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Warum „Aufstehen“ unverzichtbar ist – auch kurz vor den Präventivangriffen der Nato auf russische Fabriken

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Mittwoch, 3. Oktober 2018. Eifel. Schöner Tag, oder? Tag der deutschen Einheit – wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. Wird ja auch gefeiert: die von Sarah Wagenknecht mit initiierte Bewegung ruft heute zu ersten Aktionen auf. Ich gestehe: ich bin Teil dieser Bewegung, jedoch gesundheitlich momentan mal wieder gar nicht in der Lage, mobil zu sein. Denke aber auch: das ist wirklich was für die Jüngeren unter uns. Dafür kann ich aber möglicherweise einen kleinen schriftlichen Beitrag leisten.

Natürlich – wie unter „Linken“ üblich – gab es erstmal Kritik an dieser Bewegung. Im ständigen Wettstreit um den Titel „Bester Linker des Monats“ befindend, kann man von dieser Gruppierung auch nicht erwarten, dass sie im ersten Moment begreift, dass die Gründung so einer Bewegung, der Aufruf zu so einer Bewegung nicht als persönlicher Angriff auf ihre eigenen gesellschaftlichen Ambitionen auf dem Weg zu den Fleischtöpfen des Steuerzahlers  zu begreifen ist, sondern nur ein Aufruf ist, sich zusammenzuschließen angesichts vieler drängender gesellschaftlicher Probleme, die von der Pauschalpolitik augenscheinlich nicht mehr gelöst werden können … oder gelöst werden wollen.

Das vielleicht sogar die willkürliche Spaltung der Gesellschaft zwischen „rechts“ und „links“ als unvereinbare Fronten ein Hauptgrund für die Machtlosigkeit sozialen Denkens in diesem Lande ist, weshalb wir auch überhaupt nicht mehr alle zusammen darüber nachdenken können, ob ein demokratischer Sozialismus – wie Volker Pispers ihn in seinen Auftritten immer mal wieder anspricht – nicht genau die Lösung aller Probleme der Gegenwart wäre. Sehen wir die politischen Positionen mal fernab von Parolengebrüll, so wird ja auch schnell klar, warum eine Gesellschaft konservative und progressive Menschen dringend braucht – und zwar im Zusammenspiel, nicht als Gegner. Konservative, um wertvolle Errungenschaften wie die menschliche Freiheit zu erhalten, Progressive, um die menschliche Freiheit auszubauen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Funktioniert das Zusammenspiel, hat man eine starke, stabile Gesellschaft, die sich mutig allen Herausforderungen stellen kann. Funktioniert es nicht, hat man eine tote Gesellschaft, die entweder am überbordenen Konservatismus erstickt oder in einer grenzenlosen Progressivität aufgelöst wird … weshalb es ja nützlich und sinnstiftend ist, wenn sich die beiden Strömungen gegenseitig – wertschätzend – im Zaum halten. Gut und nützlich jedenfalls für den kleinen Mann.

Doch wir haben andere Zeiten, unversöhnliche Blocks wurden von den Medien geschaffen – mit großer Unterstützung von Wirtschaft und Politik, Blöcke, die so im Alltag unserer Mitmenschen gar nicht zu beobachten sind: auf der einen Seite der „linksgrünversiffte Gutmensch“, auf der anderen Seite der „Nazi“. So definiert – der eine als abgrundtief krank, der andere als abgrundtief böse – ist der Gesellschaftsvertrag einer Demokratie nicht mehr ausführbar. Das freut aber auch eine Gruppe von Menschen, jene Menschen, die auch in Positionen sitzen, um ihre Freude ausleben und beliebig verlängern zu können: die „Elite“.

Auf sie werden ja gerade offiziell Orgien von Lobreden gehalten: Elite sei „Asozial, autonom und stark“, heißt es da – wir übrigen 99 Prozent sind ohne sie rettungslos verloren (siehe Zeit). So degeneriert ist der demokratische Diskurs inzwischen schon, dass wir gewaltige kulturelle Rückschritte machen und künstlich Superhelden aufbauen, ohne die wir uns noch nicht mal die Schuhe zubinden können sollen. Nun: asozial kommt Elite schon daher – wer möchte das in Frage stellen. Autonom ist sie nunmehr gar nicht: ohne die menschliche Pyramide in Konzern, Partei und Verwaltung wäre der Superheld an der Spitze völlig machtlos – und ohne die Kredite der Banken jeder Unternehmer ein Hartz-IV-Abhängiger. Stark sind sie wohl nur aufgrund ihrer Asozialität zu nennen, die Stärke aufgrund der Ausnutzung von Schwächen anderer (meist Kranke, Alte, Frauen und Kindern) simulieren kann – aber alle ernsthaften Auseinandersetzungen von willigen bezahlten Bütteln erledigen lassen.

Die Elite ist nun der eigentliche Kriegsgewinnler in der Bewegung der Spaltung, der Forscher Michael Hartmann führt dazu einiges aus, vor allem beschreibt er ihre im Prinzip sehr geringe Zahl: (siehe Telepolis):

„Sie besteht aus den Personen, die in den wichtigen gesellschaftlichen Bereichen die zentralen Machtpositionen bekleiden. In den meisten Fällen sind sie wie Regierungsmitglieder, hohe Verwaltungsbeamte, Bundesrichter, Chefredakteure oder Topmanager durch Wahl oder Ernennung in das Spitzenamt gelangt. Manchmal verfügen sie aber auch über die entsprechende Macht, weil ihnen große Unternehmen gehören oder Teile davon wie etwa den Quandt-Erben bei BMW oder den Familien Porsche und Piech bei VW. Für die Bundesrepublik sind das insgesamt um die 4.000 Personen.“

Nur 4000 Menschen – die die Hauptverantwortung für den neoliberalen Umbau der ganzen Gesellschaft tragen. Sie sind untereinander exzellent vernetzt, haben viel Zeit, die sie in die Pflege ihrer Netzwerke investieren können, Netzwerke, die es sogar erlauben, ein privates Geburtstagsdinner im Kanzleramt abzuhalten. Schauen sie sich mal die Gästeliste in Ruhe an (siehe Netzpolitik.org), dann können Sie erahnen, wie weit der Filz in dieser Republik schon gediehen ist: da sitzen Mediengrößen, Konzernfürsten, Wissenschaft und Politik einträchtig zusammen – kein Wunder, dass die Gästeliste erst durch Gerichtsentscheidungen einsichtig gemacht werden konnte.

Nun meint Herr Hartmann, dass man sie an ihren Taten erkennen kann – und die Aufrechterhaltung und Förderung der Spaltung läßt diese kleine Gruppe von „Asozialen“ immer sicherer in ihren Sätteln werden. Was tun sie denn so?

Nun – sie statten die Polizei mit Panzerwagen aus. Diese Panzerwagen bekommen Waffenplattformen für schwere Maschinengewehre (siehe DFGVK auf Facebook). Was bitte schön will man mit schweren Maschinengewehren bei der Polizei? Welche Szenarien erwartet die Elite, dass sie solche Investitionen tätigt? Schwere Maschinengewehre leisten guten Dienste bei der Massenvernichtung menschlichen Lebens, die in Gruppen auftreten – jedenfalls aus der Sicht jener, die solche Hölleninstrumente bauen. Aber wo haben wir es im Inneren des Landes schon mit größeren Gruppen zu tun, die sich zusammenrotten? Nun – bei Demonstrationen – zum Beispiel. Sonst fällt mir da nichts weiteres brisantes ein.

Was macht sie sonst noch so, die Elite? Schauen wir uns mal das Migrationsthema an. Migranten sind in Deutschland zur Spaltung immer gut gewesen – meint Volker Pispers in seinem Programm „Bis neulich“, weil dann jemand im Lande ist, auf den der Hartz-IV-Empfänger noch herunterschauen kann … und so die Bürger noch weiter spaltet. Wie wir gelernt haben, haben wir eine Willkommenskultur – jedenfalls an der äußeren Hülle. Schon einen kurzen Schritt weiter überschüttet uns die gleiche Presse, die die Willkommenskultur propagiert, Horrorgeschichten über Morde, Vergewaltigungen und Angriffe auf Polizeibeamte durch eben jene Migranten. Ein Zustand gelebter Schizophrenie (wobei ich dieses Wort hier im allgemeinen Sprachgebrauch verwende, nicht als klinische Diagnose). Doch der Wahn geht noch weiter: während wir in Deutschland dazu angehalten worden sind, das Wort „Neger“ komplett aus dem Sprachgebrauch zu streichen um wirklich supersuperanständig zu wirken, finanzieren wir Massenmorde an „Negern“ im Ausland, schließen sogar Allianzen, die uns Asylanten aus Afrika mit Waffengewalt von der Küste fernhalten. „Neger sagen: pfui, Neger töten: hui“ – so die Devise – für die mein erstes Posting auf Facebook von der Bertelsmanntochter Arvato gelöscht wurde, weil es gegen die Standards verstößt.

Sie wissen doch, worüber ich rede, oder? Über Mali. Da ist kürzlich erst ein schwerer Kampfhubschrauber der Bundeswehr abgestürzt, ein Gerät zur Abwehr von Panzerangriffen. Was machen wir eigentlich in Mali? Nun – sucht man länger in der Flut von Nachrichten, so ist die Antwort nicht schwer zu finden (siehe Spiegel):

„Die EU will Migranten aus Afrika am besten noch auf dem Kontinent stoppen. Deutschland und Frankreich wollen dafür das Militär vor Ort unterstützen – mit Waffen, Munition und Fahrzeugen.“

Lesen Sie sich den Satz am besten mehrfach durch … und stellen Sie sich mal vor, was es für ein Getöse gäbe, hätte dies ein AfD-Politiker in der Theorie gefordert. Die EU ist schon längst viel weiter als die „Nazis“ in Sachsen je denken könnten, die erschießen Migranten einfach vor Ort im fernen Mali – noch bevor die die Küste überhaupt sehen können. Ja, die erschießen die: die von der EU aufgerüstete Sondertruppe ist für willkürliche Erschießungen in Mali verantwortlich, aktuell berichtet der Spiegel über „Massaker“ dieser Truppe in Mali (siehe: Spiegel):

„Mit 100 Millionen Euro unterstützt die EU eine Militäreinheit in Afrikas Sahelzone, die auch Migration eindämmen soll. Doch deren Soldaten ermorden offenbar regelmäßig Zivilisten: die Indizien, die Hintergründe, das moralische Dilemma.“

Ein moralisches Dilemma? Offensichtlich nicht für die asoziale Elite. Aber darum ist sie ja offen asozial.

Wollen Sie mal wissen, was Flüchtlinge so selbst über die Zustände in Deutschland sagen? Über die unerträgliche, überdimensionale Heuchelei der „Elite“? Es gibt da einen Zahnarzt aus Syrien, der sich offen dazu geäußert hat (siehe Cicero), er führt viele Gründe an, warum dieses Projekt der Bundesregierung (dessen Rechtmäßigkeit immer noch umstritten ist) „von Anfang an zum Scheitern verurteilt war“ – weil den Neubürgern suggeriert wurde, sie würden hier gebraucht. Sie braucht aber keiner. Sie kommen mit großen Hoffnungen hier an – in den angeblich reichen Westen – und vergammeln in Containern. Ihren Riesenfrust lassen sie dann an den Schwächeren ab – den Schweinemenschen. Für soziale Wesen nicht schwer zu verstehen, erst recht nicht angesichts der Verherungen, die deutsche Konzerne in Afrika angerichtet haben und weiter anrichten wollen.

Nichts bekannt darüber? Ja – unser Wohlstand wird auf den Rücken von Migranten ausgelebt, die es noch nicht bis nach Europa geschafft haben. Ist ja auch kein Geheimwissen, sogar das ZDF berichtet darüber – ist gibt nur aktuell keine politische Kraft in Deutschland, die diese Informationen noch in Handlungen umsetzen kann, das stoppt ganz schnell der Filz der Elite. Schauen Sie sich mal an, was unser neuer Wurf der Industrie – das hoch gelobte Elektroauto (ein Betrug der besonderen Art, um den man sich nochmal gesondert kümmern muss) – so in Afrika anrichtet (siehe ZDF). Das unglaubliche Elend im Kongo, die nachhaltige Verwüstung der natürlichen Lebensgründe des Landes ist ein Renditefest für unsere Konzerne – und für unsere Elektroautos müssen dort in Zukunft Kinder noch mehr schuften. Unser Elektro-SUV hat blutige, menschenverachtende, umweltvernichtende Komponenten eingebaut – aber die Elite preist es … asozial wie sie geworden ist … oder vielleicht immer schon war … als das Nonplusultra der Konzernkunst an. Irrer geht es kaum – aber das passiert halt, wenn man nur noch über knappe Parolen kommuniziert.

Was sehr unangenehm berührt – um noch mal auf den syrischen Zahnarzt zurückzukommen – ist seine Aussage über das Gesprächsklima in Deutschland, besonders über die einst hoch geschätzte Meinungsfreiheit: er erlebt ein Land mit „heiligen Kühen“, „Tabus“ und „Denkverboten“ – und die Folgen dieser Denkverbote mögen in Zukunft so katastrophal sein, dass die Anschaffung von schweren Maschinengewehren doch im Rückblick weise wirken wird … aus der Sicht der Elite jedenfalls.

Was ist eine dieser heiligen Kühe? Der Islam. Als wäre eine Religion an sich schon heilig. Wir brauchen uns ja nur unsere Eigenen anzuschauen – würden die noch Hexen verbrennen, Kreuzzüge organisieren und ihre rigiden Moralvorstellungen der ganzen Gesellschaft aufdrücken: wir hätten viel zu besprechen … von den massenhaften Missbräuchen an Kindern und den gänzlich unchristlichen Kapitalanhäufungen mal ganz abgesehen. Und wenn ich mir die Sichtweise einer konvertierten Muslima mit kurdisch-syrischen Wurzeln anschaue, dann muss ich sagen: das Pauschallob für alle muslimischen Umtriebe scheint mir weit überzogen zu sein, der unkritische Umgang mit politischen Bestrebungen jener Sekte sogar gemeingefährlich – hier kommt das alte nationalsozialistische Weltbild von „Herrrenmenschen“ (im „Haus des Islam“) und „Untermenschen“ (im „Haus des Krieges“) in neuem Gewande daher … ohne dass sich jemand traut, es beim Namen zu nennen (zum Islam siehe: Cicero). Für die Elite sind die heiligen Kühe jedoch unverzichtbares Trennungsmoment, sie kommt ganz gut klar mit fanatisierten Menschenmassen, die gegeneinander marschieren – Hauptsache, die marschieren nicht auf kurfürstliche Herrensitze zu.

Reden Sie doch mal mit Mitbürgern türkischer Herkunft über den neuen Wind im Lande. Fragen Sie sie mal, wo auf einmal die Kultur der Angst herkommt, die unsere Mitbürger überzieht. Nun – manche werden sicher sagen, die Behandlung der Massenmorde des NSU (aktuell übrigens öffentlich als „nicht politisch motivierte Morde“ eingestuft – siehe Zeit), der Gebrauch von Namen des NSU beim SEK (siehe Spiegel) wären für mich als Bürger mit türkischer Herkunft schon beunruhigend – aber nichts im Vergleich zu dem, was aus dem Reich des Erdogan kommt: ein gewaltiger Denunziationsapparat bedroht alle türkischen Mitbürger, die leicht per Knopfdruck an die Behörden der Türkei gemeldet werden können … was manche schon digitale Gestapo-Methoden nennen (siehe FAZ). Erlebt man dann noch mit, wie Erdogans Schlägertruppe ungestraft Hoheitsrechte der Bundesrepublik Deutschland verletzen kann – wie kürzlich in Köln bei der willkürlichen widergesetzlichen Absperrung einer ganzen Straße mit geklauten Absperrbändern der Polizei (siehe Spiegel) – dann würde ich mir schon zurecht die Frage stellen, ob dieses Land noch in der Lage oder überhaupt gewillt ist, mich zu schützen.

Und für den Schutz – haben wir da nicht den Verfassungsschutz? Hören Sie bitte auf zu lachen, das Thema ist ernst, vor allem, da dieser Verfassungsschutz – ganz offiziell – dieser Republik mehr geschadet als genutzt hat (siehe Zeit). Lesen Sie sich ruhig mal die desaströsen Skandale durch, die da aufgelistet sind … und merken Sie sich vor allem die Warnung der obersten Richter unserer Republik vor dem „präventiven Konformismus, der mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht vereinbar sei“ … jener Konformismus, der 35 Jahre später Alltag in der ganzen Republik geworden ist und hinreichend erklärt, warum es politisch so ruhig einhergeht – trotz immer weiterer Skandale wie die jüngst aufgedeckte Überwachung des Amis Amri – Attentäter in Berlin – durch den Verfassungsschutz (siehe Morgenpost).

Reicht das nun an „Taten der Elite“? Ich kann die Reihe endlos fortführen. Ein paar Beispiele noch? Gut. Wie sieht es aus mit den maßlosen Kosten, die sie dem Steuerzahler ungeniert aufbürden – wie der Herr Gauck (siehe Spiegel), wie sieht es aus mit der illegalen Vergabe von millionenschweren Aufträgen an Unternehmensberatungen (siehe Spiegel) – wobei ich die Einbindung von McKinsey-Personal in militärische Bereiche noch viel besorgniserregender finde als die Mauscheleien um Beraterverträge – und die Tatsache, das der Sohn der Ministerin (siehe Focus) in recht jungen Jahren eine gewinnbeteiligte Person bei McKinsey ist (siehe Linkedin), hinterläßt dabei auch keinen guten Geschmack. „Sterbende Menschen werden nur noch als Material angesehen“ (siehe Focus) – und die Elite ist gerade dabei, die Materialbeschaffung an Menschenteilen auszuweiten.

Noch nicht beunruhigt? Vielleicht, weil Sie noch nichts von den geplanten Präventivangriffen der USA auf Russland wissen, Angriffe, die gerade in Planung sind: Washington droht unverhohlen mit einem Militärschlag auf russische Produktionsstätten, wenn sich Russland nicht den Forderungen der USA beugt (siehe Reuters). Die Elite hat zu diesem Zwecke weltweit Luxusbunker parat (wir berichteten).

Soll ich noch was sagen über Renten, Mieten, Preise, über Qualität von Nahrungsmitteln, die Verpestung der Luft durch Kreuzfahrtschiffe und Urlaubsflieger, die Vernichtung preiswerten Wohnraums durch Hedgefonds, die Massenvernichtung ausländischer Firmen durch deutsche Niedriglöhner, die massive Ausbeutung Afrikas, Asiens und Südamerikas durch deutsche Konzerne, die Ausplünderung der Sozialsysteme in Europa?

Kommen wir nochmal zurück zu unserem Elitenforscher, der klar benennt, dass die Elite jede Veränderung im Lande, die die Verteilungsmechanismen ändern möchte, mit aller Kraft bekämpfen wird (ich weiß jetzt nicht, ob er auch an die Maschinengewehre gedacht hat) – und auch bekämpft. Nach dem Verrat von SPD und Grünen und den immer blasser werden „Linken“ haben die progressiven Kräfte in diesem Land keine Vertretung mehr im Parlament, gehören auch eher zu den Verfolgten denn zu irgendeiner Art von Opposition.

Und angesichts der dichten Vernetzung von Parteispitzen mit der übrigen Elite bleibt jenen Bürgern, die noch mit beiden Beinen auf dem Boden der freiheitlichen-demokratischen Grundordnung stehen, nichts anderes zu tun als noch mal ganz von vorne anzufangen – mit einer außerparlamentarischen Sammlungsbewegung wie „Aufstehen“. Entweder schaffen es die friedlichen, freiheitsliebenden, sozialen, toleranten, konstruktiven, menschenfreundlichen Elemente dieses Landes sich einfach mal gegen die Elite zu vereinen – oder wir bekommen mal wieder die häßlichen Auswüchse des sterbenden Kapitalismus im Endstadium zu spüren, wo „unwertes Leben“ definiert und als „Kosten auf zwei Beinen“ eliminiert wird. So jedenfalls … sehe ich das.

Und angesichts der Notwendigkeit einer solchen Sammlungsbewegung der kleinen Leute (und ihrer paar großen Freunde – die es ja auch noch gibt) gegen eine immer hemmungsloser und asozialer agierenden kriegstreibenden und menschenverachtenden Elite ist mir so ziemlich egal, wer aus welchem Anlass dazu den Anstoß gibt.

150000 Bürger sind schon bei „Aufstehen“ dabei. Vergleichen Sie das mal mit den Mitgliederzahlen der im Bundestag vertretenen Parteien – schon jetzt ist „Aufstehen“ mit großem Abstand zu Grünen, Linken, FDP und AfD nach SPD und CDU die größte politische Kraft in Deutschland … nach nur ein paar Wochen. Ich weiß nun nicht, wie viele Gelegenheiten wir noch bekommen werden, um uns selbst zu organisieren … ich weiß aber, dass ich nicht erleben möchte, wieso wir in diesem so friedlichen Land wirklich Panzerwagen mit Maschinengewehren für die Polizei brauchen.

Und ich denke, eine Sammlungsbewegung aller sozialen Menschen – über alle Parteigrenzen hinweg – ist schon mal ein guter Anfang, die Verhältnisse zu ändern. Und die Werte, für die Aufstehen eintritt – nun, die sind globaler und umfassender Natur, weit über parteipolitischen Alltagsklüngel hinaus … und absolute Selbstverständlichkeiten für ernsthafte Demokraten.
 

 

 

Die Türkei und der getürkte Türkenputsch

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Montag, 18.7.2016. Eifel. Es wird ja gewarnt vor dem Nachrichtenspiegel. Vieles sei ok, hört man, aber gerade ich würde gerne immer wieder so „leichte“ Verschwörungstheorien einbauen. „Leichte Verschwörungstheorien“ – Sie werden sich sicher fragen, was das ist? Nun: wenn Sie nicht alles auf Punkt und Komma so glauben, wie es Ihnen der Regierungssprecher oder die Wirtschaftsmedien auf den Bildschirm oder aufs Papier diktiert haben. Und wenn die Ihnen so etwas diktieren wollen und Sie kritisieren, wenn Sie ihnen nicht folgen, dann leben Sie – wortwörtlich – in einer Diktatur. Wenn Sie damit zufrieden sind und die Folgen für Ihr eigenes Leben ertragen können, dann können Sie jetzt aufhören zu lesen, denn diesmal gedenke ich nicht nur eine leichte Theorie über eine große Lüge zu formulieren.

Bevor wir aber zu den Details kommen, möchte ich zuerst noch einmal einen Grundsatz moderne Wissenschaft formulieren, ein Gesetz, dass wir uns auferlegt haben, um uns vor Lügnern, Scharlatanen und Verführern zu schützen. Das Gesetz ist sehr einfach – und verlangt auch die Einfachheit von Gesetzen. Heutzutage ist es bekannt als das „Ockhamsche Gesetz“ bzw. „Ockhams Rasiermesser“.  Es dient der Wahrheitsfindung in Zweifelsfällen, entstand über Jahrtausende hinweg, wurde benannt nach Wilhelm von Ockham (1288 – 1347) und gilt als Grundlage moderner Wissenschaftstheorie. Einfach formuliert, besagt es, dass wir von allen möglichen Erklärungen für eine Entscheidung immer die einfachste nehmen sollen, die sich auf die geringste Zahl zusätzlicher Annahmen (Hypothesen) stützt. Ja, Sie sind zurecht stutzig: alles, was Ihnen Lehrer über „Wissenschaft“ beigebracht haben, ist lediglich Theorie – keine Wahrheit. Das sollte Sie nicht weiter stören, der Strom fließt trotzdem weiter – nur: was er im Innersten seines Wesens ist, dieser „Strom“ – haben wir überhaupt nicht verstanden. Genauso wenig wissen wir was Licht ist (und sehen trotzdem) oder Schwerkraft (bleiben nichtsdestotrotz auf der Erde). Wer als Kuh durchs Leben geht, wird mit solchen Fakten auch keine Probleme haben. Fängt man an zu denken (besser: zu fragen), wird es schwieriger. So schwierig wie die Frage: was war denn das für ein seltsamer Putsch in der Türkei? Und was soll das seltsame Geschwafel da drumherum?

Türkei. Was wissen wir eigentlich darüber?  Es gibt da ein paar Fakten, die das Land ein wenig skizzieren, die möchte ich Ihnen nicht vorenthalten (siehe: junge Welt):

„Am 18. Oktober starb im mehrheitlich von Aleviten bewohnten Istanbuler Stadtteil Kücük Armutlu eine 25 Jahre junge Sozialistin. Dilek Dogan wurde während einer Razzia, die sich gegen die vom türkischen Staat verfolgte Revolutionäre Volksbefreiungsfront (DHKP-C) richtete, von Polizeikugeln getroffen, sie erlag ihren schweren Verletzungen. Unmittelbar nach der Tat sprach ihr älterer Bruder, Emrah Dogan, von einer gezielten Hinrichtung.“

Wer das geleakte Video dazu sehen möchte, muss allerdings bezahlen. Wahrheit gibt es nicht mehr kostenlos, sie ist den reicheren Schichten der Gesellschaft vorbehalten – auch bei Linken.

Unglaublich?

Im März diesen Jahres lasen wir folgendes (siehe Spiegel):

„Am Freitag stürmten Polizisten die Redaktion der türkischen Zeitung „Zaman“, das regierungskritische Blatt wurde vom Staat übernommen. Jetzt lächelt Präsident Erdogan von der Titelseite.“

Die Stimmen aus Deutschland und den USA überschlugen sich vor Kritik (während das Schicksal von Frau Armutlu kaum Erwähnung fand) – ohne Konsequenzen. Offen wurde vom Ende der Demokratie gesprochen, doch keiner wollte Sanktionen. Die haben halt kein Öl oder einen Putin. Interessant ist auch die Methode, mit der das Blatt übernommen wurde: es wurde einfach einer Treuhandgesellschaft übergeben – wie die Betriebe der ehemaligen DDR oder europaweit das gesamte Eigentum der europäischen Juden in der Nazizeit. Es lohnt sich, genauer hin zu schauen (siehe Spiegel im Gespräch mit einem Autor der deutschen „Zaman“):

„Das ist ihre Art, sich zu rächen. Der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ und einer seiner Kollegen saßen bis vor Kurzem in Haft. Dann ordnete das Verfassungsgericht an, die beiden Journalisten freizulassen.“

Richter standen der totalen Machtergreifung über die Presse in der Türkei im Wege – und stellten sich offen gegen den Sultan. In einer Gesellschaft, die den Anschein von Demokratie wahren möchte (was auch die NS-Diktatur tat, weshalb Ihnen der Weg über Treuhandgesellschaften so wichtig war, siehe hierzu: Götz Aly, Hitlers Volksstaat) und mit plumpen Lügen die Kontrolle über die größtmögliche Masse an Bürgern erhalten will, ein großes Problem. Richter haben ja extra in einer Demokratie einen großen Schutz – damit sich der NS-Staat niemals wieder wiederholt … und viele von Ihnen haben eine Ausbildung, die es ihnen erlaubt, zu begreifen, warum ihr Job so wichtig ist (einmal davon abgesehen, dass manche aus persönlichen Schwächen heraus selbst auch kleine Despoten werden können).

Kommen wir nun zu diesem „Putsch“. Was wollte man uns verkaufen? Das es in der Türkei einen Militärputsch gegeben hat. Alle Medien verkündeten diese „Wahrheit“ in großen Lettern – und ich bin mir sicher, Sie haben das auch geglaubt.

Ich nicht.

Von Anfang an nicht – aus einem einfachen Grund: es fehlten die üblichen Begleiterscheinungen eines Militärputsches. Die Tagesschau erklärte mir dann in einem Nebensatz, warum (siehe Tagesschau):

„Mit zehn Panzern, 1000 Soldaten, sechs Kampfflugzeugen und zwei Hubschraubern könne man keinen Putsch machen, stellt der Militärexperte Mehmet Tezkan von der Zeitung „Miliyet“ fest. „Es war von Anfang an hoffnungslos. Es sollte ein Putsch werden, aber ein Teil der Beteiligten hat frühzeitig aufgegeben.“

Von den Wenigen, die grundsätzlich bereit waren, gaben offenbar etliche früh auf – oder machten erst gar nicht mit. Dadurch konnten wichtige Ziele nicht erreicht werden: die Festnahme von Präsident Erdogan, die Kontrolle über die Fernsehkanäle, die dauerhafte Präsenz an strategisch wichtigen Punkten.“

1000 Soldaten, 10 Panzer, sechs Kampfflugzeuge, zwei Hubschrauber. Wie stark ist eigentlich die türkische Armee? 500000 Mann, die zweitgrößte Natoarmee (siehe Hamburger Abendblatt), 3657 Panzer, 989 Flugzeuge und Hubschrauber (siehe Huffington Post). Ich denke: Sie wussten das nicht. Aber ein Putschistengeneral (und die meinsten Soldaten) dürfte wissen, dass sie sich hier mit der achtgrößten Armee der Welt anlegen. Und das machen sie mit 0,2 Prozent der Streitkräfte, 0,9 Prozent der Luftwaffe und 0,2 Prozent der Panzerstreitmacht? Zudem: was wir sehen – und was vom „Spiegel“ groß als „zerstörter Panzer“ präsentiert wird (siehe Spiegel) ist ein altertümlicher Schützenpanzer aus den fünziger Jahren, der M 111. Er hängt halb über einer Betonsperre – so etwas geschieht bei zu hoher Geschwindigkeit öfter, Betonsperren sind für Panzer nicht ungefährlich, wenn sie darüber hinwegfahren – oder einfach die Kontrolle verlieren. Deshalb waren die Panzersperren im letzten Weltkrieg aus Beton.

Dieses Bild zeigt uns auch die Tagesschau, zusätzlich sehen wir einen ebenfalls leichten, augenscheinlich unbewaffneter Spähpanzer älterer Bauart (siehe Spiegel), der von Passanten „erobert“ wurde. Mit solchen veralteten Spielzeugen macht man keinen Putsch: wo blieben die echten Panzer – unverzichtbar, um die Macht auf den Straßen auszuüben?

Nun – die hatten die anderen. 3647 davon, 245 moderne Leopard 2 Abkömmlinge.

Und das Personal der Putschisten? Veränstigte Wehrpflichtige, die gar nicht wussten, was sie dort taten (siehe Welt), kein Wunder, dass sie so schnell aufgaben: die wollten nie einen Putsch. Kein Wunder, dass auch der türkische Autor der Welt ganz leise Zeifel an der amtlichen Darstellung hat.

Wir behalten Ockhams Gesetz noch im Auge, ja?

Welcher Idiot würde mit so einer winzige, unmotivierten Streitmacht zu einem „Militärputsch“ ausrücken? Welcher seriöse Jornalist würde dies einen Militärputsch nennen … wo doch 99,8 Prozent der Streitkräfte gar nicht involviert waren?

Ach ja: der Idiot. Die Führunsfigur ist bei einem Militärputsch nicht unwichtig, sie ist es ja, die sich an das Volk wenden soll, um sie dreht sich alles, sie muss auch für die übrige Militärführung akzeptabel sein. Haben wir auch nur einen gefunden? Lauschen wir der Tagesschau (siehe Tagesschau):

„Die türkische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dass bereits mehr als 2800 Angehörige der Armee festgenommen worden seien. Anderen Quellen zufolge sind bereits rund 3000 Soldaten, darunter auch Offiziere, in Gewahrsam. Nach Angaben des Senders NTV sitzen auch 34 Generäle in Untersuchungshaft – unter ihnen Erdal Öztürk, Kommandeur der Dritten Armee, sowie der Kommandeur der Zweiten Armee, Adem Huduti.“

Wären zwei von drei Armeen der türkischen Streitkräfte in den Putsch verwickelt gewesen: wir hätten knapp 300000 Soldaten auf dem Feld gehabt. Es waren aber nur 1000 Wehrpflichtige mit veraltetem Material: und da will man mir ernsthaft verkaufen, das 34 Generäle daran beteiligt waren – und zwei Armeekommandeure? Niemand stört es, dass unverblümt von „Säuberungen“ gesprochen wird, dass von 1000 Putschisten schon 2800 verhaftet wurden – plus 3200 Zivilisten?

Bei den laufenden Säuberungen gegen „Viren“ und „Krebsgeschwüre“ sind auch 2700 Richter und Staatsanwälte festgenommen worden (siehe Tagesschau), heute hört man von sage und schreibe 9000 entlassenen Beamten darunter auch 30 Gouverneure (siehe Spiegel), Menschen, die – wie auch Richter – deshalb besonderen Schutz genießen, um eine Machtergreifung von Wahnsinnigen wie in Deutschland 1933 unmöglich zu machen.

Ach ja: Deutschland 1933.  Am 27 Februar 1933 zündete Adolf Hitler den Reichstag an. Nicht persönlich – dafür hatte er Leute. So jedenfalls ist aktuell eine Theorie der Wissenschaft, was dort wirklich geschah, wissen wir bis heute nicht – nur die Einzeltäterhypothes ist schon Tisch, der damals Verdächtige wurde ganz flott schon 2008 freigesprochen (siehe z.B. Mythoelser). Nach Ockhams Gesetz wäre man nie auf diesen Einzeltäter verfallen – man bräuchte zu viele Hypothesen, um diese Theorie aufrecht zu erhalten. Ganz trocken und nüchtern gesprochen – dies gilt im Übrigen auch für den Kennedymord oder „nine-eleven“: die amtliche Version ist weder die einfachste noch die mit den wenigsten Hypothesen – sie sind in beiden Fällen im Gegensatz voller Wunder, die wir einfach hinnehmen sollen, weil die Regierung es so will.

Der Reichstagsbrand kam Hitler sehr gelegen: danach konnte er eine gewaltige Säuberungswelle durchführen.

Wir haben also aktuell die Wahl zwischen zwei Theorien.

Theorie 1: eine bislang immer noch unbekannte Gruppe von „Wehrpflichtigen“ hat – ohne selbst viel Ahnung davon zu haben, dass sie putschen – mit wenigem und veraltetem Material einen von vorn herein völlig aussichtslosen Puschversuch durchgeführt, trotz ihrer militärischen Ausbildung und Kenntnisse, die ihnen hätten sagen müssen, dass sie keinerlei Chance haben, den Putsch durchzuführen. Während diese Gruppe – geführt von bislang Unbekannten – ihre aussichtslosen Aktionen startet, mit Kräften, die selbst der örtlichen Polizei unterlegen waren, bleibt der Großteil der Armee in den Kasernen. Unterm Strich: ein Terrorakt einer kleinen Räuberbande.

Theorie 2: der Geheimdienst, der Erdogan schon frühzeitig warnte, hat vielleicht noch mehr organisiert – was erkären würde, dass er es unterließ, die 99,8 Prozent der regierungstreuen Streitkräfte zu mobilisieren. Wozu auch: die jugendlichen Wehrpflichtigen würden nach Hause gehen, sobald sie merkten, was sie dort eigentlich für komische Befehle befolgten. Stattdessen gab es eine gekonnte (und gut organisierte) Aktion von Erdogananhängern, die im Alleingang mit bloßen Händen den Putsch verhinderten – aus großer Liebe zu ihrem Führer. Was für ein rührender Mythos. Immerhin: es finden sich in der Millionenmetropole Istanbul ganze 1000 Anhänger Erdogans, die den Sieg über das Militär feiern (siehe Spiegel): was für eine überwältigende Masse.

Was für annehmen dürfen: Erdogan (und seine dienstbaren Geister) hatte schon vorher Säuberungslisten anfertigen lassen, die im Rahmen dieses „Putsches“ blitzschnell abgearbeitet wurden – zu einer Zeit, wo noch niemand sicher sagen konnte, ob nicht wirklich 500000 Mann auf den Weg nach Ankara waren – was dann ein richtiger Militärputsch wäre. Der Putsch kam so günstig wie der Reichstagsbrand, er war – so Erdogan selbst – ein Geschenk Gottes (siehe Spiegel, der sofort nach dem Putsch die in Deutschland lebenden Menschen davor warnt, Verschwörungstheorien zu bilden – als Erdogans Wahrheit in Frage zu stellen):

„Dieser Aufstand, diese Bewegung ist wie ein Geschenk Gottes“, sagt er am Samstag bei seiner Ankunft am Istanbuler Atatürk-Flughafen. Denn der Putsch gebe ihm „die Gelegenheit, die Streitkräfte zu säubern“. Jene, die sich an dem Coup beteiligt hätten, seien „Terroristen“.

Deutsche „Sicherheitskreise“ widersprechen der Theorie edes Erdogan, das es eine große Verschwörung aus dem Ausland war, die ihm ans Leder wollte – was jedoch die deutschen Medien nicht daran hindert, beständig seine Version unkritisch zu verbreiten. Sie gehen von einer kleinen Gruppe von Idioten aus (siehe Spiegel):

„In Sicherheitskreisen hieß es am Samstag, offensichtlich habe eine kleine Gruppe von Oberisten und Majoren aus den Landstreitkräften, die dem säkularen Kemalismus anhängen, den Putsch-Versuch gestartet.“

Beweise für diese Theorie gibt es nicht (… allerdings hatte die Hamburger Morgenpost schon einen Namen – ein entlassener Jurist aus dem Generalsstab). Und sie erklärt uns auch nicht die zentrale Frage – mit der wir wieder zu Ockham zurückkehren: wer hat wozu die Verhaftungslisten für 2700 Richter und Staatsanwälte, 9000 Beamte und Governeure sowie 2800 Armeeangehörige im Vorfeld erstellt … ohne zu wissen, dass bald eine „von Gott gesandte“ Gelegenheit kommen würde, diese Listen blitzschnell abzuarbeiten. Wer immer dies getan hat, hatte einen Putsch gegen den demokratischen türkischen Staat im Sinn – und eine Moral, die vor Mord (siehe den Fall der türkischen Journalistin) nicht zurückschreckt.

Für welche der Theorien sollen wir uns also entscheiden?

Das gibt uns unsere Regierung und ihre Medien schon vor. Die Türkei ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, andere Länder zu disziplinieren, erst im Mai wurde mit der Kündigung sämtlicher Abkommen gedroht (siehe Spiegel) – und eine der ersten Fragen dieses „Sturmgeschützes der Demokratie“ war: was wird aus dem Flüchtlingspakt (siehe Spiegel). Wird der Sultan Deutschland mit Flüchtlingen aus jenen Ländern überfluten, die er selbst mit zu destabilisieren half? Wird er uns weiter erpressen?

Wer sind wir eigentlich geworden, dass wir solche Erpressungen hinnehmen müssen – von einem Verbündeten?

Was geschieht heute in der Türkei? Die SA marschiert – sie heißt aber nicht so. Es sind glühende Verehrer des Präsidenten, die absonderliches tun und so die Zahl der Opfer drastisch erhöhen (siehe Spiegel):

„Ein Video zeigt, wie in Istanbul ein Mob auf eine Gruppe Ausländer losgeht. In Provinzstädten sollen nach Berichten türkischer Medien Schlägertrupps Jagd auf Menschen gemacht haben, die sie als Putsch-Sympathisanten verdächtigten.“

Sie waren schon zur Zeit des Putsches in überraschend großer Zahl auf den Straßen.  Da kochte eine sehr ungesunde Suppe hoch – in einem Land, das über US-Atomwaffen verfügen kann.

Wer sich für Theorie Nr. 2 entscheidet, ist auf jeden Fall auf der Linie der ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten und Islambeauftrage Dr. Lage Akgün (siehe Facebook):

Wenn ich eins +eins zusammen zähle, komme ich nicht umhin, denen Recht zu geben, die schon um 23.00 Uhr des 15. Juli von einer „Inszenierung “ der Regierung sprachen. Wäre so etwas möglich?
Die Gründe liegen auf der Hand:
1. Die Zivildiktatur voran treiben.
2. Die immer stärker werdende Kritik aus dem Ausland zum Schweigen bringen.
3. Eine Säuberungsaktion beim Militär durchführen, um die verbliebenen Gülen Anhänger zu eliminieren. Diese Säuberungsaktion wird auch die Justiz und die Polizei betreffen.

Und Sie? Wofür entscheiden Sie sich?

Ich bin gezwungen, mich für die Theorie 2 zu entscheiden – als Wissenschaftler muss ich Ockhams Gesetz Folge leisten.

 

 

Die europäischen Flüchtlingskriege

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Montag, 18.4.2016. Eifel. Sie werden vielleicht im Laufe der letzten Monate gemerkt haben, dass ich zum Thema „Flüchtlinge“ etwas skeptisch bin – was heutzutage gefährlich ist. Meine Skepsis gilt nicht den Flüchtlingen an sich – wie auch: man weiß nichts über sie. Oder nur wenig. Ein paar mal machte die „Welt“ darauf aufmerksam, dass hier auch IS-Kämpfer eingeschleust werden – vor denen wir ja auch andernorts als Teufel in Menschengestalt gewarnt worden waren – das war aber auch alles. Machen Sie einfach mal den Selbsttest, was da verlangt wurde: stellen Sie sich vor, der Bürgermeister setzt ihnen zwei Fremde ins eigene Haus. Obdachlose – wir schauen hier mal nicht auf die Nationalität. Sie fragen: ja, wer ist das denn? Bürgermeister: „Na, Obdachlose halt“. Sind sie vorbestraft, haben sie ein Drogen- oder Alkoholproblem, war einer schon mal gewalttätig oder hat sich an Kindern vergriffen? Keine Antwort. Dabei haben Sie Kinder im Haus. Fragen, die – wie ich finde – normal sind.

Der Germane ist ein gastfreundlicher Mensch. Steht in der „Edda“. Der Gast ist heilig. Trotzdem redet man mit ihm – und der Hausherr sitzt trotzdem nie mit dem Rücken zu Fenster und Haustür, weil … dort jemand eindringen könnte. Auch: Edda, altgermanischer Sagenkomplex. Wie viele „Gäste“ haben wir in Deutschland? Viele Millionen. Über 16 Millionen, um genau zu sein (siehe statista). Überraschend, oder? Jeder fünfte Deutsche – ist kein Germane mehr. Rechnen wir noch die dem Führer verhassten „Slawen“ heraus, so wird´s ganz brenzlig. Lassen wir das lieber. Sind ja auch keine Gäste: sind Deutsche. Gab es deshalb große Unruhen (mal abgesehen von den NSU-Morden, wo derzeit immer mehr Zeugen früh versterben und Aktenberge verschwunden sind, die die Rolle des eigenen Verfassungsschutzes bei der Angelegenheit aufklären könnten)?

Nein. Schon allein beim Spendenaufkommen bei Katastrophen im Ausland zeigt sich: der Deutsche ist ein freundlicher Mensch geworden. Hatte auch ein gutes Ansehen in der Welt.

Moslems gibt es in Deutschland seit 1945. Überbleibsel islamischer Nazitruppen, die gegen die Sowjetunion gekämpft hatten – meisten ehemalige Sowjetbürger und beliebter Spielball der Geheimdienste (siehe: Die vierte Moschee – Nazis, CIA und der islamische Fundamentalismus, Ian Johnson, Klett-Cotta, 2011). Wenn der Islam zu Deutschland gehört: da wissen Sie, wo die Wurzeln sind. Auf jeden Fall sind sie schon lange da, anfangs gepflegt und gehegt von „westlichen“ Geheimdiensten, die mit ihnen spielten wie eine Katze mit der Maus.

2015 aber hat sich etwas geändert, was wir 2016 deutlich merken: eine neue, antiislamische Partei erobert die Parlamente, angeblich „rechte“ Gesellen – wobei mich etwas stört, dass sie „Volksabstimmungen“ wollen, „rechts“ ist eher das autokratische Statement von Bundespräsident Gauck, dass der Deutsche Bürger zu blöde für direkte Demokratie ist. Aber: lassen wir das. Darüber werden wir ein andermal reden müssen, behalten wir es aber im Kopf.

Was geschah 2015? Was hat die Lage so verändert? Nun – es kamen eine Million Kriegsflüchtlinge. Kaum der Rede wert, eigentlich. Sind ja nicht viele im Vergleich zu denen, die schon da sind und die die kulinarische Landschaft in Deutschland enorm bereichert haben – und zudem auch noch kinderfreundlich sind. Eine Seltenheit unter den Deutschen dieser Tage. Nun schauen Sie nicht so – können Sie sich überhaupt noch an ein Leben ohne Gyros, Döner, Pizza und Lasagne vorstellen? Früher herrschte hier das Diktat der Bratwurst – mit Kartoffeln und Rotkohl. Seitdem es Alternativen dazu gibt – wird da seltener nach verlangt.

Es geschah aber noch mehr. Der deutsche Bürger (auch der mit Migrationshintergrund) wurde belogen – ganz öffentlich von ARD und ZDF (siehe Focus):

Die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“ zeige nicht immer ein richtiges Bild der nach Deutschland drängenden Flüchtlingen. Das hat „ARD aktuell“-Chefredakteur Kai Gniffke jetzt eingeräumt.

Vor Branchenexperten in Hamburg sagte Gniffke: „Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus.“ Tatsache sei aber, dass „80 Prozent der Flüchtlinge junge, kräftig gebaute alleinstehende Männer sind“.

Ja: Sie haben richtig gelesen. Eine groß angelegte Täuschungsaktion. Und wo getäuscht wird – wird Unsicherheit verbreitet. Was will die Regierung mit einer Million junger, kräftig gebauter, alleinstehender Männer – und warum belügt man uns darüber? Dazu noch das Getöse der Wirtschaft, dass die alle sofort Arbeitsplätze bekommen. Die Versprechen der Kanzlerin, dass niemand von denen obdachlos wird – nur in einem Land mit krassem Mangel an Empathie wundert man sich darüber, dass solche Worte Angst verbreiten. Nicht direkt vor dem Flüchtling (was von Seiten der Regierungsmedien immer gerne unterstellt wird, damit man die Kritiker in die böse Untermenschenecke stellen kann), sondern vor DER REGIERUNG. Die log ja mit. Brauche ich – glaube ich – nicht belegen: hat ja jeder mitbekommen, dass die Zahlen der Flüchtlinge von der Regierung beständig zu niedrig angesetzt wurde – aktuell sind wir bei zwei Millionen neuer Zuwanderer in einem Land, das sein massives Arbeitslosenproblem nur mit großer Mühe vertuschen und wegrechnen kann und mit dem Problem zunehmender Obdachlosigkeit unter Eingeborenen (auch mit Migrationshintergrund) leidet.

Wussten Sie eigentlich, dass Merkel und Gabriel von dem Problem schon drei Jahre zuvor wussten? Selbst wir vom Nachrichtenspiegel hatten eine Spendenaktion für ein Flüchtlingslager im Libanon durchgeführt, die Zustände dort waren erbärmlich – und man konnte mit wenig Geld viel helfen. Wir jedenfalls – die Regierungen des Westens nicht. Lesen Sie nach, es gibt eine beeindruckende Chronologie in einer seriösen deutschen Zeitung (siehe Süddeutsche). Drei Milliarden Dollar fehlten für die Grundversorgung der Flüchtlinge im Nahen Osten. Wäre das Geld da gewesen: es hätte keine Völkerwanderung mit tausenden von Toten gegeben. Merkel wusste, dass das Geld fehlte, sie wusste, dass die Hilfsorganisationen beständig weniger Geld haben und die Versorgung mit Nahrungsmitteln eingestellt werden musste.

Darf ich daraus schlussfolgern, dass diese Völkerwanderung geplant war?

Heute will man uns das anders verkaufen – die jungen Leute mal wieder. Aktuell gibt es da ein Interview mit einem Preisträger (siehe Spiegel):

Die Idee, die Bundesregierung hätte sich allein aus humanitären Erwägungen ganz plötzlich für die Grenzöffnung entschieden, finde ich befremdlich. Sie hat sich über Jahre die Dramen im Mittelmeer und in den südeuropäischen Grenzstaaten angeguckt, ohne etwas zu tun. Die Entscheidung Merkels war eine Folge von Migrationsdruck, den Flüchtlinge aufgebaut haben, die im europäischen Transitraum unterwegs waren. Die Flüchtlinge haben einen politischen Notstand erzwungen.

Der junge Mann hat eine etwas eigentümliche Sichtweise auf die Entwicklungen, die viel ausblendet: aber danke für die Aufklärung darüber, dass CDU und SPD über Nacht eben NICHT sozial und humanitär geworden sind. Es war aber auch nicht der „Migrationsdruck“ – hier spielt der Autor mit dem Feuer, ohne es zu merken, denn: DRUCK hat in der politischen Welt nichts zu suchen. DRUCK ist eine Form von GEWALT – sprich: NÖTIGUNG. Es wäre fatal, wenn wir diese Sprachregelung beibehalten würden: dann hätten wir es in der Tat mit „Invasoren“ zu tun.

Es waren aber auch gar nicht die Flüchtlinge, die den „Migrationsdruck“ aufgebaut haben. Wussten Sie eigentlich, dass die Türkei die besten Flüchtlingscamps der Welt hat? Dafür habe ich einen Augenzeugen, einen Korrespondenten der Berliner Zeitung (siehe gruss.vom.bosporus.berlinerzeitung):

„Etwa zehn Prozent der syrischen Flüchtlinge oder rund 250.000 Menschen sind in großen Zelt- oder Containerlagern untergebracht worden, die – soweit ich das nach dem Besuch von etwa zehn Camps beurteilen kann – erstklassig organisiert und ausgestattet sind. Es ist furchtbar, wenn man fliehen und im Lager leben muss, aber wenn, dann sollte man die Türkei wählen. Ich habe noch nie zuvor solche tollen Flüchtlingslager gesehen, und ich habe einige besucht. Schickt die Dresdner und die Bayern nach Kahramanmaraş, Kilis oder Gaziantep, um von den Türken zu lernen! Denn das Land ist der internationale Champion beim Flüchtlingslagerbau und -management.“

Ja- die Türkei hat 2,7 Millionen Menschen aufgenommen. Die haben auch Platz: 98 Einwohner pro Qudratkilometer gegen 228 in Deutschland. Warum bleiben eigentlich die Flüchtlinge nicht in diesen wunderbaren türkischen Lagern? Abgesehen von etwas Geraune darüber, dass die Türkei die Leute absichtlich im Norden nahe der griechischen Grenze untergebracht hat, bekommen wir auf diese Frage keine Antwort. Und das Geraune kommt aus Quellen, die ich nicht zitieren möchte. Lieber zitiere ich die „seriösen“ Westmedien, die 2012 über die Großmachtsträume Erdogans berichteten (siehe Welt), der nicht weniger als die Wiedererrichtung des Osmanischen Reiches im Sinn hat – von Libyen über Ägypten, dem Irak und Syrien über Aserbeidschan und Georgien bis nach Österreich – wobei Griechenland dann wieder ganz der Türkei gehören würde.

Schauen wir genauer hin. Wieso gibt es überhaupt diese Flüchtlinge? Nun – weil Krieg herrscht. Ein Krieg der Nato. Gegen Syrien, gegen Russland (erinnere daran, dass es die Türkei war, die absichtlich eine russische Maschine abgeschossen hatte), gegen den Irak, gegen Afghanistan und viele andere Länder. Der in Syrien ist wichtig, denn von dort bezieht Erdogan sein Flüchtlingspersonal. Ja: ich formuliere hier absichtlich provokativ, weil ich mich dem preisgekrönem Journalisten anschließe und sage: eine humanitäre Gesinnung existiert in der Bundesregierung nicht. Nicht gegenüber dem eigenen Volk – und auch nicht gegenüber den Zuwanderern. Neben dem Bombenkrieg hat Syrien jedoch ein besonderes Problem: bewaffnete, hoch mobile Kampfgruppen von brutalen Gewalttätern (nein: das Prädikat „Muslim“ gönne ich ihnen nicht) eroberten in einem Blitzkrieg (streng nach US-Doktrin für leichte, hochmobile Kampfverbände) weite Teile des syrischen Staatsgebietes – mit besondere Grausamkeit gegen Frauen, die wieder handelbares Eigentum wurden (aber seltsamerweise kaum als Flüchtlinge nach Deutschland kommen).

Und wer untersützt diese Banden (siehe Heise)?

Am Sonntag, den 29.11.2015 trifft die Bundeskanzlerin und andere EU-Vertreter erneut Präsident Erdogan zum EU-Gipfel in der Türkei, um über eine Lösung in der Flüchtlingsfrage zu beraten. Sie trifft sich damit mit einem Protagonisten, der mitverantwortlich ist für die Flüchtlingsströme, und zwar durch die Unterstützung des IS mit Waffenlieferungen, Ölkäufen, Verletzten-Versorgung in eigens dafür eingerichteten geheimen Abteilungen in türkischen Krankenhäusern. Wann begreifen unsere Politiker endlich, dass sie mit dem Falschen verhandeln? Wann schieben sie dem Treiben endlich einen Riegel vor?

Unsere Politiker schieben dem Treiben gar keinen Riegel vor – weil Erdogan sonst den Migrationsdruck erhöht – wäre meine Vermutung.

Aktuell hat die Türkei ja erreicht, was sie wollte – und braucht keine weitere Flüchtlingsware mehr, um Deutschland erpressen zu können. In Folge dessen wird auch entsprechend reagiert (siehe Deutschlandfunk):

„Ja, nach Aussagen dieser Menschen haben türkische Sicherheitskräfte von einem Berg herab auf die Flüchtlinge geschossen, die vor der ISIS geflohen sind. Die ISIS hatten gerade deren Lager gestürmt, die sind von denen weggerannt. Man muss sich vorstellen, das ist sehr nah an der türkischen Grenze, allerdings ist dort eine Mauer. Die Türken bauen eine, ja, Berliner Mauer, die sogar raketengeschützt ist. Und da haben sie schon an der 900 Kilometer langen Grenze 300 Kilometer vermauert, und an dieser Mauer sind sie angelangt, und vom Berg herab haben türkische Grenzpolizisten auf die Flüchtlinge geschossen, vor ihre Füße, sodass sie wieder zurück in die Arme der ISIS rennen mussten.“

Da gibt es in Deutschland ein Riesengeschrei wegen der AfD … und die Verwicklung der Türkei in Massenmorden an Syrern ist keine Rede wert? Nun – die Bombadierungen der IS-feindlichen Kurden interessieren „uns“ ja auch nicht.

Wohl nur wenige haben registriert, was mit dem „Spiegel“- Korrespondenten in der Türkei geschehen ist. Neben vielen Ungeheuerlichkeiten einer Machtergreifung autokratischer Gesellen in diesem Land eine ganz besondere Delikatesse (siehe Spiegel):

„Und schlimmer noch: Ich erhielt Warnungen. Türkische Staatsanwälte, die der Regierung und ihrer Einflussnahme auf die Justiz kritisch gegenüberstehen, sagten mir: Wenn ich im Land bliebe, sei denkbar, dass ich unter einem Vorwand angeklagt würde. Etwa wegen „Unterstützung einer terroristischen Organisation“ oder wegen „Präsidentenbeleidigung“. Das sind in der Türkei übliche Beschuldigungen gegen Journalisten, die den Mächtigen zu kritisch sind. Nur richteten sie sich bisher vor allem gegen einheimische Journalisten.“

Doch damit nicht genug:

„Es blieb nicht der einzige Hinweis. Auch aus deutschen Behördenkreisen riet man mir, das Land so bald wie möglich zu verlassen, denn die türkische Seite könne die Angelegenheit sonst „eskalieren“.

Ja – man weiß auf Seiten der Regierung, was in diesem Land geschieht. Lesen Sie bitte den Artikel ganz – er ist ein beeindruckendes Zeugnis über den Charakter der aktuellen türkischen Gesellschaft. Registrieren Sie bitte dies hier:

„Türkische Journalisten müssen schon lange mit Einschränkungen leben. Der Staat beschäftigt eigens Beamte, die Zeitungen daraufhin prüfen, ob sie Beleidigungen des Präsidenten enthalten. Dabei handelt es sich um eine Straftat. Die Zeitungen, die dem Oppositionslager zugerechnet werden, müssen täglich Exemplare bei den Kontrolleuren abliefern.

Irgendwann beginnt die Selbstzensur. Was kann man noch schreiben, mit wem darf man noch reden? Manager, Politiker, selbst aus der Regierungspartei AKP, Künstler, Schriftsteller, einfache Bürger – sie alle verweigern Gespräche mit Journalisten mit dem Hinweis: „Sie wissen ja, man kann nicht offen reden. Wer weiß, was passiert, wenn herauskommt, dass ich mit Ihnen gesprochen habe.““

Merken Sie nun, warum es ganz entscheidend gewesen wäre, den irren Böhmermann vor Erdogan in Schutz zu nehmen: obwohl dieses affige Gedicht ein Zumutung war – und die Inszenierung einfach kindisch und albern – wie es sich für unsere Spaßgesellschaft gehört? Immerhin: ein CDU-Mann hat deshalb seine Partei verlassen – mit klaren Worten (siehe Mensch-Westend):

„Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, weiterhin Mitglied einer Partei zu sein, deren Vorsitzende sich zum Büttel eines blutrünstigen Diktators macht und so die Freiheitsrechte mit Füßen tritt.“

Ein blutrünstiger Diktator, der mit der Kanalisierung von Flüchtlingsströmen die Binnenpolitik Europas lenkt?

Ich muss vorsichtig sein, was ich hier schreibe – denn der Fall Böhmermann hat die Macht Erdogans in Deutschland demonstriert. Darum schreibe ich jetzt mal über die Folgen des „Migrationsdrucks“, der vom „Spiegel“ so gefeiert wird. Druck erzeugt Gegendruck – der zeigt sich in Deutschland in Form von brennenden Flüchtlingsheimen und dem Wiedererstarken längst vergessen geglaubter politischer Strömungen – die ganz in Erdogans Sinn sind. Doch die Reaktion in Deutschland auf diesen Druck ist noch harmlos, verglichen mit dem, was im wilden Osten Europas geschieht (siehe Spiegel):

Vom Baltikum bis Bulgarien – überall in Osteuropa haben solche rechtsextremen Privatmilizen und Bürgerwehren Zulauf. Viele von ihnen traten schon vor Jahren aus ihrer Nischenexistenz als Waffennarren und Heimatschutzfanatiker heraus und marschierten beispielsweise als Schutztruppe gegen angebliche „Zigeunerkriminalität“ auf. Jetzt entdecken sie ein Betätigungsfeld, von dem sie sich noch mehr gesellschaftliche Akzeptanz für ihr Ideal einer Selbstjustiz erhoffen: die „Migrantenabwehr“.

Ein wichtiger Artikel. Lesen Sie ihn bitte ganz. Ich formuliere mal anders: in Folge des gezielt aufgebauten Migrationsdrucks wurde im Osten Europas der Freiraum für paramilitärische Verbände geschaffen, die die Staatsgewalt unterlaufen, unterwandern oder ganz ablösen. Die Staaten, die dem osmanischen Reich im Weg stehen, destabilisieren sich so selber. Eine gigantische Gefahr für die Demokratien in Europa, denen die Pressefreiheit heilig ist – und man findet den Artikel zufällig neben Fussballmeldungen und lustigen Witzen über Fahrräder und Cheftypen.

„Das Schlimme ist, dass die rechtsextremen paramilitärischen Gruppen und die legalen Organisationen zur Ordnungssicherung verflochten sind“, sagt der linke Philosoph G. M. Tamás. „Die Rechtsextremen haben ausgezeichnete Verbindungen zu Bürgerwachen, zu vielen Bürgermeistern, zu Geheimdiensten, zur Polizei und zum Grenzschutz. Sie sind Teil des Establishments.“

Ja: das finden Sie in „Lügenmedien“. Sie müssen sie nur lesen anstatt sie nur zu verurteilen: sie werden sich wundern, was man da alles findet.

Sie merken jetzt wahrscheinlich, warum ich von den „Flüchtlingskriegen“ rede und diesen Begriff im deutschen Sprachraum einbringen möchte. Diesen Krieg wahr zu nehmen, wird uns als demokratische Zivilgesellschaft helfen, rational mit dem Problem umzugehen – und zu erkennen, in wie weit die Bundesregierung schon alternativlos zum Büttel (oder Gefangenen) eines „blutrünstigen Diktators“ (siehe CDU-Mann Hill) geworden ist.

Und wenn sie die Perspektive „Flüchtlingskriege“ nachvollzogen haben, werden Sie verstehen, warum diese Meldung so brandgefährlich ist (siehe Spiegel):

„Griechenland reagiert auf die Tumulte an der griechisch-mazedonischen Grenze mit einer Machtdemonstration: Die Luftwaffe fliegt Manöver nahe Idomeni, der Verteidigungsminister posiert in Flecktarn.

Der Generalstab des griechischen Militärs schrieb in einer Pressemitteilung, es handle sich um eine „Demonstration der Einsatzbereitschaft“. Zwei ehemalige hochrangige Militärs sagten SPIEGEL ONLINE, es gehe darum, Mazedonien und der Türkei „die Zähne zu zeigen“. Auch in der Ostägäis waren griechische Verbände im Übungseinsatz, laut Athener Verteidigungsministerium wurde die Luftabwehr auf mehreren Inseln aktiviert.“

Griechenland bereitet sich auf einen neuen Krieg mit der Türkei vor. Der bleibt ja auch nicht aus: ein neues großosmanisches Reich würde Griechenland „eingemeinden“ – ein Land, dessen Wirtschaft am Boden liegt und Haupttransitstrecke für Flüchtlinge ist – ohne große finanzielle Hilfe von Angela Merkel. Der letzte griechischisch-türkische Beinahekrieg wäre fast 1996 vom Zaun gebrochen worden – womöglich sind die Jubelmeldungen über den zaghaften Frieden zwischen den „Erzfeinden“ etwas verfrüht (siehe Deutschlandfunk). Die Luftabwehr auf den griechischen Inseln aktiviert man nicht gegen syrische Flüchtlinge, die – ohne dass sich jemand drüber aufregt – zur Waffe geworden sind: zur Waffe, die ganz Europa verändert und dem „blutrünstigen Diktator“ – ganz zufällig – immer mehr Macht verleiht.

Natürlich „zufällig“ – Theorien über Verschwörungen sind ja aktuell untersagt.

Aus gutem Grund.

Man möchte nicht gestört werden.

 

 

 

Dritter Weltkrieg 2016: über großosmanische Reiche, Kriegsrecht in Europa und atomare Erstschläge

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Mittwoch, 25.11.2015. Eifel. Wer momentan die Grenze von Belgien nach Deutschland überquert, bekommt einen Geschmack von der Zukunft: schwer bewaffnete Truppen kontrollieren jedes Fahrzeug, viele Deutsche, die in Belgien wohnen (also: Miet- und Hausbauasylanten, die vor deutschen Hochpreisen flüchteten) müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen und blicken in die Mündungen scharfer Waffen. Die Begründung? Die Geheimdienste haben die Macht übernommen, können jederzeit durch Anschlagswarnungen Anschläge gegen die Menschenrechte zu jeder Zeit an jedem Ort vornehmen. In Frankreich ist es  noch schlimmer: 66 Millionen Franzosen stehen akut unter Kriegsrecht – so erfolgreich war bislang kaum ein Terroranschlag. Für Frankreich finden wir bei Telepolis einen Aufsatz, der schon jetzt die weit reichenden Hintergründe beleuchtet (siehe Heise):

„Außerdem dienen die Maßnahmen gegen den IS der Vorbereitung auf größere soziale Konflikte im Inneren. Insbesondere Frankreich steht wegen der Eurokrise unter zunehmendem wirtschaftlichem Druck. Um seine Konkurrenzfähigkeit am Weltmarkt zu erhöhen, muss das Land demnächst Sozialleistungen einschränken, die Arbeitsgesetze verschärfen und das Lohnniveau senken (In Deutschland bereits durch die Agenda 2010 geschehen). All diese Maßnahmen werden wegen der schon bestehenden sozialen Ungleichheit im Lande erheblichen sozialen Widerstand hervorrufen, der dann unter Zuhilfenahme der jetzt beschlossenen Einschränkungen des Versammlungsrechts, der erweiterten Überwachung des Internets und der Ausweitung polizeilicher und militärischer Befugnisse unterdrückt werden kann.“

Das gilt nicht nur für Frankreich:

„Die Regierungen der übrigen Euroländer haben keine Sekunde gezögert, sich dieser Strategie umgehend anzuschließen, ebenfalls demokratische Rechte einzuschränken und die Aufrüstung von Militär und Polizei anzukündigen.“

Auch wir bekommen mehr Geheimdienstler – gerade noch bevor eine Historikerkommission die Nazi-Netzwerke in den Geheimdiensten aufdecken würde. Ob das Ergebnis noch veröffentlicht wird oder vielleicht dann eher doch die nationale Sicherheit gefährdet, steht heute noch in den Sternen, denn: die Antwort könnte uns möglicherweise dann doch sehr verunsichern.

Während wir mit zumeist nutzlosem Nachrichtenmüll zugeschüttet werden (Mode, Fußball, Promis, Autos und vor allem: Fernseh“events“) und viel Zeit investieren müssen, die wirklich wichtigen Fakten mühsam selbst herauszufiltern, bereitet sich die westliche Welt auf einen Kriegsalltag vor, gewöhnt sich Tag für Tag mehr an Bilder, die wir schon längst vergessen glaubten.

Ja: der wäre schon schön bequem, so ein Krieg: für viele, vor allem für jene Kreise, die momentan drum bangen müssen, dass ihre Selbstbereicherungsorgien in den diversen Bankenskandalen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden, wie britische Militärs erforschten, droht sogar ein neuer Neomarxismus die Welt zu erobern: Zeit, sie mal ein wenig durcheinander zu bringen.

Es ist noch nicht lange her, da offenbarte uns Vizekanzler Gabriel die Existenz kriegstreibender Mächte in der Nato (siehe Spiegel), gestern haben diese Kräfte einen weitern kräftigen Schritt in Richtung Dritter Weltkrieg unternommen.

Was war geschehen? Ein russisches Flugzeug wurde über syrischem Gebiet abgeschossen – allerdings lesen Sie das so nicht in der Millionärspresse. Die formuliert das anders, um den Russen eine große Mitschuld zu geben und von den wahren Verantwortlichen abzulenken (siehe Spiegel):

„Ein Sprecher des US-Militärs bestätigte, dass die russischen Piloten über Funk zehnmal gewarnt worden seien: „Wir konnten alles mithören.“ Wahr ist offenbar aber auch, dass die Su-24 nur wenige Sekunden im türkischen Luftraum war. Das bestätigte ein Nato-Insider nach dem Sondertreffen des Nordatlantikrats, das direkt nach dem Vorfall in Brüssel einberufen worden war. Ein US-Regierungsvertreter hatte sich zuvor ähnlich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters geäußert.“

Nur wenige Sekunden war die russische S-24 in türkischem Luftraum. Zehnmal war über Funk gewarnt worden, drei Kilometer legte die Maschine über türkischem Luftraum zurecht, man davon ausgehen, dass die Maschine also erst über Syrien abgeschossen wurde – warum sollte sich ein Flugzeug, dass über Syrien fliegt, auf Warnungen der türkischen Luftwaffe einlassen? Hätte man Frieden im Sinn, wäre das auch gar kein großes Thema: dafür gibt es Diplomatie. Doch leider … hat die Türkei ganz andere Pläne, die schon lange bekannt sind. Immer wieder tauchen Meldungen auf, die eigentlich beunruhigen sollten: die Türkei sei auf dem Weg zu einem neuen Sultanat (siehe Welt), von „wuchtigen historischen Dimensionen“ ist die Rede, wenn die Ausmaße dieses neuen Sultanats beschrieben werden: das reicht von Österreich bis nach Russland hinein, von Tunesien bis tief in den Saudi-Arabischen Raum (siehe Welt). Nachrichten, die einen verstören sollten: was geschieht dort im Reich der Türken?

Nun – es wird ein neuer Traum vom osmanischen Reich inszeniert, ein neo-osmanischer Kult erhebt sich, verherrlicht das Osmanische Reich und unterdrückt unbequeme Wahrheiten (siehe Deutschlandfunk), doch nicht nur kitschige Fernsehserien, die zufällig die dunklen Seiten des Sultans beleuchten, werden abgesetzt: auch große, regierungskritische Medienkonzerne werden ohne richterliche Legitimation besetzt und abgeschaltet (siehe Tagesschau) – wären das nicht unsere großen Freunde, man könnte von einem Polizeistaat reden, in dem auch Richter und Staatsanwälte unter enorem politischen Druck stehen (siehe Hintergrund).

Mehrere Minuten lang hatte der Pilot der türkischen Maschine Zeit, seine Entscheidung zu überdenken – beachtet man die üblichen Befehlsketten, so dürfte der Befehl von ganz oben gekommen sein – gerade angesichts der Tragweite der Aktion: immerhin schießt dort ein Natojet eine russische Maschine im fremden Luftraum ab – das ist unter normalen Umständen ein Kriegsgrund. Wir können nur von Glück reden, dass Putin nicht der Kriegstreiber ist, als den die Presse ihn gerne darstellt: sonst hätten wir heute schon Meldungen über Wellen russischer Raketen, die türkische Flugplätze zerstören.

Dass die Türkei sich mit dieser Aktion auf die Seite des IS gestellt hat und quasi als deren Luftwaffe fungiert, wird kaum wahrgenommen: immerhin war die Türkei einer jener Kunden, die den Mordbrennern vom IS das von denen geklaute Öl zu guten Preisen abkauften – jenes Öl, dass russische Bomber zuerst angriffen, um den Banden, die in Paris 130 Europäer getötet haben, die Finanzierungsgrundlage zu entziehen. Eigentlich ein logischer Schritt – wäre nicht die IS für Neoosmanen ein nützliches Instrument zur Durchsetzung ihrer Ziele: ein neues, großes, osmanisches Reich braucht ein destabilisiertes Umfeld, eine schwache UN, womöglich auch einen Krieg in Europa, um sich ausbreiten zu können, auch die Lenkung von Flüchtlingsströmen nach Europa – durch die Türkei aktiv vorgenommen (siehe FAZ) – ist eine wichtige Maßnahme zur Schwächung Kerneuropas, zudem kann man in Zukunft davon ausgehen, in Europa Verbündete zu haben, die dem neuen Reich dankbar sein werden.

Es ist nicht so, dass sich die Nato nicht bewusst wäre, dass sie einen Wahnsinnigen in ihren Reihen hat, der mit „westlichen Werten“ so viel anfangen kann wie die IS (allerdings noch lange nicht so brutal gegen die eigene – arme – Bevölkerung vorgeht wie Saudi-Arabien): erst vor kurzem warnte Jochen Bittner in der Zeit davor, dass die Nato „Erdogans nützliche Idioten“ seien (siehe Zeit), dazu missbraucht, seinen eigenen Krieg gegen die Kurden zu führen – unter dem Schutz der Nato. „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufspringen, bis wir am Ziel sind.“ – so ein Versprechen des neuen Sultans (siehe Zeit), der sein Ego schon mal mit einem gigantischen neuen Palast aufpolierte (siehe FAZ):

„Es sollte ein neuer großer Tag im Leben des großen Herrschers Recep Tayyip Erdogan werden. Einen Palast hatte er sich bauen lassen, in den das Weiße Haus sechsmal passen würde und der Amtssitz des französischen Präsidenten gar 27 Mal. Überhaupt soll es der modernste Regierungssitz der Welt sein.“

Dabei hat er auch gleich neue Maßstäbe in Punkto Autokratie gesetzt, die im Westen undenkbar wären:

„Dass Erdogan bei dem Bau, der 340 Millionen Euro gekostet hat, gegen die Bauordnung der Türkei verstoßen hat, ficht ihn nicht an. Der Palast wurde in ein Naturschutzgebiet hineingebaut, das auf Atatürk zurückgeht. Ein Verwaltungsgericht in Ankara hatte einen Baustopp angeordnet. Verächtlich soll Erdogan gesagt haben, dann solle das Gericht das Gebäude doch einreißen, „wenn es das kann“.“

Schauen Sie sich den Palast ruhig an: mit tausenden von Zimmern ist er wohl für einen Weltenherrscher gemacht. Vor dem Hintergrund wird verständlich, warum die Nato aktuell vor Eskalation warnt (siehe Spiegel), doch die Eskalation ist schon da: Russland läßt seine Bomber jetzt von Jägern begleiten und hat seinen Kriegsschiffen klare Anweisungen gegeben (siehe Spiegel):

Außerdem wurde der russische Raketenkreuzer „Moskwa“ angewiesen, vor der syrischen Mittelmeerküste Position zu beziehen und alle Ziele zu vernichten, die Russlands Luftwaffe in dem Bürgerkriegsland gefährden könnten.

Nachdem hunderte russische Bürger von der IS ermordet wurden, dürfte klar sein, dass Putin sein Gesicht verliert, wenn er die Türkei als Schutzmacht der IS weitere russische Bürger töten läßt. Und natürlich ist damit zu rechnen, dass Großmufti Erdogan seinen Kurs weiter fortsetzt, den Traum vom großosmanischen Reich unter seiner Führung weiter träumt und die Nato zu diesem Zwecke missbraucht – eine Nato, die sich Schritt für Schritt ebenfalls weiter auf den Krieg vorbereitet, in der ebenfalls Kräfte wirken, die gerne wieder einen großen Brand auf der Welt entfachen wollen – einfach, weil´s so schön laut knallt und es wieder Orden gibt.

Man muss schon weit außerhalb der Millionärspresse suchen, um zu sehen, was aktuell im Pentagon diskutiert wird – in aller Öffentlichkeit, was ein Reporter des WSWS vor Ort bei drei Kongressanhörungen  mitbekam (siehe Linkezeitung):

„Der amerikanis­che Mil­itär– und Geheim­di­en­stap­pa­rat bere­itet sich derzeit sys­tem­a­tisch auf den drit­ten Weltkrieg vor. Das Pen­ta­gon betra­chtet einen mil­itärischen Kon­flikt mit China oder Rus­s­land, oder sogar mit bei­den Staaten gle­ichzeitig, als unver­mei­dlich. Diese Per­spek­tive ist mit­tler­weile die treibende Kraft hin­ter den aktuellen tak­tis­chen und strate­gis­chen Projekten.“

Die Pläne des Natopartners USA reichen so weit, dass sie den Natopartner Türkei fast freie Hand zur Jagd auf russische Flugzeuge geben. Sogar die konservative deutsche Presse weist darauf hin (siehe Focus):

„Die USA sind die größte Bedrohung für den Westen. Da ist sich der kanadische Professor Michel Chossudovsky sicher. Er behauptet, dass die Amerikaner einen atomaren Erstschlag gegen Russland in Erwägung ziehen – was zwangsläufig zum dritten Weltkrieg führen müsse. Eine krasse These, für die der Kanadier jedoch Unterstützung von anderen Experten bekommt.“

Ein atomarer Erstschlag gegen Russland – der Traum aller Psychopathen, die selbst kaum etwas zu befürchten haben. 19000 Bomben werden jetzt – im laufenden „Kampf gegen den Terror“ – an Saudi Arabien geliefert (siehe jungeWelt): hier bereitet man sich auf groß angelegte, lang andauernde Kriegsoperationen vor. Wer wird dort bewaffnet? Der Spiegel informiert (siehe Spiegel):

Was den Terror gegen Frauen, Homosexuelle oder Andersdenkende angeht, sind die Saudis die Großmeister der Arabischen Halbinsel. In diesem Jahr haben sie schon mehr Menschen geköpft als der IS. Sogar Teenager werden hier hingerichtet. Enthauptung und anschließende Kreuzigung lautet das Urteil gegen Ali Mohammed Baqir al-Nimr, weil er es als 17-Jähriger gewagt hatte, gegen das Königshaus zu demonstrieren.

Was muss ich da lesen? Todesstrafe wegen Homosexualität? Todesstrafe wegen Abwendung vom Islam? Amputationen von Händen und Füßen bei Raub und Diebstahl? Steinigung bei Ehebruch? Saudi-Arabien – der Freund des Westens, der – nach offizieller Verschwörungstheorie – die meisten Attentäter zu „nine-eleven“ beisteuerte, die höchste Twitter-Begeisterung für die Taten des IS aufbringt, dessen Mitglieder des Königshauses in großem Stil Kokain aus Syrien schmuggeln (siehe t-online) und die besten Kunden deutscher Waffenexporteure sind, die  – ganz ungeniert – 350 Bundestagsabgeordnete mit „exklusiven Lobbyreisen“ gefügig machen, finanziert von der „Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik“ (siehe Spiegel): wo bleibt da eigentlich die große Empörung der deutschen Zivilgesellschaft, die sich gerade daran ergötzt, wem man eigentlich alles ungeniert und unverschuldet einen „Nazi“-Aufkleber verpassen kann … so wie früher einen Judenstern?

Gleichzeitig erfolgen Angriffe auf die Krim, die dort natürlich die gesamte Zivilbevölkerung treffen, der man von heute auf morgen die Stromversorgung zerbombt hat (siehe Zeit) während die Ukraine den „Islamischen Staat“ mit Luftabwehrraketen ausstattet (siehe Epochtimes): so sind die dann in der Lage, auch mal ein paar französische Passagiermaschinen abzuschießen und können auf die Rekrutierung von Selbstmordattentätern verzichten. Gleichzeitig müssen wir Deutsche erfahren, dass wir 15 – 20 Millionen illegale Waffen im Land haben (siehe Spiegel): wer Geld hat, kann hier jederzeit kleine Privatarmee nach dem Vorbild der Oligarchen in der Ukraine aufstellen und im Krisenfall schnell die Herrschaft über eine weitgehend unbewaffnete Bevölkerung übernehmen: diesen Waffen stehen nur 240000 Polizisten gegenüber (siehe Statista): ein Krisenpotential der besonderen Art.

Natürlich kämen wir noch gegen diesen Wahn an – noch. Doch nicht mit diesem Personal, denn den deutschen „Selbstoptimierern“ mangelt es an der wichtigsten Fähigkeit zur Politikgestaltung, an einer Kernkompetenz: der Ernsthaftigkeit (siehe Prof.Dr. Heinz Bude im Spiegel): was kann einem auch schon geschehen, wenn man selbst „Fit for Job“ ist, einen „heißen Body“ hat und finanziell „voll im Lack“ ist?

Nun – die Antwort auf die Frage ist ganz einfach: das Kriegsrecht und die Einberufung, der man nichts mehr entgegensetzen kann, weil alle Bürgerrechte durch das Kriegsrecht ausgehebelt werden. Wäre einem das klar: die deutsche Friedensbewegung (jetzt auch schon „Nazis“ … also: „superultrahyperböse“, ganz anders also als die Saudis …so weit sind wir schon wieder) könnte wieder Millionen von Menschen auf die Straße bringen, Parlamentsmehrheiten verschieben und für produktive Allianzen quer durch alle Parteien sorgen, politische Entscheidungen mitgestalten (wie den ´Rausschmiss der Türkei aus der Nato, was die Kriegsgefahr enorm minimieren würde – oder die Auflösung der Nato zugunsten einer EU-Verteidigung, mit der Russland und China kein Problem mehr hätten … und die Islamisten wahrscheinlich auch nicht).

Doch was geschieht im Land der „Schpassfanatiker“?

Nichts. Noch nicht mal, als ein Innenminister ihnen dringende Informationen vorenthielt, um die kleinen Doofen nicht zu verunsichern: man hätte ihm ja auch „Populismus“ vorwerfen können. Dass so die Geheimdienste einen Freibrief bekommen, jederzeit und überall für Terror zu sorgen, wird gar nicht mehr gesehen.

Wirklich: fahren Sie mal an die belgische Grenze – sie ist nicht weit von hier. Dort können Sie für einen kurzen Moment erleben, wie es es, wenn Bürgerrechte im Kriegsfall außer Kraft gesetzt werden, können erleben, wie es ist, wieder in die Läufe geladener Maschinenpistolen zu blicken. Oder reisen Sie auf die Krim: Strom ist im Kriegsfall ganz schnell Mangelware. Könnte ganz schnell ein Blick in die deutsche Zukunft sein … bevor die Bomben fallen.

Vielleicht sogar genau die, die die USA jetzt an Saudi-Arabien verkaufen.

 

Gruselige Nachrichten aus der Türkei: „heiliger“ Prophet will Lebensraum im Westen?

Gruselige Nachrichten aus der Türkei: "heiliger" Prophet will Lebensraum im Westen?

Donnerstag, 10.4.2014. Eifel. Stellen Sie sich mal vor, der Herr Putin würde von einem Reich träumen, dass bis zum Atlantik reicht. Stellen Sie sich vor, er würde Pläne billigen, getürkte Angriffe auf Russland zu inszenieren, um einen Kriegsgrund zu haben. Stellen Sie sich vor, er würde Giftgasangriffe auf fremde Länder durchführen, um dort politischen Einfluss zu gewinnen. Stellen Sie sich vor, er würde alle Russen in Europa zusammenrufen, damit sie mit ihm an einem neuen, großrussischem Reich arbeiten. Können Sie sich vorstellen, wie die westlichen Medien reagieren würden? Mal ehrlich: die gebärden sich doch jetzt schon so, als würden sie seinen Kopf am liebsten – ohne Rest – an der Siegessäule in Berlin heften. Wenn dann noch deutsche Soldaten von russischen Offizieren tätlich angegriffen würden: der Tastenmob würde vor Wut Schaum vor den Mund bekommen.

All das geschieht – doch es ist nicht Russland, das sich so gebärdet, es ist das Natoland Türkei.

Die Welt berichtete am 1.10.2012 über die „Krönungsrede“ des türkischen Premierministers Erdogan, in der er die Zukunft der Türkei skizzierte – mit einem Beispiel, welches manchen westlichen Politiker ins Grübeln bringen könnte. Nun – außer Gerhard Schröder war ja auch kein westlicher Politiker da, er fand sich in bester Gesellschaft … unter anderem neben islamistischen Terroristenführern. Hören wir, was die Welt zu berichten hat:

Was den Aufbruch der Türkei nach Westen betrifft, dafür verwendete Erdogan in seiner Grundsatzrede ein ganz neues Symbol. Das Endziel des langen Weges, das erst seine Nachfolger erreichen würden, sei „2071“, sagte er an die Adresse der türkischen Jugend.

Dann nämlich jährt sich zum tausendsten Mal die Schlacht von Manzikert, in der die Türken das byzantinische Reich entscheidend schlugen, gen Westen drängten und Anatolien in Besitz nahmen. „Unser Vorbild ist Sultan Arp Arslan“, also der damals gegen die Christen siegreiche Kriegsherr, verkündete Erdogan und erntete begeisterten Applaus von rund 30.000 AKP-Anhängern.

Das Motto des Kongresses sollte „große Türkei, große Macht“ gewesen sein, nebenbei hatte Erdogan – der „größte Führer der Welt“ –  Russland, China und Israel gedroht.

Am 24.3.2010 berichtete die Welt über eine seltsam völkisch anmutendende Konferenz. Erdogan hatte 1500 türkischstämmige Geschäftsleute und Politiker eingeladen, um ihnen eine ganz besondere Botschaft mitzugeben:

Tatsache ist, die meisten Botschaften wussten nichts von der geplanten Veranstaltung, zu der zahlreiche gewählte Abgeordnete ihrer Länder auf Kosten des türkischen Staates geladen waren. Teilnehmer berichteten dem „Spiegel“, dass sie auf dem Treffen von Erdogan aufgefordert wurden, in ihren politischen Aktivitäten nicht die Interessen der Türkei zu vergessen. Ihnen sei gesagt worden, dass Türken in Europa gezielt die Staatsbürgerschaft des Gastlandes erlangen sollten, um so ihren politischen Einfluss in diesem Land zu steigern und ihn im Interesse der Türkei zu nutzen. Ihre türkische Staatsbürgerschaft sollten sie nach Möglichkeit behalten, und auf keinen Fall die Identität der Gastländer übernehmen, denn das wäre Assimilation.

Das Interesse der Medien an dieser Veranstaltung war klein, was nicht sonderlich wundert. Stimmt der Bericht der Welt, handelt es sich hier um eine klassische völkisch-nationale Verschwörung, die aus allen Europäern türkischer Abstammung Agenten des neuen türkischen Großreichs machen möchte. Im Prinzip ein ungeheuerlicher Skandal – und ein unverantwortliches Vorgehen gegenüber den Eingeladenen, die – als Abgeordnete – in ihren Heimatländern den jeweiligen Wählern verpflichtet sind und als Geschäftsleute erst recht auf ihr Ansehen achten müssen.

Nun – da es keine Verschwörungen gibt, hat die westliche Presse in breiter Front darauf verzichtet, diese Verschwörung aufzuklären – wodurch man ein wenig im Unklaren bleibt, welcher europäische Parlamentarier jetzt im Stillen an der Umsetzung der Pläne zu einem neuen großtürkischen Reich westlich von Istanbul arbeitet.

Dabei wird daran weiter fleißig gearbeitet.

Am 14. März berichtete das Deutsch-türkische Journal über die Vorbereitung der türkischen Armee zum Einmarsch in Syrien. Hintergrund der Aktion waren letztlich Sorgen um den Einflussbereich der Türkei im Norden Syriens,

Der Einfluss der Türkei schwindet seit langem auch in der Grenzregion zur Türkei. Die Ausrufung einer kurdischen Provinzregierung in Nordsyrien beweist, wie wenig Kontrolle die türkische Regierung über die in Nordsyrien aktiven Gruppen hat.

Was fehlt, war ein Grund für den Einmarsch. Ein Abhörskandal verschaffte hier Klarheit, siehe Spiegel:

Zu hören sind dabei angeblich Außenminister Ahmet Davutoglu, Geheimdienstchef Hakan Fidan, Unterstaatssekretär Feridun Hadi Sinirlioglu und Vize-Armeechef Yasar Güler. Die Männer suchen in dem Gespräch nach einem Grund für einen Krieg mit Syrien.

Wörtlich sagt ein Mann, angeblich Fidan: „Wenn es nötig ist, kann ich vier Männer nach Syrien schicken und acht Raketen auf die Türkei abfeuern lassen, um einen Kriegsgrund zu schaffen.“

Auch eine Verschwörung. Gut, dass es so etwas nicht gibt.

Es stellt sich auch die Frage, warum der Abhörskandal als „angebliches“ Gespräch bewertet wird. Die Deutsch-türkischen Nachrichten bestätigen die Richtigkeit der Informationen indirekt und vermuten dahinter eine Verschwörung feindlicher Mächte, die den Aufstieg der Türkei zur Großmacht verhindern wollen. In einem weiteren Artikel wird deutlich, wer diese bösen Verschwörer sind:

Kaynak sagt auch, dass US-Präsident Obama und Erdoğan realpolitisch dieselben Ansichten vertreten. Sie seien Kooperations-Partner. Obama sei nicht interessiert an Erdoğans Abgang. Auch Putin stehe in enger Kooperation mit Obama und Erdoğan. Alle seien Gegner einer starken EU. Sie wollen den Europäern kein Mitspracherecht bei der Energiepolitik des Nahen Ostens zugestehen.

Premier Erdoğan müsse sich seitens seiner Gegner auf weitere Attacken einrichten. In einem Juni-Interview mit der Zeitung Yeni Asır sagte Kaynak, dass die Europäer jede Gelegenheit nutzen werden, um Erdoğan in Misskredit zu bringen.

Na ja – das sind halt türkische Nachrichten. Die haben die deutsche Wahrheit, dass es nirgendwo irgendwelche Verschwörungen gibt, noch nicht erkannt. Und gut, dass wir in Europa leben, wo man solche Gruselgeschichten nicht ernst nehmen darf: eine Allianz zwischen Russland, der USA und der Türkei zum Zwecke des Ausschlusses der europäischen Konkurrenz vom Ölmarkt des Nahen Ostens könnte uns enorm beunruhigen.

Gut, dass man uns darüber nicht informiert – wir würden die miserable Behandlung deutscher Soldaten in der Türkei (siehe Spiegel) in einem ganz anderen Licht sehen – und verstehen. Aus der Sicht der Anhänger des größten Führers der Welt sind die deutschen Soldaten (samt dem Rest der europäischen Union) der Feind … wenn auch ein nützlicher. Immerhin schützen sie die Türkei vor syrischen Gegenschlägen, die nach neuen Erkenntnissen wohl jetzt zu erwarten sind, siehe Spiegel:

In einem Beitrag für die „London Review of Books“ behauptet der Journalist, dass der türkische Geheimdienst hinter dem Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus am 21. August vergangenen Jahres stecke. Die Regierung von Recep Tayyip Erdogan habe die USA so zu einem Militärschlag gegen das syrische Regime bewegen wollen, schreibt Hersh unter Berufung auf eine Quelle aus dem US-Geheimdienst.

Präsident Barack Obama habe auf den damals geplanten Militärschlag gegen Assad verzichtet, weil die USA von der türkischen Verwicklung erfahren hätten, behauptet Hersh.

Natürlich dementiert jeder alles – welcher Täter würde das nicht tun. Wir machen uns auch keine Gedanken darüber, „welch´ Geistes Kind“ jemand ist, der nach einem Wahlsieg seinen politischen Gegnern droht, sie „bezahlen“ zu lassen und „bis in ihre Höhlen“ zu verfolgen (siehe Spiegel zu Erdogans Reaktion auf seinen Wahlsieg) und die Türkei in einen Polizeistaat verwandelt (siehe Spiegel). Offensichtlich werden die Oppositionspolitiker nicht nur in ihren Höhlen verfolgt, sondern auch im Parlament, wo jetzt der Chef der türkischen Opposition körperlich angegriffen wurde (siehe NTV).

All´ jene Informationen für sich allein genommen, wären harmlos. Doch stellt man sie zusammen, ergibt sich das Bild eines höchst manipulativen Machtapparates innerhalb des türkischen Staates, der gerne alle Länder um sich herum zu seinem eigenen Vorteil gegeneinander ausspielt und auch vor getürkten Angriffen auf das eigene Land oder Giftgasangriffen auf Nachbarländer nicht zurückschreckt.

Der nun auch körperlich geschlagene Führer der stärksten Oppositionspartei hatte der Zeit ein Interview gegeben, das am 28. März 2014 veröffentlicht wurde. Hier äußerst er sich eindeutig zu dem „größten Führer der Welt“:

Er ist ein Diktator. Er unterdrückt die Medien, die Wirtschaft, und die Bürokratie untersteht ihm allein. Er sagt: Ich bin der Staat. Erdoğan tut so, als sei der Gouverneur sein Gouverneur, der Bürgermeister sein Bürgermeister, der Direktor sein Direktor, der Arzt sein Arzt. Alles untersteht ihm, denkt Erdoğan. Deshalb findet er auch, dass er einfach etwa bei einem Fernsehsender anrufen und bestimmen kann, was gesendet wird. Oder dass er beim Justizminister anrufen und anordnen kann, dass dieser und jener Geschäftsmann verurteilt werden muss. Deshalb: Ja, Erdoğan ist der Diktator einer Türkei im 21. Jahrhundert.

Für solche Aussagen bekommt man dann im Parlament schon mal was auf´s Maul.

Und wir Deutsche – wir Europäer?

Ignorieren in breiter Front die Entstehung einer religiösen Bewegung innerhalb der Nato, die sich nicht scheut, das Verteidigungsbündnis in einen Krieg zu stürzen – einen Krieg, für den deutsche Soldaten jetzt schon bereit stehen. Dabei erreicht der großtürkische Kult Dimensionen, die einem Angst und Bange machen sollten.

Hören wir dazu den in Istanbul lebenden Korrespondenten der Frankfurter Rundschau:

Recep Tayyip Erdoğan ist längst mehr als ein charismatischer Politiker oder ein politischer Popstar. Seine Anhänger reagieren auf ihn, als wäre er ein religiöser Führer, bei dem Kritik an seiner Sprache und seinem Tun wie Blasphemie wirken. Es ist keine Ausnahme, wenn eine Studentin in der zentralanatolischen Stadt Kayseri sagt: „Für mich hat Erdoğan immer Recht.“ Der Abgeordnete Fevai Arslan der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP verstieg sich sogar zu der Aussage: „Der Ministerpräsident ist wie ein zweiter Prophet.“

Es ist echter Glaube im Spiel, wenn der AKP-Abgeordnete aus Bursa, Hüseyin Şahin, erklärt: „Alleine den Ministerpräsidenten zu berühren, ist ein Gottesdienst.” Oder wenn der ehemalige Europaminister Egemen Bağış äußert: „Der Geburtsort des Ministerpräsidenten ist heilig.”

Da führt ein Abgesandter Gottes das Volk zu größter Macht – ohne Rücksicht auf Verluste. Da kann man schon verstehen, dass massive Korruptionsvorwürfe nur durch die Verschwörung dunkler, internationaler Mächte entstehen können (siehe Spiegel) und man deshalb zurecht hunderte ermittelnder Polizisten entlässt (ebenfalls: Spiegel).

Die deutsche Kanzlerin jedenfalls hat sich schon mal sehr eindeutig positioniert, siehe FAZ:

„Wir stehen fest an ihrer Seite“, sagte sie, „ohne Wenn und Aber“.

Der Treueschwur galt dem Kampf gegen Terroristen. Wer alles dazu gehört? Nun –  auf jeden Fall die Demonstranten vom Gezi-Park (siehe Spiegel) oder auch Journalisten, vor allem ausländische (siehe Spiegel):

Türkische Berichterstatter leiden seit Jahren unter Repressionen. In keinem anderen Land der Welt sitzen mehr Journalisten in Haft als in der Türkei.

Amberin Zaman, die Türkei-Korrespondentin des britischen Magazins „Economist“, klagt, sie habe in ihrer Laufbahn noch nie eine vergleichbare Gewalt gegen Journalisten erlebt.

Die Dimensionen der Entwicklung sind ungeheuerlich – die zögerliche Haltung der Politik ebenfalls. Die hat aber einen guten Grund, siehe Welt:

Im Investorenranking stehen Unternehmen aus der Bundesrepublik an erster Stelle, das deutsche Investitionsvolumen beträgt dort inzwischen 1,3 Milliarden Euro.

Ole von Beust und der Grüne Rezo Schlauch verdienen sehr gut daran, deutsche Investoren für die neue Großtürkei zu begeistern. Da winkt Geld.

Und vielleicht ist das der Grund, warum die deutschen Medien sich vehement auf Putin stürzen: der zahlt zu schlecht.

Vielleicht … zahlt der sogar gar nicht.

PS: da dies ein sensibles Thema ist, nochmal Klartext für den rechten Mob in Deutschland – Türken sind ganz tolle Menschen. Wirklich – war gelegentlich bei denen zu Gast, ärgere mich sehr darüber, dass sie aus dem örtlichen Gymnasium herausgemobbt werden und habe sogar welche in der Verwandtschaft. Wirklich: sie sind Menschen wie Du und ich.  Als erster deutscher Niedriglohnsektor sind sie in den sechziger Jahren ziemlich missbraucht worden – will aber keiner mehr wahr haben, noch will jemand den Preis dafür zahlen. Das ändert jedoch nichts daran, dass einem so langsam dämmern kann, dass in der Türkei scheinbar ein seltsames Ungeheuer sein Haupt erhebt, das wegen seiner Methoden und Absichten meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient als Herr Putin … und zwar bevor es ihnen gelingt, die Nato in einen Krieg zu stürzen.

 

Eilmeldung: akute Kriegsgefahr an der Südflanke der Nato

Eilmeldung: akute Kriegsgefahr an der Südflanke der Nato

Samstag, 29.3.2012. Eifel. Wir unterbrechen unser aktuelles Programm erneut aufgrund einer Warnmeldung. Erneut droht dem europäischem Kontinent ein Krieg. Wieder liegen die Informationen offen vor, wieder informiert die Presse nur sehr umständlich darüber, um politische Vorgaben nicht zu verletzen. Das ist die neue Herausforderung der Meinungsbildung im 21. Jahrhundert: man ist gezwungen, wieder zum Jäger und Sammler zu werden, um sich eine Meinung bilden zu können, die der Wahrheit näher kommt als die vorgekaute Einheitskost des deutschen Medienapparates. Bevor wir uns der aktuellen Kriegsgefahr zuwenden, möchte ich Ihnen ein Beispiel über den deutschen Qualitätsjournalismus vorführen. Am 30.9.2012 meldete die Welt:

Die religiös geprägte AKP hat in der Türkei seit ihrer Gründung 2001 mehrere Parlamentswahlen mit großen Mehrheiten gewonnen. Im politischen Ringen mit dem weltlich-laizistischen Lager hat sie bisher die Oberhand behalten. Wegen ihrer Herkunft aus dem politischen Islam werden ihre Reformen von der kemalistischen Elite, die sich auf den Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk beruft, mit Argwohn verfolgt.

Am gleichen Tag meldete der Spiegel:

Die religiös geprägte AKP hat in der Türkei seit ihrer Gründung 2001 mehrere Parlamentswahlen mit großen Mehrheiten gewonnen. Im politischen Ringen mit dem weltlich-laizistischen Lager hat sie bisher die Oberhand behalten. Wegen ihrer Herkunft aus dem politischen Islam werden ihre Reformen von der kemalistischen Elite, die sich auf den Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk beruft, mit Argwohn verfolgt.

Wer schreibt da von wem ab?

Wahrscheinlich niemand, dafür liegen die Artikel zeitlich zu nahe. Da wir mal „Zufälle“ ausschließen wollen, erlaubt uns dieser Fund einen tiefen Einblick in die „konkurrierende“ Medienwelt: in Wirklichkeit gibt es jemanden, der die Meldungen erfindet – und die linke und rechte Presse in Deutschland veröffentlicht diese Meldungen. Gelegentlich werden sie vielleicht noch etwas umformuliert. So erhalten wir nur einen sehr verzerrten Blick auf die politische Realität.

Andere wissen da mehr als wir. Sind wie wach und aufmerksam, investieren wir viel Zeit in das Studium der Nachrichtenwelt, so erhalten wir auch Informationen, die einen tieferen Blick in die politische Alltagswirklichkeit erlauben, wie zum Beispiel heute im Spiegel:

Der Vorstandsvorsitzende der Post, Frank Appel, sagte dem Blatt, die Eskalation sei nicht überraschend, wenn man sich die vergangenen zwei Jahre ansehe. „Man sollte vielleicht früher bedenken, was das Ergebnis ist, wenn man im Vorhof einer anderen Großmacht von außen für politische Veränderungen sorgt.“

Wirtschaftsführer wissen mehr als der kleine Mann. Deshalb pflegt man ja Netzwerke zur Politik. Was hier ein führender deutscher Manager offen von sich gibt, ist das, weshalb nicht systemtragende Normalbürger als „Verschwörungstheoretiker“ gebrandmarkt, verächtlich gemacht und ausgeschlossen werden: das Eingeständnis, dass der Umsturz in der Ukraine von Außen gesteuert wurde – von Merkel und Obama.

Was ist eigentlich los in unserer Demokratie, dass diese brisante Aussage in einem Nebensatz erwähnt wird, in dem es um ganz andere Themen geht? Hätten wir Bürger unsere Regierung im Griff – oder wäre die Regierung noch das, als was sie einst angedacht war: es hätte nie einen Umsturz in der Ukraine gegeben. Wahrscheinlich auch nicht in Tunesien, Lybien, Ägypten oder Syrien. Erst recht würden keine deutsche Soldaten in Asien sterben – was sollen wir auch da, bitte schön?

Genauso locker erfahren wir von einem neuen Krieg, der gezielt vorbereitet wird. Natürlich kann man schon heute sagen, wie er letztlich in den Medien dargestellt werden wird: als Angriffskrieg gegen ein Natoland. Das ist die Logik eines jeden Krieges der letzten hundert Jahre: Angreifer sind IMMER die Anderen. Sie die Anderen erstmal tot – wie Gaddafi, Osama bin Laden oder Saddam Hussein – können die sowieso nichts mehr richtig stellen. Aber: lauschen wir erstmal dem Spiegel, der eine kaum aufgearbetete Nachricht verbreitet – wahrscheinlich gibt es noch keine offizielle Sprachregelung dazu:

Zuvor war am Donnerstag ein neues, besonders heikles Video veröffentlicht worden. Zu hören sind dabei angeblich Außenminister Ahmet Davutoglu, Geheimdienstchef Hakan Fidan, Unterstaatssekretär Feridun Hadi Sinirlioglu und Vize-Armeechef Yasar Güler. Die Männer suchen in dem Gespräch nach einem Grund für einen Krieg mit Syrien.

Das ist die VORBEREITUNG EINES ANGRIFFSKRIEGES.

DAS ist die Meldung, die zu interessieren hat. Sie versteckt sich hinter dem Titel, dass Erdogan Youtube hat sperren lassen. Wenigstens steht der Beitrag nicht auch noch unbemerkt unter „Netzwelt“.

Die kurze Meldung enthält aber noch mehr. Wenn Politik, Geheimdienst und Militär im Geheimen einen Kriegsgrund suchen, dann … nennt man das auch eine VERSCHWÖRUNG.

Wie man das inszeniert, weiß man.

Aber dann unterhalten sich die Männer doch darüber, wie man einen Krieg gegen Syrien beginnen könnte. So erwägen sie dem Mitschnitt zufolge, Anschläge auf schützenswerte Grabstätten zu inszenieren, um einen Angriffsgrund gegen Syrien zu haben. Alternativ könnten auch türkische Agenten von syrischem Boden aus Raketen auf türkisches Territorium feuern.

Wörtlich sagt ein Mann, angeblich Fidan: „Wenn es nötig ist, kann ich vier Männer nach Syrien schicken und acht Raketen auf die Türkei abfeuern lassen, um einen Kriegsgrund zu schaffen. Wenn nötig, kann auch ein Angriff auf die Grabstätte erfolgen.“

Warum man das inszeniert, weiß man auch:

Das syrische Militär sei durchaus schlagkräftig, daher sei man bislang noch nicht einmarschiert.

Ich hätte also gerne eine Meldung, die mich darüber aufklärt, dass eine Gruppe von Verschwörern in der Türkei plant, die Nato in einen heißen Krieg mit Syrien zu ziehen. Ebenso hätte ich gerne eine Meldung, die laut in die Welt schreit, wie die „Rebellen“ überhaupt nach Syrien kamen:

Am Ende könnten die Rebellen unterliegen und Assad an der Macht bleiben. Für die Türkei wäre das ein Problemfall. Das Land hat von Anfang an Rebellen die Einreise nach Syrien über die Türkei ermöglicht und ihnen Rückzugsmöglichkeiten gegeben.

Ach ja? Die haben Rebellen nach Syrien geschickt – so wie Angela Merkel Vitali Klitschko in die Ukraine?

Wo ist eigentlich unsere alte Welt geblieben, in der Diplomatie den Krieg verhindern sollte? Heute wird Krieg anstandslos als Mittel der Diplomatie eingesetzt – seit dem 11.9.2001 scheint das Völkerrecht außer Kraft gesetzt zu sein.

Wird die Türkei jetzt umgehend aus der Nato ausgeschlossen? Immerhin: kein Land kann Mitglied der „westlichen Wertegemeinschaft“ sein, dass im Geheimen einen Krieg gegen seinen Nachbarn plant – zudem einen Krieg, in dem mit Hilfe einer „false-flag“-Operation bewusst Natotruppen involviert werden. Das ist schon so kriminell, dass ist gar nicht mehr in Worte zu fassen.

Oder sind solche „Operationen“ inzwischen schon Bestandteil der westlichen Wertegemeinschaft? Alltag, sozusagen?

Auf jeden Fall stellt der Focus heute schon mal die Frage nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht. Man wird einige Soldaten mehr brauchen, folgt man dem Horrorgemälde, dass der Focus heute über die Welteroberungspläne Russlands berichtet. Es scheint klar: in der Schlacht um Kiew entscheidet sich das Schickal der Welt.

Die Zeit hat den bei Youtube gefundenen Telefonmitschnitt aktuell im Wortlaut veröffentlicht: jeder kann hören, auf welche Art und Weise Nato-Militärs inzwischen Politik gestalten wollen – wie selbstverständlich übelste Verschwörungen zur Schaffung von Tatsachen in die Wege geleitet werden.

Seit dem 11.9.2001 ist dies möglich – und mir scheint, die Weltbevölkerung hätte mehr auf rücksichtslose Aufklärung drängen sollen, auf ordentliche Prozesse, wie sie in demokratischen Rechtsstaaten üblich ist. Dann hätte man möglicherweise erklären können, wie ein nierenkranker alter Mann aus einer Höhle in Afghanistan einen unglaubliche präsise gesteuerten, von seltsamen „Zufällen“ begleiteten Terroranschlag im Herzen der USA ausführen konnte.

Oder … man hätte gemerkt, dass an jenem Tag etwas in die Wege geleitet wurde, dass die gesamte westliche Wertegemeinschaft pervertierte und korrumpierte. Etwas, bei dem die Türken jetzt einfach auch mal mitmachen wollen. Aber – so predigen ja unsere Medien den ganzen Tag: Verschwörungen gibt es nicht. Erst recht nicht innerhalb der westlichen Wertegemeinschaft – und besonders nicht in den USA.

Damit diese „Wahrheit“ auch weiterhin überall gültig ist, erhält man vom Zentralkommando der westlichen Wertegemeinschaft gleichlautende Texte, die zu veröffentlichen sind – siehe oben.

 

 

Deutschland im Krieg. Vielleicht sogar im Weltkrieg.

Freitag, 5. Oktober 2012. Eifel. Wie passend: zum Tag der deutschen Einheit wiederholt sich ein deutsches Schicksal: wieder befindet sich Deutschland im Krieg. Damals war es der 1. September 1939. Angehörige der Waffen-SS (die Special Forces der Nationalsozialisten) hatten sich polnische Uniformen angezogen und den Sender Gleiwitz angegriffen.  Fies, oder? Die Polen selbst hatten gar nichts getan - aber das interessierte keinen mehr, als die Propagandamaschine erstmal rollte. Wir kennen diese Maschine - wir haben sie in Deutschland kennengelernt beim Krieg gegen die Arbeitslosen, der den Kampf gegen Arbeitslosigkeit übergangslos ersetzte. Oder beim Krieg gegen Serbien. Da gibt es sogar ein Buch über die Medienlügen: Serbien muß sterbien: Wahrheit und Lüge im jugoslawischen Bürgerkrieg, so heißt es, mit Klaus Bittermann als Herausgeber.  Ob es auch mal ein Buch über Wahrheit und Lügen im deutschen Arbeitslosenkrieg gibt? Nun - um diese Krieg geht es aber nicht. Auch nicht um die Bundeswehreinsätze vor der Küste Libanons oder Somalias, in Uganda, Afghanistan, dem Kosovo, dem Kongo oder dem Sudan (siehe Onlinetagebücher Bundeswehr), sondern um den Krieg der Nato gegen Syrien. Am 3.10.2012 wurde ein türkisches Dorf von fremden Streitkräften beschossen, ein Natoland wurde angegriffen, der Bündnisfall verpflichtet uns zum Beistand - dabei dachten wir gestern noch: Mensch, tolles Land, dieses Deutschland, alles so schön friedlich hier ... und plötzlich sind wie in einem Krieg.

Freitag, 5. Oktober 2012. Eifel. Wie passend: zum Tag der deutschen Einheit wiederholt sich ein deutsches Schicksal: wieder befindet sich Deutschland im Krieg. Damals war es der 1. September 1939. Angehörige der Waffen-SS (die Special Forces der Nationalsozialisten) hatten sich polnische Uniformen angezogen und den Sender Gleiwitz angegriffen.  Fies, oder? Die Polen selbst hatten gar nichts getan – aber das interessierte keinen mehr, als die Propagandamaschine erstmal rollte. Wir kennen diese Maschine – wir haben sie in Deutschland kennengelernt beim Krieg gegen die Arbeitslosen, der den Kampf gegen Arbeitslosigkeit übergangslos ersetzte. Oder beim Krieg gegen Serbien. Da gibt es sogar ein Buch über die Medienlügen: Serbien muß sterbien: Wahrheit und Lüge im jugoslawischen Bürgerkrieg, so heißt es, mit Klaus Bittermann als Herausgeber.  Ob es auch mal ein Buch über Wahrheit und Lügen im deutschen Arbeitslosenkrieg gibt? Nun – um diese Krieg geht es aber nicht. Auch nicht um die Bundeswehreinsätze vor der Küste Libanons oder Somalias, in Uganda, Afghanistan, dem Kosovo, dem Kongo oder dem Sudan (siehe Onlinetagebücher Bundeswehr), sondern um den Krieg der Nato gegen Syrien. Am 3.10.2012 wurde ein türkisches Dorf von fremden Streitkräften beschossen, ein Natoland wurde angegriffen, der Bündnisfall verpflichtet uns zum Beistand – dabei dachten wir gestern noch: Mensch, tolles Land, dieses Deutschland, alles so schön friedlich hier … und plötzlich sind wir in einem Krieg.

Aussenminister Westerwelle hat das Eintreten des Bündnisfalles bestätigt. Laut Spiegel hat er der Türkei offiziell die Solidarität des Bündnisses zugesichert – was bleibt ihm auch anderes übrig.

Er hätte auch etwas anders tun können – zum Beispiel eine Untersuchung verlangen. Das wäre doch sinnvoll – angesichts der deutschen Erfahrungen um den Sender Gleiwitz. Ich möchte ihn auch dabei unterstützen. Das fällt mir leicht, denn ich kann lesen. Zum Beispiel die Welt:

Ob es nun Regierungstruppen waren, die im Grenzgebiet auf syrische Rebellen zielten, oder Rebellen, die vielleicht einen politischen Eklat provozieren und die Türkei so in einen Krieg hineinziehen wollten, das ist bislang unklar. Mörser haben beide Seiten.

Nur wenige Tage zuvor hatten die Türkei und Qatar beschlossen, ihre Unterstützung für die sehr heterogenen syrischen Rebellen zu halbieren, bis diese sich zur Bildung einer zentralen politischen und militärischen Führung durchringen. Freilich weiß außer den betroffenen Regierungen und diversen Geheimdiensten niemand genau, woraus diese Hilfe genau besteht.

Eine der wichtigsten Textpassagen der deutschen Vorkriegsgeschichte. Da unterstützt die Türkei also Rebellen in Syrien. Darf man eigentlich nicht, ist eine Einmischung in innere Angelegenheiten – und wäre schon Grund genug für das syrische Militär, sich gegen die Türkei zu wehren. Die USA haben doch auch Afghanistan angegriffen, weil sich von dort aus am 11.9.2001 Menschen in die inneren Angelegenheiten der USA eingemischt haben, oder? Die haben dann auch gleich den Irak mit überrollt, weil es gerade so schön passte – ist also inzwischen allgemein akzeptierte Gangart.

Dann halbieren die Türkei und Qatar die Unterstützung für die unbekannten heterogenen Gruppen.  Qatar? Ja, dort liegt das Hauptquartier der US-Streitkräfte für die im Nahen Osten aktiven US-Truppen, dort gibt es eine absolute Monarchie und eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen (siehe Wikipedia).  Auch das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden, vorsichtig zu sein, nicht an Demonstrationen teilzunehmen … und als Frau ganz besonders zurückhaltend zu sein. Wen dieser Schurkenstaat zusammen mit der Türkei wie und womit unterstützt … bleibt eines jener Geheimnisse, über die wir uns keine Gedanken machen dürfen, weil wir uns sonst gegen das in unserer Kultur gültige Verbot über die Formulierung von Verschwörungstheorien hinwegsetzen würden.

Nach der Einstellung der streng geheimen Unterstützung landen auf einmal Granaten in türkischen Dörfern. Normale Bürger würden jetzt erstmal stutzig werden und fragen: wem nützt das? Könnte es sich hier nicht um einen ganz normalen Racheakt der „heterogenen syrischen Rebellen“ handeln, die einfach mal die Türkei und den Rest der Welt in einen Krieg stürzen wollen, um wieder Unterstützung zu bekommen? Ach ja – hier greift wieder das Verbot über die Formulierung von Verschwörungstheorien, deshalb kann das so schon mal nicht gewesen sein.

Schauen wir uns also doch nochmal den neuen türkischen „Füher“ genauer an. Wir erinnern uns: wir Deutschen hatten auch schon mal so einen Führer. Ein putziges Kerlchen, das Kinder und Hunde gerne hatte – vor allem, wenn sie ihre Eltern denunzierten oder Juden bissen. Das Prinzip „Führer“ ist in manchen Kulturen so beliebt, das die Türkei jetzt einen eigenen hat … und zwar laut Welt den „größten Führer der Welt“. Gut, das reicht nicht ganz an den „größten Führer aller Zeiten“ heran, aber der Herr Erdogan gibt sich alle Mühe:

in seiner „Krönungsrede“ droht er Russland und China wegen ihrer Unterstützung Syriens und auch Israel bekommt sein Fett weg. Wer überhaupt keine Rolle mehr spielt: die EU (und damit auch die NATO).  Deshalb war auch nur ein einziger Europäer bei dieser denkwürdigen Rede dabei: der Hartzkanzler und Rothschildangestellte Gerhard Schröder.  Was macht der eigentlich bei einem Kongress, der unter dem Motte „große Türkei, große Macht“ abgehalten wird? Kriegt der nicht Ärger mit Putin, wenn er sich so demonstrativ auf die Seite der Feinde Russlands stellt … ja sogar auf die Seite der Feinde der ganzen freien christlichen Welt?

Feinde der freien christlichen Welt?

Einfach nur im Artikel der Welt weiterlesen – man glaubt, man wäre in einem Historiendrama:

So machte Erdogan zumindest in Symbolen klar, als wen er sich selbst sieht: Als einen neuen Atatük, der das Land modernisiert, und als neuen Sultan, der die Türken und den Islam siegreich gen Westen führt.

Er gibt auch genau an, in welchem Jahr er den Islam Siegreich gegen den Westen führen will:

„Wenn es Gottes Wille ist, werden wir 2023 aufbauen, und ihr werdet 2071 errichten“, sagte er zum Jubel besonders der Jüngeren unter seinen Zuhörern.

Steht alles offiziell in deutschen Medien. Sogar in Qualitätsmedien. Der Führer der Welt sieht sich als Triumphator über die Christenheit: 2071 jährt sich der Sieg der Türken über Byzanz von 1071. Eine offene Kriegserklärung an das Abendland – und Westerwelle sichert ihm unsere volle Solidarität zu. Ob der Hartzkanzler da auch geklatscht hat, ist leider nicht überliefert.

Na, Scherz beiseite, so ist halt die Welt der großen Geheimpolitik, von der wir schon lange nichts mehr wissen dürfen.

Zwei Tage nach dem Kongress des Führers fliegen die Granaten Richtung Syrien – um fünf Uhr Morgens. Hitler hatte 1939 bis 5.45 gewartet. Eine Kriegserklärung der Türkei gegen Syrien soll das nicht sein … aber die hatte Hitler auch nicht vorgenommen.

Darf man in diesem Zusammenhang – wo wir gerade über Gleiwitz, Hitler und Weltkriege reden – auch nochmal an den 29. Februar 2012 erinnern? Damals erschien ein Artikel (schon wieder die Welt), der heute schon vergessen ist: Wikileaks hatte mal wieder US-Post veröffentlicht. Diesmal war es sehr brisant – einige Sätze von Henry Kissinger deuteten darauf hin, das Erdogan Israel mithilfe seiner radikalen Organisation Milli Görüs Israel eine fiese Falle gestellt hatte:

Das Ziel: Entweder bis zum Gazastreifen vorzustoßen und einen politischen Triumph zu feiern oder einen blutigen Eklat herbeizuführen, um Israel als Bösewicht darzustellen. So oder so wäre das Ergebnis eine dramatische Änderung der politischen Dynamik im Nahen Osten und rund um den Gazakonflikt.

Nun – wir wissen, wie es ausging: Israel ist voll reingelatscht.

Und jetzt Syrien?

Wenn der Herr Erdogan in Syrien Rebellen unterstützt und Unbekannte so ein bisschen auf türkische Dörfer schießen … darf man da fragen, ob diese Unbekannten vielleicht auch von der Türkei oder Katar bezahlt worden sind? Sicher Syrien hat sich entschuldigt, heißt es – aber der Zeit kann man entnehmen, das diese Entschuldigung als solche gar nicht im türkischen Aussenministerium angekommen ist.

Nein, natürlich darf man das nicht fragen: siehe das Verbot über die Formulierung von Verschwörungstheorien. Was Geheimdienste wann, wie und wo mauscheln, geht uns Normalbürger nun mal wirklich überhaupt nichts an. Aber der Türkei unsere ganze Solidarität zusprechen das dürfen wir – auch wenn das letztlich dazu führt, das wir aufgrund von fiesen Manipulationen in einen Krieg mit Russland geraten.

Krieg mit Russland? Da hört sich doch wohl alles auf, wird der brave Deutsche jetzt sagen (immerhin hatten wir das schon zweimal im letzten Jahrhundert) … dabei braucht er nur die Welt zu lesen und schon wüsste er, das wir da (wie 1939) auf einem vollen Konfrontationskurs sind – und nicht nur, weil der „Führer der Welt“ (der unsere volle Solidarität hat) schon Russland und China gedroht hat (einem China, das aktuell direkt auf einen Konflikt mit Japan zusteuert).

Doch hören wir erstmal, was die Welt zu diesem Thema zu sagen hat:

In der Sache des abgeschossenen Flugzeugs meldete sich jetzt ein Sprecher der Freien Syrischen Armee im arabischen TV-Sender al-Arabija zu Wort. Nicht Syrien habe das Flugzeug abgeschossen, sondern Einheiten eines dort befindlichen russischen Stützpunktes. Ausdrücklich nahm der FSA-„General“ namens Abdülhamit Ömer die syrischen Truppen in Schutz, „obwohl ich zur Opposition gehöre“.

Es ist bereits der zweite „Enthüllungsbericht“ des Senders zum umstrittenen Flugzeugabschuss, der Russland belastet – in einem ersten Beitrag vor einigen Tagen hatte es geheißen, die beiden türkischen Piloten seien lebend geborgen, aber auf russische Anweisung von den Syrern umgebracht worden.

Nebenbei ist auch interessant, was der Artikel über die Praktiken der türkischen Armee im Kampf gegen die Kurden aussagt, der jetzt schon zu vielen Angriffen auf den wehrlosen Irak geführt hat – und nahelegt, das man mit ähnlichen Offensiven jetzt auch in Syrien zu rechnen hat. Dem „Führer der Welt“ sind die Juden als Feinde wohl zu wenig.

Wenn die Türkei jetzt in Syrien einfällt (in Form eines „gerechten Krieges“ zur „Wiederherstellung der Ordnung“ – so heißt es doch immer, oder?), dann könnte es sein, das sich die Russen nicht mehr nur damit begnügen, türkische Flugzeuge abzuschießen. Hier verlassen wir kurz die Welt der offiziellen staatstragenden Medien und holen uns eine Information aus der wachsenden Alternative zu öffentlichen Wohlfühlmedien, hier aus The Intelligence:

Während Politik und Presse in Europa, USA und im arabischen Raum sich uniform gegen die syrische Regierung unter Assad aussprechen, wird die Unterstützung durch Russland und China immer deutlicher. Einer iranischen Pressemeldung zufolge seien schon innerhalb der kommenden Wochen großangelegte Manöver in Syrien geplant, an denen sich Russland, China und Iran beteiligen werden.

Der Artikel stammt vom 20.6.2012. Darf ich auch mal die Schlussfolgerungen zitieren, die sich für den Autor damals ergaben? Bitte, hier:

Das diesbezügliche Kräfteverhältnis betrachtend, USA, NATO und einige arabische Staaten auf der einen Seite, China, Russland, Iran und Syrien auf der anderen, scheint die Situation für die Westmächte ziemlich aussichtslos, sofern ausschließlich konventionelle Waffen eingesetzt werden.

Auch wenn es natürlich keineswegs wünschenswert wäre, so könnte sowohl Iran als auch Syrien als Zündfunke für einen Wahnsinnskrieg gereichen. Erinnern wir uns an die beiden vorangegangenen Weltkriege, so war der Auslöser in einem Fall Serbien, im anderen Polen, jeweils Staaten von international begrenzter Bedeutung.

Und wer hätte am 1.9.1939 schon wissen können, das auf der anderen Seite des Ozeans gerade der Eintritt Japans in das große Gemetzel vorbereitet wurde?  Wer hätte ahnen können, das die Ermordung des serbischen Thronfolgers zum bis dahin größten Gemetzel der Menschheitsgeschichte wird?

Zitieren wir doch aktuell nochmal den Herrn Westerwelle – hier in einem anderen Artikel aus dem Spiegel:

„Jetzt geht es um Deeskalation“, sagte Westerwelle am Donnerstag in Berlin. Er äußerte die Sorge, dass der Grenzkonflikt zu einem „Flächenbrand“ in der ganzen Region führen könne. Daher habe er die Türkei zur Besonnenheit aufgerufen. Zugleich stellte der Außenminister klar, Deutschland stehe an der Seite des Nato-Partners Türkei. Die Frage, ob der Konflikt mit Syrien zu einem Bündnisfall der Nato werden könne, wollte Westerwelle nicht beantworten.

Dabei hätte er sich doch klar äußern können: nach Darstellung des Spiegels hatte die Nato schon am 4.10.2012 beschlossen, das der Bündnisfall nicht eintritt, die entsprechende Sitzung stand unter dem Artikel 4, nicht unter Artikel 5 – was den offiziellen Eintritt des Bündnisfalles bedeutet hätte. Man hätte also klar sagen können: NEIN, das ist kein Bündnisfall. Stattdessen gab es … Solidaritätsbekundungen für den „Führer der Welt“.  Aber vielleicht erfährt der deutsche Außenminister auch nicht immer, ob man jetzt Deutschland in den Krieg schicken möchte oder nicht.

Und wenn nun der „Führer der Welt“ noch ganz andere Pläne hat? Kann man einem Mann, der für 2071 einen neuen politischen Triumph des Islam gegen das Christentum prophezeit, unterstellen, das er vielleicht jetzt schon Pläne entwickelt, um die Welt so umzuformen, das es für die Großmacht Türkei wieder ordentlich Raum gibt? So ein Krieg Russland und China gegen die USA wäre da doch ganz nützlich – jedenfalls für skrupellose Einfaltspinsel, die den Tod von Menschen billigend in Kauf nehmen. Im Anschluss an einen großen Krieg wären die Machtverhältnisse auf der Welt auf jeden Fall ordentlich durcheinander: eine Riesenchance für Leute, die selber Großreiche gründen wollen – die USA haben selbst demonstriert, wie das geht.

„Große Türkei, große Macht“.

Was aber für uns Fakt bleibt, ist: Deutschland ist gerade jetzt (wieder einmal) im Krieg. Gut – politisch wird gerade noch an Sprachformeln herumgeschraubt – aber das kenne wir ja zur Genüge.  Noch ein paar „unglückliche Zufälle“ mehr – und ein deutsches Arabienkorps braust durch Syrien Richtung Iran,  um seinen Bündnisverpflichtungen nachzukommen: dazu braucht es nur noch eine Sitzung gemäß Artikel 5.

Wie immer ist natürlich keine Seite an einem Krieg interessiert – das war aber bei den anderen Weltkriegen aber genauso. Die sind auch nur durch eine unglückliche Verkettung von Umständen sozusagen vom Himmel gefallen.

Jedenfalls sagt man uns das, weil wir mal wieder über die Aktionen „diverser Geheimdienste“ nichts erfahren dürfen – siehe Verbot zur Formulierung von Verschwörungstheorien.

 

 

 

 

 

 

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