails Anzeichen einer neuen, im Verborgenen arbeitenden faschistischen Weltverschwörung sehen, die – obwohl es jenseits der Beobachtungen von Verschwörungstheoretikern keinerlei Belege für sie gibt – beständig von einsamen Helden des Widerstandes auf Facebook-Watchblogs beobachtet werden müssen. Gegenteil von Verschwörungsideologien? Die Wahrheit.

Was bewirkt eigentlich so eine gedankenlose Idiotie, die ein Vermischen von willkürlich gewählten – oder geschaffenen – Begriffen, von Sprachcodes, die nur „Eingeweihte“ verstehen (bislang konnte mir niemand erklären, warum der auch mir suspekte Herr Jebsen einen Aluhut tragen soll – beobachten konnte man das nur bei seinen Gegnern, die den wohl aus irgendwelchen Gründen für nötig gehalten haben), von Vorverurteilungen und einer undifferenzierten Kultur der virtuellen Menschenhatz?

Sie fördert eine Kultur der Angst, verhindert die kritische Diskussion über reale Probleme und baut einen harmlosen Nebenkriegsschautplatz auf – aus Angst davor, es könnte möglicherweise ein Nazi dahinter verborgen sein.

Es sind mit Sicherheit auch Nazis in den so angedachten Zielgruppe, aber so wenig wie alle blonden Menschen Faschisten sind, weil ein schwarzhaariger Hitler sie zu Herrenmenschen erklärt hat, so wenig sind alle Kritiker der Phänomene der Gegenwart Nazis, weil sich unter ihren Zuhörern Gestalten befinden, die jede Systemkritik für sich selbst instrumentalisieren wollen.

Was aber auf jeden Fall geschieht, ist eine Spaltung der kritischen Gegenöffentlichkeit (so möchte ich mal den kleinsten gemeinsamen Nenner der oben gescholtenen Gruppierungen benennen), die unter den Generalverdacht der Hitlergefolgschaft gestellt wird – die gleiche Methode wie 1933, nur eine andere Zielgruppe.

Und das soll „links“ sein.

Ich nenne es lieber „pseudolinks“ – weil es der Wahrheit näher kommt.

Die Junge Welt klassifiziert sie deshalb trefflich nach ihren TATEN … und nicht nach den eigenen, selbstverliebten Wunschvorstellungen (siehe Junge Welt):

„Die Querfront aus NATO-Freunden, Zivilisationsfaschisten und gutgläubigen Linken – die es hier wie dort gibt – unterscheidet eines wesentlich von der anderen, völkischen Querfront: Sie will nicht umarmen. Sie will spalten und dadurch schwächen. Ihre Grundposition ist neoliberal und pro-kapitalistisch.“

Und während die hinter jedem Vegetarier einen Nazi vermuten, zerbricht die Welt täglich ein Stück mehr – durch industrielle Revolutionen, die den Arbeiter und seine Arbeitskraft immer wertloser machen. Aber das stört nicht beim Genuss der Buttercremetorte, bei dem man seinen staatsfinanzierten Mahnwichtelwahn hemmungslos ausleben kann.

Noch ein wenig mehr, dann tötet neuer Faschismus wieder massenhaft Menschen mit Hilfe pseudolinker Kategorien, die neue Untermenschen definieren, dann wird jeder Systemkritiker zum Untermenschen im Namen der Buttercreme.

War vielleicht schon immer so.

Und wem nützt´s?

All jenen, die eine Wiedererstarkung echter linker Ideale trotz drohender Berufsverbote fürchten müssen, als da wären: Freheit, Gleichheit, Brüderlichkeit … auch für den „Anderen“.

Wie hätte man die Typen in den vorhergehenden Jahrhunderten genannt?

Reaktionäre. Ganz einfach.

Ethisch keinen Deut besser als Offiziere der Garde-Kavallerieschützendivision, die Rosa Luxemburg meuchelten – aber momentan noch im Rufmordmodus. Gut, dass sie aufgrund ihres Charakters dort verbleiben werden: das unterscheidet sie von echten „Rechten“.

 

 

 

 

Die politische Linke in Deutschland … und die kommende Revolution

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Mittwoch, 25.3.2015. Eifel. Was ist das eigentlich, „links“? Haben Sie sich die Frage schon mal gestellt? Wissen Sie noch, was linke Inhalte sind? Seien Sie vorsichtig bei der Antwort … es gibt „linke“ Kräfte in diesem Land, die als Kernpunkt ihrer Arbeit nur eins verstehen: beständig jedem und jedermann auch unter Anwendung großer verbaler Gewalt und Missachtung jeglicher wissenschaftlich korrekten politischen Argumentation eine nationalsozialistische Gesinnung zu unterstellen. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Israel. Sicher haben Sie schon eine Meinung dazu – und die ist mit Sicherheit „rechts“. Ich brauche sie gar nicht hören, ich weiß es jetzt schon. Sind sie für die Existenz des Staates Israel, dann sind Sie ein Nazi, weil Israel ein barbarischer, an das Dritte Reich gemahnender Unterdrückerstaat ist – einfach mal Palästinenser fragen. Sind Sie aber gegen die Existenz dieses barbarischen, an das Dritte Reich gemahnenden Unterdrückerstaates, dann sind Sie Antisemit – und somit auch ein Nazi.

Sie wollen jetzt schon aufgeben?

Feigling.

Bekennen Sie sich für die Leitfunktion der letzten bestehenden Supermacht, der USA, dann sind Sie ein Faschist, denn die USA ermorden aktuell Menschen in aller Welt, wie es  nur üble Despoten machen. Ja, wirklich: der „Krieg gegen den Terror“ hat nach aktuellen Untersuchungen bislang eine Million Menschenleben gekostet – das ergibt eine Studie der IPPNW (siehe IPPNW). Das geht in Richtung Massenvernichtung …. offensichtlich unwerten Lebens, dass ohne Gerichtsverhandlung auf brutale Art und Weise hingerichtet wird. Zivilisten? Wurden zu „Kollateralschäden“ umbenannt, Säuberungsprinzipien, die an die Marschrichtung der Waffen-SS gemahnen … nur mit modernerer Technik umgesetzt werden und deshalb nicht so dramatische Bilder hergeben.

Bekennen Sie sich zum Widerstand gegen neu erstarkenden us-amerikanischen Imperialismus, dann sind Sie ein Faschist, ohne Frage: der Leuchtturm der Freiheit hat die Welt vor dem Hitlerfaschismus gerettet, jede Aktion gegen ihn nützt nur den antidemokratischen Kräften in der Welt.

Na – genug davon?

Putin.

Sind Sie für Putin, dann sind Sie ein Faschist. Glasklar, dass dieser Mann das Oberhaupt eines Oligarchenstaates ist, in dem die alten Sowjetkader die Macht an sich gerissen haben. Sind Sie gegen Putin, sind Sie auch ein Nazi … die Begründung können Sie über den Kampf gegen den Raubtierkapitalismus, über den Widerstand gegen den US-Imperialismus oder aus der Tatsache herleiten, dass Russland auch entschieden am Untergang des Dritten Reiches mitgewirkt hat … ein starkes Russland, wie Putin es wieder errichten will.

Ich kann auch noch blöder.

Mögen Sie Hunde?

Dann sind Sie ein Nazi. Hitler mochte Hunde.

Lieben Sie Kinder?

Nazi!

Hitler mochte auch Kinder.

Außerdem war er Vegetarier, was die Veganer von den Montagsmahnwachen in Krefeld SEHR verdächtig macht – ach was: alles Nazis.

Noch Lust, darüber nachzudenken, was eigentlich „links“ ist?

Ich weiß, viele meinen zu glauben, was links ist: Sozialismus, Kommunismus, Stalinismus. Die Herrschaft der Partei über das Volk … der Einheitspartei, wohlgemerkt. Sind es zwei Einheitsparteien wie in den USA oder jetzt auch in Deutschland, nennen wie das schon (oder noch) Demokratie.

Ja – aktuell regt sich auch in Deutschland Widerstand gegen unsere Ein-Parteien-Regierung, nach sechzig Jahren „Marktwirtschaft“ regiert der „Markt“ als alleiniger Herrscher … und nicht mehr das Volk. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Mehrheitsmeinung in Deutschland (siehe Zeit):

„Einer Studie zufolge denken mehr als 60 Prozent der Bürger, dass in Deutschland keine echte Demokratie herrscht. Schuld sei der starke Einfluss der Wirtschaft auf die Politik, die mehr zu sagen habe als der Wähler.“

Es kommt sogar noch besser. In jenem Land, in dem der Duktus der Kanzlerin ist, jedem jederzeit vorzubeten, wie gut es uns doch geht, gibt es genug Potential für eine Revolution:

„Jeder Dritte ist demnach davon überzeugt, dass der Kapitalismus zwangsläufig zu Armut und Hunger führe. Drei von zehn Befragten gaben an, sie könnten sich eine wirkliche Demokratie nur ohne Kapitalismus vorstellen. 37 Prozent aller West- und 59 Prozent aller Ostdeutschen halten kommunistische und sozialistische Gesellschaftsformen für eine gute Idee, die bisher nur schlecht ausgeführt worden seien. Ein Fünftel fordert eine Revolution, da Reformen die Lebensbedingungen nicht verbesserten.“

Nicht nur das Volk, auch die Reichen – sogar die Superreichen – sehen unsere friedliche, demokratische Gesellschaftsordnung massiv durch den Faktor „Reichtum“ gefährdet (siehe Welt):

„Dabei liegt das Problem nicht darin, dass wir Ungleichheit haben. Eine gewisse Ungleichheit gehört wesensmäßig zu jeder funktionierenden kapitalistischen Ökonomie. Das Problem ist, dass die Ungleichheit einen historischen Höchststand erreicht hat und mit jedem Tag schlimmer wird. Unser Land verändert sich rasch von einer kapitalistischen zu einer feudalistischen Gesellschaft. Wenn sich die Politik nicht drastisch ändert, wird die Mittelschicht verschwinden, und wir sind wieder im Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts. Vor der Revolution.“

Das sagt Nick Hanauer, einer der reichsten Menschen der Welt … und führt uns nebenbei zurück zu den Wurzeln des ursprünglichen „Links-Seins“ … der französischen Revolution. Ja, vergessen wir mit unserer desaströsen historischen Bildung leicht (was Absicht sein mag): die Wurzel linker Kräfte steckt nicht im Marxismus. Das war nur die zweite Welle, die allerdings folgerichtig gemerkt hatte, dass wirtschaftliche Macht feudale Macht problemlos ersetzen kann: daraus folgten die nächsten Revolutionen.

Das 37 % der Westdeutschen kommunistische und sozialistische Gesellschaftsformen für eine gute Idee halten, ist allerdings eine Katastrophe: am Ende der Entwicklung der Feudalstaaten in lupenreine Demokratien haben wirtschaftliche Machtballungen keinerlei Macht mehr über Demokratien … d.h. sie müssen so weit zurechtgestutzt werden, dass sie keinerlei Geld mehr für Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel haben. Das ginge leicht, in dem man die Löhne so weit nach oben schraubt, dass die Wirtschaftsmacht wieder dezentralisiert wird – eine Horrorvorstellung für den neuen Adel, die neuen Feudalherren. Das 63 % der Deutschen nicht mehr wissen, wo die Entwicklung der Demokratie letztlich enden muss, um wirklich Demokratie zu sein, ist schauderhaft.

Nebenbei bemerkt: die lupenreine Demokratie – die halt auch jegliche Wirtschaftsmacht in ihre Schranken weist – wäre auch ein Idealbild unserer christlichen, abendländischen Kultur … wie nützlich. Eine Chance, die man derzeit ignorant (aber äußerst bequem) an sich vorüber ziehen läßt.

Trotzdem: das Potential reicht für eine Revolution. Ein Fünftel der Deutschen – sechzehn Millionen Menschen – wären bereit dazu … und das wissen auch die Feudalherren, die schon jetzt Gegenmaßnahmen ergreifen (siehe WSWS):

„Experten eines EU-Think-Tanks fordern, dass sich die Europäische Union darauf vorbereiten müsse, Aufstände und Streiks militärisch niederzuschlagen. Diese würden infolge der immer stärkeren sozialen Ungleichheit in der globalisierten Wirtschaft und wachsenden kriegerischen Konflikten auch innerhalb der EU-Grenzen unweigerlich zunehmen.

In einem Studienband des EU-eigenen „Europäischen Institut für Sicherheitsstudien“ (European Union Institute for Security Studies, EUISS) fordern die Autoren unumwunden, dass die Armee angesichts dieser Entwicklung vermehrt für „Polizeiarbeiten“ eingesetzt werden müsse, um die Reichen vor der Aggression der Armen zu schützen.“

Hochbrisant, diese Studie – erst recht angesichts der Tatsache, dass Deutschland … ohne große Diskussion in der Öffentlichkeit … seine Wehrpflichtarmee in ein Freiwilligenheer verwandelt hat. Irgendwie hat es niemanden überrascht, dass der Agent der Atlantik-Brücke, der Lügenbaron von Guttenberg (das bezieht sich jetzt mal nur auf seine Doktorarbeit), eine alte linke Forderung im Handstreich durchgesetzt hat und so dafür sorgte, dass die gesunde demokratische Mischung in den Streitkräften langsam abgebaut wird … zugunsten einer Söldnermentalität.

Ja – hier müssten wir langsam mal richtig links denken, richtig revolutionär denken: das wäre das Gebot der Stunde. Die Zeit wäre reif … doch die Feudalherren haben  dazu gelernt. Sie hatten 200 Jahre Zeit sich auf die erneute Machtübernahme vorzubereiten, den Krieg „reich gegen arm“ gründlich zu planen und durchzuführen … und haben sich eine fünfte Kolonne geschaffen, die ganz offen agiert.

Ja – irgendwie kommt man sich wie ein einsamer Rufer in der Wüste vor, wenn man beständig die Meldung des „Spiegel“ wiederholt, dass die britische Armee eine ganze Brigade zur Argumentationsarbeit bei Facebook abstellt (siehe Spiegel). Niemand scheint sich groß zu fragen, was die denn da eigentlich konkret machen. Hier stellt jemand von Steuern bezahlte Soldaten in großer Zahl ab, um in die Meinungsbildung des Steuerzahlers einzugreifen und macht so aus der Armee für alle eine politische Partei für wenige. Kein Problem damit? Da werden grundsätzliche Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates verletzt … wie ihn „Linke“ sich vorstellen würden.

Ähnliches hat jetzt Angela Merkel mit Deutschland vor. Sicher – wir wissen noch nicht, wie viele Soldaten der Bundeswehr (oder Agenten des Verfassungsschutzes) zum aktuellen Zeitpunkt in die Meinungsbildung eingreifen, aber wir wissen, dass die deutsche Bundeskanzlerin sich anschickt, aus uns … dem Souverän des Landes … endgültig eine Horde dämlicher Schafe zu machen, die ganz im Sinne feudalromantischer rechter Vorstellungen ihre Herren anbeten, ihre Füße küssen und ihren Speichel lecken. Ja – sogar die konservative „Welt“ berichtet darüber, über „Nudging“, jene Form indirekter Diktatur, die in England und den USA sehr beliebt ist (siehe Welt). Demokraten sehen in diesem Nudging vor allem eins: die Abkehr unserer obersten Verwaltungsangestellten von ihrem Arbeitsvertrag, der beinhaltet, dass sie Schaden von uns abhalten und Nutzen mehren soll hin zur indirekten Diktatur – eine Entwicklung, die vor allem eins deutlich zeigt: die Verachtung für den wahren Souveräns des Landes (das sind die achtzig Millionen Bürger), seine Deklassieurung als zu erziehendes Objekt, dessen Meinung man durch die Streitkräfte schon mal in die richtige Richtung lenkt (ja – im Rahmen der Europaarmee wird diese britische Facebook-Brigade auch für uns zuständig sein) und die Bildung einer neuen Führungskaste, einer neuen Elitenkaste … eines neuen Feudalismus.

Eine Entwicklung, die deutsche „Demokraten“ völlig ignorieren, weil sie durch viel zu hohe Diäten massiv auf die Lohnlisten der Reichen (und ihres Lebensstils) gezogen werden, sobald sie den Bundestag betreten … obwohl schon Milliardäre davor warnen.

Niemals haben wir mehr eine echte, starke, linke Front im Lande gebraucht – weshalb wir uns nochmal um die Frage kümmern müssen, was dass denn nun sei, dieses „Linke“.

Der Spiegel hat dazu vor einiger Zeit einen hilfreichen Artikel veröffentlicht (siehe Spiegel):

„Je intelligenter Menschen sind, umso eher sind sie bereit, sich auf Neues einzulassen. Konservative und religiöse Menschen haben hingegen einen geringeren Intelligenzquotienten. Psychologen glauben, dass man das Phänomen evolutionsbiologisch erklären kann.“

Das man dabei das Bild eines biersaufenden Seehofers eingeflochten hat (angesichts des dicken Kruges kann ich von „trinken“ nicht mehr reden), lenkt vom eigentlichen Thema ab. Wir brauchen als Gesellschaft Konservative, die im Wettstreit mit den Palaststürmern jene Errungenschaften verteidigen, die sich als wertvoll für die Menschheit erwiesen haben … aber wir brauchen bei jeder neuen Herausforderung auch die Palaststürmer, vor allem dann, wenn sich wieder eine dicke Speckschicht selbstbereichernder, dümmlicher Feudalherren angesammelt hat.

Wir haben hier die erste Qualifikationen, die „Linke“ auszeichnen sollten: nicht der bravouröse Auftritt am Flipchart ist gefordert … sondern folgerichtiges Denken und Handeln. Intelligenz ist die erste Tugend eines Linken – nicht der Grad an Enthusiasmus, mit denen man die Nazis der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der Gegenwart sucht.

Das 21. Jahrhundert hat neue Bedrohungen für die offene, demokratische Zivilgesellschaft, neue Herausforderungen für den kreativen Geist: die Herrschaft der SA in unseren Straßen ist gerade nicht das aktuellste Problem … die sind seit siebzig Jahren fort – und nur die dümmsten der Dummen (eine winzig kleine Minderheit) fordern ihre Rückkehr.

Was nicht als „links“ einzustufen ist, ist alles, was die Annahme der Herausforderung, die Bildung von kritischen Massen blockiert, sich im linken Wortgewande hauptberuflich als „Spalter“ betätigt, um die Mehrheitsbildung zu verhindern … zum Beispiel sind dies all´ jene, die schnell ihre Pro-Israel oder Anti-Palästina-Fahnen schwenken. Ein wichtiges Thema, dass ich nicht abwerten möchte – das aber eindeutig nichts mit dem Schutz der demokratischen Grundordnung dieses Landes vor neuen Formen des Feudalismus zu tun hat. Ebensowenig hat die Frage nach Kommunismus oder Sozialismus mit der Lösung der aktuellen Probleme zu tun: die Lebenswelt eines Karl-Marx war eine ganz andere als die unsere, wo der (Konzern-)“Arbeiter“ über „Aktien“ Teil des „Establishments“ geworden ist und auf der anderen Seite Kleinunternehmer („Kapitalisten“) den Säuberungsaktionen der Finanzwirtschaft (genannt Basel II und Basel III) zum Opfer fallen und sich zunehmend ein Millionheer der „Überflüssigen“ bildet, dass schneller wächst als jedes Bruttosozialprodukt.

Heute haben wir Realitäten, die den Faktor Arbeit (die ehemalige Kampfkraft kommunistischer Bewegungen) beständig weiter entwerten, jede industrielle Revolution läßt weniger Bedarf an menschlicher Arbeitskraft übrig, die vierte wird unsere auf Dienstleistung getrimmte Gesellschaft mit einer unvorstellbaren Massenarbeitslosigkeit konfrontieren … wer nicht blöde ist, weiß, wie viele Millionen Arbeitsplätze bei Banken, Verwaltungen und Versicherungen überflüssig werden, wenn ab 2020 neue „Apps“ ins Smartphone Einzug halten (siehe z.B. ksta).

Die Antwort der „Linken“ darauf?

Keine.

Die Allianz der WASG mit erzkonservativen SED-Kadern zu einer „linken“ Partei hat der linken Bewegung in Deutschland endgültig den Rest gegeben … nach dem (wie immer zu erwartenden) Verrat der „Sozialdemokraten“ und der Abwendung der „Grünen“ von der absoluten Wertschätzung der sozialen Grundrechte von Menschen der letzte Stoß ins Herz der intelligenten Reformer – wie üblich mit viel Geld, viel Posten und viel „Publicity“ vorbereitet.

Da ist schlichtweg kaum noch etwas übrig … außer Kader der „Reaktion“, die den ganzen lieben langen Tag damit verbringen, kreative Linke als Nazis zu diffarmieren, damit die etwas anderes zu tun haben, als die Revolution in Gang zu setzen.

Revolution? Ist das nicht verboten?

Nun – wir haben das 21. Jahrhundert. Noch haben wir eine Chance, die politschen Verhältnisse in Deutschland ohne den Einsatz von Gewalt zu ändern … immerhin sollten wir aus 1789 und 1918 gelernt haben. Wir können heute zivilisierter sein, haben genug Erfahrungen, uns erstmal dem Krieg der Worte zu stellen, bevor wir Rathäuser, Sendeanstalten und Polizeikasernen stürmen.

Zuvor sollten wir uns den klaren Leitlinien stellen und uns auf sie zurückbesinnen, die uns die Väter der Revolution mitgegeben haben, jene Werte, mit denen sie eine bessere Welt aufbauen wollten.

Da wäre die BRÜDERLICHKEIT – ein Wert, gegen den jeder Spalter Sturm läuft. Ein echter Linker redet MIT den Mahnwachen – anstatt nur … in spalterischer Absicht … ÜBER sie. Ja – er redet sogar mit Polizisten, Soldaten, Adeligen, Huren, Priestern, Handlungsreisenden Versicherungsunternehmern und Unternehmensberatern … kurzum: mit all´ jenen, die man bei dem Kampf um die Macht braucht. Und wie uns die Erfahrung lehrt, können wir auf keinen verzichten  – mal abgesehen von jenen Kaffeehauslinken, die sofort auf dem Klo verschwinden, sobald der erste Schuss zu hören ist (und sei es auch nur die Fehlzündung eines Kraftfahrzeuges).

Da wäree die FREIHEIT … was auch die Freiheit der Andersdenkenden ist. Oder die Freiheit vor staatlichem „Nudging“. Oder die Freiheit von wirtschaftlicher Abhängigkeit durch restriktive Sozialgesetzgebung bzw. deren vollständiger Auflösung, die aktuell läuft (siehe z.B. Christoph Butterwege in N.Tv).

Da wäre die GLEICHHEIT … der zentralste Wert linker Glaubenssysteme … ein Wert, der deutschen „Besserlinken“ automatisch ihren korrekten Platz im Reich der Kräfte der Reaktion zuweist anstatt ihren überhöhten Selbstanspruch zu huldigen, Gralshüter echter (pseudo)-linker Gesinnung zu sein.

Im Geiste der französischen Revolution nehme ich JEDEN mit, um erstmal die Hauptgefahr zu beseitigen: den König … oder die Plutokratie. Hätte man 1789 vor der Revolution Gesinnungsprüfungen eingeführt … hätten wir heute noch die Leibeigenschaft – weshalb wir korrekt alle selbsternannten Gesinnungsprüfer den Kräften der feudalen Reaktion zuordnen … auch wenn sie tolle linke Sprüche absondern und linkem Dresscode ehrerbietig genüge tun.

Nach der Revolution gibt es dann auch keine Säuberungen … sondern die gemeinschaftliche Arbeit an der Zukunft. Alles, was die Bürger in „gut“ und „böse“ spaltet, ist eindeutig als nichtdemokratischer, zum demokratischen Dialog unfähiger Geist abzulehnen.

Schon Angst vor dem Blutvergießen? Angst davor, den Kopf des Königs absägen zu müssen?

Ich kann Sie beruhigen. Noch (aber wirklich auch nur „noch“ – das Fenster schließt sich zusehends weil der Neo-Feudalismus auf eine blutige Konfrontation setzt) ist eine unblutige Revolution denkbar – und durchführbar. Wer will auch wirklich unsere unterbezahlten Polizeibeamten verprügeln … denen geht es schon schlecht genug. Und wie arm unsere Soldaten sind, weiß inzwischen das ganze Land.

Die wahre Macht im 21. Jahrhundert liegt nicht beim König, nicht beim Industriellen … sondern bei anonymen Kapitalballungen, die ganze Länder ins Unglück stürzen und Parlemente kaufen. Nur die müssen massiv beschnitten werden, die Mechanismen ihres Wachstums abgebaut, das Wachstum selber ausgebremst werden. Dazu reichen ein paar Gesetze im Einklang mit unserem Grundgesetz.

Und für diese Arbeit brauchen wir bescheidene, demütige, hochintelligente selbstlose Linke. Jeder intelligente Rechte wird das einsehen, dass das nicht die Spielwiese seiner Genossen ist – dafür sind die einfach zu blöde. Aber alle – Rechte wie Linke – brauchen eine Revolution der Verhältnisse.

Doch bevor wir die in Angriff nehmen, brauchen wir … eine stabile Mehrheit in der Bevölkerung – die durch zunehmende Aufspaltung aktiv verhindert wird.

Ach – was rede ich: die Mehrheit ist ja schon da.

Jetzt fehlen nur noch echte Linke, die sie zum Sieg führen.

Also: wo seit ihr?

PS: ein Riesenthema – und meine Selbstbeschränkung auf 2000 Worte habe ich wieder nicht einhalten können. Trotzdem brauchen wir noch mehr, weil zunehmend echter revolutionärer Geist als „Querfront“ abgetan wird, wobei der Begriff aus purer Dummheit heraus völlig falsch verwendet wird. „Querfront“ meint die aktive Übernahme linker Kultur, Meinungen und Kleidungen durch faschistische Kräfte, um sie sich nutzbar zu machen … was voraussetzt, dass es hier eine lenkende Intelligenz gibt, die dies veranlaßt. Wo immer wir aber diese Intelligenz bisher vermutet haben, fanden wir in der braunen Soße nur eins: BND und Verfassungsschutz, weshalb dies Theroie der Querfrontbildung nur eine haltlose Verschwörungstheorie ist. Bekannte Versuche wie der „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ haben sich 2008 aufgelöst und das Projekt für gescheitert erklärt – was kein Wunder ist: Rechte sind einfach zu dumm dafür. Ebenso dumm ist es, zu unterstellen, es gäbe noch geheime, unsichtbare Querfrontlenker um Untergrund, die niemand kennt. Noch dümmer ist es, anderen aus dieser Position heraus vorzuwerfen, das Verschwörungstheorien an sich böse, rechtsradikal und dumm seien. Das Gegenteil ist der Fall: Menschen, die in der Lage sind, Wahrheitstheorien (das ist der wissenschaftlich korrekte Begriff zu der Arbeit, die sie leisten) zu bilden, sind in der Regel viel intelligenter als jene, die von der britischen Brigade vorgegebene Meinungen nachbeten (siehe Forschung und Wissen). Mag aber sein, dass das auf Dumme böse wirkt. Zu gegebener Zeit werden wir uns um diesen Begriffsmissbrauch gezielt kümmern müssen.

PS2: mit Nazis reden … geht das? Also erstmal ist schon die Frage doof: als Demokrat muss man das. Als intelligenter Linker kann man das auch. Sofern es nicht medizinisch wird (mit Psycho- und Soziopathen gelingt der Diskurs nicht – das sollte man wissen, ebenso wenig wie mit Kultisten, d.h. in erster Linie religiös motivierten Anhängern des von der Vorsehung gesandten „Führers“ … wie z.B. Horst Mahler), gibt es auch gute Aussichten auf Erfolg: auch der Nazi hat Frau und Kinder, braucht Nahrung und Obdach sowie Interaktion mit Mitmenschen – nur allzu oft sind seine politischen Entscheidungen „Kurzschlüsse“ auf Grund eingeschränkter Informationsaufnahme, um seine Ängste zu bewältigen. Noch einmal: ein weites Thema. Zur Beschaffung von revolutionsfähigen Mehrheiten braucht man aber keine Nazis – dafür sind die wirklichen viel zu selten … und völlig unbedeutend.

 

 

Leander Sukov – und die Erbärmlichkeit deutscher Kaffeehauslinker

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Dienstag, 17.3.2015. Eifel. Tja – nun ist es geschehen. Ich muss mich mit Rufmord auseinandersetzen. Ein „Leander Sukow“ – bekannt durch seine Gedichte über Regenwürmer und ungelesene Liebesromane … jedenfalls bei den sechs Menschen, denen so etwas gefällt – hat mich entlarvt. Das war zu erwarten: es ist der Hauptberuf der „Kaffeehauslinken“, andere zu entlarven. Immerhin sind sie die Besserlinken, die Bessermenschen – ach, einfach nur supergut. Was hat man als ein solcher Bessermensch auch anderes zu tun, als den ganzen Tag jene zu entlarven, die nicht ganz so supertoll gut sind. Lebenstraum? Kritiker mit Festanstellung – das wäre es. Den ganzen Tag den Leuten sagen können, wo es lang geht – bei prall gefülltem Kaffeetischchen – ein Traum. Fernab der Welt, wo Arbeit lauert, Schmutz, Blut, Leid und Elend, am heilen Tischchen der Kaffeekranzkultur, wo man bedient wird … wie man es sich nach eigener Überzeugung verdient hat … oder jedenfalls meint, es verdient zu haben. Ohne Hirn läßt sich so gut leben und als Bessermensch über die Mindermenschen trefflich urteilen. Immerhin bleiben die ja draußen – weit außerhalb der heiligen Hallen des Kuchentempels.

Was habe ich nun Schreckliches getan?

Ach – lassen wir den Herrn Sukov doch selber zu Wort kommen – hier sein Facebookeintrag vom 16.3.2015:

Es wohnt ein Relativierer in der Eifel:
“Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz”

Ein Reiner A. Damann, Eifelphilosoph (was immer das sein mag), findet, Auschwitz sei auch nur wie ein JobCenter gewesen und das Leben der Juden, Polen, Roma und Sinti und der anderen Opfer der faschistischen NS-Herrschaft hätten gelebt wie Hartz-IV-Empfänger. Jedenfalls fast. Denn anders lässt sich die Schlagzeile “Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz” nicht verstehen, mit der er einen Artikel auf seinem Blog überschrieben hat, den ich selbstverständlich nicht verlinke, weil ich der Relativierung des Grauens des Holocaust nicht Vorschub leisten will.
Es ist aber so, dass einige meiner Freunde mit Rainer A. Damman verbändelt sind. Ich empfehle sehr, die Bänder zu lösen.

Nun – erstmal ist der Name falsch wiedergegeben – mal fehlt ein m, mal ein n, auch die Schreibweise des Vornamens variiert: aber Sorgfalt in der Arbeit ist nicht jedermanns Stärke. Hat er den Artikel gelesen, der Herr Sukov?

Mit Sicherheit nicht. Wozu auch: er ist selbst ernannter Literaturkritiker, jederzeit zu vollmundigem Eigenlob bereit (ja – ich habe da einige Peinlichkeiten gelesen, die ich mit Rücksicht auf Herrn Sukov nicht verlinke: der typische Besserlinke eben).

Doch bleiben wir erstmal bei der Kritik. Also: Kaffeetasse beiseite, Kuchengabel fortlegen – es wird um Ruhe gebeten.

„Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Ausschwitz“ – so die Aussage. Was folgt daraus? Das Auschwitz (besonders Birkenau) eine Vernichtungsaktion war. Und das wir wieder eine haben, belegt die in dem Artikel zitierte Studie. Mir zu unterstellen, dass ich auch den von Herrn Sukow gezogenen Umkehrschluss für richtig halte … dass also Auschwitz lediglich ein harmloses deutsches Jobcenter sei … ist schon ein kleiner Gipfel von Bösartikeit, Gemeinheit und selbstgefälliger Ignoranz, wie man sie bei Kaffeehauslinken oft antrifft: nur so können sie ihre umfassende Überlegenheit gegenüber dem Rest der Welt beweisen.

Wirkt doof, aber zweifellos fühlt man sich gut dabei.

Hier wird nicht altes Grauen relativiert. Nicht mit einem einzigen, kleinen Satz. Was mich von Kaffeehauslinken unterscheidet, ist wohl die Erkenntnis, dass Auschwitz nicht nur ein Objekt im literarischen Universum ist, ein Synonym für das absolut Böse, mit dem man Romane vortrefflich auskleiden kann – sondern auch ein Objekt der realen Weltgeschichte. Im literarischen Universum mag es einmalig sein – im realen Universum ist es das nicht. Auschwitz ist wiederholbar. Jederzeit. Überall – so mein Standpunkt, meine Lehre aus der vierzigjährigen Beschäftigung mit dem Grauen. Ja – man wird etwas sensibilisiert, wenn man jahrelang am Tisch der Großfamilie nichts anderes hört als Geschichten über jene Zeit. Auch übrigens über die Kaffeehauslinken … jene kruden Gestalten, die die Vorhänge zuziehen, wenn die SA wieder Geschäfte niederbrennt, um sich den Genuß der Buttercremetorte nicht vermiesen zu lassen. Aber dann nächsten Tag andere Linke diffarmieren, um sich selbst zu beweisen, wie toll links man ist, während die ja gar nicht so richtig toll links sind.

Relativiert man Auschwitz, wenn man seine Einmaligkeit in Frage stellt? Im ersten Moment denkt man: kann schon sein. Wer kennt nicht den typischen Stammtischtroll, der sofort aufbrüllt, wenn er „Birkenau“ hört und mit „Dresden“, „Indianer“ und „Neger“ antwortet. Doch wir dürfen hier nicht stehen bleiben, denn die Verabsolutierung von Auschwitz als absoluten Gipfel menschlichen Leidens hat eine kleine – für Kaffeehauslinke durchaus angenehme – Nebenwirkung: es wertet alles andere Leiden ab. Alles, was nicht direkt Auschwitz ist, braucht man nicht ernst nehmen … denn so schlimm kann es ja gar nicht sein.

Eine schöne, sehr bequeme Einstellung, die vortrefflich beim Genuss des Buttercremekuchens hilft: immerhin hat man dem absolut Bösen nicht persönlich aber literarisch tief ins Auge geblickt – und sich klammheimlich darüber gefreut, dass es schon so lange tot ist. Man braucht gar nichts mehr tun: wie köstlich.

Menschenverachtung, Menschenvernichtung in der Gegenwart? Kein Problem, solange nicht „Auschwitz“ über dem Lagereingang steht und die Vorhänge im Kaffeehaus dicht sind. Und die Vorhänge müssen äußerst blickdicht sein – sonst schmeckt das Weinchen nicht mehr. Darf ich mal zwei Kommentare zu dem Artikel zitieren?

Ich habe vor einiger Zeit hier schon einmal versucht darauf hinzuweisen, daß es IMHO von Münteferings “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!” nicht mehr weit ist bis zu “Arbeit macht frei!” … leider ist das damals irgendwie wegmoderiert worden. Deshalb freut es mich zu sehen, daß die Erkenntnis inzwischen auch bei Dir gereift ist.

Ein anderes Negativbeispiel für das, was das vorherrschende Paradigma Neoliberalismus/Neofaschismus in der Politik angerichtet hat, sind die vom ehemaligen Superminister Wolfgang Clement bekannten Sprüche. Anarchopedia schreibt dazu:

»Clement benutzte ausdrücklich “Parasiten” bzw. “Parasitentum” für ALG-II Empfänger, die gleiche Wortwahl, die in den 30ern im Auftakt zur Judenverfolgung gewählt wurde, entsprechend positiv wurde die Beschimpfung der Menschenwürde durch das NPD-Blatt “Deutsche Stimme” aufgenommen.
Die Klage wurde von den Gerichten mit der der Begründung abgewiesen, daß “das offensichtliche Interesse” darin liege “ungerechtfertigte Staatsausgaben zu vermeiden”.
Eine interessante Lesart des “bürgerlichen Rechts”: Künftig werden also “Verbrecher” nicht mehr auf Grund ihrer Tat, sondern auf Grund ihres offensichtlichen Interesses verurteilt, frei nach dem Motto: Mord ist legitim, wenn sich mein Interesse mit der offiziellen politischen Richtung deckt. (Warum kommt mir diese Praxis nur so bekannt vor? …)
Ach ja … das Gewaltmonopol das Staates beinhaltet ja auch das Recht auf politischen Mord, wie wir nicht erst seit Benno Ohnesorg und Wolfgang Grams wissen. Ähnlichkeiten und Parallelen mit dem “Dritten Reich” sind rein zufällig und unterliegen der GEZ-subventionierten Pressezensur.«

Eine Bekannte aus England machte mich letzte Woche auf den traurigen Fall einer Freundin von ihr aufmerksam, der uns drastisch vor Augen führt, wie das System mit Minderleistern umspringt. Die inzwischen mit 37 Jahren verstorbene Lotte Ryan — eine engagierte Friedens- und Sozialaktivistin — war an einem Glioblastom erkrankt, einem äußerst aggressiven Hirntumor, für den es so gut wie keine Therapiemöglichkeiten gibt und der die Betroffenen zuerst zu Schwerstbehinderten macht (Motorik und Sensorik werden progredient schlechter) und sie dann tötet. Lotte Ryan war schon schwerstbehindert und auf Pflege angewiesen als sie vom lokalen Jobcenter (dem das alles bekannt war) unter Sanktionsandrohung (Einstellung der Zahlungen) zu einem Jobinterview beordert wurde. Wenige Wochen später ist sie dann verstorben …

Ich weiß – das ist etwas lang, aber qualifizierte Gedanken brauchen mehr Raum als das Kaffeehausgeblöke. Anders als Herr Sukov hat der Autor dieses Kommentars es geschafft, sein Studium auch abzuschließen. Läßt es wirklich jeden kalt, wenn die NPD einem sozialdemokratischen Wirtschaftsminister ob seiner Wortwahl zujubelt? Völlig vergessen, dass der Schoß noch fruchtbar sein soll, aus dem das kroch? Einfach mal den „aufhaltbaren Aufstieg des Arturo Ui“ von Berthold Brecht lesen … es lohnt sich.

Das deutsche Staatsschiff schmückt sich wieder mit braunen Wimpeln – doch solange die Kanne noch voll ist, wollen wir den Kuchen genießen. Leid vor der eigenen Tür? Ist doch kein Auschwitz, also: was soll´s! Hauptsache, wir haben drollige Katzenfotos auf Facebook.

Noch ein Zitat? Bitte schön:

Ich erlaube mir noch einen Nachtrag – denn davon ausgehend, dass hier noch mehr die von diesem System profitieren – in einer gnadenlosen Arroganz versuchen werden, den Artikel in Schutt und Asche zu kommentieren. Aus dem Grund hier noch ein kleiner Beitrag – vielleicht nimmt ihn der eine oder andere Systembückling zur Kenntnis.
„Die Fixierung des Faschismusbegriffs auf Auschwitz würde alles aussperren aus unserem Denken und Analysieren, was gestern zu Auschwitz geführt hat und morgen eventuell wieder zu Auschwitz führen könnte. Auch wenn es aberwitzig klingen mag: Wer Auschwitz verhindern will, muss selbst das Scheinbar-noch-ganz-Harmlose auf seine kausal-konditionale Qualitäten hin untersuchen, die in einem neuen Auschwitz enden könnten. Die Überprüfung und Einschätzung von “Bagatellen” gehören also ganz ausdrücklich mit zu diesem Forschungs- und Verhinderungsprogramm. Und wir werden auszuhalten haben, dass damit Auschwitz auch zurückgeholt wird aus dem Dämonisierungsabstand und uns als niemals ganz auszuschließende Möglichkeit der Geschichte wieder ganz naherückt. Es gibt keinen legitimen Sicherheitsabstand zu “Auschwitz”. Folglich dürfen wir auch den Begriff “Faschismus” nicht scheuen, da wir ansonsten in der Gefahr stehen, den Blick auf die Wirklichkeit zu scheuen. Pauschalabwehr besitzt keinen Rechtfertigungsgrund. Und geben wir bitte nicht als Stilkritik aus, was in Wahrheit nur Realitätsflucht wäre! Dabei hat natürlich als Selbstverständlichkeit zu gelten, dass der Begriff „Faschismus“ niemals als bloße Totschlags- und Etikettierungsvokabel missbraucht werden darf, sondern stets nur als Resultat sorgfältig-differenzierender Analyse Geltung für sich beanspruchen kann.

„Das Böse“, sagte der ehemalige Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, einmal, „braucht das Schweigen der Mehrheit.“ Auch das verbale Wegbeschönigen von heutigen Faschismusvorzeichen käme einem bösartigen Verschweigen gleich.“

Das stammt im Original von Konstantin Wecker, einem Linken, für den das Links sein nicht nur keckes, freches Sahnehäubchen auf dem Biedermeierkuchen ist, sondern Lebensinhalt. Darum ist er bei Kaffeehauslinken auch nicht gut angesehen … er tut richtig was, denkt konsequent nach, geht auf die Straße, wenn es anfängt zu stinken: ein Sakrileg gegen jedwede Biedermeierexistenz.

Hartz IV – das sei deutlich gesagt – ist nicht gleich Auschwitz, wie Auschwitz oder schlimmer als Auschwitz … und es gehört schon eine dicke Portion boshafter Ignoranz dazu, so etwas zu unterstellen. Zu solch einer Aussage stehe ich ich auch nicht. Ich stehe aber zu der Aussage – jederzeit und überall – dass wir da locker wieder enden können, wenn wir den unverantwortlichen, menschenverachtenden Kurs der Gegenwart so konsequent fortleben. Mal eine kurze Darstellung, was aktuell schon vernichtet wird? Ebenfalls ein Zitat aus den Kommentaren zum Artikel:

Um die Brisanz der Drohkulisse, die von den Jobcentern gefahren wird, noch einmal vor Augen zu führen, zeige ich Ihnen die Auswirkungen von Sanktionen und Sanktionsandrohungen auf die physische Lage der Betroffenen in signifikanten und zahllosen Fallbeispielen nach.(Vgl. z .B. u.a. Ames 2009, S.43; S.1611; Berliner Kampagne 2008, S.47; S.57; S.63; Griesmeier 2009, S.19ff; Daseking 2009, S.57).
Die Folgen reichen von Schlafstörungen, Depressionen bis hin zu massiven Schuldgefühlen, die bei vielen Betroffenen schlimmer empfunden werden als “Hunger” (Ames 2009, S.43 f.). Sanktionen im Zusammenwirken mit weiteren ungünstigen Situationskonstellationen führen meist zu schwerwiegenden psychosomatischen Erkrankungen.
Die Berliner Kampagne stellt in ihrer Analyse fest: “Die Auswirkungen des Fehlens von gesellschaftlicher Erwerbsarbeit auf die Befindlichkeit des Einzelnen sind gravierend. Diese Belastungen werden noch verstärkt, wenn die Menschen ständiger Sanktionsgefahr ausgesetzt sind:
Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen, Zwänge, Suchtverhalten, soziale Ängste, psychosomatische Erkrankungen” (vgl. Daseking 2008, S. 57). Alle Studien, die sich mit Sanktionen auseinandersetzen, weisen zumeist auf die hohe psychische Belastung hin. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da wie schon beschrieben, bereits die Möglichkeit dass Sanktionen ausgesprochen werden können eine disziplinierende Drohkulisse darstellt.
Es sei an dieser Stelle auch auf die internationale Definition von Gesundheit der
Weltgesundheitsorganisation (Word Healt Organisation, WHO5) hingewiesen. Gesundheit wird definiert als “ein Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, der sich nichtlediglich durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet”.Beim Vergleich der Studien über den Sanktionsmechanismus sind häufig die Begriffe wie “Angst” verwendet worden (Existenzangst, Angst vor Verlust der Wohnung, Angst nicht zu wissen, wie man an Nahrungsmittel kommt, Gefühl der Überforderung und Hilflosigkeit sowie Ohnmachtsgefühle). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die negativen Auswirkungen von Sanktionen auf die psychische Gesundheit von Betroffenen in den unterschiedlichen Studien klar belegt sind. Im Extremfall führen sie zu Suizidversuchen.

Man muss schon ein überzeugter und engagierter Aktivist der „Generation Doof“ sein, um solche Vernichtungsaktionen vollständig zu ignorieren …. und angesichts der besonderen deutschen Geschichte scheint mir jede Art von Verharmlosung aktuellen Grauens ein Akt absoluter Verantwortungslosigkeit zu sein. Was der Kaffeehauslinke nur all zu gern vergisst: Deutschland, die deutsche Kultur, der Geist des deutschen Biedermeier war die Kultur, die Auschwitz real werden lies. Haben wir uns eigentlich jemals darum gekümmert, welche urdeutschen Eigenarten wir besser ablegen sollten, um eine Wiederholung der Geschichte ausschließen zu können? Wäre mir nicht bekannt, dass dies mal vor einer breiteren Öffentlichkeit geschehen wäre, dabei sollte jeder Hauptschüler nützlicherweise gleich zehn Unarten im Verhalten aufzählen können, die letztlich Menschen ins Gas bringen.

Ja – hier kommen wir zum eigentlichen Grund meines Schreibens. Ein Herr Leander Sukov und seine irreale Schmähkritik kann mir egal sein, ich denke, ich kann Kaffeehauslinke schon ganz realistisch einschätzen. Was mir nicht egal ist, ist der schleichende Faschismus, der wieder Alltag wird – auch bei jenen, die sich als große Verteidiger der Einzigartigkeit deutscher Vernichtungslager in der Öffentlichkeit sonnen. Der neue Faschismus kommt ganz elegant daher – und ist wie üblich im Herzen völlig unpolitisch. Nicht die boshafte (oder – seien wir wohlmeinend – dümmliche) Unterstellung erregt das Gemüt, sondern der kleine Schlußsatz:

Es ist aber so, dass einige meiner Freunde mit Rainer A. Damman verbändelt sind. Ich empfehle sehr, die Bänder zu lösen.

Nein, keine Sorge: diesem Aufruf ist keiner gefolgt. Besser noch: einer seiner FB-Freunde ist seit gestern auch meiner. Zeigt, dass unsere gemeinsamen Freunde Demokraten sind – und des Lesens und Denkens fähig. Aber was ist das für eine politische Kultur, die sich – weit ab jeglicher öffentlichen Diskussion – einfach in blinder Aburteilung eines vermeintlichen „Revisionisten“ (ohne jede Möglichkeit der Gegenrede, des demokratischen Diskurses – sowas ist bei Volksgerichtshofsurteilen ebenfalls unerwünscht) erschöpft und dann … zur völligen sozialen Isolation aufruft?

Merken Sie, welcher Geist sich da wieder erhebt? Bessermensch gegen Untermensch. Arier gegen Jude. Das alte deutsche Lied, immer wieder gern gesungen. Finden sich auch wieder unkritische Mitläufer (und Mithasser)- wie üblich.

Wissen Sie – ein Herr Sukov ist mir egal. Schlimmer als eine „Anti-Eifelphilosoph-Seite“ kann es nicht werden (gibt´s die eigentlich noch?). Von dieser Sorte gibt es reichlich, „Literaturkritiker“ leben halt von nichts anderem, als dass sie Ausschau nach kreativen, schaffenden Menschen halten, die sie irgendwie runterziehen können, um sich selbst zu erhöhen. Ich finde so etwas erbärmlich (weshalb mir Reich-Ranitzki immer suspekt war … was machen solche Charaktere, wenn sie mal reale Macht in die Hände bekommen?), aber wir leben in einem freien Land, in dem auch solche Existenzformen möglich sind.

Was einem aber nicht egal sein kann, ist der öffentliche Aufruf zur Menschenhatz … im Gewande einer vermeintlich antifaschistischen Gesinnung. Das hat nun mit der Person des Herrn Sukov nichts zu tun – die kann einem egal sein. Mir geht es eher darum, auf jene aufmerksam zu machen, die Auschwitz wieder möglich machen … und es auch früher erst realisierbar gemacht haben: der Typus des deutschen Kaffeehauslinken, einer pseudolinken Existenz, der wir aktuell ja schon viel zu verdanken haben: aus diesem Geist entsprang der von (vermeintlichen) Linken getragene Einsatz deutscher Bomber in Jugoslawien, der Einsatz deutscher Bodentruppen in Afghanistan und … der Abbau des deutschen Sozialstaates unter Verwendung originalen NS-Gedankengutes.

Wem es nur darum geht, für seine Regenwurmgedichte eine gediegene Leseatmosphäre zu haben, der mag damit leben können.

Wer seine Lehren aus dem Grauen des Dritten Reiches gezogen hat, kann damit nicht leben.

PS: ein persönliches Wort an Herrn Sukov. Gerne stehe ich Ihnen zu einer öffentlichen Diskussion über meine Ansichten, Meinungen und Erkenntnisse zur Verfügung – wie jedermann. Hier wird nur selten zensiert, sind sie gut begründet, lassen wir auch persönliche Beleidigungen durch – eher jedenfalls als doofe Einwortsätze, die der Diskussionskultur dieses Ortes nicht gerecht werden. Schreibe ich über „Kaffeehauslinke“, so ist nicht unbedingt ihre Person gemeint – eher eine Gruppe von Menschen, die mir schon seit längerem in der öffentlichen Debatte durch destruktives Verhalten aufgefallen sind … und durch ein hohes Lob über den anschließenden Weingenuss im Kaffeehaus. Meine Freunde dürfen auch weiterhin ihre Freunde sein – ich habe kein Problem damit. Zudem habe ich keine Probleme mit Freunden von Regenwurmgedichten – wieso auch. Mobbing jedoch – auch Cybermobbing – gefällt mir nicht so. Ich erlaube mir, dazu dann auch mal öffentlich Stellung zu beziehen, bevor ein aufgeputschter Mob mich als „Revisionisten“ an den nächsten Laternenpfahl hängt. Vielleicht richten Sie vor der nächsten Verurteilung vermeintlich Andersdenkender erstmal ein persönliches Wort an sie? Oder schaffen einen Raum für Dialog? Sonst ähneln Sie wirklich eher einem Roland Freisler. Wollen Sie das wirklich?

PS 2: ein persönliches Wort an die engagierten Leser, die mich auf diesen Mobbingakt aufmerksam gemacht haben: danke für euer Engagement. Ich weiß die Absicht sehr zu schätzen. Diesmal habe ich Euch zuliebe darauf reagiert, jedoch möchte ich anmerken: Schmähkritik und verlogene Diffarmierungen dieser Art interessieren mich nicht. Hier war es nützlich, um auf eine besonders gefährliche Abart von Pseudolinken hinuweisen, doch normalerweise ist das absolut verschwendete Lebenszeit. Begegnet Euch so etwas nochmal: einfach ignorieren. Auch wenn die Mobbingabsicht im Prinzip brandgefährlich ist, handelt es sich dabei doch oft nur um Gestalten, die selbst mehr Aufmerksamkeit wollen, um ihren Lebensfrust abarbeiten zu können – es gibt wichtigere Themen zur Zeit, als ihnen eine Bühne für ihre erbärmlichen Aufführungen zu bieten.

PS 3: nicht, das jemand denkt, diese Art von „Linken“ wäre neu in Deutschland. Reichstagswahl 1928 – drei SPD-Minister stimmen dem Bau eines Panzerkreuzers (im Rahmen einer großen Koalition) zu … wider aller Wahlversprechen. Was weniger bekannt ist: dieses Schiff war kein normaler Kreuzer, er war als unbesiegbare Kriegswaffe geplant – stärker als alle schnelleren Schiffe, schneller als alle stärkeren sollte er alliierte Seewege blockieren. Ersonnen fünf Jahre vor der Machtergreifung Adolf Hitlers (siehe Zeit). Schon damals ein bewusster, absichtlicher Verstoß gegen den Versailler Vertrag – und eine Vorbereitung auf einen neuen Krieg.

 

 

Über Hexen und Weltkriege am Tag der Kapitulation: Philosophie für Zaunreiter

Über Hexen und Weltkriege am Tag der Kapitulation: Philosophie für Zaunreiter

Donnerstag, 8.5.2014. Eifel. Heute ist er mal wieder gekommen: wieder einmal jährt sich die Kapitulation des Dritten Reiches. Eine günstige Gelegenheit, wieder die üblichen Geschichten zu erzählen – eine Gelegenheit, die ich heute mal verstreichen lassen möchte, um eine andere Geschichte zu erzählen … bzw. die Geschichte der Menschheit und ihrer Kriege aus einer ganz anderen Perspektive zu beleuchten. Bevor nun jemand klagt: nein, hier kommt überhaupt keine Esoterik zu Wort. Und ja:  hier geht es mitten hinein in jene Esoterik, die die Menschheit seit Anbeginn ihrer Existenz begleitet. Es geht hier aber nicht um irgendein geheimes Superwissen, wie man mit Gedankenmacht oder Sex mit dem Teufel superreich wird: wer also hier Zauberformeln sucht, der irrt. Er wäre auch eher bei den Physikern gut aufgehoben.

Über Hexen zu sprechen ist gerade am heutigen Tage wichtig, denn über unserer modernen Kultur lastet ein großes Rätsel – ein Rätsel, das direkt zum 8.5.1945 hinführt: wie kann es eigentlich sein, dass hochzivilisierte Länder mit dem höchsten Lebensstandard der Weltgeschichte, dem höchsten Bildungsgrad der Weltgeschichte, der größten Gestaltungsmacht der Weltgeschichte übereinander herfallen wie wildgewordene Tiere? Es gibt viele Theorien zu diesem Rätsel, doch ich nehme mal an, dass all´ diese Theorien an der Wahrheit vorbeischießen, denn heute, am 8.5.2014, steht die zivilisierte Welt wieder einmal am Abgrund eines Krieges, der schnell zum allerletzen werden kann. Ja – auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, weil es unsere Bequemlichkeit stört, unsere Existenz als Wohlstandsblasen in Frage stellt und möglicherweise das unvorstellbare Sakrileg begeht, dass die Fortsetzungen unserer Lieblingsfilme nie mehr in die Kinos kommen, weil es überhaupt nirgendwo mehr Strom gibt. Wirklich: unvorstellbar, dass sich der Geist der Weltgeschichte nicht um die Fortsetzung des „Hobbit“ oder die siebte Folge von „Star Wars“ kümmert … oder darum, wer der neue Wohlstandsblasensuperstar wird.

Natürlich kommen wir sofort auf gefährliches Terrain. Erstmal droht uns die Gefahr, sofort als Nazi klassifiziert zu werden. Esoterik=Nazi. Diese Gleichung macht zwar aus dem größten Teil der geisteswissenschaftlichen Kultur des Abendlandes Nationalsozialisten (und entwertet den Begriff Nazi vollkommen – nebenbei bemerkt … aber ich sage ja nicht, dass die Leute, die diese Gleichung verwenden, sonderlich intelligent sind) – aber gerade damit kann man ja für große Aufregung und Aufmerksamkeit sorgen, die günstig ist für den Erwerb von Tauschmitteln jeder Art. Dann aber droht uns noch größere Gefahr: die Leitreligion des Amerikanismus ist eine eifernde Religion, die schon die Zauberer der Indianer gezielt ausgerottet hat (während man die gefährlichen Kriegshäuptlinge leben lies), unser Gott „Konsum“ duldet keine anderen Götter neben sich. Ja – schauen sie sich dochmal solche Esoteriker an … wie zum Beispiel einen christlichen Mönch oder einen Zen-Buddhisten: die sitzen den ganzen Tag still herum und KAUFEN NICHTS! Eine Katastrophe, wenn das Schule machen sollte … erst recht, wenn bekannt würde, dass die dort in ihrem „Tran“ höchst beglückende Zustände erleben.

Ich würde diese Terrain gerne meiden … aber als Philosoph ist mir das von Berufswegen nicht möglich. Außerdem haben wir dieses kleine, oben geschilderte Problem: jederzeit könnten die zivilisierten Völker der Erde wieder übereinander herfallen … und ihre Kriege sind vernichtender als die früheren Reibereien der Fürstentümer. Sie reden nicht gerne darüber, sie sehen da auch nicht gerne hin, aber die gezielte Massenvernichtung der Zivilbevölkerung hättte jeden Aristokraten in Angst und Schrecken versetzt: die wussten noch, woher das Brot wirklich stammt.

Wie nähert man sich nun dem Thema „Hexen“? Ich empfehle immer das Werk „Traumzeit“ von Hans Peter Duerr. Nun ist auch Duerr mit Vorsicht zu genießen, behauptet er doch allen Ernstes, unsere Kulturen würden sich nicht weiterentwickeln (siehe sein Werk: Der Mythos vom Zivilisationsprozess) und begeht so ein Sakrileg, das nach Bestrafung schreit: immerhin ist „Fortschritt“ eines der großen Dogmen des naturwissenschaftliche-materialistischen Weltbildes, dem wir als Menschen freiwillig viel von unsere Lebendigkeit geopfert haben, um perfekt funktionierende Teilchen einer großen, künstlichen Weltmaschine zu werden, welche die Welt bedauerlicherweise langsam aber sicher auffrisst … aber bis wir das merken, werden noch ein paar Jahre vergehen. Das unser eigenes Leben aufgefresen wird, können wir aber schon merken, wenn wir unser Arbeitsleben und unseren sonstigen Alltag genauer unter die Lupe nehmen.

Außerdem warnt auch Duerr selbst vor der Lektüre seines Buches:

Ich habe mit befreundeten Nachtschattengeistern gesprochen und sie bitten mich, dem Leser dieses Buches folgendes mitzuteilen:

1. Sie wollen nicht aus Jux und Tollerei gerufen werden. Wenn sie Lust verspüren, eine Bekanntschaft zu machen, dann werden sie es den Betreffenden schon wissen lassen.

2. Die Fahrkarte, die sie austeilen, sind bisweilen einfach, es fehlt die Rückfahrkarte.

(Aus: Traumzeit, Syndikat 1983, Seite 9).

Es ist eine Warnung, die sich in erster Linie auf den Gebrauch von Drogen bezieht – man kann sie aber auch auf die Beschäftigung mit dem ganzen Thema ausweiten.

Wieso?

Ein Namensvetter des Herrn Duerr, der Physiker Hans Peter Duerr, erklärt uns das in einfachen Worten, siehe Wikipedia:

„Im Grunde gibt es Materie gar nicht. Jedenfalls nicht im geläufigen Sinne. Es gibt nur ein Beziehungsgefüge, ständigen Wandel, Lebendigkeit. Wir tun uns schwer, uns dies vorzustellen. Primär existiert nur Zusammenhang, das Verbindende ohne materielle Grundlage. Wir könnten es auch Geist nennen. Etwas, was wir nur spontan erleben und nicht greifen können. Materie und Energie treten erst sekundär in Erscheinung – gewissermaßen als geronnener, erstarrter Geist. Nach Albert Einstein ist Materie nur eine verdünnte Form der Energie. Ihr Untergrund jedoch ist nicht eine noch verfeinerte Energie, sondern etwas ganz Andersartiges, eben Lebendigkeit. Wir können sie etwa mit der Software in einem Computer vergleichen.“

Gruselig, oder? Da will uns wieder jemand klar machen, dass die Erde eine Kugel ist … dabei wissen wir doch alle, dass man dann auf der anderen Seite herunterfallen würde. Ja – wie kennen das Gefühl, wenn uns die Wissenschaft Wahrheiten präsentieren möchte, die unseren persönlichen Anschauungen und Meinungen völlig zuwiederlaufen – aber ich kann Ihnen versichern: die meinen das ernst … und können auch aufgrund ihrer Forschungsergebnisse nicht anders denken. Nur wir sind da das Problem: wir sind zu blöd, dass zu begreifen.

Was hat das mit Hexen zu tun?

Nun – ganz einfach: die LEBEN in dieser Realität, in der es nur GEIST gibt: also die flüssige Form von Energie und Materie. Sie können damit fließen … und vielleicht sogar den Fluss steuern. Das jedenfalls dachten die anderen Menschen von ihnen, die ich jetzt mal die „Fragment-Menschen“ nennen möchte. Klaus Theweleit gebraucht diesen Begriff in dem Film von Mo Asumang (siehe ZDF – „Die Arier“). Er erklärt so das Körpergefühl von Neonazis, die sich „fragmentiert“ fühlen. Aus diesem Gefühl resultiert eine Grundangst, die zur Mobbildung (zur Schutzstaffel) führt, um den bösen Feind zu bekämpfen. Spüren Sie, wie wir jetzt gerade in die Nähe von „Hexenverbrennungen“ kommen? Ich würde diesen Begriff aber noch weiter ausführen und nicht nur auf Neonazis beziehen: immerhin verweist Klaus Theweleit nicht umsonst auf „Rockkonzerte“, die die gleiche Schutzfunktion haben wie die Waffen-SS: der Fragmentmensch sucht die gleichgeschaltete Masse, um sich vor der feindlichen Umwelt zu schützen. Ich denke: Fußballspiele, Talkshows, Demonstrationen und politische Parteien haben dieselben Funktionen.

Tja – welch´ Überraschung: jetzt sind wir doch schon mitten drin in der Welt der Politik … bzw. in der Welt der Angst, des Hasses, der Abscheu und der legitimierten Gewalt, die wir gerne nur bei den primitiven Nazis ansiedeln, die aber auch von „zivilisierten“ Nationen gegen ihre Feinde eingesetzt wird. Ein einfacher Grund für Weltkriege: der moderne, fragmentierte Mensch hat Angst vor der Wirklichkeit und schlägt deshalb immer mal wieder wild um sich.

Nun – wir wollten aber über Hexen reden – und nicht über den „faschistoiden Männertypus“ … den es wohl auch bei Frauen gibt.

„Hexen“ –  „Hagzussa“, „Hagetissen“, „Zaunreiterinnen“ – nehmen diese physikalische Wirklichkeit hinter der sinnlichen Wahrnehmung einfach so wahr. Was für uns Science Fiktion ist, ist für sie Alltag. Wir finden sie nicht grölend und besoffen in der tobenden Menge, sondern barfuss durch Wälder wandernd – allein, aber nie einsam, weil sie jenem flüssigen Geist hinter der Wirklichkeit, jener Quelle aller Lebendigkeit viel näher sind und beständig näher kommen wollen. „Allein“ ist ein Wort, das für sie zweierlei Bedeutung hat: neben der üblichen Bedeutung eben auch noch die des „All-Eins“ seins, mit allem eins werdend. Soziologisch betrachtet macht sie dass allerdings zu prädestinierten Opfern der Fragmentierten. Während der „faschistoide Männertyp“ kein von Innen heraus gewachsenes Ich als Mittler zwischen Welt und Es hat (siehe Erläuterungen der Arbeit von Klaus Theweleit bei Wikipedia), stellen sie jenen Mittler zwischen dem Stamm und dem Reich des Transzendenten dar, einen Mittler des „schamanischen“ Typus mit einer ganz besonderen Aufgabe: als Heiler sollen sie schädliche Auswirkungen der Fragmentierung beheben, als Seher die Umgebung jenseits der gefrorenen Welten des Geistes wahrnehmen, als Lehrer ihrem Stamm die transzendente Weltkarte entfalten und als Krieger die bösen Geister von den Menschen fern halten, die Krankheit, unfriedlichen Tod, Verzweiflung und … Krieg über die Menschheit bringen.

Und schon haben wir eine spannende Geschichte, oder? Nach 10 000 Jahren Menschheitsgeschichte hat der weiße Mann seine Hexen ausgerottet (in der Tat: die Hexenverfolgungen gerieten während der Neuzeit außer Rand und Band … als die Erde einen Kugel wurde und die kirchlichen Feiertage von 156 auf dröge ZWEI reduziert wurden: Weihnachten und Ostern), als Lohn dafür treiben ihn die bösen Geister in die häßlichsten Kriege der Menschheit, ohne die heilende Kraft der Hagzussa führt ihn sein fragmentierter Zustand permanent zu grausamsten Exzessen.

Eine fantastische Geschichte – oder? Sie ist sehr erfolgreich. George Lukas erzählt sie in seiner Star-Wars-Saga – und der Schöpfer des Herrn der Ringe entpuppt sich selbst als Zaunreiter, der uns in die Welten des flüssigen Geistes entführt … die eine Welt ohne Gott ist, aber voller Zauberei und Wunder. Fehlt die Hexe (oder der Jedi-Ritter), entgleitet die menschliche Gemeinschaft, fällt aus dem Rahmen, zerstört sich und ihre natürliche Umwelt letztlich selbst, der Ungeist des Faschismus entfaltet sich, die Menschen sind den Einflüsterungen der bösen Geister hilflos ausgeliefert … und werden zu soziopathischen Egomanen.

Beenden wir unsere kleine Reise hier. Wir sind auch schon viel zu weit über den Zaun geklettert – viel weiter als Anstand und Sitte uns erlauben, erst recht weiter, als das Dogma des maximalen Konsums (oder: Verbrauch) predigenden Geistes der Neuzeit uns gestatten wird – dementsprechend werden wir uns eine angemessene Portion Hass und Verachtung einfangen … Scheiterhaufen sind gerade out.

Ich für meinen Teil selbst – als Reiseleiter dieses Ausflugs – möchte für mich allerdings um Gnade bitten: ich bin Wissenschaftler, Philosoph, und als solcher der Wahrheit verpflichtet. Hier ist es der Herr Ogham, der mich dazu zwingt, dem Schamanismus mehr Gehör zu schenken als dem naturwissenschaftlichen Materialismus, sein Rasiermesser duldet keinen Unfug (siehe Wikipedia):

Steht man vor der Wahl mehrerer möglicher Erklärungen für dasselbe Phänomen, soll man diejenige bevorzugen, die mit der geringsten Anzahl an Hypothesen auskommt und somit die „einfachste“ Theorie darstellt. Es enthält ebenso die Forderung, für jeden Untersuchungsgegenstand nur eine einzige hinreichende Erklärung anzuerkennen.

Jetzt schauen Sie sich mal an, mit wie vielen Bänden die „Wisssenschaft“ die Unausrottbarkeit von Kriegen beschreibt – und nach jedem neuen Krieg wieder vor einem Scherbenhaufen steht. Der gesamte geisteswissenschaftliche Bereich der Menschheit ist nur darauf ausgerichtet, Frieden zu schaffen: seit dem 19. Jahrhundert – der Erfolg ist so groß, dass man mitlerweile die Abschaffung dieser Wissenschaften fordert, weil „reden nichts bringt“.

Schauen wir uns hingegen die einfache Eleganz der Theorie der Zaunreiter an: gefrorener Geist wird manchmal schlecht – und das wirkt sich ungesund auf das Gemüt aus, verhindert den Aufbau eines gesunden Ich und führt letztlich zu Weltkriegen und Umweltvernichtung. Es ist eine einzige Erklärung, braucht nur eine physikalisch schon seit Einstein untermauerte Hypothese und freundet uns mit jenen Menschen an, die wir heute aus lauter Unverständnis (und dem Resultat der Abwesenheit des schamanischen Lehrertypus, der Weltbild und Erfahrungen in Einklang bringen könnte) in die Psychiatrie sperren: so gehen halt heute die Fragmentierten mit den All-Einen um.

Also – wenn man mich fragen würde … gerade an einem historisch bedeutsamen Tage wie heute … ich würde schon dafür plädieren, mehr Hexen in die Politik zu lassen. Die brauchen auch nicht so viele Diäten. Mal ehrlich: was können die denn schon noch verkehrt machen, was nicht schon längst fürchterlich verkehrt läuft?

Und immerhin gehen diese physikalischen Erkenntnisse uns alle an … auch wenn wir nicht daran glauben und die Kenntnis davon gerne verdrängen: wir alle müssen vom nun „gefrorenen“ Status wieder in den flüssigen zurückkehren, ewiges Leben ist nicht vorgesehen und wahrscheinlich auch äußerst ungesund. Wäre schon schön, wenn wir im Falle unseres Todes eine gewissen Meisterschaft in der Veränderung des Aggregatzustandes erlangt hätten … damit beim auftauen nichts schiefgeht. Habe schon mal gehört, dass das die einzige reale Form von Hölle sein soll, die Menschen erleben können.

Aber das … ist ein anderes Thema – und für Zaunreiter überhaupt nicht von Belang, denn die … können Schlittschuh laufen und schwimmen.

 

Arbeitslosigkeit: ein Elend mit tödlichem Ausgang für Opfer und einer Prämie für Täter

Arbeitslosigkeit: ein Elend mit tödlichem Ausgang für Opfer und einer Prämie für Täter

Montag, 10.3.2014. Eifel. Einer der Gründe weshalb ich vor kurzem die Schreibtätigkeit aufgegeben hatte, war, dass ich von mehreren unserer Autoren mehrfach dazu aufgefordert wurde, nicht mehr über Arbeitslosigkeit und Hartz IV zu schreiben. Ja – so ein Gesochse hatte sich hier breit gemacht. Man wollte schöne Themen – zum Beispiel über Vegetarier. Nun – wie und was Leute essen, ist mir eigentlich egal. Mir ist es erstmal wichtig, dass Menschen in einem der reichsten Länder der Erde auch Essen erhalten. Das scheint jedoch nicht immer möglich zu sein – erst Recht nicht, seitdem eine „Arbeitsmarktreform“ Gnadenlosigkeit in Gesetzesform gegossen hat. „Der Hungertod heißt Hartz IV“ schrieb der Stern im Jahre 2007 – seitdem hat sich nicht viel geändert.

Das war auch Absicht. Man wollte „Druck“ auf Arbeitslose ausüben und hat dabei – in einem angeblich demokratischen Rechtsstaat – tödliche Folgen billigend in Kauf genommen. Wenn ein „Staat“ „Druck“ auf seine „Bürger“ ausübt, hat er allerdings in selben Moment seine Legitimation verloren, sich demokratischer Rechtsstaat zu nennen. Zur Erinnerung: die demokratische Zivilgesellschaft hatte Könige und Königinnen geköpft, um NIE WIEDER Druck von oben ausgesetzt zu sein. Darum hatte man die Demokratie erschaffen, die die rot-grüne Bundesregierung dann einfach abgeschafft hat – jedenfalls de facto. Den Aufkleber mit dem Titel hat man drauf gelassen, er befand sich auch auf den Bombern, die in Jugoslawien einen indirekten chemischen Krieg gegen die Zivilbevölkerung führte (siehe Ursula Stephan bei Wikipedia zu den Folgen der gezielten Bombadierungen von Chemiewerken für die Bevölkerung) – man wollte den Bürger ja nicht beunruhigen.

Wir merken kaum, wenn die Menschen sterben. Der Hungertod durch Hartz IV kommt sehr leise daher. Erst fällt ein einzelner, häufig unterqualifizierter Mitarbeiter das Urteil „mangelnde Mitwirkung und Zusammenarbeit“, um sofort danach auch ohne große Diskussion das Strafmaß zu verhängen: „Sanktion“ heißt das harmlose Wort, das nichts anderes bedeutet, als dass man den Deliquenten aushungert und in die Obdachlosigkeit treibt. Der Tod kommt dann ohne großen Lärm – aber dafür mit umso größerer Qual.

Würde man so mit Massenmördern oder Hunden umgehen – der linke Bessermensch würde sofort auf die Barrikaden gehen. Mit Arbeitslosen kann man so umgehen – die Widergeburt eines tödlichen Faschismus inmitten der Demokratie unter dem Kommando eines Militärs erzeugte medial kaum ein Echo, lediglich der Stern erlaubte manchmal einen Hinweis auf den „Putsch von oben„.

Das sind natürlich harte Worte, die man nicht gerne hört. Noch härter als diese Worte sind aber die Fakten, die das menschenverachtende System produziert. Wundert es? Im Gegenteil, es war zu erwarten: wo Menschen als Parasiten bezeichnet werden, wo man sich stolz mit Aussagen brüstet, dass jener, der nicht arbeiten geht, auch nicht essen soll, sind die Leichen nie fern.

Eine ist jetzt wieder gefunden worden – in Halle, siehe Märkische Zeitung:

In Halle ist am vergangenen Sonnabend eine Frau tot in ihrer Wohnung im Stadtteil Silberhöhe gefunden worden. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass sie verhungert ist. Anwohner hatten die Behörden informiert, nachdem sie die 55-Jährige mehrere Tage lang nicht mehr gesehen hatten.

Eine Obduktion findet nicht statt. Das ist das schöne am Hungertod: er hinterläßt keine Spuren, die auf  Fremdverschulden schließen lassen.

„Sie war eine unscheinbare Person, ist jeden Tag hier lang gejoggt, war freundlich und hilfsbereit“, schildert eine Anwohnerin, die einige hundert Meter entfernt wohnt. Dass die 55-Jährige dennoch große Probleme hatte, wird schnell deutlich. Nachbarn berichten von Ärger mit dem Jobcenter, die Wohnungsgenossenschaft spricht von drei Monaten Mietrückstand. Auch muss sie in den vergangenen Wochen ihre Nachbarn mehrfach um Geld gebeten haben, weil das Einkommen fehlte.

Vegetarierin war sie. Hat nur Bio gekauft. Hat alles richtig gemacht.

Das Jobcenter Halle erklärte, sie sei zuletzt am 31. Januar zu einer Informationsveranstaltung gekommen. Danach habe sie die Zusammenarbeit eingestellt. Die Leistungen seien dann ausgelaufen. „Die Konsequenz war, dass sie dann nicht mehr bei uns Kundin war“, sagt Sprecher Michael Rücker.

Kein Wort über den „Ärger“ mit dem Jobcenter. Die Frau hat eben „die Zusammenarbeit eingestellt“ … ein Vorwurf, der jeden Sanktionierten trifft. Die Leistungen laufen dann auch immer aus. Und ohne Obduktion gibt es dann auch keine klare Todesursache. Schuld ist keiner, weil der Delinquent ja im Moment des Todes auch kein Kunde mehr war.

Möglicherweise hat sie psychische Probleme gehabt, heißt es. Man zeige mir mal denjenigen, der keine psychischen Probleme durch Arbeitslosigkeit bekommt – in einem Land, in dem Arbeitslose schlechter als Hunde oder Mörder behandelt werden.

Eine gute Gelegenheit, mal inne zu halten und zu überlegen, warum wir uns als Gemeinschaft eigentlich 120 000 Jobcentermitarbeiter leisten. Die größte Behörde in Deutschland – mit einer für Behörden typischen Entwicklung, siehe Spiegel:

Es ist aufwendig, Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen – und es wird immer teurer: Der Anteil der Verwaltungskosten hat sich im vergangenen Jahr verdreifacht. Bezahlt wird der Bedarf auch mit Geldern, die eigentlich für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt gedacht waren.

Auf mehrere Jahre bezogen ist die Entwicklung sogar noch beeindruckender:

Auch in absoluten Zahlen wurde noch nie seit 2006 so viel Geld von der Arbeitsförderung in die Verwaltung umgeleitet, 2010 waren es 13 Millionen Euro, 2012 überstieg die Summe bereits 150 Millionen Euro und im vergangenen Jahr wurde der Verwaltungsetat schon um 445 Millionen Euro aufgestockt.

Von 13 Millionen auf 445 Millionen – wozu eigentlich?

Um Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu bringen? Offensichtlich nicht – denn hier hat sich seit 2005 wenig verändert, siehe Zeit:

„Trotz eines Allzeithochs bei den Beschäftigungszahlen stagniert die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit etwa zwei Jahren auf demselben Niveau“, sagte der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Kein Wunder, denn die Ursache für Langzeitarbeitslosigkeit liegt unter anderem in gestrichenen Renten wie der Berufsunfähigkeitsrente, die es nur noch für vor 1961 geborene Menschen gibt. Doch nur, weil man die Rente streicht, die sicherstellen sollte, dass man mit seiner beruflich bedingten Erkrankung nicht den Anschluss verliert, werden die Menschen nicht plötzlich gesund: die heilende Wirkung von Rentenkürzungen hatten Kanzler Schröder und sein Kamerad Peter Hartz deutlich überschätzt.

Ebenso überschätzt wurde die gesamte Wirkung der Hartz IV-Reform, siehe Spiegel:

Das deutsche Jobwunder machte die Hartz-Reformen zum Vorbild für die Krisenländer Europas. Eine neue Studie räumt mit diesem Mythos auf: Nicht die Agenda 2010 habe Deutschland zum ökonomischen Superstar gemacht, sondern die Unabhängigkeit der Betriebe und der Gewerkschaften vom Staat.

Tja – so wird eine Erfolgsstory zum Mythos. Weil aber die Politik (und die Militärs in der Verwaltung) gerne Erfolgsmeldungen hören, greift man gerne zu anderen Mitteln, über die die Berliner Zeitung im letzten Jahr berichtete:

So funktionieren die Prämienzahlungen: Alle Jobcenter-Chefs schließen mit der Bundesagentur für Arbeit oder dem jeweiligen Bezirksamt Zielvereinbarungen ab. Interne Kennzahlen zeigen Ende des Jahres an, ob die Ziele erfüllt sind.

Laut einer vertraulichen Anweisung des Bundesarbeitsministeriums (liegt der B.Z. vor) für das Jahr 2013 soll hierbei auch die Sanktionsquote berücksichtigt werden. Heißt: Je mehr Verstöße geahndet werden, desto geringer die Ausgaben für Hartz-IV-Empfänger – und damit gibt es statistisch weniger hilfebedürftige Menschen.

Klasse, oder? Da kriegen Menschen Prämien dafür, dass sie hilfsbedürftige Menschen aus der Statistik eliminieren … und so letztlich aus dem Leben.

Das Geld für die Prämien nimmt man aus dem Topf für die Förderung der Arbeitslosen.

Man könnte auch von Kopfgeld reden. Kopfgeld für „raus aus der Statistik – tot oder lebendig“.

Wofür war die Behörde ursprünglich da? Wir müssen da mal einen Blick zurück wagen – etwas weiter in die Geschichte bürgerlicher Selbstversorgung.

Nun – das Experiment „Kapitalismus“ hatte dazu geführt, dass die noch im vorletzten Jahrhundert zu 100 % selbst versorgte Bevölkerung im Rahmen der durch die Industrialisierung vorgenommenen Umbauten ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung verloren hatte: aus ihren kleinen Höfen wurden Fabrikgelände, Autobahnen und Golfplätze.

Alles schön und gut, so lange es Arbeit gab. Schon hundert Jahre später merkte man: das klappte so überhaupt nicht. Zwar hatte sich die Industrie die jungen Leute von den Höfen geholt … aber nur solange, wie sie brauchte, um die Leute durch Maschinen zu ersetzen. Danach setzte man sich unfein von seiner gesellschaftlichen Verantwortung ab und lies den Steuerzahler/Versicherungsnehmer für die Verantwortungslosigkeit der neuen, asozialen Umgestalter der Gesellschaft bezahlen.

Um jene so asozial entsorgten und betrogenen Bürger aufzufangen  und nicht verhungern zu lassen, hatte ein damals noch kaiserlicher Staat die notwendigen Konsequenzen gezogen und begonnen, die ersten Versicherungen zum Schutz der von ihren Höfen gelockten Kleinbauern zu initiieren (siehe Deutsche Sozialversicherung), der allerdings erst 1927 in einer echten Arbeitslosenversicherung mündete – damals wußte man noch ganz genau, wer der Schuldige an der Misere war und durch einen Arbeitgeberbeitrag auch Verantwortung übernehmen sollte.

Die neue Qualität unserer „demokratischen“ Zeit? 150 Jahre nach der Gründung der ersten Versicherungen wird die Arbeitslosenversicherung zum Instrument der physischen (und psychischen) Vernichtung der Arbeitslosen.

Allerdings … werden die leise entsorgt.

Womit unserer „demokratische“ Gesellschaft in ihrer Grundgesinnung asozialer als das deutsche Kaiserreich geworden ist.

Nur gut, dass die Medien darüber nur höchst selten berichten – und dass es keine Studien über die Gesamtzahl an Hartz-IV-Opfern gibt. Könnte sonst sein, dass viel mehr Menschen im Land anfangen, sich äußerst unwohl und bedroht zu fühlen.

Zurecht … wenn ein Staat tödliche Gewalt gegen seine Bürger anwendet, ist die Zeit, wo höchste Wachsamkeit angebracht gewesen wäre, schön längst vorbei – auch wenn ein Staatsanwalt mangels Obduktion kein Fremdverschulden erkennen kann.

 

 

 

Faschismus der Rasse und Faschismus der Arbeit.

Faschismus der Rasse und Faschismus der Arbeit.

Dienstag, 15. Oktober 2013. Eifel. Großbritannien baut eine Cyberarmee auf. Gunter Dueck macht sich schon mal seine Gedanken darüber und ängstigt die Reichen, in dem er darauf hinweist, dass die TAN-Generatoren leicht von fremden Mächten ausgetrickst werden können, die dann einfach mal das ganze Geld von allen Konten einer Bank umbuchen: Kriegsführung der Zukunft. Damit sollten wir rechnen, wenn es uns nicht gelingt, Frieden zu erhalten. Im Zeitalter der Aufklärung war dieser Frieden das höchste Ziel, von Krieg hatte man die Nase voll: dreißigjähriger Krieg, siebenjähriger Krieg – vielleicht sogar ewiger Krieg jeder gegen jeden … das wollte man nicht mehr. Die Idee dazu war einfach: Gott weg, König weg, das Volk regieren lassen und zuvorderst die Vernunft fördern, die dann alles allein optimal regeln würde. Der Mensch sollte heraustreten aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit – und alle jubelten. Das Paradies schien in greifbare Nähe gerückt, das Himmelreich war nah. Dann kam – vor fast einhundert Jahren – der erste Weltkrieg.

Der einzige Mensch auf dem europäischen Kontinent, der vorhersagte, dass dieser Krieg unführbar sein würde, war … ein polnischer Bankier. Jahrelang mordeten Maschinengewehre und Granaten Soldaten im Stacheldrahtverhau, der jede Bewegung unmöglich machte – genau wie es jener Bankier vorausgesagt hatte. Es war auch eine einfache Vorhersage: die Kombination von Stacheldraht und MG-Feuer ist tödlich – für beide Seiten.

Man nahm an, dass der erste Weltkrieg ein Unfall war, jener Krieg, der geführt werden musste, um alle Kriege für ewig zu beenden. 25 Jahre später begann der Zweite Weltkrieg, der der Idee der Aufklärung einige weitere Tiefschläge versetzte: sogar der wahnhafte Hitler verzichtete auf den Einsatz von Giftgas, dafür entwickelten die Demokratien mit der Atomwaffe eine noch viel vernichtendere Option. Zudem kam es zu etwas außerordentlich grauenhaftem: ein ganze Volk wurde ausgelöscht. Die europäischen Progrome gegen Juden erreichten gerade in Deutschland – dem Land der Dichter und Denker – einen neuen, endgültigen Höhepunkt: die industrielle Massenvernichtung von Menschen wurde in die Tat umgesetzt … mit deutscher Gründlichkeit.

Das Entsetzen über diese Entwicklung hält bis heute an, doch kaum jemand erinnert sich noch daran, warum das eigentlich so entsetzlich ist. Völkermord ist ein altes Hobby der imperial denkenden Menschheit, der Mensch ist halt der Wolf des Menschen … und deshalb hielten Denker wie Hobbes Demokratie für unmöglich: nur ein absolut mächtiger König sei in der Lage, den Wolfsmenschen im Zaum zu halten.

Peinlich für alle Aufklärer: die Geschichte scheint Hobbes Recht zu geben.

Nun gehöre ich zu denen, die beständig vor Faschismus warnen. Würde ich auch machen, wenn ich ganz allein mit dieser Überzeugung wäre. Darf ich auch – selbst wenn es manchen nicht passt: in diesem Land herrscht Meinungsfreiheit. Warum es zu dieser völligen Vernichtung der Ideale der Aufklärung im Dritten Reich kommen konnte, weiß noch keiner. Wir als Deutsche verdrängen das Thema lieber, konzentrieren uns darauf, dass nie wieder ein Adolf Hitler SA-Schläger durch die Straßen treiben wird. Da Hitler tot ist, können wir uns sicher sein, mit diesem Kampf gegen Rechts sehr erfolgreich zu sein.

Wie immer aber, wenn man eine Krankheit nur verdrängt und nicht heilt, sucht sie sich andere Bahnen, in denen sie sich ausdrücken kann: wer zu lange seinen Schnupfen ignoriert, kriegt später einen massiven Herzschaden – man kennt das aus der Medizin.

Was wir erlebt hatten, war ein Faschismus der Rasse. Das ist nichts Besonderes. Die USA – die große Freiheitsnation – haben mit dieser Strömung seit ihrer Gründung zu kämpfen, die Ureinwohner sind derweil fast ausgerottet, die Juden können von vielen Völkern erzählen (Polen, Russen, Franzosen – um nur ein paar zu nennen) denen der Faschismus der Rasse bekannt ist: die unausrottbare Überzeugung, es gebe wertvolle Menschen und minder wertvolle (wenn nicht sogar schädliche) Menschen.

Der Faschismus der Rasse hat in Deutschland sogar besonders krude (aber auch extrem kraftvolle) Blüten erzeugt: hier wurde der Kampf gegen das Judentum zum religiösen Weltkrieg „Gut“ gegen „Böse“, der blonde Arier gegen den dunklen Juden. Wie üblich, war das sogar sehr gut gemeint. Die hatten keine bösen Absichten beim Entwurf dieses Mythos, die waren (und sind auch heute noch) fest davon überzeugt, dass das wahr ist und sie der (undankbaren) Welt doch nur einen großen Gefallen tun wollen. Wie üblich, wenn etwas nur „gut gemeint“ war, ging es sehr in die Hose.

Man hätte viel daraus lernen können: zum Beispiel, dass manche „Meinungen“ einfach schon an sich „Verbrechen“ sind. Wie ich aktuell lese, haben das noch nicht alle verstanden. Man hätte daraus lernen können, das Vernunft und Demokratie nicht ausreichen, den Dämon im Zaum zu halten – ja, und fast scheint es zu sein, als wenn der Gottkönig die einzige politische Alternative ist, die uns nach diesen Erfahrungen noch bleibt. Der wird vielleicht ja jetzt auch kommen, die EU ist auf dem besten Wege dazu, ihn zu installieren – obwohl die sicher auch alles nur gut meinen.

Es gibt natürlich Menschen, die profitieren von faschistischen Gesellschaften – ebenso haben faschistische Gesellschaften für uniformierte Bürger Vorteile zu bieten, die nicht von der Hand zu weisen sind: man fühlt sich nicht mehr allein, ist Teil einer großen Wertegemeinschaft, kann sich hemmungslos an den Gütern jener bereichern, die keine Uniform wollten. Wichtiger aber ist der Vorteil für jene, die wirkliche Macht in Form von Land und Geld haben: sie geraten bei diesen chaotischen Zuständen völlig aus der Schusslinie, in die sie seit der Oktoberrevolution hineingeraten sind.

Ein Schelm, wer denkt, diese Mächte hätten sich seit der Französischen Revolution in Luft aufgelöst: sie protzen nur weniger mit Öffentlichkeit. Nach wie vor sind sie aber bestimmt durch ihre Angst vor der Masse, die ihnen ihre Golfplätze besetzen könnte, um dort ein neues Woodstock zu veranstalten.

Eine wehrhafte Demokratie mit unaufgearbeitetem Faschismus der Rasse ist deshalb gut beraten, aufmerksam auf andere Ausdrucksformen zu schauen, die er annehmen kann – und die gibt es eine, die 1938 schon mal angetestet wurde: der Faschismus der Arbeit.

Arbeit ist an und für sich nichts Schlechtes. Landen wir alle auf einer einsamen Insel, so hilft nur Arbeit, um unser Überleben zu retten: dort wäre für Debatten über ein bedingungsloses Grundeinkommen gar kein Platz – im Gegenteil: Debatten jeder Art würden erstmal das Überleben gefährden – wir bräuchten Wärme, Wasser, Nahrung, bevor wir diskutieren, welche Staatsform wir uns geben. Hier diktiert erstmal die Not die Politik – und zwingt zu gemeinschaftlichem, sozialen und solidarischem Handeln, da ist für Egomanen kein Platz, solche Luxusgeschöpfe können sich nur Luxusgesellschaften leisten.

Der Begriff Arbeit kann aber auch missbraucht werden … wie der Begriff Rasse, Volk, Nation und jeder andere Begriff auch.

Im Jahre 2013 wird die Arbeit weitgehend von Maschinen gemacht, Arbeit ist ein knappes Gut geworden, sie liegt nicht mehr auf der Straße. Ebenso wird das Tauschmittel Geld künstlich verknappt (das braucht man zur Züchtung von Luxusmenschen, von denen man sich die Rettung der Wirtschaft verspricht – was die allerdings praktisch gar nicht leisten), von Arbeit allein können viele gar nicht mehr leben – ihre Zahl geht in die Millionen.

Und in einer solchen Situation hat der Faschismus der Rasse eine neue Ausrucksmöglichkeit: anstatt Ausländerfeindlichkeit findet er Armenfeindlichkeit attraktiv.

Wer Armenfeindlichkeit nicht gut findet, ist eben Sozialromantiker und damit ziemlich bescheuert: diese Meinung hat sich schon in breiter Front durchgesetzt.

Die Logik ist überwältigend: an der herrschenden (und DROHENDEN) Armut sind die ARMEN schuld – ganz klar. Rotten wir die Armen aus, verschwindet auch die Armut. Superlogisch, oder? Wir können die Armen auch einfach zur Arbeit zwingen (genau zu jener Arbeit, die schon für Arbeitnehmer erlebbar ist), dann sind sie vielleicht gar nicht mehr arm und wir können unseren Reichtum unbegrenzt genießen.

Schön wäre auch, wenn man die Armen öffentlich kennzeichnen würde, damit jeder sie erkennt. Es wäre auch gut, sie in Lager zu halten, wo sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren können: Bewerbungen schreiben, ordentlich aussehen, Gabelstaplerfahrscheine machen – was so ein Armer eben zu tun hat. Und wenn der nicht spurt: einfach mal das Essen streichen, der Hunger wird ihm schon beibringen, gehorsam zu sein.

Faschismus der Arbeit – heute schon aktiv.

Geht ganz ohne Hitler und SA/SS, aber nicht ohne die gleichen asozialen Gestalten im Hintergrund, die sich jetzt nicht mehr am Vermögen der Juden sondern am Vermögen älterer Arbeitsloser bereichern: kraft Gesetz. „Sozialverträgliches Frühableben“ ist schon im Gespräch, noch ein paar Jahre weiter, dann wird es Tat werden: versprochen.

Die Logik des Faschismus erlaubt keinen anderen Umgang mit dem Gegner/Opfer als dessen völlige Ausrottung, man bildet ja gerade deshalb diese „Kampfbünde“, um sich in Zeiten größter Not gegen einen überwältigenden Feind zu stemmen: das internationale Judentum oder den Sozialschmarotzer.

Damit Faschismus sich nie wieder Bahn bricht, wurden die Allgemeinen Menschenrechte gesetzt: Werte mit der Macht eines Königs. Das war eine autoritäre Tat der Notwehr, die sich jeder Meinungsfreiheit entzieht: darüber wird nicht mehr diskutiert – das hatten wir aus dem Zweiten Weltkrieg gelernt.

Vielleicht kann man mir kurz mal helfen: in wie vielen Punkten bricht die deutsche Sozialgesetzgebung im Jahre 2013 aktuell Menschenrechte? Bin da gerade nicht auf dem neuesten Stand, vielleicht kann da jemand weiterhelfen.

„Würde des Menschen. Nichts davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen. Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.“ Friedrich Schiller Ende Oktober 2008 urteilte das Landessozialgericht Darmstadt, dass die Hartz-IV-Regelsätze für Familien weder mit der Menschenwürde noch mit dem sozialen Rechtsstaat vereinbar sind.  (Aus: Blätter für deutsche und Internationale Politik, hier von Franz Segbers)

Arbeit wird zum Maßstab für den Lebensberechtigungsschein, der Arbeitsbegriff missbraucht für Selektion und (erstmal) soziale Vernichtung. Alltag in Deutschland im Jahre 2013, Folge einer nie verstandenen noch verarbeiteten faschistischen Vergangenheit, die viele gerne wiederholen würden, könnte man ihnen garantieren, dass sie die Uniform bekommen.

Die Uniformen sind schon da: 15 000 Euro kosten sie – das Stück.  Eingeweihte erkennen diese Uniformen (dazu gehören auch spezielle Uhren, Krawatten und Schuhe, die Hemden nicht zu vergessen): der Dresscode der Elite. Früher trugen sie andere Uniformen und missbrauchten den Begriff Rasse (der an und für sich ja auch ziemlich harmlos ist, bis er zur „Rassenpolitik“ wird, wie Arbeit zu „Arbeitsmarktpolitik“ geworden ist – und damit zu einem Instrument der Machtausübung).  Heute sind die Uniformen dezenter – wie auch das Auftreten.

Doch die Ergebnisse werden allmählich ähnlicher, auch wenn sich das nur jenen erschließt, die Faschismus auch dann erkennen, wenn er nicht deutlich durch Hakenkreuzarmbinden gekennzeichnet ist.

Der nächste Hitler wird auch nicht Hitler heißen, es kann sogar sein, dass er zu Juden sehr freundlich ist (die haben jetzt Atombomben, dass ändert alles), seine Partei wird auch nicht mehr NSDAP sein – aber eins kann ich Euch versichern: die Leichenberge werden sich nicht unterscheiden. In einer Gesellschaft in der Maschinen die Arbeit erledigen und die Rendite bringen, sind Normalbürger nur noch eins: Kosten auf zwei Beinen.

Und was machen wir mit Kostenfaktoren?

Wir liquidieren sie.

Cyberarmeen – wie üblich nur zum Schutz gedacht – können das sehr schnell erledigen: ein Knopfdruck und die komplette Existenz ist vernichtet, samt Eintrag im Grundbuch, beim Einwohnermeldeamt, der Rentenversicherung und der Löschung aller Konten und Vermögenswerte. Den Rest erledigt die Natur schon ganz von allein, zur Not helfen Gesetze gegen Obdachlose, die aktuell schon in Ländern der EU in Erprobung sind.

 

 

 

 

 

 

 

Ausländerhass: Eine der Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen

Mit Dank an das Narrenschiff:

 

(…) Es geht nicht darum, dass der Russe Österreich annektiert hat und acht Millionen Österreicher beim Piefke Asyl suchen; es geht um 120 arme Schweine, die in einem leeren Wohnheim, das unnütz in der Gegend herumsteht, untergebracht werden sollen, bundesweit um vielleicht 80.000 Asylsuchende (= 1 Promill der Gesamtbevölkerung), deren Anträge ohnehin meist abgelehnt werden und die bis dahin in ihren Unterkünften nicht mehr dürfen als vergammeln, weil arbeiten verboten ist und Residenzpflicht herrscht. Für den deutschen Spießbürger geht es auch nicht darum, dass er Kleider spenden müsste, Suppe ausschenken oder Flüchtlingskindern das schlechte Deutsch beibringen, in dem er seinem Hass holpernd Ausdruck verleiht, nein: Er [müsste] sie bloß dulden, hinnehmen, akzeptieren. Nicht einmal das, diese Schwundstufe von Solidarität, ist drin (…).

(Weiterlesen)

Anmerkung: Wieder einmal eine unbedingte Leseempfehlung – in diesem Text zieht der Herr Gärtner in seiner Titanic-Kolumne wieder dermaßen scharfzüngig und klar vom Leder, dass ich nicht viel hinzuzufügen habe. Es gibt vieles, was ein Mensch in Deutschland nicht sein möchte – arm zum Beispiel oder arbeitslos -, aber ein „Ausländer“, der noch dazu Asyl sucht und vor Verfolgung, Terror und/oder dem Hungertod flüchtet, sollte um diesen bis auf die blanken Knochen verkommenen Staat einen wirklich großen Bogen machen.

Genau das ist auch das erklärte Ziel dieser menschenfeindlichen Bande, vornehmlich aus der CDU/CSU und der FDP (aber keineswegs darauf beschränkt): Machen wir den Hilfesuchenden das Leben zur Hölle, so dass sie freiwillig schnell wieder gehen oder (noch besser) gar nicht erst kommen – das ist das praktizierte und auch öffentlich kredenzte Credo der neoliberalen Bande. Dieser braune Sumpf trifft auf viel Zustimmung in der dumpfen Bevölkerung – schließlich haben wir hier wieder einen „Feind“, der für die eigenen Abstiegsängste und tatsächlich stattfindenen Abstiege verantwortlich gemacht werden kann, auch wenn die wirklichen Gründe dafür ganz woanders liegen. Im faschistischen Deutschland ab 1933 waren neben politischen Gegnern vor allem Ausländer, Juden, Arbeitslose, Behinderte und Kranke das Ziel der Repression – und heute? Ersetzen wir „Juden“ durch „Muslime“ – denn Juden gibt es in nenneswerter Anzahl nicht mehr in diesem Untergangsland -, dann trifft die Aussage exakt wieder den Kern der gruseligen Realität.

Und die Mehrheit der Bevölkerung findet das offensichtlich gut. Es ist alles wie damals – einen signifikanten Unterschied zum Ende der Weimarer Republik kann ich nicht mehr erkennen. Diejenigen, die eine wirkliche Wende jenseits der propagandistisch beschworenen „Mitte“ (die heute ungefähr dort steht, wo sich vor 30 Jahren die NPD befand) herbeiführen könnten, wählen nicht mehr und überlassen das Feld den dumpfen Horden des Stumpfsinns – und der Stumpfsinn driftet derweil (gut gesteuert, organisiert und von interessierter Seite natürlich gewollt) in weitgedehnte rechtsextreme Bereiche.

Ich schäme mich bis auf die Knochen, ein Deutscher zu sein. Und ich werde „Nein!“ sagen zu diesem Menschenhass dieses faschistischen Irrsinns, solange ich das noch kann.

Wie SPON modernen Faschismus züchtet

Mittwoch, 10.7.2013. Eifel. Hätte man mir früher gesagt, dass ich einmal zu einem eifrigen Verteidiger der katholischen Kirche werde, so  hätte ich demjenigen wohl einen Aufenthalt in der Psychiatrie empfohlen. Ich war als Kind katholisch, habe mich äußerst gründlich mit der Religion auseinandergesetzt, sie als Verrat am Christentum, als Verrat an der Menschheit und Feind der Wissenschaft erkannt, außerdem war sie verlogen, hinterhältig, ein äußerst hässlicher, imperialer Machtapparat mit einem entsprechendem absolutistischem Erscheinungsbild und passenden politischen Strukturen dazu. Zudem wählte sie "Gottes Stellvertreter auf Erden" - was wohl die größte Blasphemie darstellte, die innerhalb des christlichen Wertegebäudes erdacht werden kann: sie schreiben Gott vor, wer für ihn auf Erden Regeln setzen darf. Wer so mit seinen eigenen Heilligkeiten umgeht, kann nur ein Schwindler sein.

Mittwoch, 10.7.2013. Eifel. Hätte man mir früher gesagt, dass ich einmal zu einem eifrigen Verteidiger der katholischen Kirche werde, so  hätte ich demjenigen wohl einen Aufenthalt in der Psychiatrie empfohlen. Ich war als Kind katholisch, habe mich äußerst gründlich mit der Religion auseinandergesetzt, sie als Verrat am Christentum, als Verrat an der Menschheit und Feind der Wissenschaft erkannt, außerdem war sie verlogen, hinterhältig, ein äußerst hässlicher, imperialer Machtapparat mit einem entsprechendem absolutistischem Erscheinungsbild und passenden politischen Strukturen dazu. Zudem wählte sie „Gottes Stellvertreter auf Erden“ – was wohl die größte Blasphemie darstellte, die innerhalb des christlichen Wertegebäudes erdacht werden kann: sie schreiben Gott vor, wer für ihn auf Erden Regeln setzen darf. Wer so mit seinen eigenen Heilligkeiten umgeht, kann nur ein Schwindler sein.

Allerdings muss ich sagen, dass ich trotzdem gelegentlich Partei für diese Halunken ergreife – nicht nur, weil ich mit Eugen Drewermann oder Anselm von Grün zwei Menschen kennen gelernt habe, denen ich ihren „religiösen Wahn“ als ernste Weltanschauung abnehme, sondern weil die katholische Kirche schon in den fünfziger Jahren jene Veränderungen im Menschen festgestellt hat, jene Experimente an der menschlichen Seele, die uns heute unsere kapitalistischen Krisen beschert: dafür gebührt ihr hohe gesellschaftliche Achtung, unsere Intellektuellen haben die Folgen dieser Entwicklung erst 63 Jahre später bemerkt – siehe Frank Schirrmachers Buch EGO. Wir haben gepennt – und die Kirche hat sich auch keine große Mühe gegeben, uns vor der Entwicklung zu warnen, zu sehr war sie mit anderen Dingen beschäftigt: zum Beispiel mit der Sorge um ihr eigenes Überleben im Zeitalter des Antichristen.

Ja – selbst das äußert die Kirche nicht allzu deutlich, dabei ist der Kampf gegen Teufel und Dämonen ihr ureigenstes Metier:

„Erstaunlich ist, dass das Alte Testament dem Teufel wenig Platz einräumt, während die antiken orientalischen Religionen eine ausgesprochen malerische und höchstentwickelte Dämonenlehre vorweisen konnten. Vielleicht hatten die Verfasser des Alten Testamentes die Sorge, den Monotheismus abzuschwächen oder den offiziellen hebräischen Kult zu verletzen oder überhaupt das Problem des Bösen zu verfälschen. 

Das Neue Testament ist da ausführlicher. Man begegnet hier öfter den Begriffen „Dämonen“, „Geister“, „böse Geister“, „unreine Geister“, „das Böse“, „der Versucher“. 

Für den heiligen Johannes ist die Passion Jesu ein einziger Kampf gegen den Teufel; in der Apostelgeschichte heißt es, dass die Predigt der Apostel den Kampf zwischen dem Reich Gottes und dem Reich des Teufels fortführt“

(aus: Albino Luciani, Ihr ergebener Albino Luciani, Verlag Neue Stadt München 1978, Seite 191)

Sofort höre ich Widerspruch und Aufruhr in deutschen Landen, man meint, das Mittelalter kehrt zurück. Es wäre schön, wenn das so wäre, denn das Mittelalter kannte keine industrielle Massenvernichtung wie den Holocaust, die Atombombe, die automobile Gesellschaft, das Plastik oder die medikamentenverseuchte Nahrung … um nur ein paar häßliche Erscheinungsformen der ach´ so tollen modernen Gesellschaft zu zitieren, in der zudem immer weniger Menschen einen akzeptablen Platz finden.

Wir sind aber gar nicht so weit weg von diesen Gedanken wie wir meinen würden – wir haben nur eine andere Perspektive. Wo der altgläubige Mensch Dämonen wirken sah, sehen wir psychische Krankheiten walten (die uns oft genauso hilflos vor gruseligen Phänomenen stehen lassen wie unsere Vorfahren) – oder der „Zeitgeist“ schlägt mal wieder grausam aus und fordert die physische Vernichtung eine unsere Minderheiten.

Der Unterschied liegt lediglich in einem kleinen Detail: wir modernen Menschen schieben uns selbst die Schuld zu, während die Mehrheitskultur der Menschheit sich manipulierende Geister erdachte, deren bösen Einflüsterungen man erliegt – wenn man zum Beispiel wieder besseren Wissens minderwertige Schrottpapiere an Pensionsfonds verkauft, seine Nachbarin vergewaltigt oder Waffen in Krisengebiete liefert. Der Unterschied zum altgläubigen Menschen? Für ihn ist der Mensch ursprünglich gut, für uns ist der Mensch abgrundtief schlecht.

Ja – in Deutschland werden mehr Frauen vergewaltigt als in Indien (siehe The Intelligence), offensichtlich zeigt unsere Weltbild keine großartig heilsame Wirkung auf die menschliche Seele und das menschliche Miteinander – eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Definiert man den Menschen als böses Tier, lässt er sich halt leichter erschießen, wenn man genug von ihm hat. Auch mit Vergewaltigungen hat man dann keine großen Probleme mehr – „der Mann ist halt so und die Frau (auch nur ein Tier) braucht das“.

Wir, die „aufgeklärten, guten Menschen“ können ganz gut mit der Tatsache leben, dass unser Reichtum (selbst der relative Reichtum der Hartz IV-Empfänger- nimmt man den Weltmaßstab als Vergleich) auf Kosten des Lebens, der Freiheit und der Gesundheit des Restes der Welt geht, dass unsere Lebensweise mehr Ressourcen verbraucht, als selbst zwei Planeten hätten, dass unsere Waffen in aller Welt Menschen töten  – wie auch unsere Wirtschaftsordnung.

Manche können mit diesen Fakten nicht so gut leben und möchten gerne etwas dagegen tun – dasselbe, was schon seit Jahrtausenden dagegen unternommen wird: man versucht, die bösen Geister zu verjagen, die den Menschen zu so irrationalem und schädigendem Verhalten verleiten, wie es bei uns im Geschäftsleben, an der Börse, in der Sozialpolitik oder der Außenpolitik inzwischen die Regel geworden ist. Auch unsere Aufklärung ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Exorzismus gewesen: wir haben allerlei krumme, krude, „abergläubische“ böse Gedanken aus dem gedanklichen Inventar der Menschen verjagt, Gedanken, die – für sich betrachtet – gut und gerne als „Geister“ durchgehen könnten – was sollten sie auch sonst sein?

Einer jener Heiler des Geistes kam jetzt nach Polen, versammelte 58000 europäische Bürger um sich und verjagte mit ihnen gemeinsam böse Geister – oder „schlechte Laune“ wie wir dies in anderen sprachlichen und gedanklichen Mustern ausdrücken würden, siehe Spiegel:

Er weckt Assoziationen ans Mittelalter, doch in Polen zieht er die Massen an: der aus Uganda stammende Teufelsaustreiber Bashobora. Rund 58.000 Gläubige folgten seinem Ruf ins Warschauer Nationalstadion. Zum Service gehörten auch Sprechstunden von Hilfs-Exorzisten.

Niemand echauffiert sich groß, wenn es um andere Gute-Laune-Veranstaltungen geht: Heavy-Metal-Konzerte mit satanisch orientierten Bands und radikal menschenverachtenden Texten. Um nichts anderes geht es hier: um ein „Konzert“. Aber die Reaktion der Spiegelleser erinnert dann wirklich an das finstere Mittelalter – an die Hexenjäger, die am liebsten den ideellen selbst erwählten Gegner mit Haut und Haaren dem reinigendem Feuer ausliefern würden:

Dennis89, seines Zeichens wohl ausgebildeter Facharzt für Psychiatrie liefert hierzu eine Diagnose, die andere Menschen 1:1 auf Heavy-Metal-Konzerte übertragen würden:

Ein Haufen Geisteskranker. Ohne Hirn und Verstand. 

Religionsfreiheit ist – neben Redefreiheit, Versammlungsfreiheit und Pressefreiheit eine der zentralen Säulen der Freiheit (hier mal als Poster bei Zazzle für Zuhause).

Menschen, die drei dieser Freiheiten an Anspruch nehmen als „Geisteskrank“ zu bezeichnen, ist tiefster faschistischer Unglaube.

UnitedEurop meint:

Herr, lass Hirn regnen! Wir lästern über archaische Stammeskulturen in Afghanistan und mokieren uns über mittelalterliche Islamvorstellung und dann kommt so jemand ins Herz Europas und die Leute jubeln …

Und wie gerne würde man „so jemand“ in die Schranken weisen – am besten in ein Lager, wo man ihm seine Faxen austreibt, nicht wahr?

Heinz4444 macht es sich ebenso einfach:

tiefste Mittelalter inmitten der EU. Einfach nur gruselig, dieser religöse Wahnsinn.

Nun – Urteile ohne Kenntnis der Materie zu fällen war schon immer das Kernmetier des faschistoiden Typus – und den kulturell Andersartigen als geisteskrank zu bezeichnen war schon immer der Beginn groß angelegter Säuberungen.

ghandiforever bringt es auf den Punkt:

58 000 irre, denen der Mann aus Uganda den Teufel austreiben will.

Die gehören doch wohl alle hinter Gitter, oder? Zumindestens in die Psychiatrie. Immerhin machen sie dem Deutschen Angst, zum Beispiel Nr. 42:

Bei solchen Veranstaltungen in Europa kriegt man echt Angst! Was zur Hölle treibt Menschen im 21sten Jahrhundert in die Händer solcher Scharlatane? Der Kerl stopft sich bestimmt dick fett die Taschen, weil es genug Spinner gibt, die ihm seine Märchen glauben und auch noch bezahlen.

Ja, da kriegt man auch Angst, wenn man sieht, wie „aufgeklärte“ Spiegelleser den Gebrauch von drei der vier freiheitlichen Grundrechte anprangern und lediglich betrügerische Geschäftemacherei in einer Aufführung erkennen können, die sich graduell kaum von einem „Ich-hasse-alles-und-jeden-vor-allem-meine-Mama“-Konzert der örtlichen Heavy-Metall-Abteilung unterscheidet.

Anderen macht nicht der Prediger Angst, sondern seine Fans, siehe Mischamai:

Nicht die Prediger machen mir Angst,sondern tausende von hirnlosen Menschen die sich von solchen Scharlatanen das Geld aus der Tasche ziehen lassen uns später auf die Menschheit losgelassen werden mit Botschaften welche nicht einmal für den Mülleimer nutzen.

Wir müssen uns schützen vor den  Hirnlosen! Sicher ist den aufgeklärten Mitmenschen bewusst, dass hirnlose Menschen als tot gelten – da wird gleich die berechtigte Massenexekution vorbereitet, ohne dass man strafrechtlich dafür belangt werden kann: Tote kann man nicht ermorden. Ohne Hirn wäre ihre Hinrichtung höchstens Leichenschändung.

Natürlich fehlt auch nicht die Forderung nach politischer Entmündigung der „Kranken“, hierfür sorgt der Stäffelesrutscher:

Und dürfen die alle bei Wahlen teilnehmen? Erbarmung!

Ich habe mir die Kommentar durchgelesen. Was mir Angst machte?

Kaum einer sah sich genötigt, die offene Ablehnung der Spiegelleser gegen elementare Grundwerte einer Demokratie anzuprangern. Man fragt sich sogar: warum gab es den Artikel überhaupt? Völlig irre Dinge gehören zu einer Demokratie dazu, Millionen von Deutschen nehmen begeistert daran teil, ohne dass der Spiegel daran Anstoß nimmt, siehe Leser mundi:

Wenn 22 Männer um ein Lederball kämpfen und ein Guru, speziell gekleidet, die Kampfmittel beurteilt, schauen in manchen Ländern sogar 100.000 Menschen zu. Hinzu kommt noch die Radio- und Fernsehübertragung.

Das erwachsene Menschen völlig außer sich geraten, sich, ihr Haus und ihr Auto mit Devotionalien „ihres“ Vereins schmücken, sich gegenseitig tierisch aufs Maul hauen und bei dem Verlust des Spiels schlimmer aus dem Häuschen sind als nach Veröffentlichung der Vergewaltigungsquoten in Deutschland (die eigentlich nur Frauen betrifft und deshalb weitflächig ingnoriert wird – „böse“ Tiere sind halt so), wird kommentarlos hingenommen … oder sogar durch regelmäßige Berichterstattung unterstützt.

Das andere Erwachsene Menschen sich bei seelischen Nöten Beistand vom alten Dorfschamanen holen, weil die moderne Medizin ihr Leiden zwar in andere Worte fassen aber auch nicht heilen kann, ist jedoch einen kleinen Kreuzzug wert?

Freie Religionsaussübung ist wie freie Presse, die Freiheit der Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit und absoluter, unantastbarer Grundwert menschlicher Freiheit.

Wenn sich hundert Anhänger des GROßEN KÜRBIS in Bielefeld am Kürbisfeld sammeln, um ihrem Erlöser zu huldigen, so hat keinerlei Kritik statt zu finden – darum machen wir „Demokratie“. Es ist noch nicht mal statthaft, diesen Menschen die Existenzgrundlage zu entziehen, in dem man unbewiesenermaßen behauptet, es gäbe so etwas wie einen GROßEN KÜRBIS nicht!

DIE DÜRFEN GLAUBEN WAS SIE WOLLEN!

Streng wissenschaftlich gesehen ist die Aussage „es gibt keinen Gott“ Humbug – dass weiß jeder, der sich mit den Dimensionen von Wahrheits- und Erkenntnistheorien beschäftigt hat oder einfache Aussagelogik versteht, streng nach Ockham würde die Einführung eines „Gottes“ sogar notwendig sein, um Aussagekomplexe über Wahrheit zu verkürzen – doch so weit wollen wir gar nicht gehen.

Hier geht es um Politik und nicht um Wissenschaft. Es geht um das Auftreten neuer Formen des Faschismus, diesmal ausgehend von sich pseudoaufklärerisch gebärdenden Elementen, die durch herkömmliche Faschismustheorien nicht beschreibbar sind, sich aber ganz einfach herleiten lassen:

die vier Säulen der Freiheit, die Grundsätze der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte, sind direkt aus der Auseinandersetzung mit dem Faschismus entstanden und als sein Gegenpol verstanden worden.

Insofern kann man gerechterweise jede Bewegung faschistisch nennen, die es sich zur Aufgabe macht, diese Rechte für alle oder für Teile der Gesellschaft zu negieren – und die Ausübung der Religionsfreiheit (so drollig deren Ausübung auch im Einzelnen aussehen mag) ist ein gottverdammtes Grundrecht all´ unsere Nachbarn.

Und wem das nicht passt, der sollte sich gleich schon mal eine Hakenkreuzarmbinde kaufen – da wäre er dann in guter Gesellschaft.

Was ist das nächste Thema, das angepackt wird, wenn man mit der Religionsfreiheit fertig ist?

Wirtschaftstheorien müssen dann genauso widerspruchslos geschluckt werden wie Parteiprogramme, Sozialpolitik oder die Wiedereinführung der Sklaverei.

Die Begründung wird immer die gleiche sein – wir haben uns daran gewöhnt: alles andere als das was die Obrigkeit als Wahrheit definiert ist mittelalterlich, geistig krank, beängstigend und gehört ausgemerzt.

Darum findet der Kampf um unsere Freiheit unter anderem an den Grenzen des katholischen Glaubens statt – ob es uns passt oder nicht. Das ist auch völlig unabhängig von den unzähligen Verfehlungen der Kirche. Der oben zitierte Albino Luciani könnte ein Lied davon singen: als 33-Tage-Papst mit ungeklärter Todesursache wurde er eine kleine Berühmtheit, die Gerüchte über seine Ermordung kommen nicht zum Verstummen (siehe z.B. Spiegel): er wollte den Saustall halt aufräumen, wie es sein aktueller Nachfolger versucht.

Aber genauso wie wir selbst die Rechte von Mördern schützen müssen, um unsere eigenen zu sichern, müssen wir die Kirchen und Religionen vor ihren Verfolgern retten: es ist und bleibt eine der höchsten Werte der Menschheit, sich ungestraft jeglicher gedanklichen Spinnerei hingeben zu dürfen, die einem gerade in den Kram passt.

Zu den erlaubten Spinnereien – das sei der Vollständigkeit halber gesagt – gehört auch der Atheismus. Auch er gehört zu den schützenswerten Nischenreligionen, deren Existenz Beweis für die Lebendigkeit der Demokratie ist – solange er nicht die Auslöschung der Andersdenkenden oder die Auslöschung ihres Denkens fordert. Nationalsozialismus ist deshalb – trotz unserer freiheitlichen Kultur – in Deutschland zurecht verboten.

PS: die Schreibfehler in den Zitaten sind nicht vom Autor. Mir gehören nur die anderen.

 

 

 

Wie die Superreichen ein neues „Reich des Bösen“ errichten … in Deutschland und der Welt – und wir merken es alle!

Wie die Superreichen ein neues "Reich des Bösen" errichten ... in Deutschland und der Welt - und wir merken es alle!

Samstag, 9.3.2013, Eifel. An manchen Tagen ist es schwer auszuhalten, wie einige Provinzdeppen die Welt erklären. Einfach Israel auslöschen, alle Juden vergasen – vor allem die Reichen aus den USA, die auch alles Hochgradfreimaurer sind – und schon ist die Welt ein Paradies … jedenfalls lese ich das manchmal in den Leserkommentaren einschlägiger Blogs, deren Rechner regelmäßig von der Staatsanwaltschaft eingezogen werden – zurecht, wie ich meine: wenn man seine eigene Dämlichkeit mit solch stolz geschwellter Brust durch die Welt trägt, gehört das bestraft. Sicherlich erfreut es die wirklichen Täter, das es immer noch solche Idioten gibt – und wahrscheinlich lässt man denen auch viel Geld zu kommen, damit das so bleibt. Immerhin verhindert man so in Deutschland, dass sich hier Gesellschaftskritik zu einer wirksamen politischen Gegenmacht vereint: das hat jüngst erst die Piratenpartei erfahren, ehedem hatten die Grünen ihre braunen Stellen (z.B. in Berlin). In Deutschland geht das kaum anders: kaum regt sich Widerstand gegen die Kosmokraten, die Korporatokratie, die Plutokratie – schon bekommt man vom Bundesamt für Verfassungsschutz einen Satz brauner Gimpel geliefert, die ihren Dunst nach allen Seiten hin verbreiten. Dabei ist Deutschland prädestiniert, den Feind zu kennen und wissenschaftlich zu beschreiben. 1942 haben wir das das erste Mal getan:

1942 erschien in New York erstmals Franz Neumanns Analyse der Struktur der nationalsozialistischen Herrschaftsstrukturen unter dem Titel Behemoth. Wenige Bücher haben die amerikanischen Intellektuellen jener Zeit tiefer beeindruckt. Neumann zeigte nämlich, wie aus  den Ingredienzen der modernen Gesellschaft – Industrialisierung, Bürokratisierung, Parlamentarisierung und Militarisierung – nicht nur Freedom and Democracy zusammengebraut werden können, sondern auch Diktaturen. Und er zeigt, das das Zusammenspiel der entsprechenden Eliten (Monopol- oder Konzernelite, bürokratische Elite, politische Klasse und Militär) durchaus in beide Richtungen laufen kann, ja beide Richtungen einkalkulierte.

(zitiert nach Krysmanski, Hirten und Wölfe, Verlag Westfälisches Dampfboot, 4. Auflage 2012, Seite 103)

Man stelle sich mal vor, wir hätten in Deutschland außer Hans Jürgen Krysmanski noch viele andere Reichtumsforscher, wir würden „Elitekunde“ (Power Struktur Research) betreiben wie in den USA: wir hätten uns überhaupt nicht über Hartz IV gewundert! Im Gegenteil: wir hätten verstanden, das die kooperierenden Systemeliten dem kleinen Mann samt Mittelstand den Krieg erklärt und sich von allen demokratischen Leitbildern verabschiedet haben. So jedoch standen wir hilflos in der Landschaft herum und fragten uns: „Ja, was ist denn hier los?“.

Auf einmal wurden Menschenrechte in einem Umfang abgeschafft, der sonst nur Schwerkriminelle betraf – obwohl deren wirtschaftliche Versorgung eindeutig besser ist als jene der neuen „Juden“ unseres Landes, der „Arbeitslosen“. Ein neues faschistoides Leitbild wurde der Gesellschaft übergestülpt, es gab auf einmal jenen ominösen „Lebensberechtigungsschein“, über den wir in den achtziger Jahren noch so gelacht hatten, als reale Einrichtung: den ARBEITSVERTRAG. Die komplette Gewährleistung für die Inanspruchnahme der allgemeinen Menschenrechte gab es urplötzlich nur noch für Arbeitsplatzinhaber, für den Rest gab es Enteignungen, Hausdurchsuchungen, Reiseverbot und staatliche überwachte Armut unter großem Applaus aller gesellschaftlicher Eliten aus Parteien, Wirtschaft, Gewerkschaft und Kirchen.

Die Ursache für diesen Seitenwechsel, dessen Potential Franz Neumann schon 1942 erkannte, ist ebenfalls schon länger bekannt: dafür muss man allerdings wieder in die USA gehen, die der elitären Kaste der Superreichen und ihren Funktionseliten genauer auf die Finger schauen:

Kevin Phillips (2002), einst ein wichtiger Berater der Republikanischen Partei thematisiert in seinem neuen Buch „Weahlt and Democracy“ die wachsende Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft. Das gegenwärtige Anwachsen privaten Reichtums sei nur mit dem Goldenen Zeitalter der Jahrhundertwende und den Zwanzigern zu vergleichen. Und in all diesen Perioden, so Phillips, haben die großen Vermögen die demokratischen Werte und Institutionen unterminiert und schließlich die Wirtschaft ruiniert.

(Krymanski, a.a.O, Seite 118-119)

Im Prinzip könnte man das Gesetz formulieren: sobald die Kaste der Superreichen eine gewisse Geldschwelle überschritten hat, dreht sie den Elitendampfer um Richtung Diktatur – und das merken wir dann an Hartz IV … aber nicht nur daran.

Warum wissen wir in Deutschland so wenig darüber? Nun, weil hier Reichtumsforschung unerwünscht ist, siehe Krymanski bei Heise:

Das gängige empirische Rüstzeug der Soziologie ist für die Erforschung der Frage, was die Superreichen tun, wenn sie Macht gewinnen, kaum geeignet. Man kann sie kaum befragen und sie werden kaum antworten. Ihre Vermögen lassen sich nur mit großer Unsicherheit schätzen. Der Kanon empirischer Methoden ist nicht wirklich über die industrie- und militärsoziologischen Untersuchungen des letzten Jahrhunderts hinausgekommen. In unseren hierarchisch geschichteten Gesellschaften gibt es noch immer nur eine Beobachtungsperspektive: Die Mittelschichten beobachten die Unterschichten im Auftrag der Oberschicht. Bestenfalls beobachten verschiedene Mittelschichtenfraktionen noch einander. Wer aber beobachtet die Oberschicht?

Niemand beobachtet die Oberschicht. In Deutschland kennen wir das Vermögen jedes Arbeitslosen auf den Cent genau, wissen exakt wann er sich wo aufhält und welchen Aktivitäten er nachgeht … aber was die Oberschicht in ihren Clubs, Logen, Zirkeln und Freundeskreisen ausheckt, das hat uns überhaupt nicht zu interessieren, da schreit die gesamte Elite gleich – wie von schlimmster Not gepeinigt – auf und blökt im Chor: VERSCHWÖRUNGSTHEORIE!!!

Dabei kann man über die Netzwerke der Macht ganz offen nachlesen (wir berichteten) – auch in der TAZ, hier wieder Karl Heinz Krysmanski:

Die Geldelite braucht keine Korruption, sondern Netzwerke und Hilfskräfte: Banker, Politiker, Berater. Allein die 500 reichsten Deutschen dürften von einem Kranz von rund 50.000 Personen umgeben sein. Sie sind miteinander vernetzt, treffen sich in Bayreuth, rund um bestimmte Banken und in Stiftungen oder in Davos. Dort werden Strategien entwickelt, Gesetze auf den Weg gebracht. Es existiert ein informelles Herrschafts- und Kontrollsystem neben und über dem parlamentarischen System.

Der EU-Kommissionspräsident Barroso hängt ebenso an reichen Freunden wie der deutsche Bundespräsident. Der EU-Beamtenapparat hat sich verselbstständigt. Er ist zu einer Art Überstaat geworden. Alle sagen, man müsse die Bezüge der Abgeordneten an die Gehälter der Wirtschaft anpassen, damit sie wieder auf Augenhöhe mit den Managern und Bankern verhandeln können. Doch man sollte ihre Bezüge auf das Niveau der Volksmassen absenken, damit es wieder mehr um die Sache geht und weniger um den persönlichen Aufstieg.

Wir wissen auch, ab wann Reichtum gefährlich wird – hier der Reichtumsforscher Krysmanski im Managermagazin:

Es gibt eine klassische Definition der Superreichen, die der US-amerikanische Journalist und Reichtumsforscher Ferdinand Lundberg einmal aufstellte: Zu den Superreichen gehören die, die absolut sicher sein können, ihr Vermögen nicht zu verlieren, auch wenn die Welt um sie zusammenbricht.

Für das internationale Wealth Management beginnt der Superreichtum heute bei 300 bis 500 Millionen Dollar. Das ist auch die Geldbesitzregion, in welcher der luxuriöseste Konsumwunsch uninteressant wird und Geld erst seine wirkliche Macht ungehindert entfalten kann.

Das Vermögen dieser Leute in Deutschland: laut TAZ 3,3 Billionen Euro. Weitere Milliarden stecken in ihren Funktionseliten. Wir wissen auch genau, wie diese Eliten in Deutschland das Land steuern: die Nachdenkseiten haben hier einen Artikel über die umfassende Wühlarbeit der Bertelsmänner im Dienste der Superreichen veröffentlicht:

Die Methoden, die Bertelsmann und das CHE für ihre „Überzeugungsarbeit“ einsetzen sind im Großen und Ganzen immer dieselben: Gutachten, Konferenzen, Umfragen und besonders beliebt sind Rankings und Benchmarks.
So veranstaltet die Stiftung seit Jahren ein sog. Standort-Ranking und regelmäßig landet Deutschland als Schlusslicht. Und regelmäßig ist die Schlussfolgerung, Deutschland braucht weniger Staat, eine Senkung der Staatsquote, einen Umbau des Sozialstaats, niedrigere Löhne und vor allem niedrigere Lohnnebenkosten, Deregulierung und vor allem weniger Kündigungsschutz.

Die betreiben offen – mit sehr viel Geld und noch mehr PR-geglätteten Worten – den Abbau der sozialen Menschenrechte in Deutschland – und stellen sich auch sonst ein ganz anderes Land vor.  Alle Pseudoselbständigen, Leiharbeiter, Armutsrentner und Arbeitslosen verdanken ihre Entwürdigung, Entmenschlichung und gezielte Verarmung dieser Agentur für die Erstellung der schönen neuen Welt der High Net Worth Individuals und Ultra High Net Worth Individuals … die mit ihrem Gesamtvermögen von 40 Billionen Dollar (40 000 Milliarden) besonders stark in Deutschland, den USA, der Schweiz und den vereinigten arabischen Emiraten zu finden sind (siehe Wikipedia).

Wenn wir also aktuell mit Superbörsendaten überschüttet werden, so bedeutet das nicht, das DIE WIRTSCHAFT wieder super läuft, sondern nur, das die Ultra HNWI´s wieder mehr Spielgeld haben, für das sie Firmenanteile kaufen.

Die Wirtschaft – das zeigt die Power Struktur Research in den USA – wird durch dieses Volk regelmäßig in den Ruin getrieben. Die können halt nichts anderes, als ihren Mitbürgern das Geld mit der Kraft und Gewalt eines „schwarzen Loches“ aus der Tasche ziehen und sich darüber freuen, das ihre kleinen Kontozahlen nach oben schnellen, während sie sich diebisch über den neuen Darwinismus freuen, den sie im Lande etablieren, siehe Zeit:

Das hieß jedoch nicht, dass den Regierungen auch nur irgendeine der dringend notwendigen Regulierungen der Märkte gestattet wurde. Vielmehr galt der Markt nunmehr als Naturgesetz, das als solches allen menschlichen Wünschen nach Glück oder Moral entzogen ist. Der Markt wurde zur Schicksalsmacht, und alles Klagen offenbarte nur die Untüchtigkeit der Klagenden, die sich auf ihm nicht zu behaupten vermögen. Von der Fortschrittshoffnung der Liberalen blieb nichts als ein Darwinismus, der sich am survival of the fittest freut und die Aussonderung schwacher Schuldner, schwacher Staaten, schwacher Arbeitnehmer feiert.

So etwas findet sich sogar in der Zeit aus dem Jahre 2011. Wenn das noch nicht zu einem Aufschrei führt, dann sollten die weiteren Betrachtungen des Autors erst recht dazu anhalten, sich die Mistgabel zu schnappen und mit der Fackel in der Hand zum nächst gelegenen Schloss zu marschieren – denn diese Entwicklung ist nicht vom Himmel gefallen, sie wurde gezielt der deutschen Gesellschaft übergestülpt (in der es eine starke Superreichenkaste gibt, die dies begeistert unterstützt):

Schon sagen selbst konservative Beobachter, dass sich in Amerika unter dem Mäntelchen der Marktrhetorik in Wahrheit ein Umbau des Landes zugunsten einer Plutokratie vollzieht. Es scheint nur unendlich schwer – und das zeigt den Erfolg der marktliberalen Gehirnwäsche –, das Mäntelchen hinwegzuziehen und uns von dem Gedanken zu befreien, dass die Ökonomie, so wie sie ist, unser Schicksal sei und mit ihm zu hadern einer Gotteslästerung gleichkomme. All die Wirtschaftsprofessoren und Wirtschaftsjournalisten, die den Markt zur entscheidenden Lenkungsinstanz unseres Daseins erklärt haben, mehr noch die Unternehmensberater, die nach den Firmen auch die Schulen, die Universitäten, die Theater, den Sport, alle Lebensbereiche dem Gesetz der Rentabilität unterworfen haben oder höchstens noch als Zulieferbetriebe für die Zwecke der Wirtschaft alimentieren wollen, haben an der großen Umerziehung mitgewirkt, die uns einhämmert, dass es nur einen letzten Wert gebe: den des Profits.

„Plutokratie“ – die politische Diktatur der Reichen – ist ein Begriff, der in Deutschland mit Vorsicht zu genießen ist, weil ihn schon ein Goebbels gebrauchte.  Doch auf den Begriff kommt es hier nicht an – wichtig ist, zu sehen, in welch´ breiter Front die faschistisierende Bewegung der Superreichen die demokratischen Strukturen in den USA, Europa und Deutschland angegriffen und untergraben haben – wie üblich. Ebenso ruinieren sie wie üblich zugunsten des eigenen Geldbeutels ganze Volkswirtschaften, die unter dem Joch der Elite schuften müssen bis zum umfallen: des Führers Modestaat hat ihnen früher schon gerne gefallen. Jeder Bürger eine Nummer, jede Mensch unter perfekter Kontrolle, Widerstand wird durch konzentrierten Massenmord radikal ausgemerzt: so kann man sich mit seiner Raubbeute sicher fühlen.

Die Machtergreifung in den USA geschah durch die Implementierung des Schauspielers Ronald Reagan, der den Superreichen freie Bahn zur Aneignung des restlichen Volksvermögens gebahnt hatte, gleichzeitig wurde jegliche „Entspannungspolitik“ zugunsten eines Waffen-SS-reifen Militarismus aufgegeben … einem Hitler hätte man für die Überfälle auf kleinere Länder noch den Weltkrieg erklärt … doch der hatte keine Atomraketen.

Und wie unter Hitler degeneriert auch das Militär zu einer bestialischen Mordmaschine, die mit alten Soldatentugenden nichts mehr am Hut hat. Im Gegenteil, es wird vor aller Augen ein „Reich des Bösen“ aufgebaut, wie es dereinst Ronald Reagan in der Sowjetunion erkannt zu haben glaubte. Der Spiegel informiert aktuell darüber:

Die Sondereinsatzkommandos der irakischen Polizei waren berüchtigt: Wen sie schnappten, der kehrte oft mit schwersten Folterverletzungen zurück. Wenn er überhaupt wiederkam. Abertausende Menschen darbten während der US-Besatzung im Irak zwischen März 2003 und Dezember 2011 in den geheimen Gefängnissen der Sicherheitskräfte. Jetzt ergeben Recherchen des britischen „Guardian“und der BBC: Offenbar wurden diese Foltereinheiten von US-Veteranen geleitet – mit Wissen des Pentagons und des damaligen US-Generals im Irak David Petraeus.

Das ist halt die unschöne Seite des „Faschismus“: er hat eine große Freude daran, den Mittelstand zu foltern … und nebenbei auszurauben. Ein Folternetzwerk, das den Konzentrationslagern der deutschen Faschisten in Nichts nachsteht – errichtet von den guten Demokraten aus den USA, begleitet von einem großen Konzert der gemeinsamen Interessen in Konferenzen der Bilderberger, der Teilnehmer von Davos oder der Kinderschänderorgien im Bohemian Grove (so darf man es wohl nennen, wenn die männliche US-Elite simulierte Menschenopfer darbringt – oder?).

Denkt man nun „ja, das hat ja mit der US-Armee direkt nichts zu tun, das sind vielleicht nicht gerade Einzelfälle wie die der Leichenteilesammler der US-Elitetruppen, aber doch nicht direkt stellvertretend für den offiziellen Auftritt des US-Militärs in aller Welt“, so liegt man offensichtlich ganz falsch. Wie auch die faschistischen Deutschen Militärs in den Sog des Unmenschlichen gerieten, so wird auch das US-Militär geprägt von einem ganz neuen Geist – der sich nicht nur in Massenvergewaltigungen der eigenen Soldaten erschöpft, sondern auch Morddrohungen gegen des banale deutsche Fernsehen beinhaltet, das Opfer berichtet im Spiegel darüber:

Plötzlich müssen wir den gesicherten Bereich verlassen – und werden zum Abschluss noch einmal verdonnert, nicht über das Schicksal und den Umgang mit den Gefangenen zu berichten. „Wenn wir euretwegen Ärger bekommen“, sagt ein US-Offizier zum Abschied, dann „niete ich euer Team persönlich um.“

Das ist – bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege – böse. So böse wie systematisierte Folter. Das ist der NS-Staat, neu errichtet im Irak unter Leitung der USA. Und wenn ich all´ die Informationen zusammentrage, dann kann ich doch wohl zurecht feststellen, das die Superreichen eine neues „Reich des Bösen“ errichten – und zwar nicht nur im Irak, sondern überall.

Hartz IV ist nur der erste Schatten, der aus dem düsteren Bereich des Darwinismus über dieses Land gefallen ist … wenn wir den Kurs nicht ändern, dann werden wohl auch hier bald „Arbeitslose“ auf ganz neue Art und Weise „motiviert“ … und arbeitslos wird jeder, der von der Funktionselite der Superreichen identifiziert und als „untragbar fürs Geschäft“ entlassen wurde.

Und wer weiß, wie viele deutsche Journalisten schon das Angebot zum „Umnieten“ bekommen haben … wahrscheinlich all´ jene, die noch nicht auf der Gehaltsliste der Superreichen stehen.

Mit 40 Billionen Dollar kann man sich weltweit schon eine ganz schöne Büttelarmee zusammenstellen … die dann schöne Sendungen wie „Wer wird Millionär“ veranstalten, um zumindest geistig jeden geldgeilen Bürger mit ins Boot zu holen, damit jeder für eine Zeit lang glaubt, das wir und die Superreichen alle eine einzige, riesengroße Familie sind … so wie damals, als der Führer für jeden Deutschen eine Uniform hatte – und einen Platz in einer von hundert verschiedenen NS-Organisationen.

Und was wächst hinter dem Faschismus, der die Massen ruhig stellen soll? Das gut alte Feudalsystem – mit Bauer und Edelmann, Leibeigenem und gottgleichen blaublütigen (und deshalb genetisch weit überlegenem) Herrenmenschen.

Wir wissen also genau, was auf uns zukommt.

Wir hatten das alles schon mal im Geschichtsunterricht.

Schade nur, das nicht mehr gelehrt wird, wie man sich dagegen wehrt – aber dafür kommen die Börsendaten hundert mal am Tag und predigen: „Sei superreich, dann kriegst du immer mehr!“

 

 

 

 

Bürgerinitiative Regenbogen: fünf Sterne für Deutschland – oder lieber wieder Auschwitz für alle?

Donnerstag, 7.3.2013. Eifel. Ich gestehe, ich bin etwas frustriert - und möchte ein kurzes, persönliches Wort loswerden. Eine Leserschelte. Warum? Nun - schreibe ich über "Grundeinkommen", kommen Tausende und lesen. Schreibe ich über den Vierten Weltkrieg, dann kommen ein paar Hundert. Nun - der Krieg läuft. Was meint ihr wohl, wie weit ihr mit eurem Grundeinkommen kommt (egal, wie es nun organisiert wird) wenn der Vierte Weltkrieg nicht gestoppt wird? Meine Leser seien zwischen 45 und 54 Jahre alt und haben einen Hochschulabschluss, lesen hier hauptsächlich während der Arbeit, die meisten kommen aus Hamburg - so sagt man. Da sollte man doch erwarten, dass man Prioritäten setzen kann, oder? Grundeinkommen ist geopolitisch betrachtet "nice to have" - wenn der Frieden in Gefahr ist. Schauen wir doch mal nach Syrien - dem nächsten Land, in dem wir als Nato als aggressiver Kriegsteilnehmer aktiv sind: aktuell nehmen die von uns und der Türkei finanzierten und bald auch trainierten Rebellen UNO-Soldaten gefangen, eine Million Syrer sind auf der Flucht (siehe Spiegel).  Der russische Uno-Botschafter klärt auf, was dahintersteckt:

Donnerstag, 7.3.2013. Eifel. Ich gestehe, ich bin etwas frustriert – und möchte ein kurzes, persönliches Wort loswerden. Eine Leserschelte. Warum? Nun – schreibe ich über „Grundeinkommen„, kommen Tausende und lesen. Schreibe ich über den Vierten Weltkrieg, dann kommen ein paar Hundert. Nun – der Krieg läuft. Was meint ihr wohl, wie weit ihr mit eurem Grundeinkommen kommt (egal, wie es nun organisiert wird) wenn der Vierte Weltkrieg nicht gestoppt wird? Meine Leser seien zwischen 45 und 54 Jahre alt und haben einen Hochschulabschluss, lesen hier hauptsächlich während der Arbeit, die meisten kommen aus Hamburg – so sagt man. Da sollte man doch erwarten, dass man Prioritäten setzen kann, oder? Grundeinkommen ist geopolitisch betrachtet „nice to have“ – wenn der Frieden in Gefahr ist. Schauen wir doch mal nach Syrien – dem nächsten Land, in dem wir als Nato als aggressiver Kriegsteilnehmer aktiv sind: aktuell nehmen die von uns und der Türkei finanzierten und bald auch trainierten Rebellen UNO-Soldaten gefangen, eine Million Syrer sind auf der Flucht (siehe Spiegel).  Der russische Uno-Botschafter klärt auf, was dahintersteckt:

„Das ist eine schwerwiegende Missachtung der Uno. Anscheinend wollen einige Gruppen derzeit unbedingt die geografischen Grenzen des Syrien-Konflikts ausweiten.“

Ja, das hatte ich ja schon geschrieben – mit Hinweis auf Clintons CIA-Direktor, der auf wundersame Weise diese Zukunft vorausgesagt hatte. Um alle völlig zu verwirren: diese Geiselnahme richtet sich gegen die „Zionisten“ in Israel. Führt die Nato und die Türkei jetzt indirekt Krieg gegen Israel? Wir machen uns als Bürger besser keine Gedanken darüber.

Wer sich über diese Vorkommnisse noch nicht aufregt, sollte weiter im Spiegel lesen:

Während der US-Besatzung im Irak wurden zahllose Menschen in Foltergefängnissen gequält. Jetzt erheben der britische „Guardian“ und die BBC einen brisanten Vorwurf: Das Netzwerk der Verliese soll unter Leitung von US-Veteranen entstanden sein – mit besten Verbindungen ins Pentagon. 

Merkt eigentlich niemand, dass die US-Armee mit all ihren Waffengattungen inzwischen das Niveau der alten Waffen-SS erreicht hat – wobei es meines Wissens nach bei denen keine Massenvergewaltigungen der eigenen Rekruten gab, wie sie die US-Armee in schöner Regelmäßigkeit produziert?

Warum fragt mich als Bürger eigentlich keiner, ob ich mit denen in den Krieg ziehen möchte? KEINEN EINZIGEN CENT würden die von mir für diese Abenteuer bekommen.

Doch das – so muß ich beklommen feststellen – interessiert den Bürger nicht. Er träumt von einem Grundeinkommen … und somit vom alten Traum des echten Feudalisten:

Indem er – oder besser: die arbeitende Klasse – sich zum praktischen Herrn der Dinge macht, entwickelt sich ein echtes Selbstbewußtsein, während der Herr – oder besser: die herrschende Klasse des Feudalismus – des Herrenbewußtseins verlustig geht und im Genuss versinkt.

(Hegel, zitiert bei Krymanski, Hirten und Wölfe, 4. Auflage 2012 Seite 131)

Ist das alles, was bleibt? Der Wunsch nach einem Grundeinkommen, damit man gedankenlos im Genuss versinken kann, während der Rest der Welt vertrieben, gefoltert und erschossen wird? Soll ich das von euch Lesern denken? Dann lest bitte woanders. Oder guckt Dschungelcamp, hier vergeudet ihr nur eure Zeit.

Den paar Hundert, die wissen, das wir uns gerade auf eine Orgie spätrömischer Dekadenz zubewegen, möchte ich eine Ausblick auf unsere Zukunft gönnen:

Barrington-Moore stellt nicht die Herrschaftsbeziehungen zwischen städtisch-industriellen Kapitalisten und Industrieproletariat in den Vordergrund, sondern jene zwischen Großgrundbesitzern und Bauern und unterscheidet drei Wege der modernen Herrschaft: den kapitalistisch-demokratischen Weg der „bürgerlichen Revolution“, den Weg der autoritären und später faschistischen „Revolution von oben“; den Weg der Bauernrevolution, der schließlich zur Etablierung kommunistischer Regime führt. 

(Krymanski, a.a.O., Seite 138)

Wo wir uns gerade befinden? Einfach mal in Ruhe die politische Entwicklung der letzten Jahre betrachten, besonders den Meilenstein Hartz IV, durch den der Staat zum Feind der Bürger geworden ist – jener Bürger, die von der Wirtschaft zum Abschuss freigegeben worden sind, vom Staat aller Ersparnisse und persönlicher Errungenschaften beraubt wurden und zur zwangsweisen Eingliederung in den Niedriglohnsektor befohlen werden.

Das ist eine „Revolution von oben“ (die u.a. von Arno Luik schon 2004 im Stern beschrieben wurde), die – oh Wunder – zwangsläufig in einem faschistischen Staat enden wird – jenem Welt-Polizeistaat, vor dem der Ex-liberale Baum schon jetzt Angst hat (siehe Baum bei Beckmann). Was hilft uns so ein Grundeinkommen wohl in einem faschistischen Staat … der sich gerade den Zugriff auf unser Wasser gesichert hat?

Ja, während ihr von einem Grundeinkommen träumt, sind „die“ schon längst einen Schritt weiter und sorgen dafür, das jeder Euro in Bürgerhand abgegriffen werden kann: am 28.2.2013 gab es eine Abstimmung im Bundestag, die LINKE hatte einen Antrag gestellt, die fortlaufende Privatisierung von Wasser zu verhindern. Das Ergebnis? CDU, CSU und FDP waren DAGEGEN, SPD hat sich ENTHALTEN – nur 122 GRÜNE und LINKE waren dafür (siehe Abstimmungsgrafik Bundestag). Damit ist klar: die werden uns unser Wasser klauen – die Mehrheit unsere Volksvertreter ist dafür (gibt schöne neue Aufsichtsratsposten) oder es ist ihnen egal.

Wurde ein Volk schon mal schlimmer verraten?

Und ehrlich: angesichts dieser Rahmenbedingungen nützt ein Grundeinkommen auch nichts. Da ist Hartz IV besser – die stehen nämlich für die Begleichung der Wasserkosten zu 100 Prozent ein, während das einmal eingerichtete Grundeinkommen das Individuum der Preistreiberei der Konzerne hilflos ausliefert.

Müssen wir das hilflos über uns ergehen lassen?

Die Anwort darauf ist: JA.

Ich sehe aktuell keine gesellschaftliche Kraft, die den Marsch in ein neues faschistische Jahrhundert aufhalten kann – und diesmal werden uns die USA nicht wieder retten, weil sie selber Teil dieser Bewegung sind, mit verheerenden Folgen für ihr eigenes Land. Der neue faschistische Putsch von oben läuft weltweit, ist Teil des Vierten Weltkrieges und wird uns in Deutschland noch ganz empfindlich treffen … wenn wir alt sind. Die verwöhnte eogzentrische Jugend von heute wird keine Gnade mit den Rentnermassen haben, die ihnen in Zukunft auf der Tasche liegen – das „Gammelfleisch“ (Jugendslang für „Alte“) versaut ihnen nur ihren Reichtum – oder ihr Grundeinkommen. Es ist nur ein winzig kleiner Schritt von der Auffassung, das Arbeitslose Sozialschmarotzer sind bis zu der Erkenntnis, das Rentner im Prinzip auch nur Arbeitslose sind. Wie der Faschismus mit klar definierten  „Sozialschmarotzern“ umgeht, kann man in Auschwitz studieren – da braucht man sich nicht auf haltlose Spekulationen verlassen, das haben wir schon alles mal durchexerziert.

Es sei denn … wir raffen uns auf, Deutschland und Europa im Namen der Zukunft neu zu erfinden. Und das müssen wir – die augenblicklichen Netzwerke der Elite plündern Deutschland aus bis aufs letzte Hemd – siehe Stuttgart 21, ein Beispiel dafür, wie hilflos wir inzwischen gegenüber dem Treiben der Bau- und Politikmafia sind: entweder zahlen wir die fehlende Milliarden des Bauabenteuers von Politik und Wirtschaft mit Steuergeldern – oder mit Ticketpreisen, siehe Spiegel. So sichern sich die selbsternannten „Leistungsträger“ ihre Luxuszahlungen auf Kosten der Allgemeinheit.

Natürlich schaue ich erfreut nach Italien, wo eine durchaus sympathische Bewegung die Parteienlandschaft durcheinanderwirbelt – so etwas hatte ich dereinst von der Piratenpartei erhofft, die gerade gnadenlos absäuft.

Wir können so etwas auch machen: gleich hier und jetzt  – heute noch. Das ist ganz einfach: man nimmt ein Symbol, ein paar Werte, bekennt sich öffentlich dazu und verbreitet den Gedanken.

Nehmen wir an (ich greife hier den Vorschlag von dem Leser „Hartzer Roller“ auf), wir wählen den Regenbogen als Symbol. Er gefällt mir sehr gut, weil wir eine breite Front von Bürgern und Individuen aller Coleur brauchen, um unser Wasser, unseren schwindenden Wohlstand und unsere Demokratie zu retten: da brauchen wir Liberale, die kompromisslos hinter den allgemeinen Menschenrechten stehen, da brauchen wir Linke, die uns zur Verteilungsgerechtigkeit ermahnen, da brauchen wir Konservative, die dafür sorgen, das wir bei aller Reformfreude nicht nützliche produktive Strukturen mit über Bord schmeißen. Wir brauchen alte und junge Menschen, die an einen Tisch gehören – und nicht als Gegner beim Kampf um die Staatsgelder in die Schützengräben liegen, ebenso brauchen wir Reiche und Arme, die mit ihrem jeweiligen Erfahrungsschatz die Diskussion um Europas Zukunft bereichern. Das Symbol des Regenbogens kann auch alle europäischen Nationen vereinen, die bislang aufgrund der Machenschaften der Finanzelite immer weiter gegeneinander ausgespielt werden.

Ein paar positive Ziele fallen mir ebenfalls ein:

1: So täte es mir gefallen, dass wir dem Parlament ein Schöffengericht zur Seite stellen, besetzt mit zufällig ausgewählten Bürgern ohne Parteibuch, von deren Zustimmung die Gesetzgebung ebenso abhängt wie von der Unterschrift des Bundespräsidenten: das verhindert ein wenig, das die Gesetzgebung in den Händen einer zentralistisch organisierten Parteienoligarchie bleibt.

2: Ich würde es begrüßen, wenn die Wirtschaft auch für die Folgekosten ihrer Innovationen gerade stehen muss, auch wenn das die Renditen schmälert: auf Dauer kann aber keine Solidargemeinschaft Schmarotzer dulden, die auf Kosten der Allgemeinheit Milliarden scheffeln, ohne dafür etwas zurückzugeben.  Für die Kosten eines Grundeinkommens für jene, die vom Arbeitsmarkt abgelehnt werden, sollte ebenfalls die Wirtschaft gerade stehen: Vollbeschäftigung ist eine notwendige Forderung des Staates an die Wirtschaft, die gerade durch die Stabilität des Landes Planungssicherheit und unbegrenzte Geschäfts- und Gewinnmöglichkeiten hat.

3: Ich denke, es ist in Ordnung, wenn Unternehmer wie die Gebrüder Albrecht mit einer cleveren Idee, die der Allgemeinheit nutzt, Milliarden verdienen – sofern sie irgendwann auch ihren Beitrag dazu leisten, die Folgekosten zu übernehmen. Nach ihrem Ableben jedoch sehe ich keinen Grund, diese Milliarden im Privatbesitz zu lassen: hier sollte dann das Geld zur Behebung von „Kollateralschäden“ investiert werden.

4: Leiharbeit gehört verboten, ihre Förderung (wie die Förderung der Prostitution) strafrechtlich verfolgt.

5: Einkommen von Ministern, Abgeordneten und Regierungsbeamten sollen an die Staatsverschuldung gekoppelt werden: Staatsdiener sind im Prinzip auch nur Menschen, die von der Allgemeinheit zur Arbeit freigestellt wurden – es gibt keinen Grund, warum die allein schon Abgeordnetendiäten bekommen, die das Zwanzigfache der Bezüge eines Leistungsberechtigen des Jobcenters betragen

6. Mir gefällt auch die Idee der Einrichtung eines „Oberhauses“ die Professor Gunter Dueck vorschwebt – irgendwie sollten wir anstelle der jetzt vorhandenen Selbstdarstellungskompetenz der politischen Kaste wieder Fachkompetenz in Regierungshandeln einbringen.

7: Anstelle Leihsoldaten für Natoabenteuer zur Verfügung zu stellen, wird es Zeit, die Außenpolitik wieder auf Frieden auszurichten: es geht nicht an, das wir nur passiv zusehen, wie die Welt im Krieg versinkt. Deutsche Stiefel gehören auf deutschen Boden – und deutsche Diplomaten mitten zwischen die Kanonen chinesischer und japanischer Kriegsschiffe. Dafür sind Diplomaten ursprünglich gedacht worden – nicht nur für Cocktailempfänge. „Friedenfördernde Maßnahmen“ gehören wieder in den Mittelpunkt der politischen Aufmerksamkeit … anstelle von dubioser „Bündnistreue“.

8: Im Schulwesen möchte ich Klassen von maximal 12 Schülern, unterrichtet von zwei Lehrern. Aufgabe der Lehrer ist, für die Schüler den höchstmöglichen Bildungsstand zu erreichen … allerdings sollten die Noten nicht von den Lehrern gegeben werden, die den Unterricht geben. So werden auch die Jobcenter entlastet, die bislang all jene aufnehmen müssen, die von Lehrern gezielt aussortiert wurden. Staatlich produzierte Bildungskrüppel braucht kein Mensch – und dafür sollte man keine Lehrer bezahlen.

9: da das Unternehmertum im Prinzip ein gesunder Motor für wirtschaftliche Entwicklung ist, sollte der inhabergeführte Einzelhandel den gleichen staatlichen Schutz genießen wie die Familie. Wünschenswert wäre auch eine Reform der Steuergesetzgebung: Zehn Prozent sollten reichen. Wenn Arbeitslose mit fünf Prozent der Diäten eines Abgeordneten wirtschaften sollen, so kann man auch Abgeordneten zumuten, den Staatsaushalt mit zehn Prozent der Einnahmen zu bestreiten: natürlich brauchen wir dazu eine massive Reduktion von Subventionen, Steuerschlupflöchern und eine deutliche Effektivierung unseres Gesundheitssystems, das momentan der Pharmaindustrie Traumrenditen von dreissig Prozent beschert – bei ganz bescheidenen Ergebnissen für die Bevölkerung

10: Wahlkampfkostenerstattung braucht kein Mensch, die automatische Selbstbereicherung der Parteiorganisationen am Volksvermögen sollte als Gefahr für die Volkswirtschaft und die Demokratie erkannt und abgeschafft werden.

11: Nach etlichen nicht enden wollenden Lebensmittelskandalen sollte klar sein: die industrielle Massenproduktion von Lebensmitteln unter Renditemaximierungszwang funktioniert nicht, der Trend zum industriellen Großbauern bedeutet das Ende der gesunden Nahrung: gefördert wird hier das Falsche.

12. Mehr als ein diffuses „Grundeinkommen“ brauchen wir die Etablierung der sozialen Menschenrechte, d.h. jedem Bürger steht ein Kontingent an Nahrung, Strom, Heizung, Unterkunft zu, das die Wirtschaft zu erwirtschaften hat: nur die Vorteile des Marktplatzes ausnutzen und die Gewinne dann in Steueroasen schaffen funktioniert nicht. Selbstverständlich gehört zu einer modernen, zukunftsorientierten Gesellschaft ein kostenloser Internetzugang dazu, Rechner, die dies ermöglichen, sind für maximal 100 Euro zu produzieren – und wir werden als Gesellschaft der Zukunft eine Infrastruktur der Kommunikation so dringend brauchen wie dereinst Schienennetze und Autobahnen.

Das ist nur ein grober Rahmen – aber wie Schopenhauer schon sagte: der Philosoph ist ein Wegweiser … und sollte nicht selbst den Weg gehen, den er weist: klar, sonst ist der Wegweiser ja weg.

Ich will auch nur den ersten Schritt aufzeigen, zeigen, das das, was in Italien geschieht, auch hier möglich ist – und ich hoffe sehr, das schon allein die Einleitung hier deutlich gemacht hat, das Widerstand gegen das „System“ für Demokraten und andere Menschenfreunde inzwischen alternativlos geworden ist – so alternativlos wie der Marsch in die marktkonforme Demokratie für unsere Bundeskanzlerin. Da sehe ich auch kein „wenn“ und „aber“, sondern nur die Wahl zwischen mehr Demokratie oder mehr Auschwitz – in letzter Konsequenz.

Zukunft ist machbar und möglich, jenseits der zusammenbrechenden Strukturen eines globalisierten Kapitalismus, der aufgehalten gehört, bevor er alle Strukturen der Zivilisation mit in den Abgrund reist, den er für sich bereitet hat.

Die ersten Schritte dahin?

Einfach und billig. Bastelt euch einen unaufdringlichen Regenbogensticker, den man dezent an den Anzug, das Kostüm, den Blaumann oder den Wollpulli heften kann: so erkennt jeder überall die Sympathisanten der Bürgerintiative Regenbogen: in der U-Bahn, im Theater, beim Fußball, in der Kirche, im Wanderverein, auf Messen und Tagungen. Was die Initiative vereinen sollte, ist der Wunsch nach Reformen und Zukunft für Deutschland – jenseits jenes Putsches von Oben, der gerade in großem Stil zelebriert wird.

Sicher findet sich ein cleverer Designer, der hier was entwerfen kann – und sicher finden sich andere, die ein wenig an Produktion und Vertrieb des Symbols verdienen mögen: nur zu – für Arbeit Geld zu bekommen, wird zwar immer ungewöhnlicher in diesem Land, ist aber im Prinzip keine Sünde.

Demokratie heißt Diskussion – weshalb die obigen zwölf Thesen keine alternativlosen Gesetze darstellen sollen, sondern Diskussionsanregungen für einen Prozess, der in Deutschland „keinen Stein auf dem anderen lässt“ … aber diesmal für den Bürger, dessen Wohlergehen als Individuum in Zukunft wieder im Mittelpunkt allen staatlichen Handelns stehen sollte, wie die Väter des Grundgesetzes es angedacht haben.

Ein kleiner Eifelphilosoph kann hier nur mit seiner kleinen Knallerbsenpistole einen Startschuss geben, vielleicht kann der Nachrichtenspiegel in Form eines Forums noch ein wenig Hilfe bei der Diskussion um Ziele und Werte stellen (die man auch problemlos bei den Italienern leihen kann – die sind da als Opfervolk wahrscheinlich schon weiter als wir) – aber den Weg gehen muss schon ein jeder selbst.

Wenn acht Millionen Leiharbeiter, drei Millionen Arbeitslose, sieben Millionen Hartz-Abhängige, zwanzig Millionen Rentner und zwei Millionen Pseudoselbständige sich mit den Millionen Christen, Demokraten, Liberalen, Anarchisten, Unternehmern und Freunden der Aufklärung und der sozialen Marktwirtschaft unter einem Symbol vereinen, dann sollte doch schon etwas zu bewegen sein … jenseits der großen Pläne der Parteioberen für Deutschland, die nur ständig steigende Kosten bei ständig sinkender Leistung produzieren können.

Das Symbol selbst ist dabei völlig egal, es könnten auch meine alten Socken sein – aber der Regenbogen ist ein schönes Symbol der abendländischen Kultur, immerhin hat Gott ihn als Zeichen in den Himmel gesetzt um zu sagen: „Sindflut mache ich nie wieder!

Was aber auch heißt: wir müssen die Karre jetzt selber aus dem Dreck ziehen – ob wir wollen oder nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Urherberrecht und Starkult als Herrschaftsinstrument eines neuen Feudalismus

Samstag, 12.5.2012. Eifel. Seit einiger Zeit tobt eine Diskussion in Deutschland, die jetzt einen absurden Höhepunkt erreicht hat: das, was sich nach Willen der Konzernherren die "Künstlerelite" Deutschlands nennen darf, hat einen Aufruf gestartet, der sich gegen den "Diebstahl geistigen Eigentums" wendet. Der Aufruf ist so dämlich, das es sich bei den Unterzeichnern auf keinen Fall um Intellektuelle handeln kann - die Frage ist nur, wer ruft denn da - was wollen die eigentlich? Bleiben wir erstmal zu meinem Vorwurf, das der Aufruf dämlich ist. Ich zitiere den zweiten Satz:

Samstag, 12.5.2012. Eifel. Seit einiger Zeit tobt eine Diskussion in Deutschland, die jetzt einen absurden Höhepunkt erreicht hat: das, was sich nach Willen der Konzernherren die „Künstlerelite“ Deutschlands nennen darf, hat einen Aufruf gestartet, der sich gegen den „Diebstahl geistigen Eigentums“ wendet. Der Aufruf ist so dämlich, das es sich bei den Unterzeichnern auf keinen Fall um Intellektuelle handeln kann – die Frage ist nur, wer ruft denn da – und was wollen die eigentlich? Bleiben wir erstmal bei meinem Vorwurf, das der Aufruf dämlich ist. Ich zitiere den zweiten Satz:

Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit, und es garantiert die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen.

So etwas ist einfach nur Nonsens. Die Ideen der Aufklärung verbreiteten sich hauptsächlich durch Raubkopien, die Idee des Urheberrechtes wurde von „den Obrigkeiten“ massiv unterstützt, weil die Einfluss auf die Werke haben wollten – siehe Wikipedia.

In Wahrheit ist das Urheberrecht eine historische Errungenschaft der Obrigkeiten gegen bürgerliche Freiheit und es garantiert den Einfluss der Mächtigen auf die geistige Entwicklung und Verfassung des Volkes. Natürlich kann es auch nicht die Basis für individuelles geistiges Schaffen sein, es sei denn, Künstler bekommen a priori Vorschüsse für nicht vorhandene Werke. Alle anderen müssen neben ihrer Kunst ganz normal arbeiten gehen, bis ein „Talentscout“ die Vermarktbarkeit (und Systemkonformheit) ihrer „Kunst“ entdeckt. Fortan wird „das Werk“ mit allen mitteln der Werbe- und Manipulationskunst mit aller Gewalt zum Erfolg gebracht, so lange in jeder Talkshow diskutiert, in jeder Zeitung besprochen und jeder Radiosendung zitiert, bis auch wirklich der letzte Idiot der Meinung ist, er müsse es unbedingt gut finden, weil er sonst wirklich der letzte Idiot ist.

Bevor der Talentscout kommt, ist jedoch Ebbe in der Kasse.  Das ist der Zustand, mit dem 99% der Künstler leben müssen, die nicht von einem Konzern ausgewählt und gefördert worden sind.

Seit dreissig Jahren werden uns nun Musiker, Schriftsteller und Maler von einer gewaltigen und allmächtigen Industrie „vorgesetzt“, die uns zu gefallen haben. Gefallen sie uns nicht, sind „wir“ fürchterlich out und draußen.  Was man uns nicht sagt: da draussen lebt es sich ausserordentlich preiswert auf allerhöchstem Niveau. Da draussen, jenseits der künstlich am leben erhaltenen Konzernkunst, gibt es bessere Musik, beeindruckendere Schriften und anregendere Bilder, dort leben leidenschaftlichere Künstler, die FÜR ihr Werk leben – und nicht nur von ihm. Wäre schön, wenn diese 99 % ebenfalls eine „materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen“ hätten – weshalb man sich vom „bedingungslosen Grundeinkommen“ zurecht einen gewaltigen kreativen Impuls für die Gesellschaft versprechen kann … jenseits der Wertemaximen privatwirtschaftliche finanzierter Talentscouts oder anderer Systemagenten.

Damit (und mit dem Hinweis auf falsche Zeichensetzung) könnte man den Aufruf der Konzernkünstler schon zu den Akten legen … wenn nicht hier eine zentrale politische Dimension berührt würde.  Der Aufruf ist nichts anderes als der erbärmliche Ruf einer verunsicherten Kaste von Konzernbütteln, man möge bitte die Produktion von Herrschaftskunst weiterhin großzügig subventionieren – und genau deshalb wirkt er so erbärmlich, so völlig weltfremd jenseits der gesamtgesellschaftlichen Realitäten, die geprägt sind von zunehmender Armut, Sozialstaats- und Demokratieabbau, betrieben durch gerade jene Strukturen, von denen diese „Künstler“ sich ihr Luxusleben finanzieren lassen.

Jenseits der Konzernmedien ist das auch nur all zu gut bekannt – zum Beipiel in den Kreisen der Eliteforschung:

In der komplexen modernen Gesellschaft lässt sich Kapitalmacht nur durch zusätzliche nicht-
ökonomische (symbolische) Ressourcen in Herrschaft umsetzen. So bilden sich
‚Führungsspezialisten’ heraus: Eliten, insbesondere eine ,politische Klasse’ (Gaetano Mosca).
Diese Eliten verkörpern kollektive ‚Strömungen von Gefühlen’, sie geben ihnen eine Sprache
in Gestalt pseudo-logischer ‚Rationalisierungen’ in Ethik, Religion und Politik und sie
kämpfen um ‚Macht und Ehre’ in der neuen ‚verwalteten Welt’ (Vilfredo Pareto). Dort, in den
Staats-, Partei- und Industriebürokratien, entsteht eine chronische Krankheit namens
Oligarchie (Robert Michels).

Das ist die Aufgabe der Konzernkünstler: Kapitalmacht in Herrschaft umzusetzen. Sie setzen die Maßstäbe von „gut“ und „böse“, bestimmen, „was man trägt“, „was in ist“, beeinflussen das Fühlen, Denken und Urteilen der Menschen, sind eifrige Diener einer Oligarchie, an die sich sich verkaufen, um das Volk weiterhin zu „verarschen“ (

von „Mister Dax“ Dieter Müller).

Lauschen wir weiter der Eliteforschung:

Andererseits agieren hier Individuen mit einem ultra-hohen Nettowert, die ,globalen
Superreichen’, welche so etwas wie eine planetarische ‚neue Aristokratie’ zu formen
beginnen.

Und die Hofnarren dieser neuen Aristokratie bangen infolge der Urheberrechtsdebatte um ihren Platz an den Fleischtöpfen der Verwertungskonzerne.

Nun – solche Versorgungsängste sind verständlich. Die hat heutzutage jeder jener Bürger, die fürchten müssen, innerhalb der nächsten zehn Jahre durch die „Rettungsschirme“ enteignet zu werden. Anders als die Konzernkünstler haben diese Bürger jedoch nicht ihre „Talentscouts“, die sie mit Geld versorgen, um Bürger mit „Unterhaltung“ von dem abzulenken, was gerade weltweit geschieht. Auf sie wartet nach Hartz IV die Altersarmut.

Es lohnt sich schon, sich mal Gedanken über die politische Dimension der „Bohlensteuer“ zu machen, die letztlich ganz viel Geld vom „Markt“ lenkt – fort von den kleinen Idealisten, hin zu den großen „gekauften“ „Superstars“, die jetzt von Konzernmedien in den Stand von „Intellektuellen“ erhoben werden – als ob ein Mario Adorf oder eine Charlotte Roche auch nur annähernd die Dimension eines Karl Marx, Immanuel Kant oder Friedrich Nietzsche erreichen würden. Im Gegenteil: sie verdrängen mit ihrer künstlich gezüchteten (und großzügig subventionierten) Existenz die vielen kleinen Intellektuellen aus den Medien, die sich – wie Johannes Ponader von der Piratenpartei – von Zeit zu Zeit mit Hartz IV herumschlagen müssen … ein Schicksal, das 99 % der Künstler und Intellektuellen teilen.

Man darf diese „Künstler“ vielleicht auch mal an die eigentliche Motivation für Kunst erinnern: man spielt, schreibt und malt, um die Menschen zu erfreuen – nicht, um sie mit Hilfe von Konzernen abzukassieren. Da gibt es eine ganz scharfe Grenze, die Arthur Schopenhauer einst dazu gebracht hat, die ganze akademische Philosophie zu verdammen – zu Recht. Staatlich finanzierte Philosophie war jenen Denkern der Aufklärung so suspekt wie heutzutage konzernfinanzierte Kunst im Auftrag des neuen planetaren Feudalismus sein sollte – jedenfalls jenen Intellektuellen, die über genügend historische, soziologische, philosophische und politische Bildung verfügen, um zu sehen, das gerade das Urheberrecht Grundbestandteil einer neuen Feudalkultur ist, die mit seiner Hilfe sogar an kulturellem Erbe wie dem Lied „Happy Birthday“ Rendite einfahren wollen.

„Urheberrecht“ ist nichts anderes, als das Recht vermieteter und gekaufter Künstler, ihren Anteil an den Konzerngewinnen zu erhalten – auch über den Tod hinaus.  Andererseits ist es ein zentrales Steuerungsinstrument der Korporatokratie, die gerade die mächtigste Demokratie der Welt in den Faschismus des 21. Jahrhunderts stößt.

Ob es den „Künstlern“ bewusst ist, an wen sie sich dort verkauft haben?

Ich fürchte, selbst wenn: es ist ihnen schrecklich egal.

Hauptsache, das Geld rollt … und man wird weiterhin zu den Operbällen dieser Welt eingeladen. Das man hilft, einen neuen Faschismus zu gebären, interessiert in Wirklichkeit niemanden, solange man sich nur weiterhin Kaviar leisten kann. Was braucht man schon Bildung, wenn man nur Geld hat?

Ein Einblick in das neue System, dem sie (und ihre „Talentscouts“) dienen, gibt der Pulitzerpreisträger Chris Hedges, hier in der Übersetzung von Jakob Dorloff:

Hollywood, die Nachrichtenindustrie und das Fernsehen, alle durch große Konzern kontrolliert, wurden zu Instrumenten des umgekehrten Totalitarismus. Sie zensieren und verspotten diejenigen, welche die Unternehmen kritisieren oder angreifen. Sie durchsetzen die Radiowellen mit fabrizierten Kontroversen, ob es nun Tiger Woods ist oder der Streit zwischen Jay Leno und Conan O’Brien. Sie manipulieren Bilder, um uns zu verwirren und Wissen zu verkaufen, das darin besteht, wie Barack Obama Präsident geworden ist. Die drakonische innere Kontrolle, eingesetzt durch die Heimatschutzbehörde, das Militär und die Polizei gegen jede Form von Widerspruch, verbunden mit der medialen Zensurindustrie, führt das für den umgekehrten Totalitarismus aus, was Schläger und Bücherverbrennungen in klassischen totalitären Regimen erledigten.

Und darum ist die Diskussion um Urheberrechte hochpolitisch – denn nebenbei geht es um das Recht des Konzerns, zu kontrollieren, was Kunst ist, was Meinung sein und wie „Leben“ gelebt werden soll … ein Anspruch, den in Deutschland zuletzt Adolf Hitler hatte.

Und so dienen jene „Künstler“ letztlich als Schläger und Bücherverbrenner der neuen globalen Aristokratie … und werden dafür sehr gut bezahlt.

Aus ihrer Sicht ist es sicher verständlich, das dies so bleiben soll.

Ich hoffe aber, es ist verständlich geworden, das dies aus der Sicht einer demokratischen Gesellschaft nicht so bleiben darf, wenn diese überleben will.

 

 

 

 

 

 

 

 

Piratenpartei und Deutschland: wer ist hier der Nazi? Eine alternativlose Wahlempfehlung.

Piratenpartei und Deutschland: wer ist hier der Nazi? Eine alternativlose Wahlempfehlung.

Sonntag, 29.4.2012. Eifel. Gestern war ein denkwüdiger Tag. Die neue Partei in Deutschland ist endlich wählbar geworden. Ich war live dabei – bei dem Bundesparteitag der Piratenpartei. Ist schon ein eindrucksvolles Erlebnis, das sehen zu können, was man als Wähler sehen will … und nicht das, was die Presseleute einem zeigen wollen. Auch wenn es immer noch einige Leute gibt, die im braunen Mist herumwühlen und abstruse Thesen aufgreifen: nach vielen Jahren mangelnder politischer Bildung in den Schulen ist eben nicht jedem klar, wie schnell Kritik an der offiziellen Geschichtsschreibung zum Konzentrationslager von Morgen führen kann. Man braucht schon etwas Wissen und Erfahrung, um zu sehen, wie schnell die Leugnung des Angriffskrieges gegen Polen zum Mythos des Weltjudentums führt, das im nächsten Schritt wieder unabdingbar ausgelöscht werden muss. Ebenso weit muss man schauen, um zusehen, das Kritik an Israel aus Deutschland hier ganz schnell wieder zu brennenden Synagogen führen kann. Äußerst beeindruckt war ich von einer Kandidatin für das Amt des Bundesvorsitzenden: Julia Schramm. Sie wollte der „Demokratie ein Update“ verpassen – und tritt damit in die Fußstapfen von Willi Brandt. Bei ihr findet man auch ein waches Auge für Dimensionen des Faschismus, die in unserem Alltag schon längst Norm geworden sind:

Dass es Menschen gibt, die überflüssig sind, zB Arbeitslose

Dass es “gesunde” und “ungesunde” Menschen gibt, die, im Sinne der “Volksgesundheit” eine gewisse Behandlung erfordern (Fettleibigkeit und psychische Abweichungen vom Normzustand zB)

Dass es einen richtigen Lebensentwurf gibt, an den sich Menschen anzupassen haben

Zudem findet sie auch einen

Metapunkt: Gewalt als legitime Form der Durchsetzung dieser Haltungen bzw.Notwendigkeit

Schon sind wir an einem Punkt angelangt, an dem die LINKE kläglich versagt hat: die Agenda 2010, umgangssprachlich Hartz IV genannt, ist Teil eines faschistischen Ansatzes, der in der Politik der Bundesrepublik Deutschland eigentlich nichts zu suchen hätte … wenn sich dieses Land nicht langsam aber sicher in ein irgendwie anderes Land verwandeln würde, ein Land, in dem viele Menschen schon nicht mal mehr ihren Strom bezahlen können und so kalt aus der Multimediagesellschaft herausgekickt werden.

Es schienen dramatische Minuten zu sein, die man bei den Piraten miterleben konnte. Ein für rechtslastige Thesen bekannter Einzelgänger gab gerade Interviews für die Medien, als die Sitzung hektisch unterbrochen wurde und man anschließend zur demonstrativen Abstimmung rief die ein eindeutiges Ergebnis zeigte: die Piratenpartei ist ihren braunen Rand los.

Doch das lies wiederum tief blicken in die Methoden der Medien, die scheints gezielt auf der Suche nach jenen Idioten waren, die sie in anderen Parteien großzügigst übersehen. Während die Piraten nun selbst von einer neoliberalen Partei mit braunem Rand zu einer echten libertären Partei mutieren (und in diesem Prozess sehr gefestigt zu sein scheinen), fangen die Medien an, wild herumzutoben – siehe Welt:

Die irrlichternden Piraten markieren einen Tiefpunkt basisdemokratischer Subkulturen. Ihre konsumfixierte Dilettantenkultur ist gefährlich. Und ihre Wähler sind so destruktiv wie die Partei selbst.

Nun mal gut, das ich nicht zu ihren Wählern zähle, da kann ich mir vielleicht noch eine Meinung erlauben – mit einem kleinen Hinweis auf Julia Schramm und ihren Kategorien zum Diskurs Faschismus: der größte Fehler der Piratenpartei scheint zu sein, das sie sich nicht an die vorgegebenen Lebensentwürfe anpassen wollen. Ein solcher Kurs kann auch in Einzelfällen dazu führen, das man die aktuelle Geschichtsauffassung in Frage stellt – was jedoch im Falle des Faschismus als Brandbeschleuniger wirken kann.

Was bei diesem Anything-goes-Parlando verdeckt bleiben muss, ist ein Zug tiefer Verzweiflung an der Moderne, ohne die der kollektive und vorsätzlich anmutende Orientierungsverlust, wie er die Piratenbewegung kennzeichnet, eigentlich nicht erklärbar ist. In der Tradition basisdemokratischer Oppositionsbewegungen ist damit ein Tiefpunkt an Gestaltungslust und Zukunftsglaube markiert. Wahrlich ein Abstieg.

Was sich hinter diesen vielen abfälligen Worten versteckt? Der Vorwurf der Geisteskrankheit, der Abartigkeit, der an Debilität grenzenden Dummheit und Verantwortungslosigkeit und – durch das Adjektiv „gefährlich“ gesetzt – der indirekte Wunsch nach Auslöschung dieser größten Bedrohung, die die politische Kultur Deutschlands je ereilt hat.

Wo haust da jetzt der Nazi?

Wer ist da jetzt der aus irrationalen Motiven heraus verfolgte?

Die Piratenpartei wird flugs zu den Juden der Moderne … jedenfalls für den Autor der Welt.

Der Spiegel jedoch – der jetzt, nach uns, endlich auch die neuen Weltkriegszenarien wahrnimmt – führt uns sofort die schlimmste Bedrohung vor Augen, die der Zivilisation droht und wärmt ein Argument auf, das schon zu Zeiten der Grünen und Linken zur Wählerdisziplinierung genutzt wurde: wer die Piratenpartei wählt, wählt die große Koalition – ansonsten wird das Land … wie üblich … unregierbar. Um das zu verhindern, schießt auch der Spiegel erstmal in breiter Front gegen die Newcomer während man die erneute Herabstufung Spaniens durch die Ratingagenturen relativ gelassen hinnimmt, obwohl dies einen neuen Kreislauf von Armut, medizinischer Unterversorgung, Arbeitslosigkeit und Selbstmorden starten wird.

Aber so ist er halt der Spiegel – immer auf der Seite der Renditesieger. Die zahlen immerhin viel für die großformatigen Anzeigen und leisten so ihren Beitrag im Meinungsbildungsteam. Wen ich jetzt wählen soll (oder darf), um die Piraten zu wählen, sagen sie mir aber nicht. Hier versagt ihre Wahlarithmetik.

Seltsam, das diese krasse Ablehnung der Piratenpartei gerade da erfolgt, wo sie sich endlich (und hoffentlich endgültig) eindeutig von rechtsextremen Strömungen distanziert hat, die andererseits … in Deutschland ja gerade wieder richtig Fuß fassen.

Nein – eigentlich gar nicht seltsam. Dort, wie die politischen Parteien immer mehr ins wirklich rechtsextreme Gesellschaftsmodell rutschen (und sich nur von dem oberflächlichen Nazi-Karneval mit Hakenkreuzchen, Hitlerbildchen und Springerstiefeln distanzieren), muss eine Partei, die sich entschlossen von real gelebtem Faschismus distanziert, sehr unheimlich sein.

Darf ich nochmal Julia Schramm zitieren?

Die größten Feinde der offenen Gesellschaft: Großindustrien, Zentralismus, Dogmatismus und Intransparenz!

Schade, das die nicht Vorstand wurde.

Aber so langsam versteht man, warum hier eine ziemlich unbekannte Person öffentlich von der Zeit diskreditiert wird – auf eine recht hinterhältige Art und Weise.

Spiegel, Welt, Zeit, Fokus, Stern sind zentralistische Großindustrien im Zeichen des Dogmatismus und der Intransparenz – also Feinde der offenen Gesellschaft.

Deshalb sollte man sich mal gründlich überlegen, ob die Wahlerfolge der Piratenpartei nicht etwa in der Überzeugung der Wähler verankert sind, das Piraten wählen pluralistische Demokratie wählen heißt.

Eine Demokratie, die dringend ein Update braucht – und zwar alternativlos.

Wer nun mault, die Piraten hätten zu allen wichtigen Themen keine Lösung, der irrt gewaltig.

Ihre Lösung ist die Methode – und nicht das Dogma. Dogmen haben die in der Tat wenig, aber Methoden, die im Ansatz verhindern, das sie die Fehler der Altparteien wiederholen, die letztlich ebenfalls selbst zentralistische, intransparente und dogmatische Großindustrien geworden sind, Methoden die selbst garantieren, das der Bürger wieder Souverän seines Landes und seines Lebens wird.

Ob ihnen bewußt ist, wie viele (und wie mächtige) Feinde sie sich wirklich damit machen, weiß ich nicht.

Aber ich weiß, das sie ein kleines Pflänzchen sind, das sie nach vielen unsicheren Jahren endlich zu dem entwickelt, das ich so lange gesucht und dessen Potential ich in dem Piratenkodex dereinst gefunden hatte.

Wer nun immer noch mault, das die Piraten keine Lösung aktueller Probleme haben, der sollte sich einfach mal bei den Altparteien umschauen:

Welche Lösung haben die denn – außer einer zunehmenden Faschistisierung des Alltagslebens, einer zunehmenden Bespitzelung und Entmündigung des Bürgers und des Parlamentes und fortschreitender Rekordverschuldung? Deutsche Soldaten marschieren in Afghanistan, deutsche Bürger wandern massenhaft in die (stromlose) Armut (bei gleichbleibender Beschäftigung) und Zukunftsplanung ist für die Jugend zum Lottospiel geworden – alternativlos.

In solchen Zeiten ist es schon besser, wenn es nur irgendwie anders wird – bevor uns US-Kriegsspiele alternativlos in einen neuen Weltkrieg, US-Ratingagenturen alternativlos in eine neue Weltwirtschaftskrise oder deutsche Bundeskanzlerinnen alternativlos in eine „marktkonforme Demokratie“ stürzen.

 

 

 

Hartz IV ist rechtsextrem.

Donnerstag, 26.4.2012. Eifel. Überall redet man derzeit von Rechtsextremismus. Glaubt man dem Eindruck, den die Presse vermitteln will, dann sind alle Rechtsradikalen in der Piratenpartei. Ein paar denkwürdige Gestalten findet man da schon - ich hatte sie schon 2009 gefunden. Ebenso hatte ich 2009 darauf hingewiesen, das die Piratenpartei (sofern sie ihrer Agenda treu bleibt) zwischen 10 - 15% der Wählerstimmen bekommen kann: noch nicht mal die engagiertesten Piraten wollten mir in der Einschätzung folgen. Gut, vielleicht habe ich einen Fehler gemacht. Vielleicht werden die Piraten gerade wegen ihrer braunen Flecken gewählt, in Frankreich jedenfalls ist braun gerade ganz groß in Mode: jeder fünfte Wähler steht darauf. Andererseits: sollte man sich wundern, das in Deutschland eine neue Partei gewählt wird, die auf alte Fragen keine Antworten hat, während alten Parteien schon seit Jahren nichts Neues mehr einfällt? Reden wir doch auch mal über Rechtsextremismus - so wie alle. Über Rechtsextremismus in Deutschland. Über Rechtsextremismus in der deutschen Regierung der letzten zehn Jahre - jenen Rechtsextremismus, der schon real Menschenleben gefordert hat.

Donnerstag, 26.4.2012. Eifel. Überall redet man derzeit von Rechtsextremismus. Glaubt man dem Eindruck, den die Presse vermitteln will, dann sind alle Rechtsradikalen in der Piratenpartei. Ein paar denkwürdige Gestalten findet man da schon – ich hatte sie schon 2009 gefunden. Ebenso hatte ich 2009 darauf hingewiesen, das die Piratenpartei (sofern sie ihrer Agenda treu bleibt) zwischen 10 – 15% der Wählerstimmen bekommen kann: noch nicht mal die engagiertesten Piraten wollten mir in der Einschätzung folgen. Gut, vielleicht habe ich einen Fehler gemacht. Vielleicht werden die Piraten gerade wegen ihrer braunen Flecken gewählt, in Frankreich jedenfalls ist braun gerade ganz groß in Mode: jeder fünfte Wähler steht darauf. Andererseits: sollte man sich wundern, das in Deutschland eine neue Partei gewählt wird, die auf alte Fragen keine Antworten hat, während alten Parteien schon seit Jahren nichts Neues mehr einfällt? Reden wir doch auch mal über Rechtsextremismus – so wie alle. Über Rechtsextremismus in Deutschland. Über Rechtsextremismus in der deutschen Regierung der letzten zehn Jahre – jenen Rechtsextremismus, der schon real Menschenleben gefordert hat.

Dazu brauchen wir erstmal eine Definition. Wann immer wir die brauchen, können wir bei der Bundeszentrale für politische Bildung vorbeischauen und stellen dort fest: die haben auch keine. Trotz Hitler. Aber wenigstens haben sie ein paar Anhaltspunkte: Generell gilt: Rechtsextremisten lehnen die freiheitlich-demokratische Grundordnung ab und wollen − auch unter Anwendung von Gewalt − ein autoritäres oder gar totalitäres staatliches System errichten, in dem nationalistisches und rassistisches Gedankengut die Grundlage der Gesellschaftsordnung bilden sollen. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung – das erfährt man dort – zeichnet sich durch gewisse Qualitäten aus:

  • Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Persönlichkeit auf Leben und freie Entfaltung
  • Volkssouveränität
  • Gewaltenteilung
  • Verantwortlichkeit der Regierung
  • Gesetzmäßigkeit der Verwaltung                                                                

Das ist sie, die Freiheit, die wir noch haben. Oder haben sollten. Volkssouveränität zum Beispiel – das erleben wir doch gerade ganz dolle. Keiner will nach Afghanistan: trotzdem sind wir da. Keiner will den Rettungsschirm (der Bankmanager und ihre Anwälte und IT-Fachleute vor den Folgen ihrer eigenen Skrupellosigkeit schützt), trotzdem wird der immer größer. Keiner wollte Hartz IV – aber trotzdem kriegen das bald alle.

Ja, mit Hartz IV sind wir dann auch bei einem ganz interessanten Thema. Die politischen Parteien meiden es gerne, es ist ihnen peinlich – aber trotzdem ist es da, aktuell durch eine Gerichtseinscheidung wieder ins Bewußtsein geraten: ein Berliner Gericht hält den Regelsatz für zu niedrig. Ich verweise zu dieser Nachricht auf den Spiegel, der sie mit einem treffenden Bild untermalt: man sieht übergewichtige Frauen mit Kinderwagen.

So stellt sich auch die Politik den neuen Untermenschen, den modernen Juden vor: frisst einem verantwortungslos die Haare vom Kopf, vermehrt sich wie die Karnickel und ist verweigert sich völlig dem modernen Hochleistungstrend.

Der Untergang droht, wenn man diese „Parasiten“ nicht effizient bekämpft.

Es gibt sie wieder, diese Untermenschen – und ein weiterer Spiegelautor führt dies nebenbei beim Thema Betreuungsgeld nochmal deutlich aus: es gibt wieder gute Kinder und schlechte Kinder in diesem Land … also auch gute Menschen und schlechte Menschen. Der Fokus ist sich nicht zu blöde, gleich mal flankierend beizuspringen und den Untergang des Abendlandes durch den Sozialstaat an die Wand zu malen, das Wort „Wohlstandsmafia“ erblickt die Welt, logischerweise werden die Alten ebenfalls zur Zielscheibe der Kritik, das zwanzig Prozent von ihnen im Alter schon jetzt eingesperrt werden, scheint vielen wohl noch zu wenig.

Bis die öffentliche Kennzeichnungspflicht von Hartz IV-Empfängern durchgesetzt ist, wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein.

Dabei droht Hartz IV immer mehr Menschen. Der Bayrische Rundfunk informiert gerade mal aktuell darüber, wie Kommunen ihre Bürger ausnehmen, von kalter Enteignung mittels überflüssiger Gemeindebauprogramme ist da die Rede. Aus gleicher Quelle stammen die Berichte über die Armutsfalle Krankheit. Soweit ist es mit uns schon gekommen: Krankheit macht wieder arm, Eigentum auch – wenn man zu wenig davon hat.

Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten?

Fehl am Platze.

Statt dessen wird für die Arbeitslosen ein autoritäres staatliches System errichtet, in dem – auch unter Anwendung tödlicher Gewalt (man nennt es vornehm: „Sanktionen“, die aber tödliche Folgen durch völligen Entzug von Nahrung und Wohnraum haben können) – nationalistisches und rassistisches Gedankengut („Wir sind Deutschland“ … und IHR nicht!) zur Grundlage der Gesellschaftsordnung machen, einer Ordnung, die sich – frei nach SPD-Mann Müntefering – in dem Satz erschöpft, das derjenige, der keine Arbeit hat, auch nichts zu essen bekommen soll.

Obdachlosigkeit und Hunger machen Menschen in der Regel tot. Mangels Bildung ist dies in Kreisen der SPD-Spitze scheinbar nicht mehr bekannt.

Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber jenen Menschen, die infolge einbrechender Wirtschaften oder landesweiter Einstellungsstopps (bzw. Krankheit oder  Steuerwahn der Gemeinden) in die Arbeitslosigkeit rutschen? Fehl am Platze.

Gesetzmäßigkeit der Verwaltung?

Einfach mal die Prozessflut zu Hartz IV sehen – sogar die Hungerregelsätze sind mit dem Gesetz nicht zu vereinbaren.

Volkssouveränität?

Einfach mal fragen, was denn normale, nicht beamtete Arbeitnehmer von der Tatsache halten, das kranke fünfzigjähre Arbeitnehmer, die fünfunddreissig Jahre wie die Blöden geschuftet und sich ihr kleines Häuschen mühsam vom Munde abgespart haben von der Tatsache halten, das arbeitsscheue Jugendliche das gleiche Geld bekommen das auch ihnen zusteht: aber erst, nachdem sie die angesparte Ausbildungsversicherung für ihre eigenen Kinder aufgebraucht haben.

Ich denke, würde man den Souverän fragen – jenseits der faschistischen Hetzpresse – so würde er das für asozial halten. Ungefähr für so asozial, wie die Tatsache, das Parlamentarier sich in Zeiten wachsender Armut ständig steigende Luxusdiäten gönnen.

Deutlicher kann man die Spaltung zwischen Volk und Parteien nicht deutlich machen.

Sieht man sich aktuelle Pressemeldungen an, so scheint es auch mit der Gewaltenteilung nicht mehr so weit her zu sein …. jedenfalls nicht mit der Trennung von Staat und vierter Gewalt, der Presse.

Dort sieht man den Bürger als solchen als eine Gefahr für Europa an – und seine Intelligenz als „nutzlose Idioten“, die man auch im Detail an ihren Berufen erkennen kann, siehe Welt:

Soeben hat die amerikanische Online-Zeitung „The Daily Beast“ eine Liste der dreizehn nutzlosesten Master-Abschlüsse veröffentlicht. Es sind: Politik, Geschichte, Musik, Touristik, Anthropologie und Archäologie, Journalismus, Literatur, Philosophie und Religion, Architektur, Grafik und Design, Film, Video und Fotografie, Theater und Kunst.

Aus der Geschichte lernen zu wollen, die Wiederholung alter Fehler in der aktuellen Politik vermeiden zu wollen, gar mit Weisheit und Wissen des Leben der Bürger schützen zu wollen macht einen zu einem Idioten. Und die Idioten, die so etwas behaupten, arbeiten weiter daran, einen unendlichen Rettungsschirm zu basteln, der die „erfolgreicheren“ Studiengänge vor den Folgen ihrer Taten auf Kosten des Steuerzahlers schützt, wie auch der SS-Mann von seiner Partei vor den Folgen seiner Taten geschützt wurde.

Wer sich nun groß über einen Braunen in der Piratenpartei echauffiert (der bei genauem Hinsehen einfach nur nicht differenziert genug gedacht hat und weit entfernt ist vom aktuellen Sozialfaschismus der SPD/CDU/CSU/FDP/GRÜNEN-Blocks – dem auch die Linken zugeneigt sind), der sollte auch mal einen Blick auf den aktuellen, lebendigen Faschismus in den Reihen der eigenen Regierung wagen.

Für Arbeitslose ist das Recht der Persönlichkeit auf Leben und freie Entfaltung doch nur noch ein schlechter Witz.

Und mal ehrlich: Arbeitslose haben nicht die Finanzmärkte reguliert und den deutschen Arbeitsmarkt für Heuschrecken freigegeben, sie haben nicht kurzfristige Superrenditen durch Massenentlassungen erzielt noch gestalten sie – ganz wichtig! – die Preise fürs Überleben, die heute von Regierung und Konzernen diktiert werden.

Sie wurden einfach nur in einer Welt geboren, die nur gesunde, junge, schöne Menschen bis 35 bei sich dulden möchte (und eigentlich noch nicht mal die, wenn man die aktuelle Entwicklung in Europa genau betrachtet) – der Rest soll sehen, wo er bleibt.

Sie sind Opfer einer modernen Form des Faschismus: des Sozialfaschismus, in dem immer weniger „gute“ Reiche gegen immer mehr „böse“ Arme ankämpfen – Rassismus pur, der sich eher am Geldbeutel denn an der Hautfarbe orientiert.

Zu krass formuliert?

Dann stellen Sie sich doch bitte mal gleich heute in der Hauptshoppingallee Ihres Heimatortes hin und halten ein Schild vor sich mit der Aufschrift: „Ich lebe von Hartz IV!“.

Trauen Sie sich das?

Ich denke, Sie wissen, warum Sie das nicht tun – genauso, wie Sie auch wissen, das „Verantwortlichkeit“ für unsere Regierung ein Fremdwort ist, weil jeder, der das Spiel des Sozialfaschismus gut vorantreibt und der Bewegung tüchtig dient einen Platz an der Konzernsonne erhält, wo man auf Kosten aller fürstlich speisen kann, während andere den Dreck der Tafeln fressen müssen, den Abfall, der wirklich jeden Wert verloren hat.

Aber es passt ja, das Menschen, die für die Regierung jeden Wert verloren haben, Essen bekommen, das auch jeden Wert verloren hat, während Politiker  in ihrer Ausgabenwut keine Grenzen kennen und sogar in Pleiteländern großzügig zugreifen, wenn es um die Finanzierung von Wahlkämpfen geht.

In breiter Front Krokodilstränen über einzelne braune Piraten abzulassen, während man über tödlichen, erniedrigenden Faschismus im Alltag kein Wort verliert, ist eine Heuchelei der Superlative … und der billige Versuch, die einzige Partei in der deutschen Parteienlandschaft zu diskreditieren, die aktuell gegen den herrschenden Sozialfaschismus die Notbremse in Form des Grundeinkommens ziehen will und deren AG Geldordnung eine überraschend umsichtige Stellungnahme zum ESM verfasst hat (die man dem Hartz-Block in der deutschen Parteienlandschaft gerne zur Lektüre empfehlen darf).

Wenn wir über Rechtsextremismus in der Bundesrepublik reden wollen, ist das begrüßenswert.

Dazu gehört aber auch die Erkenntnis, das Hartz IV rechtsextremer ist, als es selbst die braunsten Piraten je sein werden – jedenfalls aus einer Perspektive heraus, die Rechtsextremismus  umfassender beurteilt und ihn nicht nur als einen vergangenen, einmaligen und nie wieder zu befürchtenden Ausnahmezustand der deutschen Gesellschaft von 1933 – 1945 beschreibt, sondern als lebendiges, wirkendes Unwesen versteht, das seit einigen Jahren auch wieder in der deutschen Parteienlandschaft tobt – wenn auch unter anderem Namen und mit anderen, parteiübergreifenden Organisationsformen.

Wem nun noch das nationalistische Element in der aktuellen Politik fehlt, der ersetze einfach „Deutschland“ durch „Europa“ – und schon ist es da … das neue deutsche Reich, das man aber anders nennen wird.

Vielleicht Hartzland?

Passen würde es – nachdem die Rettungsschirme immer mehr Bürger in Arbeitslose verwandeln.

 

 

 

 

 

 

Volker Pispers als Franzose über Ausländerhass

Ui, den kannte ich noch gar nicht:

[Video, bitte Beitrag anklicken]

Freitag der dreizehnte: über den Tod der Demokratie, die Geburt der Monetokratie und den Widerstand gegen die Roboter

Freitag, 13.1.2012. Eifel. Ein Unglückstag - wissen wir ja alle. Jedenfalls die, die "abergläubisch" sind - und das sind so ziemlich alle. Jedenfalls heute. Woher das Märchen von dem Unglückstag kommt, ist völlig unklar - aber die Verfolgung der Spur führt uns in ein verbotenes Kapitel der Geschichte - verboten, weil es trotz Faktenlage dazu geeignet ist, als "Verschwörungstheorie" gebrandmarkt zu werden. Es gibt nur ein konkretes Datum für die angelsächsischen Länder, das mit Unglück in Verbindung zu bringen ist (in Südeuropa ist da eher der Dienstag im Verdacht - was schon zeigt, das der Verweis auf den christlichen Ursprung des Unglückstages nicht hinreichend sein kann), siehe Wikipedia:

Freitag, 13.1.2012. Eifel. Ein Unglückstag – wissen wir ja alle. Jedenfalls die, die „abergläubisch“ sind – und das sind so ziemlich alle. Jedenfalls heute. Woher das Märchen von dem Unglückstag kommt, ist völlig unklar – aber die Verfolgung der Spur führt uns in ein verbotenes Kapitel der Geschichte – verboten, weil es trotz Faktenlage dazu geeignet ist, als „Verschwörungstheorie“ gebrandmarkt zu werden. Es gibt nur ein konkretes Datum für die angelsächsischen Länder, das mit Unglück in Verbindung zu bringen ist (in Südeuropa ist da eher der Dienstag im Verdacht – was schon zeigt, das der Verweis auf den christlichen Ursprung des Unglückstages nicht hinreichend sein kann), siehe Wikipedia:

Eines der ersten bezeugten „Unglücksereignisse“, die auf einen Freitag den 13. fielen, war die am 13. Oktober 1307 vom französischen König Philipp IV. befohlene Verhaftung aller Mitglieder des Templerordens (Tempelritter). Schon Tage zuvor wurden an alle „Dienststellen“ des Landes versiegelte Umschläge mit den Haftbefehlen versandt. Diese mit Akribie durchgeführte Aktion führte letztlich zur Aufhebung des Templerordens durch die päpstliche Bulle Vox in excelso am 22. März 1312. Trotz der Tragik dieses Ereignisses wird es nicht als Ursprung für den Aberglauben um den Freitag den 13. gewertet.

„Wird nicht als Ursprung gewertet … “ – aber auch nur deshalb, weil man die Verbindungen nicht berücksichtig, die auf eine Gruppe verweisen, die dieses Datum lange Zeit im Geheimen tradiert haben, bis ihre Macht letztlich so groß wurde, das es an die Öffentlichkeit dringen konnte:  die Freimaurer. Wir kennen ein wenig die Zusammenhänge, Hollywood bedient sich ihrer gelegentlich, um sie ins Reich von Micky Mouse zu verweisen. Trotzem gibt es verblüffende Hinweise darauf, das die Templer ihren Untergang überlebt haben – und in Schottland gibt es in der Tat hinreichend Spuren auf den Verbleib der Templer – ebenso scheint es Spuren zu geben für ihr weiteres Wirken in der Geschichte: manche halten sie dazu fähig, letztlich die französische Revolution ausgelöst zu haben:

in diesem Zusammenhang wird oft kolportiert, unmittelbar nach der Hinrichtung Ludwig XVI. sei ein Unbekannter aufs Schafott gesprungen und habe gerufen: „Jacques de Molay, endlich bist du gerächt!“

Wir glauben natürlich nicht an eine Organisation, die knapp 500 Jahre überlebt. Die durchschnittliche Überlebenszeit einer Firma beträgt 40 Jahre – wie soll es da möglich sein, das es eine Organisation gibt, die zehnmal so lange lebt? Was wir bei diesen Überlegungen gerne vergessen ist: die katholische Kirche ist als „Firma“ 2000 Jahre alt – und hütet heute noch Geheimnisse.

Immer wieder finden sich Hinweise auf Zusammenhänge zwischen den Templern und der Freimaurerei – eine Freimaurerei, die viele amerikanische Präsidenten teilten. Es würde sicherlich sinnvoll sein, sich diese Geschichten einmal zu Gemüte zu führen, zeigen sie doch, wie Männerbünde im Geheimen die Verbreitung der Losung „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ vorantrieben, bis diese Forderungen letztlich – nach zwei großen Kriegen – in den Erklärungen der Allgemeinen Menschenrechte ihren Niederschlag fanden. Das Verbreitungsgebiet der in Schottland gegründeten Freimaurerei deckt sich übrigens überraschend mit dem Verbreitungsgebiet vom Aberglauben über Freitag, den 13. – und ihre Ursprung bei den Templern zu suchen, ist wohl nicht weniger phantastisch als ihn dort zu orten, wo die Freimaurer ihn selber ausmachen: bei den Kathedralenbauern des Mittelalters.

Solche Menschen leben mitten unter uns, viele davon sitzen unerkannt im deutschen Bundestag, auch Horst Köhler war einer – und so sind wir bei diesem kleinen Exkurs über ein einfaches Datum mitten drin in der europäischen Politik gelandet – ihren Rätseln und Widersprüchen, ihren Schulden und Pleiten.

Wir kleinen Menschen hier vor Ort erfahren nicht, was hinter der Bühne der Weltpolitik verhandelt wird, ja – seit dem 11.9.2001 dürfen wir noch nicht mal darüber nachdenken, das es außerhalb der offiziellen Verlautbarungen der Regierung noch Wahrheiten gibt, die man uns lieber nicht offen sagt. Wir könnten die ganze Presse eigentlich abschaffen – es reicht, wenn der Tagesschausprecher täglich die Verlautbarungen der Christlich-Sozialdemokratischen-Parteienunion-Deutschland (CSPUD) bekanntgibt, deren lokale Flügel sich bei der Besetzung von Spitzenpositionen abwechseln. Da diese Einheitspartei den öffentlichen Rundfunk in Deutschland sowieso alternativlos dominiert, würden wir den Unterschied gar nicht merken.

Was wir aber dürfen, ist arbeiten. Immer mehr für immer weniger Geld – wobei die Deutschen hier an Effektivität eine Spitzenplatz einnehmen: nirgendwo sonst wird bei den großen reichen Ländern für so wenig Geld soviel gearbeitet wie hier und die Pläne der Herrscher zeigen, das man dieses Prinzip noch gern ausweiten möchte: Lohn- und Rentenkürzungen kommen bei den Märkten gut an. Sechs Wochen arbeitet der Deutsche mehr als der Franzose, der Grieche arbeitet noch mehr für noch weniger Geld – aber was bringt ihm das? Renten- und Lohnkürzungen von 25%. Wir in Deutschland lehnen uns noch gemütlich zurück: uns kann das ja nicht passieren – wir kriegen ja jetzt schon zu wenig. Was wir dabei übersehen ist: unsere Staatsschulden explodieren auch – und wer da in die Pleite getrieben wird, sind die Kunden unserer erfolgreichsten Firmen.  Nebenbei – bekommen wir die schönste Finanzdiktatur aller Zeiten.

Fernab der Intention der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte bekommen wir ein Leben, in dem Geld die Welt regiert – und nicht mehr der Mensch. Langsam aber sicher werden alle demokratischen Programme von monetarischen Programmen überschrieben, der Begriff „unwertes Leben“ ist wieder Bestandteil der Leitkultur geworden, auch wenn man ihn heute freundlicher formuliert. Der neue Faschismus hat ein freundlicheres Gesicht, er hat keine Uniform, weshalb dem Bürger außer Empörung keine Widerstandsoption offen bleibt.  Inzwischen kommen bei Demonstrationen drei Polizisten auf einen Bürger – und niemand denkt an Polizeistaat, weil das Bewußtsein um die Gefahren des Totalitarismus nicht mehr vorhanden ist. Sechzig Jahre Frieden und Wohlstand machen aus einem starken Mann einen fetten Sack -und der kennt nur noch ein Motto: ohne mich.

Dabei sind Demonstrationen doch so harmlos wie nutzlos – wir wissen doch gar nicht, woher die Tradition eigentlich stammt. Wikipedia sieht die erste weltweite Demonstration 1911 in Berlin – für den Erhalt des Friedens, international die erste 1957 in Tirol. Kaum jemand wagt einen Rückgriff auf die Bauernaufstände oder die französische Revolution. Es scheint fast, das es keine Revolutionen geben kann, wenn die Freimaurer sie nicht initiieren. Wenn sich das Volk versammelt, um seine Meinung auszudrücken, so war es meist mit allem bewaffnet, was zur Hand war und stand vor dem Schloss des Grafen Frankenstein, um dem Morden seines Ungeheuers zur Not durch Gewalt Einhalt  zu gebieten. Damals ging das auch noch, weil die Versorgung des Schlosses von der einzigen Straße abhängig war, die zu ihm hinauf führte. Der Schloßherr war gezwungen, zu reagieren – oder er wäre früher oder später verhungert.

Der Monetokratie ist es egal, wer da nutzlos in der Kälte im Park herumsteht. Sie hat die absolute Kontrolle über die Medien, hat 5000 Lobbyisten in Berlin, bezahlt manche noch unter der Hand direkt und hat viele schöne Pöstchen für Verräter – der Zugriff ist perfekt und wird jeden Tag stärker.  Ihre Lebensadern kann man nicht blockieren – und Demos im Stadtpark kann sie locker 1000 Jahre aussitzen. Dabei würde nur das etwas nützen: wenn man ihre Lebensadern blockieren könnte. So könnte man die Vernichtung der Demokratie durch die Monetokratie vielleicht noch friedlich verhindern. Wirkungsvolle Demonstrationen hatten schon immer etwas von Belagerungen an sich – und bargen eine Chance zur friedlichen Beilegung unhaltbarer Zustände. Demonstrationen endeten selten im Sturm der Burg.

Wie will man aber Billionen von Dollar blockieren, die überhaupt nicht real existieren und in sekundenschnelle um den Globus rasen? Diese Macht gleicht dem christlichen Gotte, der sich unnahbar hinter den Wolken verbirgt, manchmal aber mit vernichtender Gewalt zuschlägt. Wie kann man einen Gott … blockieren?

In dem man sich von ihm abwendet.

So einfach wäre das.

In dem man aufhört, täglich seinen Frondienst zu leisten – seinen Gelddienst. Sinnvollerweise heißt dieser Dienst, der uns Menschen zu Robotern macht, in Österreich auch Robot.

Dort, wo Roboter leben, ist Demokratie nur noch ein Leichnam, der sich weigert, zu sterben.

So führt die Haltung des Ohnemichels ohne weiteres direkt ins Herz der Finsternis: unsere Demokratie ist zum Zombie geworden – vielleicht tauchen diese künstlich (aber aus Gründen der Gesellschaftskritik ersonnenen) geschaffenen Mythen deshalb überall auf: wir erleben diese Roboter, die gerne alles Lebendige auffressen wollen, weil sie selber als perfekte Roboter selber nichts mehr Lebendiges in sich haben, jeden Tag auf der Arbeit.

Sie sehen nur noch nicht so aus wie Zombies. Jedenfalls … äußerlich.

Das haben sie gemein mit den neuen Banknazis, die nach Weltherrschaft streben – und sie eigentlich gerade über Europa ausüben: sie leben unerkannt ohne Uniform mitten unter uns … und haben mit der NSDAP nichts mehr am Hut. Das überlässt man gern den Deppen von vorgestern.

Wie aber die NSDAP greifen sie bis in die kleinsten Kleinigkeiten unsere Alltages ein, eines Alltages, der zunehmend düsterer wird und jetzt auch die passende Ausstattung dazu bekommt: die Banknazis fangen an, ihre Monster auf uns loszulassen:

Die Frontpartien der allermeisten aktuellen Autos scheinen diese Hysterisierung abzubilden. Sie sehen aus wie die Masken einer griechischen Tragödie; man sieht angstverzerrte, von Panik ergriffene Fratzen, weit offen stehende, schreiende Kühlermünder, Scheinwerfer in Form leuchtender Zornesfalten, vergitterte Metallrachen, als ernähre sich der Wagen nicht von Benzin, sondern von unzerkleinerten Huftieren und bewerbe sich außerdem um eine Rolle im Park von Bomarzo. Den übrigen Verkehrsteilnehmern reckt das Auto ein mit Leucht- und Chromzähnen bewehrtes Kühlermaul entgegen, das jedes pseudomittelalterliche Jahrmarktmonster zieren würde und mitteilt, dass der Fahrer den öffentlichen Raum für einen Ort hält, an dem es ums Fressen und Gefressenwerden geht.

Das bedrohliche an diesen Monstern ist: die fressen wirklich Menschen. Am liebsten kleine Kinder. Aber – so sehen wir das schon lange nicht mehr. Roboter können das nicht erkennen. Sie würden sich sonst fragen, warum man diese Maschinen nicht so gestaltet, das kleine Kinder sich freuen, eine zu sehen – anstatt sich davor zu fürchten, gefressen zu werden.

Kehren wir zurück zu den Templern – immerhin haben wir heute Freitag den 13. Sie werden auf einmal wieder ganz aktuell, denn im Prinzip – haben sie den Grundstein zur Monetokratie gelegt. Sie gelten als die Erfinder des modernen Bankwesens, als „Pioniere des Geldwesens„.  Sicherlich ist es Zufall, das es ein Freitag der 13. war, der uns den ersten großen Börsencrash der Geschichte gebracht hat – in einem Land, dessen Bostoner Tea-Party ebenfalls von einer Freimaurerloge ausging.

Was für eine Riesengeschichte haben wir da vor uns: 700 Jahre Geschichte des Abendlandes und der Moderne als Rachefeldzug der armen Ritter Christi gegen Kirche und König.  Keine Sorge – ich komme jetzt nicht noch mit der Geschichten von Pike und Mazzini, zumal Freimaurer in den USA nachgewiesen haben, das er zentralsteuernde Superritus einer freimaurerischen Spitzenklasse einfach nur ein Witz der Antimaurer ist.

Selbstverständlich gibt es auch keine Monetokratie noch sind wir Roboter. Wir tragen keine Uhren, um bloß keine Termine zu verpassen, wir kümmern uns nicht um Mode und Trends, wir sind auch nicht durch Handys jederzeit erreichbar – wir sind freie Menschen, die ganz und vollkommen Herr über ihr Leben sind. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bestimmen unseren Alltag. Wir bekommen keinen antibiotikaverseuchten Schweinefraß vorgesetzt, sind keinem Fitnessterror ausgesetzt, um unsere beständiges Hochleistungsniveau bis zum Zusammenbruch beizuhalten, „Burn-Out“ ist bei uns so unbekannt wie Depressionen oder Selbstmorde, wir kennen keine Amokläufe junger Menschen, noch nahm bei uns jemals ein Politiker Geld von zwielichtigen Gestalten an – nein, noch nicht mal der Bundespräsident.

Wäre es nämlich so, dann würde uns der Horror der Monetokratie schon bis in den Alltag hinein verfolgen, man würde es uns zwar als normal verkaufen, doch wir würden merken, das wir im Lande der Roboter NIEMALS alt oder krank werden dürfen. Menschen kann man im Zeitalter der Monetokratie nicht gebrauchen … sie sind eher ein Problem – ihre Kochfeuer, ihre Kühe und ihre Reisfelder gehören einfach abgeschafft. Zur Rettung des Klimas, natürlich.

Was wir aber heute sehen können – ist, das lebendig bleiben die erste Herausforderung ist, der wir uns im Kampf für das Überleben der Demokratie gegenüber sehen.

Wer brav den Roboter macht – tötet den Traum einer Gesellschaft der Menschenrechte.

Im nächsten Schritt brauchen wir mehr Bewußtsein über Zusammenhänge, darüber, das nichts – aber auch wirklich gar nichts – in der geschichtlichen Welt zufällig geschieht und das es möglich ist, das eine kleine Gruppe entschlossener Menschen mit Begeisterung und Überzeugung auf Dauer sogar einen Tyrannen stürzen kann.

Haben wir mehr Bewußtsein, wissen mehr Menschen um die Ernsthaftigkeit der Lage (was der Resistance im besetzten Frankreich leichter fiel, weil die Nazis da Uniformen trugen), können wir das tun, was das Volk schon immer getan hat, wenn es nicht mehr ging: die Straße blockieren.

900000 Menschen haben bislang die Streitschrift „Empört Euch“ von Stephan Hessel gelesen – das zeigt, wie viel Lebendigkeit in Deutschland noch vorhanden ist.

Darf ich nochmal zitieren?

„Ein vollständiger Plan zur sozialen Sicherheit mit dem Ziel, allen Bürgern, denen dies nicht durch eigene Arbeit möglich ist, die Existenzgrundlage zu gewährleisten, einen Ruhestand, der den Arbeitnehmern ein Alter in Würde gestattet“, erreichbar durch die Verstaatlichung der Energieversorgung – Strom, Kohle, Gas -, die Verstaatlichung der Großbanken, Versicherungsgesellschaften, Bodenschätze. (Hessel, Empört euch, Ullstein 2010, Seite 8).

Das waren die Ziele der Resistance.

Wie sie zu erreichen sind?

Nun – vielleicht inspiriert ja die Geschichte von der möglichen Rache der Templer mal die paar lebendigen Menschen in den Zombiehorden da draußen. Wenn die soviel geschafft haben – bei so einer Übermacht gegen sich – dann sollte es heutzutage nicht unmöglich sein, das Ende der Monetokratie zur Rettung der Demokratie zu betreiben.

Der einzige Einfluß, den Wirtschaft, Banken und Lobbyisten auf Politik haben dürfen ist: ihr persönliches Kreuz am Wahlabend für die Partei, die ihnen beliebt. Mehr nicht. Damit – wären wir schon einen Riesenschritt weiter auf dem Weg zur „Errichtung einer echten wirtschaftlichen und sozialen Demokratie unter Ausschaltung des Einflusses großen im Wirtschafts- und Finanzbereich bestehenden privaten Herrschaftsdomänen“ – was nach Hessel (a.a.O.) vor siebzig Jahren die Ziele der Résistance waren.

Warum sind die wohl heute noch so aktuell?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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