Erziehung

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Erziehungsprobleme – über echtes und falsches Leben. Gedanken eines Vaters im Neoliberalismus

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Mittwoch, 1.6.2016. Eifel. Haben Sie Kinder? Hoffentlich nicht. Nicht, dass wir nicht welche gebrauchen könnten – im Gegenteil: wenn die Jugend bald nur noch 15 Prozent der Wählerschaft ausmacht, aber 50 Prozent der Wähler über 50 sind, dann haben wir in der Vergangenheit etwas grundlegendes falsch gemacht … zum Beispiel zu sehr nur auf uns geschaut, nur an uns selbst gedacht, nur mit uns selbst beschäftigt, aber alles abgegriffen, was nur irgendwie in Reichweite kam: Urlaub, Geld, Autos, Technikschrott, Grundstücke. Das geht nur wirklich richtig gut, wenn man auf Kinder verzichtet: die sind teuer an Zeit  und Geld (bis zu 260 000 Euro bis zum 18. Lebensjahr) gehen teils tierisch auf die Nerven und müssen lange Zeit immer jemanden um sich haben.

Ja: denken Sie nur an Urlaub. Da schleppen Sie die blöden Blagen mit, zahlen doppelt – wofür? Das die am Strand nur nerven, Durst haben, Hunger kriegen, aufs Klo müssen – was auch alles extra kostet, ohne dass es irgendeinen messbaren Nutzen gibt. Oder „wohnen“: mit Kindern geben Sie gleich wesentlich mehr aus, weil Sie ja mehr Räume brauchen … bzw. es dauert länger, bis Sie das notwendige Kleingeld für ihre Ego-Festung der Einsamkeit zusammenhaben, d.h. Sie müssen länger doofer Mieter bleiben. Außerdem sind sie völlig unflexibel (nähern sich selbst also dem Status: „unwertes Leben“), wenn die erstmal in der Schule sind: Umzüge können die gar nicht gut verkraften.

Ach ja: Schule. Egal was Sie im Leben geleistet haben: dort sind sie wieder ein kleiner Junge, der von der Lehrerin gemaßregelt wird, weil ihr Kind nicht der gewünschten Norm entspricht, ihr Kind also nicht erzogen wurde, um das verzögerngslose Ablaufen der Unterrichtsdurchführung nicht zu stören. Egal wie ihr Kind darauf ist – es wird irgendwie stören. Ich hatte mal eins, das war nach Aussage des Kinderarztes und Kinderpsychologen seinen Klassenkameraden um ein Jahr voraus: sozial, vom Wissensstand und intellektuell: was meinen Sie, was der gestört hat! War nicht Norm, passt nicht ´rein. Denken Sie nur daran: Sie müssen jederzeit frei und flexibel sein, wenn ihr Kind von der Schule nach Hause kommt und Ihnen eine Liste vor die Nase hält, was (und von welcher Firma) Frau Lehrerin alles gerne bis Morgen eingekauft hätte. Wenn Sie Pech haben, erzählt ihr Kind Ihnen das erst am frühen Abend, dann müssen Sie aber losrennen, sonst bekommen Sie einen schriftlichen Vermerk, dass das Kind wegen Materialmängeln nicht ausreichend am Unterricht teilgenommen hat. Ja, SIE bekommen den Vermerk, nicht das Kind. Der ist neutral formuliert, aber SIE gehen einkaufen – nicht das Kind. Außerdem haben sie 24 Stunden am Tag 7 Tage die Woche Bereitschaftsdienst, falls der Junior mal krank wird.

Es ist aber nicht nur Schule. Mehr und mehr wird „außerschulisches Engagement“ abgefragt. Sicher, wir in unserer Kindheit konnten die Frage noch leicht beantworten, da reichte ein einziges Wort: „spielen“. Vor allem viele Rollenspiele wie „Cowboy und Indianer“, um sich selbst einmal in verschiedenen Rollen zu sehen, Roboter, König und Widerstandskämpfer gingen auch. Heute erzeugt das Wort „spielen“ nur noch neoliberales Naserümpfen. Zwar ist jedes Kinderzimmer heutzutage ein kleines Kaufland, ausgestattet mit edelsten Waren, die bis unter die Decke gestapelt sind (so etwas gibt es heute an Stelle von „Liebe“ – über die es auch nur noch neoliberales Naserümpfen gibt, weil „Liebe“ = „Sex“ ist … weshalb es wohl soviel Kindesmissbrauch gibt, weil viele das einfach nicht mehr auseinanderhalten können), aber gespielt werden soll nur nach Vorlagen und Instruktion durch den Hersteller.

Der typische Plan für einen Achtjährigen sieht wie folgt aus: Montags: Break Dance, Dienstag: Ergotherapie, Mittwoch: Musikunterricht, Donnerstag: Fussball, Freitags: Karate. Am Wochenende: Spiele mit der Fussballmannschaft. Im Laufe der Jahre kann der Musikunterricht gegen eine eigene Band getauscht werden, das unsinnige Tanzen gegen Arbeit in der eigenen Schülerfirma, am Sonntag jedoch sollte man dann als Ausgleich bei der Flüchtlingsbetreuung helfen (mindestens) oder im Altenheim leichte Pflegetätigkeiten gratis übernehmen. Dazu zählen selbstverständlich erste zusätzliche Sprachnachweise in Französisch, Spanisch und Mandarin, erworben an der Volkshochschule, wo man – alternativ – selber Kurse gibt und ältere Erwachsene im Umgang mit dem PC schult.

Sie müssen einem Kind schon ganz schön Gewalt antun, um es in solch gewünschten Formen zu pressen – aber wenn Sie das getan haben, dann haben Sie selbst weniger Probleme, weil Sie alles getan haben, was man von Ihnen verlangt hat … und das ist sehr viel, immerhin müssen Sie Ihren Verstand ausschalten und alle elterlichen Gefühle im Keim ersticken, um ihrem eigenen Kind so etwas anzutun, das allein mit „spielen“ und „rumhängen“ schon vollauf beschäftigt wäre und diese Freiheit zur Charakterbildung dringend braucht.

„Alle Räder müssen rollen für den Sieg“ – den Endsieg das Kapitalismus in neoliberaler US-Ausprägung – und das heißt für Sie: Sie müssen maximal rennen, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde, völlig ohne Rücksicht auf sich selbst, ihre Gesundheit, ihren Lebenssinn, ihre Ziele – und vor allem: fernab jeglicher rationaler Lebensplanung, die weiß, dass das Alter der Maximalleistung mit absoluter Sicherheit Grenzen setzen wird, die – wenn sie überschritten werden – zu ernsthaften Krankheiten führen können. Aber so haben Sie ja auch gelernt, Verstand und Gewissen auszuschalten. Gewissen?

Ich möchte Ihnen da mal einen Witz erzählen, passen Sie auf, der kommt gut (siehe Amnesty):

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Das ist Artikel 1 der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte. Hatte man unter dem Eindruck von Auschwitz und Dachau, Coventry, Dresden und Hiroshima formuliert, als klar war, dass Kräfte in der Welt unterwegs waren, die größte Abscheulichkeiten gegen die Zivilbevölkerung eines Landes (auch die eigene) unternehmen konnten und auch noch Spaß daran hatten.

Hören Sie sich mal den Unsinn an, den die verzapft haben:

„diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal, damit jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unterricht und Erziehung die Achtung vor diesen Rechten und Freiheiten zu fördern und durch fortschreitende nationale und internationale Maßnahmen ihre allgemeine und tatsächliche Anerkennung und Einhaltung durch die Bevölkerung der Mitgliedstaaten selbst wie auch durch die Bevölkerung der ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Gebiete zu gewährleisten.“

Die Achtung vor Rechten und Freiheiten durch Unterricht und Erziehung fördern – ich höre, Sie lachen immer noch.

„da die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihren Glauben an die grundlegenden Menschenrechte, an die Würde und den Wert der menschlichen Person und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau erneut bekräftigt und beschlossen haben, den sozialen Forschritt und bessere Lebensbedingungen in größerer Freiheit zu fördern,“

Sozialen Fortschritt fördern … wann haben Sie dies das letzte Mal als Forderung einer politischen Partei gehört? Und „größere Freiheit“ – das war das letzte Mal Willy Brandt (SPD – auch wenn es heute überraschen mag), als er „mehr Demokratie wagen wollte“. Der „Wert der menschlichen Person“ ist heute wenigstens messbar – anhand der Rendite, die er Kapitaleignern eine Zeit lang bringt, bis ihn jährlich wachsene Leistungsnormen und sein Makel des „Alterns“ todsicher zum Jobcenter befördert, wo er auf seine weitere Restverwertung wartet.

Es kommt aber noch besser, keine Sorge, hier ist Artikel 7:

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.“

Das dürfte neu für alle Hartz IV- Empfänger in Deutschland sein, die seit elf Jahren einer beispiellosen Diskriminierung ausgesetzt sind, die den Vätern der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen lassen dürfte – erinnert die Sprache der Sozialdemokraten doch sehr an die Formulierungen der NSDAP zu diesem Thema. Auf einmal gab es wieder unwertes Leben, sozialen Rückschritt, schlechtere Lebensbedingungen PER GESETZ.

Oder Artikel 12:

„Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.“

Jeder – außer der Arbeitslose. Da bestimmt das Amt (oder der Ministerpräsident) die Art der Frisur, die Länge der Fingernägel, da kommt der Ermittlungsdienst des Arbeitsamtes, kontrolliert die Wohnung – von Ehre und Ruf ganz zu schweigen, denn vor dem Arbeitsamt bzw. den Handlangern der Arbeitslosenindustrie sind alle gleich … als Penner, Versager, Schmarotzer.

Ja – der geht er hin, der oben zitierte Geist der Brüderlichkeit. Leben Sie mal brüderlich in Verdrängungsmärkten – der Kapitalismus wird Ihnen schon zeigen, wo der Hammer hängt. Das durfte ich selber mal erleben, bei der internationalen Jahrestagung der Essex Pharma GmbH (in den USA: Schering Plough) in Orlando, USA. 5000 Mitarbeiter wurden dort versammelt, um sich die Hasspredigten des Managements anzuhören – das Hassobjekt war „der Konkurrent“, den es vom Markt zu vertilgen galt. Für uns gemäßigte Deutsche, die zuvor noch gelernt hatten, dass „Konkurrent“ schon ein zu scharfes Wort sei und man lieber „Mitbewerber“ sagen sollte, eine gewaltige Herausforderung – die  mit vielen Sachgeschenken und einer gewaltigen Show mit internationalen Stars unterfüttert wurde.

Man hätte sofort die Polizei holen sollen – wegen Aufhetzung zur Diskriminierung – aber keiner wusste noch, was in dieser Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte stand … und was das bedeutete. Und ich selbst hatte die Nummer der Polizei nicht – noch hätte ich darauf gehofft, dass sie im Sinne der UN eingegriffen hätte.

Aber ich schweife schon wieder ab – es sollte ja um Erziehungsfragen gehen: und da brauche ich Ihre Hilfe.

Ich habe nämlich noch so ein „Gewissen“ – wie es laut Artikel 1 alle Menschen haben sollten. Es ist auch staatlich geprüft. Ja: früher mussten Wehrdientsverweigerer noch beweisen, dass sie ein Gewissen haben – den meisten war es damals (1978) schon abtrainiert worden. Ich jedoch – hatte eins, brauchte also keinen Wehrdienst wie die anderen gewissenlosen Gesellen leisten (dafür Zivildienst im offenen Strafvollzug, wo mehr Menschen gewaltsam zu Tode kamen als in der Bundeswehr) – wie sollte das auch gehen: sich auf dem Schlachtfeld im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Da wäre ja der schönste, wichtigste und dringlichste Krieg gleich zuende! Nun – das war ja damals auch Absicht … heute sehen wir das etwas anders.

Dieses „Gewissen“ schlug dann auch zu, als ich mich im Schuldienst versuchte: was dort gefordert war, war kein Lehrer, der Kinder zum Denken anregt, ihnen das Phänomen „Gewissen“ erläutert und ihnen die Kunde von ihrer Freiheit bringt, kein Fachwissenschaftler, der die Stimme der Philosophie im Schulgebäude war (das war sogar extrem verpönt), sondern ein Vollzugsbeamter, der die fortlaufende Selektion durchführt – was allem widersprach, was man im Studium der Pädagogik gelernt hatte. Viele Geisteswissenschaftler revoltierten, wenn sie keinen Platz für die innere Emigration fanden. Aber immerhin wurde ja der Verkauf des Gewissens gut bezahlt: man konnte sich Videorekorder, Camcorder, Fernurlaube und Cabrios leisten. Und private Computer: damals ein absolutes Novum. Und auch wenn es jetzt stutzig macht: Pharmaindustrie – angeblich die härteste Branche in Deutschland – forderte das Gewissen nie so heraus wie Schuldienst … was ich aus Zeitgründen später näher erläutern muss. Nur soviel sei gesagt: die sind ehrlicher.

Nun zu meinem Problem – einem Problem, an dem ich arbeite, seit ich schulpflichtige Kinder habe: wie kriege ich meine Kinder in die Gesellschaft gepresst, ohne sie zu vernichten? Sie können sich vorstellen, dass ich oft genug versagt habe, naiv und einfältig auf die Einhaltung der Allgemeinen Menschenrechte im Schulwesen gepocht habe, ohne verstehen zu wollen, dass diese Erklärung in Deutschland kaum noch das Papier wert ist, auf das man sie dereinst gedruckt hat.

Glauben Sie nicht? Ok – noch ein Artikel, diesmal Nr. 22:

„Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.“

Ich kann da auch  noch deutlicher werden, siehe Artikel 23:

Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.

Wie erkläre ich meinen Kindern „Ein-Euro-Jobs“, Leiharbeit und Niedriglohnsektor? Wie erkläre ich Ihnen, dass Kleidung, Haarschnitt, Körpergeruch, die Länge der Fingernägel strengen Normen unterliegen, die – wenn sie nicht eingehalten werden – zur „Vogelfreiheit“ führen, mögliche Obdachlosigkeit inklusive? Wie mache ich Ihnen klar, dass ultimatives Dauergrinsen Pflicht ist in der Dienstleistungsgesellschaft, die in die allertiefsten Freiheiten des Menschseins eingreift – die Freiheit, zu Bullshitjobs auch Bullshitgesichter zu zeigen. Wie „Schutz vor Arbeitslosigkeit“ aussehen könnte – das kann wohl gar niemand mehr beantworten.

Man wird gezwungen, eine Lüge zu  leben, seine Gefühle zu vergewaltigen bzw. tief in sich zu vergraben: die freie Entfaltung der Persönlichkeit erlischt durch die Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag – oder, alternativ: zu einer Eingliederungsvereinbarung, die auch „gepflegtes Äußeres“ verlangen darf … also völlige Unterwerfung fordert, eine Konformität, die an den SS-Staat gemahnt. „Freie Entwicklung der Persönlichkeit“ – ist allenfalls noch im Rentenalter möglich (was uns vom NS-Staat unterscheidet).

Wissen Sie, was ich tun müßte? Ich müßte meinen Kindern Waffen in die Hand geben, ihnen klar machen, dass sie um ihre Zukunft, um die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte wieder kämpfen müssen … doch ich wüßte noch nicht mal, auf wen sie schießen sollten: der Feudalismus ist wieder da, aber diesmal so gut versteckt, dass er nur aus Unschuldigen besteht. Schuldig sind nur die, die sich als „Verschwörungstheoretiker“ auf die Suche nach den Verantwortlichen machen. Außerdem – haben meine Kinder ein Gewissen … und Eltern, die ihre Gewissensentscheidungen respektieren, die könnten also gar nicht mit der Waffe umgehen – geschweige denn, das Kunststück der Bundeswehr vollbringen, Menschen im Geiste der Brüderlichkeit zu erschießen.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Gerechte Entlohnung, die auch noch „befriedigend“ sein soll.  Eine würdevolle Existenz, Schutz vor Arbeitslosigkeit – das hört sich ja an, als hätten Linke die UN besetzt … dabei saßen da Konservative – auch Diktatoren, Könige und Kaiser … aber halt mit realer Kriegserfahrung im Hintergrund, der mal wieder gemachten Erfahrung, dass Kriege an der Front keine Sieger kennen – und zunehmend auch daheim nicht mehr. Wenn wir aber diese Konsensnorm, die am 10.12.1948 ohne Gegenstimmen angenommen wurden, als „links“ empfinden (was zweifellos 2016 die Mehrheit der Deutschen tun würde, weil sie unterschwellig dazu erzogen wurden und zu schwach zur Gegenwehr waren), dann zeigt das, wie „ultrarechts“ wir in der Realität geworden sind … ganz ganz ganz weit weg vom „links-grün-versifften Gutmenschentum“, das gewisse orientierungslose Parteien und künstlich erzeugte politische Pseudoströmungen aktuell anklagen.

Ich schweife schon wieder ab, dabei wollte ich Sie doch gezielt mit meinen Problemen belästigen.

Meine Kinder stellen Fragen. Sie kommen nun in ein Alter, wo die Gesellschaft von ihnen erwartet, ihre Arbeitskraft in den Dienst der Kapitaleigner zu stellen und denen ihren Zins zu erwirtschaften, auf Grund dessen sie ihr arbeitsloses Luxusleben führen können und ihren Aufsehern für einen Tag Arbeit im Monat 50 Millionen Euro für fünf Jahre Dienst zahlen können (siehe Finanzen.net). Mein Job wäre nun, meine Kinder zur Erreichung maximaler Verwertbarkeit anzuhalten, zur Arbeit zu zwingen – jener Arbeit, die (Überraschung!) auch im privaten, häuslichen Bereich gegen die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte verstößt (was jetzt viele, die emsig an der „Arbeitserziehung“ ihrer Kinder feilen, verunsichern sollte).

Doch da – kriege ich Ärger mit meinem Gewissen. Da kommt sogar der Wunsch auf, dass Blauhelme nach Deutschland verlegt werden sollten, um die Durchsetzung der allgemeinen Menschenrechte im Arbeitsleben zu garantieren. Doch wenn ich das meinen Kindern sage … werden die im Arbeitsleben nur anecken. Ich habe denen sowieso schon zuviel Zeit zum spielen und herumhängen gelassen … weshalb man mich wohl mal übel zur Verantwortung ziehen wird. Gut, dass ich das erst jetzt offenbare: das Jugendamt hätte einschreiten müssen, die Verwertbarkeit des staatseigenen Menschenmaterials war in Gefahr.

Andererseits – liebe ich meine Kinder, sehe, dass sie ganz wertvolle Menschen sind, wehrhaft, aber von friedlicher Natur, fleißig in jenen Gebieten, die sie sich selbst frei gewählt haben, begabt mit einem Gewissen, das sie schon in jungen Jahren nicht an einem Bettler vorbeigehen ließ, ohne dass sie ihm ihr knappes Taschengeld schenkten, um seine Armut zu lindern.

Aufrichtigerweise müßte ich Krieg predigen – Krieg gegen „den Markt“, der die Menschenrechte pervertiert, die Menschenwürde vernichtet, die Brüderlichkeit als Sozialromantik verbrämt und zum Wirtschaftskrieg aller gegen alle aufstachelt … aber mit diesem Ansinnen bekäme ich wohl nur einen festen Platz in der Psychatrie.

Wie also mache ich meinen Kindern klar, dass sie – ihr Geist, ihre Seele, ihr Körper – Waren sind, die sie ab jetzt zu verkaufen haben? Dass sie keine Würde mehr haben, weder Vernunft noch Gewissen besitzen sollen sondern … zu funktionieren haben, damit andere einen Stundenlohn von 100 000 Euro beziehen können. Und wenn sie nicht funktionieren – drohen Hausbesuche, Freiheitseinschränkungen und absolute Minimierung jeglichen sozialen Fortschritts bis hin zur Totalsanktion, die den Hungertod Realität werden läßt – jenseits des wohlfeilen postdemokratischen Wortgeklingels.

Haben Sie da vielleicht Antworten für mich?

Als Gewissensträger komme ich da arg ins Schleudern.

Sie nicht?

„Krieg dem Kriege“ – der Triumph des Bösen in Deutschland

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Freitag, 11.9.2015. Eifel. „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun“ – ein Edmund Burke zugeschriebenes Zitat aus einem melodramatischen Hitlerfilm (siehe Wikipedia). Ein gruseliges Zitat in einer Zeit, in der „merkeln“ ein neues Verb geworden ist. Ja, „merkeln“ – bezieht sich auf die qualitativ hochwertige, aktive und durchgreifende Regierungsführung von Angela Merkel (siehe qz) und steht für eine dynamische Mischung aus Nichtstun, Aussageverweigerung und Entscheidungsunwilligkeit – und damit lassen sich in Deutschland rekordartige Umfrageergebnisse erzielen. Einfach merkeln – und der Tag ist Dein Freund, was eine ganz wichtige Grundlage für den Trimph des Bösen ist.

Ja – das Böse, was ist das eigentlich? In unseren Zeiten ist das keine Frage: der Hass gegen Ausländer, dass ist das absolut Böse, gegen den sich das deutsche Volk nun wie ein Mann erhebt, falls es sich nicht gerade gegen die Ausländer selbst erhebt. Krieg ist in der Luft, wer auch nur leiseste Kritik an der Asylpolitik erhebt – ja, überhaupt nur reflektiert darüber reden möchte – ist sofort ein Nazi und damit zum Abschuss freigegeben. Die alten echten Nazis hätte das sehr erfreut, sie hatten eine gewisse eingeschränkte Vorstellung von politischer Debattenkultur, der heute auch die Ex-Grüne Jutta Ditfurth und ihre „Aluhut für Ken“-Brigaden (eine kleine Facebook-Hassseite für amateurhafte Hobbydenunzianten) frönen: für den Beweis der Schuldhaftigkeit reicht es, wenn der private Volksgerichtshof „Aluhut für Ken“ Anklage erhebt, das Recht auf Verteidigung des Angeklagten erlischt, wer vom Kommitee für Volksgesundheit und richtiger Meinung angeklagt wird, darf umgehend diffarmiert, beleidigt, entwürdigt und mit Steinen und Flaschen beworfen werden. Was haben die Ditfurth-Nazis getan? Sie haben für Frieden demonstriert, angesichts rasant anwachsender Kriegsgefahr in Europa. Es gibt – scheinbar – wichtigeres als den Frieden. Linientreue zum Beispiel, die von den Ex- und Pseudolinken um Frau Ditfurth mit äußerster verbaler Gewalt eingefordert wird – im Kampf gegen „das Böse“.

Die alten Nazis würden sich überhaupt in unserer Zeit wieder recht zuhause fühlen, leben wir doch nahezu wieder in Zeiten des Ermächtigungsgesetzes (siehe BpB):

Am späten Nachmittag unterschrieb Reichspräsident Hindenburg die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933, mit der wesentliche Grundrechte der Verfassung wie Freiheit der Person, die Unverletzbarkeit der Wohnung, das Post- und Telefongeheimnis, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, das Vereinigungsrecht sowie die Gewährleistung des Eigentums außer Kraft gesetzt wurden. Statt wie bisher mit lebenslangem Zuchthaus konnten nun Hochverrat, Brandstiftung, Sprengstoffanschläge, Attentate und selbst die Beschädigung von Eisenbahnanlagen mit dem Tod bestraft werden.

Ja, die Bundeszentrale für politische Bildung – immer eine Reise wert. Grundrechte wurden damals ausgehebelt – Grundrechte wie das Post- und Telefongeheimnis. In einem der am besten ausspionierten Länder der Welt gibt es dieses Geheimnis schon lange nicht mehr – und das Beste daran ist: sowohl die deutschen Geheimdienste (siehe Spiegel) als auch das Kanzleramt (siehe Spiegel) verteidigen den Bruch des Post- und Telefongeheimnisses vehement: man sieht, es geht auch ohne Ermächtigungsgesetz.

Freiheit der Person? Nur noch für jene Personen, die für das aktuell herrschende System eine hinreichende Verwertbarkeit aufweisen? „Verwertbarkeit“? Ja, diese faschistoide Begrifflichkeit kommt in Deutschland wieder zum Einsatz, aktuell mit Bezug auf Asylbewerber, die Grüne Claudia Roth hatte ihn unlängst im Fernsehen gebraucht (siehe Yahoo), im aktuellen bürgerlichen Neofaschismus darf man solche Maßstäbe wieder an Menschen anlegen. Wer nicht verwertbar genug ist oder sich nicht mit maximalem persönlichen Einsatz um seine Verwertbarkeit kümmert, landet bei „Hartz IV“ und verliert – ganz ohne Ermächtigungsgesetz – elementare Grundrechte wie die Reisefreiheit, ohne dass sich die braven Merkeluntertanen groß drum kümmern – es wird halt nicht nur im Kanzleramt gemerkelt.

Unverletzbarkeit der Wohnung? Schon bei Besuchen des von Nazis ins Leben gerufenem und immer noch aktivem „Jugendamt“ nicht mehr gegeben – verliert man die Arbeit, weil Firmen sich kurzzeitig „gesundschrumpfen“, ist es ganz vorbei: außer mit Kontrollbesuchen des Ermittlungsdienstes kann man mit dem Verlust der ganzen Wohnung rechnen (siehe rbb):

„Mit den Schlussfolgerungen aus einer Studie erhebt ein Team von Soziologen der Berliner Humboldt-Universität schwere Schuldzuweisungen gegen die Jobcenter. Die Wissenschaftler haben sich die Umstände von Zwangsräumungen genauer angesehen und schließen aus ihren Erhebungen: Vor allem die Jobcenter sind die Hauptverursacher für die zunehmenden Zwangsräumungen in Berlin.“

Ja – massenhafte Zwangsräumungen in Deutschland – wie in den dreißiger Jahren. Stört nur keinen … bzw. die meisten haben sich in dem System so eingerichtet, dass sie von diesen Aktionen profitieren – wie auch von den Massenenteignungen von Arbeitslosen, die keine „Gewährleistung des Eigenstums“ mehr erwarten dürfen. Wer hat sich damals nicht alles an jüdischem Eigentum bereichert?

Ja – so schnell wird die Welt des Ermächtigungsgesetzes wieder Realität – inklusive der Todesstrafe, die aktuell durch Totalsanktionen für Arbeitslose wieder in den Bereich des Möglichen gerückt ist, ohne dass auch nur eins der gleichgeschalteten großen Medien davon Kenntnis nimmt. Das Böse triumphiert wieder – das Gute merkelt … oder „tut so als ob“, gibt den Bomben auf den Kosovo einen ethisch-grünen Anstrich und verleiht dem Krieg gegen die Arbeitslosen das Prädikat „biologisch wertvoll“: der Kern des heuchelnden Gutmenschentums.

Das war – mal anders. Und war natürlich in Deutschland verboten. „Krieg dem Kriege“ heißt ein kleines Buch von Ernst Friedrich aus dem Jahre 1924, das auf dem Titelbild das „Ebenbild Gottes mit Gasmaske“ zeigt und im Inneren dutzende von Nahaufnahmen von verstümmelten Menschen auffährt, Aufnahmen, die heutzutage verpönt sind und mit dem neutralen und sauberen Begriff „Kollateralschäden“ getarnt werden, Schäden, die allgemein als alternativlos anerkannt  und allerhöchstens von veralteten Sozialromantikern beklagt werden. Ich möchte ein wenig hieraus zitieren – aber keine Angst, ich halte mich an das kriegsfördernde Tabu, keine Aufnahmen von natürlichen Folgeschäden von Kriegen zu veröffentlichen – keine abgerissenen Gliedmaßen, keine verstümmelten Körper, keine zerfetzten Gesichter … obwohl es schon erstaunlich ist, wie viel Gesicht man verlieren kann, ohne zu sterben, ja, sogar ohne Unter- und Oberkiefer und Nase kann man noch fortbestehen.

Ernst Friedrich wollte – nach den entsetzlichen Erfahrungen des ersten Weltkrieges, die im zweiten Weltkrieg noch in jederlei Hinsicht übertroffen wurden, dem Krieg an sich ein Ende setzen: das war der Sinn seiner Bildersammlung. Hören wir ihm mal ein wenig zu, wie der sich die Beendigung aller kriegerischen Zustände vorstellt:

„Macht Euch frei von bürgerlichem Vorurteil! Kämpft gegen den Kapitalismus in Euch! Aus Eurem Denken und Eurem Tun spricht noch unendlich viel von Spießer- und Soldatentum und fast in jedem steckt noch so ein eingedrillter Unteroffizier, der herrschen und befehlen will, sei´s auch nur über eigene Kameraden, und über Frau und Kind in der Familie!“ Und sag ich auch zu jenen bürgerlichen Pazifisten, die nur mit Händestreicheln, mit Teegebäck und frommen Augenaufschlag Kriege zu bekämpfen suchen: „Kämpft gegen den Kapitalismus – und Ihr kämpft gegen jeden Krieg“. Das Schlachtfeld in Fabriken und Gruben, den Heldentod in Siechenhäusern, das Massengrab in Mietskasernen, kurzum: den Krieg, den scheinbar ewigen Krieg der Ausgebeuteten gegen die Ausbeuter! Seht Ihr das alles nicht?! (aus Ernst Friedrich, Krieg dem Kriege, Zweitausendeins, 3. Auflage Juli 1980, Seite 11).

Der Krieg als Feind der Menschheit – was wäre das für ein edles Motiv, ihn selbst als Feind zu erkennen anstatt ihn als Werkzeug zu verstehen, mit dem man den „Bösen“ erlegen kann – und so selbst zum Werkzeug des Bösen wird wie der Grüne Ludger Vollmer, der 2002 sinngemäß ein „Feuer-frei-auf-Terroristen“ forderte (siehe Süddeutsche) – was ja seitdem auch geschieht. Damit die sich auch angemessen wehren können, liefern wir mehr und mehr Waffen in die Welt, die unkontrolliert in alle Hände gelangen. Da dies Arbeitsplätze fördert, haben wir keinerlei Bedenken mehr: wir würden wohl auch Konzentrationslager mit Blick auf die dort vorhandenen Arbeitsplätze vor der Schließung bewahren.

Kampf gegen den Kapitalismus – in Zeiten, in denen vielen Stimmen auch aus konservativen Lagern das Ende dieser Wirtschaftsform beschreiben, eigentlich keine große Herausforderung. Trotzdem bildet sich nirgendwo eine politische Kraft, die den Kampf gegen diesen Moloch aufnimmt – obwohl er den ganzen Planeten zu zerstören droht. Wir stehen sogar fassunglos vor einer deutschen Regierung, die gnadenlos wie eine Besatzungsmacht in die Politik anderer Staaten hineinregiert – wie z.B. in Griechenland, wo die Bundesregierung in einem von Arbeitslosigkeit zerrüteten Land weitere Massenentlassungen fordert (siehe Spiegel). Nun – es ist wohl nicht nur die brutale erfahrbare Übermacht des zusammenbrechenden Systems Kapitalismus, das in Deutschland demnächst leicht Hungersnöte hervorrufen kann – auch wir selbst sind es, weil wir den Kapitalismus als Wertegeber schon längst in uns haben: WIR sind der Kapitalismus selbst. WIR produzieren mit aller Gewalt sein verwertbares Menschenmaterial und machen sogar vor unseren eigenen Kindern nicht halt (siehe Spiegel):

„Endlich Ferien, endlich Nichtstun? Mitnichten. Eine Umfrage unter Eltern zeigt: In 55 Prozent aller Familien lernen die Kinder auch in den schulfreien Wochen.“

Für Ferien gibt es gute Argumente, sie sind extrem nützlich für die Persönlichkeitsentwicklung des jungen Menschen – 55 Prozent der Eltern arbeiten aber gegen jede Vernunft, Menschenliebe und pädagogischer Forschung nur an der Verbesserung der Verwertbarkeit der eigenen Kinder … ein unvorstellbarer Horror. Kann es sein, dass die Kritik von Ernst Friedrich nach 90 Jahren immer noch zutrifft? Nun – wie sollte man sich diese entsetzlichen Entwicklungen sonst erklären, Entwicklungen, die dazu führen, dass die so genormte Ware „Kind“ mit 45 wegen „burn out“ absolut arbeitsunfähig ist und fortan nur noch im Hartz-IV-Gettho dahinvegetieren kann.

Ist es so, dass in uns immer noch viel „Spießer- und Soldatentum“ steckt? „Spießer“ kommt von Spießbürger, den ich lieber mit dem „Spießrutenlauf“ assoziiere, mit dem Spaß das Kleinbürgers, seine Mitmenschen so oft zu triezen, wie es nur geht. Das wird vielen Kindern von klein auf beigebracht, das Soldatentum ist wieder voll auf dem Vormarsch (siehe srf):

„Der Verlust des Mitgefühls entsteht, weil der Mensch von Anfang an lernt: Kampf und Konkurrenz sind die Triebkräfte des Daseins. Kinder lernen Feind-Denken. Andere Bewusstseinszustände werden als naiv eingestuft, als unrealistisch, als schwach. Empathische, dem Menschen zugewandte Wahrnehmungen werden unterdrückt und unser Bewusstsein wird auf abstrakte kognitive Ideen, über das, was Realität ist, reduziert.“

An dieser Vernichtung der Empathie arbeiten mindestens 55 Prozent der deutschen Elternschaft – wenn nicht sogar mehr. „Konkurrenz“ ist die Triebkraft des Kapitalismus, er favorisiert einen Sozialdarwinismus, der durch die Agenda 2010 einen neuen Schub in Deutschland bekommen hat, er will eine Gesellschaft, in der nur die Starken überleben … wobei heutzutage die „Starken“ die Reichen sind, die die größte Befehlsgewalt über die Maschinen haben, die die notwendigen Arbeiten zunehmend ohne Menschen erledigen können.

Der Krieg gegen den Kapitalismus fängt schon bei der Erziehung unserer Kinder an – und hier versagen wir als Eltern völlig, sind nur noch willfährige Büttel eines sterbenden Systems, die gezielt möglichst effizient verwertbare Ware prodzieren wollen … das es mal eine Wissenschaft wie „Pädagogik“ gab, scheint lang vergessen zu sein, wie auch die Tatsache, dass es mal eine politische Einstellung namens „Pazifismus“ gab – eine Einstellung, die gerade im letzten Jahrhundert zusehends mehr an Notwendigkeit gewonnen hat. Warum? Nun – der Krieg vernichtet zunehmend mehr Zivilisten als Soldaten, eine perverse Entwicklung, die Jahrtausendelang nicht vorkam und eine Erfindung der Moderne ist.

Wir führen in Deutschland Krieg gegen die eigenen Kinder – eine logische Konsequenz in einem Land, das das Schwache verachtet. Werden die Eltern arbeitslos, bekommt das Kind 2,5o Euro am Tag für die Ernährung – viel zu wenig, um gesund ernährt zu werden …. und viel weniger als das Vierte Reich und Merkelland für die Ernährung seiner Polizeihunde ausgibt. Kinder sind schwach, jahrelang – und deshalb unerwünscht. Kein Wunder, dass wir das Land mit der weltweit niedrigsten Geburtenrate sind (siehe Spiegel), andererseits sind wir aber Meister im Krieg gegen unsere Umwelt, alles mit dem Segen der Partei der Grünen, die uns als kollektives gutes Gewissen gilt und alle Sauereien gesellschaftsfähig macht.  Immerhin trennen wir den Müll ordentlich – keiner jedoch fragt sich, ob unsere Maschinen uns eigentlich wirklich mit so viel Müll versorgen müssen, noch hindert es uns daran. die größten Drecksäcke des Kontinents zu sein: Meister in der Müllproduktion, uneingeschränkte Könige des Abfalls in Europa (siehe Spiegel), wobei Europa insgesamt eine Vorreiterrolle in der Disziplin „Verseuchung der Landschaft mit Elektromüll“ hat (siehe Spiegel).

Neunzig Jahre sind seit dem Buch von Ernst Friedrich ins Land gegangen – und schon wieder geifert die Jounaille nach einem neuen Krieg – so dreist, das selbst der zufriedene Deutsche sich letztes Jahr erregte. Nach dem Arbeitslosen als Ziel für die Spieße der Spießbürger wurde nun der Putin herbeibeschworen als böses Ungeheuer, das es zu vernichten gilt – mit Sondereinsatzkommandos und deutscher Speerspitze, so als hätten wir nie etwas gelernt aus der Geschichte.

Das gilt natürlich alles nicht für Sie, oder?

Deshalb haben Sie auch kein Problem damit, ihr Kind dem überzogenen Verwertungsdruck des Kapitalismus zu entziehen und ihm eine ruhige, gemütliche Kindheit auf der Hauptschule zu gönnen, oder?

Oder … höre ich da jetzt etwa Klagen über den immens hohen Ausländeranteil in den Hauptschulen … und das in einem Land, das gerade offiziell an allen Ecken seine unglaubliche Ausländerfreundlichkeit vortanzt – als gäbe es einen Befehl dazu?

Ich kann Ihnen noch etwas viel Unheimlicheres erzählen – über den Nazi in Ihnen. Jedesmal wenn Sie einem Ihrer Mitmenschen sagen „Du musst“ (z.B. bei Fragen der Gesundheit, des korrekten Sozialverhaltens, der Arbeitsdisziplin, der Wohnungseinrichtung, der Ernährungsgewohnheiten, der Altersvorsorge oder der Lebensgestaltung – um nur ein paar Felder zu nennen,  in denen man ungefragt eine Reihe von Rat“schlägen“ bekommen kann, die an Spießrutenlauf erinnern) tritt der „eingedrillte Unteroffizier“ auf den Plan, der „herrschen und befehlen will“.

Krieg gegen den Krieg?

Völlig illusorisch im Deutschland des Ermächtigungsgesetzes bzw. seiner modernen Gestalt.

Wir … vegetieren lieber im kollektiven Merkeln dahin, während das Böse triumphiert.

 

 

 

 

 

Brief eines Leistungsträgers an die Regierung: wie motiviere ich meine Kinder?

Brief eines Leistungsträgers an die Regierung: wie motiviere ich meine Kinder?

Dienstag, 12.11.2013, Eifel.

Liebe Bundesregierung.

Heute ist wieder einmal ein Morgen, an dem ich mich nur mit sehr heftigen Schmerzen bewegen kann. Der Grund ist einfach zu benennen: Rücken. Genauer gesagt, fehlen Bandscheiben im Lendenwirbelbereich. Wie alle anderen Leistungsträger auch habe ich alles gegeben, 1 000 000 Kilometer Autobahn (und viele Flugkilometer nebenbei – aber die waren nicht so schädlich, jedenfalls nicht für mich) habe ich in fünfzehn Berufsjahren hinter mich gebracht. Mir hat das nicht gefallen, obwohl ich gerne gereist bin: mir war jederzeit bewusst, dass ich der Umwelt keinen Gefallen damit tue. Aber: Arbeit muss ja sein.

Mit dieser Aussage renne ich bei Ihnen wahrscheinlich offene Türen ein, immerhin haben Sie die gesamte, mühsam gestaltete Sozialgesetzgebung so gestaltet, dass Arbeitslose mit Enteignung, Einschränkung der Bürgerrechte und öffentlicher Schmähung durch Staats- und Wirtschaftsfunk für ihren Frevel bestraft werden. Ich habe innerhalb von zehn Jahren mein Gehalt vervierfacht, mehrere Karrierestufen hinter mich gebracht, hatte ein sechsstelliges Gehalt in DM – und Euro und vor allem: Arbeitszeiten bis zu 120 Stunden die Woche. Manche Kollegen haben diese Belastung nicht überlebt. Es gab Tage, da habe ich mit einem einzigen Anruf eine Million Euro Umsatz gemacht: wenn ich mich Recht entsinne, definieren sie so den Leistunsträger, weshalb ich mich einfach mal als ein solcher vorstellen möchte, weil ich ja weiß, dass wir der Regierung liebstes Kind sind.

Momentan kann ich mich wieder nur mit Trippelschritten bewegen, alles andere führt zu Schmerzen gegen die Zahnweh ein Witz ist. In guten Zeiten kann ich nicht lange gehen, sitzen oder stehen, oft muss ich mich hinlegen, um meine Rückengymnastik zu machen und die eingeklemten Nerven wieder aus dem Würgegriff der Knochen zu befreien. Die Wohnung kann ich heute nicht verlassen – sind halt gerade keine guten Zeiten – werde den Tag wieder liegend verbringen müssen.

Nun – ich will nicht groß klagen. Mir geht es viel besser als meinen Leidensgenossen. Einen kenne ich persönlich, er ist 39 Jahre alt und völlig verzweifelt, ist ans Jobcenter angebunden, schreibt viele Bewerbungen und ist im Prinzip genauso unvermittelbar wie ich. Der Unterschied zwischen ihm und mir? Ich erhalte als letzter Jahrgang eine kleine Berufsunfähigkeitsrente, die Sie für die Jahrgänge nach mir einfach abgeschafft haben. Ich kann mich gut hineinfühlen in die Lebenssituation meines Kollegen, der sich wie ein kerngesunder Mensch bewerben und bewähren muss, obwohl er seine Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die Ausführung der eigenen Körperbewegungen richten sollte: ist man hier auch nur einen Moment unachtsam, befördert man Lasten von mehr als 2 Kilogramm Gewicht, so kann es sein, dass man schnell am Boden liegt, weil einem die Beine weggebrochen sind. Ein schwerer Wintermantel stellt da schon ein Risiko dar.

Wie sie sehen, bin ich Ihnen sehr dankbar für die kleine Leibrente, da ich ein zurückgezogenes, vergeistigtes Leben immer sehr geschätzt habe, komme ich auch mit der Ausgliederung aus der Konsumgesellschaft gut zu recht und bin auch dankbar dafür, dass ich mein Wahlrecht noch behalten durfte.

Und doch habe ich ein Problem.

Ich habe Kinder. Sechs davon kennen ihren Papa nur als Arbeitstier, aber sie haben auch erlebt, was man sich alles leisten kann, wenn man arbeiten geht. Das ist ja auch richtig: es war Wunsch der Bundesregierung, dass alle sehen können, dass Leistung sich wieder lohnt.

Doch nun, liebe Bundesregierung, habe ich ein Problem. Obwohl ich – neben vielen anderen Abschlüssen – auch ein pädagogisches Studium sehr erfolgreich beendet habe, komme ich nicht umhin, zuzugeben, dass meine Kinder mein Leben als Botschaft begreifen:

Geht man arbeiten, wird man krank. Wird man krank, wird man arm und fortgejagt. Also geht man besser nicht arbeiten, damit man wenigstens gesund arm sein kann“.

In der Tat: ich würde viel dafür geben, gesund zu sein, kann also an dieser Stelle die Negierung von Krankheit gut verstehehn. Mein größtes Hobby waren lange Wanderungen durch die einsamen Moore Belgiens, ein Tag im Moor ersetzt leicht eine Woche Urlaub auf den Malediven. Nun darf ich nur noch in Begleitung wandern – oder mit Handy. Da es im Moor keinen Empfang gibt (diese Belgier! Noch nicht mal das kriegen sie hin!), ist diese Option für mich nicht lebbar. Aber was soll es: da jeder Schritt gewöhnlich von unterschiedlich starken, stechenden Schmerzen im Lendenwirbelbereich begleitet wird, ist das Wandern eh´ keine Freude mehr.

Nun – wie gesagt: ich will nicht klagen. So ein zerbröselter Zustand ist gut und nützlich, um sich mit seiner Sterblichkeit endgültig zu versöhnen: der Zeitpunkt, der ein absolutes Ende der Schmerzen und des elenden Leides bedeutet, rückt jeden Tag einen Tag näher heran, ohne dass man etwas dafür tun muss – das erfreut einen jeden Tag ein klein wenig mehr.

Was aber mache ich jetzt mit meinen Kindern? Immerhin weiß ich, dass Eltern in erster Linie durch ihr Vorbild erziehen, weniger durch Worte. Welche Worte soll ich denn auch noch wählen, um hier motivieren zu können? Auch wenn es jetzt übel klingt: meine Leistung hat dazu geführt, dass meine Kinder Leistungsverweigerer werden – und obwohl ich Sonderschulungen für Motivation und Führung erhalten habe, fehlt mir da völlig der Ansatzpunkt. Besser wäre es gewesen, ich wäre mein Lebtag lang arbeitsloser Alkoholiker gewesen – so wäre ich wenigstens ein schlechtes Beispiel, dass den Kindern im eigenen Leben einiges hätte ersparen können. So jedoch bliebe mir nur die Drohung mit Hunger, Obdachlosigkeit und zukünftigem Arbeitslager – doch derartiges Arbeiten entspricht nicht meinen beruflichen Fortbildungen.

Kein Konzern arbeitet mit Strafen als Motivationsinstrument, dort verlegt man sich lieber auf Bonuszahlungen – die es oftmals auch gibt, wenn gar kein Erfolg der Arbeit zu sehen ist: zur Not greift einem ja der Steuerzahler unter die Arme.

Für Bonuszahlungen kann ich trotz bescheidener Lebensführung kein Budget mehr einrichten – wie Sie vielleicht nachvollziehen können.

Es ist auch nicht nur die Armut durch Krankheit, die meine Kinder zu ihrer Einstellung führt – hier kommen sie eher nach ihrem Vater und schätzen den einfachen, rustikalen Lebensstil des Eremiten – es ist das völlig Fehlen der Würdigung der erbrachten Leistung, das Erkennen, dass Einsatz und Leistunsbereitschaft völlig nutzlos sind, weil am Ende nichts übrig bleibt außer Schmerzen und der Versuch der Entwürdigung – ganz unabhängig davon, dass man jahrzehntelang überdurchschnittlich viele Beiträge in alle nur denkbaren Kassen geleistet hat, von denen sehr viele heute noch sehr gut leben. Wo gibt es noch etwas Dankbarkeit für die vielen DM und Euro, die man für den Staat, für die Gemeinschaft erwirtschaftet hat – in meinem Falle sogar echter Reingewinn durch Rückführung der Umsätze ausländischer Konzerne in deutsche Steuerkassen?

Man könnte auf die Idee kommen, dass es besser gewesen wäre, Soldat geworden zu sein um im Ausland völlig fremde Menschen zwecks Rettung der von den Taliban unterdrückten Drogenproduktion zu erschießen – dort bekommt man für eine Verwundung wenigstens einen kleinen Orden, ist ein Held. Wird man krank durch Arbeit, ist man …. böse?

Nun – ich will aber nicht für mich sprechen – mir geht es um die Kinder.

Ich plage mich nun seit acht Jahren mit dem Problem der Motivation herum, stelle jetzt aber – dank eindringlicher Studien auf Facebook – fest, dass ich nicht allein mit dem Problem da stehe … nur geht es anderen noch viel schlechter als mir, der ich durch die kleine Rente sehr priviligiert bin, diese Priviligierung aber nutzen kann, mich öffentlich zu äußern. In diesem kinderarmen Land sind es Millionen von Kindern, die sehen müssen, wie die Lebensarbeitsleistung der Eltern im Falle von Alter und Krankheit mit Füssen getreten wird.

Ich weiß nun, dass Sie als Bundesregierung sehr beschäftigt sind. Beständig müssen mehr Posten für verdiente Mitglieder der Partei geschaffen werden, ständig steigende Bezüge verlangen nach gut überlegten Anlagemöglichkeiten, ebenso warten auf jeden Abgeordenten zehn Lobbyisten, um seinen Tag zu strukturieren und viele Unternehmen fragen einen als Vortragsredner an – was sich ja auch sehr angenehm in den eigenen Vermögenswerten widerspiegelt. Ich möchte aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass Sie vielleicht doch ein wenig Aufmerksamkeit auf dieses Problem lenken, da es kein kleines ist.

Auf der Konzernebene kennt man es gut: die „innere Kündigung“ betrifft (je nach Studie) 24 – 90 % aller Mitarbeiter und richtet jährlich einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 250 Milliarden an, dass sind 3 Billionen Euro seit 2001, dem Jahr, in dem Sie die winzige Berufsunfähigkeitsrente für alle gestrichen haben. Auf Konzernebene kann man das Problem auf vielerlei Arten angehen – und tut das auch. Schöne Weltreisen, coole Sachprämien, kleine persönliche Präsente – da ist vieles machbar, was vor großem Schaden schützt – und den Schaden kennt man genau: nicht wenige große Firmen sind durch mangelnde Motivation der Mitarbeiter in den Ruin getrieben worden.

Was aber wird aus dem Problem der „inneren Kündigung“, wenn es die Jugend eines Staates betrifft?

Sicher: Ihre Kinder sind auf einer Privatschule, deren „Ehemalige“ für jeden Absolventen eine Führungsposition in Politik und Wirtschaft frei räumen – doch diesen „Häuptlingen“ werden in Zukunft wohl die „Indianer“ fehlen.

Ich jedenfalls bin noch bemüht, auch meine Kinder zu Leistungsträgern dieses Staates zu machen, trotz meiner üblen Erfahrung mit diesem Status  – jedenfalls, wenn man ihn sich durch Arbeit verdienen muss. Jetzt gestehe ich aber: ich bin am Ende meiner Kunst angelangt. Darum wende ich mich nun direkt an Sie, denn immerhin haben Sie sich einer ganz besonderen Verpflichtung unterworfen:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Lösung meines kleinen Problemes vielen anderen Menschen helfen kann und somit geeignet ist, sehr viel Schaden von dem deutschen Volk abzuwenden – sogar Schaden in Billionenhöhe.

Mit besten Grüßen: Ihr Eifelpilosoph, Leistungsträger im Entsorgungszustand

 

 

 

Warum sind unsere Kinder heute so komisch

Wie ich schon in einem früheren Beitrag erwähnt habe, bin ich seit 22 Jahren Handwerker. In dieser Zeit habe ich auch ständig Praktikanten gehabt und betreut. Vorzugsweise bekomme ich diese Kinder für 2 Wochen wenn Sie in der 7.Klasse sind. Da hier in der Gegend eine Hauptschule, eine Realschule und ein Gymnasium ist und mein Job für alle gleichermaßen interessant erscheint, kommen Sie von allen Schulen gleichermaßen. Was mir nun aufgefallen ist: Mit der Zeit wurden die Kinder immer merkwürdiger. Sie nehmen völlig kritiklos alles hin, was man Ihnen vorsetzt, haben als einziges Interesse nur Ihre Kleidung, Ihre Mobiltelefone, die neusten PC-Spiele und was sie denn sonst an Spass haben können. Auch empfinde ich die Kinder als äußerst oberflächlich, desinteressiert und respektlos. Da ich selber sehr viel lese, frage ich immer gerne, was denn das letzte Buch ist, das Sie freiwillig gelesen haben und es ist für mich kaum zu glauben, das sehr oft als Antwort kommt, „ich lese nicht“. Auch können Sie sich erstaunlich schlecht Sachen merken und sind fürchterlich schlecht informiert. Wenn es gut läuft, können Sie vielleicht 3 Politiker aus dem aktuellen Kabinett hersagen, bei unserem Ministerpräsidenten wird es dann ganz schwierig. (Klar, es gibt Ausnahmen, aber die sind nur sehr selten)
Die Frage ist nun wie kommt das? Sehen wir uns mal eine normale deutsche Familie und eine normale deutsche Kindheit an. Hierbei ist mir klar, das es Familien gibt, die Hartz 4 beziehen und noch weitaus schlimmer dran sind als nachfolgend beschrieben und ich habe mir auch sagen lassen, das es sogar noch Familien geben soll, wo genug Geld da ist. Dies erscheint mir als Ausnahme, darum nun meine Beschreibung des von mir so empfundenen Durchschnitts: Das junge Paar war mutig und hat sich 1 Kind „angeschafft“. Da das Geld natürlich nun sehr knapp ist, müssen beide Elternteile arbeiten. Sie haben Glück und können das Kind mit einem dreiviertel Jahr zu einer Tagesmutter geben. Danach kommt es in den Kindergarten und sowie es alleine nach Hause findet, kann Mutti wieder ganztags arbeiten und das Kind muss nach dem Kindergarten alleine zurecht kommen. Da die Eltern Ihr Kind sehr lieb haben, aber leider keine Zeit, bekommt es mit 4 oder 5 seinen eigenen Fernseher und guckt sich den Schwachsinn an, der am Nachmittag kindgerecht auf den Konzernmedien präsentiert wird. Natürlich ist dieses „Programm“ gespickt mit kindgerechter Wirtschaftspropaganda, damit das Kind auch weiß, was es sich für Spielsachen zu wünschen hat. Wenn das Programm zu Ende ist, wird sich an die Playstation gehockt und irgendwann kommt dann auch Mama geschafft von der Arbeit. Es wird schnell Fraß gemacht, dreimal über den Kopf gestreichelt, aber dann wartet auch schon der Haushalt, der Alte will sein Essen und außerdem ist das Kind ja auch beschäftigt. Irgendwann ist der Tag dann rum, der nächste Tag ist genau so. Wenn das Kind dann zur Schule kommt, kommt auch noch der Druck und die Versagensangst dazu, aber leider hat nie einer Zeit, dem man sich mal anvertrauen kann, Mama ist ja immer müde und Papa sieht das Kind nur stundenweise oder am Wochenende, da will es ja nicht nerven. In der Schule geben die Freunde etwas Halt, denn bei denen sieht es zu Hause auch nicht groß anders aus, aber wie Kinder so sind, machen Sie das nach, was Sie gelernt haben, also müssen die neusten Spiele her, das neuste Mobiltelefon, Schuhe, Jacke etc, wie es die Wirtschaftspropaganda schon jahrelang vorgaukelt, denn wer anderes war ja nie da, der einem gesagt hat was gut ist und was man haben MUSS um jemand zu SEIN. Wenn das Kind nun älter wird, kommt als Haupt Freizeitaktivität „rumhängen“ hinzu, denn da unser Staat ja pleite ist, wird auch noch das letzte Jugendzentrum zu gemacht und die Kinder haben gar nichts.

Ist es da ein Wunder das die Kinder komisch sind, wenn mir den ganzen Tag jemand den Kopf mit banalem Unsinn gefüllt hätte und mir nie oder nur ganz selten einer gesagt hätte, das Er oder Sie mich lieb hat, wäre ich wohl auch ein soziopatisches Monster geworden, das sich nichts merken kann, sich nicht länger als 10 Minuten auf was konzentrieren kann und nur was auf Äußerlichkeiten gibt. Ich glaube allerdings unser Staat möchte das so haben. So züchtet man sich willfähige Jasager, die eigentlich keine wirklichen Interessen haben außer zu konsumieren und alles hinnehmen, was Ihnen vorgelogen wird, sie haben ja nie was anderes kennen gelernt.

Testament eines liebenden Vaters, Deutschland 2011

Liebe Kinder. Irgendwann im Leben eines Menschen kommt der Zeitpunkt, an dem man zurückblickt, Bilanz zieht und sein Testament macht. Als eure Eltern noch jung waren, war das Leben noch schön. Es gab ein wirtschaftlich starkes Land, das sich auf dem Weg zu einer perfekt funktionierenden Demokratie war. Es war eine Zeit, zu der man – trotz aller industriell bedingten Umweltzerstörungen – verantworten konnte, Kinder in die Welt zu setzen.

Heute … muß man sehen, das das ein Fehler war.  Ein großer Fehler. Womit niemand gerechnet hatte, war, das es Kreise in der Republik gab, eine verschworene Elite von Haderlumpen, die nichts anderes im Sinn hatten, als ihre Macht und ihren Einfluss dahingehend auszunutzen, das Land in Grund und Boden zu regieren und sich dabei die eigenen Taschen bis zum Abwinken vollzustopfen.

Nun, der Fehler ist geschehen – und es ist die Frage, ob „Leben“ an und für sich überhaupt „Fehler“ sein kann – doch das ist nicht Sinn meines Schreibens. Mir geht es darum, mich zu entschuldigen. Nicht dafür, das wir Euch ins Leben gezerrt haben, sondern … dafür, das wir gespart haben für eine Zukunft, die schon lange verloren war.  Dafür, das wir Euch Druck gemacht haben, dafür, das wir euch durch die Schule geschliffen haben und dafür, das wir in unserem Leben nichts anderes kannten als Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Heute wissen wir, das es falsch war. Es war falsch, Geld für eine eigene Wohnung zu sparen, es war falsch, Sparverträge für eure Ausbildung abzuschließen und Rücklagen für das Rentenalter zu bilden. Es war falsch, Euch nicht den ganzen Tag in der Wohnung einzusperren, es war erst recht falsch, euch Zugang zu Medien zu gewähren.

Hochprofessionelle Experten aus Psychologie, Werbung und Verkauf hatten euch schneller als Zielgruppe im Visier, als wir es durch die „Tagesschau“ mitbekommen hatten. Noch bevor ihr überhaupt eine Chance hattet, euch eine eigene Meinung zu bilden, hattet ich schon ein dutzend Überzeugungen von der Werbeindustrie implantiert bekommen – wie man sich kleidet, wie man redet, womit man kommuniziert, wie man sich einrichtet, womit man spielt oder wohin man unbedingt reisen mußte.

Wir hätten mit euch auf eine Almhütte ziehen müssen, um euch dem zu entziehen. Stattdessen – haben wir Euch der Schule überantwortet. Dort nahm man keine Rücksicht auf eure Belastung durch den Bewußtseinsmüll der Industrie, dort wollte man Menschen, die in der Lage waren, dem Bildungsideal des 19. Jahrhunderts zu entsprechen. Wir als Eltern hatten nur zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: entweder Almhütte und Arbeitslosigkeit … oder Kapitulation.

Während wir zur Leistungselite strebten, stolz waren auf Einkommen und 80-Stunden-Woche, übersahen wir vor lauter Geschäftigkeit, das ihr vor die Hunde gehen musstet, was uns Yahoo jetzt eröffnet:

Die Schulexpertin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, hat vor zu hohem Leistungsdruck auf Deutschlands Schüler gewarnt. „Der Wettbewerb um gute Noten nimmt mancherorts hysterische Züge an, belastet die Elternhäuser und macht viele Kinder krank“, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende in einem Interview mit der Zeitschrift „Super Illu“. Aus den USA schwappe zudem „das hohe Lied des Drills zu Höchstleistungen mittels menschenverachtender Erziehungsmethoden zu uns herüber“.

Wir haben übersehen, das wir noch andere – staatsbürgerliche – Pflichten gehabt hätten … und diesen Mangel müßt ihr jetzt ausgleichen. Wir hätten ein Superleben haben können, dreimal im Jahr in den Urlaub fliegen, jedes Wochenende Alkohol bis zum Überdruß und pennen bis in die Puppen. Stattdessen haben wir euch vorgegaukelt, ihr müßtet lernen, Disziplin üben, fleißig sein um Erfolg im Leben zu haben. Dabei haben wir nichts anderes getan als Euch zarte Pflänzchen in eine feindliche Wüste auszusetzen und euch noch einzureden, das sie die Beste aller möglichen Welten.

Das ging auch nur solange gut, bis die Arbeitslosigkeit kam, die heutzutage jeden irgendwann mal erwischt und – siehe Yahoo – systematisch Existenzen und Familien ruiniert:

Arbeitslosigkeit ist der häufigste Grund für Überschuldung. 28 Prozent derjenigen in Deutschland, die 2009 eine Schuldnerberatung aufgesucht hätten, seien aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit in Finanznöte geraten, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Und obwohl diese ruinöse Arbeitslosigkeit unter vielen jüngeren Menschen so weit verbreitet ist, will man nun auch verstärkt die Rentner zum Arbeitseinsatz rufen, wieder Yahoo:

Eine Verkäuferin mit einem letzten Bruttogehalt von 2200 Euro im Monat und einer Altersrente von 730 Euro könne dann mit einer Tätigkeit fast 1500 Euro monatlich zusätzlich verdienen, ohne Einbußen bei der gesetzlichen Rente hinnehmen zu müssen, berichtet „Bild“.

Das ist die Zukunft, die Euch erwartet. Doch selbst wenn die Bundesregierung nicht im Rahmen der Agenda 2010 eure Ausbildungssparverträge zur Finanzierung der Arbeitslosigkeit eurer Eltern aufgefressen hätte, selbst wenn massive Hetzkampagnen der Medien nicht dafür gesorgt hätten, das ihr nicht nur arm wart, sondern auch noch als „asozial“ angesehen wurdet, selbst wenn alle so gelaufen wäre, wie man das in der Bonner Republik noch planen konnte, müssen wir nun einsehen, das das Leben auch an der Spitze seinen Reiz verloren hat, da auch dort, wo Wohlstand, Ruhe und Sicherheit ein aktuelles Höchstmaß erreichen der Lebensüberdruß am Größten geworden ist, siehe Yahoo:

Bayern hat unter allen Bundesländern die höchste Selbstmordrate. Auf 100.000 Einwohner kamen im Jahr 2009 im Durchschnitt 12,9 Suizide, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Der deutsche Durchschnitt lag mit 10,6 Selbsttötungen je 100.000 Einwohner deutlich niedriger. Insgesamt nahmen sich im Jahr 2009 in Bayern 1749 Menschen das Leben, in ganz Deutschland waren es 9616.

Und darum schreibe ich euch heute. Wir hinterlassen Euch eine Welt, in der die natürliche Umgebung weitgehend zersiedelt wurde, in der eine Umweltkatastrophe die nächste jagt, in der Lüge, Hinterlist und Betrug wichtige Eckpfeiler jeder Karriere sind. Wir schubsen euch in eine Umwelt, die einerseits voller Verlockungen einer stetig perfektionierenden Unterhaltungsindustrie ist, deren professionellen Methoden  ihr schon von klein auf hilflos ausgeliefert seid und hinterlassen euch andererseits eine Wirtschaft, die es den allermeisten von Euch niemals erlauben wird, sich diesen Verlockungen hinzugeben. Wir erwarten von Euch Höchstleistungen, Disziplin, Engagement und geben euch als Lohn für Fleiß, Aufopferung und Überarbeitung am Ende eures Lebens…. Hartz IV. Doch selbst wenn ihr dieser Mühle entkommen solltet, mit Mitte dreissig nach zehn Jahren Praktikum den ersten echten (wenn auch befristeten) Arbeitsvertrag in den Händen haltet und so wenig Leistung bringen müßt, das ihr es kerngesund ins Rentenalter schafft, so wartet auf euch dort nur …  Lebensüberdruß.

Der glückliche Rentner aus der Werbewelt ist so real wie Mickey Mouse.

Eure Mitbürger hingegen bereiten sich inzwischen auf eine andere Zukunft vor, wie die Welt berichtet:

Der 43-Jährige aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach hatte neben Gewehren, Revolvern und Pistolen auch zwei Maschinenpistolen, zwei Armbrüste, 1,6 Kilogramm Schwarzpulver und tausende Schuss Munition im Haus. Weiter wurden fünf Schalldämpfer, ein Nachtsichtgerät und ein Schießstock beschlagnahmt.

Wir hätten auch eher in diese Werkzeuge investieren sollen als in Ausbildungsverträge, Eigentumswohnungen und Fortbildungen, dann bräuchten wir uns weniger Sorgen um Eure Zukunft zu machen, doch … da haben wir versagt.

Ich hoffe sehr, das ihr uns verzeihen könnt – euer euch liebender Vater.

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