Esoterik

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Über Microsoft-Esoterik und „den Geist, der stets verneint“ (Warum uns unser Bauchgefühl zielsicher ins Unglück führt)

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Karnak-Tempel, Ägypten (Foto: pw/nachrichtenspiegel.de)

Da systemische „Aufstellungen“ (ursprünglich nach Bert Hellinger) ja nun schon seit längerer Zeit en vogue sind und auch bei seriösen Business-Coaches und Psychotherapeuten zu deren Standard-Bauchladen gehören, hier auch eine kleine Randbemerkung bzw. einen Verbraucherschutzhinweis, den Ihr Arzt oder Apotheker normalerweise nicht geben
(aus Zeitgründen nur als c&p meines Kommentars zu einem entsprechenden Erfahrungsbericht des Eifelphilosophen auf Facebook):

Hab das ganze mal bei einem betrieblichen Coaching erlebt. Der Betrieb war kurz vorm Konkurs und der Geschäftsführer, der sich immer ach so gestresst gab und sich für seine viele Arbeit gleich zwei parallele Gehälter genehmigte, war an diesem Abend abwesend – hatte natürlich keine Zeit für solches Gedöns. Was ihm dann auch zum Verhängnis wurde: Denn bei der Systemaufstellung hat sich herausgestellt, dass dieser Chef eigentlich nichts macht, sondern sich bequem zurücklehnt, während an ausnahmslos allen anderen Stellen der Mitarbeiter das Gefühl der totalen Verausgabung wie kurz vorm Burnout erlebbar war.

Der Chef wurde in der Folge durch eine Verschwörung von uns Mitarbeitern (ja, die gibts im echten Leben doch) abgesetzt. Firma war kurz darauf gerettet, Betriebsklima auch.
Können also zweifellos etwas Nützliches haben, solche Aufstellungen (muss dazusagen, dass es dazu schon auch eine Prise klarer Gedanken / Ideale gebraucht hat).

Pass trotzdem gut auf bei diesen „Aufstellungen“, Reiner. Sie können bei vorhandener Übersicht zwar evtl. zur ersten Bewusstwerdung familiärer Systeme und Verstrickungen dienen. Wenn jedoch kein neuer, klarer Gedanke dazukommt, dann führt das Ganze eher zu einer Konservierung der Schicksalsfäden als zu einer Befreiung, da die aus dem Unterbewussten aufsteigenden Emotionen auch die obere (bewusste) Region des Menschen (Kopf und Herz) gefangennehmen können. Das einzige, was Familienverstrickungen – und Systeme überhaupt – ändern kann, sind klare, neu aufgebaute Gedanken bzw. ideale Zielvorstellungen. Und an denen fehlt es beim Familienstellen meistens – ebenso wie beim größten Teil der sonstigen „esoterischen“ Angebote.

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Nachbemerkung zur heutigen „Esoterik“:

Gäbe es heute wirkliche Esoterik, sie würde vom System der herrschenden Lehre streng bekämpft. Warum „Esoterik“ (die diese Bezeichnung nicht verdient, eigentlich müsste man sie Jahrmarkt-Exoterik nennen) heute so boomt und trotz äußerem Naserümpfen im System durchaus erwünscht ist – sogar bei Konzernen wie Google, Microsoft & Co. wird ja mittlerweile „meditiert“ (natürlich streng „gegenstandslos“), hat einen ganz pragmatischen Grund: Die Menschen bleiben dadurch vom System steuerbar. Denn die heute feilgebotene Jahrmarkt-Esoterik lässt den Menschen in einem Suppentopf an diffusen – und insbesondere eogistischen – Gefühlen und Emotionen kreisen, verachtet das klare Denken, sieht das Denken sogar richtiggehend als Feind an. „Auf das Bauchgefühl“ müsse man hören, das Denken „abschalten“, „nur dem Herz folgen“ etc. … um die Menschen aus dem Coaching dann schließlich mit dem Imperativ „Tu was Dir gut tut!“ nach Hause zu schicken.


„Kopf ab“ (Foto: pw/nachrichtenspiegel.de)

Das Problem dabei: Ohne substanziellem Gedanken – nicht zu verwechseln mit intellektuellem Gedanken, der tatsächlich strunzdumm ist – verstrickt man sich, ohne es zu merken, immer tiefer in seine Subjektivität bzw. in seine unbewussten Bindungen, anstatt sich als Mensch durch ein fortwährendes Goethe’sches „Stirb und Werde“ weiterzuentwickeln („Und wer das nicht hat, dieses ‚Stirb und Werde‘, der ist nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde“). Der mutige, kreative Neuwerdeprozess bleibt aus, das Alte und Gewohnte, insb. Anlagen zu Abhängigkeit, Symbiose und Krankheit werden sogar einzementiert. Besonders problematisch: Der Egoismus mit allen seinen Untugenden im Schlepptau – für alle echten Philosophen die wirklichen (inneren) Feinde des Menschen – können den Menschen nun vollendet umgarnen. Viele wollen heute durch esoterische Techniken einen persönlichen Gewinn ziehen, sie saugen die esoterischen Inhalte quasi auf, um sich besser, vitaler, glücklicher zu fühlen. Und verkennen dabei, dass sie damit geradewegs im Gegenteil von dem gelandet sind, was ursprüngliche Esoterik (das „Innere, Verborgene“, von altgriechisch esōterikós) im Sinne von Pythagoras, Platon, Zarathustra & Co. gemeint hat.

Denn was diese ihren Schülern eröffneten, konnte ein Mensch bei gewöhnlichem Bewusstsein kaum ertragen. Wer also zu Zeiten des Pythagoras in die Esoterik eingeweiht werden wollte, der musste sich zuvor in einer langwierigen Schulung und unter Ablegung eines Todeseides von allen egoistischen Ambitionen frei machen und sich quasi zu einem astreinen Altruisten entwickeln, der dasjenige, was er erfahren hat, nur zum Wohle der Menschheit einsetzen wird. Erst dann konnte ihm die Einsicht in dasjenige, was Plato die lebendigen Urbilder genannt hat, eröffnet werden – meist im Zuge eines dreitägigen, künstlich herbeigeführten Todeszustandes bzw. „Tempelschlafs“ unter gestrenger Aufsicht der Hierophanten.

Manche römische Cäsaren haben sich später die Einweihung von den noch verbliebenen griechischen Eingeweihten mit Gewalt erzwungen und damit das, was aus der griechischen Tradition noch als durchaus authentische Lehre gelebt hat, bereits mit Beginn der Römerzeit in die Dekadenz geführt. Letzte Reste eines Einweihungsraumes kann man z.B. noch im ägyptischen Luxor sehen, wo in der Mitte des Karnak-Tempels, flankiert von den beiden Obelisken der Pharaonin Hatschepsut, ein kleiner, früher aus Lehm, später von Alexander dem Großen aus Granit neu errichteter Raum ohne Fenster steht. Hier wurden die Einzuweihenden in den Tempelschlaf versetzt. Nur derjenige durfte zu einer solchen Einweihung antreten, der zuvor schwere, oft tödlich endende Prüfungen abgelegt hatte, bei denen er seine charakterliche Integrität und seine Meisterschaft über Untugenden (Gier, Hochmut, Lüge, Ignoranz etc.) und emotionale Anflüge unter Beweis stellen musste.


Karnak-Tempel, Portal zum Einweihungsraum (Foto: pw/nachrichtenspiegel.de)

Was der Einzuweihende während seines Tempelschlafs erlebt hat (beim römischen Geschichtsschreiber Plutarch und bei Iamblichos ist noch so manches nachzulesen), ist wohl vergleichbar mit dem, was man von heute eigentlich bereits sehr umfassend dokumentierten Nahtodes- und Komaerlebnissen weiß und worauf auch die Quantenphysik stößt: Der Mensch ist aus seiner körperlichen Hülle und begrenzten Sinneswahrnehmung befreit und schaut die hinter den Dingen verborgenen Platonischen Urbilder – die keineswegs starr oder abstrakt sind, sondern die sich fortwährend metamorphosieren, und zwar nicht willkürlich und zufällig so wie das die derzeit herrschende Lehre der Wissenschaft besagt, sondern entsprechend der Interaktion von Wesen aus höheren Daseinsebenen – deren er sowohl freundliche als auch feindlich gesonnene kennenlernen durfte – und eben auch entsprechend dem Denken, Fühlen und Handeln des Menschen selbst. Was der Adept aus einer solchen Einweihung mitgebracht hat, war also vor allem das Wissen um die tiefe Verantwortung, die jeder einzelne Mensch für den gesamten Schicksalslauf der Welt besitzt, auch wenn er sich dieser im Treiben des äußeren sinnenfälligen Lebens nicht bewusst ist.

Ihm war dann auch bewusst, dass im Weltenlauf nichts feststeht. Zwar gibt es entsprechend der besagten Platonischen Urbilder einen gewissen Plan für die Richtung, in die sich Mensch und Welt entwickeln können / sollten, jedoch liegt es ganz im freien Willen, welche Richtung der Mensch wählt. Wir können diese wunderbare Schöpfung, die uns umgibt, zu etwas noch Großartigerem verwandeln. Oder wir können auch alles vollkommen zerstören und in den Grand Canyon marschieren. Zu letzterem Weg weist uns Goethes „Geist, der stets verneint“ – und der auch in unserer eigenen Brust bzw. unserem Bauch wohnt, den zielsicheren Weg. Und da es anscheinend keine Eingeweihten mehr gibt, laufen wir diesem Führer frenetisch jubelnd und fröhlich pupsend hinterher …


P.P.S.: Auch wenn es heute keine Eingeweihten und keine Esoterik mehr gibt: Die wenigen Krümel bzw. Samen, die von der echten Philosophie (wörtl. griech: der Liebe-zur-Weisheit) von Pythagoras & Co. übriggeblieben sind, reichen trotzdem aus, um auch heute noch ein sinnerfülltes und begeistertes Leben zu führen. Wer diese Samen einwässert, kann die Schotterwüste seines Vorgartens (siehe „Gärten des Grauens“) recht schnell in ein ansehnliches, duftes  Blumenfeld verwandeln.

 

Zum Weiterlesen:

„Wer vom Ziel nicht weiß …“ – Über Sinn und Unsinn des Lebens

Warum überhaupt noch denken? (Ein Survival-Kit für die Apokalypse)

 

Dokumente deutscher Dämlichkeit: Montagsdemos – wer für Frieden ist, ist ein Nazi.

Dokumente deutscher Dämlichkeit: Montagsdemos - wer für Frieden ist, ist ein Nazi.

Samstag, 19.4.2014. Eifel. Große Aufregung erhebt sich gerade in Deutschland. Ein wildes Getöse geht um in der Facebooklandschaft: Jutta Ditfurth entfreundet alle Facebookfreunde, die „KenJebsen“ gelikt haben. Ich weiß, dass hört sich an wie der Anfang von einem sehr schlechten Witz, ist aber Realität. Das kann man auch noch nachvollziehen. Seitdem Ken Jebsen (Künstlername) der Bundeskanzlerin einen Brief über „Nationalzionisten“ geschrieben hat, die „Israel besetzt halten“  (ich verlinke solche Gülle nicht, wer sich hier für das Original interessiert, muss selber arbeiten), kann der sich in meinen Augen auch eine Hakenkreuzarmbinde gönnen: ich bin diese hinterhältigen Versuche, Hitlers Judenmorde im Nachhinein schön zu reden oder vielleicht neue Judenprogrome (diesmal im Kampf gegen „Zionisten“, wie man den Juden als Eingeweihter heute nennt)  zu initieren, um sein Werk beenden zu können, endgültig leid.

Es ging aber nicht nur um KenJebsen – es ging auch um die neuen Montagsdemos. Wie der geneigte  Leser vielleicht mitbekommen hat, hat der Osterhase uns in diesem Jahr eine kleine Weltkriegsgefahr ins Nest gelegt. Deutsche Medien hatten schon 2013 beschlossen, den russischen Präsidenten Wladimir Putin in breiter Front als unerträglichen Unhold darzustellen, der einfach nur – hach – unerträglich ist. So unerträglich, dass er eigentlich weg muss … aber das sagt man nicht gerne so deutlich. Da der selbst bei seinem Volk sehr beliebt ist und sich – anders als unsere Politiker – stundenlangen Fragenmarathons im TV stellt (siehe Spiegel) und sich somit demokratischer gebärdet als des politische Personal Deutschlands, geht das nicht so leicht … außer vielleicht durch einen kleinen Krieg?

Nun – diese Kriegsgefahr, dieses irrationale und unerklärliche Umschlagen der Politik des demokratischen Westens in völkerrechtswidrige Angriffskriege haben wir schon oft erleben dürfen – selbst dann, als die Friedensbewegung selbst an den Hebeln der politischen Macht drehen durfte: Bomben auf den Kosovo läuteten ein ganz neues Kapitel deutscher Außenpolitik ein – wie 1939-1945 lösten wir Konflikte (auch jene, die es ohne uns gar nicht gegeben hätte) wieder mit Bombenterror. Diesmal war es allerdings nicht der Hitler, diesmal waren es SPD und GRÜNE – was sich auch eher wie ein Witz anhört. Die haben auch nichts dazu gelernt, tönt doch der SPD-Außenminister gerade herum, dass er „Russland zum Krieg bereit“ sieht(siehe Welt), obwohl die Nato selbst die Journalistenlegenden über den angeblichen Großaufmarsch russischer Truppen in Zweifel ziehen (siehe Spiegel).

Nun entschieden sich einige Leute, zu Montagsdemos für den Frieden aufzurufen. Ich bekam davon nichts mit – so weitreichend scheinen die Aufrufe also nicht gewesen zu sein. Das erste, was ich davon mitbekam, war, dass man da nicht hingegen sollte, weil da auch „Rechte“ bei seien. Also: „böse Menschen“. Dabei ist „rechts“ zu sein im Prinzip nicht verboten – einfach mal die Merkel fragen. Aber natürlich: Antisemitismus hatte schon mal schlimme Folgen. Die Warnungen vor den „Rechten“ nahmen mehr und mehr zu, letztlich schlossen sich sogar die deutschen Leitmedien der Warnung an: Spiegel-online machte daraus ein ganz großes Thema und löste so elegant auch ein Phänomen der Gegenwart: die vielen kritischen Stimmen von Lesern (quer durch alle Medienformate) gegen die Putin- und Russenhatz in den deutschen Medien (nahezu ausschließlich vorgenommen von Absolventen privater „Journalistenschulen“ – was natürlich ganz unbedenklich ist) seien in einer Riesenverschwörung bei Facebook begründet. Eine Verschwörungstheorie – ja! Aber eine von den „guten“ – deshalb ist sie ok. Dort findet Antisemitismus statt, weil dort Antisemitisten sind – eine erstaunliche Schlußfolgerung. Antisemitismus findet in ganz Deutschland statt, sogar ein Mitherausgeber des Spiegel geriet schon in die Kritik: ist Deutschland deshalb ein judenfeindliches, antisemitisches Land zu nennen?

Es wurde sogar die ganz große Keule geschwungen: dort gibt es „Antiamerikanismus“. Seit wann ist „Amerikanimus“ selbstverständliche Pflicht in Deutschland? Sind wir Religion geworden? „Verschwörungstheorien“ tauchen dort auf, wie grausam. Etwa wie die über die Lüge der aus den Brutkästen geraubten Babys in Kuweit, die Massenvernichtungswaffen im Irak oder die außergerichtlichen Massenexekutionen ferngesteuerter US-Drohnen … oder etwa der völkerrechtswidrige Kosovokrieg der deutschen Edelgrünen? Oder etwa die Theorie, dass die NSA Deutschland abhört, als seien wir ärgste Feinde? Und – huch – es taucht auch „Esoterik“ auf. Ganz schlimm: die Mystik des Zen-Buddhismus, die Schriften von Platon und Pythagoras oder die schon von Krankenkassen bezahlte Akupunktur bedrohen wirklich die Grundfesten des zivilisierten Abendlandes. Inhaltslose Worthülsen, als „Argumentationsdusche“ aneinandergereiht gehören zu den grausigsten Methoden erfolgloser Staubsaugervertreter – aber vielleicht lernt man das ja gerade auf den privaten Journalistenschulen.

Und – wie bequem: so könnte man sämtliche (von mir inzwischen täglich gelesene, häufig sehr intelligente, witzige, freche) Kritik an der einseitigen (und bezahlten)Berichterstattung deutscher Edelfedern dem wiedererstarken des Nationalsozialismus in die Schuhe schieben. Nicht nur Putin ist Hitler, sondern jeder, der die USA kritisiert, ist ein Hitler (oder befindet sich in einer „pubertären, antiamerikanischen Nische“ – wie uns ein weitere Spiegel-Artikel erklärt, für den ich jetzt mal keine Werbung mache). Jeder, der für ihre Arbeit bezahlte Journalisten kritisiert oder eine andere Meinung als sie hat, ist ein Hitler. Wer bei Facebook mit Anonymus vernetzt ist, ist ein Hitler. Wer Facebookfreunde hat, die KenJebsen liken, ist ein Hitler. Wer keine Schwulen liebt, ist ein Hitler. Wer Vegetarier ist, ist ein Hitler. Wer für Tierrechte eintritt, ist ein Hitler. Wer gegen Zinsen ist, ist ein Hitler. Wr für die Occupy-Bewegung ist, ist ein Hitler. Wer gegen den Kapitalismus ist, sowieso.

So jedenfalls kommt es einem vor, wenn man die Hysterie erst halbwegs verdaut hat. Wird es dann ruhiger, wird es Zeit für Besinnung (übrigens auch eine Form von „Esoterik“, als Meinungsbildung auch eine Form von „Verschwörungstheorie“ … eine Worthülse, mit der inzwischen alle unabhängige Meinungsbildung in den Dreck gezogen wird, ohne das dies den pubertären Edelfedern überhaupt auffällt).

Man kann erschrocken darüber sein, dass die Montagsdemos von Faschisten unterwandert sind. Man kann erschrocken darüber sein, dass Medien, Polizei, Parteien, Sozialverbände und Kirchen von Nazis unterwandert sind – und ich selbst habe mir genug Ärger eingehandelt, in dem ich noch ein paar mehr gefunden habe.

Ich gehöre aber zu den Menschen, die erleben durften, dass linke Grüne gerne andere Länder bombadieren: ja, da habe ich auch an meiner Wahrnehmung gezweifelt. Für mich ist „links“ nicht mehr automatisch „gut“; seit der Einführung von Hartz IV (und der immer halbherzigeren Kritik der „Linken“ daran) halte ich einige linke Strömungen in Deutschland (zum Beispiel SPD und Grüne) für extrem anfällig für das Gedankengut um den Spruch „Arbeit macht frei“, der – ich hoffe, da liege ich richtig – mal richtig echt „rechts“ war. Jedenfalls stand er auf den Konzentrationslagern, in die man die Arbeitslosen gesteckt hatte.

Natürlich ist Antisemitismus schlimm: er steckt hinter 90% der aus Deutschland kommenden Israelkritik, die immer vergisst, dass es ohne Deutschland kein Israel gegeben hätte, wir (als Land) also die eigentliche Ursache für „Zionismus“ sind … und nicht unheimliche Weltverschwörer.

Natürlich ist auch der Missbrauch mystischen Gedankengutes schlimm – man sollte jedoch bedenken, dass die Abwehr hier leichter viele, gäbe es mehr Bildung zu dem Thema … und weniger unfundierte Meinung.

Bei den Montagsdemos bin ich aber jetzt den Idioten fast auf den Leim gegangen: wenn angesichts der aktuellen politischen Lage (in der schon deutsche Truppen an die Ostfront verlegt werden) Menschen sich für den Frieden auf die Straße stellen, dann IST ES EGAL, was sie sonst noch so denken. FRIEDEN – ist eindeutig ein höheres Gut als jene Werte, die einen den rechten Rand der Politik mit Argusaugen beobachten lassen. Es ist also VÖLLIG EGAL, was diese Leute von den Montagsdemos sonst noch so denken.

Erstaunlich – oder?

Im ersten Reflex war ich auch der Meinung: das ist ein Riesenpfui, da sollte man nicht hingehen.

Aber es geht hier um Frieden. Bricht der Krieg erstmal aus, ist für feingeistige Haarspaltereien politischer Kaffeehausrevoluzer kein Raum mehr, dann sterben Millionen unschuldiger Menschen einen grausamen Flammentod … und ich soll das begrüßen, nur weil da auch politisch Andersdenkende auftreten? Lieber Atombomben auf Nürnberg als Jürgen Elsässer als Vortragsredner? Ehrlich?

Die ganze Affäre – ein einziges Dokument deutscher Dämlichkeit. Hirnlose Phrasendrescher versuchen Politik zu machen … vielleicht ist das die einzige funktionierende Erklärung für die Entsendung deutscher Soldaten in den Kosovo durch die Politiker der Friedensbewegung.

Und Jutta Ditfurth? Veröffentlicht gerade fast täglich Bilder mit Hüten aus Alufolie. Soll wohl irgendwie lustig sein – ist wohl ein Witz für „Eingeweihte“. Ich erinnere mich da lieber an andere Aussagen von ihr, Aussagen, die man heute nicht mehr machen darf, siehe Cyberweiber

Was vielleicht auch andere Ursachen hat, wie Ditfurth andeutet: so gab ihr als Parteisprecherin nach erfolgreicher Bundestagswahl 1987 das US-Aussenministerium zu verstehen, man wolle sie „näher kennenlernen“, was sie als eine ihrerseits „äusserst unerwünschte“ Kontaktaufnahme der CIA verstand. Schliesslich wurde eine Vortragsreise Ditfurths in den USA genützt, bei der sie einmal vor einem „sonderbaren Publikum“ referierte – unter anderem VertreterInnen der Deutschland-Abteilung der CIA, von NATO- und US-Militär, von republikanischen Think-Tanks und State Department. Sie sprach NATO-kritisch über deutsche und US-Aussenpolitik und wurde dann von einem hohen Offizier „angebrüllt“: „ohne Zustimmung der USA hätte es die Grünen nie gegeben!“

Da würde man hellhörig werden uns sich fragen: wie groß ist der Einfluss der USA in Deutschland eigentlich? Da der Amerikanismus uns verpflichtet, alle Informationen, die die USA in ein schlechtes Licht stellen, zu ignorieren, fragen wir uns lieber gar nicht.

Die gleiche Affäre gibt es noch mal mit anderen Schwerpunkten, hier bei lightways aus dem Artikel „Zahltag, Junker Joschka“ von Jutta Ditfurth:

Etwa 1986 überbrachte man mir das Ansinnen des US-Außenministeriums, mich „näher kennenlernen“. Meine klare Abfuhr gefiel nicht, so nutzte man meinen Aufenthalt in Washington, wo ich auf Einladung einer Universität einen Vortrag über die deutsche Innen- und Außenpolitik hielt, für ungebetene Annäherungen. Es kam – unter Beobachtung der deutschen Abteilung der CIA – zu heftigen Auseinandersetzungen mit Vertretern des US-Militärs, des Außenministeriums und des Reaganschen Think-tanks: Ich griff z.B. die US-Außenpolitikin Nicaragua an und dieNato. Dennoch wurde ich aufgefordert, eine Studie über meine Partei zu erstellen. Ich lehnte ab, und mir wurde vorgehalten, daß zwei Grüne, einer davon Lukas Beckmann,ihre Arbeit bereits angeboten hatten. 

Also arbeiten führende grüne Politiker für die CIA? Darüber dürfen wir heute nicht mehr nachdenken, das wäre „Verschwörungstheorie“ – und wir wären damit Nazis.

Ich denke da an einen älteren Artikel des Schweizer „Tagesanzeigers“ aus dem Jahre 2009. Tum Curley, Chef der Nachrichtenagentur AP, war der Kragen geplatzt:

Die Bush-Administration hat das US-Militär in eine globale Propaganda-Maschine verwandelt. Tom Curley, Chef der amerikanischen Nachrichtenagentur AP, kann dazu nicht mehr länger schweigen. Am Wochenende referierte er an der Universität von Kansas vor Journalisten über den Druck des US-Verteidigungsministeriums auf seine Berichterstatter in Kriegsgebieten wie Irak oder Afghanistan. Sein Fazit: «Es wird langsam unerträglich.» Hohe Generäle hätten gedroht, dass man die AP und ihn ruinieren werde, wenn die Reporter weiterhin auf ihren journalistischen Prinzipien beharren würden.

Ist es jener Druck, der deutsche Journalisten im Jahre 2014 zum hemmunglos unkritischen Amerikanismus verdammt? Es lohnt sich, den Artikel weiter zu studieren:

Das US-Militär hat seine Propagandaabteilung gewaltig ausgebaut. Nichts wird unversucht gelassen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Laut AP-Recherchen verfügt das Pentagon über 27’000 Personen, die ausschliesslich für die Öffentlichkeitsarbeit (PR, Werbung, Rekrutierung) zuständig sind. Zum Vergleich: Das gesamte US-Aussenministerium mit Hillary Clinton an der Spitze beschäftigt rund 30’000 Personen. Die PR-Maschinerie des Militärs kostet die Steuerzahler jährlich 4,7 Milliarden Dollar. Seit 2004 sind die Ausgaben um 63 Prozent gewachsen. Wozu diese Mittel genau eingesetzt werden, bleibt meist geheim.

Nun – für die Beeinflussung der Berichterstattung in Deutschland braucht man keine 27 000 Leute. Da reichen ein paar Dutzend Chefredakteure – und schon wird aus Antiamerikanismus ein inoffizieller Straftatbestand.

Ob man die Grünen für den Kosowokrieg auch bezahlt hat?

Auf jeden Fall haben wir nun einen hinreichenden Grund dafür, zu erkennen, warum man ein Nazi ist, wenn man für den Frieden ist.

Oder einen Artikel wie diesen hier schreibt. So verrückt ist die Welt gerade wieder mal geworden.

Vielleicht brauchen wir aber wieder einen Weltkrieg, um zu verstehen, dass FRIEDEN wichtiger ist als die Gesinnung jener Leute, die zu einer Demonstration für ihn aufrufen. Und wem deren Meinung nicht passt, der kann ja mit demonstrieren und krude Geschichtsfälschungen im Dialog gerade rücken. Aber nur fernbleiben, alle als Nazis deklarieren und schon mal Namenslisten für stalinistische Säuberungen erstellen (ein anderes Hobby linker Facebookkommunisten), ist vielleicht zu wenig, um ein neues Kosovo zu verhindern.

Auch dort galt es, gegen Hitler zu Felde zu ziehen.

 

Wo leben wir eigentlich? Über Fußfesseln für Arbeitslose, Zwangsentwöhungen von Rauchern und die Macht archaischer Mythen im Alltag

Mittwoch, 5.12.2012. Eifel. Draussen ist es noch dunkel, ich kann momentan keine Wetterprognose wagen. "Dunkel" heißt hier in der Eifel: man sieht schwarz. Pechschwarz. Bei uns ist Nacht noch Nacht. Vielleicht ein Grund, warum es mir so leicht fällt, hinter harmlosen Nachrichten so fürchterliche Entwicklungen zu vermuten. Manchmal tauchen ja Menschen hier auf die sagen: "hier wird zuviel über die Hitlerei geschrieben. Jeden Tag ein Hitler: das ist zuviel". Umgekehrt wird ein Schuh daraus: man kann aktuell soviel über Hitler, die braunen Horden und schwarzen Orden reden, weil in den Wohlfahrtsjahren der Republik fern von allen wirklichen Herausforderungen des Lebens schon längst wieder genug Gesochse nachgewachsen ist, das völlig immun gegen Warnungen ist, diesen Weg nochmal einzuschlagen und deshalb den alten Pfad wieder eingeschlagen hat. Das ist auch nicht verwunderlich: Adolf Hitler ist etwas ganz Geniales gelungen, etwas, über das wir heute kaum noch reden dürfen. Mit Hilfe esoterischer Bilderwelten ist er an die Macht gekommen, Bilderwelten, die  seit dem Mittelalter tradiert wurden (u.a. von der Thule-Gesellschaft) und seitdem auch beständig wieder ihre Gültigkeit bewiesen haben.

Mittwoch, 5.12.2012. Eifel. Draussen ist es noch dunkel, ich kann momentan keine Wetterprognose wagen. „Dunkel“ heißt hier in der Eifel: man sieht schwarz. Pechschwarz. Bei uns ist Nacht noch Nacht. Vielleicht ein Grund, warum es mir so leicht fällt, hinter harmlosen Nachrichten so fürchterliche Entwicklungen zu vermuten. Manchmal tauchen ja Menschen hier auf die sagen: „hier wird zuviel über die Hitlerei geschrieben. Jeden Tag ein Hitler: das ist zuviel“. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: man kann aktuell soviel über Hitler, die braunen Horden und schwarzen Orden reden, weil in den Wohlfahrtsjahren der Republik fern von allen wirklichen Herausforderungen des Lebens schon längst wieder genug Gesochse nachgewachsen ist, das völlig immun gegen Warnungen ist, diesen Weg nochmal einzuschlagen und deshalb den alten Pfad wieder eingeschlagen hat. Das ist auch nicht verwunderlich: Adolf Hitler ist etwas ganz Geniales gelungen, etwas, über das wir heute kaum noch reden dürfen. Mit Hilfe esoterischer Bilderwelten ist er an die Macht gekommen, Bilderwelten, die  seit dem Mittelalter tradiert wurden (u.a. von der Thule-Gesellschaft) und seitdem auch beständig wieder ihre Gültigkeit bewiesen haben.

In Zeiten größter Not hat er den Deutschen etwas präsentiert, was alle europäischen, alle westlich orientierten Völker sich erhoffen: die Rückkehr König Arthurs und der Ritter der Tafelrunde. Es ist einer der mächtigsten europäischen Mythen (in Deutschland u.a. als Kyffhäusersage bekannt) und jemand hat Hitler geraten, sie 1:1 in den politischen Alltag zu übersetzen: das funktioniert immer, vor allem, wenn die Not groß ist. Man braucht einen Führer, der auserwählt ist (z.B. von „der Vorsehung“), man braucht eine tapfere Ritterschaft (SA und SS) und einen runden Tisch (Himmler und die SS-Ritter auf der Wewelsburg): schon funktioniert das (ebenso mit Stalin, dem heiligen Marx, der „Geschichte“ und den Polit-Kommissaren). Natürlich muss die Not groß sein – und der Bildungsgrad der Bevölkerung gering. Wenn alle sehen, das hier nur alte archaische Muster von politischer Macht missbraucht werden, funktioniert der Trick nicht – er wirkt albern. Wenn keine Not ist, funktioniert der Trick auch nicht. Genau eine solche Zeit haben wir aber gerade: die Not ist groß, die Zustände unerträglich (und sie werden Tag für Tag unerträglicher) und die Funktionsweisen esoterischer Machtausübung sind weitgehend unbekannt – obwohl Hitler sie vorgelebt hat und man bis heute in rationalen Kreisen rätselt, was in jenen dunklen Jahren (über die man generell lieber schweigt) denn geschehen sein konnte. Doch – wenden wir uns zuerst mal den dunklen Zeiten zu, die auch heute wieder laut nach dem gerechten König Arthur und seinen tapferen Rittern rufen – dazu müssen wir einfach mal in die Zeitschrift Capital sehen – bevor sie auch ausgelöscht wird.

Dort erkärt uns der Ökonom Jeffrey Sachs in drei Artikeln die Ursachen und Probleme dieser Zeit: ausgehend von der Globalisierung, die eine Goldgrube für Superreiche ist, kommt es zunehmend zu einem moralischen Verfall, der sich in den Methoden der Großkonzerne niederschlägt. Sie lügen, bestechen und vertuschen um sich dort Vorteile zu verschaffen, wo der Markt als solcher schon lange nicht mehr gewünscht ist. Das führt international zu einem Klima, das aus großen Ländern Egoisten im Endstadium werden lässt, die nicht mehr in der Lage sind, sich den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angemessen zu stellen:

Die Weltwirtschaft steckt in einer Nachhaltigkeitskrise, wo Ressourcenknappheit und Umweltkrisen zu großen Preisschocks und ökologischer Instabilität führen. Wirtschaftliche Entwicklung muss durch Techniken und Lebensstile, die den gefährlichen Druck auf die Ökosysteme der Erde verringern, schnell zu nachhaltiger Entwicklung werden. Auch dies erfordert ein Ausmaß globaler Zusammenarbeit, das bis jetzt nirgendwo sichtbar ist.

Wir stehen vor einer nie dagewesenen Weltwirtschaftskrise – für die vor allem die nordatlantischen Staaten schlecht aufgestellt sind. Aber was tun wir – als Nordatlantiker? Planen den Einmarsch in Syrien, weil dort – wie immer, wenn es gerade notwendig ist – Massenvernichtungsmittel vermutet werden (siehe Spiegel). Die USA verbessern ihre strategische Position gegenüber Russland und China. Noch wäre ein großer Krieg im Nahen Osten inklusive ein paar Seeschlachten im Eismeer und im Pazifik das Jugendelexier, das unsere darbende Wirtschaft wieder beleben könnte – weshalb die Aufrüstung Saudi-Arabiens auch alternativlos ist.

Wir können von dieser großen Perspektive auch jederzeit zurückschalten – zum Beispiel mit Fokus auf Griechenland, jenem Ort, wo die Superreichen augenblicklich ihren Zapfhahn angebracht haben, um europäische Steuerbillionen abzusaugen. Ja – die Superreichen in den USA sehen die Welt so wie Jeffrey Sachs, wollen aber am Ende nicht ganz mittellos dastehen. Deshalb frisst man sich zuerst an ein paar Freunden satt, bevor man sich den eigentlichen Feinden zuwendet, siehe Manager Magazin:

Nicht nur die Griechen freuen sich über das neue Rettungspaket von Euro-Zone und IWF. Auch Spekulanten reiben sich die Hände. Der geplante Rückkauf von Hellas-Bonds lässt ihre Kassen klingeln – sie nennen den Deal „idiotensicher“ oder „Geschenk vom Steuerzahler“.

So offen kann man in deutschen Zeitschriften über die Hintergründe der „Griechenlandkrise“ schreiben, ohne das es politische Konsequenzen nach sich zieht. Die Zeitschrift Wiwo findet drastischere Worte für das, was dort gerade geschieht:

Das Geschacher der Euro-Finanzminister von Nordwesten (Irland) über Südwesten (Portugal, Spanien) bis nach Südosten (Griechenland) offenbart, wie die Mitgliedsstaaten der Währungsunion ticken, wie sie die Gemeinschaft sehen: Nicht als Projekt, das gehegt und gepflegt wird, um perspektivisch den Nutzen in Europa zu mehren. Sondern als System, aus dem individuell Geld gezogen werden kann. Die Geberländer hoffen auf Zinsgewinne, die Nehmerländer auf Rabatte und Kredite zum Nulltarif. Während die Euro-Befürworter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble über den Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker über eine Vertiefung Europas nachdenken, zersetzt der „Moral Hazard“ Europa.

Die „sittliche Gefährdung“ ist ein Fachbegriff aus der Versicherungsbranche (siehe Wikipedia), jeder Arbeitslose kennt ihn: die Hinzuverdienstgrenze führt dazu, das er  – irrational und unwirtschaftlich – mit seinem Zuverdienst seine eigenen Sozialleistungen finanzieren muss, durch erhöhte Fahrt-, Kleidungs- und Pflegekosten gerät er sogar ins Minus. Leistung soll sich zwar wieder lohnen – tut sie aber nicht, und zwar gerade dort, wo es am Sinnvollsten wäre, sie zu fördern.

Doch bevor wir zu den Arbeitslosen kommen, nochmal ein Blick auf Europa, wieder Wiwo, diesmal von Bettina Röhl:

Und das Furchtbarste ist, dass die politische Klasse, die derzeit Euro-Politik macht, ein amorpher Haufen ohne Herz und ohne Kopf ist. Es gibt praktisch keine Verantwortlichen. Niemand kann in juristischem Sinne für sein Tun in Haftung genommen werden. Gremien, Parlamente, Institutionen, Parteien, Gerichte und sonstige Gruppierungen beschließen die unterschiedlichsten Details, die unterschiedlichste Sachzwänge nach sich ziehen und die die Entscheidungsspielräume und die demokratischen Prozesse praktisch auf Null reduzieren.

Das ist im Prinzip die Beschreibung einer Diktatur – ohne klar erkennbaren Diktator. Eine Diktatur eines Systems, das gelenkt wird von den Entscheidungsprozessen einiger weniger Superreicher, die die Grenzen des Sandkastens festlegen, in dem wir Demokratie spielen dürfen. Die Folgen einer solchen Entwicklung beschreibt Frau Röhl recht deutlich:

Es gibt leider genügend historische Beispiele für das Versagen politischer Klassen und speziell auch politischer Klassen in Europa. Natürlich sind Merkel, Schäuble oder die Oppositionsgrößen und die Vertreter der nachgeordneten Apparate individuell für sich betrachtet, rational handelnde Menschen mit allen menschlichen Schwächen behaftet, die es so gibt. Aber das Gruppenverhalten ist in Sachen Euro außer Rand und Band geraten.

So wie ein physischer Zerstörungsgeist die europäische Nomen Klatura (deren individuelle Mitglieder damals für sich betrachtet nicht besser oder schlechter, böser oder lieber waren, als die heutigen Akteure) vor 100 Jahren dazu veranlasste den ersten Weltkrieg zu veranstalten, hat jetzt der Furor der heutigen Nomen Klatura unterschiedliche Volkswirtschaften in eine Einheitswährung gepresst und damit in die Euro-Krise getrieben, die sich galoppierend ausweitet.

Eine Situationsbeschreibung, die man eigentlich von der linken Presse erwarten würde, nicht aber von einem konservativen Wirtschaftsblatt. Das sie dort auftaucht, sollte die Alarmglocken noch deutlicher klingeln lassen, erst Recht dann, wenn sich international eine Verdichtung vielfältiger nationaler Konflikte anzeigt – wie im Nahen Osten, wo die Weltmächte so direkt aufeinandertreffen wie früher in Europa … oder Deutschland.

Doch nicht nur die endlose Griechenlandrettung (die praktisch nur aus großen Geldgeschenken für Superreiche besteht) illustriert den Sieg der moralischen Verwahrlosung über die bürgerliche Vernunft. Wir können auch noch einen Gang zurückschalten und uns nur die Stromwirtschaft in Deutschland anschauen, einer Wirtschaft, die uns aktuell Strompreise beschert, die „bald 45 % über dem EU-Durchschnitt liegen, siehe Welt. Wir werden sogar mit noch höheren Kosten rechnen müssen, weil das System so perfekt an die Gesetze angepasst worden ist, das wie völlig hilflos dagegen sind, siehe Kontraste. Konzerne wie Vattenfall spalten sich in einzelne Teilbereiche auf, die Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren – so arbeiten alle Konzerne. Und – wie bei Jeffrey Sachs erwähnt – kommt auch eine besondere nationalegoistische Komponente dazu:

In Schweden freut man sich. Der Staatsbetrieb Vattenfall bietet jetzt auf Druck der dortigen Regierung noch günstigere Tarife für Privatkunden an – schließlich sollen die schwedischen Bürger an den tollen Konzernergebnissen teilhaben.

Wir zahlen den Schweden den Billigstrom.

Ja – wo leben wir denn eigentlich?

Wir leben in einem Land, das sich immer noch klammheimlich nach seinem König sehnt – und die Sehnsucht nimmt tagtäglich weiter zu. König Arthur, unterstützt von dem weisen Zauberer Merlin (dem man sogar zutraut, mit einigen kurzen Gesten die unsichtbare Hand des Marktes – den größten Dämon der Neuzeit –  in die Hölle zurückzuschicken) und seinen tapferen Rittern Lancelot, Gawain und Parceval, die jeden Tag durch die Welt ziehen, um räuberische Gesellen daran zu hindern, das einfache Volk weiter auszuplündern.

Darum fällt es uns auch so schwer, von dem Geist des alten Übels loszulassen. Zum Beispiel bei der Bundeswehr, siehe Kontraste:

Nach Kontraste-Recherchen wurde auf einer offiziellen Veranstaltung der Bundeswehr zum Volkstrauertag ungehindert Liedgut der Waffen-SS vorgetragen. Einer der renommiertesten deutschen Forschungspreise für Militärhistoriker ist nach einem ehemaligen SS-Mitglied benannt. Noch immer sind zahlreiche Bundeswehrkasernen nach Wehrmachtsoffizieren benannt, die tief in die nationalsozialistische Rassen- und Eroberungspolitik verstrickt waren. Obwohl dies dem Bundesverteidigungsministerium bekannt ist, wurden die Kasernen nicht umbenannt.

Dort steht man treu zum Geist des alten Rittertums, jenes Rittertums, das Hitler so geschickt ins Leben gerufen hat, das wir uns heute noch Rettung von ihm erhoffen.

Oder der Verfassungsschutz: tapfer stellt er sich vor jene, die noch des alten Glaubens sind, siehe Spiegel:

Premiere vor dem Thüringer Neonazi-Auschuss: Ein Kriminalbeamter spricht Klartext bei der Befragung. Er behauptet, die Behörden seien bestens über die rechte Szene in den neunziger Jahren informiert gewesen. Das Landeskriminalamt und der Verfassungsschutz hätten jedoch interveniert.

Ganz mächtig wirkt da noch die Liebe zum alten Führer nach – eine Liebe, die eigentlich anderen Erlösergestalten gelten sollte, die man aber künstlich auch auf jedes menschliche Ungeheuer lenken kann – wenn man weiß, wie es geht.  Klar, das jene, die sich gegen diese Liebe wenden, bestraft werden müssen wie der Jugendpfarrer Lothar König:

Der Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König wird wegen seines Engagements gegen Europas größten Neonazi-Aufmarsch am 19.02.2011 von der Dresdner Staatsanwaltschaft mit diversen Repressionen überzogen.

Eine Diffamierungskampagne, die mit der Razzia der Jenaer Dienstwohnung am 10.08.2011 durch bewaffnete Dresdner Polizisten einen Höhepunkt hatte, findet im demnächst anstehenden Prozess gegen Lothar König wegen angeblichem “schweren Landfriedensbruch” ihre Fortführung.

Ahnt man nun, wie stark dieser Mythos vom gerechten König der Deutschen noch nachwirkt? Man könnte die Beweiskette leicht noch länger machen, aber es geht ja darum, zu beschreiben, wo wir gerade leben, denn die Prinzipien des guten Deutschen werden heute wieder nachgefragt. Ja – das war ja der doppelte Trick Hitlers – er hat und nicht nur himmlische Rettung vor irdischen Gewalten versprochen … er wollte uns alle zu seinen Rittern machen: in Zeiten um sich greifender Minderwertigkeitskomplexe ein unausschlagbares Angebot, das er ganz konkret in Worte gefasst hat, siehe Wikipedia:

In seinen Reden hat Adolf Hitler oft das Bild rassischer Überlegenheit beschworen: „[…] der deutsche Junge der Zukunft muß schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl. Wir müssen einen neuen Menschen erziehen, auf daß unser Volk nicht an den Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht.”

Sagte ich nicht, das man Hitler heute wieder auf Schritt und Tritt begegnet? Das Motto heißt heute anders: „Fit for Job“ sollen wir sein – und dabei hilft das Jobcenter, siehe Freitag:

Der Chef des Jobcenters Brandenburg an der Havel, Christian Gärtner, ist für seine „harte Gangart“ bekannt. So sagte dieser noch vor einigen Wochen gegenüber der Presse medienwirksam: „Notfalls werden wir bei qualifizierungsunwilligen Leuten aber sanktionieren, bis sie raus sind aus dem Leistungsbezug“. Die Presse titelte entsprechend: „Jobcenter fährt harte Linie gegen Verweigerer“. Eben jener hat sich nun etwa neues ausgedacht. 18 Erwerbslose haben einen Schrittzähler angeheftet bekommen, um zu messen, ob diese sich „zu wenig bewegen“.

Und da sind sie endlich: die elektronischen Fußfesseln für Langzeitarbeitslose. Noch zählen sie nur Schritte, damit das Volk nicht an Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht. Andere machen bei dieser Bewegung ebenfalls mit:

Schließlich ist die Aktion ein Teilprojekt der Aktion „Perspektive 50plus“. Unter gleichem Motto zwingt das Jobcenter Nienburg derzeit ältere Hartz IV Betroffene an einem Kurs zur Rauchentwöhnung teilzunehmen. In einem Anschreiben wird explizit daraufhin gewiesen, dass ein Fernbleiben zu einer Regelsatz-Sanktion führt.

Eine lange Reise haben wir jetzt hinter uns, bis wir vom Mittelalter zu den Fußfesseln für Arbeitslose gekommen sind – eine Reise aber, die notwendig ist, wenn wir verstehen wollen, wo wir leben … und verstehen wollen, warum Menschen so reagieren, wie sie reagieren.

Natürlich denken wir spontan: dieser Christian Gärtner sollte mindestens vom Verfassungsschutz beobachtet werden, auf jeden Fall sollte man ihn umgehend einer psychiatrischen Untersuchung zuführen, um sicherzustellen, das er auch geistig voll zurechnungsfähig ist. In Wirklichkeit ist er aber nur der Auswuchs einer Bewegung, die viel größer und weitreichender ist.

Wir wiederholen die Schrecken des 20. Jahrhunderts, weil der Glaube an einen Erlöser sehr tief steckt – und für Deutschland wurde mit Hitler ein eigener Erlöser aus Österreich gebastelt, der bis heute in den Seelen nachwirkt.  Unter dem Deckmäntelchen scheinbarer Rationalität leben wir Muster eines Wahnsinns, der uns einreden will, das wir die Folgen der Globalisierung (den chronischen Export von Arbeitsplätzen zu preiswerteren Orten, den chronischen Export von Kapital an steuerfreundliche Orte) dadurch ausgleichen könnten, das wie die Schritte der Arbeitslosen zählen und ihre Lust auf Tabak mit Gewalt unterdrücken, während produktive und konstruktive Ansätze mit Gewalt unterdrückt werden, siehe Spiegel:

 Langzeitarbeitslose wieder in Jobs zu vermitteln, ist schwierig; die Methode des Jobcenters Dortmund aber dürfte für Diskussionen sorgen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, versucht das Amt, die örtlichen Hartz-IV-Empfänger mit Bargeldprämien zum Arbeiten zu bewegen. Auf Handzetteln, die im Jobcenter ausliegen, heißt es demnach: „Jede Aufnahme einer Beschäftigung wird mit 200 Euro belohnt!“

Weiterhin stehe auf den Blättern: Wer eine ungelernte Tätigkeit annimmt, dem wird ein Einstiegsgeld in Höhe von 280,50 Euro versprochen. Helfen will das Jobcenter demnach auch, wenn das eigene Auto kaputt ist, für die Arbeit aber gebraucht wird. Eine Reparatur soll mit bis zu 2000 Euro unterstützt werden.

 Eine Sprecherin derBundesagentur für Arbeit (BA) sagte, der Flyer sei „unglücklich formuliert“. Die BA habe bereits angewiesen, den Infozettel aus dem Verkehr zu ziehen.

Und natürlich wird auch nochmal darauf hingewiesen, welcher Geist in unserem Land zu herrschen hat: per Gewalt und Gesetz durchgedrückt:

Grundsätzlich gelte, dass Hartz-IV-Empfänger, die vom Jobcenter betreut werden, jede Arbeit annehmen müssten. Anderenfalls drohen ihnen Leistungskürzungen.

Hinter allem steckt noch Hitlers Gedanke, das wir nur „rein“ genug sein müssen („Fit for Job“), dann wird schon alles wieder gut. Dürften wir uns mehr mit Esoterik beschäftigen, würden wir wissen können, wie leicht es ist, Menschenmassen zu steuern und in Zustände zu versetzen, wo sie die größten Grausamkeiten begehen, die dümmlichsten Irrationalitäten ausführen und widerlichste Gemeinheiten als Alltag akzeptieren, während die „Elite“ anders denkt – anders, aber ungebrochen seit dem die Pharaonen regierten, siehe Hubert Burda in der Welt:

„Nein. Aber es ist das wichtigste Projekt von allen. Die einzige Weisheit, die es im Leben gibt, ist, dass du lernst zu sterben. Es gibt ein Alter, da musst du dich auf diesen Moment vorbereiten. Wann der dann kommt, ist wurscht. Die Überfahrt ist das größte Abenteuer des Lebens. Da darf man nicht am Ende seines Berufslebens plötzlich unvorbereitet auf der Intensivstation liegen.“

So denkt die Elite. Während wir „Fit for Job“ sein sollen, bereiten die sich auf den nächsten Teil vor … einen Teil, der für uns Tabu ist wie alles, was an Esoterik wirksam ist. Bei uns zählt man die Schritte, bei uns achtet man auf ein möglichst langes Leben, während man selbst von einer viel größeren Selektion träumt, die seit Jahrtausenden zur festen Überzeugung der Menschheit gehört: das es vor allem gilt, dem zweiten Tod zu entgehen, jenem Tod, der der Seele droht, wenn sie unvorbereitet den Körper verlassen muss.

Nun – für uns gelten andere Wahrheiten: nach dem Tod kommt nichts, die Griechenlandrettung ist alternativlos, unsere Arbeitslosigkeit liegt nur an uns und wenn der Arbeitgeber es so will, dann ist die Welt wieder eine Scheibe: bei Widerspruch wird das Leben auf Null gekürzt. Raucher, so habe ich in Erinnerung, sollen alle an einem „metaphysischem Weltschmerz“ leiden, an dem schrecklichen Wissen, das die Welt um so vieles besser angedacht war, als sie real erscheint. Gut, das wir auch dieses esoterische Wissen im Rahmen der Alternativlosigkeit ausmerzen, um die Gewinne der Superreichen nicht zu gefährden. Immerhin: die brauchen ihre Lebenszeit, um sich auf den Tod vorzubereiten, während unser Leben schon … lange vor dem Tod endet.

 

 

 

 

Esoterik und Faschismus … und die Feinde der Demokratie und die neuen Juden

Es gibt Themen, bei denen man nahezu wirklich an der Menscheit verzweifeln kann – aus vielen verschiedenen Perspektiven heraus. Esoterik ist eins dieser Themen – und Faschismus ein anderes, wobei letzteres auch real meßbare politische Folgen für die offene Zivilgesellschaft hat. Aber – kümmern wir uns erstmal um die Begriffe und nehmen heute mal Wikipedia als Definitionsgrundlage – damit auch alle über das Gleiche reden:

Esoterik (von altgriechisch ἐσωτερικός: esōterikós: „innerlich“) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist – im Gegensatz zu Exoterik als öffentlichem Wissen. Andere traditionelle Wortbedeutungen beziehen sich auf einen inneren, spirituellen Erkenntnisweg, etwa synonym mit Mystik, oder auf ein „höheres“, „absolutes“ Wissen. Daneben wird der Begriff in freier Weise für ein breites Spektrum verschiedenartiger spiritueller und okkulter Lehren und Praktiken gebraucht.

Esoterik war also eigentlich mal … eine philosophische Lehre – die man nicht an die große Glocke gehängt hat.  Später haben gewiefte Geschäftemacher die große Glocke gefunden und geschwungen – was im Folgenden auch nicht für gut geheißen wurde. Doch klären wir erstmal den Begriff des „Faschismus“.

Faschismus (italienisch fascismo) war ursprünglich die Selbstbezeichnung jener rechtsgerichteten Bewegung, die Italien unter Benito Mussolini von 1922 bis 1943 beherrschte (→ Italienischer Faschismus). Schon in den 1920er Jahren weiteten Gegner dieser Bewegung den Begriff auch auf andere rechtsradikaleautoritäretotalitäre und nationalistische Regimes, Diktaturen und politische Gruppen aus, besonders auf den deutschen Nationalsozialismus (siehe dazu Zeit des Nationalsozialismus). Der Begriff bezeichnet dann auch die von solchen Regimen und Tendenzen geprägte Epoche der Geschichte Europas von 1918 bis 1945.[1]

Somit haben wir zwei Begriffe, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben. Das eine ist die innere Auseinandersetzung mit dem Leben, der Welt, mit Themen wie Geburt, Tod, Leiden, Sterben und dem Sinn des Lebens, das andere ist eine zentralistische antidemokratische Regierungs- und Politikform.

Wie Faschismus praktisch aussieht? Mahnwachen, Menschenjagden auf Andersdenkende, „Kauft nicht bei Juden“ – wir kennen das. Und das gab es in Deutschland im Jahre 1996, unter der Fahne der Grünen Jutta von Ditfurth, so Wilhelm Ritter  zitiert bei Homo Magi:

Schlimm war, daß auf einmal vor dem Esoterik-Laden “Mahnkerzen“ für die vergasten Juden brannten. Schlimm war, daß mit einem Plakat “Faschismus und Esoterik – Hand in Hand“ über zwei Stunden ein Laden blockiert wurde. Schlimm war, daß ohne vernünftige Recherche Vorwürfe in die Welt gesetzt wurden, die man eigentlich nicht aufrechterhalten kann. Und schlimm war, daß diejenigen, die sich eigentlich Aufklärung auf die Fahnen geschrieben haben, die Aufklärung verraten haben.

Hitlers Meinung zur Esoterik ist bekannt und wird in dem Zusammenhang gerne ignoriert. Paßt gerade nicht ins Menschenbild der neuen Menschenjäger:

Dazu kommt noch, dass Hitler zutiefst misstrauisch den völkisch-okkulten Gruppen gegenüber stand. auch wenn einige führende Nationalsozialisten die okkulten Gedanken für sich reklamierten (z. B. Alfred Rosenberg und Heinrich Himmler), so waren die grundlegenden Vertreter dieser Denkrichtung für Hitler bereits in “Mein Kampf“ ein Haufen von Wirrköpfen – das Wirksamwerden der Neogermanen in der Partei schloss er daher später ausdrücklich aus: “Das Einschleichen mythisch veranlagter okkulter Jenseitsforscher darf daher in der Partei nicht geduldet werden“ (Adolf Hitler, Rede auf dem 10. Parteitag der NSDAP am 7.7.1938. Zit. nach Hieronimus 1986: 256).

Die „mythisch veranlagten okkulten Jenseitsforscher“ waren als die Führer der Deutschen Faschisten suspekt, er wollte sie nicht in seiner Partei haben. Das hindert natürlich nicht eine kleine Gruppe von Wahrheitspächtern, trotzdem Faschismus und Esoterik in einen Topf zu werfen … und zwar in dem gleichen Artikel, in dem Hitlers Meinung dazu zitiert wurde:  Andreas Klump, Referent im Bundesministerium des Inneren, Berlin.

Es bildet sich eine geschlossene Gemeinschaft im Kampf gegen „Esoterik“. Hitler, das Bundesinnenministerium, Jutta Dithfurt, die Kirchen (in alter Tradition, Hexen gehörten schon immer auf den Scheiterhaufen) und letztlich: die „Linken“, hier bei fen-net:

Angesichts der ausufernden Esoterik-Bewegung wurde die Frage nach Gegenstrategien der Linken laut. Eine Antwort fiel JD nicht leicht. Sie forderte die intensive Auseinandersetzung von „echten“ Linken und ihren esoterisch verblendeten GenossInnen. Dies müsse notfalls soweit führen, daß „unbelehrbare“ aus linken Zusammenhängen ausgeschlossen werden.

Wichtig sei aber auch, daß sich linke Gruppen zuerst mit der Thematik auseinanderzusetzen hätten, um eine solide argumentative Basis gegen die EsoterikerInnen zu haben. Vielfach werde das Ausmaß der Bedrohung libker Werte und Ziele gar nicht erkannt. Sogar Menschen, die ein „linkes“ Selbstverständnis haben, sind nicht vor der Gefahr gefeit, durch ihr esoterisches Tun rechte Ziele unterstützen.

„Notfalls müssen Unbelehrbare ausgeschlossen werden“.  Die Linke als weltanschauliche Sekte  – aber sich sektenkritisch geben. Nun, Stalin hat gezeigt, das Linke nicht unbedingt antifaschistisch sein müssen, das Sowjetregime unter seiner Führung war nicht menschenfreundlicher als der deutsche Faschismsus und „Linksfaschismus“ ist längst kein Fremdwort mehr. Ich kann auch mit Marx und Darwin in der Hand ein faschistisches System errichten … was die Geschichte schon bewiesen hat.

Da zweifelt man leicht an dem Verstand der Menschheit. An dem des Bundesinnenministeriums sowieso:

Inwieweit sich dieses heutige esoterische Potential dem gesamten (esoterischen) Rechtsextremismus in all seinen Wechsel- und Wirkungsbeziehungen öffnen kann bzw. politisch mobilisierbar ist, erscheint von dieser Stelle aus noch unklar. Ob daraus letztlich auch politische Aktivitäten erwachsen können, muss hier ebenso noch offen bleiben. “Eher ist aber weniger davon auszugehen“, so der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber (1999: 85), “da die esoterisch Eingestellten auf die eigene Innerlichkeit und weniger auf die politische Gesellschaft fixiert sind. Gleichwohl wächst hier ein antiaufklärerisch und antidemokratisch eingestelltes Personenpotential heran.“

Esoteriker sind von sich aus unpolitisch. Blendet man mal die Geschäftemacher aus (die aber als solche auch Kirchen, Verbände, Parteien und Vereine in Verruf bringen, auf die hat die Konsumesoterik kein Monopol), so gilt wohl eher folgendes:

Konkreter ausgedrückt: Primär dürften “die“ Esoteriker zunächst unpolitisch eingestellt sein; ihre Anschauungen und Haltung drücken eher den Zustand einer gewissen “Entpolitisierung“ aus (vgl. Ewald 1996: 5; 1996a). D.h., aus einer quasi-individualistischen Perspektive wird das Erleben des kollektiven Bewusstseins unter Ausblendung von strukturellen Wirkungs- und Entfaltungs- möglichkeiten der kulturellen Moderne angestrebt – aber schon mit Blick auf eine transformierte Gesellschaft in diesem Sinne.

Der „Sonnenstaat“ der Esoterik (noch nie gehört, den Begriff, aber das Ministerium wird schon wissen, wovor es warnt) mag die Utopie der frommen Beter sein, aber seine politische Methodik ist nicht faschistisch. Den Staat zu ändern, in dem man den Menschen ändert ist eine zutiefst demokratische Form der Politik.  Ganz anders nennt man die Politik, die von Vorurteilen geprägt ist, Lügen und Legenden verbreitet, qualitativ minderwertige Urteile abgibt und autoritäre Strukturen bevorzugt: Strukturen, in denen man die Gegner durch sanfte Gewalt wie Mahnwachen, Beschneidung der Bewegungs- und Geschäftsfreiheit und Mobbing nervlich zur Aufgabe zwingen will.

Mir scheint, der Satz des Nazis Rosenberg: wenn es die Juden nicht gegeben hätte, hätten wir sie erfinden müssen, trägt eine schreckliche Wahrheit in sich.

So erfindet nämlich heute jeder seinen eigenen Juden: die Raucher, die Arbeitslosen, die Esoteriker… alles schön schwammige Begriffe, die an harmlosen Äußerlichkeiten festgemacht werden, aber aufzeigen, das im Inneren dieser äußeren Erscheinung ein unglaublich schlechter Mensch steckt, den es … letztendlich … zu vernichten gilt. Ja – zu vernichten. Wenn er nicht einsichtig ist….dann kommt er ins antiesoterische Umerziehungslager wo ihm das „richtige“ Weltbild so lange eingetrichtert wird, bis er zugibt, es zu glauben, genauso wie die Volksschädlinge von 1933-1945 in Umerziehungslager gesteckt wurden, dort wird man ihm das Rauchen, die Arbeitslosigkeit oder den Antimaterialismus schon austreiben.

Das Menschen mit diesen Methoden sich dann noch als Spitze der Aufklärung und Revolution darstellen müssen, demonstriert die vollendete Verblödung detalliert.

Völlig daneben ist es, wenn in das gleiche Paket auch noch „Verschwörungstheorien“ eingepackt werden … aber so entsorgt und tabuisiert man sie natürlich ganz elegant und kann weiterhin sein eigenes Süppchen kochen und eine politische heile-Welt-Stimmung der Extraklasse verbreiten, in dem alle Politiker, Manager und Funktionäre nur aus reiner Menschenfreundlichkeit heraus agieren und nur durch den bedauerlichen, alternativlosen Sachzwang Menschen verhartzen müssen.(Die weinen fast, wenn die das machen müssen. Ehrlich, von der Leyen war den Tränen nahe, als sie sehen mußte, das der Sachzwang den Kinder noch weniger geben wollte.)

Das es für Freiheit und Demokratie in einer totalitären Struktur schon ein Gewinn ist, sich selbst Räume der Ruhe und der Manipulationsfreiheit, der Besinnung und des inneren Friedens zu schaffen, weiß man in der Theorie der Psychologie … die aber wohl auch schon „esoterisch“ ist. Die „innere Emigration“ war in Nazideutschland ein Begriff dafür. Wenn also heute das Bundesministerium für Inneres, die Kirche, die Linken und Jutta von Ditfurth die Esoterik verbieten wollen … was wollen sie damit wirklich erreichen?

Dem Faschismus den Boden unter den Füssen wegziehen? Mitnichten – sonst würden sie nicht seine Methoden anwenden, Argumentationsketten und Sophistereien, mit denen der „Stürmer“ seinerzeit gegen „die Juden“ gewettert hatte.

Was sie wollen ist … ihre „Haltequote“ erhöhen.

Ein schöner Begriff aus einem Aufsatz der antifa-frankfurt, der sich mit der Theorie auseinandersetzt, das viele Kommunisten erfolgreiche Faschisten geworden sind (ähnliches finde ich übrigens auch in der Streitschrift eines „Rechten“ über den „linken Etikettenschwindel„).

Kirchen, Staat und Gesellschaft geht es um die Haltequote – das wäre plausibel. Darum gibt es die Gedankenpolizei, die Gesinnungsblockwarte, die durch die Welt der Meinungen reisen und nachschauen, ob auch alles schön systemkonform ist.

Systemkonform ist die Esoterik nicht. Überhaupt nicht, die Menschen, die sich ihr zuwenden (und dort in den allermeisten Fällen in den Fängen skrupelloser Geschäftemacher landen) suchen ja gerade einen Weg aus dem System heraus. Das stört alle diejenigen, die an dem System hervorragend verdienen: den Pfarrer, den Revolutionär, den Manager, den Parteifunktionär. Die Herrscherkasten der Moderne.

Wäre die Gesellschaft, die sie uns präsentieren können, ein Paradies – oder wenigstens erkennbar auf dem Weg dorthin – so könnte ich ihre Kritik an Esoterik sogar teilen. Ist sie aber nicht, unsere Gesellschaft bewegt sich (getrieben von Grünen, Linken, Kirchen, Rechten, Managern, Politikern, Parteifunktionären) geradewegs auf einen Kollaps zu, es ist nur die Frage, was kollabiert zuerst: die Umwelt oder die Wirtschaft – oder erlauben wir uns einen Ausbruch irrationalen kollektiven Wahns wie in Ruanda und schlachten all die bösen Esoteriker, Raucher, Arbeitsscheuen einfach mal 100 Tage lang ab,  als reinigendes Gewitter der Weltvernunft, sozusagen?

Kein Wunder das die Kriegsgewinnler dieser Entwicklung auf die Barrikaden gehen, wenn die Menschen das Land verlassen … was manche, wie auch schon 1933-1945 … nur nach innen können, weil sie weder die Jugend noch die Finanzkraft haben, sich außerhalb ein  sicheres Plätzchen zu suchen.

Aus der gleichen Argumentation heraus möchte man ja auch die Ausländerintegration vorantreiben … nur geht es nicht um die Ausländerintegration, es geht „gegen den Islam“ – seien wir da doch wenigstens mal ehrlich. Wir haben drei moslemische Familien im Umfeld … alles gebürtige Deutsche. Die WOLLEN sich nicht integrieren, die haben den Fernseher absichtlich abgeschafft. Die WOLLEN ABSICHTLICH RAUS HIER! Aus guten Grund. Ihr Kategoriensystem ist ein anderes, aber ihre Werte sind diesselben: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – letztlich Werte die durch die christliche Botschaft ins abendländische Denken eingeflossen sind und vor allem in der Philosophie auf fruchtbaren Boden stießen.

Im Unterschied zum Philosophen und Bürgerrechtler hofft der Moslem auf göttlichen Beistand … den man angesichts der Dimensionen der Irrationalität im politischen Geschehen gut gebrauchen könnte. Aber es wäre nicht weise, sich nur darauf zu verlassen.

Was der Esoteriker politisch tut, ist ebenfalls sehr demokratisch: durch sein privates Weltbild wagt er es, sich der Autorität der Experten zu entziehen. Wir haben aber keine Expertendiktatur, wir wollen keine Expertendiktatur und brauchen keine Expertendiktatur, auch wenn da führende Experten anderer Meinung sind.

Was viele von ihnen können ist: ruhig, gelassen und tolerant im Umgang mit Dingen von dieser Welt seien. Ihr Reich ist nicht von dieser Welt. Das entspannt und paßt überhaupt nicht zur zackigen, autoritären Faschismusfigur, die ein materialistisches mechanisches  Weltbild zum Aufbau ihrer „Sachzwänge“ braucht.

Was empfiehlt John Perkins, der Autor der „Bekenntnisse eines Economic Hitman“ als eine von vielen Widerstandsformen gegen die Korporatokratie?

Meditieren statt konsumieren.

Das trocknet die neuen Herren des Universums nebenbei von innen heraus aus, ohne zusätzlich die Umwelt zu zerstören. Aber das stört die Haltequote.  Dem Führer laufen die Schafe davon … und das das schlimm ist, da sind sich alle einig.

Außer den Schafen.

Darum haben Esoterik und Faschismus wenig miteinander zu tun, aber in der Feindschaft zur „Schublade Esoterik“ formiert sich der fanatische Mob, der viel eher zum Faschismus neigt als der Astrologe, der Zen-Buddhist, der Naturmystiker, der UFO-Enthusiast, der Kryptozoologe, der Verschwörungsanalytiker… der irgendwie ANDERE halt.

Und wer hält nochmal den „irgendwie ANDEREN“ für generell … verdächtig?

Adolf Hitler zum Beispiel. Und alle, die gerne so wären wie er und dafür viele Mitläufer brauchen und sich fürchterlich darüber echauffieren, das die Esoterik ihnen die Mitläufer stiehlt.

Schwulenhass, Yetispott, die Trümmerwelt der Naturwissenschaft und Swedenborgs „Eigenrealitäten“

Die Chinesen machen ja gerade etwas Ungeheuerliches: sie suchen den Yeti. Ungeheuerliche Ungeheuersuche.  Wie können die nur so etwas machen, weiß doch jeder, das man sich in Europa mit der Suche nach dem Yeti lächerlich macht, gerade bei den großen Nachrichtenagenturen wie dem „Spiegel“:

Man könnte meinen, es sei hinlänglich bekannt, dass es das Wesen nur in der Mythologie gibt. Schließlich gibt es bislang keinen stichhaltigen Beweis für seine Existenz. Nur ein paar Augenzeugenberichte und verwaschene Fotos.

Ein einziger Satz nur … und schon ist man im Herzen der wissenschaftlichen Finsternis und der Manipulation. Es sei … „hinlänglich bekannt“ … ja, wem denn? Was den Yeti betrifft, so ist es wie mit allen Phänomenen, die nicht jederzeit herbeirufbar sind (sich also der menschlichen Kontrolle und Machtausübung aus freiem Willen entziehen können):  entweder, man gehört zu denen, die einen gesehen haben oder aber man gehört zu jenen, die keinen gesehen haben. Nach guter alter naturwissenschaftlicher Tradition der Empirie ist „hinlänglich bekannt“ das ein Zeuge ausreicht. Nach guter alter naturwissenschaftlicher Tradition beugte sich sogar der „Alleszertrümmerer“ Kant (hier aus einem Spiegelartikel von 1974) den Fakten:

Gleichwohl, auch einige Rationalisten blieben im Zweifel. Sogar Immanuel Kant, der „Alleszertrümmerer“, rätselte darüber, wie es dem schwedischen Ingenieur Emanuel Swedenborg an einem Abend des Jahres 1759 gelingen konnte, von Göteborg aus einen in Stockholm stattfindenden Großbrand „fernzusehen“.

Kant lehnte jede Form von „Geisterseherei“ aus guten Gründen ab, in der Welt des Rationalismus hat Empirie aus methodischen Gründen nichts verloren – aber die Welt des Rationalismus ist nicht die Welt selbst, sondern nur das Kategorienraster,  durch das die Menschen „Welt“ betrachten. Über seine Erfahrungen mit Swedenborg schrieb Kant 1766 ein eigenes kleines Werk: Träume eines Geistersehers.

Er beschreibt dort auch die „Modes des Unglaubens“, die zur damaligen Zeit politisch wichtig und deshalb per Vernunft geboten war. In Zeiten, wo die Kirche als Weltmacht hinter den Thronen stand und jede widersprüchliche Glaubenslehre als „Geheimnis des Glaubens“ postulieren konnte, war es unverzichtbar, sich im Widerstand gegen weltliche Mächte ein heiles Reich der Vernunft zu schaffen, um nicht durch „Träume eines Geistersehers“ lenkbar zu werden. „Hellsichtigkeit“ als empirische Beobachtung stand da der Vernunft im Wege.

Heute sind wir weiter … eigentlich. Heute wissen wir über die Einflüsse des Mondes auf Psyche und Natur … und manche Passagen des Seher Swedenborg könnten heute von den neuen Predigern der Metaphysik kommen: den Quantenphysikern (hier bei Kant:)

Ein Hauptbegriff in Schwedenbergs Phantasterei ist dieser: Die körperliche Wesen haben keine eigene Subsistenz, sondern bestehen lediglich durch die Geisterwelt; wiewohl ein jeder Körper nicht durch einen Geist allein, sondern durch alle zusammengenommen. Daher hat die Erkenntnis der materiellen Dinge zweierlei Bedeutung, einen äußerlichen Sinn, in Verhältnis der Materie aufeinander, und einen innern, in so ferne sie als Wirkungen die Kräfte der Geisterwelt bezeichnen, die ihre Ursachen sind. So hat der Körper des Menschen eine Verhältnis der Teile untereinander nach materiellen Gesetzen; aber, in so ferne er durch den Geist, der in ihm lebt, erhalten wird, haben seine verschiedene Gliedmaßen und ihre Funktionen einen bezeichnenden Wert vor diejenige Seelenkräfte, durch deren Wirkung sie ihre Gestalt, Tätigkeit und Beharrlichkeit haben.

Wenn es denn Materie nicht gibt, die Welt der Formen und Farben nur Illusion ist, so werden wir irgendwann zu der Frage stoßen: welche Kraft hält das alles zusammen?

Nun, Swedenborgs Geister- und Höllenvisionen haben mich nie sonderlich interessiert – was vielleicht ein Fehler ist. Die Vorstellung von Wesen (Engeln wie Teufeln) die aufgrund ihrer natürlichen Beschaffenheit in der Lage sind, „Eigenrealitäten“ zu bilden, fand ich jedoch für jemanden in der Mitte des 18.Jahrhunderts sehr fortschrittlich, da „Eigenrealitäten“ ein abstrakter Begriff ist, der wir uns erst durch die Physik der letzten Jahre faßbarer erscheint. Und die Vorstellung, das nur jene in der Hölle landen, die selbst dort hineinwollen, fand ich sehr beruhigend – und irgendwie auch überzeugend.

Wir schreiben aber nun nicht mehr das 18. Jahrhundert in dem sich die Welt von der Kirche emanzipieren mußte, wir schreiben das 21. Jahrhundert, in dem man wissen können müßte, das die Sichtung von „Yetis“ mit der „Mythologie“ nichts zu tun haben. Trotzdem finden sich noch Anhänger der „Mode des Unglaubens“. Die Welt der Mythologie ist die Welt der Schöpfungsgeschichten, der Sagen und Legenden. Die Welt der Yetis ist die Welt der Biologie – bzw. die Frage, ob es noch große Tierarten in der Welt gibt, die in geringen Populationen leben.

Das sind zwei ganz verschiedene  Felder. Mit dem Yeti ist es wie mit dem Riesentintenfisch, der lange Zeit als „Mythos“ verächtlich gemacht wurde, bis er im britischen Museum hing. Es gibt keinen Grund für Spott oder Hohn, was die Yetiforschung betrifft – es sei denn, man hält Mode für Wissenschaft.

In der Waldregion, die nun untersucht werden soll, wurden im Laufe der Zeit 400 Sichtungen des mysteriösen Wesens registriert. Demnach ist die Kreatur größer als ein Mensch, geht aufrecht und ist von Kopf bis Fuß mit Haaren bedeckt.

So berichtet der Spiegel weiterhin. 400 Sichtungen sind eine Menge. Grund genug, mal zu schauen, ob es sich um eine neue Bärenart handelt – oder um eine alte Bärenart und ungenaue Beobachtung. Oder um die Kleinpopulation eines seltenen Großtieres, von denen man heute immer noch einige findet.  Seit dem mit dem Quastenflosser ein angeblich schon vor den Dinosauriern ausgestorbener Urahn alle Landlebewesen fröhlich schwimmend in den Weltmeeren gefunden wurde, würde es mich nicht wundern, wenn jüngere Vertreter seiner Art auch im Loch Ness schwimmen. Es wäre im Prinzip nicht unvernünftig….nur unmodern.

Die Mode des Unglaubens selbst könnte man heutzutage noch tolerant akzeptieren, wenn sie nicht … eine ganz häßliche politische Schattenseite hätten. Ignoranz, Dogmatik, Ideologie, Intoleranz, die im wissenschaftlichen Bereich noch existieren können ohne großen Schaden anzurichten (aber auch keinen großen Nutzen bringen), werden außerhalb der wissenschaftlichen Sphäre ganz schnell ganz häßlich, hier laut Spiegel:

Belgrad im Ausnahmezustand: Tausende rechtsextreme und nationalistische Randalierer lieferten sich in der serbischen Hauptstadt Straßenschlachten mit Polizisten. Diese versuchten den ersten Umzug von Homosexuellen seit neun Jahren zu schützen – Dutzende Menschen wurden verletzt.

In Polen laut Welt:

Der Zug durch Warschau wurde begleitet von rund 2000 Polizisten, die die Teilnehmer vor möglichen Angriffen von Rechtsextremen oder ultrakonservativen Katholiken schützen sollten. Beide Gruppen hatten Gegendemonstrationen angekündigt. Vereinzelt wurden Eier und Flaschen auf Teilnehmer geworfen. Nach Polizeiangaben wurden acht Menschen festgenommen, weil sie Polizeibeamte angegriffen hatten. Beim Marsch durch die polnische Hauptstadt trugen die Gegendemonstranten unter anderem Transparente „Perverse nach Berlin“.

„Es ist hinlänglich bekannt, das Schwule pervers sind und das der natürliche homosexuelle Mann ins Reich der Mythologie gehört“. Homosexualität als Krankheit … das bricht sich wieder Bahn, hier ebenso wie in den USA. Dahinter steckt der gleiche Geist, der Yetiforscher verspottet: der Mensch mit Gier nach Macht.

Im 21. Jahrhundert stehen wir vor einem Trümmerhaufen, den uns das naturwissenschaftliche Weltbild gebracht hat. Umweltkatastrophen (mit einen drohenden Rekordwinter 2010/2011, den viele Hartz IV-Abhängige dann wohl diesmal wirklich nicht überleben werden) ,  Umweltgifte, Atombomben, Artensterben … die Liste der Vernichtungen ist schier unendlich lang. Zeit sich mal Gedanken darüber zu machen, was denn da schief gelaufen ist, wie denn aus der harmlosen und begrüßenswerten vernünftigen Beobachtung und des ruhigen Studiums der Natur eine Vernichtungsmaschinerie derselben werden konnte … oder wollen wir lieber weiter in den sicheren Untergang ein überbevölkerten, waffen- und giftverseuchten Welt marschieren, weil die Mode des Unglaubens es uns befiehlt?

Es ist Zeit, sich zu Fragen, was denn da schief gelaufen ist … in nur 150 Jahren. Zeit, einfach mal die Frage nach dem letztendlichen „Nutzen“ von Naturwissenschaft zu stellen – was man heutzutage auch tun kann, ohne gleichzeitig die Kirche wieder aus dem Sack der Geschichte hervorholen zu müssen.

Was die Herrscher der Welt am Yeti, am UFO, an der Telepathie stört ist … es sind Objekte menschlicher Wahrnehmung, die nicht ihrer Kontrolle unterliegen. Sie stellen die Allmacht ihres Gottes in Frage, mit dessen Hilfe sie über die Menschheit herrschen … und der auch Quell für viele wunderbare renditefreundliche „Sachzwänge“ ist.

Deutet mein Gott „Naturwissenschaft“ den Menschen als Tier, so kann ich die Population in Auschwitz logisch und vernünftig mit Gas reduzieren, das gleiche gedankliche Prinzip gebar im Nachkriegsdeutschland das Sozialmonster Hartz IV: Massentierhaltung in Zeiten (künstlich hervorgerufener) knapper Ressourcen – solche Vergleiche dienen auch nicht der Verharmlosung des Nationalsozialismus, sondern lediglich der Verhinderung seiner (bevorstehenden und laufenden) Wiedergeburt, die in Deutschland mit großen Schritten voranschreitet und die neuen „Juden“ trifft: die Arbeitslosen, denen nicht nur der billige Wohnraum weggenommen wird sondern auch noch (laut Spiegel) der Artzbesuch unmöglich gemacht:

Um die Kosten im Gesundheitssystem zu senken, sollen Patienten laut Gesundheitsminister Rösler ihre Rechnung selbst bezahlen – und das Geld dann von der Krankenkasse erstattet bekommen. Der Chef der Kassenärzte hält das für richtig.

Es ist das gleiche Denkprinzip, das auch Ausschwitz errichtete: Das Kosten/Nutzendenken der Tierhaltung auf den Menschen übertragen. Rationalismus ohne Religion wird schnell gefährlich, das wußte schon Kant. Er findet keinen Halt in der Welt und hat keine eigenen Werte, wähnt sich aber selbst von allem gefährdet, was er sich nicht Kraft seiner Gedanken selbst erschließen kann und was seinen jeweiligen aktuellen Modewerten wiederspricht. Es sind aber nur … Modewerte, keine „ewigen Werte“.

Wie anders würde die Welt aussehen, wenn wir uns  – nur um ein Beispiel zu denken – eher an Swedenborg denn an Kant orientiert hätten … möglicherweise wäre schon jeder Mensch soweit, das er Kraft seine Willens seine eigenen Realitäten schaffen könnte. Wen sollte das schon stören?

Seltsamerweise die gleichen, die auch den Yeti lächerlich machen. Aber vielleicht ist das gerade die Wahrheit, die die Reichen und Mächtigen vor uns verbergen wollen: jene Fähigkeiten, die wir erlangen, wenn wir 100% unsere Gehirnkapazität nutzen können. Dann würde ja niemand mehr Macht über Menschen ausüben können … und das wäre für gewisse Charaktere schlimm.

Es ist weder wünschenswert noch notwendig, das man nun den naturwissenschaftlichen Modeglauben durch esoterischen Modeglauben ersetzt.  Aber ich denke es ist notwendig und wünschenswert, bevor aus verständlichen und vernünftigen Sachzwängen die nächsten Hassorgien angesagt werden und neue Leichenberge zeugen, mal das grundsätzliche Übel anzugehen: den naiven und primitiven Glauben an die Allmacht rationaler Vernunft … denn es ist ebenso unvernünftig an den Yeti zu glauben wie den Schwulen am Leben zu lassen.

Ein Werkzeug ist kein Wert an sich … und es mutet schon fast wie ein Zaubermärchen an, das die Menschen sich aus der Flucht vor der kalten und mitleidlosen Bestialität ihres Werkzeuges wieder in die Arme der Kirche flüchten müssen – und alles wieder von vorn beginnt. Aber vielleicht wählen die Menschen gerade deshalb wundersame Auswege:

Die mächtigste Frau der Welt ist laut „Forbes“ Michelle Obama, in Großbritannien dagegen hat die einflussreichste Dame nichts mit Politik am Hut: Die Rangliste wird von Joanne K. Rowling angeführt, Autorin der Harry-Potter-Saga.

Die Harry-Potter-Saga ist in vielerlei Hinsicht eine Sage von … „Eigenrealitäten“.  Ich schätze sie nicht, weil man (wie auch im „Herrn der Ringe“, in dem „Star Wars Mythos“, der „Matrix-Sage“ oder den vielen Vampirlegenden) sehr vorsichtig auf das Element des „Herrenmenschentums“ in jenen Geschichten achten muß, was bei ihr durch die Einführung des minderen „Muggel“ (unmagische Normalmenschen) schon einen finstereren Beigeschmack hat, aber das eine Zauberbuchautorin als einflußreicher gilt als die Spitzen der Gesellschaft … das hat was freundliches. Was sehr freundliches.


Esoterik, Geisterspuk, Marx und die Gesundbeter

Kaum ein Feld betrete ich ungerner als das der Esoterik. Und kaum ein Feld ist nötiger zu betreten als gerade dies. Gerne würde ich dem Religionswissenschaftler Harmut Zinser folgen, hier bei Wikipedia zitiert:

So schreibt der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser in einer Aufklärungs-Broschüre der Hamburger Innenbehörde: „Über ein Verborgenes können eigentlich keine Aussagen gemacht werden, dann wäre es kein Verborgenes mehr. Anhänger des Okkultismus und der Esoterik aber machen genau dies. Sie schreiben dem Unbekannten und Verborgenen bestimmte Eigenschaften zu, beispielsweise die Wirkung von Geistern, Toten, anderen Lebenden oder eines Weltbewusstseins usw. zu sein. Es ist dies der Grundfehler der Esoterik und des Okkultismus, dass er über ein tatsächliches oder angenommenes Unbekanntes Aussagen macht. Wenn immer es möglich ist, diese Aussagen zu überprüfen, stellt sich heraus, dass die esoterischen Aussagen über ein Unbekanntes und Verborgenes falsch, unnötig und irreführend sind. Esoteriker wie Okkultisten ertragen offensichtlich die Tatsache nicht, dass uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist und schreiben sich ein Wissen und auch Macht über das Unbekannte und Verborgene zu. Dies mag ihren Wünschen entsprechen, nicht aber der Wirklichkeit.“[70]

Genauso gut könnte er diese Zeilen aber den Naturwissenschaften ins Heft schreiben, die auch dem Unbekannten und Verborgenen bestimmte Eigenschaften zuschreiben, nämlich NICHT die Wirkung von Geistern, Toten, anderen Lebenden oder eines Weltbewußtseins zu sein. Wann immer es möglich ist, diese Aussagen zu überprüfen, stellt sich heraus, da die naturwissenschaftlichen Aussagen über ein Unbekanntes oder Verborgenes falsch, unnötig und irreführend sind. Naturwissenschaftler wie Materialisten ertragen offensichtlich die Tatsache nicht, das uns Menschen vieles unbekannt und verborgen ist und schreiben sich ein Wissen und auch Macht über das Unbekannte und Verborgene zu. Dies mag ihren Wünschen entsprechen, nicht aber der Wirklichkeit.

Wenn man in einer Kritik die Hauptworte austauschen und durch ihr Gegenteil ersetzen kann, ist die Kritik gegenstandslos. Das hätte auch die Hamburger Innenbehörde merken müssen, die mit dem Geld der Steuerzahler eine somit dogmatische und den Grundsätzen menschlicher Freiheit (und auch der staatliche garantierten Religionsfreiheit) zuwiderlaufende Schrift finanziert hat.  Dabei gäbe es eine Kritik, die fundiert wäre – und auch bei Wikipedia genannt wird – eine Kritik, die auch die Variationen und Dimensionen von Esoterik begiffen hat:

Viele Kritiker, aber auch manche Esoteriker selber beklagen einen „Supermarkt der Spiritualität“:[72] Verschiedene, teils widersprüchliche spirituelle Traditionen, die über Jahrhunderte in unterschiedlichen Kulturen der Welt entstanden, würden in der Konsumgesellschaft zur Ware, wobei sich verschiedene Trends und Moden schnell abwechselten („gestern Yoga, heute Reiki, morgen Kabbala) und als Produkt auf dem Marktihres eigentlichen Inhalts beraubt würden (Lifestyle). Dieser Umgang sei oberflächlich, reduziere Spiritualität auf Klischees und beraube sie ihres eigentlichen Sinnes.

Dabei ist aber wiederum auch verblüffend, was alles in einen Topf geworfen wird. Yoga empfiehlt auch mein Orthopäde, es ist die Königsdisziplin der Rückengymnastik. Das jetzt Staat und Kirche Yoga verbieten wollen, verwundert mich aber nicht: an Schmerzen verdienen beide. Reiki kenne ich nicht (und möchte es auch nicht kennenlernen), die Kabbala ist ein komplexe Farben- und Formenlehre, die den Ausfluß Gottes in die Welt beschreibt – ein elementarer Bestandteil jüdischer Mystik. Das zu verbieten lohnt sich auch, wer sich damit beschäftigt, konsumiert nicht mehr und zahlt vielleicht auch keine Kirchensteuer.

Kein Wunder, das auch die Kirche gegen Esoterik wettert (nach Wikipedia, gleicher Ort):

Gott kann seinen Propheten und anderen Heiligen die Zukunft offenbaren. Die christliche Haltung besteht jedoch darin, die Zukunft vertrauensvoll der Vorsehung anheimzustellen und sich jeglicher ungesunder Neugier zu enthalten. (…) Sämtliche Formen der Wahrsagerei sind zu verwerfen: Indienstnahme von Satan und Dämonen, Totenbeschwörung oder andere Handlungen, von denen man zu Unrecht annimmt, sie könnten die Zukunft „entschleiern“. Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Deuten von Vorzeichen und Orakeln, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die Menschen, sowie der Wunsch, sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden. Sämtliche Praktiken der Magie und Zauberei, mit denen man sich geheime Mächte untertan machen will, um sie in seinen Dienst zu stellen und eine übernatürliche Macht über andere zu gewinnen – sei es auch, um ihnen Gesundheit zu verschaffen –‚ verstoßen schwer gegen die Tugend der Gottesverehrung.[64]

Also die „guten“ Esoteriker gegen die „bösen“ Esoteriker. Der Wille zur Macht über die Zeit, über die Geschichte und letztlich über die Menschen ist doch auch Antrieb der Kichenpolitik der letzten zweitausen Jahre gewesen – warum sollte man sie anderen vorwerfen? Nun – aus einem einfachen Grund. Wer Macht will, braucht Menschen. Viele Menschen. Der Sucht nach Macht entspringt auch die Religionskritik von Marx, die in erster Linie Kritik gegen die „Tugend der Gottesverehrung“ ist:

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.

Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. “

Quelle: Wikipedia

Dabei bedient sich Marx der gleichen Prinzipien, mit der auch die Kirche ihre Schäfchen im Stall hält: Folgt mir und ich werde Euch ins Paradies führen. Sein Paradies ist die klassenlose Gesellschaft, die im Detail der Paradiesvorstellung der Kirche entspricht – beide liegen im Jenseits, das marxistische Paradies in unerreichbarer Zukunft, das kirchliche Paradies im unerreichbaren Himmel hinter den Himmeln, beide gelten aber mit viel Arbeit auch auf Erden als erreichbar, wobei der christliche Weg der einfachere ist:

Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen,

Quelle: Bibeltext

Das darf man keinem Christen in diesem Land ernsthaft vorschlagen, weshalb das Christentum an der gleichen Krankheit leidet wie der revolutionäre Marxismus, hören wir dazu mal Trotzki, einen Revolutionär der ersten Stunde:

Die durch und durch philisterhafte, unwissende und einfach dumme Hetze gegen die Theorie der permanenten Revolution entsprang gerade diesen psychologischen Quellen. Bei einer Flasche Wein oder auf dem Heimweg vom Ballett sprach ein selbstzufriedener Bürokrat zu dem anderen: „Der hat immer nur die permanente Revolution im Kopfe.“ Eng damit verbunden sind die Anschuldigungen wegen meiner Ungeselligkeit, wegen meines Individualismus, Aristokratismus und so weiter. „Aber doch nicht immer und nicht alles nur für die Revolution, man muß auch an sich denken“ – diese Stimmung wurde übersetzt mit: „Nieder mit der permanenten Revolution“ Der Widerstand gegen die theoretischen Ansprüche des Marxismus und die politischen Ansprüche der Revolution nahm für diese Menschen allmählich die Form des Kampfes gegen den „Trotzkismus“ an. Unter dieser Flagge vollzog sich die Entfesselung des Kleinbürgers im Bolschewik. Darin eben bestand mein Verlust der Macht, und das ergab die Form, in der dieser Verlust erfolgte.

Quelle: marxists.org

Das hier Religion als Opium des Volkes empfunden wird, ist klar: wie bei der Esoterik geht es um Macht über Menschen. Aber da tun sich Christen, Esoteriker und Marxisten überhaupt nichts, in ihren Zielen sind sie sich da einig: alle wollen ins Ballett. Die einen sind schon drin, die anderen wollen auch hinein, weshalb das Proletariat die Diktatur ausrufen muß:

Das Proletariat (ursprünglich im nicht-marxistisch vom lat. proletarius „der untersten Volksschicht angehörend“) bezeichnet die mit der Entwicklung des Kapitalismus und der Industrialisierung entstandene neue Klasse von abhängig Beschäftigten in den aufkommendenManufakturen und Fabriken. Marx definiert den Proleten als doppelt freien Lohnarbeiter: Frei von Leibeigenschaft, also im Besitz seiner selbst und „frei“ von Produktionsmitteln, die ihm ein Überleben durch Arbeit sichern könnten.

Quelle: Wikipedia

Heute, mit der Erfahrung der Korporatokratie, der weltweiten Diktatur der Konzerninteressen im Hintergrund, sehen wir die Fronten noch deutlicher, die sich im 19.Jahrhundert schon abzeichnen: alle Revolution führte nur dazu (und sollte einzig diesem Zwecke dienen) dem Intellektuellen einen besseren Platz am Fleischtopf der Konzerne zu sichern. Hatte er den inne, baute er auch den Ford in Lizenz. War Religion Opium fürs Volk, so war es der Marxismus erst recht. Der Marxist braucht den Konzernarbeiter um einen Sitz im Vorstand zu bekommen – und nur darum geht es. Marxismus gegen Kapitalismus war eine Lüge – von Anfang an. Es ging nur um eins: die Ausbreitung der Konzernherrschaft und die Mobilisierung der Massen zu diesem Zweck, weil die Konzernherrschaft eine weltweite Ausbreitung des westlichen Feudalismus versprach, der sich „der Arbeiter“ gerne anschloß. Sein Engagement (und das der Gewerkschaften)  gegen die Agenda 2010 war dementsprechend … entlarvend.

Und doch hatten alle drei Großmächte und Fangarme der Korporatokratie einen gemeinsamen Feind, gegen den sie heute noch vorgehen: die Esoterik. Der friedliche meditierende Zen-Buddhist auf der Bergspitze läßt sich nicht in revolutionäre Masse umwandeln, noch in Produktivkapital, noch in Kirchensteuer, der Medizinmann der Sioux führt den Kampf gegen die Eisenbahn und die Fabriken des weißen Mannes nicht aus territorialen Ansprüchen heraus, sondern weil nach seiner Überzeugung die Kultur des weißen Mannes zur Vernichtung der Welt führt, die Indianer des Amazonasbeckens führen ihren Krieg, weil ihnen das Leben des Waldes heilig ist.  Darum brachte die US-Armee gezielt die Medizinmänner um – nicht die Kriegshäuptlinge, darum sterben auch heute noch weltweit die „heiligen“ Männer des Volkes – und darum führen in der Eifel die Gesundbeter und dörflichen Heiler ein Leben im Verborgenen.

Was können die Gesundbeter? Schmerzen nehmen – gerade die Schmerzen von Brandwunden. Sie können Blutungen stillen, gerade bei schweren Verletzungen. Ärzte schwören darauf, schicken ihre Patienten lieber zum Heiler als ins Krankenhaus. Überraschend für mich war, das ich die einige der Ärzte persönlich von früher kenne – und jetzt ihre andere Seite kennenlerne. Überraschend ist auch, das ich – nach zwanzig Jahren – ein Fremder bin, dem man mit Zurückhaltung begegnet. Die Angst ist groß – vor der Kirche, vor dem Staat, vor den Medien – kurz: vor den Herrschern der Welt.

Mitten in Deutschland (und dann noch in der Eifel) solcher Angst zu begegnen, betrübt. Man berichtet mir von Heilern, gibt mir sogar Daten zu Kontaktpersonen (wenn ich mal persönlich was brauchen sollte) … aber jene Plätze, die Migräne heilen, verrät man mir nicht.  Überraschend ist – in unserer ach so freien, ach so aufgeklärten Gesellschaft gibt es schon viel Literatur über diese Phänomene – doch keine Konsequenzen hinsichtlich ihrer Nutzbarmachung für die Menschen.

Stattdessen überschwemmt man den Markt mit US-amerikanischer Wischi-Waschi-Esoterik, die die Menschen immer weiter in die Fangarme der Korporatokratie führt.

Nun – ich halte mein Versprechen, erzähle nichts über Gesundbeter…. nur etwas über ihr Weltbild. Grob und unpersönlich.  Es ist das älteste Weltbild der Menschheit, dem man dort begegnet, es ist die Welt der Hindu, der Buddhisten, der alten Juden, der Urchristen. In ihr ist Gott keine durch die Bibel vermittelte Annahme, sondern eine lebendige, erfahrbare Realität – wie auch die Dämonen. Es ist das alte, schamanische Weltbild, das sich hier offenbart – weil es Wirklichkeit ist. Keine Wahrheit – nur Wirklichkeit. Es ist ein Weltbild, das der Realität von Menschen sehr gerecht wird, denn wir Menschen sind alle auf einer „esoterischen“ Reise. Sie beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod – wir kommen aus der Welt der Rästel und gegen in eine Welt der Rätsel, was uns eine gewissen Gelassenheit angesichts der aktuellen Politik verleihen kann, eine Gelassenheit, die man gut gebrauchen kann, um angesichts des Wahns nicht selbst zur Bestie zu werden. Es ist die Aufgabe des Heilers, den Menschen auf dieser Reise vor Schaden zu bewahren,  wie es die Aufgabe des Philosophen sein sollte, ihn vor der Manipulation zu schützen … und die Frage zu stellen: wo ist der Platz der Vegetarier beim Kampf um die Fleischtöpfe?

Wenn wir Fronten in dieser Welt ziehen wollen, wenn wir die Welt als Kampf von Ideen verstehen wollen, so verläuft die Front der Auseinandersetzung anders. Es ist der Kampf des Indianervolkes am Amazonasbecken gegen die Ölindustrie.

Auf der einen Seite Menschen, die glücklich und zufrieden mit drei Stunden Arbeit am Tag im Paradies leben, auf der anderen Seite eine gigantische Maschinerie, die das Paradies verspricht … in Zukunft, im Jenseits, im Himmel, in der Utopie, mit einem zehn-Stunden-Arbeitstag in der Betonwüste am Stadtrand von Bitterfeld.  Die einen leben nachhaltig, gesund, umweltverträglich und schützen sich erfolgreich vor bösen Geistern, die anderen schützen sich nicht … und werden selbst zu bösen Geistern, die die Welt ausplündern und vernichten.

Es ist letztendlich der Mythos des Kampfes des Zauberers gegen die seelenlosen Ungeheuer – und er erscheint aktueller denn je.

Dort, wo Esoterik Wirklichkeit wird, wird sie zur Gefahr für die herrschenden Kasten … von denen es halt nicht nur eine gibt.  Sie ist geeignet, den Mob zu demobilisieren, den Menschen zu sensibilisieren, seine Aufmerksamkeit zu schärfen, seinen Horizont flexibel zu erweitern und ihn unabhängig zu machen von den Heilsversprechen der Kosmokraten aller Art …. und das stört den Kirchenmann, den Revolutionär und den Kapitalisten – man braucht ja den Mob, um ins Ballett zu kommen.

Und was den Geisterspuk generell angeht: den Luxus, nicht an ihn zu glauben, kann man sich nur erlauben, wenn man noch keinem begegnet ist. Das unterscheidet Kant von Goethe, Darwin von Jung. Allerdings hatte Kant einen gewissen Respekt davor, er meinte nur: das geht uns nichts an. Auch das ist eine Grundüberzeugung der Medizinmänner und zauberkundigen Heiler.

Es gibt übrigens eine möglicherweise hilfreiche Richtschnur im Umgang mit Esoterik, falls man nun doch dem Rat von Kant (und Castaneda – doch das ist ein anderes Thema) nicht folgen möchte: Esoterik im ursprünglichen Sinne ist kostenlos und ideologiefrei. Wer Geld nimmt oder Führerschaft beansprucht, ist ein Heuchler. Todsicher. Wer Reklame für sich macht, auch. Darum darf man ruhigen Gewissens die Abteilung „Esoterik“ in der Buchhandlung meiden, alles, was relevant ist, findet sich bei Platon – und mehr braucht kein Mensch.

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