digitale Transformation

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Frischer Wind in der Betäubungszone des Bundestags

Jörn Gutbier, der Vorsitzende der Initiative „Diagnose Funk“, ist Architekt. Wenn er seine knapp bemessene Freizeit und ungezählte nächtliche Stunden, in denen der gute Bürger normalerweise schläft, dafür aufwendet, um sich für uns alle einer Maschinerie entgegenzustellen, die uns schon demnächst überrollen könnte, dann mag der ein oder andere eventuell 30 Minuten opfern, um sich das anzuhören, was Gutbier hier in kompakter Form vorträgt. Es könnte sein, dass es im Gegenzug zu diesen 30 Minuten viele gesunde Lebensjahre sind, die er dazugewinnt, falls er für die gegenständliche Thematik aufwacht und zumindest für sich selbst Konsequenzen im Umgang mit der strahlenden neuen Welt zieht (nützliche und einfach umzusetzende Tipps für eine Verbesserung der gesundheitlichen Situation in den eigenen vier Wänden finden sich auch in einer Informationsbroschüre der Landessanitätsdirektion Salzburg).

Die Rede wurde vorletzte Woche vor dem Reichstagsgebäude in Berlin gehalten, jenem Gebäude, in dem eine Bundeskanzlerin nun schon seit 14 Jahren mit jedem ausgesprochenen Wort nichts anderes macht als das, was Roger Willemsen bei ihr beobachtet hat – der zum Schreiben seines Buches ein Jahr lang dem Bundestag als Beobachter beigewohnt hat: „Betäubungszonen ausbreiten“ und „das Land chloroformieren“ (Quelle: Tagesspiegel).

In dieser Betäubungszone, in der auch die meisten anderen von uns gewählten Volksvertreter wie transatlantische Wasserleichen vor sich hintreiben, wurde nun etwas beschlossen, was sich bereits nach derzeitigem, gesichertem Wissensstand als sehr viel größerer Umwelt-/Gesundheitsskandal herausstellen könnte als die Folgewirkungen von Contergan, Asbest, DDT und PCP zusammen. – Eine neue Technolgie, die sogar der Wissenschaftliche Beirat für globale Umweltfragen der Bundesregierung als Klimakiller und als disruptive Kraft beschreibt, welche die Schädigung von Umwelt und Klima in gewaltiger Weise beschleunigen werde, falls man sie jetzt nicht reguliert – was laut Jörn Gutbier ohne großen Aufwand jederzeit möglich wäre. Nur: Wie stellen wir das nun an, innerhalb einer chloroformierten Betäubungszone, in der viele technikverliebte Bürger die Illusion liebgewonnen haben und über unangenehme Wahrheiten lieber hinwegsehen möchten? Wie auch immer, eine nicht unbeträchtliche und stetig wachsende Anzahl von Menschen erkennt jedenfalls bereits die Zeichen der Zeit und organisiert sich gegen den Wahnsinn, den uns eine hochprofessionelle PR- und Lobbyindustrie als Normalität verkaufen will (siehe auch gegen5g.de).

Zum Weiterlesen/-sehen:

diagnose-funk.org (Informationsportal zu gesundheitlichen Nebenwirkungen von technischen Feldern)

WarGaming für den Profit (25-minütige Doku mit bisher nicht veröffentlichtem Originalmaterial von Zeitzeugen)

Welcome to the final Show (Nachrichtenspiegel)

Die Hard 4.0: Arma5Geddon (Nachrichtenspiegel)

Auf die Knie vor Gott KI (Nachrichtenspiegel)

 

Miesepeter des Universums oder freie und liebesfähige Menschen? – Teil 2: Auf die Knie vor Gott KI!

Gott oder Google?

„Gott oder Google?“ In wortgewaltiger Weise eröffnet Wolf Reiser ein jüngstes Interview mit Gernot Brauer, dem Autor des Buchs „Die Bit-Revolution – Künstliche Intelligenz steuert uns alle in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“. Das Interview erschien auf Rubikon. Es ist begrüßenswert, dass alternative Medien auch Standpunkte vermitteln, in denen Alternativlosigkeit suggeriert wird (siehe auch Rubikon 2) – so bleiben wir als Leser stets wachsam, auch alternativen Medien gegenüber. Um was geht es also? Nun, um nichts weniger als um Sein oder Nichtsein – zumindest um das Sein, wie wir es bisher kannten. Denn hinter dem Horizont braut sich gerade ein Tsunami zusammen, der uns nach Ansicht des KI-Spezialisten Brauer zweifellos „überrollen“ wird.

„Der Wandel [die „digitale Transformation“] wird kommen. An uns liegt es jetzt, ihn ethisch verträglich zu gestalten.“ – Ja, dem ist wohl zuzustimmen. Nur leider werden wir dann, wenn wir Menschsein als das auffassen, als was es der interviewte Experte auffasst, da leider nicht viel ausrichten und dem Wandel weitgehend hilflos gegenüberstehen.

Brauer: „Folglich können wir auch uns selbst als Datenfaktum wahrnehmen. Insofern ist der Mensch eine Rechenaufgabe (…)  Denken und Fühlen, also die Essenz unseres Menschseins in Computern auslagern lässt. Wenn dann ein Mensch stirbt, lebt sein Geist maschinell weiter.“

Auch wenn dies viele als fortschrittlich ansehen. Aber es ist, ohne zu werten, technizistisch-amerikanische Denkart und nicht genuin-europäisch-humanistische. Es steht natürlich jedem frei, daran zu glauben, dass in der jenseits des Atlantik liegenden, der Furche des Silicon Valley entsprungenen Denkweise die Zukunft liegt. Nicht wenige schließen sich heute dieser Meinung an. Und in der Wahl ist der Mensch auch vollkommen frei. Nur im Tragen der Folgewirkungen dieser Wahl dann leider ganz und gar nicht mehr. Und diese Folgewirkungen auf Ökologie und Mensch sind eigentlich bereits jetzt schon für jedermann sichtbar und spürbar, wir brauchen dazu eigentlich gar keine Zukunftsforscher und Experten aus Silicon Valley, die uns die immer mehr überhand nehmende Technisierung erklärbären.

Und bei aller unbestreitbaren Klugheit und Zahlenmächtigkeit von Gernot Brauer lebt in dem, was der Computer-/Kybernetikexperte sagt, leider auch eine ungeheure Naivität. Vor allem, dass der Mensch als eine Rechenaufgabe, die man „lösen“ könne, auffassbar sei bzw. als ein Zahlenbündel, das man in eine Maschine uploaden kann, ist m.E. ein folgenschwerer Irrtum. Wer den menschlichen Geist bzw. seine Bewegungen des Denkens, Empfindens und Willens auf ein digitales „Datenfaktum“ reduzieren möchte, der verkennt vollkommen das Wesen des Menschen, das eigentlich in aller großen Literatur und Kunst in überzeugender Weise zum Ausdruck kommt – oder besser gesagt: anklingt. Denn dingfest machen kann man den menschlichen Geist nie, er ist unwägbar, jenseits der binären, stromdurchflossenen Logik eines Computers und immer in kreativer, unberechenbarer Entwicklung begriffen – was ihn aus Sicht des von Brauer zitierten Softwareentwicklers Hardy Schloer auch gefährlich macht. Das Fazit Schloers, nachdem er sich im Selbststudium durch gleich fünf Wissenschaften (Mathematik, Physik, Philosophie, Soziologie, Sozialpsychologie) gearbeitet hat: „Kein Computer wird jemals so unberechenbar und gefährlich agieren wie Menschen. KI ist sicherer, berechenbarer und humaner, also verantwortlicher einsetzbar als jemals der Mensch.“

Um diese Gefährlichkeit zu heilen, hat der Deutsch-Amerikaner die revolutionäre Software Prisma Analytics programmiert, die laut Brauer „das Zeug hat, die Welt zu verändern … Sie scannt in ihrem Weltmodell alles, was Menschen erschreckt und erfreut, was sie befürchten und ersehnen, was sie wollen und tun. Sie errechnet in Millisekunden, was daraus folgt, was man also wann tun oder lassen sollte. Sie denkt für uns, schneller als wir selbst das vermögen.“

Lechzend nach Selbstkastration

Prisma Software ist nicht der einzige Big Data Konzern, der an der lückenlosen Kartographie der menschlichen Lebenswelt bis in die Genomsequenzen hinein arbeitet. Alle machen inzwischen einen auf KI. Ohne dass es allzuvielen Bürgern bewusst ist, existieren längst kommerziell genutzte Datenbanken wie die des US Konzerns Acxioms, in denen wir praktisch alle  – mit größter Wahrscheinlichkeit auch Sie, die Sie das hier lesen – aufgelistet sind, fein säuberlich eingeteilt nach unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und monetären Potenz. Die unterste Kategorie der hier analysierten Menschen heißt lt. Acxiom übrigens „waste“, also Abfall oder Müll (siehe Süddeutsche). Was wird die grandiose Künstliche Intelligenz, wenn wir ihr einmal vollkommen die Schalthebel in die Hand geben, da wir uns nicht mehr die Mühsal des Selbst-Denkens und Selbst-Entscheidens auferlegen wollen, einmal mit den Menschen in dieser untersten Kategorie machen (siehe dazu erste, bereits überwältigende Ansätze in Chinas „Social Scoring“-Bürgerüberwachungs-/bestrafungssystem)? Ich will es mir ehrlich gesagt nicht ausmalen. Denn dazu müsste ich mich als Spaßverderber und Fortschrittsverweigerer unbeliebt machen, wo ich doch am Surfen auf der euphemistischen Technikwelle selbst voll Spaß habe und damit auch ein lukratives Einkommen beziehe. – Nein, das mit dem Entenzüchter, als der ich mich immer ausgebe, war natürlich nur Fake, in Wirklichkeit drehe ich selbst kräftig am Rad derjenigen Branche mit, die auch im o.a. Rubikon-Artikel besungen wird – als Automatisierungstechniker und Berater von global agierenden Konzernen, die nun auch in Sachen Big Data kräftig aufrüsten und sich der „digitalen Transformation“ anheimgeben.

Mal unter uns gesagt …

Wir Techniker sehen die Sache rund um Digitalisierung und KI übrigens sehr viel nüchterner als die Journalisten und Politiker, die unsere Innovationen besingen. Die meisten von uns lassen sich in ihrem eigenen Haus so wenig Technik wie möglich installieren, da sie wissen, wieviel Schwierigkeiten und Wartungsaufwand sie bedeutet. Viele von uns schirmen auch ihre Hauselektronik, ihr WLAN und ihr DECT-Telefon ab (BMW macht das nach Absprache mit Strahlenschutzexperten und Fachleuten von Siemens übrigens konzernweit) – Nur Sie Otto Normalverbaucher dürfen das nicht. Wenn Sie sich dem verweigern und unsere Drahtlos-Gadgets nicht bedingungslos toll finden, dann … setzen Ihnen unsere Schergen von der Gwup-/Skeptikerbewegung (übrigens gesponsert vom „Forum Mobilkommunikation“, dem Zusammenschluss aller gewerblichen Mobilfunkbetreiber) einen Aluhut auf und führen Sie geteert und gefedert durchs digitale Dorf.

Wir Techniker lassen die Manufacturing Consent-Säue durchs Dorf treiben und ziehen unsere eigenen Schlüsse. In unserem privaten Bereich reduzieren wir die Technik, die wir selbst entwickeln, auf ein Minimum. In unseren eigenen vier Wänden leben wir gerne entspannt, um am nächsten Tag fit für den Job zu sein. Smart Home und Smart Living mit dauerstrahlender Drahtlostechnologie überlassen wir daher den naiven Konsumenten, die sich auf Parterrehöhe tummeln.

Ich weiß von Generaldirektoren namhafter LED-Hersteller, die in ihrem eigenen Heim niemals eine LED-Leuchte einbauen würden, da sie um die Schädlichkeit dieses elektronischen Lichtes wissen. Sie verwenden die gute altmodische Glüh- oder Halogenbirne, führen diese sogar auf ihren Reisen mit und schrauben sie im Hotelzimmer für die Dauer ihres Aufenthalts um. Für den gemeinen Kleinbürger: streng verboten. Die Direktoren und Manager meiden ihre eigenen Produkte aus guten Gründen. Ab einer gewissen Etagenhöhe kennt man die Forschungslage und möchte, dass die eigenen Kinder gesund aufwachsen. Sogar in Silicon Valley  geben die Chefs bei Google, Apple, IBM & Co. ihre Kinder nicht in die Mühle der Frühdigitalisierung, sondern in die Waldorfschule, wo sie zumindest in den ersten Klassen ganz ohne Technikkrimskrams aufwachsen und ein gesundes Denk- und Handlungsvermögen entwickeln können. Sie sollen ja ebenfalls einmal Führungsrollen übernehmen, und wenn ihr Nervensystem dissoziiert ist, geht das nicht. Die Kinder so früh wie möglich an den Computer und ans WLAN anstöpseln: Das überlässt man wiederum dem Pöbel auf Parterrehöhe.

Wenn wir im Meetingraum oder in der Kantine beisammen sitzen, können wir uns nur wundern, wie gerade diejenigen Bürger und Politiker, die am allerwenigsten Ahnung von Technik haben, am lautesten nach dieser rufen und nun sogar nach der totalen Digitalisierung lechzen, während wir ihnen immer größere und raffiniertere Guillotinen zur Selbstkastration und zukünftigen Entmündigung liefern. Anfangs haben wir unter Kollegen darüber gewitzelt, inzwischen ist uns der Hype, der beinahe schon die Dimension einer neuen Religion angenommen hat, fast schon ein bisschen unheimlich. Aber so what, bei dieser Gelegenheit ein kleines Statement an die fortschrittsfreudigen, fernsehenden Spiegelbildbürger da draußen: Wir schaffen das. Mit links und lächelnd. Wenn Ihr es unbedingt wollt, dann werden wir liefern. Und das nicht zu knapp. Bitte nachher aber nicht rumheulen.

Paradies oder Dantes Eishölle?

Lasst es mich einmal ganz offen sagen, so wie ich es als Techniker sehe (der aktuell selbst an mehreren Projekten zur Mensch-Maschine-Interaktion arbeitet): Der Mensch als analoges, vielschichtiges, mit Leben erfülltes Wesen ist in Wirklichkeit vollkommen inkompatibel zum Computer. Ein Mensch ist auch nicht multitasking-fähig. Bereits jetzt nehmen wir die Dinge viel zu oberflächlich wahr und verpassen dadurch das Wesentliche (was auch mit der Grund ist, warum sich immer mehr Menschen leer und depressiv fühlen). Wenn unsere Aufmerksamkeit jetzt noch mehr abgezogen bzw. auf mehrere „Tasks“ gesplittet werden soll, dann wird sich dieser Abwärtstrend noch weiter verschärfen. In den Entwicklungsabteilungen sind wir übrigens nicht so dumm, dass wir uns nicht bei Experten aus Medizin, Neurobiologie u.a. Gutachten über die Human- und Umweltverträglichkeit einholen. Das machen wir nicht aus Gründen des Vorsorgegedankens, sondern schlicht aus haftungsrechtlichen Gründen. Wir wollen ja nicht, dass uns aus unseren neuen Produkten und Technologien Schadenersatz- und Regressanspruche erwachsen, die den Profit mit selbigen übersteigen. Mir liegen umfangreiche Ordner mit Unterlagen vor, die mit „confidential“ beschriftet sind und in denen Erschütterndes über die Verträglichkeit neuer smarter Technologien für Mensch, Fauna und Flora dokumentiert ist. Ich könnte alleine über die gut dokumentierten Nebenwirkungen elektromagnetischer Felder, insb. gepulster Hochfrequenzstrahlung wie sie von Bluetooth- und Wifi-Geräten ausgeht, Bände erzählen.

Obwohl ich diesbezüglich zum Schweigen verpflichtet bin, kann ich sagen: Im Grunde steht da gar nicht viel anderes drin, als was diejenigen Forscher erzählen, die da in klassischer Manier des „Wargame-Memos“ am laufenden Band medial diffamiert und lächerlich gemacht werden. Was z.B. ein von der Südtäuschen Zeitung (laut neuestem Gerichtsbeschluss zu Unrecht) diffamierter Prof. Adlkofer über DNA-Strangbrüche und Zellmembranschädigungen durch Mobilfunkstrahlung erzählt, ist auch nach anderen, nicht veröffentlichten Studien, die mir vorliegen, 1:1 wahr. Nachdem uns aber von politischer bzw. ministerieller Seite signalisiert wurde, dass das alles kein Problem darstelle, da man dem technischen Fortschritt unbedingten Vorrang gebe und diesbezüglich keinesfalls im Wettlauf mit anderen Ländern zurückbleiben wolle, bleiben diese Sachverständigengutachten im Schrank. Auch die großen Rückversicherer wie Swiss Re wissen um diese Studien und haben daher alle Haftungsansprüche für zukünftige Schäden aus Mobilfunkstrahlung vertraglich ausgeschlossen. D.h., wenn der Schaden an Mensch und Umwelt einmal evident werden wird – und eigentlich ist er das nach gegebener Studienlage bereits jetzt (siehe z.B. die jüngste und bislang größte Studie des U.S. Department of Health and Human Services, welche “Clear evidence of tumors” konstatiert) – dann wird der Staat, also der Bürger mit seinen Steuergeldern selbst den Schaden tragen dürfen. Von konzernwirtschaftlicher Seite werden wir Techniker uns auf die heute herrschende, vom Umweltministerium getragene „streng wissenschaftliche“  Sicht berufen, wonach „nach derzeitigem Wissensstand unter Einhaltung der thermischen Grenzwerte keine Gefahr für den Menschen“ bestehe. Um uns Techies braucht sich also niemand Sorgen machen, wir sind fein raus. Sie: nicht. Aber jubeln Sie uns ruhig weiter zu für den strahlenden Fortschritt, den wir der Menschheit bescheren, wir lieben das.

Alleine wenn man die derzeitige Wissenslage um die gesundheitlichen Nebenwirkungen von gepulster Hochfrequenzstrahlung ernst nähme, müsste man den Ausbau von 5G umgehend stoppen (in Brüssel, wo unsere wertvollsten Köpfe sitzen, hat man das auch bereits getan). Nur würde man 5G stoppen, dann wird das nichts mit Gott KI. Dann fehlt diesem Gott der Thron, auf dem er in Zukunft Platz nehmen und in Echtzeit alles beherrschen will.

Stoned

Diese Fakten kann man natürlich alle ausblenden, und glauben Sie mir: niemand würde das lieber als ich, denn dann könnte ich ungehemmt weiter meiner Arbeit am Fortschritt bzw. an der digitalen Transformation frönen. Leider kümmern sich elektromagnetische Kräfte ebensowenig um das, was wir wahrhaben wollen und was nicht wie Gravitationskräfte. Die wirken einfach gemäß ihrer Gesetzmäßigkeit. Ja, ich kann sie ausblenden, und wenn ich das mental nicht schaffe, dann kann ich ein Gläschen Schnaps oder eine Prise Weißes zu Hilfe nehmen, wie es nicht wenige meiner Kollegen tun, um der derzeitigen Geschwindigkeit des Fortschritts standhalten zu können. Dann ist mein Bewusstsein weg, aber die Naturgesetzmäßigkeiten sind immer noch da. Wenn ich in diesem High- (eigentlich: Low-)Zustand vom Balkon im 10. Stock ins Freie trete, weil ich gerade voll gut drauf bin und meine, ich werde jetzt wie Batman geradeaus weitersegeln, dann wird die Gravitation trotzdem weiterhin unbarmherzig ihr Werk verrichten und mich mit exakt 9,81 m/s2 Fallbeschleunigung nach unten ziehen (siehe Steve Cutts: In the fall).

Trockennasenaffen

Ach ja, über Gott oder Google bzw. Gott und die Welt wollten wir ja noch reden – ein Thema, über das ja derzeit in unseren Medien viel gelacht und gepoltert wird. Man will endlich Schluss machen mit allen Vorstellungen von Geist und Religion, wie sie die Menschheit bisher pflegte. Es braucht jetzt eine neue Religion und einen neuen Gott – einen Gott, der zwar allwissend und allmächtig, aber leider nicht allgütig ist … was ja auch schlecht fürs Geschäft wäre und die restlose Ausschlachtung der noch verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen nach rein „evidenzbasierten“ Kriterien (siehe „Über Evidence Based Bullshit“) verhinderte. Um diesen Gott namens KI auf den Thron zu setzen und der digitalen Transformation den Weg zu ebnen, muss zuerst tabula rasa gemacht werden.

Dieser Job wird von einer ganz besonderen Garde bzw. Sturmstaffel erledigt: Denjenigen, die in den Medien gerade omnipräsent sind und auf den WCs unserer Talknudelshows rauf und runter gespült werden. Der Religionswissenschaftler Prof. Hubertus Mynarek nennt sie „die Neuen Atheisten“. In seinem empfehlenswerten Buch „Die Neuen Atheisten – Ihre Thesen auf dem Prüfstand“ (Verlag Die Blaue Eule, 2010) durchleuchtet er akribisch die Apologeten dieser Bewegung rund um Richard Dawkins, Daniel Dennett, Sam Harris, Christopher Hitchens, Michel Onfrey & Co. und führt die geradezu grotesken Widersprüche und Kurzschlüsse ihrer Denkweise vor Augen. Das Buch Mynareks ist m.E. genau das, was Wolf Reiser über das eigentlich nur mäßig interessante Buch des KI-Experten Gernot Brauer sagt: „ein echter Erkenntnisgewinn“ und Augenöffner. Gleichermaßen empfehlenswert von Mynarek: „Vom wahren Geist der Humanität – Die Giordano Bruno Stiftung in der Kritik“, Nibe Verlag, 2017). Wer diese Bücher liest, ist damit gefeit gegen die Propaganda desjenigen technokratischen Nihilismus, den man uns gerade quasi als Staatsreligion aufoktroyieren möchte. Er hat damit das notwendige Gegengift gegen die von Dostojewskij vorhergesagte und bereits rasant um sich greifende szientistische Pest zur Hand.

Wir haben jetzt noch verhältnismäßig leicht lachen, aber wer sich nicht vorbereitet und probates Gegengift in seinen Adern zirkulieren hat, der wird dann, wenn der szientistische Virus bzw. die Borgs (dazu unten gleich mehr) mit ihrer berüchtigten Ansage: „Sie werden jetzt assimiliert, Widerstand ist zwecklos!“ an ihn herantreten, in der Tat wenig entgegenzusetzen haben und der von Dostojewskij vorhergesagten Epidemie erliegen. Wir mögen also über diese Epidemie noch scherzen, aber wer ihr in Zukunft erliegen wird, der wird sehen: Es wird entgegen allen Verheißungen ein Siechtum werden, das alle bisher bekannten Leiden des Menschen übersteigt und in der vollkommenen inneren Vermorschung endet. Wer Mynareks Bücher liest, erfährt, dass die Chefideologen dieser neuen, KI-kompatiblen Staatsreligion eigentlich gar keinen Hehl daraus machen, dass sie den homo sapiens, den zu Weisheit fähigen Menschen, abschaffen wollen und stattdessen ein Bild des „homo demens“ entwerfen, dem laut Michael Schmidt-Salomon „tollsten Witz des Witz der Geschichte“, der „dümmer nimmer geht“, einem Artefakt im Urschlamm, der „in der tiefsten galaktischen Provinz“ ein Dasein der „kosmischen Bedeutungslosigkeit“ und ohne freiem Willen fristet. Das einzig Erstrebenswerte, das „wir aufrecht gehenden Deppen“ in dieser „Scheißgegend“ (Science Busters) tun könnten, wäre zufolge Schmidt-Salomon, uns zu „sanften , freundlichen … Affen zu entwickeln“, uns in ein besseres Verhältnis zu „Bruder Schimpanse und Schwester Bonobo“ zu bringen (Zit. aus „Die Giordano Bruno Stiftung in der Kritik“, H. Mynarek). Schmidt-Salomon ist uns da schon einen Schritt weit voraus: Er bezeichnet sich selbst als Trockennasen-Affen.

Plattgehämmert

Viktor Frankl, Erich Fromm und viele andere Vertreter des echten Humanismus haben eindringlich vor einem solchen Reduktionismus des Menschen auf seine bloße Physis und ein Wegrationalisieren seines Geistes gewarnt. Gerade dieses Dingfestmachen des Geistes wünschen sich aber die vermeintlich fortschrittlichen Apologeten aus Silicon Valley.

Dann wird uns die Digitalisierungswelle allerdings nicht nur „überrollen“, wie das der KI-Experte Gernot Brauer in Wolf Reisers Interview sagt, sondern uns auch platt machen. An diesem Platthämmern in die Zweidimensionalität kann leider auch die brillante und von mir durchwegs bewunderte Wortkunst des Autors Wolf Reiser nichts ändern (ganz im Ernst, Reiser ist einer meiner Lieblingsautoren und jeder Satz von ihm ist an sich ein Lesegenuss), aber in seinem aktuellen Essay hat er sich von der Fortschrittseuphorie womöglich doch ein bisschen zu sehr beflügeln lassen. Aber sei’s drum, davor ist ja wirklich niemand von uns gefeit. Insbesondere angesichts der gerade auf vollen Touren laufenden medialen Offensive zur Propagierung einer Smart City Zukunft, die „unseren Planeten mit Supertechnologie global vernetzt, für jedermann kostenlos zugänglich, politisch-ideologisch völlig unabhängig … und unglaublich spannend“ machen werde (Brauer). Wem soll da nicht das Wasser im Mund zusammenlaufen und wer wird es schon wagen, hinter diesem strahlenden und gechippten Paradies womöglich Dantes Eishölle zu verorten? Nein, solche Ketzer und Fortschrittsverweigerer müsste man ja wirklich umgehend auf den digitalen Scheiterhaufen verbringen. Sie bringen uns sonst womöglich um das Gute und Gerne Leben, das uns immer versprochen wird und das nun endlich in Reichweite ist.  Diese „Altlinken, Romantiker und Abermillionen sympathisch überforderter Zeitgenossen“ (der gute Wolf – ich liebe ihn wirklich, einfach köstlich, diese Eloquenz, mit der er ganze Millionenschaften in einem Schwupps abfrühstücken kann), die sich dieser strahlenden Zukunft in den Weg stellen, ja, sie werden in Zukunft wohl wirklich keinen leichten Stand haben. Sie werden sich womöglich sogar in Katakomben begeben müssen, um nicht gelyncht oder in fortschrittsfreundliche Umerziehungslager gesteckt zu werden. Aber kommt Zeit kommt Rat, und wie Hölderlin sagt: Wo Gefahr droht, wächst das Rettende auch. Also, kein Grund für Panik auf der Titanic. Noch ist nicht abgemacht, dass wir ein Planet der (Trockennasen-)Affen werden. Vielleicht entscheiden sich die Götter ja für einen kleinen Solar Max, und das war’s dann mit der ganzen mühsam aufgebauten Infrastruktur für den Affengott KI.

Wer mit echten Wissenschaftlern, und nicht mit in der dritten oder vierten Reihe stehenden Gwup-Szientisten redet, der hört übrigens ganz andere Töne: Meist trotz allen hochspezialiserten Wissens eine tiefe Bescheidenheit angesichts der Unauslotbarkeit unseres Dasein. Jeder Wissenschaftler, der etwas tiefer gedrungen ist, wird es zugeben: Was dieses Leben ist, das uns erfüllt, und wie es entstanden ist, kann die Naturwissenschaft nicht erklären. Und schon gar nicht, wie Bewusstsein entstehen konnte. Sogar Richard Dawkins, der wohl bekannteste und vehementeste Vertreter der Neuen Atheisten und quasi deren „Papst“, auf den sich alle anderen Franchise-Nehmer des Neuen Atheismus wie Schmidt-Salomon, Sharmer & Co. beziehen, räumt in seinem – von seinen Anhängern offenbar nicht gelesenen – Grundlagenwerk „Der Gotteswahn“ ein, dass die Entstehung des Universums eigentlich kaum denkbar sei, ohne dass man „ein bisschen deistische Mitwirkung bei den Anfangsbedingungen“ annähme. Er äußert sogar Worte, bei denen allen Mitgliedern der Gwup-/Psiram-/Skeptikerbewegung, die Dawkins wie eine Feldstandarte vor sich hertragen, augenblicklich das Blut in den Adern gefrieren würde: „Es könnte sogar ein übermenschlicher Gestalter sein!“ (ebd., S.219 – bitte nachlesen, liebe Skeptiker). Na Potzblitz! – wenn es da also womöglich schon einen Gott gibt, dann wäre die ganze nervenaufreibende Arbeit, einen neuen Gott zu erschaffen, womöglich unnütz.

Die Miesepeter des Universums

Apropos Geist. Dieses unter den Neuen Atheisten neben „Moral“ wohl meistverhasste und –geschmähte Wort soll nach ihrer Intention dann ja bald aus dem Duden gestrichen werden. Momentan haben wir es aber noch, dieses Ärgernis des menschlichen Geistes, „dieses konfusen Einwohners“ (Jacques Lusseyran), der uns in die Katastrophe des Bewusstseins und damit einhergehender Fragen von Moral und Verantwortung gestürzt hat, aus der wir nun mittels KI wieder fliehen und zu virtuellen Affen werden wollen.

So inkompatibel dieser menschliche Geist ebenso wie der menschliche Organismus auch mit dem Computer sind, die Fortschrittsfreunde aus Silicon Valley haben durchaus recht mit ihrer Ansicht, dass es trotzdem möglich ist, Mensch und Maschine zu koppeln. Das ist technisch möglich bzw. wird angesichts der Milliardenetats an Forschungsgeldern, mit denen dies derzeit vorangetrieben wird,  immer mehr möglich werden. Wenn wir diese Mensch-Maschine-Kopplung allerdings ohne Berücksichtigung des menschlichen Geistes vollziehen (ich weiß schon, den würden wir ja laut derzeit herrschender Lehre am liebsten eliminieren bzw. für nicht existent erklären), dann könnte sich in der Tat etwas Verheerendes vollziehen. Dann würde die Menschheit in Form mechatronisierter, kybernetisch vernetzter Körper zwar weiterexistieren, aber vollkommen entgegen dem naturgemäß vorgesehen Sinn – und dann tatsächlich unter Ausmerzung des menschlichen Geistes, denn dieser kann unter rein technischen Bedingungen nicht existieren, er verträgt Technik nur zu einem gewissen Grade. Der Mensch würde dann – wiederum ganz wertfrei gemeint – „unmenschlich“ werden. Da nützt es auch wenig, diese Unmenschlichkeit in euphemistischer Weise als übermenschlich zu bezeichnen. Eine neue Evolutionen sich selbst replizierender Maschinenintelligenzen würde beginnen, die man dann wie auch immer bezeichnen möchte, aber eben nicht mehr als (geistbegabte, also mit freiem Willen, Empathie und Liebesfähigkeit begabte) „Menschen“.

Der Mensch würde dann in Konsequenz wohl eher dem entsprechen, was uns die Star Trek-Autoren mit der Spezies der „Borgs“(*) bereits recht anschaulich vor Augen gerückt haben. Was die „Borgs“ sind? Das sagt uns „der Doktor“ in Raumschiff Voyager: „Die Borg, das sind die Miesepeter der Galaxie.“

Ob wir Miesepeter oder freie, liebesfähige Wesen werden wollen … – das steht nun wie gesagt ganz in unserem freien Willen. Beide Wege stehen uns offen.

 

(*) Definition der Borg laut Memory-Alpha Wiki: „eine Zivilisation kybernetisch vernetzter Bioorganismen bzw. Cyborgs, welche die Assimilation von anderen wertvollen Wesen und Technologien in das Kollektiv anstreben, um höchstmögliche körperliche und technische Perfektion zu erreichen.“ – Anm.: Vergleiche dazu das Ziel der neu gegründeten Partei „Die Humanisten“ lt. ihrer eigenen Website, die neben Kernkraft und Gentechnik auch auf Transhumanismus setzt: „Wir ebnen den Weg zum Körper 2.0“

Die „Borgs“ verachten alles, was in irgendeiner Weise mit Menschlichkeit, Kultur, Empathie, Seele oder Kunst zu tun hat. Sie wollen es eliminieren, da diese Erscheinungen nur lästige, irrationale Hindernisse gegenüber ihrem Ideal einer großen, hocheffizienten Technikmaschinerie sind.

Captain Jean-Luc Picard findet in Folge 8 ebenfalls klare Worte, was die Borg sind: „Die Borg, unser tödlichster Feind (…)“ Wenn wir den Borgs zujubeln, als wenn sie unser bester Freund wären, so wie uns das eine hochprofessionelle Werbeindustrie gerade vermitteln will, nun ja, dann … wird das Aufwachen aus unserem euphorischen Techniktraum womöglich umso ernüchternder. Oder wie Prof. Konrad Paul Liessmann sagt: Und nach der Katastrophe wird es wieder einmal niemand gewesen sein. Liessmann:

 „… Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es manchen nicht schnell genug gehen kann, bis die jungen Menschen jede Form des Denkens, Fühlens und Handelns, die nicht von den Algorithmen der Internetkonzerne bestimmt ist, nicht nur verlernt, sondern erst gar nicht gelernt haben und dadurch in jeder Hinsicht von ihren Geräten abhängig werden: digitale Drogen, nun auch staatlich verordnet. Von der Seite der Pädagogen ist kaum Protest zu erwarten, wer möchte schon als technik- oder fortschrittsfeindlich gelten. Dass der vielbeschworene kritische Umgang mit den digitalen Medien eine Distanz zu diesen zur Voraussetzung hat, die sich aus Kenntnissen und Fähigkeiten speisen muss, die sich nicht der digitalisierten Welt verdanken, ist eine Einsicht, die ausgeblendet wird, obwohl gerade darin eine der zentralen Aufgaben von Schulen läge. Immerhin: Für das unmündige Leben in einer postdemokratischen Gesellschaft, deren digitalisierte Kommunikation zunehmend totalitäre Züge annimmt, werden diese jungen Menschen bestens vorbereitet sein. Und nach der Katastrophe wird es wieder einmal niemand gewesen sein.“ (Quelle: nzz)

 


siehe auch Teil 1:

Miesepeter des Universums oder freie und liebesfähige Menschen? – Teil 1: Über den drohenden Overkill und den Ausweg

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zum Weiterlesen:

Die Globalisierung und der Transhumanismus (Peter Frey)

Pig Business Monkey Events, Global Playboys und bezaubernde Jeannies – Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake  (Nachrichtenspiegel)

Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da. Und der Kampf um die Zukunft hat begonnen … (Nachrichtenspiegel)

Endzeit-Poesie 4.0: Unser „Ich“ – Staatsfeind Nr.1 (Nachrichtenspiegel)

 

Fotos: pixabay – CC0 (1/2/3/4/5)

Miesepeter des Universums oder freie und liebesfähige Menschen? – Teil 1: Über den drohenden Overkill und den Ausweg

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Blade Runner

2019 – das war das Jahr, in dem Blade Runner spielte, der 1982 erschienene Science Fiction Klassiker mit Harrison Ford in der Hauptrolle. Die Welt, in der er nach Replikanten – außer Kontrolle geratenen Maschinenwesen des mächtigen Tyrell Konzerns – jagt, ist von giftigem Dauerregen durchtränkt und heruntergekommen. Kultur gibt es kaum noch, nur noch niedrige Formen von Unterhaltung, allgegenwärtige Werbung und Kriminalität. Nicht nur die Gebäude, auch die Menschen verfallen, repräsentativ dargestellt in Form des naiven Gentechnik-Wissenschaftlers Sebastian, der an beschleunigter Alterung leidet und schließlich selbst von einem Maschinenwesen liquidiert wird. Diese Maschinenwesen sind äußerlich nicht mehr von natürlichen Menschen zu unterscheiden. Der von Harrison Ford gespielte Replikantenjäger verliebt sich daher in einen der weiblichen Cyborgs, die er jagen sollte.

Die Probe-Vorführung der Warner Studios war zunächst alles andere als erfolgreich. Die Menschen waren nach dem Ansehen des Filmes rund um Cyborgs und eine dystopische Hitech-Welt deprimiert und verwirrt (aus einer Kinozeitschrift: „Die Besucher verließen schweigend und bedrückt den Saal, wie nach einer Beerdigung“). Der Film hat dann aber doch Fahrt aufgenommen und ist schließlich zu einem der meistgesehensten und erfolgreichsten Filme des Genres avanciert.

2019 – die Zukunft ist nun also da. Ebenso wie Blade Runner hat auch die ganz reale Robotisierung des Menschen und seiner Lebensumwelt, zunächst als dytopischer Horror aus Science Fiction Romanen und als reiner Wahnsinn angesehen, inzwischen an Fahrt aufgenommen und ist in greifbare Nähe gerückt. Silicon Valley Konzerne arbeiten auf Hochtouren daran und stecken Milliardensummen in die Verschmelzung von Mensch und Maschine. Laut Googles Chefingenieur Ray Kurzweil soll diese Verschmelzung bzw. digitale Transformation bereits innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahrzehnte stattfinden. Doch nicht nur die Transhumanisten in Silicon Valley (neuerdings auch in Deutschland formiert als politische Partei – siehe „Darth Vaders Humanisten“)  jubeln diesem Szenario entgegen. Sogar manche unserer klügsten Köpfe liebäugeln bereits mit ihm und brechen eine Lanze für die Endlösung der Menschheitsfrage.

Er kommt: Der passende Gott für eine neoliberal vergletscherte Welt

Wenn ich im Folgenden von den Borgs spreche, oute ich mich damit unter Trekkies natürlich sogleich als vollkommener Banause. Weiß doch jeder Star Trek-Fan, dass es für die Spezies der Borg nur ein Singular gibt, aber kein Plural – wie sollte es auch anders sein, wenn die Individualität erloschen ist und es nur noch ein kybernetisch vernetztes Kollektiv gibt? Ich erlaube mir nachfolgend trotzdem den Fauxpas, von „Borgs“ zu sprechen, einfach weil’s knackiger klingt.

Was liegt also schon wieder an, dass wir den Leser aus seiner wohlverdienten Feierabendruhe reißen, indem wir unverbesserlichen Alarmisten solch reißerische Titel raushauen? Nun, nichts weniger als eben ein Tsunami, der ein für allemal Feierabend machen könnte, wenn wir uns jetzt nicht rechtzeitig evakuieren. Schon vor einiger Zeit haben führende Konstrukteure der CIA-/NSA-Bürgerüberwachungsmaschinerie in einem offenen Brief davor gewarnt, dass wir gerade schlüsselfertige Tyranneien / „turnkey tyrannies“ errichten  (Quelle: The Guardian). Die bei Tag und bei Nacht arbeitenden Dooser haben ihr Bauwerk nun weitgehend abgeschlossen und schicken sich gerade zur Schlüsselübergabe an den Bauherren an. Es ist kein gewöhnlicher Bauherr, der da demnächst die Schlüssel in die Hand nehmen und seine Regentschaft antreten will. Eigentlich ist er ein Gott, denn er wird allwissend und allmächtig sein. Leider nicht auch allgütig, so wie der Gott aller bisherigen Hochkulturen, aber ein sozialromantischer Gott wäre ja in einer neoliberal vergletscherten Zeit wohl auch nicht cool genug.

Die meisten werden zwar schon den Namen dieses Gottes gehört haben: KI heißt er ganz kurz und unverschnörkelt, er will ja nicht wie ein „Schwurbler“ wirken. Kurz, scharf und schneidend wie ein Skalpell. Die wenigsten sind sich über seine gewaltige Potenz im Klaren, die alles in den Schatten stellt, was es jetzt schon im XXX-Laden (siehe „Die Pornografisierung als globale Waffe“ – Wolf Reiser at his best!) zu sehen gibt. Nach Ansicht des transhumanistischen Vordenkers und Google-Chefingenieurs Ray Kurzweil wird dieser Gott auch seine Anhänger mit einem Teil dieser Potenz beglücken und ihnen riesige und gleich mehrere Geschlechtsteile verleihen, mit denen sie ungeahnten Genüssen frönen können. Der Preis für diese Genüsse wird allerdings ein faustischer Pakt sein: Sie müssen ihre Seele abgeben und ihren Geist aushauchen. Denn diese würden dagegen rebellieren, in einem virtuellen Raumschiff ein Dasein als dauererigierter Gigapenis zu fristen (siehe Steve Cutts: „I’m an immobile fossilised Alien, too“).

Leak eines Ketzers

Der diese Worte hier schreibt, ist von Berufswegen eigentlich selbst ein Diener dieses Gottes, weiß also wie die Uhren in seinem Laden ticken und wer die Schergen und Wegbereiter dieses Gottes sind – ohne deren Hilfe besagter Gott auch vollkommen machtlos wäre und niemals den Thron besteigen könnte, an dem gerade eifrig gebastelt wird. Aber zum Glück gibt es sie ja, diese Schergen und Handlanger, wir kommen gleich auf sie zu sprechen. Ich selbst bin in diesem Game of Thrones eigentlich ein Doppelagent, der im Falle seiner Enttarnung umgehend einen Kopf kürzer wäre und der sich daher vorsehen muss. Denn was ich hier gleich sagen werde, ist reine Häresie und Ketzerei, auf die im Herrschaftsgebiet besagten Gottes die Exkommunikation und digitale Verbrennung steht.

Aber man sollte vor diesem Gott keine Angst haben, sonst hat er schon zur Hälfte gewonnen. Stattdessen tut man gut daran, auch in den schlimmsten Stürmen und Anfeindungen, die demnächst kommen mögen, vor allem auch seinen Humor zu bewahren, denn dieser ist bereits eine spezifische Eigenschaft des menschlichen Geistes, auf den Gott KI keinen Zugriff hat. Im Grunde verhält es sich dabei wie mit einer Waage mit zwei Waagschalen: Auf eine dieser Schalen wird nun ein gewaltiges Gewicht gelegt. Der Waagbalken wird aber nicht kippen, sondern in Balance bleiben, wenn man auf der gegenüberliegenden Schale ausreichend Substanz anhäufen kann. Bringt man diese Substanz nicht auf die Waage … nun ja, dann hat man durchaus Grund, Angst zu haben. Warum derzeit in den Krankenstatistiken neben Depressionen ein massiver Anstieg an Angststörungen und Panikattacken zu verzeichnen ist, hat in Wirklichkeit vor allem den Grund, dass wir auf dieser Seite der Waage zu wenig Substanz vorweisen können. Würden wir auf dieser Seite nur ein bisschen Substanz auf die Waage bringen (siehe „Ein Survival-Kit für die Apokalypse II“)  – mehr als 90% der derzeitigen Angststörungen würden sofort verschwinden. Was diese Substanz ist? Nun, geradewegs das, was uns die Skeptizisten unbedingt ausreden möchten: Alle Bewegungen des menschlichen Denkens und des Empfindens, die nicht bloß auf schnöde „Fakten“, sondern auf das Reich der Poesie bzw. des Geistes hindeuten (siehe auch Albert Einstein: „Wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, ist seelisch bereits tot“).

Dass wir diese Substanz auf die Waage bringen, soll natürlich verhindert werden, denn dann wären wir von den neoliberalen Manipulations- und Herrschaftsstrukturen nicht mehr gängelbar. Auch Gott KI will das natürlich verhindern, sonst müsste er sich wieder in die Requisitenkammer von Hollywood verdrücken.

Ohne Schwimmweste auf der Titanic?

Bei gebotenem Realismus weiß man, dass es angesichts der ungebrochenen Technologie- und Fortschrittsgläubigkeit kaum zu verhindern sein wird, dass Gott KI tatsächlich seine Regentschaft antreten wird. Doch wenn man auf besagter zweiten Waagschale genügend Substanz angehäuft hat, dann braucht man keine Angst haben, dann wird man den First Contact mit den Borgs bei aller Dramatik gut überstehen. Dann  möge der dunkle Herrscher ruhig seine Regentschaft antreten und kommen. Man weiß, dass man in sich ein Stück Terrain entwickelt hat, zu dem er keinen Zutritt hat, da es sich auf einer ganz anderen Ebene befindet – das vielgeschmähte, aber in Wirklichkeit umso realere Land der Poesie und des Geistes. Wer sich dieses Terrain nicht erobert hat, dem fehlt schlichtweg die Schwimmweste. Er wird sich schon demnächst in der gleichen Lage befinden wie die Passagiere auf der untergehenden Titanic, die ohne Schwimmweste von den kalten, schwarzen Fluten gnadenlos in die Tiefe gezogen werden.

Aber ein bisschen Zeit zum Vorbereiten bzw. zum Aufblasen und Anlegen der Schwimmweste bleibt uns ja noch. Nicht allzuviel, aber doch ein bisschen. Zu wenig jedenfalls, um weiterhin ungestraft „dieses Ding mit Garten, Bier und Grillen“ (©Eifelphilosoph) betreiben zu können – zumindest für diejenigen, die in Zukunft ihren Kopf und ihren individuellen Geist behalten wollen. Dass es nicht wenige gibt, die das gar nicht wollen, ist ja bekannt. Laut Peter Sloterdijk suchen diejenigen Bürger, die aufgrund ihrer „gescheiterten Ich-Bildung“ nun „Fahnenflucht betreiben“ müssen, „geradewegs die Besessenheit durch den Großen Anderen“.

Diejenigen, die untergehen, werden nicht verschwinden, es wird dann eben nur nicht mehr ihr individueller Geist sein, der ihren Körper bzw. ihr transhumanistisch getuntes Vehikel steuert, sondern eine Maschinenintelligenz, also ein kaltes Zahlensystem. Es wird auch tatsächlich möglich sein, in einen künstlichen bionischen Körper einige vegetative Nervenrhythmen, Instinkte und sogar intellektuelle Funktionen, die man derzeit besitzt, upzuloaden, sodass dieses Regungen dort in Form elektromagnetischer Schwingungen weiterexistieren. Nur weiß jeder, der sich nur ein bisschen mit klassischer Philosophie im Sinne von Plato & Co. auseinandergesetzt hat, dass diese intellektuellen und vegetativen Funktionen, die man gemeinhin als „Seele“ bezeichnet, noch nichts mit dem zu tun haben, was man als „Geist“ bezeichnet, der – obwohl er der entscheidende Faktor ist – stets unwägbar und niemals dingfest machbar ist (aber sehr wohl aussperrbar!). Auch als Optimist sollte man sich daher darauf einstellen, dass es ein durchaus grauenvolles Zeitalter sein wird, wenn derart geistlose, mechatronisierte Zombies durch die Gegend wandeln. Sie werden für diejenigen Menschen, die sich nicht digital transformieren haben lassen, eine Plage sein. Diese Plage wird durchaus ein paar hundert Jahre andauern, bevor sie dann vollkommen hinweggefegt bzw. sich selbst zugrunde gerichtet haben wird. Denn die Entfremdung des Menschen von der Natur wird natürlich unweigerlich zu Siechtum und Tod führen. Viele Anhänger des technizistischen Traums werden dann dennoch perplex sein, dass sie nicht wie versprochen zu gottähnlichen Übermenschen, sondern zu Kriechlurchen geworden sind. Wenn der verheißene Fortschritt sich als die größte evolutionäre Rolle rückwärts herausgestellt haben wird, wird es für viele zu spät sein.

Den Rucksack packen

Man tut also gut  daran, ein paar Jausenbrote, eine Thermoskanne und auch eine gute Regenjacke in seinen Rucksack zu packen, um das kommende Stück Weges, das vermutlich eines der härtesten der gesamten Menschheitsgeschichte werden wird, gut zu überstehen. Man sollte auch eine gesunde Portion Humor mit in den Rucksack packen, dieser ist sogar überlebensnotwendig. Jedenfalls ist Angst in einer Zeit, in der wir einen tollwütigen Stier an den Hörnern packen werden müssen, fehl am Platz. Wie mir schon mein Großvater, der als Gebirgsjäger im Zweiten Weltkrieg schweren Granatenhagel und Temperaturen von minus 50°C überlebt hat, erklärt hat: „Die, die Angst hatten, hat es als erste erwischt.“

Angst ist also kein guter Kamerad für die Hochgebirgswanderung, die uns nun bevorsteht. Man darf sich sogar durchaus auf die Zeit freuen, wenn der Wahnsinn, der jetzt quasi unvermeidlich auf uns zurollt, durchgestanden ist. Es kommt nur darauf an, ob wir ihm schlafend begegnen oder wach. Wer dem Wahnsinn wach begegnet, kann sogar außerordentlich davon profitieren, indem er ihn überwindet und umso mehr moralisch-menschliche Qualitäten entwickelt. Dieser Wahnsinn musste fast zwangsläufig kommen, so wie im Zuge einer Schul- oder Universitätsausbildung eben auch Prüfungen kommen, die man bestehen muss. Und laut Goethe ist ja auch das menschliche Leben nichts anderes als eine Schule, eine „Pflanzschule des Geistes“. Manche Prüfungen in dieser Schule sind so schwer, dass ein großer Teil der Kandidaten durchfällt und sitzenbleibt. Aber es ist eben alles nur eine Sache der Vorbereitung. Ist man gut vorbereitet, dann kann man die Prüfung ruhigen Auges an sich herankommen lassen. Hat man seine Zeit hingegen mit dem Gucken von Dschungelcamp und Tagesschau vertrödelt und beherrscht man daher nicht einmal die vier Grundrechenarten, dann wird man natürlich ein Problem haben, wenn man Integral- und Infinitesimalrechnungen zum Lösen vorgesetzt bekommt. Dann wird man wohl oder übel zu denjenigen gehören, die sitzenbleiben. Die Sitzengebliebenen werden dann in einer eigenen, vermutlich in ausrangierten U-Bahnschächten angesiedelten Klasse ihr Dasein fristen müssen, wo es nicht einmal halb so lustig zugehen wird, wie sich das viele Freunde Sheldon Coopers in ihren Techie-Magazinen derzeit noch vorstellen.

– – –

Da jetzt mancher Fortschrittsfreund kurz schlucken wird – bevor seine Technikgläubigkeit wieder wie gewohnt das Ruder übernimmt und euphorisch der Knochenmühle entgegensteuert, aus der ja gerade dermaßen betörende Musik erklingt und affengeile Werbespots auf den personal flatscreen gezaubert werden -, machen wir an dieser Stelle einen kleinen Break. Eigentlich sollten diese Zeilen ja nur die Einleitung zum eigentlichen Thema werden. Aber da unsere durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne laut Microsoft-Studie ja mittlerweile auf 8 Sekunden gesunken ist (Quelle: Focus), schadet es nicht, den Artikel zu splitten. Wer also wissen will, wer wirklich hinter der Maske von Gott KI steckt, der mag seine ohnehin bereits überdehnte Aufmerksamkeitsspanne noch ein weiteres kleines Stück ausdehnen und sich Teil 2 zumuten … obwohl er sich jetzt auch auf RTL bei der „Bachelorette“ entspannen könnte.

(Warnung: nichts für schwache Nerven! – hier also der obligatorische last exit zu RTL und der neusten Staffel der Bachelorette: „Gerda & Keno plaudern über ihr 1. Mal“ & sonstiges Geblubber im Teletubbie-Kaulquappenteich). Für die Hartgesottenen: hier gehts weiter zu Teil 2 der Zombie-Apokalypse:

Miesepeter des Universums oder freie und liebesfähige Menschen? – Teil 2:
Auf die Knie vor Gott KI!

 

Bild: pixabay / CC0

Die Hexenjagd von Darth Vaders Humanisten


Evidenzbasierter Humanist 4.0  (Foto: Pixabay CCO)

Scheiterhaufen für die Pogrome der Zukunft

Der UN-Sonderberichterstatter für Folter hat vor Kurzem ein Essay über die Diffamierung unerwünschter Personen wie Julian Assange verfasst. Er spricht hierbei von einer Entwicklung, die „das Schicksal der westlichen Demokratie besiegeln“ und uns einer „ungezügelten Tyrannei“ überlassen könnte. Bemerkenswert ist, dass der UN-Sonderberichterstatter zugibt, dass er sich zunächst selbst von der medialen Kampagne gegen Julian Assange habe vereinnahmen lassen: 

“Wie die meisten Bürger war ich unterbewusst durch die unerbittliche Schmutzkampagne, die jahrelang gegen ihn geführt wurde, vergiftet worden.“

In seinen realen Wirkungen auf Psyche und Physis wäre ein solches Dirty Campagning direkt mit Folter gleichzusetzen. Existenziell bedrohlich wäre das Kesseltreiben insbesondere, wenn der Staat selbst daran beteiligt ist:

„Nachdem er [Assange] durch Isolation, Spott und Schande entmenschlicht worden war, wie die Hexen, die wir auf dem Scheiterhaufen verbrannt haben, war es leicht, ihm seine grundlegendsten Rechte zu entziehen.   (…)   Was in der öffentlichen Debatte wie bloßes „Schlammschleudern“ aussieht, wird schnell zu “Mobbing”, wenn es gegen einen Wehrlosen eingesetzt wird, und sogar zur “Verfolgung”, wenn der Staat beteiligt ist.“

Ja, man hat heute wirklich den Eindruck, dass gerade wieder Scheiterhaufen für die Pogrome der Zukunft geschlichtet werden. Und an Bütteln, die eifrig Scheitholz herbeitragen, fehlt es auch heute nicht. Nicht nur die „Leitmedien“ (siehe “Über Südtäusche Wasserleichen im Relotius-Narrenspiegel“), die mit dem Staat, seinen Geheimdiensten und special denunciation forces wie der JTRIG Hand in Hand arbeiten, treiben die Sabotage zivilgesellschaftlichen Engagements und freien Denkens systematisch voran. Auch ganze Rudel an Hobbydenunzianten sind mittlerweile regelrecht besessen davon, Andersdenkende zu beseitigen. Whistleblower, diese lästigen Störenfriede des süßen Konsumfriedens, werden für vogelfrei erklärt. Menschen, die anders denken als man selbst, werden – derzeit noch digital – geteert und gefedert bzw. bekommen einen „Aluhut“ aufgesetzt.

Und gleich allen bisherigen Anhängern absolutistischer Ideologien wie Faschismus, Bolschewismus, Maoismus, Trotzkismus, Dschihadismus etc. haben natürlich auch die neuzeitlichen Saubermacher nicht die geringsten Bedenken daran, dass sie im Recht sind und ihre eth(n)ischen Säuberungen für den „Fortschritt“ unabdingbar.

Multiplikation mit Null

Die Hobby-Inquisitoren und Hexenjäger formieren jetzt sogar als eigene politische Partei namens „Die Humanisten“. Bei der jüngsten EU-Wahl haben sie mit über 62.000 Stimmen fast den Sprung ins EU-Parlament geschafft, um uns von dort den Scihad zu erklären. Man darf sich hierbei von Worten nicht ins Bockshorn jagen lassen. Denn in Zeiten, in denen laut Frank Schirrmacher alle hehren Worte wie Freiheit, Demokratie und Humanismus „mit Null multipliziert“ und „der Menschheit geraubt“ wurden, besitzen freilich auch die Gwup-Skeptiker genügend Chuzpe, um ihren Scihad-Kreuzzug nicht unter einer Totenkopfflagge, sondern unter dem Parteinamen „Die Humanisten“ anzutreten.

Die ins Gewand streng wissenschaftlicher „Humanisten“ gehüllten neoliberalen Nihilisten rühren nicht nur verbissen die Trommel für die transhumanistische Robotisierung („Wir ebnen den Weg zum Körper 2.0“), Gentechnik, Glyphosat und Kernkraft (siehe unten), sondern auch zur „evidenzbasierten“ Ausmerzung aller Fortschrittsfeinde – siehe dazu auch die „Unvereinbarkeitsliste“ dieser smarten Partei auf webarchive.org: Darin versichern die „Humanisten“, dass sie in die gleiche Stoßrichtung arbeiten werden, die auch Bundespräsident Steinmeier jüngst angekündigt hat: Allen „verschwörungstheoretischen Bewegungen und Medien“ werden die (Trans-)Humanisten entgegenarbeiten, ausdrücklich genannt sind dabei unter anderen: Attac, Die Nachdenkseiten, Rubikon und KenFM. „Aufgrund der großen Vielfalt an teils gegensätzlichen Verschwörungstheorien und der unüberschaubaren Fülle an Akteuren“ sei jedoch das Aufstellen einer abschließenden Liste „schwerlich möglich … und ist daher auf die Onlineplattform PSIRAM zu verweisen“.  Na ist das nicht fabelhaft? Da haben wir sie also wieder: Die Listen … die dann demnächst von kundigen Experten abgearbeitet werden.

Aber die Liste der (Trans-)Humanisten ist endlos … man sieht daran wieder einmal, wie groß die Welt der Andersdenkenden ist. Aber dank Künstlicher Intelligenz und lückenloser Bürgerüberwachung in Gwupsmart Cities sind die Gwupper zuversichtlich, dass es erstmals in der Geschichte möglich sein wird, auch wirklich alle Andersgläubigen und Fortschrittsfeinde zu beseitigen.

 (Screenshot Twitter /Account „Partei der Humanisten“, https://twitter.com/diehumanisten/status/1114833081037459457?lang=de, 08.07.2019)

Nun ja, wenn es dann keine Andersdenkenden mehr gibt, dann wird unter den Gwupern womöglich große Ratlosigkeit ausbrechen … und sie werden sich dann selbst auffressen müssen (so wie das Dostojewskij in Raskolnikoffs Traum von der szientistischen Pest ja vorausgesehen hat).

Obwohl sich die Freunde Sheldon Coopers auf eine streng wissenschaftliche, rein naturalistische Weltsicht berufen, haben sie nicht verstanden, dass Ökosysteme einer möglichst großen Diversität und Artenreichtums bedürfen, um stabil zu bleiben. Auch dass Monokulturen nur zum Preis der totalen Erosion und Vergiftung des Bodens aufrechtzuerhalten sind, aber trotz allen gigantomanischen Technologie- und Pesizideinsatzes letztlich doch kippen (inklusive massenhafter Suizide der Landbevölkerung aufgrund der Segnungen des von der Gwup propagierten Gentechnik-Saatguts), kann man in Ländern wie Indien, die als Monsanto/Gwup-Versuchslaboratorien dienen, zwar bereits sehen, aber who cares about reality, wo der feuchte neoliberale Smart City Science Buster Traum doch so süß ist?

Auch dass es in einem mit szientistischem Urin gefüllten Biotop – selbst wenn dieser Urin von Monsanto/Bayer nach streng „evidenzbasierten“ Kriterien synthetisiert wurde –  keine Fische, keine Libellen und keine Schmetterlinge mehr geben wird, sondern sich dort allenfalls ein paar Würmer und Blutegel tummeln werden: Who cares? Dass am Todesstern die geilsten Parties abgehen und Darth Vader der unschlagbarste DJ des Universums ist, kann doch keiner, der Star Wars gesehen hat, bestreiten. Warum sollen wir uns von diesem coolen Schwarzhelm also nicht auch zum Tanz aufspielen lassen? It’s market-conform democracy, stupid!

Pink Panther goes nuclear

Der im obigen Humanisten-Tweet genannte Kernkraft-Schwärmer und „Humanisten“-Beirat @sapinker ist übrigens der Harvard-Professor Steven Pinker. Mit eloquenter akademischer Sprache, aber zugleich fast surrealer Naivität singt Pinker in seinen Büchern ein Loblied auf das System des neoliberalen Kapitalismus. Anhand von „evidenzbasierten“ Statistiken beweist er dem kleinen Mann, dass freie Märkte und Globalisierung allen zu mehr Wohlstand verholfen hätten. Nach der Lektüre seines Buches könnte man der Meinung sein, dass es den Menschen dieses kurz vorm Ökozid stehenden Globus, die gerade vermeinen die Hölle durchzumachen, in  Wirklichkeit so gut geht wie noch niemals zuvor (Pinker: Heute leben wir länger, gesünder, sicherer, glücklicher, friedlicher und wohlhabender denn je, und nicht nur in der westlichen Welt. Der Grund: … Aufklärung und Wissenschaft“).

Ich will jetzt nicht näher auf die fortschrittseuphemistische Pinkerei eingehen. Zum Glück existieren im Netz ja bereits einige Rezensionen wie z.B. im New Statesman („Unenlightened thinking“), in denen die Absurdität von Pinkers Gedankenluftschloss demaskiert wird. Zumindest Bill Gates findet Pinkers Buch weiterhin großartig: »Mein absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten.« Auch in Kreisen der Gwup-/Psiram-/Skeptiker-Bewegung genießt Pinker quasi Guru-Status. Liefert er doch auf bestem akademischen Niveau den Stoff, an den die Freunde Sheldon Coopers ihre technizistischen Träume hängen.

Doch man will nicht unter sich bleiben und drängt nun an die breite Öffentlichkeit. Nach Ansicht von Pinker und seinen nuklearen Anhängern müsse man den unaufgeklärten Menschen die noch vorhandenen Reste an „Mythen“ austreiben, sodass sie nur noch an „Fakten“ glauben … – die bekanntlich alternativlos sind. Zum Glück sind die Skeptizisten mit akademischen Institutionen, konzernwirtschaftlichen Lobbies und großen Verlagen bestens vernetzt. Pinkers Bücher erscheinen im renommierten S. Fischer Verlag, der ebenso wie Springer, Piper und die anderen großen deutschen Verlage gerade ganz begierig darauf sind, szientistisch-nihilistische Literatur wie von Dawkins, Hitchens, Schmidt-Salomon & Co.  zu publizieren. Pinkers jüngstes Buch trägt den nicht unbescheidenen Titel „Enlightenment Now“. Der Fischer Verlag transkribierte diesen Titel  für den deutschen Markt etwas bescheidener mit „Aufklärung jetzt“ (Untertitel: „Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt“). Ich meine: Wer gegen diese salbungsvollen Schlagworte etwas einzuwenden hat, der kann ja nur ein unverbesserlicher Fortschrittsfeind oder Unmensch sein.

Ein Antidot zu Dantes Eishölle

Angesichts des gerade boomenden technizistischen Traums hätte ein Schritsteller wie Hermann Hesse heute wohl kaum noch eine Chance, den Literaturnobelpreis zu erhalten. Darth Vaders Stormtrooper würden ihm stattdessen den Aluhut aufsetzen und ihn am digitalen Scheiterhaufen verbrennen – natürlich mit evidenzbasierten, rationalen Argumenten, denen jeder Touchdisplaybürger, der mit der Milchflasche des Science Edutainments (wörtl. „erziehende Unterhaltung“, so die Gwuper selbst über ihre mediale Propaganda) aufgezogen wurde, unweigerlich zustimmen muss. Die Partei der Humanisten ist ja „Die Partei der Moderne: rational, liberal und fortschrittlich“. Und die Weltanschauung, die Hermann Hesse vertritt, ist da eindeutig inkompatibel mit dem, was die rationale, evidenzbasierte Wissenschaft heute unter „Fortschritt“ versteht und daher brandgefährlich  … also ein Fall für die Inquisition und den Scheiterhaufen.

Nachfolgende Worte von Hermann Hesse, für die er noch vor wenigen Jahrzehnten – in analogen Zeiten – den Nobelpreis erhalten hat und von denen sich fast eine ganze Generation in ihrem tiefsten Inneren angesprochen fühlte, sind also nicht ganz ungefährlich. Wer sie in sein Herz hereinlässt, den machen sie zum Ketzer wider den heute herrschenden Zeitgeist – den Geist eines nach außen hin smarten Systems, das Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichnet. Es ist also durchaus möglich, dass wir mit diesen Worten am digitalen Scheiterhaufen landen. Auf der anderen Seite können uns diese Worte vor demjenigen Schicksal bewahren, das bei derzeitigem Kurs ansonsten unausweichlich ist: dem Weg in Dantes Eishölle.

Hier also Hesses Worte, die sich für jeden waschechten Skeptiker wohl ebenso anfühlen müssen wie ein in den Rachen gerichteter Lanzenstoß des Ritters Georg für den Lindwurm:

„Ich habe an vielen Dingen keine Freude und glaube an viele Dinge nicht, die der Stolz der heutigen Menschheit sind: Ich glaube nicht an die Technik, ich glaube nicht an die Idee des Fortschritts, ja nicht einmal an die Demokratie, ich glaube weder an die Herrlichkeit und Unübertrefflichkeit unserer Zeit, noch an irgendeinen ihrer hochbezahlten Führer, während ich vor dem, was man so ‚Natur‘ nennt, eine unbegrenzte Hochachtung habe.“
(Hermann Hesse)

             Hermann Hesse (Foto: PD)

Vielleicht ermuntern uns diese Worte ja dazu, vom toten Pferd, auf dem wir gerade reiten, noch rechtzeitig abzusteigen … – bevor es uns digital wiehernd in den Grand Canyon befördert. Und wer so wie Hermann Hesse das Staunen über das uns umgebende Wunderwerk der Natur übt, der wird erleben, welch belebende Kraftquelle er in der Bewunderung der Natur, ihrer Fauna, Flora, Farben und Formen finden kann – einer Natur, die nicht tot ist so wie von den Skeptizisten behauptet, sondern die zutiefst lebendig und in allen ihren Aspekten nach einer unerfasslichen Genialität gegliedert ist und miteinander in Verbindung steht. Er wird dann womöglich auch zur überraschenden Erkenntnis kommen, dass die heute vielgeschmähten „Mythen“ sehr viel mehr mit der wahren Natur des Menschen und der Welt zu tun haben als die nukleare Pinkerei mit ihren „Fakten“.

 


Nachsatz:

Ein Professor an der technischen Hochschule, der entgegen der Mehrzahl seiner Kollegen zeitlebens vehement gegen Atomkraftwerke gekämpft hat, hat uns Studenten einmal erklärt, dass es relativ vergeblich sei, Kernkraftbefürworter durch gut gemeinte Erklärungen zu überzeugen. Man müsse den nuklearen Pinkey Boys die Konsequenzen der von ihnen propagierten Technologie am eigenen Leib spüren lassen – indem man sie dann, wenn gerade wieder irgendwo ein Kernkraftwerk hochgeht, wie z.B. in Tschernobyl oder Fukushima, zum „Aufräumen helfen“ hinschickt. Eventuell könnte man auch diejenigen strammen CDU-Politiker*Innen mit zum Aufräumen schicken, die seinerzeit ganze Schulklassen zum Kindergeburtstagsfeiern in unterirdische Atomülllager wie die Asse eingeladen haben, um zu demonstrieren, wie unbedenklich solche Atomüllendlager seien und wie gut und gerne es sich zwischen 102 Tonnen Uran, 87 Tonnen Thorium, 28 Kilogramm Plutonium (das bereits in Staubkorngröße tödlich ist) sowie einem Berg an sonstigen chemotoxischen Mitteln lebt und feiert. Nun droht nach massivem Wassereinbruch von täglich 13.000 Liter in der einsturzgefährdeten Asse eine Verseuchung des Grundwassers (siehe Deutschlandfunk).

Da in unserer Zeit nicht nur die Bienen, Schmetterlinge und Vögel verschwinden, sondern auch manches, was man in den letzten Generationen eigentlich bereits als solides zivilgesellschaftliches Bewusstsein verankert gemeint hat, hier vielleicht kurz eine Auffrischungsimpfung für die ansonsten ja so impffreudige und „evidenzbasierte“ Generation Pinker: Ein 20-minütiger Zusammenschnitt der über drei Stunden gehenden Originalversion von Holger Strohms Kernkraft-Dokumentation „Friedlich in die Katastrophe“:

Hartz 4 war gestern, jetzt kommt Hartz 4.0 ! – Siemens-Chef Joe Kaeser über die demnächst „über uns hereinbrechende Hölle“

Während derzeit viele – zu meiner Verwunderung als Techniker meist diejenigen, die von Technik am wenigsten Ahnung haben – mit einer geradezu kindlichen Naivität darüber schwärmen, erklärt Siemens-Chef Joe Kaeser ganz nüchtern, zu was die vielbesungene Digitalisierung wirklich führen werde: „Die Digitalisierung wird die Mittelklasse vernichten. (…) Von zehn Menschen der Mittelklasse steigt einer auf und neun gehen unter.“

Kaeser weiter: „Eine untergehende Klasse hat nichts, von dem sie profitieren kann.“ Er plädiert daher für Ehrlichkeit im Umgang mit der Digitalisierung. Man müsse vielen Leuten sagen: „Du, das wird dir gar nichts bringen!“

Sollten wir diese Ehrlichkeit im Umgang mit der Digitalisierung nicht aufbringen, dann werde nach Überzeugung des Siemens-Chefs „die Hölle über uns hereinbrechen“.

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zum Weiterlesen:

Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake

Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da … und der Kampf um die Zukunft hat begonnen

Welcome to the final Show: „Hör endlich auf mit deinem Weinen … die Salami ist jetzt zuende!“

Die Hard 4.0: Arma5Geddon

Gut und Böse – letzte Worte eines Ketzers vor seiner Enthauptung

Miesepeter des Universums oder freie und liebesfähige Menschen? – Teil 1: Über den drohenden Overkill und den Ausweg

 

Welcome to the final Show: „Hör endlich auf mit deinem Weinen … die Salami ist jetzt zuende!“

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Ab in die schlüsselfertige Tyrannei

Nein, die nachfolgende Meldung stammt nicht vom 1. April, sondern vom 14. Juni. Die Schlinge soll also nun enger gezogen werden. Diejenigen grauen Eminenzen, welche die Bundeskanzlerin immer kryptisch als „unsere verlässlichen Freunde“ bezeichnet, planen jetzt Schluss mit Lustig zu machen. Man kann es den transatlantischen Spindoctoren nicht verübeln, denn der Zeitpunkt war wohl noch nie so günstig wie jetzt – wo die Bürger, die einfach nur Gut und Gerne leben wollen und dafür nicht nur ihre Schäfer nach mehr Sicherheit anbetteln, sondern auch bereit sind, jeden hasserfüllt zu zerreißen, der „den Herdenschutz gefährdet“ und seine Kinder dem Zugriff einer profitorientierten Pharmaindustrie verweigert … nun, welcher Zeitpunkt könnte günstiger sein, um den entgegen ihrem Willen aufgeklärten und in die Katastrophe des individuellen Bewusstseins gestürzten Bürgern, die so gerne wieder Herde sein würden, nun endgültig das Fell über die Ohren zu ziehen? Eine riesige Verwertungsindustrie giert bereits nach dem Fleisch, der Wolle und den Organen dieser Herde. Und die alles übertönende Losung lautet: Der „Wirtschaftsstandort“ muss gesichert werden.

Schon wieder also so ein Kassandraschrei von uns Verschwörungstheoretikern? Müssen wir denn immer solchen Krach machen und den wohlverdienten Spaß verderben? Was steht denn diesmal vor der Tür, dass wir uns erdreisten, den Astroturf-Surfer von seiner DSDS-Couch aufzurütteln? Nun, meine lieben Freunde des Astroturfs und des Goldenen Aluhuts, diesmal nichts weniger als eben das Ende der Meinungsfreiheit und des freien Denkens. Übertrieben, meint der an die Big Bang Theory und die unsichtbare Hand des Marktes glaubende Skeptiker? Schon vor einiger Zeit haben führende Konstrukteure der CIA-/NSA-Bürgerüberwachungsmaschinerie selbst in einem offenen Brief davor gewarnt, dass wir gerade schlüsselfertige Tyranneien („turnkey tyrannies“) errichten / Quelle: The Guardian.

Ende der Wurststange und der Salamitaktik

Bei der in klassischer Salamitaktik schon die ganzen letzten Jahre über durch maaslose Grundrechtsdemontage, Netzwerkdurchsetzungs-Gesetze und dgl. abgehobelten Wurststange ist nun das Ende der Füllung erreicht. Die nächsten Schnitte gehen daher nicht mehr in die Salami, sondern werden die Finger absäbeln, die die Stange bislang hielten. Die Schmerzensschreie, die mit dieser Verrichtung einhergehen, werden bei den ausführenden Organen nicht einmal Achselzucken, geschweige denn Mitgefühl hervorrufen. Denn nach Vorstellung der EU-Technokraten werden es in Zukunft nicht einmal mehr echte Menschen mit Kopf und Herz sein, die diese Zensurarbeit ausführen, sondern ein sehr viel effizienteres Organ: die von Axel “Artikel 13” Voss bereits mit leuchtenden Augen angekündigte “Künstliche Intelligenz” wird das erledigen.

Die Verteilung der Maulkörbe, Kontosperren und Reiseverbote (sic), welche der jüngst von der EU-Kommission vorgelegte “Aktionsplan gegen Desinformation” vorsieht, wird also  algorithmisch automatisiert mit KI erfolgen. It’s market-conform democracy, stupid!

Sanktioniert werden sollen laut EU-Aktionsplan nun Personen, die „Desinformation“ verbreiten. Hierbei ist “Desinformation” als ein Vorgang definiert, der darauf abzielt, “abzulenken und zu spalten, durch die Verdrehung und Verfälschung von Tatsachen Zweifel zu sähen und so die Menschen zu verwirren und ihr Vertrauen in die Institutionen und die etablierten politischen Prozesse auszuhöhlen.” (dazu unten gleich mehr)

Eigentlich ist das Ansinnen auch gar nichts Neues, in China läuft das KI-gesteuerte Sanktionieren der Zivilgesellschaft mittels “Social Scoring” bereits auf Hochtouren (siehe Youtube). Neben anderen “evidenzbasierten” Parametern erfasst das System, wie der Bürger politisch denkt und hat für Abweichungen vom politisch Korrekten bereits jetzt einen breiten Strafenkatalog zur Hand. Man benötigt relativ wenig Phantasie, um sich auszumalen, welche Sanktionstechniken sich das System in Zukunft noch einfallen lassen wird.

Die unentbehrliche Infrastruktur, um das alles in Echtzeit durchführen zu können: 5G – die neue, fantastische Mobilfunkgeneration, mit der sich der junge&naive Nerd bekanntlich in 2 Sekunden das neue Batman-Movie in 4K-Qualität runterladen kann. Wie geil ist das denn? Ich frage mich zwar, wann sich der Gwupster all die tausenden Videos, die er sich in Sekundeschnelle aus dem Netz gezogen hat, dann auch ansehen wird. Da wird er sich ranhalten müssen, wenn er den ganzen Stoff abarbeiten und so nebenbei im System auch noch die erwartete Leistung bringen will. Aber die Zukunft gehört ja laut unseren Experten (siehe “Über Evidence Based Bullshit”) denjenigen Menschen, die über “Multitasking”-Fähigkeiten verfügen.

Angesichts solch paradiesischer Zukunftsvisionen kann man es verstehen, dass unsere Freunde Sheldon Coopers in ihren Internetforen jeden sofort angeifern und mit Zähnen und Klauen übel zurichten, der es wagt, ihren neuen Gott KI und seinen Thron: 5G, zu kritisieren. Denn diesem Gott können sie jetzt schon hier im Iridischen begegnen, sie müssen nicht erst aufs Jenseits warten wie all ihre Vorfahren. Er soll gleich dem Gott ihrer Vorfahren allwissend und allmächtig sein. Leider nicht allgütig so wie der Gott aller bisherigen Hochkulturen, aber so what. Alles geht halt nicht. Und für Sozialromantik ist in Zeiten marktkonformer Demokratie bekanntlich sowieso kein Platz mehr.

Die Besten und Smartesten werden im survival of the fittest schon das Rennen machen. Sie werden eine Weile im Hamsterrad sprinten und Social Credit Punkte sammeln dürfen, bis sie mit Mitte 40, womöglich schon in ihren 30ern, der Burnout oder der Herzinfarkt ereilt. Um sich auszumalen, was mit den weniger Smarten passiert, benötigt man inzwischen ebenfalls relativ wenig Phantasie. Meine Mutmaßung: Sie kommen ins Katzenfutter. Schon jetzt werden von großen Silicon Valley Konzernen Datensätze angelegt, mit welchen die Schienen zur Aussiebung und Verwertung der Humanressourcen gelegt werden. Die US Firma Acxiom verfügt z.B. bereits über eine Datenbank, in der mehrere Milliarden User, darunter mit allergrößer Wahrscheinlichkeit auch Sie westlicher Wohlstandsbürger, der Sie das hier gerade lesen, enthalten sind – fein säuberlich eingeteilt nach seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und montären Potenz bzw. Impotenz. Die unterste Kategorie dieser Datenbank nennt der Big Data Konzern übrigens selbst „waste“, also Abfall oder Müll (siehe Süddeutsche). Nicht nur Darwin, auch Goebbels wäre begeistert.

Gesundheit und Vorsorgeprinzip? – War gestern

Dass es über hundert Studien gibt, die zelltoxische Effekte von Mobilfunkstrahlung nachweisen: Egal.  Dass nun auch von der US Gesundheitsbehörde in der bisher umfangreichsten Mobilfunkstudie erschreckende gesundheitlichen Nebenwirkungen von gepulster Hochfrequenzstrahlung attestiert werden  – lt. Abstract nun sogar erstmals “Clear evidence of tumors” (siehe U.S. Department of Health and Human Services): Egal.  Dass das Institut der US Regierung aufgrund der Brisanz dieser Ergebnisse weitere 15 externe Mediziner und Ingenieure mit der Überprüfung beauftragt hat und diese die Studie bestätigt haben: Egal. Dass die EU-finanzierte, von der Industrie und den Leitmedien angezweifelte REFLEX-Studie unter Prof. Adlkofer (die zu ähnlichen Ergebnissen kam wie die aktuelle Studie des US Amtes) mittlerweile durch zwei unabhängige Institute bestätigt und sogar gerichtlich rehabilitiert wurde: In postfaktischen Zeiten ebenfalls egal. 5G macht einfach zuviel Spaß, um es abzublasen.

Auch mit einer Unzahl an Studien untermauerte Appelle und Resolutionen, z.B. derjenigen von hunderten renommierten Wissenschaftlern und Ärzten aus 36 Ländern zum Stopp von 5G sind dann, wenn es drauf ankommt eben nicht mehr Wissenschaft, sondern Esoterik. Aus Sicht der „evidenzbasierten“ Gwup-Wissenschaft sind es ja bekanntlich gar keine elektromagnetischen Wellen, auf denen Mobilfunk basiert, sondern  haben wir es eher mit so einer Art Telepathie bzw. einer homöopathischen Größe zu tun. Und so gefährlich Homöopathie aufgrund ihrer angeblichen Unwirksamkeit ist, so ungefährlich ist im Gegenzug die homöopathische, also vernachlässigenswerte Dosis, mit der wir durch die Mobilfunkstationen bestrahlt werden. Kann also alles nur Einbildung und Spinnerei sein, wenn jemand physikalische Wirkungen solcher unsichtbarer, unriechbarer und unspürbarer Wellen behauptet – wo überdies doch jeder mit eigenen Augen sehen kann, wie alle Welt an ihren Endgeräten unglaublich Spaß mit diesen Mobilfunkwellen hat.

Und dieser Spaß soll mit der neuen Mobilfunkgeneration 5G nun ins Grenzenlose steigen. Was als unabdingbar für diesen Spaß angesehen wird: neben 20.000 5G-Satelliten auch ein bislang beispielloses Netz an bodengestützten Sendeeinrichtungen in einem Raster von ca. 100 m zur möglichst lückenlosen Durchdringung unserer Lebensumwelt mit elektromagnetischer Strahlung. Soweit ich es in einem Manuskript des Herstellers Ericsson entnehmen kann, werden diese Basisstationen je nach Abstand mit Strahlungsintensitäten von 95.000 bis 38.000.000 µW/ m2 strahlen (vergleiche dazu: die bei Studien wie der o.g. US Gesundheitsbehörde gefundenen Zelldegenerationen treten bereits bei Leistungsflussdichten von knapp oberhalb 1.000 µW/m2 auf, Umweltmediziner empfehlen für den Außenbereich nicht mehr als 10 µW/m²). Übrigens: Auch der BMW-Konzern erlaubt auf seinen Arbeitsplätzen nach eingehender Konsultation mit Strahlenschutzexperten und Fachleuten von Siemens weltweit nicht mehr als 100 µW/m2 und schirmt seine WLAN-Router zu diesem Zweck mit metallbedampften Platten oder Folien ab – jaja, diese Aluhüte von BMW eben …

Die Kunden wollen 5G gar nicht? – Egal, sie bekommen es trotzdem!

Soweit man hören kann, kommt das 5G System in den USA bisher gar nicht gut an. Ein doch unerwartet großes Maß an Widerstand und Bürgerprotesten macht sich breit (schuld sind lt. US Medienberichterstattung wie der New York Times natürlich wieder Putin und RT, die über 5G aufklären; auch das Schweizer Massenmedium 20 Minuten titelt: „Darum will Russland, dass wir Angst vor 5G haben.“) Im Übrigen finden sich bisher auch kaum Kunden, die bereit sind, für das tolle 5G Netz zusätzliche Servicegebühren zu zahlen. Dem ansonsten streng gewinnorientierten US Telekomgiganten Verizon ist das egal: Er bietet 5G dann nun eben gratis an (siehe businessinsider). 5G muss kommen, um jeden Preis.

Sogar die Grünen haben da wenig Sinn für Querulanten und Forschrittsverweigerer. Der 5G Ausbau hat oberste Priorität. Eine “Taskforce Mobilfunk” gegen besorgte Bürger wurde bereits gegründet. Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann richtete hierbei an die Bürgermeister des Landes folgende Worte:

„Ihr dürft wegen jedes einzelnen Sendemasten zu mir kommen und ich sorge dafür, dass er aufgestellt wird.“

Der Grüne Riese weiter:

 „Ein zentraler Baustein der Taskforce Mobilfunk muss deshalb eine breit angelegte Informationskampagne zur Überwindung der Vorbehalte gegen neue Mobilfunkmasten sein (…) Und was die flächendeckende Versorgung mit 5G betrifft, will ich nicht verschweigen, dass dabei auch auf die Bevölkerung noch einiges zukommen wird. Denn klar ist: Wir werden dafür wesentlich mehr Sendemasten benötigen als heute. Da wir Grünen aus der kritischen Bevölkerung kommen, haben wir aber eine große Erfahrung damit, die Menschen mitzunehmen. Insofern bin ich sicher, dass wir bei der digitalen Infrastruktur den Anschluss schaffen werden.“ (Quelle: diagnose-funk.org)

Da die Grünen ja laut Meinungsumfragen und Wahlergebnissen im Allzeithoch sind und Habeck in den Leitmedien schon als der neue Kanzler gehandelt wird, steht einer strahlenden Zukunft somit wohl nichts mehr im Wege. Wenn nun auch unsere mitunter klügsten Köpfe im freien, alternativen Medienspektrum – und ich meine das gar nicht einmal ironisch – in ihren Essays endlich genug haben von all der deutschlandtypischen Lamentiererei bzw. Verhaltenheit gegenüber der Künstlichen Intelligenz und endlich den „Quantensprung“ ins Wurmloch der digitalen Transformation fordern (aktuell siehe Rubikon), nun ja … dann steht ja dem Fortschritt kaum noch etwas im Wege.

Welcome to the final show

In diesem Sinne: Machen Sie es sich bequem auf Ihrer Netflix-Couch: “Welcome to the final show … Just stop your crying, it’s a sign of the times … They told me that the end is near … We gotta get away from here!” – so wörtlich der Songtextext zur Untermalung des offiziellen Werbespots zur Ankündigung des 5G Ausbaus der österreichischen Telekom (Übersetzung: “Willkommen zur finalen Show … Hör einfach mit deinem Weinen auf, es ist ein Zeichen der Zeit … Sie sagten mir, dass das Ende nah ist … Wir müssen hier weg!”
– ganzer Text nachzulesen hier: songtexte.de).

Aber nicht nur die Worte, auch die Bildersprache des Videos spricht Bände bzw. sagt alles. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud hat wohl recht gehabt: Unser Unterbewusstes ist schlauer (und bringt oft eine Wahrheit zum Ausdruck, die man im Oberstübchen niemals auszusprechen wagte bzw. selbst  gar nicht bewusst realisiert). Ich bin mir trotzdem sicher, dass viele das nachfolgende Video absolut cool finden und mit emotionaler Gänsehaut am Rücken womöglich nur noch zwei Worte hervorbringen werden: “Will haben …!”

Für diejenigen, die auf das Video aufgrund der Youtube-Ländersperre nicht zugreifen können, hier die Bypass-Lösung über Webproxy:

http://webproxy.at/surf/index.php?q=nqmmpqZtk5PZqKdirailp6aYnGGUn9BkrZapxp9v16GBo3ydm5epuq2ofVqbpW10hQ

[falls auch das nicht funktioniert, dann auf http://webproxy.at folgende URL eingeben + Enter drücken:]
https://www.youtube.com/watch?v=KnJghdEVKwM


P.S.: Ganz ohne Widerstand ist die Taskforce der Grünen gegen 5G-besorgte Bürger, die ihre Gesundheit behalten und nicht am Altar des Technikglaubens opfern wollen, zum Glück nicht. Bundesweit formieren sich gerade zahlreiche Bürgerinitiativen, die sich der Grünen Alternativlosigkeit entgegenstellen und gegen 5G mobilisieren. (Anm.: Mir gefallen all diese „Gegen“-Formulierungen eigentlich auch nicht, daher also eher: FÜR die Zukunft, Selbstbestimmung und Gesundheit ihrer Kinder). Wir bräuchten ja eigentlich eine ganz neue Demonstrationskultur: Nicht immer nur protestieren und notdürftig das Schlimmste verhindern wollen, damit hinken wir ja meist doch nur hinter den – undemokratisch von oben gesetzten – Dreistigkeiten hinterher. Viel wirksamer wäre es, wenn wir ein positives Bild von Mensch und Umwelt ausformen, das so überzeugend und – im besten Sinne dieses von neoliberalen Zuhältern erbärmlich geschundenen Wortes: für jeden Menschen mit Kopf und Herz wirklich alternativlos ist, sodass niemand mehr an diesem Idealbild  vorbeikommt: Wie das Selbstverständnis des Wesens Mensch im empathischen Zusammenleben mit seinen Mitmenschen, insbesondere auch mit solchen in fernen Ländern, ebenso wie in seinem verantwortlichen Zusammenleben mit Fauna, Flora und den Ökosystemen der Erde – die lebendige sind und keine toten so wie uns das die derzeit herrschende Lehre und ihre technokratisch-nihilistischen Apologeten beibringen möchten ! – und damit einhergehende unveräußerliche Werte  idealerweise aussehen sollten bzw. könnten. Wir müssten dann nicht immer mit schreckgeweiteten Augen irgendwelchen desaströsen Machenschaften hinterherschustern, sondern wir könnten aktiv den Takt vorgeben. Und wieder mit Würde und erhobenem Haupt zuversichtlich der Zukunft entgegengehen.

Nein, das wird nicht gehen, indem wir auf unserem Smartphone auf den METOO-Button drücken, sondern nur, indem sich jeder individuell aufrichtet und verantwortlich fühlt.  Und nein, das wird auch leider nicht gehen, indem man Grün wählt (an die Youngsters unter uns: Glaubt mir, ich habe das schon probiert mit dem Grün-Wählen. Rausgekommnen ist das genaue Gegenteil von dem Erhofften: Verwicklung des Souveräns in NATO-Angriffskriege, Zerstörung der Europäischen Friedensordnung durch von Grünen gezeichneten Ukraine-„Assoziierungsvertrag“, mittlerweile ans Suizidale grenzende Kriegstrommelei gegen Russland, Panzer auf ehemals russischem Gebiet, sogar direkter Ausverkauf der Umwelt durch Glyphosat- und Pestizidlobbying, Fracking etc. – siehe z.B. aktuellen Artikel von Jens Bernert: „Die Umwelt-Verräter“).

Zurück aber zu 5G. In diesem Falle eilt allerdings in der Tat bereits die Zeit. Die Wirtschafts- und Politmächtigen wollen uns in Juncker’scher Manier wieder einmal unter Ausschluss der Bürger, also des Souveräns, von dem laut Verfassung alle Macht ausgeht, vor vollendete Tatsachen stellen. Dass es durchaus erfolgreich sein kann, wenn sich Menschen entgegen der Juncker-Demokratur aufrichten, kann man bereits mancherorts beobachten: So musste sogar die belgische Regierung den 5G-Ausbau in Brüssel vor Kurzem verbieten, nachem die Umweltministerin Fremault nach Sichtung des aktuellen Forschungsstandes zum Schluss kam: „Ich kann eine solche Technik nicht zulassen, wenn die Strahlungsstandards, die die Bürger schützen sollen, nicht beachtet werden – 5G hin oder her. Die Brüsseler sind keine Meerschweinchen, deren Gesundheit ich aus Profitgründen verkaufen kann.“ Neben italienischen Metropolen hat auch das Schweizer Kantonsparlament Genf den 5G-Netzausbau mit deutlicher Stimmenmehrheit untersagt. Man sieht also: Vieles ist möglich und die menschliche Vernunft kann sich durchaus durchsetzen – zumindest solange nicht Grüne am Ruder sind. Wer sich einer der Stop 5G-Initiativen in Deutschland anschließen oder in seiner Gemeinde selbst eine begründen möchte, der kann sich z.B. hier bei Facebook melden.

Nachsatz:

Jetzt sollte das Ganze eigentlich nur ein paar Einleitungszeilen mit dem Hinweis auf den jüngsten Artikel von Hannes Hofbauer betreffend EU-Zensurpläne werden und ich bin thematisch wieder einmal vollkommen abgedriftet. Hier also die hard facts, um die es mir eigentlich ging:

Hannes Hofbauer, laut dem britischen Historiker Tariq Ali  „einer der führenden progressiven Intellektuellen Österreichs“, der den „anscheinend einzigen linken Verlag“ des Landes führt, hat sich zu den Plänen, was unsere Schäfer mit der Schafherde zu tun gedenken, in den Nachdenkseiten geäußert. Daraus ein kleiner Ausschnitt:

<< Wer den am 14. Juni 2019 von der EU-Kommission vorgelegten “Bericht über die Umsetzung des Aktionsplanes gegen Desinformation” liest, wird erschreckt feststellen, dass der Aufbau einer EU-weit tätigen Zensurbehörde bereits weitgehend abgeschlossen ist. Demnächst soll die Verbreitung von Informationen, die Brüssel als falsch und gefährlich einschätzt, mit Sanktionen bis hin zu Kontosperren und Reiseverboten geahndet werden.

Im Papier der EU-Kommission, für das nebstbei auch die außenpolitische Speerspitze Federica Mogherini verantwortlich zeichnet, wird der Terminus “Desinformation” als ein Vorgang definiert, der darauf abzielt, “abzulenken und zu spalten, durch die Verdrehung und Verfälschung von Tatsachen Zweifel zu sähen und so die Menschen zu verwirren und ihr Vertrauen in die Institutionen und die etablierten politischen Prozesse auszuhöhlen.” Im Visier stehen dabei nicht die großen meinungsbildenden Medienkonzerne, die tagein, tagaus von Tatsachen ablenken und Wahrheiten verdrehen, dies aber gerade in Hinblick auf die Stabilisierung der bestehenden Herrschaftsverhältnisse tun. Als zu bekämpfender Desinformant gilt, wer solche in Zweifel zieht und ihre Institutionen aushöhlt.

Die Themenkreise, über die ihrer Meinung nach Desinformation verbreitet wird, sind insbesondere die “Infragestellung der demokratischen Legitimität der Union sowie Debatten über Migration und Souveränität”, mithin: die großen Brüsseler Schwachstellen. 

Ein EU-eigenes Frühwarnsystem zum Erkennen falscher Informationen verstärkt zudem seine Zusammenarbeit mit den Organisationen der globalen westlichen Wirtschafts- und Militärstruktur, den “internationalen Partnern wie G7 und NATO”. >>

 

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zum Weiterlesen:

Tagesspiegel: „Wie gesundheitsschädlich ist 5G wirklich?“ (erstaunlich gut recherchierte und qualitativ hochwertige Reportage in einem Mainstreamblatt; geschrieben von einem der wohl letzten echten investigativen Journalisten: Harald Schumann)

Diagnose Funk (Interview mit dem Vorsitzenden Dipl-Ing. Jörn Gutbier zur aktuellen Forschungslage betr. Mobilfunkstrahlung mit vielen weiterführenden Links)

Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake  (Nachrichtenspiegel)

Die Hard 4.0: Arma5Geddon  (Nachrichtenspiegel)

 

 

Bild: Pixabay CC0

Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da. Und der Kampf um die Zukunft hat begonnen …

cc-by Parkwaechter

Da ich selbst an vorderer Front der Automatisierungstechnik arbeite, kratze ich mich in letzter Zeit immer öfter am Kopf. Denn auf einschlägigen Kongressen zum Thema „Industrie 4.0“ und „digitale Transformation unserer Gesellschaft“ erlebe ich immer wieder dasselbe Phänomen: Selbst die vorgeblichen „Technologieführer“ und Experten auf diesem Gebiet sehen eigentlich keinen Sinn darin, in einer Welt, die an einem überbordenden Maß an hybrider Technisierung bereits fast zerbricht, noch mehr vom Bereits-Vielzuviel zu fordern und zur Ausmerzung aller noch verbliebenen analogen Bereiche des Menschseins zu blasen. Warum man im eigenen Konzern trotzdem die „vierte industrielle Revolution“ vehement mitvorantreibe, wird lapidar damit begründet, dass es die Anderen eben auch tun. Auch die Politiker argumentieren ähnlich: Die Industrie 4.0-Agenda würde deshalb gefördert, weil man da gegenüber anderen Staaten keinesfalls zurückbleiben wolle. Ein großer Teil der von europäischen Regierungen vergebenen Wirtschafts- und Forschungsförderungen ist daher für Industrie 4.0-Projekte zweckgebunden. Wer mit „normalen“ unternehmerischen Ideen um Subvention ansucht, hat das Nachsehen, Industrie 4.0-affine Unternehmungen haben Vorrang.

Sogar die Technologieexperten selbst wissen zwar nicht, wohin uns die totale Digitalisierung führen wird, und wenn man mit ihnen unter vier Augen redet, gestehen Sie auch, dass ihnen die ganze Sache eigentlich nicht ganz geheuer sei, aber gleichwohl gilt es als absolutes Muss, sich hierbei besonders progressiv und fortschrittswütig zu geben (siehe dazu auch Nachrichtenspiegel: „Auf dem Weg zur digitalen Transformation und zum Final Handshake“). Wer in der Szene keine bedingungslose Begeisterung für die – von unbekannter Seite ausgerufene – digitale Transformation vorgibt, der ist draußen, und zwar schnell. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich im Smalltalk mit Kollegen meine Zunge kontrollieren muss, um nicht das herauszusagen, was ich wirklich von der Sache halte – obwohl ich weiß, dass die meisten Kollegen ähnlich denken wie ich und mir umgehend zustimmen würden. Verrückt, oder? Solches stillschweigende Einvernehmen und Duckmäusertum vermeint man doch sonst nur von totalitären Gesellschaften zu kennen, in denen Personen mit politisch inkorrekter Meinung damit rechnen müssen, im Falle ihrer Enttarnung von einem gut eingespielten Räderwerk von der Bildfläche beseitigt zu werden. Da natürlich keiner von uns Experten von der Bildfläche verschwinden möchte, üben wir uns alle in perfektem Understatement und rühren nach Kräften die Werbetrommel für die digitale Transformation.

Besonders wenn ich auf solchen Technologiekongressen Politiker/innen sehe, muss ich angesichts deren Naivität immer die Augen verdrehen. Ich merke, wie diese Politiker/innen selbst unsicher sind und keine eigene Meinung zu dem Thema haben, sondern sich nervös witternd von uns Experten eine waschechte Expertenhaltung zu diesem Thema abschauen wollen. Wir, die wir im Epizentrum der vierten Revolution stehen, müssen es ja schließlich wissen, sind wir doch, wie Noam Chomsky treffend feststellt, die „säkulare Priesterschaft der Machtelite“, die dem Rest der Bevölkerung „verkündet, was sie glauben soll“. Obwohl also, bis auf wenige Ausnahmen, in Wirklichkeit keiner von uns Automatisierungsexperten so richtig an „Industrie 4.0“ und die digitale Gesellschaftstransformation glaubt, so spielen wir den Politikern bei jeder Gelegenheit einen bedingungslosen Glauben daran vor. „Wer bremst, verliert“, lautet die Devise und wer will im Orchester der Industrie schon als Fortschrittsverweigerer dastehen?

Die Katze beißt sich dann in den Schwanz, wenn die Politiker/innen von den Technologie-Kongressen mit der von uns Technikern vermittelten Erkenntnis im Rucksack heimkehren, dass „Industrie 4.0“ auf jeden Fall etwas ganz Tolles ist, und in der Folge dann ein ganz auf Industrie 4.0 ausgerichtetes Wirtschafts- und Forschungsförderungsprogramm budgetieren – welches uns Techniker wiederum zwingt, das Rad zur digitalen Transformation noch schneller zu drehen. Dass sich die Politiker/innen mit „Industrie 4.0“ ein noch nie dagewesenes Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen und somit ein Heer an Arbeitslosen einhandeln, was unsere Sozialsysteme in der bisher gekannten Form unfinanzierbar machen wird, scheint unsere Volksvertreter nicht zu bekümmern.

Wenn im Zuge der auf Hochdampf forcierten digitalen Transformation vor dem Horrorszenario einer vollkommen mechatronisierten und bürgerüberwachten, rein dem Effizienzprinzip unterworfenen Lebenswelt gewarnt wird und z.B. der Psychologe Götz Eisenberg in einem sehr lesenswerten Essay die Frage aufwirft, „ob eine zur Vernunft gekommene Gesellschaft eine solche Forschung nicht stoppen sollte“, dann kommt von Fortschrittsfreunden umgehend der Vorhalt von „Technikfeindlichkeit“. Milde lächelnd wird man dann belehrt, dass ja die Menschen immer schon Angst vor neuen Technologien gehabt hätten, z.B. bei der Einführung von Eisenbahn, Elektrizität, Fernsehen und Telefon und dass sich diese Technologien dann im Nachhinein doch als halb so wild herausgestellt haben.

Atombomben und Kernkraftwerke fehlen bei dieser Aufzählung meistens. Ich weiß nicht, warum die Fortschrittsfreunde diese Errungenschaften nicht miterwähnen, ist doch Hiroshima der beste Beweis dafür, dass in einer Stadt schon wenige Jahrzehnte nach einem Atombombenabwurf wieder reges urbanes Treiben herrschen kann, wo Menschen Geschäfte machen und Spaß haben. Auch dass ab und zu ein Kernkraftwerk hochgeht, hat bis jetzt noch nicht bewirkt, dass deswegen die Fußball-WM abgesagt oder der Ballermann dichtgemacht werden musste. Im Supermarktregal gibt es weiterhin 45 verschiedene Joghurtsorten und hunderte Softdrinks zur Auswahl, alle paar Wochen eine neue Smartphone-Generation und jedes Wochenende eine Serie an Events, bei denen man voll Spaß haben und sich „das Gurkerl geben“ kann. So what. Was soll also die ganze Aufregung um Hochrisikotechnologien und künstliche Intelligenz? „Every technology has its risks“ – mit diesem knappen Satz hörte ich einen Fracking-Ingenieur antworten, als ihm von einem Journalistenteam die verheerenden ökologischen Folgen dieser Technologie vorgehalten wurden.

Nun, trotz der vorgenannten Schweigespirale artikuliert sich in letzter Zeit doch auch Widerstand gegen die naive Technikgläubigkeit. Z.B. hat der US Milliardär und Chef von Tesla Motors, Elon Musk, vor Kurzem die Befürchtung geäußert, dass wir Menschen angesichts der sprunghaften Entwicklung in der künstlichen Intelligenz und Robotik schon demnächst zu einer Art Haustieren degradiert werden könnten: „Wir werden abgehängt“, meint Musk. Und fügt hinzu: „Ich werde nicht gern eine Hauskatze.“ (Quelle: welt.de)

In einer Rede vor Studenten des MIT mahnt er zur Vorsicht und vertritt die Überzeugung, dass künstliche Intelligenz nichts weniger als die größte existenzielle Bedrohung für die Menschheit darstelle, vor der wir jemals gestanden hätten. Nicht-menschliches Denken zu schaffen sei nach seiner Ansicht wie „Dämonen zu beschwören“ (siehe gulli.com). Mit dieser Meinung ist er inzwischen keineswegs allein. Vor Kurzem haben Hunderte der namhaftesten KI-Forscher einen offenen Brief verfasst, in welchem eindringlich vor einem drohenden technologischen SuperGAU gewarnt wird. Auch Stephen Hawking warnt mit Nachdruck vor einer Apokalypse, die auf uns zurollt und uns auch noch als Fortschritt verkauft wird. Er sorgt sich, dass jedoch kaum jemand ernstzunehmende Nachforschungen zu diesem Thema anstelle. Hawking vergleicht diese Naivität mit einer nahenden Invasion von Außerirdischen:

„Wenn eine fortschrittlichere, außerirdische Zivilisation uns eine Nachricht mit den Worten ‚Wir kommen in ein paar Jahrzehnten an‘ schicken würde, würden wir dann einfach mit ‚OK, ruft kurz an, bevor ihr da seid, wir lassen die Lichter an‘ antworten? Wahrscheinlich nicht – doch genau so wird mehr oder weniger gerade mit der künstlichen Intelligenz verfahren.“(Quelle:gulli.com)

In einem Interview im Independent warnt Hawking: „Es gebe keine Grenzen für die Entwicklung einer KI. Keine physikalischen Gesetze können verhindern, dass Partikel anfangen sich selbst zu organisieren und zu einem fortschrittlicheren Denk-Organismus werden als das menschliche Gehirn. Die Folge könnte eine nicht zu stoppende Selbstvervielfältigung sein …“ Die Erschaffung einer künstlichen Intelligenz (KI) bezeichnete er als „größtes Ereignis in der Geschichte der Menschheit“. Es könne jedoch auch das letzte sein, wenn die Risiken dieser Entwicklung nicht beachtet würden. Das Konzept einer hochintelligenten Maschine als „Science Fiction“ abzutun, könnte sich als schlimmster Fehler der Geschichte herausstellen, so Hawking.

Ich muss gestehen, dass auch mir als Techniker der ausufernde Technikwahn immer unheimlicher wird. Nicht dass ich ein Technikfeind wäre. Ganz im Gegenteil, ich halte es für möglich, dass der Mensch Technik in einer sinnvollen Weise in sein Leben integrieren kann. Dazu müsste man Technik aber in eine Position zurechtrücken, in welcher die Technik dem Menschen dient und nicht so wie derzeit, wo der Mensch einer eigenläufig gewordenen Technik dient. Wenn wir das, was wir an neuen mechatronischen, biotechnologischen, KI-, nuklear-, gen- und nanotechnologischen Möglichkeiten zur Verfügung haben, mit unserer bisherigen (szientistisch-nihilistisch-hedonistischen) Haltung in die Geburt bringen, dann wird uns der überdimensionale Tyrannosaurus Rex, den wir damit erschaffen, zweifellos mit Stumpf und Stiel in einem gähnenden Schlund verschwinden lassen und unsere Evolution ist beendet. Es wäre jedoch auch möglich, die genannten Hochrisikotechnologien mit einer menschengerechten Intention auszusteuern. Dazu müssten wir uns bloß eine humanistisch-philosophische Grundeinstellung zulegen – eine solche meiden unsere derzeit amtierenden Politikern jedoch wie die Teufel das Weihwasser (obwohl eine humanistisch-philosophische Intention eigentlich unser Kulturschatz und die genuin-europäische Wurzel wäre, ohne welche das gute Europa schon demnächst vollkommen vertrocknen und vom Wind davongeblasen würde). Die Karten stehen also derzeit schlecht, und nur deswegen formuliere ich hier einige ketzerische Gedanken gegenüber der anstehenden „vierten industriellen Revolution“ – diese Revolution könnte nämlich in der Tat, wie auch Hawking warnt, unsere letzte sein. Denn wenn durch die geplante Technologieoffensive der Mensch – insbesondere seine Fähigkeiten zum Denken, Fühlen und selbstbestimmten Handeln – aus den bisherigen Lebenszusammenhängen ausgeklammert werden, man die Verantwortung stattdessen an eine „künstliche Intelligenz“, also an ein kaltes Zahlensystem übergibt (siehe dazu auch Peds Ansichten) – was bleibt dann noch vom Menschen übrig?

In einer lesenswerten Analyse (siehe Nachdenkseiten) kommt auch der Philosoph Matthias Burchardt zum Schluss, dass unsere derzeitige, ökonomisch-technokratische Ausrichtung im Grunde „zutiefst nihilistisch und deshalb unfähig ist, eine Sinnfigur hervorzubringen“. Sie mache uns zu „Insassen einer apolitischen, technokratisch-ökonomistischen Untertanenfabrik und Sachzwangdiktatur“ und würde letztlich in nichts anderem enden als in einem barbarischen „Kampf Jeder gegen Jeden“. Nachdem ich das vorbezeichnete System nun schon mehrere Jahrzehnte von innen her kennengelernt habe, kann ich diese Worte Burchhardts leider nur unterschreiben, auch wenn ich damit manch begeistertem MINT-Studenten und IT-Geek nun seine Motivation raube.

Die in Schule und Uni zu fortschritts- und frackinggläubigen Bürgern erzogene Generation an Digital Natives wird mich womöglich nicht verstehen und den folgenden Vergleich für übertrieben halten, aber immer öfter muss ich an die Schilderungen meiner Großeltern über den von ihnen erlebten Führerkult denken. Über den „Fortschritt“, den ihnen der Führer versprochen hatte und der im totalen Krieg geendet hatte. Heute erscheinen uns dieser Führerkult und die damals vorherrschende Ideologie als absolut grotesk und schizophren. Wir können es kaum glauben, wie die Menschen bei solchem Wahnsinn kollektiv begeistert und fröhlich fahnenschwingend mitmachen konnten. Wie war es möglich, dass der Führer auf seine Frage: „Wollt ihr den totalen Krieg?“ frenetische Zustimmung vom Publikum erhalten hat? Ich erwische mich bei einem unerlaubten Gedankengang: Könnte es sein, dass eine spätere Generation einmal über unsere jetzige Generation genauso denken wird? Dass auch wir einem „Führer“ aufsitzen, dem wir naiv zujubeln, der uns aber sukzessive ins Verderben führt? Zumindest kurzfristig habe ich weniger Sorge, dass sich dieser Führer in Form einer konkreten Person manifestieren wird, wovor ja derzeit viele Essayisten warnen, die sich selbst als ‚links‘ verorten. Hingegen habe ich die viel größere Befürchtung, dass wir in der Fortschrittsgläubigkeit selbst bzw. in der inzwischen wahnwitzig gewordenen Technik unseren „Führer 4.0“ finden, vor dem wir stillschweigend in die Knie gehen und dem wir bedingungslosen Gehorsam leisten, obwohl er uns auf einen Marsch ohne Wiederkehr Richtung Grand Canyon schickt. Aktuell stellt dieser Führer an uns die Frage: „Wollt ihr die totale Digitalisierung?“ – Was wird unsere Antwort auf diese in den Raum gestellte Frage sein?

Die blendende Größe und schier unangreifbare Macht dieses Führers bringt uns wie es scheint dazu, diesem Führer bedenkenlos unsere Zukunft, unsere Kinder, unser gesamtes Menschsein in die Hände zu legen. Wer in der glorreichen Zukunft, in die uns dieser Führer führen will, Dantes Eishölle zu erkennen vermeint, läuft Gefahr, umgehend aus der Glaubensgemeinschaft des technokratischen Nihilismus exkommuniziert zu werden. Er ist ein Ketzer. – So einer wie der Widerstandskämpfer Georg Elser, der seinerzeit etwas gegen die schrankenlose Macht des Führers unternehmen wollte, bevor alles zu spät ist.

Voriges Jahr kam ein neuer Film über Georg Elser in die Kinos. Ein Anschauen des ganzen Films ist meiner Meinung nach weniger empfehlenswert, da sich die Filmemacher hauptsächlich auf die Beziehung Elsers zu einer Frau fokussiert haben und ihn als emotionalen Lebemann darstellen – was aber den historischen Tatsachen nicht entspricht (Elser war eher ein stiller, feinsinniger und konzentrierter Geist, der privaten Angelegenheiten zeitlebens keinen besonderen Wert beigemessen hat). Eine im Film ersichtliche Szene – für mich eine Schlüsselszene mit gewaltiger Symbolkraft auch für die Zukunft –  haben die Filmemacher dafür jedoch mit umso größerer Bravour auf die Leinwand gebracht: In einem Bierzelt wird großrednerisch versprochen, dass der „Führer“ schon bald Wohlstand und Fortschritt bis in den letzten Winkel des Deutschen Reiches bringen werde: jedem Bürger  einen Volksempfänger  sowie  die  Asphaltierung  und  Beleuchtung sämtlicher Dorfstraßen – Verheißungen, die das Publikum mit leuchtenden Augen und frenetischem Applaus beantwortet. Besonders eindrücklich hierbei das Gesicht Georg Elsers, wie er inmitten einer fanatisierten, von den NS-Fortschrittsversprechungen mitgerissenen und dem Wahnsinn zujubelnden Menschenmenge klaren Geist bewahrt und sich seine eigenen Gedanken macht. (Im u.a. Trailer sieht man leider nur eine andere, aber ebenfalls eindrückliche Szene von Elser inmitten eines NS-Auditoriums). Wer sich dieses Bild einprägt, dem kann es zu einer Art geistigem Gegengift gegen die schleichende Vermassung und Entindividualisierung werden, mit der auch wir heute wieder in ungeahntem Ausmaß konfrontiert sind.

Wir tun, glaube ich, gut daran, uns heute wieder mit dem Widerstandsgeist Elsers auseinanderzusetzen. Jeder, der sich mit Georg Elser beschäftigt, wird dies nicht ohne Gewinn tun, m.E. ist er ein viel größerer Held als der vielzitierte Graf Stauffenberg – schließlich war Stauffenberg lange Zeit selbst Nazi, der sich erst in der Endphase des Krieges gegen Hitler gewandt hat, als er sah, dass der Führer mit seinen Plänen nicht mehr erfolgreich sein wird. Hingegen hat Georg Elser den drohenden Wahnsinn gleich von Beginn an erkannt und sein Leben geopfert, um dagegen anzukämpfen (siehe hier auch ein PDF zur Lebensgeschichte Elsers).

Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs und nur 20 Tage vor Befreiung des KZ Dachau wurde der inhaftierte Elser durch Genickschuss getötet – auf direkte Anordnung des „Führers“.  Obwohl er ein großer philosophischer Geist gewesen sein dürfte, ist über seine Person heute fast nichts mehr überliefert. Die Nazis hatten relevante Unterlagen vernichtet und über Elser eine Vielzahl von Lügen und Verleumdungen in Umlauf gebracht, die noch bis vor wenigen Jahren verhinderten, dass man offen über diesen Widerstandskämpfer redet und ihn gebührend würdigt (siehe Zeit-Artikel „Den schweigen sie tot!“).

Aus den wenigen Zeilen, die von Georg Elser überliefert sind:

 „Wir gehen alle vor die Hunde. Und das ganze Land mit uns. 

„Irgendjemand muss den Wahnsinn doch aufhalten. – Man kann nicht warten bis es zu spät ist.“

„Ich bin ein freier Mensch gewesen. 

Man muss machen, was richtig ist.

Wenn der Mensch nicht frei ist,

stirbt alles ab.“

                         Georg Elser

 

Die Kinderfresser unter uns oder: Der Wille zur Vernichtung der Menschheit – (K)eine Gutenachtgeschichte

Foto: cc-by Parkwaechter 2017

Ich weiß, es ist eine Zumutung, das im Wonnemonat Mai anzubringen, wo nach langem Winter endlich wieder die ersten Bierzeltfeste und Open Air Konzerte beginnen, wo wir wieder in den Winkepuh-Modus übergehen und am Berliner Kirchtag die Menschenmassen fröhlich Fähnchen schwingen und dem Auftritt von Merkel und Obama zujubeln (siehe dazu Rubikon), aber ich muss es einfach loswerden. Also:

Unlängst bin ich mit einem Bekanntem, von Beruf Psychotherapeut, abends in einer Hotelbar gesessen. Was er mir aus seiner Praxis erzählt hat, lässt mir immer noch die Kinnlade runterhängen – übertrifft es doch die dunkelsten Horrorfilme, die ich bisher kannte. Von einem Klienten erzählte er mir, der seine Erlebnisse in einem Satanisten-Netzwerk aufarbeiten wollte. In diesem Netzwerk würden nicht nur Tiere grausam zu Tode gefoltert, sondern es wäre auch gang und gäbe, Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren rituell hinzurichten. Er erzählte, dass er selbst mehrere Kinder eigenhändig umgebracht habe. Diese Schilderungen stammen nun nicht aus den dunklen Urwäldern Südamerikas, sondern aus dem vermeintlichen Land der Dichter und Denker. Nach Aussage des Klienten existieren zwischen München und Hamburg in fast jeder größeren Stadt Deutschlands derartige Satanisten-Logen. Entgegen dem gängigen Klischee handele es sich hierbei nicht um irgendwelche fernsehverblödeten Spinner, sondern die Dunkelmänner rekrutierten sich aus den einflussreichsten Kreisen unserer Gesellschaft: Politiker, Industrielle, Wissenschaftler, Ärzte, Finanzexperten, hochrangige Juristen und Journalisten. Da viele Leser nicht gewillt sein werden, sich Details dieses Sumpfes zu Gemüte zu führen und hier abbrechen, sei vorab nur kurz das Endziel der elitären Satanisten erwähnt – es könnte ja auch diejenigen bzw. deren Kinder betreffen, die jetzt gerade keine Zeit oder Lust zum Weiterlesen haben. Dieses nicht unbescheidene Ziel ist: eine restlose Mechanisierung der Erde und damit ein Ende der menschlichen Evolution bzw. ein Neubeginn einer rein mechatronischen Evolution sich selbst replizierender Maschinenintelligenzen (auch wenn Sie das genauso grotesk finden wie ich, aber behalten Sie dieses Ziel eventuell im Hinterkopf, wenn Sie in den nächsten Jahren die Veränderungen beobachten, die mit der derzeit auf Hochdruck propagierten „digitalen Transformation / Industrie 4.0 / Schule 4.0 / Gesellschaft 4.0“ einhergehen werden).

Business as usual?

Zurück aber zur Kinderschänderszene. Als ich zu diesem Thema nachrecherchierte, bemerkte ich schnell, dass die Erfahrungen meines Bekannten keineswegs ungewöhnlich sind. Laut einer statistischen Erhebung aus den USA (Bottoms et al 1990) haben 24% der klinischen Psychologen in Ihrer Praxis mit „rituellem Missbrauch“, also mit Kinderschändung in satanistischem Kontext zu tun. Eine Datenerhebung unter kassenärztlichen Psychotherapeuten aus Rheinland-Pfalz (Arbeitskreis „Rituelle Gewalt in NRW“, Kownatzki 2005) kommt immerhin auf 15%.

Ist es zu lebhafte Phantasie oder passt es da dazu, dass in den USA 51.000 Kinder einfach vom Erdboden verschwunden sind (siehe Spiegel) und auch in Deutschland pro Jahr etwa 1000 Kinder für immer verschwinden (siehe vermisste-kinder.de)? Und was ist mit den 9000  minderjährigen Flüchtlingen (siehe Tagesschau), die im letzten Jahr auf Deutschlands Boden verschwunden sind? – Ich merke, wie ich geneigt bin, lieber zu rationaleren Erklärungen für dieses Verschwinden Zuflucht zu nehmen: Vermutlich sind diese Kinder einfach in offene Kanaldeckel marschiert oder wurden von städtischen Laubbläsern versehentlich vom Gehsteig geweht.

Dass Kindesmissbrauch und –mord in den oberen Rängen des öffentlichen Lebens offensichtlich keine Seltenheit ist, erfuhr man zuletzt aus Großbritannien.  Unter dem Titel „Britische Elite versinkt im Abgrund der Schande“ berichtet die Welt von einem Pädophilen-Ring, der bis in die Spitzen des Westminster-Establishments reichte und gedeckt wurde von der Polizei, die auf höhere Weisung hin nicht ermittelte oder Akten gezielt verschwinden ließ.“ Die britische Premierministerin Theresa May meinte zu den bisherigen Untersuchungen, diese seien nur „die Spitze des Eisbergs“ (siehe welt.de). Der Spiegel berichtete: „In Großbritannien laufen derzeit in mehreren Fällen Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs gegen 261 einflussreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter 76 Politiker“. Aus einem weiteren Welt-Artikel „Sex, Lügen, MI5 – und 200 vermisste Kinder“ erfährt man: „…in London gärt ein unfassbarer Pädophilen-Skandal. Darin verwickelt: Politiker, Richter, V.I.P.s. Der Verdacht: Geheimdienste deckten den Kinderschänderring im Regierungsviertel – und auch Morde.“

Obwohl es bei Scotland Yard 114 pralle Aktenordner zur Dokumentation des Kindesmissbrauchs gab, musste der Staatssekretär des Innenministeriums zuletzt zugeben, dass alle brisanten Aktenordner aus seinem Ministerium verschwunden seien. Ein pensionierter Polizeibeamter sagte dazu aus, dass gegenständliche Akten nicht, wie von der Polizei behauptet, verloren gegangen seien, sondern vom Inlandsgeheimdienst MI5 beschlagnahmt wurden (Quelle: welt.de). Auch ein Anschuldigungs-Dossier des 1995 verstorbenen Abgeordneten Geoffrey Dickens, das dieser an den damaligen Innenminister Leon Brittan und den Generalstaatsanwalt Sir Thomas Hetherington überreichte, ist in den Schreibtischläden der Lords versickert.

Verurteilungen gibt es daher ebenso wie im Fall Marc Dutroux bis dato kaum – die wenigen Fälle, in denen Beweise nicht mehr unterdrückt und an die Öffentlichkeit gespielt wurden, betreffen VIPs, die nicht mehr leben und daher nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können. So etwa der ehemalige britische Premierminister (nein, diesmal war’s nicht der Gärtner!) Ted Heath, der langjährige Parlamentsabgeordnete Cyril Smith (hier ein Foto von  „Big Cyril“, wie der ehrenwerte Politiker zu Lebzeiten genannt wurde) oder dessen einflussreicher Freund  Jimmy Savile, der über einen Zeitraum von 50 Jahren über 500 Kinder missbraucht und sich auch noch an Leichen vergangen hat. Was in den Medien weniger erwähnt wurde: Mehrere überlebende Opfer sagten aus, dass BBC-Star Savile ebenso wie Ex-Premierminister Heath sie im Zuge schwarzmagischer Messen vergewaltigt hätten (siehe Sunday Express und The Sun). Laut der Zeugenaussagen wurden während dieser Messen andere Kinder rituell umgebracht.

Wer meint, dass solche dekadenten Zustände nur im kreuzverdorbenen Großbritannien und Belgien zu finden sind aber doch nicht in jenem marktkonformen Land, in dem es allen gut geht, der hat wohl schon den „Sachsensumpf“ und den Fall der minderjährigen Zwangsprostituierten Mandy Kopp vergessen (siehe Zeit). Als sie vor Gericht zog, erkannte sie im Leipziger Staatsanwalt und Chemitzer Gerichtspräsidenten sowie im Vizepräsidenten des Leipziger Landgerichts ihre ehemaligen Peiniger wieder. Kopp und eine ebenfalls missbrauchte Kollegin nennen eine Reihe weiterer hochrangiger Missbrauchstäter, darunter Richter, Justizbeamte, Anwälte und Unternehmer. Aber dann erfolgen Interventionen von ganz oben: Der Chefermittler wird auf direkte Weisung des Innenministers kaltgestellt, der Untersuchungsauftrag vom CDU-Ministerpräsidenten abgelehnt und der Untersuchungsausschuss blockiert (siehe Zeit). Die Opfer werden zu Tätern gemacht und ihrerseits wegen Verleumdung angeklagt, während die wirklichen Täter von höchster Ebene aus gedeckt werden. Der Sachsensumpf  wurde ebenso wenig trockengelegt wie derjenige um Marc Dutroux, obwohl dieser in den ersten Phasen seiner Einvernahme selbst zugegeben hat, Teil eines großen Kinderschänder-Netzwerks zu sein.

Krude Verschwörungstheorien und seriöse Leitmedien

Wenn nun Xavier Naidoo in einem jüngsten Popsong auf das Problem Kindesmissbrauch in elitären Kreisen anspielt und unsere Politiker als „Marionetten“ und als „Tatsachenverdreher, die sich an Unschuldigen vergehen“ kritisiert (siehe Rubikon), was machen dann die Qualitätsjournalisten unserer Wahrheitspresse? – Im Grunde das Gleiche, was man mit Mandy Kopp gemacht hat und was heute eigentlich auf allen Ebenen des Tagesgeschehens zu beobachten ist: Man stellt alles auf den Kopf, macht aus Opfern Täter und stempelt Menschen, die noch den Mut aufbringen, Missstände anzuprangern und 2+2 zusammenzuzählen, zu gefährlichen „Verschwörungstheoretikern“, dem neuzeitlichen Synonym für den „Ketzer“ und die „Hexe“ des Mittelalters.

Systemkritik, nein, das geht heute gar nicht. Korruption, menschliches Leid oder gar böse Intention? – Vielleicht gibt’s das irgendwo am Orion, aber doch nicht auf unserem freudestrahlenden blauen Planeten; schon gar nicht in einer marktkonformen Demokratie. Auch in der FAZ holt daher die Nachwuchsjournalistin Leonie Feuerbach zum Rundumschlag aus und bezeichnet die Anspielung Naidoos als „krude Verschwörungstheorie“ und als „an Absurdität kaum zu überbieten“.

Obwohl viele Internetkommentatoren der Meinung sind, dass es eher der Artikel der Leonie Feuerbach ist, der (an Erbärmlichkeit) nicht zu überbieten ist, so möchte ich an dieser Stelle – wenn schon keine Lanze, so doch einen kleinen Zahnstocher für die junge Leonie brechen. Erwartet man denn ernstlich, dass eine junge Bezahlschreiberin, die eben erst in der FAZ Fuß gefasst hat, gegen den Strom der herrschenden Meinung und ihrer Leitmedien schwimmt? Nimmt man es ihr wirklich krumm, dass sie es vorzieht, sich ein schmuckes Energiesparhäuschen mit SUV, Kind und Hund zu erarbeiten, anstatt den Sumpf von Korruption und Kinderschändung aufzuarbeiten? Dass man in diesem Sumpf nur untergehen kann, wurde uns ja in der ZDF-Doku „Marc Dutroux und die toten Zeugen“ bereits eindrücklich vors Auge gestellt (es reicht, sich die ersten Minuten dieser Doku anzusehen, um zu verstehen: kaum entschließt sich ein Mitwisser zum „Auspacken“, ereilt ihn binnen Tagesfrist ein schneller Tod, genauso wie den ermittelnden Staatsanwalt und mehrere ambitionierte Polizisten; insgesamt sterben 27 Zeugen eines ungeklärten Todes). Erwartet man von der jungen Leonie also wirklich den Mumm einer Laura Poitras, die sich mit Julian Assange und Edward Snowden, die Geheimdienste im Nacken, auf eine Odyssee begeben hat, von der sie nicht wusste, ob sie jemals lebend wieder heimkehren wird (siehe Vimeo: Citizenfour)? Wer soll während dieser Odyssee die Kreditraten fürs Häuschen zahlen, die Leasingraten für den SUV und wer füttert den Hund? Nein, also bitte … da stellt man sich dann doch lieber in eine Reihe mit der herrschenden Meinung des „Rudeljournalismus“ (Jens Wernicke) und macht das, was Peter Sloterdijk bereits charakterisiert hat: „Die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.“

Into Darkness

Aber schweifen wir nicht ab, kehren wir wieder zurück zu den Erzählungen des vorgenannten Augenzeugens bzw. Täters.  Ich erspare mir detaillierte Schilderungen der Folterungen, möchte jedoch weitergeben, dass der Tod eines auf die Schlachtbank gespannten Opfers möglichst langsam und unter Zufügung größtmöglichen Leides herbeigeführt wird. Nach Ansicht der Dunkelmänner hat dies zweierlei Auswirkungen: eine subjektive und eine objektive. Die subjektive Wirkung bestehe darin, dass durch das bewusste Quälen (Stechen oder Schneiden) eines lebendigen Wesens das eigene Ego in einer Art perversem Machtrausch erkraftet (als ich diese Information erhalten habe, musste ich spontan an das bereits zum Breitensport gewordene Phänomen des ‚Mobbing‘ denken  … sind also vielleicht viele Menschen, ohne es zu wissen, per definitionem praktizierende Satanisten?) Die zweite, objektive Wirkung des vorbezeichneten Quälens bewirke nach Ansicht der Dunkelmänner hingegen eine Zerstörung der menschlichen Atmosphäre und Verhärtung der Welt als Ganzes, sodass die Welt schließlich einmal als unbewohnbarer, mechanisierter (!) Planet zurückbleiben solle und die menschliche Evolution beendet sei. Auch dazu blitzt auf meiner Stirn eine spontane Assoziation auf: Wurde eine solche Mechatronisierung nicht bereits filmisch genial umgesetzt von den Star Trek-Autoren in Form der Spezies der „Borgs“ bzw. des Borg-Kubus (siehe http://de.memory-alpha.wikia.com/wiki/Borg)? Wer hätte gedacht, dass eine solch vollendete Technologieaffinität gleichbedeutend mit dem Endsieg des Dunklen ist, wo uns doch die wissenschaftliche Avantgarde rund um Google-CEO Eric Schmidt und seinen technischen Direktor Ray Kurzweil dies als kommendes Paradies anpreist (zur geplanten „digitalen Transformation“ unserer Gesellschaft siehe auch ein lesenswertes Essay in Peds Ansichten). Das vorgenannte Endziel der Mechanisierung deckt sich jedenfalls mit Aussagen, die ich auch von anderen verlässlichen Quellen erhalten habe.

(Anm.: Nur höhergradige Logenmitglieder sind in Kenntnis dieses Endziels. Neu rekrutierte Mitglieder werden im Glauben gelassen, dass es hier nur um Sex, Macht und Völlerei gehe, also um nicht viel anderes, als was auch durch die Massenmedien flächendeckend als erstrebenswertes Lebensideal angepriesen wird. Erst wenn sich ein Mitglied durch mehrere Morde in den Sumpf des Verbrechens verstrickt hat, also keine Umkehr mehr möglich ist, wird ihm das vorgenannte Endziel mitgeteilt).

Der in psychotherapeutischer Behandlung stehende Dunkelmann berichtete übrigens nicht nur von der Opferung kleiner Kinder, sondern meinte, in seinem Netzwerk würden noch einige andere Dinge betrieben, die aber so schlimm seien, das er keinesfalls darüber reden, sondern sich diese Dinge nur mit sich selbst ausmachen wolle. Ich für meinen Teil kann mir zwar nicht vorstellen, was noch schlimmer sein soll, als das Zutode-Foltern kleiner Kinder, aber was weiß ein Kleinbürger wie ich schon von der großen Welt?

Bevor ich fortfahre: Wer solche Folterungen nicht für möglich hält, der lausche kurz bei Minute 11:55 der N24-Doku „Ritueller Missbrauch“ auf YouTube) den Schilderungen eines heute 15jährigen Mädchens, das bei solchen Kindesopferungen dabei war. Es existiert im Netz eine Vielzahl ähnlicher, von Experten als authentisch bewerteter Zeugenaussagen. Erwähnenswert ist insbesondere eine zu Jahresbeginn in der britischen „Daily Mail“ veröffentlichte Enthüllung der heute 53-jährigen Anneke Lucas, die als Kind fünf Jahre lang von einem elitären Pädophilen-Netzwerk rituell missbraucht und gefoltert wurde. Nach ihrer Aussage gehörten die Mitglieder des Netzwerkes alle der Elite an:

 „Ich erkannte Leute aus dem Fernsehen wieder. Ich stieß auf VIPs, europäische Staatsoberhäupter und sogar ein Mitglied einer königlichen Familie. Ich wurde mit der dunklen Seite ihrer Machtabhängigkeit konfrontiert – jener Seite, von der niemand glaubt, dass sie existiert.“

Gleich nach ihrem ersten Missbrauch in einem aristokratischen Schloss wurde sie in den  Keller geführt, wo man ihr die auf einem Opferbock liegende Leiche eines frisch ermordeten Kindes zeigte mit der Botschaft: „Wenn du redest, stirbst du.“ Lucas hat ausgerechnet, dass sie in ihrem fünfjährigen Martyrium über 1.700 Stunden gefoltert und vergewaltigt wurde.

„… Mädchen wurden häufiger ermordet als Jungs, die wiederum häufiger gefoltert wurden, als die Mädchen. Ich wusste, was mit Mädchen passiert war, die aufgefallen waren … Also versuchte ich, nicht aufzufallen.“ Nach fünf Jahren wäre jedoch auch „ihre Zeit gekommen“: „Mit 11 Jahren sollte ich getötet werden. Ich wurde gefoltert … Ich wurde an einen Metzgerblock geschnallt. Er war schwarz vom Blut all der Kinder vor mir … mein Körper ist voll von Narben und jede Narbe erinnert mich an diesen Moment“.

Ihre Tötung wurde in letzter Sekunde abgewendet, weil ein 20-jähriger Politikersohn, der Sympathie für sie empfand, mit dem Chef des Netzwerks einen „Deal“ aushandelte. Brisantes Detail aus den Erzählungen: Die Verbrechen fanden in Brüssel statt und Lucas gibt an, auch von einem Mann gefoltert worden zu sein, der einer der Angeklagten im Fall Dutroux war. Nach Aussage von Lucas war der Boss des Netzwerks „ein belgischer Kabinettsminister“. Kommt die Einzeltätertheorie im Fall Dutroux also letztlich doch noch ins Wanken? Die belgische Justiz hat daran anscheinend kein Interesse und möchte die neuen Aussagen „nicht kommentieren“. Auch unsere DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien halten sich bedeckt, außer dem bösen Russia Today/RT waren die Enthüllungen hierzulande in keinem größeren Nachrichtenmedium eine Erwähnung wert. In Zeiten von Brexit und Eurokrise kann Brüssel anscheinend kein erneutes Hochkochen seiner Abgründe gebrauchen. Wo kommen wir denn hin, wenn der Hauptsitz der Europäischen Union und Sitz der NATO wieder als Hort moralischer Verkommenheit dasteht? Außerdem, es gibt Wichtigeres zu berichten: Zum Beispiel, dass Uschi Glas wieder einen neuen Lebensgefährten gefunden hat, mit dem sie unheimlich glücklich ist. Oder Interviews, in denen der Torschützenkönig von FC Bayern erzählt, welchen SUV er bevorzugt. Was kümmert es uns da schon, dass Spitzenpolitiker unterwegs sind, die auf schwarzen Fleischerböcken kleine Kinder sezieren? Nein, da greife ich lieber nach meinem rettenden Strohhalm, Leonie Feuerbach: Das ist ja „an Absurdität kaum zu überbieten“.

Wie auch immer, der Leser mag sich selbst einen Eindruck verschaffen, ob die Aussagen des rituellen Missbrauchsopfers Anneke Lucas glaubhaft sind oder nicht – hier nur ein kurzer, mit deutschen Untertiteln versehener Ausschnitt aus ihren umfangreichen Interviews (der persönliche Bericht von Anneke Lucas erschien auf „Global Citizen” und im Youtube-Kanal „Real Women Real Stories“).

Nun, was soll der Leser von den angeführten Fakten halten?  Wem jetzt der Appetit auf sein Bier vergangen ist, der sei beruhigt: das sind nur „alternative Fakten“, die man genauso wenig beachten muss wie das kritische Gerede rund um die Eröffnung des St. Gotthardtunnels vor versammelter europäischer Regierungsmannschaft (siehe RT) oder um die MOCA Gala 2016, bei der sich die High Society an pseudokannibalistischen Ritualen erfreute und sich lebende menschliche Köpfe auf ihre Teller servieren ließ (siehe Youtube). Manche kruden Verschwörungstheoretiker sahen darin die moralische Verderbtheit unserer Eliten und vermeinten zu erkennen, dass in solchen High Society-Events eben „der Mund überfließt, wovon das Herz voll ist“. Nun, ich für meinen Teil halte es da lieber mit den Skeptikern und glaube, dass unsere politischen und ökonomischen Führungskräfte dort einfach ihren Spaß haben und demonstrieren wollten, dass sie keinesfalls Fortschrittsverweigerer, sondern voll am Puls der Zeit sind. So what. Genauso wie das unsere feine Gesellschaft bei den Wiener Festspielen 2017 macht, auf deren Bühne gerade wieder „gekotzt, uriniert, kopuliert, gekreischt“ und mit Eingeweiden und echtem menschlichen Blut um sich geworfen wird (siehe Nachrichtenspiegel). Wer bei solchen Festivitäten nicht Lust auf Mehr bekommt, der ist einfach noch von gestern. Sollte doch eigentlich schon gegessen sein, das Thema. Verstehe nicht, warum es immer wieder aufflackert, wo doch Bundeskanzlerin Merkel bereits unmissverständlich bekundet hat: „Wir werden uns unseren Lebensstil von den Terroristen nicht austreiben lassen!“

Club Hell

Apropos alternative Fakten. Davon gibt es nun ein paar Pfund mehr: Vor wenigen Wochen hat der niederländische Investmentbanker Ronald Bernard über seine Erfahrungen mit den Herren der Welt „ausgepackt“.  Für unsere DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien wiederum: uninteressant. In den alternativen Medien macht sein Interview allerdings gerade Furore und weist Rekordklickzahlen auf. Was Ronald Bernard (dessen Identität von mehreren unabhängigen Rechercheteams bestätigt wurde) zu berichten hat, ist in der Tat starker Tobak. Dass er nach diesen Enthüllungen noch lebt, ist seiner Aussage nach nur dem Umstand geschuldet, dass er keine konkreten Namen nennt.

Man nehme sich auch in diesem Fall die Zeit, selbst zu beurteilen, was der Ex-Banker in seinem Interview vorbringt (ursprünglich veröffentlicht vom niederländischen De Vrije Media TV):

Für diejenigen, die sich nicht die 30 Minuten zum Videogucken nehmen wollen, hier eine kurze Inhaltsangabe:

Bernard erzählt, wie er als junger, ehrgeiziger Unternehmer bis in die Kreise der Finanzelite aufgestiegen ist. Um in dieser Liga mitzuspielen, wurde er von seinem Mentor aufgefordert, sein Gewissen „im Gefrierschrank bei Minus 100 Grad abzulegen und es nie wieder herausholen“. Der frisch rekrutierte Young Leader lachte darüber und willigte ein. Fortan war es sein Job, als Spindoctor die Geldströme der Global Players zu koordinieren und die Interessen von Banken, Regierungen, multinationalen Konzernen, Geheimdiensten, Terrorgruppen und kriminellen Vereinigungen unter einen Hut zu bringen. Bernard erzählt, was man eigentlich schon geahnt hat: Über die mörderischen Hintergründe der Lobby- und Rüstungsmaschinerie und wie die Bürger für dumm verkauft werden. Dass Kriege nicht einfach passieren, sondern von Geheimdiensten gezielt „konstruiert“ und finanziert werden, um Absatzmärkte für die Rüstungsindustrie am Dampfen zu halten. Neu ist bei dieser Schilderung eventuell der Aspekt, dass äußerlich miteinander kämpfende Parteien hinter der Weltbühne einvernehmlich kooperieren, um aus dem menschlichen Desaster für beide Seiten maximal möglichen Profit zu lukrieren. Damit von den Drahtziehern niemand zu kurz kommt, brauche es Finanztransaktionsprofis, die Geldwäsche im großen Stil abwickeln. Bernard schildert, wie er in die Keller von Banken geführt wurde, in denen es aussah wie im Geldspeicher von Dagobert Duck: das in langen Containerreihen gestapelte Schwarzgeld reichte bis zur Decke. Sein Auftrag: die Gelder weißzuwaschen. Um dies durchführen zu können, mussten ihn die Mächtigen in die Architektur des globalen Interessensnetzwerks lückenlos einweihen, denn es durften dabei keine Fehler passieren. Über den Unterschied zwischen Geheimdiensten und kriminellen Vereinigungen kann er daher nur lachen, seiner Ansicht nach „sind alle Geheimdienste kriminelle Vereinigungen“. Auch den Aufruhr um die Panama Papers versteht er nicht. Im Vergleich zu den schmutzigen Machenschaften, die wirklich hinter der Bühne abliefen, „…geht es dabei doch um nichts. Leute, wen wollt ihr damit langweilen?“, so Bernard.

Er erzählt, dass es etwa 8000 bis 8500 Personen seien, die alle relevanten Geldflüsse beherrschen und quasi die Macht über das globale Weltgeschehen in Händen hielten. Der Insider lässt uns auch ins Innenleben dieser Herren der Welt blicken:

„Die Natur, der Planet, alles könnte brennen und kaputt gehen. Eben nur unnütze Parasiten. So lange es mit unseren Zielen zusammen passt, so lange wir wachsen (…)
und dann lachten wir darüber. Hahaha, alle zusammen, jeder von uns. Wir schauten auf diese Leute herunter, verspotteten sie. Es war eben nur ein Produkt, Abfall, alles war wertloser Schund.“

Dass in den oberen Etagen bzw. in den Kellern der Weltmächte weitgehende Amoralität  herrscht, wird die meisten von uns noch nicht allzusehr überraschen. Auch die Zeit hat ja bereits berichtet, dass dort oben bzw. unten die statistische Dichte an Psychopathen erschreckend hoch ist. Ab der Mitte des Interviews wird es dann jedoch wirklich spannend. Bernard schildert, dass der regelrechte Hass, den die vorgenannten Herren der Welt gegenüber Mensch und Umwelt an den Tag legen (hier illustriert von Steve Cutts), nicht bloß auf Profitgier beruhe, sondern die Antriebskraft zur umfassenden globalen Destruktion aus einer ganz eigentümlichen Religion geschöpft wird, die „keinesfalls Mainstream“ sei:

„Um es vorsichtig auszudrücken: Die meisten dieser Leute folgen keiner Mainstream-Religion. Wir haben also Katholiken, Protestanten und alle Arten von Religionen. Die meisten dieser Leute waren aber Luziferianer.“ 

Den Satanismus und die schwarzen Messen, in welche Bernard von den Herren der Welt im Laufe seiner Arbeit eingeführt wurde, habe er anfangs für Humbug gehalten. Er habe darüber gelacht und sich gedacht, dass all die Satanskirchen mit nackten Frauen und dem Zelebrieren des Dunklen und Bösen eben zum dekadenten Lebensstil der Elite dazugehörten.

Er schildert, wie er sich selbst an diesem dekadenten Leben amüsiert habe, bis – an dieser Stelle des Interviews beginnt Bernard zu weinen – die Herren der Welt von ihm erwarteten, dass er während einer Opferzeremonie selbst ein Kind umbringt. Als er diesen Akt vollbringen sollte, brach er schließlich zusammen. Sein „Kühlschrank bekam einen Kurzschluss“ und sein Gewissen begann wieder aufzutauen. Ab diesem Moment beschloss er, auszusteigen.

Bernard schildert, dass die dunkle Kraft, die in den Kreisen der Eliten angebetet wird, keineswegs aus Jux und Tollerei verehrt wird, sondern dass die Herren der Welt diese dunkle Kraft als etwas definitiv Reales ansehen, als eine zwar unsichtbare, aber „wirkmächtige Entität“, der sie sich verpflichtet haben und der sie sich willfährig zur Verfügung stellen. Die Stimmung, die in diesen Kreisen herrsche, schildert er als

eine vernichtende Kraft, die unsere Eingeweide, die Schöpfung und alles Leben hasst und die alles tun wird, um uns völlig zu zerstören (…) Es sind nur Wenige, die die Tragweite davon nicht unterschätzen.“

Egal ob der Leser diesen Glauben der Dunkelmänner für real oder für surreal hält, jedenfalls könnte einem mit diesen Insiderinformationen nun eventuell erklärlich werden, warum unsere globalisierte Welt entgegen aller Vernunft immer mehr aus den Fugen gerät, allerortens Eskalation und Kahlfraß herrschen, unsere Ökosysteme unbarmherzig vergiftet und zerstört, weite Landstriche durch Uranmunition unnötigerweise verseucht und auch die Menschen als bloße Marktware ausgeschlachtet werden.

Anneke Lucas bezeichnet Bernards Schilderungen über die elitären Machtkreise auf Ihrem Facebook-Konto als deckungsgleich mit ihren eigenen Erfahrungen. Erwähnenswert ist auch, dass die Erfahrungen Bernards sich mit Erzählungen von Pascal Roussel, einem anderen Banker und Finanzinsider decken. In seinem Buch ‘The Divine Trap’ versucht er seine Erfahrungen in Romanform darzulegen. In einem begleitenden Interview meinte er, dass er heute aufgrund historischer Studien, der Auswertung umfangreicher Quellen, Begegnungen und Gesprächen mit Superreichen sagen könne, dass okkulte Praktiken in den Reihen der Superreichen Standard sei (wobei man lt. Aussage von Bernard „das Fußvolk auf Abstand halten“ und „nicht wolle, dass da oben zu viel los sei“). Vielleicht ist es dazu gar kein Widerspruch, sondern passt perfekt dazu, dass man heute bemüht ist, in der Bevölkerung ein rein säkulares, „streng wissenschaftliches“ Weltbild zu etablieren. Wenn die Menschen gar keine Begriffe und somit keine Vorstellung von dem haben, was die Herren der Welt so hinter den Kulissen treiben, dann können diese ihre dunklen Machenschaften weiterhin ungestört fortsetzen.  Denn aus schulwissenschaftlicher Sicht machen die perversen Folterungen und Tötungen zwecks Machtakkumulation ja keinen Sinn bzw. kann es so etwas „Krudes“ (Zit. Leonie Feuerbach) gar nicht geben. – Nun, Ronald Bernards Kollegen in ihren schwarzen Roben sehen das offensichtlich ganz anders. Sie selbst frönen indessen ungestört einem Weltbild, das alles andere als „schulwissenschaftlich“ ist – und führen sukzessive eine Welt herbei, die in ihrer äußeren Ausprägung auch nach objektiven Maßstäben immer höllischer wird. Nicht umsonst bezeichnete die New York Times das Jahrzehnt um die Milleniumswende als „wahrhaft höllische Dekade“. Der ehem. UN-Kommissar Jean Ziegler spricht von einer „kannibalistischen Weltordung“, die heute das Tagesgeschehen beherrsche, sogar die Räume der eigentlich für Völkerverständigung und Frieden eingerichteten UNO nennt er „eine erbarmungslose Welt“. Muss man sich in solch erbarmungsloser Welt wirklich darüber wundern, dass man, wie Ilija Trojanow jüngst festgestellt hat, überall Politiker antrifft, die von sich geben: „Wir können nichts tun. Uns sind die Hände gebunden“?

Wie dem auch sei, am Ende seines Interviews gibt sich Ronald Bernard trotz allem zuversichtlich. Er meint, dass der globale Wahnsinn sofort aufhören würde, sobald die Bürger wieder zu ihrer Mündigkeit erwachen („Vereinigt Euch, kommt zusammen, und dieser ganze Scheiß hört auf zu existieren. Das könnte sogar sehr schnell passieren“). Es ist also bloß die Krankheit der „chronischen Ignoranz“ (siehe Wolfgang Herles), die wir überwinden müssen, damit sich die Rauchschwaden lichten und es wieder aufwärts geht. Ronald Bernard selbst macht inzwischen etwas Ähnliches wie der Economic Hitman John Perkins: Er versucht den von ihm angerichteten Schaden wieder gutzumachen, indem er sich für Fair Trade einsetzt und mithilft, ein ethisches Finanzsystem aufzubauen (siehe bofjoy.net).

Global Leaders

Ich habe im Nachgang etwas über Ronald Bernard recherchiert. In einem weiteren (nur auf holländisch verfügbaren, sein neues Bankprojekt betreffenden) Interview erfährt man, dass auch er früher in Brüssel/Belgien stationiert war. Haben sich die von ihm geschilderten Szenen also womöglich ebenfalls in der europäischen Polit-/Lobbymetropole und im Dunstkreis Dutrouxs abgespielt? Fragen über Fragen türmen sich auf.  Auf der Businessplattform Bloomberg war er, sofern das derselbe Ronald Bernard  ist, unter anderem als Managing Director von Alvarez & Marsal gelistet. Wer auf deren Website den Reiter „Industries“ anklickt, erfährt, dass sich diese von den USA bis nach Indien über die ganze Welt ausgebreitete Sozietät für ein „Reshaping“ von praktisch allen Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen zuständig fühlt. Neben dem Finanz-, Technologie-, Energie-, Umwelt-, Pharmazie-, Sozial- und Mediensektor zählt die Rüstungsindustrie ebenso zum Ackerfeld der Alvarez Marshals wie der „öffentliche & soziale Sektor“ sowie die Erziehung, für die man ambitionierte Ziele hat: „Reshaping K-12 educational performance“ kündet ein entsprechender Header.

Wer die als „GLOBAL LEADERS“ gelisteten Kollegen Bernards durchzuscrollen versucht, wird sich dabei nur einen wunden Zeigefinger einhandeln, denn wie hier zu bestaunen, nimmt die Reservearmee an „Managing Directors“ mit hochkarätiger akademischer Bildung schlichtweg kein Ende, sondern es werden ständig neue, smarte Gesichter nachgeladen. Dass der guten Gesellschaft ihr „Experte für alles“, Ronald Bernard, aus moralischen Gründen weggebrochen ist, wird dort also vermutlich kein allzu großes Kompetenzloch hinterlassen.

So, da Sie jetzt wissen, dass nicht nur das komplizierte Räderwerk der Ökonomie, sondern auch die Pädagogik und die Zukunft unserer Kinder bei den streng-wissenschaftlich-akkreditierten Kollegen Ronald Bernards in bester Hand sind, können Sie sich nun beruhigt Ihr gewohntes Feierabendbier aufmachen und vor dem Flachbildschirm entspannen … bevor Montag morgens wieder der Wecker läutet und das Murmeltier grüßt.

In diesem Sinne: Gute Nacht …

***
Nachsatz:

Dem Leser, der es geschafft hat, diesen Artikel zu Ende zu lesen, empfehle ich, am kommenden Wochenende ein bisschen raus an die frische Luft zu gehen und sich der Sonne zu erfreuen. Ich weiß, die oben gesetzten Links sind kein leichter Tobak. Bei so einem Blick hinter die Kulissen kann einem ganz schön schummrig werden – dabei hat uns Altbundespräsident Gauck doch erst vor Kurzem Entwarnung gegeben, dass dort hinter der Bühne ohnehin alles in Ordnung sei und wir uns über die Eliten keinen Kopf machen sollten („die Eliten sind gar nicht das Problem, die Bevölkerungen sind im Moment das Problem“ –Quelle: Youtube). Nun, vielleicht hat der gute Mann das gar nicht zynisch gemeint, sondern hat einfach Recht. Vielleicht wird sich das Problem der dekadenten Eliten ganz von selbst verflüchtigen, wenn wir Bürger aufhören, unseren Teletubbie-Schlummer zu schlafen und aus dem Winkepuh-Modus erwachen. Denn in Wirklichkeit verhält es sich mit dem globalen Gleichgewicht so wie mit einer Waage: In dem Moment, wo viele Menschen aufwachen und wieder mündig und aktiv gestaltend werden, müssen im Gegenzug die Machenschaften der Globalisierungseliten und Finanztechnokraten wieder absteigen. So wie es ein japanisches Sprichwort sagt: Wenn die Sonne wieder aufgeht, müssen selbst die mächtigsten Schneemänner schmelzen.

***
P.P.S.: Passend zum Thema habe ich in der jüngsten Ausgabe des GEA-brennstoffs gerade ein Essay von Konstantin Wecker gefunden, in dem er unter Bezugnahme auf Erich Fromm feststellt, dass es die „Nekrophilen“ sind, die derzeit das Weltgeschehen bestimmen, stellt dem jedoch den Begriff der „Biophilie“ gegenüber:

1964 schrieb Erich Fromm: »Die Nekrophilie   (…) ist ge­nau jene Antwort auf das Leben, die im völligen Gegensatz zum Leben steht; sie ist die morbideste und gefährlichste unter allen Le­bens­orien­tie­rungen, deren der Mensch fähig ist. Sie ist eine echte Perversion: ob­wohl man lebendig ist, liebt man nicht das Lebendige, sondern das Tote. Nicht Wachs­tum sondern Destruk­tion.«

Fromm stellte der Nekrophilie, dem Angezogensein vom Leblosen und Zerstörerischen, die „Biophilie“, das An­gezogensein vom Lebendigen und die Liebe zum Lebendigen gegenüber. Er fragte generell nach der Eigendynamik alles Leben­den und erkannte, dass diesem über das bloße Streben nach Überleben hinaus eine »Ten­denz zur Integration und Vereinigung« eigentümlich ist.

Konstantin Wecker beendet sein Essay schließlich mit einer nüchternen Feststellung und einem leidenschaftlichen Appell:

„Es sind die Nekrophilen, die derzeit das Weltgeschehen bestimmen. Kriege und Zerstörung der Erde, der Tiere und Pflan­zen, alles Lebendigen eben, sind ihre Werk­zeuge. Lassen wir uns nicht einschüchtern. Preisen wir das Leben, das Irdische wie das Himmlische, dem wir von Urbeginn an angehören.“

In diesem Sinne sollten wir auch inmitten aller schwarzer Rauchwolken niemals unterschätzen, was jeder einzelne von uns in die Waagschale der „Biophilie“ hineinlegen und damit zur Auflösung der „Nekrophilie“ beitragen kann.

***
Update v. 12.06.2017: Aufgrund des großen Interesses (das Interview mit Ronald Bernard erzielte in kürzester Zeit mehr als 20 Millionen Klicks) sind vier weitere Interviews des Ex-Bankers geplant. Teil 2 wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht: siehe YouTube 

 

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