Faschismus

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Das – wiederholte – Ende des Kapitalismus und unsere dunkle Zukunft

Das - wiederholte - Ende des Kapitalismus und unsere dunkle Zukunft

Freitag, 26.10.2018. Eifel. Schneller wird die Welt. Und immer schneller irrer. Fragt man sich, woran es liegen mag, so wäre die Antwort einfach: der Kapitalismus nähert sich wieder einmal dem Ende – und immer wenn er sich dem Ende zuneigt, wird er brutal – und irre. Es eilt ja auch: noch so viel Geld auf Konten hilft nicht, wenn der Zusammenbruch da ist und das Geld nichts mehr wert. Geld man man nicht essen, es ist nur Papier – oder – wie bei den Superreichen – nur eine Zahlenkette auf dem Rechner. Ein Stromausfall reicht und die Milliarden sind nicht mehr erreichbar – unvorstellbar, oder? Doch genau so ist es. Streng genommen sind diese Buchgeldsummen aber nur eins: Optionen auf Ansprüche. Da es mehr Geld auf dieser Welt gibt als Waren und Dienstleistungen zusammengenommen, können Sie sich unschwer vorstellen, was passiert, wenn diese gigantischen Summen sich auf die Jagd nach Land, Nahrung, Obdach und Wasser machen – und was dann mit Ihnen passiert. Klar – man braucht ein paar Jungs fürs Grobe, Menschen, die mit einem robusten Mandat keine Probleme haben – an den Randzonen der Gesellschaft werden mittels Demütigung, Erniedrigung und seichter Folter genug dieser Menschen produziert, die ihren Lebensfrust nur allzugern an anderen auslassen.

Der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister beschreibt derzeit zwei Szenarien, die der Neoliberalismus enden wird (siehe Freitag), dass er enden wird, daran hat er keine Zweifel mehr – wie viele andere auch. Entweder er endet in einem Sieg der Vernunft, der die überbordende, irrwitzige Finanzwirtschaft auf den Boden der Tatsachen zurückholt – oder er endet in einer Form des „sanften Faschismus“. Ich jedoch frage mich währenddessen, ob Herr Schulmeister wohl zu jenen Eliten gehört, die jeglichen Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben – so wie es der Elitenforscher Hartmann der politischen Kaste vorwirft (siehe Heise). Mit liegt mehr an der These, dass Faschismus – immer und überall – Kapitalismus im Endstadium bedeutet: das Kapital sammelt seine Schläger immer dann, wenn der große Knall droht und mal wieder klar wird: das war alles nur irrationales, substanzloses Casinospiel, aufgrund dessen man sich unendlich reich gerechnet hatte und nun fordert, dass andere für den erspielten Reichtum echte Arbeit und echte Waren liefern. Klar, dass das nicht gut geht.

Wer ist eigentlich der Erzfeind des Faschismus? Haben Sie sich das schon mal gefragt? Bin sicher, es kommen laufend falsche Angaben dazu, weil Faschismus im gemeinen Bildungswesen immer nur extrem verkürzt unterrichtet wird … was in einem kapitalistischen System durchaus eine gewisse Logik hat: wieso soll man groß drauf aufmerksam machen, dass das System nur funktioniert, wenn am Ende der Party die Saalräumer vom Ordnungsdienst die Spuren beseitigen und die Gäste ´rausjagen. Der Ausländer ist der Feind des Nazis? Sicher Ihre erste Vermutung, doch – es waren nie mehr Ausländer in Deutschland als zur Zeit des Dritten Reiches: billige Zwangsarbeiter kann das Kapital immer gebrauchen (und auch die Waffen-SS nahm gerne jeden auf, der ihren Job gut machte), haben wir in Deutschland ja auch in den sechziger Jahren gesehen, als Menschen aus Europa gezwungen waren, in Deutschland zu arbeiten, um der Armut in ihren Herkunftsländern zu entfliehen – sie wurden zu einer Zeit willkommen geheißen, als hier in Juristerei, im Ärztewesen, in der Politik und den Geheimdiensten alles noch voll mit Spitzennazis war. Der Jude ist der Feind des Nazis? Ja – in Österreich und Deutschland ist das eine besondere Spielart der Faschisten – schon in Italien hörte dieser vernichtende Spezialwahn auf. Zudem ist die Geschichte der Judenprogrome – die es 1903 auch in Russland gab (siehe Deutschlandfunk) oder 1946 – kurz nach dem Ende der Judenvernichtung durch Deutsche – auch in Polen (siehe Zeit). Der Judenhass – vor allem in Österreich, und dort vor allem in Wien – ist eine ganz anders gelagerte Problematik – und viel viel älter. Aber als Sündenböcke für alles … nun, dafür waren sie schon immer gut. Antisemitismus ist halt nichts typisch Faschistisches, das sollte man sich merken – obwohl die Welt dadurch komplizierter wird … und einige schon jetzt überfordert.

Der Erzfeind des Faschismus ist: die guten Menschen. Also nicht die als „Gutmenschen“ bezeichneten Bessermenschen, die sich externen Verhaltenskodexen unterwerfen, um angesichts wechselnder moralischer Qualitäten immer als besonders gut dazustehen, sondern jene Menschen, die für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einstehen, jene Menschen, die die christliche Nächstenliebe aktiv praktizieren, die gegen Ausbeutung sind, gegen Gewalt, gegen Fremdherrschaft, Bevormundung, Ungleichheit – kurzum: gegen alles unmenschliche und unsoziale, gegen jede Form von Herrenmenschentum, das in der Gesellschaft ein klar definiertes „oben“ und „unten“ erzeugt, wobei „unten“ – immer und überall – ohne großen Lohn für „oben“ Leistungen zu erbringen hat.

Zuerst hatten sich die guten Menschen mal unter dem Banner des Kommunismus versammelt – jener Idee, die einer Welt, die von urchristlicher Nächstenliebe geprägt ist, am Nächsten kam, doch das klappte überhaupt nicht: wie man aktuell in China sehen kann, können Kapitalismus und Kommunismus ganz gut miteinander – staatlicher Monopolkapitalismus ist zudem nur eine Sonderform des Kapitalismus selbst – sowie Auschwitz eine Sonderform des Faschismus deutscher Prägung war. Besser, leichter, freier, friedlicher, geborgener war das Leben dort nicht.

Wir können es auch auf einen anderen Nenner bringen, wenn man Schlagworte gerne mag: Erfeind das Faschismus ist der Antikapitalist, früher: Kommunist genannt. Mit dieser klaren Linie kann man in jedem Land der Welt klar und eindeutig Faschisten entlarven, die – wie seit Jahrtausenden – immer als die begeisterte Schlägertruppe der Herren des Geldes auftreten. Es ändern sich die Waffen, die Methoden, die Uniformen, die Marschmusiken und die Liedertexte, aber eins bleibt gleich: Menschen, die es außerordentlich geil finden, im Auftrag des Großgrundbesitzers auf die Schwachen einzudreschen. Da gibt es psychische Defekte, die zum Tragen kommen, das ist gar nichts politisches.

Natürlich ist das jetzt eine Theorie. Meine Theorie. Ich denke aber auch, sie läßt sich verifizieren – und da sehe ich die Welt halt anders als der Anfangs erwähnte Ökonom. Ich sehe nichts von einer Allianz der Vernünftigen, halte sie für wünschenswert aber unrealistisch, weil die Verfilzungen der Büttel des Kapitalismus schon viel zu weit fortgeschritten sind, so weit, dass sie schon weiter Teile ursprünglich linken Denkens okupiert haben – unter anderem auch die einst sinnreiche Bewegung der Antifa, jetzt „Staatsantifa“ (siehe DKP). Ich sehe keinen sanften Faschismus in der Zukunft, sondern einen harten Faschismus in der Gegenwart, der sich zunehmend ausbreitet – angefangen mit Hartz IV, jener Gesetzgebung, die Millionen von Bürgern zu Feinden der Allgemeinheit erklärte, zu Parasiten, Schmarotzern und geistig minderbemittelten Untermenschen (ja: die „Unterschicht“, die man verschämt „Prekariat“ nannte) – die Paralellen zum Umgang mit Millionen jüdischer Mitbürger, die in den frühen dreissiger Jahren zu beobachten waren, sind frappierend – aber nur für jene zu erkennen, die sich mit der Zeit beschäftigt haben. Das Horrorbild, dass der Bertelsmannkonzern mit seiner medialen Supermacht vom Arbeitslosen in die Gesellschaft gedrückt hat, entsprach bis ins Detail dem Bild, dass Nazis von Juden zeichneten – und deshalb sind ja auch alle begeistert davon gewesen, dass man normale Mitmenschen komplett enteignete, entrechtete und sie einem diskriminierendem System unterwarf, dass ihrer Gesundheit (und damit paradoxerweise auch ihrer Vermarktbarkeit) massiv schadete.

Es ist eine der erfolgreichsten Ruckzugsstrategien des Kapitalismus, dass er – bis er seine brutalen Schlägerbanden von der Leine läßt – erstmal die Bevölkerung spaltet, sie gegeneinander aufbringt – und das erleben wir ja schon länger. Macht auch Sinn: so verkleinert man die zahlenmäßige Übermacht der Untermenschen und Arbeitssklaven.

Was haben wir nicht alle für Riesenthemen, die uns beschäftigen: den großen Abwehrkampf gegen den übermächtigen Islam zum Beispiel. Klar, es gibt eine kleine aber außerordentlich reiche Milliardärssekte in Saudi-Arabien mit enorm schlechten Umgangsformen, die eine moderne, faschistoide Sonderform des Islam finanziert und verbreitet, der mit demokratischen Grundprinzipien des sozialen Miteinanders einer aufgeklärten Gesellschaft nicht vereinbar ist – das hat jedoch mit meinem Nachbarn, dem türkischen Gemüsehändler, überhaupt nichts zu tun, selbst wenn der zehn mal am Tag seinen Gebetsteppich ausrollt. Wir haben solche irren Sekten auch im Christentum, sogar mächtige Sekten wie den Opus Dei, die Schmerz verherrlichen (und deshalb niemals Macht bekommen dürfen), sie gab es auch im Hinduismus (die Thuggs) und wahrscheinlich auch in allen anderen Weltreligionen. Das ist aber kein Problem: dafür haben wir die Polizei. Kein Grund sich darüber aufzuregen: sobald die mit den Gesetzen der demokratischen Zivilgesellschaft kollidieren, werden die mit robusten Gegenmaßnahmen rechnen müssen. Punkt, Ende der Debatte.

Oder Diesel – das nächste Riesenthema. Was gibt es da für endlose Debatten drüber – ebenfalls irre und irrationale Debatten. Gestern noch mit einem Autohändler drüber gesprochen: sein Konzern hat ein Ankaufverbot für Dieselautos verhängt (natürlich inoffiziell), weil die Dinger in Deutschland nicht mehr zu verkaufen sind. Zehn Kilometer weiter jedoch – in Belgien – ist der gleiche Diesel wieder ein ganz normales Auto mit wenig CO2-Ausstoß. Das gilt sogar weltweit. Rom, Paris, Brüssel – Megastädte ohne Probleme mit dreckigem Diesel, aber das kleine Aachen erstickt im Dreck. Was geschieht mit den ganzen Dieseln, die hier abgestoßen werden? Die werden mit großem Gewinn für die Firmen aber großen Verlusten für die deutschen Eigentümer ins Ausland verkauft. Dort sind sie offenbar sofort sauber. Nun – Dieselmotoren jedoch – kann man umrüsten, auf Wasserstoff zum Beispiel (siehe bizz-energiy). Man kann auch den Diesel selbst als Kraftstoff so verändern, dass er nur noch einen Bruchteil an Schadstoffen ausstößt (siehe heion.de): man sieht also … kein Grund für Panik oder Debatten. Punkt. Ende der Debatte. Ach ja – was ich nebenbei erfuhr … man geht intern davon aus, dass es sich bei der Kampagne gegen Diesel um eine groß angelegt externe Kampagne handelt, die auf breiter Fläche agiert. Schade nur, dass wir keine Theorien über Verschwörungen mehr bilden dürfen: wäre schon interessant, wer uns da an der Nase herumführt. Der Kreis der Verdächtigen aber läßt sich so oder so eingrenzen: es wird einer der großen Player des Kapitalismus sein. Allein schon die Atomkonzerne hätten hinreichendes Interesse an einer Anti-Diesel-Kampagne – die eröffnet ihnen die Rückkehr ins Geschäft, wenn gleichzeitig das Elektroauto gepuscht wird. Geld haben die genug – erhalten ja Riesensubventionen (siehe Ingenieur.de).

Oder der gigantische Abwehrkampf gegen „Rechts“ – womit der Faschismus soweit verniedlicht und derealisiert wurde, dass man ihm jedermann andrehen kann – ob der nun bekennender Faschist ist oder nicht, spielt da gar keine Rolle, denn irgendwie „rechts“ sind alle Menschen mehr oder weniger – je nach Deutungsrahmen. Gleichzeitig wird der echte, existentiell bedrohliche Faschismus infolge der Unschärfe der Sprache nicht mehr erkannt – und marschiert lustig weiter fort – auf ganz breiter Front.

Reicht das an künstlich aufgeblasenen Zwistigkeiten? Oder soll ich noch mal das Stichwort „Gender“ bringen, mit dem der Kampf der Geschlechter neu entfacht worden ist – ohne an der Wurzel des Übels zu rütteln, die dafür sorgt, dass Emanzipation im Alltag eher rückläufig ist. Es ändert nicht viel, die Genderei, kostet aber enorm viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit – es braucht schon ein wenig Muße, um nachvollziehen zu können, warum männliche Studenten in Zukunft nur noch in Ketten in Hörsälen der Universitäten erscheinen dürfen (was ein Fake war, aber zeigt, wie irre dort auf Kosten der Allgemeinheit gedacht wird – siehe Süddeutsche).

In Ungarn wird Obdachlosigkeit strafbar – wir regen uns auf (siehe Wiwo), bringen aber gleichzeitig Bügel an Bänke an, damit Obdachlose dort nicht mehr schlafen können (siehe WAZ). Aber vielleicht ist ja das das „Sanfte“ an unserer Form des Faschismus, die unser Ökonom kommen sieht. Anstatt nicht „Kosten auf zwei Beinen“ in einer Aktion T4  für immer aus dem Verkehr zu ziehen, benutzen wir für alte Menschen Schlaftabletten, damit sie nicht mehr im Wege stehen und uns Zeit stehlen (siehe Zeit). Auch die Jugend bleibt nicht mehr verschont, die schwarze Pädogogik der NS-Zeit hält wieder Einzug und wird groß propagiert, die „Qulitätsmedien“ propagieren gerade in breiter Front einen Film, der Standard einer neuen Elternschule sein kann (siehe Ken.Fm – ja, der Kanal des als „Rechten“ verbrämten Ken Jebsen erkennt hier folgerichtig, dass auch in diesem Sektor die NS-Zeit wiederkehrt – die „demokratischen Qualitätsmedien“ hingegen folgen der faschistischen Argumentation kritiklos). Und über Hartz IV – die Neuauflage der NS-Aktion „Arbeitsscheu reich“ – haben wir ja schon gesprochen.

Die Liste ließe sich ebenso endlos fortsetzen – und auch für das Ende wird schon gerüstet: Einsatz der Bundeswehr im Inneren und Ausrüstung der Polizei mit mit Maschinengewehren bestückbaren Panzerwagen zeigt, wie weit Entscheider heute schon denken. Wenig geschieht gegen die asozialen Schmarotzer im Maßanzug, die plündern fröhlich weiter, erbeuteten allein durch Cum-Ex 55 Milliarden Euro Steuergelder (siehe Zeit). Ebenso bei den Pflegekassen: Betrüger räumen mit Duldung der Kassen groß ab, während Leistungen für die Versicherten immer knapper gehalten werden (siehe Spiegel). Eine Milliarde Euro Steuergeld wird der Gastronomie geschenkt, damit die billige Arbeitskräfte haben kann (siehe rp-online). Das alles ist ok, weil ja Kapitalismus im Kern heißt: nimm von den viel-zu-vielen so viel du kannst, dass ist der Kernbefehl das Kapitalismus, der gerade – kurz vor seinem Ende – zum Überwachungskapitalismus mutiert (siehe Deutschlandfunkkultur). Und am Ende – ganz oben – häuft sich immer mehr Kapital an (siehe Spiegel).

Und wenn es soweit ist … dann werden die Entscheider sich schnell aller Demokratie entledigen. Da sagt dann die Industriekanzlerin einfach: „Wir schaffen das ab“ – und fort ist das. Schauen Sie nicht so verdutzt: in der gleichen Art und Weise hat sie Deutschland im Handstreich zum Migrationsland erklärt – ohne jegliche Debatte – und Fakten geschaffen. So geht Politik in der Postdemokratie.

Und was wir noch mehr abschaffen werden, sind Menschen. Mit Hochdruck arbeitet das Investivkapital an der Automatisierung des Lebens. Man könnte stattdessen auch Lebensbedingungen von Mensch und Tier verbessern und dort investieren – aber der Kapitalist selber weiß, dass Kapitalismus in seiner Gier immer ein Ende erreicht – ein Ende, an dem alles immer schneller und irrer wird, bevor der Kollaps kommt – wozu also das Unaufhaltsame künstlich herauszögern? Selbst ist man ja geschützt durch faschistische Schlägertrupps, die einem das humanistisch orientierte Pack durch die Straße jagen – und wer in den Städten durch Hungersnöte dahingerafft wird, kann einem da völlig egal sein. Aber danach will man ja sein Luxusleben weiterleben – aber dann völlig unabhängig vom Menschsein. Da kommt die Nachricht gerade richtig, dass nun auch Künstler durch Programme ersetzt werden können und Kunstwerke schaffen, die gute Preise erzielen (siehe Spiegel).

Es werden dunkle Zeiten auf uns zukommen – wie immer, wenn der Kapitalismus im Endstadium ist. Vielleicht ersehnen wir als Menschheit solche Zeiten aber insgeheim, weshalb wir uns nicht dagegen organisieren (mal davon abgesehen, dass die Verhinderung dieser Organisation ja gerade das Ziel aller Spaltung ist, weshalb auch „Querfront“ als Begriff ein urkapitalistisches Werkzeug ist). Die Wissenschaft ist da gerade auf einer interessanten Spur: offenbar hat die Menschheit – anders als die meisten anderen Spezies – vergleichbar mit einem blinden Höhlenfisch lange Phasen absoluter Dunkelheit erlebt (siehe Spektrum).

PS: ja, ich weiß, Sie vermissen als großes Thema jetzt „Klima“. Ist auch so ein Aufreger. Wie Ozonloch oder Waldsterben. Das kann jedoch in der Tat ein Fakt sein, ist aber trotzdem dem sterbenden Kapitalismus sehr nützlich, weil er die Schuld nicht auf die Verursacher, sondern auf die Konsumenten schiebt, die Untermenschen, die für ihn sowieso viel zu viele sind. Die Inuit jedoch meinen, es liegt gar nicht am Menschen – sondern an der Verschiebung der Erdachse (siehe Connectivevents).

 

 

 

Kampf gegen Rechts: Gedanken zur Verleihung des Rheinlandtalers an Marita Rauchberger und zur Wiederkehr des Faschismus

Sonntag, 18.3.2018. Eifel. Sie wissen ja, wie das mit den Nazis damals war, oder? Die tauchten plötzlich auf, 1933, von Basen die entweder am Südpol lagen oder auf der Rückseite des Mondes – die Wissenschaft streitet um dieses Thema noch. Dann besetzten sie das arme, liebe, gute Deutschland, überzogen es mit einer unglaublichen Terrorherrschaft, überfielen alle Länder rings herum und wurden letztlich von der vereinten Menschheit wieder dahin zurückgetrieben, wo sie herkamen: ins Nichts. Heute, ja heute treten sie nur noch vereinzelt auf, sind erkennbar an ihren Hakenkreuzarmbinden oder an alternativen Symbolen, die sie sich raffiniert ausgedacht haben, um möglichst unerkannt unter uns wandeln zu können.

Ja – ich weiß, dass war jetzt überzogen. Hoffe ich wenigstens. Wie aber sonst soll man einleiten zu einem Thema, das man für wichtig hält: das NS-Reich dauerte nur 12 Jahre. Es wurde getragen von Millionen von Deutschen, die schon da waren, als die Weimarer Republik noch Demokratie versuchte – und sie waren immer noch da, als das Dritte Reich durch Waffengewalt ausradiert wurde. Ich kann Ihnen da mal Namen nennen: bei Wikipedia gibt es eine ganze Liste von Nazis (also: ehemaligen Mitgliedern der NSDAP), die politisch in der Bundesrepublik gewirkt hatten, darunter sind drei Bundespräsidenten (siehe Berliner Zeitung):

„Als die USA 1994 nach jahrzehntelangen Verhandlungen Dokumente des Berlin Document Center (BCD) an die Bundesrepublik Deutschland zurückgaben, gewann die Öffentlichkeit den Eindruck, die Bundesrepublik sei in ihren frühen Jahren von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern regiert worden. Die im BCD verwahrte Mitgliederkartei der NSDAP gab vertraute Namen preis: drei Bundespräsidenten – Karl Carstens (CDU), Heinrich Lübke (CDU) und Walter Scheel (FDP), der zuvor Außenminister war –, der ehemalige Präsident des Deutschen Bundestages, Richard Stücklen (CSU), der Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), die Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller (SPD) und Liselotte Funcke (SPD), der Kanzleramtschef Horst Ehmke (SPD), der ehemalige Fraktionschef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Alfred Dregger, und viele andere.“

Einer der Mitbegründer der CSU – Max Allwein – war noch beim „Hitlerputsch“ 1923 fleißig dabei: dem ersten Versuch Hitlers, ganz offen eine antisemitische und antimarxistische Diktatur zu errichten.

Doch auch die SPD blieb davon nicht verschont:

„Allein in der Regierung Willy Brandts saßen zwölf ehemalige Nationalsozialisten am Kabinettstisch.“

Ich warte auf weitere wissenschaftliche Arbeiten, die sich darauf konzentrieren, wie der Ungeist der alten NS-Zeit durch seine „Mitläufer“ in der Bundesrepublik überlebt hat: wird sicher spannend werden – und vor allem erklären, warum sogar SPD-Parteispitzen alte Nazisprüche flott von den Lippen gehen: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“. Hitler hatte schon 1925 die Richtung für solche Sätze vorgegeben (siehe Hagalil):

„Wer nicht arbeitet, soll nicht essen. Und wer nicht um sein Leben kämpft, soll nicht auf dieser Erde leben. Nur dem Starken, dem Fleißigen und dem Mutigen gebührt ein Sitz hinieden.“

Wenn es Ihnen jetzt eiskalt den Rücken herunterläuft: gut so. Der Geist des Führers ist noch sehr lebendig in diesem Land, weshalb wir jetzt zu jenen kommen, die im Kampf gegen Rechts enormes geleistet haben und deshalb durch die Verleihung des Rheinlandtalers gewürdigt wurden. Rheinlandtaler? Eine Ehrenmedaillie (siehe lvr):

„Im Jahr 2016 feiert der Rheinlandtaler sein 40-jähriges Jubiläum. Seit 1976 hat der Landschaftsverband Rheinland mit dieser Auszeichnung über 1.300 Menschen geehrt, die sich um die rheinische Kultur verdient gemacht haben. Die Verleihung ist auch eine Werbung für das Ehrenamt.

Der Taler selbst … ist etwas unheimlich:

„Der Rheinlandtaler auf der Schauseite ein von Haarwellen kreisrund umrahmtes Gesicht mit großen Augen und weitgeöffnetem Mund – das Gesicht der Medusa. Diese „Herrscherin“ war in der griechisch-römischen Mythologie eine der drei Gorgonen, die man sich als weibliche Ungeheuer vorstellte, geflügelt, mit Schlangen im Haar und mächtigen Zähnen. Ihr Anblick ließ jedes Lebewesen zu Stein erstarren.“

Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam, dieses Symbol auf eine Ehrenmedaillie zu prägen: die Erklärung ist mystisch-magisch – und läßt tief blicken:

„Nach antiker Vorstellung wehrte das Gesicht der Medusa jedes Unheil ab. Zum persönlichen Schutz trug man daher häufig Amulette mit ihrem Bildnis.“

Ein magisches Schutzamulett also.

Interessant.

Sie werden manche der Preisträger kennen: Götz George (also: „Schimanski“), Hans Dieter Hüsch, Konrad Beikircher, Jürgen Beck (Kabarettisten), aber auch Jean Jülich und Gertrud Koch, zwei Edelweißpiraten. Edelweißpiraten? Nun – Jugendliche, die dem NS-Regime nicht freundlich gegenüber gestanden hatten … grob gesagt. Jean Jülich, der sich selbst nicht als Widerstandskämpfer begreift erzählt von ihnen in einem langen Artikel (siehe Frankfurter Rundschau). Andere wurden ebenfalls geehrt … und manche auch extra nicht (siehe nrhz):

„Neben anderen protestierte damals auch Romani Rose vom Zentralrat deutscher Sinti und Roma: „Es ist für uns unerträglich, wenn von heutigen Wissenschaftlern junge Menschen, die im Dritten Reich sich gegen die bestehenden NS-Organisationen, gerade auch gegen die Hitlerjugend, zusammenschlossen, als aufgrund der Zeitumstände “zwangsläufig kriminell“ diffamiert werden.“

Der Kölner OB Jürgen Roters (SPD) ist hier eine rühmliche Ausnahme. Für ihn, der jetzt die Verdienstkreuze an fünf ehemalige „Edelweißpiraten“ übereichte, war immerhin schon 2005 klar geworden, dass die Kölner „Edelweißpiraten“ politischen Widerstand im besten Sinne des Wortes geleistet hatten. Deshalb ehrte er als damaliger Regierungspräsident die Überlebenden, Anders als einer seiner Vorgänger, der Sozialdemokrat Franz-Josef Antwerpes (SPD), der bis zuletzt, wie die Nazis, den Widerstand der Jugendlichen als Verbrechen sah.“

Ein kleiner Blick in bundesdeutsche Realitäten 60 Jahre nach dem Krieg – immer noch gibt es SPD-Funktionäre, die Widerstandskämpfer als Verbrecher ansahen … was ja faktisch damals auch richtig war – und eins der Gräuel aufzeigt, weshalb es so weit kommen konnte: den sklavischen Gehorsam eines deutschen Beamten gegenüber den Gesetzen – auch wenn selbige unmenschlich sind.

Ja – weshalb es so weit kommen konnte: weshalb kam es eigentlich so weit? Haben Sie eine Idee dazu? So groß wie das Grauen war, das die NS-Zeit über Deutschland gebracht hatte, müssten doch im wesentlichen die Umstände bekannt sein und schon an Grundschulen gelehrt werden, weshalb aus braven Bürgern Nazis werden … doch hier greift wohl eher die Theorie der Naziufos, die aus dem Nichts über Deutschland hereinbrachen (bitte nicht googeln oder weitererzählen: diese Geschichte habe ich erfunden … sage ich sicherheitshalber mal).

Einer der hier zu berichten weiß, ist Wilhelm Reich (ja, genau: der Reich, dessen Bücher in den USA verbrannt wurden – auf Anordnung einer Gesundheitsbehörde, siehe SWR 2). Ich zittiere hier einfach mal Wikipedia, welche Zusammenhänge er da erkannt zu haben glaubte – eine sprachlich verdaulichere Zusammenfassung fand ich so auf die Schnelle nicht:

„Reich wandte mit seiner Arbeit Massenpsychologie des Faschismus seine klinischen Vorstellungen von der menschlichen Charakterstruktur auf den gesellschaftlich-politischen Bereich an. Es ist seine erste größere, aus psychoanalytisch-gesellschaftskritischer Sicht geschriebene Auseinandersetzung mit dem Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus. Er analysiert darin grundlegende Zusammenhänge zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie und welche Rolle die autoritäre Familie und die Kirche dabei spielen. Reich vertrat die Ansicht, dass organisierte faschistische Bewegungen durch irrationale Charakterstrukturen des modernen Durchschnittsmenschen hervorgebracht würden, dessen primäre biologische Bedürfnisse und Antriebe seit Generationen unterdrückt worden seien: Die patriarchalische (Zwangs-)Familie als Keimzelle des Staates schaffe die Charaktere, die sich der repressiven Ordnung, trotz Not und Erniedrigung, unterwerfen. Er verneint die Auffassung, Faschismus würde aus der Ideologie oder dem Handeln einzelner Individuen oder irgendwelcher politischen oder ethnischen Gruppen entspringen“

Verstanden? Eine von mir gerne erwähnte Kurzfassung ist: Faschismus entsteht durch schlechten Sex und einengende gesellschaftliche Normen.

Eine andere Perspektive – dunkler und unheimlicher – ist die von Guido Giacomo Preparata, der in seinem Werk „Wer Hitler mächtig machte“ aufzeigte, wie britisch-amerikanische Finanzeliten gerade jenen Hitler förderten, der eine Diktatur versprach – eine Diktatur gegen Russland, wohlgemerkt. Doch dies … ist aktuell eher „verbotenes Wissen“, warte nur auf den Moment, wo Preparata öffentlich zum Untermenschen, zum „Verschwörungtheoretiker“ ernannt wird.

Noch eine andere Perspektive? Nun – da gibt es noch Götz Aly, einen Historiker, der ungeheuerliches behauptet: alle waren mit Schuld (siehe hsozkult):

„Programmatisch verkündet Aly ganz am Ende seines Buches: „Wer von den Vorteilen für die Millionen einfacher Deutscher nicht reden will, der sollte vom Nationalsozialismus und vom Holocaust schweigen.“

Antisemitismus wird bei Aly nahezu sekundär, primär und kurz gefasst beschreibt er den Zeitgeist der Naziwelt als völkische Raubgemeinschaft, die „die Oberschichten in Deutschland, das nichtjüdische Ausland im deutschen Machtbereich, die Juden im deutschen Machtbereich ausbeuten, um dem kleinen Mann noch Butter aufs Brot schmieren zu können … bevor das wirtschaftlich völlig desolate Reich (1942 mit ähnlicher Verschuldung wie wir heute) gänzlich zusammenbrach. Der Holocaust selbst wird so zu einer rein betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit, um die Versorgung der Soldatenfrauen sichern zu können … mit Hilfe jener Lebensmittel, die die Lagerinsassen dann nicht mehr brauchten.

Gruselig, oder? Haben Sie sicher kaum von gehört: sowas kommt nicht in die Tagesschau oder in die meist braven Politmagazine – und wenn, dann höchstens spät Nachts. Es wäre ja recht ungemütlich, würde man sich gewahr werden, dass man umgeben ist von Menschen mit schlechtem Sex und großem gesellschaftlichen Normierungsdruck, deren Großeltern reiche Juden totschlugen, um den Gemeindehaushalt finanzieren zu können … man würde auf einmal merken, warum der „Kampf gegen Rechts“ so wichtig ist.

Damit kommen wir  zur Preisträgerin, Marita Rauchberger. Ein liebenswerter Mensch, einer der wenigen ethisch hochstehenden Menschen, die ich kenne – also einer jener Menschen, der seine Worte, Urteile und Entscheidungen gründlich reflektiert, bevor sie in Handlung umgesetzt werden. Marita betreibt eine Galerie in der kleinen Eifelstadt Gemünd, diese Galerie ist dem „Kampf gegen Rechts“ gewidmet (und ist nebenbei Chefin einer kleinen Eisenbahnlinie). Sie gehört zu jenen Menschen, mit denen ich gerne mal über „Rechts“ rede – und damit meine ich den echten, lebendigen Faschismus der Neuzeit … und auch jene Führergetreuen, die es – weit jenseits der AfD – noch in Führungspositionen der Gesellschaft gibt. Die Galerie „Eifel-Kunst“ ist Teil des „Eifeler Bündnisses gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ – und ich bin sehr froh darüber, dass hier einer der zentralen Momente des Faschismus genannt wird, der häufig untergeht: die Anwendung von Gewalt gegen Menschen … denn gäbe es die nicht, so wären Rassismus und Rechtsextremismus viel weniger gefährlich. Mir wäre es sogar lieb, wenn man die Definition von Faschismus genau auf diesen Punkt reduzieren würde: das jede Art von Gewaltanwendung faschistisch zu nennen ist – egal wo und aus welchen „guten“ Gründen.

Keine Sorge: ich werde jetzt nicht auch noch eine Rede über ihre Person halten: das machen andere schon genug. Ich möchte aber einen Aspekt herausstellen, der auch die Preisverleiher angesprochen haben: aus der Galerie ist ein Ort der Kommunikation geworden, ein Ort, der sich – ähnlich den Edelweißpiraten – auch dem gemeinsamen Wohlfühlen widmet: durch Lesungen, Konzerte, gemeinsames Singen und vielen Gesprächen: für mich, das Wesentliche jeder wahren antifaschistischen Arbeit – das Auflösen von „wir“ gegen „die“. Darum besuche ich die Galerie sehr gerne – und manchmal habe ich auch Aly und Preparata im Gepäck, denn: ich fürchte eine Wiederkehr des Faschismus … eigentlich seit dem ich in der Pubertät bin.

Ich weiß: viele werden den Gedanken nicht folgen wollen, weil sie – streng nach den Glaubensregeln von Hollywood – nur jene als Nazis gelten lassen, die mit Hakenkreuzarmbinden in Viererreihen durch die Stadt marschieren. Ist ja auch schön und sicher, so ein Gedanke. Wie schauderhaft wäre es, wenn wir wieder eine Zeit hätten, wo man schnell als Untermensch, als Verschwörungstheoretiker denunziert wird, wenn man ein anderes Urteil als die der Obrigkeit hat. Wie grausam wäre es, wenn wieder Millionen Menschen enteignet würden, weil sie arbeitslos gemacht worden sind (oder Diesel fahren), damit andere von der Regierung mit Wohltaten überschüttet werden können. Wie unvorstellbar wäre es, wenn wieder deutsche Soldaten im Ausland marschieren würden – wie in Mali, Marokko, im Sudan (Nord und Süd), vor dem Horn von Afrika in mehreren Missionen, in Jordanien, Syrien, dem Libanon und dem Irak, in der Agäis, im Kosovo und im Mittelemeer (siehe Bundeswehr.de), wir waren auch schon mal in Kambodscha … und stehen natürlich tief im Osten an der russischen Grenze – und sehen gelassen zu, wenn ein US-General US-Truppen in Norwegen „auf einen großen Kampf einstimmt“ (siehe Spiegel).

Selbst unsere Leitmedien erkennen mehr und mehr Paralellen (siehe Spiegel):

„Das beeindruckende Ergebnis: Den größten Zulauf bekamen die Nazis gar nicht dort, wo es als Folge von Finanzcrash und Rezession per se etwa besonders viele Arbeitslose gab. Die wählten damals vor allem die Kommunisten. Die Stimmenzuwächse gab es vor allem dort, wo besonders brachial Austerität durchgezogen wurde, die Steuern besonders deutlich angehoben und Ausgaben etwa für Rente oder Gesundheit gekürzt worden waren. Das betraf oft Leute aus der Mittelschicht – kommt uns bekannt vor, oder?

In Regionen, wo Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen stärker ausfielen als im Schnitt, stieg der Stimmenanteil, den die Nazis bis 1933 bekamen, um zwei bis fünf Prozentpunkte mehr als anderswo, so die Berechnungen der Ökonomen.“

Ja – kommt uns bekannt vor. Und weil wir nie genau hingeschaut haben, warum dieses NS-Monster überhaupt das Licht der Welt erblicken konnte, hat es wieder eine Chance. Keine Sorge: es wird keine Hakenkreuzarmbinden geben, keine Hitlerbilder an den Schulwänden – bei den Lagern jedoch bin ich mir nicht sicher. Eins habe ich kürzlich ausgemacht: ein „Päd-Camp“ des Jobcenters, gibt es schon länger (siehe Tagesspiegel). Und dass es beim Thema Arbeitslosigkeit zu ungeheuren gedanklichen Auswüchsen kam, ist schon in einem Horrorroman thematisiert worden – dort darf man wohl deutlich werden (siehe Deutschlandfunk)

„Einer der größten und gleichwohl in der Literatur vernachlässigten Schrecken unserer Zeit ist die Arbeitslosigkeit. Wenn die Betroffenen von Politikern und Gewerkschaftlern als Heer der Arbeitslosen bezeichnet werden, dann kann kein Zweifel daran bestehen, dass es sich bei diesem Heer um ein feindliches handelt. Folgerichtig werden regelmäßig Offensiven und Feldzüge angekündigt. Mit dem schneidig deklarierten Kampf gegen die Arbeitslosigkeit – in Wahrheit ein demütigender Kleinkrieg um Vermittlung und Eingliederung – wird in Joachim Zelters neuem Roman „Schule der Arbeitslosen“ Ernst gemacht: bitterer Ernst.“

„Schule der Arbeitslosen“ ist eine souverän erzählte Geschichte der Entsorgung, die unsere schlimmsten Sorgen verdichtet: nichts mehr wert zu sein, wenn man kein multifunktionales Teilchen der längst überholten Arbeitsgesellschaft mehr ist.

Und ist das nicht mehr Faschismus als karnevaleske Armbinden? Das es wieder „wertes“ und „unwertes“ Leben gibt? Ein Maßstab, der im KZ entschied, wer leben durfte – und wer ins Gas gehörte. Hatte gehofft, dass dies nie wieder auf deutschem Boden geschehe – so wie ich auch hoffte, dass nie wieder ein deutscher Soldat auf fremden Boden Menschen erschießt.

Ich kenne nun – nach vielen Jahren Studium der Literatur – ein paar grobe Eckzüge des Monsters. Weiß, dass es für die regelmäßigen Krisen kapitalistischer Systeme gute Dienste leistet, in dem es überschüssige Kosten auf zwei Beinen leidenschaftslos entsorgt. Ich weiß jedoch nicht, wie es in Zukunft erscheinen wird. Vielleicht – ist es der rechte Flügel der AfD, der Geburtshelfer spielen wird. Vielleicht aber auch … jene Fanatiker einer Religion, die andere als „Köterrasse“ und „Schweinemenschen“ ansieht und ihren Tod fordert. Vielleicht sorgen auch die Transhumanisten für eine neue Definition von „Herrenmenschen“, ihre Wachhunde von GWUP und Psiram pflegen in der Diskussion um „Wahrheit“ schon üble alte Traditionen der Entwürdigung, die einst der „Stürmer“ (NS-Hetzblatt) gegen jüdische Mitbürger erfolgreich eingesetzt hat, ihre Entwürfe für die Zukunft erinnern schon sehr an Hitlers Pläne für einen „neuen Menschen“.

Eine der – meiner ganz eigenen, unmaßgeblichen Meinung nach – wichtigsten Triebfedern für die Hinwendung des normalen Bürgers zum Faschismus ist ein Grundgefühl der Ohnmacht, der politischen und gesellschaftlichen Ohnmacht – der ideale Nährboden für den „starken Mann“, der an Stelle der Ohnmächtigen dann Macht (und auch Gewalt) ausübt.

Ach kommen Sie: die ganze Sympathie für Putin entspringt doch genau diesem Mechanismus: endlich mal ein Macher, der nicht nur herumlabert, sondern was tut! Und das ist eigentlich auch gar nicht die Wurzel des Übels: auch friedliche, demokratische Indianerstämme wählten in Krisenzeiten einen Kriegshäuptling, unter dessen Kommando die Kraft der Vielen sinnvoll und effektiv gebündelt werden konnte – das ist also nur ein natürlicher Weg, auf lebensbedrohende Krisen organisatorisch zu reagieren. Viel sinnvoller als ein Führerverbot wäre deshalb …. ein Ohnmachtsverbot. Haben wir auch, formulieren es nur anders: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und wird offensichtlich in so großem Ausmaß angetastet, das – um nur ein Beispiel zu nennen – wieder Gotteshäuser brennen (siehe Tagesspiegel) … wir aber davon nicht in gleichem Maße Notiz nehmen wie von sexuellen Belästigungen und Morden durch Asylbewerber, die schnell überall die Runde machen … als hätte man erwartet, dass da nur eine Million Engel Zuflucht suchen.

Und hier wäre dann auch der Ansatz zu suchen, das Erwachen des Molochs noch zu verhindern: einfach den Bürgern das Gefühl der Ohnmacht nehmen, dass sie nach dem starken Mann rufen läßt – schon hat der Faschismus keinen Nährboden mehr. Mit den paar Hanseln, die religiös motiviert an den gottgleichen „Führer“ glauben, der mit seinen engelsgleichen „UFOS“ über die Reinheit des deutschen Blutes wacht und bald wiederkommen wird – ja, mit denen wir man leben müssen. Irre sein läßt sich schwer verbieten – aber vielleicht findet jemand Behandlungsmethoden dafür.

Und wie nimmt man das Gefühl von Ohnmacht?

Nun – ich zittiere nochmal Wikipedia – und zwar den Artikel über die Räterepubliken:

Die politische Theoretikerin Hannah Arendt sprach sich in mehreren Schriften, insbesondere in ihrem 1963 erschienenen Werk: On Revolution (deutsch: Über die Revolution), für eine (föderative) Räterepublik aus und zwar in dem Sinne, dass der „Geist der Amerikanischen Revolution“ aufgegriffen und dem Volk eine direkte Beteiligung an politischen Institutionen ermöglicht werden solle. Sie bezog sich hier auf Gedanken, die Thomas Jefferson in Briefen erläuterte. Er sprach sich für ein ward-system („Bezirkssystem“ oder „elementare Republiken“) aus. Diese sollten jeweils 100 Bürger umfassen.

»Die Elementarrepubliken der Räte, die Kreisrepubliken, die Länderrepubliken und die Republik der Union sollten sich in einer Stufenfolge von Machtbefugnissen gliedern, deren jede, im Gesetz verankert, die ihr zufallenden Vollmachten besitzt und die alle zusammen in ein System von wirklich ausgewogenen Hemmungen und Kontrollen für die Regierung integriert sind.«

Arendt bezeichnete eine solche Staatsform – entgegen der Neigung sie kommunistisch oder sozialistisch zu nennen – als aristokratisch, da sich aus dem Volk eine selbst-selegierte, an der Welt wirklich interessierte Elite herausbilden würde.

Da – würde doch Demokratie gleich wieder dynamisch und interessant werden – oder? Und wenn die Welträterepublik dann noch in energiesparenden Dörfchen wohnen würde – welches Problem hätten wir da noch?

Und wie man miteinander konstruktiv reden kann – nun, dass kann man in jener kleinen Galerie in der Eifel üben. Ich wünschte … jedes Viertel hätte so einen Ort.

Und von mir aus zum Abschluss nochmal: herzlichen Glückwunsch an Marita Rauchberger für die verdiente Ehrung – und Dank für die Einladung zu diesem eindrucksvollen Ereignis.

Und ein PS: Während der Preisverleihung war ein Bild der Eifeler Künstlerin Monique Vos van Dalen zu sehen: eine Kette blinder Kriegskrüppel, jeder die Hand an der Schulter des anderen, marschierten vor dem explodierenden Munitionswerk Espagit vorbei … ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was „Rechts“ wirklich alles so produziert – und bedeutet. Einfach mal hingehen und anschauen (siehe – auch zu den Öffnungszeiten – Eifel-Kunst:

„100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges und 73 Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges sind wir wieder so nah am Krieg wie nie zuvor. Krieg ist wieder Mittel der Politik geworden.

Afghanistan, Irak, Libyen, Mali, Syrien, Jemen: Die Liste der Schauplätze, wo Menschen leiden und ihr Leben lassen, ist lang. Nie war die Medienpräsens von Gewalt und Terror so groß. Dennoch scheint der Alltag weiter zu gehen, obwohl Menschen getötet und Länder vernichtet werden.

Für Krieg kann es keine Rechtfertigung geben…“

(Bild: Friedhof russischer Kriegsgefangener – Männer, Frauen und Kinder – in Simmerath, Eifel, unter anderem ein Ergebnis von „Vernichtung durch Arbeit“)

Antifa-Terror … oder was? Faschismus auf dem Vormarsch

Dienstag, 20.2.2018. Eifel. Ja, ich bin ja froh, dass es die Antifa gibt. Ja – ich kann mich halt noch an die alten Zeiten im Ruhrgebiet erinnern, Ende der siebziger Jahre, wo braune Schlägerkommandos durch die Gassen schlichen und jeden zusammenschlugen, der nicht so aussah, als hätte er in der Hitlerjugend eine Chance auf ein Ehrenabzeichen. Damals kam dann – unterstützt von den damals noch lebenden Kommunisten – tatkräftige Menschen auf die Straße, die dem braunen Terror ein Ende setzen wollten … und letztlich gesetzt haben. Es war auf einmal nicht mehr so risikolos, Behinderte zusammenzuschlagen – das mag der stolze deutsche Nazi nicht. Er mit hundert Mann hinter sich, schwer bewaffnet, ihm gegenüber ein Rollstuhlfahrer jüdischen Glaubens: ja, das ist seine wahre Welt. Aber echter Widerstand? Nein, das hat der Führer nicht gerne – ein Grund, weshalb man ja damals ganz schnell alle umgebracht hat, die Widerstand im Sinn hatten.

Ja – damals. Damals – so lernte ich noch im Geschichtsunterricht – hatten die Kommunisten und Sozialdemokraten 300 000 Mann unter Waffen – mehr als die Reichswehr. Man hätte dem braunen Spuk einiges entgegenzusetzen gehabt … doch man fürchtete den Bürgerkrieg. Der kam dann auch, aber leise – gegen unbewaffnete Zivilisten, Frauen, Kinder, Behinderte. Ich mag auch gar nicht mehr Juden sagen, weil … die Reduktion auf die Mordopfer jüdischen Glaubens minimiert den Schrecken eines Systems, das wesentlich mehr Slawen ermordete als jüdische Mitbürger … und wir sollten uns nicht in Sicherheit wiegen, weil der Antisemitismus aus Deutschland gebannt worden sein soll. Sicher: immer noch kann man als CDU-Mann deutliche Worte sprechen (siehe Zeit):

„Im Januar sagte der Bürgermeister von Korschenbroich, Graf von Spee, während der Etatberatungen in seiner Gemeinde, daß „für den Ausgleich des Haushaltes einige reiche Juden erschlagen werden“ müßten.“

Das Tabu zerbricht – so lautete der Titel jenes Artikels aus dem Jahre 1986 – und in der Tat sah es so aus, als würde sich der braune Geist wieder über Deutschland erheben, hätte nun genug geruht, würde wieder nach Macht und Geltung streben, wieder Lager bauen wollen, in denen „die anderen“ leise beseitigt wurden.

Damals war ich froh darüber, dass es die Antifa gab. Man erinnert sich nicht gerne an die Zeiten, als Helmut Kohl die „geistig-moralische Wende“ beschwor, von der niemand jemals etwas bemerkt hatte – anders als von der Dominanz des „Share-Holder-Value“, die mit einem Schlag alle Firmen im Lande zu tributpflichtigen Vasallen erklärte, die keine sicheren, sauberen, sinnvollen Produkte mehr herstellen wollten, sondern nur noch eins im Sinn hatten: auf Kosten von Arbeitnehmern, Verbrauchern, der Umwelt und der Zukunft unserer Kinder Gewinne machen, koste es, was es wolle. Ja – schauen Sie ruhig skeptisch, aber: dass wir nun Keime in allen Gewässern haben, die gegen alle bekannten Antibiotika resistent sind (siehe Tagesschau), haben wir einer besonderen Art zu denken zu verdanken: einem Denken, dass im Prinzip (aber noch nicht im Detail) faschistoid ist – alles für mich, nichts für die anderen. Diese Keime könnten die Bevölkerung Europas Schaden zufügen wie die schwarze Pest – aber dafür wurde enorm viel Geld eingespart, das die Herren des großen Geldes einkassierten. Ist so ähnlich wie: reiche Juden für den Haushalt erschlagen.

Ebenso ist es mit dem Mikroplastik: früher nur in Flüssen, ist es nun überall auf der Welt (siehe Spektrum):

„Mikroplastik an Land stellt offenbar ein erheblich unterschätztes Problem dar: Die kleinen Kügelchen und Fasern aus Kunststoff sind in Böden und Binnengewässern inzwischen allgegenwärtig. Je nach Umgebung finde sich an Land das 4- bis 23-Fache der in Ozeanen üblichen Menge, schreiben Forscher um Anderson Abel de Souza Machado vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB).“

Ja – ich weiß: Umweltthemen sind langweilig wie die Debatte über Frauenrechte, aber sie trifft den Kern der Aussagen, die früher Antifaschisten vereinte – und höchst wachsam werden ließ: dort herrschte in der Tat die Überzeugung, dass Faschismus der politische Zustand einer kapitalistischen Gesellschaft ist, die in ihren Endzügen liegt … somit wäre es hochaktuell, gerade jetzt besonders wachsam zu sein. Inzwischen bedrohen die Spätfolgen des sterbenden Kapitalismus nicht nur Arme, Schwache und Hilflose, sondern zerstören die Lebensgrundlage der ganzen Menschheit – für Profit, der in Steueroasen nutzlos herumliegt. Was für ein Wahn! Und sozial: sieht es auch nicht besser aus. Die Armut nimmt beständig weiter zu – auf der anderen Seite wachsen irrsinnige Geldhaufen, die sich mit den Tricks der Banken noch ins Unendliche vermehren: wo soll das alles enden? Man wagt nicht drüber nachzudenken, denn: das hat schon der Historiker Götz Aly mit seinen Werken getan und nachgezeichnet, dass die Organisation der Massenvernichtung unter anderem auch ganz einfache, betriebswirtschaftliche Gründe hatte und die Idee der Massenaussiedlung jüdischer Bürger nach Madagaskar verdrängte. Es war einfach nicht mehr genug zu essen für „die da unten“ da (nein: die da oben litten nie), also … zerschredderte man ein paar Millionen von den Armen für die Wohllebe der Reichen (und natürlich für die Rationen der Soldatenfrauen, die man unbedingt bei Laune halten wollte).

Und auch im politischen Bereich macht sich die braune Sprache des Untermenschen langsam breit – eine Vorbereitung für die Entsorgung jener, die viel zu viel sind, mein Freund und Kollege Marigny de Grilleau hat dazu mal einige Aussagen gesammelt – über Ratten jagen, Sterilisierung und Hungertod ist ja schon alles im Gespräch (siehe Marigny de Grilleau).

Man sollte froh sein, dass es die Antifa gibt – bei solchen Zuständen. Tobt der Kapitalismus weiter durch die Gassen, bleibt bald nur noch der Faschismus als politisches System (und da haben schon einige Chief Execution Officers neidisch nach China geschaut, weil man da so schön durchregieren kann. Ist nur leider kommunistisch – aber die Methoden fänd´ der Führer auch toll – jeder Führer).

Die haben ja auch Gutes geleistet – es hatte schon seinen Grund, warum Boris Becker Fan dieser Gruppierungen war (siehe Focus). Sie haben herausgefunden, dass der Attentäter von Henriette Riek Ende der 90´er auf Rudolf Hess Gedenkmärschen war (siehe Spiegel) und wurden wegen ihrer Aufdeckungsarbeit sogar 2016 sogar vom Verfassungsschutz gelobt – die Bewegung, die ihre Ursprünge im Jahre 1923 hat, hat ihren Platz in der Gesellschaft gefunden.

Doch was höre ich heute?

Ich bekam einen Anruf von einem Freund von mir, der mich auf Vorfälle in Hamburg aufmerksam machte. Es gab eine Demonstration: „Merkel muss weg“. Unpolitische Menschen – sich mit einem seltsamen politischem Anliegen, denn: über den „Merkel-muss-weg-Blödsinn“ habe ich mich ja schon mal ausführlich geäußert. Wirkt wie: „Wenn der Jude erstmal draußen ist, ist alles heileheile“, das übliche Sündenbockprinzip, das schon seit Jahrtausenden Menschen das Leben kostet. Aber: das darf man in diesem Land noch sagen – und erst wenn man das nicht mehr darf, wird es kritisch. 50 Leute kamen auf diese Demo (manche meinen, es waren sogar hundert) und forderten: Merkel muss weg.

Was geschah dann?

Die Antifa marschierte auf. Und ich dachte: die gäbe es so gar nicht mehr. Sicher: wenn G 20 Gipfel sind, dann sind sie alle wieder da. Ist ja auch nach alter antifaschistischer Sitte die passende Gelegenheit: die Globalisierung – die als solche in unseren Landen gar nicht mehr hinterfragt werden darf, so als könnte man sie nicht per Gesetz einfach in allen Formen unterbinden – ist der Motor der aktuell laufenden Neofeudalisierungswelle, die Weltheit für Armut, Hunger und Ausbeutung sorgt. Doch auch da – sind sie seltsam, diese Gestalten: durchtrainiert, geübt darin, Autoscheiben einzuschmeißen – was nicht einfach ist, wie mir eine Freundin jüngst mitteilte, die ihre eigenen Autoscheibe mit einem Hammer zerschlagen wollte … dauerte ewig. Anders als bei diesen dunklen Gestalten, die ohne Rucksäcke in militärisch anmutenden Formationen durch die Straßen laufen. Doch wollen wir nicht weiter darüber spekulieren, wer da wirklich durch die Straßen tobte: in Hamburg bei der Demo gegen Merkel stellte sich die Antifa auf die Seite der Globalisierungsfürstin Angela Merkel.

Ich war verdutzt. Es war keine AfD-Demo – es waren eine Hand voll Bürger, die mit der Politik und Person der deutschen Bundeskanzlerin nicht einverstanden waren. Zu einer AfD-Demo wären sicher auch deutlich mehr Menschen gekommen: immerhin liegt die Partei aktuell in den Umfragen bei 16 Prozent, Tendenz – steigend. Ich habe die Menschen gesehen: gibt ja Internet und Videos – nicht gerade der übliche rechtsradikale Mob. Ohne hunderte Polizisten und noch mehr „Antifa“ hätte sich wahrscheinlich niemand drum gekümmert – die wären kaum wahrnehmbar gewesen. Darf man daran erinnern, dass unter Merkel „linksunten-indymedia“ verboten worden war – ein letzter Rest linker Plattformen in Deutschland?

Wer ist denn eigentlich diese Antifa? War die nicht schon lange tot? Jedenfalls … war es das, was ich im Laufe der Zeit so aus den Autonomen Zentren vernahm, in denen ich gelegentlich zu Gast war: die Musik gefällt mir (deutlich besser als die Karnevalsmärsche der Gegenwart), die Leute sind locker und freundlich, kleiden sich öfter mal in schwarz, aber wirken friedlich – und überhaupt nicht sportlich genug, um solche Bilder wie beim G 20 Gipfel zu erzeugen. 2016 habe ich mal eine Frau von der Antifa in Aachen reden hören dürfen, sie meinte aber, sie wäre gar nicht von der Antifa und irgendwie gäbe es so was ja auch gar nicht: womit sie Recht hat: antifaschistische Arbeit speist sich aus unterschiedlichen Quellen: SPD, KPD, MLPD, Gewerkschaften und freie Geister, Kirchenleute und CDU-Aktivisten findet man dort seltener. Was stört also so bei der Merkel-muss-weg-Demo (bei der es nach anderen Aussagen 230 Teilnehmer gab – im Laufe des Marsches schlossen sich noch andere an)?

Und vor allem: was stört so sehr daran, dass man die Initiatorin der Minidemo persönlich angreifen muss, ja, sogar ihr Haus und ihre Kinder angreift? Doch: Reifen wurden zerstochen, Wände beschmiert, das Kinderzimmerfenster eingeschlagen (siehe Mopo). Kennt man, solche Szenen aus dem dritten Reich, wenn es um Juden ging. War es die Antifa? Heißt nicht in gewissen Kreisen heute nicht alles schon Antifa, was nicht irgendwann mal an einer „Rettet-Hess-Demo“ teilgenommen hat? In den USA gilt die „Antifa“ (die – wenn sie überhaupt existiert – gar keine geschlossene Partei ist sondern ein lockeres Bündnis von Menschen, die den Führer nun mal eben nicht lieb haben … was man in diesem Land noch darf) inzwischen schon als eher terroristische Vereinigung (siehe njhomelandsecurity), wobei die unter Antifa eher Anarchisten verstehen – über die nochmal gesondert zu schreiben ist, weil sie ein ganz feines, hochgeistiges und friedliches Völkchen sind, die der urdemokratischen Meinung sind, dass Menschen niemals über Menschen herrschen dürfen … nicht in der Politik, nicht in der Religion, nicht in der Firma – aber das können Sie dann mit ihrem Chef selbst besprechen.

Genau genommen … weiß man gar nichts. Irgendwer erkärt irgendwen zu „Rechten“ … und deren Gegner dann zu „Antifa“. Cooles Spiel. Natürlich: wer eine CDU-Kanzlerin nicht mag, der kann nur „rechts“ sein. Wer Merkel verteidigt, kann nur ausgesprochener Antifaschist sein – womit die G-20-Antifa wohl so eine Anti-Antifa ist, weil sie die von der Antifa geschützte Merkel nicht mögen.

Wird langsam irre, oder?

Ist aber leicht zu erklären – brauche ich nur selbst nicht machen, dass hat schon Markus Günter getan (siehe FAZ: Kampf gegen Rechts: ein Volk von Antifaschisten)

„Wenn es stimmt, was Franz Werfel einst schrieb, dass nämlich neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimmt wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit, dann ist leicht zu verstehen, warum der Kampf gegen Rechts solche Energien freisetzt: Er belohnt den Kämpfer mit einem maßlosen, ja mit dem denkbar größten moralischen Sieg überhaupt. Man stellt sich schließlich – irgendwie, im weitesten Sinne oder so – gegen Hitler und den Holocaust.“

Und das obwohl … es ja Hitler auch nur darum ging: sich (und bis zu einem gewissen Grad die Deutschen) über andere zu stellen. Und die anderen waren irgendwann nur noch Kosten auf zwei Beinen und mussten weg, damit die Bilanz stimmte. Gibt es diesen Trieb der moralischen Überlegenheit, dann ist er der größte Feind der Menschheit, denn: es braucht immer den anderen, der Unterlegen sein muss – da können sie ganz beliebige Namen einsetzen.

„Hinzu kommt, dass Antifaschismus noch nie so billig zu haben war wie heute. Früher konnte er das Leben kosten, heute kostet er nicht mehr als ein Lippenbekenntnis unter Gleichgesinnten – und schon gehört man dazu, zum erlesenen Kreis der Aufrichtigen, Anständigen, Tapferen. Die Kämpfer gegen Rechts bilden den Adelsstand der aufgeklärten Gesellschaft. Oder noch einen Schuss polemischer: Hier findet ein Ablasshandel statt; die moralische Überlegenheit kann man einfach erwerben, indem man dem Kampf gegen Rechts beitritt.“

In meiner Jugend bedeutete Antifaschismus noch handfeste Streitigkeiten mit Menschen, die offen NS-Symbole trugen – doch davon gibt es nicht genug.

„Der Kampf gegen Rechts braucht immer neue Nahrung. Er muss immer neue Objekte finden, die sich für Ableitung und Übertragung eignen – oder eben passend gemacht werden. Da es aber echte Nazis, Rechtsextremisten, Antisemiten und Rassisten nicht in ausreichender Zahl gibt, geraten auch Akteure und Strömungen ins antifaschistische Visier, die sich nur schwer unter den Begriff Rechts bringen lassen. Da verwischen dann schnell mal die Unterschiede zwischen NPD und AfD, da steht der konservative Flügel der CSU unter Faschismusverdacht, und Thilo Sarrazin liegt auf der Linie von Jean-Marie Le Pen. Auf Details kommt es nicht an. Wo antifaschistisch gehobelt wird, fallen sehr grobe Späne.“

Die schwarzen Listen derer, von denen das Land dringend gesäubert werden muss, müssen gefüllt werden. Sie kommen leicht drauf: Merkel zu kritisieren – selbst mit vernünftigen Gründen – reicht aus: sie sind rechtsradikal. So wahnhaft ist diese Zeit schon, in der selbstverliebte Herrenmenschen gerne Untermenschen jagen, der Arier braucht wieder seinen Slawen. Und es wird wirklich wieder völlig absurd in diesem Land, lauschen wir weiter Markus Günter:

„Mitunter nimmt der Wunsch, sich in die Pose des Kämpfers gegen Rechts zu werfen, geradezu pathologische Züge an wie im Fall des im Januar ermordeten Asylbewerbers Khaled Idris Bahray. Der zwanzig Jahre alte Mann aus Eritrea war in Dresden erstochen worden, und weil Dresden die Hauptstadt von Pegida ist, gingen 3000 Menschen ohne jede Kenntnis über Tat und Täter auf die Straße, um „Pegidas erstes Todesopfer“ zu beklagen. Volker Beck von den Grünen erstattete sogar unverzüglich Strafanzeige gegen die Kripo, die er mit den rassistischen Mördern irgendwie im geheimen Bunde wähnte. Auch hielt Beck es für denkbar, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass die Polizisten die Spuren der rassistischen Tat verwischt hätten. Als dann ein Landsmann des Mannes den Mord gestand, ließen sich die Demonstranten davon kaum aus dem Tritt bringen und behaupteten trotzig: „Rassismus tötet!““

Und die echte Antifa? Kümmert sich eigentlich um echte Nazis – wie schon immer. Einfach mal bei denen ´reinschauen – hier haben sie gegen die Weiße Wölfe Terrorcrew ermittelt (siehe afnpnds), da kann man sich einfach mal eine Ahnung davon abholen, was wirklich rechts ist – und was wirklich antifa wäre.

Und ich jetzt? Immer noch verwirrt, denn: die Antifa-Frau aus Aachen, die keine Antifa sein wollte aber mit denen mitdemonstrierte, war auch noch bei den Montagsdemos als Redner (die ja auch von „Antifa“ angegriffen wurden), war bei den Linken, den Veganern, der Piratenpartei und wo weiß ich noch alles. Privat ist sie Mitglied eines satanischen Ordens, der immer mehr Anhänger hat – und wohnt in einem feudalen Schloss nahe Berlin, das ihr Freund (auch arm aber superaktiv) gekauft hat. Mit welchem Geld? Will gar nicht weiter nachfragen.

Und weiter – bin ich jetzt „rechts“ oder „antifa“? Also: ganz ehrlich: ich bin überzeugter Antifaschist. Es entsetzt mich zutiefst, dass die deutsche Gesellschaft mit ihren Dichtern und Denkern so schwach war, dass sie gegen die Invasion der Wahnhaften nichts entgegen zu setzen hatte, und mehr denn je bin ich überzeugt, dass sich das wiederholen kann -und wiederholen wird. Ohne NS-Symbolik – auf die sich die echte Antifa so gerne stürzt. Und mehr als alles andere entsetzt es mich, dass wir Menschen verlernen, miteinander zu reden – und überall nur noch „Rechte“ oder „Antifa“ sehen. Und dass die Rechten nach 12 Jahren CDU-Regierung unter Merkel die größte Gefahr in den „links-grün-versifften Gutmenschen“ sehen, läßt die Idiotie nur noch größer erscheinen.

Währenddessen werden Microplastik und Monsterkeime weiter produziert – und türkisch-kurdische Fussballspieler auf der A4 bei Düren beschossen (siehe dw). Da fahre ich auch gerne mal lang.

Und wenn ich jetzt frage: wem nützt eigentlich die epische Aufteilung der Bürger in „Rechte“ und „Antifa“, bin ich mit Sicherheit wieder selbst der Nazi. Oder der links-grün-versiffte Gutmensch. Auf jeden Fall jemand, mit dem man nicht reden braucht.

Und genau das ist das Ende unserer Gesellschaft.

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Die fünfte Kolonne der Hochfinanz: die antichristlichen Lehren des Robert Betz & Co.

Dienstag, 24.10.2017. Eifel. Erst letztens sprachen wir über die Gefahren, denen unsere demokratische Zivilgesellschaft von außen ausgesetzt ist: die Treibjagd der Elite auf die Menscheit entfaltet sich seit Jahren zu voller Größe, zerfetzt unseren Zusammenhalt, unsere Solidargemeinschaft, unser Souveränität und Freiheit. Wir sind uns wohl kaum richtig im Klaren darüber, wie groß die Übermacht ist, die uns da überfallen hat: wir mit unserem kleinen Haushalt von 250 Milliarden Euro müssen Plünderer abwehren, von denen allein einer über 4 Billionen Euro verfügt – wenn die anderen noch drauflegen, könnten die dieses Land in wenigen Tagen ruinieren. Uns bleibt da nur: beten. Oder sehen Sie andere Möglichkeiten, die willkürlichen Entscheidungen der Ratingagenturen vom Deutschen Bundestag aus zu beeinflussen? Verlieren wir unser Rating, weil die Vogelflugdeuter in den USA schlechte Laune haben, können wir hier dicht machen: das ist einfach Fakt, ein Fakt, der alle demütigen Bücklinge in Richtung transatlantischer Wünsche umfassend erklären kann. Wer hinter die Kulissen der Weltpolitik schaut, wird schnell merken, was wir brauchen: einfach nur ganz neues, eigenes Geld. Einen Neustart kompletter Art – doch darüber muss ein andermal gesprochen werden. Heute gilt es, einen Blick auf die fünfte Kolonne jener Kräfte zu werfen, fleißige Diener im Inneren des Landes, die … unsere Widerstandsfähigkeit gezielt von Innen heraus lähmen und schwächen. Unser kleines, von einer riesengroßen Übermacht belagertes Dorf wird so vor zusätzliche Herausforderungen gestellt, die kaum zu bewältigen sind, da mit dem sinkenden Bildungsniveau der Generation Doof auch die Widerstandsfähigkeit gegen groben Unfug sinkt.

Fünfte Kolonne? Ein Begriff aus dem spanischen Bürgerkrieg, als sich die Faschisten und Demokraten (unterstützt von internationalen Brigaden aus aller Welt) in Spanien einen bitteren Kampf lieferten, der endete, als der Faschist und Putschist Franko mit vier Kampfkolonnen auf die Hauptstadt zumarschierte … und stolz prahlte, er hätte noch eine fünfte Kolonne, die in der Stadt selbst von innen heraus die Widerstandskraft der Verteidiger schwächte, um seinen Sieg absolut sicher zu machen.

Bevor wir uns dem groben Unfug zuwenden, seien jedoch ein paar Worte zuvor gestattet, damit jedem klar wird, in welchem Rahmen die Betrachtung stattfindet. Wir werden uns in den nächsten Minuten mit den Lehren des Robert Betz auseinandersetzen – viele kennen ihn noch nicht. Ich habe ihn bewusst gewählt, weil er einer der bekannteren Prediger des neuen, düsteren Kultes ist – obschon ich dachte, diesem Phänomen schon zuvor hinreichend Beachtung geschenkt zu haben. Immerhin verwies ich schon mal auf Hartz IV als Chance und die unglaubliche göttliche Kraft des NEIN (etwas schalkhaft vorgetragen – jedoch mit einem sehr harten wahren Kern, diese Kraft des NEIN … worüber wir gerne ein andermal reden können) und auf mehrfachen speziellen Leserwunsch sprachen wir erst letztes Jahr über Robert Betz, das positive Denken und den Terror der Innenweltvergiftung – und ich war im Prinzip der Meinung, dass wir es damit gut sein lassen können, nur … ich versprach, dass wir radikaler werden müssen, vor allem radikaler im Denken, sonst wird es uns nie gelingen, jene Fronten aufzubauen, welche die demokratische Zivilgesellschaft zum Überleben braucht – und angesichts der finanziellen Übermacht, die uns gegenüber steht, müssen wir absolut fehlerfrei handeln und agieren, um überhaupt noch eine kleine Chance zu haben.

Es sind nun auch öffentlich-rechtliche Sender, die auf den düsteren Kult um Robert Betz aufmerksam geworden sind, ihn „Glückscoach und Scharlatan“ nennen (siehe NDR) und darauf hinweisen, dass seine Seminare „Psychosen auslösen können“ (siehe NDR) – doch diese Kritik steht mir nicht im Sinn. Eine faschistisch orientierte Gesellschaft braucht immer ein paar Voraussetzungen, um die Gedanken der Menschen in Käfigen zu halten, weshalb jede Form von Zauberei (Normsprech: Esoterik) verpönt ist: das Wissen um die Unsterblichkeit der Seele und die Maßnahmen, die man treffen sollte, um den sicheren Übergang der Seele nach dem Tod zu gewährleisten, war immer ein Wissen der Herrschenden gewesen, für den Sklaven galt: nach dem Tod kommt nichts, nur die tote, leere Hölle. Es ist nahezu unverzichtbar, solche Wahrheiten vor Sklaven verborgen zu halten, sonst kämen sie noch auf dumme Gedanken – wie den, ihre Herren vom Thron zu schubsen, weil kein Mensch mehr wert ist als ein anderer und es oft besser ist, aufrecht in den Tod gegen die Unterdrücker zu gehen als möglichst lange Sklavendienste leisten zu dürfen. Deshalb ist Esoterik ja … das geheime Wissen der verborgenen Dinge. Manches dieses Wissens ist zurecht verborgen, weil man ein gewisses Maß an Weisheit braucht, um damit umgehen zu können – und ich selbst teile dieses Wissen nur mit ganz wenigen Menschen, teile es nicht elektronisch oder fernmündlich, weil es enorm missbräuchlich ist – und schon oft missbraucht wurde. Ist nur längst nicht mehr so geheim wie früher – es gibt genug Bücher, in denen es zu finden ist … nur schaut da keiner mehr drauf.

Wir begegnen den neuen Lehren der neuen Dunkelheit also nicht als jene plumpen Materialisten, die mit ihren komplexen Weltdeutungstheorien einen löcherigen Dogmenapparat geschaffen haben, den sie – sprachlich völlig unkorrekt – Wissenschaft nennen (dabei wäre Schrumpfhirndogmatik ein passenderer Begriff dafür), denn das würde uns in eine Reihe stellen mit der Funktionselite der Plutonomie der Hochfinanz, die den Menschen zum Konsumzombie umerzogen haben und weiterhin umerziehen wollen, Glück auf das kurze zwei Sekunden dauernde Gefühl beim nächsten Erwerb von umweltschädigendem Nutzlosramsch reduzieren und die Menschheit zu bis zur völligen Vernichtung (und Unterwerfung) der natürlichen Lebensumwelt führen – aus Gründen, die eher im Reich der Psychopathologie jener „Wissenschaftler“ zu suchen sind als im Bereich lösungsorientierter Rationalität.

Uns geht es nicht um fruchtloses „Bashing“, sondern um einen genauen Schuss – der bedarf etwas längeren Zielens … und das dauert halt.

Deshalb zuvor mal ein paar Erfahrungen mit dem Bereich Zauberei – damit man nicht meint, hier spricht ein tumbes GWUP-Wiesel aus dem Bereich jener Einfaltspinsel, die auch meinen, dass Kriege wie Naturkatastrophen einfach so passieren – ohne zu merken, dass sie hier Äpfel nicht mit Birnen vergleichen sondern mit Stühlen oder Kraftfahrzeugen. Das erste Mal habe ich Methoden aus diesem Bereich angewendet, als die Schulmedizin meinem Vater noch drei Wochen zu leben gaben: es wurden fünf Jahre daraus. Das hat mir einen gewissen Respekt abverlangt. Dann hatte ich ein außerordentlich unangenehmes Problem mit Nierensteinen, vor welchem die Schulmedizin kapitulierte, dank Einsatz einer Heilerin fallen die Steinchen jetzt völlig schmerzlos einfach so heraus – ein paar dicke Brocken habe ich behalten, um beim nächsten Besuch den Urologen zu erschrecken. Dann – dieses Problem mit meinen Fingern, die dicht vor einer Operation standen: nur ein paar unbedeutende Berührungen von Heilerhand – sie sind wieder geschmeidig wie zuvor, weit ab davon, durch schmerzhafte Eingriffe behandelt werden zu müssen: es waren in der Tat schon vier Operationen geplant – die ich als Alleinerziehender gar nicht hätte organisieren können. Erst vor ein paar Wochen stellte ich mich als Proband im Rahmen einer Abschlussprüfung einem von einer Psychologin geleitetem Experiment im Bereich „Intuition“ zur Verfügung – weder Schülerin noch Lehrerin kannten mich, sogar meine Frage hielt ich geheim … und war dann völlig verblüfft, als mir ein wildfremder Mensch am Telefon Details meines Lebens beschrieb, die er unmöglich von irgendwoher kennen konnte … aktuell erwäge ich aufgrund der Erfahrungen, auch eine Ausbildung in dieser Hinsicht zu machen.

Sie sehen also: ich bin da erfahren – und aufgeschlossen. Zudem habe ich großen Respekt vor der Entscheidung des „Economic hit man“ John Perkins, der nach seinen Erfahrungen als Agent einer brutalen, mörderischen, von der CIA unterstützten Wirtschaftsordnung (eben jener Plutonomie, von der wir oben sprachen) das Gegengewicht zu dieser Horrorwelt in der schamanischen Ideologie der Amazonasindiander fand – und nicht im fahnenschwingenden Rotfrontterror. Ich bin zwar noch nicht soweit – aber ich kenne die Mächte und Gewalten, für die John Perkins lange als Wirtschaftskiller unterwegs war, auch nicht so gut wie er. Ich habe auch Respekt vor messbaren Wundern – wie dem von Findhorn (siehe SWR):

„Bald ein halbes Jahrhundert ist es her, dass auf einem windigen Campingplatz an einem schottischen Meeresarm ein botanisches Wunder registriert wurde: Riesige Kohlköpfe und Gurken gediehen auf dem unfruchtbaren Boden, Blumen blühten auf das üppigste. Die Gärtner schrieben den Erfolg ihrer spirituellen Beziehung zur Natur und den Pflanzengeistern zu. Auch Wissenschaftler fanden keine bessere Erklärung.“

Ja – da waren viele Wissenschaftler unterwegs. Schade, dass dieser Zauber nie erforscht wurde: wir hätten nie mehr Nahrungsprobleme (es sei denn, wir lassen weiterhin zu, dass mit Nahrungsmitteln an Börsen spekuliert wird).

Große Zauber – große Wunder. Manche sind aber nur ganz klein, weil man den Rahmen der Betrachtung ändert. Wirkt auch – für einen kurzen Moment. Sie kennen die Geschichte, die Motivationstrainer Ihres Chefs haben sie schon oft genug gepredigt, diese Geschichte von dem halb leeren Glas, dass man – bei Änderung der Sichtweise – auch als halb voll bezeichnen kann … und sich gleich besser fühlt. Probieren Sie das mal mit ihrer Bank, wenn zu wenig Geld auf dem Konto ist und die von einem leeren Konto sprechen, Sie es jedoch als halb voll betrachten wollen – oder diskutieren Sie das mit ihrem Chef, wenn Ihre Abteilung nur 50 Prozent der geforderten Gewinne abwirft, die erwartet wurden: sie werden sehen, es gibt noch ganz andere Rahmen, in denen man das Glas stellen kann. Praktisch jedoch – als Mensch gesehen, der von andauernder Flüssigkeitszufuhr abhängig ist, sagt Ihnen das halb volle Glas genau so viel wie das halb leere: sie müssen früher los und für Nachschub sorgen.

Wissen Sie, wo wir jetzt gelandet sind?

Wir haben den entscheidenden Schritt von der Zauberei zur Gaukelei getan – und betrachten ihn als ganz normal. Zauberei lehnen wir ab, weil sie den Herrschaftsdogmen widerspricht (und in der Tat radikal rebellisch ist – jedoch sollte man die Finger davon lassen, wenn man nicht gerade dazu geboren worden ist – was alle echten Schamanen verfluchen, sie würden sich ein Bein dafür abschneiden, ein normales Leben leben zu dürfen), Gaukelei jedoch: damit kriegt man uns immer.

Ich könnte noch mehr erzählen über die Erfahrungen, die man mit „Welt“ jenseits der Herrschaftsdogmatik machen kann – doch darum geht es ja hier gar nicht: es geht um die Gaukelei. Um gefährliche, potentiell tödliche Gaukelei, die wie aller falscher Zauber nur ein Ziel kennt: Geld machen. Lauschen wir nur mal einem jener Gaukeler, die mit aus der Zauberei entlehnten Sprüchen Geld machen, Sprüchen, die sie selbst überhaupt nicht verstehen, die aber immer so allgemein gehalten sind, dass jeder was für sich hineininterpretieren kann, mit dem er sich identifizieren kann. Nehmen wir mal – den Tagesspruch von heute, den Robert Betz (der nahtlos jene Bärbel Mohr ersetzte, die mit „Bestellungen beim Universum“ Millionen begeisterte – bis sie ein früher Tod durch Krankheit ereilte … wohl ein Bestellirrtum, ohne den sie heute noch leben würde) uns gnädigerweise präsentierte (siehe Robert Betz):

„Viele Menschen erkennen bis zu ihrem Lebensende nicht, dass ein glückliches Leben eine Frage der Entscheidung ist. Sie machen sich vor, sie seien zufrieden, weil es ihrem Nachbar auch nicht besser geht.“

Nun ist ein glückliches Leben auch eine Frage der Entscheidung – aber halt nicht nur. Manches ist auch einfach eine Frage von Angebot und Nachfrage – und das gilt für alle Menschen, nicht nur für viele. Viele Menschen auf der Welt sind unglücklich, weil sie nicht genug zu essen haben, in zerbombten Städten oder fern der Heimat leben, keinen Zugang zu Trinkwasser haben oder von bewaffneten Räuberbanden verfolgt werden, sofern man nicht gewillt ist, zu gestatten, dass die eigenen Kinder bei lebendigem Leibe verbrannt werden (also: kräftig mit starkem Willen NEIN sagt), darf man da wohl auch zurecht unglücklich sind – selbst dann, wenn des Nachbars Kinder auch verbrannt werden.

Diese Kalendersprüche kann man abonieren. Kriegt dann jeden Tag um 10 so ein Versatzstück, ist der Tag – Ihr Freund. Oder nicht. Und obwohl er sich im christlich-spirituellen Weltbild verankert sieht, übersieht er – der Prediger des halbvollen Glases – doch den Urgrund dieses Weltbildes: und das ist das Bild von der gefallenen Welt (Altes Testament) über die der Teufel herrscht und mit einer Horde von Dämonen Krankheit und Not über die Menschheit bringt (Neues Testament). Womit wir eigentlich wieder bei den Schamanen sind (deren Unterart der Huna-Magier Christus als großen Zauberer aktzeptiert, genau so wie Zen-Buddhisten ihn als Zen-Meister respektieren … wegen der Sprüche), deren Hauptjob es seit Jahrtausenden ist, jene Teufel und Dämonen von Dorf und Mensch fern zu halten: als Lehrer, Seher, Heiler und Krieger.

Wissen Sie, wie Sie in diesen Weltbildern mit Unheil umgehen?

Es regt Sie nicht weiter auf. Nicht Glück, sondern Unglück ist der Normzustand der Welt. Ist Unglück der Normzustand der Welt, können Sie ihre Ansprüche anpassen – und damit glücklich werden … für gewisse Zeiten. In einer Welt, in der Gläser immer leer werden, ist es ein angenehmes Gefühl, ein halb volles vor sich zu haben. Doch Betz suggeriert etwas ganz anderes, eine Welt, die fremdartig ist, jahrtausende alter Weisheit völlig entgegengesetzt ist, aber mit süßen Verlockungen ködert:

„Unzufriedenheit“ scheint die ‚Krankheit‘ oder der ‚Virus‘ dieser Zeit zu sein. Sie erfasst immer mehr Menschen und scheint für viele von außen zu kommen. Sie suchen die Schuldigen „da oben“, in der Wirtschaft, der Politik oder in der unfriedlichen Welt da draußen und fühlen sich diesem Gefühl hilflos ausgeliefert. Aber was ist es wirklich, was dieses unangenehme Grundlebensgefühl erschafft?

Nein, Unzufriedenheit ist keine Krankheit unserer Zeit, schön Ägypter, Griechen und Römer konnten unzufrieden sein. Und in der Tat erkannten sie klar: der Grund für die Unzufriedenheit liegt weit draußen: bei den Göttern. Oder bei Julius Cäsar, der für viele auch weit draußen war – jedenfalls für jene, die nicht in Messerreichweite kamen und keine Geduld hatten, auf die Ostgoten zu warten, die Rom letztendlich auslöschten. Hilflos ausgeliefert fühlen sich die Menschen, weil sie mit permanenten, sich gegenseitig widersprechenden Desinformationskampagnen überzogen werden und die Übermacht die globalisierten Billionen – die sich in der Abhängigkeit von einer Hand voll Konzernen, die unsere an sich umsonst wachsenden Nahrungsmittel „besitzen“ deutlich preis gibt – nur ahnen, aber nicht genau beschreiben können. Hilflos fühlen sich die Menschen, weil sie Tag für Tag erleben, dass sie ohne Millionen ein vorprogrammiertes Leben wie Roboter leben, ein Leben, das der Amazonasschamane als Hölle bezeichnen würde: eine Hölle voller Gifte, voller Lärm, voller aussterbender Tierarten, voller Gestank, Häßlichkeit und irrsinniger Hektik. Einfach, oder? Könnte mit der Aufzählung noch schier endlos weiter machen, lausche aber jetzt lieber beim Meister (siehe Robert Betz):

„Mit unseren Gedanken erschaffen wir unsere Gefühle sowie unsere gesamte Lebenswirklichkeit, für uns allein und in jeder Gemeinschaft. Unser Unterbewusstsein steck jedoch voller unwahrer und die Wirklichkeit verzerrender Gedanken. Was Du über Dich denkst, so behandeln Dich die Anderen. Was Du über das Leben denkst, so offenbart es sich vor Dir. Was Du über Deine Mitmenschen denkst, bestätigen sie Dir wie ein Spiegel.

In dieser App erhältst Du täglich einen Gedanken, den Du wie eine geistige „Lokomotive“ an den Anfang Deines Tages stellen kannst. Dein Verstand wird Diesen Gedanken oft nicht zustimmen, da er bisher ein eine andere Richtung denkt. Der Gedanke für den Tag wird Dich anstoßen, aufrütteln, provozieren und inspirieren auf dem Weg vom „Normalmenschen“ zum glücklichen Menschen.“

Ja – nun wissen Sie, warum Sie beim letzten Börsencrash ihre Altervorsorge verloren haben, warum die Bundeswehr weltweit im Einsatz ist, die Insektenpopulation in Deutschland um 76 Prozent gesunken ist und sie bei immer mehr Arbeit immer weniger Kaufkraft haben: das waren IHRE Gedanken! Sie Lump – wenn ich Sie erwische!

Scherz beiseite.

Der Werbefachmann und Psychologe wendet einen alten, gemeinen, aber immer noch wirksamen Trick an, den alle Gaukler, Scharlatane und Wundermittelverkäufer der Menschheit seit Jahrtausenden anwenden: er verspricht goldene Berge, wenn sie nur seinen Sirup kaufen. Er predigt ein Weltbild, das die Reichen gerne hören (und finanzieren): das jeder Euro, der gerade auf ihrem Konto liegt, mit Gottes Willen da liegt und völlig zurecht da bleiben darf (während einem die Euro der anderen natürlich in Massen in die eigenen Taschen fließen dürfen) – eine Philosophie, die in den USA des 19 Jahrhundert zur Legitimation des Kapitalismus und zum Zwecke seiner flankierender Unterstützung (in Abwehr jener, die meinten, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr denn ein Reicher ins Himmelreich komme) entworfen wurde und seit einem Vierteljahrhundert gezielt über Europa ausgegossen wird. Das grundlegende Weltbild ist antichristlich, es propagiert, dass die Welt ein Paradies ist (Tsunamis, Erdbeben, Blitzeinschläge, Tornados, Überschwemmungen, Vulkanausbrüche, Eiszeiten gelten nicht – oder sind die Ergebnisse ziemlich schlechter Gedanken) und wir nur ganz wenig ändern müssen, bis auch uns die Millionen zufließen. Natürlich ändern wir keine realen Machtverhältnisse und Verteilungsstrukturen mehr, sondern unsere Gedanken – und kreisen fortan nur um uns selbst.

Natürlich gehört dazu auch der kleine Kniff, aus seinen Kunden besonders erleuchtete Auserwählte zu machen (die „glücklichen“), die viel besser sind als die Normalmenschen. Die Botschaften – darf man natürlich nicht mit dem Verstand hinterfragen (also auch nicht doof nachfragen, warum Gedanken Gefühle lenken, aber der Verstand dem Betz nicht zustimmt, Katholiken nennen sowas „Geheimnis des Glaubens“).  Wir stoßen hier auf Urgründe faschistoider Bewegungen, die Herrenmenschen brauchen, um zu funktionieren.

Funktioniert übrigens mit jeder x-beliebigen Ware, ich zeige Ihnen das mal – ganz umsonst!

Dreimal Klopfen auf Holz – uns Sie sind glücklich, Ihre Wünsche gehen in Erfüllung, der Bugatthi steht vor der Tür. Doch – wirklich, klopfen sie mal. Erfolg? Sagte ich doch! Misserfolg? Oh – jetzt wird es nicht mehr kostenlos. Falscher Rhytmus, falsches Holz, fehlender Glaube – die Lehre stimmt auf jeden Fall, das kann Ihr Verstand nur nicht erfassen – darum habe ich Ihnen ja diese geheime Botschaft auch umsonst mitgegeben … und wären Sie nicht so eine unfähige Klopfgurke: Sie wären schon längst steinreich. Und glücklich. Und unsterblich. Göttlich gar. Aber dafür … gibt es ja meine Klopfkurse. Da können sogar Sie richtig klopfen lernen … und ist das Klopfen nicht eine alte Tradition?

Verstanden?

Nochmal ein paar Sprüche aus dem Betziversum (siehe NDR, weiter unten):

„Der Normalmensch erschafft sich selbst ein Leben voller Leid, Schmerz, Krankheit und Mangel, weil ihm niemand gesagt hat, wie das Leben und wie er selbst ‚ticken‘. Das kannst du in diesem und in vielen anderen Büchern erfahren.“

Es ist nicht die Hochfinanz, die IS, der militärisch-industrielle Komplex, der Zinsterror oder was Sie bisher immer dachten – es sind allein SIE! Hochfinanz und Verbrecherbanden sind deshalb auch die Meinung, dass man auf Polizei und Steuerfahndung ganz verzichten kann.

Doch Betz verspricht noch viel mehr, ein neues tausendjähriges Reich für die Betzmenschen:

„In dieser unserer Generation geschieht etwas noch nie Dagewesenes. Menschen scheren scharenweise aus der Tradition des ‚Normalmenschen‘ aus und entscheiden sich für ein völlig anderes Leben.“

Er könnte auch die Flüchtlingsfrage weltweit ganz leicht lösen:

„Heute lebt die Mehrheit der Menschen in einer selbst erschaffenen Hölle, aber eine immer größer werdende Minderheit im Himmel auf Erden. Du hast jetzt die Wahl zwischen Hölle und Himmel, zwischen Angst und Freiheit.“

Von wegen auswandern! Oder Asyl suchen! Nur unsere Wünsche halten uns in Assads Folterkellern gefangen, andere Realitäten gibt es gar nicht. Der Himmel … liegt gleich nebenan, an Betzis Bücherstand.

„Für das ‚Opfer‘ sind die anderen die Ursache des eigenen Leidens. Das ist ein Irrtum. Wir selbst entscheiden uns jeden Tag aufs Neue unbewusst für das Leiden und den Schmerz. Bewusst tut das niemand, aber unbewusst tut es fast jeder.“

Eine gute Botschaft für die Millionen Hungernden dieser Welt: es gibt gar keine Täter! Der Bundesverband der Berufsverbrecher applaudiert stehend!

„Mitleid hat wie das Sich-Sorgen-Machen nichts mit Liebe zu tun. Der leidende Mensch erinnert uns nur an das, woran wir selbst im Innern noch leiden, an eine ungeheilte Wunde. […] Genau wie für die Raupe, das Küken oder das Baby muss es in unserem Leben in Phasen der Dunkelheit heißen: ‚Da muss ich jetzt allein durch.‘ Anstatt helfen zu wollen, wäre ein ermutigendes ‚Du schaffst das schon. Ich trau dir das zu‘ wirkliche Hilfe.“

Nun – schon Nietzsche meinte: Mitleid macht das Leid nur ansteckend – und doch starb er, als er aus Mitleid ein Pferd vor Schlägen schützen wollte. Wir würden heute auch nicht mehr den Begriff Mitleid verwenden, sondern den Begriff Mitgefühl – nach Schopenhauer der zentrale Sinn unseres Seins (Buddhisten und Christen stimmen ihm da zu, Betzisten nicht … denn ihre Verlockung ist nur das eigene Glück.)

Gut – ein kleiner Prediger am Rande des Universums – wen soll der schon stören?

Nun – der bildet inzwischen hunderte von Klonen aus, die Betzerei verkaufen – und immer mehr Menschen in eine irre Welt führen, die christliche Worte gebraucht, aber antichristliche Wege geht, die den Menschen die ganze Last allen Übels der Welt als persönliches Versagen auf die kleinen Schultern legen – und ihnen den Himmel auf Erden versprechen, wenn sie nur kritiklos folgen – und zahlen. Selbstmordattentäter sind da ganz ähnlich strukturiert – und werden ähnlich geführt. Es gibt Menschen, die haben sich hoch verschuldet, um Betzerei betreiben zu dürfen: bis zu 15000 Euro sind da aufzubringen.

Nicht schlimm?

Stellen Sie sich nur mal vor, diese Bewegung hält keiner auf: dann war es das mit Rente, Sozialstaat und Krankenhäusern, mit Schulen, Gesetzen und diesen Gedanken von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Und wie gesagt: der Bundesverband der Berufsverbrecher (und all seine Sympathisanten in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – kurz, die ganze Lumpenelite) findet diese Luschenesoterik ganz geil … und träumt von der Zeit, wenn endlich grenzenlose Anarchie ausgebrochen ist, jeder jeden fressen kann, weil es ja dessen Schicksal aufgrund dummer Gedanken ist, ja, weil es das Schicksal aller Normalmenschen ist, gefressen zu werden … und sie es auch verdient haben.

Natürlich im Namen von Licht und Liebe der himmlischen Erleuchteten.

Und jetzt – nach einem großen Bogen – können Sie sehen, wie der Kreis sich schließt … und wie die fünfte Kolonne wirkt. Und ihr Einfluss ist schon sehr groß … schauen Sie mal, welchen Wert in den letzten Jahren das Wort „Eigenverantwortung“ gewonnen hat … und welche Menschen im Namen diesen Wortes mit existenzvernichtenden Maßnahmen überzogen wurden. Kurz gefasst, verlangt man doch von allen deutschen Arbeitslosen (und ihren Geschwistern weltweit) dass sie die Folgen der Globalisierung ganz im Alleingang von ihrem Schrebergarten in Bottrop-Kirchhellen aus lösen – während die Herrscher der gigantischen Fonds, die den Umbau der Wirtschaft finanzieren, ganz unschuldig davon kommen.

Und darum ist dieser kleine Prediger wichtig – als Beispiel, wie die Errungenschaften des Zeitalters der Aufklärung radikal ausgelöscht werden … von Menschen, die behaupten, mit Engeln persönlich zu reden, die Menschheit selektieren und die Auserwählten in den Himmel auf Erden führen, wo sie fernab vom Normalmenschen ein Leben ohne Verstand, ohne Mitleid und Solidarität führen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Kapitalismus und seine Roll-Back-Offensive: Geld gegen Leben

Montag, 6.3.2017. Eifel. Ich würde heute gerne mal über die Gegenwart reden. Eine Gegenwart, von der ich meine, dass sie nicht vollständig begriffen wurde, beziehungsweise nur unvollständig beschrieben wird. Diese Unvollständigkeit hat natürlich einen Sinn: sie nimmt uns die Kraft zum Handeln, weil unsere Weltbilder mangelhaft – oder eben völlig falsch sind. Es hat alles auch mit Mus zu tun – also mit Brei, aber nicht aus Obst. Sozialismus, Faschismus, Feudalismus, Katholiszimus, Protestantismus, Demokratismus …. nein, den letzteren gibt es gar nicht. Das heißt: es gab ihn lange nicht, weil er keinen Sinn machte. Im Laufe des Niedergangs des demokratischen Gedankens kam auch dieser Begriff auf: abwertend wie die anderen (siehe Duden) als formalistische Übertreibung demokratischer Verfahrensweisen. Macht im ersten Moment wenig Sinn – und scheint somit nur ein Kampfbegriff zu sein, um den demokratischen Begriff zu entwerten, denn: Bürokratismus würde ja die Fehlerstellen demokratischer Systeme schon hinreichend genug beschreiben.

Warum geht es bei dem Mus? Um Herrschaft.

Im Sozialismus herrscht die Arbeiter- und Bauernklasse, unschön für das Lumpenproletariat: jene Sozialschmarotzer gelten als Feind des Sozialismus, Marx beschrieb sie wie folgt (siehe Wikipedia):

„zerrütteten Lebeherren mit zweideutigen Subsistenzmitteln und von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen ‚la bohème‘ nennen“

Heute wären das: Hartz IV-Empfänger und Niedriglöhner. Menschen, aus denen wahrlich kein Cent mehr herauszupressen ist. Manche … waren nur von den Galeeren geflohen, wurden aber vom Sozialismus gleich als Staatsfeinde angesehen und der Arbeitspflicht unterworfen, um Kapitalerträge zu sichern und zu mehren.

Im Faschismus herrscht die Anbetung der nackten Gewalt, das ungebrochene Recht des Stärkeren über die Schwächeren, die es mit allen Mitteln auszumerzen gilt: wie zum Beispiel die Slawen. Gut – die sind nicht ausgerottet worden wie die Juden, aber auch nur, weil die Faschisten den Krieg haushoch verloren hatten. Sonst wären sie – allein aufgrund ihrer Schwäche, hinreichend Rendite für die Zinserwartungen des Kapitals zu erwirtschaften – auch ausgerottet worden … jedenfalls die Minderleister unter ihnen.

Im Feudalismus herrscht eine auserlesene, von Gott berufene Elite über die Untermenschen, die Kaste der Besitzenden hat sich soweit organisiert, dass sie alle Staatsgewalt im Griff hat und sich ihren Reichtum direkt von den Feldern ihrer Bauern holen kann. Im Katholiszismus – mit dem Feudalismus damals personell eng verbunden – herrscht Gottes Sohn als Papst persönlich. Der Feind sind all´ jene, die keine Kirchensteuer entrichten: die Ungläubigen. Sie werden gerne von den Höfen gejagt.

Und der Kapitalismus? Nun … wie wir jetzt bemerkt haben könnten, steht er als treibende Kraft hinter allem, ist eine eigenständige Regierungsform, die nur als solche nicht ausdrücklich behandelt wird. Ja: gruselig, oder? Die ganzen Mus-Bewegungen der letzten Jahrhunderte hatten alle einen gemeinsamen Meister, einen einzigen Herren, der erst sehr spät – nach der französischen Revolution – offen zu Tage getreten ist und heute die ganze Welt beherrscht – wobei ihm egal ist, welche Religion oder welchen politischen Glauben seine ausführende Dienstklasse hat. Schlimm am Kapitalismus: hier unterwirft sich die Menschheit dem Unmenschlichen, dem Geld (bzw. dem größten Geldhaufen), Geldwerte übertrumpfen Menschenrechte, ein künstlich geschaffenes Ding (Geld) übernimmt die Herrschaft über die Menschheit – und die Menschheit beugt sich. Ein Skandal für die „Aufklärung“ seit den Zeiten der griechischen Philosophie: die Götter, die wir abgeschafft haben, sind wieder zurück: die dunklen, bösen, nutzlosen Idiotengötter, die den finstersten Abgründen des menschlichen Geistes entsprangen.

Hört sich schaurig an, oder?

Ist aber wahr. Ich wage auch die Vermutung – wobei ich ein durchaus positives Menschenbild offenbare – dass Auschwitz ohne Kapitalismus gar nicht denkbar wäre: es braucht schon eine unmenschliche Kraft, die als Herrscher anerkannt wird, um solche kalten Orgien der Massenvernichtung durchzuziehen. Und wer sich in den Werken des Historikers Götz Aly mit der Genese der Massenvernichtung im Nationalsozialismus beschäftigt, wird merken, das Kapitalrendite das zentrale, alternativlose Argument für die Massenvernichtung unwerten Lebens war, die natürlich nicht nur die Juden betraf (treue Diener eines Gottes, der – auf dieser Interpretationsebene – der natürliche Feind des Moloch „Geld“ war, weil er Menschen seiner Herrschaft entriss – und zudem offen forderte, dass es keine anderen Götter neben ihm gab; erst recht kein Goldenes Kalb, um das man den ganzen Tag orgiastisch tanzte), sondern alle, deren Arbeit nicht genug Rendite abwarf – mögen sie auch noch so blond, blauäugig und superarisch gewesen sein: wer nicht schuftet bis zum Untergang, ist wertlos. Kennen Sie vielleicht aktuell aus Ihrer Firma.

Merken Sie langsam, wie es Ihnen kalt den Rücken herunterläuft? Nun – zurecht. Wir hatten Revolutionen, Umstürze, Staatsneugründungen, doch eins blieb über 600 Jahre stabil: die reichen Familien Hierzu gibt es eine Studie aus Florenz (siehe Welt), die Rückschlüsse auf die Verhältnisse in anderen Ländern zuläßt. Mammon hat alle geschichtlichen Turbulenzen unbeschadet überstanden, auch wenn der Reichsgraf mancherorts Politikkommissar oder Gauleiter hieß. Und diese Familien planen langfristig, über Generationen hinweg, wobei Heirat eines der zentralen Mittel der Machtvernetzung ist. Gut: 1789 gab es einen kleinen Rückschlag, 1917 auch, ebenso 1949. Aber Rückschläge spornen die Hohepriester des Mammon ja nur an – und das ist, was wir gerade erleben: die Operation Rollback der Kapitalfürsten, die all die vielen Erfolge wieder zurückdrängen will zugunsten eines Systems, in denen ihre Gefolgsleute die politische Macht ausüben … eine Macht, die sie selber gar nicht haben wollen, weil ihnen jede Form von Arbeit, die nicht auf Partys, Bällen und Empfängen erledigt werden kann zuwieder ist.

Ich weiß: schon wieder viele Worte gemacht. Doch bleiben Sie am Ball, denn jetzt: geht es um Sie. Es geht um die flächendeckende Vernichtung von „Familie“ als solche – ein erster Vorbote der kommenden Vernichtungsorgien, ohne die der Kapitalismus letztlich nicht seine Wachstumsraten erzielen kann. Nein – das sind jetzt keine Geheimnisse von Verschwörungstheoretikern, das sind Fakten, die man bei der Bundeszentrale für politische Bildung findet:

„Die Familienpolitik will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Klingt gut. Doch der Politik geht es nicht um die Familien, sondern um die Wirtschaft, findet der Journalist Rainer Stadler. Die Politik versuche die Familien den Bedingungen des Arbeitsmarktes anzupassen – mit der Folge ganztagsbetreuter Kinder. Das gilt vielen als alternativlos – Kritik daran, gilt rasch als reaktionär.“

Die Familie … das war mal die Keimzelle der Gesellschaft. Noch nicht mal die kann unser Staat noch schützen. Die Familie wird „wirtschaftskompatibel“ gemacht – im Sinne der Rendite:

„Diese Denkweise hat sich bei den Familienpolitikern aller im Bundestag vertretenen Parteien durchgesetzt. Niemand kommt mehr auf die Idee zu fragen: Ist es wirklich familienfreundlich, eine Infrastruktur zu schaffen, deren Zweck vor allem darin besteht, die Familie den ganzen Tag voneinander zu trennen? Ist es wirklich sozial, Betreuungseinrichtungen 24 Stunden am Tag zu öffnen, damit alleinerziehende Mütter spätabends an der Supermarktkasse sitzen oder ihre Nachtschicht als Krankenschwester ableisten können?“

Diese Kinder haben keine Eltern mehr, sie haben Ernährer. Gemeinsames Leben, gemeinsames Lernen, Lachen, Spiel, Spaß, Liebe, Verbundenheit, Verantwortung, füreinander da sein – alles unnütze Beschäftigungen des Lumpenproletariats, der Bohéme, die mit dem Todfeind des Kapitalismus kokettiert: dem Anarchokommunismus, der sich urchristlicher Lehren bedient, um dem Leben jenseits von Macht, Herrschaft und Ausbeutung wieder ein Maximum an Lebensqualität zu verleihen.

Wir marschieren während der Rollbackoffensive des Kapitalismus wieder direkt in die ältesten aller Herrschaftsformen: wo acht Menschen mehr besitzen als die Hälfte der Weltbevölkerung (siehe Spiegel), da sind die alten Gottkönige Ägyptens, die Pharaonen, nicht mehr weit entfernt. Würde mich nicht wundern, wenn es bald Schreine für diese acht Leute gibt, wo man zu ihnen beten kann, um auch ein Stück von ihrem Segen zu erhalten. Die hochachtungsvolle Verehrung von „Promis“ wird ja in unseren Medien schon ausufernd praktiziert – das muss man nur noch weiterdenken.

Es ist wichtig, dass Sie sich das klar machen, denn: ihre Laune hängt direkt davon ab, ihre Resillienz, ihre Widerstandsfähgikeit gegen Propaganda – da liegt der erste Schritt zum Widerstand begründet dass man „Nein“ sagt zum Weltbild des Kapitalimus, „Nein“ zur Vernichtung von Mensch und Umwelt, „Nein“ zu allen Götzen, die sich zum Herrscher über die Menschheit aufschwingen wollen. Ihr persönliches Weltbild hängt direkt mit der Bewertung Ihres Lebens zusammen. Darüber wird wenig gesprochen – weil der Kapitalismus uns ein düsteres Weltbild aufgezwungen hat, das wir kritiklos hinnehmen, ohne zu bemerken, wie sehr uns das den Wind aus den Segeln nimmt.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Christentum (nicht dem Katholizismus – wohlgemerkt). Der Christ – also: Jesus persönlich – lebt in einer „gefallenen Welt“. Passiert da ein Unglück – ist das normal, liegt nicht am Individuum, sondern an der Grundstruktur einer unperfekten Welt, in der es halt Erdbeben, Raubtiere und Schnupfenviren gibt, die nicht nach der Pfeife des Menschen tanzen. Sie regen sich in einem solchen Weltbild nicht sonderlich über Misserfolge auf: die sind die normale Basis einer gefallenen Welt, in der alles schiefgeht, was nur irgendwie schief gehen kann. Was predigt hingegen des Kapitalismus (in verschiedenen, durchaus auch als „Esoterik“ getarnten Philosophien): geht etwas schief in Deinem Leben, dann … bist Du persönlich falsch, denkst falsch, fühlst falsch, lebst falsch, bis minderwertig – ein Minderleister. Die Welt des Kapitalismus ist durchweg superheil. Machen Sie einfach mal ihren TV-Empfänger an: die Botschaft verfolgt sie täglich mehrfach auf allen Kanälen, vor allem in der Werbung. Klar: wenn die Welt superheil ist, dann … nun, dann können bei Misserfolgen ja nur SIE schuld sein. Anstatt also mal über die Umstände nachzudenken, beschäftigen Sie sich nur mit sich selbst und der Kernfrage ihres Lebens: wie absolut ungenügend ihre ganze Existenz doch nur sein kann, weil Sie noch kein Milliardär sind.

Wie der Katholizismus braucht auch der Kapitalismus ein besonderes, beängstigendes Weltbild. Drohte der Katholizismus mit der Hölle, in die die Seele nach dem Leben fallen kann, droht der Kapitalismus mit etwas noch viel schlimmerem: der endgültigen, absoluten Vernichtung am Ende ihres Lebens. „Leben“ … wird dogmatisch begrenzt auf die Zeit zwischen Geburt und Tod – und Sieger ist, wer am Ende des Lebens am meisten Geld zusammengerafft hat. Da der Geldkreislauf ein geschlossenes System ist, kann man es nur von anderen raffen. Das ist jetzt kein Kommunismus, das ist reine Physik. Dieser dogmatische Lehrsatz -„Sinn des Lebens ist, als Milliardär zu sterben“ – ist der Kern des Kapitalismus, die Basis seines Glaubenssystems. Wer es schafft, am Ende seines Lebens Privatjets, einen Park mit Luxussportwagen, große Yachten und private Schlösser vorzuweisen, der … hat es geschafft. Der ist der Gewinner. „Wer wird Millionär“ – ist der zentrale Antriebssatz dieses Systems … „wer wird glücklich“ ist eine Frage, die nur am Rande gestellt wird, „wessen Leben ist sinnvoll“ wird gar nicht mehr gestellt – bzw. im Sinne des Kapitalismus alternativlos beantwortet: sinnvolles Leben ist jenes, dass dem Chef Gewinne in die Kassen spült.

Wie der Katholizismus hat der Kapitalismus auch seine Inqusitoren aufgestellt, deren Hauptaufgabe es ist, Hexen zu verbrennen bzw. das Volk dazu aufzustacheln, dies zu tun. Unsere modernen Inquisitoren nennen sich u.a. GWUP und Psiram, ihre Aufgabe ist klar definiert: alle Abweichler von der Lehre des Kapitalismus (bzw. seiner wissenschaftlichen Basis des dogmatischen Materialismus des 19. Jahrhunderts unter Ausklammerung aller Fortschritte der Physik in den letzten zweihundert Jahren) zu verbrennen – oder zumindest verbal so übel anzugehen, dass niemand mehr mit ihnen zu tun haben möchte, der nicht selbst in den Fokus des Hasses und des vernichtenden Spotts gegen Andersdenkende kommen möchte.

Die Rollbackoffensive des Kapitalismus läuft auf breitester Front, reicht tief in ihr Privatleben hinein – und wird auch in den nächsten Jahren Konsequenzen für Ihre materielle Versorgung haben – sofern Sie nicht das Wunder verbringen, jedes Jahr noch schneller zu rennen, um ihre vom Chef gesetzten Ziele zu erreichen. Schauen wir hierzu mal nach Griechenland, jenem Land, das wir ja unter fürchterlichen Opfern so großzügig gerettet haben. Ganz offen berichtet die Süddeutsche Zeitung von der drohenden völligen Vernichtung Griechenlands, die jedermann kalt läßt, weil es sich nach dem kapitalistischen Weltbild um wertlose Existenzen handelt, die kein Lebensrecht haben – womöglich, weil sie sich auch der völligen ökonomischen Verwertung ihrer Familien entzogen haben. Es findet eine unglaubliche Hatz nach den letzten Resten Bargeld im Lande statt (bzw. eine komplette Entwertung noch versteckter Bargeldreservern, die das Überleben sichern sollten): wer nicht bargeldlos zahlt, wird bestraft (siehe Focus). Sie können sich gerne bei Reuters über die konkreten Auswirkungen der Armut informieren: zwei Packungen Nudeln im Monat müssen reichen. Das ist momentan der Standard in einem EU-Land, das zudem die Wiege der europäischen Kultur war. Und wir reden den ganzen Tag über Trump und Putin, während EU-Bürger nur noch dahinvegetieren.

Wir können in Deutschland noch nicht mal über Armut reden – über unser eigene Armut. Kaum gibt es einen Armutsbericht, der zeigt, wie die griechische Armut nach Deutschland kommt, schon stehen jene auf, die im Schulterschluss die Vernichtung der Familie im Dienste des Kapitals beschlossen haben und stellen den Bericht in Frage (siehe FAZ), dabei ist schon der Tagesschau zu entnehmen, dass die Armen in Deutschland für das zehn Jahre längere Leben der Reichen bezahlen … ja es sogar – wie bei den alten Pharaonen – mit ihrem eigenen Leben bezahlen. Unsere Wirtschaftsform – die, genau genommen, eine Herrschaftsform ist, tötet Menschen – sagt sogar der Papst (siehe Süddeutsche), die große Offensive des Kapitalismus drängt sogar ihre alten Dienstleister an den Rand. Und hören Sie bitte auf, vom „Neoliberalismus“ zu reden – dieser Begriff täuscht nur vor, es gäbe eine schlechte Form von Kapitalismus … und adäquat dazu irgendwo eine gute Form. Neoliberalismus ist nur das Codewort für Kapitalismus in der Offensive, eine Offensive, die ihm wieder – nach 200 Jahren Schmach und Heimlichkeit – die absolute Oberherrschaft über die Menschheit zurückgeben soll.

Ich möchte Ihnen einen Artikel ans Herz legen, der aufzeigt, dass „die Reichen die wahren Sozialschmarotzer“ sind, ein Artikel, der aufzeigt, in welcher Realität wir gerade leben (siehe Heise):

„Die sozialversicherte Arbeit ist zerstört worden und je weniger man für Arbeit bezahlen muss, umso mehr Profit wird gemacht. Das alles wird nebenbei von den Steuerzahlern finanziert – etwa für Subventionen, Steuererleichterungen und die Zahlung von Hartz IV-Regelsätzen für Berufstätige, die nicht von ihrem Lohn leben können. So bezahlen die Arbeitnehmer für den Abbau ihrer eigenen Rechte, damit die Shareholder dann alles, was die anderen geleistet und erarbeitet haben unter sich aufteilen können.“

Das ist unsere Gegenwart: die Vertreibung von unseren Höfen. So herrschte Feudalismus, Sozialismus, Faschismus im Dienste des Kapitalismus, der mit seiner Geldmacht gerade die schwachen Demokratien zerdrückt oder gleich ganz aufkauft: wir werden von unserer Lebensgrundlage abgeschnitten – vom freien Zugang zum Warenfluss mittels Geld, besser gesagt: von der Ernte unserer Höfe. Da ist historisch das finstere Mittelalter nicht weit hinter uns – wir sind mitten drin, als Flüchtlinge, die täglich ängstlich auf den Briefkasten schauen, ob dort nicht jene Rechnung kommt, jene Kündigung, jene finanzielle Forderung, die uns endgültig auf die Straße treibt. Ganz ungünstige Voraussetzungen für eine Revolution, momentan können wir nur flüchten vor jenen „Mächten und Gewalten“, die sich gerade zurückholen, was sie dereinst verloren hatte. Deren Macht ist inzwischen so groß, dass sie – um nur ein Beispiel zu nennen – ihre ehedem profitablen Ölbohrplattformen vom Steuerzahler abreißen lassen (siehe Tagesschau) anstatt ihren Müll selbst zu entsorgen.

Und eigentlich … können Sie sogar froh sein, wenn Sie ihre drei-Zimmer-Wohlstandsblase in der Innenstadt verlieren, denn genau betrachtet, sind diese Zellen die Motoren der Umweltvernichtung … achten Sie einfach mal drauf, wie viel Müll sie monatlich produzieren. Aktuell hat diese Erkenntnis eine Umweltschützerin zur Aufgabe gebracht, sie hat einen lesenswerten Abschiedsbrief geschrieben, der uns zum Kern unserer persönlichen Existenz im Kapitalismus führt (siehe Umwelt-Watchblog):

„Das, was ich als Ausweg sehe, ist nicht populär. Unser Lebensstil, der nur auf exzessiven Verbrauch aller erreichbaren Güter ausgerichtet ist, muss sich ändern. Wir haben nicht so viel Energie zur Verfügung, wie wir brauchen, um weiterhin alles so zu tun wie wir es derzeit tun. Ein Anfang wäre die umfassende, ehrliche Aufklärung und Information über das, was derzeit geschieht und nicht zukunftsfähig ist.“

Und was gerade geschieht, ist: wir sind alle Teil eines Molochs, der unsere Lebensgrundlage vernichtet. Der Moloch heißt Kapitalismus – und er ist in der Offensive. Also bitte nicht groß wundern, wo die großen Demonstrationen für Frieden und Gerechtigkeit bleiben: wo feindliche Offensiven ihre Opfer durchs Land jagen, ihnen die Höfe nehmen, die Würde, die Freude, die Freiheit (auch die, zwischen konkurrierenden Weltbildern das für sich selbst zu wählen, in dem man sich am wohlsten fühlt), sind erstmal zu wenig Ressourcen für effektiven Widerstand vorhanden. Wir müssen erstmal mit der Erkenntnis leben, dass wir selbst Teil der Offensive des Geldes gegen das Leben sind – etwas, was ich immer merke, wenn ich meinen Plastikmüll herausbringe … und mir bewusst werde, dass ich gerade meinen Teil an der Vernichtung der Lebenswelt meiner Kinder und Urenkel beitrage. Ja – schauen Sie sich mal die Studie über PCB-Belastungen in ihren Wohnungen an: da leben Sie vegan, rauchen nicht, treiben regelmäßig Sport … und kehren jeden Abend in eine krebserregende Gifthölle zurück, der sie gar nicht entkommen können (siehe Stuttgarter Zeitung) – an der aber viele andere gut Geld verdienen.

Schlimm, wenn man über Kapitalismus redet und merkt, dass man auch selbst Teil seiner Offensive „Geld gegen Leben“ ist. Aber – um das nochmal zu erwähnen:

Ein Anfang wäre die umfassende, ehrliche Aufklärung und Information über das, was derzeit geschieht und nicht zukunftsfähig ist.

Und wenigstens daran könnten Sie teilhaben.

 

 

 

Hurra, der Faschismus ist da! Eine Antwort an Jakob Augstein

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Montag, 21.11.2016. Eifel. Das liest jetzt wahrscheinlich kaum jemand. „Faschismus“ – was für ein durchgekautes, langweiliges Thema. So langweilig, dass ja schon davor gewarnt wird. Ja – die Krönung der Blödheit in dieser Hinsicht stammt von der Garde der IT-Schrauber, die versuchen, sich im politischen Urteilen zu üben – und dabei zeigen, wie wichtig doch Geisteswissenschaft ist. Ich habe vergessen, welchen Namen sie ihrem Leitsatz gegeben hatten, er er lautete sinngemäß so: „immer, wenn die Begriffe Hitler oder Faschismus in einem Thread auftauchen, ist dieser zu Ende“. Dieser Satz wird einem dann auch kontinuierlich um die Ohren gehauen, wenn man Paralellen zum Dritten Reich erkennt – obwohl ein kleines Experiment, das jeder selbst durchführen kann, jederzeit belegt, dass dieser Lehrsatz grober Unfug ist: starten Sie doch einfach irgendwo mal einen „Thread“ (also: eine Diskussion im Internet), sagen „Faschismus“ … und schreiben einfach weiter! Sie werden sehen: nichts ist zu Ende.

Nur eine kleine Anekdote, die vor allem eins zeigt: den Siegeszug der Dummheit in der westlichen Gesellschaft. Sicher: „Dummheit“ ist auch so ein großes Wort, ich möchte es jedoch gleich definieren: das fehlende Vermögen, in einem Meer von Informationen vernetzt denken zu können und die Zusammenhänge folgerichtig zu erkennen, ohne sich in endlosen Hypothesenketten zu verlieren. Ja – mit dieser Definition stehe ich auch nicht allein da, aktuell echauffieren sich ja Dutzende von „Wissenschaftlern“ über die dummen Wähler, die einfach nicht das wählen, was man ihnen vorgeschrieben hat. Dabei leben wir doch in einer Demokratie, können einen von zwei Führern selber wählen, da sollte es schon – aus reiner Dankbarkeit über das große Geschenk der Wahlmöglichkeit – der richtige Kandidat sein.

Ebenso wichtig ist natürlich die Definition von Faschismus, mit der ich selber lange gerungen habe. Unser aktuelles Faschismusbild ist ja – jedenfalls in Deutschland – fein zurecht gestutzt. Ein Faschist ist ein böser Mensch mit Hakenkreuzarmbinde, alle Faschisten wurden im Rahmen der Nürnberger Prozesse beseitigt (oder vom Mossad erledigt), so dass wir in Ruhe uns in Selbstmitleid suhlen können – Selbstmitleid über die Tatsache, dass wir Deutschen doch ach so gute Bessermenschen sind, das aber wegen dem blöden Dritten Reich nicht ausleben dürfen – jedenfalls nicht so wie früher. Ansonsten … holzen wir immer noch weltweit herum, nach alter, reichsdeutscher Art – so wie Thyssen-Krupp in Afrika, die dort 1000 Menschen umsiedelten und der Mangelernährung preis gaben (siehe Sumos) – und das ist nur einer von 87 deutschen Unternehmen, die im Namen des Profits Menschenrechtsverletzungen im Ausland billigend in Kauf nehmen (siehe Spiegel). Doch wir brauchen gar nicht wieder auf die böse Industrie zu schimpfen – die im aktuellen gewünschten Rahmen gar keine andere Möglichkeiten hat, als Menschenrechte und Umwelt hinten an zu stellen, will sie jene Renditen erwirtschaften müssen, die Sie für Ihre kapitalgedeckte Altersvorsorge brauchen. Es reicht, wenn wir uns anschauen, mit welchem Anspruch sich der Deutsche in der Welt bewegt: Reiseweltmeister sind sie, wie die alten Vandalenhorden, nehmen sich das Recht heraus, jederzeit in alle Länder der Welt einzufallen, dort Betonburgen zu erreichten – gerade an den schönsten Ecken – und massiv in das Leben der einheimischen Bevölkerung einzugreifen und ihnen einen Reichtum vor die Nase zu halten, den diese nie erreichen können: schon eine Form von Sadismus … aber wir nennen das Urlaub, die schönste Zeit im Jahr.

Meine Definition von Faschismus ist einfacher, hat wenig zu tun mit Hakenkreuzen und Konzentrationslagern (sowas braucht man nur, wenn die Pest sich hinreichend weit ausgebreitet hat und sich ihrer Macht völlig sicher ist), sondern mit der Stellung des Menschen in der Gesellschaft: überall dort, wo Betriebswirtschaft über Menschenrechte und Menschlichkeit dominiert, hat der Faschismus den Geist der Mächtigen schon verseucht, es ist immer nur noch ein kleiner Schritt bis zu dem logischen Ende, dass man sich die Minderleister, die Ballastexistenzen, die „Juden, Polen und Russen“ nicht mehr leisten kann, weil sie nachhaltig Rendite schmälern. Meine Definition von Faschismus ist nachhaltig beeinflusst von den Werken von Götz Aly, der darlegte, dass die Wurzeln des faschistischen Imperialismus schon in den zwanziger Jahren von deutschen Unternehmern definiert und dann letztlich von den „Nazis“ nur noch ausgeführt wurden – die komplette Umgestaltung Europas zu einem von Deutschland dominiertem, einheitlichen Wirtschaftsraum; schon damals wurde angedacht, Südosteuropa (also: unter anderem Griechenland) gigantischen, unmenschlichen Umstrukturierungsmaßnahmen zu unterwerfen – was dann später dank der Wehrmacht möglich war und durchgezogen wurde … und heute – Überraschung – politische Realität in Europa ist.

Nun – wer bin ich schon, dass ich mir erlauben darf, eine eigene Definition von Faschismus zu entwerfen? Nun – nicht mehr als ein akademisch ausgebildetes Arbeiterkind, das mangels Antworten auf die Frage nach dem Kern faschistischen Denkens ganz auf sich selbst zurückgeworfen wurde, weil von „der Wissenschaft“ nur unzureichende Antworten kamen – von Götz Aly mal abgesehen. Berücksichtigt man jedoch seine Forschungsergebnisse, so wird schnell klar: Deutschland unter Merkel ist schon längst wieder da, wo es 1938 war – ein mächtiger Staat, der – nach aktuellen, noch nicht verifizierten Meldungen sogar die USA als Weltpolizei ersetzen will und dafür seinen Rüstungsetat massiv erhöht … trotz grassierender Armut im Land. Wir entwickeln uns mit atemberaubender Geschwindigkeit zu einer Kopie des Dritten Reiches (allerdings deutlich judenfreundlicher, wir haben bei der Definition der Untermenschenmenge deutlich dazu gelernt, sind da sehr tolerant geworden und kaum noch rassistisch … wenn man mal davon absieht, dass schon die Mär durchs Land zog, dass „Leistungsträger“ besondere, vererbbare Gene haben).

Umso mehr freut es natürlich, wenn aus den Reihen der Mächtigen dieses Landes Stimmen laut werden, die genau das endlich mal laut aussprechen, was Millionen Verfolgte in diesem Land Tag für Tag am eigenen Leib erleben: der Faschismus ist wieder da! Man möchte Hurra schreien – denn um ihn zu bekämpfen, muss man ihn erst mal erkennen … sonst gelingt es nie, seine Machtbasis zu beschreiben und zu zerschlagen.

Jakob Augstein ist es, Mitbesitzer der „Bildzeitung für Abiturienten“ (so nennt Volker Pispers das degenerierte Schmierblatt), der jetzt den großen Schritt gewagt hat (siehe Spiegel):

„Ein Gespenst geht um in Europa.“ Es ist lange her, dass Marx das geschrieben hat: „Das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet.“ Heute taugt der Kommunismus nicht mal zum Gespenst. Aber ein anderer Wiedergänger aus der Gruft der Geschichte ist zurück – noch nennt man ihn nicht beim Namen, aber schon macht er nicht nur Europa unsicher, sondern die ganze Welt, und für einen Kampf gegen ihn mag es bereits zu spät sein: der Faschismus.

Man möchte ja stehend Applaus spenden für diese mutigen Worte – auch wenn man ihnen Recht geben muss. Der Faschismus kam über Nacht in Deutschland an die Macht – aus einer Ecke, von der man es nie erwartet hätte: rot-grün hat ihn mit einigen wenigen entscheidenden Schlägen zurück an die Macht gebracht – inklusive des ersten Bombereinsatzes von deutschen Streitkräften im Ausland seit 1945. Es waren ein paar Maßnahmen, die dazu führten, dass das Volk in höherwertige und minderwertige Menschen aufgeteilt wurde – und dass nur noch ein Maßstab für die Erteilung des Lebensberechtigungsscheins zählte: die Rendite, die man durch eigene Arbeit für die „Leistungsträger“ erbrachte, die fortan mit deutlich geringerem Steuersatz leben durften, gleichzeitig wurde auch die Vermögenssteuer abgeschafft. Wie sonst sollte der Reiche reich werden, wenn man ihn nicht reich beschenkt und gleichzeitig die Hedgefonds ins Land läßt, die Arbeits- und Lebensqualität vernichten, aber für „Anleger“ enorme Gewinne abgreifen?

Leider sieht der Herr Augstein den unaufhaltsamen Aufstieg des Faschismus anderswo: kurzerhand erklärt er alle „rechts gerichteten“ Bewegungen in Europa und den USA als „Faschisten“ – obwohl sie ja erst als Gegenreaktion auf die neoliberale Neuordnung der Gesellschaft entstanden, als Gegenreaktion auf die Entmündigung der Bürger, die Irrationalität der Politik (für Mussolini DAS entscheidende Kriterium für Faschismus) und der fortlaufenden Kriegstreiberei. Ja – nicht Le Pen bombadiert Syrien, Trump schickt keine Morddrohnen durch die Welt, die AfD verlegt keine Truppen in Steinwurfweite an die russische Grenze – und niemand von denen verdient fürstlich am Leid des griechischen Volkes, dem wir Geld für 5 Prozent leihen, das wir von der Zentralbank der EU umsonst bekommen.

Doch schauen wir mal hin, was Herr Augstein genau meint. Immerhin ist er ein gebildeter Intellektueller – und oft der einzige, der noch ein wenig „links“ tut, während der Rest der Partei- und Millionärsmedien eine geschlossene ultrarechte Front aufgebaut hat (…nach meiner Definition).

Der Hass auf das Fremde, die Furcht vor Veränderung, die Erniedrigung von Frauen, die Verachtung der Schwachen, die Verherrlichung der Starken, die Wut auf die Eliten, die man angeblich hinwegfegen will, denen man sich aber in Wahrheit andient – all das ist Faschismus, die Drohung nach Washington, nach Brüssel, nach Berlin, den Sumpf trocken zu legen

Hass auf das Fremde?

Hmm … vielleicht auf jene Mitbürger, die das „Karibik-Modell“ dem Modell „Baumwollsklave“ vorziehen, lieber leicht bekleidet (Unterhemd) mit leichten Rauschmitteln versehen (Bier) auf weichem Sande (Couch) dem Rauschen der Meeresbrandung lauschen (…den Bilderfluten des TV), anstatt in einengender Fremdkleidung (Anzug, Krawatte) in häßlicher Umgebung (Großraumbüro) und schädlicher Umwelt (Lärm und Gifte) unter harten Drogen (Kokain) ihr Leben für die Rendite des Plantagenbesitzers (Anleger) geben? Muss ich die seit Jahrzehnten laufende Hasswelle der Bezahlmedien noch mit mehr Beispielen unterlegen? Ach – einfach mal selbst „Florida-Rolf“ googeln … da weiß man, was man hat. Oder aktuell einen CSU-Werbespot schauen, der Erwerbslose pauschal als „Hartz IV-Schmarotzer“ bezeichnet (siehe z.B. Erwerbslosenforum) und so die Vorstufe zu ihrer logischen, alternativlosen Massenvernichtung erreicht.

Furcht vor Veränderung?

Bis 2030 verdoppelt sich das Passagieraufkommen des jetzt schon überfüllten Luftraumes, jährlich haben wir 500000 Kilometer Stau auf deutschen Autobahnen (siehe Zeit), unsere Sklavenmotto „höher, weiter, schneller“ frisst die Arbeitnehmer auf, „Führen mir Zielen“ definiert jedes Quartal neue zu erreichende Steigerungen, schneller den Kranken das Essen bringen, flotter die Alten versorgen, immer früher immer mehr Bildung in kleine, noch im Wachstum begriffende Kinderhirne pressen, während immer mehr Geld zu einer kleinen Kaste ewig reicher Menschen fließt, das wir für Veränderung dringend bräuchten; wir wissen, dass wir für unseren Lebensstil mehrere Planeten bräuchten … und ändert sich etwas? Irgendwo, irgendwie – außer lautem Trompetenschall aus den Reihen der Höflingsmedien? Wir wissen von grassierender Rentenarmut, untragbaren (und völlig unnötigen) Kosten unseres Medizinmolochs, von der tödlichen Wirkung unserer stetig steigenden Waffenexporte (mit deren Hilfe viele ihr Eigenheim abbezahlen), von der Schädlichkeit und Nutzlosigkeit unseres veralteten Bildungssystems, von unserer maroden Infrastruktur und von der Vernichtung der Gemeinden, wenn sie der Schuldenbremse unterworfen werden – die wenigen immer reicheren Menschen klinken sich halt aus der Finanzierung von Gemeinschaftsausgaben immer weiter aus, während immer mehr Eigenheimbesitzer durch gigantische „Beiträge zur Straßensanierung“ in den Bankrott getrieben werden: und ruft da irgendwer zur Veränderung auf? Zu einer Neugestaltung der Gesellschaft – im Sinne eines demokratischen Sozialismus? Ich spüre schon jetzt, wie 99 Prozent der Deutschen allein schon bei dem Begriff zusammen zucken und sich ängstlich umschauen – dabei sind 90 Prozent der Deutschen auf der Verliererseite … was die Verteilung von Ressourcen (Geld!) angeht, während 10 Prozent automatisch mit Billionen überschüttet werden.

Erniedrigung der Frauen?

Sicher: die Medientrompeten versorgen uns hier regelmäßig mit Wunschbildern … doch hundertfach schägt die Realität zurück, wenn wir allein in die „Werbung“ schauen, wo Frauen vor allem eine Rolle haben: Objekt für den Mann zu sein, Mittel zum Zwecke der Konsumsteigerung. Nur selten ausgesprochen, aber immer im Bewusstsein von „Frau“ vorhanden: man muss „fickbar“ bleiben (siehe Wienerin.at). Sie müssen sich auch billiger auf dem Sklavenmarkt verkaufen (siehe Zeit) und sich mit kleineren Autos zufrieden geben – googeln Sie einfach mal den Begriff „klassisches Frauenauto“, Sie werden sehen, was ich meine. Davon, dass Männer immer noch erwarten, dass sich jedes Jahr hunderttausende von Frauen für die Befriedigung ihrer Triebe gegen Geld bereithalten, wollen wir gar nicht erst reden, es reicht schon, wenn man erkennt, welche Rolle Frauen (von ein paar Alibi-Frauen mal abgesehen, die man besonders hoch hält) in Werbung und Spielfilm haben: das brave, optisch perfekte Beistellweibchen, das sofort Norm wird für alle die Frauen, die man – aufgrund „optischer Mängel“ – niemals im Fernsehen sehen würde.

Die Verachtung der Schwachen?

Ja – da sind wir wieder bei Florida Rolf und jenen 14 Millionen Menschen, die schon mal verhartzt wurden: die „Fremden“, die, die nicht in die feine, reiche Großstadtgesellschaft passen und sich weigern, für den Kaviar des Chefredakteurs für drei Euro die Stunde zu arbeiten. Wie gehen wir um mit unseren Schwachen – von den Finanzschwachen mal abgesehen? Wie mit unseren Kindern – im kinderfeindlichsten Land Europas? Mit unseren Alten – die wir nicht schnell genug ins Heim stecken können, so wie wir auch unsere Kranken gerne aus der Gesellschaft ausgliedern und sie in möglichst großen Häusern lagern? Den Obdachlosen, die ihre Körper für Wärme, eine Dusche und eine kleine Mahlzeit verkaufen müssen, wenn sie nicht erfrieren wollen, den Kindern, die immer früher in die Fänge einer schlecht ausgebildeten Massenkinderhaltung kommen, dort auf Höchstleistung getrimmt werden, um ganz sicher mit Anfang vierzig völlig ausgebrannt zu sein – während sie in unzähligen Gratispraktika fleißig Personalkosten sparen halfen? Jene Kinder, die wir in einem völlig veralteten, hochselektiven Schulsystem aus der Kaiserzeit festhalten, in maroden Gebäuden unterrichten von Lehrern, die oft kaum über die menschliche Qualifikation von Henkern hinauskommen. Wer Verachtung von Schwachen in der Gegenwart nachspüren möchte, googele einfach mal den Begriff „sozial schwach“, der an sich schon eine faschistoide Monstrosität ist: wer arm an Geld ist, kann ohne weiteres Mutter Theresa, Albert Schweitzer oder Martin Luther King sein; wirklich sozial schwach ist da eher unsere „Elite“.

Die Verherrlichung der Starken?

Nun – nichts leichter zu beweisen als das – einfach mal schauen, wer als Gegenpol für die Verachtung der Schwachen herausgearbeitet wird: all´ jene, die auf großem Fuße auf Kosten anderer leben, werden angepriesen als seien sie Moses selbst, der mit coolen Anlageoptionen vom Berge herab steigt. Wer Millionen oder gar Milliarden sein eigen nennt, ist gut – egal wie der das Geld gemacht hat. Fussballspieler, die nur aufgrund von seltsamen Verträgen mehr Geld bekommen, als eine Krankenschwester jemals in ihrem Leben verdienen könnte, Fernsehstars, die in Schlössern wohnen, die selbst die gesamte Belegschaft eines Betriebes nicht finanzieren könnte, Politiker, die sich permanent laufend selbst die Diäten erhöhen und in einem Monat soviel Steuergeld davon tragen wie ein Arbeitsloser in sieben Jahren, Manager, die nichts anderes machen als beständig immer mehr Arbeit auf immer weniger Schultern zu verteilen – zu Löhnen, von denen man in der Großstadt keine Familie ernähren kann: all´ das sind unsere Helden, unsere Träger des Bundesverdientskreuzes und vielfältiger „Preise“, die man unter sich verteilt, um sich noch mehr zu erhöhen. Wer mehr hören will: einfach mal den Begriff „Leistungsträger“ im Sprachgebrauch der aktuellen Politik betrachten – schon hat man genug Material.

Die Wut auf die Eliten, die man angeblich hinwegfegen will?

Oh – hier wird es schon kompliziert, denn: auf die echten Eliten dieses Landes ist niemand wütend. „Elite“ stammt von den „auserlesenen“, den „besonderen“, den Menschen, die aus der „Masse“ herausragen, früher nannten wir sie die „Edlen“, für sie wurde dieser Begriff gebildet, der später zum „Adel“ degenierte; mit dem Begriff zollte man jenen Wesen bzw. Seelen Respekt, die sich selbstlos für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit einsetzten, die unablässig die Botschaft der Menschlichkeit predigten und lebten, jene Seelen, die fern der Dogmatik beständig mit einer unfassbaren Wahrheit rangen um weise Urteile zum Wohle aller zu fällen, ohne dass irgendjemand dabei irgendwo herunterfiel: ihnen sollte – so die griechische Philosophie – die Königswürde als Philosophenkönig gereicht werden; wir finden sie heute allerdings nicht im Regierungsamt, sondern in den Altenheimen, Krankenhäusern, in der Obdachlosenbetreuung, der Kinderhilfe und an allen anderen karitativen Orten – oder einfach als Hausfrau in der Familie, während wir aktuell auf „Eliten“ stoßen, die sich sebst so definieren, weil sie wirtschaftliche oder politische Macht haben – als würde ein Charakter dadurch edel werden, dass er sich eine Machtposition erschlichen oder Geld geeerbt hat. Wer hätte nicht das Recht auf „gerechte Wut“ oder zumindest ausufernden Ekel vor jenen „Eliten“? Doch das „Wegfegen“ … ist nicht die Methode der Wahl echter Eliten. Zu unglaubhaft? Wer hat Wut auf unsere Musiker, unsere Denker, unsere Bildhauer, unsere Literaten, Dichter, Maler oder Modeschöpfer, deren elitäre Funktion in der Gesellschaft es ist, das Bewusstsein selbst zu schulen und ständig zu erhöhen? Sehe niemanden, der sie hinwegfegen will, aber genug, die sie durch Geldmacht formen und normen wollen. Oder ist jemand wütend auf Schreiner, Maurer, Dachdecker, Kanalarbeiter, die Müllabfuhr, die Feuerwehr, den Rettungssanitäter, den Elektriker oder den Heizungsmonteur, deren Arbeit garantiert, dass wir überhaupt unsere Art von Zivilisation leben können – und die allein deshalb schon zur Elite gehören?

All das ist Faschismus, sagt Herr Augstein – und ich gebe ihm Recht. Doch jener Faschismus regiert in Washington, Brüssel und Berlin – ganz ohne Trump … und schon zu Zeiten, als der noch pleite war. Und die Reaktion auf diesen Faschismus folgt nach den gleichen Mustern, die wir im Dritten Reich beobachten durften: es bedarf eines starken Mannes, der schnell und entschlossen handeln kann, um den Filz des Faschismus zu beseitigen … nur erfüllt nicht jeder dahergelaufene österreichische Aktmaler die Bedingungen, die so ein starker Mann erfüllen müsste, um erfolgreich zu sein und nicht nur als Marinotte der Erbfaschisten in Wirtschaft und Adel herum zu zappeln. Das ist die logische Konsequenz aus der gestellten Aufgabe: selbst die demokratischen Indianervölker wählten einen Kriegshäuptling, weil der Krieg effektive, kurze und schnelle Kommunikation erfordert, wenn man ihn gewinnen will: das sind Forderungen an Kriegsführung, die wir seit Jahrtausenden kennen – und in der Geschichte regelmäßig beobachten können: es ist die Geschichte König Artus´, der dem Land Frieden brachte, weil der die mächtigen Familien bezwang, die das Land ausbluten ließen.

Leider ist der gerechte König nur ein Traum – wie auch der Philosophenkönig – weil wir inzwischen wissen, dass Macht Menschen defomiert … weshalb wir unsere selbsternannte Elite ja nicht „hinwegfegen“ wollen … sondern nur therapieren und auf ein menschliches Maß zurückführen, ein Maß mit deutlich mäßigerem Verbrauch als jetzt. Und deshalb … kann ich Herrn Augstein auch nur Recht geben: der Faschismus ist nicht mehr aufzuhalten, denn die „Eliten“ werden uns schnell einen „Kriegshäuptling“ präsentieren, der verführerisch die alten Versprechungen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wahr zu machen verspricht – uns aber nur schneller in den Untergang führen wird. Die Zeit ist reif für einen neuen „Führer“ – am besten natürlich einen „Milliardär“ – der allein aufgrund seiner Finanzmacht Stärke demonstriert und verspricht, alles wieder „heil“ zu machen – doch letztlich wird man nur wieder sehen, dass er sich versprochen hat bei seinen Versprechungen.

Was helfen würde?

Ein neuer Gandhi. Kenne persönlich Abiturienten, die noch nie von ihm gehört haben. Jemand, der sexuelle Energie in spirituelle umwandelt, um sich ganz politischer Arbeit widmen zu können, ohne von der Macht korrumpiert zu werden.

Undenkbar?

Es gibt genug davon. Einem jener wahrhaft Edlen habe ich persönlich mehrmals erleben dürfen: Eugen Drewermann. Andere finde ich im Alltag zu Dutzenden, gleich hier im Dorf – in all jenen Berufsgruppen, die im Parlament kaum auftauchen. Auf Facebook – jenem „Hassmedium“ – fand ich schon hunderte von ihnen, viele davon gehörten zur „Kaste der Unberührbaren“, den Hartz IV-abhängigen, die – gestählt durch Not – ein erstaunlich hohes, unkorrumpierbares ethisches Niveau erreicht haben.

Denkbar – wäre es schon. Nur: in der Flut der medialen Dauerbeschallung, die rund um die Uhr Dummheit als höchstes Gut predigt und absoluten Gehorsam gegenüber den „Intellektuellen-Idioten“ (hierzu siehe NZZ) als erste Bürgerpflicht bewirbt, werden sie keine Chance haben, Mehrheiten zu bilden – obwohl die Mehrheiten durch sie gewinnen würden: exakt jene 99 Prozent, denen der herrschende Faschismus gerade das Leben stiehlt (…ja, da sind auch 9 Prozent jener Funktionselite drunter, die kaum noch Leben haben, weil sie perfekt im Dienste ihrer Herren funktionieren müssen, um dabei bleiben zu können).

Doch lieber – werden wir Faschismus in neuer Gestalt und Form erleben, einen Faschismus, der schon jetzt millionenfach Leben stiehlt – hier und heute in Deutschland – und den Tod in kleinen Raten bringt: als Tod der Hoffnung, Tod der Menschenwürde, Tod der Gestaltungsfreiheit, Tod der Freude, der Güte und der Lebenslust, Tod der Gesundheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit, der Reisefreiheit, der Menschenliebe, der Sicherheit und Geborgenheit.

Habe ich da noch was vergessen?

Theologen wie Drewermann haben da einen deutlichen Vorteil, dies erkennen zu können: der Todesbegriff des alten Testamentes ist differenzierter als unsere moderne Definition – er kennt „Todesnähe“ als alarmierende Vorform des echten Todes in vielfältiger Gestalt in Form von Mangel jeder Art … und unser modernes Leben ist voll davon. Wir wissen das alle – und fliehen deshalb im Urlaub in Scharen aus dem Totenland, dorthin, wo noch mehr echtes Leben ist.

Oder irre ich da?

 

 

 

 

Aktion T4 – Aktion Hartz IV – die Wiederkehr der sozialen Pest

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Sonntag, 9.10.2016. Eifel. Wir müssen noch mal über Faschismus reden. Ich denke: sogar dringend. Obwohl es nichts helfen wird: folge ich dem Kabaretisten Volker Pispers in seinen Ausführungen, finden 70 Prozent Angela Merkel toll – ein entsprechend großes Zahl dürfte das aktuelle System also toll finden, dem entsprechend werden wir nur 30 Prozent haben, die überhaupt für Alternativen zu begeistern wären.

Über Faschismus reden ist langweilig. Die meisten von uns kennen die tradierte Geschichte zur Genüge. Vielen Deutschen ist es extrem peinlich, über diese Zeit zu reden – immerhin hat fast jede Familie irgendwo einen Täter stecken … wenn man genauer hinschaut. Es ist wohl auch ein Grund, weshalb viele „Deutsche“ so unbedingt „gut“ sein wollen, nicht nur „gut“, sondern „besser“, um der ganzen Welt zu demonstrieren, dass es jetzt „andere Deutsche“ gibt, „bessere“, edle, reine und hilfreiche Deutsche … ohne zu merken, dass mit der Aufteilung der Menschheit in „gut“ und „böse“ der erste Schritt zur Wiederkehr der sozialen Pest gemacht wurde: jedes klar definierte „gut“ verlangt geradezu die Bösen, jene unwerten, schlechten, niederträchtigen Menschen, die einfach an und für sich in ihrem tiefsten Lebenskern völlig falsch sind.

Vizekanzler Gabriel hatte dies mal in einem Interview erwähnt: es gäbe – so zitiere ich aus dem Gedächtnis – Deutsche, die eher „Pack“ sind, „Mob“, Deutsche, die weniger nach Deutschland passen als die Flüchtlinge, die nun zu uns kommen auf der Flucht vor den Bomben der Herren der Welt. Fragen Sie sich auch manchmal, was denn so ein guter Mensch in seinem tiefsten inneren Lebenskern für Maßnahmen gegen jenes Pack ersinnt, das als Deutsche überhaupt nicht nach Deutschland passt? Irgendwie werden wir dieses Problem doch lösen müssen? Was ist das Fernziel dieser Aussage? Alle deportieren, die der Regierung unbequem sind?

Nun – ich möchte auch über die Wiederkehr der sozialen Pest reden, ein Begriff, den ich aus der Philosophie des Wilhelm Reich entlehnt habt – er macht die „emotionale Pest“ für die Horrorjahre zwischen 1933 und 1945 für die Ausfallerscheinungen der modernen, demokratischen Zivilkultur verantwortlich. Ich möchte hier nur von einer sozialen – oder besser: asozialen – Pest reden – ein Ansatz, der sich etwas von der bisherigen Geschichtserzählung unterscheidet. „In“ ist, die Geschichte wie folgt zu erzählen: es kam ein böser Mann aus Österreich, der ein finsterer Zauberer des Wortes war und so ein ganzes Volk verführte, es zu unglaublichen Gräueln gegen ihre jüdischen Mitmenschen anstachelte und es letztlich in den Abgrund des Weltkrieges führte. Eine schöne, bequeme Geschichte: wer kann schon für seine Entscheidungen und Taten verantwortlich gemacht werden, wenn er einer völlig dunklen Macht gegenübersteht, die seinen ganzen Willen lähmt? Normalerweise akzeptieren wir solche Mythen nur in modernen Märchen wie der „Star-Wars“-Saga, wo ein einziger dunkler Sithlord mit ihm völlig unterworfenen Mitstreitern die gesamte Republik in eine Diktatur verwandelt, für die Massenmord Volkssport wird.

Sicher – es gibt viele Vorbehalte, diese Version der Geschichte anzuzweifeln. Die Gräuel könnten verharmlost werden, Hitlers Anhänger könnten wieder auferstehen – „Lord Voldemort“ wird wieder lebendig. Es könnte zu unglaublichen Verzerrungen der Wirklichkeit führen – bis hin zur aberwitzigen Leugnung des Holocaust durch einige Sofahistoriker in der Mietskaserne, die sich nie die Mühe gemacht haben, die überwältigenden Berge von Dokumente zu studieren, die im Umfeld des Holocaust zu dessen Durchführung produziert wurden. Es ist zwar richtig, dass Geschichte immer von Siegern geschrieben wird, es ist auch richtig, dass Geschichte manipulierbar ist und von der Perspektive des Betrachters abhängig ist – trotzdem bleiben Fakten über: der Untergang der Bismark, die Schlacht um Stalingrad, die Bombadierung von Coventry und der Holocaust. Können wir uns auf solche Wahrheiten nicht einigen, können wir reden und denken einstellen und das Projekt „demokratische Zivilgesellschaft“ einstellen und uns auf eine Welt freuen, in der der Mond Dienstags eine Scheibe ist und Sonntags aus grünem Käse.

Ich möchte auch mal wieder über Hartz IV reden. Noch ein langweiliges Thema, das die Mehrheit der Deutschen gar nicht mehr hören kann, weshalb man leichtfertig und bequem den Regierungsparolen glaubt: da lungern faule, degenerierte, unbeschul- und unbelehrbare Untermenschen im Bodensatz der Gesellschaft herum, die man mit aller Härte zur Arbeit zwingen muss. Warum man die zwingen muss, warum man nicht andere Möglichkeiten der Motivation wählt, von denen die Wirtschaft viele kennt? Nun – es sind degenerierte Untermenschen, halbe Tiere: da hilft nur der Zwang. Oder irre ich da?

Und die Regierung hat auch Recht! Das wird Sie jetzt verblüffen – aber Menschen, denen man per Gesetz ihre Würde nimmt, verlieren in der Tat einen Teil ihrer Menschlichkeit – die Hartz-Mühle produziert ein enormes Maß an geistigen Krankheiten, an Demotivation, an zerstörtem Selbstwertgefühl und vernichteter Achtung durch die Gesellschaft … lesen Sie einfach mal ein paar einschlägige Fachzeitschriften der deutschen Hochkultur , „Bild“ – zum Beispiel, oder gewisse „Aufklärungsschriften“ aus dem Ministerium für Wirtschaft. Ja – so etwas wurde 2005 in deutschen Ministerien formuliert (siehe Kopie der Broschüre bei Harald Thomé):

Biologen verwenden für „Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten– leben“, übereinstimmend die Bezeichnung„Parasiten“.

Die soziale Pest – jener Gemütszustand, der die Vernichtung des Lebens und der Lebendigkeit seines Mitmenschen billigend in Kauf nimmt – steht nicht vor der Tür: sie hat schon längst wieder Fuß gefasst in der Mitte unserer Gesellschaft. Studien dazu gibt es genug – doch sie kommen zu spät, „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ schreitet unaufhaltsam voran – nicht nur in Bezug auf Arbeitslose.

Bleiben wir aber erstmal bei denen. Wissen Sie, was ein Arbeitsvermittler über den Zweck seiner Arbeit äußerte? Er brachte den Sinn und Zweck der ganzen „Reform“ auf einen Punkt (siehe Süddeutsche):

„Wir statten Arbeitgeber mit billigem Menschenmaterial aus“, kommentiert Meisner das, was seine Behörde tut. Als Beispiel nennt er das Weihnachtsgeschäft. „Da ruft ein großes Versandunternehmen aus dem Norden Berlins an: Hey, wir brauchen Leute. Dann trommelt die Agentur in Infoveranstaltungen Leute zusammen, schiebt sie in diese Jobs – obwohl völlig klar ist, dass sie nach dem Weihnachtsgeschäft wieder arbeitslos sein werden.“

Aus dem demokratischen Bürger ist „Menschenmaterial“ geworden. Billiges Menschenmaterial, das systematisch produziert wird. Lesen Sie mal den Aufsatz einer Akademikerin mit Doktortitel über ihre „exzellente Dequalifizierung“ (siehe Blätter), einer Dequalifizierung, mit der der Staat einen weiteren Nutzen einfährt:

„Mit ihnen entledigt sich der demokratische Staat auch eines guten Teils seiner eigenen gesellschaftspolitischen Reflexion und der kritischen Distanz zu sich selbst. Und dies gerade in Zeiten, da die Grenzen des neoliberal-enthemmten Umverteilens von unten nach oben nicht nur von Wissenschaftlerinnen (außerhalb Deutschlands, etwa von Thomas Piketty) eindrücklich nachgewiesen, sondern sogar vom Internationalen Währungsfonds wiederholt eingestanden worden sind,“

Die kritische Intelligenz wird auf dem Weihnachtsmarkt verheizt. Nun: „Deutschland geht es gut“ – so die Parole – was brauchen wir da noch Kritiker? Besser als gut geht nicht. Hartz IV ist auch erblich – selbst wenn man einen Studienabschluss mit der Note 1,6 erzielt (siehe Süddeutsche) entkommt man dem Prekariat nicht … und wird nach einem Jahr wieder zur Hilfsarbeiterin herabgestuft, für die es natürlich keine Arbeit mehr gibt, die Maschinen nicht besser und billiger machen können. Deutschland geht es gut – Millionen von Kindern können nicht in den Urlaub fahren (siehe NTV), die Zahl der armen Kinder steigt beständig (siehe Spiegel) – ebenso die Zahl der vom Jugendamt „in Obhut“ genommenen Kinder (siehe Spiegel), worunter wohl bald auch mehr Kinder von „sanktionierten“ Eltern fallen – wer eine Sanktion von mehr als 30 Prozent erdulden muss, wird dem Jugendamt gemeldet: Kindeswohl ist in Gefahr (siehe Kindesentzug 24). Dass die größte Gefahr für Kinder von der „Inobhutnahme“ selbst ausgeht (wie auch von jeder anderen frühen Fremdbetreuung: siehe Welt) wird billigend in Kauf genommen … trotz der drohenden „innerseelischen Katastrophen„.

2008 gab es ein Gutachten im Finanzministerium (siehe Bundesfinanzministerium), das sich mit der Problematik befasste, dass die Superreform einfach keine Ergebnisse  zeitigte. Die Lösungsvorschläge sind gruselig und reichen bis zur Versteigerung der Arbeitslosen an die Privatwirtschaft: das sozial völlig enthemmte Denken findet in den Bereichen jener Leute, die nur auf Kosten anderer Leben (Beamte und Professoren) keinerlei Grenzen mehr – man mag gar nicht wissen wollen, was da derzeit noch in den Schubladen schlummert.

Geht es uns eigentlich so schlecht, dass wir zu solchen Maßnahmen gezwungen sind? Lauschen wir mal der Presse (siehe Spiegel):

„In den sieben Jahren seit der großen Finanzkrise ist das private Geldvermögen weltweit um 61 Prozent gestiegen – beinahe doppelt so schnell wie die Wirtschaftsleistung.“

Die Welt stinkt vor Geld. Deutschland erst recht: aber es profitieren nicht die, die die Arbeit machen, sondern jene, denen der Staat per Staatsgewalt mit Zwang billigstes, degradiertes, entmenschtes Menschenmaterial zur Verfügung stellt. Hört sich schaurig an, wenn man das so formuliert, oder? Keine Sorge: es wird noch schlimmer.

Zu einem demokratischen Rechtsstaat gehört unbedingt auch die Gewaltenteilung zwischen dem Gesetzgeber, der durchführenden Polizeigewalt und dem Richteramt, das unabhängig die Maßnahmen auf Legalität überprüft. Funktioniert noch nicht immer überall perfekt, aber wir arbeiten dran.

Anderes Recht gilt für die Parasiten und Schmarotzer. Die „Junge Welt“ berichtet über neue Maßnahmen gegen die Verbrecherkaste der Arbeitslosen – und enthüllt interessante Aspekte (siehe Junge Welt):

„Die BA stellt in ihrer Dienstanweisung klar: »Die in einem OWi-Fall ermittelnden Sachbearbeiter besitzen weitgehend dieselben Rechte und Pflichten wie die Staatsanwaltschaft bei der Verfolgung von Straftaten.« Sie sollen sich an deren Vorschriften, etwa der Strafprozessordnung, orientieren. Ausgenommen seien »lediglich schwere Eingriffe, wie freiheitsentziehende Maßnahmen«. Selbst wenn am Ende das Bußgeldverfahren eingestellt wird, so geht weiter aus der Weisung hervor, habe der Betroffene, obwohl »rehabilitiert«, seine Auslagen, etwa für einen Rechtsanwalt, selbst zu tragen. Nur auf Antrag könne das Jobcenter nach eigenem Gutdünken entscheiden, ob die Staatskasse doch dafür aufkommen könnte.“

Wir werden eines Tages uns selbst verfluchen, dass wir des Emporkommen solch einer Monsterbehörde nicht umgehend verhindert haben – denn hinter der Philosophie von Hartz IV steckt noch viel mehr als die Anmaßung von Staatsgewalt durch schlecht ausgebildetes Personal aus ehemaligen Bahn-, Post- und Friedhofsbeamten.  Es ist eine einzige Behörde, die nach Gutdünken „Sanktionen“ verhängt – jene Sanktionen, die auch die Mehrheit der oben zitierten Gutachter des Bundesfinanzministeriums für unverzichtbar hält. Jene Sanktionen, die das Lebensminimun an Geld jederzeit ohne Gerichtsurteil auf Null fahren können – ein Umstand, den kein Massenmörder, Vergewaltiger oder Kinderschänder im Knast zu befürchten bräuchte. Die Behörde bestimmt die „Gesetze“ allein (also: den Sanktionsgrund), beurteilt ihre Legitimität allein und führt ihn auch allein durch: ein Staat im Staate. In einer demokratischen Zivilgesellschaft gehörte eine solche Behörde umgehend aufgelöst, weil sie sich von dem Boden der demokratischen Grundordnung entfernt – da sie aber Millionen Menschen Gewinne beschert, schert sich keiner darum. Jedenfalls keiner von denen, die Entscheidungsgewalt haben und an den so produzierten Reichtümern Gewinn machen … und das sind bis zu 70 Prozent der Bevölkerung.

Die soziale Pest schreitet immer weiter fort, wird Jahr für Jahr schlimmer: die Verlierer der Globalisierung werden Opfer der Verfolgung, als hätten sie selbst es zu verantworten, dass Arbeitsplatzabbau zum probaten Mittel zwecks Steigerung der Aktiengewinne geworden ist. Darf ich jetzt mal ein Zitat bringen?

„In den vielen Pflegeanstalten des Reiches sind unendlich viele unheilbare Kranke jeder Art untergebracht, die der Menschheit überhaupt nichts nützen vielmehr nur zur Last fallen, unendliche Kosten für die Verpflegung verursachen, und dabei ist keinerlei Aussicht vorhanden, daß diese Menschen je wieder gesund und nützliche Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft werden können. Sie vegetieren dahin, wie die Tiere, sind asoziale, lebensunwerte Menschen, dabei sonst in den inneren Organen gesund und können noch viele Jahrzehnte leben. Sie nehmen nur anderen Menschen die Nahrung weg und bedürfen oft der zwei- und dreifachen Pflege. Vor diesen Menschen müssen die übrigen geschützt werden.“

Dieser Text, der ganz und gar den Geist moderner Broschüren aus dem Wirtschaftsministerium atmet, stammt aus dem Jahre 1940 – und beschreibt den Vorlauf zur Aktion T 4: der Vernichtung der Geisteskranken in den deutschen Pflegeheimen (aus: Götz Aly/Susanne Heim, Die Vordenker der Vernichtung, Hoffman und Campe, 4. Auflage 2004, Seite 268). Die Autoren sehen diese Aktion sogar als Test an, als Vorbereitung zur Massenvernichtung des Holocaust: ein Test, unter welchen Bedinungen das Volk solche „Maßnahmen“ aktzeptiert. Und die Vernichtung fing ganz langsam an:

„Als dann in den letzten Jahren vor 1939 der Ausbruch des Krieges in immer greifbarere Nähe rückte wurde uns bekannt, daß im Reichsinnenminiserium erwogen würde, im Kriegsfall die Insassen der Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke, Epileptische und Schwachsinnige auf eine stark verkürzte Lebensmittelration zu setzen“ … was bedeutet, „sie einem langsamen, aber sicheren Hungertode auszusetzen“

Erst in Folge dieser Erwägungen wurde dann „vorsichtig vorgefühlt, wie die Innere Mission sich dazu stellte, wenn der Staat die Vernichtung bestimmter Kategorien von Kranken im Krieg … in Erwägung zöge“. (Aly, Heim, a.a.O., Seite 271).

Aly fasst die Quintessenz der Aktion T 4 wie folgt zusammen:

„Im Mittelpunkt des ersten, systematischen NS-Massenmordes stand die Definition der ökonomischen „Nützlichkeit“ eines Menschen.“ (Aly, a.a.O., Seite 268)

Der Kern des Holocaustes: die Reduktion des Wertes eines Menschen auf seine betriebswirtschaftliche Ausbeutbarkeit. Oder: die Verdrängung christlicher Urwerte durch die Betriebswirtschaft. Nicht mehr der Mensch steht im Mittelpunkt staatlichen Handelns, sondern der effektive Betrieb. Das Ziel?

„Daß der soziale Status Quo für die breite Mehrheit erhalten oder sogar verbessert werden sollte, indem eine als unbrauchbar definierte Minderheit ermordet oder wenigstens vertrieben wurde“. (Aly, a.a.O., Seite 270). 

Damit es 70 Prozent besser geht, müssen 30 Prozent weg. Alte faschistische Lebensweisheit. 70 Prozent fanden die damals gut – und heute wohl auch. Diese Facette des Faschimus wird eher am Rande der Geschichtsschreibung erwähnt, wir mögen lieber die düstere Geschichte vom übermächtigen Lord Voldemort.

Wie liest sich das im Detail?

Nun – ein späterer Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums „verfaßt 1942 einen statistischen Bericht über die erste Phase dieser Morde unter dem Titel „Was ist bisher in den einzelnen Anstalten geleistet, bzw. desinfiziert worden“- „Desinfizieren bedeutet die Ermordung durch Gas.“ Großzügig berechnet er die Einsparungen bis ins Jahr 1951 – durch „Tötung der nicht arbeitsfähigen Kranken (der Statistiker bezeichnet das als „Leistung“) kommen die Einsparungen „an toten Kosten“ bezüglich Essen, Wohnungen, Kleidungen „auf mehr als 880 Millionen Reichsmark“ (Aly, a.a.O., Seite 269″).

Erstaunlich, wer alles der Entnazifizierung entkommen konnte. Außer den „Stars“ der Bewegung wohl fast alle.

Wird Ihnen jetzt unheimlich?

Nun – wahrscheinlich nicht, wenn Sie zu den gesegneten 70 Prozent gehören, die vom System mit einem unkündbaren Arbeitsvertrag verpflichet wurden – oder wenigstens noch einen Vollzeitarbeitsplatz mit lebensfähigem Gehalt haben. Sie gehören ja zu den Gewinnern. Den „Guten“ – wie auch der Autor dieser Zeilen hier.

Die anderen jedoch müssen sich die Frage stellen: wann greift die soziale Pest wieder soweit um sich, dass wieder „desinfiziert“ wird?

Wann das sein wird?

Nun – die Vorarbeiten zur Aktion T 4 stammen aus den zwanziger Jahren.

„Im Sommer 1939 schrieb der Leibarzt Hitlers, Theo Morell, für seinen mächtigen Patienten ein kleines Gutachten. Er bezog sich auf eine Umfrage, die in den frühen 20er Jahren unter den Eltern schwerbehinderter Kinder in Sachsen durchgeführt wurde. Die Eltern hatten die „rein theoretisch“ gestellte Frage, ob sie „in eine schmerzlose Abkürzung des Lebens ihres Kindes einwilligen“ würden, weit überwiegend mit „ja“ beantwortet“. (Aly/Heim a.a.O., Seite 273)

Ab 1933 kam dann eine politische Bewegung, die dieses kleine „ja“ in die Tat umsetzte.

Was ist also Faschismus?

Die Bewertung des Menschen nach seiner rein ökonomischen Nützlichkeit … mit allen Folgen. Faschismus – ist Betriebswirtschaft ohne Menschlichkeit. Etwas, das ich gerne als „soziale Pest“ bezeichnen möchte.

Kommt Ihnen das bekannt vor – aus den Entlassungswellen der letzten Jahrzehnte?

Wo stehen wir da jetzt gerade? Wann werden wir die Entsorgung unnützen Menschenmaterials intensivieren?

Das möchte ich nun Ihrer eigenen Einschätzung überlassen. Ich möchte dem Souverän dieses Landes nicht in seine Meinungsbildung hineinreden…

 

Das Jahr 2016: der häßliche Deutsche ist zurück! Über Faschismustradition in Deutschland

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Montag, 22.8.2016, Eifel. Zurück nach einem familiär bedingten Notfallurlaub (der mit viel Arbeit verbunden war) komme ich heute mit einer ziemlich schlechten Botschaft: der häßliche Deutsche ist zurück. Nun – – diese Erkenntnis ist ja nicht neu. Erst im Juni informierte die Tagesschau (siehe Tagesschau) darüber, dass er wieder im Lande ist – und zwar überall, nicht nur im Osten. Hier wähnt man ihn jedoch als rassistischen, hasserfüllten Untermenschen, der vor allem seltsame Meinungen über Sinti und Roma hat (58,5 %: die klauen), der nicht noch mehr Islam im Lande will (41,4%) oder sich nicht über Küsse von Homosexuellen freut (40,1 Prozent finden das ekelhaft). Der interviewte Soziologe will nicht von einer neuen Welle der Fremdenfeindlichkeit sprechen, hat aber klare Vorstellungen davon, was zu geschehen hat:

„Mit Prognosen bin ich vorsichtig. Allerdings müssen wir Mittel finden, der Polarisierung und Radikalisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken – sonst könnten solche Einstellungen weiter Auftrieb erhalten. Dazu sollten wir auf politische Bildungsarbeit setzen, um den Menschen klarzumachen: Was sind demokratische Werte, und warum lohnt es sich, diese auch durchzusetzen?

Und bei möglichen Gewalttätern müssen wir auch die Empathie fördern und ihnen klarmachen, was es bedeutet, anderen Menschen bestimmte Rechte abzusprechen.Was weniger erwähnt wird: die Sozialwissenschaften sind schon längst viel weiter, arbeiten sich an den Kern der Hasstiraden immer näher heran – nur findet das in den Medien keine sonderliche Verbreitung. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dies schon 2012 formuliert, ohne dass sich daraus eine neue Kampagne der Demokratieverteidigung ergeben hätte (siehe BpB):

Menschenfeindlichkeit markiert und legitimiert die Ungleichwertigkeit von Individuen und Gruppen, sodass deren Diskriminierung wahrscheinlicher wird. Der Begriff Menschenfeindlichkeit bezieht sich auf das Verhältnis zwischen Gruppen und meint kein interindividuelles Feindschaftsverhältnis. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit umfasst Stereotype, Vorurteile und Diskriminierungen gegen Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu schwachen Gruppen in unserer Gesellschaft, kurz: die Abwertung von Gruppen.

Es ist schön zu hören, dass man bei möglichen Gewalttätern Empathie fördern will und ihnen klar machen möchte, was es bedeutet, anderen Menschen bestimmte Rechte abzusprechen, weniger schön ist, dass man das Augenmerkt gezielt auf schützenswerte Minderheiten lenkt, die zahlenmäßig eher gering sind, während man über riesige ausgestoßene Gruppen gar nicht mehr redet, obwohl ihnen de facto Grundrechte abgesprochen, Versicherungsleistungen vorenthalten und Versorgungsleistungen nur widerwillig gewährt werden: ich rede da von Arbeitslosen, die durch „rot-grüne“ Reformen in einen vogelfreien Status versetzt wurden, ein Reiseverbot erhalten, Hausdurchsuchungen erdulden müssen, als „Parasiten“ und „Sozialschmarotzer“ beschimpft werden, denen man das Essen streichen sollte (wer da an Gaskammern denkt, denkt in die richtige Richtung – da wird es wieder enden, wenn man den Kurs nicht ändert).

Mit einem Schlag wurde 2005 „der Untermensch“ geschaffen, beheimatet in einer mit staatlicher Gewalt (und viel Begleitmusik durch Wissenschaft und Medien) geschaffenen neuen Kaste namens „Prekariat“, in die man – ebenfalls mit staatlicher Gewalt – auch Millionen Kinder steckte, die ebenfalls zu wenig taten, um ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die diesen Menschen zustehenden Versicherungsleistungen („Arbeitslosengeld“ – für das viele jahrzehntelang eingezahlt hatten) wurden schlichtweg gestrichen bzw. enteignet, ebenso wurde das mühsam vom Munde abgesparte Vermögen inklusive Ausbildungssparverträge für die Kinder enteignet. Millionen Deutsche leben seitdem unter einer fürchterlichen Angst – der Angst um die willkürliche Vernichtung der eigenen Existenz, die jederzeit aufgrund von Formfehlern oder schlecht gelaunten Sachbearbeitern durchgeführt werden kann – in dem das Amt zum Beispiel einfach mal nicht die Miete überweist. Oder das Geld für´s Essen.

Vielleicht sollte man hierzu einmal auf die Besitzverhältnisse in Deutschland eingehen, um zu verdeutlichen, welchen Stellenwert dieses staatliche Geld für Menschen hat. Wohnen, Essen und Trinken gibt es von der Natur umsonst, seit Millionen von Jahren, in Hülle und Fülle. Was man dazu braucht, um diese Fülle leben zu können ist: freier Zugang zum Land, damit man als Jäger und Sammler außerhalb staatlicher Fürsorge für seinen Unterhalt sorgen kann. Doch wie sieht es aus in Deutschland (siehe Stern):

Hiernach sind zwei Drittel der Fläche der alten Bundesländer in privater Hand: Land- und Forstwirte besitzen 34 Prozent, Privatpersonen 22 Prozent, Gemeinschaftseigentümer 5,5 Prozent, Kleinunternehmer wie Handwerksmeister und Kaufleute 3 Prozent. Ein weiteres knappes Drittel gehört Bund, Ländern und Gemeinden, 4 Prozent besitzen die Kirchen, den Rest teilen sich Wohnungsgesellschaften, Banken und andere Unternehmen.

Ja – unsere Demokratie hat keinerlei materielle Grundlage mehr. 66 Prozent des Landes sind privatisiert, der Rest wird zubetoniert – im Auftrag und mit Hilfe des Staates. Der Fakt, dass man den Bürgern das Land genommen hat, ist die Wurzel vieler Übel, die nicht nur Arbeitslose betreffen: jeder „Minderleister“ im Land ist gezwungen, sich – ohne Rücksicht auf seine im Prinzip unantastbare Würde – unter erbärmlichsten Umständen zu vermarkten (bzw. für den Arbeitsmarkt zu optimieren), Körpergeruch, Länge der Fingernägel, Länge des Haarschnittes, Kleidung – all´ dies wird reglementiert und sanktioniert, als wären wir auf einem orientalischen Sklavenmarkt. Hier müßte auch linke Politik ansetzen – und per Gesetz die Maximalgröße an privatem Grundbesitz auf 5 Prozent der Gesamtfläche reduzieren – oder auf Null Prozent. Wer mehr für sich in Anspruch nimmt, muss kräftig zahlen: aber nicht an den Staat (der als solcher nicht der eigentliche Eigentümer ist) sondern an den Bürger (der somit erste Schritte zu einem bedingungslosem Grundeinkommen macht – in Form von Entschädigungszahlungen für Landraub). Doch solche Ansätze linker Politik sucht man in diesem Land vergebens – ebenso wie die Empathie für die von der Wirtschaft ausgestoßenen „Minderleister“.

Ach ja – die „Minderleister“: unsere Parasiten. Letztendlich führt der aktuelle Umgang mit Ihnen zu einer ganz besonders speziellen Fragestellung – nämlich der Frage, wie lange wir die noch durchfüttern wollen. Immerhin handelt es sich um „tote Kosten“ – und wir in Deutschland haben da eine gewisse Erfahrung, wie man mit diesen Kosten umgeht (siehe Götz Aly, Vordenker der Vernichtung, 5. Auflage 2004, Fischer Verlag, Seite 56 – 57):

„Die andere Möglichkeit, den Bedarf der Zivilbevölkerung einzuschränken, führte Donner nicht weiter aus – auch wenn er sie implizit nahelegt: Also die Möglichkeit, Dienstleistungen und Güter so zu verteilen, daß einerseits die Leistungsfähigkeit der arbeitenden Bevölkerung erhalten bleibt, andererseits aber die „nutzlosen Esser“ einen besonders hohen – für sie bald tödlichen – Beitrag zu den Kriegskosten zu leisten hatten.

Entsprechende Argumente spielten auch bei der Vernichtung der Geisteskranken und sogenannten Asozialen eine Rolle. Der zigtausendfache Mord wurde umgerechnet in eingesparte Nahrungsmittel, freigewordene Krankenhausbetten und Anstaltsplätze. Die Ermordung von 70000 Geisteskranken bis zum August 1941 ergab für einen eigens mit dieser Rechnung beschäftigten Statistiker eine ausschließlich positive Bilanz. Hochgerechnet auf zehn Jahre hatte der Staat fast eine Milliarde Mark sogenannter „toter Kosten“ eingespart und für andere Zwecke, nämlich die des Krieges, freigemacht.“

Ja- die Massenvernichtung von „unwertem Leben“ hatte einen klaren, wirtschaftlichen Hintergrund. Kaum erstaunlich, dass die rot-grüne Regierung, die diese Sichtweise wieder in die Politik einbrachte, auch für den ersten Kriegseinsatz deutscher Bomber (mal wieder Jugoslawien, wie schon 1941) verantwortlich ist: der Geist des Faschismus bricht sich wieder Bahn, mit tödlicher Gewalt für Mindervölker – wie z.B. die Slawen, deren stärkste Nation – die „Russen“ – aktuell wieder im Düsterfokus der Medien stehen, mit dem designierten Antichristen Putin an der Spitze.

Bleiben wir bei dem Herrn Otto Donner, Mitarbeiter in Hermann Görings „Vierjahresplan“ – dem kleinen Gremium von Experten, welches Deutschland innerhalb von vier Jahren kriegsfähig machen sollte (und gemacht hat) und einen Großteil der Verantwortung für die NS-Vernichtungspolitik zum Beispiel gegen slawischer Kriegsgefangene und slawische Völker trug – oder für den Holocaust an den bis dahin komplett ausgeplünderten Mitmenschen jüdischer Religionszugehörigkeit. Otto Donner erhielt 1947 die US-Staatsbürgerschaft und eine Professur in Washington, 1968 erhielt er das Große Verdienstkreuz mit Stern, wirkte mit beim IWF und der Weltbank. Dort konnte er seine wissenschaftliche Erkenntnis weiterverbreiten, eine Gleichung, die besondere Aufmerksamkeit verdient (siehe Aly, a.a.O., Seite 55):

„Das Maximum dessen, was der Staat aus dem Arbeitsertrag des Volkes für sich in Anspruch nehmen kann, ist offenbar gleich der Differenz zwischen dem Gesamtbetrag der volkswirtschaftlichen Arbeit und dem Existenzbedarf der Zivilbevölkerung“.

Es ging natürlich um den Krieg und die Frage der „Notwendigkeit einer rigorosen Einschränkung des Bedarfes der Zivilbevölkerung“ (Aly, a.a.O., Seite 56), also um die Frage, wie man mehr und mehr Geld und billige Arbeitsleistung aus der Zivilbevölkerung herauspressen kann, um es dem Staat als Beute zur Verfügung zu stellen. Dass „Staat“ in diesem Moment „Raubstaat“ wurde und der Grundkonzeption des Staatsgedankens komplett widersprach, ging unter. Immerhin war Krieg. Doch die Lehre – und Donner – überdauerte den Krieg, wurde weiter verbreitet, denn viele Staatsdiener sahen da für sich schon einen ganz besonderen Vorteil: je mehr man aus dem Volk herauspresst, umso mehr war für einen selbst übrig.

Ungeheuerlich, oder? Der Staat als organisierte Räuberei – mit sieben Millionen Knechten, denen es ziemlich gut geht, vergleicht man ihre Versorgung mit der des „Niedriglohnsektors“, auf dessen Schaffung Kanzler Schröder so stolz war. Ich habe mir deshalb mal erlaubt, die Entwicklung der Diäten seit 2005 zu beobachten – also jener Bezüge, die sich der deutsche Bundestag ohne Kontrolle selbst zubilligt, während er die Regelsätze für Kinder von Ausgestoßenen (ja, denken Sie etwa, die haben ihre Arbeitsplätze selbst wegrationalisiert? Dafür gibt es eine ganze Branche von Experten, die das erledigt hatten, der Staat selbst war ganz vorne mit dabei) so gering hält, dass sie sich als Tagesmahlzeit gerade mal zwei Kugeln Eis erlauben dürfen. 2005 lagen die Diäten bei 7009 Euro – was in meinen Augen für eine leichte, sitzende Tätigkeit im Büro schon ziemlich viel ist. Heute liegen sie bei 9372 Euro (mit Aufwandspauschale: 10598 Euro auf 13 677 Euro – Quelle: Flegel-g). Das macht eine Steigerung von 33 Prozent. Die Staatsverschuldung stieg im gleichen Zeitraum 1,4 Billionen Euro auf 2 Billionen Euro – trotz massivem Sozialabbau. Für Misswirtschaft und Demokratieabbau gab es also richtig fette Prämien – und damit stoßen wir zum Kern des häßlichen Deutschen vor, der weniger daran liegt, dass er nicht durchgehend homosexuell geprägt ist, sondern eine Kultur der Asozialität lebt, die wieder zurückkehrt.

Wissen Sie, wie der polnische Bürger („Kaum gestohlen, schon in Polen“ – hört man auch schon mal in ZDF-Sendungen, ein Rassismus, den wir immer noch gerne haben, weil er … Slawen betrifft) mit Not umging? Bevor der kalte deutscher Herrenmensch ihm „Effizienz“ beibrachte (zu der immer der Massenmord an Minderleistern und die Enteignung von Schwachen gehört)? Ein amerikanischer Regierungsberater klärt darüber auf (siehe Aly, a.a.O., Seite 76):

„Ein entscheidendes Hindernis für die Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft lag nach Ansicht Buells und anderer Wirtschaftsstrategen darin, dass die Bauern ihre Überschüsse, soweit sie überhaupt welche erwirtschafteten, nicht produktiv in den Betrieb investierten. Stattdessen konsumierten sie, wie Buell beklagte, in „guten Zeiten“ mehr, sie bewirteten Gäste oder verschenkten, was sie erübrigen konnten, an arme Leute“

Sie verschenkten Überschüsse an arme Leute – wie grauenvoll. Interessant, dass sich die US-Regierung schon so früh Gedanken über die Wirtschaft anderer Länder gemacht hat. Ob man sich im Anschluss daran gefreut hat, dass der deutsche Geist diese Misswirtschaft beiseite gefegt hat und durchsetzte, dass jeder nur noch an sich selber zu denken hatte und „tote Kosten“ durch Massenmord beseitigt werden konnten?

Ja – der deutsche Geist. Er ersinnt aktuell ja wieder Maßnahmen gegen „unwertes Leben“, sucht – mal wieder – jeden Cent aus den Ausgestoßenen zu pressen, um die Luxusversorgung von Staatsdienern und Blockwarten gewährleisten zu können – und natürlich die fortlaufende Steigerung der Diäten des Deutschen Bundestages. Was wollte noch Andrea Nahles? Kürzungen bei der bestehenden Unterversorgung der Alleinerziehenden, wenn die Kleinen mal beim anderen Elternteil sind – wer solche Ideen verfolgt, wäre in Görings Gruppe „Vierjahresplan“ gut aufgehoben gewesen. Oder aktuell, wo man bei den Enteigneten und Entrechteten wieder nach Centbeträgen sucht und schaut, ob man die Versorgung von Arbeitslosen nicht irgendwie verwandten Rentnern aufdrücken kann (siehe FAZ). Die „nutzlosen Esser“ sollen wieder den größten Beitrag leisten – für die Fettsucht einer „Elite“, deren größte Leistung einfach nur Raub ist … das entnehme ich jedenfalls dem Handelsblatt, das sich schon 2009 zur immer weiter auseinanderklaffenden Einkommensschere äußerte (siehe Handelsblatt):

„Die meisten Soziologen erklären die Öffnung der Schere lieber mit der „Schließungstheorie“: Demnach gelingt es den finanziellen Eliten durch institutionelle Veränderungen, Klassenkonflikte und Diskriminierungsmechanismen sich selbst deutlich steigende Einkommen zu sichern und andere von den volkswirtschaftlichen Wohlstandsgewinnen auszuschließen.“

Eine Entwicklung, die sogar die zentrale Ursache für wachsenden Terrorismus sein soll (das darf man nur in den USA diskutieren, siehe Washington Post), während Deutschland lieber auf die Bekämpfung des „nutzlosen Essers“ setzt (und dem dabei nicht unwichtigen Einsatz der Bundeswehr im Inneren) und dabei wichtige Erkenntnisse der NS-Planer berücksichtigt, die Götz Aly unter anderem am Beispiel des Schauspielers Wolf Goette aufzeigt (Götz Aly, Hitlers Volksstaat, Fischer Verlag, 2. Auflage 2011, Seite 356):„Doch wie immer der Schauspieler Goette zu einzelnen politischen Aktionen stand, in jedem Fall schätzte er die beruflichen und konsumtiven Möglichkeiten, die ihm die deutsche Gewaltherrschaft in der „Schlaraffenstadt“ Prag verschaffte. Er war mit dem kleinen individuellen Vorteil beschäftigt und damit politisch neutralisiert“.

Eine Einstellung, die sich 2016 nahtlos auf den deutschen Durchschnittsbürger übertragen läßt.

„Die Tatsache, dass die Konsumenten hier Dinge zu einem sehr niedrigen Preis kaufen können, liegt daran, dass woanders Menschen auf Plantagen oder in Fabriken zu Hungerlöhnen arbeiten“ (siehe Deutsche Welle).

Die Tatsache, dass man wertvolle Dinge zu einem sehr niedrigen Preis kaufen konnte (zum Beispiel aktuell die Immobilien der Arbeislosen), hielt auch die Entrüstung beim Verkauf enteigneter jüdischer Wertgegenstände in Grenzen, ungeachtet der Tatsache, dass gerade jene Enteignung aus jüdischen Mitbürgern „nutzlose Esser“ machte – ein häßliches Verhalten, das man auch in der DDR beobachten konnte (siehe Uwe Johnson, bei Aly, Volksstaat, a.a.O., Seite 379):

„Nun musste ich noch mit ansehen, wie in Gneez die Möbel von Elise Bocks Schlafzimmer versteigert wurden. Sie waren Volkseigentum, seit Elise umgezogen war nach Westberlin. Da drängten Leute einander in einem schmalen, schmutzigen Hof vor den offenen Flügeln von Elises Fenstern. Darin trat auf ein Mann in abgewetztem Anzug, am Revers das Abzeichen der Einheitspartei, und hielt der Versammlung Bilder hin, einen Sessel, Lampen. Die Bieter, Alfred Fretwurst voran, johlten ihre humoristischen Anmerkungen, als seien sie jugendlich, oder angetrunken.“

Der häßliche Deutsche. Läßt auch gerne Flüchtlinge für 80 Cent die Stunde arbeiten (siehe swr) und nimmt es gelassen hin, dass die Lebenserwartung von Geringverdiendern des Prekariats beständig sinkt (siehe Süddeutsche). Doch darüber regt sich keiner auf. Aber wagen Sie mal, darauf hinzuweisen, wie diese „Politik“ positiv sanktioniert wird (durch ein Spitzenrating jener privaten US-Ratingagenturen, die die Versorgung der Staaten kontrollieren): sofort sind moderne Gesinnungswächter auf dem Plan, die – ganz in alter DDR-Tradition – Ihnen einen Platz am äußersten rechten Rand zuweisen. 1968 – als Uwe Johnson die Beobachtungen in der DDR machte, wären Sie noch „Kommunist“ gewesen (in der DDR schon damals „Nazi“), 1938, als die Grundlagen jenes deformierten Verständnisses von Staatswesen erarbeitet wurden, „Judenfreund“.

Die Aufkleber, die der häßliche Deutsche verteilt, ändern sich. Seine Gesinnung jedoch – bedarf wohl einer gründlichen politischen Bildung zum Thema: „Was sind demokratische Werte und warum lohnt es sich, diese auch durchzusetzen“ – womit der Soziologe … ohne dass es groß bemerkt wird … vor der Realität kapituliert, in dem er von „Lohn“ spricht, also vom individuellen Vorteil, den der häßliche Deutsche braucht – während der Pole einfach Überschüsse verschenkt.

Wie wir im superreichen Bundestag jedoch Empathie für Arme und Schwache erzeugen wollen – da habe ich keine Idee zu.

Welcher Geist im Bundestag herrscht, wurde aktuell anhand eines kleinen Beispiels wieder deutlich – ein noch nicht völlig konformer Abgeordneter tanzte aus der Reihe (siehe Spiegel):

Wenn es ums Auto geht, kann es auch unter Volksvertretern ruppig zugehen. Das musste der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek im Juli lernen. Gemäß den grünen Grundsätzen hatte er zuvor gefordert, man solle den Chauffeurdienst des Bundestags abschaffen, die Politiker könnten doch auch mit dem Fahrrad oder bei schlechtem Wetter mit dem Taxi zum Reichstag oder anderen Terminen fahren.

Seine Kollegen aus der Grünen-Fraktion fanden den Vorstoß gar nicht lustig. „Der Junge wurde erst mal in die Mangel genommen“, erzählt ein Abgeordneter, „beim Fahrdienst hört der Spaß einfach auf“.

Umweltschonende und sparsame Politik gleich: „Spaß“. So denkt der deutsche Bundestag. Da werden wir mit der politischen Bildung anfangen müssen – zum Beispiel mit der Erläuterung, warum Abgeordnete niemals „in die Mangel genommen“ werden dürfen – und warum man jeden, der dies tut, sofort verhaften sollte, weil er die Grundkonstanten demokratischer Willensbildung noch nicht mal im Ansatz begriffen hat.

Aber wir denken, die Gefahr droht von jenen, die keine gute Meinunge von Roma und Sinti haben (schlechte Meinung über Polen jedoch: das geht).

 

Der „Merkel muss weg“-Blödsinn: über neoliberale Strategien und den nächsten Krieg

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Montag, 2.5.2016. Eifel. Ja, was für eine Gaudi. Die AfD hatte Parteitag. Neue Umfrageergebnisse zeigen sie bei 18 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Eine neue Macht erhebt sich in Deutschland, alle schreien: sie sei „rechts“. Ja: so weit sind wir schon – die Rückkehr der NSDAP ist kaum noch zu verhindern … so jedenfalls gebärden sich die Politiker des etablierten Systems, die um ihre Pfründe fürchten – und so gebärden sich auch die an ihnen dran klebenden Journalisten, die genau wissen, was nun zu geschehen hat: Merkel muss weg (siehe Spiegel – oder Focus).

Seltsam, oder? Wir erinnern uns: Spiegel, Focus, ARD, ZDF – das war doch die „Lügenpresse“. „Merkel muss weg“ – das war doch die Forderung der „Rechten“, die genau diese „Lügenpresse“ als Feindbild hatten.

Rechts? Ach ja.

Fordern Sie doch mal von ihren Nachbarn, ihren Arbeitskollegen, ihrer Familie eine Definition von „rechts“. Was genau ist das eigentlich? Nun – „rechts“ ist: Merkel muss weg. Dafür gab es ja eigens eine Demo von „Rechten“ (siehe ntv). Die deutsche Bundeskanzlerin muss ziemlich „links“ sein, wenn die „Rechten“ das Heil in ihrer Abwahl sehen. Da spricht ja auch einiges für: war doch ihr erste Kabinett ein Sammelsurium von Randgruppen – ein Behinderter, ein Mann mit Migrationshintergrund, eine Frau, ein Homosexueller. Merkel realisierte die Träume aller „Linker“ in diesem Land und hob diskriminierte Minderheiten in Machtstellungen. Was hat uns das gebracht?

Gar nichts. Außer eine Reduktion der Hotelsteuer für Reiche.

Zur Erinnerung: die letzten siebzig Jahre galt die CDU als „rechte“ Partei – mit dem Ausruf: „Multikulti ist gescheitert“ (Angela Merkel). Eine klassische „Ausländer raus“-Partei – mit entsprechendem Wahlkampf (siehe – zur Erinnerung – Hagalil aus dem Jahre 1999, die auch die CSU ins Auge fasste). „Links“ war damals „rot-grün“, die berühmt wurden durch die ersten Bombereinsätze im Ausland nach dem Zweiten Weltkrieg und die völligen Entrechtung nicht mehr mit Gewinn vermarktbarer Mitmenschen, bekannt als „Hartz IV“.

Warum heißt es eigentlich nicht: CDU muss weg? Immerhin: wir haben keine Monarchie, Angela Merkel wird von einer ganzen Partei gestützt, ja, sogar von einem ganzen Establishment. Ein einziger Misstrauensantrag im Bundestag, unterstützt von der Mehrheit der Abgeordneten: schon wäre Merkel weg. So einfach ist das. So machtlos ist sie – allein. Was soll also dieses „Merkel muss weg“-Geschrei?

Nun – es erfüllt seinen Zweck. Wir handeln wieder nach dem alten Sündenbockprinzip: verbrennt die Hexe, dann hat der Teufel keine Macht mehr über das Dorf. „Generation Doof“ macht Politik – mal wieder.

Hinter Angela Merkel steht ein ganzer Apparat, ein ganzer Konzern – ach was: die ganze, geballte Macht der Konzerne, der Wirtschaftskonzerne, der Religionskonzerne, der Politikkonzerne. Keinen Millimeter würde die Politik von ihrem Kurs abweichen … selbst wenn wir Che Guevarra als Bundeskanzler wählen würden. Ist Merkel weg – kommt eben der nächste Kanzlerdarsteller, der die gewünschte Politik durchführen würde. „Merkel muss weg“ – lautstark geäußert von den Kritikern des „Systems“, des „Establishment“ – ist nur ein weiterer Schachzug dieses Establishment, die – angeblich „rechten“ Kritiker nur weiteres ausführendes Organ des Systems, das in seinem Inneren in der Tat zutiefst faschistisch ist – zumindest, wenn Sie meiner persönlichen Auffassung folgen wollen, dass der Faschismus immer und überall eine Bewegung ist, die Macht (und Geld) um ihrer selbst willen anstrebt. Hören wir dazu eine Stimme aus der Wissenschaft (siehe Nachdenkseiten):

Daher ist es aus Sicht der herrschenden Eliten sogar gewollt und erwünscht, dass sich die Bevölkerung über die Gier von Bankern, die Verlogenheit von Politikern, die intellektuelle Korruptheit von Journalisten oder die Grausamkeit oder den Sadismus von Folterexperten ereifert – also über Eigenschaften von Personen, die gerade das Produkt tieferliegender, struktureller Bedingungen sind und in deren Kontext geradezu Qualifikationsmerkmale darstellen – und dabei die strukturellen und institutionellen Ursachen und somit die eigentlichen Zentren der Macht aus dem Blick verliert!

Die ganzen „alternativen“ Medien – eifrige Diener des Systems. Der ganze Aufstand gegen Merkel – ein weiteres von hundert Ablenkungsmanövern. Wollen Sie wissen, wo die Quelle dafür liegt? Nein, dass wollen Sie nicht, es wird dort richtig gefährlich. Ich sage es Ihnen trotzdem, beunruhige Sie gern (siehe Ag-Friedensforschung):

„Der Chef der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP), Tom Curley, enthüllte vor wenigen Tagen eine fast unglaubliche Geschichte über die globale PR-Arbeit des US-Verteidigungsministeriums. Das Pentagon beschäftigt nur für ihre Öffentlichkeitsarbeit fast so viele Spezialisten, 27.000, wie das gesamte Außenministerium Beschäftigte hat (30.000).“

Nachrichtenagenturen – dorther beziehen unsere Medien den Hauptteil ihrer Nachrichten.

„Daß viele »westliche« Medien lügen, was das Zeug hält, ist kritischen Beobachtern seit langem klar. Neu hingegen ist, daß jetzt auch die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) etwas gemerkt hat: Ihr Chef Tom Curley kritisierte am Wochenende in der Universität von Kansas, der Druck der US-Streitkräfte auf Berichterstatter werde allmählich unerträglich. Hohe Generäle hätten gedroht, daß man »die AP und ihn zerstören wird, wenn er und die Nachrichtenagentur weiterhin auf journalistischen Prinzipien bestehen«. Seit 2003 seien elf AP-Journalisten für längere oder kürzere Zeit festgenommen worden.“

Das war 2009. Und diese Divisionen produzieren ziemlich viel Müll:

Für 2009 sei die Herausgabe von 5400 Pressemitteilungen, 3000 Fernsehspots und 1600 Rundfunkinterviews geplant – doppelt so viel wie vor zwei Jahren.

Wieviel die heute produzieren? Man weiß es nicht. Man kann aber andeuten, in welche Richtung das geht. 2013 schrieb ich etwas über seltsame Symbole im Vatikan, zitierte dabei einen Vatikan-Kenner (siehe Nachrichtenspiegel):

„Gegen Ende Dezember 1989 waren zehn Männer an den amerikanischen Präsidenten herangetreten, die als wahre Riesen in den größten, wichtigsten und wohlhabensten transnationalen Unternehmen galten. Männer, die die Kontrolle über Telekommunikation, und Elektronik und Öl, Agrarwirtschaft, Finanz- Versicherungs- und Rückversicherungswesen hatten“. (M.Martin, Der letzte Papst, Schneekluth 1997, Weltbild, Seite 221).

Ihr Anliegen? Die Warnung vor einem „Großeuropa“ inklusive Russlands, denen die USA nichts mehr entgegen zu setzen hätte.

Also wurde der große Pentagon-Apparat in Bewegung gesetzt, die Vorherrschaft der US-Konzerne über Europa (und den Rest der Welt) sicher zu stellen. Anfang 2014 standen wir am Rande eines neuen Krieges mit Russland, niemand nahm mehr Anstoß daran, dass wir das Hand in Hand mit faschistischen Kampfgruppen in der Ukraine taten. Wie durch Zauberhand waren in den letzen Jahren Nato-Basen rund um Russland geschaffen worden – „vertrauensbildende Maßnahmen“ sehen anders aus. Die deutsche CDU flankierte diese Maßnahmen im Rahmen der ihr nahestehenden Konrad-Adenauer-Stiftung und mischte sich massiv in die inneren Angelegenheiten der Ukraine ein, schickte sogar einen Wunschpräsidenten in dieses Land, der es bis zum Bürgermeister von Kiev schaffte. „Putin“ wurde überraschend ein Schimpfwort in Deutschland, trotz exzellenter wirtschaftlicher Beziehungen zu Russland marschierte die ganze deutsche Presse gegen ihn auf … ein Schulterschluß, der ihr letztlich den Titel „Lügenpresse“ einbrachte, so offensichtlich waren die Manipulationsversuche.

Das hiermit auch das Ende der freien Presse in Deutschland offenbar wurde, wurde nur am Rande diskutiert.

2016 ist das Großeuropa vom Tisch – dafür haben wir eine Reihe von enormen Krisen, viele begleitet von der US-Bank Goldman-Sachs, ohne deren Hilfe die „Elite“ in Griechenland gar nicht so viele Kredite auf Kosten der europäischen Bürger bekommen hätte – ja, sie wären gar kein Bestandteil der EU geworden. Die Anzahl der Krisen wurde 2015 um eine bereichert: die Flüchtlingskrise, die dem ganzen europäischem Kontinent einen beispiellosen Rechtsruck einbrachte, bis hin zu marodierenden Banden im Osten, die Jagd auf Flüchtlinge machen. Für Deutschland wurde medial ein massiver Druck für eine gedankenlose „Willkommenskultur“ ausgeübt, der – wie zu erwarten – massiven Gegendruck hervorbrachte. Wie durch Zufall kamen hauptsächlich junge, gesunde Männer ins Land. Während unser Wissenschaftler vor großen gesellschaftlichen Verwerfungen in China, Vietnam und Indien warnen, weil die Gesellschaften einen massiven Überschuss an jungen Männern haben (siehe z.B Stuttgarter Zeitung aus dem Jahre 2011), wird dieser Zustand in Deutschland künstlich herbeigeführt – unter dem Deckmantel einer „Willkommenskultur“, die schnell endete – und momentan darin gipfelt, dass in ganz Europa das Asylrecht praktisch abgeschafft wurde – außer für Syrer.

Man hätte Willkommenskultur auch anders gestalten können: Frauen und Kinder zuerst. Kinder vor allen Dingen – hätten sich hervorragend integrieren können, denn Kinder (auch Deutsche) kennen keinen Rassismus, finden das Fremde noch spannend und begegnen ihm mit großer Aufgeschlossenheit. Väter jedoch – sehen massive Konkurrenz um den Arbeitsplatz – eine Befürchtung, die in breiter Front von deutschen Konzernen angefeuert wurde, die sofort Platz hatten für die neuen Männer. Sicherlich erfolgt diese Selektion (die durch die Sperrung der Grenzen jetzt endgültig wird, da der Familiennachzug wohl der Vergangenheit angehört) nur zufällig.

Vielleicht sind Regierung und Wirtschaft ja einfach nur blöd, fällen ihre Entscheidungen ohne Plan nach aktueller Befindlichkeit, dem Wetter und dem willkürlichen Fall der Würfel – so jedenfalls könnte man vermuten, weshalb „Verschwörungstheorien“ ja auch massiv angegangen werden: immerhin setzen sie voraus, dass über Entscheidungen der Politik noch nachgedacht wird, dass Entscheidungen Ziele verfolgen und folgerichtig gefällt werden oder dass kriminelle Menschen geheime Pläne zum Machtgewinn schmieden … wie zum Beispiel TTIP. TTIP – ein „Handelsabkommen“ – wurde im Geheimen verhandelt. Beständig kommen neue „Geheimnisse“ heraus (siehe Spiegel). Zur Begriffsklärung: wenn mächtige Menschen im Geheimen Strategien zur Machtergreifung ausarbeiten, so ist das: eine VERSCHWÖRUNG. Kein Wunder, dass es verboten ist, sich über Ziel und Zweck dieser Geheimpolitik Gedanken zu machen. Was auch immer in diesen Geheimpapieren noch stehen mag, die auch unsere Abgeordneten nur unter entwürdigenden Bedingungen einsehen dürfen: von „Demokratie“ sind wir weit entfernt, wenn Regierungen im Geheimen zum Nachteil der Verbraucher und Bürger verhandeln.

Was die „Flüchtlingskrise“ brachte, die allein aus der Türkei her gesteuert wurde (weshalb auch gerade die Türkei ganz Europa erpressen kann, in dem sie den Flüchtlingshahn zu- und aufdreht, wie es ihr gerade gefällt): in ganz Europa bildet sich eine längst ausgestorben geglaubte Front von „autoritären“ (oder auch: faschistischen) Strömungen, wie geschaffen dafür, Unruhen im Volk nieder zu schlagen. Und dafür wird auch mitten in Deutschland geübt (siehe jungewelt):

„Rund 600 Polizisten und Militärangehörige haben in Weeze in Nordrhein-Westfalen angesichts verschiedener möglicher Szenarien in einer bürgerkriegsähnlichen Situation an einer Übung teilgenommen. Das am 15. April beendete Training fand auf einer privaten Kampfanlage statt, die auf einer verlassenen Kaserne des britischen Militärs entstand. Unter dem Titel »Lowlands Grenade« war dies Teil eines Programms, mit dem die Europäische Union die Zusammenarbeit bei gemeinsamen sogenannten Missionen verbessern will. Zur ersten Staffel 2014 waren Spezialeinheiten aus Kenia, Kamerun, Ruanda, Uganda und dem Sudan zugegen, in diesem Jahr waren Gendarmen aus der Türkei, Tunesien und Kamerun beteiligt.“

Was hier geschmiedet wird? Zufällig? Eine globale Schutzstaffel.

„2008 hatte die Europäische Kommission drei ähnliche Übungen in Italien, Frankreich und Deutschland finanziert. Damals war die Bundespolizei federführend und organisierte zuletzt ein sechswöchiges Training auf einer Kampfanlage der Bundeswehr. Mit von der Partie waren Gendarmen der berüchtigten »Berkut«-Einheit aus der Ukraine, die für Erinnerungsfotos in deutschen Wasserwerfern posierten.“

Der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko informiert in dem Artikel über seine vergeblichen Versuche, die Übungen besuchen zu dürfen. Die waren wohl auch: geheim.

Ebenfalls hinter verschlossenen Türen beschlossen: die Entsendung von je einem Batallion der deutschen Bundeswehr nach Litauen, Polen und Rumänien (siehe Spiegel), als „Abschreckung“ gegenüber Russland:

„Obama hatte im Vorfeld des Treffens in Hannover signalisiert, dass er vor allem Militärbeiträge aus Deutschland und Großbritannien erwarte.“

Der Artikel enthält einen besonders süffisanten Spaß:

„Deswegen pocht Berlin auf eine strikte Einhaltung der Nato-Russland-Akte, die eine dauerhafte Stationierung von Truppen der Allianz an der Ostgrenze verbietet.“

Ja – die pochen – und schicken derweil drei Batallione an die Ostgrenze der Nato.

Und da wollen Sie mir wirklich klar machen, dass mit „Merkel muss weg“ das Paradies kommt? Ich möchte noch etwas zitieren. Es lohnt, den ganzen Artikel zu lesen, eine Warnung aus den frühen sechziger Jahren vor den Mächten, die heute ganz offen jetzt Weltherrschaft ausüben (siehe Telepolis):

Diese Verbindung eines gewaltigen Militärapparates mit einer großen Rüstungsindustrie stellt eine neue Erfahrung in den USA dar. Der gesamte Einfluss – wirtschaftlich, politisch, ja sogar spirituell – wird wahrgenommen in jeder Stadt, in jedem Parlament unserer Bundesstaaten und jeder Behörde der Bundesregierung.

Wir erkennen die Notwendigkeit dieser Entwicklung an. Wir dürfen aber auch nicht die Augen verschließen gegenüber ihren schwerwiegenden Folgen. All unsere Bemühungen, Mittel und Existenzgrundlagen sind betroffen; das gilt auch für die Struktur unserer Gesellschaft.

Das waren die Worte von Eisenhower, 34. Präsident der USA, der auch ganz konkret wusste, was „Rüstung“ für die Welt bedeutet:

„Jedes angefertigte Gewehr, jedes zu Wasser gelassene Kriegsschiff, jede abgeschossene Rakete bedeutet im Endeffekt einen Diebstahl an jenen, die hungern und die nicht ernährt werden und an jenen, die nichts anzuziehen haben. Diese waffenstarrende Welt verausgabt nicht nur Geld. Es kostet den Schweiß seiner Arbeiter, die Erfindungsgabe seiner Wissenschaftler, die Hoffnungen seiner Kinder Die Kosten eines einzigen modernen Kampfbombers entsprechen dem Wert von: einer modernen Schule aus Stein für mehr als 30 Städte. Es bedeutet zwei Kraftwerke, von denen jede den Bedarf einer Stadt mit 60.000 Einwohnern versorgt.“

Mit dem Geld hätte man die Welt in ein friedliches Paradies verwandeln können – gäbe es nicht jenen „Komplex“, der die Geschicke der Welt in eine andere Richtung lenken wollte – und dies mit Vietnam demonstrierte. Heute hat dieser Komplex 27000 Mitarbeiter allein für die Kontrolle der Nachrichten – ohne, dass es jemanden aufregt.

Ja: meckern Sie nur über TTIP. Ich kann Ihnen sagen, was geschieht, wenn die EU das wirklich ablehnt: das „Rating“ der Staaten wird massiv abgesenkt (weil ja die Investoren hier weniger Sicherheit haben), wir kriegen keine neuen Kredite und können weder Renten noch Hartz IV bezahlen … um es mal drastisch auszudrücken. Wir könnten damit sowieso Probleme bekommen: dieses Land mit seinen massiven Staatsschulden investiert gerade gigantische Summen für … Autobahnen (siehe Spiegel). Wir haben andere Probleme: grassierende Armut, eine Welle von Altersarmut, große Mängel bei der Bildung, ja – von dem Geld könnte man ganz Syrien wieder aufbauen. Aber: Autobahnen sind bei mobiler Kriegsführung unverzichtbar für den immensen Nachschubbedarf moderner Armeen. Da müssen die Menschen eben mal – zurückstecken.

Wissen Sie übrigens, wie man unter anderem politische Systeme nennt, in denen die Macht von Konzernen und die Macht der Militärs Hand in Hand gehen? Faschistisch. Nicht „neoliberal“, wie wir das heute gerne benutzen. Und dieser faschistische Komplex (fein zu trennen von der freiheitsliebenden Bevölkerung der USA) hat nun die größte Armee der Welt, die meisten Atomwaffen – und das meiste Geld.

Und den wollen Sie allen Ernstes mit „Merkel muss weg“ beseitigen?

Schon über ihn zu reden ist … gefährlich für den, der es tut. Man ist dann „rechts“ – woraus man folgern kann, dass es sich bei der Machtzusammenballung innerhalb der USA um eine linke Gruppierung handelt, die für Frieden, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit weltweit antritt. Selten so gelacht.

Und die Motivation der Menschen, die diesem Komplex dienen? Alles sadistische Psychopathen mit großem Lustgewinn bei Folter, Verstümmelung und Massenmord?

Nicht nur. Vielleicht nur Menschen, die der Tatsache ins Auge sehen, dass unsere Kultur dicht vor dem sicheren Kollaps steht, wie eine Studie der NASA darlegt (siehe Tagensanzeiger.ch) – und die für sich persönlich und ihre Familien eine bessere Ausgangsbasis schaffen wollen.

Sie sehen: man braucht gar nicht viel „Verschwörung“, um zu erkennen, warum die absolute Macht wollen. Und warum „Merkel muss weg“ ein klasse Ablenkungsmanöver ist – wie vieles in dieser Zeit. Ein Manöver, das verhindern will, dass wir erkennen, dass „Neoliberalismus“ die Rückkehr des Faschismus in der Maske der Demokratie ist.

Hitler kommt zurück. Auschwitz auch.

Digital StillCamera
Donnerstag, 21.1.2016. Eifel. Ich weiß: viele mögen Facebook nicht. Es ist halt „was amerikanisches“. Und ein Konzern. Beides Sachen, die bei nachdenklichen Menschen nicht gut ankommen. Amerika macht nun seit Jahren mit Rechtsbrüchen besonderer Art von sich reden, Konzerne sind die Erzfeinde der Menschheit: man sollte beides meiden. Ich meide es nicht. Gut – ich bin überredet worden, dort eine Filiale einzurichten., bin also nicht voller Eigenmotivation da. Mitlerweile habe ich dort auch einige nette Menschen kennen gelernt, mit denen man auf diese Weise locker Kontakt halten kann. Zudem ist das Protestpotential des Internet sehr groß, es stellt insgesamt einen weiteren Schritt zu einer planetaren Zivilgesellschaft da – einer Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Und andererseits – kann man da schauen, was so gedacht wird. Dieses fand ich bei einem Betriebsrat, mit dem ich selbst keine Verbindungen habt:

„Traut euch für 5 Minuten vor zu stellen, wir hätten den Krieg gewonnen… gesund essen, kein Landverlust, keine Besetzer, keine Aliierten, keine Lügen, keine Unterdrückung, keine Versklavung, jeder könnte in Frieden leben, keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei… vor was haben denn Deutsche Angst? Arbeit? Was machen alle heute über 50 Jahre lang unter Zwang? Mit ca. 15 Jahren kommt man aus der Schule und geht zur Arbeit bis 67. Aktuell… und ich denke, es wird noch höher gesetzt werden… oder haben sie Angst, weil sie homosexuell sind? Ist uns doch egal, wer mit wem ins Bett geht, solange man Kinder in Ruhe lässt… diese sollten sich bitte alleine entwickeln dürfen, was sie mögen… denkt mal wirklich für ein paar Minuten darüber nach! Wäre das wirklich schlimm gewesen? Auch für andere? Hitler sprach nicht nur mit Deutschen, möchte auch Menschen, die sich uns anschlossen… komisch, dass jeder denkt, Deutsche wären Rassisten… die gibt es in jedem Land, Franzosen und Engländer sind bekannt dafür und auch Italiener mögen ihre Rasse… ist das falsch? Wenn man niemandem etwas böses tut, aber sein Land mag und es für sich und sein Volk gut meint? Ich hab gelernt beim Erste-Hilfe-Kurs: zuerst muss ich mich schützen, mit Warnweste und Warndreieck… dann sehe ich erst nach dem Unfallopfer… Sicherung, damit mir nichts passiert und ich dem Hilfsbedürftigen helfen kann… liegt in unserer Natur… was sollen wir gerade lernen? Unseren Instinkt zu überleben, einfach ablegen? Idiotisch diese links Denker… idiotisch…“

Ja – denken wir mal eine Minute drüber nach. Es hätte Millionen Tote unter der slawischen Bevölkerung gegeben: die waren Untermenschen. Wären die tot, hätte man bei den Biodeutschen nachgeschaut, wer da Vorfahren aus Polen hat. Ja – Polenfeindlichkeit ist noch heute groß in Deutschland – und Hitler hätte sie als „niedere Rasse“ einfach aussortiert und vergast. Die höhere Rasse – nun, die wäre selbst gezüchtet worden: Ärzte und Naturwissenschaftler waren begeistert vom Nationalsozialismus, er gab ihnen ungeahnte Möglichkeiten, an Menschen herum zu experimentieren.

Ich möchte nun den Namen dieser Person nicht preisgeben – es geht mir nicht um persönliche Hetzjagden zur Befriedigung der eigenen Menschenjagdlust, mir geht es darum, was inzwischen in Deutschland wieder gedacht wird – und welche Exzesse die Dummheit der Generation Doof gerade feiert. Sie sind ja auch nicht selbst Schuld an diesem Meinungschaos: die Schulen versagen da auf breiter Front. Wir setzen auf MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik – dort lernt man nichts über die Gräuel des Faschismus, seine sozialen Ursachen und seine wirtschaftlichen Grundlagen aber viel darüber, wie man ihn mit besseren Waffen und tödlichem Gas ausrüstet, wie man Atomsprengköpfe und Interkontinentalraketen baut, Massen von Menschen elektronisch erfasst und kategorisiert, effektive Vernichtungslager in Szene setzt und gegen alles Geistige im Land ein Maximum an Ignoranz hervorbringt. Zu politisch oder philosophisch differenzierteren Gedanken ist man in jenen Fächern gar nicht mehr in der Lage, es gilt, Wirklichkeit zu vereinfachen und zu vergewaltigen, um an der Absolutheit von Macht zu arbeiten, einer Macht, die man im Prinzip vergöttert und er der man gerne teil hätte.

Im Internet findet man ein angebliches Mussolini-Zitat (eine Originalquelle konnte ich dazu noch nie finden, dieses stammt von Radio Utopie):

„Der Faschismus sollte Korporatismus heißen, weil er die perfekte Verschmelzung der Macht von Regierung und Konzernen ist.“

Unabhängig, ob dieses Zitat wirklich von Mussolini stammt, sollte uns der Gedanke interessieren, da die Alliierten die deutschen Konzerne komplett zerschlagen haben: sie wurden als ursächliche Basis des Nationalsozialismus und des faschistischen Staates definiert. Bei den Montagdemos fand ich hierzu Informationen (siehe lokalkompass):

„Im Industrieclub von Düsseldorf wurde Hitler der Weg zur Macht geebnet. Im Januar 1932 trafen sich die NS-Führung und Industrie zu einer Versammlung. Die Industriellen wie z. B. Krupp-Thyssen, Persil deren Chef Jost Henkel lud Hitler und Co. zu diesem Vortrag im Industrie-Club ein. Insgesamt ca. 650 Industrielle und Bankiers kamen zu diesem Treffen, um Hitlers Programm kennen zu lernen. Hitler kam gerne und brachte Hermann Göring und den damaligen Führer der Terrortruppe SA, Ernst Röhm, mit.

Sie wissen ja: Montagsdemos: dass sind die Bösen. Das sagt jedenfalls Jutta D aus F. – und viele folgen ihr bequemerweise da. Stimmt – die sind böse. Dort ist noch bekannt, was Hitler noch so alles anrichtete:

„Die Verfolgung der Juden war ein Alibi, in erster Linie ging es den Nazis um die Vernichtung von Kommunisten oder allen Andersdenkenden gegen deren Terrorpolitik. Das beweist das Verbot sämtlicher Gewerkschaften und Verfolgung aller „nichtarischer“ Gruppen wie der Romas, Sintis, aber auch Antifaschisten, Behinderte und wie schon genannt der Juden“, hieß es in einer Wortmeldung.

Hätte Hitler den Krieg gewonnen, wären heute die Brillenträger dran … ach was, die wären schon längst vergast, sind halt auch minderwertig. Wir merken aber, warum die Montagsdemos böse (also: „NAZI“) sein müssen: hier wird noch Wissen tradiert, dass in der breiten Bevölkerung gar nicht mehr vorhanden ist. Ach ja: auch zum Thema Flüchtlinge hatten diese Montagsdemonstranten eine einstimmige Meinung:

„Alle Montagsdemonstranten waren sich einig, dass nicht zwischen politischen und wirtschaftlichen Flüchtlingen unterschieden werden darf. „Diese Menschen verlassen nicht aus Lust und Laune ihre Heimat, sondern weil ein Überleben in ihrem Staate durch Krieg, Verfolgung oder Unbewohnbarkeit des Landes nicht mehr möglich ist“, argumentierte einer der Moderatoren.“

Nun – diese Andersdenkenden wurden von einer breiten Front politischer Aktivisten in Deutschland verfolgt, die Person, die so laut nach Hitler rief, wurde völlig ignoriert. Keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei: für dieses Paradies kann man schon mal ein paar Millionen Andersdenkender vergasen, die mir ihren wirren Ansichten sowieso nur zu politischen Diskussionen aufrufen, was wertvolle Arbeitszeit kostet.

Nun – gegen die Andersdenkenden wird ja jetzt vorgegangen, damit endlich wieder Ruhe im Land ist. Nachdem ein Professor für Kommunikationswissenschaften die Bundesregierung vor der Unberechenbarkeit der demokratischen Mehrheitsbildung im Internet gewarnt hatte, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis die „Etablierten“ eine Polizei auf den Plan riefen. Zwar wird das solche Kommentare wie den obigen nicht stören (der ist ja nicht voller Hass, sondern nur voller Liebe für den guten Hitler, der uns das Paradies bringen wird), aber man hat ein effektives Werkzeug, mit dem man missliebige Meinungen breitflächig vergasen – quatsch – auslöschen kann. (Entschuldigung – ich bin da gerade sehr im Thema).

Verantwortlich für diese Arbeit ist nicht etwa die Polizei – die schon jetzt politisch bedenkliche Hasskommentare jederzeit ahnden kann – sondern eine Konzerntochter von Bertelsmann: jenem Konzern, der hinter den Kulissen (zum Beispiel durch Bertelsmannpartys, in denen man sich gezielt Netzwerke zur gesellschaftlichen Einflussnahme aufbaut) viele Fäden zieht und massiv Einfluss auf die gesellschaftliche Wirklichkeit nimmt (siehe z.B. Handelsblatt) – unter anderem haben wir diesem Konzern Hartz IV zu verdanken. Hartz IV? Hören wir mal eine erfahrende Schauspielerin, diese Berufsgruppe hat regelmäßig mit Hartz IV zu tun (siehe Süddeutsche):

„In gewisser Weise ist Hartz IV schlimmer als offener Strafvollzug: Kein Krimineller darf vor seiner Verurteilung bestraft werden, und die Lebensgrundlage (ein Bürger- und Menschenrecht!) wird nicht einmal einem Mörder genommen, „Hartzern“ dagegen schon, denn der „Entzug des Lebensminimums“ wird unter dem Schönsprechtitel „Sanktion“ gern und oft auch grundlos verhängt. „Widerspruch“ oder Klage haben keine aufschiebende Wirkung; doch wer nach dem (oft mehrjährigen) Prozess noch Obdach hat und lebt, hat gute Chancen, ihn zu gewinnen.“

Und das geschieht unter dem Banner der Demokratie, unter dem Siegel von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Nein, natürlich nicht. Das Banner ist ein anderes, wie schon vor 84 Jahren, als die deutsche Lumpenelite einen „Führer“ an die Macht brachte, der zu dem Zeitpunkt politisch wegen verlorener Wahlen schon längst erledigt war.

Hartz IV scheint das Äquivalent zu den ersten Konzentrationslagern (nicht zu den Vernichtungslagern – da bestehen noch Unterschiede), allerdings hat man gelernt: man setzt auf kostengünstige und renditefreundliche Freilandhaltung. „Arbeit macht frei“ ist allerdings schon wieder Leitspruch für die Opfer.

Nun löscht eine private Firma „Hasspostings“. Die Behauptung von „Mimikama.at“ – einer Plattform, die von sich behauptet, über Internetmythen aufzuklären, dass Bertelsmann und Facebook überhaupt nichts miteinander zu tun haben, ist schlichtweg falsch (siehe Mimikama.at):

„Zwischen dem Springer Konzern und Facebook besteht keinerlei Zusammenhang“

Den Zusammenhang stellen die Leute von „Mimikama“ zwei Sätze später selber her:

„Jene Task-Force wird von „avarto“ organisiert, ein Tochterunternehmen von Bertelsmann, welches sich weltweit als Outsourcing-Dienstleister anbietet.“

Zurück zur Realität: hier unternimmt nun ein privater Konzern hoheitliche Aufgaben. Welche politische Ausbildung haben diese Leute eigentlich, um unterscheiden zu können, was ein „hetzender Hasskommentar“ ist – und was regierungskritische Meinung? Ich denke schon, dass man hierfür ein hohes Maß an Differenzierungsfähigkeit braucht – oder einfach ein Blatt Papier, auf dem der Supervisor notiert hat, welche Wortkombinationen gelöscht werden – ohne dass sich je irgendeiner mit Ziel, Absicht und Inhalt der Botschaft auseinandergesetzt hat. Was wann wie und wo gelöscht wird: das wird man nur mühsam rekonstruieren können.

Nun: obiger Post ist – wie gesagt – kein Hasskommentar, sondern eine ganz einfach Meinung. Sie steht auch nicht allein im Raum. Die Zeitschrift „Die Gießkanne“ hatte 2014 eine Umfrage veröffentlicht, bei der deutsche Schüler sich zu Adolf Hitler äußern konnten – hier ein Beispiel aus einem Gymnasium (siehe jan causa.de):

„er hat arbeit für deutsche vaterland geleistet, bruder, und hat nie Drogen genommen oder Tiere verletzt bruder deshalb war guter mann eh“

60,6 Prozent der befragten 2000 Schüler zeigten mangelhaftes Wissen über diese Zeit – und kommen deshalb auf lustige, aber in letzter Konsequenz gruselige Gedanken. „War ja nicht alles schlecht unter Hitler“ ist wieder absolut gesellschaftsfähig, aber Montagsdemos für den Frieden sind faschistisch … soweit sind wir schon. Der Schritt wieder einen Hitler zu bauen, ist nur noch winzig klein. Andere faschistische Aktionen laufen schon seit Jahren parallel, wieder einmal getragen vom Kapital und seinen MINT-Bütteln, zu denen wir auch die deutsche Ärzteschaft zählen dürfen.

Überrascht? Die träumten schon lange vor Hitler von der reinrassigen Gesellschaft und fanden in ihm den idealen Erfüllungsgehilfen für ihre lang gehegten Horrorphantasien – und in den Konzentrationslagern ideale Forschungsbedingungen, die sie weidlich ausnutzen. Heute träumt man in diesen Kreisen wieder den Traum vom „reinen Herrenmenschen“, der rein genetisch definiert wird, aber nicht mehr wie bei Hitler durch Zuchtauslese geschaffen, sondern gleich von vornherein als Herrenmensch konstruiert wird – mit politisch gravierenden Folgen:

„James D. Watson, einer der Initiatoren und für kurze Zeit Direktor des Humangenomprojektes“ hält „Menschenrechte“ für „leeres Gewäsch“, das „völlig daneben“ sei“. (aus: Stefan Rehder, Gott spielen, Pattloch 2007, Seite 23).

Eine typische MINT-Meinung: bildungsfern, menschenfern, ohne das geringste geistige Reflexionsvermögen – fehlt nur noch die SS-Uniform, um das Drama zu vervollständigen.

Unsere guten Ärzte machen da nicht mit? Schön wäre es. Hören wir dazu den Bonner Strafrechtler Günther Jakobs, der sich über die unaufhaltsam kommende Euthanasie äußerte:

„Die Ärzte machen das schon. Eine Profession, die keine Probleme damit hat, jährlich 200000 Embryos zu töten, wird auch mit der Tötung auf Verlangen keine unüberwindbaren Probleme haben – vorausgesetzt, die Gebührenordnung stimmt“. (Gott spielen, a.a.O., Seite 33).

Was dieser Jurist fordert, ist nicht weniger als die Lösung des Problems der Gesundheitskosten, die vor allem in den letzten Lebensjahren des Patienten explodieren: wie schön wäre es, wenn man sich dies ersparen könnte. Die christliche Ethik, die dem im Wege steht, ist von gestern – nicht umsonst sind MINT-Büttel streng materialistisch geprägte Atheisten:

„Meine Generation wird sich jedenfalls nicht gefallen lassen, dass eine religiöse Minderheit der Gesellschaft vorschreiben will, was sie tun und lassen darf“ (Gott spielen, ebd.)

Naturwissenschaft ohne Geist findet im Faschismus ihre ideale Grundlage. Dort, wo der Mensch nur ein Zellhaufen ist, kann er bei mangelndem Nutzen jederzeit kostengünstig entsorgt werden: wir stoßen hier in Abgründe menschlichen Denkens vor, die allen anderen Menschengenerationen völlig fremd waren und die selbst den größten Barbaren abartig vorgekommen wären, von den MINT-Nazis aber mit Wollust in die Tat umgesetzt werden – aber nicht nur von denen.

Die rot-grüne Bundesregierung – der wir Hartz-IV zu verdanken haben, ein Gesetz, dass die Nutzbarkeit von Menschenmaterial per Staatsgewalt optimieren soll – hat durch die Deregulierung des Finanzsektors den Menschenausschlachtern der Finanzbranche Tür und Tor geöffnet, niemand findet den Mut, sich den „Märkten“ entgegen zu stemmen. Das führt zu Erscheinungen seltsamster Art, die jeden Bürger direkt betreffen – wenn er mal nicht mehr leistungsoptimiert werden kann. So ist es möglich, dass „Investoren“ Altenheimketten aufkaufen können und mit ihren Mathematikern deren Rentabilität optimieren. Was geschieht dann vor Ort?

„Ich habe kaum Zeit für die Bewohner, vor allem Nachts nicht, weil ich da allein für über 30 Senioren zuständig bin. Außerdem wird an Reinigungskräften gespart. Ich muss nachts die Bäder putzen, Wäsche austeilen, Rollstühle abwaschen und die Dokumentationen machen“,“Nach außen wird betrogen: auf den Dienstplänen stehen Mitarbeiter, die gar nicht mehr da arbeiten“ es wird berichet „dass Wäsche und Windeln gespart würden und die Heimbewohner oft im Nassen lägen. Andere Senioren würden – ohne ärztliche Versorgung – mit Tabletten ruhiggestellt“. (Aus: Jürgen Roth, Gangsterwirtschaft, Heyne, aktualisierte Taschenbuchausgabe 10/2012, Seite 293-294)

Wenn die im Nassen liegen, verfaulen die bei lebendigem Leib, kommt noch Kot dazu, werden sie bei lebendigem Leib verdaut – ein Grauen, dass Konzentrationslagern nahe kommt und das für die meisten von uns Zukunft sein wird, weil der Faschismus halt regelmäßig jene Probleme löst, die der Kapitalismus allein nicht lösen kann: zum Beispiel die Vernichtung der wachsenden Armut durch Massenvernichtung der Armen, gerne auch durch Arbeit.

Und hier kommt die Masse ins Spiel, die – wie der oben zitierte Hitler-Fan – vor allem strikt gegen „links“ ist. Ja – links ist böse, dass haben wir gelernt. Rechts ist auch böse – das hören wir gerade überall. Aber da ist ja noch der goldene Mittelweg offen, jener Weg, der früher – ausgeklügelt und perfekt berechnet – als „Nationalsozialismus“ verkauft wurde, demnächst aber sicher einen anderen Namen hat … „die Mitte“ klingt da ganz gut. Was war das doch für eine wunderbare Zeit damals: der Gutmensch hatte absolute Regierungsgewalt, die Arbeitslosen wurden von der Straße gejagt, der Führer wer tierlieb, kinderlieb, war Vegetarier und nahm keine Drogen, außerdem fuhr er immer in einem offenen Auto durch die Menge, die ihm zujubelte – ganz anders als der Merkel. Und seine Hetzreden gegen die vom Kapital unterwanderte und degenerierte Demokratie werden heute wieder gern gehört.

Ich habe übrigens auch noch andere hetzende Hasssätze im Internet gefunden.

„Aber es hat sich – eher unabhängig von politischen Überzeugungen – insgesamt eine Netzöffentlichkeit erhoben, die in irritierend großen Teilen eine Fratze ist.“

„Denn intensiv diskutierte Ereignisse sind für viele Millionen Menschen in diesem Land eine fantastische Gelegenheit zum Schnauzehalten, die sie sämtlich verpassen. Es ist ein Segen, dass sich alle öffentlich äußern können, und eine Ernüchterung, auf welche Weise dieses Recht wahrgenommen wird.“

„Und meine Güte, was für ausgedehnte Ödsümpfe der Stumpfheit, die in der Kommentarlandschaft sichtbar werden.“

„“Es regnet, weil die Straße nass ist“, in den digitalen Fußgängerzonen fände man Aberhunderttausende, die diesen Satz nicht nur unterschreiben, sondern gleich zur Bundestagspetition ausformulieren würden, inklusive der Forderung, Regen zu verbieten und die Straße abzuschieben.“

„Besonders absonderlich ist dabei die fragmentierte Partialdumpfheit, bei der jemand zu Kultur oder Unterhaltung Kluges oder wenigstens Unterhaltsames äußert, nur um anschließend maximal hanebüchene Gedanken zum Weltgeschehen herauszututen.“

„Mit den sozialen Medien ist dabei eine nationale Größenordnung erreicht: Hättet ihr geschwiegen, wäret ihr weiter für potenziell zurechnungsfähig gehalten worden.“

Solche Sätze werden wohl nicht gelöscht, obwohl sie vor Verachtung triefen – einer Verachtung, die geradezu nach Vernichtung der unzurechnungsfähigen Fratzen schreit. Sie stammt von … Sascha Lobo, einem der hauptamtlichen Kommentatoren im Spiegel (siehe Spiegel-online).  Und diese Sätze sind noch mit einer Drohung versehen:

„Um so bitterer, weil man im Hintergrund bereits hämisch antidemokratische Elitisten lachen hört, die noch nie Vertrauen in die Zurechnungsfähigkeit der Vielen haben wollten.“

Der arme Herr Lobo: wir können nur bedauern, dass er gezwungen ist, sich den antidemokratischen Elitisten zuzuwenden, weil wir Bürger halt einfach viel zu „stumpf“ sind – im Vergleich zu ihm.

Und was sagen die Bürger?

Nun: Hitler kommt zurück – als Ikone des veganen antikapitalistischen Widerstandes … und als Exekutor der Rassenhygiene der genetisch optimierten Maximalleister. Auschwitz kommt auch zurück: als mathematisch zwingend logische Lösung finanzieller Probleme, die sich aus dem Gebot der Renditemaximierung ergeben (ist also nicht persönlich gemeint, wie es so schön heist).

Wenn ich nun daran erinnere, dass der NS-Staat auch eine SS-Division aus muslimischen Freiwilligen schuf, die mit „exzessiver Grausamkeit“ gegen „Kommunisten“ und „Partisanen“ vorging (siehe Wikipedia): sind dann endlich alle durcheinander … und verstehen, welchen Nutzen die „Elitisten“ spontan aus vielen jungen Männern schöpfen könnten, die hier keinerlei Wurzeln haben und völlig in der Hand des Staates sind, der ihre Versorgung jederzeit – per Sanktion – einstellen kann?

Ich denke: wäre ich ein „Elitist“ – von deren Existenz wir ja dank Herrn Lobo jetzt wissen – ich würde diese Gelegenheit erkennen … und im Notfall auch nutzen, gerade jetzt, wo der Kommunismus zeigt, wie leicht man allen Menschen zu großen Eigenheimen für 15 Euro im Monat verhelfen kann, welche Lebensqualität ein Leben unter der Parole „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit“ erreichen kann: ganz fernab jeglicher Ausbeutung und Leistungsoptimierung (siehe die Erfahrungen im Dorf Marinaleda, einer demokratischen und antikapitalistischen, genossenschaftlich organisierten Gemeinde in Spanien, z.B. bei erhöhtesbewusstsein).

Wenn „die Vielen“ merken, dass es eine Alternative gibt, von der 99 Prozent der Menschen profitieren können, was dann? Dann hat jenes Prozent der Besserverdiener ein Problem, das man mit Hilfe kampferprobter und kriegserfahrener Söldner in den Griff kriegen kann.

Aber so schlimm denken die Elitisten ja nicht, oder?

 

Deutscher Faschismus 2.0: das weltweite Erfolgsmodell – die Gesellschaft der Angst

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Donnerstag, 29. Oktober 2015. Eifel. In welcher Zeit leben wir eigentlich? Blöde Frage, oder? Und doch interessiert mich Ihre Antwort. Antworten aus den USA zeigen, dass wir – angeblich – am „Ende der Geschichte“ angekommen sind: nach dem Ende der Sowjetunion hat die demokratische Zivilgesellschaft ihr Endziel erreicht, die Geschichte hat alles ausdiskutiert, unsere Aufgabe ist es nur noch, sie zu rekonstruieren und gemütlich im Wohnzimmer zu diskutieren. Eine feine Vorstellung, oder? Damit hat die demokratische Zivilgesellschaft die Ideale eines Adolf Hitler … bzw. die Ideale seiner heute noch wirksamen Anhänger … vollendet in die Tat umgesetzt. Hitler gab vor, was der Deutsche brauchte: ein Radio (Fernsehen war damals noch nicht in großem Umfang realisierbar), ein Auto (samt Autobahnen), einen Kühlschrank und natürlich: eine Wohnung, wo er mit seiner Frau und seinen Kindern allein vor sich hin lebte: ein erfolgreiches Lebensmodell, dass die Nürnberger Prozesse unbeschadet überstand und noch siebzig Jahre später den Alltag des ganzen deutschen Volkes (ja, der ganzen, zivilisierten Welt) bestimmt – ohne, dass sich jemand groß darüber aufregt.

Wir schauen auf den Faschismus meistens nur mit einem sehr eingeschränkten Blick: da waren die bösen Nazis, die plötzlich aus dem Nichts erschienen – unmenschliche, kalte, dunkle Gestalten, stark und unerbittlich, die sich anschickten, mit dem kleinen Deutschland die ganze Welt zu erobern, dann die armen Juden, die nach jahrtausendelanger internationaler Verfolgung (die kaum jemanden interessiert) fast vor der völligen Vernichtung standen und die guten Amerikaner, die die Welt vor den Superbösen retteten. Das ist doch die Geschichte, oder? Ich habe sie ein wenig aus dem „Schwarzbuch USA“ entlehnt, wo ich die Bermerkung fand, dass die USA ohne die Nazis gar nicht denkbar wären: der Kampf gegen das Superböse formte eine ganze Nation und spiegelt sich heute noch in hunderten Hollywooddramen wieder.

Auch ja: Dramen, die Urquelle menschlicher Konflikte. In der Transaktionsanalyse habe ich gelernt, dass wir zu der Aufführung von Dramen immer drei Bestandteile brauchen: erstmal das arme Opfer, dann den bösen Täter und letztlich den guten Retter: so einfach funktioniert Politik in demokratischen Zivilgesellschaften, mit den Sozialautisten in ihren kleinen Wohlstandsburgen kann man das machen. Schauen Sie sich mal die Kriege der „Guten“ in den letzten Jahrzehnten an: das Muster ist immer noch dasselbe wie 1942: ein Superböser (Saddam Hussein, Gaddafi, Assad, Putin – oder „der Arbeitslose“) greift arme Unschuldige an (Minderheiten, Bürger, Nachbarn), die von den Superguten gerettet werden: so konnte man sogar die Grünen verführen, Bomben auf Zivilisten werfen zu lassen und sich ultragut dabei zu fühlen.

Das läuft auch heute noch, damit wird gezielt die Masse gesteuert, die – immer noch streng nach Hitlers Wunsch – isoliert vor den Bildschirmen sitzt und beständig mit einfachsten Mitteln jeweils dorthin gesteuert werden kann, wo man sie gerade braucht: war gestern noch der Mensch mit „Migrationshintergrund“ Gefahrenquelle Nr. 1 für die Gesellschaft, ist heute der Flüchtling der Segen der Demokratie … jedenfalls so lange, bis anders entschieden wird.

Es war natürlich nicht Hitler allein, der auf solche Ideen der Massenbeherrschung kam: es war die Elite er deutschen Gesellschaft, der Adel, die Instustriebarone und Banker, die vor allem ein Problem hatten: wie schützen wir unsere Raubbeute vor sich solidarisierenden Massen – wie verhindern wir „Revolution“. Die Antwort war – wie geschildert – einfach: wir packen sie in Einzelhaft in kleinen Wohlstandszellen, predigen ihnen, dass sie der Gipfel der Zivilisation sind und sorgen dafür, dass sie sich zu Tode amüsieren, während wir dann freie Hand haben, alle nutzlosen Geisteskranken in Massen zu ermorden, um uns an den eingesparten Geldern weiter zu bereichern.

Diese Gesellschaft ist natürlich eine Gesellschaft der Angst, dass wussten schon die Indianer. Hat sicher jeder schon mal gesehen, den Häuptling, der seinem Stamm zeigt, wie man unbesiegbar wird: er nimmt eine Hand voll Zweige und zerbricht sie einzeln, während er jedes Stammesmitglied anschaut … dann nimmt er ein Bündel von Zweigen, dass sich als unzerstörbar erweist. Die Botschaft ist klar: Einigkeit macht stark. Einigkeit jedoch ist in einem Volk, das sich kollektiv in Wohlstandsblasen isoliert, kaum zu erzielen – sie sind nur – streng nach Hitlers Wünschen – ein leicht dirigierbares schwaches Volk von Einzelgängern, die jeder ekeligen Sauerei in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hilflos gegenübersteht … und hemmungslos ausgeplündert werden kann.

Deshalb – machen solche Bewegungen wie Pegida dem „Establishment“ Angst – wobei es vollkommen unerheblich ist, wie rechts die eigentlich wirklich sind. Schaue ich in deren offizielles Programm (was die – weil die ja superböse sind – nur zur Tarnung geschrieben haben: solche List macht sie geradezu doppelt superböse), so finde ich viele ganz zivile Forderungen – und überhaupt kein „Ausländer-raus“-Gedröhne.

Die Angst des Establishment vor Pegida hat jetzt Jakob Augstein deutlich formuliert, er warnt davor, dass „Der Faschismus lebt“ (siehe Spiegel), beklagt unzureichende Ursachenforschung und bezieht sich hauptsächlich auf einen anderen Artikel des einflussreichen Soziologen Heinz Bude, den dieser aktuell in der FAZ veröffentlicht hat (siehe FAZ): Wutbürger, Die Koalition der Angst: Wenn Dienstleistungsproletarier und prekär Wohlhabende sich in einem diffusen Misstrauen gegen das gesellschaftliche System in Deutschland verbünden, wird es brenzlig im Land.

Er macht eine interessante Bemerkung am Rande:

Der Industriemeister, der mit einem mittleren Schulabschluss bei Audi Karriere gemacht hat, gehört zu den Etablierten, die Solounternehmerin aus dem Coachinggewerbe zu den Prekären. Man muss auf der Hut sein, weil auf den sukzessiven Statuserwerb im Lebenslauf in der Regel kein Verlass mehr ist. Durch unvorhersehbare Lebensereignisse wie eine Trennung oder eine Überschuldung ist man mit einem Mal von der oberen in die untere Mitte abgerutscht.

Und wenn der Industriemeister zufällig beim kriminellen VW-Konzern gearbeitet hat, der sein Geld mit manipuliertem Sondermüll auf vier Rädern verdient, dann kann er ganz schnell ebenso abrutschen, wenn der Konzern seine Minderleistung durch Massenentlassungen ausgleicht und dabei vor allem die Alten und Kranken entsorgt.

Locker redet Bude von den Millionen entsorgter: den Arbeitslosen, dem „Dienstleistungsproletariat“ (was für ein abscheulicher, entwürdigender Begriff – die Zeiten der „Raumpflegerin“ sind wohl vorbei, die „Putze“ kommt zurück) oder denen, die „auf den Winner-take-all-Märkten von Sportmedizinern, Webdesignern oder Gartenarchitekten auf der Strecke geblieben sind.“ – kurz all jene, die völlige Versager sind, weil sie auf dem Weg vom Tellerwäscher zum Millionär hängengeblieben sind – und das zu Zeiten, wo jeder milliardenschwerer Oligarch werden kann, wenn er es nur wirklich wolle (wie uns der russische Oligarch Chodorkowsky belehrte, bevor er inhaftiert wurde – wir berichteten).

Und er trägt auch eine konkrete Forderung vor:

Wenn dann eine Figur kommt, die sagt, ich lasse mich nicht belügen, ich lasse mir den Mund nicht verbieten, und ich weiß, was ich weiß, dann ist eine Politik gefordert, die keine Angst vor den Ängsten der Leute hat.

Die Politik des starken Mannes, der gegenüber dem Proletariat durchgreift, der das Pack beim Namen nennt, der es wieder in Lagern konzentriert, damit sie mal darüber nachdenken können, warum sie im besten Deutschland aller Zeiten leben und es diesem Land supergut geht. Nein- ich spiele jetzt nicht auf den unsäglichen Akif Pirinnci an, sondern auf Oliver Polak, der in der Welt die Wiedereröffnung der Konzentrationslager gefordert hat – diesmal jedoch für Nazis … oder die, die gerade per Akklamation zu Nazis bestimmt werden. Gleiche Behandlung wie für Juden, nur diesmal ohne Gas (siehe Welt). Dafür, dass Pirinnci dem System unterstellt hat, dass sie dies möchten, wurde er massiv angegriffen und wirtschaftlich ruiniert – dass Pollak sich diese Reaktion wünscht … von einer Politik, die keine Angst vor den Ängsten der Leute hat … hat niemanden echauffiert. Das Dramadreieck funktioniert wieder hervorragend.

Der gleiche Soziologe hat letztes Jahr noch einen anderen Artikel geschrieben: einen Artikel über die Gesellschaft der Angst, über die Sklaven der Work-Live-Balance (siehe Spiegel). Es ist ein Artikel über die aktuell Vierzigjährigen, die – oft vergeblich – versuchen, alle Ansprüchen der Gesellschaft zu erfüllen: Optimierung der Arbeitsleistung, Optimierung der eigenen Schönheit, Optimierung der Gesundheit, komplette Anpassung an das Idealbild der Werbung. Natürlich sind diese Menschen „selbst schuld“ an ihrer Misere, die direkt in Depressionen führt, mit keinem Wort wird erwähnt, dass die Philosophie des „Führen mit Zielen“, die breitflächig aufoktroiert wurde, jeden Arbeitsprozess in ein sich beständig schneller drehendes Hamsterrad verwandelt hat, während die Politik des „Hartz IV“ (unter breitem Beifall von Wirtschaft, Medien und Gesellschaft) dafür gesorgt hat, dass auf jene, die aus dem Rad herausfallen (und das sind fast alle – bis auf ein Prozent, das mit Absicht sehr sehr reich gemacht wird), die soziale Hölle wartet.

Wissen Sie, woran diese „fit-for-Job“-Generation auch arbeitet – mit Hochdruck? Schauen Sie sich einfach mal in Ruhe die Analyse der Bewerbungsphotos der Selbstoptimierer an, schauen Sie sich an, wie das „perfekte Bewerbungsbild“ gestaltet ist … jenes Bild, dass dereinst noch aus dem Automaten kommen konnte, weil es im Prinzip für die meisten Arbeiten egal ist, wie man aussieht (siehe Wiwo): was da für eine Engergie investiert wird, wie da jedes auch nur allerkleinste Detail ausgearbeitet wird … um die eigene Vermarktbarkeit zu erhöhen. Das ist ein Markt von Sklaven, die sich gegenseitig ausstechen wollen, um versteigert zu werden – und eine ganze Generation von Beratern, die ihnen bei der Verbesserung der Ersteigerbarkeit hilft. Das ist eine Gesellschaft, wie ein Hitler sie sich gewünscht hätte, eine Gesellschaft, in der jeder mit Eifer danach trachtet, dem Idealbild des genetisch hochwertigen Ariers zu entsprechen und möglichst supergesunde Gene im Bild präsentieren zu können. Was hat diese Welt noch mit jener zu tun, die wir dereinst das „christliche Abendland“ nannten, jener Welt, in der jeder einzelne Mensch ein gottgewolltes, perfektes Kunststück war, geachtet von der höchsten denkbaren Autorität … jener Welt, der wir den Grundgedanken der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verdanken, die aus den Gräueln der NS-Zeit erwachsen ist?

Ganz klar: Nichts.

Ich möchte einmal einen kurzen Passus aus einer ARD-Sendung zitieren, von „Planet Wissen“, die sich mit dem Gedanken beschäftigte, was denn gewesen wäre, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Antwort … fand ich verblüfffend (siehe ARD):

Für die in dem „germanischen Reich“ lebende Bevölkerung sollten strenge Regeln gelten: Die Lebensführung des Einzelnen hätte der Staat von Kindesbeinen an diktiert, von der Hitlerjugend bis zum Nazi-Seniorenwohnheim hätte die Partei starken Einfluss auf die Gesellschaft gehabt. Gesteuert werden sollte das Reich durch eine Elite, die aufgrund ihrer Gene für jegliche Aufgaben innerhalb der Führungsriege eingesetzt werden konnte.

Diese „Elite“ haben wir heute, sie formiert sich gerade immer geschlossener. Heute Ministerpräsident, morgen Konzernchef – alles ist mit diesen Elite-Wesen möglich. Das Leben des normalen Menschen wird komplett durchorganisiert: Kleidung, Tagesablauf, Bildung, Glaubensgrundsätze – es wird ein standardisertes Massenwesen geschaffen, von der Wiege bis zur Bahre … betreut von RTL (die sich diese Ziel ja wirklich auf die Fahne geschrieben hatten). Werkzeug hierbei ist jedoch nicht mehr der SA-Mann sondern die wirtschaftliche Abhängigkeit des Individuums von seiner Umwelt. So läßt sich steuern, dass der moderne, deutsche Arbeitnehmer Schritt für Schritt an seiner optischen Optimierung arbeitet, seine Vermarktbarkeit beständig selbst im Blick hat, sich selbst nur noch als käufliche Ware sieht – der große Siegeszug der Prostitution und Sklaverei … und der große Triumph des Adolf Hitler im 21. Jahrhundert.

Wer sich gegen diese Form des Faschismus wendet, wird – streng im Sinne der Transaktionsanalyse – von den austauschbaren Elitewesen (die um ihre beständige Ersetzbarkeit auf jeder Stufe der Hierarchie wissen) automatisch unisono zum Superbösen erklärt: und das ist aktuell (aufgrund der weltweiten Dominanz der US-Kultur) der „Nazi“ – wie ihn Hollywood unaufhörlich vorstellt.

Und während wir den unsichtbaren Nazi jagen, den wir nur brauchen, um ein neues, menschenfeindliches Drama zu inszenieren, um neue Menschenjagden durchführen zu können und bequem „im Dienste der Menschlichkeit“ ein paar weitere unbeliebte Konkurrenten auf dem Arbeitssklavenmarkt ausschalten, schreitet die Kultur des Faschismus mit ihrem Wahn vom „optimierten Herrenmenschen“ ständig weiter fort: diesmal jedoch nicht nur in Deutschland, sondern weltweit – und das aus gutem Grund.

Früher war uns das bekannt, weshalb früher eine einzige Folge der beliebten SF-Serie „Raumschiff Enterprise“ in Deutschland verboten war: man wollte keine schlafenden Hunde wecken. Ich zitiere mal aus einem Artikel über diese Folge (siehe startrek-index):

Wirklich problematisch ist der Dialog zwischen Kirk, Spock und Gill, indem Gill sagt, er hätte vorgehabt einen friedlichen Nazistaat aufzubauen, weil Nazi-Deutschland vom wirtschaftlichen Standpunkt her erfolgreich war. Spock gibt ihm daraufhin Recht und Gill erwidert noch, dass es am Anfang auch funktioniert hat, bis Melakon die Macht übernommen hat. Gill bezeichnet Nazi-Deutschland auch als die wirkungsvollste Staatsform, die die Welt je gesehen hat.

Dies hielt man 35 Jahre lang für eine Verherrlichung der NS-Zeit – und verbot die Folge bis 2011. Es fehlt noch eins dabei: der Hinweis auf den Gewinn, den eine kleine Elite mit dieser Staatsform machen konnte … und heute wieder macht. Deshalb verbot man die Folge: für skrupellose, gewissenlose Gangster war das NS-Regime die ideale Staatsform … vor allem für die Funktionsträger des Systems, das sich weltweit ausdehnen wollte, um einer kleinen, genetisch „hochwertigen“ Minderheit unbegrenzte Macht über das Proletariat zu geben, über den „Minderleister“, den „Parasiten“, die „bildungsfernen Schichten“, die „Nicht-integrierten“, die „Schmarotzer“, die „Niedriglöhner“ mit ihren „Billigjobs“ … und ihrem billigen Leben, das sich so sehr unterscheidet von dem gut umhegten Eliteleben der Funktionsträger in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien.

Ich zitiere hierzu mal die FAZ aus dem Jahre 2008, als die Philosophie der Selbstausbeutung Staatsreligion geworden war (siehe FAZ):

„Leistung allein reicht nicht für eine steile Karriere. Auf den Körper kommt es an. Glatzen, Falten, dicke Bäuche bremsen den Aufstieg. Erfolg hat, wer symmetrisch ist.“

An die Spitze kommen nur jene Menschen, die auch Hitler gerne ganz weit oben sah: die genetisch perfekten Supermenschen, die für den Rest der Welt nur noch Spott und Hohn übrig haben … wie jene (armseligen) 40-jährigen, die Bude in dem Spiegelartikel beschreibt … wobei er die Worte „Spott und Hohn“ durch „Ironie“ ersetzte. Das ist das, was ich sehe, wenn ich Sendeformate wie die „Heute-Show“ des ZDF studiere – oberflächlich lustig, mit einem lustigen (und deshalb als Konkurrent ungefährlichen) Dicken mitten in leitender Funktion, der dem elitären Publikum jede Woche hilft, sich gegenüber dem Rest der Welt überlegen zu fühlen.

Deshalb kann ich Jakob Augstein nur Recht geben (siehe Spiegel):

Enttäuschung, Lüge, Hass, Gewalt – wenn aus diesen Zutaten Politik wird, entsteht Faschismus. In Deutschland ist es wieder so weit. Leider scheut sich die Nation, bei der Ursachenforschung tief genug zu graben.

Ganz richtig. Doch der Faschismus pflanzt sich ganz woanders fort als bei Spaziergängen einer kleinen Minderheit Dresdener Bürger, die nur aus Gründen der Dramagestaltung medial hofiert werden (während man die 250000 TTIP-Demonstranten weitgehend vergaß). Enttäuschung über die geringe Ausbeutbarkeit mancher Bürger (der faltigen, kahlen, dicken Minderleister), die Lügen über ihr Sozialverhalten, der Hass gegen ihre angebliche Asozialität und die sanktionierende Gewalt gegen sie als unbotmäßige Querköpfe führen direkt in den Faschismus 2.0 – der andere Symbole, andere Uniformen, andere Sprachcodes hat als der Faschismus 1.0 – aber die gleichen Folgen haben hat: eine Gesellschaft der Angst zu erzeugen.

Darum darf man in der Heute-Show vom 16.10.2015 ungeniert Transitzonen mit Konzentrationslagern vergleichen, darf in der Welt real die Wiedereröffnung der KZ´s fordern … während Akif P. mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat medial hingerichtet wird, weil man solche Sätze in Deutschland einfach nicht sagen darf – mein Gregor Gysi. Jedenfalls … dürfen Untermenschen diese Sätze nicht sagen, ausgewählten Herrenmenschen ist dies schon gestattet.

Was wäre zu tun? Nun – viele reagieren auf das Staatsdrama mit einem Gegendrama: der „Böse“ wird ausgetauscht (Juden werden hierbei immer noch gern genommen, aber auch Moslems stehen gut im Kurs, immerhin führen wir „Guten“ gegen sie schon viele Kriege in vielen Ländern).

Dabei wäre das erste Ziel, sich aus allen Dramen auszuklinken, sich auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte zu berufen und dann nüchtern und sachlich – ganz ohne Drama – um die Abwicklung der Flüchtlingskatastrophe zu kümmern … wie auch um die Ursachenforschung des Faschismus … und sein Überleben im 21. Jahrhundert.

Wir werden aber wieder dramatisch reagieren – und gegen das Böse Methoden anwenden, die schon Himmler, Göring und Goebbels glücklich machten. Wie sie fühlen wir uns dabei supergut.

Dabei hätte diese Katastrophe eine große Chance sein können: der Anlaß zur Entwicklung einer planetaren Zivilisation, die wir nötig haben, um aus dieser Katastrophe kein weiteres Massensterben zu machen – was automatisch folgt, wenn Millionen in die Kälte des Nordens fliehen. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zeigt, dass wir genug Sympathisanten für die Etablierung der ersten planetaren Zivilisationen hätten.

Nur: aus Lust am Drama, aus Unkenntnis über die Fernziele und Formen einer faschistischen Gesellschaft und aus purer Angst vor den echten technokratischen Faschisten der modernen Welt werden wir uns für etwas anderes entscheiden: wie üblich für Konzentrationslager und Massenmord – was nebenbei den Wunsch des „Klubs der Milliadäre“ nach einer reduzierten Weltbevölkerung erfüllt (wir berichteten).

Die Medien der Funktionärselite werden uns bei diesem Marsch in die unmenschliche Asozialität wieder zielgerichtet begleiten – zwecks Sicherung der eigenen Pfründe.

 

 

 

 

 

 

 

BND-Agenten im Einsatz bei NEOPRESSE: die wahre Quelle brauner Mythen.

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Donnerstag, 21.5.2015. Eifel. Sehr geschätzter Leser – ich muss Ihnen ein Geständnis machen: mein letzter Artikel bei Neopresse – Die Diktatur in Deutschland im Jahre 2015 – galt nicht Ihnen. Meine Facebookfreunde sind darüber informiert – als Kontrollgruppe. Ich habe ihn entworfen, um eine Theorie zu belegen: dass hier und jetzt Agenten eines Nachrichtendienstes aktiv an der Meinungsbildung arbeiten … bzw. aktiv an der Eliminierung eines freien, unabhängigen Nachrichtenmagazins tätig sind. Ja- ich bin nun mal Geisteswissenschaftler, wie man mir sagte: mir hervorragender Ausbildung. Ich kann halt nichts anderes und nehme die damit einhergehende Armut billigend in Kauf: es gibt manchmal wichtigeres als die Maximierung des persönlichen Rohstoffverbrauches.

Die Zutaten für dieses Experiment waren einfach: wie im Artikel zitiert eine im Handelsblatt erwähnte Studie, die besagt, dass 60% der Deutschen das mächtigste Land in Europa nicht mehr als Demokratie ansehen, ein in der konservativen Welt erschienener Artikel über die Dynastien, die Deutschland regieren und ein Artikel des Spiegel über den Einsatz einer ganzen Natobrigade zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung – aus der Sicht eines V-Mannes eine äußerst brisante Kombination, die alle Alarmglocken klingeln lassen muss: hier wagt jemand, darauf hinzuweisen, dass öffentlich als seriös anerkannte Medien offen über eine Diktatur im „Westen“ berichten … eine Nachricht, die als solche nicht erscheint, sich aber logisch aus den Informationen ergibt. Da wir von einer großen Masse an Sympatisanten für diese Nachricht ausgehen müssen, die sich – möge es der Himmel vermeiden – nachher noch zu einer basisdemokratisch organisierten Gruppierung zusammenschließen, die die Machtverhältnisse im „Westen“ zuungunsten des „Establishment“ in Frage stellt, war der Einsatz eines V-Mannes hoch wahrscheinlich.

Und der kam dann auch recht schnell. Hören wir Agent „Heiner“:

Hr. Dammann, Jahrgang 59, beschäftigen Sie sich einmal unvoreingenommen mit sowas
und den Argumenten ohne gleich in das gängige Fahrwasser zu kommen. Und dann, einer wie Sie: wer suchet der findet… darauf bezogen können Sie die Diktatur die Sie im Jetzt verorten unter anderen Gesichtspunkten sehen. Mich gan persönlich, der sich einige Zeit prüfend mit dem (link) beschäftigte hat es persönlich ungemein befreit. Anderseits erschrocken und ich erschrecke täglich mehr, wohin wir uns bewegen.

Achten Sie mal auf die Sprache. Ich weiß, dass wird in Schulen nicht mehr so gelehrt. Wie ein weiser Vater spricht er zu seinem Sohn, lenkt ab von einem wichtigen Thema (einer Diktatur im Jetzt) zu einem unwichtigen Thema (andere Gesichtspunkte – die aber direkt durch den Link vorgegeben werden). Versprochen wird: eine ungemeine Befreiung.

Der von mir entfernte Link (Holocaustleugnung ist in Deutschland eine Straftat – und zwar völlig zurecht, wenn man nicht will, dass sich die Vernichtungsorgie nochmal wiederholt) führt zu einem bekannten Holocaustleugner, dessen Thesen schon längst von einem seiner Schüler widerlegt wurde: wer arbeitet eigentlich noch mit solch´ veraltetem Material?

Hier ist die Arbeit eines Geisteswissenschaftlers gefragt, nicht die eines Journalisten, hier gilt es, die Absicht der Tat herauszufiltern … und nicht den Köder zu schlucken, der offen hingelegt wurde. Zeit, wach zu werden, lieber Leser: was wurde hier GETAN?

Mit einem einzigen Schlag wurde ein freies, unabhängiges Medium (Neopresse, um genau zu sein) als Ort besetzt, an dem man unkommentiert eine Straftat begehen kann. 300 Autoren samt des Initiators wurden so zu Nazikollaborateuren. Sollte dieser Artikel über die Diktatur in Deutschland (deren Existenz ja ein Schlag ins Gesicht eines jeden anständigen Bürgers bedeuten würde und zu dringlichem Handeln aufrief) sich also im Netz weiterverbreiten, so verbreitet sich auch automatisch die naive Holocaustleugnung mit … und entzieht der Argumentation jegliche Glaubwürdigkeit.

„Bei Neopresse fabulieren Nazis vom Endsieg über den Juden“ – so wird die Meinung der kritischen Öffentlichkeit über dieses Web-Projekt sein, was seine Reichweite sofort enorm einschränkt und jedes der kritischen Worte – wirlich JEDES – in ein äußerst braunes Licht stellt, was die Glaubwürdigkeit jeder Arbeit sofort in Frage stellt: so mordet man soziale Existenzen.

Ein hartes Stück Arbeit, was ich Ihnen da zumute, nicht wahr? Gedankliche Arbeit, wohlgemerkt.

Wäre Agent Heiner wirklich ein Nazi – so hätte er gar nichts geschrieben. Versetzen Sie sich einmal in die Situation eines rechtsradikalen Verfassungsfeindes, der einen Artikel vorfindet, der – aus der Mitte der Gesellschaft heraus – diesen Staat glaubhaft als Diktatur beschreibt: was würden Sie tun …. so als echter Nazi? Gar nichts. Ihr Ziel – ja, Ihr ganz persönliches Ziel – erfüllt der Artikel doch ebenso, ist gibt für Sie keinen einzigen Grund, hier mit veraltetem „esoterischem“ Geheimwissen präsent zu werden, Artikel dieser Art können dazu geeignet sein, die Zerrüttung der Gesellschaft in der Sie leben voranzutreiben – was ganz in ihrem Sinne ist, weil sie ja von Machtergreifung träumen.

Agent Heiner jedoch – läuft zu Hochtouren auf, weil seine Mythen (die er fleißig lernte, um Akzente zu setzen) nicht so ankommen wie geplant. Nun – die Facetten des Mythos „der Jude ist an allem Schuld und will Deutschland vernichten“ – direkt entnommen aus Hitlers Wahnvorstellungen – sind vielfältig, monoton und leicht zu widerlegen, wenn man die Perspektive ändert. Versuchen Sie es selbst – machen wir ein Gedankenexperiment. Stellen Sie sich vor – für einen Moment – dass Gott persönlich in diesem Moment alle Juden aus der Welt entfernt. Das muss man nicht wie Hitler und andere europäische Antisemiten durchführen, das geht – für einen Gott – auch per freudiger „Entrückung“. Mal ehrlich: was würde sich ändern? Der BND (und die Telekom) würden keine Daten mehr in Deutschland für die NSA sammeln? Alle Reichen in Deutschland würden 50 Prozent ihrer Aktiengewinne zur Finanzierung des Sozialstaates abgeben (ja – nur die Abgabe von 50 % der Aktiengewinne des Jahres 2016 würden die Ausgaben des Bundes für Hartz IV mehr als decken)? Sämtliche Finanzinstrumente zur Ausplünderung des Mitbürgers würden sofort aufgegeben zugunsten einer gemeinnützigen Solidarwirtschaft? Alle Netzwerke von Politik und Wirtschaft würden sich sofort auflösen? Die arabischen Staaten würden Palästina sofort friedlich und gerecht in einen großen, arabischen Staat verwandeln? Nun – das könnten sie schon jetzt: die Blockade Palästinas wurde auch von Ägypten aufrecht erhalten – und mit dem Geld Saudi-Arabiens könnte man – ohne große Anstrengungen – jedes materielle Leid im Gaza-Streifen verhindern, aus jedem Bewohner einen reichen Menschen machen. Darüber … redet man aber nicht gerne, weil es nicht zielführend ist.

Falls Sie die Fragen mit JA beantworten: mangels großflächiger Präsenz jüdischer Mitbürger in Deutschland wäre das ja hier schon jetzt möglich. Warum also geschieht es nicht? Kann es sein, dass die 85 % der Milliardäre der Welt, die nichts mit dem Judentum zu tun haben, die Funktionen ihrer Kollegen einfach ohne große Änderungen übernehmen würden – wie sie es jetzt schon in Asien tun?

Es bleibt natürlich erstmal eine Hypothese, das Agent Heiner vom BND instruiert wurde. Aber wie alle „Verkäufer“, die ihre Ware selbst nie gedanklich durchdrungen haben, macht er, was Verkäufern immer gelehrt wird: er macht ein neues Fass auf, diesmal: „nine-eleven“. Das verrät erstmal das Ziel – und seinen Auftrag: Diskreditierung eines unbequemen Nachrichtenmagazins. Auch hier muss wieder etwas Gedankenarbeit geleistet werden. Es gibt hervorragende Arbeiten zu der (mangelhaften) Verschwörungstheorie der US-Regierung über den dreisten Coup eines Bin Laden, die nahelegen, dass die Wahrheit eine Andere ist als die, die uns gerade verkauft wird. Und es gibt das von Agent Heiner zitierte Video, ein zusammengeschnittenes You-Tube-Machwerk, in dem ein hysterisch klingender Jugendlicher alle für dumm erklärt, die seinen Ausführungen nicht folgen können. Eingestellt wurde das Video von „gesund&lecker“ – einem Produzenten, der ansonsten gerne über Hanfkakao, Smoothies und Tee informiert.

Die Konsequenz – im Rahmen der laufenden Diskussion? Ein weiterer Spinnerbonus für seriöse Autoren von Neopresse. Dabei gibt es genug qualitativ hochwertiges Material zu diesem Thema.

Und wie alle schlechten Verkäufer (was jeder ist, der tut, wohinter er persönlich gar nicht steht) greift er zur „Argumentationsdusche“ via You-tube-Videos, deren Studium das Zeitkontingent jedes normalen Mitteleuropäers bei weitem übersteigen würde. Trotzdem lohnt es sich, einen Blick auf die Videos zu werfen, denn: man entdeckt etwas Besonders. Mit großer Akribie und Sorgfalt wurden Informationen gesammelt (und mit Absicht in einen anderen Zusammenhang dargestellt) – über einhundert Jahre Pressegeschichte hinweg.

Wer hat eigentlich das Potential (Zeit und Geld) so eine Arbeit zu leisten? Der einsame Neonazi aus Milwaukee? Oder doch eher ein subversiver Dienst, der das Entstehen einer Gegenkultur im Keim ersticken möchte? Hier stoßen wir auf einen Kern geisteswissenschaftlicher Arbeit, den ich Ihnen weder abnehmen kann – noch abnehmen will. In der strengsten Abteilung der Geisteswissenschaften – der Philosophie – gilt unumwunden der Satz: „ich weiß, das ich nicht weiß“ – schon seit Jahrtausenden. Deshalb ist man gut beraten, in Wahrscheinlichkeiten zu denken – was die meisten Menschen tun, sie nennen das dann modern „Glauben“ („ich glaube nicht, dass …; ich glaube, dass“) … und machen so unbewusst aus der Frage der Wahrheitsfindung eine religiöse (und damit im Rahmen der Welt wertlose) Frage.

Also: was halten Sie für wahrscheinlicher – das ein Geheimdienst seine Möglichkeiten spielen läßt, um jeden Widerstand mit verdeckt rechtsradikalen Mythen zu infiltrieren, die auf immer verhindern werden, dass sich eine kritische Öffentlichkeit zusammenschließt, um ins Handeln zu kommen … oder das ungebildete Einzelgänger durch Zufall großes esoterisches (also nur eingeweihten Kreisen zugänglichem) Wissen gefunden haben – bei youtube?

Für mich fällt das Urteil leicht (wie bei nine-eleven, wo sich eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür abzeichnet, dass die offizielle Verschwörungstheorie nicht dem tatsächlichen Geschehen entspricht): ich verweise auf zwei aktuelle Artikel, hier erstmal die FAZ vom 14.5.2015:

Neues Verfahren, altes Spiel: Im NPD-Verbotsverfahren mussten alle V-Leute aus der Führungsebene der Rechtspartei abgezogen werden – sonst droht ein wiederholtes Scheitern.

Bleiben Sie bei dem, was interessant ist: nicht das Verbotsverfahren sollte interessieren, sondern … die Anzahl von Geheimdienstleuten in der Führungsebene – die man so bequem mit rechtsradikalen Mythen versorgen kann, die mit Sicherheit dafür sorgen, dass sich 1933 nie wiederholen wird, weil sich die Altnazis so zu einer nie mehr zu großem Einfluss fähigen Gruppe entwickeln können, die Mehrheiten in Deutschland hinter sich vereinen kann.

Die zweite Meldung stammt aus der TAZ vom 12.5.2015 und beschäftigt sich mit der Involvierung des Verfassungsschutzes bei den rechtsradikalen NSU-Morden, denen der Verfassungsschützer Temme teilnahmslos und – wie der Anwalt einer der Opfer glaubhaft darstellt – im dienstlichen Auftrag beigewohnt hat.

Mit den gleichen Methoden wurde ein Erstarken der Friedensbewegung im Keim erstickt – heute gelten „Mahnwachen“ in breiter Front als Legendenorgien von Neonazis (übertrieben formuliert).

Der Trick funktioniert halt überall.

Das letzte Indiz für unseren BND-Agenten Heiner?

Er gibt auf, als er am Ende seines Schulungsmaterials angekommen ist. Kein überzeugter Kämpfer für „seine Wahrheit“ – wie man sie in rechtsradikalen Kreisen finden kann – sondern jemand mit einem Auftrag, den er gut erfüllte. Ein echter „Nazi“ hätte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die einmal begonnene Auseinandersetzung zu gewinnen – ein V-Mann jedoch zieht sich zurück, wenn sein Auftrag erledigt ist.

Die Textanalyse zu den Aussagen von „Agent Heiner“ hätte ich hier noch umfangreicher ausführen können – doch wer würde 40-5o Seiten Textanalyse noch folgen wollen? Zugegeben: von welcher Stelle er für seine subversive Arbeit bezahlt wird, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, „BND“ sei hier nur als Synonym für „Nachrichtendienste“ eingestellt.

Ja – das ist … in meinen Augen mit großer Wahrscheinlichkeit … unangenehme Wahrheit hinter vielen im ersten Moment harmlos erscheinenden Mythen, die seit Jahren die „Szene“ fluten, aber alle den gleichen Zweck verfolgen: jeden sich formenden gesellschaftlichen Widerstand gegen den sterbenden Kapitalismus mit dem – gesellschaftlich weit als solches akzeptiertem – „absoluten Bösen“ zu verquicken: dem NS-Vernichtungsstaat.

Das dieser Staat nur ein Probelauf war, dass der NS-Vernichtungsstaat nur das logische Ende eines ausufernden, in seiner Unmenschlichkeit hemmunglos feudal orientierten Wirtschaftssystems war, der Muster sein kann für alle Folgestaaten, die die Folgen der unauflösbaren Widersprüche dieses Systems zu bewältigen haben, wird so nicht mehr diskutiert, eben so wenig, wie das Grundübel jener Zeit: die Bildung absoluter Macht über die Menschheit durch engen Schulterschluß zwischen Konzernwirtschaft und Parteienwirtschaft.

Ein Blick zurück in die NS-Geschichte – auf Geschehnisse, die kaum weitergetragen werden? Meine Mutter (Arierin, Kind, 9 Jahre alt, unpolitisch) musste ihre eigene Kotze beim Bund deutscher Mädels essen. Sie hatte ihr Essen erbrochen … und 399 weitere BDM-Mädels mussten warten, bis sie das Ergebnis ihres Erbrechens vollständig vertilgt hatte. Der Vernichtungsstaat … war für jedermann hoch gefährlich – und psychisch krank bis ins Mark. Schade, dass wir den Geschichten unsere Eltern und Großeltern und Urgroßeltern nicht mehr lauschen. In jenen Lagern wurden Kinder angehalten, ihre Eltern zu verraten – und so wurden viele umgebracht, nur weil der verzogene Sohnemann sich für ein nicht gekauftes Eis rächen wollte.

Wenn Sie in einer solchen Welt leben wollen … bitte schön. Dann folgen Sie Agent Heiner in seinen Ausführungen. Aller Wahrscheinlichkeit nach bewegen wir uns direkt wieder auf eine solche Welt zu, „unwertes Leben“ wird wieder öffentlich von Parteioberen definiert: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen“.

Anders formuliert: „Wer nicht für meinen Profit billig schuftet, den bringe ich um“.

 

 

 

 

Faschismus in Deutschland 2015

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Montag, 10.5.2015. Eifel. Derzeit werden große Reden geschwungen: der Zweite Weltkrieg endete vor siebzig Jahren. Da reden gerne Menschen, die die Zeit nie erlebt haben, über Dinge, die sie nie verstanden haben, um sich selbst in ein Licht zu setzen, das sie nie verdient haben. Es wird natürlich auch gerne über „Faschismus“ gesprochen. Das der böse ist, steht außer Zweifel. Es weiß auch jeder, was Faschismus ist – und unterscheidet sich darin von der gesamten historischen Wissenschaft, der es in den letzten Jahren nicht gelungen ist, eine einheitliche Faschismusdefinition zu entwickeln.

Faschismus – so die landläufige Meinung – ist, wenn SA und SS unter der Führung Adolf Hitlers in Nürnberg Parteitage abhalten und im Anschluss Juden vergasen. SA und SS gibt es nicht mehr, Hitler ist tot, die Juden sind in Israel (ein Land, dessen Existenz vielen Deutschen ein Dorn im Auge ist, allerdings hält man es für unschick, diese Tatsache mit dem Antisemitismus der NSDAP in Verbindung zu bringen – Israelkritik … die in Teilen auch berechtigt sein mag … ist eine äußerst elegante Methode, seinen Antisemitismus ausleben zu können, ohne gleich des Faschismus verdächtigt zu werden): der Faschismus ist besiegt.

Faschismus und Antisemitismus werden gerne in einem Atemzug genannt, gedenkt man der Befreiung aus den Konzentrationslagern, so fixiert man sich – wie die deutsche Bundeskanzlerin – gerne auf die abgeschlachteten Mitbürger jüdischer Religionszugehörigkeit und vergisst dabei die Kommunisten, Arbeitslosen, die Kranken, die Nicht- angepassten, die Roma und Sinti, die unbeliebten, verleumdeten Nachbarn und wen man noch alles zum Scheiterhaufen geführt hat … Pardon: zur Gaskammer. Scheiterhaufen verwendete man in der frühen Neuzeit bei anderen unliebsamen Personengruppen, die Täter waren die gleichen: der Pöbel, der Mob, der Nachbar.

Dieser Ansicht würde Helmut Schmidt jetzt sehr wiedersprechen. Er selbst – 1942 noch in seiner faschistischen Überzeugung erfolgreich geprüfter Edelnazi – war kein Nazi, kannte persönlich nur drei davon (allen ich kenne da schon mehr – und bin nicht so alt) und ist überhaupt der Meinung, dass es in Deutschland kaum Nazis gab – jedenfalls differenziert er sehr zwischen Deutschen und Nazis (als ob die 1933 von der Wega kamen und 1945 wieder dorthin zurückkehrten) – das lernt man aus einem Artikel von Georg Diez im SPIEGEL (siehe Spiegel). 70 Jahre nach Kriegsende wäscht sich der Deutsche rein – es scheint, als ob niemals ein Deutscher Nazi gewesen sein konnte. Immerhin war der Obernazi auch Österreicher.

Vieles krankt natürlich an der Faschismusdefinition – von der es bis heute keine einheitliche gibt…..weshalb wir auch nicht in der Lage wären, seine Wiederkunft zu erkennen, es sei denn, die holen die alten Uniformen wieder aus dem Schrank und beleben Adolf Hitler per Gentechnik neu. Die in Deutschland gern geprägte Gleichung Faschismus=Antisemitismus reicht leider nicht weiter als bis zur Landesgrenze. Im Mutterland des Begriffes „Faschismus“ wandte sich der oberste Faschist Benito Mussolini mehrfach ausdrücklich gegen den Antisemitismus der „Germanen“, der „Tenno-Faschismus“ in Japan konnte  mangels Juden niemals Antisemitismus entwickeln – jedenfalls so lange nicht, bis die Medien die Holocaustleugnung des Westens nach Japan transportierten (siehe Fall Marco Polo).

Allerdings ist Faschismus ohne Antisemitismus auch nicht gerade eine angenehme Veranstaltung – doch dürfen wir in Deutschland überhaupt etwas Faschismus nennen, dass nicht gleich antisemitisch ist?

Es wäre vermessen, in den Rahmenbedingungen, die einem das Internet setzt, Texte zu entfalten, die sich umfassend um die Definition des Begriffes bemühen … hierzu wären tausende von Seiten nötig, niemand hat heutzutage mehr die Zeit, soviel komplexe Informationen zu studieren, trotzdem möchte ich durch ein paar Informationen wenigstens mal zum Nachdenken anregen. Deutschland, Japan und Italien waren nicht nur den Antisemitismus miteinander vereint, sondern durch Systeme, die ein besonderes Menschenbild hatten: Mussolini wollte das alte römische Reich wieder errichten, der römische Bessermensch sollte einen festen Platz an der Spitze der menschlichen Rasse erhalten – mit dem Mittelmeer als zentralem Herrschaftsgebiet, von wo aus der Duce über die niederen, nicht-römischen Völker herrschen sollte.

Die Japaner stammten sogar von einer Göttin ab: ihr erster Kaiser Jimmu war ein Sproß der Sonnengöttin Amaterasu, das machte sie zu den besten Menschen der Welt.

Die Deutschen jedoch waren stolz auf ihre Arier-Gene, die sie einerseits allen Menschen dieses Planeten überlegen machten und sie andererseits zum Kampf gegen ihre bösen Widersacher aufriefen: die jüdischen Völker.

Dieser Punkt – „wir“ und „die anderen“ – scheint mir sehr zentral zu sein … und erklärt auch, warum wir ungehalten auf Ausländerfeindlichkeit und Nationalismus reagieren: auch dort formiert sich ein „wir“ (ein Bund, ein „fascio“), der mit Gewalt (die in allen faschistischen Staaten vollkommen legitimes Mittel ist, weil per Definition die Superguten gegen die Ultrabösen kämpfen) gegen „die anderen“ vorgeht.

Die Ausübung von Gewalt gegen eingebildete politische Gegner ist meines Erachtens nach noch nicht das zentrale Element, weil es nicht ganz so weit trägt. Der Extremistenerlaß der Bundesrepublik Deutschland ist ebenso eine Ausübung von Gewalt gegen Unerwünschte, aber deshalb wird das Land nicht faschistisch. Was mir eher am Herzen liegt, ist der Blick auf die Mythologie, der Urgrund faschistischen Glaubens in all´ seinen Ausprägungen: die reale Existenz von genetisch optimalen „Herrenmenschen“ und minderwertigen „Untermenschen“, der „Gottmensch“ gegen das „unwerte Leben“.

Hierzu mal ein Zitat aus dem Jahre 1904 – als es noch überhaupt keinen Faschismus gab:

„Wenn dann die schlechteste Menschenware Dutzende von Dummköpfen, Verbrechern, Krüppeln, Tuberkelosen und sonstigen Missgestalten erzeugt hat, bauen wir überall Irrenanstalten, Epileptikeranstalten, Altersasyle und Zuchthäuser, um die schlimmsten Früchte ihrer Entartung auf unsere Kosten zu entsorgen. Und wir merken nicht, dass diese Art Humanität die Kulturmenschheit zugrunde richtet“.

Der Satz stammt von August Forel, einem Arzt – und hat einen besonderen Hintergrund:

„Minderwertige Menschen vermehrten sich auf Kosten der hochwertigen, die natürliche Auslese werde durch Sozialleistungen – wie zum Beispiel dem Bismarkschen Krankenversicherungsgesetz von 1883 – gehemmt.“

(Zitat aus: Kurt G. Büchel, Heilen verboten, töten erlaubt, Bertelsmann, 3. Auflage 2003, Seite 101)

Forel wird heute anders überliefert andere – humane – Schwerpunkte werden hervorgehoben – doch wie Kurt G. Büchel hervorhebt, stand er für eine besondere (medizinische) Kaste in Deutschland (bzw. im „Westen“), die sich Ende des neunzehnten Jahrhunderts erhob und den genetisch einwandfreien Herrenmenschen favorisierte – die Folge waren Massenkastrationen „minderwertiger“ Menschenware, um das Erbgut des Ausschusses für alle Zeiten aus dem Verlauf der Geschichte herauszuschneiden: der Kampf gegen den Minderleister hatte begonnen.

Erstaunlich: wir lernen sogar sozialdemokratische Rassenhygienier kennen (Alfred Grotjahn: Lungentuberkulose ist die „Krankheit der körperlich Minderwertigen“) und erfahren, dass dieser Ungeist international Fuß fasste – fest verankert im Bewusstsein der Ärzteschaft („der englische Physiologe John B. Haykraft pries 1895 den TBC-Bazillus als „Freund unserer Rasse“, weil er die Unterschicht ausmerzte“, beide Zitate Büchel, a.a.O.).

Gruselt´s ihnen schon? Die Geschichte würde sich so etwas verändern, ein Adolf Hitler wäre nicht mehr die Quelle des Faschismus – sondern nur noch eins seiner ausführenden Organe, Abteilung Deutschland. Juden – geraten nur zufällig ins Visier, weil der abscheuliche Gnom Hitler das ganze jüdische Volk zu den Minderwertigen zählte, man könnte fast meinen, das Ganze sei ein Unfall der Geschichte, der eigentlich die Armen, Kranken, Alten und Schwachen vernichten sollte aber durch Hitler versehentlich die Juden traf … gäbe es nicht historisch gut dokumentierten Antisemitismus, der bis 1848 (und noch weit darüber hinaus) reichte (siehe z.B. Wikipedia):

„Auch Immanuel Kant (1724–1804) nannte Juden „Vampyre der Gesellschaft“, die „durch ihren Wuchergeist seit ihrem Exil in den nicht unbegründeten Ruf des Betruges… gekommen“ seien.“

Hegel, Fichte, Brentano: alle beteiligten sich an der Definition des „Juden“ als „unwerten Lebens“, ohne dass dies irgendwelche Aufarbeitung nach sich zog. Es bedurfte nur noch des (Sozial-)Darwinistischen Gedankens, dass unwertes Leben ausgelöscht werden darf, um die Konzentrationslager in Bewegung zu setzen und sie mit deutschen Bürgern jüdischer Religionszugehörigkeit zu füllen … und mit allem anderen unwerten Leben – Elemente der deutschen Geschichte, die wir gerne verdrängen, so wie wir auch gerne verdrängen, dass Hitler nicht gewählt sondern von konservativen Demokraten (in einer schon innerlich fast vollständig zerrütteten Demokratie) ins Amt gehievt wurde (siehe z.B. „Machtergreifung“ bei Wikipedia).

Gleichsam haben wir die Aktion T4 verdrängt, die schon 1920 vorbereitet wurde und im Nationalsozialismus nur ein geeignetes Instrument zur Durchführung fand (siehe Wikipedia):

Die im Nationalsozialismus praktizierte sogenannte „Euthanasie“ geht auf schon um die Jahrhundertwende entwickelte eugenische Ideen, wie sie neben anderen durch den Polemiker Adolf Jost popularisiert wurden, zurück. Diese Vorstellungen wurden durch die 1920 publizierte Schrift Freigabe zur Vernichtung lebensunwerten Lebens von Binding und Hoche konkretisiert und fanden damit Eingang in die akademische Diskussion. Im Sinne einer „Rassenhygiene“ und einer Höherzüchtung der „arischen Rasse“ korrespondierten diese eugenischen Ideen nicht nur mit den Zielen der nationalsozialistischen Ideologie, sondern das festgelegte Endziel einer „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ wurde stark materialistisch begründet. Es handelte sich hierbei um einen Euphemismus für die geplante und systematische Ermordung von „Erb- und Geisteskranken, Behinderten und sozial oder rassisch Unerwünschten“; die Entscheidungen wurden hierbei nach Aktenlage von als Gutachter eingesetzten Ärzten gefällt.

Angeblich (ich warte hier noch auf Post) wurde die Aktion T 4 von engagierten Medizinern bis 1949 weiter fort geführt – was angesichts der bis ins 19.Jahrhundert zurückreichenden Vorgeschichte plausibel erscheint.

Nun schreiben wir das Jahr 2015, sind äußerst sensibilisiert auf Aktivitäten deutscher Bürger gegen ihre Mitbürger jüdischen Glaubens – und haben völlig vergessen, dass im Rahmen des Vernichtungsfeldzuges gegen das „unwerte Leben“ (zu dem 1933 – 1945 auch „der Slawe“ im Allgemeinen und „der Russe“ im Besonderen gehörte) die Vernichtung des jüdischen Volkes nur ein Unterpunkt war. Warnt darum die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mai 2015 anlässlich des Gedenkens an die Opfer des KZ Dachau lediglich vor einem Widererstarken des Antisemitismus (siehe Spiegel) so ignoriert sie vollkommen die Tradition der Vernichtung unwerten Lebens, die sich – scheinbar – 2015 in Deutschland wieder Bahn bricht (siehe Spiegel):

Auf Münkler-Watch zitieren die Blogger etwa, wie sich der Professor über Arbeitslose geäußert haben soll: „…dann schmeißen wir sie halt raus, das Mittelmeer ist groß“ (Pause) „muss ja nicht immer von Afrika rübergefahren werden zu uns, kann ja auch umgekehrt getan werden. Ein grausamer Gedanke, eigentlich ganz unmöglich, aber (Pause)“

Professor Münkler – nach Spiegel-Angaben ein „Schwergewicht“ seines Faches („Er ist oft in Talkshows zu Gast, kommt auch in anderen Medien häufig als Experte zu Wort. Er berät Politiker und politische Institutionen und veröffentlichte zahlreiche Bücher zu Themen wie Staat und Gewalt, Krieg, Weltherrschaft“, siehe Spiegel) – wehrt sich gegen diese Vorwürfe, behauptet, die Äußerungen gegen Arbeitslose so nie gemacht zu haben – aber wir brauchen gar keinen Münkler um zu sehen, dass der Geist von T 4, der Geist der Vernichtung der „sozial unerwünschten“, wieder neu in deutschen Köpfen herumspukt, die sich ja jetzt – Dank Helmut Schmidt – sicher sein können, dass „Deutsche“ und „Nazis“ Gruppen sind, die keine gemeinsame Schnittmenge aufweisen.

Wieder sind es Sozialdemokraten, die den alten Gedanken der Rassenhygiene tragen, die sozial Unerwünschten bekommen einen neuen Namen – „Minderleister“ – und werden per Ministeriumsbeschluss als „Parasiten“ und „Schmarotzer“ klassifiziert („Superminister“ Wolfgang Clement), die auch nichts zu essen bekommen sollen, wenn sie nicht ordentlich arbeiten (Franz Müntefering, siehe Zeit).

Da liegt der Gedanke nahe, sie ins Mittelmeer zu schmeißen. Wo soll man sonst mit dem Gesochse hin, dass einem höchstpersönlich selbst auf der Tasche liegt?

Angela Merkel ist gut befreundet mit Liz Mohn von Bertelsmann, deren Ablehnung des deutschen Sozialstaates kein Geheimnis ist (siehe Nachdenkseiten):

Mit ihrer Bertelsmann Stiftung steht sie der Kanzlerin mit allen Handreichungen für die politische Gestaltung der wirtschaftsliberal globalisierten Welt stets zur Verfügung. Und mit der Medienmacht des Bertelsmann Konzerns hilft sie, dass etwa die Konzepte des „überdehnten Sozialstaates“ oder der „Überalterung“ der Gesellschaft auch zur herrschenden Meinung gemacht werden.

Damit steht sie in guter Tradition von August Forel, der ebenfalls die Kulturmenschheit durch den Sozialstaat bedroht sah, jene „Kulturmenschheit“, die man heutzutage „den Westen“ nennt, gleichzeitig greift sie auch das größte Problem der dem Minderleister entgegengesetzen „Leistungsträger“ auf: die Invasion der Alten, Schwachen, Kranken, die ihr leistungsloses Luxuseinkommen in Gefahr bringen. In Zeiten, wo Dividenden den Superreichen doppelt soviel Gewinn einbringen wie die Hartz-IV-Finanzierung des Bundes kostet, wird klar, dass es Lösungen für die „sozialen Probleme“ gibt, die in Zukunft durch „Überalterung“ noch viel größer werden und jene gesellschaftliche Schicht, die schon einen Hitler für sich arbeiten lassen wollte, ist sich dessen sehr bewusst: ohne die Vermögen der Superreichen wird das Massensterben der minderwertigen Armen kaum zu vermeiden sein – und so lange die Wahlrecht haben, stellen die eine große Gefahr da, die mit allen Mitteln gebannt werden muss.

Es macht darum großen Sinn, ein Klima zu erzeugen, in dem die gar nicht mehr zur Wahl gehen (in Bremen ist aktuell der Nichtwähler mit 50 Prozent der mit Abstand stärkste politische Block, siehe Spiegel) und sich der Dikatur der Leistungsträger willenlos ergeben (siehe Handelsblatt) und so eine ausgehöhlte Demokratie zu gestalten, in der Eliten die Fäden im Hintergrund ziehen … bis die Konservativen der Meinung sind, dass es wieder Zeit ist für einen „Führer“, der „aufräumt“.

Zu weit gedacht?

Ist es zu fantastisch, sich einen „starken Mann“ (2015 geht auch eine – adelige – Frau) zu denken, der wie 1933 die zerrüttete Demokratie – an die die Mehrheit der Deutschen schon jetzt nicht mehr glaubt – zur Rettung des Volkes zerschlägt und ihm weitere Regierungslügen wie die über das „No-Spy-Abkommen“ erspart (siehe Spiegel)?

Ist es zu fantastisch zu denken, dass jene Eliten, die sich 1933 einen Hitler gönnten, sich nicht schon jetzt Gedanken darüber machen, wie sie ihre Vermögen vor den gefrässigen Minderleistern in Sicherheit bringen können …. und die am besten kostengünstig entsorgen können?

„Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen (…) Früher seien die Leute schließlich auch auf Krücken gelaufen“.

So Phillip Mißfelder, der den Wunsch nach Anhebung von Hartz IV-Regelsätzen als „Anschub für die Spiritousen- und Tabakindustrie“ bezeichnete (Zitate siehe Wikipedia).

Mir dünkt: Faschismus in Deutschland ist 2015 wieder gesellschaftsfähig … wenn er nicht gegen Juden, sondern gegen „sozial unerwünschte“ vorgeht. Und solange wir Faschismus, Antisemitismus und Bessermenschendenken nicht erfolgreich begreifen und verarbeiten, werden wir die Geschichte wiederholen … allein deshalb, weil sich die Reichen die Armen, Alten und Kranken nicht ans Bein binden wollen … uns sie seit über hundert Jahren gerne irgendwie ein für alle Mal entsorgen würden.

Der Deutsche ist vielleicht – frei nach Helmut Schmidt – nie ein Nazi gewesen, aber gebären kann er solche Ungeheuer schon … und warum sollte ihm das nicht noch einmal gelingen?

 

 

Deutschlands „Linke“ im staatsfinanzierten Mahnwichtelwahn

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Sonntag, 19.4.2015. Eifel. Es gibt Themen, die man am Besten meidet. Die Erbärmlichkeit der Linken in Deutschland ist so ein Thema. Ich kenne eine Reihe von ihnen, auch persönlich. Sehr kultivierte Menschen. Sie haben zu allen Themen eine korrekte Mehrheitsmeinung … jedenfalls eine korrekte, nach links abgewandte Mehrheitsmeinung, also eine Position, die mit den Parolen der herrschenden Machteliten so weit übereinstimmt, dass der Kritiker keinerlei Sanktionen zu befürchten hat … Sanktionen, die im modernen Deutschland zum Beispiel Arbeitslose in Obdachlosigkeit und Tod treiben, die im Irak hunderttausenden Kindern den Tod gebracht haben und in Russland aber vor allem in Griechenland für unsagbares Elend sorgte. Ich bin gerne in ihren Kreisen: sie trinken feine Weine, haben ein erotisches Verhältnis zu Buttercremetorte und lassen es sich an den schönsten Plätzen der Welt gut gehen – Plätze, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie für den Normalbürger nicht erreichbar sind.

Leider bin ich ein Arbeiterkind, weshalb ich in ihren Kreisen nie lange verweilen kann, obwohl ich respektieren kann, dass sie eine besondere Qualität darin entwickelt haben, dem Leben den höchsten Cappuccino-Genuss zu entreißen. Genau genommen mag ich sie überhaupt nicht, diese Kreise, weil sie über meinen Kreise immer Tod und Verderben gebracht haben. Fein verborgen in ihren Kaffeehäuschen, Hinterzimmern und litarischen Salons träumten sie von der Weltrevolution, die selbstverständlich

a) sie selbst an die höchsten Positionen der Macht bringen sollten

b) mit dem Blut, dem Schweiß und den Tränen der Arbeiter – der Niederen, der Unwürdigen, der Unkultivierten, Ungebildeten und sonstwie degenerierten Unmenschen erkämpft werden sollte.

Kaum jemand redet noch darüber: aber genau darum versagte die Studentenrevolte von ´68. Keiner der großen Führer hatte Sympathien für den konkreten Arbeiter vor Ort, sie waren in ihrem Denken nur Kanonenfutter für die Gewehre der Klassenfeinde. So wurde aus dem großen revolutionären Ansatz jener Jahre eine Revolte der Zweitgebohrenen, der Durchsetzungsschwachen, der Zöglinge der Elite, die es eben nicht in die „Pole Position“ geschafft haben … aber mit aller möglichen Kraft dorthin strebten, auf dem Rücken jener, die bedauerlicherweise nicht von edler Geburt waren, die weder mit Hölderlin, noch mit Marx oder Carlos Castaneda etwas anfangen konnten und so den exklusiven Bildungscode der Paralellelite nicht erfüllten, nie Zugang zu den inneren Zirkeln der der geheiligten Avantgarde bekamen … es sei denn, gelegentlich, als für allgemeines Erstaunen sorgendes Vorführäffchen: „das ist unser Paul, der Automechaniker, er hat Sartre gelesen“.

Keiner der feinen Damen und Herren der pseudolinken Genusskultur wäre auf die Idee gekommen, sich für Paul erschießen zu lassen, damit der auch Zeit für Novalis hatte. Immerhin hatte man selbst ja ein gutes Leben – die Eltern wären Ärzte, Abgeordnete, Lehrer, gewinnorientierte Nutznießer und Büttel des auf absolute Kapitalvermehrung dressierten Wirtschaftssystems mit entsprechenden finanziellen Belohnungen, die feinsten Wohnkomfort im Biedermeiersinne garantierten: schöne Heime, in die man sich zurückziehen konnte, wenn die Demo mal schief ging … und ein feines Erbe als Alterssicherheit im Hintergrund.

Auch ein Ferienhaus in der Toskana war leicht zu organisieren, um sich dort auf höchstem Niveau von der Blödheit des Pöbels erholen zu können. Ich kann mir sogar denken, dass die rot-grüne Hartz-IV-Gesetzgebung Elemente der Rache der 68´er an die arbeitende Bevölkerung enthält oder zumindest billigend in Kauf genommen wurde um sich dafür zu revanchieren, dass die sich damals geweigert haben, sich für den linken Gesinnungsadel erschießen zu lassen. Kontrollelemente dieses Adels erlebe ich auch heute noch im ganz normalen Alltag, die beiläufige Fragen „Wo haben Sie studiert?“ sorgt für systematische Abgrenzung vom Pöbel … und brüskiert regelmäßig Menschen, die nicht mit dem goldenen oder wenigstens silbernen Staatslöffel im Mund geboren sind … und deren Kindern man diesen Löffel auch vorenthalten will.

Das waren Gedanken aus den Erlebnissen meiner Jugend, Erfahrungen aus Gesprächen in Bürgerinitiativen, Selbsterfahrungsgruppen, alternativen Stadtmagazinen, Anti-Atom-Demos, Anti-Nazi-Aktionen und was man sonst noch alles zur Unterhaltung geboten bekam, Eindrücke, die man automatisch mitgeliefert bekam, wenn man den Stallgeruch des Arbeiterkindes an sich haften hatte … und in den Ferien in Gelsenkirchen blieb und in Ferienjobs schuftete anstatt mit den Eltern auf Malta Kultur zu genießen.

Sie kamen derzeit wieder hoch, als ich zwei Artikel las, die man mir empfohlen hatte:

der eine kam von einem Herren namens Spiegelfechter, der sich ausführlich über „Watch-Seiten“ auf „Facebook“ auslies (siehe Spiegelfechter) und dabei interessante Informationen zu Tage förderte:

„Wie bereits oben geschrieben, muss jeder, der sich im Netz öffentlich macht, mit Reaktionen und Gegenwind rechnen. Wer sich (mit Klarnamen) in Gefahr begibt, der kommt darin um, so könnte man überspitzt formulieren. Für die Facebook-Watch-Seiten gilt das jedoch nur eingeschränkt. Sie nennen zwar die, die sie für Antisemiten, Neurechte und Querfrontler halten, beim Namen. Sie selbst halten sich aber sehr bedeckt. Geht man beispielsweise auf die Info-Seite von „Friedensdemo-Watch“, sind dort zwei Zitate zu lesen, eines von Paul Spiegel und eines von Eldad Beck. Über die Seitenbetreiber aber erfahren wir nichts. Ein bisschen mehr bietet „Aluhut für Ken“. Ein Impressum oder etwas ähnliches gibt es dort zwar im Infobereich auch nicht. Aber immerhin die Verlinkung auf eine Website, auf der sich dann einer der Initiatoren mit einem Text äußert.“

Ja – da war sie wieder: die alte Feigheit der pseudolinken Herrenmenschenkultur. Man selber spielt den Salonlöwen fernab der Straße, um nachher über die blutigen Leiber der Untermenschen zum Sieg zu schreiten … oder – bei Verlust der Schlacht – noch ein Stück Buttercremetorte zu genießen.

Ich kann auch die Begrifflichkeiten nicht mehr hören, inhaltslose Schablonen, beliebig austauschbar, die vor allem eins zum Sinn haben: den „Anderen“, den „Fremden“ zu einem vernichtungswürdigen Untermenschen zu erklären, einen „Querfrontler“, einem „Antisemiten“, einem „Verschwörungstheoretiker“, oder einem Antitheoretiker, Quersemiten und Verschwörungsfrontler – der Erfindung von Spachcodes zur Verunglimpfung politsch vermeintlich Andersdenkener ist keine Grenze gesetzt.

Es sind winzig kleine Minderheiten, die dort ihren Lebensfrust austoben, der vor allem darin besteht, dass dieses „Leben“ ihnen nie die führenden Positionen zugestanden hat, die sie für sich selbst als selbstverständlich annahmen: arbeitsscheue Verlierer mit Großmannssucht … so hätte man das früher genannt. Man könnte sie bedauern, es gäbe keinen Grund, „Watch-Blogs“ für sie zu eröffnen, noch sich überhaupt Gedanken über sie zu machen, wenn sie nicht … durch ihre undemokratische Methodik einen immensen Schaden anrichten würden, in dem sie versuchen, eine Kultur der Denunziation, der Menschenjagd, der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ zu errichten, die sich gegen jene Opfer richtet, die sie mit ihren systematischen plakativen und monoten Etikettierungen als „unwertes Leben“ definieren.

Und das …. fand ich unlängst bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung:

Mahnwachen, Infokrieger, Reichsbürger, Putinfans, Chemtrails, Verschwörungsideologien… – Zeichen einer neuen Bewegung?

Sehen Sie das Fragezeichen? Beliebte Methodik von Pseudolinken. Es ist nicht ernst gemeint – sonst müsste man sich in eine wissenschaftliche fundierte Diskussion mit dem „Anderen“ einlassen. Das ist nie gewollt. Das wird auch offen zugegeben:

In dieser Veranstaltung wollen wir nach den verbindenden und widerstreitenden Elementen der genannten Phänomene fragen. Wir wollen Ursachen und Zusammenhänge diskutieren und mögliche Strategien des Umgangs mit diesen erkunden. Dafür haben wir Gäste eingeladen, die zunächst neue Entwicklungen und Perspektiven vorstellen, sich aber auch mit den Teilnehmenden über mögliche Gegenstrategien austauschen wollen. 

„Wir“ … gegen „die“.

Sind auch die Angeklagten selbst zugegen? Dürfen Sie sich persönlich gegen die Flut von Unterstellungen wehren?

Nein.  Wo kämen wir da hin! Der pseudolinke Volksgerichtshof weiß selbstverständlich schon vorher, dass alle Mahnwachen, Infokrieger, Reichsbürger, Putinfans, Chemtrails, Verschwörungsidelogen teil einer „neurechten“ Bewegung ist – und stört sich nicht im Geringsten darum, dass „Chemtrails“ niemals Teil einer Bewegung sein können. Und damit die die pseudolinke Einigkeit nicht stören, dürfen die auch von vornherein nicht mitspielen: es geht um die Organisation von Menschenhatz, da will man die Opfer nicht vor Augen haben.

In Kooperation mit der GEW Hamburg | Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg | Hinweis: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Ach ja … da haben wir ja auch einen Hinweis auf die Finanzierung/Unterstützung der Veranstaltung. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft – unsere pseudolinke Lehrergewerkschaft, die vor allem eins im Sinn hat: die Privilegien von Menschen mit drei Monaten Urlaub im Jahr weiter auszubauen – auf Kosten von Schülern und Steuerzahlern. Ich weiß – das ist jetzt fies – ich weiß aber nicht, warum ich ein höheres Niveau bieten sollte als die Veranstalter. Zudem kommt die Landeszentrale für politische Bildung ins Spiel – eigentlich eine feine Institution, wer jedoch persönlich verantwortlich dafür zeichnet, dass hier eine obskure Wahnveranstaltung gegen Andersdenkende stattfindet, würde mich in der Tat interessieren, denn: während der pseudolinke Salonlöwe in seinem Definitionswahn wild um sich schlägt, frei nach dem Motto „Alles Nazis außer Jutta“, ballt sich über Europa eine neue rechte Welle zusammen, die nicht „neurechts“ ist – was für ein schönes, verharmlosendes Wort, dass unterstellt, dass schon ein Norbert Blüm per Definition ein Verfassungsfeind zu sein hat und nach dem Endsieg der Revolution an die Wand gestellt werden sollte – sondern stramm menschenfeindlich mit konkreten Aussichten auf parlamentarische Mehrheiten.

Tröstlich mag erscheinen, dass sich die pseudolinken Klagegruppen spurlos verflüchtigen werden, wenn echte Faschisten wieder nach der Macht greifen – Feigheit vor dem Feind ist eines ihrer hervorstechendsten Charaktermerkmale, „Wenn Du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis“ ihr Lebensmotto – und das Äußerste an Aktion, zu dem sie fähig sind.

Kennen Sie eigentlich den bekanntesten Ausspruch von Rosa Luxemburg, jener Namensgeberin der Stiftung, die den oben genannten Debattierclub ins Leben ruft, das Zitat, für das sie weithin gelobt wird?

„FREIHEIT IST IMMER DIE FREIHEIT DES ANDERSDENKENDEN!“. Ja – für sowas wurde man von Nazis erschossen. Nein – gar nicht von Nazis … sondern von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision. Das führte leider nie zu einer Ächtung soldatischen Denkens, dessen Loyalitätsromantismus uns in Zukunft beim eskalierenden Kampf „reich“ gegen „arm“ noch einige Probleme bereiten kann … und auch jetzt schon bereitet.

Bleiben wir aber selbstkritisch – und widmen den Opfern einen kurzen Blick.

Mahnwachen, genauer: Mahnwachen für den Frieden. Gegründet als Reflex auf eine im Frühjahr 2014 überraschend ins Bewusstsein tretende Kriegsgefahr, sie sich 2015 zu einer Widergeburt des kalten Krieges gegen Russland entwickelt hat … allerdings diesmal mit anderen Vorzeichen. Wo früher ein „Warschauer Pakt“ Gegenspieler war, zu dem allein die Sowjetunion 248 Millionen Menschen beisteuerte, steht heute ein europafreundliches Volk mit 140 Millionen Einwohnern gegen ein Militärbündnis mit knapp einer Milliarde Menschen und weiteren hunderten Millionen Verbündeter in Asien, Afrika und Südamerika. Das darf einen doch wohl nachdenklich stimmen. Das Gegenteil von Mahnwachen? Einberufungsbüros.

Infokrieger Menschen, die der Meinung sind, dass wir uns in einem Informationskrieg befinden – was der Spiegel offiziell bestätigt (siehe Spiegel) – eine „Facebookbrigade“ sorgt unverblümt und gedankenlos für den Kampf um die Meinungshoheit im Internet … ohne das jemand die Paralellen zu den Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision erkennt. Soldaten sollen per Definition den Bürger gegen äußere Feinde verteidigen – auch Nato-Soldaten – und nicht die Regierung vor Bürgermeinung schützen. Schon ok, dass man aufmerksam auf Aktivitäten dieses staatlicherseits begonnenen Infokrieges schaut – bevor Soldaten wieder Hinrichtungen an politisch unbequemen Menschen durchführen. Gegenteil von Infokrieger? Meinungssklaven.

Reichsbürger … haben eigentlich mit Infokriegern und Mahnwachen nicht viel zu tun – außer, dass sie für drängende Probleme einen nationalistischen Lösungansatz auf der Basis hahnebüchener Theorien bieten – im Vergleich zu Infokriegern und pazifistisch orientierten Mahnwachen eine kleine Spinnergruppe, die nichts in der Aufzählungsreihe zu suchen hat … außer, dass die beiden erstgenannten dadurch diskreditiert werden, dass man so tut, als wären alle zusammen eine homogene Gruppe. Gegenteil von Reichsbürgern? Weltbürger.

Putinfans … da wird es gleich noch haarsträubender – weil man einen solchen Begriff erstmal erklären müsste. Anstelle einer „Pro-Putin-Bewegung“ in der Republik scheint mir nur ein gewisses Unbehagen über die einseitig erscheinende Berichterstattung der kapitalistischen Medienwelt beobachtbar zu sein – daraus gleich abzuleiten, dass alle Kritiker der einseitigen Berichterstattung Putin gleich zum deutschen Bundeskanzler ernennen möchten, ist mehr als weit hergeholt … entspricht aber einer Ideologie, die gerne aus allem und jedem „Volksfeinde“ macht, wenn auch nur der geringste Verdacht besteht, dass die eigenen Pfründe in Gefahr geraten könnten.  Gegenteil von Putinfans? Amerikanismusfans.

Chemtrails … sind nun gar keine Menschen. Erstmal geht es um ein nahezu alltäglich erlebbares Himmelsphänomen: Kondensstreifen, die sich nicht auflösen und im Laufe der Zeit einen milchigen Schleier bilden. An manchen Tagen gibt es sie, an anderen nicht. Manche meinen, dort werden Chemikalien versprüht, die den Ökokollaps hinauszögern sollen, andere wiederum sagen: alles normal, da wird nur zuviel geflogen. Beides bedenklich – völlig unabhängig davon, ob manche Spinner dies in ihr rechtsradikale Gedankengewölbe einbauen oder nicht. Gegenteil von Chemtrails: blauer Himmel.

Verschwörungsideologen … da ist man wenigstens so präzise, dass man nicht „Verschwörungstheorien“ anprangert, sondern eher die Art und Weise, die diese Theorien zur Ideologie erhoben werden, zu einem geschlossenen Weltbild, über das nicht mehr diskutiert werden kann … wie etwas das Weltbild jener, die hinter Mahnwachen, Infokriegern, Reichsbürgern, Putinfans und Chemtrails Anzeichen einer neuen, im Verborgenen arbeitenden faschistischen Weltverschwörung sehen, die – obwohl es jenseits der Beobachtungen von Verschwörungstheoretikern keinerlei Belege für sie gibt – beständig von einsamen Helden des Widerstandes auf Facebook-Watchblogs beobachtet werden müssen. Gegenteil von Verschwörungsideologien? Die Wahrheit.

Was bewirkt eigentlich so eine gedankenlose Idiotie, die ein Vermischen von willkürlich gewählten – oder geschaffenen – Begriffen, von Sprachcodes, die nur „Eingeweihte“ verstehen (bislang konnte mir niemand erklären, warum der auch mir suspekte Herr Jebsen einen Aluhut tragen soll – beobachten konnte man das nur bei seinen Gegnern, die den wohl aus irgendwelchen Gründen für nötig gehalten haben), von Vorverurteilungen und einer undifferenzierten Kultur der virtuellen Menschenhatz?

Sie fördert eine Kultur der Angst, verhindert die kritische Diskussion über reale Probleme und baut einen harmlosen Nebenkriegsschautplatz auf – aus Angst davor, es könnte möglicherweise ein Nazi dahinter verborgen sein.

Es sind mit Sicherheit auch Nazis in den so angedachten Zielgruppe, aber so wenig wie alle blonden Menschen Faschisten sind, weil ein schwarzhaariger Hitler sie zu Herrenmenschen erklärt hat, so wenig sind alle Kritiker der Phänomene der Gegenwart Nazis, weil sich unter ihren Zuhörern Gestalten befinden, die jede Systemkritik für sich selbst instrumentalisieren wollen.

Was aber auf jeden Fall geschieht, ist eine Spaltung der kritischen Gegenöffentlichkeit (so möchte ich mal den kleinsten gemeinsamen Nenner der oben gescholtenen Gruppierungen benennen), die unter den Generalverdacht der Hitlergefolgschaft gestellt wird – die gleiche Methode wie 1933, nur eine andere Zielgruppe.

Und das soll „links“ sein.

Ich nenne es lieber „pseudolinks“ – weil es der Wahrheit näher kommt.

Die Junge Welt klassifiziert sie deshalb trefflich nach ihren TATEN … und nicht nach den eigenen, selbstverliebten Wunschvorstellungen (siehe Junge Welt):

„Die Querfront aus NATO-Freunden, Zivilisationsfaschisten und gutgläubigen Linken – die es hier wie dort gibt – unterscheidet eines wesentlich von der anderen, völkischen Querfront: Sie will nicht umarmen. Sie will spalten und dadurch schwächen. Ihre Grundposition ist neoliberal und pro-kapitalistisch.“

Und während die hinter jedem Vegetarier einen Nazi vermuten, zerbricht die Welt täglich ein Stück mehr – durch industrielle Revolutionen, die den Arbeiter und seine Arbeitskraft immer wertloser machen. Aber das stört nicht beim Genuss der Buttercremetorte, bei dem man seinen staatsfinanzierten Mahnwichtelwahn hemmungslos ausleben kann.

Noch ein wenig mehr, dann tötet neuer Faschismus wieder massenhaft Menschen mit Hilfe pseudolinker Kategorien, die neue Untermenschen definieren, dann wird jeder Systemkritiker zum Untermenschen im Namen der Buttercreme.

War vielleicht schon immer so.

Und wem nützt´s?

All jenen, die eine Wiedererstarkung echter linker Ideale trotz drohender Berufsverbote fürchten müssen, als da wären: Freheit, Gleichheit, Brüderlichkeit … auch für den „Anderen“.

Wie hätte man die Typen in den vorhergehenden Jahrhunderten genannt?

Reaktionäre. Ganz einfach.

Ethisch keinen Deut besser als Offiziere der Garde-Kavallerieschützendivision, die Rosa Luxemburg meuchelten – aber momentan noch im Rufmordmodus. Gut, dass sie aufgrund ihres Charakters dort verbleiben werden: das unterscheidet sie von echten „Rechten“.

 

 

 

 

Die politische Linke in Deutschland … und die kommende Revolution

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Mittwoch, 25.3.2015. Eifel. Was ist das eigentlich, „links“? Haben Sie sich die Frage schon mal gestellt? Wissen Sie noch, was linke Inhalte sind? Seien Sie vorsichtig bei der Antwort … es gibt „linke“ Kräfte in diesem Land, die als Kernpunkt ihrer Arbeit nur eins verstehen: beständig jedem und jedermann auch unter Anwendung großer verbaler Gewalt und Missachtung jeglicher wissenschaftlich korrekten politischen Argumentation eine nationalsozialistische Gesinnung zu unterstellen. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Israel. Sicher haben Sie schon eine Meinung dazu – und die ist mit Sicherheit „rechts“. Ich brauche sie gar nicht hören, ich weiß es jetzt schon. Sind sie für die Existenz des Staates Israel, dann sind Sie ein Nazi, weil Israel ein barbarischer, an das Dritte Reich gemahnender Unterdrückerstaat ist – einfach mal Palästinenser fragen. Sind Sie aber gegen die Existenz dieses barbarischen, an das Dritte Reich gemahnenden Unterdrückerstaates, dann sind Sie Antisemit – und somit auch ein Nazi.

Sie wollen jetzt schon aufgeben?

Feigling.

Bekennen Sie sich für die Leitfunktion der letzten bestehenden Supermacht, der USA, dann sind Sie ein Faschist, denn die USA ermorden aktuell Menschen in aller Welt, wie es  nur üble Despoten machen. Ja, wirklich: der „Krieg gegen den Terror“ hat nach aktuellen Untersuchungen bislang eine Million Menschenleben gekostet – das ergibt eine Studie der IPPNW (siehe IPPNW). Das geht in Richtung Massenvernichtung …. offensichtlich unwerten Lebens, dass ohne Gerichtsverhandlung auf brutale Art und Weise hingerichtet wird. Zivilisten? Wurden zu „Kollateralschäden“ umbenannt, Säuberungsprinzipien, die an die Marschrichtung der Waffen-SS gemahnen … nur mit modernerer Technik umgesetzt werden und deshalb nicht so dramatische Bilder hergeben.

Bekennen Sie sich zum Widerstand gegen neu erstarkenden us-amerikanischen Imperialismus, dann sind Sie ein Faschist, ohne Frage: der Leuchtturm der Freiheit hat die Welt vor dem Hitlerfaschismus gerettet, jede Aktion gegen ihn nützt nur den antidemokratischen Kräften in der Welt.

Na – genug davon?

Putin.

Sind Sie für Putin, dann sind Sie ein Faschist. Glasklar, dass dieser Mann das Oberhaupt eines Oligarchenstaates ist, in dem die alten Sowjetkader die Macht an sich gerissen haben. Sind Sie gegen Putin, sind Sie auch ein Nazi … die Begründung können Sie über den Kampf gegen den Raubtierkapitalismus, über den Widerstand gegen den US-Imperialismus oder aus der Tatsache herleiten, dass Russland auch entschieden am Untergang des Dritten Reiches mitgewirkt hat … ein starkes Russland, wie Putin es wieder errichten will.

Ich kann auch noch blöder.

Mögen Sie Hunde?

Dann sind Sie ein Nazi. Hitler mochte Hunde.

Lieben Sie Kinder?

Nazi!

Hitler mochte auch Kinder.

Außerdem war er Vegetarier, was die Veganer von den Montagsmahnwachen in Krefeld SEHR verdächtig macht – ach was: alles Nazis.

Noch Lust, darüber nachzudenken, was eigentlich „links“ ist?

Ich weiß, viele meinen zu glauben, was links ist: Sozialismus, Kommunismus, Stalinismus. Die Herrschaft der Partei über das Volk … der Einheitspartei, wohlgemerkt. Sind es zwei Einheitsparteien wie in den USA oder jetzt auch in Deutschland, nennen wie das schon (oder noch) Demokratie.

Ja – aktuell regt sich auch in Deutschland Widerstand gegen unsere Ein-Parteien-Regierung, nach sechzig Jahren „Marktwirtschaft“ regiert der „Markt“ als alleiniger Herrscher … und nicht mehr das Volk. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Mehrheitsmeinung in Deutschland (siehe Zeit):

„Einer Studie zufolge denken mehr als 60 Prozent der Bürger, dass in Deutschland keine echte Demokratie herrscht. Schuld sei der starke Einfluss der Wirtschaft auf die Politik, die mehr zu sagen habe als der Wähler.“

Es kommt sogar noch besser. In jenem Land, in dem der Duktus der Kanzlerin ist, jedem jederzeit vorzubeten, wie gut es uns doch geht, gibt es genug Potential für eine Revolution:

„Jeder Dritte ist demnach davon überzeugt, dass der Kapitalismus zwangsläufig zu Armut und Hunger führe. Drei von zehn Befragten gaben an, sie könnten sich eine wirkliche Demokratie nur ohne Kapitalismus vorstellen. 37 Prozent aller West- und 59 Prozent aller Ostdeutschen halten kommunistische und sozialistische Gesellschaftsformen für eine gute Idee, die bisher nur schlecht ausgeführt worden seien. Ein Fünftel fordert eine Revolution, da Reformen die Lebensbedingungen nicht verbesserten.“

Nicht nur das Volk, auch die Reichen – sogar die Superreichen – sehen unsere friedliche, demokratische Gesellschaftsordnung massiv durch den Faktor „Reichtum“ gefährdet (siehe Welt):

„Dabei liegt das Problem nicht darin, dass wir Ungleichheit haben. Eine gewisse Ungleichheit gehört wesensmäßig zu jeder funktionierenden kapitalistischen Ökonomie. Das Problem ist, dass die Ungleichheit einen historischen Höchststand erreicht hat und mit jedem Tag schlimmer wird. Unser Land verändert sich rasch von einer kapitalistischen zu einer feudalistischen Gesellschaft. Wenn sich die Politik nicht drastisch ändert, wird die Mittelschicht verschwinden, und wir sind wieder im Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts. Vor der Revolution.“

Das sagt Nick Hanauer, einer der reichsten Menschen der Welt … und führt uns nebenbei zurück zu den Wurzeln des ursprünglichen „Links-Seins“ … der französischen Revolution. Ja, vergessen wir mit unserer desaströsen historischen Bildung leicht (was Absicht sein mag): die Wurzel linker Kräfte steckt nicht im Marxismus. Das war nur die zweite Welle, die allerdings folgerichtig gemerkt hatte, dass wirtschaftliche Macht feudale Macht problemlos ersetzen kann: daraus folgten die nächsten Revolutionen.

Das 37 % der Westdeutschen kommunistische und sozialistische Gesellschaftsformen für eine gute Idee halten, ist allerdings eine Katastrophe: am Ende der Entwicklung der Feudalstaaten in lupenreine Demokratien haben wirtschaftliche Machtballungen keinerlei Macht mehr über Demokratien … d.h. sie müssen so weit zurechtgestutzt werden, dass sie keinerlei Geld mehr für Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel haben. Das ginge leicht, in dem man die Löhne so weit nach oben schraubt, dass die Wirtschaftsmacht wieder dezentralisiert wird – eine Horrorvorstellung für den neuen Adel, die neuen Feudalherren. Das 63 % der Deutschen nicht mehr wissen, wo die Entwicklung der Demokratie letztlich enden muss, um wirklich Demokratie zu sein, ist schauderhaft.

Nebenbei bemerkt: die lupenreine Demokratie – die halt auch jegliche Wirtschaftsmacht in ihre Schranken weist – wäre auch ein Idealbild unserer christlichen, abendländischen Kultur … wie nützlich. Eine Chance, die man derzeit ignorant (aber äußerst bequem) an sich vorüber ziehen läßt.

Trotzdem: das Potential reicht für eine Revolution. Ein Fünftel der Deutschen – sechzehn Millionen Menschen – wären bereit dazu … und das wissen auch die Feudalherren, die schon jetzt Gegenmaßnahmen ergreifen (siehe WSWS):

„Experten eines EU-Think-Tanks fordern, dass sich die Europäische Union darauf vorbereiten müsse, Aufstände und Streiks militärisch niederzuschlagen. Diese würden infolge der immer stärkeren sozialen Ungleichheit in der globalisierten Wirtschaft und wachsenden kriegerischen Konflikten auch innerhalb der EU-Grenzen unweigerlich zunehmen.

In einem Studienband des EU-eigenen „Europäischen Institut für Sicherheitsstudien“ (European Union Institute for Security Studies, EUISS) fordern die Autoren unumwunden, dass die Armee angesichts dieser Entwicklung vermehrt für „Polizeiarbeiten“ eingesetzt werden müsse, um die Reichen vor der Aggression der Armen zu schützen.“

Hochbrisant, diese Studie – erst recht angesichts der Tatsache, dass Deutschland … ohne große Diskussion in der Öffentlichkeit … seine Wehrpflichtarmee in ein Freiwilligenheer verwandelt hat. Irgendwie hat es niemanden überrascht, dass der Agent der Atlantik-Brücke, der Lügenbaron von Guttenberg (das bezieht sich jetzt mal nur auf seine Doktorarbeit), eine alte linke Forderung im Handstreich durchgesetzt hat und so dafür sorgte, dass die gesunde demokratische Mischung in den Streitkräften langsam abgebaut wird … zugunsten einer Söldnermentalität.

Ja – hier müssten wir langsam mal richtig links denken, richtig revolutionär denken: das wäre das Gebot der Stunde. Die Zeit wäre reif … doch die Feudalherren haben  dazu gelernt. Sie hatten 200 Jahre Zeit sich auf die erneute Machtübernahme vorzubereiten, den Krieg „reich gegen arm“ gründlich zu planen und durchzuführen … und haben sich eine fünfte Kolonne geschaffen, die ganz offen agiert.

Ja – irgendwie kommt man sich wie ein einsamer Rufer in der Wüste vor, wenn man beständig die Meldung des „Spiegel“ wiederholt, dass die britische Armee eine ganze Brigade zur Argumentationsarbeit bei Facebook abstellt (siehe Spiegel). Niemand scheint sich groß zu fragen, was die denn da eigentlich konkret machen. Hier stellt jemand von Steuern bezahlte Soldaten in großer Zahl ab, um in die Meinungsbildung des Steuerzahlers einzugreifen und macht so aus der Armee für alle eine politische Partei für wenige. Kein Problem damit? Da werden grundsätzliche Prinzipien des demokratischen Rechtsstaates verletzt … wie ihn „Linke“ sich vorstellen würden.

Ähnliches hat jetzt Angela Merkel mit Deutschland vor. Sicher – wir wissen noch nicht, wie viele Soldaten der Bundeswehr (oder Agenten des Verfassungsschutzes) zum aktuellen Zeitpunkt in die Meinungsbildung eingreifen, aber wir wissen, dass die deutsche Bundeskanzlerin sich anschickt, aus uns … dem Souverän des Landes … endgültig eine Horde dämlicher Schafe zu machen, die ganz im Sinne feudalromantischer rechter Vorstellungen ihre Herren anbeten, ihre Füße küssen und ihren Speichel lecken. Ja – sogar die konservative „Welt“ berichtet darüber, über „Nudging“, jene Form indirekter Diktatur, die in England und den USA sehr beliebt ist (siehe Welt). Demokraten sehen in diesem Nudging vor allem eins: die Abkehr unserer obersten Verwaltungsangestellten von ihrem Arbeitsvertrag, der beinhaltet, dass sie Schaden von uns abhalten und Nutzen mehren soll hin zur indirekten Diktatur – eine Entwicklung, die vor allem eins deutlich zeigt: die Verachtung für den wahren Souveräns des Landes (das sind die achtzig Millionen Bürger), seine Deklassieurung als zu erziehendes Objekt, dessen Meinung man durch die Streitkräfte schon mal in die richtige Richtung lenkt (ja – im Rahmen der Europaarmee wird diese britische Facebook-Brigade auch für uns zuständig sein) und die Bildung einer neuen Führungskaste, einer neuen Elitenkaste … eines neuen Feudalismus.

Eine Entwicklung, die deutsche „Demokraten“ völlig ignorieren, weil sie durch viel zu hohe Diäten massiv auf die Lohnlisten der Reichen (und ihres Lebensstils) gezogen werden, sobald sie den Bundestag betreten … obwohl schon Milliardäre davor warnen.

Niemals haben wir mehr eine echte, starke, linke Front im Lande gebraucht – weshalb wir uns nochmal um die Frage kümmern müssen, was dass denn nun sei, dieses „Linke“.

Der Spiegel hat dazu vor einiger Zeit einen hilfreichen Artikel veröffentlicht (siehe Spiegel):

„Je intelligenter Menschen sind, umso eher sind sie bereit, sich auf Neues einzulassen. Konservative und religiöse Menschen haben hingegen einen geringeren Intelligenzquotienten. Psychologen glauben, dass man das Phänomen evolutionsbiologisch erklären kann.“

Das man dabei das Bild eines biersaufenden Seehofers eingeflochten hat (angesichts des dicken Kruges kann ich von „trinken“ nicht mehr reden), lenkt vom eigentlichen Thema ab. Wir brauchen als Gesellschaft Konservative, die im Wettstreit mit den Palaststürmern jene Errungenschaften verteidigen, die sich als wertvoll für die Menschheit erwiesen haben … aber wir brauchen bei jeder neuen Herausforderung auch die Palaststürmer, vor allem dann, wenn sich wieder eine dicke Speckschicht selbstbereichernder, dümmlicher Feudalherren angesammelt hat.

Wir haben hier die erste Qualifikationen, die „Linke“ auszeichnen sollten: nicht der bravouröse Auftritt am Flipchart ist gefordert … sondern folgerichtiges Denken und Handeln. Intelligenz ist die erste Tugend eines Linken – nicht der Grad an Enthusiasmus, mit denen man die Nazis der vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der Gegenwart sucht.

Das 21. Jahrhundert hat neue Bedrohungen für die offene, demokratische Zivilgesellschaft, neue Herausforderungen für den kreativen Geist: die Herrschaft der SA in unseren Straßen ist gerade nicht das aktuellste Problem … die sind seit siebzig Jahren fort – und nur die dümmsten der Dummen (eine winzig kleine Minderheit) fordern ihre Rückkehr.

Was nicht als „links“ einzustufen ist, ist alles, was die Annahme der Herausforderung, die Bildung von kritischen Massen blockiert, sich im linken Wortgewande hauptberuflich als „Spalter“ betätigt, um die Mehrheitsbildung zu verhindern … zum Beispiel sind dies all´ jene, die schnell ihre Pro-Israel oder Anti-Palästina-Fahnen schwenken. Ein wichtiges Thema, dass ich nicht abwerten möchte – das aber eindeutig nichts mit dem Schutz der demokratischen Grundordnung dieses Landes vor neuen Formen des Feudalismus zu tun hat. Ebensowenig hat die Frage nach Kommunismus oder Sozialismus mit der Lösung der aktuellen Probleme zu tun: die Lebenswelt eines Karl-Marx war eine ganz andere als die unsere, wo der (Konzern-)“Arbeiter“ über „Aktien“ Teil des „Establishments“ geworden ist und auf der anderen Seite Kleinunternehmer („Kapitalisten“) den Säuberungsaktionen der Finanzwirtschaft (genannt Basel II und Basel III) zum Opfer fallen und sich zunehmend ein Millionheer der „Überflüssigen“ bildet, dass schneller wächst als jedes Bruttosozialprodukt.

Heute haben wir Realitäten, die den Faktor Arbeit (die ehemalige Kampfkraft kommunistischer Bewegungen) beständig weiter entwerten, jede industrielle Revolution läßt weniger Bedarf an menschlicher Arbeitskraft übrig, die vierte wird unsere auf Dienstleistung getrimmte Gesellschaft mit einer unvorstellbaren Massenarbeitslosigkeit konfrontieren … wer nicht blöde ist, weiß, wie viele Millionen Arbeitsplätze bei Banken, Verwaltungen und Versicherungen überflüssig werden, wenn ab 2020 neue „Apps“ ins Smartphone Einzug halten (siehe z.B. ksta).

Die Antwort der „Linken“ darauf?

Keine.

Die Allianz der WASG mit erzkonservativen SED-Kadern zu einer „linken“ Partei hat der linken Bewegung in Deutschland endgültig den Rest gegeben … nach dem (wie immer zu erwartenden) Verrat der „Sozialdemokraten“ und der Abwendung der „Grünen“ von der absoluten Wertschätzung der sozialen Grundrechte von Menschen der letzte Stoß ins Herz der intelligenten Reformer – wie üblich mit viel Geld, viel Posten und viel „Publicity“ vorbereitet.

Da ist schlichtweg kaum noch etwas übrig … außer Kader der „Reaktion“, die den ganzen lieben langen Tag damit verbringen, kreative Linke als Nazis zu diffarmieren, damit die etwas anderes zu tun haben, als die Revolution in Gang zu setzen.

Revolution? Ist das nicht verboten?

Nun – wir haben das 21. Jahrhundert. Noch haben wir eine Chance, die politschen Verhältnisse in Deutschland ohne den Einsatz von Gewalt zu ändern … immerhin sollten wir aus 1789 und 1918 gelernt haben. Wir können heute zivilisierter sein, haben genug Erfahrungen, uns erstmal dem Krieg der Worte zu stellen, bevor wir Rathäuser, Sendeanstalten und Polizeikasernen stürmen.

Zuvor sollten wir uns den klaren Leitlinien stellen und uns auf sie zurückbesinnen, die uns die Väter der Revolution mitgegeben haben, jene Werte, mit denen sie eine bessere Welt aufbauen wollten.

Da wäre die BRÜDERLICHKEIT – ein Wert, gegen den jeder Spalter Sturm läuft. Ein echter Linker redet MIT den Mahnwachen – anstatt nur … in spalterischer Absicht … ÜBER sie. Ja – er redet sogar mit Polizisten, Soldaten, Adeligen, Huren, Priestern, Handlungsreisenden Versicherungsunternehmern und Unternehmensberatern … kurzum: mit all´ jenen, die man bei dem Kampf um die Macht braucht. Und wie uns die Erfahrung lehrt, können wir auf keinen verzichten  – mal abgesehen von jenen Kaffeehauslinken, die sofort auf dem Klo verschwinden, sobald der erste Schuss zu hören ist (und sei es auch nur die Fehlzündung eines Kraftfahrzeuges).

Da wäree die FREIHEIT … was auch die Freiheit der Andersdenkenden ist. Oder die Freiheit vor staatlichem „Nudging“. Oder die Freiheit von wirtschaftlicher Abhängigkeit durch restriktive Sozialgesetzgebung bzw. deren vollständiger Auflösung, die aktuell läuft (siehe z.B. Christoph Butterwege in N.Tv).

Da wäre die GLEICHHEIT … der zentralste Wert linker Glaubenssysteme … ein Wert, der deutschen „Besserlinken“ automatisch ihren korrekten Platz im Reich der Kräfte der Reaktion zuweist anstatt ihren überhöhten Selbstanspruch zu huldigen, Gralshüter echter (pseudo)-linker Gesinnung zu sein.

Im Geiste der französischen Revolution nehme ich JEDEN mit, um erstmal die Hauptgefahr zu beseitigen: den König … oder die Plutokratie. Hätte man 1789 vor der Revolution Gesinnungsprüfungen eingeführt … hätten wir heute noch die Leibeigenschaft – weshalb wir korrekt alle selbsternannten Gesinnungsprüfer den Kräften der feudalen Reaktion zuordnen … auch wenn sie tolle linke Sprüche absondern und linkem Dresscode ehrerbietig genüge tun.

Nach der Revolution gibt es dann auch keine Säuberungen … sondern die gemeinschaftliche Arbeit an der Zukunft. Alles, was die Bürger in „gut“ und „böse“ spaltet, ist eindeutig als nichtdemokratischer, zum demokratischen Dialog unfähiger Geist abzulehnen.

Schon Angst vor dem Blutvergießen? Angst davor, den Kopf des Königs absägen zu müssen?

Ich kann Sie beruhigen. Noch (aber wirklich auch nur „noch“ – das Fenster schließt sich zusehends weil der Neo-Feudalismus auf eine blutige Konfrontation setzt) ist eine unblutige Revolution denkbar – und durchführbar. Wer will auch wirklich unsere unterbezahlten Polizeibeamten verprügeln … denen geht es schon schlecht genug. Und wie arm unsere Soldaten sind, weiß inzwischen das ganze Land.

Die wahre Macht im 21. Jahrhundert liegt nicht beim König, nicht beim Industriellen … sondern bei anonymen Kapitalballungen, die ganze Länder ins Unglück stürzen und Parlemente kaufen. Nur die müssen massiv beschnitten werden, die Mechanismen ihres Wachstums abgebaut, das Wachstum selber ausgebremst werden. Dazu reichen ein paar Gesetze im Einklang mit unserem Grundgesetz.

Und für diese Arbeit brauchen wir bescheidene, demütige, hochintelligente selbstlose Linke. Jeder intelligente Rechte wird das einsehen, dass das nicht die Spielwiese seiner Genossen ist – dafür sind die einfach zu blöde. Aber alle – Rechte wie Linke – brauchen eine Revolution der Verhältnisse.

Doch bevor wir die in Angriff nehmen, brauchen wir … eine stabile Mehrheit in der Bevölkerung – die durch zunehmende Aufspaltung aktiv verhindert wird.

Ach – was rede ich: die Mehrheit ist ja schon da.

Jetzt fehlen nur noch echte Linke, die sie zum Sieg führen.

Also: wo seit ihr?

PS: ein Riesenthema – und meine Selbstbeschränkung auf 2000 Worte habe ich wieder nicht einhalten können. Trotzdem brauchen wir noch mehr, weil zunehmend echter revolutionärer Geist als „Querfront“ abgetan wird, wobei der Begriff aus purer Dummheit heraus völlig falsch verwendet wird. „Querfront“ meint die aktive Übernahme linker Kultur, Meinungen und Kleidungen durch faschistische Kräfte, um sie sich nutzbar zu machen … was voraussetzt, dass es hier eine lenkende Intelligenz gibt, die dies veranlaßt. Wo immer wir aber diese Intelligenz bisher vermutet haben, fanden wir in der braunen Soße nur eins: BND und Verfassungsschutz, weshalb dies Theroie der Querfrontbildung nur eine haltlose Verschwörungstheorie ist. Bekannte Versuche wie der „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ haben sich 2008 aufgelöst und das Projekt für gescheitert erklärt – was kein Wunder ist: Rechte sind einfach zu dumm dafür. Ebenso dumm ist es, zu unterstellen, es gäbe noch geheime, unsichtbare Querfrontlenker um Untergrund, die niemand kennt. Noch dümmer ist es, anderen aus dieser Position heraus vorzuwerfen, das Verschwörungstheorien an sich böse, rechtsradikal und dumm seien. Das Gegenteil ist der Fall: Menschen, die in der Lage sind, Wahrheitstheorien (das ist der wissenschaftlich korrekte Begriff zu der Arbeit, die sie leisten) zu bilden, sind in der Regel viel intelligenter als jene, die von der britischen Brigade vorgegebene Meinungen nachbeten (siehe Forschung und Wissen). Mag aber sein, dass das auf Dumme böse wirkt. Zu gegebener Zeit werden wir uns um diesen Begriffsmissbrauch gezielt kümmern müssen.

PS2: mit Nazis reden … geht das? Also erstmal ist schon die Frage doof: als Demokrat muss man das. Als intelligenter Linker kann man das auch. Sofern es nicht medizinisch wird (mit Psycho- und Soziopathen gelingt der Diskurs nicht – das sollte man wissen, ebenso wenig wie mit Kultisten, d.h. in erster Linie religiös motivierten Anhängern des von der Vorsehung gesandten „Führers“ … wie z.B. Horst Mahler), gibt es auch gute Aussichten auf Erfolg: auch der Nazi hat Frau und Kinder, braucht Nahrung und Obdach sowie Interaktion mit Mitmenschen – nur allzu oft sind seine politischen Entscheidungen „Kurzschlüsse“ auf Grund eingeschränkter Informationsaufnahme, um seine Ängste zu bewältigen. Noch einmal: ein weites Thema. Zur Beschaffung von revolutionsfähigen Mehrheiten braucht man aber keine Nazis – dafür sind die wirklichen viel zu selten … und völlig unbedeutend.

 

 

Leander Sukov – und die Erbärmlichkeit deutscher Kaffeehauslinker

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Dienstag, 17.3.2015. Eifel. Tja – nun ist es geschehen. Ich muss mich mit Rufmord auseinandersetzen. Ein „Leander Sukow“ – bekannt durch seine Gedichte über Regenwürmer und ungelesene Liebesromane … jedenfalls bei den sechs Menschen, denen so etwas gefällt – hat mich entlarvt. Das war zu erwarten: es ist der Hauptberuf der „Kaffeehauslinken“, andere zu entlarven. Immerhin sind sie die Besserlinken, die Bessermenschen – ach, einfach nur supergut. Was hat man als ein solcher Bessermensch auch anderes zu tun, als den ganzen Tag jene zu entlarven, die nicht ganz so supertoll gut sind. Lebenstraum? Kritiker mit Festanstellung – das wäre es. Den ganzen Tag den Leuten sagen können, wo es lang geht – bei prall gefülltem Kaffeetischchen – ein Traum. Fernab der Welt, wo Arbeit lauert, Schmutz, Blut, Leid und Elend, am heilen Tischchen der Kaffeekranzkultur, wo man bedient wird … wie man es sich nach eigener Überzeugung verdient hat … oder jedenfalls meint, es verdient zu haben. Ohne Hirn läßt sich so gut leben und als Bessermensch über die Mindermenschen trefflich urteilen. Immerhin bleiben die ja draußen – weit außerhalb der heiligen Hallen des Kuchentempels.

Was habe ich nun Schreckliches getan?

Ach – lassen wir den Herrn Sukov doch selber zu Wort kommen – hier sein Facebookeintrag vom 16.3.2015:

Es wohnt ein Relativierer in der Eifel:
“Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz”

Ein Reiner A. Damann, Eifelphilosoph (was immer das sein mag), findet, Auschwitz sei auch nur wie ein JobCenter gewesen und das Leben der Juden, Polen, Roma und Sinti und der anderen Opfer der faschistischen NS-Herrschaft hätten gelebt wie Hartz-IV-Empfänger. Jedenfalls fast. Denn anders lässt sich die Schlagzeile “Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz” nicht verstehen, mit der er einen Artikel auf seinem Blog überschrieben hat, den ich selbstverständlich nicht verlinke, weil ich der Relativierung des Grauens des Holocaust nicht Vorschub leisten will.
Es ist aber so, dass einige meiner Freunde mit Rainer A. Damman verbändelt sind. Ich empfehle sehr, die Bänder zu lösen.

Nun – erstmal ist der Name falsch wiedergegeben – mal fehlt ein m, mal ein n, auch die Schreibweise des Vornamens variiert: aber Sorgfalt in der Arbeit ist nicht jedermanns Stärke. Hat er den Artikel gelesen, der Herr Sukov?

Mit Sicherheit nicht. Wozu auch: er ist selbst ernannter Literaturkritiker, jederzeit zu vollmundigem Eigenlob bereit (ja – ich habe da einige Peinlichkeiten gelesen, die ich mit Rücksicht auf Herrn Sukov nicht verlinke: der typische Besserlinke eben).

Doch bleiben wir erstmal bei der Kritik. Also: Kaffeetasse beiseite, Kuchengabel fortlegen – es wird um Ruhe gebeten.

„Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Ausschwitz“ – so die Aussage. Was folgt daraus? Das Auschwitz (besonders Birkenau) eine Vernichtungsaktion war. Und das wir wieder eine haben, belegt die in dem Artikel zitierte Studie. Mir zu unterstellen, dass ich auch den von Herrn Sukow gezogenen Umkehrschluss für richtig halte … dass also Auschwitz lediglich ein harmloses deutsches Jobcenter sei … ist schon ein kleiner Gipfel von Bösartikeit, Gemeinheit und selbstgefälliger Ignoranz, wie man sie bei Kaffeehauslinken oft antrifft: nur so können sie ihre umfassende Überlegenheit gegenüber dem Rest der Welt beweisen.

Wirkt doof, aber zweifellos fühlt man sich gut dabei.

Hier wird nicht altes Grauen relativiert. Nicht mit einem einzigen, kleinen Satz. Was mich von Kaffeehauslinken unterscheidet, ist wohl die Erkenntnis, dass Auschwitz nicht nur ein Objekt im literarischen Universum ist, ein Synonym für das absolut Böse, mit dem man Romane vortrefflich auskleiden kann – sondern auch ein Objekt der realen Weltgeschichte. Im literarischen Universum mag es einmalig sein – im realen Universum ist es das nicht. Auschwitz ist wiederholbar. Jederzeit. Überall – so mein Standpunkt, meine Lehre aus der vierzigjährigen Beschäftigung mit dem Grauen. Ja – man wird etwas sensibilisiert, wenn man jahrelang am Tisch der Großfamilie nichts anderes hört als Geschichten über jene Zeit. Auch übrigens über die Kaffeehauslinken … jene kruden Gestalten, die die Vorhänge zuziehen, wenn die SA wieder Geschäfte niederbrennt, um sich den Genuß der Buttercremetorte nicht vermiesen zu lassen. Aber dann nächsten Tag andere Linke diffarmieren, um sich selbst zu beweisen, wie toll links man ist, während die ja gar nicht so richtig toll links sind.

Relativiert man Auschwitz, wenn man seine Einmaligkeit in Frage stellt? Im ersten Moment denkt man: kann schon sein. Wer kennt nicht den typischen Stammtischtroll, der sofort aufbrüllt, wenn er „Birkenau“ hört und mit „Dresden“, „Indianer“ und „Neger“ antwortet. Doch wir dürfen hier nicht stehen bleiben, denn die Verabsolutierung von Auschwitz als absoluten Gipfel menschlichen Leidens hat eine kleine – für Kaffeehauslinke durchaus angenehme – Nebenwirkung: es wertet alles andere Leiden ab. Alles, was nicht direkt Auschwitz ist, braucht man nicht ernst nehmen … denn so schlimm kann es ja gar nicht sein.

Eine schöne, sehr bequeme Einstellung, die vortrefflich beim Genuss des Buttercremekuchens hilft: immerhin hat man dem absolut Bösen nicht persönlich aber literarisch tief ins Auge geblickt – und sich klammheimlich darüber gefreut, dass es schon so lange tot ist. Man braucht gar nichts mehr tun: wie köstlich.

Menschenverachtung, Menschenvernichtung in der Gegenwart? Kein Problem, solange nicht „Auschwitz“ über dem Lagereingang steht und die Vorhänge im Kaffeehaus dicht sind. Und die Vorhänge müssen äußerst blickdicht sein – sonst schmeckt das Weinchen nicht mehr. Darf ich mal zwei Kommentare zu dem Artikel zitieren?

Ich habe vor einiger Zeit hier schon einmal versucht darauf hinzuweisen, daß es IMHO von Münteferings “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!” nicht mehr weit ist bis zu “Arbeit macht frei!” … leider ist das damals irgendwie wegmoderiert worden. Deshalb freut es mich zu sehen, daß die Erkenntnis inzwischen auch bei Dir gereift ist.

Ein anderes Negativbeispiel für das, was das vorherrschende Paradigma Neoliberalismus/Neofaschismus in der Politik angerichtet hat, sind die vom ehemaligen Superminister Wolfgang Clement bekannten Sprüche. Anarchopedia schreibt dazu:

»Clement benutzte ausdrücklich “Parasiten” bzw. “Parasitentum” für ALG-II Empfänger, die gleiche Wortwahl, die in den 30ern im Auftakt zur Judenverfolgung gewählt wurde, entsprechend positiv wurde die Beschimpfung der Menschenwürde durch das NPD-Blatt “Deutsche Stimme” aufgenommen.
Die Klage wurde von den Gerichten mit der der Begründung abgewiesen, daß “das offensichtliche Interesse” darin liege “ungerechtfertigte Staatsausgaben zu vermeiden”.
Eine interessante Lesart des “bürgerlichen Rechts”: Künftig werden also “Verbrecher” nicht mehr auf Grund ihrer Tat, sondern auf Grund ihres offensichtlichen Interesses verurteilt, frei nach dem Motto: Mord ist legitim, wenn sich mein Interesse mit der offiziellen politischen Richtung deckt. (Warum kommt mir diese Praxis nur so bekannt vor? …)
Ach ja … das Gewaltmonopol das Staates beinhaltet ja auch das Recht auf politischen Mord, wie wir nicht erst seit Benno Ohnesorg und Wolfgang Grams wissen. Ähnlichkeiten und Parallelen mit dem “Dritten Reich” sind rein zufällig und unterliegen der GEZ-subventionierten Pressezensur.«

Eine Bekannte aus England machte mich letzte Woche auf den traurigen Fall einer Freundin von ihr aufmerksam, der uns drastisch vor Augen führt, wie das System mit Minderleistern umspringt. Die inzwischen mit 37 Jahren verstorbene Lotte Ryan — eine engagierte Friedens- und Sozialaktivistin — war an einem Glioblastom erkrankt, einem äußerst aggressiven Hirntumor, für den es so gut wie keine Therapiemöglichkeiten gibt und der die Betroffenen zuerst zu Schwerstbehinderten macht (Motorik und Sensorik werden progredient schlechter) und sie dann tötet. Lotte Ryan war schon schwerstbehindert und auf Pflege angewiesen als sie vom lokalen Jobcenter (dem das alles bekannt war) unter Sanktionsandrohung (Einstellung der Zahlungen) zu einem Jobinterview beordert wurde. Wenige Wochen später ist sie dann verstorben …

Ich weiß – das ist etwas lang, aber qualifizierte Gedanken brauchen mehr Raum als das Kaffeehausgeblöke. Anders als Herr Sukov hat der Autor dieses Kommentars es geschafft, sein Studium auch abzuschließen. Läßt es wirklich jeden kalt, wenn die NPD einem sozialdemokratischen Wirtschaftsminister ob seiner Wortwahl zujubelt? Völlig vergessen, dass der Schoß noch fruchtbar sein soll, aus dem das kroch? Einfach mal den „aufhaltbaren Aufstieg des Arturo Ui“ von Berthold Brecht lesen … es lohnt sich.

Das deutsche Staatsschiff schmückt sich wieder mit braunen Wimpeln – doch solange die Kanne noch voll ist, wollen wir den Kuchen genießen. Leid vor der eigenen Tür? Ist doch kein Auschwitz, also: was soll´s! Hauptsache, wir haben drollige Katzenfotos auf Facebook.

Noch ein Zitat? Bitte schön:

Ich erlaube mir noch einen Nachtrag – denn davon ausgehend, dass hier noch mehr die von diesem System profitieren – in einer gnadenlosen Arroganz versuchen werden, den Artikel in Schutt und Asche zu kommentieren. Aus dem Grund hier noch ein kleiner Beitrag – vielleicht nimmt ihn der eine oder andere Systembückling zur Kenntnis.
„Die Fixierung des Faschismusbegriffs auf Auschwitz würde alles aussperren aus unserem Denken und Analysieren, was gestern zu Auschwitz geführt hat und morgen eventuell wieder zu Auschwitz führen könnte. Auch wenn es aberwitzig klingen mag: Wer Auschwitz verhindern will, muss selbst das Scheinbar-noch-ganz-Harmlose auf seine kausal-konditionale Qualitäten hin untersuchen, die in einem neuen Auschwitz enden könnten. Die Überprüfung und Einschätzung von “Bagatellen” gehören also ganz ausdrücklich mit zu diesem Forschungs- und Verhinderungsprogramm. Und wir werden auszuhalten haben, dass damit Auschwitz auch zurückgeholt wird aus dem Dämonisierungsabstand und uns als niemals ganz auszuschließende Möglichkeit der Geschichte wieder ganz naherückt. Es gibt keinen legitimen Sicherheitsabstand zu “Auschwitz”. Folglich dürfen wir auch den Begriff “Faschismus” nicht scheuen, da wir ansonsten in der Gefahr stehen, den Blick auf die Wirklichkeit zu scheuen. Pauschalabwehr besitzt keinen Rechtfertigungsgrund. Und geben wir bitte nicht als Stilkritik aus, was in Wahrheit nur Realitätsflucht wäre! Dabei hat natürlich als Selbstverständlichkeit zu gelten, dass der Begriff „Faschismus“ niemals als bloße Totschlags- und Etikettierungsvokabel missbraucht werden darf, sondern stets nur als Resultat sorgfältig-differenzierender Analyse Geltung für sich beanspruchen kann.

„Das Böse“, sagte der ehemalige Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, einmal, „braucht das Schweigen der Mehrheit.“ Auch das verbale Wegbeschönigen von heutigen Faschismusvorzeichen käme einem bösartigen Verschweigen gleich.“

Das stammt im Original von Konstantin Wecker, einem Linken, für den das Links sein nicht nur keckes, freches Sahnehäubchen auf dem Biedermeierkuchen ist, sondern Lebensinhalt. Darum ist er bei Kaffeehauslinken auch nicht gut angesehen … er tut richtig was, denkt konsequent nach, geht auf die Straße, wenn es anfängt zu stinken: ein Sakrileg gegen jedwede Biedermeierexistenz.

Hartz IV – das sei deutlich gesagt – ist nicht gleich Auschwitz, wie Auschwitz oder schlimmer als Auschwitz … und es gehört schon eine dicke Portion boshafter Ignoranz dazu, so etwas zu unterstellen. Zu solch einer Aussage stehe ich ich auch nicht. Ich stehe aber zu der Aussage – jederzeit und überall – dass wir da locker wieder enden können, wenn wir den unverantwortlichen, menschenverachtenden Kurs der Gegenwart so konsequent fortleben. Mal eine kurze Darstellung, was aktuell schon vernichtet wird? Ebenfalls ein Zitat aus den Kommentaren zum Artikel:

Um die Brisanz der Drohkulisse, die von den Jobcentern gefahren wird, noch einmal vor Augen zu führen, zeige ich Ihnen die Auswirkungen von Sanktionen und Sanktionsandrohungen auf die physische Lage der Betroffenen in signifikanten und zahllosen Fallbeispielen nach.(Vgl. z .B. u.a. Ames 2009, S.43; S.1611; Berliner Kampagne 2008, S.47; S.57; S.63; Griesmeier 2009, S.19ff; Daseking 2009, S.57).
Die Folgen reichen von Schlafstörungen, Depressionen bis hin zu massiven Schuldgefühlen, die bei vielen Betroffenen schlimmer empfunden werden als “Hunger” (Ames 2009, S.43 f.). Sanktionen im Zusammenwirken mit weiteren ungünstigen Situationskonstellationen führen meist zu schwerwiegenden psychosomatischen Erkrankungen.
Die Berliner Kampagne stellt in ihrer Analyse fest: “Die Auswirkungen des Fehlens von gesellschaftlicher Erwerbsarbeit auf die Befindlichkeit des Einzelnen sind gravierend. Diese Belastungen werden noch verstärkt, wenn die Menschen ständiger Sanktionsgefahr ausgesetzt sind:
Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen, Zwänge, Suchtverhalten, soziale Ängste, psychosomatische Erkrankungen” (vgl. Daseking 2008, S. 57). Alle Studien, die sich mit Sanktionen auseinandersetzen, weisen zumeist auf die hohe psychische Belastung hin. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da wie schon beschrieben, bereits die Möglichkeit dass Sanktionen ausgesprochen werden können eine disziplinierende Drohkulisse darstellt.
Es sei an dieser Stelle auch auf die internationale Definition von Gesundheit der
Weltgesundheitsorganisation (Word Healt Organisation, WHO5) hingewiesen. Gesundheit wird definiert als “ein Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens, der sich nichtlediglich durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet”.Beim Vergleich der Studien über den Sanktionsmechanismus sind häufig die Begriffe wie “Angst” verwendet worden (Existenzangst, Angst vor Verlust der Wohnung, Angst nicht zu wissen, wie man an Nahrungsmittel kommt, Gefühl der Überforderung und Hilflosigkeit sowie Ohnmachtsgefühle). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die negativen Auswirkungen von Sanktionen auf die psychische Gesundheit von Betroffenen in den unterschiedlichen Studien klar belegt sind. Im Extremfall führen sie zu Suizidversuchen.

Man muss schon ein überzeugter und engagierter Aktivist der „Generation Doof“ sein, um solche Vernichtungsaktionen vollständig zu ignorieren …. und angesichts der besonderen deutschen Geschichte scheint mir jede Art von Verharmlosung aktuellen Grauens ein Akt absoluter Verantwortungslosigkeit zu sein. Was der Kaffeehauslinke nur all zu gern vergisst: Deutschland, die deutsche Kultur, der Geist des deutschen Biedermeier war die Kultur, die Auschwitz real werden lies. Haben wir uns eigentlich jemals darum gekümmert, welche urdeutschen Eigenarten wir besser ablegen sollten, um eine Wiederholung der Geschichte ausschließen zu können? Wäre mir nicht bekannt, dass dies mal vor einer breiteren Öffentlichkeit geschehen wäre, dabei sollte jeder Hauptschüler nützlicherweise gleich zehn Unarten im Verhalten aufzählen können, die letztlich Menschen ins Gas bringen.

Ja – hier kommen wir zum eigentlichen Grund meines Schreibens. Ein Herr Leander Sukov und seine irreale Schmähkritik kann mir egal sein, ich denke, ich kann Kaffeehauslinke schon ganz realistisch einschätzen. Was mir nicht egal ist, ist der schleichende Faschismus, der wieder Alltag wird – auch bei jenen, die sich als große Verteidiger der Einzigartigkeit deutscher Vernichtungslager in der Öffentlichkeit sonnen. Der neue Faschismus kommt ganz elegant daher – und ist wie üblich im Herzen völlig unpolitisch. Nicht die boshafte (oder – seien wir wohlmeinend – dümmliche) Unterstellung erregt das Gemüt, sondern der kleine Schlußsatz:

Es ist aber so, dass einige meiner Freunde mit Rainer A. Damman verbändelt sind. Ich empfehle sehr, die Bänder zu lösen.

Nein, keine Sorge: diesem Aufruf ist keiner gefolgt. Besser noch: einer seiner FB-Freunde ist seit gestern auch meiner. Zeigt, dass unsere gemeinsamen Freunde Demokraten sind – und des Lesens und Denkens fähig. Aber was ist das für eine politische Kultur, die sich – weit ab jeglicher öffentlichen Diskussion – einfach in blinder Aburteilung eines vermeintlichen „Revisionisten“ (ohne jede Möglichkeit der Gegenrede, des demokratischen Diskurses – sowas ist bei Volksgerichtshofsurteilen ebenfalls unerwünscht) erschöpft und dann … zur völligen sozialen Isolation aufruft?

Merken Sie, welcher Geist sich da wieder erhebt? Bessermensch gegen Untermensch. Arier gegen Jude. Das alte deutsche Lied, immer wieder gern gesungen. Finden sich auch wieder unkritische Mitläufer (und Mithasser)- wie üblich.

Wissen Sie – ein Herr Sukov ist mir egal. Schlimmer als eine „Anti-Eifelphilosoph-Seite“ kann es nicht werden (gibt´s die eigentlich noch?). Von dieser Sorte gibt es reichlich, „Literaturkritiker“ leben halt von nichts anderem, als dass sie Ausschau nach kreativen, schaffenden Menschen halten, die sie irgendwie runterziehen können, um sich selbst zu erhöhen. Ich finde so etwas erbärmlich (weshalb mir Reich-Ranitzki immer suspekt war … was machen solche Charaktere, wenn sie mal reale Macht in die Hände bekommen?), aber wir leben in einem freien Land, in dem auch solche Existenzformen möglich sind.

Was einem aber nicht egal sein kann, ist der öffentliche Aufruf zur Menschenhatz … im Gewande einer vermeintlich antifaschistischen Gesinnung. Das hat nun mit der Person des Herrn Sukov nichts zu tun – die kann einem egal sein. Mir geht es eher darum, auf jene aufmerksam zu machen, die Auschwitz wieder möglich machen … und es auch früher erst realisierbar gemacht haben: der Typus des deutschen Kaffeehauslinken, einer pseudolinken Existenz, der wir aktuell ja schon viel zu verdanken haben: aus diesem Geist entsprang der von (vermeintlichen) Linken getragene Einsatz deutscher Bomber in Jugoslawien, der Einsatz deutscher Bodentruppen in Afghanistan und … der Abbau des deutschen Sozialstaates unter Verwendung originalen NS-Gedankengutes.

Wem es nur darum geht, für seine Regenwurmgedichte eine gediegene Leseatmosphäre zu haben, der mag damit leben können.

Wer seine Lehren aus dem Grauen des Dritten Reiches gezogen hat, kann damit nicht leben.

PS: ein persönliches Wort an Herrn Sukov. Gerne stehe ich Ihnen zu einer öffentlichen Diskussion über meine Ansichten, Meinungen und Erkenntnisse zur Verfügung – wie jedermann. Hier wird nur selten zensiert, sind sie gut begründet, lassen wir auch persönliche Beleidigungen durch – eher jedenfalls als doofe Einwortsätze, die der Diskussionskultur dieses Ortes nicht gerecht werden. Schreibe ich über „Kaffeehauslinke“, so ist nicht unbedingt ihre Person gemeint – eher eine Gruppe von Menschen, die mir schon seit längerem in der öffentlichen Debatte durch destruktives Verhalten aufgefallen sind … und durch ein hohes Lob über den anschließenden Weingenuss im Kaffeehaus. Meine Freunde dürfen auch weiterhin ihre Freunde sein – ich habe kein Problem damit. Zudem habe ich keine Probleme mit Freunden von Regenwurmgedichten – wieso auch. Mobbing jedoch – auch Cybermobbing – gefällt mir nicht so. Ich erlaube mir, dazu dann auch mal öffentlich Stellung zu beziehen, bevor ein aufgeputschter Mob mich als „Revisionisten“ an den nächsten Laternenpfahl hängt. Vielleicht richten Sie vor der nächsten Verurteilung vermeintlich Andersdenkender erstmal ein persönliches Wort an sie? Oder schaffen einen Raum für Dialog? Sonst ähneln Sie wirklich eher einem Roland Freisler. Wollen Sie das wirklich?

PS 2: ein persönliches Wort an die engagierten Leser, die mich auf diesen Mobbingakt aufmerksam gemacht haben: danke für euer Engagement. Ich weiß die Absicht sehr zu schätzen. Diesmal habe ich Euch zuliebe darauf reagiert, jedoch möchte ich anmerken: Schmähkritik und verlogene Diffarmierungen dieser Art interessieren mich nicht. Hier war es nützlich, um auf eine besonders gefährliche Abart von Pseudolinken hinuweisen, doch normalerweise ist das absolut verschwendete Lebenszeit. Begegnet Euch so etwas nochmal: einfach ignorieren. Auch wenn die Mobbingabsicht im Prinzip brandgefährlich ist, handelt es sich dabei doch oft nur um Gestalten, die selbst mehr Aufmerksamkeit wollen, um ihren Lebensfrust abarbeiten zu können – es gibt wichtigere Themen zur Zeit, als ihnen eine Bühne für ihre erbärmlichen Aufführungen zu bieten.

PS 3: nicht, das jemand denkt, diese Art von „Linken“ wäre neu in Deutschland. Reichstagswahl 1928 – drei SPD-Minister stimmen dem Bau eines Panzerkreuzers (im Rahmen einer großen Koalition) zu … wider aller Wahlversprechen. Was weniger bekannt ist: dieses Schiff war kein normaler Kreuzer, er war als unbesiegbare Kriegswaffe geplant – stärker als alle schnelleren Schiffe, schneller als alle stärkeren sollte er alliierte Seewege blockieren. Ersonnen fünf Jahre vor der Machtergreifung Adolf Hitlers (siehe Zeit). Schon damals ein bewusster, absichtlicher Verstoß gegen den Versailler Vertrag – und eine Vorbereitung auf einen neuen Krieg.

 

 

Über Hexen und Weltkriege am Tag der Kapitulation: Philosophie für Zaunreiter

Über Hexen und Weltkriege am Tag der Kapitulation: Philosophie für Zaunreiter

Donnerstag, 8.5.2014. Eifel. Heute ist er mal wieder gekommen: wieder einmal jährt sich die Kapitulation des Dritten Reiches. Eine günstige Gelegenheit, wieder die üblichen Geschichten zu erzählen – eine Gelegenheit, die ich heute mal verstreichen lassen möchte, um eine andere Geschichte zu erzählen … bzw. die Geschichte der Menschheit und ihrer Kriege aus einer ganz anderen Perspektive zu beleuchten. Bevor nun jemand klagt: nein, hier kommt überhaupt keine Esoterik zu Wort. Und ja:  hier geht es mitten hinein in jene Esoterik, die die Menschheit seit Anbeginn ihrer Existenz begleitet. Es geht hier aber nicht um irgendein geheimes Superwissen, wie man mit Gedankenmacht oder Sex mit dem Teufel superreich wird: wer also hier Zauberformeln sucht, der irrt. Er wäre auch eher bei den Physikern gut aufgehoben.

Über Hexen zu sprechen ist gerade am heutigen Tage wichtig, denn über unserer modernen Kultur lastet ein großes Rätsel – ein Rätsel, das direkt zum 8.5.1945 hinführt: wie kann es eigentlich sein, dass hochzivilisierte Länder mit dem höchsten Lebensstandard der Weltgeschichte, dem höchsten Bildungsgrad der Weltgeschichte, der größten Gestaltungsmacht der Weltgeschichte übereinander herfallen wie wildgewordene Tiere? Es gibt viele Theorien zu diesem Rätsel, doch ich nehme mal an, dass all´ diese Theorien an der Wahrheit vorbeischießen, denn heute, am 8.5.2014, steht die zivilisierte Welt wieder einmal am Abgrund eines Krieges, der schnell zum allerletzen werden kann. Ja – auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, weil es unsere Bequemlichkeit stört, unsere Existenz als Wohlstandsblasen in Frage stellt und möglicherweise das unvorstellbare Sakrileg begeht, dass die Fortsetzungen unserer Lieblingsfilme nie mehr in die Kinos kommen, weil es überhaupt nirgendwo mehr Strom gibt. Wirklich: unvorstellbar, dass sich der Geist der Weltgeschichte nicht um die Fortsetzung des „Hobbit“ oder die siebte Folge von „Star Wars“ kümmert … oder darum, wer der neue Wohlstandsblasensuperstar wird.

Natürlich kommen wir sofort auf gefährliches Terrain. Erstmal droht uns die Gefahr, sofort als Nazi klassifiziert zu werden. Esoterik=Nazi. Diese Gleichung macht zwar aus dem größten Teil der geisteswissenschaftlichen Kultur des Abendlandes Nationalsozialisten (und entwertet den Begriff Nazi vollkommen – nebenbei bemerkt … aber ich sage ja nicht, dass die Leute, die diese Gleichung verwenden, sonderlich intelligent sind) – aber gerade damit kann man ja für große Aufregung und Aufmerksamkeit sorgen, die günstig ist für den Erwerb von Tauschmitteln jeder Art. Dann aber droht uns noch größere Gefahr: die Leitreligion des Amerikanismus ist eine eifernde Religion, die schon die Zauberer der Indianer gezielt ausgerottet hat (während man die gefährlichen Kriegshäuptlinge leben lies), unser Gott „Konsum“ duldet keine anderen Götter neben sich. Ja – schauen sie sich dochmal solche Esoteriker an … wie zum Beispiel einen christlichen Mönch oder einen Zen-Buddhisten: die sitzen den ganzen Tag still herum und KAUFEN NICHTS! Eine Katastrophe, wenn das Schule machen sollte … erst recht, wenn bekannt würde, dass die dort in ihrem „Tran“ höchst beglückende Zustände erleben.

Ich würde diese Terrain gerne meiden … aber als Philosoph ist mir das von Berufswegen nicht möglich. Außerdem haben wir dieses kleine, oben geschilderte Problem: jederzeit könnten die zivilisierten Völker der Erde wieder übereinander herfallen … und ihre Kriege sind vernichtender als die früheren Reibereien der Fürstentümer. Sie reden nicht gerne darüber, sie sehen da auch nicht gerne hin, aber die gezielte Massenvernichtung der Zivilbevölkerung hättte jeden Aristokraten in Angst und Schrecken versetzt: die wussten noch, woher das Brot wirklich stammt.

Wie nähert man sich nun dem Thema „Hexen“? Ich empfehle immer das Werk „Traumzeit“ von Hans Peter Duerr. Nun ist auch Duerr mit Vorsicht zu genießen, behauptet er doch allen Ernstes, unsere Kulturen würden sich nicht weiterentwickeln (siehe sein Werk: Der Mythos vom Zivilisationsprozess) und begeht so ein Sakrileg, das nach Bestrafung schreit: immerhin ist „Fortschritt“ eines der großen Dogmen des naturwissenschaftliche-materialistischen Weltbildes, dem wir als Menschen freiwillig viel von unsere Lebendigkeit geopfert haben, um perfekt funktionierende Teilchen einer großen, künstlichen Weltmaschine zu werden, welche die Welt bedauerlicherweise langsam aber sicher auffrisst … aber bis wir das merken, werden noch ein paar Jahre vergehen. Das unser eigenes Leben aufgefresen wird, können wir aber schon merken, wenn wir unser Arbeitsleben und unseren sonstigen Alltag genauer unter die Lupe nehmen.

Außerdem warnt auch Duerr selbst vor der Lektüre seines Buches:

Ich habe mit befreundeten Nachtschattengeistern gesprochen und sie bitten mich, dem Leser dieses Buches folgendes mitzuteilen:

1. Sie wollen nicht aus Jux und Tollerei gerufen werden. Wenn sie Lust verspüren, eine Bekanntschaft zu machen, dann werden sie es den Betreffenden schon wissen lassen.

2. Die Fahrkarte, die sie austeilen, sind bisweilen einfach, es fehlt die Rückfahrkarte.

(Aus: Traumzeit, Syndikat 1983, Seite 9).

Es ist eine Warnung, die sich in erster Linie auf den Gebrauch von Drogen bezieht – man kann sie aber auch auf die Beschäftigung mit dem ganzen Thema ausweiten.

Wieso?

Ein Namensvetter des Herrn Duerr, der Physiker Hans Peter Duerr, erklärt uns das in einfachen Worten, siehe Wikipedia:

„Im Grunde gibt es Materie gar nicht. Jedenfalls nicht im geläufigen Sinne. Es gibt nur ein Beziehungsgefüge, ständigen Wandel, Lebendigkeit. Wir tun uns schwer, uns dies vorzustellen. Primär existiert nur Zusammenhang, das Verbindende ohne materielle Grundlage. Wir könnten es auch Geist nennen. Etwas, was wir nur spontan erleben und nicht greifen können. Materie und Energie treten erst sekundär in Erscheinung – gewissermaßen als geronnener, erstarrter Geist. Nach Albert Einstein ist Materie nur eine verdünnte Form der Energie. Ihr Untergrund jedoch ist nicht eine noch verfeinerte Energie, sondern etwas ganz Andersartiges, eben Lebendigkeit. Wir können sie etwa mit der Software in einem Computer vergleichen.“

Gruselig, oder? Da will uns wieder jemand klar machen, dass die Erde eine Kugel ist … dabei wissen wir doch alle, dass man dann auf der anderen Seite herunterfallen würde. Ja – wie kennen das Gefühl, wenn uns die Wissenschaft Wahrheiten präsentieren möchte, die unseren persönlichen Anschauungen und Meinungen völlig zuwiederlaufen – aber ich kann Ihnen versichern: die meinen das ernst … und können auch aufgrund ihrer Forschungsergebnisse nicht anders denken. Nur wir sind da das Problem: wir sind zu blöd, dass zu begreifen.

Was hat das mit Hexen zu tun?

Nun – ganz einfach: die LEBEN in dieser Realität, in der es nur GEIST gibt: also die flüssige Form von Energie und Materie. Sie können damit fließen … und vielleicht sogar den Fluss steuern. Das jedenfalls dachten die anderen Menschen von ihnen, die ich jetzt mal die „Fragment-Menschen“ nennen möchte. Klaus Theweleit gebraucht diesen Begriff in dem Film von Mo Asumang (siehe ZDF – „Die Arier“). Er erklärt so das Körpergefühl von Neonazis, die sich „fragmentiert“ fühlen. Aus diesem Gefühl resultiert eine Grundangst, die zur Mobbildung (zur Schutzstaffel) führt, um den bösen Feind zu bekämpfen. Spüren Sie, wie wir jetzt gerade in die Nähe von „Hexenverbrennungen“ kommen? Ich würde diesen Begriff aber noch weiter ausführen und nicht nur auf Neonazis beziehen: immerhin verweist Klaus Theweleit nicht umsonst auf „Rockkonzerte“, die die gleiche Schutzfunktion haben wie die Waffen-SS: der Fragmentmensch sucht die gleichgeschaltete Masse, um sich vor der feindlichen Umwelt zu schützen. Ich denke: Fußballspiele, Talkshows, Demonstrationen und politische Parteien haben dieselben Funktionen.

Tja – welch´ Überraschung: jetzt sind wir doch schon mitten drin in der Welt der Politik … bzw. in der Welt der Angst, des Hasses, der Abscheu und der legitimierten Gewalt, die wir gerne nur bei den primitiven Nazis ansiedeln, die aber auch von „zivilisierten“ Nationen gegen ihre Feinde eingesetzt wird. Ein einfacher Grund für Weltkriege: der moderne, fragmentierte Mensch hat Angst vor der Wirklichkeit und schlägt deshalb immer mal wieder wild um sich.

Nun – wir wollten aber über Hexen reden – und nicht über den „faschistoiden Männertypus“ … den es wohl auch bei Frauen gibt.

„Hexen“ –  „Hagzussa“, „Hagetissen“, „Zaunreiterinnen“ – nehmen diese physikalische Wirklichkeit hinter der sinnlichen Wahrnehmung einfach so wahr. Was für uns Science Fiktion ist, ist für sie Alltag. Wir finden sie nicht grölend und besoffen in der tobenden Menge, sondern barfuss durch Wälder wandernd – allein, aber nie einsam, weil sie jenem flüssigen Geist hinter der Wirklichkeit, jener Quelle aller Lebendigkeit viel näher sind und beständig näher kommen wollen. „Allein“ ist ein Wort, das für sie zweierlei Bedeutung hat: neben der üblichen Bedeutung eben auch noch die des „All-Eins“ seins, mit allem eins werdend. Soziologisch betrachtet macht sie dass allerdings zu prädestinierten Opfern der Fragmentierten. Während der „faschistoide Männertyp“ kein von Innen heraus gewachsenes Ich als Mittler zwischen Welt und Es hat (siehe Erläuterungen der Arbeit von Klaus Theweleit bei Wikipedia), stellen sie jenen Mittler zwischen dem Stamm und dem Reich des Transzendenten dar, einen Mittler des „schamanischen“ Typus mit einer ganz besonderen Aufgabe: als Heiler sollen sie schädliche Auswirkungen der Fragmentierung beheben, als Seher die Umgebung jenseits der gefrorenen Welten des Geistes wahrnehmen, als Lehrer ihrem Stamm die transzendente Weltkarte entfalten und als Krieger die bösen Geister von den Menschen fern halten, die Krankheit, unfriedlichen Tod, Verzweiflung und … Krieg über die Menschheit bringen.

Und schon haben wir eine spannende Geschichte, oder? Nach 10 000 Jahren Menschheitsgeschichte hat der weiße Mann seine Hexen ausgerottet (in der Tat: die Hexenverfolgungen gerieten während der Neuzeit außer Rand und Band … als die Erde einen Kugel wurde und die kirchlichen Feiertage von 156 auf dröge ZWEI reduziert wurden: Weihnachten und Ostern), als Lohn dafür treiben ihn die bösen Geister in die häßlichsten Kriege der Menschheit, ohne die heilende Kraft der Hagzussa führt ihn sein fragmentierter Zustand permanent zu grausamsten Exzessen.

Eine fantastische Geschichte – oder? Sie ist sehr erfolgreich. George Lukas erzählt sie in seiner Star-Wars-Saga – und der Schöpfer des Herrn der Ringe entpuppt sich selbst als Zaunreiter, der uns in die Welten des flüssigen Geistes entführt … die eine Welt ohne Gott ist, aber voller Zauberei und Wunder. Fehlt die Hexe (oder der Jedi-Ritter), entgleitet die menschliche Gemeinschaft, fällt aus dem Rahmen, zerstört sich und ihre natürliche Umwelt letztlich selbst, der Ungeist des Faschismus entfaltet sich, die Menschen sind den Einflüsterungen der bösen Geister hilflos ausgeliefert … und werden zu soziopathischen Egomanen.

Beenden wir unsere kleine Reise hier. Wir sind auch schon viel zu weit über den Zaun geklettert – viel weiter als Anstand und Sitte uns erlauben, erst recht weiter, als das Dogma des maximalen Konsums (oder: Verbrauch) predigenden Geistes der Neuzeit uns gestatten wird – dementsprechend werden wir uns eine angemessene Portion Hass und Verachtung einfangen … Scheiterhaufen sind gerade out.

Ich für meinen Teil selbst – als Reiseleiter dieses Ausflugs – möchte für mich allerdings um Gnade bitten: ich bin Wissenschaftler, Philosoph, und als solcher der Wahrheit verpflichtet. Hier ist es der Herr Ogham, der mich dazu zwingt, dem Schamanismus mehr Gehör zu schenken als dem naturwissenschaftlichen Materialismus, sein Rasiermesser duldet keinen Unfug (siehe Wikipedia):

Steht man vor der Wahl mehrerer möglicher Erklärungen für dasselbe Phänomen, soll man diejenige bevorzugen, die mit der geringsten Anzahl an Hypothesen auskommt und somit die „einfachste“ Theorie darstellt. Es enthält ebenso die Forderung, für jeden Untersuchungsgegenstand nur eine einzige hinreichende Erklärung anzuerkennen.

Jetzt schauen Sie sich mal an, mit wie vielen Bänden die „Wisssenschaft“ die Unausrottbarkeit von Kriegen beschreibt – und nach jedem neuen Krieg wieder vor einem Scherbenhaufen steht. Der gesamte geisteswissenschaftliche Bereich der Menschheit ist nur darauf ausgerichtet, Frieden zu schaffen: seit dem 19. Jahrhundert – der Erfolg ist so groß, dass man mitlerweile die Abschaffung dieser Wissenschaften fordert, weil „reden nichts bringt“.

Schauen wir uns hingegen die einfache Eleganz der Theorie der Zaunreiter an: gefrorener Geist wird manchmal schlecht – und das wirkt sich ungesund auf das Gemüt aus, verhindert den Aufbau eines gesunden Ich und führt letztlich zu Weltkriegen und Umweltvernichtung. Es ist eine einzige Erklärung, braucht nur eine physikalisch schon seit Einstein untermauerte Hypothese und freundet uns mit jenen Menschen an, die wir heute aus lauter Unverständnis (und dem Resultat der Abwesenheit des schamanischen Lehrertypus, der Weltbild und Erfahrungen in Einklang bringen könnte) in die Psychiatrie sperren: so gehen halt heute die Fragmentierten mit den All-Einen um.

Also – wenn man mich fragen würde … gerade an einem historisch bedeutsamen Tage wie heute … ich würde schon dafür plädieren, mehr Hexen in die Politik zu lassen. Die brauchen auch nicht so viele Diäten. Mal ehrlich: was können die denn schon noch verkehrt machen, was nicht schon längst fürchterlich verkehrt läuft?

Und immerhin gehen diese physikalischen Erkenntnisse uns alle an … auch wenn wir nicht daran glauben und die Kenntnis davon gerne verdrängen: wir alle müssen vom nun „gefrorenen“ Status wieder in den flüssigen zurückkehren, ewiges Leben ist nicht vorgesehen und wahrscheinlich auch äußerst ungesund. Wäre schon schön, wenn wir im Falle unseres Todes eine gewissen Meisterschaft in der Veränderung des Aggregatzustandes erlangt hätten … damit beim auftauen nichts schiefgeht. Habe schon mal gehört, dass das die einzige reale Form von Hölle sein soll, die Menschen erleben können.

Aber das … ist ein anderes Thema – und für Zaunreiter überhaupt nicht von Belang, denn die … können Schlittschuh laufen und schwimmen.

 

Arbeitslosigkeit: ein Elend mit tödlichem Ausgang für Opfer und einer Prämie für Täter

Arbeitslosigkeit: ein Elend mit tödlichem Ausgang für Opfer und einer Prämie für Täter

Montag, 10.3.2014. Eifel. Einer der Gründe weshalb ich vor kurzem die Schreibtätigkeit aufgegeben hatte, war, dass ich von mehreren unserer Autoren mehrfach dazu aufgefordert wurde, nicht mehr über Arbeitslosigkeit und Hartz IV zu schreiben. Ja – so ein Gesochse hatte sich hier breit gemacht. Man wollte schöne Themen – zum Beispiel über Vegetarier. Nun – wie und was Leute essen, ist mir eigentlich egal. Mir ist es erstmal wichtig, dass Menschen in einem der reichsten Länder der Erde auch Essen erhalten. Das scheint jedoch nicht immer möglich zu sein – erst Recht nicht, seitdem eine „Arbeitsmarktreform“ Gnadenlosigkeit in Gesetzesform gegossen hat. „Der Hungertod heißt Hartz IV“ schrieb der Stern im Jahre 2007 – seitdem hat sich nicht viel geändert.

Das war auch Absicht. Man wollte „Druck“ auf Arbeitslose ausüben und hat dabei – in einem angeblich demokratischen Rechtsstaat – tödliche Folgen billigend in Kauf genommen. Wenn ein „Staat“ „Druck“ auf seine „Bürger“ ausübt, hat er allerdings in selben Moment seine Legitimation verloren, sich demokratischer Rechtsstaat zu nennen. Zur Erinnerung: die demokratische Zivilgesellschaft hatte Könige und Königinnen geköpft, um NIE WIEDER Druck von oben ausgesetzt zu sein. Darum hatte man die Demokratie erschaffen, die die rot-grüne Bundesregierung dann einfach abgeschafft hat – jedenfalls de facto. Den Aufkleber mit dem Titel hat man drauf gelassen, er befand sich auch auf den Bombern, die in Jugoslawien einen indirekten chemischen Krieg gegen die Zivilbevölkerung führte (siehe Ursula Stephan bei Wikipedia zu den Folgen der gezielten Bombadierungen von Chemiewerken für die Bevölkerung) – man wollte den Bürger ja nicht beunruhigen.

Wir merken kaum, wenn die Menschen sterben. Der Hungertod durch Hartz IV kommt sehr leise daher. Erst fällt ein einzelner, häufig unterqualifizierter Mitarbeiter das Urteil „mangelnde Mitwirkung und Zusammenarbeit“, um sofort danach auch ohne große Diskussion das Strafmaß zu verhängen: „Sanktion“ heißt das harmlose Wort, das nichts anderes bedeutet, als dass man den Deliquenten aushungert und in die Obdachlosigkeit treibt. Der Tod kommt dann ohne großen Lärm – aber dafür mit umso größerer Qual.

Würde man so mit Massenmördern oder Hunden umgehen – der linke Bessermensch würde sofort auf die Barrikaden gehen. Mit Arbeitslosen kann man so umgehen – die Widergeburt eines tödlichen Faschismus inmitten der Demokratie unter dem Kommando eines Militärs erzeugte medial kaum ein Echo, lediglich der Stern erlaubte manchmal einen Hinweis auf den „Putsch von oben„.

Das sind natürlich harte Worte, die man nicht gerne hört. Noch härter als diese Worte sind aber die Fakten, die das menschenverachtende System produziert. Wundert es? Im Gegenteil, es war zu erwarten: wo Menschen als Parasiten bezeichnet werden, wo man sich stolz mit Aussagen brüstet, dass jener, der nicht arbeiten geht, auch nicht essen soll, sind die Leichen nie fern.

Eine ist jetzt wieder gefunden worden – in Halle, siehe Märkische Zeitung:

In Halle ist am vergangenen Sonnabend eine Frau tot in ihrer Wohnung im Stadtteil Silberhöhe gefunden worden. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass sie verhungert ist. Anwohner hatten die Behörden informiert, nachdem sie die 55-Jährige mehrere Tage lang nicht mehr gesehen hatten.

Eine Obduktion findet nicht statt. Das ist das schöne am Hungertod: er hinterläßt keine Spuren, die auf  Fremdverschulden schließen lassen.

„Sie war eine unscheinbare Person, ist jeden Tag hier lang gejoggt, war freundlich und hilfsbereit“, schildert eine Anwohnerin, die einige hundert Meter entfernt wohnt. Dass die 55-Jährige dennoch große Probleme hatte, wird schnell deutlich. Nachbarn berichten von Ärger mit dem Jobcenter, die Wohnungsgenossenschaft spricht von drei Monaten Mietrückstand. Auch muss sie in den vergangenen Wochen ihre Nachbarn mehrfach um Geld gebeten haben, weil das Einkommen fehlte.

Vegetarierin war sie. Hat nur Bio gekauft. Hat alles richtig gemacht.

Das Jobcenter Halle erklärte, sie sei zuletzt am 31. Januar zu einer Informationsveranstaltung gekommen. Danach habe sie die Zusammenarbeit eingestellt. Die Leistungen seien dann ausgelaufen. „Die Konsequenz war, dass sie dann nicht mehr bei uns Kundin war“, sagt Sprecher Michael Rücker.

Kein Wort über den „Ärger“ mit dem Jobcenter. Die Frau hat eben „die Zusammenarbeit eingestellt“ … ein Vorwurf, der jeden Sanktionierten trifft. Die Leistungen laufen dann auch immer aus. Und ohne Obduktion gibt es dann auch keine klare Todesursache. Schuld ist keiner, weil der Delinquent ja im Moment des Todes auch kein Kunde mehr war.

Möglicherweise hat sie psychische Probleme gehabt, heißt es. Man zeige mir mal denjenigen, der keine psychischen Probleme durch Arbeitslosigkeit bekommt – in einem Land, in dem Arbeitslose schlechter als Hunde oder Mörder behandelt werden.

Eine gute Gelegenheit, mal inne zu halten und zu überlegen, warum wir uns als Gemeinschaft eigentlich 120 000 Jobcentermitarbeiter leisten. Die größte Behörde in Deutschland – mit einer für Behörden typischen Entwicklung, siehe Spiegel:

Es ist aufwendig, Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen – und es wird immer teurer: Der Anteil der Verwaltungskosten hat sich im vergangenen Jahr verdreifacht. Bezahlt wird der Bedarf auch mit Geldern, die eigentlich für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt gedacht waren.

Auf mehrere Jahre bezogen ist die Entwicklung sogar noch beeindruckender:

Auch in absoluten Zahlen wurde noch nie seit 2006 so viel Geld von der Arbeitsförderung in die Verwaltung umgeleitet, 2010 waren es 13 Millionen Euro, 2012 überstieg die Summe bereits 150 Millionen Euro und im vergangenen Jahr wurde der Verwaltungsetat schon um 445 Millionen Euro aufgestockt.

Von 13 Millionen auf 445 Millionen – wozu eigentlich?

Um Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt zu bringen? Offensichtlich nicht – denn hier hat sich seit 2005 wenig verändert, siehe Zeit:

„Trotz eines Allzeithochs bei den Beschäftigungszahlen stagniert die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit etwa zwei Jahren auf demselben Niveau“, sagte der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Kein Wunder, denn die Ursache für Langzeitarbeitslosigkeit liegt unter anderem in gestrichenen Renten wie der Berufsunfähigkeitsrente, die es nur noch für vor 1961 geborene Menschen gibt. Doch nur, weil man die Rente streicht, die sicherstellen sollte, dass man mit seiner beruflich bedingten Erkrankung nicht den Anschluss verliert, werden die Menschen nicht plötzlich gesund: die heilende Wirkung von Rentenkürzungen hatten Kanzler Schröder und sein Kamerad Peter Hartz deutlich überschätzt.

Ebenso überschätzt wurde die gesamte Wirkung der Hartz IV-Reform, siehe Spiegel:

Das deutsche Jobwunder machte die Hartz-Reformen zum Vorbild für die Krisenländer Europas. Eine neue Studie räumt mit diesem Mythos auf: Nicht die Agenda 2010 habe Deutschland zum ökonomischen Superstar gemacht, sondern die Unabhängigkeit der Betriebe und der Gewerkschaften vom Staat.

Tja – so wird eine Erfolgsstory zum Mythos. Weil aber die Politik (und die Militärs in der Verwaltung) gerne Erfolgsmeldungen hören, greift man gerne zu anderen Mitteln, über die die Berliner Zeitung im letzten Jahr berichtete:

So funktionieren die Prämienzahlungen: Alle Jobcenter-Chefs schließen mit der Bundesagentur für Arbeit oder dem jeweiligen Bezirksamt Zielvereinbarungen ab. Interne Kennzahlen zeigen Ende des Jahres an, ob die Ziele erfüllt sind.

Laut einer vertraulichen Anweisung des Bundesarbeitsministeriums (liegt der B.Z. vor) für das Jahr 2013 soll hierbei auch die Sanktionsquote berücksichtigt werden. Heißt: Je mehr Verstöße geahndet werden, desto geringer die Ausgaben für Hartz-IV-Empfänger – und damit gibt es statistisch weniger hilfebedürftige Menschen.

Klasse, oder? Da kriegen Menschen Prämien dafür, dass sie hilfsbedürftige Menschen aus der Statistik eliminieren … und so letztlich aus dem Leben.

Das Geld für die Prämien nimmt man aus dem Topf für die Förderung der Arbeitslosen.

Man könnte auch von Kopfgeld reden. Kopfgeld für „raus aus der Statistik – tot oder lebendig“.

Wofür war die Behörde ursprünglich da? Wir müssen da mal einen Blick zurück wagen – etwas weiter in die Geschichte bürgerlicher Selbstversorgung.

Nun – das Experiment „Kapitalismus“ hatte dazu geführt, dass die noch im vorletzten Jahrhundert zu 100 % selbst versorgte Bevölkerung im Rahmen der durch die Industrialisierung vorgenommenen Umbauten ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung verloren hatte: aus ihren kleinen Höfen wurden Fabrikgelände, Autobahnen und Golfplätze.

Alles schön und gut, so lange es Arbeit gab. Schon hundert Jahre später merkte man: das klappte so überhaupt nicht. Zwar hatte sich die Industrie die jungen Leute von den Höfen geholt … aber nur solange, wie sie brauchte, um die Leute durch Maschinen zu ersetzen. Danach setzte man sich unfein von seiner gesellschaftlichen Verantwortung ab und lies den Steuerzahler/Versicherungsnehmer für die Verantwortungslosigkeit der neuen, asozialen Umgestalter der Gesellschaft bezahlen.

Um jene so asozial entsorgten und betrogenen Bürger aufzufangen  und nicht verhungern zu lassen, hatte ein damals noch kaiserlicher Staat die notwendigen Konsequenzen gezogen und begonnen, die ersten Versicherungen zum Schutz der von ihren Höfen gelockten Kleinbauern zu initiieren (siehe Deutsche Sozialversicherung), der allerdings erst 1927 in einer echten Arbeitslosenversicherung mündete – damals wußte man noch ganz genau, wer der Schuldige an der Misere war und durch einen Arbeitgeberbeitrag auch Verantwortung übernehmen sollte.

Die neue Qualität unserer „demokratischen“ Zeit? 150 Jahre nach der Gründung der ersten Versicherungen wird die Arbeitslosenversicherung zum Instrument der physischen (und psychischen) Vernichtung der Arbeitslosen.

Allerdings … werden die leise entsorgt.

Womit unserer „demokratische“ Gesellschaft in ihrer Grundgesinnung asozialer als das deutsche Kaiserreich geworden ist.

Nur gut, dass die Medien darüber nur höchst selten berichten – und dass es keine Studien über die Gesamtzahl an Hartz-IV-Opfern gibt. Könnte sonst sein, dass viel mehr Menschen im Land anfangen, sich äußerst unwohl und bedroht zu fühlen.

Zurecht … wenn ein Staat tödliche Gewalt gegen seine Bürger anwendet, ist die Zeit, wo höchste Wachsamkeit angebracht gewesen wäre, schön längst vorbei – auch wenn ein Staatsanwalt mangels Obduktion kein Fremdverschulden erkennen kann.

 

 

 

Faschismus der Rasse und Faschismus der Arbeit.

Faschismus der Rasse und Faschismus der Arbeit.

Dienstag, 15. Oktober 2013. Eifel. Großbritannien baut eine Cyberarmee auf. Gunter Dueck macht sich schon mal seine Gedanken darüber und ängstigt die Reichen, in dem er darauf hinweist, dass die TAN-Generatoren leicht von fremden Mächten ausgetrickst werden können, die dann einfach mal das ganze Geld von allen Konten einer Bank umbuchen: Kriegsführung der Zukunft. Damit sollten wir rechnen, wenn es uns nicht gelingt, Frieden zu erhalten. Im Zeitalter der Aufklärung war dieser Frieden das höchste Ziel, von Krieg hatte man die Nase voll: dreißigjähriger Krieg, siebenjähriger Krieg – vielleicht sogar ewiger Krieg jeder gegen jeden … das wollte man nicht mehr. Die Idee dazu war einfach: Gott weg, König weg, das Volk regieren lassen und zuvorderst die Vernunft fördern, die dann alles allein optimal regeln würde. Der Mensch sollte heraustreten aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit – und alle jubelten. Das Paradies schien in greifbare Nähe gerückt, das Himmelreich war nah. Dann kam – vor fast einhundert Jahren – der erste Weltkrieg.

Der einzige Mensch auf dem europäischen Kontinent, der vorhersagte, dass dieser Krieg unführbar sein würde, war … ein polnischer Bankier. Jahrelang mordeten Maschinengewehre und Granaten Soldaten im Stacheldrahtverhau, der jede Bewegung unmöglich machte – genau wie es jener Bankier vorausgesagt hatte. Es war auch eine einfache Vorhersage: die Kombination von Stacheldraht und MG-Feuer ist tödlich – für beide Seiten.

Man nahm an, dass der erste Weltkrieg ein Unfall war, jener Krieg, der geführt werden musste, um alle Kriege für ewig zu beenden. 25 Jahre später begann der Zweite Weltkrieg, der der Idee der Aufklärung einige weitere Tiefschläge versetzte: sogar der wahnhafte Hitler verzichtete auf den Einsatz von Giftgas, dafür entwickelten die Demokratien mit der Atomwaffe eine noch viel vernichtendere Option. Zudem kam es zu etwas außerordentlich grauenhaftem: ein ganze Volk wurde ausgelöscht. Die europäischen Progrome gegen Juden erreichten gerade in Deutschland – dem Land der Dichter und Denker – einen neuen, endgültigen Höhepunkt: die industrielle Massenvernichtung von Menschen wurde in die Tat umgesetzt … mit deutscher Gründlichkeit.

Das Entsetzen über diese Entwicklung hält bis heute an, doch kaum jemand erinnert sich noch daran, warum das eigentlich so entsetzlich ist. Völkermord ist ein altes Hobby der imperial denkenden Menschheit, der Mensch ist halt der Wolf des Menschen … und deshalb hielten Denker wie Hobbes Demokratie für unmöglich: nur ein absolut mächtiger König sei in der Lage, den Wolfsmenschen im Zaum zu halten.

Peinlich für alle Aufklärer: die Geschichte scheint Hobbes Recht zu geben.

Nun gehöre ich zu denen, die beständig vor Faschismus warnen. Würde ich auch machen, wenn ich ganz allein mit dieser Überzeugung wäre. Darf ich auch – selbst wenn es manchen nicht passt: in diesem Land herrscht Meinungsfreiheit. Warum es zu dieser völligen Vernichtung der Ideale der Aufklärung im Dritten Reich kommen konnte, weiß noch keiner. Wir als Deutsche verdrängen das Thema lieber, konzentrieren uns darauf, dass nie wieder ein Adolf Hitler SA-Schläger durch die Straßen treiben wird. Da Hitler tot ist, können wir uns sicher sein, mit diesem Kampf gegen Rechts sehr erfolgreich zu sein.

Wie immer aber, wenn man eine Krankheit nur verdrängt und nicht heilt, sucht sie sich andere Bahnen, in denen sie sich ausdrücken kann: wer zu lange seinen Schnupfen ignoriert, kriegt später einen massiven Herzschaden – man kennt das aus der Medizin.

Was wir erlebt hatten, war ein Faschismus der Rasse. Das ist nichts Besonderes. Die USA – die große Freiheitsnation – haben mit dieser Strömung seit ihrer Gründung zu kämpfen, die Ureinwohner sind derweil fast ausgerottet, die Juden können von vielen Völkern erzählen (Polen, Russen, Franzosen – um nur ein paar zu nennen) denen der Faschismus der Rasse bekannt ist: die unausrottbare Überzeugung, es gebe wertvolle Menschen und minder wertvolle (wenn nicht sogar schädliche) Menschen.

Der Faschismus der Rasse hat in Deutschland sogar besonders krude (aber auch extrem kraftvolle) Blüten erzeugt: hier wurde der Kampf gegen das Judentum zum religiösen Weltkrieg „Gut“ gegen „Böse“, der blonde Arier gegen den dunklen Juden. Wie üblich, war das sogar sehr gut gemeint. Die hatten keine bösen Absichten beim Entwurf dieses Mythos, die waren (und sind auch heute noch) fest davon überzeugt, dass das wahr ist und sie der (undankbaren) Welt doch nur einen großen Gefallen tun wollen. Wie üblich, wenn etwas nur „gut gemeint“ war, ging es sehr in die Hose.

Man hätte viel daraus lernen können: zum Beispiel, dass manche „Meinungen“ einfach schon an sich „Verbrechen“ sind. Wie ich aktuell lese, haben das noch nicht alle verstanden. Man hätte daraus lernen können, das Vernunft und Demokratie nicht ausreichen, den Dämon im Zaum zu halten – ja, und fast scheint es zu sein, als wenn der Gottkönig die einzige politische Alternative ist, die uns nach diesen Erfahrungen noch bleibt. Der wird vielleicht ja jetzt auch kommen, die EU ist auf dem besten Wege dazu, ihn zu installieren – obwohl die sicher auch alles nur gut meinen.

Es gibt natürlich Menschen, die profitieren von faschistischen Gesellschaften – ebenso haben faschistische Gesellschaften für uniformierte Bürger Vorteile zu bieten, die nicht von der Hand zu weisen sind: man fühlt sich nicht mehr allein, ist Teil einer großen Wertegemeinschaft, kann sich hemmungslos an den Gütern jener bereichern, die keine Uniform wollten. Wichtiger aber ist der Vorteil für jene, die wirkliche Macht in Form von Land und Geld haben: sie geraten bei diesen chaotischen Zuständen völlig aus der Schusslinie, in die sie seit der Oktoberrevolution hineingeraten sind.

Ein Schelm, wer denkt, diese Mächte hätten sich seit der Französischen Revolution in Luft aufgelöst: sie protzen nur weniger mit Öffentlichkeit. Nach wie vor sind sie aber bestimmt durch ihre Angst vor der Masse, die ihnen ihre Golfplätze besetzen könnte, um dort ein neues Woodstock zu veranstalten.

Eine wehrhafte Demokratie mit unaufgearbeitetem Faschismus der Rasse ist deshalb gut beraten, aufmerksam auf andere Ausdrucksformen zu schauen, die er annehmen kann – und die gibt es eine, die 1938 schon mal angetestet wurde: der Faschismus der Arbeit.

Arbeit ist an und für sich nichts Schlechtes. Landen wir alle auf einer einsamen Insel, so hilft nur Arbeit, um unser Überleben zu retten: dort wäre für Debatten über ein bedingungsloses Grundeinkommen gar kein Platz – im Gegenteil: Debatten jeder Art würden erstmal das Überleben gefährden – wir bräuchten Wärme, Wasser, Nahrung, bevor wir diskutieren, welche Staatsform wir uns geben. Hier diktiert erstmal die Not die Politik – und zwingt zu gemeinschaftlichem, sozialen und solidarischem Handeln, da ist für Egomanen kein Platz, solche Luxusgeschöpfe können sich nur Luxusgesellschaften leisten.

Der Begriff Arbeit kann aber auch missbraucht werden … wie der Begriff Rasse, Volk, Nation und jeder andere Begriff auch.

Im Jahre 2013 wird die Arbeit weitgehend von Maschinen gemacht, Arbeit ist ein knappes Gut geworden, sie liegt nicht mehr auf der Straße. Ebenso wird das Tauschmittel Geld künstlich verknappt (das braucht man zur Züchtung von Luxusmenschen, von denen man sich die Rettung der Wirtschaft verspricht – was die allerdings praktisch gar nicht leisten), von Arbeit allein können viele gar nicht mehr leben – ihre Zahl geht in die Millionen.

Und in einer solchen Situation hat der Faschismus der Rasse eine neue Ausrucksmöglichkeit: anstatt Ausländerfeindlichkeit findet er Armenfeindlichkeit attraktiv.

Wer Armenfeindlichkeit nicht gut findet, ist eben Sozialromantiker und damit ziemlich bescheuert: diese Meinung hat sich schon in breiter Front durchgesetzt.

Die Logik ist überwältigend: an der herrschenden (und DROHENDEN) Armut sind die ARMEN schuld – ganz klar. Rotten wir die Armen aus, verschwindet auch die Armut. Superlogisch, oder? Wir können die Armen auch einfach zur Arbeit zwingen (genau zu jener Arbeit, die schon für Arbeitnehmer erlebbar ist), dann sind sie vielleicht gar nicht mehr arm und wir können unseren Reichtum unbegrenzt genießen.

Schön wäre auch, wenn man die Armen öffentlich kennzeichnen würde, damit jeder sie erkennt. Es wäre auch gut, sie in Lager zu halten, wo sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren können: Bewerbungen schreiben, ordentlich aussehen, Gabelstaplerfahrscheine machen – was so ein Armer eben zu tun hat. Und wenn der nicht spurt: einfach mal das Essen streichen, der Hunger wird ihm schon beibringen, gehorsam zu sein.

Faschismus der Arbeit – heute schon aktiv.

Geht ganz ohne Hitler und SA/SS, aber nicht ohne die gleichen asozialen Gestalten im Hintergrund, die sich jetzt nicht mehr am Vermögen der Juden sondern am Vermögen älterer Arbeitsloser bereichern: kraft Gesetz. „Sozialverträgliches Frühableben“ ist schon im Gespräch, noch ein paar Jahre weiter, dann wird es Tat werden: versprochen.

Die Logik des Faschismus erlaubt keinen anderen Umgang mit dem Gegner/Opfer als dessen völlige Ausrottung, man bildet ja gerade deshalb diese „Kampfbünde“, um sich in Zeiten größter Not gegen einen überwältigenden Feind zu stemmen: das internationale Judentum oder den Sozialschmarotzer.

Damit Faschismus sich nie wieder Bahn bricht, wurden die Allgemeinen Menschenrechte gesetzt: Werte mit der Macht eines Königs. Das war eine autoritäre Tat der Notwehr, die sich jeder Meinungsfreiheit entzieht: darüber wird nicht mehr diskutiert – das hatten wir aus dem Zweiten Weltkrieg gelernt.

Vielleicht kann man mir kurz mal helfen: in wie vielen Punkten bricht die deutsche Sozialgesetzgebung im Jahre 2013 aktuell Menschenrechte? Bin da gerade nicht auf dem neuesten Stand, vielleicht kann da jemand weiterhelfen.

„Würde des Menschen. Nichts davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen. Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.“ Friedrich Schiller Ende Oktober 2008 urteilte das Landessozialgericht Darmstadt, dass die Hartz-IV-Regelsätze für Familien weder mit der Menschenwürde noch mit dem sozialen Rechtsstaat vereinbar sind.  (Aus: Blätter für deutsche und Internationale Politik, hier von Franz Segbers)

Arbeit wird zum Maßstab für den Lebensberechtigungsschein, der Arbeitsbegriff missbraucht für Selektion und (erstmal) soziale Vernichtung. Alltag in Deutschland im Jahre 2013, Folge einer nie verstandenen noch verarbeiteten faschistischen Vergangenheit, die viele gerne wiederholen würden, könnte man ihnen garantieren, dass sie die Uniform bekommen.

Die Uniformen sind schon da: 15 000 Euro kosten sie – das Stück.  Eingeweihte erkennen diese Uniformen (dazu gehören auch spezielle Uhren, Krawatten und Schuhe, die Hemden nicht zu vergessen): der Dresscode der Elite. Früher trugen sie andere Uniformen und missbrauchten den Begriff Rasse (der an und für sich ja auch ziemlich harmlos ist, bis er zur „Rassenpolitik“ wird, wie Arbeit zu „Arbeitsmarktpolitik“ geworden ist – und damit zu einem Instrument der Machtausübung).  Heute sind die Uniformen dezenter – wie auch das Auftreten.

Doch die Ergebnisse werden allmählich ähnlicher, auch wenn sich das nur jenen erschließt, die Faschismus auch dann erkennen, wenn er nicht deutlich durch Hakenkreuzarmbinden gekennzeichnet ist.

Der nächste Hitler wird auch nicht Hitler heißen, es kann sogar sein, dass er zu Juden sehr freundlich ist (die haben jetzt Atombomben, dass ändert alles), seine Partei wird auch nicht mehr NSDAP sein – aber eins kann ich Euch versichern: die Leichenberge werden sich nicht unterscheiden. In einer Gesellschaft in der Maschinen die Arbeit erledigen und die Rendite bringen, sind Normalbürger nur noch eins: Kosten auf zwei Beinen.

Und was machen wir mit Kostenfaktoren?

Wir liquidieren sie.

Cyberarmeen – wie üblich nur zum Schutz gedacht – können das sehr schnell erledigen: ein Knopfdruck und die komplette Existenz ist vernichtet, samt Eintrag im Grundbuch, beim Einwohnermeldeamt, der Rentenversicherung und der Löschung aller Konten und Vermögenswerte. Den Rest erledigt die Natur schon ganz von allein, zur Not helfen Gesetze gegen Obdachlose, die aktuell schon in Ländern der EU in Erprobung sind.

 

 

 

 

 

 

 

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