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KiK und der Kampf gegen Armut in Deutschland

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Mittwoch, 1.7.2015. Eifel. Ja – ich habe es nun verstanden. Wurde mir ja oft gepredigt: Kauft nicht bei KiK, denn da stimmt einiges nicht. Mein Kopf versteht das sofort: ich kenne die Berichte der staatstragenden Medien sehr gut: Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen, Druck, scharfe Kontrollen, Tricksereien: das Erste hat oft genug darüber berichtet. Man kann ja auch gar nicht oft genug darüber berichten, was in der Welt der Wirtschaft so an Missständen vorhanden ist: mit der Ausbeutung von Schwächeren läßt sich halt gut Geld machen. Nehmen wir zum Beispiel Disney. Ja – die, die die beliebten Kinderfilme drehen und einen riesigen Reibach damit machen. Sie haben sicher auch schon ein paar Dutzend Disneyfilme gesehen – Sie, der sie nicht bei KiK einkaufen müssen, können sich Kinobesuche ja auch noch leisten. Darf ich Ihnen dazu mal etwas erzählen, was seltsamerweise nicht im Ersten oder auf RTL gesendet wird?

„Im Herbst 2002 wurde durch eine Untersuchung der International Transport Workers Association bekannt unter welchen Bedingungen die Angestellten luxuriöser Walt-Disney-Kreuzfahrtschiffe wie etwa „Disney Magic“ arbeiten müssen: Sie haben extrem lange Arbeitszeiten – bis zu 16 Stunden täglich, sieben Tage in der Woche – und sind unterbezahlt“ (aus: Klaus Werner/Hans Weiss, Das neue Schwarzbuch Markenfirmen, 5. Auflage 2009, Seite 295).

Was bei Disney „unterbezahlt“ heißt, kann man ebenfalls nachlesen:

18 Stunden Arbeitszeit täglich, durchgehend an sieben Tagen die Woche, viele Monate lang. Sechzehnjährige Frauen erhielten pro Monat zwischen 38 und 63 Euro. (Werner/Weiss, a.a.O.)

Und – gibt es eine große Kampagne gegen Disney? „Schaut keine Disneyfilme!!!“ – suche ich vergebens in den deutschen Medien, aber ein „kauft nicht bei KiK“ höre ich schon in den Eifeldörfern.

Wissen Sie, wer noch alles an Kinderarbeit gut verdient hat? Nestle zum Beispiel: hier findet man sogar Kindersklaverei (Werner/Weiss, a.a.O., Seite 334), McDonalds (hier gab es Kinderarbeit sogar in England, siehe Werner/Weiss a.a.O, Seite 328). Nike (Werner/Weiss a.a.O, Seite 336), Adidas (Werner/Weiss a.a.O, Seite 264). Coca Cola (Werner/Weiss a.a.O, Seite 284), die neben der Kinderarbeit auch die Aussendung von Todesschwadronen gegen Gewerkschafter zu verantworten haben. Die Auflistung ließe sich endlos fortsetzen … aber wer ruft schon zum Boykott gegen Adidas, Nike oder Coca Cola auf?

Doch wir wollen uns heute gar nicht mit den endlosen Verfehlungen von Großkonzernen beschäftigen, die in der einen oder anderen Form tagtäglich laufen und auch laufen müssen: Konzerne sind gesetzlich zur Maximierung der Rendite verpflichtet, nicht zur Maximierung der Lebensqualität von Mitmenschen – und das Management hat nur noch die Aufgabe, so viel Rendite wie möglich bei möglichst wenig auffälliger Ausbeutung der Mitmenschen zu erwirtschaften. Die Schuld an dieser Misere tragen ganz allein SIE. Sie sind der Souverän des Landes, Sie machen die Gesetze … bzw. lassen sie machen.

Kommt Ihnen nicht so vor? Na – einfach mal weniger „shoppen“, weniger Disney gucken, weniger Cola trinken und mehr über die politischen Wirklichkeiten im Land erfahren, dann würden Sie sehen, dass letztendlich der Souverän des Landes die Verantwortung trägt.

Die wollen Sie doch auch gerne den Kunden von KIK aufbürden, oder? Jenem Geschäft, das in seinem Namen „Kunde ist König“ trägt. Es ist ja auch leicht, den KiK-Kunden die Verantwortung zu übertragen: es ist nicht sonderlich „hip“ noch sonderlich modisch, was man dort findet – aber es reicht aus, um nicht nackt oder in Fetzen durch die Gegend laufen zu müssen. KiK – ist preiswert … was auch meiner persönlichen Börse sehr entgegenkommt.

Es ist leicht, zu fordern „kauft nicht bei KiK“, leicht, das „Prekariat“, die überhaupt erst durch staatlichen Willen und staatliche Zwangsmaßnahmen sowie großer Mediengewalt gestaltete und geformte Unterschicht wegen ihres Kaufverhaltens zu verfolgen, während man mit seinen Nike-Schuhen im Kino Disney-Filme guckt und dabei eine kühle Coke schlürft. Es ist auch verständlich, dass man sich gegen Kinderarbeit und Ausbeutung wehrt – doch vergisst man schnell, dass es nicht der Konsument ist, der hier die Hauptlast der Verantwortung tragen sollte: die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die Unarten des Neokapitalismus, die durch mangelnde Staatsgewalt grenzenlos ausufern können, sind die Ursache sämtlicher Verwerfungen: allein ein Importverbot von Schmuddelware könnte hier schon Wunder wirken – auch auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Aber das will der Souverän ja gar nicht: ein solches Importverbot würde ja die Gewinne der Globalisierungsfreunde schmälern, die EXTRA dort produzieren, wo für Arbeit nichts gezahlt wird – oder jedenfalls nichts, was einem hilft, ein souveränes, selbstbestimmtes Leben zu leben.

Doch bleiben wir bei der Verfolgung der KiK-Kunden, denen man implizit eine aus Armut geborene Unmoral vorwirft – obwohl sie eigentlich nur preiswerte T-Shirts und Unterhosen für ihre Kinder kaufen wollten, ohne damit gleich einen  Auftrag zur Massenvernichtung durch Arbeit zu erteilen. Was sollten sie auch tun?

Nun – der Adidas-Blockwart weiß sofort Bescheid: mehr Geld verdienen, damit sie ordentlich einkaufen können – zum Beispiel bei Otto, Reebock oder H&M – alles Firmen, die im Schwarbuch Markenfirmen wegen ausbeuterischer Maßnahmen angeklagt wurden (Werner/Weiss a.a.O, Stichwort: „Firmenportraits).

Doch wie sollen sie das machen?

Nun – ganz einfach: wir verdienen Unsummen im Export, letztes Jahr waren es 1,13 Billionen Euro – als 1130 Milliarden – die wir als Erlös von Verkäufen im Ausland eingenommen haben. Dort kann man noch richtig verdienen. Was sind unsere Hauptexportschlager?

Autos – 202 Milliarden

Maschinen – 165 Milliarden

Chemische Erzeugnisse – 107 Milliarden (Quelle zum Export: Statista).

Nun raten Sie mal, wer unsere teuren Autos kauft?

Sie wissen es nicht?

Ich kann es Ihnen sagen: wer in der Pyramide der Ausbeutungskette ganz oben sitzt, fern von den Betrieben, in denen Arbeiterinnen barfuß in  Chemiebrühe stehen müssen ( wie z.B. bei Deichmann, Werner/Weiss a.a.O, Seite 289). Gibt es eigentlich Kampagnen gegen die Produktion in China – oder den Verkauf von Luxusgütern in Ausbeuterländern? Nein? Wie verblüffend – aber wenn arme Menschen bei KiK einkaufen, da brüllt der Mob auf einmal.

Man merkt ja auch, warum. Die, die am meisten Dreck am Stecken haben, schreien immer am Lautesten „haltet den Dieb!“. Autos zum Beispiel – sind giftiger Sondermüll auf vier Rädern. Doch, bitte: lesen Sie in einem älteren Spiegel nach (siehe Spiegel, Ausgabe 37/1989)

„Allmählich erst erschließt sich Politikern und Umweltschützern, daß jedes Auto, genaugenommen, ein Stück Sondermüll auf Rädern ist. Zu gut einem Drittel bestehen Kraftfahrzeuge aus Umweltgiften oder anderen schwer zu entsorgenden Materialien.

Ein Auto enthält nicht nur – in Armaturen, Blinkleuchten, Fußmatten, Polstern, Isoliermatten oder Karosserieteilen – bis zu 30 Kunststoffarten, sondern auch gefährliche Batteriesäuren, Bremsflüssigkeiten und Getriebeöle, Schmierfette, Metallic-Lacke und Elektronikteile.“

Wir verseuchen weltweit die Umwelt mit Sondermüll auf Rädern – und verdienen uns dumm und dämlich daran, sind sogar Meister der weltweiten Umweltzerstörung und Ressourcenvernichtung infolge von … „Fahrspaß“.  Das ist dann „gut“ – und wer gut ist, darf auch Kinderarbeit von Adidas, Nike und Disney konsumieren. Wer böse ist, kauft bei KiK. Noch ein Sonderblick auf unseren SUV-Wahn: je größer das Auto, umso mehr Müll bleibt letztlich in der Landschaft liegen, wenn der Wagen „durch“ ist. Aber wer denkt schon so weit von diesen „guten“ Menschen.

Zurück zu KiK. Zurück zu den Kunden, die sich entschlossen haben (oder dazu verurteilt wurden), ihr Leben auf niedrigstem Ressourcenverbrauch (sprich: Geld) zu gestalten, zurück zu einem Unternehmen, dass in Deutschland etwas ganz Besonderes macht: sich aktiv in den Kampf gegen Armut zu engagieren, in dem sie Ware anbieten, die es auch ärmsten Menschen erlaubt, nicht in Lumpen herumlaufen zu müssen – was anderen sicher gut gefallen würde, da man dann die Unterschicht deutlicher erkennen könnte.

Ja – das ist die andere Seite von KiK, eine Seite, die Bessermenschen nicht sehen brauchen. Sie richten ihren Blick auf die Kinderarbeit (die bei ihren Lieblingskonzernen zwecks Sicherung der eigenen Überversorgung mit Tauschmitteln selbstverständlich völlig aktzeptabel ist) und sehen nicht, dass KiK mehr zur Linderung der Folgen der Armut in Deutschland beiträgt als die „Nobelmarken“, die die Ausbeuter, Anlagebetrüger, Steuerhinterzieher, Menschenhändler, Drogenbarone und Waffenschieber mit Luxusautos und anderen Statussymbolen aussttatten und damit sogar den Zielen der rot-grünen Bundesregierung zuwiderhandelt: sie vermindern den „Druck“, den Politik gezielt auf Arme ausüben wollte und will, in dem sie Preise bieten, die Arme nicht überfordern.

Wer sich im Übrigen auch noch im Kampf gegen die Armut in Deutschland auszeichnet, sind die Konzerne E-Bay und Amazon – ebenfalls viel und gern gescholtene Bösewichter … während man über die Verfehlungen von Siemens, Exxon, Ford, Shell, Tommy Hilfiger, Unilever, Aldi, C&A, Daimler-Chrysler, Knoll, Kraft, Levi Strauss und Triumph gerne verständnisvoll hinwegsieht, damit sich noble Bessermenschenmythen nicht in Rauch auflösen und man erkennen muss, dass die ganze Maschine schlecht ist, die gerade den Planeten auffrisst – und nicht nur jener Teil von ihr, der hilft, die Folgen der Armut zu lindern.

Wer nun entsetzt ist über diese Worte, der sei daran erinnert, dass dies ein Nachdenkmagazin ist – und keine Bessermenschenpropagandaschleuder. Klar sind die Arbeitsbedingungen bei KiK schlecht – aber wo finden wir denn heutzutage noch richtig gute Arbeitsbedingungen? Sicher beuten Zulieferbetriebe Menschen aus – aber was meinen Sie denn, warum ALLE in Billigländern produzieren und sich dabei eine goldene Nase verdienen, die hierzulande dann der Firma Porsche enorme Gewinne beschert, von denen die Mitarbeiter dann in der Karibik den dicken Mann machen können?

Es ist der Sinn von Globalisierung, die Armen der Welt auszuplündern – und wir machen da ganz vorne mit. Wir alle. Und wer ressourcengierig mit dem SUV vor dem Bioladen posiert, gebräunt von vier Wochen Urlaub in Neuseeland, gehört zu der Spitze der Weltvernichter – und nicht die arme Mutter, die bei KiK einkauft, damit ihre Kinder von Arschlochkindern in der Schule etwas weniger Häme bekommen, weil sie wenigstens mal was „Neues“ anhaben.

Insofern: Danke KiK für den engagierten Kampf gegen die Folgen der Armut in Deutschland.

PS: wenn Sie sich gegen Kinderarbeit engagieren wollen – gern! Ich empfehle da ganz oben anzufangen – bei der Kinderarbeit in den USA (siehe Huffingtonpost). Wie man der dem Artikel dort beiliegenden Karte entnehmen kann … ist Kinderarbeit Standard in der Welt.  Deshalb produzieren unsere Arbeitgeber dort auch gern.

 

 

USA und Kanada fordern Hinrichtung von Wiki-Leaks-Verantwortlichen – und das Ende der freien Welt

Es wird der Moment kommen, wo man erkennen muß, das es zu spät ist, die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in eine neue Barbarei zu stoppen. Es mag sein, das der Moment schon jetzt da ist – wenn man die WELT ernst nehmen darf:

„Es gab sogar Rufe nach einer Ermordung von Julian Assange.“ Deshalb fürchte Assange zurecht um seine Sicherheit, sagte Hrafnsson. Der Wikileaks-Gründer werde sich deshalb weiter versteckt halten. Hrafnsson reagierte offensichtlich auf Aussagen aus Nordamerika. In den USA hatte der frühere republikanische Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, Medienberichten zufolge gefordert, dass der Verantwortliche für die Wikileaks-Enthüllungen wegen Verrats angeklagt und hingerichtet werden solle.

In Kanada sagte ein Berater von Regierungschef Stephen Harper – offensichtlich ironisch – im Fernsehen, Assange sollte „getötet werden“ und US-Präsident Barack Obama könnte „eine Drohne nutzen“.

Man fragt sich, warum es diese Aufregung gibt.  Selbst wenn man bislang der Meinung war, das die herrschende Kaste in den USA respektvoll und voller Hochachtung über den Rest der Welt gesprochen hat, so ist es doch weniger der Tatbestand der Veröffentlichung, der Zorn erregen sollte, sondern die Arroganz und Verachtung, mit denen diese Kommentare formuliert werden.

Geht man nur mit Gewalt gegen den Boten vor … so zeigt man vor allem eins: man möchte an der eigenen Einstellung nichts ändern.

Was ist so fürchterlich an der Einschätzung der Demokratie in Russland? Ständige Ermordungen von kritischen Journalisten zeigen, das man dort wache informierte Bürger genauso wenig schätzt wie in den USA. Und die Macht mafiöser Strukturen in Russland ist doch kein Geheimnis, erst kürzlich konnte man im Spiegel darüber lesen:

Sie morden, brandschatzen, vergewaltigen: In russischen Provinznestern herrschen schwerkriminelle Banden, denen die Staatsmacht kampflos das Feld überlassen hat. Die verzweifelten Bürger flehen um Hilfe, aber wer soll ihnen beistehen?

Es sind Bilder aus einer Zukunft, die auch in Deutschland möglich geworden ist, einer Zukunft, auf die wir gezielt hinarbeiten. In den Idealvorstellungen der Konzernwelten brauchen wir zur Leistungsoptimierung in unteren gesellschaftlichen Schichten eine dicke Portion realer Grausamkeit – nichts anderes ist der Hintergedanke zu Hartz IV.

Diese Entwicklung bedroht die gesamte menschliche Zivilisation, deren mächtigere Bewohner überwiegend ihre Zeit vor dem Fernseher verbringen – in früheren Zeiten hätte man gesagt: in der Arena den Gladiatorenkämpfen und Christenverfolgungen zuschauen.

Meldungen wie die in der heutigen Ausgabe des „Spiegel“ sind doch wirklich nicht so umwerfend neu … noch kommt es unerwartet:

Etliche US-Depeschen aus dem WikiLeaks-Fundus erschüttern den Glauben an den Rechtsstaat Russland. Argwöhnisch beobachten die Diplomaten die wachsende Macht mafiöser Clans und Großkrimineller – und deren angebliche Kontakte in die Moskauer Staatsspitze.

Je größer die Herrschaft der Konzerne umso schwächer wird der Staat. Je schwächer der Staat wird, umso größer wird die Gefahr, das kriminelle Banden sich in Nischen festsetzen. So hat sich der Adel vor Jahrtausenden etabliert. Um Mao zu zitieren: Macht kommt aus den Läufen der Gewehre – und je ohnmächtiger das Volk (der SOUVERÄN) ist, umso größer wird der Wunsch nach Macht, um sich schützen zu können.

Es ist die Zukunftsvision einer Vivianne Forrester, auf die die neoliberale Wirtschaftspolitik mit großen Schritten zumarschiert:  sichere Konzernnetzwerke, in deren Machtbereich sicheres Leben möglich ist – Disney hat es mit Celebration laut archinform schon mal vorgemacht:

Cele­brated, also g efeiert, verherrlicht wird hier die heile Welt, wie sie Disney vor schwebt, denn der Kon zern hat sich vor ge nom­men, nach der perfekt illusionierten Traumwelt nun auch die Wirklickeit in Ordnung zu bringen ‒ wenigstens auf dem eige­nen claim. Wie die synthetische Kleinstadt Celebration also sieht die amerikanische Idealwelt aus, proper, clean und ohne soziale Probleme, ein »Prototyp für das kommende Jahrtausend«, so Disney-Chef Michael Eisner.

Alle kritisieren die Schaffung von „Parallelwelten“ durch Immigranten – kaum jemand fällt auf, das Konzerne mit ihrer unglaublichen Macht beginnen, ihre eigene Realität und Wirklichkeit zu bauen, in der Demokratie keinen Platz mehr hat. „Soziale Probleme“ bleiben draußen, und damit die auch wirklich draußen bleiben und sich nicht Widerstand organisieren, ist es gut, wenn die Gesellschaft in hohem Maße kriminalisiert wird. „Herrenmenschen“ leben sicher in den Siedlungszentren während der Rest im verwüsteten, ausgeplünderten Niemandsland vor sich hin vegetiert, wo Banden dafür sorgen, das es keinerlei sinnstiftende Organisation mehr gibt.

Eine Horrorversion der Zukunft – für die meisten von uns. Und doch ist sie unaufhaltsam, sofern man nicht die Wurzeln der Entwicklung erkennt. Eine außer Rand und Band geratene Wirtschaftsordnung ist so gefährlich für die Demokratie wie eine außer Rand und Band geratene Militärmaschine. Letztere haben wir gezähmt, das kann uns mit ersterer auch gelingen – aber nur dann, wenn wir bereit sind, über den Tellerrand hinaus zu schauen und das wahrzunehmen, was in den inneren Zirkeln der Macht gedacht und geplant wird.

Einen Ausblick darauf haben wir durch Wikileaks erhalten. Russland zeigt, wie schwach Staaten werden können, wenn sie unvorbereitet der Korporatokratie vor die Füße fallen – sie werden einfach aufgekauft, wer dagegen ist, wird erschossen.

Schon lange reden wir nicht mehr von der freien Welt, die uns früher Tag für Tag gepredigt wurde. An die glaubt auch kaum noch einer, sie hat ihre Bedeutung verloren, war nur im Kampf gegen die Sowjetunion eine Zeit lang nützlich. Jetzt, wo dieser Garant für die Machtbegrenzung der Korporatokratie gefallen ist, zeigt der Westen, das nicht die Demokratie sein Hauptantriebsmotor war, sondern der Wille der Konzerne zur grenzenlosen Machtentfaltung.

Das Ende der freien Welt kam mit dem Ende der Sowjetunion, deren Bürger die blutigen Folgen dieses Endes am eigenen Leib erleben. Die Korporatokratie freut sich, denn in der Sowjetunion sind einige neue Geldpressmaschinen geboren worden, die noch mehr Arbeitskraft in Finanztitel auf Konten einfrieren und das Volk in Folge im Elend verrotten lassen.

In Deutschland können Millionen Menschen das Ende der Freiheit und die Macht der Konzerne am eigenen Leib erleben … aber kaum jemand stört sich darum, weil es von breiten Bevölkerungsschichten als „gerecht“ empfunden wird: Agenda 2010 ist ein reines Konzernprodukt. Ein weiterer Endpunkt der Freiheit – im Prinzip (aber nicht von der Qualität her) gleich mit den Morddrohungen gegenüber Wikileaks – ist der Jugendmedienstaatsvertrag, der momentan die Freiheit der politischen Meinungsbildung im Internet anzugreifen droht.

Hier … hat man zwei Felder, wo man selber vor Ort etwas zur Rettung der freien Welt tun kann….wenn man möchte. Ich schätze mal, die Mehrheit hofft lieber auf einen Platz in den Luxusarchen der Konzerneigner – allerdings brauchen die nur noch 20% der Bevölkerung, Tendenz sinkend. Kann sich ja jeder selbst ausrechnen, wie groß seine Chancen sind, in den „Celebration“-Ablegern aufgenommen zu werden.

Ansonsten … sollte man sich gut überlegen, ob man diesen Konzern (Artikel im Spiegel) noch unterstützen möchte:

WikiLeaks verliert seine US-Heimat im Internet. Dienstleister Amazon untersagte dem Enthüllungsportal die Nutzung seiner Server – offenbar hatte Washington auf diesen Schritt gedrängt. Die WikiLeaks-Webseite ist nun über einen schwedischen Anbieter zu erreichen.


Der Tod des Kommunismus, der Demokratie, der Liebe und der Welt durch … Korruption und Materialismus

Deutschland atmet auf:  laut Spiegel wird wieder GELD verteilt:

Die Besitzer von Dax-Aktien können sich freuen: Laut einem Zeitungsbericht werden die 30 größten börsennotierten Konzerne Deutschlands im Frühjahr insgesamt 25 Milliarden Euro Dividende ausschütten. Damit ist der Rekordwert aus dem Boomjahr 2007 schon fast wieder erreicht.

So eine Botschaft ist zu diesem Zeitpunkt gern gesehen. Weihnachten steht vor der Tür … und da kriegen laut Manager-Magazin nicht nur Kinder leuchtende Augen:

Der Einzelhandel setzt im Weihnachtsgeschäft voll auf Menschen mit hohem Einkommen. Offenbar zu Recht: Kauflustige Gutverdiener könnten die ganze Branche für die Entbehrungen vergangener Jahre entschädigen, erwarten Experten. Die Vorlieben Gutsituierter spielen manchen Branchen besonders in die Hände.

Die Zahl der Menschen, die von diesem Wohlstand profitieren, steigt ständig. Es gibt immer mehr Menschen, die immer mehr Geld haben und immer mehr Menschen, die immer weniger haben, aber über die … reden wir nicht. Jedenfalls meint dies Hubertus Heil von der SPD in der Welt:

Heil: Ende 2010 müssen wir nicht mehr über die Agenda 2010 diskutieren, sondern müssen das kommende Jahrzehnt in den Blick nehmen. Wenn wir richtig handeln, kann Deutschland bis 2020 Vollbeschäftigung erreichen. Ich halte es für möglich, dass wir in fünf Jahren weniger als eine Million Arbeitslose haben.

Ein ungeahnter Wohlstand bricht über uns herein … über manche von uns. Erinnert irgendwie an den Katholizismus, der seinen Freunden auch immer ein paar Heilige vorgeführt hat, die jetzt schon da sind, wo wir alle mal hinkommen werden. Das Prinzip ist immer dasselbe: in der Zukunft machen wir für euch alles heil.

Katholizismus ist eine Strömung, die deutlich zunimmt, ebenso wie auch der Islam. Kommunismus, ein weiterer Kandidat von „in Zukunft machen wir alles heil“, verabschiedet sich gerade. Wenn man Materialismus predigt, sollte man auch genug produzieren können, um sich viele Leute mit Geschenken kaufen zu können – so haben die Kolonisatoren auch Fuß gefaßt – mit Glasperlen. Deshalb siegte die kapitalistische Strömung des Materialismus über die kommunistische Strömung – schlichtweg einfach durch Korruption. Man kauft einfach ganze Volksschichten sowie alle Funktionseliten und schon hat man die Kontrolle.

Viele freuen sich ja, das der Kommunismus tot ist. Soll ja nicht so lustig gewesen sein, in dem real existierenden Sozialismus. Gab halt keine Glasperlen … und deshalb lief das Volk in Scharen davon, sobald es die Gelegenheit hatte.  Das Volk will Brot und Spiele – jedenfalls in Zeiten spätrömischer Dekadenz. Dabei müßte jedem klar sein, der den demokratischen Ansatz bis zum Ende durchdenkt, das die ideale Demokratie sich vom Utopia des Kommunismus kaum unterscheiden kann – ohne wirtschaftliche Souveränität des Individuums nützt ihm die politische Souveränität wenig … was der Bürger tagtäglich erleben kann. Wer zahlt, befiehlt ist ein geflügeltes Wort, das sogar bei medizinischen Studien Gültigkeit hat … obwohl dort Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Insofern bedeutet das Ende der Utopie des Kommunismus (der sich übrigens auch kaum von einer idealen urchristlichen Gesellschaftsform unterscheiden dürfte) auch das Ende der Utopie der Demokratie, die nicht stirbt, weil die Menschen davon überzeugt sind, das die Idee doof war, sondern, weil sie den Sinn dahinter nicht mehr sehen.

Insofern nützt auch es nichts, wenn man dem Volk noch so viel wirtschaftliche Vernunft um die Ohren haut, wie es das Handelsblatt versucht:

Fast eine Billion Euro an Vermögen haben deutsche Unternehmen seit 2003 im Ausland angehäuft. Die Hälfte davon hat sich verflüchtigt

Über Jahrzehnte haben die deutschen Unternehmen das gemacht, was ihre Aufgabe ist: Sie haben zusätzlich zu ihren einbehaltenen Gewinnen Finanzmittel aufgenommen für die Realkapitalbildung, ihre Netto-Investitionen waren immer höher als ihr Sparen, sie hatten daher ein Finanzierungsdefizit.

Das änderte sich ab 2003: Die Gewinne der Unternehmen stiegen deutlich an, in erster Linie als Folge sinkender Reallöhne. Statt ihre Investitionen zumindest in gleichem Maß zu erhöhen, akkumulierten die Unternehmen Finanzkapital: Sechs Jahre in Folge haben sie nun schon Finanzierungsüberschüsse. Diese legten sie primär in Form von Bankeinlagen, Aktien und Finanzderivaten an.

In aller Öffentlichkeit kann man die Ausplünderung der deutschen Wirtschaft im Detail darlegen, kann aufzeigen, das dieses Land keine Zukunft mehr haben kann, wenn es so weiterläuft und das Vermögen im Ausland einfach verbrannt wird … es ändert nichts.

Ähnlich müssen sich die Dorfältesten der Indianer gefühlt haben, als sie dem Dorf versucht haben klar zu machen, was geschieht, wenn man dem weißen Mann seine Jagdgründe für Glasperlen verkauft.

Unsere Glasperlen sind Plasmafernseher, I-Pods und Autos … was uns auf  die Idee bringen darf, das wir für irgendjemanden Indianer sind, die man mit Glasperlen besticht.

Es ist somit auch eigentlich nicht der Kapitalismus, der seinen Siegeszug angetreten hat. Der Kapitalismus als solcher mag so marode und voller Systemfehler sein wie Marx es prophezeit hat und deshalb regelmäßig von selbst zusammenbrechen. Hinter dem Kapitalismus steckt jedoch der Materialismus – und in dem der Kommunismus ebenfalls dem Materialismus huldigt, hat er ihm zusätzlich Macht gegeben.

Der Materialismus hat aber keinen Platz für Ideale. Und denkt man den Materialismus weiter, so ist ihm in seinem Utopia eine Welt voller seelenloser Maschinen wohl lieber als eine Welt voller glücklicher individueller Menschen. Wenn Mitleid, Nächstenliebe, ja – Liebe überhaupt – nur (Fehl)Funktionen des Gehirns sind, gibt es keinen Grund mehr, unnütze Esser an der politischen Entscheidungsfindung zu beteiligen, noch macht es irgendeinen Sinn, unnütze Esser überhaupt am Leben zu erhalten. Insofern ist Ausschwitz als Symbol ein Sinnbild für die Zukunft der Menschheit jenseits der Demokratie – aus der einfachen und im Übrigen strikt vernünftigen notwendigen Lösung des Problems, wie man unnötiges Menschenmaterial kostengünstig entsorgt, ohne sie einfach verdursten und erfrieren zu lassen (was eventuell auch teurer wird, wenn man die Bewachungskosten mit einrechnet).

Und insofern ist Weihnachten, wie wir es feiern und verstehen, das Fest des Triumphes des Materialismus über alle Ideale und über alle Menschlichkeit. Dort feiern wir seine Gaben, sein Paradies und seine Heilsversprechungen…..und darum sind wohl Weihnachstfeiern für sensible Menschen so ekelerregend, denn gleichzeitig feiern wird dort … den Tod der Liebe in der Welt.

Das aber Kinder und Demokratie immer mehr schwinden, sollte einen da nicht mehr wundern – beide brauchen die Liebe der Menschen zu ihnen.

Andererseits sollte einen das Erstarken des einst totgesagten Islam in den ehemaligen Ländern der Sowjetunion nicht sonderlich irritieren – durch den Verrat an dem Idealismus, durch die unheilige (und unnötige) Allianz von Kommunismus und Materialismus wurde Kommunismus zu einem ausführenden Organ und hat selbst keine liebenswerte Substanz mehr gehabt … denn die Liebe zur Arbeiterklasse, die Liebe zu Idealen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ist ein unverzichtbares Motivationsmoment, um sich mit seinem ganzen Leben in den Kampf für diese Ideale  zu stürzen.

Wo aber diese Liebe nicht mehr vorhanden ist, triumphieren die Glasperlen – wie bei allen anderen normalen Menschen auch. Deshalb triumphiert Disney über Marx … bei Disney ist einfach mehr Zauber (Liebe, wenn man so will) drin. Und darum sind Kommunisten so hilflos angesichts des Untergangs ihrer Ideale.

Die Menschen selbst handeln ebenfalls strikt vernünftig. Wie Kant in seiner Kritik der praktischen Vernunft detalliert bewiesen hat, gibt es ohne Gott keinen vernünftigen Grund zum moralischen Handeln. Ist Gott also tot (eigentlich DIE Kernbotschaft des in diesem Moment an sich selbst religiösen Materialismus), können die Öfen ungehindert lodern.

Das alles ist natürlich nicht zu kritisieren, denn der Mensch ist ein freies Wesen und darf sich die Welt, in der er leben möchte, nach freien Stücken frei entwerfen. Das wir das können, erleben wir jeden Tag … sofern finanzieller Mangel (oder unser Chef und seine Ansprüche an uns) nicht gerade unsere Freiheit Grenzen setzt.

Was den pingeligen  Eifelphilosophen da stört, ist eher die falsche Begrifflichkeit, in der sich die Menschheit bewegt. Wenn sie um das goldene Kalb tanzen wollen, dann sollen sie ein goldenes Kalb anbeten und keine christliche Weihnacht feiern. Sollen sie offen und bewußt ihre Liebe auf dem Götzenaltar des Baals opfern und ihre Kinder zum Zwecke der Renditesteigerung seiner Feuerrutsche übergeben ( im Kampf gegen diese Form von Religion hat sich, nebenbei bemerkt,  dereinst das Judentum herausgebildet)  denn dann bin ich mir auch sicher, das sie genau wissen, was sie für ihren Fernseher, ihr Handy und ihren I-Pod eigentlich opfern.

Und dann … darf ich die stärkste Religion der Welt, den Katholizismus, gezielt fragen, was sie denn gegen diesen weltweiten, die göttliche Schöpfung in ihrer Substanz direkt angreifenden und vernichtenden Teufelskult (der im Bohemian Grove einen interessanten Kumulationspunkt hat) zu tun gedenkt bzw. warum sie diesem Treiben so tatenlos zusieht. Nicht das ich eine Antwort erwarte (die bekommen wir gerade zur großen Beunruhigung des Konzernkapitals aus dem islamischen Raum), aber ich hätte dann das Recht, die Frage zu stellen, wieso wir das größte Artensterben seit 65 Millionen Jahren als gottgewollten Fortschritt deuten sollen. Den Materialismus brauche ich da nicht fragen, ihn interessieren „Arten“ nicht. Ein Erdball aus grauem Matsch, wie ihn manche als logisches Ende der technischen Entwicklung voraussagen, wäre ihm auch recht, da er mit Ästhetik, der Freude an Formen (oder Klängen, Gefühlen, Gerüchen) auch nichts am Hut hat.

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