Empathie

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Vegetarismus, Veganismus: Verantwortung und die Frage nach Macht

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Donnerstag, 14.3.2016. Eifel. Bevor wir heute zum eigentlichen Thema kommen, müssen wir ein wenig weiter ausholen: jedoch – dies sei versprochen – mit großem Gewinn für andere Themen. Dies ist wichtig um einen großen Schritt zu verstehen, den wir im 19. Jahrhundert gemacht haben. Kommen wir zum Anfang zu der Frage: was wissen wir von der Welt? Nein – ich frage nicht Google, die mir nur Teile der aktuellen (immer jederzeit für absolut wahr gehaltenen) Theorienbildungen nahebringen könnnen: ich frage SIE! Keine Sorge: ich liefere die Antwort sofort nach, sie ist einfach … wir wissen gar nichts. Ja, wir haben gigantische Theoriengebilde zu allem und jedem im Reiche der sinnlichen Wahrnehmung und können – vielleicht – zum Mond fliegen (mit Nebenwirkungen die unseren ganzen Planeten unbewohnbar machen und unsere Lebensqualität ständig weiter sinken lassen): aber ich sprach ja nicht davon, was mir machen können (ohne auch nur die geringste Ahnung von unserer Umwelt zu haben), sondern was wir WISSEN.

Der Grund dafür, dass wir gerade die Erde vernichten, liegt genau daran, dass wir viel machen – aber nichts wissen, deshalb sterben unendlich viele Arten, entstehen unbesiegbare Krankheiten, Luft und Wasser werden ungenießbar. Wir sind wie ein Kleinkind in der Küche … das auch schon alle Knöpfe bedienen kann – man weiß aber, wie das in der Regel endet.

Wir haben da ein großes Problem, das seit 2500 Jahren bekannt ist. Platon (428 vor Christus – 348 vor Christus) hat das durch sein Höhlengleichnis beschrieben: wir sitzen vor einer Höhlenwand und bewundern die Schatten (und rechnen sie inzwischen perfekt aus), doch die Wirklichkeit liegt im Licht ausserhalb der Höhle. Kant (1724 – 1804) hat das dann konkreter formuliert (wie alles andere auch): wir haben keinen direkten Zugang zur Welt (auch wenn wir uns das noch so sehr einbilden – wie aktuell), wir sind abhängig von a): den beschränkten Sinnen und b): den Kategorien des Geistes. Wir wissen heute schon, dass wir vieles nicht wahrnehmen können, doch das unser Denken uns ebensolche Schranken auferlegt, wird langsam vergessen. Würde unser Gehirn unsere Sinneseindrücke nicht beständig korrigieren: die Welt stünde Kopf (weil das Auge eine Kamera Obscura ist). Somit ist der Geist des Menschen gefangen in einem Käfig – ohne Zugang zur Wirklichkeit.

Soweit: die Geschichte der Philosophie bis … Arthur Schopenhauer (1788 – 1860). Sie glauben, diese Sicht ist unfug? Nun – hätten wir sie nicht vergessen, wäre Umweltzerstörung kein Problem für uns. Wir würden auch auf das Töten von Menschen verzichten – oder ihre Ausbeutung, hätten Respekt davor, Gast in einem Milliarden Jahre alten System zu sein, das ohne uns gut leben kann – wir aber nicht ohne das System. Und Atomkerne würden wir auf keinen Fall spalten. Wir sind aber lieber das zweijährige Kind in Mutters Küche, das sich freut, dass die Herdplatten so schön glühen und die Trockentücher daneben so fein qualmen.

Schopenhauer sah dieses Gefängnis auch – aber er sah auch den Ausweg, wobei er viele Anleihen bei den damals kaum bekannten asiatischen Religionen nahm. Wenn wir ein gequältes Tier sehen – einen Hund, zum Beispiel – dann haben wir die Chance, das Leid des Tieres in uns selbst zu spüren: wir verstehen den Schmerz, als wäre es unserer. Der Schmerz springt geradezu vom Tier über (was Nitzsche dann dazu brachte, das Leid zu meiden: es ist seiner Meinung nach ansteckend) … was uns aus unserer weltanschaulichen Isolation herausholt, weil wir hier einen unmittelbaren Zugang zur unbekannten „Außenwelt“ haben: durch das MITLEID. Durch ein Gefühl. Aus der Erkenntnis, dass Gefühle Wahrheiten fabrizieren können, Gedanken jedoch nur Theorien, haben wir bislang noch nichts gemacht – wo kämen wir auch hin, wenn wir Mystik über Physik setzen würden (was wir bald machen werden, die Physik braucht nicht mehr viel, dann ist sie im Bereich der Mystik angekommen)?

Mitleid ist der große Sinn menschlichen Lebens – soweit wir mit unserem beschränkten Verstand erkennen können. Schade, dass Sie davon noch nicht viel gehört haben. Schade, das Mitleid heute Sozialromantik ist und Mangel an Empathie erwünschtes Leistungsmerkmal. Kein Wunder, dass wir in künstlichen Welten leben, fernab unserer natürlichen Umwelt, die wir nur noch aufsuchen, wenn wir Heilung (also: Urlaub) brauchen, ohne zu erkennen, dass das „Heilige“ (also: das Leben in der Natur) unsere Heimat ist, von der wir mitten in New York, Los Angeles oder Gummersbach am weitesten entfernt sind.

Wundersamerweise kommt aber gerade von dort – aus den denaturierten Städten – eine neue Glaubensrichtung auf uns zu: also, seltsamerweise aus jenen Gebieten, in denen man kaum Begegnung mit wilden Tieren hat: dort tragen die Tiere Menschennamen, wohnen – ganz gegen ihre Natur – in Menschenwohnungen, dienen als Spaßfahrzeuge für Reiter oder in Käfigen als private Sänger für einsame Herzen, der Konzern Disney versorgt uns sogar rund um die Uhr mit völlig vermenschlichten Tierdarstellungen, Tiere, die Auto fahren, Zeitung lesen, Häuser bauen und Debatten führen – schon allein aus diesem Grund wäre erkennbar, warum niemand mehr Donald Duck essen möchte: Disney hat uns gelehrt, dass Tiere unsere Brüder sind, mehr noch – der reichste Mensch der Welt ist eine Ente.

Nun – neu ist die Glaubensrichtung nicht. Sie entstand immer wieder in den Städten der Reichen – die Armen hatten oft nicht die Freiheit der Wahl: sie mussten essen, was gerade da war. Oft genug diente es ja auch der Belustigung der Reichen, Armen Essen vorzuwerfen und sich daran zu ergötzen, wie die pure Gier sie ihn bloße Tiere verwandelte, die schnell fraßen und in sich hineinschlangen, um dem Vernichtungsschmerz des Hungers zu entgehen. Ja, „Tafeln“ gab es schon immer, und immer erfüllten sie den gleichen Zweck: der Reiche wollte demonstrieren, um wie viel besser er ist als der Arme – und da wurde auch Vegetarismus zur Waffe, um die unendliche ethische Überlegenheit des Bessermenschen über den Untermensch zu demonstrieren.

Leider wurde eine lange Diskussion mit einem solchen „Edeltarier“ und dem Autor dieser Zielen gelöscht – wohl von eben jenem, denn der Autor dieser Zeilen – in einem selbst schlachtenden Haushalt am Rande des Ruhrgebietes groß geworden – springt nicht sogleich auf jeden Zug auf, der aus den Penthäusern und Luxuslofts der Innenstädte kommt – oft als Mode, die schnell wieder verschwindet. Was mich stutzig macht – immer wieder neu – ist der ausgemachte Menschenhass, der oft mit dieser Bewegung einhergeht. Er ist nicht unverständlich – wir sind schon eine etwas seltsame Spezies – aber oft einseitig, als wäre der böse Mensch in einem ultimativen Endkampf mit dem guten Tier … einen Kampf, den dieses verliert. Diese Haltung ist so unterschiedlich von jenen Tierfreunden, die ich aus dem Buddhismus und Hinduismus kenne: sie fegen den Weg vor sich, um ja kein Insekt zu zertreten – wäre ganz schlecht für das Karma, schätzen aber den Menschen gleich hoch. Es ist weniger Mitleid, was hier die Handlung anleitet, sondern das Ego, dass auf eine bessere Widergeburt hofft – doch egal: die Tat scheint ehrenwert. Ich wage auch nicht, jenen eifrigen Mönchen zu erzählen, dass sie Millionenfach tierisches Leben vernichten, weil sie ein Immunsystem haben, das Bazillen gnadenlos auslöscht, die uns schaden wollen (wie wir die Raubtiere der Natur ausgerottet haben) und nur jene am Leben lassen, die einen gewissen Nutzen (wie Nutztiere) bringen.

Erst Recht wird es schwierig – vor allem mit dem Bessermenschentum – wenn wir einen konkreten Blick auf die Pflanzenwelt richten: einen Blick, den wir uns kaum erlauben dürfen (siehe Deutschlandradio):

„Forscher vermuten, dass die Wurzeln der Pflanzen ein riesiges, erdumspannendes Kommunikationsnetz bilden. Auch über der Erde können sie weit mehr, als man vermutet: Pflanzen wehren sich sehr geschickt und locken sogar Helfer herbei, wenn ein Tier sie aufzufressen droht.“

Es war Schopenhauer, der als erster das Reiz-Reaktionsschema bei Pflanzen beschrieben hatte – und so nachwies, dass sie nicht nur „Dinge“ waren.

„Lange Zeit sahen Forscher in Pflanzen nicht viel mehr als lebende Roboter, einem sturen Wachstumsprogramm unterworfen. Doch allmählich nimmt die moderne Biologie Abschied vom Bild der Pflanze als passivem Organismus. Grünzeug kann sprechen! Das zeigt das Beispiel der Akazie. Pflanzen verständigen sich allerdings nicht mit Lauten, sondern chemisch, per „Ethylen“.“

Wir stehen hier am Beginn einer neuen Ära: (siehe de.sott.net):

„Blatt für Blatt zupft er den Salat auseinander, schält die Zwiebel und schneidet sie in feine Streifen, die Tomaten werden in grobe Stücke geschnitten…

Was für uns nach einer leckeren Beilage klingt, ist für eine Pflanze womöglich das reinste Horror Szenario. Das lassen zumindest die Forschungsergebnisse der Universität Missouri-Columbia (MU) vermuten. Diese haben die Vibrationen einer Raupe beim Fressen von Blättern mit einem Lasermikrofon aufgezeichnet und eine Acker-Schmalwand, auch Schotenkresse genannt, mit diesen Schallwellen bestrahlt, noch bevor eine Raupe in den Raum gebracht wurde. Die Pflanze reagierte mit Ausscheidungen, welche für die Raupe giftig sind. Diese Erkenntnisse eröffnen ganz neue Welten für die Schädlingsbekämpfung und führen uns auf unbekannte Wege des Verständnisses der Welt, in der wir leben“

Nicht mehr lange und wir müssen uns der seit Jahrtausenden bekannten Erkenntnis stellen: Pflanzen sind lebendig. Haben einen eigenen Geist. Womöglich sogar schon seit Urzeiten weltweites Internet. Und wir können damit kommunizieren (siehe lebensart-magazin):

„Im Wald trifft das kommunikationsfähige Immunsystem des Menschen auf die kommunizierenden Pflanzen. Sie können sich ausmalen, dass dies nicht ohne Folgen bleibt. Das gesundheitliche Potenzial, das bei diesem Zusammentreffen entsteht, ist so groß, dass im Jahr 2012 an japanischen Universitäten ein eigener medizinischer Forschungszweig gegründet wurde: »Forest Medicine « oder »Waldmedizin«. Innerhalb kurzer Zeit begannen Wissenschaftler überall auf der Erde, sich an dieser Forschung zu beteiligen.“

Überhaupt: der Wald – scheint auch nur ein Tier zu sein, ein edles Tier mit der Fähigkeit zu Mitleid(siehe Förster Peter Wohlleben):

„Erstaunliche Dinge geschehen im Wald: Bäume, die miteinander kommunizieren. Bäume, die ihren Nachwuchs, aber auch alte und kranke Nachbarn liebevoll umsorgen und pflegen. Bäume, die Empfindungen haben, Gefühle, ein Gedächtnis. Unglaublich? Aber wahr!“

Auf diese Erkenntnisse reagieren (nach meinen Erfahrungen die meisten) Veganer mit Wut, Zorn und Verachtung: ihr Bessermenschenkonzept ist in Gefahr, die willkürliche Aufteilung zwischen gut und böse zum Zwecke des Machtgewinns über andere Menschen funktioniert nicht mehr, wenn Pflanzen essen nicht mehr fraglos „gut“ ist. Manche jedoch reagieren mit Betroffenheit (und weichen streng logisch auf das Konzept der Lichtnahrung aus) ob der Ausweglosigkeit des Leidens in der Welt – und wieder sind wir bei Schopenhauer. Oder beim Hinduismus, beim Buddhismus, beim Christentum, die uns eine heute fast vergessene Botschaft lehren: entgegen der Anweisung der Bundeskanzlerin Angela Merkel geht es der Welt (und Deutschland) nicht gut, sondern schlecht. Sogar gravierend schlecht. Man hat schlichtweg keine Chance, „besser“ zu sein – es sei denn, man setzt willkürliche Dogmen in die Welt: „fühlende Tiere essen – schlecht; fühlende Pflanzen essen – gut“.

Wer will kann diese Dogmen auch durch „Tragen roter Hüte – gut, Tragen blauer Hüte – schlecht“ ersetzen. Mit viel Zeit und Muße kann man auch den Farben einen großen theoretischen Überbau verpassen – der aus Blauhütern schlechte Menschen macht, was allen sofort klar sein muss, die nicht im Verdacht stehen wollen, selber im Geheimen blaue Hüte zu tragen.

Etwas, was oft in der Debatte übersehen wird: wir Menschen essen – anders als Raubtiere – keine lebendigen Tiere. Wir sind eher Aasfresser. Schlimmer noch: in aller Regel denaturieren wir das Fleisch durch kochen oder braten. Wir sind also kultivierte Aasfresser – und erfüllen als Aasfresser eine wichtige Funktion im Kreislauf des Lebens, wie alle anderen Aasfresser auch. Das Problem ist nur: Aas ist selten geworden in unserer Zeit. Wir produzieren es also selber – und verwandeln uns in eine Kultur des Karnismus (siehe Spiegel), die als „soziale Norm“ definiert wird.

Nur: sie ist keine soziale Norm – sie ist Bestandteil einer Umwelt, die schon karnistisch war, bevor der Mensch auch nur angedacht wurde. Das Essen von Tieren haben wir von der Natur gelernt: die findet das ganz ok. Einfach mal den Wolf fragen – oder den Bären. Oder die Made. Auch der Hai hat dazu eine Meinung. Allerdings essen die wenigsten Tiere ihr eigene Art.

Es ist aber nun gestattet, ein höheres Bild in sich zu tragen, als die Natur vorgibt: soll – so meinen manche – ja geradezu die Aufgabe des Menschen sein, die Natur durch Geist zu überwinden. Aber wo wird dieses Bild durchdacht, dass es realisierbar wird – und nicht nur eine Forderung ist, die der Welt von Disney gerecht wird?

Gesetzt den Fall, wir akzeptieren den Veganismus als politische Bewegung – und verleihen ihm die Macht, seine politischen Überzeugungen umzusetzen: was machen wir dann mit den Milliarden Nutztieren? Freilassen, natürlich. Sollte allerdings dann auch für alle Haustiere gelten. Mangels natürlicher Feinde vermehren die sich unaufhaltsam: Herden von Kühen, Schafen und Schweinen werden die Ernten vernichten (was heutzutage kaum ein Städter begreifen kann, weil veganes Essen ja vom Biomarkt kommt. Der wäre dann allerdings … leer.). Wir kommen dann wieder in eine Welt, die wir schon ziemlich weit hinter uns gelassen haben: in die Welt des Fressens und gefressen Werdens, die auch ohne den Menschen schon Bestand hatte – und die Kuh wird ihrem natürlichen Auftrag weiterhin nachkommen. Grasen, grasen, grasen – und sich pudelwohl dabei fühlen.

Die Menschheit – wird ausgelöscht. Zum größten Teil jedenfalls. Zuerst die Armen, zuallererst deren Kinder. Aber kein Preis ist zu hoch, wenn ein Bessermensch einmal gut sein will.

Irgendwann wird dann wieder ein Mensch kommen, der sagt: wir müssen Verantwortung übernehmen – und zu unserem eigenen Schutz eingreifen. Der wird dann wieder Tiere töten – und überrascht feststellen, dass er deren Materie verarbeiten – sprich: verdauen – kann. Wie nützlich – und gut für die Ernte. Und alles fängt von vorne an.

Wo sind wir nun gelandet? War nicht gerade noch „Mitleid“ gut, nein, sogar: supergut? Und jetzt müssen wir doch die Kuh töten, weil sie unsere Salatköpfe gnadenlos auffrisst? Willkommen in der Realität. Übrigens … kenne ich aus dem letzten Krieg auch Schweine, die Menschen gefressen haben. Also: die Leichen (siehe z.B. N-TV). Wir werden mit denen also ein besonderes Problem bekommen. Ebenso mit Hunden, die – in der Not – auch mal ihre Herrchen essen (siehe News.de). Auf die extreme Gefahr durch denaturierte Hunderudel, die sich nur den Menschen als Nahrung heraussuchen, wurde andernorts schon hingewiesen. Disney – ist halt keine Realität – auch wenn´s schön wäre.

Was schön ist, ist: dass der Mensch sich über die Natur erheben kann. Auch einige Tiere können das. Nur: er ist und bleibt auch Teil von ihr. Das ist unser Fluch – unsere „Vertreibung aus dem Paradies“.

Wollen Sie jetzt eine Antwort von mir darauf, ob Sie weiterhin Tiere essen dürfen? Das kommt ganz auf die Perspektive an – und die müssen SIE SELBST in EIGENER VERANTWORTUNG FREI WÄHLEN!

Sie dürfen sogar vegan leben, keine Frage. Sie dürfen sich allerdings nicht über andere Menschen stellen – und nicht naiv der Frage ausweichen, wer dann für Sie tötet. Ja: irgendwer muss die Ratten aus dem Kornspeicher heraushalten – sonst ist schnell Schluss mit dem veganen Leben. Grausame Welt, oder? Ja – aber nicht unsere. Wir tragen in uns das Bild einer besseren Welt – und das ist ein wertvoller Gewinn, der über die Welt der Materie hinausreicht – und sie im Prinzip bedeutungslos macht.

Viel wichtiger als die Frage danach, ob wir Tiere essen/töten dürfen oder nicht, scheint mir die Frage nach der Grausamkeit zu sein. Hier fand ich den Menschen, der sich unbemerkt an sein Opfer heranschleicht und es mit einem Minimum an Schmerzen tötet immer angenehmer als den Löwen, der die Beute zu Tode hetzt. Doch – bevor Sie jetzt herzhaft in ihr Schnitzel beißen: davon sind wir weit entfernt.

Es gibt Dinge – auch für jene unter uns, die eher dem Raubtier als der Kuh nacheifern – die nicht gehen. Überhaupt nicht. Die sind von der Natur auch nicht vorgesehen  – und gelten als krank. Ich meine: die Grausamkeit. Das alte Geschäft des Tierzüchters „ich ernähre Dich zehn Jahre lang, schütze Dich vor Wolf und Tier, Kälte und böser Witterung – und dafür esse ich Dich dann anstatt dass der Löwe Dich erlegt“ gilt schon lange nicht mehr, denn: das, was Sie da essen, hatte schon lange kein Leben mehr. Wussten Sie, dass dieses Tier, dass Sie da zu sich nehmen wollen, bei lebendigem Leibe verbrüht wurde? Ja: viele überleben die Vergasungsmaschine – ein häßlich Ding, in dem mehrere Schweine wie in einer Dose aus Draht in eine finstere Grube voller Gas gesenkt werden, das sie töten soll – aber es nur selten tut. Anschließend geht es dann ins 60-Grad-Bad, wo das Schwein langsam zu  Tode gebrüht wird – aus Versehen, wie man mir versichert.

Die Züchtung von Grausamkeit bringt Grausamkeit hervor – die der eigentliche Feind der Menschheit ist.  Das ist die Frage, die wir zuerst angehen sollten, weil sie machbar ist. Wir kämen da sehr weit, voran in eine bessere Welt, in der Mitleid Renditewahn schlägt. Auch in eine reichere Welt, in der Pflanzen gleiche Rechte haben wie Tiere .. und wir mit ihnen reden können.  Allerdings auch – in eine Welt, die viel Überlegung und Verantwortung verlangt, weil wir sehen werden: auch wir sind Teil dieses Systems, dass aus der gegenseitigen Vertilgung von Substanz besteht. Wir können uns da nicht herausnehmen (es sei denn, mit der naiven, willkürlichen Art, dass wir aus Bambi einen Kumpel machen und aus dem Baum ein immer totes Ding) – und das ist eine große Herausforderung. Vielleicht die größte der Menschheit.

Jetzt haben wir eine weite Reise hinter uns, die uns gezeigt hat, welche vielen Wunder noch auf uns warten, während die „naturwissenschaftliche“ Industrie die Welt um uns herum vernichtet – und auch für viel größere Grausamkeit sorgt, als das reine, natürliche Essen von Fleisch bedeuten kann. Wir haben gelernt, dass „Gefühle“ Erkenntnisinstrumente sein können (was uns in eine märchenhafte Welt entführen wird – dazu später mehr) – sogar die wichtigsten und ehrlichsten, die wir haben. Wir haben gesehen, dass wir Teil eines Systems sind, in dem es normal ist, dass Fleisch des anderen zu essen – und gemerkt, dass uns das nicht zu gefallen braucht.

Nun will ich Sie mit meiner persönlichen Entscheidung konfrontieren: ich töte Tiere. Manche davon esse ich. Ich habe allein hunderte von Mäusen brutal (also: schnell und schmerzlos, die Fallen dazu waren recht teuer) erschlagen, die sich in den Kinderzimmern breit machten (Fachwerkhaus auf dem Land – die wohnten im Gebälk). Lebendfallen zeigten sich als moralisch wertvoll – und praktisch völlig unnütz.

Demnächst werde ich wohl auch größere Tiere töten müssen: niedliche Biber. Freundliche „Umweltschützer“ hatten sie in dem oben abgebildeten Moor ausgesetzt, wo sie keine natürlichen Feinde mehr haben … und meine Lieblingsbäume fällen. Einen nach dem Anderen. Unter anderem meine Lieblingsbirke, der ich immer gern begegnet bin. Wenn hier Freiwillige zur Biberjagd gesucht werden: ich bin dabei. Ganz vorne. Und ich denke: den sollte man dann auch essen, das währe sonst Verschwendung, die mir zuwieder ist. Die Bäume sind wehrlos gegen den gefrässigen Feind – und wird ihm nicht Einhalt geboten (oder er beschränkt sich selbst, was manchmal vorkommt), vernichtet er die Wälder der Eifel. Bis die Natur zum Schutz der Bäume das Raubtier neu erfindet: das kann dauern. Bis dahin muss ich halt das Erbe meiner Väter antreten – und selbst Verantwortung übernehmen. Da ich Bäume sehr mag, erledige ich das auch gerne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Rückkehr des Bösen nach Deutschland … und dem Rest der Welt.

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Montag, 15.12.2014. Eifel. Glauben Sie eigentlich an „das Böse“? Na – ich weiß: das ist eine dumme Frage. Die Antwort kennt jeder: natürlich glauben Sie an das Böse. Das tut jeder. Jeder glaubt an das Böse – und sein Erstarken, seine Wiederkehr beschäftigt Millionen – wenn nicht Milliarden Menschen. Nun schauen Sie nicht so verdutzt: Wahrscheinlich haben Sie sich selber schon über das Böse informiert, haben viel Geld ausgegeben, um sich über seine Taten kundig zu machen, seine Fortschritte zu studieren und zu schauen, wie edle Helden es unter großem Leid mühsam zurückdrängen. Ja – genau, das macht das Böse so unangenehm: wo es aufblüht, wird es meistens sehr hässlich und schmerzhaft, es wieder in den Karton zu bekommen.

Sie schauen ja immer noch verdutzt? Reicht es nicht, dass wir Montag morgen haben, den Tag, der seit einigen Jahren an und für sich schon böse ist, weil man zurück muss in die unmenschliche Tretmühle, weil man – anstatt ein Christoph Columbus zu werden, ein Buffalo Bill, Newton, Dali, Goethe oder Beethoven – wieder ein kleines Rädchen in der großen Maschine wird, die wir Gesellschaft nennen, eine Maschine, in der sich das Rädchen so lange immer schneller dreht (ja, was meinen Sie, warum man „Führen mit Zielen“ erfunden hat?), bis es mit Burn Out beim Jobcenter zur staatlichen Resteverwertung überwiesenwird? Ja – darum fürchten wir diesen Tag so, daher hat er seinen schlechten Ruf: am Wochenende können wir noch davon träumen, was möglich wäre, wozu wir berufen sind, können uns hineinfühlen in jene Bestimmung, das wir zum Fliegen geboren worden sind, während uns der Montag wieder in Beton gießt.

Während Ihr Kopf immer noch Fragezeichen produziert, fängt ihre Seele langsam an, zu begreifen. Ihre Seele, ihr Gemüt, ihr Bauchgehirn: nennen Sie es, wie sie wollen – jener Teil einfach, der Sie von einer Rechenmaschine unterscheidet.

Nichts beschäftigt uns mehr als das Böse und wann immer wir Neues von ihm erfahren, wann immer es sein finsteres und abartiges Haupt erhebt, eilen wir ins Kino, um etwas von ihm zu erfahren. Ja – nehmen wir mal drei Beispiele, wovon eins etwas älter ist: „Der Herr der Ringe“.  Ist es schon das meistverkaufte Buch der Erde? Es erzählt eine schöne Geschichte, ist im Prinzip keine Erfindung, sondern eine Sammlung ältester Mythen und Legenden, tief verankert in den Erzählungen des nordischen Menschheit, eine Geschichte von Engeln (Elben) und Dämonen (Orks), von dem gefallenen Bösen (Melkor) und seinem treuesten Dienern (Sauron), geschrieben von einem sehr gläubigen Katholiken (weshalb man beim genaueren Hinschauen auch merkt, dass es eine sehr religiöse Geschichte ist, voller Fügungen, Zeichen und Wunder – aber ganz ohne Gott).  Was sind die Menschen begeistert von diesem Kampf der in der Natur verankerten Menschen, Elben, Zwerge, Ents, Adler und Hobbits gegen die Maschinen Isengarts und die uniformierte Hässlichkeit Mordors, die alles unter ihre Macht werfen und mit einer Nummer versehen will (kommt im Film leider nicht vor).

Wir kennen die Geschichte irgendwie, oder? Wir sehen den Erfolg Saurons jeden Morgen, wenn wir zur Arbeit fahren. Frodo hat versagt, Gandalf ist in den Abgrund gestürzt – Tolkien selbst hielt die moderne Autoindustrie für eine Erfindung von Orks, die den Ring gefunden haben. Die Fortsetzung des „Herrn der Ringe“, das „Vierte Zeitalter“, wo der böse Geist „Herumon“ die Geister der Menschen verwirrt und sie dazu verführt, sich wie Orks zu verkleiden und verhalten, spielt genau jetzt, möchte man meinen: und wir stehen diesem Geist ohne Elben, Ents, Hobbits, Zwerge, Adler und Zauberern hilflos gegenüber, können nur mit ansehen, wie durch „Fracking“ weite Teile der USA verloren gehen, wie Saurons Diener das ach so knappe Trinkwasser in unvorstellbaren Mengen zu Gunsten ihrer Maschinen verseuchen.

Merken Sie langsam, wie wahr dieser Mythos vom Herrn der Ringe ist?

Unheimlich, oder?

Ich mag ihnen noch eine Geschichte aufzeigen, die Sie völlig begeistert hat, Millionen und Abermillionen Menschen sind ihr verfallen, sind begeistert von ihr: Harry Potter. Die Geschichte von dem kleinen Jungen, der durch ein kleines Wunder den Angriff eines Menschen erlebt hat, der durch und durch böse geworden ist. Dieser Böse erstarkte langsam wieder – doch niemand wollte es glauben. Das Böse? War „der, der nicht genannt wurde“ – wie heute. Und langsam aber sicher brachte er das Zaubereiministerium unter seine Kontrolle, langsam und schleichend gab es immer mehr merkwürdige Erlasse, Menschen verschwanden, Zucht und Ordnung kehrte wieder ein, die Medien berichteten auf einmal nur noch sehr einseitig, die Welt wurde zunehmend finsterer … kommt Ihnen das bekannt vor? Wird Ihnen schon mulmig? Merken Sie jetzt, dass Ihre Seele, ihr Gemüt, ihr Bauchgehirn eine Wahrheit spürt, die Ihr Verstand so gar nicht erfassen kann, weil er perfekt manipuliert wird?

Reicht noch nicht? In den hintern Rängen gibt es noch Gemurmel?

Gut. Noch ein Mythos der Moderne: Star Wars.

Die Geschichte einer Republik, die von einer bösen Kraft heimgesucht wird, noch einem bösen Lord. Hand in Hand mit Banken, Ingenieuren, Handelskonzernen und Roboterfabrikanten wird die Republik unterwandert, bis letztlich – als Folge eines wirklich absolut genialen und perfekt durchdachten Planes – die ganze Welt in einen Krieg verstrikt wird, der nur ein Ziel hat: die freie, demokratische, zivile Republik zu vernichten und ein neues Imperium zu errichten, in dem des nur noch Herren und Sklaven gibt. Die wenigen Wesen (Jedis: eine absolute Multi-Kulti-Fraktion übrigens, alles Hippies in Frisur, Kleidung, Sprache und Denken), die merken, dass es nicht „Zufälle“ sind, die den Kurs der Welt (der Galaxie) in eine lebensfeindliche Richtung drängen, die es später sogar möglich macht, dass ganze Planeten vernichtet werden, werden gejagt, verfolgt und als „Verschwörungstheoretiker“ diffarmiert. Na ja – letzteres ist ein wenig übertrieben, wiederfuhr dafür aber dem guten Harry Potter umso mehr.

Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass ihr Gemüt solche Filme und Geschichten sucht, gezielt aussucht, um die Wahrheit des Fühlens mit der Wahrheit des Denkens überein zu bringen … so wie früher alte Mythen erzählt wurden, um herrschaftsfeindliche Geschichten zu tradieren, die dem König nicht zu Ohren kommen durften … wie die Geschichten von Till Eulenspiegel oder Robin Hood? Geschichten, die von der Herrschaft des Bösen berichteten, die allen klar vor Augen stand, über die man aber nicht reden durfte, weil man sich sonst den Zorn des Königs und seiner Büttel zuzog? Der ganze Sitzungs- und Uniformkarneval verdankt seine Existenz dieser Tatsache: gegen die strenge Diktatur französischer Streitkräfte in Deutschland konnte man direkt nicht vorgehen – also suchte man sich andere Wege.

Wie heute.

Wie werden jetzt meckern, stöhnen und höhnen wollen, weil: die Rückkehr des Bösen nach Deutschland (und in die ganze übrige Welt) einfach ungeheuerlich erscheint.

Wir wissen aber, dass es schon mal hier war, oder? Wir haben es erlebt, was geschieht, wenn das Böse Regierungsmacht bekommt. Was hätte man daraus nicht alles lernen können: wir aber sind beruhigt, weil niemals wieder ein Adolf Hitler mit seiner NSDAP im Bundestag sitzen wird! Als ob das Böse sich … nach Äußerlichkeiten richten würde.

Die Griechen – die den Körper noch als Ausdruck der Seele verstanden – hatten es sich damals einfach gemacht: das Böse – soviel war klar – musste hässlich sein. Wir sind der gleichen Meinung – jedenfalls in den gerade genannten modernen Mythen. Wäre schön, wenn die ganze Welt so wäre. Irgendwie hält sich dieses Denken ja auch noch, weshalb unsere „Guten“, unsere „Promis“, alle wunderschön sind.

Unsere Regierung jedoch … ach, urteilen Sie selbst. Schönheit liegt ja oft im Auge des Betrachters.

Wir haben einen anderen Begriff vom „Bösen“ – wir haben aber auch eine ganz schöne Strecke „Geschichte“ hinter uns gebracht, um das zu Erkennen: obwohl unsere Promis immer noch nach dem alten griechischen Modell trachten und besonders schön sein wollen um uns zu zeigen, wie minderwertig doch wir Hässlichen sind, wissen wir, dass das Böse nicht immer an der ausgeprägten Hässlichkeit zu erkennen ist. Wir wissen, dass es aus dem Inneren der Seele kommt, überwiegend geprägt wird durch die Umwelt und sich eindeutig äußert in brutaler, verächtlicher, kalter Gewalt.

Googeln Sie mal: bei ARTE gab es mal eine Dokumentation dazu: „Das Böse – Warum Menschen Menschen töten“. Hier sprach unter anderem der Sozialpsychologe Harald Welzer, der erforschte, wie „aus ganz normalen Männern innerhalb kürzester Zeit Massenmörder werden“ (im Film ab Minute 42). Was erläutert uns der Herr Welzer? Das – um es ein wenig in meine Worte zu kleiden – die „Bösen“ anderen Menschen die

„Zugehörigkeit zum gemeinsamen sozialen Universum absprechen“.

Schauen Sie mal in Ihren Alltag. Kann es sein, dass es da Menschen gibt, denen die Zugehörigkeit zum gemeinsamen sozialen Universum abgesprochen wird? Wenn so etwas geschieht, dass können Sie sicher sein, dass sich etwas Böses anbahnt – und das Ihr Gemüt sie in Filme zieht, die dieser erlebten Realität „wahre“ Bilder bieten.

Darf ich ein wenig helfen?

Putin – gehört der noch zu unserem sozialen Universum? Oder … Arbeitslose? Oder … der Moslem? Erleben wir nicht gerade 2014, dass das Böse wieder Menschen aus dem gemeinsamen sozialen Universum entfernt – eine Bewegung, die 2005 an die Öffentlichkeit gedrungen ist – unter der Bezeichnung „Agenda 2010“? Kommt noch jemand auf die Idee, mit Putin oder den Moslems ein vernünftiges Gespräch zu führen … oder sind die schon aus dem Raster „Mensch“ herausgenommen und so aus dem gemeinsamen sozialen Universum entfernt worden … wie unsere Arbeitslosen?

Nun – der Film auf Arte kümmert sich um eine besondere Form des Bösen, eine Form, die jeder verstehen kann: den Psychpathen, den eiskalten Massenmörder. Wie sie ticken, erklärt uns eine Psychologin (siehe t-online)

Sie haben kein oder kaum Mitgefühl oder Schuldgefühl. Normale Menschen haben einen unwillkürlichen emotionalen Impuls, wenn sie beispielsweise sehen, wie ein Kind sich verletzt. Der fehlt Psychopathen. Wenn Sie aber in ihrem Leben noch nie Mitgefühl empfunden haben, dann fehlt Ihnen automatisch auch das Schuldbewusstsein. Das entsteht nämlich nur, wenn wir uns schuldig fühlen, weil andere sich wegen uns schlecht fühlen.

Kaum Mitgefühl oder Schuldgefühl? Etwa … wie Abgeordnete des deutschen Bundestages, die sich selbst fürstliche Diäten gönnen, während der Staat immer mehr Schulden hat? Die arbeitslose Menschen aus dem sozialen Universum herauskicken, ohne im Mindesten daran zu denken, wie sich sie oder ihre Kinder fühlen? Die als „Chefs“ mit kalten Kalkül Massenentlassungen vornehmen, um die Börsenkurse zu beflügeln … oder Sanktionen verhängen, ohne auch nur im Geringsten an die Menschen zu denken, die darunter leiden?

Machen Sie selber mal das Experiment: gehen Sie mal einige Checklisten für Psychopathen durch. Ich habe mal eine Kurze herausgesucht (siehe Onmeda)

Er verhält sich verantwortungslos und unbekümmert.
Er ist rücksichtslos und verletzt die Rechte anderer.
Der Psychopath ist „gefühlskalt“ und kann sich nicht in andere Menschen hineinversetzen (mangelnde Empathie).
Er ist impulsiv und langweilt sich schnell; er braucht ständig „etwas Neues“.
Es fehlt ihm an langfristigen Zielen.
Der Psychopath empfindet im Vergleich zu anderen Personen kaum Angst.
Schuldgefühle, Reue oder Gefühle von Scham sind ihm fremd.
Er ist nicht in der Lage, Liebe zu empfinden.
Er reagiert oft aggressiv und neigt zu Gewalt.
Sein Selbstwertgefühl ist deutlich übersteigert.

„Warum fällt mir da nur der Satz ein „Deutschland geht es gut“?.

Wissen Sie, was das ist? Das ist eine Beschreibung unserer medialen Spaßgesellschaft – ohne diese Voraussetzungen würden die Witze der „Heute-Show“ oder die Scherze eines hochintelligenten Dieter Nuhr nicht funktionieren – auch sie finden ganz schnell die Schwachstellen von Menschen heraus und führen sie ohne Rücksicht auf ihre Gefühle vor, desintegrieren so immer mehr Menschen aus unserem sozialen Universum … und wir halten das inzwischen sogar für „gute Unterhaltung“. Ja – da hat er eine besondere Qualifikation, der Psychopath (siehe Welt):

Der Psychopath jedoch ist stets auf der Jagd nach dem Aufdecken von Schwächen anderer und bedient sich der Suggestion, um Macht über seine Mitmenschen auszuüben. Er greift an der empfindlichsten Stelle an und verstärkt damit das Unterlegenheitsgefühl des Opfers. Der Angriff kommt in Form von scharfer Kritik, Lächerlichmachen oder scheinbar unbedeutenden Andeutungen, die nur der Betroffene selbst versteht.

Die kleine, heile Welt der Comedy ist aber nur ein kleiner Ausfluss einer viel größeren Psychopathenoffensive, die sich vor allem in Führungspositionen niederschlägt (siehe Zeit):

Neueren Untersuchungen zufolge sind Menschen mit einer narzisstischen oder psychopathischen Persönlichkeit etwa drei- bis viermal häufiger in Machtpositionen vertreten als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Und dort sind die besonders gefährlich:

Weil sie extrem gefühlskalt und hochmanipulativ sind. Sie denken nicht an das Unternehmen, sondern handeln nur in ihrem eigenen Interesse. Sie haben Spaß an Dominanz und Kontrolle. Sie demütigen gern andere und mögen es oftmals auch, wenn andere Angst vor ihnen haben. Selbst haben sie keine Angst. Gerade das macht sie in Führungspositionen gefährlich, denn sie treffen oft hochriskante Entscheidungen, die ein Unternehmen in den Ruin treiben können.

Mag sein, dass sie deshalb gerne Positionen aussuchen, die … ihnen erlaubt, Sanktionen auszusprechen? Das ihnen außer „Sanktionen“ gar kein andere Umgang mit Mitmenschen mehr in den Sinn kommt?

Und trotzdem … werden Sie inzwischen als Vorbilder hingestellt, als Leistungsträger, als vertrauensvolle Führungspersönlichkeiten (siehe 3sat):

Was hat Richard Fuld, Ex-Chef von Lehman Brothers und Milliarden-Pleitier, mit Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond, gemeinsam? Welche Wesenszüge teilt manch erfolgreicher Chirurg mit manchem Priester? Der Psychologie-Professor Kevin Dutton kennt die Antwort: Viele sind Psychopathen. Dutton hält nicht alle Psychopathen für geisteskrank. Im Gegenteil: Er lobt sie als Vorbilder.

Sehen Sie nun, wie weit das Böse schon in Ihren Alltag vorgedrungen ist? Klar sehen Sie das, denn in Wirklichkeit gibt es nur einen Grund, warum die Menschen in riesigen Massen den modernen Mythen von der Wiederkunft des Bösen lauschen: sie wollen ihre gefühlte Wirklichkeit mit der Realität der Tagesschau in Einklang bringen, sie wollen verstehen, warum sie ein Gefühl der Angst umtreibt, warum sie Demonstrationen meiden und sich immer mehr in ihre Wohnung verkriechen:

sie haben einfach Angst, weil sie merken, dass das Böse wieder erwacht ist. Das Böse ist aggressiv und neigt zu Sanktionen, auch gegen Schwächere, es hält Liebe für Sozialromantik, macht Schulden ohne Reue oder Scham, betreibt Fracking und Atomkraftwerke ohne jeden Gedanken an die Zukunft, verletzt die Rechte von Schwächeren ohne jedes Mitgefühl und muss am besten jeden Tag aufs Neue durch immer stärkere Konsumkicks bei Laune gehalten werden, ohne Visionen oder Utopien (die für krankhaft gehalten werden, obwohl sie lediglich eine Form von konstruktiver Zukunftsplanung darstellen) für die Zukunft hangelt es sich von Legislaturperiode zu Legislaturperdiode, von Quartal zu Quartal. während die Umwelt (auch die soziale und wirtschaftliche) zunehmend kollabiert … was dem Bösen allerdings aufgrund seines übersteigerten Selbstwertgefühls keinerlei Angst bereitet.

Ja – das Böse ist wieder da.

Alle merken es – aber wir dürfen nicht mehr drüber reden … oder sind schon so verängstigt, dass wir nicht drüber reden möchten.

Aber die Filme … die gönnen wir uns noch, um Gefühl und offiziell dargestellte Wirklichkeit in Einklang bringen zu können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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