Edward Snowden

This tag is associated with 4 posts

Edward Snowden: „Ein Virus ist gefährlich, aber der Verlust der Rechte ist verheerend“

Frieden-Mut-Vertrauen-Angst

sky-1117008_960_720

Bild: pixabay.com CCO

Ja wir können Angst vor vielen Dingen haben: Vor Bakterien. Jeden Infekt könnte man als einen Angriff auf uns, durch Viren oder Bakterien bewerten. Nur wir haben Milliarden Bakterien in uns, z.B in unserem Darm, ohne die wir gar nicht leben können. Wir können aber auch die Krankheit als eine Folge von Veränderungen im Menschen sehen, die zur Krankheit führt. Wir können Angst vor dem Straßenverkehr haben, denn jedes Auto kann uns töten. Aber ohne Autos z.B. Einsatzfahrzeuge der Rettung, wäre das Leben ziemlich schwer. Allerdings wird uns die Angst vor einem Verkehrsunfall durchaus immer wieder auch vom gesunden Radfahren abhalten, denn je größer das Auto umso sicherer? Wir können Angst vor Einbrechern haben. Doch ohne die Informationen von Bradley Manning, Snowden, Assange, die illegal Daten gesammelt haben, die für unsere Freiheit wichtig sind, wüssten wir nicht, wie sehr wir überwacht werden. Wir können Angst vor dem Krebs haben. Doch täglich beseitigen wir unzählige Krebsbakterien.

Wir können Angst vor angeblich bedrohenden Staaten, oder Personen haben. Doch einer der Bösewichte, nämlich Trump hat den Koreakonflikt deutlich entschärft und angekündigt seine Truppen aus Syrien abzuziehen. Gestern hieß es, dass seine Truppen aus Afghanistan möglicher Weise abgezogen werden. Auf der Seite des Eulenspiegel-blogs steht, dass der eingestellt wird. Doch werden da einige Informationen, die mir aus anderen Quellen zugänglich sind, über Onkel Donald verlinkt (Quelle: https://eulenspiegel-blog.com/). Donald ist eine sehr schillernde, aber wohl keineswegs nur böse Persönlichkeit? Verwandte von uns lieben ihn gar nicht, doch kenne ich einige Menschen von drüben, die sehr hinter ihm stehen. Ein weiterer sogenannter „Aggressor“ ist Putin, der nach einem nicht Verfassungskonformen Regierungsumsturz, in seinem Nachbarland sichtbar reagiert hat. Wie oft man deutlich weniger sichtbar, aber wohl viel effektiver über dem großen Teich, auf ungeliebte politische Veränderungen in der Nachbarschaft reagiert hat, das wird uns von den großen Leitmedien im wesentlichen verschwiegen. Man könnte in diesem Sinne einige politische Veränderungen in Venezuela oder auch in Brasilien genauer analysieren. (Quellen: z.B. nzz.ch, nachdenkseiten.de und tagesspiegel.de). Das heißt der Mauerbau von Uncle Sam ist eine Folge von Flüchtlingsströmen, die durch selbst gelegte Wirtschaftssanktionen und Eingriffen entstanden sind, ist jetzt die Ursache des Regierungsshutdowns in Washington? Ein schwer überprüfbarer  link aus der linken Zeitung über Aktivitäten des Deep state gegenüber Trump, mit der Annahme, dass durch die Flüchtlingsströme eine Revolution ausgelöst werden soll: linkezeitung.de könnte eine fragliche Erklärung sein? Also wie auch immer, Geostrategische Interessen bezüglich der Wirtschaftsstärke Chinas, das sogar das Militär in Venezuela unterstützt hatte, vor den Interessen der Menschen? Eine sehr ähnliche Situation, wie in Europa. Wer Revolutionen zündelt macht ins Bett? (Quelle: Süddeutsche.de). Nicht so ganz wie Sie sehen. Denn nicht immer macht der ins Bett, der die Revolutionen gezündelt hat☺. (Quelle: Nachrichtenspiegel).

Angst kann auch zur inneren Ohnmacht führen und nicht zur an und für sich gesunden Aggression, die uns zur nötigen Aktivität führen kann. Aber Angst die zur inneren Ohnmacht führt, die lähmt alles und gipfelt in den Worten: Wir können ohnehin nichts tun. Aber wenn sich die Aggression dann gegen uns selbst richtet, dann entsteht Depression.

Ja Angst ist meist ein sehr gutes Geschäft. Man kann dadurch Medikamente, Autos, Versicherungen und, aber auch Rüstung sehr gut Verkaufen. Auch in den Medien sind schlechte Nachrichten eben gute Nachrichten, da die Verkaufswerte bei schlechten Nachrichten deutlich steigen. Das heißt, das Aufbauen von Mut, Vertrauen ist für viele riesige Geschäftszweige negativ. Im kleinen Bereich ist das aber umgekehrt. Denn wenn ich zu Marken wie Bosch oder Siemens Vertrauen habe, wenn sie nicht gerade Atomreaktoren bauen, sondern Züge oder Elektrogeräte, dann steigert das auch die Verkaufszahlen.

Wenn Sie täglich mit erschöpften Menschen zu tun haben, dann fragt man sich, warum das so ist? (Quelle: nachrichtenspiegel.de). Wenn Putin jetzt vor einer steigenden Gefahr eines Atomkrieges warnt(Quelle: welt.de) , so wundert man sich, warum nicht hunderttausende Demonstranten aktiv werden. Das war nämlich so während des kalten Krieges. Durch die vielen Alternativ-Medien, wissen die Menschen ja doch, dass viele Informationen, der Leitmedien über die Ost-West Konfrontation sehr einseitig sind, warum tun sie nichts dagegen? Liegt das an der Frage, wie sie konfrontiert werden? Wenn man einem Raucher sagt, höre auf zu Rauchen, Du wirst sterben, dann wird er meistens noch mehr rauchen. Wenn man ihm aber sagt, Deine Lebensqualität, wird durch das Nichtrauchen in vielen leicht erlebbaren Punkten besser, dann bringt man das gemeinsam doch immer wieder hin, dass er weniger raucht, oder er oder sie gar zum Rauchen aufhört. Warum reagiert ein Mensch auf Kitzeln vielleicht viel stärker, als auf einen Stoß? Ein Stoß erzeugt eine Abwehrreaktion. Das Kitzeln bringt ihn zum Lachen und aktiviert ihn.

Es gibt immer mehr ärmere und arme Menschen, doch Hilfe wäre so einfach: Radfahren ist viel billiger als Auto fahren, gesünder leben, vor allem, wenn es nicht sicher ist, wie sehr die Sozialsysteme in Zukunft zurückgefahren werden. Linux als ein Beispiel, wo ein System nicht auf Kommerz aufgebaut ist, sondern jeder dem anderen hilft. Linux, ein Computersystem, viel sicherer und viel billiger, als die herkömmlichen Systeme, doch ein wenig komplizierter. Man kann nicht so viele Dinge machen, aber die dafür sicher und ist ziemlich Chef auf seinem Rechner, im Gegensatz zu den herkömmlichen Systemen. Man kann Linux in Form von Android aber auch so neugierig machen, dass es sicherer ist, auf Windows oder Mac zu bleiben. Car sharing ist auch so ein Mittel um Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Überhaupt Dinge mit anderen teilen. Dinge reparieren gemeinsam oder reparieren lassen, so hat der Nachbar auch wieder Arbeit.

Wir können den Mut zur Aktivität und das Vertrauen in die Wahrheit nur selbst aufbauen. Wir können auch Vertrauen auf vereinzelte Menschen aufbauen, doch finden wir die derzeit kaum in der Politik. Wir können den Mut haben, dass alle Dinge die der Mensch gemacht hat einmal Gedanken waren, und dass jeder Gedanken aufbauen kann, die einmal Realität werden können. Darauf können wir vertrauen. Wenn wir Frieden aufbauen wollen, dann brauchen wir zunächst diesen Frieden in uns. Ohne diesen Frieden in uns, werden wir unbewusst neue Konflikte schaffen. Vor allem ist es wichtig, die eigene Angst oder Ohnmacht zu erkennen und die genau durch zu denken. Dann ist der nächste Schritt diese Gefühle zu bearbeiten. Das können viele selbst, manchmal wäre professionelle Hilfe dabei sehr wertvoll. Angst und Ohnmacht lähmen unsere Aktivität auch neben den im Nachrichtenspiegel unter Schlaf Kindlein Schlaf von mir recherchierten Gründen. Da spielen natürlich noch viel mehr Schwermetalle etc. eine Rolle. Doch wenn wir von der Angst dann zum Vertrauen zu uns selbst und zu durchaus vorhandenen wertvollen Zeitgenossen, von denen ich Michael Gorbatschow, Chelsea Manning, Julian Assange, Ronald Bernard, Eduard Snowden, Albrecht Müller, Willy Wimmer, Ken Jebsen, Eifelphilosoph, Parkwächter, Regenbogenbieger und sehr viele andere mehr nennen möchte, die unter Einsatz ihrer Sicherheit, Freiheit, Wohlstand, für die Menschheit arbeiten, dann kann schon Vertrauen entstehen. Da entsteht so etwas wie tiefe Dankbarkeit. Wenn wir nun in der Familie, im Freundeskreis beginnen Frieden zu entwickeln, dann können das Zellen von Frieden werden, die sich miteinander verbinden, auch auf andere Länder ausstrahlen und letztlich den ganzen Kontinent erfassen können. Eine Kerze wird in der Dunkelheit viel besser gesehen. So kann so etwas für die Anhänger des Christkindes wie ein sogenannter Weihnachtsfriede entstehen. Ob wir dazu Weihnachtsfriede, oder Shalom, Salam, Mir auf Russisch, was aber auch Welt heißt, oder Peace, Paz, Paix, Pace oder Friede in irgend einer anderen Sprache sagen, bleibt jedem selbst überlassen.

Ich wünschen Ihnen allen jetzt besonders herzlich: Frieden!

„Niemand wird Dich retten – Sei Dein eigener Held!“ (Edward Snowden 2017)


Foto: Wikimedia/Gage Skidmore/CC BY-SA 2.0

Wie schon im Nachgang angemerkt, sollte mein letzter Beitrag  („Über das alternativlose Wahlergebnis und die Logik des Gänsebratens“) keinesfalls ein Prodepressivum sein, sondern ganz im Gegenteil: Er sollte eigentlich nur dazu dienen, um im gerade einsetzenden Wahlanalysefieber reinen Tisch zu machen und dem Leser kostbare Zeit zu sparen – indem sich niemand mehr Illusionen über den „frischen Wind“ macht, den FDP, AfD oder gar die Grünen in den Bundestag bringen könnten. Gesparte Zeit, die wir nämlich dringend brauchen werden, um auf jeweils individuell gewählten Gebieten Konstruktives zu entwickeln, also ein Gegenbild zum derzeitigen Wahnsinn, pardon: Fortschritt natürlich – , zu dem unsere Politiker wild entschlossen sind (siehe  „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“).

Denn während sich das kollektive Leben immer mehr zu einer Art psychiatrischen Intensivstation verwandelt und man in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Soziales ebenso wie in Religion und Kunst (siehe z.B. aktuellen Bericht von J. Prilleau über die documenta 14) quasi an einem Nullpunkt angekommen ist, so hat dieser kollektive Niedergang bisheriger Strukturen auch sein Positives und seine neuen Möglichkeiten. Der einzelne Mensch kann sich nicht mehr auf vorgegebene programmatische Krücken von Politik und Kirche stützen, da diese nicht mehr tragen. Oder positiv formuliert: Man befindet sich als Individuum auch nicht mehr im Korsett vorgegebener Strukturen, sondern kann jetzt in freier Entscheidung, unabhängig von äußeren Autoritäten, seinem Leben eine sinnvolle Richtung geben und auf einem individuell gewählten Gebiet unbeirrt von allen schwarzen Rauchwolken, die derzeit die Sonne verdunkeln, etwas Konstruktives entwickeln. Damit ist zunächst gar nichts Berufliches gemeint. Selbst wenn man scheinbar gar keinen Spielraum, keinen Job und keine Ressourcen hat, dann kann man dem anderen zumindest einen aufmunternden oder humorvollen Blick spendieren – kostet nichts und soll schon Leben gerettet haben.

Jeder hat diesbezüglich andere Neigungen und Fähigkeiten. Mit diesen Fähigkeiten muss man heute gewissermaßen einen ganz individuellen „Job“ aufbauen, den man ganz bestimmt nicht in den Stellenausschreibungen der Boulevardblätter findet und für den man so schnell wohl auch keine pekuniäre Entlohnung erhalten wird. Die Entlohnung stellt sich freilich auf andere Art ein: als Stimmigkeit, als abendliche Zufriedenheit, die man vor dem Zubettgehen spürt – darüber, dass man im Rahmen seiner Möglichkeiten sein Schäuflein beigetragen hat, dass die Welt ein kleines Stückchen schöner, friedvoller, menschlicher geworden ist, dass man sie mit einer bestimmten Färbung qualitativ bereichert hat. Niemand braucht sich diesbezüglich zu viele Themen vornehmen (da sind wir angesichts der täglichen Informationsflut leicht überfordert), es reicht eigentlich ein Kernthema, ein Inhalt, der einem besonders zu Herzen geht und an dem man dann dranbleibt, den man von verschiedenen Seiten immer aufs Neue beleuchtet und beackert. Der eine wird sich vielleicht für Umweltschutz engagieren, der andere für Menschenrechte, ein anderer bloggt, musiziert, malt, gärtnert … oder lächelt einfach wohlwollend den Menschen zu, denen er am Asphalt oder an der Supermarktkasse begegnet und deren gequälte Gesichter, wie Juri Galanskow es bezeichnete, „vom Leben besudelt sind“ (siehe „In euer Hölle kann ich nicht atmen“).

In Wirklichkeit kann ausnahmslos jede Tätigkeit, die der Mensch ausführt, in höchstem Maße kreativ sein. Das Kriterium für wahre Kreativität ist einfach, allerdings  ein in unseren Schulen und Unis wohlgehütetes Geheimnis: Kreativ wird jede Handlung, die nicht bloß ökonomisch ist. Auch die scheinbar banalsten Tätigkeiten wie Staubsaugen oder Kochen können auf diese Weise kreativ werden. Sogar bloßes Sitzen kann ein kreativer Akt sein. Umgekehrt können auch sogenannte kreative Tätigkeiten vollkommen unkreativ sein, wenn sie bloß aus ökonomischen Gründen ausgeführt werden (siehe J. Prilleau oben – ich meine natürlich nicht Prilleau selbst, sondern seine Streiflichter von der aktuellen Kunst-Avantgarde in Kassel). Insofern hat jeder Mensch ein gewaltiges Potential an Kreativität, das er täglich freisetzen und damit seine Umgebung – und sich selbst – bereichern könnte.

Eine solche – nicht-ökonomische – Art von kreativem Menschsein ist übrigens auch das wirkungsvollste Gegenmittel und insofern die größte Revolution gegen die auf allen Kanälen verkündete Alltagsdepression der Rautenkanzlerin und ihrer transatlantischen Flachmannschaft. Ihre marktkonforme Alternativlosigkeit muss hierbei implodieren oder verpuffen wie ein schwarzes Gummikrokodil unter einem Bunsenbrenner.

Genau an dieses Auferstehen des Individuums inmitten des allgemeinen Niedergangs und an das Nutzen unserer Optionen appelliert auch Edward Snowden in einer u.a. Videokonferenz (veranstaltet von acTVism Munich und von unseren Leitmedien geflissentlich verschwiegen):

Die Frage, wie denn ein gewöhnlicher Tag bei ihm aussehe, beantwortet Snowden auf bemerkenswerte Weise:

„Ich wache morgens auf und lächle vor Freude über meine Entscheidungen. Ja, Sie haben mich viel gekostet. Ja, sie waren nicht genug. Ja, es gab neue Reformen, doch sie bewirken angesichts des Unrechts, das sich weltweit über die Grenzen hinweg an jedem Ort und in jeder Region auftürmt, nicht viel.

Doch ich hatte eine Idee, was als nächstes zu tun war. Und ich würde Sie bitten, die Frage umzudrehen und an sich selbst zu stellen (…) Denken Sie darüber nach, wie Sie Ihr Leben leben (…) Denken Sie jedoch an die Chancen, die Sie haben – denn es gibt keine Helden. Niemand wird Sie retten! Es gibt nur heldenhaftes Handeln, heldenhafte Entscheidungen. Es gibt nur Menschen, die Schritt für Schritt das Schlechte erkennen und feststellen, dass Sie vielleicht etwas bewegen können. Vielleicht kann ich nicht alles in Ordnung bringen, aber für Fortschritt sorgen. Vielleicht kann ich die Dinge besser machen. Vielleicht bin ich die Person, auf die ich gewartet habe. Und sobald Sie angefangen haben, so zu denken, werden Sie feststellen, dass Sie es bereits sind.“ (siehe Minute 52:30 bis 54:00)

In diesem Sinne: Carpe diem … !

(Das Interview wurde von acTVism Munich am 15. Januar 2017 in München durchgeführt und aufgrund technischer Schwierigkeiten am 4. September erstmals als vollständige Version bereitgestellt).

 

Sex, Lügen und Videos – Über die Five Eyes, die auch in Ihrem Schlafzimmer live dabei sein dürfen

45_snowden_flickr

flickr/ビッグアップジャパン/ CC BY SA 3.0

„Sex, Lügen und Videos“ – so hieß ein erfolgreicher US-amerikanischer Schmuddelfilm aus den 80er Jahren. Mittlerweile wurde diese Trias von staatlichen Behörden zu einem hochprofessionellen Geschäftsmodell gemacht. In einem jüngsten Leak von Edward Snowden erfährt man, dass die NSA gezielt das Sexualleben der Bürger ausspäht, um kompromittierendes Material zur Verfügung zu haben, das bei Bedarf zur Erpressung eingesetzt werden kann (die Veröffentlichung der Dokumente ist in einem neuen Buch Snowdens noch Ende dieses Jahres angekündigt).

“This pornographic material which is stolen from cell phones and computers around the world, is then analyzed and sorted in terms of potential value. Many of these images are then used to blackmail politicians and other influential people, forcing them to collaborate with the agency or face public sex scandals.”

Laut Snowden würde das intime Material nicht nur von Handies und PCs rund um den Erdball gestohlen, sondern die NSA würde auch selbst mit Kameras in den Privatbereich eindringen und kompromittierende Sexvideos anfertigen. Das explizite Ziel dabei sei es, Menschen in „erniedrigenden oder peinlichen Positionen zu filmen, um Zielpersonen in der Folge ausschalten oder manipulieren zu können“.

Snowden erzählt, dass das Material dieses Programms bereits dazu verwendet wurde, um viele namhafte Politiker zu stürzen (aus einem Interview mit dem Moskow Tribune: „Da sich die meisten Opfer der Erpressung beugen, kann ich schwer sagen, wie viele Personen von der NSA unter Druck gesetzt wurden. Aber ich kann Ihnen sagen, dass es Tausende sind, und viele davon sind sehr einflussreiche Personen.“). Als konkrete Opfer des Programms nennt er z.B. den früheren CIA-Direktor David Petraeus und den New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer, die nach dem Publikwerden von Sexskandalen zurücktreten mussten. Weiters den Fall des früheren Malaysischen Gesundheitsministers Chua Soi Lek, der von einer versteckten Kamera beim Intermezzo mit einer jungen Frau gefilmt wurde und in der Folge zurücktreten musste.

Für welche Gesundheits- oder Umweltstandards sich der Malaysische Gesundheitsminister eingesetzt hat, die den legitimen Profitinteressen der US Konzerne im Weg standen, habe ich nicht nachrecherchiert. Denn damit würde ich die rote Linie überschreiten und den Tatbestand des Bildens von „Verschwörungstheorien“ erfüllen. Und das Bilden solcher Theorien ist ja gemeinen Kleinbürgern wie mir seit einiger Zeit strikt verboten (siehe dazu auch ein aktuelles Interview mit dem Publizisten Mathias Bröckers, wonach „Verschwörungstheoretiker“ auf der nach unten offenen Denunziations- und Diffamierungsskala derzeit nur knapp über „Kinderschänder“ rangiert).

Doch dem Geheimdienst geht es nicht nur um prominente Köpfe, manchmal werden ja auch ganz unbekannte Menschen plötzlich zu Volkstribunen und gefährden etablierte Machtstrukturen und gutgehende Geschäfte  – für solche Fälle braucht man geeignetes Material, um diese Personen schnell wieder auf Linie bringen zu können. Nach Aussage von Snowden verfügt die NSA derzeit über 20 Milliarden pornographischer Fotos und über 500 Millionen Stunden an Videos, die fein säuberlich klassifiziert und mit Namen der darauf ersichtlichen Personen getaggt sind.

Die möglichen Kanäle, um Bildmaterial aus den privaten Kämmerchen der Bürger zu gewinnen, sind vielfältig. Angezapfte Webcams, smarte Fernseher (siehe Stern) und vernetzte Barbiepuppen (siehe ORF) übermitteln das, was in unseren Wohnzimmern so gesagt und getrieben wird, sofort in Echtzeit in eine unterirdische Cloud. Während es seinerzeit beim bulgarischen Dissidenten  Ilija Trojanow noch notwendig war, dass alle als regierungskritisch bekannten Familienmitglieder gleichzeitig zu behördlichen Terminen vorgeladen wurden, damit während ihrer Abwesenheit die Zimmer der Trojanows verwanzt und mit Kabeln verdrahtet werden konnten, während ein Lärmgenerator die Stemmarbeiten übertönen und somit auch für die Nachbarn unbemerkt machen sollte (in seinem Buch „Angriff auf die Freiheit“ schildert Trojanow sein Privileg, jedes Wort, das in seiner Kinderstube gesprochen wurde, heute in veröffentlichten Geheimdienstprotokollen detailliert nachlesen zu können), so schöpft man private Daten der Bürger heute wesentlich smarter und unspektakulärer ab. Wie der „Guardian“ enthüllte, verfügt der britische NSA-Bruder GCHQ über ein eigenes Programm mit Namen „Optic Nerve“, mit welchem User-Webcams millionenfach gehackt wurden. Nicht ohne Grund kleben daher sogar Nerds wie Mark Zuckerberg die Webcam- und Mikrofoneingänge ihres Laptops ab (ersichtlich auf einem Foto in Computerbild). Doch das Abkleben von Webcams wird uns nicht mehr lange helfen. Die Geheimdienste arbeiten bereits mit Hochdampf an der Herstellung insektengroßer Kameradrohnen (siehe Spiegel), die auch aus dem letzten Winkel jedes Hauses Bildmaterial in HD-Qualität liefern können.

Snowden in einem „Stern“-Interview: „Indem ich die Daten verbinde und analysiere, die ja jahrelang gespeichert werden können, weiß ich nicht nur, wann Sie ins Bett gegangen sind – ich weiß auch mit wem.“

Durchgeführt wird die intime Datensammlung laut Snowden vom Special Collection Service / SCS, jener strenggeheimen Spezialabteilung der NSA, die auch das Telefon von Angela Merkel über 10 Jahre lang abgehört hat (hier eine Selbstpräsentation des SCS in einem von Snowden geleakten Dokument). Wieviele „erniedrigende oder peinliche“ Details aus dem Privatleben der Bundeskanzlerin auf diese Weise digital verewigt wurden, werden vermutlich erst nachfolgende Generationen erfahren.

Aber keine Sorge, da es sich bei den Überwachern ja um „verlässliche Freunde“ handelt, sind die Daten in guten Händen. Vor „verlässlichen Freunden“ braucht man es nicht zu verbergen, ob man die Brustwarzen gepierct hat und welches Tattoo man auf der linken Pobacke trägt. Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten, das hat  doch schon Joseph Goebbels dem Volk mit dem Brustton der Überzeugung erklärt. Und hat doch die Bundeskanzlerin selbst bewiesen, dass man sogar in einer lückenlos überwachten Repressionsgesellschaft unter dem strengen Auge der Blockwarte „wissenschaftliche“ Karriere machen kann, wenn man sich nur richtig benimmt.

Wer so ungeschickt ist, sich nicht richtig zu benehmen, der gerät eben ins Netz der unten ersichtlichen Spinne (da ich kein gemeinfreies Foto des noch vor Kurzem als „top secret“ klassifizierten Logos der JTRIG-Abteilung finden konnte, habe ich es nur grob abgekritzelt; das Original aus der Dokumentensammlung Edward Snowdens ist hier ersichtlich):

45_jtriglogo_fin

Die steuerfinanzierten Spidermen von der JTRIG (Joint Threat Research Intelligence Group) übernehmen bei Bedarf jede Art von medialer Drecksarbeit. Ihr Trainingsprogramm nennt sich – sic – „The Art of Deception“ (Die Kunst des Hintergehens/Betrügens) und umfasst hochprofessionelles Handwerkszeug, um die Reputation und wirtschaftliche Existenz von ins Ziel gefassten Personen oder Bürgerbewegungen zu vernichten (siehe die von Glenn Greenwald veröffentlichten Originaldokumente von JTRIG auf The Intercept, wie sie vom britischen GCHQ der NSA und den anderen drei Partnern der englischsprachigen „Five Eyes“-Allianz präsentiert wurden).

Das Symbol einer jederzeit zum Biss bereiten schwarzen Witwe des JTRIG-Logos ist in der Tat treffend gewählt. In den von Snowden geleakten Dokumenten erfährt man, wie zugebissen wird:

Das Handlungsportfolio der JTRIG umfasst Kampagnen zu Verleumdung, Rufmord und Sabotage geschäftlicher Beziehungen, sexuelle Kompromittierung (honeytraps) ebenso wie detaillierte Strategien zur Meinungssteuerung und Manipulation von Internetforen und Social Media (Glenn Greenwald: “…these agencies are attempting to control, infiltrate, manipulate, and warp online discourse”).

Laut eigenem Bekunden auf der geheimdienstlichen Präsentationsfolie ist die Arbeit der JTRIG mit 4 „D’s“ zusammengefasst:

The 4 D’s:  Deny / Disrupt /Degrade / Deceive

                 (Verleumden / Spalten / Erniedrigen / Irreführen)

Ein eigenes Flussdiagramm  der JTRIG-Brigade ist dem Thema „Things that pull a group apart“ (Wie man eine Gruppe spalten kann) gewidmet. Wer sich also bisher darüber gewundert hat, warum sich die weltweite „Occupy“-Bewegung trotz geballter Bürgerwut so schnell im Sand verlaufen hat und warum Friedensaktivisten neuerdings als Nazis dastehen, der findet womöglich in den oben verlinkten JTRIG-Dokumenten eine erschöpfende Erklärung. Aber halt – ich nähere mich schon wieder der roten Linie …

Sehen wir das Ganze also lieber positiv und lassen wir die Spider Murphy Gang und ihre digitalen Spinnentiere ruhig weiterkrabbeln. Wie uns der Spiegel, die „Bildzeitung für Abiturenten“ (Volker Pispers) erklärt, wollen die Geheimdienstbrigaden ja nichts anderes, als die „Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen“ (siehe  Spiegel).

Auch passionierte Nudisten brauchen also in Zukunft keine Angst haben, in ihrem Eigenheim zuviel nackte Haut zu zeigen und können ihren Bademantel ruhig in der Mottenkiste liegen lassen. Unsere verlässlichen Freunde mit der Spinnenfahne wollen ja bloß unsere Herzen und Köpfe gewinnen. Und die kann man ja nötigenfalls bei Amazon als Ersatzteile nachbestellen.

Die letzten 100 Artikel