Enttäuschung

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OBAMACORONA: Die Enttäuschung als zentrale Erfahrung des Menschen im 21. Jahrhundert – und warum es keinen Grund gibt, daran zu verzweifeln

204 Enttäuschung

Obama-Blaupause

Die Erfahrung, die wir heute im großen Stil machen dürfen und an der wir nicht verzweifeln müssen, sondern sogar reifen können, ist: Die Enttäuschung. Das, was die Welt mit Obama kollektiv erlebt hat, erleben wir nun am laufenden Band im Kleinen: Wie Hoffnungsträger des Wandels, auf die man große Stücke gehalten hat, dem gewaltigen Sog der medial-politisch-„wissenschaftlichen“ Konsensmoloch- Zeitgeistmaschine dann doch nicht standhalten können und sich dem angeblich Alternativlosen einfügen – natürlich mit besten, vernünftigen Gründen. Es ist dabei nicht einmal übler Wille im Spiel, im Gegenteil: Sie meinen es wirklich gut. Und bei den „evidenzbasierten“ Prämissen, von denen sie ausgehen, müssen sie auch fast zwangsläufig zu denjenigen Anschauungen kommen, die sie nun vehement vertreten. Da das Gegenteil von Gut bekanntlich Gut-Gemeint ist, wird die Sache natürlich nicht gut ausgehen: Das Gute, Gerne & Erbärmliche Leben Merkel’scher Prägung, das sie nach Ausbruch der Corona-Krise um jeden Preis retten wollten und deswegen die Luft angehalten haben (und lesch, jung & naiv „der Besatzung gefolgt“ sind), werden sie nun trotzdem und gerade deswegen verlieren.

Obwohl uns das natürlich alle betreffen wird, führt es uns jetzt nicht weiter, wenn wir uns noch weiter im Kampf der Argumente verlieren. Wir haben irrationales und angstbesetztes Terrain beschritten. Rationale Argumente greifen da nur noch bedingt. Gerade bei denen, die sich dem vermeintlichen Pragmatismus verschrieben haben, sind sie vergebliche Liebesmühe, denn der Herr des Pragmatismus ist gleichzeitig der Herr der Angst. Und dieser gibt keinen Zentimeter des innerem Terrains, das er einmal besetzt hat, wieder leicht aus den Händen. Auch wenn vieles von dem, was gerade abläuft, unterbewusst abläuft und die meisten daher meinen, dass sie ja gar keine Angst hätten. Überhaupt ist es bereits zu spät, andere von etwas überzeugen zu wollen. Dazu haben sich die evidenz- und emotionsbesetzten Meinungen schon zu sehr in unseren Köpfen festgesetzt und dort ein Emmentalerlabyrinth angelegt. Ich nehme mich dabei selbst auch gar nicht aus und muss zugeben, dass ich im Nachhinein über mich selbst erstaunt bin, wie ich in den ersten Tagen der Pandemiepanik ebenfalls den Lautsprechern der „Besatzung“ (Lesch) Folge geleistet und mit den Klopapierhamstern im Rad gedreht habe. Aber woher sollten wir es auch besser wissen? Wir mussten unsere Meinung an den Zahlen und Informationen bilden, die uns von den Regierungsinstituten und Presseagenturen gefüttert wurden. Wie gewaltig die Macht der Medien ist, wenn diese konzertiert auf ihrer Klaviatur spielen und in die Hörner blasen, bekamen nun auch diejenigen zu spüren, die glaubten, über die Funktionsweise der südtäuschen Spiegelmaschinerie Bescheid zu wissen und gegen deren Manufacturing Consent-Techniken immun zu sein.

Mit drei Keulenschlägen zum K.O.

Was ist passiert? Wir mussten in relativ kurzer Folge drei verheerende Keulenschläge einstecken. Diese haben nun zu dem geführt , wovor Noam Chomsky eindringlich gewarnt hat: zu einer sozialen Fragmentierung und damit politischen Marginalisierung der Zivilgesellschaft. Nur wenige konnten Keule Nr.1 ausweichen: der Diskussion um offene Grenzen und menschenverachtende Mitmenschlichkeit (Migration). Noch weniger von uns konnten sich Keule Nr.2 entziehen: Dem Auftritt netter Kinder, die für ihre Zukunft auf die Straße gehen (Greta/Rezo/FFF). Spätestens Keulenschlag Nr.3 (Corona) hat dann aber praktisch alle von uns (lt. Umfragen: 95%) eiskalt erwischt: Jetzt ging es nicht mehr nur um ideelle Dinge, sondern um Leben und Gesundheit von uns selbst und unseren Liebsten. Wer wollte die nicht „schützen“?

Nachdem wir nach den ersten beiden Keulenschlägen immerhin noch Sternchen sahen, wurde es uns nach dem dritten Schlag nun schwarz vor Augen. Es führt uns jetzt aber nicht weiter, wenn wir uns damit aufhalten, uns für das K.O. und  Zu-Boden-Gehen zu schämen oder uns gegenseitig etwas vorzuwerfen. Man darf es ruhig wie eine große Flut sehen, eine medial-politisch-lobbykratische Naturkatstrophe, die uns eben alle mitgerissen und durchnässt hat. Wir sollten uns also nicht in weiteren Grubenkämpfen verheddern, es gibt jetzt Wichtigeres zu tun. Es geht schlichtweg darum, das Schlimmste zu verhindern. Noch ist der Ausgang des Geschehens nicht entschieden. Aber wenn wir jetzt nicht die Kurve kriegen, könnte es bald zu spät sein. Wobei es sich bei der Entscheidung, in welche Richtung die Schienen für die Zukunft gelegt werden, womöglich wirklich um Tage oder Wochen handelt: Wollen wir ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Leben oder münden wir nun vollends in ein System des betreuten Denkens und der Top-Down-Zwangsmedizin ein?

Niemand wird Dich retten, sei Dein eigener Held!

Ein ganz allgemeiner Tip: Wenn man Dinge bzw. Meinungen richtig zuordnet, dann braucht man auch niemanden mehr abwerten oder verdammen. Denn die erwähnten Enttäuschungen führen ja nun vielerorts dazu, dass man denjenigen, von dem man enttäuscht ist, gleich komplett verwirft. Dabei ist Vieles, was er bisher erarbeitet hat, durchaus wertvoll und kann Bausteine für die Zukunft abgeben. Man muss bei aller Wertschätzung nur wissen, wo eben auch die biografisch und ideologisch bedingten Begrenztheiten von Personen liegen, die man bisher unkritisch als Autoritäten, Intellektuelle und linke Freiheitskämpfer angesehen hat. Auch gegenüber sich selbst bzw. seinem aktuellen Stand der Sicht der Dinge sollte man hierbei mindestens genauso kritisch sein. Denn wenn man zurückblickt, weiß man, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass man gewisse Dinge in ein paar Jahren womöglich ganz anders sehen wird als man sie jetzt gerade sieht. Und auch große Intellektuelle wie Chomsky, Mausfeld, Adorno und Brecht sind nicht unfehlbar, sondern Menschen mit Stärken und Schwächen. Auch sie haben bei aller Brillanz auf ihren Fachgebieten ihre blinden Flecken und Triggerpunkte, Traumen, Ängste und naive Hoffnungen, an denen sie sich festklammern können, wenn sie durch äußere Geschehnisse ausgelöst werden.

Die schnöde, aber wichtige Erkenntnis, die wir gerade machen können ist: Ein Intellektueller ist ein Intellektueller. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Er ist kein Sokrates und kein Messias. Er hat eine gewisse Denkfähigkeit mitunter bis ins Geniale entwickelt, aber auch er sieht die Dinge nur durch eine bestimmte Brille und aus einer bestimmten Perspektive. Sein Intellekt mag scharf geschliffen sein, aber in anderer Hinsicht mag sich der vielgeschmähte kleine Mann auf der Straße mitunter als weniger borniert und sehr viel lebenspraktischer erweisen als ein Professor, der die Regierung berät.

Das Erlebnis der großen Enttäuschung muss also keineswegs zur Verzweiflung führen, sondern hat auch etwas eminent Gutes. Man kann sich nun nicht mehr zurücklehenen und darauf hoffen, dass es ein paar andere Intellektuelle schon übernehmen werden, den neoliberalen Stier an den Hörnern zu packen und den Dingen einen Wende zu geben. Notgedrungen erkennen wir nun, dass das schon jeder auf seine Weise in seiner speziellen Position selbst machen muss. Das Fazit ist ernüchternd, aber auch heilsam – in den Worten von Edward Snowden: „Niemand wird dich retten, sei dein eigener Held!“

Über Wirrologen und warum wir nicht mehr Mensch sein wollen

Zur Übung im Differenzieren von einem Gemisch aus notwendigen, erfrischenden und gleichzeitig fragwürdigen bzw. nicht zuende gedachten Gedanken nachfolgend gleich auch ein Artikel des ansonsten von mir sehr geschätzten Wolfgang Herles. Man kann auch darüber geteilter Meinung sein, aber imho vertritt Herles mit seiner Meinung über Kernkraft und Organentnahme eine Haltung, deren desaströse Konsequenzen für unsere Zukunft ihm nicht vollendet bewusst sind. Was er allerdings zum aktuellen Corona-Shutdown sagt, ist dafür mM. umso treffender.

Sein – wie gesagt mit toxischen Rosinen durchsetztes – Essay verlinke ich nicht nur deswegen, weil er uns damit die Begriffe der „Wirrologen“ und deren mit „päpstlicher Unfehlbarkeit“ versehener „Virokratur“ schenkt, die wir zum Entwirren der derzeitigen Situation dringend brauchen, sondern auch, weil er eine tödliche Krankheit unserer Zivilisation konstatiert, von der in der panischen Sorge um das nackte biologische Leben kaum jemand spricht: Vom Substanzverlust abendländischer Kultur und einer unbewussten, aber damit wohl umso gefährlicheren und suizidalen Triebfeder unsers derzeitigen Handelns: „Wir wollen nicht mehr Menschen sein.“

Herles:

„Es gibt menschliche Wesen, die das für ihre Gesundheit brauchen wie Vitamine. Aber vom Substanzverlust abendländischer Kultur spricht niemand in den Talkshows. Es scheint irrelevant zu sein. Hauptsache jeder bleibt gesund. Das aber ist krank. Es ist die tödliche Krankheit, die unsere Zivilisation erfasst hat.

Die deutsche Virokratur ist vernagelt. Sie vernichtet Millionen Existenzen. Sie macht immer noch krank durch Freiheitsentzug und soziale und kulturelle Deprivation. Die Floskel „Bleiben Sie gesund!“ wird zum Hohn. Denn das angestrengte Gesundbleiben macht krank, macht mehr Menschen krank, als das Virus krank machen kann. Aber längst haben wir eine Zweiklassenmedizin. Es zählt nur Covid-19. Alle anderen Gebrechen – ob an Leib oder Seele – haben das Nachsehen.

Nein, wir führen keinen Krieg gegen das Virus, sondern gegen unsere eigene Zivilisation. Gegen das Virus setzen wir nur auf Appeasement. Wir verstecken uns vor ihm. Weichen zurück in die Höhlen und nagen an den Knochen, den die Führer uns Feiglingen übrig lassen. Die Geschichte der Menschwerdung scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Nicht nur, weil der Niedergang der Bildung achselzuckend hingenommen wird. Sondern weil die Menschheit offenbar auch vergessen hat, was Menschsein bedeutet. Das ist die schockierendste Erkenntnis der sogenannten Viruskrise.

Zivilisation ist der Begriff, der für die Befreiung des Menschen von der Unterdrückung durch Kräfte der Natur steht. Weil das so ist, ist Freiheit nicht ohne Risiko zu haben. Risiken sind die Bedingungen für Freiheit.

Das ist des Pudels Kern: Wir kämpfen nicht mehr für unsere Errungenschaften, wie suspendieren sie, stellen sie in Frage und halten das am Ende für die Blüte unserer Humanität. Wir wollen nicht mehr Menschen sein, sondern Geschöpfe, angepasst an die Bedingungen jener Natur, zu der das Virus zählt. „

Ganzer Artikel: : https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/herles-faellt-auf/bleiben-sie-gesund-warum-wir-laengst-alle-krank-sind/

(Bild: Pixabay/CC0)

Am Ende der Treppe…

Am Ende der Treppe


…wartet nicht immer die Erleuchtung.

© Werner Menne

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