Dresden

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Das Drama von Dresden

13. Februar 1945. Dresden, eine der schönsten Städte der Welt, sieht hilflos ihrer völligen Zerstörung ins Auge. Eine Nacht und einen Tag lang wirft die britische Royal Air Force zahllose Bomben ab und verursacht ein Flammeninferno, das die gesamte Stadt in Schutt und Asche legt. Mindestens 25.000 Menschen sterben. Für diese Dokumentation sind Überlebende zusammengekommen, die sich über ihre Erinnerungen an den Angriff austauschen. (Quelle: ZDF-History)

Dieses bewegende Zeitdokument spricht für sich. Wir sollten Millionen von Kerzen anzünden, dass so was nie mehr geschieht.

Echte Geschichten aus echten Kriegen … für die kriegsfernen Entscheider der Gegenwart

Echte Geschichten aus echten Kriegen ... für die kriegsfernen Entscheider der Gegenwart

Sonntag, 30.12.2012. Eifel. Es ist Sonntag. Es ist Krieg. Zum Beispiel in Afghanistan. Auch Deutsche Soldaten sind daran beteiligt. Auch sie sterben da. Zu meiner Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten (die der Gauck glaube ich nicht vorgelesen hat, oder? Ich schaue nicht fern … ) habe ich den Kommentar eines Lesers stehen lassen, der sich wünschte, das die Verdienste der Soldaten in Afghanistan gewürdigt werden. Das hat mich etwas irritiert und ich wollte harsch antworten, bis ich das Geburtsjahr des Menschen sah: geboren 1949. Da war eigentlich alles klar: einer jener Menschen mit der „Gnade der späten Geburt“, der überhaupt keine Ahnung davon hat, was „Krieg“ bedeutet – wie die meisten Menschen hier. Krieg, das sind für diese Menschen Bilder: Bilder von Kampfflugzeugen, die über wilde Hügel donnern, Bilder von rasenden Panzerkollonnen, die durch die Steppe fegen, Bilder von fein gekleideten Soldaten, die mit sicherem Körperschutz wachend und kontrollierend so für die Kamera posieren, als wolle man später ein ritterliches Modell germanischer Götter aus ihnen machen. Krieg: das ist für sie der einsame Tigerpanzer im Kampf gegen die Sherman-Horden der Alliierten, Krieg, das ist der einsame Jagdflieger in seiner Focke-Wulf-190, der sich todesmutig den alles vernichtenden Bomberstürme entgegenwirft, Krieg, das ist der Landser mit der Panzerfaust, der die Horden russischer T 34/85 fast ganz allein aufhält. Der Landser erzählt solche Geschichten seit einem halben Jahrhundert.

Menschen, die noch weiter von der Wirklichkeit entfernt sind, haben nur noch Landkarten mit Fähnchen drauf im Sinn, die man lustig hin- und herschieben kann. Ich will an dieser Stelle nicht über den Afghanistan-Einsatz diskutieren. Was würden wir davon halten, wenn afghanische Truppen bei uns einmarschieren, ein paar Straßen, Schulen und Krankenhäuser instand setzen (oh – ich kenne da allein in der Eifel viele Objekte, um die man sich mal dringend kümmern muss) und nebenbei ein paar unserer Landsleute erschießen, die ihnen unethisch vorkommen? Man braucht nicht groß drüber nachzudenken – ganz schnell gäbe es hier Widerstand gegen die Besatzer, der dann wiederum der Beleg dafür ist, das wir Deutschen besetzt werden müssen.

Ich möchte lieber ein wenig über jene Menschen sprechen, die im Krieg immer Opfer sind – IMMER – und dafür NIE für ihren Heldenmut gewürdigt werden: die Kinder.

Mein Vater ist 1930 geboren. Den Krieg hat er in Norddeutschland erlebt – ganz weit hoch im Norden. Da war wenig los. Einmal griff ein Tiefflieger einen Zug an, der Minen geladen hatte, mein Vater stand daneben. Der Flieger traf nicht – aber beschäftigt hat diese Szene meinen Vater bis zu seinem Lebensende: er hat den Krieg verabscheut.

Meine Mutter – geboren 1934 – war da schlechter dran. Meine Großeltern hatten ein Gut an der polnischen Grenze – größer als ein Bauernhof, aber kleiner als ein ritterliches Landgut. Sie kam eines Morgens zu den Nachbarn zu Besuch: alle vier Kinder waren von den polnischen Partisanen mit ihren Zungen an den Tischen festgenagelt worden, die Eltern ebenfalls – sie waren zu freundlich zu Deutschen gewesen. Nur vor dem Hintergrund dieses Erlebnisses kann man verstehen, wie groß ihre Ängste waren, als sie einen ganzen Tag lang mitten im schlangenverseuchten Partisanenwald auf einer Decke verbrachte, um auf zwei Kleinkinder aufzupassen, während die Erwachsenen die Wälder nach Beeren absuchten.

Meine Mutter erzählt nicht gerne über den Krieg, ihr Gesicht versteinert, wenn sie darüber spricht. Am Meisten haben ihr die Jagdbomberangriffe zugesetzt. Nach der Flucht aus dem Osten hatten sie im Ruhrgebiet Zuflucht gefunden und den Bombenterror erlebt, erlebt, wie sich nach und nach die Schulklassen leerten, weil die Kinder in Einzelteilen zerfetzt über die Ruinen verteilt waren. Schlimmer als den Bombenterror fand sie aber die Tiefflieger, die auf alles schossen, was sich bewegte – auch auf Kinder. Auch auf sie. Mehrfach ist sie nur durch Glück entkommen. Sie weiß aber auch, wie glücklich sie war, als die Amerikaner kamen. Die gaben Kindern Schokolade … das waren noch jene Soldaten, die noch nicht gezielt zu völlig durchgeknallten Leichenschändern, Folterern und Körperteilsammlern umerzogen worden waren, die heute das Bild der US-Armee prägen. Der Einmarsch der US-Armee bedeutete: Schluss mit dem Bund Deutscher Mädels und jeglichem NS-Terror im Alltag.

Ich respektiere die Meinung meiner Mutter, das sie die Kriegsgräuel vergessen und verdrängen möchte. Es hilft wenig, wenn man beständig darin herumwühlt. Deshalb bin ich froh, eine weitere, ausführliche Darstellung von Kriegserlebnissen präsentieren zu können. Sie war für mich persönlich gedacht, eine Leserin hat sie mir geschickt – und ich wusste sofort: das muss irgendwie an die Öffentlichkeit. Offiziere und Historiker waren da ebenso meiner Meinung. Und da die Person heute Geburtstag hat, dachte ich mir: eine ideale Gelegenheit. Hier ist sie also, eine weitere Geschichte von dem, was Krieg wirklich ist:

Ich wurde am 30. Dezember 1938 in Hamburg geboren, also 8 Monate vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Der Krieg und die Situation in Hamburg brachten mir die ersten bewussten Erlebnisse meiner Kindheit.

Meiner nachtblinden Mutter musste ich ab dem 3. Lebensjahr den Weg zum nächsten Luftschutzkeller oder Bunker zeigen, in dem wir mit unseren Nachbarn gemeinsam den Sirenenton „Entwarnung“ abwarteten. Gemeinsam mit unseren Nachbarn erlebten wir den weiteren Schrecken, wenn wir feststellten, wer ausgebombt war, gemeinsam wurden Notquartiere bei denen, die verschont geblieben waren, eingerichtet. Das Wort „Gemeinsamkeit“ wurde für uns alle wichtig.

Dann wurden die Leichen, die teilweise stark verkohlt waren durch die Phosphorbomben der Engländer, identifiziert. Unsere Bäckersfrau wurde beispielsweise an den angeschmolzenen Ohrringen erkannt. Der englische Rundfunk wurde von den meisten unter Bergen von Kissen gehört, weil er genau voraussagte, wann die nächste Bomberflotte angreifen würde. Da es verboten war „Feindfunk“ anzuhören, standen zu jener Zeit die „Volksempfänger“ unter Decken und Kissen, denn die nationalsozialistischen Blockwarte verrieten jeden, der nicht die Verbote beachtete.

Das waren Menschen, die ihren Patriotismus auf eigenartige Weise auslebten. Allerdings waren die meisten von denen auch Organisationstalente, die die Wege zu den Bunkern und Kellern wiesen, sich um die Bergung der Verletzten und Toten kümmerten und Ausbrüche von Panik verhinderten und die Feuerlöscharbeiten koordinierten. Da sie wussten, wie viele Leute die Keller aufgesucht hatten, konnten sie danach auch sehr genau sagen, wie viele Verschüttete geborgen werden mussten.

Es gab vor etlichen Jahren einen Bericht von Wolf Biermann, dessen Beschreibung der schlimmsten Bombennacht Hamburgs 1943 haargenau auf meine Kindheitserinnerungen passte. Die durch die Hitze entfachten Feuerstürme tobten noch, als wir die Bunker verließen. Der Geruch von Phosphor quält mich noch heute – fast 70 Jahre später – in vielen meiner Träume.

 

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,258522-2,00.html

 

Unser Haus stand noch, als wir Ende August 1943 Hamburg verließen. Wir planten unseren Umzug zu meinen Großeltern nach Schneidemühl in Westpreußen. Dorthin kamen keine Flugzeuge der Engländer.

Meine Großmutter war eine kleine energische Person, die allerlei Kräuter und viel Gemüse im eigenen Garten anbaute, Marmeladen kochte, Bonbons herstellte, Seifen kochte. Die Weckgläser im Keller waren immer gut gefüllt.

Schneidemühl war ein riesiger Bahnverkehrsknotenpunkt. Mein Großvater war Lokomotivschlosser bei der Reichsbahn. Nach etlichen Jahren als Lokführer wurde er in den Innendienst versetzt, um dort seinen erlernten Beruf wieder auszuführen. Er arbeitete zusammen mit vielen russischen, halb verhungerten Zwangsarbeitern, um die notwendigen Reparaturen an den Lokomotiven auszuführen.

Ich erlebte mit, wie bei meinen Großeltern ein Mann einquartiert wurde, der eigentlich ganz nett war. Er brachte mir Kunststoffkistchen mit, in denen ich meine kleinen Schätze aufbewahren konnte. Eines Tages riet er meiner Großmutter, doch nicht immer so viel Butterbrote und Obst mitzugeben, weil mein Großvater das überwiegend an die Fremdarbeiter verteilte. Oma war ein Dickkopf, die meinen Großvater gegen den Willen ihrer Familie geheiratet hatte. Der Clan bestand aus vielen kaiserlichen Räten, ihre Heirat wurde als Mesalliance betrachtet. Und so antwortete sie dem Agenten, dass Opa so viele Brote mitbekam, wie er wünschte. Er sei schließlich der Mann, der das Geld heimbrachte. Außerdem hätten sie viele Kaninchen gezüchtet, so dass niemand Hunger litte. Und sie habe genug Vorräte gesammelt.

Eines Tages sehe ich meine Mutter und meine Großmutter am Fenster stehen (wir wohnten auf der dritten Etage) und höre sie rufen: Otto, komm rauf, Otto sag‘ nichts! Im Hauseingang hörte ich meinen Großvater brüllen: „Wenn ich wüsste, dass einer meiner Söhne an solchen Taten beteiligt wären, wollte ich, sie wären tot!“ Er meinte damit meinen Vater und meine beiden Onkel, die alle als Soldaten an der Front standen. Was hatte der fremde Informant meinem Großvater gesagt? Er hatte ihm die Situation des Judenaufstandes im Warschauer Ghetto und dessen blutige Niederschlagung erzählt. Siehe den Bericht

http://www.kerber-net.de/literatur/deutsch/reflexio/klemperer_lti/Ghetto_Aufstand_ard_txt.pdf

Ein Nachbar im Parterre hatte diesen Ausbruch verfolgt, mein Großvater wurde von der Gestapo zum Verhör abgeholt. Zusammen mit der Verpflegung für die Russen war das wohl zu viel Kritik am System. Ich habe meinen Großvater sehr vermisst und nicht mehr wiedergesehen. Er starb in 1948 in Schneidemühl. Nach der Befreiung durch die Russen und Polen wollte er mit Deutschland nichts mehr zu tun haben.

[Als mein Vater nach der Flucht im März 1954 in Berlin auf Flüchtlingsanerkennung wartete, traf er seine alte Sandkastenfreundin, die Tochter des Nachbarn zufällig auf der Straße in Berlin. Nach der ersten Wiedersehensfreude bat sie meinen Vater, ihrem Vater nichts zuleide zu tun. Der sei sehr schwer krank und wisse, dass er Unrecht getan habe. Dies war uns Bestätigung genug, dass es Herr Kleist gewesen war, der meinen Opa verraten hatte. Natürlich hat mein Vater nichts unternommen, aber von ihm weiß ich um die Ergänzung dessen, was ich damals in Schneidemühl im Spätherbst 1943 erlebt hatte.]

Fortan lebten wir ohne meinen Großvater, aber meine Großmutter pflanzte weiterhin Kräuter, nahm mich nachts mit in die großen Wälder Schneidemühls, um Heilkräuter und -wurzeln zu sammeln. Wir sangen Volkslieder und bewunderten den Mond. Dies waren schöne Kindheitserinnerungen.

Am 6. Januar 1945 wurden wir in einem Flüchtlingstreck gen Westen zusammengestellt. Ich hatte gerade meinen 6. Geburtstag gefeiert. Oma entschied sich, zwei Weidenkörbe mit etwa 20 Paar Schuhen zu packen, die Kleider, Jacken und Mäntel trug sie übereinander. Als Nachbarn sie fragten, ob sie nicht noch rasch die Weckgläser und Marmeladenvorräte, das Sauerkraut in Steinkrügen usw. zerschlagen wolle, bevor sie in Feindeshände fielen, meinte sie: Das werde ich nicht tun. Auch Feinde haben Hunger. Und vielleicht finden meine Söhne irgendwo auch noch etwas, was sie vor dem Hunger bewahrt. Ja, so war meine Oma. Ich liebte sie sehr und bin heute mehr als je zuvor stolz auf sie.

Der Winter 1944/1945 war einer der eisigsten des letzten Jahrhunderts. Die alten Männer im Treck schlugen abends Tannenzweige, um Hütten zu bauen, damit Frauen und Kinder vor Eis und Schnee Schutz fanden, schlugen vereiste Bäche auf, um Trinkwasser zu gewinnen. Im Januar und Februar 1945 wurde der Treck noch halbwegs von den älteren deutschen Männern versorgt. Streckenweise konnten wir in Viehwagen transportiert werden, jedoch kamen jetzt Fliegerangriffe aus dem Osten, die die Bahnlinien bombardierten. Die Front kam näher und der Kanonendonner wollte nicht enden. Die Stalinorgel, ein Raketenwerfer, bestehend aus vielen Einzelraketen, zermürbte die Gemüter.

Meine Großmutter, das Kräuterweiblein, konnte mit ihrem Wissen vielen Menschen auf der Flucht helfen. Erfrorene oder wundgelaufene Füße, Magenprobleme, Durchfälle, Fieberausbrüche, Flohstiche und Wanzenbisse, Arthrosen: Sie schien gegen alles ein Kräutlein zu kennen. Wir ernährten uns von Melde, Brennnesseln, Wurzeln.

Hier ein Bericht aus jenen Tagen, als die Fronten ständig wechselten:

http://alfreddezayas.com/Chapbooks/Flucht_de.shtml

Unsere Flucht endete zunächst in Steinwehr, einem Dorf bei Königsberg/Neumark. Die Bauerfamilie Bussian mit dem alten Großvater und zwei Söhnen der jungen Generation nahmen uns auf und teilten ihre Vorräte mit etwa 15 Leuten aus dem Flüchtlingstreck. Der Duft von geräuchertem Speck, Bratkartoffeln mit Rührei war himmlisch.

Die Front war jetzt eindeutig klar, die Russen waren angekommen. Als die Bäuerin an einem Frühlingsmorgen die Klappläden öffnete, schloss sie sie sofort wieder, holte ein weißes Betttuch und hängte es aus dem Fenster, als die Laden erneut geöffnet waren. Eine russische Kanone war direkt auf das Fenster gerichtet.

Etwa eine Stunde später kamen zwei russische Offiziere ins Haus, die hervorragend deutsch sprachen. Sie erklärten uns, die wir rund um den Kachelofen auf der Ofenbank saßen, dass der Krieg vorbei sei. Es werde noch einige Schwierigkeiten geben, aber dann sollten wir rasch auf die Kommandantur kommen und Hilfe holen. Die Anwesenden waren erleichtert: „Das sind ja Menschen“, meinten sie, denn das war nach all der Propaganda nicht erwartet worden. Später las ich bei Lew Kopelew (auch er war einer dieser Politoffiziere die die Menschen beruhigen sollten), wie er sich für das schämte, was danach allgemein geschah: Die Horden wurden von Stalin losgelassen.

Wir erlebten es dann so:

Lastwagen voller schlitzäugiger russischer Soldaten wurden herangekarrt. Sie liefen in die Häuser, holten sich die jungen Mädchen und Frauen heraus und vergewaltigten sie. Um unsere Mütter zu schützen, verbargen wir sie in den Kartoffelmieten unter den Fallböden der Scheune und schaufelten dann Stroh darauf. Dann warteten wir Kinder ab, dass der wilde Haufen weiterzöge. Einmal hatten wir die Mütter zu spät warnen können. Wir häuften Stroh auf und waren nicht sicher, ob die Frauen noch den Weg in die Fallgrube geschafft hatten. Als die Russen mit aufgepflanztem Bajonett in die Strohhaufen stachen, drehten wir uns um und liefen davon. Kein Schrei war hörbar, unsere Mütter hatten es noch einmal geschafft.

Der Begriff Tataren verband sich bei mir immer mit dem Anblick von Schlitzaugen, die bewusst von Stalin für solche Taten eingesetzt wurden, weil ihr in Deutschland ungewohnter Anblick Terror verbreitete.

Der alte Bauer Bussian war zusammen mit anderen alten Männern auf den Dorfanger verbracht worden. Wir hörten die Gewehrsalven und danach wurden die Söhne der Familien aufgefordert, die Leichname zu begraben.

Das Bauernhaus wurde beschlagnahmt für Offiziere. Wir mussten sofort hinaus, die Anwesenden wurden ihrer letzten Habseligkeiten beraubt, ein paar Kettchen, Pässe, Sparbücher, Kleidung wurden fortgenommen. Omas Schuhe waren schon vorher weggenommen worden. Eine alte Frau, die noch einmal in das Haus zurück ging, wurde erschossen. Die Leiche wurde von dem Erker aus auf die Straße geworfen. Das Aufklatschen des Leichnams werde ich nie vergessen.

So ist also der Krieg, wenn er vorüber ist, dachte ich bei mir. Aber es kam noch schlimmer. Unserem Treck schlossen sich jetzt auch die Einwohner des Bauerndorfes an. Wir wurden nach Wildenbruch, der Nachbargemeinde abgeschoben, wo wir im Herrenhaus zusammengepfercht wurden. Die Nahrungsmittel waren jetzt nicht mehr vorhanden. Wovon wir lebten? Keine Ahnung. Immerhin gab es vorerst Milch von den noch verbliebenen Kühen, die von den bäuerlichen Familien betreut wurden. Aber das Milchvieh war auch nicht mehr lange da.

Meine Mutter und ein jüngerer Sohn der Bussians, der nach einer Kinderlähmung verkrüppelt war, wurden zum Viehtreiben eingesetzt. Den siegreichen Russen wurde die Frischfleischbeute in Form von Kühen, Schweinen, Schafen nachgeschickt. Und meine Mama war eine der Viehtreiberinnen. Am 8. Mai 1945 war der Krieg offiziell vorbei. Meine Mutter war in Berlin, sah dort die Siegesfeiern der Alliierten und kehrte im Juni zu uns nach Wildenbruch zurück. Sie war eine seelisch zerbrochene Frau.

Unsere Flucht setzten wir von dort, also ziemlich verspätet, erneut fort. Wieder zumeist in Viehwagen. Bei einem Stopp auf freiem Feld, sprang ich aus dem Wagen und klaute unter den Augen der bewachenden Russen ein paar Kartoffeln. Meine Großmutter und Mutter waren gelähmt vor Angst, aber die Russen taten mir nichts. Oma verwendete die Kartoffeln, um für ein paar Leute Umschläge herzustellen. In unserem Waggon hatte man sich provisorische Kochstellen eingerichtet, die mit Zweigen und Laub beheizt wurden. Das war also wieder nichts mit ein paar Pellkartoffeln zum Abendessen!

Ich erinnere mich an den ausgebombten Bahnhof in Stettin. Irgendwo in der Nähe ging es über die Oder. Der Fluss war reißend und führte Hochwasser. Auf provisorischen Flößen wurden wir auf die westliche Oderseite übergesetzt. Und dort hörte ich eine Nachricht, die ich für eine große Lüge hielt: Es wären vor einigen Tagen zwei schlimme Bomben in Japan gefallen, die Millionen von Menschen getötet hätten. Da ich aus meinen Hamburger Erlebnissen wusste, dass es größerer Mengen an Bomben bedurfte, um Tausende von Menschen zu töten, empfand ich das, was ich da hörte, als Lüge. Damit dürfte diese Floßfahrt über die Oder zeitlich Mitte August 1945 stattgefunden haben.

Kurz vor Berlin trennten sich die Wege meiner Mutter und Großmutter. Sie wollte direkt weiter nach Westen, um von dort nach Cuxhaven zu kommen. Meine Mutter hatte zuvor gehört, dass die Amerikaner in Schwerin stünden. Dass die sich bereits längst nach Westen zurückgezogen hatten, wusste sie nicht.

In Schwerin angekommen, wurden wir in ein Sammelquartier im ehemaligen Hagel-Versicherungsgebäude (Wismarsche/Ecke Arsenalstraße) mit etwa hundert anderen Flüchtlingen zusammengepfercht. Es gab einen Wasserhahn, eine Toilette und ein Krankenzimmer im ersten Stock, in das man meine Mutter mit Typhus-Verdacht verlegte. Eine Krankenschwester namens Johanna Prepenz betreute die Kranken auf der Isolierstation, Frau Dunst und meine Mutter. Sie kümmerte sich um die Entlausung der Flüchtlinge, denn Haar- und Kleiderläuse waren unvermeidbar. Und sie kümmerte sich um mich. Mittags holte ich die Krankenkost für meine Mutter in der Krankenküche Schwerins ab. Den größten Anteil gab Schwester Johanna mir, weil meine Mama nicht mehr essen wollte. Nahrung, die einmal auf der Isolierstation war, wurde als kontaminiert entsorgt.

Wenn ich trotz aller Verbote meine Mutter besuchte, erhielt ich danach schon mal eine Tracht Prügel von den anderen Flüchtlingen, die Angst vor Ansteckung hatten. Und dann traf ich ein Mädchen, als ich vor dem Versicherungsgebäude auf den Stufen umher hüpfte. Sie fragte mich, wo meine Mutter sei und erzählte mir von ihren Puppen. Ich könne doch mit ihr gehen, sie wohne gerade um die Ecke in der Lübecker Straße. Natürlich wollte ich endlich mal wieder mit einer Puppe spielen, also ging ich mit. Es war nicht weit. Sie erzählte mir, dass ihre Großeltern im Keller wohnten, wo auch ihre Puppen seien. Ich müsse keine Angst haben, es sei halt dunkel dort.

Das Haus war ein Bau aus der Jahrhundertwende. Von der Straße aus ging man zur Rückfront des Flures und links davon öffnete das Mädchen eine Tür. Im Keller war es nachtschwarz. Ich stieß das Kind zurück und flüchtete. Als ich an der Treppe am Eingang vorbei lief, kam eine Frau von ca. 30 Jahren die Stufen herunter mit einer Axt in der Hand.

(Einige Jahre später hörte ich, dass man etliche Frauen und Männer in der Lübecker Straße verhaftet habe, die 1945 Kinder ermordet hatten. Das Fleisch dieser Kinder habe man eingekocht und als Kalbfleisch verkauft. Die Hungersnot war zu der Zeit riesengroß. Dies erzählte uns eine alte Schwerinerin.]

Ich war sehr verstört, auch weil ich dem Befehl meiner Mutter nicht gehorcht hatte, niemals mit Fremden mitzugehen. Als ich zur Hagelversicherung zurückkam, stand der Seuchenwagen vor der Tür. Bei dessen Anblick brach ich schreiend zusammen und warf mich in die Gosse. Eine Gestalt im Dunkel des Wagens richtete sich auf: „Kind, ich bin´s. Deine Mama ist noch oben, sie bleibt hier“. Frau Dunst starb einige Tage später im Seuchenkrankenhaus am Lewenberg. Ich rannte hoch zu meiner Mutter, und natürlich erwischte man mich, als ich ihr Krankenzimmer verließ. Meine Prügel von den anderen bezog ich erwartungsgemäß.

Mama war zum Skelett abgemagert. Dennoch ging sie mit ein paar ungebrannten Kaffeebohnen auf Hamsterfahrt nach Muess zu den Bauern, um etwas Nahrung zu besorgen. Die Krankenkost gab es ja nicht mehr. Die Straßenbahn fuhr bis Zippendorf. Den Rucksack hatte sie sich vor die Brust geschnallt, weil sie im Rücken zu schwach geworden war. Sie hatte etwas Brot, einige Getreidekörner, etwas Butter und Speck zurückgebracht von dieser Hamsterfahrt.

Es ist schade, das die Kunst der Kräuterfrauen in unserem Technik-Mittelalter ebenso ausgerottet wurde wie zu Zeiten der Hexenverbrennungen – wir könnten sie gut gebrauchen.

Persönliche Daten habe ich auf Wunsch gelöscht, die Namen von Helden des Alltages habe ich beibehalten, um ihr Andenken zu würdigen – was sonst wahrscheinlich noch nicht geschehen ist.

Gemeinschaft, Gemeinsamkeit, gegenseitige Hilfsbereitschaft – auch meine Mutter erzählt mir davon … und ist heute noch begeistert darüber, wie die Menschen damals waren, als die nationalsozialistische Kultur zusammenbrach. Heute muss ich ihr sagen, das diese Kultur wieder wächst – man schaue doch nur mal die Kommentare hier an, wenn ich die Lebensgeschichten von Arbeitslosen erzähle: da kommen die neuen Blockwarte sofort – und merken wahrscheinlich gar nicht, was sie da gerade tun.

Was mich an dieser Geschichte aber besonders ansprach, das sie den Krieg aus der Perspektive eines Kindes betrachtete – eines Kindes mit einer wunderbaren Großmutter. So erleben alle Kinder den Krieg – auch die Kinder aus Afghanistan, aus Syrien, aus dem Irak, aus Lybien und den anderen „Feindländern“ der Nato.

Als Zivilgesellschaft waren wir schon mal so weit, das wir das erkannt hatten. Die UNO sollte uns helfen, den Krieg selbst zu bekämpfen – jetzt ist sie ein Instrument geworden, das den Krieg gesellschaftsfähig macht – wieder einmal.

Und wieder einmal leiden Kinder darunter. Millionen Kinder – an die niemand dabei denkt, wenn er seine Fähnchen auf den Karten hin- und herschiebt. Sie sind „Kollateralschäden“ geworden, werden als solche verbrannt, verstümmelt, zerfetzt, zermalmt und in ihre Einzelteile zerlegt.

Eine Kultur, die so etwas pflegt, muss zwangsläufig den Atheismus predigen, den Antitheismus leben, sie muss den ganzen Tag inbrünstig beten, das es KEINEN Gott gibt und alles wirklich mit dem Tode zu Ende ist.

Es mag aber sein, das diese Gebete nicht wirken … dann Gnade Gott jenen, die Kinder bei lebendigem Leibe verbrannt haben – ich denke nur, er wird es nicht tun.

Nicht bei denen.

Die finden – wie andere Kindermörder auch – noch nicht mal Gnade im Knast für Schwerverbrecher … wo man heutzutage noch mehr Ethik findet als in den Generalstäben der Nato.

Ich denke, man sollte Geschichten wie diese jedem „Entscheider“ in Politik, Regierung und Generalstab zu lesen geben und sie offen fragen: sind Sie bereit, Kindern das anzutun?

Aber wahrscheinlich ist es dafür schon zu spät, die Weltfremdheit zu groß – und man bekommt als Antwort nur:

Unerträglichstes Sozialgewinsel.

Und diese Antwort hatte ich schon mal hier erhalten.

 

NICHT GELEBT, NICHT GELIEBT ! EINE NACHBETRACHTUNG

Am 06. Juli habe ich über Joel berichtet, dessen „Leben“ nur wenige Sekunden dauerte und darüber, dass sein Leichnam monatelang in der Chemnitzer Rechtsmedizin lag weil die deutscher Bürokratie eine Bestattung verhinderte. Wie nun heute die DRESDNER MOPO berichtet ist es dem Großmut des Chemnitzer Antea- Bestattungschef Andreas Morgenstern zu verdanken, dass Joel seinen Seelenfrieden auf dem Friedhof in Hohenstein gefunden hat. Aber auch Joels letzter Weg war ganz einsam. Weder Verwandte, welche es ja zweifellos gibt, noch der Bürgermeister, der mit dem „Fall Joel“ beauftragt war, standen nicht an den kleinen weißen Sarg und nahmen an der Beisetzung teil. Kein Einwohner der betroffenen Gemeinde, dem es Wert gewesen wäre, Joel auf seinen letzten Weg zu begleiten. Kein Vertreter vom Jugendamt, Kirchengemeinde, Kinderschutzvereine, keiner hat sich sehen lassen. TRAURIG, UNWÜRDIG, ERSCHÜTTERND, KEINE ANTEILNAHME von DENEN welche nach bekannt werden solcher Tragödien gerne mit dem Finger auf die Täter zeigen. Solch Verhalten zeigt die Verrohung der Gesellschaft im Bezug auf den Wert eines Lebens. Respekt und Hochachtung gilt den drei Mitarbeitern, welche Joel auf seinen letzten Weg begleitet haben und somit einen Teil der Würde von Joel erhielten. Fast täglich berichten Medien über solche Tragödien. Doch tragen nicht wir alle Mitschuld an der menschlichen Kälte, respektlosen Umgang untereinander?

Gestern bekam ich Kenntnis von folgender Pressemitteilung von T online vom 14. Juli 2011:

Eine Mutter in Saarbrücken hat sich möglicherweise das Leben genommen, nachdem ihr Kind verhungert war. Die Obduktion der 36-Jährigen und ihres zweijährigen Sohnes habe aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung der Leichen zwar keine eindeutigen Hinweise auf die Todesursache erbracht, sagte ein Polizeisprecher. Allerdings sei das Kind stark abgemagert gewesen und könnte deshalb möglicherweise verhungert sein…..Die Toten waren am Dienstag in einer von innen verschlossenen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Saarbrücken-Burbach gefunden worden.“ Über Ursache und Hintergründe dieser Tragödie ist nichts zu erfahren. Fakt ist aber, dass es auch hier eine Vorgeschichte gegeben hat. Und am Ende bleibt nur die Frage – WARUM und WESHALB konnte es soweit kommen, gibt es möglicherweise Verantwortliche, welche versagt haben? Hat denn kein Bewohner in den Mehrfamilienhaus das Leid gesehen ? Wir werden es möglicherweise, nein ich bin mir sicher nie, erfahren !!!!!

Ein Leserkommentar, zu der Tragödie, dürfte bei Beurteilung der möglichen Ursachen nicht ganz falsch liegen: „Immer mehr Meldungen dieser Art kommen vor. Kann das vielleicht an der sozialen Kälte in Deutschland liegen? Hauptsache unsere Regierung verteilt in anderen Ländern unser Steuergeld. In Deutschland breitet sich Armut und Hetze gegen Hartz 4 Menschen aus die keinen Job mehr kriegen. Dauert bestimmt nicht mehr lange, dann kommen solche Meldungen von Rentnern.“

Frank Ullrich

Wenn die Kinderseele zum „Amtsfall“ wird !

Am 04. Januar 2011 (!!!!!) kam die kleine Joel zur Welt, ihr Leben dauerte nur wenige Sekunden. Ihre Mutter erstickte den Säugling unmittelbar nach der Geburt und wurde hierfür zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Wie nun die Dresdner MOPO berichtet, ist Joel noch immer nicht beerdigt, ihr Leichnam liegt bis heute in der Chemnitzer Rechtsmedizin. Als Grund hierfür werden „fehlerhafte ausgefüllte Unterlagen zur Geburt, durch die Mutter“ als Begründung durch die zuständigen Ämter angegeben. WOCHEN, nachdem die Mutter ihr Kind umbrachte, musste sie ihren Kind erst einen Namen geben, eine zwingend notwendige VORSCHRIFT deutscher Bürokratie. Im weiteren, fehlten die Angaben über die Vaterschaft. Darüber konnte die Mutter aber keine Angaben machen, da sie von Anfang an beteuerte, dass sie selbst nicht wisse, wer als Vater in Frage kommt. Und so lange die Unterlagen nicht gemäß deutscher Bürokratie ausgestellt worden sind, findet die Kinderseele keine Ruhe, denn wer OFFIZIELL NICHT GEBOREN WORDE, kann OFFIZIELL NICHT GESTORBEN SEIN. Somit kann auch keine SOZIALBEERDIGUNG geplant werden. Willkommen in Deutschland-Bürokratie macht es möglich. Aber vielleicht ist das gar nicht der wirkliche Grund, wenn man die Presseberichte in diesen Fall zu Ende liest. Denn noch unklar ist, wer die KOSTEN für die Beerdigung trägt. Dies war auch Grund dafür, dass ein Mitarbeiter des Landratsamtes den Prozess verfolgte, in der Hoffnung die VATERSCHAFT klären zu können. Ob der Mitarbeiter des Landratsamtes, auch Anteil am Schicksal der kleinen Joel genommen hat? Wer weiß das schon. Wenn nicht, dann wäre das nachvollziehbar, weil er ja eine andere Aufgabe zu erfüllen hatte, nämlich die Klärung der Kostenfrage für eine Sozialbeerdigung. Ich schäme mich hier von einer Sozialbeerdigung zu schreiben. Der verantwortliche Bürgermeister Thomas Weikert (Linke) geht nun  eben von  einer Sozialbeerdigung aus. Was für eine makabere Behördenposse, wenn eine Babyleiche zum Verwaltungsakt wird.

Ich kann nur hoffen dass die kleine Kinderseele bald ihren Seelenfrieden finden wird!

Frank Ullrich

„Den Seinen gibt’s der Herr vom Staat“

Warum finanzieren Nicht-Christen über ihre Steuern die Kirche?
Warum erhalten andere Religionen nicht eine ähnliche Unterstützung, vom Staat?
Warum wird das Gebot der Trennung von Staat und Religion nicht eingehalten?

Fragen welche sich viele Bürgerinnen und Bürger und auch einige Politiker, FDP eingeschlossen, nach dem Kirchentag in Dresden stellen. Insgesamt hatte der Kirchentag von rund 14 Millionen Euro gekostet, mehr als die Hälfte – 7,9 Millionen Euro – steuerte die öffentliche Hand bei. Fürs Stadtfest gab es nur 50.000 Euro. Gleichzeitig werden immer mehr Kürzungen im Landesetat für staatlichen Zuschüsse beschlossen, etwa mit „Gottes Segen“?

Arrogant und Selbstherrlich äußern sich einer der Kirchenfürsten zu der Kritik. Landesbischof Jochen Bohl sieht hier nur „Minderheitsmeinungen“. Bei den parlamentarischen Beratungen über die Beiträge von Freistaat und Stadt habe es große Einmütigkeit gegeben. Kann schon sein. Fakt ist aber auch, dass der Steuerzahler nicht gefragt wurde und das etwas anders sieht. In Sachsen kosteten Alt-Entschädigungskosten den Steuerzahler 23 Millionen Euro jährlich. Ein neuer Beweis von „christlicher Nächstenliebe“ ist nun die Absicht von den Stadtpolitikern in Dresden, die QAD (Städtische Beschäftigungsgesellschaft) zu liquidieren. Die Stadt Dresden verabschiedet sich immer mehr von ihrer sozialen Verantwortung, denn die Bürger, welche am meisten Hilfe benötigen, sind wieder einmal die Verlierer. Und im weiteren stehen tausende Jobs auf der Kippe. Zehn Jahre brauchten die Politiker der Stadt, um festzustellen, dass die jährlichen Zuschüsse für die QAD gegen die EU-Beihilfe-Richtlinie verstoße, so die Begründung der Bürgermeister für Soziales und Finanzen. Da drängt sich die Frage auf, ob dies der eigentliche Grund ist, oder dient die späte Erkenntnis in Wirklichkeit einer „ weiteren willkommenen Einsparung“ im sozialen Bereich? Und was ist eigentlich mit den Zuschüssen für die Messe und Konzert-und Kongressgesellschaft? Wenn der „liebe Herrgott“ wirklich Lügen strafen könnte, dann müssten viele Politiker mit in Doppelreihe, vor dem „himmlischen Gericht,“ auf ihre Strafe warten.

Gott sei mit euch, ihr Diener Gottes.

Nachtrag:

Allein im Jahr 2009 erhielten die Kirchen in Deutschland, ihre Einrichtungen und Mitglieder (ohne Caritas und Diakonie) insgesamt 19,3 Milliarden Euro Steuergelder, darunter die Finanzierung des Religionsunterrichtes, Bauzuschüsse, Militär- und Polizeiseelsorge, der staatliche Einzug der Kirchensteuer oder der Steuereinnahme-Verzicht, weil die Kirchensteuer als Sonderausgabe geltend gemacht werden könne. ( Quelle: DNN)

 

Frank Ullrich

Die Kassen sind leer

DIE KASSEN SIND LEER – DAS SPARSCHWEIN AUCH

Lieber Werner, liebe Leser !

Ein Motto der Dresdner Sozialwacht lautet: DER SOZIALSTAAT MUSS VOR ORT VERDEITIGT WERDEN.
Land auf und Land ab, werden Kürzungen, egal in welchen gesellschaftlichen Bereichen diese stattfinden, von den Damen und Herren Politiker mit leeren Kassen begründet.
Doch wenn man sich mit den Kürzungen mal näher beschäftigt und die Ausgaben gegenüberstellt kann man doch ins grübeln kommen, für was so alles Geld vorhanden ist. Am besten wird dies bei den Kommunen sichtbar. Bei Kürzungen in Dresden, kann man sich kurz fassen, weil Überschaubar.
Ganz oben bei den Kürzungen, wie in der ganzen Bananenrepublik, stehen, wie könnte es anders sein, Soziale Leistungen und ein wenig wo anders. Und die Schuld sind immer die da OBEN POLITIKER von Land und Bund, welche eben keine Kohle raus rücken wollen.

Obwohl nun die Kassen und Sparschweine leer sind, staunen die Bürgerinnen und Bürger, was sich die Stadt Dresden so alles leistet oder leisten will und Geld ausgibt. Eine kleine, nicht vollständige Übersicht „sinnvoller“ Geldausgaben und Pläne der Stadt Dresden.

2 240 000 Millionen hat die Stadt Dresden für die Durchführung des Kirchentages zugeschossen. ( Nebenbei gab die Landesregierung noch 5 Millionen oben drauf und es fand für tausende Schüler kein Schulunterricht ab 31.05. statt ), bei gleichzeitiger Kürzung von ca. 1 Millionen Euro bei den Ausgaben im Kinder und Jugendbereich.

Mit 1,82 Millionen Euro entlastet die Stadt die Profis von Dynamo Dresden bei der Stadionmiete. Zusätzlich beschloss der Dresdner Stadtrat eine Finanzspritze in Höhe von 300 000 Euro, um eine von der DFL geforderte Bürgschaft vorweisen zu können.
Natürlich bin ich dafür, dass der Sport unterstützt wird, aber wenn, dann beim Breitensport (da werden die Mittel sehr niedrig gehalten oder wurden gekürzt) und nicht beim Profisport.

Um ihren guten Ruf einer Kunst- und Kulturstadt gerecht zu werden stimmte der Stadtrat dem Kunstwerk „Trichter“ zu, welcher sich im Bau befindet. Dieses „Kunstwerk“ wird von der Bevölkerung auch als „Klo-Kino“ bezeichnet, weil man beim Besuch des Selbigen das Ergebnis nach erfolgter Notdurft, in einen beleuchteten Abwasserkanal bestaunen kann. Die ursprünglich geplanten Baukosten dieses „Kunstwerkes sind von 180.000 EUR auf fast eine viertel Million Euro gestiegen. Die Kosten, nach Fertigstellung (Wartung,Reinigung), sind nicht eingerechnet.

Der Stadtrat beschloss den Bau eines Kulturkraftwerkes. Die Kosten hierfür sollten ursprünglich ca. 60 Millionen Euro betragen. Doch die Stadträte wollten klotzen nicht kleckern. Der vorgesehene Standort war den Hobbypolitikern nicht gut genug, ein neuer wurde festgelegt, was nun Mehrkosten von 25 Millionen nach sich zieht. Somit sind nun ca. 83 Millionen Euro für den Bau notwendig, Geld was man aber bisher gar nicht zur Verfügung hat, weil bisher nur ca. 45 Millionen Euro abgesichert sind. Wo der Rest herkommen soll, weiß nur der liebe Gott oder wer auch immer.

Und da ist noch der Umbau des Kulturpalastes Dresden. Nach den Angaben des Rathauses wird das Vorhaben rund 70,5 Millionen Euro kosten und damit nur wenig mehr als die 2006 kalkulierten 65 Millionen Euro.

Die Kassen sind leer, dass Sparschwein auch, sagen die Politiker Land auf, Land ab. Das dürfte wohl für die Begründung bei Kürzungen im Sozialen Bereich zutreffen. Das „geraubte Geld“ wird wohl wie oben beschrieben, „sinnvoller“ genutzt. Und wenn es nicht reichen sollte, wird wohl weiter im Sozialen Bereich gekürzt, Steuern und Abgaben erhöht. Das passt schon. Und deshalb ist es wichtig, dass man kritische Nachfragen stellt und den Politikern, egal in welcher Führungsebene sie ihr Unwesen treiben, auf die Finger schaut.

Frank Ullrich
Dresdner Sozialwacht

Ghettos in Dresden

Hallo lieber Werner !
Der Tag der Sklavenarbeit neigt sich dem Ende und die alten Sprechblasen, GLEICHER LOHN FÜR GLEICHE ARBEIT, sind verklungen. Die Gewerkschaften geben sich kämpferisch, im Wissen der eigenen Verantwortung für Sklavenlohn, Erpressung der Arbeitnehmer durch die Wirtschaftslumpen. Seit an Seit mit den Bossen der Wirtschaft, haben die Gewerkschaften die Verrohung des Arbeitsmarktes mit beschlossen und dessen Umsetzung hingenommen. Die Auswirkungen und Folgen sind sichtbar bei den Verlierern der Gesellschaft.

 

Ghettos in Dresden – Wo die geballte Armut wohnt !

Millionen Menschen besuchen jährlich „ELBFLORENZ“, wie Dresden auch genannt wird. Man bestaunt die historischen Bauten und erfreut sich über nicht wenige Sehenswürdigkeiten. Was den Besuchern weniger bekannt sein dürfte  und nicht gesehen wird, ist die wachsende Armut. Die Armut ist „erfolgreich“ an den Rand der Stadt gesteuert worden. Schließlich passt dies nicht zur Außendarstellung Dresdens und der geschönten Politik der regierenden Parteien.
Die Armut wurde in die  Plattenbau-Stadtteile faktisch heimisch gemacht. Die freitags SZ sieht  in ihrer Ausgabe  vom 29.04.2011 einen Grund, in den „relativ günstigen Mieten“.
Man kann es auch anders ausdrücken, die Armen  wurden aus den Stadtkern ENTMIETET , weil dort wohnen den BESSERVERDIENENDEN vorbehalten ist, oder Wohnraum dem Bau von Luxushotels und anderen Annehmlichkeiten der SCHÖNEN UND REICHEN zum Opfer gefallen ist. Und was soll ich sagen, ich gehöre einmal zu den Sieger, denn der Plattenbau-Stadtteil Dresden Prohlis, wo auch mein zu Hause ist, ist der Stadtteil wo die absolute geballte Armut wohnt. Hier ist der höchste Anteil von Hartz-IV-Empfängern und Arbeitslosen in Dresden festzustellen.
Laut Statistik zur sozialen Lage wurde ermittelt, dass Prohlis-Süd  mit „36,8 Prozent Sozialhilfeempfängern auf Platz eins, Prohlis-Nord mit 30 Prozent auf Platz drei kommt“. Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen leben in Dresden Prohlis von Hartz IV. Und ebenfalls ist hier ein hoher Altersdurchschnitt festzustellen. Besonders beeindruckend ist die Feststellung, dass auf Grund grassierenden Armut in Prohlis,  „das Fehlen normaler Gaststätten“ , „Die Leute sagen, dass ihnen Gaststätten fehlen, aber sie gehen nicht hin“ was zur folge hat, dass die Menschen somit „ihre Wirte nicht ernähren können.“ Aber eine gute Nachricht gibt es dann doch noch und amtlich festgestellt:
Aber der Stadtteil ist vergleichsweise sauber. Darauf weist Liselotte Gründel stolz hin, die Vorsitzende der Bürgerinitiative Prohlis. Auch Katrin Kircher, die im Planungsamt für Stadterneuerung zuständig ist, stellt fest: „Man sieht es dem Viertel nicht an, dass er besonderen Entwicklungsbedarf hat.“ Die Bewohner haben ihre Würde bewahrt und wehren sich gegen Verwahrlosung.
JA WAS GLAUBT IHR DENN , DASS ARME MENSCHEN KEINE WÜRDE HABEN UND SICH DER VERWAHRLOSUNG HINGEBEN , WIE POLITIKER DER MEINUNG SIND !!!

Frank Ullrich
Dresdner Sozialwacht

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