Ethik

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Papst ängstigt Deutsche: GOTT ist SOZIALROMANTIKER, Hartz IV ist böse, Krieg ist schlecht.

Es reizt einen ja schon ... dieses "Papstbashing". Allein - wie der schon aussieht - die Klamotten sind doch wohl wirklich ein Lacher schlechthin. Und dann das Auto. Kann sich noch einer erinnern an jenen denkwürdigen Satz, den niemand im großen katholischen Weltreich jemals ernst genommen hat? "Gehe hin, verkaufe alles was Du hast, gib es den Armen und folge mit nach!" So sprach Gott selbst, bzw. sein Sohn - für genaue Differenzierungen bitte den ortsansässigen Himmelskomiker fragen.  Und wenn man gerade dabei ist, könnte man auch mal fragen, ob man sich eigentlich niemals darüber Gedanken gemacht hat, das "Rom" für den Sohn Gottes immer das Sinnbild der feindlichen widergöttlichen Mächte war, die Kirche aber gerade dort ihr Hauptquartier bezogen hat und ein ähnliches "Imperium" aufgebaut hat - mit viel "imperialer Symbolik" in ihrem Alltag.

Es reizt einen ja schon … dieses „Papstbashing“. Allein – wie der schon aussieht – die Klamotten sind doch wohl wirklich ein Lacher schlechthin. Und dann das Auto. Kann sich noch einer erinnern an jenen denkwürdigen Satz, den niemand im großen katholischen Weltreich jemals ernst genommen hat? „Gehe hin, verkaufe alles was Du hast, gib es den Armen und folge mit nach!“ So sprach Gott selbst, bzw. sein Sohn – für genaue Differenzierungen bitte den ortsansässigen Himmelskomiker fragen.  Und wenn man gerade dabei ist, könnte man auch mal fragen, ob man sich eigentlich niemals darüber Gedanken gemacht hat, das „Rom“ für den Sohn Gottes immer das Sinnbild der feindlichen widergöttlichen Mächte war, die Kirche aber gerade dort ihr Hauptquartier bezogen hat und ein ähnliches „Imperium“ aufgebaut hat – mit viel „imperialer Symbolik“ in ihrem Alltag.

Man merkt – es ist leicht, diese Gruppierung von Menschen in Bausch und Bogen zu verdammen….und dann missbrauchen die noch Kinder. Die Nato oder die Bundeswehr haben nicht mit so einer Ablehnung zu rechnen, dabei missbrauchen sie nicht nur Kinder, in dem sie sie zum Töten (oder Morden – je nach juristischer Auslegung der Tat) ausbilden, sie bringen im Ausland auch noch regelmässig Kinder um – wie jetzt gerade in Libyen. Obwohl die „guten Demokraten“ dort jetzt gewonnen haben, hört man von 36 Bombenangriffen am Freitag, die Stadt Sirte soll unter heftigem Artilleriefeuer liegen.

Kinder missbrauchen ist sehr böse, da besteht kein Zweifel. Sie zu töten aber nicht?

Ach so – die missbrauchten Kinder waren ordentliche deutsche Arier, die zerfetzten Kinder dreckige Araber. Da differenziert der kirchenkritische Linke schon im Vorfeld sehr sorgfältig ohne es explizit zu nennen. Dabei fällt mir ein: die Katholiken haben es eigentlich gut. Die haben nur einen Papst. Nehme ich an einer Strategiedebatte der Linken teil, habe ich den Eindruck: da ist jeder Papst – oder möchte es gern werden. Vielleicht ist das die Quelle der Papstkritik.

In „Kirchenkritik“ treffen sich ja auch rechts und links und marschieren gemeinsam – wie übrigens auch zum Marsch „Vernichtet Israel“ (als ob die Vernichtung eines Staates eine völlig bedenkenlose Sache wäre, unblutig wie eine Abstimmung im Provinzrathaus).  Ob es da Zusammenhänge gibt, möchte ich momentan nicht weiter untersuchen, denn mich interessieren auf einmal Inhalte – mich interessiert (und ich meine nach Lektüre der vielen Artikel zu dem Thema, das ich wohl der einzige Mensch mit Tastatur bin, den das interessiert): wie sieht der Papst gerade die Welt?

Ich nehmen an, düster – nicht umsonst stockt der seine Exorzistenbataillone auf.

Was die Kommentatoren oft nicht berücksichtigen, ist: der Papst nimmt seine Weltsicht so ernst wie wir die unsere. Für ihn ist das Böse real und bleibt es auch, selbst wenn Spiegel, Blogger, das Handelsblatt und all die selbsternannten „Gegenpäpste“ dagegen sind – siehe Welt:

Im Schein unzähliger Lichter, als Vorfreude auf die sonntägliche Messe mit dem Papst ganz in der Nähe, geißelt er Egoismus, Neid und Aggression. Er mahnt die Jugend, das Böse in sich selbst zu suchen, wobei die Liste aller Übel in der Welt „draußen“ auch für ihn schon unerträglich lang ist.

„Das Böse in sich selbst suchen“ – wäre ja noch schöner. Egoismus, Neid und Aggression sind Standard und Bürgerpflicht in unserem Land. Wo kämen wir denn immerhin hin, wenn die stinkenden, faulen Arbeitslosen neben der vielen Lebenszeit, die sie sinnlos verplempern dürfen, auch noch GELD bekommen würden?

Wo kämen wir hin, wenn wir politische Probleme nicht mehr mit Bomben sondern mit Diplomatie lösen würden? Wo kämen wir hin, wenn wir unsere Super-Top-Kultur mal mit kritischen Augen beobachten würden – so wie hier:

Es ist der „American Way of Life“, die einzige räuberische Ideologie, die bestreitet, eine Ideologie zu sein. Die mit mächtigen Fangarmen weltweit operierenden Konzerne, die diktatorisch nach eigenen Gesetzen herrschen, das Militär, das zu einem Staat im Staate geworden ist, die hinter der Fassade der (angeblich) besten Demokratie der Welt in Washington agierenden 35.000 Lobbyisten, die Politiker kaufen, und eine Popkultur, die nur ablenken und verdummen soll, prägen ein System, das es so bisher nicht gab. Es mag differenzierter (als der Faschismus) sein, aber es hat eindeutig die gleichen Folgen. Denis Halliday und Hans von Sponeck, die beiden führenden UN-Beauftragten, die während der unter Führung der USA und Großbritanniens durchgeführten Blockade für den Irak zuständig waren, sind sich einig, dass damit ein Genozid begangen wurde. Sie fanden zwar keine Gaskammern. Aber schleichend, unerklärt und trotzdem offen in Gang gesetzt, begann auch der Dritte Weltkrieg mit einem Völkermord, der immer mehr Menschen das Leben kostet.

Wo sind eigentlich die großen Demonstrationen gegen die Ideologie dieses „American Way of Life“? Kann es sein, das „rechts“ und „links“ sich hier wieder einmal friedlich zusammen bei Coke und BigMac zu einem Disneyfilm treffen?

Norman Mailer sagte einmal, er glaube, die USA seien mit ihren endlosen Kriegen und ihrem Drang nach Weltherrschaft in eine „präfaschistische Ära“ eingetreten. Mailer unternahm den Versuch, vor einer Entwicklung zu warnen, die er nicht genau definieren konnte. „Faschismus“ ist eigentlich nicht der richtige Terminus, weil er an unpassende historische Präzedenzfälle erinnert und erneut die Bilder der deutschen und der italienischen Terrorherrschaft beschwört. Denn das autoritäre Herrschaftssystem der USA ist, wie kürzlich der Kulturkritiker Henry Giroux aufzeigte, „nuancenreicher, weniger theatralisch und durchtriebener, und es arbeitet weniger mit repressiven Kontrollmethoden als mit durch Manipulation erzeugter Zustimmung“.

Ich hätte gerne mal den Papst gefragt, was er eigentlich zu einer Kultur sagt, die Egoismus, Neid und Aggression in großem Umfang in alle Schichten der Gesellschaft trägt und deren führende männliche Köpfe von Wirtschaft, Politik und Show-Bizz sich regelmässig zu Ritualen vor einer großen Eule treffen (u.a. ist die Eule das Symbol der kinderfressenden Dämonin Lillith) und dort ein symbolisches Menschenopfer bringen – ja, ich meine wieder einmal den Bohemian Grove, jenen lustigen Ort in den USA, wo Weltpolitik gemacht und Atombomben geplant werden, ohne das wir etwas davon erfahren dürfen … oder jemals erfahren werden.

Proteste gegen die Grover? Bislang nur von den „weißen Hexen“ in den USA, aus politischen Kreisen (dort, wo man gedankenlos am Burger und am Bürger nagt) hört man da keine große Kritik – eher verspürt man den Wunsch, auch mal dort eingeladen zu werden, wo die wirklichen Herren der Welt tagen. Keine Kritik an den Kutten, der Symbolik, an dem Verschwörungscharakter der Veranstaltung, keine Kritik an der Straffälligkeit der Teilnehmer – ja, man nimmt es sogar gerne einfach nicht wahr, was dort geschieht.

Dann lieber nochmal „Star Wars“ gucken … obwohl dort genauso das Heraufdämmern einer bösen Kultur beschrieben wird, wie es der Papst beschreibt: wie der Bankenclan die Republik vernichtet, erleben wir gerade am eigenen Leib, ebenso wie die Technologieunion das Volk verstrahlt oder die Handelsgilde den letzten Cent aus uns herauspresst – aktuell wächst die Lücke auf unserem Konto in gigantischem Ausmaß:

Vor allem die Finanzierung der Pflegeversicherung drohe angesichts der ungünstigen demografischen Entwicklung die aktiv Beschäftigten zu überfordern, warnt er. Diese sogenannte implizite Staatsverschuldung kommt zur amtlichen, also expliziten Schuldenlast hinzu. Zusammen ergeben sich dann fast sieben Billionen Euro, die Raffelhüschen „Nachhaltigkeitslücke“ nennt.

Dabei wird die Bankenrettung noch teurer als befürchtet:

Die europäischen Banken stehen nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich einer «Finanzierungslücke» gegenüber, die bis zu knapp 4 Billionen Dollar betragen könnte.

Wir stehen vor dem Nichts – praktisch gesehen gehört unser ganzes Geld schon jemand anderem.

Warum wir nichts davon erfahren?

Weil die Macht der neuen Ideologie bis in die Tastatur der „unabhängigen“ Nachrichtensender reicht:

Der Chefredakteur des arabischen Nachrichtensenders „Al Jazeera“ trat vergangene Woche zurück , nachdem herausgekommen war, dass er Berichte über den Irak-Krieg auf Druck der USA hin manipuliert hatte. 

Wer hätte das gedacht, das sogar diese unabhängige Nachrichtenagentur nur eine Aussenstelle des CIA war – und was heißt das eigentlich für unsere Medien vor Ort?

Aber hier sind wir ja jetzt wieder ganz weit weg vom Papstbesuch in Deutschland – und wieder bei dem Übel da draußen, das für ihn“unerträglich“ ist. Jedenfalls für einen Papst, Politiker und Journalisten kommen offenbar klar damit, sie folgen gern der „durch Manipulation erzeugten Zustimmung“ und peitschen deshalb auch den ESM-Vertrag – das neue Ermächtigungsgesetz – im Eiltempo durch die Instanzen: noch nicht einmal mehr ein Jahr bleibt uns, bis wir unsere Souveränität an einen anonymen, undemokratischen Koloss abgegeben haben:

Der Druck auf die europäischen Regierungen steigt: Deshalb wird nun ernsthaft erwogen, den dauerhaften Rettungsschirm (ESM) bereits ein Jahr früher als geplant einzuführen, konkret im Juli 2012. Damit wäre die Transferunion im Eilverfahren ins Leben gerufen.

Unsere „Übel“ sind zwar auch unerträglich – aber für uns sind sie einfach „alternativlos“.

Unser Gott ist ja auch tot, habe ich mir sagen lassen.

Man stelle sich mal vor, jeder der „Entscheider“ würde das Böse zuerst in sich selbst suchen. Man stelle sich kurz mal vor, jeder Mensch würde ebenso verfahren. Was das Böse ist? Nur ein paar unheimliche Gefühle: Egoismus, Neid, Aggression. Ob da wirklich noch Dämonen zu kommen, ist wohl Anschauungssache.

Man stelle sich nur mal kurz vor, wie leicht der Umgang mit Arbeitslosen wäre, wenn es den Neid nicht gäbe, wenn man einfach locker sagen könnte: „Hey, ihr habt schon keinen Job mehr, langweilt euch zu Tode, zerfleischt euch wegen der Sinnlosigkeit eurer Existenz – da könntet ihr doch auch gut 2000 Euro im Monat gebrauchen, damit ihr wenigstens konsumieren könnt!“

Wäre doch fair, oder? Immerhin haben die ihre Jobs nicht nach China exportiert, das waren andere.

Warum wir das nicht machen?

Nur aus Neid, Egoismus und weil man an Arbeitslosen so schön seine Aggressionen ausleben kann.

In der katholischen Welt nennt man das schlichtweg „Böse“ – weil Gott ein Sozialromantiker ist, der gemäß katholischem Mythos seinen eigenen Sohn zur Erde sandte, um deutlich zu machen, was er von dem Theater hier unten hält:

„Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst“ war seine Botschaft. 

 

 

„Liebe Dich selbst ist die Botschaft, auf die die neue Ideologie den Satz verkürzt hat und die auch jeder Politiker in sich trägt – wie zum Beispiel Rezzo Schlauch, der unlängst bewies, das er wie Gerhard Schröder die Nähe zu Milliardendeals mit Gas-Prom sucht.

Wenn ein Papst so offen zu Parlament und Jugend spricht, müssen ihn große Sorgen umtreiben, denke ich mir. Oder aber er faselt einfach undurchdachten Mist durch den Raum.

Gut, das er sich nicht in die Politik einmischt – das hat sein Chef verboten. Sonst müsste er sagen, das mit Hartz IV das Reich des Bösen in Deutschland Fuß gefasst hat.

Genau genommen hat er das auch gesagt, sowohl im Parlament als auch gegenüber der Jugend. Aber so sehen … will das keiner. Wer will schon wirklich Ärger mit den wahren Herren der Welt?

Dann doch lieber ein bischen Papstbashing, das macht Spaß, beruhigt die Nerven und bringt den Arbeitsplatz nicht in Gefahr.

„Denke nur an Dich selbst, klau´ Deinem Nächsten das Butterbrot und hau´ ihm eine ´rein“ – das ist die Devise unserer modernen Kultur und der Leitsatz jeden Leistungsträgers – von rechts bis links.

Ratet mal, welche Devise mehr Sicherheit, Wohlstand und Lebensglück für die Gemeinschaft der Menschen bringt?

Lese ich dann, das der Papst überhaupt keinen Beitrag zur Lösung der Probleme der Welt gebracht hat, dann wird mir ganz seltsam zumute, denn genau das hat er getan:

Meidet Egoismus, Neid und Aggression, lebt als Politiker für Gerechtigkeit und nicht für Bargeld – und schon sind wir einen gigantischen Schritt weiter.

Warum man das jedoch nicht sehen will … sollte vielleicht jeder mit der Stimme des Bösen in sich selbst ausfechten und sich klar machen, warum er ihr eigentlich folgt.

 

 

 

 

 

 

 

Papstbesuch in Deutschland und die Warnung vor einem neuen Auschwitz

Es sind denkwürdige, spannende Zeiten, in denen wir leben.  Ein neuer, großer Krieg deutet sich an - die USA umschließen China, die Chinesen stellen hinsichtlich Pakistan ein Ultimatum, das die USA aber nicht einhalten, Tokio müsste eigentlich wegen zu hoher Radioaktivität evakuiert werden infolge von Naturkatastrophen, die von Jahr zu Jahr desaströser werden. Gleichzeitig fliegt uns unsere Wirtschaft um die Ohren - nicht als Unfall, wohlgemerkt, sondern als asozialer Akt einer Bande skrupelloser Finanzjongleure, die im Prinzip nichts anderes machen als Menschen beim Sozialamt .... wenn auch in ganz anderen Dimensionen: sie rechnen sich ihre Ansprüche schön, die sie - angeblich - aufgrund ihrer Spekulationen haben und verlangen, das wir diese Ansprüche umgehend in echte Werte umsetzen.

Blöd wie wir sind, tun wir das auch, wundern uns aber, das auf einmal kein Geld mehr da ist. Und in diesen Zeiten besucht der Papst Deutschland.

Es sind denkwürdige, spannende Zeiten, in denen wir leben.  Ein neuer, großer Krieg deutet sich an – die USA umschließen China, die Chinesen stellen hinsichtlich Pakistan ein Ultimatum, das die USA aber nicht einhalten, Tokio müsste eigentlich wegen zu hoher Radioaktivität evakuiert werden infolge von Naturkatastrophen, die von Jahr zu Jahr desaströser werden. Gleichzeitig fliegt uns unsere Wirtschaft um die Ohren – nicht als Unfall, wohlgemerkt, sondern als asozialer Akt einer Bande skrupelloser Finanzjongleure, die im Prinzip nichts anderes machen als Menschen beim Sozialamt …. wenn auch in ganz anderen Dimensionen: sie rechnen sich ihre Ansprüche schön, die sie – angeblich – aufgrund ihrer Spekulationen haben und verlangen, das wir diese Ansprüche umgehend in echte Werte umsetzen.

Blöd wie wir sind, tun wir das auch, wundern uns aber, das auf einmal kein Geld mehr da ist. Und in diesen Zeiten besucht der Papst Deutschland.

Ich hätte gedacht: das ist ein Ereignis, das man einfach mal so übergehen kann, ein Nebensatz sollte reichen, dem Tatbestand gerecht zu werden, wenn er überhaupt erwähnenswert ist. Es ist nett und freundlich von uns, einen Papst im Bundestag reden zu lassen – Gorbatschow, Putin und Bush waren ja auch schon da. Gut – er ist Häuptling eines kleinen Landes, aber: umso nobler ist die Geste. Aber politisch gesehen … ist das doch wohl völlig uninteressant.

Dann jedoch nahm ich mehr und mehr am Rande die Kritik am Papstbesuch in Deutschland wahr, mehr und mehr sah man wieder, das sich die deutsche Blödheit nicht auf das Thema Wirtschaft beschränkt, das es in der Tat Menschen gibt, die das Heil der Menschheit in der Vernichtung der katholischen Kirche sehen.

Natürlich stoßen wir hier an Grenzen, die historisch bedingt sind – und an Mythen, die anzutasten uns nicht gestattet ist. Im Kampf der freien Gesellschaft gegen den Feudalismus hat die Kirche personell oft auf der falschen Seite gestanden, was kein Wunder ist: personell gesehen war der Adel bei ihnen immer gut vertreten, sie war sozusagen oft der linke Arm der Unterdrückung – vor vielen hundert Jahren. Der erste Sohn des Grafen wurde sein Nachfolger, der zweite ging in die Kirche, der dritte zum Militär: so war die Rollenaufteilung, die dem Adel die Macht über das Volk garantierte.

Gleichzeitig aber – und das hören wir nicht so gerne, weil es dann wieder kompliziert wird – hat die Kirche selbst während der parasitären Besetzung durch den Adel weiterhin die Botschaft das Humanismus getragen … und zwar eines Humanismus, der sehr ernst ist, ein Humanismus, der keine Grenzen kennt, auch Arme, Alte, Kranke und Behinderte einschließt, Ausländer und Zigeuner ebenso. Diese Kirchenleute bringen halt seit zweitausend Jahren kontinuierlich „Sozialromantiker“ hervor – schon das ist ein Grund, sie im Berliner Bundestag nicht mehr willkommen zu heißen, denn Sozialromantiker wollen wir nicht mehr haben.

Nun ist die Geschichte der Kirche selber voll von Beispielen, das sie ihren Ansprüchen nicht genügt – jedes Schulkind kennt sie heute (und niemand fragt sich, warum das eigentlich so ist).  Das ist aber ein Maßstab, den ich gar nicht anlegen würde, weil aus Menschen keine Engel werden, bloß weil sie katholisch geworden sind.

Sie bleiben Mörder, Zuhälter, Vergewaltiger, Räuber, Folterer, Unterdrücker, Betrüger – kurz: Arschlöcher (wenn ich mal so drastisch werden darf). Aber – sie haben beständig die Mahnung im Ohr, das dies nicht in Ordnung ist und eine Chance, sich zu ändern. Es gibt auch eine leise Drohung hinter dieser Mahnung – eine Drohung, die aber den meisten Religionen immanent ist: im Jenseits gibt es kein Arschlochabteil – außer vielleicht der Hölle, die es nicht nur bei Katholiken gibt – und selbst dort ist sie theologisch betrachtet nicht existent, sondern nur ein im Laufe der Jahre gewachsener Mythos, während die Feuerhöllen des Buddhismus dort ganz andere Qualitäten aufweisen. Vielleicht wird uns ja der Dalai Lama darüber aufklären, den die Grünen jetzt aus Rache am Papstbesuch in den Bundestag einladen wollen.

Nun ist die Höllengeschichte  sicherlich Glaubenssache. Für die Philosophie jedoch ist ALLES Glaubenssache, dort ist man sich der fürchterlichen Relativität der Kultur der Vernunft bewußt. Nationalsozialismus zum Beispiel – war absolut vernünftig. Wenn der Jude an sich böse ist – dann ist es vernünftig, so mit ihm zu verfahren, wie geschehen. Und die Freiheit, den Juden als „an sich böse“ darzustellen, gibt mir ebenfalls – die Vernunft. Weil das so schrecklich schief gegangen ist, weil wir ganz vernünftig, sachlich, nüchtern und ruhig die Hölle auf Erden installiert hatten,  haben wir die allgemeinen Menschenrechte etabliert: als festes, niemals mehr zu hinterfragendes Dogma.

Angesichts des offensichtlichen Scheiterns der vernünftigen, wissenschaftlich ausgerichteten Gesellschaft haben wir unser eigenen Dogmen errichtet, die durch nichts zu belegen oder beweisen sind – wir sind in diesen Momenten  ziemlich katholisch geworden.

Daran hat uns der Papst in seiner Rede im Bundestag erinnert, eine Rede, die mich zuvor nicht interessiert hat, die mir aber Angst machte, als ich sie las.

Warum?

Nun … weil ich Texte immer im Umfeld beurteile. Ich bin ein Freund der Kunst der Hermeutik – und beurteile Menschen ihrem Umfeld gemäß.

Im Umfeld eines Christen spielt „das Böse“ eine zentrale Rolle. Man kann das Christentum eigentlich nur aus der Realität des „Bösen“ heraus verstehen, so wie man Christus nur verstehen kann aus der Realität der Wunder – alle anderen Verdrehungen der Moderne zugunsten des Zeitgeistes führen nur dazu, das man eigentlich überhaupt nicht versteht, was und warum dort gesellschaftliche Realität gewachsen ist.

Ein langhaariger Hippie mit Sandalen an den schmutzigen Füssen sondert colle Sprüche ab? Das soll die Menschen vor zweitausend Jahren beeindruckt haben? Oder die Geschichte eines Menschen, der wider die „Mächte der Welt“ aufstand, über Wasser laufend seine Macht über Krankheit und Tod bewies um den Menschen zu verkünden, das sie sich bitte nicht wie Arschlöcher benehmen sollen, weil das Universum nicht gut auf Anlageberater, Imperatoren oder Priester zu sprechen ist?

Wir merken: der Papst kommt schnell selber ins Feld der Kritik – und das dürfte ihm auch bewusst sein, denn er nimmt die Geschichte ja ernst. Er weiß auch, das die Geschichte mit seiner Unfehlbarkeit ein Marketingtrick der Kirche war, mit der sich die Christen vor den durch die Freimaurer entfesselten Gewalten schützen und den Zusammenhalt ihrer Gemeinschaft wahren wollten – oder, um es drastisch zu formulieren: die Gemeinschaft der Christen (und letztlich die ganze Menschheit) vor dem Antichrist zu schützen, der am Ende aller Tage mit großer Macht auftritt.

Das ist nun der Hintergrund, vor dem ich die Rede des Papstes sehe – und schon bekommen seine Worte (hier im Spiegel gedruckt) eine ganz andere Qualität:

Die Bibel will uns mit dieser Erzählung sagen, worauf es für einen Politiker letztlich ankommen muss. Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen.

Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, der ihm überhaupt die Möglichkeit politischer Gestaltung eröffnet. Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet. Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“, hat der heilige Augustinus einmal gesagt.

„Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein“ … doch was macht Politik?

Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen„: das ist die moralische Realität im Deutschen Bundestag – und die offene Kampferklärung an die sozialen Dimensionen der allgemeinen Menschenrechte.

Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen.

Wenn nun der Papst eine „historische Stunde“ sieht, in der es der „Herrschaft des Unrechts“ zu wehren gilt – mit deutlichen Bezügen auf die Greuel des Dritten Reiches – dann scheint es schlimm zu stehen um die Realitäten im Deutschen Bundestag.

In diesen Zeiten an die Grundsätze von Recht im deutschen Bundestag zu appellieren, würde keinen Sinn machen, ginge man davon aus, das das Recht dort einen festen Sitz hat – eher versucht man Menschen auf diese Weise ins Gewissen zu reden, die ihren Kurs völlig aus den Augen verloren haben. Es gibt kein Lob für den deutschen Bundestag als Hort von Gerechtigkeit, als Versammlung edler Streiter für Frieden, Wohlstand und Glück der Menschen, sondern eine Warnung davor, das der Staat sich schnell in eine große Räuberbande verwandeln kann.

Das soll der einfach so dahergesagt haben?

Vor seinem Hintergrund sehe ich das als klare Warnung vor der widernatürlichen Herrschaft des Antichristen, als letzten Versuch, die Notbremse zu ziehen, bevor die Herrschaft des Unrechts wieder bis in die letzten Winkel des Landes und ganz Europas vordringt, als Warnung vor einer kommenden Bestialität des Menschen, die wieder ganz leise beginnt – mit wie üblich sehr vernünftigen Argumenten. Letztlich aber ist klar, wohin der Zug fährt.

Menschen werden vom Menschsein ausgeschlossen … wenn sie nicht genügen. 

Schon mal von Hartz IV gehört? Keine Bange – wie üblich ist das erst der Anfang.

Jacob Augstein weist im Spiegel auf die nächsten Schritte hin, die uns in ein neues (nationalsozialistisches) Paradies führen werden:

Wir brauchen den Papst zum Beispiel, weil das deutsche Forschungsministerium mit öffentlichem Geld die Entwicklung eines Tests fördert, der ohne jedes Risiko für die Mutter feststellt, ob ihr Baby das sogenannte Down Syndrom aufweist. Dieser Test hat nur einen Zweck: Selektion.

Ich kann mich da dem Herrn Augstein im Weiteren nur anschließen: Kritik am Papst wird da wirklich pubertär. Auch wenn es unbequem ist, weil sich niemand mit geistig behinderten Menschen herumärgern will: das Prinzip der Selektion endet – wenn es erstmal installiert ist – immer in Auschwitz.

Wenn der Papst im Deutschen Bundestag solche Worte spricht, dann werde ich sehr hellhörig, weiß ich doch, das er einer der bestinformiertesten Menschen der Welt ist: kaum jemand hat so viele Millionen Zuträger wie er.

Und das unser Staat schon längst eine große Räuberbande geworden ist, merken wir doch fast jeden Tag – wenn wir in den Wirtschaftsteil der Zeitungen oder auf unser Konto schauen. Was das für die Herrschaft des Rechtes bedeutet, hat der Papst gerade mal ganz deutlich der versammelten Räuberbande gesagt. Schade das die Linken das nicht hören wollten – es bestätigt den Verdacht, das die nur so lange „links“ sind, bis sie endlich auch einen Anteil an der Beute bekommen.

Wer nun schreit: „Aber die Kirche hat doch auch Fehler gemacht“ bekommt eine gute Note in sonstiger Mitarbeit, hat aber nicht verstanden, das es gerade mal wieder darum geht, die Öfen für die Massenvernichtung zu installieren: wo sollen wir auch mit den Massen der Armen hin, die beim shoppen stören, weil sie hungernd und verfaulend auf der Straße herumliegen?

Und hungern werden sie – einfach nochmal die Ansprüche der Herren des Geldes durchrechnen, dann weiß man: die haben jetzt schon mehr Ansprüche als die Welt Güter hat.

Den Rest regelt dann wieder die Vernunft.

 

 

 

 

Wie Regierung, Medien, Wirtschaft und Mario Barth die Zivilgesellschaft zerstören

Na, auch erleichtert? Worüber? Na, über die Rettung der Welt. Über die vielen positiven Nachrichtenlügen, die nun den DAX soweit gestützt haben, das er wieder langsam nach oben zu klettern beginnt. Lügen? Das sei zu weit gegriffen? Darf ich nochmal etwas in Erinnerung rufen, auch wenn es nervt, das ich mich dauernd wiederhole?

 “Wir wissen doch alle, dass unser System auf Dauer so nicht funktionieren kann”, sagt von Issendorff, Gründer von Tungsten Capital Management.

Was auch Fakt bleibt - im gleichen Artikel erwähnt - ist die Verschönerungsverschwörung der Leitmedien (oder waren es Leidmedien?) in Deutschland:

Na, auch erleichtert? Worüber? Na, über die Rettung der Welt. Über die vielen positiven Nachrichtenlügen, die nun den DAX soweit gestützt haben, das er wieder langsam nach oben zu klettern beginnt. Lügen? Das sei zu weit gegriffen? Darf ich nochmal etwas in Erinnerung rufen, auch wenn es nervt, das ich mich dauernd wiederhole?

 “Wir wissen doch alle, dass unser System auf Dauer so nicht funktionieren kann”, sagt von Issendorff, Gründer von Tungsten Capital Management.

Was auch Fakt bleibt – im gleichen Artikel erwähnt – ist die Verschönerungsverschwörung der Leitmedien (oder waren es Leidmedien?) in Deutschland:

An einer Stelle liest man in dürren Worten, worum es an diesem Abend im Kanzleramt ging: Merkel bat die Journalisten, zurückhaltend über die Krise zu berichten und keine Panik zu schüren. 

Ich denke, ich werde diese Zitate so oft wiederholen, bis sie jeder Bundesbürger gelesen hat, bis sie über jedem Rathauseingang hängen, in jedem Gericht zu beobachten sind, im Bundestag vor jeder Rede Erwähnung finden, in jeder Schule einmal die Woche in einer separaten Stunde auseinandergenommen werden und an jedem Streifenwagen der Polizei als Aufkleber hängen. Man kann diese kleinen Nachrichtenperlen am ansonsten zugemüllten Nachrichtenstrand der Republik gar nicht hoch genug einschätzen, weil sich Politik und Wirtschaft selten so tief in die Karten gucken lassen und man selten einen solch deutlichen Ausblick auf die wirklichen Zustände in diesem Land bekommt.

Das „wir“ des Herrn von Issendorf ist klar und deutlich … aber es schließt nicht alle ein. Neben dem „wir“ – zu dem die führenden Köpfe von Wirtschaft, Politik und ebenauch Medien zählen, wie wir dank des „Freitag“ erfahren durften – gibt es noch ein „die“.  „Die“ wissen nicht so viel. „Die“ kriegen auch nicht so viel – Arbeit, Grundbesitz, Bargeld, Ersparnisse … das alles ist nichts für „die“ – und „Wissen“ erst recht nicht.

Was „wir“ wissen, hat Herr von Issendorf vor zwei Jahren schon mal in der Wiwo erklärt:

Die Gefahr ist groß. Deshalb investieren die meisten vor allem dort, wo sie bei Problemen schnell wieder verkaufen können, also am 
Aktienmarkt. Die Zentralbanken fluten die Märkte mit billigem Geld, es gibt eine Liquiditätsschwemme. Die kann aber nicht ewig weitergehen, sondern wird irgendwann enden. Das ist schon wieder ein heißer Tanz auf dem Vulkan. Es ist schwer, nicht mitzutanzen.

Das ist was, was „wir“ wissen: der ganze „Aufschwung“ lief nur auf Pump – in Griechenland genauso wie hier, in den USA wie in China. Die Zentralbanken geben Geld billig ab (natürlich nicht an jedermann, das ist klar, „die“ kriegen nichts), mit dem Geld überschütten die Banken die Börsen, die Kurse steigen, die Gewinne werden abgeschöpft, das billige Geld zurückgegeben und das funktioniert solange, bis die Blase platzt. „Wir“ wissen, das sie platzt, aber „wir“ sollten „die“ weiterhin im Unklaren lassen.

Man braucht keine verschwörerischen Orden in bunten Kutten zu visionieren, um zu verstehen, wie so etwas läuft – es reicht eine herunterregulierte gesellschaftliche Ethik, eine miserable allgemeine Moral und der Blick auf die eigenen Kreditkarten samt dem Wissen, das hundert andere nebenan das auch gerne hätten, um „an einem Strang“ zu ziehen und das System zu melken, solange es noch geht.

Immerhin: „wir“ wissen, das das alles ein Ende hat.

„Wir“ wissen auch, wozu „wir“ fähig sind. Die gezielte Ausrottung bzw Vertreibung von Indianerstämmen interessiert uns nicht, die Ermordung von 160 Kindern durch Drohnen läßt uns kalt, das eine Pleitenation mit Hochdruck an Killerdrohnen arbeitet, die in einer Stunde auf der anderen Seite der Welt sein können, während die Kriegstreibermaschine inzwischen nahezu ungehindert in aller Öffentlichkeit arbeitet, nehmen wir gar nicht öffentlich zu Kenntnis. Weil „wir“ wissen, wie die Welt läuft, wissen „wir“ auch, dass ein neuer globaler Krieg unverzichtbar ist. Kriege sind eine hervorragende Gelegenheit, das Volk zu beschäftigen und sein Schäflein ins Trockene zu bringen, wo es vor den bösen Mitbürgern in Sicherheit ist.

Was „wir“ von denen denken, sagen „wir“ gerne offen, wenn „wir“ uns überlegen fühlen, wie hier Richard Sennet im „Spiegel“ erwähnt:

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson, ein Konservativer aus der Oberschicht, führt das gerade exemplarisch vor. Johnson hat die Plünderer als Unterschichtsmob bezeichnet. Wenn man Menschen so nennt, will man sie nicht mehr erreichen. Die Sprache, die wir größtenteils für soziale Unruhen benutzen, begegnet den Menschen mit Verachtung – und das heizt das Problem weiter an. 

Andere „wir“ nannten ihre „die“ Juden, Nigger oder Asoziale. Die Sprache ändert sich, die Zielgruppen wandeln sich, aber das Ergebnis bleibt gleich: „wir“ echten lebenden Menschen gegen die unmenschlichen Zombies – wundert man sich da über den Boom eines mythologischen Randthemas zum Kultfilm?

16000 Polizeibeamte mussten in London einmarschieren, um die öffentliche Sicherheit wieder herzustellen, die Bürgerkriege in den dahinsiechenden westlichen Industrienationen richten mitlerweile mehr Schäden in den Metropolen an als die Nazibomben im zweiten Weltkrieg – und die Morde in Norwegen gehören in die gleiche Kategorie.

Nochmal Richard Sennet:

Ich hoffe, man redet bald über die Ursachen. Und die liegen für mich darin, dass diese Regierung die Zivilgesellschaft und die zivilen Institutionen zerstört hat. Ich hoffe, dass das die Diskussion ist, die stattfinden wird.

Diese Diskussion werden wir aber nicht bekommen…es sei denn, in zwei bis drei lauwarmen Talkshows, damit das Volk denkt, das „wir“ das Problem schon in den Griff bekommen, während „wir“ nur unseren Griff um ihr Bargeld stärken möchten, während die Politik immer offener ihre Machtlosigkeit erlebt, wie hier im Spiegel detalliert aufgeführt:

Machtlos, ratlos, kraftlos. Die Führer der Welt wirken überfordert. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die bedrängten Mächtigen.

Wie sollten sie auch anders wirken, denn: „wir wissen doch alle, das unser System auf Dauer nicht funktionieren kann“. Aber „wir“ haben die Medien schon mal auf unsere Seite gebracht, damit sie nicht so dramatisch über die Entwicklung berichten.

„Spekulanten wetten auf den Weltuntergang“, so titelt das Handelsblatt. Man versteht solche Wetten gut vor den Einsichten, die Herr von Issendorf preisgegeben hat. Im schon zitierten Wiwo-Artikel erläutert er noch weiter, wie „wir“ gerade Kasse machen:

Das Gros bei neuen Anleihen verdienen die Banken nicht mit der Emissionsmarge — also der Gebühr, die wenige Prozent des Anleihenennwerts beträgt —, sondern mit anderen Geschäften, die daran gekoppelt sind. Für Swap-Geschäfte zum Beispiel, mit denen Unternehmen Laufzeiten oder Währungen tauschen und absichern, lassen sich die Banken gut bezahlen. Wie hoch ihre Marge ist, weiß meist nicht einmal der Kunde.

Was Swaps sind? Die Kreditausfallversicherungen, die aktuell gerade für Frankreich und Deutschland immer teurer werden, weil die von „denen“ geretteten Banken „uns“ helfen, gegen ihre eigenen Länder zu wetten, dadurch an der Preisschraube zu drehen und die Volkswirtschaft Richtung Hungertod zu treiben.

Gut, das „die“ das nicht alle gleichzeitig merken.

Man nannte das früher auch mal Bürgerkrieg, weshalb die Ausschreitungen in London in Wirklichkeit niemanden verwundern. Dort haben „die“ erfahren, was „wir“ mit ihnen vorhaben – ein klassisches Versagen der Medien …. oder die Blogger waren Schuld, weil sie den Schulterschluss von Regierung, Wirtschaft und Medien unterlaufen haben.

Wann starten eigentlich die Abrüstungsverhandlungen mit China? Wann ziehen wir die Drohnenkiller zur Verantwortung? Wann fangen wir an, Indianer als schützenswerte Menschen zu beachten, wann merken wir, das die Zivilgesellschaft durch Regierungen, Wirtschaft und Medien zerrüttet wird … und durch uns selbst, denn noch … sind ethische Entscheidungen nicht verboten, noch sind ethische Urteile erlaubt, noch darf man ethische Forderungen aufstellen wie die:

Stoppt die Killer der Zivilgesellschaft!“ 

Damit kann man ganz klein anfangen … denn „wir“ lachen gerne über Mario Barth, jenen Menschen, den Dieter Hildebrandt für abgrundtief dumm hält. Wer über diesen albernen Mumpitz lachen kann, lacht im Prinzip … über seine eigene Dummheit – und ist auch noch stolz darauf. Warum die gezielte Förderung von Frauenfeindlichkeit nun dumm ist, und die Zivilgesellschaft zerstört muß ich – so hoffe ich – nicht noch detalliert beschreiben, oder?

Doch?

Man ersetze bei „Barth“ das Wort „Frau“ durch das Wort „Jude“, „Nigger“ oder „Asoziale“ – und werfe einen Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten, die den Aufstieg des Herrn Barth begleiten:

Frauen können noch immer nicht gleichberechtigt leben. Ihr Anteil im Top-Management ist 2007 von 7,5 auf 5,7 Prozent zurückgegangen. Nirgendwo in Europa ist der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern größer als in Deutschland.

Na, noch lustig?

So lustig wie die Meldung, das der britische Premier David Cameron das Militär im Landesinneren einsetzen will, womit Großbritannien sich ganz offen auf eine Stufe mit den großen Militärdiktaturen der Geschichte stellt.

Das ist der Humor jener Killer der Zivilgesellschaft, die sich gerne vom Unterschichtenmob abgrenzen, von den hirnlosen Zombies (ich glaube, Herr Barth nennt sie „Frauen“), die man nur mit einer Ladung Schrott im Gesicht aufhalten kann. Anders Breivik hat sich an diese Botschaft gehalten:

Fast eineinhalb Stunden schoss der Attentäter mit einem Schnellfeuergewehr gezielt auf die panischen Jugendlichen, die weder von der Insel Utøya fliehen noch auf schnelle Hilfe hoffen konnten. «Es sah aus, als habe er Spaß», sagte Augenzeuge Magnus Stenseth (18).

Wie gut, das die Leitmedien uns mit diesen Perspektiven verschonen … uns könnte das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn wir merken, das wir selbst es sind, die unsere eigene Gesellschaft zugrunderichten….und das die Herren des Spiels sich hinter verschlossenen Eichentüren auf feinsten Leder in edlem Marmor- und Mahagonieambiente über uns kaputtlachen, weil sie wissen, das wir bald wieder im Schützengraben verrecken werden, während unsere Frauen danach den Wiederaufbau organisieren … Frauen, die „wir“ dann schnell gefügig kriegen, wenn sie was zu essen haben wollen.

 

 

 

 

Terror in Norwegen, das Böse und die naturwissenschaftliche Kultur

Heute gehe ich mit den Kindern ins Kino: Harry Potter muss es sein. Die Sage vom Kampf des Guten gegen das Böse. Als jugendlicher Atheist stand ich einst seht verwundert vor dem Phänomen: Star Wars, der Herr der Ringe - so etwas sagte mir nichts.  Billige Märchen für kleine Kinder ...  und doch musste ich wahrnehmen, das die Menschen - die modernen, aufgeklärten Bürger eines säkularen und durchrationalisierten Rechtsstaates -  diese Märchen lieben. Der Grund scheint einfach: solange das Böse erlebbar ist, fällt es schwer, nicht daran zu glauben. Wenn die Kultur selbst aber im Kampf gegen das Böse völlig versagt, dann muss sich das Gemüt auf andere Weise Luft verschaffen: zum Beispiel durch Märchen, die die Hoffnung fördern, das es neben den finsteren Superwesen auch Engel gibt, Zauberer, die für die Menschheit streiten.

Heute gehe ich mit den Kindern ins Kino: Harry Potter muss es sein. Die Sage vom Kampf des Guten gegen das Böse. Als jugendlicher Atheist stand ich einst sehr verwundert vor dem Phänomen: Star Wars, der Herr der Ringe – so etwas sagte mir nichts.  Billige Märchen für kleine Kinder …  und doch musste ich wahrnehmen, das die Menschen – die modernen, aufgeklärten Bürger eines säkularen und durchrationalisierten Rechtsstaates –  diese Märchen lieben. Der Grund scheint einfach: solange das Böse erlebbar ist, fällt es schwer, nicht daran zu glauben. Wenn die Kultur selbst im Kampf gegen das Böse völlig versagt, dann muss sich das Gemüt auf andere Weise Luft verschaffen: zum Beispiel durch Märchen, die die Hoffnung fördern, das es neben den finsteren Superwesen auch Engel gibt, Zauberer, die für die Menschheit streiten.

Die Muster für diese Geschichten sind uralt, zieren die ältesten Mythen der Menschheit: der Zauberer im Kampf gegen die finsteren Mächte, die sich als Krankheit oder Wahnsinn in der menschlichen Gemeinschaft manifestieren können. Wir sehen das heute noch genauso. Der Mönch Anselm Grün vergleicht in einem älteren Werk den Kampf der „Wüstenväter“ mit den Dämonen mit psychoanalytischen Kategorien – und stellt keinen Unterschied fest. Die einen nennen das so, die anderen so – das Phänomen jedoch ist das gleiche.

In der Philosophie ist man solche Perspektiven gewöhnt. Auf der einen Seite stellt der Vatikan eine Zunahme der dämonischen Aktivitäten fest und forciert die Ausbildung von Exorzisten, um die schlimmsten Auswüchse zu verhindern. Auf der anderen Seite beschreiben wir eine Zunahme psychischer Beeinträchtigungen – Einweisungen wegen Depressionen haben sich in zehn Jahren in Deutschland  verdoppelt, weltweit sind es gerade die reichen Länder, die die Statistik anführen. Glück kann man eben doch nicht kaufen … vielleicht sogar gerade nicht.

Es ist in erster Linie die naturwissenschaftliche Kultur, der wir die Hilflosigkeit im Umgang mit dem Bösen zu verdanken haben – und auch seine Förderung. Wir kümmern uns sehr detalliert um die Hardware, um das Gehäuse und die Leistungsdaten des PC. Die Software hat gefälligst von selbst zu laufen. Der Fall der Massenmorde in Norwegen zeigt, das selbst die ausgeklügelte Hardware die Bösen nicht aufhält, finster formuliert könnte man sagen: die Naturwissenschaften sorgen nur für ihre bessere Bewaffnung, für bessere Werkzeuge der systematischen Überwachung und Unterdrückung, doch das Böse selbst können sie nicht aufhalten.

Sie können es noch nicht mal theoretisch erfassen, darum sind sie so oft fassungslos, wenn sie ihm begegnen. Da ist der Schamane oder indianische Zauberpriester gefestigter, er weiß sofort, was los ist: Depressionen, Massenmord oder Wirtschaftskrise – da ist der Teufel am Werk. Sie haben es gut, diese magischen Menschen: ein Zauberspruch hier, ein Kräuterchen dort, etwas räuchern – schon ist sie fort, die Depression, der Geist im Massenmörder gebannt, der Fluss der Wirtschaftsgüter harmonisiert.

Wir hingegen züchten „Bloodlands“ … eins nach dem anderen. Wie es dort unter anderem aussieht, beschreibt die Welt in einem Artikel über „die Ökonomie der Apokalypse“:

Die Verhungernden aßen zunächst ihre Haustiere, dann Gras, schließlich machte sich der Kannibalismus breit. Eltern aßen ihre Kinder, Kinder ihre Eltern. In einem Waisenhaus entdeckte die Erzieherin, dass die Kinder über das schwächste Kind hergefallen waren und an ihm knabberten, während es selbst aus dem eigenen Körper Fleischstücke riss und in den Mund stopfte.

Wundert man sich über die Genese des neuen Mythos: der Zombie, der sich von seinen Mitmenschen ernährt? Er berührt reale Ängste. Hitler und Stalin betrieben die Ökonomie der Apokalypse (Deutschland hat dabei den ersten Platz gemacht – aber dankenswerterweise den Krieg verloren) – ebenso wie die Bundesrepublik Deutschland durch Hartz IV: die Streichung der Regelsätze ist im Prinzip (noch nicht in der Dimension – aber das ist der kleinere Schritt) ein Teil der Ökonomie der Apokalypse, der zu solchen Erscheinungen führen kann, wie wir sie im russischen Waisenhaus vorfanden: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“.

Das ist einfach nur Böse – und das ist die Kategorie, in die der Massenmord von Oslo gehört. Da geht es nicht um den albernen Streit von „rechts“ und „links“, in dem es lediglich darum geht, wer dieses Jahr etwas mehr Geld bekommt: der angestellte Manager oder die angestellte Fachkraft weiter unten, hier geht es um allergrundsätzlichste Erscheinungsformen des Bösen – über das man als Phänomen auch nicht weiter diskutieren muss oder diskutieren kann, eine Grenze die auch die Psychologie nicht überschreiten kann:

Da er offenbar nicht manifest schizophren oder wahnhaft ist, muss man aus psychiatrischer Sicht von einer schweren Form einer schizoiden Persönlichkeitsstörung ausgehen, die vordergründig „normal“ daher kommt.

Persönlichkeitsstörungen (Hitler, Goebbels, Pol Pot, Kim Jong-il etc., die Liste ist sehr lang) können in ihrer Gefährlichkeit wesentlich aggressiver sein als wahnhaft-schizophrene Erkrankungen.

Normale Menschen kennen „das Böse“ als emotionale Wahrheit – es ist ein Problem der Software. „Schwere Form einer schizoiden Persönlichkeitsstörung“ ist eine schöne Worthüle, die im Prinzip nichts aussagt, als genau das: das war ziemlich böse.

Wie böse nun die Erfinder von Hartz IV waren, entscheidet sich an ihren Intentionen, da sie aber im Prinzip die Waffe „Hunger“ als legitimes Mittel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit im eigenen Volk eingesetzt haben, können sie schon mal in jene Schublade gesteckt werden, in denen die Stifter von „Bloodlands“ liegen.

Der Massenmord von Norwegen, die deutschen Hungersanktionen oder die Zunahmen an Geisteskrankheiten der weitgehend untödlichen Art sind jedoch nicht die einzigen Erscheinungsformen des Bösen – der US-Haushaltsstreit kann schon in wenigen Wochen zu einem Kollaps der Weltwirtschaft führen und zu einer Wirtschaftskrise, die mehr Hunger in die Welt setzt als alle anderen Krisen zuvor. Eine Gesinnung, eine Haltung, die solche Möglichkeiten billigend in Kauf nimmt, ist schlichtweg – böse, so böse wie der Gebrauch von Massakern als Marketinginstrument – gleichwohl ist es auch sehr vernünftig – einfach mal die Täter selbst fragen.

Es ist nicht nur ein Attentäter, der uns auf besonders drastische Art und Weise klar macht, das das Böse durch Technik nicht aufzuhalten ist. Aus der Sicht anderer Kulturen ist es eine breite Offensive des Bösen, die die Welt des weißen Mannes überrollt, aber der weiße Mann selbst kann das nicht mehr sehen. Er liegt tot im Gras, obwohl er das teuerste und modernste Handy der Welt besaß. Das Handy … hätte ihn aber auch nicht vor dem Hunger beschützt.

Den „Experten“ in den „Talkshows“ mag dies alles entgehen, aber ich glaube, das die ganz normalen Menschen dieses Gefühl für das Böse mit anderen normalen Menschen aus anderen Kulturkreisen teilen – wo man Babys als Pfand behält, ist etwas sehr Böses am Werk. Die Menschen fühlen sich allein gelassen mit ihrem Erleben (und trotz der Exorzisten merke ich diese Tendenz auch bei Katholiken), das in den gigantischen naturwissenschaftlichen Theoriengebäuden keinen Platz findet, Theoriengebäuden, die in erkenntnistheoretischer Hinsicht noch luftiger sind als die Channelingphantasien der Esoterik – die Erforschung „extrasolarer Planeten“ wird zwar staatlich finanziert (um nur ein Beispiel zu nennen) – aber hat auch nur einer mal einen gesehen? Es sind Theorien, die sich auf Hypothesen, Annahmen und Vermutungen stützen, aber aus Kreisen und Politik und Wirtschaft gerne als „Wahrheit“ durchgesetzt werden, wobei man jene, die sie anzweifeln, gerne mal als „psychisch krank“ darstellt.

Soll es etwa gesund sein, Geld für die Erforschung extrasolarer Planeten auszugeben, wofür man Kindern von Arbeitslosen den Hartz IV-Satz streicht?

Es sind auch Erfahrungen dieser Art, die den Menschen das Gefühl vermittelt, das etwas Böses umgeht – und ich vermute, das sie deshalb in die Passivität versunken sind. Das Böse hat eine Nebenwirkung, die jeder kennt: es macht Angst, Angst wie die vier Reiter der Apokalypse, gerne als Krieg, Pest, Hunger und Tod dargestellt – wobei der vorzeitige Tod gemeint ist, nicht der Alterstod. Der dritte Reiter steht im Übrigen auch für … Inflation.

Nun kann man die Frage stellen: sollen wir jetzt eigentlich alle den Exorzisten zu Hilfe rufen?

Ich hoffe, das man so weit nicht gehen muss.

Aber wir könnten den Blick für das Böse schärfen und es benennen, wo wir es antreffen – und all jenen Versuchen widerstehen, des es verharmlosen wollen, es als absurden Sonderfall der Geschichte verniedlichen und möglichst so schnell wie möglich verdrängen wollen. Dazu gehört, das wir ein kritisches Auge auf jene Menschen haben, die das Böse bewußt und gezielt fördern: einfach, weil sie es „geil“ finden:

Schaut man sich Breiviks Steuererklärungen aus den vergangenen Jahren an, fällt auf, dass er schon seit 2006 kein offizielles Einkommen mehr hatte. Trotzdem explodierte sein Vermögen im Jahr 2007 von 7471 auf 631.663 Kronen – rund 81.000 Euro. Eine Erklärung dafür gibt es bislang nicht. 

Solche Menschen gibt es nicht?

Oh doch. Die Krone unserer Gesellschaft (bzw. der US-Leitkultur) pflegt einen solchen Kult, in der symbolische Kinderopfer vor einer Eulenstatue dargebracht werden. Erinnert man sich, das die Eule u.a. die kinderfressende Dämonen Lillith darstellen kann. Ob und wie diese Kultisten nur in ihrer College-Vergangenheit schwelgen oder aus Überdruss und Langeweile zum puren Vergnügen einfach mal das fördern, was Alltags verboten ist (… wer meint, das wäre ein befremdlicher Zug, der sollte  sich mal den Kölner Karneval genauer anschauen …) kann letztlich nicht beurteilt werden, solange Geheimhaltung oberstes Gebot dieser Zirkel ist.

Solche Menschen aber … werden Wirtschaftskrisen nicht verhindern.

Sie finden sie „geil“ – gibt Superbilder im Fernsehen, Splatterhorror vom Feinsten … alles live und real. Für solche Bilder geben auch heute schon Menschen viel Geld aus.

Die naturwissenschaftliche Kultur wird die Massenvernichtung von Menschen nicht aufhalten können – aus naturwissenschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen … eher etwas dafür: die genetische Vielfalt könnte sich erhöhen, wenn man den Menschenanteil am genetischen Material reduziert. Manch einer wollte schon als tödlicher Virus wiedergeboren werden, um die Welt vor den Menschen zu schützen – wer weiß, was solche Leute jetzt gerade wieder anrichten. Die naturwissenschaftliche Kultur ist ratlos, fassunglos und machtlos, wo sich das Böse entfaltet, weil … das Böse eben ein geisteswissenschaftliches Problem ist, das aber nicht durch die Tatsache verschwindet, das die eigene Wissenschaft keine Kategorie hat, die es erlaubt, es wahrnehmen zu können.

Für Naturwissenschaftler sind aus dieser Sicht extrasolare Planeten realer als Massenmörder – letztere sind einfach viel zu unvernünftig, als das man sie ernst nehmen könnte. Andererseits ist das Massaker als Marketinginstrument

Und schon wissen wir, das es einen ganz einfachen Grund für die Zunahme des Bösen in der Welt geben könnte: wir ignorieren es bewusst – bis es uns tötet.

Deshalb scheint es mir verständlich, das die Menschen sich Mythen zuwenden, in denen das Böse direkt bekämpft wird, anstatt das man nur dauernd über seine schlimmen Folgen klagt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Norwegen, die Attentate und die westliche Heuchelei: Breivik ist kein Einzeltäter!

Norwegen, die Attentate und die westliche Heuchelei: Breivik ist kein Einzeltäter!

Für uns zivilisierte Westeuropäer ist die Schreckenstat von Norwegen nahezu unverständlich – jedenfalls vermute ich das, wenn ich die mediale Entsetztheit wahrnehme, die sich täglich weiter ausbreitet.  Nicht, das Entsetztheit an und für sich etwas Schlechtes wäre … aber sie tritt halt in Deutschland und der westlichen Zivilisation nur in ganz bestimmten Momenten auf.  Die Hungerkatastrophe in Afrika (eine von vielen) hat jetzt nicht dazu geführt, das wir in Schweigeminuten unsere Betroffenheit vorführen. Was ist mit den Irakern? Eine Million sind einem Angriffskrieg der USA und ihrer Verbündeten zum Opfer gefallen … wo sind die Kerzen, wo die Betroffenheit? Was ist mit Afghanistan? Da sterben noch jeden Tag Menschen – zum Teil auch durch unsere Soldaten? Gab es nach Kunduz Kerzen? Libyen – ein weiteres aktuelles Beispiel … Kerzen? Wo sind die Psychologen, die sich Gedanken über die Psyche der Killer machen … und über die Psyche der Entscheider?

„Menschen töten keine Menschen“ – erläutert mir heute ein Psychologe in der Welt.  Es läge angeblich nicht in ihrer „Natur“.

Man wird mir nun entgegenhalten: „Moment, das eine ist ja eine Naturkatastrophe, das andere sind Kriege – das ist ja etwas ganz anderes.“

Ja, das erzählt man uns seit vielen Jahrhunderten, aber es gab mal eine Zeit, da durfte man offen aussprechen, was wahr ist: „Soldaten sind Mörder.“ Es liegt nämlich nicht in der Natur des Menschen, Menschen zu töten … und deshalb ändert die juristische Definition „Krieg“ nichts an der Tatsache, das es der menschlichen Natur widerspricht, so zu handeln. Wir hatten ja in Europa inzwischen auch eine lange Zeit des Friedens erlebt – ganz anders als in früheren Jahren. Was war der Unterschied zu früher? Wir haben gelernt, das „Frieden“ nicht vom Himmel fällt, das es Menschen gibt – ja, sogar ganze Parteien und gesellschaftliche Gruppen – die Krieg direkt anstreben.

Warum? Warum sollten Menschen, denen das Töten nicht im Blute liegt, so etwas anstreben?

Nun, zum einen gibt es eine Kaste, die nicht ausgestorben ist, aber die Kunst des Menschentötens über Jahrhunderte als Sport gepflegt hat: den Adel. Aus seinen Kreisen kommen die ersten, wenn „zu den Waffen gerufen wird“.

Dann gibt es jene, die durch Krieg gut verdienen: die Wirtschaft. Da gibt es einige interessante Positionen in den Versorgungsketten (je weiter hinten, umso spannender), die risikofreie Vermögen versprechen.

Und es gibt natürlich jene, die „unnormal“ sind, jene Minderheit, die gerne mal Menschenleben auslöscht. Aus ihnen kann man gute Soldaten machen – und hat man von ihnen zu wenig, so kann man es den anderen andressieren.

Weil wir das wissen und aus der Zeit von 1933 – 1945 viel gelernt haben (wenigstens dazu war sie gut), haben wir darauf geachtet, das die Rahmenbedingungen in Europa – das „Klima“ sozusagen – das Heranwachsen von Mördern nicht fördert. Wir nannten das „soziale Marktwirtschaft“. Seitdem wir anfangen, darauf zu verzichten, bekommen wir ein Problem mit Amokläufern.

Kommen wir nun nach Norwegen, zu jenem Attentat, das uns so sehr entsetzt, weil ein Einzeltäter fast die Regierung eleminiert und ein Jugendcamp ausgelöscht hat.

Tun wir mal so, als wäre es ein Einzeltäter – eine Sicht, die mir überhaupt nicht behagt, weil … der Mensch, der nicht dazu neigt, Menschen zu töten, ein gewisses Klima braucht, in dem seine Mordneigungen wachsen können. Dieses Klima wird aber seit einigen Jahren bewußt und gezielt gezüchtet – auch in Deutschland. Seitdem haben wir auch ein Problem mit Amokläufen … aber das verdrängen wir gern.

Wer das Klima sät?

Nun – in Deutschland all jene, die die Werte der alten Bundesrepublik nicht in sich tragen. Man kann sie leicht erkennen – meist sind es Juristen, die erstmal prüfen lassen, ob man nicht irgendwie durch raffinierte Tricks um diese Werte herumkommen kann – geht es nicht, wird das Grundgesetz gerne auch mal umgeschrieben. Es sind aber auch jene, die einfach mal so Bomben auf Serbien werfen, Arbeitslose verhungern lassen (natürlich nur, wenn die nicht gehorchen!), in Afghanistan einmarschieren oder jedwede andere Form von Ungerechtigkeit betreiben und so dem Volk vorleben: „Ungerecht sein ist ok, solange nur genug Gewinn übrig bleibt!“. Da pflegt man Freundschaften zu Vermögensabschneidern, nimmt Jobs von Konzernen an oder verpflichtet sich ihnen gegenüber durch „Ehrenwort“ zum Stillschweigen, macht ein bischen Stimmung gegen Ausländer

Wenn dies vorgelebt wird … so darf man sich über die Folgen nicht wundern. Man kann nicht einen Sarrazin zu jeder Talkshow einladen und medial auch sonst künstlich aufblasen, den Hass auf den bösen Türken an jeder Straßenecke fördern, gleichzeitig aber groß über „zu wenig Einwanderung“ klagen und dann glauben, das das gut geht.  Dort, wo von oben Hass gepredigt und von Massenmedien in breiter Front vorgetragen wird, wird es irgendwann eine Entladung der Ängste geben – auch in Form von Gewalt.

Ist er ein Einzeltäter?

Nein. Einmal abgesehen von den Zeugenberichten … hat er zuvor für seine Gesinnung eine breite Unterstützung in den Medien gefunden: die gesamte Islamhasserei ist mit Schuld an solchen Taten, ebenso jene, die die Ausübung tödlicher Gewalt gegen Menschen verniedlichen, jene, die Kriege für ein normales politisches Instrument halten und das in der Öffentlichkeit so verkaufen und jene, die menschliches Leben als … unterschiedlich wertvoll darstellen.

Dort, wo der Arbeitslose, der Kranke, der Behinderte, der Alte, der Arme, der Ausländer oder der Dumme als weniger Wert betrachtet wird als der heilige Leistungsträger, muss man sich nicht wundern, wenn Obdachlose im Park mal mit Benzin überschüttet und verbrannt werden: es gibt da einen direkten Zusammenhang zwischen menschlicher Bestialität und der Förderung von Werten in der Kultur, in der sie leben.

Was unterscheidet seinen persönlichen „Krieg“ eigentlich von einem „richtigen Krieg“ … unseren „richtigen“ Kriegen, die wir immer häufiger zu führen pflegen?

Im richtigen Krieg tötet man geplant und überlegt.

Das hat er getan.

Im richtigen Krieg bereitet man sich gründlich vor.

Das hat er getan.

Im richtigen Krieg tötet man keine Unschuldigen.

Das hat er auch nicht getan … in seinem Weltbild waren die alle schuldig.

Im richtigen Krieg trägt man eine Uniform

Das hat er getan.

Im richtigen Krieg schickt man vorher eine Kriegserklärung.

Das hat er getan.

Im richtigen Krieg gehen die Befehlshaber kein persönliches Risiko ein.

Das allerdings … ging er ein. Warum die Polizei ihn nicht erschossen hat, ist mir jetzt noch ein Rätsel. Warum sein „Manifest“ eine solche Verbreitung findet, ebenfalls. Es war doch sein Wunsch, das seine Form von „Mein Kampf“ durch seine Tat Beachtung findet … und wessen Wunsch war es, den Täter und Polizistenmörder lebend zu fassen? War da vielleicht … der Wunsch eines Förderers im Spiel? Möchte man nicht die Option auf einen zukünftigen Helden verspielen?

Auf keinen Fall war Anders B. Breivik ein Einzeltäter. Er war ausführendes Organ der Stammtischprediger,  Hassblogger und Leitartikelschreiber, deren beständiges Predigen gegen Arbeitslose, Zigeuner, Juden, Türken und Moslems ja nur ein Ziel hat: das es denen „mal jemand richtig zeigt!“

Das hat er dann einfach mal getan … und sich auch ganz bewusst als ein solches ausführendes Organ verstanden.

Die Frage ist, ob gewissen Paralellen in Worten und Phantasiebildern den Verdacht erhärten können, das hier ein Wahnsinniger gezielt instrumentalisiert worden ist … und wozu eine solche Tat denn überhaupt dienlich sein sollte.

Nun, die Frage nach „cui bono“ – wem würde es nützen – kann man nicht stellen, wenn man es mit wahnhaften Menschen zu tun hat, die Erlöser züchten wollen. Darum weise ich immer gerne mal darauf hin, das das Denken dieser Menschen nicht immer den Vorstellungen der Aufklärung folgt (und in Wirtschaft und Naturwissenschaft direkt in einer erzkatholische Götzenanbeterei samt Priesterschaft mündete) und sich auch nicht immer mit westlichen Wertvorstellungen deckt.

Manche wollen einfach nur Opfer bringen, weil ihr religiöses System das so verlangt.

Andere finden es cool, wenn sie jemanden dazu motivieren können, dafür zu sorgen, das einfach mal so ein paar dreckige Linke und Nigger ins Gras beißen.

Wieder andere finden es ziemlich geil, Napalm auf Kinder zu werfen … oder Luftminen zu erfinden, die nach Kinderspielzeug aussehen.

Ich bin mir sicher, das es schon jetzt Stammtische gibt, die den norwegischen Massenmörder feiern. Insgeheim, verstohlen, verborgen … aber voller Zufriedenheit, weil „der“ es „denen“ mal „richtig gezeigt hat“ – so wie ein Hitler es „denen“ „auch mal richtig gezeigt hat“.

Das ist krank, wahnhaft, verrückt … aber dadurch nicht irreal und es gibt konkrete Kreise, die das auch fördern – in unterschiedlichem Ausmass, manche nur mit Geld, manche nur mit Worten, andere … mit mehr.  Wir verdrängen das gerne, wie wir auch die Tatsache der eigenen Sterblichkeit verdrängen – wohl der Hauptgrund dafür, das der erschossene Europäer im Nachbarland für soviel mehr Entsetzen sorgt als der erschossene Afghane. Es erinnert uns daran, das auch wir sterben werden – und das uns dieses Attentat in unserem Verdrängen stört, macht uns noch wütender.

Wir verdrängen die beständig fortschreitende Verrohung unserer Kultur.

Wir verdrängen den beständigen Verfall westlicher Werte.

Wir verdrängen die Folgen des gezielten Schaffens neuer „Untermenschen“.

Und jetzt hat jemand dafür gesorgt, das wir im Gesicht des Attentäters … eigentlich unser eigenes Gesicht erkennen. Fein rasiert, gut angezogen, höflich und nett … kaufen wir doch auch jeden Mist, an dem Kinderblut klebt – wenn nur der Preis stimmt, oder?

Nein, Anders B. Breivik ist kein Einzeltäter. Er ist das voraussagbare Ergebnis einer degnerierenden Kultur.

Und es soll mir keiner klar machen, das damit nicht zu rechnen gewesen wäre.  Die Tagesschau zumindest hätte es wissen können:

Wie andere rechtspopulistische Parteien im Norden hetzen auch die Protagonisten der norwegischen Fortschrittspartei gegen die traditionell liberalen Gesellschaften Skandinaviens, sehen sich in einer Art „Endkampf“ um den vermeintlichen Untergang der abendländischen Kultur. Wer mit solchen Parolen antritt, schafft ein politisches Klima, das im Extremfall auch Menschen wie den mutmaßlichen Attentäter zu ihren Taten antreiben kann.

Sag ich doch. Und im Extremfall kann man auch nach einzelnen wahnhaften Individuen Ausschau halten, die bereit zur Tat sind … und nur noch einen kleinen Schubs brauchen.  Man hält doch nicht umsonst umfangreich Ausschau nach „High Potentials“.

Hat bei Hitler doch auch geklappt.

Und ebenso wie damals … haben heute alle von allem nichts gewusst – mal abgesehen von der Tagesschau.

 

 

 

 

Deutschlands Kriminalstatistik … ist sicher, Verrohung und Betrug sind es auch.

Die Welt wird jeden Tag besser und sicherer. Wir sind auch dem direkten Weg zum Endsieg, nur noch ein paar Huckel stören die ansonsten reibungsfreie Reise ins Paradies. Die reichen Menschen spenden Milliarden Dollar an die Pharmaindustrie, damit die grossflächig Kinder in der Welt impfen kann (die kurz danach verhungern, verdursten oder erschossen werden), während sauberes Wasser, genügend Nahrung und mimimale Sozialstandards für viel weniger Geld viel mehr für die Volksgesundheit tun könnte - das war in Europa auch so.  Sicher, in den USA geht die staatliche Post pleite und die ersten Banken bereiten sich auf die Zahlungsunfähigkeit der USA vor, aber das rummst erst im August und ist außerdem weit weg.

Die Welt wird jeden Tag besser und sicherer. Wir sind auch dem direkten Weg zum Endsieg, nur noch ein paar Huckel stören die ansonsten reibungsfreie Reise ins Paradies. Die reichen Menschen spenden Milliarden Dollar an die Pharmaindustrie, damit die grossflächig Kinder in der Welt impfen kann (die kurz danach verhungern, verdursten oder erschossen werden), während sauberes Wasser, genügend Nahrung und mimimale Sozialstandards für viel weniger Geld viel mehr für die Volksgesundheit tun könnte – das war in Europa auch so.  Sicher, in den USA geht die staatliche Post pleite und die ersten Banken bereiten sich auf die Zahlungsunfähigkeit der USA vor, aber das rummst erst im August und ist außerdem weit weg. Wir freuen uns schon über die ersten Bilder von Hungeraufständen in New York, während kaum von der Öffentlichkeit bemerkt auch das europäische Bankensystem vor dem Aus stehen könnte: stufen die Ratingagenturen Griechenland auf D herab, sind die Folgen unabsehbar. Auf CCC sind die Griechen aktuell gelandet … da werden die Zinsen wieder steigen und noch mehr Gelder aus den Rettungspaketen in die Kassen der Banken fließen – auch jener Banken, die zuvor direkt oder indirekt (das sind ja eigentlich fast alle) mit Steuermitteln gerettet wurden.

Doch das alles ficht uns nicht an. Uns geht es gut. Mag auch der Ackermann in den USA immer mehr ins Visier der Staatsanwälte geraten oder der deutsche Selbständige den Sozialstaat ausbeuten, wir fühlen uns wohl in diesem Land, weil wir hier ruhig und sicher leben können. Das sagt die Kriminalstatistik … bzw. sagt das der Innenminister über die Kriminalstatistik.

Die Polizei selber sieht ihre Statistik etwas differenzierter und erkennt vielfältige Unsicherheitsfaktoren, unter anderem kann auch der fortschreitende Stellenabbau bei der Polizei Grund dafür sein, das immer weniger Straftaten erfasst werden.

Nun – um Wirtschaftskriminalität hatte ich mich ja schon gekümmert. Die steigt, bei Anlage- und Finanzierungsdelikten 2009 um 176 % im Vergleich zum Vorjahr. 2010 sind nach einem erneuten Anstieg um 9 Prozent schon für 80% der Unternehmen eine ernsthafte Bedrohung, bei Großunternehmen sogar 90 %. Kapitalanlagebetrug stieg 2009 sogar um rekordverdächtige 214 % an.

Sicherheit … fühlt sich anders an – und auch die Nachrichtenlage ist in dieser Hinsicht verwirrend. N-Tv meldet, das bei der organisierten Kriminalität immer weniger Personen immer mehr Schaden anrichten – was einen Rückgang in manchen Statistiken bedeutet, die nur Täter zählen. Der Spiegel meldet einen Anstieg der Kindstötungen um 20 % in 2010 – auch eigentlich kein Grund zur Beruhigung.

Aber ein Grund, mal selber in die Statistik zu schauen, wohl wissend, das man keine Chance hat, sie zu verstehen noch sie sicher zu deuten, aber das BKA hat sich halt trotzdem viel Mühe mit ihren Zahlenwerken gemacht.

Ich weiß, das es 1990 eine Widervereinigung gab. Eigentlich war es eine Einverleibung mit anschließender Verdauung, die Reste werden gerade ausgeschieden, aber wir nennen das anders. Deshalb werde ich zum Vergleich nur … die „Häufigkeitswerte“ benutzen, die die Häufigkeit der Taten auf 100 000 Einwohner beschreiben. Für diesen Wert ist die absolute Einwohnerzahl nicht bedeutend.

Insgesamt sieht es gut aus. 7265 Straftaten pro 100 ooo Einwohner gab es 1987, 2010 waren es 7253. Insgesamt ein schönes Bild … wenn es nicht hässliche Details gäbe.

Da gibt es zum Beispiel die Körperverletzung. 1987 bekamen 327,3 Einwohner auf 100 000 was aufs Maul. 2010 waren es 664,5. Das ist ein Anstieg von „Körperverletzung“ von 100 %.  Dementgegen sinken die Angriffe auf Werttransporter im gleichen Zeitraum von 663 auf 120. Da ich kein Werttransporter bin, ist mir das egal, das im statistischen Durchschnitt da irgendetwas sicherer geworden ist.

Verbreitung pornographischer Schriften steigt von 1544 auf 8776, war schon mal 2007 auf über 15000 angestiegen, Häufigkeit: von 2,2 auf 10,7. Vergewaltigung durch Gruppen steigt im vergleichbaren Zeitraum um 50 % von 0,2 auf 0,3, ebenso die „überfallartige Vergewaltigung durch Gruppen“.  Vergewaltigung selbst steigt von 8,6 auf 9,4, Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung steigen von 15,1 auf 18,8, „sexuelle Nötigung“ steigt von 5,6 auf 7,3.

Morde bleiben auf stabilen Niveau, strafbare Schwangerschaftsabbrüche und homosexuelle Handlungen gehen deutlich zurück, ebenso die exhibistionistischen Handlungen vor Kindern. Vollzug des Beischlafes mit einem Kind steigt um 30 % seit 1999, schwerer sexueller Mißbrauch von 0,1 auf 1,8 Fälle, sexueller Missbrauch Widerstandsunfähiger steigt von 0,7 in 1995 auf 1,7 in 2010, dafür sinkt die Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger und die Förderung der Prostitution sowie die Zuhälterei.

„Rohheitsdelikte“ steigen von 461,6 auf 965, Tendenz ständig steigend, allerdings sinken die Raubüberfälle auf Postagenturen, Briefmarkensammeln generell ist nicht mehr so „in“.

Sonstige Raubüberfälle auf Straßen steigen von 13,2 über 40,0 im Jahre 1997 auf 24,2 in 2010. Da merkt man schon, das weniger Polizisten die Fälle aufnehmen können.

Gefährliche schwere Körperverletzung steigt von 104, 2 1987 auf 174,7 in 2010.  Die hauen nicht nur mehr aufs Maul, die hauen auch fester.

Misshandlung von Schutzbefohlenen steigt von 2,5 in 1987 auf 6,1 in 2010, Kindesmisshandlung im gleichen Zeitraum von 1,8 auf 4,6, vorsätzliche leichte Körperverletzung von 198 in 1987 auf 455 in 2010.

Straftaten gegen die persönliche Freiheit steigen im gleichen Zeitraum von 88,4 auf 241,6, Freiheitsberaubung von 106 auf 238 Fälle pro 100000 Einwohner, dafür sind Geiselnahmen rückläufig.

Diebstähle von Fahrzeugen, Mopeds und Fahrrädern sind rückläufig, ebenso der Schusswaffendiebstahl und der Diebstahl aus Automaten.

Kaufhaus- und Ladendiebstähle sind ebenso rückläufig wie Diebstähle aus Wohungen oder der Großviehdiebstahl, Diebstähle aus Hotels oder Kiosken nehmen ebenfalls ab, nur der Ladendiebstahl selbst nimmt zu … von 4,7 auf 15,1, dafür sinkt der Diebstahl aus Schaufenstern von 19,1 auf 2,6.

Obwohl auch die Straftaten nach dem Weingesetz deutlich abgenommen haben, beende ich meinen Streifzug durch die Kriminalstatistik mit einem gewissen Unwohlsein, denn was ich sehe, entspricht dem, was ich in den Medien nebenbei wahrnehme: es wird brutaler in Deutschland. Man bringt nicht mehr um … aber man quält mehr, schlägt, mißbraucht und vergewaltigt. Die Verrohung des Mittelstandes scheint sich in sehr hässlichen Zahlen wiederzuspiegeln – auch wenn der Innenminister den Hauptaugenmerk auf das Zunehmen des „Ausspähens von Computern“ richtet, das in der Tat seit 1987 enorm zugenommen hat – wie die Anzahl der Computer auch.

Da die Anzahl der Bürger aber eher rückläufig ist, können wir – abseits der offiziellen Verlautbarungen – schon erkennen, das das Leben auf Deutschlands Straßen brutaler geworden ist.

Wollen wir hoffen, das unsere Postagenturen nicht pleite gehen, denn dort kann man sich – statistisch gesehen – gut in Sicherheit bringen. Angesichts der steigenden Wirtschaftskriminalität bei sinkenden Wohnungseinbrüchen ist die sicherste Geldanlage wieder die alte Socke unter dem Bett – das wäre dann meine Anlageberatung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wirtschaft mordet für Bordellbesuch

Ich habe eine gewissen persönliche Freude an reißerischen Artikeln. Die Inhalte der Artikel sind dafür oft weniger reißerisch - sollten eigentlich mehr besinnlich sein. Überschriften sollen ja ... neugierig machen. Habe ich letztens noch gelernt. Besinnliche Überschriften würden aber eher abschrecken. Besinnlichkeit, Nachdenklichkeit generell steht momentan nicht hoch im Kurs, der Zeitgeist mag den lauten Spaß, den Krach, das lärmende Johlen. Wohl auch ein Grund dafür, das die Demokratie von unten gestorben ist, Altkanzler Schmidt hatte wohl recht als er meinte, das das Privatfernsehen schlimmere Folgen für die Gesellschaft haben wird als die Atombombe. Mehr als es Religion je sein kann ist TV Opium fürs Volk geworden, fast vier Stunden pro Tag leben die Menschen nur noch in ihren Scheinrealitäten und lassen sich gedankenlos mit Informationen füttern. So fern sind wir von einer Zukunft, die die "Matrix-Triologie" skizziert, gar nicht mehr entfernt - im Prinzip haben viele von uns sie schon erreicht und leben in ihr. Erst die Arbeitslosigkeit bereitet dem schönen Traum ein Ende.

Ich habe eine gewissen persönliche Freude an reißerischen Artikeln. Die Inhalte der Artikel sind dafür oft weniger reißerisch – sollten eigentlich mehr besinnlich sein. Überschriften sollen ja … neugierig machen. Habe ich letztens noch gelernt. Besinnliche Überschriften würden aber eher abschrecken. Besinnlichkeit, Nachdenklichkeit generell steht momentan nicht hoch im Kurs, der Zeitgeist mag den lauten Spaß, den Krach, das lärmende Johlen. Wohl auch ein Grund dafür, das die Demokratie von unten gestorben ist, Altkanzler Schmidt hatte wohl recht als er meinte, das das Privatfernsehen schlimmere Folgen für die Gesellschaft haben wird als die Atombombe. Mehr als es Religion je sein kann ist TV Opium fürs Volk geworden, fast vier Stunden pro Tag leben die Menschen nur noch in ihren Scheinrealitäten und lassen sich gedankenlos mit Informationen füttern. So fern sind wir von einer Zukunft, die die „Matrix-Triologie“ skizziert, gar nicht mehr entfernt – im Prinzip haben viele von uns sie schon erreicht und leben in ihr. Erst die Arbeitslosigkeit bereitet dem schönen Traum ein Ende.

In einer solchen Stimmung sind Artikel, die der Wirtschaft Morde für Bordellbesuche vorwirft, völlig fehl am Platze. Man fragt sich: warum schreibt der so etwas? Will er uns etwa den Feiertag versauen?

Nein, nichts liegt mir ferner. Da ich kostenfrei schreibe und kostenfrei gelesen werden kann, ist der Konsum dieser Gedanken freiwillig, anders als das, was man während des TV-Konsums alles an versteckten Botschaften fressen muss, ist hier der Genuss völlig kontrollierbar. Niemals war der Begriff „Opium fürs Volk“ treffender als für das, das uns moderner Flachbildfernseher an modernen Flachinhalten liefern. Hier hat sich die Technik endlich mal den Inhalten angepasst, die Sendungen im Röhrenmonstrum waren noch deutlich inhaltsreicher.

Allerdings werde ich häufiger mit der Frage konfrontiert: was können wir denn dagegen tun … dagegen, das die Welt ausserhalb unseres Bildschirms immer düsterer wird. Nun – ein Tipp, den ich immer parat habe: nehmt den Fernseher vom Netz. Es gibt ein paar schöne Inhalte, die man aber auch auf DVD kaufen kann, aber der Rest … den braucht man nicht. Vor allem nicht die Werbung, deren heile Welt vergiftet mehr politisches Bewusstsein als Menschen gerne wahr haben wollen.

Was man aber noch tun kann, ist: sagt einfach die Wahrheit. Stellt sie ins Netz, vervielfältigt sie so gut ihr könnt. Auch in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein – sagt die Wahrheit. Sagt den Christen, das die Kultur, in der sie leben, satanische Züge hat und sie Widerstand dagegen leisten sollen, sagt den Konservativen, das ihr Land bald Kolonie wird, weil die Wirtschaft sie verkauft, sagt den Politikern, das sie überflüssig geworden sind, weil die  Macht nur noch vom Volk der Lobbyisten ausgeht, sagt den Liberalen, das Neoliberalismus letztendlich die bürgerlichen Freiheitswerte fressen wird … und sagt den Anlageberatern, das sie Mörder sind.

Dieser Gedanke ist nicht neu. Geäußert wurde er schon 1976 in der Zeit. Damals wurde die Frage gestellt, wer Tante Emma ermordet hat, schon damals wurde ein „erbarmungsloser Vernichtungswettbewerb bar jeder Vernunft“ vom Bundesverband des Einzelhandels angeprangert. Gebracht hatte es nichts, wir hatten damals Umwelt, Frieden und Atom auf den Widerstandsfahnen, die Rettung des Tante Emma-Ladens musste warten – wir wusste nicht das er in Gefahr war.

Jetzt ist er weg, die monopolistischen und oligopolistischen Strukturen sind gekommen – und es wird weitergemordet.  Auch mit Atom. Irgendwie scheint unsere Idee nicht funktioniert zu haben. Wir dachten ja, wir leben in einer Demokratie – also organisieren wir uns, gründen eine Partei, lassen uns wählen und fort ist das Atom. Fort … ist es noch lange nicht. Es wird nur nicht mehr so viel drüber geredet, wie zum Beispiel über Fukushima, wo die Situation immer katastrophaler wird, aber von anderen Meldungen inzwischen an den Rand der Wahrnehmung gedrückt wird. Inzwischen haben die Strontium im Grundwasser und verseuchten Tee hunderte Kilometer vom Kraftwerk entfernt…ein Riesensupergau, der natürlich gegen Meldungen von gewonnenen Basketballturnieren keine Chance hat.

Warum nun gerade die Anlageberater die Mörder sind? Nun – sie sind die Agenten des Traums vom leistungslosen Einkommen und große Schwindler vor dem Herrn:

Anlageberater verhelfen Privatleuten einer Studie zufolge nicht zu höheren Renditen. Dabei war es egal, ob die Anleger auf die Dienste einer Bank vertrauten oder unabhängige Finanzberater in Anspruch nahmen. Wissenschaftler der Universitäten Frankfurt am Main und Neapel wiesen in der am Montag veröffentlichten Untersuchung nach, dass sich im Schnitt die Depots der Anleger, die Beratung in Anspruch nahmen, in beiden Fällen nicht besser entwickelten als Depots vergleichbarer Anleger, die sich nicht beraten ließen.

Sie haben keinerlei Nutzen … ausser für ihre Herren. Am Ende der Anlageberatung ist vor allem eins passiert: Geld hat den Besitzer gewechselt. Die Oma, der Arzt und der fleissige Handwerker sind pleite, aber der Vertriebsmitarbeiter hat sich dafür einen Besuch im Bordell verdient:

Vor allem aber sind es alle Arten von Vertriebsmitarbeitern, die in Strukturvertrieben der Finanzbranche arbeiten. Diese Organisationen basieren auf einem Anreizsystem, das die Mitarbeiter antreibt und bei mehr verkauften Verträgen belohnt. Da gehört der Bordellbesuch als eine Art der Auszeichnung dazu.

So äußert sich ein Bordellbetreiber in einem Interview bei Karriere.de.  Es sein eine „beinharte Branche“ … und derartige Motivationen kein Einzelfall. Über 5000 Unternehmen buchen jährlich Incentives dieser Art:

„Abwechslung und Originalität werden dabei immer wichtiger“, resümierte die „Society of Incentive & Travel Executives“, eine internationale Organisation zur Entwicklung von Incentive-Reisen, völlig ironiefrei.

Die Profikiller lassen es sich gut gehen. Das war schon bei den alten Assassinen so.

Die aus einem Streit um die Erbberechtigung zweier ismailitischer Prinzen hervorgegangenen Assassinen (über den umgangssprachlichen Plural ḥašīšiyyīn von arabisch haschisch / ‏حشيش‎ / ḥašīš /‚Kräuter, Gräser, Hanf‘ (Cannabis sativa)) waren eine legendenumwobene militante ismailitische Sekte des orientalischen Mittelalters, die durch Berichte von Kreuzfahrern und später durch Reisende wieMarco Polo in Europa bekannt wurde. Dieser schildert sie als Sekte, die Haschisch konsumiert, orgiastische Feste feiert und Dolch- und Giftmorde an hochgestellten Persönlichkeiten verübt.

Die Prinzipien der Mörderbanden sind immer die gleichen. Aber ist es nicht zu weit gegriffen, Anlageberater (oder Investmentbanker) als Mörder zu bezeichnen?

Es wäre verantwortungslos, dies nicht zu tun. Ihre Arbeit hat Folgen, nicht nur für irische Pensionskassen. Sie schichten Vermögen von unten nach oben um, verkaufen den Traum vom arbeitsfreien Reichtum und bereichern sich selbst an der Gutgläubigkeit der Menschen. In letzter Folge droht dort Armut … und Tod, wie aktuell die steigenden Selbstmordraten in Griechenland belegen. Drei Monate lang kein bezahlter Auftrag – da nützt aller Fleiß nichts, wenn dafür kein Geld hereinkommt. Ist dann das Haus weg,  müssen die Kinder im Müll wühlen, um dem Hungertod zu entgehen, dann kann schon mal die Sicherung durchbrennen, während sich die Täter sich im türkischen Bad nebenan fröhlich vergnügen … mit jenen Frauen, die die Not in die Prostitution gezwungen hat.

Ohne Finanzwirtschaft würden dort viele Menschen noch leben.

Darum ist der Satz korrekt: Wirtschaft mordet für Bordellbesuch. Der Mord ist indirekt, aber nicht weniger effektiv.

Ist wie bei der Belagerung von Burgen im Mittelalter. Manchmal wurden sie ohne einen einzigen Schwertstreich zu Fall gebracht: durch Hunger. Das galt aber trotzdem genauso als Krieg (und als „gewonnen“) als hätte man ihre Mauern mit viel Getöse gestürmt. Für die Angreifer jedoch war es … angenehmer, den Weg des geringsten Widerstandes zu nehmen, wie aktuell in Griechenland, Spanien, Irland, Italien oder … ganz neu … in Slowenien.

Es ist inzwischen eine ganze Kaste von Anlage- Investment- oder Unternehmensberatern, die vor allem eins bewirken: das für das bischen Geld das wir haben viel zu viel Volk im Land wohnt.

Auch bei uns.

Darum sollen wir jetzt bis 69 arbeiten, unsere Arbeitslosigkeit selbst bezahlen und in unserer Freizeit die Arbeit des Staates gratis übernehmen.

Warum?

Damit die „Beraterkaste“ ihre „Erfolge“ weiter im Bordell feiern und dies von den Steuern absetzen kann. Wenn wir die Schulen selbst streichen, ist ja auch wieder Luft im Budget.

Armut, Kriminalität und die Verbrechen der Reichen

Kürzlich war ich zu Besuch bei der Polizei. Ist immer schön dort - wenn man jemand da ist. Bei uns auf dem Dorf ist selten jemand da, meist gibt es nur einen Beamten, weil alles zu ruhig ist,  aber wir merken, das Kriminalität bei uns Einzug gehalten hat. Natürlich können wir nicht gegen die Statistik angehen, die sagt: hier wird alles immer ruhiger, Deutschland ist voll friedlich und gemütlich, nur in Paris greifen Jugendliche Polizeireviere an und bringen die Themen von Horrorfilmen in den realen Alltag ein. 150 Jahre hat es keinen Mord bei uns geben ... diese Zeiten sind mitlerweile vorbei. Das war einmal. Auch Vergewaltigungen - oder die Auslöschung ganzer wohlhabender Familien durch "psychische Probleme" gehören bei uns inzwischen zur Tagesordnung - aber das Krankenhaus will man schließen.

Kürzlich war ich zu Besuch bei der Polizei. Ist immer schön dort – wenn man jemand da ist. Bei uns auf dem Dorf ist selten jemand da, meist gibt es nur einen Beamten, weil alles zu ruhig ist,  aber wir merken, das Kriminalität bei uns Einzug gehalten hat. Natürlich können wir nicht gegen die Statistik angehen, die sagt: hier wird alles immer ruhiger, Deutschland ist voll friedlich und gemütlich, nur in Paris greifen Jugendliche Polizeireviere an und bringen die Themen von Horrorfilmen in den realen Alltag ein. 150 Jahre hat es keinen Mord bei uns geben … diese Zeiten sind mitlerweile vorbei. Das war einmal. Auch Vergewaltigungen – oder die Auslöschung ganzer wohlhabender Familien durch „psychische Probleme“ gehören bei uns inzwischen zur Tagesordnung – aber das Krankenhaus will man schließen.

Interessant bei der Polizei war ein kleines Heftchen, das ich jedoch nicht mitnehmen durfte, weil es das letzte Exemplar war. Irgendein Polizeiwerbeblatt mit vielen Artikeln, unter anderem einem über den Zusammenhang von Armut und Kriminalität. Leider konnte ich den Artikel nicht ganz lesen, hatte aber die Quintessenz behalten: man fürchtet keinen Anstieg von Kriminalität sondern ganz konkret den Anstieg von Unruhen, die die Verantwortlichen für die Misere zur Rechenschaft ziehen werden.  Ungerechtigkeit scheint eher ein Faktor zu sein, der Kriminalität begünstigt … wobei wir in Felder kommen, wo „Kriminalität“ und „Armut“ besonderer Betrachtung bedürfen.

Es gibt viele differenzierte Betrachtungen zu dem Thema, auch aus den Reihen der Polizei selbst. Das Kriminalität bei Armen auffällt, liegt daran, das sie ansonsten schon einer gezielteren Beobachtung unterliegen. Darüber hinaus … haben sie einfach keine guten Anwälte. 120 Milliarden Euro vergeudet allein die EU jedes Jahr durch Korruption , Geld, das woanders fehlt. Die Täter bleiben … unerkannt, werden kaum verfolgt, es sind „Kavaliersdelikte“ – oder ihre Anwälte ziehen die Prozesse über Jahre hinweg in die Länge, bis ein „Vergleich“ dazu führt, das ein Teil der Beute abgeführt wird, man aber weitgehend straffrei ausgeht. Immerhin gehört man zu der Leistungselite des Kontinents, ist mit dem Richter oder seiner Frau im gleichen Golfclub oder kann sich wenigstens im Sozialcode der gehobenen Schichten bewegen, was vor Gericht immer Eindruck macht. Die gleiche Tat von einem jugendlichen Arbeitslosen begangen würde zu deutlich härteren Maßnahmen führen, da die Medien uns bewiesen haben, das Arme immer irgendwie bösartig sind, während Reiche schon alleine durch das viele Geld eine gewissen moralische Überlegenheit ausstrahlen. Details der Entwicklung findet man im compliancemagazin:

Bemerkenswert ist, dass sich Täter in den vergangenen Jahren seltener vor Gericht verantworten mussten. Stellten die Unternehmen zwischen 2005 und 2007 noch gegen 61 Prozent der Überführten eine Strafanzeige, sank die Quote zwischen 2007 und 2009 auf 50 Prozent. Dabei werden Täter aus dem Top-Management deutlich seltener angezeigt (33 Prozent) als mittlere Führungskräfte (49 Prozent) oder Beschäftigte ohne Führungsaufgaben (54 Prozent). Für 20 Prozent der überführten Top-Manager hatte ihre Tat sogar überhaupt keine Konsequenzen.

„Zwar lässt sich die relative Milde gegenüber Tätern aus der Führungsetage auch mit besonderen rechtlichen und sachlichen Schwierigkeiten im Einzelfall erklären. Allerdings ist diese Praxis unter dem Gesichtspunkt der Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion des Managements äußerst problematisch“, betont Salvenmoser.

Spannend in diesem Zusammenhang: das fehlende Unrechtsbewußtsein bei 62 % der  straffälligen Führungskräfte – die wissen gar nicht mehr, was Recht und Unrecht ist. Diese Dimensionen sind ihnen schon längst abhanden gekommen … falls sie sie je besessen haben. Insofern sollte man auch genauer nachfragen, wie viele der Ladendiebstähle wirklich auf Kosten der Kunden  gehen und wieviel vom Chef einfach gar nicht erst in dem Laden abgeladen wurde. Da er eine gute Chance hat, gar nicht erst angeklagt zu werden, selbst wenn er erwischt wird, scheint mir die Quelle der Verluste vielleicht auch dort zu liegen.

Die Quelle des europäischen Reichtums ist vielerorts gerade die Kriminalität. Ohne die erfolgreichen Beutezeuge spanischer, französischer und englischer Kolonialisten wäre der Kontinent Europa deutlich ärmer – das rechnet nur kaum jemand aus, das möchte man auch nicht wahrhaben, obwohl man die Tradition immer noch fortsetzt. Große Vermögen sind mit dem Opium- und Sklavenhandel im 19. Jahrhundert gemacht worden, andere beruhen auf hemmungsloser Ausbeutung von Zwangsarbeitern … ein Geschäft, mit dem man auch heute noch gut verdienen kann, entweder durch Ein-Euro-Jobs (hier könnten Klagen inzwischen Erfolg versprechen) oder durch den Einsatz von Leiharbeitern in Kernkraftwerken.

In den seltensten Fällen stand bei der Gründungsveranstaltung großer Familienvermögen christliche Nächstenliebe als Pate zur Seite, noch fördert die Arbeit in einem großen Konzern Ethik und Verantwortungsgefühl … eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein: 55 Prozent der großen Konzerne wurden Opfer ihrer kriminellen Mitarbeiter … und das sind nur die, die erwischt wurden, aktuell wird ja gerade ein ganzer Bankvorstand angeklagt.

Insofern kann man natürlich behaupten, das Kriminalität ein Problem der Unterschicht ist. Wenn die kriminell werden, werden sie  entweder entwischt oder erbeuten zu wenig, als das sie sich damit zur Ruhe setzen können. Wenn der Reiche erwischt wird, wird er oft erst gar nicht angezeigt. Sein Networking im Dunstkreis der Macht schützt oft vor der Strafverfolgung, Parteispenden und andere „Wohltätigkeiten“ zahlen sich aus – man hat halt mehr zu verteilen als der gemeine Ladendieb.

Das Reichtum eher eine Quelle des Bösen ist, ist die Botschaft vieler Religionen der Menschheit – gerade im christlichen Abendland sollte das bekannt sein. Fragen wir uns also, woher die Legenden über die „bösen Armen“ kommen, so werden wir am Anfang der Erzählungen wahrscheinlich einen kriminellen Reichen mit eigener Zeitung finden, der von sich ablenken will.

Somit hat der „kriminelle Arme“ eine besondere Funktion: er ist der Sündenbock für eine Gesellschaft, die im grossen Stil den Bach ´runtergeht,  Jung und Alt in Armut versinken lässt, sie ins soziale Abseits abschiebt , durch sinnlose Sozialreformen malträtiert und inzwischen immer öfter den Verzehr von Insekten  als große Lösung unserer Probleme anpreist.

Armut wird als unveränderbare Tatsache akzeptiert, so lautet jedenfalls die Ansicht von Wirtschaftsnobelpreisträgern:

Auf beiden Seiten des Atlantiks hat sich unter den Mächtigen der Konsens herausgebildet, dass nichts für mehr Arbeitsplätze getan werden kann. Anstatt entschlossen vorzugehen, werden Entschuldigungen ausgebreitet – gekleidet in eine Sprache der Weisheit und Verantwortung.

Andererseits sorgt man dafür, das sie weiter bestehen bleibt:

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama soll Haiti massiv unter Druck gesetzt haben, den Mindestlohn pro Stunde nicht wie geplant auf 61 Cent zu erhöhen, was etwa fünf US-Dollar pro Tag entspräche. Das berichtet das US-Magazin The Nationund beruft sich dabei auf noch nicht veröffentlichte Informationen der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks.

Das man angesichts solcher Rahmenbedingungen den Anstieg von Unruhen fürchtet, scheint mir nicht unverständlich zu sein. Armut an sich macht nicht kriminell – Mönche aller Religionen praktizieren sie bewusst und absichtlich, ohne dadurch zu verrohen oder im Bereich der Asozialität zu versinken: ganz im Gegenteil scheint Armut eher mit dem christlichen Wert der „Nächstenliebe“ zu korrelieren als dies bei „Reichtum“ der Fall ist, möglicherweise findet man bei Armen ja auch ein höheres Unrechtsbewußtsein. Ohnmächtige scheinen mir grundsätzlich ein existentielleres Interesse an „Gerechtigkeit“ zu haben.

Studien zu diesem Thema werden allerdings aus bekannten Gründen weniger den Weg an die Öffentlichkeit finden.

Der weise, gerechte, Nächstenliebe praktizierende, glückliche und den Wirren der Welt gelassen gegenüberstehende Arme als Idealbild eines gelungenen Lebens ist anderen Heldengestalten gewichen: Dieter Bohlen, Karsten Maschmeyer und Gerhard Schröder kommen mir da gerade als Beispiele der Medien in den Sinn.

Gäbe es mehr von ihrer Art … die Welt wäre sicher ein Paradies.

Und schon lange völlig menschenleer, weil Wesen, die nur von anderen Menschen leben können, von ihrem Geld, ihren Stimmen, ihren Quoten ohne ein gesundes Gemeinwesen, das sie finanziert und stützt nicht existieren können. Außerdem … hat der Held von heute keine eigenen Kinder. Diese kostenintensiven Investments überlässt er lieber dem Prekariat.

 

Wirtschaftscrash und die Kultur des Kannibalismus

Manche Menschen glauben, die Welt um sie herum ist gerade völlig in Ordnung. Sie haben Geld in der Tasche, nebenan ist Aldi, im Fernsehen laufen Seifenopern und die Medien bestätigen das Lebensgefühl: es ist alles in Ordnung, es ist alles gut, die Regierung kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft liebevoll um alles, was Sorgen bereiten müsste, damit wir am Abend während unsere Lieblingsserie (die auch gerne unsere Heile-Welt-Sicht bestätigt) ein Gläschen Wein schlürfen und an ein paar Träubchen knabbern können.

Manche Menschen glauben, die Welt um sie herum ist gerade völlig in Ordnung. Sie haben Geld in der Tasche, nebenan ist Aldi, im Fernsehen laufen Seifenopern und die Medien bestätigen das Lebensgefühl: es ist alles in Ordnung, es ist alles gut, die Regierung kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft liebevoll um alles, was Sorgen bereiten müsste, damit wir am Abend während unsere Lieblingsserie (die auch gerne unsere Heile-Welt-Sicht bestätigt) ein Gläschen Wein schlürfen und an ein paar Träubchen knabbern können.

Die Reduktion des eigenen Lebens auf den Alltag und die Lösung seiner Probleme ist nun nicht grundverkehrt. Sie ist ein Schlüssel zum Glück. Glück ist etwas Feines, das merke ich jeden Tag. Mir reicht ein Blick aus dem Fenster, ein Gang durch den Garten, eine Wanderung durchs Tal, eine kleine Pause am rauschenden Bach und ich erfreue mich eines Lebens, das wunderbarer nicht sein könnte – obwohl ich objektiv betrachtet an privaten Problemen nahezu ersticke.

In solchen Momenten des Glücks – die nahezu beliebig reproduzierbar sind – kommt mir der Gedanke, wie schön und friedlich die Welt doch sein könnte, wenn alle so ein Glück empfinden könnten, vor allem, weil es ein äußerst preiswertes Glück ist, das erstmal prinzipiell nichts kostet. Seitdem jedoch der Nahversorger in Folge der Wirtschaftskrise pleite gemacht hat und der Nahverkehr im Zuge der Krise der Staatsfinanzen abgeschafft wurde, merkt man schon, das man ohne Auto schnell an seine Grenzen stößt. Es fällt angesichts der zunehmenden Einschränkungen im Alltag schwer zu glauben, das alles wunderbar in Ordnung ist, vielmehr mehren sich die Anzeichen, das alles immer schlimmer wird, manche warnen sogar schon davor, den Städten zu bleiben. Dort wird es schlimm werden angesichts der Krise.

Hunger kann Glück sehr stören und die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Nahrungsmitteln steht seit der „Just-in-Time“-Hysterie auf tönernen Füssen. Rollen die LKW´s nicht mehr sind die Regale nach ein paar Tagen leer – die Wirtschaft trifft halt weniger Vorsorge und spart dadurch Lagerkosten, was die Rendite erhöht.

Natürlich vertrauen wir auch der Wirtschaft. Alles grundsolide Kaufleute dort, die nichts anderes im Sinn haben als das Wohl der Bevölkerung, als unsere Versorgung mit Seifenopern, Wein und Träubchen – außer natürlich in Griechenland, wo sogar die Privatisierung des Staatsvermögens ins Stocken gerät, weil sich keine Käufer finden. Das wird schlimm für die Griechen. Wein und Träubchen werden die nicht mehr bekommen, dafür werden sie selbst zur Seifenoper. Schlimm wäre es auch für uns, wenn wir erfahren würden, wie die Gemeinden die Steuergelder durch Swap-Geschäfte in den Sand gesetzt haben, doch hier sorgt eine aktuell aufgedeckte Verschwörung zwischen Gemeinden und West-LB für Ruhe: wir erfahren einfach nichts mehr darüber, die Vertuschung sollte diesmal perfekt sein. Nichts soll unser TV-Erlebnis stören, weshalb sich auch keiner groß für die Auseinandersetzungen mit der Finanzindustrie stark macht, die an der Quelle der Misere – in den USA – mit viel Geld dafür sorgt, das sie ihre Gaunereien weiter betreiben kann, während Japan schon mal vormacht, wie man Obdachslose in AKW´s verheizen kann.

Für uns jedoch gilt die Losung: alles in Ordnung, der Normalbürger ist völlig in Sicherheit, nichts bringt den Genuss von Wein, Träubchen und Seifenoper in Gefahr, der Aufenthalt in der Traumwelt des Konsumparadieses ist völlig sicher und ohne jede Nebenwirkungen, es sei denn … man wird arbeitslos.

Gut, wir wissen ja: Arbeitslosigkeit trifft nur die Bösen. Das sagt man uns jedenfalls. In Wirklichkeit trifft Arbeitslosigkeit die Fleissigen, für die dann eine ganze Welt zusammenbricht – und selbst die vielgesuchten Fachkräfte kommen trotz aller Anstrengungen aus dieser Tretmühle nicht mehr heraus.

So langsam merken wir: alles Lüge. Na ja, vielleicht nicht alles, aber … einiges. Wir wissen nur nicht genau, was.

Das unser Geld nichts mehr wert ist, keinen Eigenwert mehr hat, sollten wir jedoch wissen. Selbst als Reiche sitzen wir nur auf einem Haufen von Papier, mehr nicht. Reiche wissen das, weshalb sie auch nach realen Werten ausschau halten, nur unsere Alltagsträumer glauben, das Banknoten Zauberkraft besitzen und sich jederzeit an allen Orten der Welt in lebensnotwendige Waren verwandeln können. Eigentlich sind solche Leute zu beneiden, eigentlich sollte man ihnen ihre Träume lassen, wenn sie nicht … auch Täter wären. Das bringt eine vernetzte arbeitsteilige Gesellschaft so mit sich: man mordet nicht mehr selber, man hat Leute dafür.

So sterben in Afghanistan Kinder für das System, das uns die Seifenopern, die Träubchen und den Wein liefert (wobei es hier um Öl für die Just-in-Time-Kette geht), Tripolis wird in die Steinzeit zurückgebombt – letztlich auch für billige Träubchen. Nur sind die Zusammenhänge inzwischen so verzwickt wie die Swap-Geschäfte der Gemeinden und leicht zu verschleiern, wenn alle Täter nur zusammenhalten.

Und so verwundert es nicht, das wir langsam zu einer kannibalistischen Kultur verkommen, ja eigentlich schon längst dort angekommen sind, was die Kunst zuerst bemerkt.

Blut, Schweiß und Tränen sind der Treibstoff für unsere abendlichen Genussorgien – echtes Blut, echter Schweiß, echte Tränen. Ob wir wirklich noch genug Rückgrat haben, NEIN zu sagen, wenn man uns weiß macht, das die Verwurstung von Arbeitslosen alternativlos ist? Was für Menschen werden wir sein, wenn wir aus den Alltagsträumen erwachen, wenn Wein und Träubchen verzehrt sind, die Steckdose tot ist und wir merken, in welcher Welt wir wirklich leben?

In den Vorstadtchroniken des Comiczeichners Caza werden wir zu menschenfressenden Zombies, wenn der Strom ausfällt.

So unvorstellbar?

Zwischen uns und dem Wilden, dem Kannibalen ist eine viel zu große Kluft, wir sind viel zu zivilisiert dazu?

Also … für den Philosophen aus der Eifel ist die Kluft nicht zu erkennen. Zwischen dem Verspeisen der Ahnen und der Organspende sehe ich keinen prinzipiellen Unterschied. Und ob unsere lebensuntauglichen Wohlstandsparasiten den Mut haben, in Zeiten des Hungers auf das Verspeisen des Nachbarn (oder des fremden Durchreisenden) zu verzichten, wage ich angesichts des Verfalls der Ethik und Moral zu bezweifeln.

Die Hartz IV-Gesetzgebung lebt das Prinzip doch schon vor: wenn ein Mensch nicht mehr zur wirtschaftlichen Verwertbarkeit taugt, darf er wirtschaftlich ausgeschlachtet werden.

Wen stört das denn wirklich …  außerhalb des Kreises der Opfer des Sozialkannibalismus?

 

 

 

Töten ist geil! Über Hartz IV und andere Mordversuche …

Warum lese ich eigentlich noch Nachrichten? Ich kann mir die Frage im ersten Moment beantworten: weil ich nicht unvorbereitet in die Zukunft marschieren möchte. Ich bin da ziemlich deutsch, was heißt: das spontane Hineinleben in den Alltag, das die Konsumindustrie so gerne als Verhaltensstandard eines gelungenen Lebens propagiert, will mir nicht so recht schmecken. Ich liebe es, frei und selbstbestimmt über mein Leben entscheiden zu können und wenn meine Mitmenschen meinen: wir machen wieder DRITTES REICH in DEUTSCHLAND dann hätte ich gerne die Möglichkeit, das Land frühzeitig zu verlassen.

Warum lese ich eigentlich noch Nachrichten? Ich kann mir die Frage im ersten Moment beantworten: weil ich nicht unvorbereitet in die Zukunft marschieren möchte. Ich bin da ziemlich deutsch, was heißt: das spontane Hineinleben in den Alltag, das die Konsumindustrie so gerne als Verhaltensstandard eines gelungenen Lebens propagiert, will mir nicht so recht schmecken. Ich liebe es, frei und selbstbestimmt über mein Leben entscheiden zu können und wenn meine Mitmenschen meinen: wir machen wieder DRITTES REICH in DEUTSCHLAND dann hätte ich gerne die Möglichkeit, das Land frühzeitig zu verlassen. So was will organisiert sein.  Das Gleiche gilt für Kriege. Wenn hier wieder alle Lust auf Krieg mit Russland bekommen, möchte ich gerne eine – wenn auch minimale – Chance haben, dem zu entgehen. Um solche Gefahren abschätzen zu können und nicht im kindlichen Glauben verharren zu müssen („ich glaube nicht an den Krieg, ich glaube an den Aufschwung“), beobachte ich die Nachrichtenwelt um mich herum – und erschrecke mich.

Zum Beispiel bei diesen Nachrichten über den erneuten Tod von Osama bin Laden. Der ist ja jetzt schon wieder erschossen worden. Letztens starb er noch durch Bomben oder Nierenversagen, jetzt soll er aber endgültig erledigt worden sein – weil er Widerstand gegen seine Verhaftung geleistet hat.

Heute heißt es: er war unbewaffnet.

Wahrscheinlich hat er versucht zu beißen.

Voller Stolz auf die Errungenschaften der Technik wird berichtet, wie Obama beim Tod von Osama quasi live dabei war. Trotzdem sind die Nachrichten über dieses Ereignis … widersprüchlich. Man darf sie nicht ernst nehmen. Entweder lebt man in Vertrauen auf die menschenfreundlichen Absichten von Politik und Wirtschaft einfach konsequent in den Tag hinein, oder aber … man ist gezwungen, sich seine eigenen Gedanken zu machen – zum Beispiel über diese Schlagzeile im Stern:

Tötung von Briten durch Polizei bei G-20-Protest rechtswidrig

Im ersten Moment fragt man sich: wäre das Töten von Portugiesen und Spaniern rechtmässig? Zumindest das Töten von Muslimen scheint ja gerade schon völlig korrekt zu sein – siehe Libyen, Afghanistan, Irak, Pakistan, Jemen und wo sonst noch alles Drohnen mit Raketen morden.

Der Fall wird aber noch spannender:

Eine Jury urteilte am Dienstag, dass der Polizist „übermäßige und unangemessene“ Gewalt anwandte, als er den Zeitungsverkäufer mit einem Schlagstock schlug und zu Boden warf. Der 47-Jährige Ian Tomlinson, der versucht hatte, durch die Reihen von tausenden Demonstranten zu kommen, starb wenige Minuten später.

Das wird immer schlimmer, oder? Da erschlägt ein Polizist einen Bürger … und man muss erst noch untersuchen, ob das in Ordnung war oder nicht. Den Rest muss man sich denken. Wäre es in Ordnung gewesen, wenn man einen Demonstranten erschlagen hätte, der vielleicht sogar Grieche gewesen wäre?

Mit der Frage bleibt man allein – und das beunruhigt, denn die Proteste gegen den G-20 Gipfel berühren das soziale Herz des Landes – es geht ja nicht mehr und nicht weniger um die Frage, wieviel Volk sich die außer Rand und Band geratene Wirtschaft noch leisten möchte. Es geht um die Frage des Bestandes unserer demokratischen Grundordnung, die sich nicht nur in der Frage erschöpft, wer jetzt wen straflos umbringen darf. Es geht um die Art und Weise, wie Regierung und Volk miteinander umgehen … hier und im Ausland. Im Ausland töten wir immer hemmungsloser … und im Inland wird es auch täglich enger, wenn der Regelsatz gestrichen wird.

Töten ist geil, könnte man sagen.

Diese Entwicklung kommt nicht zufällig, auch wenn uns das die Menschen verkaufen wollen, die auch gerne möchten, das wir einfach so in den Tag hineinleben wie Italiener, Portugiesen oder Griechen. Gut – die haben auch wärmer als wir, die müssen nicht schauen, wie sie über den Winter kommen. Wir schon. Deshalb sind wir Deutschen anders drauf als die, planen wir vorausschauend und sollten auch eigentlich keine zwei Billionen Euro Staatsschulden haben. Haben wir aber, weil … Politik zunehmend über Hinterzimmer läuft, siehe European Circle:

Die Regierung Merkel hat in jüngster Zeit immer häufiger Entscheidungen in Hinterzimmern unter Hinzunahme von Wirtschaftsvertretern getroffen und eine offene Diskussion im Parlament zunächst vermieden. So kam auch der Atomdeal zustande, der die Grundlage für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke bildet.

Der „Atomdeal“ brachte für viele Menschen viel Geld, für andere Menschen vielleicht den Tod. Letzteres werden wir nie erfahren, aber über den Gewinn des Atomdeals informiert uns Greenpeace:

Im Falle eines vorzeitigen Atomausstieges würden den EnergiekonzernenRWE, Eon, EnBW und Vattenfall enorme Gewinne verloren gehen. Dies zeigen Berechnungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Bei dem von Greenpeace geforderten Ausstieg aus der Atomkraft bis 2015 würden die Konzerne rund 75 Milliarden Euro gegenüber der beschlossenen Laufzeitverlängerung verlieren.

75 Milliarden Euro … da geht es jetzt sicher gerade richtig rund in den Hinterzimmern der großen Medien, den Rotarier- und Lionsclubs, den Golfclubs und Elitewandervereinen sowie auf diversen Opern- und Pressebällen. Dort fummeln Lobbyisten an jenen herum, die an den Hebeln der Macht sitzen. Das Atomkraft Menschenleben kosten kann, interessiert jene nicht, die auf Barbados wohnen. Die anderen rennen wie verrückt, um auch noch rechtzeitig dorthin zu kommen.

Natürlich könnte das Volk aufmucken. Immerhin – bei der Aufführung von „Töten ist geil“ sterben in der Regel unschuldige Menschen. Damit das Volk in Ruhe die Veränderung der Grundkonstanten des menschlichen Zusammenlebens hinnimmt, wurde ihm erstmal die wirtschaftliche Basis entzogen – ganz absichtlich und bewusst, siehe Nachdenkseiten:

Die von den Monetaristen geprägte Geld- und Zinspolitik war begleitet von einer massiven Agitation gegen Konjunkturprogramme und aktive Beschäftigungspolitik. Diese Agitation begann schon zu Zeiten der Regierung Schmidt gegen Ende der siebziger Jahre. Sie war massiv, und ihre Massivität ist nicht verständlich, wenn man das Motiv, die Erzeugung einer Reservearmee von Arbeitslosen, nicht beachtet.

Die bewusste Erzeugung von Arbeitslosenheeren (die man im Anschluss daran in Deutschland durch Hartz IV noch für ihre Arbeitslosigkeit bestrafte und zusätzlich mit dem Tode bedrohte, sollten sie ihren Zustand nicht aus eigener Kraft beenden können) ist vergleichbar mit der Vergiftung des Dorfbrunnens oder dem Verbrennen der Ente vor Wintereinbruch.

Man kann sich denken, wie man früher mit solchen Tätern umgegangen ist. Verbrennen bei lebendigem Leib, Rädern, Pfählen, Häuten … die waren da sehr erfinderisch. Die kannten auch noch die Folgen, die solche Taten nach sich zogen. Die fanden Töten gar nicht geil, und Arme, Kranke, Behinderte, Kinder und den ganzen Rest des Dorfes einem qualvollen Hungertod auszuliefern, war kein Kavaliersdelikt.

Heute schon.

Heute ist Töten geil wie Geiz.

Darum machen wir uns auch keine Gedanken mehr über Nachrichten wie diese in der FAZ:

Die Lobbyisten versprechen zwar 30.000 neue Arbeitsplätze in der Elektromobilität. Zunächst verlangen sie aber Subventionen für Forschung und Entwicklung von 100.000 Euro je Stelle. Volkswagen, Daimler und BMW sind mit ihren gut gefüllten Kassen stark genug, Innovationen selbst zu finanzieren.

Die kriegen das Geld auch, da bin ich ganz sicher – und nicht aus den gigantischen Gewinnen der Energiewirtschaft.  Wozu gibt es immerhin die gute deutsche Hinterzimmerpolitik. 3000 Millionen Euro für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Da muss an anderer Stelle viel gespart werden – zum Beispiel bei den Arbeitslosen. Man nimmt ja gerne von den Schwächsten nach dem Motto: „Töten ist geil„.

Die Forderung nach Verschonung von Witwen und Waisen ist uns sehr fremd geworden. Wir schalten das System einfach mal von heute auf morgen um, beschlagnahmen die Versicherungsgelder und verkünden, das von heute an jeder selbst für sich verantwortlich ist. Das ist in etwas so, als wenn das Dorf einen Brunnen gebaut hat, in den dann irgendein Idiot aus purer Lust zur Zerstörung eine tote Kuh hineinwirft. Gut, wir kuppeln noch die Gewinnabschöpfung durch den Verkauf des zuvor abgeschöpften Brunnenwassers hinzu – aber im Prinzip ist es das Gleiche: wir vernichten die Lebensgrundlage der Menschen zum Zwecke der persönlichen Bereicherung – oder einfach nur, weil wir es können.

Darum ist die Agenda 2010 mit Hartz 1-4 auch keine Kleinigkeit. Es ist ein tödlicher Angriff auf den Souverän des Landes: den Bürger. Wenn der nicht pariert, wird ihm die Versorgung mit Nahrung, Heizung und Wasser gestrichen – und keiner macht sich Gedanken, welches abartige, degenerierte Prinzip hinter den schönen Worten „fördern und fordern“ verborgen ist.

„Töten ist geil“ … ansonsten würde die Motivation nicht funktionieren. Der Delinquent muss schon glauben, das sein Sachbearbeiter es ernst meint.

Darum ist es auch wichtig, regelmässig mal einen Bin Laden oder einen Demonstranten zu töten.

„Die da draussen“ müssen kapieren, das man es jetzt ernst meint.

Manche töten gerne direkt mit Knüppeln und Pistolen, andere weiden sich lieber an der Qual von Menschen, die mitten im Überfluss an Hunger, Durst oder Obdachlosigkeit und Kälte leiden.

Das Prinzip jedoch … ist dasselbe.

Warum lese ich darüber eigentlich nichts mehr in den Nachrichten? Wäre doch ein Riesenthema …

 

Rotary und der Antichrist: eine Frage der Moral

Sonntag ist, Deutschland im April 2011. Kürzlich haben wir die Rotarier kennengelernt, eine wundersame Verschwörung anständiger Menschen. Wie anständig die wirklich sind, konnten wir später im Detail betrachten. Es muß schon merkwürdig sein, einer Gesellschaft anzugehören, wo alle Freunde von ... Augusto Pinochet sind und sich verpflichten, noch mehr Freundschaften für diesen Menschenschlächter dazu zu gewinnen. Zumindest Angela Merkel und Christian Wulff, momentan Kanzlerin bzw. Präsident der Bundesrepublik Deutschland, scheinen kein Problem mit diese Freundschaft zu haben. Beide sind Rotarier und fühlen sich wohl dabei.

Sonntag ist, Deutschland im April 2011. Kürzlich haben wir die Rotarier kennengelernt, eine wundersame Verschwörung anständiger Menschen. Wie anständig die wirklich sind, konnten wir später im Detail betrachten. Es muß schon merkwürdig sein, einer Gesellschaft anzugehören, wo alle Freunde von … Augusto Pinochet sind und sich verpflichten, noch mehr Freundschaften für diesen Menschenschlächter dazu zu gewinnen. Zumindest Angela Merkel und Christian Wulff, momentan Kanzlerin bzw. Präsident der Bundesrepublik Deutschland, scheinen kein Problem mit diese Freundschaft zu haben. Beide sind Rotarier und fühlen sich wohl dabei.

Nebenher jedoch gab es auch andere Töne: Rotarier als fünfte Kolonne des Antichristen, wobei im Falle unseres Bundespräsidenten der Antichrist gleich mehrfach auftrat – nicht nur durch die Rotarier, sondern auch durch den Einfluß des Sektenpredigers Billy Graham auf „Pro Christ“ in Deutschland, wofür sich unser Präsident ja auch sehr stark macht.

Da gerade Sonntag ist und viele Geistliche gerade vor leeren Kirchenbänken predigen, vielleicht einfach mal eine Gelegenheit, diesen Aspekt näher zu betrachten. Wir finden schon etwas zu diesem Thema im Internet, ein Pfarrer im Ruhestand bei aktion-leben-fulda:

Aus der Bibel wissen wir, daß zuvor der Antichrist kommt und seine Schreckensherrschaft aufrichtet. Seine
Wegbereiter sind jahrhundertealte Geheimorganisationen, zwielichtige Hintergrundmächte und zersetzende
Strömungen. Gemeinsam arbeiten sie nicht nur im atheistischen Sinn, nicht nur ohne Gott oder mit einem fraglichen
Gottesbegriff, sondern oft auch im antitheistischen Sinn: gegen Gott und daher besonders erbittert gegen Jesus Christus.
Sie planen einen Welt-Staat und eine Welt-Kirche als ihren Herrschaftsraum und als das Mittel, die Menschheit zu
verblenden und auszuplündern, sie dem kommenden Antichristen gefügig zu machen.
Wie ein roter Faden zieht sich durch die endzeitlichen widerchristlichen Bewegungen die Verehrung Luzifers (Lichtbringer, ein gefallener Engel, eine besondere Bezeichnung für den Satan), und damit der Versuch, ihn auf den Thron zu
setzen. In ihm haben wir das Haupt aller Verführer und Verführungsmächten zu sehen, den Verführer. In der Bibel wird
er Satan oder Teufel genannt.

Es wird natürlich schwer, mit Herrn Wulff über den Teufel zu sprechen – und das nicht, weil Herr Wulff auch vor einer Freundschaft mit Carsten Maschmeyer nicht zurückschreckt, dessen Organisation tausende von Menschen in Hartz IV getrieben hat, sondern weil wir uns in Deutschland einer besonderen Form von Christentum gegenübersehen, die mit der eigentlichen christlichen Botschaft nichts mehr zu tun hat. Theologisch korrekt wurde der Teufel als Widersacher Gottes aus dem Denken eleminiert – auch wenn die Quelle des christlichen Glaubens, das Neue Testament – voll ist von Teufeln, Dämonen und einem obersten Feind.

Umso schwerer dürfte es sein, die Vorwürfe an die Rotarier aufrecht zu erhalten, die sie in Verbindung mit antichristlichen Umtrieben bringen. Ich möchte mich aber auch gar nicht in die theologischen Debatten einmischen, die sowieso nur Eingeweihte nachvollziehen können. Ich möchte mich nur im Rahmen der Werte der christlichen Leitkultur bewegen, die der Rotarier Friedrich Merz so schön ins Gespräch gebracht hat – auch ohne zu wissen, wovon er da eigentlich redet.

Wer nun an christliche Werte denkt, wird sofort Moses und seine Gebotstafeln in Erinnerung haben … jedenfalls ihre zweite Version. Die erste hat er ja vernichtet, nachdem er gesehen hat, das das Volk lieber wieder ums goldene Kalb tanzt. Mich hat schon immer interessiert, was denn in der Erstausgabe stand, aber das werden wir wohl nicht erfahren. Findige Theologen haben mir versichert, das die zweite Version aus zwei verschiedenen Quellen stammt, sozusagen vom Volk Israel ausgeliehen wurde. Ganz normale Gebote für Nomadenvölker, die – wie oft bei Nomaden – ein einen Himmelsgott glauben.

Es spricht ja auch weltweit nichts dagegen, nicht zu töten, zu lügen, zu stehlen oder seinen Nächsten mit übler Nachrede zu überziehen. So was gilt von Kapstadt bis zum Nordkap. Das ist noch keine kulturelle Glanzleistung – obwohl manch ein anständiger christlicher Rotarier schon mit diesen einfachen Anforderungen überfordert scheint.

Das Christentum selbst – in der Person des Jesus Christus – gibt hier nur eine Regel: „Lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst“. Und es gibt auch einen zentralen Gegenwert vor, einen „Antiwert“, der dazu führte, das (der Legende nach) der höchste, hellste, strahlendste Engel auf die Erde geworfen wurde: Hochmut.

Meint man mit „Selbstüberschätzung“ eine Überbewertung eigenen Könnens, so zielen Hochmut und Arroganz auf soziale Distanz. In Haltung und Umgangsform werden sie durch Anstand und Höflichkeit gezügelt. Den Hochmut begünstigende Ursachen sind Eitelkeit und Narzissmus.

So definiert es Wikipedia.

Hochmut ist nicht nur eine der sieben Todsünden, sondern es ist DIE Sünde, die überhaupt erst einen Widersacher in die Schöpfung hineingebracht hat. Das wird gerne übersehen – und die Kirchen passen sich hier auch gerne an. Hochmut führt zur schlimmsten Sünde, selbst für die besten Engel: den Abfall von Gott.

Die Eindeutigkeit christlicher Wertvorstellung bzgl. des Hochmuts wird von einem ambivalentenBegriff abgelöst, der diesen (in Ermangelung eines allgemeinverbindlich anerkannten Wertekanons) unauflösbaren Konflikt zwischen der grundlegenden Gleichheitsforderung und der mehr oder minder realitätsgerechten oder angemaßten persönlichen Überlegenheit (vgl. Coolness als zeitgemäßes Persönlichkeitsideal) eines Einzelnen allenfalls pathologisieren und ihm als Narzissmus therapeutisch begegnen kann: Der Narzissmus des Einen (war und) ist die Arroganz (der Hochmut) des Anderen.

Wir als moderne Menschen kennen „Hochmut“ kaum noch, dafür feiern wir unsere Form umso deutlicher: den Narzissmus, eine Form des Verhaltens, die nicht weniger teuflisch ist als der Hochmut, den sie ersetzt hat, siehe „Die narzistische Gesellschaft“, zitiert bei gesundheit-heines

Maßlosigkeit sowie eine ausbeuterische Haltung sich selbst und anderen gegenüber prägen das Lebensgefühl unserer Gesellschaft – beides sind typische Kennzeichen eines krankhaften Narzißmus. Dazu gehören auch der rücksichtslose und selbstsüchtige Umgang mit den Rohstoffen der Erde, die Zerstörung der Umwelt und der exzessive Abbau von Rohstoffen.Leere und Langeweile nannten wir als weitere Symptome. Um sie zu überwinden und umsich selbst zu spüren, werden zunehmend stärkere Reize gesucht. Durch das Leben in Extremen, durch Perfektionismus und Vollkommenheitswahn entfernt sich der ‚angepaßte’ Mensch immer weiter von seinen wahren Gefühlen.

Auf einmal sind wir weit entfernt von theologischen Debatten, weit entfernt von der Existenz eines Teufels (oder eines Gottes), dafür aber mitten drin in der „modernen Gesellschaft“ – jener Gülle, die sich vor unserer Tür ausbreitet.  Die Wurzel jedoch, die Ursache – ist die Gleiche. Früher nannte man sie Hochmut.

Wie fühlt sich nun ein Rotarier, ein christlicher, anständiger Mensch, der nach folgendem Motto lebt, nochmal Peter Wendlich, Die Macht der Geheimbünde, Bassermann 2006, Seite 151:

“Das Zahnrad auf blauem Grund hat sich aus einem einfachen Sechs-Speichen-Rad entwickelt uns soll das offizielle Rotationsprinzip symbolisieren. Im Knopfloch getragen, weist es den Träger als Zugehörigen zu einem “besseren Kreis” aus, der die Entwicklungsstufe zum Menschen nach dem Motto “Affe-Mensch-Rotarier” erfolgreich hinter sich gelassen hat. ”

Da wird aus dem Rotarier ein Rot – Arier. Arier haben wir schon kennengelernt – in einem der dunkelsten Kapitel der menschlichen Zivilisation und in DEM dunkelsten Kapitel des deutschen Volkes. Sie sind auch wieder unterwegs, predigen ganz offen ihre Arbeitslosenvernichtungsphantasien, die genau des Gegenteil von „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ darstellen: hier durchdringen antichristliche Werte schon so banale Themenfelder wie „Beschäftigungspolitik“.

Nun den gleichen Schluß zu ziehen wie der Eingangs zitierte Pfarrer würde in meinen Augen zu weit führen. Ich kann nicht über den Wahrheitsgehalt von Verschwörungstheorien urteilen, warne nur davor, zu einfach zu denken. Schnell ist man bei Goebbels angelangt, der 1926 in sein Tagebuch folgenden Satz schrieb, siehe Wikipedia.

„Der Jude ist wohl der Antichrist der Weltgeschichte.“

Später war es seine Bewegung selbst, die Formen annahm, die deutliche Züge einer antichristlichen Hölle annahm. Heute wird immer noch der Jude als Antichrist an den Pranger gestellt – oder Bill Gates, Barrack Obama sowie der Papst selbst. Diskussionen dieser Art kann man getrost den jeweiligen Sekten überlassen, die dort ihre Fähigkeit zum Bau gigantischer Hypothesenkomplexe demonstrieren, die – nebenbei erwähnt – trotzdem wahr sein könnten. Wir bleiben lieber bei der Psyche des Menschen, seiner Seele, seinem Charakter. Um die Nähe des Rotariers zum Antichristen zu belegen – und zwar so, das auch gestandene Rotarier selbst verstehen können, auf welchem Weg sie sich dort befingen – brauchen wir nicht in die Kiste der christlichen Legenden zu greifen. Es reicht, wenn wir auf das Reich der Werte verweisen, auf die Folgen des Hochmutes und die Gefahren, die in ihm stecken.

Hieraus allein ergibt sich schon eine teuflische Dimension, die Deutschland in der Person Adolf Hitlers erleben durfte, siehe Deutschlandradio in einer Reflexion über Hitlers „Religion“:

Die Münchener studentische Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um die Geschwister Scholl wollte den verblendeten Zeitgenossen die Augen öffnen:
Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan.

So kann man werden, wenn der Hochmut die Vorstellung von der Wirklichkeit bestimmt. Hält man sich selber für den Besten und Größten, zur einsamen Elite, ist es bis zum Hochmut nicht mehr weit – und vielleicht ist es in einer narzisstischen Gesellschaft auch gerade der Hochmut, der Voraussetzung für eine steile „Karriere“ ist. Demut (siehe Wikipedia) … scheint da nicht so nützlich zu sein:

Die Demut spielt im jüdischen und christlichen Denken eine besondere Rolle. Im Alten wie im Neuen Testament ist Demut eine wesentliche Eigenschaft des wahren Gläubigen, desjenigen, der mit Gott im Reinen ist. Die Wurzel des verwendeten hebräischen Wortes enthält die Bedeutungen von „sich beugen“ oder „herabbeugen“. Demut wird im Alten Testament dem Hochmut entgegengesetzt (Sprüche 29, 23).

Rotarier scheinen offiziell der Demut verpflichtet. „Selbstloses Dienen“ ist ein hoher christlicher Wert – doch bis der Anruf kommt, der Ritterschlag, der einen über die normale Menschheit und den Affen erhebt, bis man in die Lage kommt, „selbstlos Dienen“ zu dürfen, muss man lange den Weg der narzisstischen Gesellschaft gegangen sein … außerordentlich erfolgreich auch gegen jede Form der Konkurrenz. Hitlers selbstloser Dienst am deutschen Volke mag ein warnendes Beispiel dafür sein, welche Formen diese Floskeln annehmen können, wenn sie vom Hochmut gespeist werden … oder aktuell wieder auftauchende Widerlichkeiten, siehe Welt:

„Das ist eine gängige Masche bei Menschenhandel, und das Gewerbe ist lukrativ, in Europa sitzen finanzkräftige Kunden, die Kinder als Sexsklaven kaufen“, sagte ein Ermittler.

Hochmut als Triebkraft des Bösen macht vor dem Kinde nicht halt. Der „bessere Mensch“ – auch in seiner Form als Rot-Arier – kann sich aufgrund seiner moralischen Sonderstellung über die Gesetze der niederen Menschen erheben, so wie die sich über das Regelwerk der Affenhorde hinwegsetzen. Hier gelten andere Gesetze, die Gesetze des Erfolges, der Leistung, des Reichtums … völlig unabhängig davon, mit welchen Methoden dieser Reichtum erworben und zu welchen Zwecken er missbraucht wird. Der Hochmut ist niemandem Rechenschaft schuldig, führt sogar bei höchsten Engeln dazu, das sie sich größer, mächtiger, wichtiger und hübscher fühlen als Gott selbst.

Warnungen jener Menschen, die Rotarier für eine fünfte Kolonne amerikanischer Satanisten halten, sind mit Vorsicht zu genießen. Schnell ist der Hochmut auf Seiten der Ankläger … wie auch „Grüne“ schnell zu hochmütigen „Edelmenschen“ verkommen, die sich über die bloße unökologische Masse souverän erheben. Der Hochmut selbst jedoch kann mit großer Sicherheit als teuflisch, satanisch beschrieben werden – oder einfach als asozial, wenn man die religiöse Begrifflichkeit meiden möchte.

Insofern ist der Vorwurf an die Freundschaftsbündnisse der Rotarier, sie würden eine gewisse Nähe zu antichristlichen Strömungen pflegen, gut begründet – nicht aus der Sicht des Sektenkundlers, aber aus der Sicht der Ethik und Moral. Es ist ein Verein zur Vereinigung von Menschen zur Pflege von Freundschaften von Menschen, die antichristliche, hochmütige Werte leben – im Mäntelchen des Gutmenschen, der selbst den Hochmut noch durch geheuchelte Fürsorge auf die Spitze treibt.

Somit wundert es nicht, das man im Kern kein Problem damit hat, „Freund“ von Augusto Pinochet zu werden. Man hat auch kein Problem damit, den Sozialstaat abzubauen (aber kräftig zuzugreifen, sofern das eigene Kapital auf der eigenen Bank in Gefahr ist), Atomkraft zu fördern (solange man nur selbst weit genug weg wohnt), Preise abzusprechen (sofern man sie selbst nicht bezahlen muss), Vermögen mit windigen Betrügereien anzuhäufen, Gammelfleisch zu vermarkten, die Weltwirtschaft durch verantwortungsloses Handeln an den Rand des Ruins zu bringen, die Umwelt großflächtig zu vernichten oder sich hemmungslos am Gemeinschaftseigentum oder an Kinderarbeit zu bereichern.

Und so bastelt man real und wirklich jenseits der freundlichen Bastelnachmittage für behinderte Kinder an einer menschlichen Zukunft, die jener ziemlich ähnlich ist, die sich der Teufel – wenn es ihn denn gäbe – nicht besser hätte ausmalen können.

Es sind die Menschen, die sich selbst für die Krone der Schöpfung halten, die kein Problem damit haben, unwertes Leben in Konzentrationslagern zu vernichten. Sie sind immerhin „gut“, womit all ihre Taten „heilig“ werden, wie bestialisch sie auch sein mögen.

Die Demütigen kommen erst gar nicht an die Macht – sie teilen ihr Vermögen frühzeitig.


 

Das Leben ist kein Wunschkonzert … aber kriminell, korrupt und spießig.

Bei der Beleuchtung der Banker haben doch viele plötzlich gesagt: Was ist denn los in unserem Land? Ist denn überall Korruption und Gier? Alle Institutionen verlieren an Respekt, auch die Polizei. Die Angriffe auf Beamte häufen sich. Deswegen ist ja das Gesetz verschärft worden. Den Polizisten als Respektsperson gibt es nicht mehr. Es wäre aber ganz schön, wenn es den noch geben würde, denn auf irgendwas will man sich ja verlassen können im Staat.

So Götz George alias Schimanski in der Welt.  Der altbekannte Fernsehkommissar auch Duisburg setzt als Mensch noch einen drauf:

Aber mein Eindruck ist schon: Es wird immer krimineller, korrupter und spießiger.

Die Welt ist ja nicht gerade als linkes Kampfblatt bekannt – weshalb ich annehme, das Götz George hier mal einen Eindruck formuliert, den breite Bevölkerungsschichten teilen können … wahrscheinlich hat man sogar eine Mehrheit. Wir sind gewohnt, die Welt in „rechts“ und „links“ aufzuteilen, sind gewohnt, das Parteien ganz schnell „Positionen besetzen“, um aktuelle Trends nicht zu verpassen. So hat man uns in Zeiten des kalten Krieges erzogen – so denkt man rechts, so denkt man links … und im Laufe der Jahrzehnte sind die Denkbahnen hier detalliert feingeschliffen worden. Die militärischen Blöcke gibt es nicht mehr, ihre Militärberater werden aktuell laut Spiegel auf dem Müll entsorgt:

Grausiger Fund im Bundesstaat Delaware: Ein führender Militärexperte der US-Regierung ist tot auf einer Müllkippe entdeckt worden. Der 66-jährige John Wheeler war lange Jahre Berater im Pentagon – die Polizei geht von einem Mord aus.

Wer wissen will, was denn den Fund so mysteriös macht, kann sich im Examiner detallierter informieren, obwohl die auch nicht mehr wissen.

Wir denken weiter in rechts/links Schemata, während die Welt sich schon längst ändert. Deshalb kriegen wir auch keine politischen Mehrheiten für Veränderungen, denn die neuen Fronten verlaufen nicht mehr zwischen rechts und links – sie verlaufen zwischen oben und unten.  Während wir noch brav im rechts/links-Marschtritt verharren und uns jeweils von der Opposition die Erlösung von den Sünden der Regierung erwarten, sitzen die Menschen, die Spitzenpolitiker, die Promis alle in einem Boot – zusammen mit Schauspielern, Militärexperten und Wirtschaftsmagnaten.  Welche Partei (oder welches Schicksal) sie in dieses Boot gebracht hat, ist dabei letztendlich egal.

Schauen wir uns doch mal die letzten Jahre an. Was hat uns die Arbeitnehmerpartei gebracht? Die Enteignung der Arbeitslosen und die Beschneidung ihrer Menschenrechte durch Hartz IV.  Hätte man das 1970 voraussgesagt, hätte man für den Rest des Lebens Einzelhaft in der Psychatrie bekommen. Und was brachte die Wirtschaftslenkerallianz von CDU/CSU/FDP? Mehr Netto vom Brutto – für die Konzernkassen, aus denen alle „Promis“ reichlich nehmen dürfen.

Gestern hatten wir hier auch das erste Mal einen Kommentator aus jener „obigen“ Fraktion der Gesellschaft hier, das uns das Motto für „unten“ geliefert hat:

DAS LEBEN IST KEIN WUNSCHKONZERT.

Das sage man mal … Marc Zuckerberg, laut FAZ jemand, der gerade dabei ist, die Welt nach seinen Vorstellungen neu zu ordnen:

Mehr als 500 Millionen Mitglieder folgen Mark Zuckerbergs Vision einer neuen „sozialen Norm“: Der Gründer des sozialen Netzwerks Facebook will die zwischenmenschliche Kommunikation revolutionieren. Dabei tritt er in die Fußstapfen von Bill Gates.

Mark Zuckerberg ist gerade 26 Jahre alt, aber der Gründer des sozialen Netzwerks Facebook prescht in atemberaubendem Tempo in die erste Liga der Superreichen vor: Auf der jüngsten „Forbes“-Liste der reichsten Amerikaner wurde sein Vermögen, das sich vor allem auf seinen Anteil an Facebook gründet, auf 6,9 Milliarden Dollar geschätzt. Die Zeitschrift legte dabei einen Wert von 23 Milliarden Dollar für das Unternehmen zugrunde. Jetzt hat Facebook gerade eine weitere Finanzierungsrunde mit der amerikanischen Bank Goldman Sachs und der russischen Internetholding Mail.ru hinter sich gebracht und ist dabei mit 50 Milliarden Dollar bewertet worden.

Mit fünfhundert Millionen Menschen und dem Kapital von Goldman-Sachs und Mail.ru wird das Leben ganz schnell zum Wunschkonzert. Der Militärberater hat ebenfalls jahrelang Wunschkonzert gespielt – für Reagen und die beiden Bushs (weshalb der Mord an ihm so hohe Wellen schlägt).

Immer wieder fallen mir diese unsinnigen, dumpfen Parolen auf, die gedanken- und sinnlos durch die Welt geschmissen werden. Hält man uns für so blöde, das wir nicht merken, das diese Sprüche keinen Sinn machen?

Schlimmer noch … hält man uns für so blöde, das wir nicht merken, das Sprüche dieser Art uns auf eine Zukunft vorbereiten sollen, wo Grundelemente der menschlichen Freiheit nicht mehr für jedermann gelten? Wird im Geschichtsunterricht nicht mehr vermittelt, das wir gerade DEMOKRATIE geschaffen haben (bzw. in Deutschland geschenkt bekamen) damit wir das Leben in ein Wunschkonzert verwandeln können … und zwar in eins für ALLE, nicht nur für Militärberater, Pornostars,  Kapitallieblinge und gewiefte Politikclowns?

Dort, wo das Leben kein Wunschkonzert mehr ist, wird es krimineller, korrupter, spießiger. Das merkt auch Götz George – weil er in seinem Alter auch weiß, das es früher mal anders war. Seit einiger Zeit ändert sich da etwas, weil OBEN nicht mehr möchte, das UNTEN mitreden kann. Für UNTEN gibt es die Parole „DAS LEBEN IST KEIN WUNSCHKONZERT“, für OBEN gilt ein ganz anderer Satz, wie uns anhand der Person von Mark Zuckerberg gerade vorexerziert wird – einer Person, über die nur berichtet wird, weil er ein Newcomer ist. Über die anderen Menschen, die die Welt wieder strikt feudal nach ihren Vorstellungen gestalten, wird nur sehr selten berichtet, weil nur wenige Journalisten ihren Job riskieren möchten.

Die Parolen für „OBEN“ habe ich mal … bei Rafa.at geliehen:

Apologie des Teufels

Johann Benjamin Erhard, Schüler von Immanuel Kant, stellte 1795 die „Apologie des Teufels“ auf, die konsequent böse sein soll.

  1. Sei niemals wahrheitsliebend und scheine es niemals zu sein. Denn wenn du wahrheitsliebend bist, können die anderen auf dich rechnen; du dienst ihnen, aber sie dienen nicht dir.
  2. Erkenne kein Eigentum an, sondern versichere, dass das Eigentum heilig und unantastbar ist und allen gehört. Wenn du Alles ohne jede Anfechtung als dein Eigentum besitzen kannst, dann hängt alles von dir ab.
  3. Sieh die Moral der anderen als Schwäche an und bediene dich ihrer für deine Zwecke.
  4. Stachle jeden zur Sünde an, während du die Moral als Notwendigkeit proklamierst.
  5. Liebe niemanden.
  6. Mache jeden unglücklich, der von dir nicht abhängig sein will.
  7. Sei konsequent bis zum letzten und bereue nie etwas. Was du einmal beschlossen hast, tu auf jeden Fall, komme was kommen mag.

Kann sein, das die auch noch andere Parolen haben. Aber die paßten gerade gut zu Schimanskis Beobachtung einer Welt, die immer krimineller, korrupter und spießiger wird.

Es ist doch schön zu sehen, das man bei der notwendigen Auseinandersetzung mit einem tyrannischen OBEN, das eine Welt ohne Wahl, Freude und der Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben in sozialer Verantwortung diktieren will auf die Mithilfe aller Weltreligionen zählen kann – und auf die Hilfe aller echter Atheisten, da der Satz „Das Leben ist kein Wunschkonzert“ dem Willen Satans als verlogene Herrschaftsbotschaft für UNTEN entspricht. Gleichfalls kann man auf die Sympathie aller Demokraten, aller rechtschaffenden konservativen Bürger, aller aufrechten linken Idealisten hoffen.

Eigentlich ist es nur eine kleine, kriminelle, korrupte, spießige Minderheit, die ihre Militärberater nach Gebrauch auf den Müll schmeißt.

Für die anderen kann das Leben ohne Weiteres ein Wunschkonzert sein – wir müssen nur aufhören, unser Heil in der Enteignung von Arbeitslosen zu suchen – die haben nämlich nichts, was sich zu enteignen lohnt. Aber die kriminelle, korrupte, spießige Minderheit „OBEN“ hat in den letzten Jahrzehnten auf unsere Kosten soviel angehäuft, das sie gar nicht mehr wissen, wohin damit.  Holen wir uns das … dann haben wir wieder unser Wunschkonzert – und wenn wir nicht in eine Zukunft steuern wollen, die man mit gutem Recht moralisch und ethisch korrekt als „satanisch“ bezeichnen kann, haben wir gar keine andere Wahl, als so zu handeln.

Wenn jene Enteigneten dann moralisch kommen, dürfen wir ihnen allerdings zurecht entgegnen: Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Weihnachtsansprache 2010

Weihnachten ist ja ein besonderes Fest. Schon lange vor den ersten Christen feierten die Bewohner dieser finsteren kalten Wälder jenen Tag, an dem das Licht wieder zu wachsen begann und der unerbittliche Vormarsch der Dunkelheit gestoppt wurde.  Als Symbol für dieses Fest holte man einen jener Zauberbäume hinein, die auch in der lebensfeindlichen Winterwelt ihr grünes Kleid nicht verloren – das begeisterte die Waldbewohner, davon wollten sie einen Teil abhaben, von diesem Segen wollten sie auf profitieren. Dann wurde – in Hoffnung auf bessere Zeiten – das Hausschwein geschlachtet. Letzte Reserven wurden angezapft, um die dunkle Zeit lebendig zu überstehen.

Wir sind recht fern von diesen Zeiten. Unsere Häuser gleichen kleinen Burgen, den Winter und seine Nöte haben wir überwunden. Im Vergleich zu jenen fernen Vorfahren sind wir unermeßlich reiche Zauberer. Kälte, Dunkelheit, Hunger, Freßfeinde – all das spielt für uns keine Rolle mehr. Eine Handbewegung von uns (an der richtigen Stelle) und es wird hell und warm in unseren Höhlen, durchsichtige Wände erlauben uns, das Toben der Winterstürme in aller Gemütlichkeit zu betrachten, andere Fenster in die Welt schicken uns Bilder von fernsten Orten und wildesten Phantasien. Obst, Brot, Gemüse, Fleisch – alles ist im Überfluss vorhanden, von dem was wir wegwerfen könnten andernorts ganze Familien vor dem Hungertod gerettet werden.

Wir feiern immer noch dieses Fest, doch hat es längst einen anderen Hintergrund. Irgendwann kam das römische Imperium in die Wälder unserer Vorfahren – diesmal nicht harmlos in Form von Soldaten sondern in Form von Mönchen. Die Geschichten, die sie erzählten,  faszinierten uns,  sie waren neu und ungewohnt.

Unsere Götter, so sagten sie, seien blinde Phantasien oder böse Dämonen, aber macht- und kraftlos. Es gibt aber einen mächtigen liebevollen Urgrund des Seins, der nun seinen Sohn auf die Welt geschickt hat, um dem Spuk ein Ende zu bereiten  – und wenn wir in Zukunft für ihn Kirchensteuer zahlen würden, dürften wir sogar unser Fest weiterfeiern – es würde dann eben sein Geburtstag sein.  Es gab ein paar weitere Bedingungen, die zu erfüllen waren – keinen umbringen, nichts klauen, die Eltern ehren … alles Dinge, die im Dorf sowieso schon üblich waren.  Das war nicht so das Problem. Und diese alten Götter waren sowieso nicht gerade der Hit – klauen unser Frauen, zürnen ständig herum, machen Blitz, Donner und derbe Späße: da kam das neue Angebot gerade recht.  Geärgert haben sich nur die alten Priester, deren Opfergaben nun in einen neuen Opferstock landeten.

Fast zweitausend Jahre später sitzen wir immer noch unter unserem Tannenbaum. Viel hat sich verändert seitdem. Vor allem – sind die alten Götter zurück. Finstere, undurchschaubare Mächte bedrohen unseren Alltag und trotz unserer ganzen Macht scheinen wir ihnen hilflos ausgeliefert.  Sie heißen anders als früher und wirken auch viel unmenschlicher. „Der Markt“ ist ein ganz fieser von ihnen. Er taucht ganz überraschend auf, stiehlt uns unsere Schätze, entführt sie in weite Ferne und läßt uns als mittellose Bettler zurück. Es werden auch wieder Menschenopfer gefordert, so wie die ganz alten Priester ihre Götter mit jungen Frauen besänftigen wollten, so muß der Markt mit dem Leid der Armen, Alten und Kranken besänftigt werden. Geht es ihnen zu gut, leben die fern von Kälte und Hunger, dann grollt der Markt und schickt seine unsichtbare Hand strafend durch das Land und zwingt uns, unsere eigene Ernte zu vernichten, in dem wir sie ins Meer schmeißen.

„Das Kapital“ ist ein weiterer Finsterling der üblen Sorte. Es saugt wie ein Vampir alle Lebenskraft, alle Freude und Daseinslust aus den Menschen und macht aus ihnen kleine leblose Maschinen, die nichts weiter tun, als an der Vermehrung seiner Macht zu arbeiten.

„Der Staat“ – der nächste Titan, der uns im Leben quält, auch das kälteste aller Ungeheuer genannt. Manchmal schützt er uns vor Markt und Kapital, doch nur, um uns wie Ameisen zu organisieren und durchzunummerieren, damit auch ja niemand seinem Schlachter entkommt. Während „Markt“ und „Kapital“ das göttliche Herrscherpaar sind, ist „Staat“ der Kriegsgott, der weltvernichtenden Gewalten entfesseln kann, wenn ihm gerade danach ist. Wenn er will, dann sperrt er Menschen sinnlos in Lager und macht aus ihnen Seife, läßt ganze Generationen von Menschen durch  Maschinen auf Schlachtfeldern zerfetzen.

„Stadt“, „Mode“, „Arbeit“, „Verkehr“, „Partei“  sind einige weitere Kinder von „Markt“ und „Kapital“. Sie alle fordern unsere Opfer – und auch Menschenleben. Sie bestimmen was wir denken, wie wir wohnen, wie wir uns kleiden, wie wir uns bewegen, wie wir das Haupthaar tragen, wie wir sprechen, singen, tanzen. Keiner der alten Götter hat je so in unser Leben eingegriffen, noch mußte auch nur eins unserer Menschenopfer so leiden wie jene, die der „Verkehr“ jeden Tag in Stücke reißt.

Und so langsam merken wir, das auch die Kälte wieder zurückkommt, der Hunger, die Dunkelheit. Vorbei sind die Zeiten, wo der Wald uns Essen und Wärme gab, die Jagd uns Nahrung und Kleidung, wo der Stamm für alle da war und die Gemeinschaft jedem Feind standhielt. Die neuen Götter halten uns in Einzelzellen und mästen uns gut, wenn wir brav sind. Sie sind mächtiger als die alten Götter … und unermeßlich viel grausamer. Doch seitdem der Gott der Christen tot ist, haben sich andere in die Lücke gestürzt. Die Natur mag halt kein Vakuum.

Niemals in ihrer ganzen leidvollen Geschichte war die Menschheit so hilflos den tobenden Gewalten der Umwelt ausgesetzt wie heutzutage, niemals lauerte die völlige Vernichtung der Menschheit – ja vielleicht sogar allen Lebens auf der Erde – so deutlich wie heute vor der Tür.  Vielen geht es trotz all der Gifte noch sehr gut dabei – immer noch sind Hunger, Kälte, Dunkelheit verbannt in diesen Jahreszeiten, doch hinter diesem schönen Schein bauen sich Gewalten und Gefahren auf, vor denen sich selbst die alten  Götter fürchten würden.

Und das … ist die Chance dieses Festes, das ständig daran erinnert, das auch die Dunkelheit ein Ende hat – und das man sie gesund und munter überleben kann. Es ist die Chance der Besinnlichkeit, die nicht umsonst jedes Jahr mit noch mehr Waren totgeschmissen wird, denn wenn wir zur Besinnung kommen würden, würden wir merken, das all die Götter, die unser Leben tyrannisieren, nichtig sind. Keiner von ihnen könnte widerstehen, wenn sich die Menschheit gegen ihn erheben würde. Nie war die Chance größer, das die Menschheit sich gegen ihre neuen Herren erheben konnte, nie war es einfacher, denn … die neuen Götter sind nur Gespenster in Köpfen, Gespenster allerdings, die uns soweit domestiziert haben, das wir eher jenen Hausschweinen gleichen, die wir selbst früher zu Weihnachten geschlachtet haben.

Das braucht uns aber nicht gefallen.

Der Ausbruch aus dem Gefängnis der Gedanken kann sehr leicht sein – und kann schon damit anfangen, das man sich morgen mal traut, etwas völlig unmodernes anzuziehen. Wollen wir jenem Geschlecht, das einst gegen Wolf und Bär in den Wäldern rang, zutrauen, das es sich wagt, einen Hut zu tragen, der nicht zum Kostüm paßt? Was, wenn wir zu Weihnachten nur aufbauende Worte anstatt aufzubauende Waren verschenken?

Die Botschaft des jüdischen Gottes (mit dem unser Fest ja auch viel zu tun hat) wird im Deutschen gerne streng übersetzt. Alternativ darf man „du sollst“ auch durch „du brauchst nicht“ übersetzen, was angesichts der damaligen gesellschaftlichen Gepflogenheiten einen viel größeren Sinn machen würde.

Du brauchst nicht morden, du brauchst nicht stehlen, du brauchst nicht ehebrechen … und am Samstag brauchst du auch nicht arbeiten.  Man tut dem jüdischen Gott in Wirklichkeit mit diesen Tätigkeiten keinen Gefallen, heißt es – und das war der neue Gedanke, der uns damals so fasziniert hat. All die häßlichen Dinge, die unseren Alltag so erschweren, braucht man nicht wirklich zu tun….es geht auch anders.

Wollen wir hoffen, das irgendwann ein neuer Moses von den Bergen kommt und neue Tafeln aufstellt:

Du brauchst nicht Socken tragen, die zur Unterwäsche passen. Du brauchst über die letzte DSDS-Sendung nicht mitreden zu können. Du brauchst nicht Dein Leben vergeuden, um den Ansprüchen von Markt und Kapital zu genügen, brauchst Deine Familie nicht vernachlässigen, um der Firma zu dienen, brauchst keine Sonderschichten fahren, um Staat und Partei reich zu machen.

Aber hoffentlich brauchen wir dazu nicht wieder einen Moses und einen neuen allmächtigen Gott – vielleicht schaffen wir das ja diesmal alleine.

Oder wir besinnen uns darauf, was wir in Wirklichkeit in diesen Tagen feiern, warum wir uns mit Gütern beschmeißen: um einem Märchen zu Gedenken, wonach der Urgrund des Universums (schon ein ziemlich großes Ding, wenn man genau bedenkt) Mensch geworden ist um in all dem Rauben und Morden kurz mal zu sagen, wie er sich das Miteinander vorstellt. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“.

Eigentlich mal Zeit, das wir die Christen um uns herum daran erinnern – oder sie auffordern, ihre Religion konsequenterweise aufzugeben, offen zuzugeben, das sie lieber „Markt“, „Kapital“ und anderen widergöttlichen Mächten dienen als jenem unerschließbaren Urgrund allen Seins und aller Lebendigkeit, jenem höchsten denkbaren sittlichen Gedanken des Guten.

Vielleicht hilft uns die Besinnlichkeit, uns zu erinnern, das die Mächtigen dieser Erde keinesfalls jenseitigen Wirklichkeiten ablehnend gegenüberstehen – magische Rituale sind Bestandteil jeder Freimaurerei, der Wunsch, die Gunst des Schicksals durch geschickte Kombination von Farbe, Klang und Form zu gelangen hat zu vielen architektonischen Merkwürdigkeiten geführt – es sind nur Wirklichkeiten, die als „Herrschaftswissen“ nur wirklich eingeweihten Kreisen vorbehalten sind, für die Hausschweine gilt: „Gott ist tot“ und „Religion ist Opium fürs Volk“.  Das hindert das Schwein daran, aufzustehen und sich der Macht der neuen Götter zu entziehen: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“.

Und wenn demnächst wieder ein Asozialer fordert, am Sozialstaat zu rütteln, sollten wir vielleicht einfach entschuldigend achselzuckend antworten: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“.  Sollen sich dann die Asozialen mit dem Papst streiten …. und sich offen dazu bekennen, das sie (wie er auch) antichristlichen Werten huldigen.

Dann haben wir Hausschweine endlich klare Fronten.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern vor allem ein … besinnliches Weihnachtsfest.

Sorge Dich nicht, lebe! Bohemian Grove und die Religion der Banker

Diesen Satz haben viele von Ihnen sicherlich schon oft gehört: „Sorge Dich nicht, lebe!“ Überall laufen mitlerweile die Apostel des grundlosen Dauergrinsens herum und versuchen einem, ihre Philosophie zu verkaufen. Was sie dabei nicht erwähnen … diese Philosophie ist tödlich – für die eigenen Kinder, für den Nachbarn, für den notleidenden Fremden … und letztlich sogar für sich selbst.

Was ebenfalls wenige wissen: diese Philosophie wird bewußt und gezielt gefördert – aus politischen Gründen, denn ein größeres Geschenk kann man den Feinden der offenen Gesellschaft gar nicht machen, als mit diesem Gift das Denken zu benebeln.

Aber schauen wir erstmal, worum es geht, Amazon erklärt uns das gern:

Inhalt: Die Botschaften, die Carnegie seinen Lesern vermittelt, sind – wie er im Text immer wieder betont – den meisten Menschen in der Theorie bereits bekannt: »Sorgen machen krank« und »Der Erfolg ist in dir« lauten zwei seiner zentralen Thesen. Das Wissen um diese Erkenntnisse allein könne aber nicht zu einem erfüllteren Leben führen. Der Autor verweist daher immer wieder auf die Notwendigkeit der praktischen Umsetzung dieser Lebensweisheiten im Alltag. Anhand von anschaulichen Fallbeispielen, die er mit Anekdoten aus seinem Leben spickt, und in einfachen Worten zeigt Carnegie seinen Lesern den Weg zu einem zufriedeneren Leben.
Struktur: Carnegie gliedert sein Buch systematisch in mehrere Teile, die dem Leser Schritt für Schritt den Weg zu mehr Lebensqualität erklären. Nach kurzer Einführung, in der er seine Beweggründe darlegt und eigene Erlebnisse beschreibt, beginnt er in – mittlerweile – klassischer Ratgebermanier damit, dass er zunächst Grundbegriffe klärt, dann das Problem und seine Entstehung analysiert und schließlich seine praktische Methode zur Problembewältigung vorstellt. Im Anhang lässt er ehemalige Schüler zu Wort kommen, die von ihrer erfolgreichen Angstbewältigung berichten.
Wirkung: In Deutschland steht die inzwischen schon klassische amerikanische Anleitung zu mehr Erfolg im Leben seit über 1000 Wochen ununterbrochen auf der Bestsellerliste. Sorge dich nicht – lebe! wurde in 17 Sprachen übersetzt und allein in Deutschland 2,8 Millionen Mal verkauft. Carnegies Bücher werden weltweit in 38 Sprachen vertrieben, in mehr als 70 Staaten praktizieren Niederlassungen sein Trainingskonzept. J. D.

Und weiter:

In diesem Buch behandelt Carnegie das wohl drückendste Problem des heutigen Menschen: Sorge – Angst – Aufregung. Es ist ein fesselndes, leicht zu lesendes und in hohem Grade anregendes Handbuch zur Bewältigung unserer vielen Sorgen. In ihm legt der Autor die Grundsätze nieder, dank deren Befolgung der Leser sein Leben reicher und glücklicher zu gestalten vermag. Auch der Gesundheit sind diese Grundsätze dienlich, denn zahllose Menschen ohne organische Schäden „sorgen sich krank“. Zwar wissen die meisten, daß anhaltende Sorgen unsere Kraft verringern und das logische Denken beeinträchtigen; sie glauben aber nicht, daß man etwas dagegen tun kann. In diesem Buch beweist jedoch Carnegie auf Grund seiner erprobten und bewährten Technik, daß man etwas tun kann.Treffend wurde sein Wirken in einem Artikel charakterisiert, der nach seinem Tod in einer Washingtoner Zeitung erschien: „Carnegie wußte, was er tat, und er tat es mit erstaunlichem Erfolg. In seinen Büchern und Kursen hilft er Menschen, Hemmungen abzubauen und – wie es einer seiner Besteller ausdrückt – Freunde zu gewinnen. Millionen sind von seiner Philosophie des gesunden Menschenverstandes beeinflußt worden, die sich als wertvolle Hilfe zu Glück und Erfolg erweist.

Was einem nicht erklärt wird: Sorgen, Angst und Aufregung sind notwendige und natürliche Bestandteile des Lebens. Die Philosophie des „Sorge Dich nicht, lebe“ wird man in keinem Bauernhaus finden, denn Sorglosigkeit hat hier sofort Konsequenzen – dabei ist die Gestalt, die im Sommer mit der Weinflasche über das Feld tanzt und eben genau laut singend jene Philosophie der Sorgenfreiheit verbreitet, altbekannt…. als jener, den man nach der Schneeschmelze tot im Wald wiederfindet – verhungert, erfroren, endgültig sorgenfrei.

Darum mußte die Menschheit warten, bis es Wohlstand im Überfluß gab, bis die Arbeits- und Lebenszusammenhänge soweit entfremdet waren, das die Menschen hilf- und haltlos in der Gegend herumstanden, erst dann konnte man das Gift der asozialen Egozentrik und des lebenslangen Genießertums ohne Reue und Verantwortung in die Welt setzen – die Konsequenzen trug jemand anderes  irgendwo am Ende der Wertschöpfungskette.

Jedem Rentner, jedem Arbeiter, Angestellten und jedem Manager, jedem der auch nur einen Euroschein in die Hand nimmt, müßte man eigentlich sagen: Es klebt Blut an Eurem Geld. Das Blut von Kindern in Afrika, von Frauen in Asien und Mittelamerika, das Blut von Indianern, deren Gold bis heute noch die Sicherheit für unser Geld darstellt, das Blut von Kindern in Europa, die mit ihrer Arbeitskraft die Industrie aufgebaut haben, das Blut der Trümmerfrauen, die ihr mit einer Minirente abgespeist habt.

So etwas hört man nicht gerne, das ist mir klar. Doch wenn man es nicht hört und begreift … wie sollte sich jemals was dran ändern. Am Ende der 25%-Rendite steht irgendwo ein blutiges Kind, eine geschändete Frau, ein verhungerter Mensch.  Gott faxt dem Ackermann das Geld nicht zu.  Aber noch bevor man sich Gedanken über die Zusammenhänge machen darf,  kommt schon der erste vorbei und jubelt: „Sorge Dich nicht, lebe!“.

Dabei geht es gar nicht um Schuldverteilung. Wir alle – sind hereingelegt worden wie die Rinder, denen man Tiermehl untergejubelt hat.  Rinder essen Gras, kein Fleisch – aber man hat sie hereingelegt. Heraus kam: Rinderwahnsinn.

Welche Form von Wahnsinn uns befallen wird, weil man uns Kinderblut in die Wertschöpfungskette gemischt hat, weiß ich noch nicht genau, aber ich bin mir sicher, das die Mehrheit der Menschen in unserer Zivilisation das ablehnen würde, wenn sie zuvor davon gewußt hätten. Haben sie aber nicht – und fühlen sich schuldig, wenn sie davon hören. Nun sind wir aber schon längst keine souveränen Menschen mehr – und das ist die Quelle unserer Sorgen.  Der Bauer (der jeden Carnegie noch vom Land gejagt hätte, weil dieser Urvater aller Unternehmensberater nur jene Probleme lösen hilft, die man ohne ihn gar nicht hätte – jedenfalls als Bauer) wußte noch genau, warum er was tat. Er sah den Wert seiner Arbeit … und seine Arbeit machte noch wirklich frei (ein Satz der später zu einer teuflischen Fratze wurde). Je mehr er arbeitete, umso höher waren die Reserven und umso weniger brauchte er sich Sorgen machen.

Wir jedoch leben in einer anderen Situation. Wir „modernen Menschen“ haben alle – auch die Hartz-IV-Abhängigen – eher den Status von Höflingen. Wer von uns weiß denn noch, wie er sich notfalls vom Wald ernähren kann, bis sich die erste Ernte einstellt? Wer weiß, mit welchem Holz man schnell Feuer machen kann, um überhaupt erstmal die Nächte zu überleben? Wer weiß überhaupt noch, was Wald ist? In Deutschland … haben wir keinen mehr. Kleine Fleckchen noch, aber generell haben wir biologisch toten Nutzwald, der rund um unsere Agrarsteppen herumsteht. Obwohl wir viele Grüne in verantwortungsvoller Position haben, verarmt die Natur auch in Deutschland immer mehr … und je mehr sie verarmt, umso größer wird unsere Abhängigkeiten von der Versorgungsmaschinerie, die in Welt außerhalb der höfischen Demokratien über Leichen geht um unsere Preise niedrig zu halten.

Es stellt sich die Frage, ob wir uns überhaupt noch wehren könnten angesichts dieser erschreckenden Abhängigkeit. Nur die Gnade und die Großzügigkeit der Herrschenden bewahren uns doch noch vor dem Hungertod, kriegen wir keine Arbeit mehr (was schon geschehen kann, wenn wir nur gerechten Lohn fordern) … dann merken wir, wie unendlich hilflos und almosenabhängig wir sind. Ein erbärmlicher Zustand – erst Recht am Hofe des Königs der Welt, wo sich der Reichtum der Erde seit Jahrhunderten ballt bzw. zusammengerafft wird (und von dieser Diebesbeute gibt man uns ein wenig ab. Das nennt man dann: Verteilungsgerechtigkeit).

Aber wenn wir uns dessen bewußt werden, dann wissen wir, woher die Sorgen, Ängste und die Aufregung kommt – die Natur hat uns nämlich nicht umsonst mit diesen Gefühlen ausgestattet. Sie haben wichtige Funktionen, die uns zur Wachheit, Vorsicht und gezielter Lebensplanung anhalten.  Wenn wir also Sorgen und Ängste haben … DANN STIMMT WAS NICHT. So einfach ist das. Brüllt der Löwe in der Nacht, ist´s mit dem Leben bald vorbei, wenn ich mir keine Sorgen mache. Teile ich mir meine Ressourcen nicht ein, droht der Hunger vor der nächsten Ernte. Höflinge natürlich … können sich eine andere Philosophie erlauben:

Positives Denken (nicht zu verwechseln mit „Positiver Psychologie“) geht von der Annahme aus: „Wer Erfolg erwartet, der bekommt Erfolg. Wer Misserfolg erwartet, der bekommt Misserfolg“. Ziel des positiven Denkens ist, durch Autosuggestionen das Bewusstsein und Unterbewusstsein zu beeinflussen. Durch die sog. „self-fulfilling prophecy“, die „sich selbst erfüllenden Prophezeihung“, soll positives Denken auch zu positiven Effekten führen. Ausgegangen wird von der Vorstellung, der Mensch sei programmierbar und es gebe für alle Menschen die eine „richtige Programmierung“.

Vertreter des Positiven Denkens und damit verwandter Themen sind u.a. Dale Carnegie, Joseph Murphy, Erhard Freitag, Oscar Schellbach, Napoleon Hill, Norman Vincent Peale, Anthony Robbins, Brian Tracy, Tom Peters, Vera F. Birkenbihl oder auch Jürgen Höller.

Martin Seligman schreibt dazu in seinem Buch „Der Glücks-Faktor“: „Positives Denken besteht oft darin, sich Dinge einzureden wie «Jeden Tag, in jeder Weise, geht es mir besser und besser» und das auch – ohne jeden Beweis oder trotz dagegensprechender Beweise – zu glauben. Wenn Sie an solche Sprüche wirklich glauben können – bravo! Der Punkt geht an Sie. Vielen gebildeten und in kritischem Denken geschulten Menschen gelingt diese Art der Selbstüberhöhung jedoch nicht.“

Quelle: Glücksarchiv

Der politisch gewünschte Effekt jener krebsartig wuchernden Philosophie ist phantastisch: die Leute sitzen nur noch in ihren Wohnungen und denken sich die Welt schön. Ist ja auch viel einfacher, ohne Verantwortung durchs Leben zu gehen. Doch hier … kommt der Moment, wo das Kinderblut schuldig macht. „Bewußt nicht wissen wollen“ …. ist unverantwortlich. Es ist gemütlich, bequem und hilft bei der ausgelassenen Lebensfreude, ist aber einfach … verantwortunglos.

Und dieser Verantwortungslosigkeit haben wir vieles zu verdanken. Nicht umsonst ist Dale Carnegie Liebling von Handel, Banken und Industrie:

Carnegie ist in Deutschland hauptsächlich als Autor der Bestseller „Sorge dich nicht – lebe” und „Wie man Freunde gewinnt” bekannt. Er gilt aber auch als Begründer der weltweit größten Seminarorganisation für Kommunikations- und Führungstrainings, die heute in aktualisierter Form regelmäßig in 70 Ländern der Welt abgehalten werden.

ManagerSeminare machte sich im letzten Sommer auf in die Provinz, um über einen der etwa 120 jährlich in Deutschland stattfindenden Carnegie-Kurse zu berichten. Unsere Wahl fiel auf Osnabrück, der drittgrößten Stadt Niedersachsens. Dort sind Carnegie-Kurse seit genau 20 Jahren eine feste Einrichtung. Von Anfang an dabei: der Dale Carnegie-Lizenznehmer Hajo Sommerfeld (51) aus Stuhr bei Bremen, der in abwechselnder Kooperation mit der IHK, der Handelskammer oder dem Einzelhandelsverband Carnegie-Kurse durchführt. Seine Teilnehmer gewinnt Sommerfeld über Empfehlungen und Zeitungsanzeigen. Der Dauererfolg der Bücher Carnegies sorgt zusätzlich für Interessenten. Viele Osnabrücker Unternehmen, bei denen Sommerfeld auch interne Workshops zum Thema Qualitätsmanagement durchführt, schicken ihren Führungsnachwuchs „zu Carnegie”, so daß im halbjährlichen Rhythmus immer wieder neue Kurse stattfinden können.

Quelle: Managerseminare.de

Die Kunst, Freunde zu gewinnen, ist für Höflinge in der Tat überlebenswichtig … aber wie weit entfernt ist diese Ethik von derjenigen meiner bäuerlichen Vorfahren: Lewer dod üs slav:  Lieber tot als Sklave sein.

Die Ethik des „Sorge Dich nicht, lebe“ führt auch direkt in die Wirtschaftskrise unserer Zeit: das Leben auf Pump, vor allen in den Quellenländern dieser Philosophie sehr beliebt.  „Iß´ alles heute auf, der morgige Tag sorgt für sich selbst“…. das haben die dann auch gemacht. Heute kaufen, morgen bezahlen … übermorgen pleite.

Aber egal:  Sorge dich nicht, lebe.

Der Vorläufer aller großen Bücher über Positives Denken ist das Werk von Dale Carnegie: Sorge dich nicht, lebe! Viele weitere Autoren folgten: Dr. Joseph Murphy, Napoleon Hill, Norman Vincent Peale und viele weitere.

Die simple Botschaft war stets: Wer Erfolg erwartet, der bekommt ihn. Wer Unglück erwartet, bekommt es auch. Modernere Bücher folgen ergänzend dem Wunsch, immer noch mehr zu nehmen und noch mehr zu genießen. „Nimm Dir doch einfach mehr vom Leben“ …

Quelle: Methode.de

„Nimm Dir doch einfach mehr vom Leben…“ Familien mit einer langen Wegelagerertradition wissen diesen Satz zu schätzen. Andere wissen, das Gott vor den Erfolg die Arbeit gesetzt hat (die uns nun auch noch von den Maschinen weggenommen wurde).

Und diese Philosophie wird – wen wundert es noch – weltweit mit steigendem Nachdruck verbreitet:

Dale Carnegie setzt auf praxisnahe Methoden und Prozesse. Wir entwickeln Programme, die unseren Teilnehmern umsetzbares Wissen, Fähigkeiten und Methoden vermitteln – und einen messbaren Mehrwert bringen, für Sie und Ihr Unternehmen. Dale Carnegie Training ist weltweit führend, Menschen wirklich weiterzuentwickeln und das Beste aus ihnen herauszuholen. Wir verbinden bewährte Lösungen mit den Herausforderungen des modernen Berufslebens – für Ihren Erfolg!

Quelle: dalecarnegie.de

Dort werden jene Geschäftsleute geschult, die lernen, nur auf den Erfolg zu schauen und nicht auf den Preis, den man selbst und erst recht andere dafür zahlen müssen – aber zahlen muß immer jemand.

Da die Methode aus den USA kommt, muß man sich nicht wundern, das auch der liebe Gott seinen festen Platz in ihr hat.

Man sollte denken, das Fernsehprogramm heutzutage wäre schon grausig genug und an Volksverblödung nicht mehr zu toppen. Doch die Kirchen belehren uns eines Besseren und so soll demnächst „Bibel-TV“ auf die Menschheit losgelassen werden. Wie Deutschlands größtes Volksverdummungsorgan meldet, soll heute der Vertrag zur Gründung der Betreibergesellschaft unterschrieben werden. Ab dem Herbst soll es losgehen, 24 Stunden am Tag. Laut Planung soll der Zuschauer mit Bibelversen und Jesus-Filmen beglückt werden. Die dreckigen Finger im Spiel haben – wer sonst? – natürlich die Kirchen, christliche Organisationen und ein Verleger, Norman Rentrop, der die Anteilsmehrheit halten wird.

Rentrops VNR Verlag für die deutsche Wirschaft, trat bisher mit erlesenen Veröffentlichungen wie Besser Leben – Neue Strategien für Ihren persönlichen Erfolg und Das Robbins Power Prinzip in Erscheinung. Dale Carnegie, bekanntgeworden unter anderem durch sein Machwerk Sorge Dich nicht – Lebe läßt grüßen. Im selben Stil geht’s weiter bei Benefit, hier verspricht die Verlagswerbung mehr Gesundheit, ein erfolgreicheres Arbeiten, neue Freunde, den Zustand der Glückseligkeit und die am besten gehüteten Geheimnisse rund um die Kohle. Weiter gibt der Verlag Ratgeber zum Umgang mit abhängig Beschäftigten und dessen Heuern und Feuern heraus. Die obligatorischen Börsentraktate runden den schlechten Eindruck ab. Der Weg des Psalmenfunks an die Börse dürfe dann auch nicht mehr weit sein. Mögen dann die Aktien noch tiefer in den Keller rutschen.

Quelle: Humanist.de

Der Rückgriff auf Religion ist in diesem Zusammenhang geschickt – und notwendig. Letztlich braucht es eine „höhere Macht“ als Garant für den Erfolg der Methode.

So kann es auch nicht wundern, das Bankgeschäfte Gottesdienst werden:

Im Interview outet sich Blankfein als Erfüllungsgehilfe einer höheren Macht: „Wir helfen den Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, Kapital zu bekommen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Und das wiederum ermöglicht es den Menschen, Jobs zu haben, die noch mehr Wachstum und noch mehr Wohlstand schaffen.“ Banken, so seine Schlussfolgerung, haben einen gesellschaftlichen Zweck und verrichten „Gottes Werk“.

Quelle: diePresse

Und gerade im Rückgriff auf die Religion zeigt sich, das „Sorge Dich nicht, lebe“ nur funktioniert, wenn man weite Teile der Realität auch der religiösen Systeme ausblendet:

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Während die Carnegies dieser Welt ihren Willen aufzwingen wollen – womit wir schließen wollen, das ihr Herr ein anderer ist als der, der offiziell genannt wird:

Matthäus 4,8–11:
Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.

…. für Christus gab es noch eine ganze Welt, für die kleinen Kinder Gottes … einen Parkplatz, eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung, einen neuen Job?

Mir scheint, wenn die Legionen Carnegies den Kopf aus dem Sand nehmen würden, würden sie sehen müssen, das sie im religiösen Kontext eindeutig das Werk Satans tun. Da bleibt der Kopf lieber unten und man überläßt die Entscheidungen im Leben über Wirtschaftsordnungen, gerechte Sozialsysteme, Asylpolitik, demokratische Grundordnungen und anderen unwichtigen Kram lieber den Experten, während man sich selber … den schönen Dingen des Lebens zuwendet.

Politisch, ethisch, religiös eine Philosophie im Abseits. Eine Philosophie für verantwortungslose Egozentriker.  Eine Philosophie, mit der man guten Gewissens Schrottimmobilien verkaufen und Blutgeld sammeln  kann … was ja auch der Beweis dafür ist, wie gut sie funktioniert.

Wenn sie aber letztlich nur mithilfe eines Gottes funktionier und dieser Gott im Urteil der Religion derselben Menschen Satan ist … darf man dann die positiven Denker als Satansanbeter bezeichnen?

In ihrem eigenen Kontext: ja. Und nach welchem anderen sollte man sie sonst beurteilen außer nach ihrem eigenen?

Wunderts da noch, das die erfolgreichsten Männer der Welt im Bohemian Grove Rituale feiern, die an Kinderopfer erinnern … ein Ritual, das sie „Begräbnis der Sorge“ nennen?

Mich nicht.

Nach einem alten Sprichwort stinkt der Fisch immer vom Kopfe her.


Die Vernunft – ein Werkzeug der Vernichtung und … der Garten Findhorns

Massenmörder sind unter Umständen extrem vernünftige Menschen. Natürlich stellt sich in uns erstmal alle quer wenn wir so etwas hören. Vernunft hat uns die Demokratie gebracht, Vernunft hat uns die Wissenschaft gebracht, die Aufklärung – und das stimmt ja auch alles. Vernunft hat uns auch Auschwitz gebracht, die Atombombe, die Umweltzerstörung und die Innenweltzerstörung. Vernunft bringt RTL dazu, den Nachmittag mit folterartigen Sendeformaten zuzustopfen, Vernunft gebietet die Kürzung des Regelsatzes auf 121 Euro sowie die Begrenzung seiner Bezugsdauer auf fünf Jahre.  Vernunft führt dazu, das wir Rentner als „Soylent Green“ vermarkten und unser Heil im Weltall suchen werden – dabei haben wir schon ein sehr komfortables Raumschiff namens „Erde“, wir fühlen uns hier nur – vernünftigerweise – nicht mehr so wohl.

Vernunft gebietet die Aufstellung von Atomwaffen und die Planung eines Präventivschlages, Vernunft gebietet Völkermord bei Raummangel und die Erfindung immer perfiederer Massenvernichtungswaffen. Letztlich … empfiehlt Vernunft sogar die Eleminierung des Menschen selbst, der wie eine Krankheit die Erde befallen hat.  Bilderbergerführer Prinz Bernhard von den Niederlanden wollte ja bekanntermaßen als ein solcher wiedergeboren werden. Strikt vernünftig.

„Handele vernünftig“ … sollte als Aufruf  eigentlich schon wegen Verdachts auf Vorbereitung einer Straftat verboten werden.

Somit ist es auch nicht „Gier“ oder „Dummheit“, die uns die Wirtschaftskrise eingebrockt hat, sondern die reine Vernunft. Mal ehrlich: ohne Vernunft fünfundzwanzig Prozent Rendite – das klappt nicht.  Dafür muß man sich schon was einfallen lassen.

Dabei waren wir mal so stolz auf unsere Vernunft, bei Wikipedia findet man was, was die allerdings selbst noch für verbesserungswürdig halten:

Mit Vernunft als philosophischem Fachbegriff wird die Fähigkeit des menschlichen Geistes bezeichnet, von einzelnen Beobachtungen und Erfahrungen auf universelle Zusammenhänge in der Welt zu schließen, deren Bedeutung zu erkennen und danach zu handeln – insbesondere auch im Hinblick auf die eigene Lebenssituation (vgl. Nous). Die Vernunft ist das oberste Erkenntnisvermögen, das den Verstand kontrolliert und diesem Grenzen setzt bzw. dessen Beschränkungen erkennt. Sie ist damit das wichtigste Mittel der geistigen Reflexion und das wichtigste Werkzeug der Philosophie. Dieses als Diskussionsgrundlage immer noch maßgebliche Verständnis von Vernunft steht in der Tradition der Philosophie Immanuel Kants.

Natürlich gibt es Vernunft auch als „Weltgeist“ und „Lieben Gott“ … doch das paßt nun überhaupt nicht in unsere Zeit.

Noch schlimmer wird es, wenn wir uns in das Gebiet der Kleingeisterei begeben und Verstand von Vernunft trennen, nachher noch den „gesunden Menschenverstand“ hinterherschieben – nur um die Heiligkeit der Vernunft zu retten.  Wir brauchen aber im Jahre 2010 die Heiligkeit der Vernunft nicht mehr zu retten, dreihundert Jahre Vernunft haben genug Ergebnisse gezeitigt, das sogar der gesunde Menschenverstand versteht, das es mit der Vernunft nicht weit her sein kann.

Die Theorie, das uns reine Vernunft ins irdische Paradies führen wird, ist leider an den Verhältnissen gescheitert und an etwas, was Kant selber schon erkannt hatte: Vernunft hat in sich keine Moral. Sie kann Grundlage einer Ethik sein, die aber in sich sehr unstabil ist. Nur hat sich Kant keine großen Sorgen um diesen Tatbestand gemacht, da es ja einen Sicherungemechanismus gab: die Religion bzw. die Gewissheit der Existenz Gottes und die Ewigkeit der menschlichen Seele. Mit diesen Sicherheitsmechanismen ausgestattet konnte sich Kant selbst dann nach getaner Arbeit ruhig zur Ruhe betten.

Je mehr dieser Sicherheitsmechanismus verschwindet, umso unmoralischer werden wir.  Auch das ist aber sehr vernünftig. Wenn ich mein Leben mit der Überzeugung lebe, das es mit dem Tod endgültig aus und vorbei ist, dann brauche ich ganz viel Geld, um zwischen Geburt und Tod so viel wie möglich erleben zu können, damit es sich auch gelohnt hat.  Rücksicht auf meine Mitmenschen sollte ich da nicht nehmen, dafür gibt es keinen vernünftigen strategischen Grund, nur einige taktische – sie könnten sich wehren. Somit ist es auch hier geboten, für eine Zeit lang ein halbwegs befriedigendes Sozialsystem zu schaffen … jedenfalls solange, wie man die Rache der Verlierer noch zu fürchten hat.

Kant konnte sich das nicht vorstellen, das Menschen mal derart entwickeln, sonst hätte er sicher seine Betrachtungen revidiert und seine „Schrift zum Ewigen Frieden“ wäre nicht so optimistisch ausgefallen, denn der sollte nach dem Zusammenbruch der letzten Kontrahenten des kalten Krieges eigentlich unaufhaltsam vor der Tür stehen – nur merken wir gerade: das Gegenteil ist der Fall.

Vernunft ist ein Werkzeug – aber nicht nur ein Werkzeug der Philosophie. Sie ist generell nur ein Werkzeug.  Sie zeigt mir an, wie ich von A nach B komme. Besonders drollig wird es, wenn das Erkenntnisinstrument sich selbst mit aller Strenge selbst beurteilt: das führt automatisch zu dem Philosophen der sitzenbleibt wo er gerade saß und vernünftigerweise verdurstet und verhungert. Die Kritikfähigkeit des Werkzeuges Vernunft ist größer als ihre Fähigkeit, Wahrheiten zu schaffen.  So kann sie – vernünftigerweise – noch nicht einmal die Existenz der sinnlichen Wahrnehmung oder des sinnlich Wahrgenommenen beweisen – Generationen von Philosophen haben sich an dem Tisch, der vor ihnen stand, gedanklich die Zähne ausgebissen. Da es Sinnestäuschungen gibt, können wir vernünftigerweise nicht sagen, wann diese Sinne getäuscht werden und wann nicht.

Das hätte zu viel Weisheit, Bescheidenheit und Ruhe im Leben führen können. Stattdessen haben wir (oder sagen wir besser: gewisse Kreise) die Vernunft entfesselt, sie von einem Erkenntnisinstrument zu einem Herrschaftsinstrument gemacht: mit bekannten Folgen.

Für die Vernunft gibt es kein „gut“ und „böse“, deshalb urteilt sie milder – auch wenn Israelis Menschen auf Hilfskonvois erschiessen. Anders als der Hass (der angesichts dieser Aktion mal wieder rundherum ausbrach), fragt die Vernunft: wie kann es dazu gekommen sein. Ihr Ziel ist es, die Funktionsweise von Gewalt zu verstehen, damit solche Ereignisse verhindert werden können … und das dauert, wie unsere Gerichtsprozesse zeigen, zuweilen ziemlich lange. Auch wenn nicht jedes Gerichtsurteil vernünftig ist – die Methodik ist es schon.

Im Rahmen der Erkenntnis funktioniert Vernunft immer noch sehr gut und könnte ich Werk tun, wenn nicht … deutlich erkennbar andere Kräfte am Werk sind, die jeder kennt aber über die nicht gesprochen werden darf, da sie mit einem Tabu belegt worden sind.

Einfach mal morgen auf die Hauptstraße stellen und laut davon predigen, das man a) Gott gesehen hat, b) mit kleinen grünen Männchen einen Rundflug zum Mars gemacht oder c) regelmäßig mit Naturgeistern tanzt – man wird sehen, aus welcher Ecke vehemente Kritik kommt. Seltsamerweise aus der Ecke jener Menschen, die Vernunft für sich gepachtet haben – die Naturwissenschaftler, die Juristen, die Wirtschaftswissenschaftler, die Politiker …. und wir merken schnell: hier geht es gar nicht um Vernunft, hier geht es um Macht – wie bei der Entfesselung der Atomkraft.

Vernunft als Erkenntnisinstrument aus seinen natürlichen Verankerungen gerissen, kann ähnliche Folgen haben wie ein gespaltenes Atom. Sie erlaubt uns, die Grundfesten einer Natur auseinanderzunehmen, die wir überhaupt nicht verstehen. Und immer … müssen wir dazu die Natur zerstören. Wir müssen die Leichen zerschneiden – das war der Beginn der Medizin. Und wenn gerade keine frischen Leichen da sind, dann … triffts eben einen Obdachlosen, der schnell zur frischen Leiche wird. Im Dienste der Wissenschaft spielt das keine Rolle, ist nur vernünftig, so zu handeln.

Bin ich als Arier im Kampf mit dem weltweiten allmächtigen Judentum, so muß ich die Juden vernünftigerweise isolieren so wie es die US-Amerikaner mit den Japanern getan haben. Gehen mir dann Kugeln und Essen aus, so zeigt mit die Vernunft Wege auf, wie ich eine Endlösung erzielen kann.  Bin ich als Moslem mit einer sündigen Frau konfrontiert, so greife ich vernünftigerweise zum Stein. Kommt eine fremde Flotte in meine Hoheitsgewässer und ich will sie dort nicht haben, dann versenke ich sie mit Mann und Maus. Arbeiten mir die Bürger zu langsam und zu unfolgsam, so bastel ich mir eben eine Peitsche in Form der Agenda 2010.

Alles strikt vernünftig.

Das haben auch die Väter der Allgemeinen Menschenrechte gesehen. Angesichts der verheerenden Folgen des Zweiten Weltkrieges haben sie etwas sehr Unvernünftiges getan: sie haben Wahrheiten gesetzt.  Sie haben erkannt, das Vernunft keine Werte schafft und selbst schrecklich mißbraucht werden kann, wenn die Ziele politischer, wirtschaftlicher oder technischer Natur sind. Darum haben sie Regeln geschaffen, die anstelle göttlicher Gebote gestellt worden sind und als absolut unhinterfragbar gelten: die Allgemeinen Menschenrechte. Darüber sollte nie wieder diskutiert werden – was recht unvernünftig ist, aber trotzdem heilsam und erlaubt.

Die Vernunft nun …. ficht die Menschenrechte seit ihrem Bestehen an. Es ist reinweg nur der Glaube der Menschen, der ihnen Kraft und Macht gibt, der Vernunft stehen sie oft genug im Wege herum.

Das läßt mich persönlich mit Erscheinungen wie der Agenda 2010 hadern – und auch die Verdoppelung des Regelsatzes würde mich als Kritiker nicht beruhigen: die Agenda 2010 stellt die Menschenrechte … aus ganz vernünftigen Gründen … in Frage und schränkt sie ein. Die Allgemeinen Menschrechte stehen aber auf einer sehr wackeligen Basis, sie sind nicht seit Millionen von Jahren in Stein gemeißelt noch verkündete sie eine intergalaktische Supermacht mit Waffengewalt vom Himmel herab: sie stellen die unter Schock geborenen Notregeln da, die niemals verletzt werden dürfen, da jede ihrer Verletzungen nach Überzeugung (und Erfahrung) der Unterzeichner der Erklärung der Menschenrechte letztendlich direkt in die Hölle  Ausschwitz führt – vernünftigerweise … früher oder später.

Darum war ihnen die Freiheit des Glaubens so wichtig. Jeder muß glauben dürfen, was ihm gefällt. Und darum sind Menschen, die „alle Ufo-Gläubigen für Spinner“ halten, Feinde der Menschenrechte, obwohl sie sich selber wahrscheinlich für große Verfechter der Vernunft und der Aufklärung halten.

Die Vernunft selbst als Erkenntnisinstrument interessiert sich nicht für Ufos, Geister, Götter, Naturgeister wie jene in Findhorn, die die Kohlköpfe so riesig werden ließen, das sie damit weltweit Aufsehen erregt haben, ohne das das naturwissenschaftlich jemals geklärt worden wäre.  Vernunft hat kein Vorurteil und ist emotionslos wie ein Hammer. Mit dem kann ich auch Häuser bauen oder Köpfe einschlagen.  Ein Beispiel? Nehmen wir dieses Findhorn:

Bald ein halbes Jahrhundert ist es her, dass auf einem windigen Campingplatz an einem schottischen Meeresarm ein botanisches Wunder registriert wurde: Riesige Kohlköpfe und Gurken gediehen auf dem unfruchtbaren Boden, Blumen blühten auf das üppigste. Die Gärtner schrieben den Erfolg ihrer spirituellen Beziehung zur Natur und den Pflanzengeistern zu. Auch Wissenschaftler fanden keine bessere Erklärung. Heute ist Findhorn die größte alternative Gemeinschaft Schottlands – mit Gästen aus aller Welt. Auf dem Programm des Findhorn-Colleges stehen – neben der Kommunikation mit der inneren Stimme – Themen wie ein klima-neutrales Leben und die globale Umweltkrise. Ganzheitliches Leben im Findhorn-Stil ist auf einmal hochaktuell geworden.:

Quelle: SWR.de

Wie oft werden wir angesichts dieser Geschichten (die in diesem Fall auch wissenschaftlich nur als „Wunder von Findhorn“ bezeichnet wurde) die Klage hören, es würde sich hierbei um unvernünftigen Unsinn handeln?

Dabei … ist das kein Feld für Vernunft, das ist ein Feld für Glauben. Vernunft sagt lediglich: wenn Naturgeister bei der Landwirtschaft helfen können, dann ist es in Ordnung, sie einzusetzen. Sie fällt aber kein Urteil über Existenz oder Nichtexistenz von Naturgeistern und der Möglichkeit der Kommunikation mit ihnen.  Wer hier Urteile fällt ist (und hier wiederum vernünftigerweise) jener, der konkrete politische oder wirtschaftliche Interessen an einem ganz speziellen Weltbild hat.

Fragt man sich jetzt, welches Weltbild maximalen Konsum fördert … so finden wir hier vernünftigerweise wieder eine Lösung und erhält eine eindeutige Antwort. Setzen wir anstatt der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte nun Maximierung des  Pro-Kopf-Verbrauches (sprich Aufschwung und Wachstum) ein, so wissen wir, warum alles gerade so läuft wie es läuft.  Lange Zeit können übrigens beide gesetzte Werte problemlos nebeneinander herlaufen, erst, wenn die Ressourcen knapper werden, frisst der Aufschwung die Menschenrechte. Das erleben wir gerade.

So etwas sollte man schon bedenken, wenn Politiker, Wirtschaftler und Techniker wieder mit ihren „vernünftigen Argumenten“ kommen. Vernunft ist … sehr sehr relativ und macht vor Massenmorden nicht halt.

Und der technische Fortschritt, den sie uns gebracht hat … sollen wir den auch verurteilen?

Das fällt schwer. Wenn wir die Kräfte, die wir durch unzweckmäßigen Gebrauch der Vernunft entfesselt haben, beherrschen, dann ist das alles ganz in Ordnung. Vernichten wir dadurch irgendwann die Lebensgrundlagen der Menschheit komplett, dann war das nicht in Ordnung.  So einfach ist das. Wie es momentan ausschaut, haben wir Probleme, die entfesselten Gewalten wieder in den Griff zu bekommen.  Das wäre dann … Pech für uns.


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