Demenz

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Die dritte Welle – wird die Welle der Frühdemenz sein! (Von Brzezinski lernen heißt siegen lernen)

243 dritte Well Cancel God -Begin_Brzezinski_Camp_David_Chess

Yes we can(cel)!

Die zweite Welle ist gegessen. Eine medial-pharmazeutisch-lauterbachernde Übermacht will sie sich nicht nehmen lassen und manifestiert sie jetzt mit aller zu Gebote stehender Gewalt. Yes we can!, würde Obamas PR-Agentur, die für ihre elektrisierende Präsidentschaftskampagne auch den großen Preis der US Werbeindustrie gewonnen hat, ausrufen. Das Gebein, das diese zweite Welle hinterlassen wird, wird gewaltig sein. Aber es ist müßig, noch über darüber zu reden. Wer Erich Kästner gelesen hat, weiß, dass man eine Lawine gleich zu Beginn stoppen muss. Wenn sie schon ins Rollen gekommen ist, ist es zu spät. Lassen wir also die zweite Welle Schnee von gestern sein und reden wir über die dritte. Gegen diese dritte Welle wird uns die zweite womöglich wie eine Rutschpartie im Wellnessbad vorkommen.

Auch diese dritte Lawine bereitet sich gerade vor. Im Gegensatz zur zweiten befindet sie sich aber in einem Stadium, in dem wir sie eventuell noch stoppen können. Zumindest kann der Einzelne als Individuum entscheiden, ob er Teil der Lawine werden und damit mit ihr untergehen will oder ob er lieber einen anderen, wenn auch beschwerlicheren Weg ins Gebirge wählt.

Wenn wir sie nicht aufhalten, könnte sie uns alle canceln: Cancel Culture. Einige Experten für alpinen Lawinenverbau wie Milosz Matuschek treffen zum Glück bereits Vorkehrungen, um das Schlimmste zu verhindern (siehe „Appell für freie Debattenräume“). „Cancel Culture“ hat vielleicht nicht umsonst die gleiche Wortwurzel wie „Cancer“ – vielen dämmert mittlerweile, dass dieser Ungeist des Denunzierens Andersdenkender gewissermaßen Krebs für unsere Diskussionskultur ist und wir schleunigst etwas gegen diese Krankheit unternehmen sollten. Insofern auch der „Cancel God“ (siehe oben) nicht nur ein kopfloser, sondern auch ein zutiefst kranker Geist ist. Wer sich von ihm infiltrieren lässt, ist eigentlich arm dran. Er kann zwar als Vassalle dieses Ungeists in seinem Umkreis durchaus einigen Schaden anrichten (und am Gwupsofa gemeinsam mit Sheldon Coopers Kumpels auch Spaß daran haben), aber übersieht, dass er dabei den allergrößten Schaden sich selbst zufügt.

Indem man sich von diesem Umgeist leiten lässt, praktiziert man das Gegenteil von dem, was an sich gesundes Menschsein wäre: interessiert und wertschätzend auf seine Mitmenschen und neues Gedankengut zuzugehen, sich mutig auch unangenehmen Wahrheiten zu stellen. Wer hingegen in dem verharren möchte, was Vaclav Havel als Lebenslüge (*) bezeichnet hat und alle Anlässe zum Umdenken, die einem heute ja reichlich begegnen, brüsk abwehrt, stattdessen weiter die Lösemittelschwaden aus den Klebstofftüten der Relotius-Narrenspiegel und Südtäuschen Zeitungen inhaliert, um sich die Illusion des „guten & gernen“ Lebens aufrechtzuerhalten, der wird sich mit der Zeit selbst intoxinieren und den Garaus bereiten. Denn eine gesunde Verschaltung von Nervensynapsen ist in einer solchen Atmosphäre von Argwohn, Hass und Nichtwissenwollenschaft schlichtweg nicht möglich. Man weiß es aus der Umweltmedizin: Das Einatmen von Lösemitteldämpfen (VOCs) wirkt nicht nur betäubend, sondern zersetzt langsam das Zentralnervensystem.

Da es gar nicht so wenige sind, die diese Lösemitteldämpfe der Konsens- und Dissensmanufakturen lustvoll inhalieren und sich von der Cancel Culture willfährig instrumentalisieren lassen, sehe ich leider Massen an Frühdementen auf unsere Gesellschaft zukommen. Das, und nicht der Coronavirus, könnte unser Gesundheits- und Sozialsystem dann wirklich wie befürchtet sprengen.


(*) Zu Havels „Lebenslüge“:

Ein großes Missverständnis ist es wohl, wenn wir Wahrheit und Lüge als etwas Statisches ansehen. Damit soll Wahrheit nicht in die Beliebigkeit relativiert werden, was ein noch viel größerer Irrweg wäre, der heute auch eifrig beschritten wird. Was ich meine ist vielmehr, dass eine Einsicht, die gestern noch frisch und echt war, schon morgen ebenfalls zur Lebenslüge verholzt sein kann, wenn ich sie heute nicht neu erringe und weiterdenke. Wer sich gerade darüber wundert, warum so viele Künstler und kluge Menschen, die einstmals gute und brauchbare Gedanken formuliert haben und die man dafür zurecht geschätzt hat, heute ebenfalls verholzen, nur noch Abziehbilder ihrer selbst sind und sich als Multiplikatoren des zur Normalität erklärten Wahnsinns hergeben – das ist der schlichte Grund: sie haben sich auf ihren Lorbeeren bzw. auf ihrem kleinen Bauchladen an Liedern und Erkenntnissen ausgeruht, dachten, dass sie schon den Bogen `raus hätten und die Dinge checken. Sokrates, dessen Wahlspruch zeitlebens „Scio, nescio“ (Ich weiß, dass ich nicht weiß) war, hätte absehen können, wozu eine solche Haltung führt.

Doch man musste nicht einmal Philosoph sein, um das Schlammassel vorauszusehen, in dem wir jetzt stecken. Sogar ein verschlagener Fuchs wie der US Präsidentenberater Brzeziski hat lächend gemeint, dass die herrschenden Mächte von den Bürgern einer Demokratie nicht viel zu befürchten hätten und man die „aufgeklärten“ Bürger ruhig schwätzen lassen könne. Denn sie würden sich nach Ansicht Brzezinskis mit der Zeit schon selbst zerschwätzen.

Rechts: Zbignew Brzezinski (Public domain / U.S. Federal Government)

Brzezinskis Vorhersage ist nun auf breiter Front eingetroffen. Er wusste, dass die intellektuelle Eitelkeit den meisten Bürgeraktivisten zum Verhängnis werden wird, da diese im eigenen Wertekanon meist über allem anderen steht. Nicht wenige Intellektuelle und Panikrocker würden sich ja insgeheim wünschen, dass diese Coronapandemie nun in Form einer „zweiten Welle“ wirklich wahr wird, einfach, damit die Welt sieht, dass sie Recht gehabt haben, als sie auf dem Gaul der Drostologie mit der Papaya(„PCR“)-Testlanze als prechtige Ritter der Neuen Normalität davongaloppiert sind.

Doch das Zurückschauen auf diesen gordischen Koronaknoten soll nicht dazu führen, dass wir uns gegenseitig noch mehr Vorwürfe an den Kopf werfen. Das ist fruchtlos. Fruchtbar ist es einzig, wenn man das, was man einsieht, als erstes auf sich selbst anwendet. Und das besagte Verholzen kann man genausogut bei sich selbst beobachten und muss sich hüten, in diese Falle reinzutappen. Wie oft hat man nicht selbst schon eine Sache oder einen Menschen bloß aus seinem abgespeicherten Fundus an Erfahrungen und (Vor-)Urteilen beurteilt anstatt mit unbefangenem Interesse und Aufmerksamkeit? Machen wir es nicht sogar jeden Tag so? Und verpassen auf diese Weise nicht hundert wertvolle Gelegenheiten? Anstatt über eine kaum noch erträgliche gesellschaftliche Ignoranz zu klagen (und dafür wütende Reaktionen einzukassieren), steht einem diese Möglichkeit immer frei und niemand kann einen davon abhalten: Sich selbst an der Nase zu nehmen und sich aus der Ignoranz, die, wenn man ehrlich zu sich ist, auch im eigenen Keller nicht zu knapp gestapelt ist, jeden Tag ein Stück weit mehr zu befreien. – Gleichzeitig mit diesem Auftauchen aus dem Keller kann im übrigen auch der individuelle Immunstatus um einige Etagen nach oben fahren und braucht man sich vor allwinterlichem Virengewimmel nicht mehr zu fürchten.

Denjenigen, die das nicht machen, sollte man nicht zürnen. Man darf sie bedauern, sie werden sich von nun an selbst erledigen. Denn die Zeit, wo man mit einem Dosenbier vor der Umnachtungsschau („Tagesschau“) vor sich hindämmern und mit dem Round-up-ready Brei mitschwimmen konnte, sind vorbei. Die Investoren wollen Return of Investment, ihre Metzger wetzen bereits die Messer bzw. machen die Injektionsnadeln scharf. Nichtwissenwollen hat begonnen, tödlich zu werden. – Nicht mehr nur für die Menschen auf der anderen Seite des neoliberal vergewaltigten Globus.

Marktkonforme Demokratie und marktkonforme Kastration

#stayathome
#waitforvaccine
#waitforthebutcher
(#wakeup)

„Den Teufel spürt das Völkchen nie,
und wenn er sie beim Kragen hätte.“
(Mephisto in Goethes Faust)

Damit wir nächstes Mal bei der alljährlichen Influenza-/Coronawelle nicht wieder das gleiche Theater haben: Alle guten & gernen Bürger, die glauben, dass Gesundheit aus der Spritze kommt, sollten sich die kommende mRNA-Spritze am besten direkt ins Hirn verabreichen lassen. Dann brauchen sie nie wieder Angst haben in diesem lebensgefährlichen Leben.

Ein kurzer Nachrichtenüberblick – 2012.04.18

Es kann nicht immer viel sein…

 War klar, oder?

Die Finanzkrise sollte den Banken eine Lehre sein. Der Fiskus bittet die Branche seitdem zur Kasse. Eine Abgabe soll einen Rettungsfonds füllen, um ein Polster für neue Schieflagen zu bilden. Doch das Geld tröpfelt nur.

Na ja, sind dann ja nur 140 Jahre…

Fast vergessen:

Der französische Energiekonzern Total kommt nach eigenen Angaben beim Einsatz gegen das Gasleck an der havarierten Plattform “Elgin” in der Nordsee voran. Es gebe “deutliche Fortschritte”, teilte der Konzern am Samstag mit. Total will schweren Schlamm in das undichte Bohrloch pressen und außerdem Entlastungsbohrungen vorantreiben.

 Und das hier auch:

You already know that Fukushima’s fuel pool number 4 may be the single greatest threat, but that pool number 3 is very dangerous as well.

Soo viele gruselige Bilder

 Dann hoffen wir mal, daß Sarkozy auch bald vergessen wird:

Nicolas Sarkozy hat am Wochenende mit einer letzten Kraftanstrengung versucht, das Unmögliche doch noch möglich zu machen und den immer wahrscheinlicher werdenden Wahlsieg des Sozialisten François Hollande zu verhindern – ohne Erfolg.

 Die Wikipedia ist Böse™

Nun aber hat der unübersehbar geisteskranke Attentäter selbst offenbart, woher er seine Inspiration nahm: Wichtigste Quelle seiner Ideologie sei nicht Broders Schriftwerk, nicht das Blog eines nordischen Schwertmannesr und nicht Sarrazins „krude These“ (Der Spiegel) vom Untergang Deutschlands, sondern das Internet-Lexikon Wikipedia gewesen.

 Wie immer gibts hier schöne, aufgelesene und kommentierte Nachrichten. Das obligatorische Beispiel:

Bundespräsident Joachim Gauck: EU sollte mehr Macht haben
Und der Heini fordert sogar ein „uneingeschränktes Ja zu Europa“. Also im Klartext: Egal was es uns Steuerzahler kostet. Aber wenn man seine 200.000 Euro im Jahr lebenslang sicher hat, verliert man eben schnell jeglichen Kontakt zur Lebensrealität der normalen Leute.

Ach ja: Gaucks unermüdliches Freiheits-Geschwätz verträgt sich übrigens ganz hervorragend mit seinem „uneingeschränkten Ja zu Europa“, auch wenn die EU-Regierung derzeit flächendeckenden Demokratieabbau betreibt, die totale Überwachung anstrebt und auch vor dem Einsatz des Militärs nicht zurückschreckt, um die Interessen der Vermögenden durchzusetzen. Das alles ist KEIN Widerspruch. Gauck war schon immer ein Prediger der kapitalistischen Freiheit – und nicht etwa ein Prediger zugunsten der Freiheit des Pöbels.

 

 

Multimedia:

Für die gepflegten Vorurteile:
„Statt ungesunden Biokram gibts lieber frisch gekochte Pizza. Von Steinofen!“


[Ja ich weiß, Scripted Reality – aber dann wars eine beindruckende schauspielerische Leistung]

Eine Durchhaltesendung. Alles wird Gut™:

FNORD

Demenz im Dienste der Pharmaindustrie

Kürzlich erst beim surfen durch die Nachrichtenflut eine kleine Besonderheit auf: es gab da einen signifikanten Anstieg bei Erkrankungen psychischer Art. "Psychische und Verhaltensstörungen" stiegen von 9720 Fällen im Jahre 1998 auf 22592 Fälle im Jahre 2009 - ein Anstieg von über einhundert Prozent.  Das interessierte mich. Ich war beruflich mal eine Zeit lang in der Psychiatrie - zum Studium von Krankheitsbildern. Man hatte mir ärztlicherweise geraten, das ich bei diesen Studienaufenthalten immer erwähnen sollte, das ich "Kittel und Schlüssel" hatte.  Das nicht jeder in der geschlossenen Abteilung, der einen Kittel trägt, auch einen Schlüssel hat, gab mir zu denken - ich wollte das Thema als Gast aber nicht weiter vertiefen. Viele Beobachtungen, die ich dort gemacht haben, unterliegen der Schweigepflicht.  Andere nicht - es waren Beobachtungen, die mir zu denken gaben.

Kürzlich erst beim Surfen durch die Nachrichtenflut eine kleine Besonderheit auf: es gab da einen signifikanten Anstieg bei Erkrankungen psychischer Art. „Psychische und Verhaltensstörungen“ stiegen von 9720 Fällen im Jahre 1998 auf 22592 Fälle im Jahre 2009 – ein Anstieg von über einhundert Prozent.  Das interessierte mich. Ich war beruflich mal eine Zeit lang in der Psychiatrie – zum Studium von Krankheitsbildern. Man hatte mir ärztlicherweise geraten, das ich bei diesen Studienaufenthalten immer erwähnen sollte, das ich „Kittel und Schlüssel“ hatte.  Das nicht jeder in der geschlossenen Abteilung, der einen Kittel trägt, auch einen Schlüssel hat, gab mir zu denken – ich wollte das Thema als Gast aber nicht weiter vertiefen. Viele Beobachtungen, die ich dort gemacht haben, unterliegen der Schweigepflicht.  Andere nicht – es waren Beobachtungen, die mir zu denken gaben.

Es ist noch nicht lange her, da war bekannt, das Psychiatrie auch gerne als politische Waffe benutzt werden kann. Man kann sie missbrauchen, um politische Ideen als „grundsätzlich krank“ einzustufen – ein Gedanke, der einem im Prinzip gar nicht so unverständlich ist, wenn man die Verheerungen des Finanzsystems betrachtet. Die Sucht nach leistungslosem Reichtum vernichtet gerade ganze Volkswirtschaften – das muss doch einfach irgendwie krank sein. So weit sind wir allerdings noch nicht, krank sind jene Leute, die zum Beispiel überall eine dreifache Sechs sehen, wie sie auf jedem Apothekenrezept unten links zu erkennen ist. Auf jedem. Wir dürfen uns darüber aber keine Gedanken machen – erst recht nicht im Zusammenhang mit satanischen Riten im Bohemian Grove – weil das ganz schnell zu einem „Wahn“ führen kann. Die Rituale selbst gelten in medizinischen Fachkreisen als weitgehend unbedenklich, Gerüchten zufolge nimmt man selbst gerne an solchen „Events“ teil.

Auf diesem Hintergrund schaute ich mir die Zahlen weiter an – diesmal genauer. Im nächsten Schritt fand ich eine Untergruppe zu „Psychischen und Verhaltensstörungen“ – Demenz – mit ordentlichen Zuwächsen. 1379 Fälle im Jahre 1998, 16147 im Jahre 2009. Zwar nimmt Demenz insgesamt analog zum Alter in der Bevölkerung zu, aber ein Anstieg von einhundert Prozent schien mir etwas viel.

Also suchte ich weiter – und wurde fündig. Schlimmer noch als der Anstieg der verschiedenen Demenzformen war der Anstieg der Diagnose F03:  „Nicht näher bezeichnete Demenz“, hier die Zahlen im Detail:

1998: 891

1999: 1094

2005: 1112

2006: 4003

2007: 6618

2008: 7656

2009: 13681

Das ist ein Anstieg von ÜBER EINTAUSENDFÜNFHUNDERT PROZENT.

So etwas macht stutzig, kann aber schon mal passieren- zum Beispiel,  wenn sich Diagnosekriterien ändern. Allerdings ist F 03 eine Sammeldiagnose für ungeklärte Fälle, im Rahmen der sehr ausdifferenzierten Kriterien der Demenz führt sie ein ziemlich kümmerliches Dasein – eigentlich gedacht für jene Fälle, in denen sich der Patient einer eindeutigen Diagnose entzieht. Die klar diagnostizierbare vaskuläre Demenz steigt in diesem Zeitraum im Vergleich von 488 auf „nur“ 2466 Fälle an.

Die Demenz bei Alzheimer – wohl die bekanntest Form mit Steigerungen von  120000 Erkrankungen im Jahr und unsgesamt 1.3 Millionen Fällen ist in diesem Zusammenhang noch gar nicht erfasst, hält sich aber an Steigerungsraten von 10 %, bis 2050 sollen sich die Zahlen verdoppelt haben: recht brav im Verhältnis zu der Rekordentwicklung einer „Un-Diagnose“, die sich dadurch auszeichnet, das sie zur Krankheit selbst keine näheren Angaben macht, während andere Demenzarten klar zu differenzieren sind.

So etwas macht stutzig, erst recht, wenn die Diagnosekriterien für Demenz sich immer weiter fortentwickeln, die Diagnose mit den Rekorderkrankungen aber eher einer Restesammlung ist.

Es gibt aber nun auch noch eine andere – selten angewendete – Perspektive. Neben einer denkbaren politischen Entscheidung, alle Verschwörungstheoretiker ab morgen als „irgendwie dement“ zu diagnostizieren, damit die von der Straße kommen, gibt es auch noch einen völlig unmedizinischen Faktor, der Krankheiten gezielt erzeugt: den Pharmakonzern.

Und hier finden wir auf einmal eine plausible Erklärung für den Anstieg an Erkrankungen denn … seit 1997 ist Demenz gezielt im Fokus der Pharmaindustrie: eine neuer Absatzmarkt wurde geboren. Natürlich profitieren davon die Umsätze, sie steigen jährlich im Schnitt um 18,4 % , was bei Tagestherapiekosten von 4,40 Euro (1606 Euro im Jahr) ein gutes, solides Geschäft ist.

Nun sind die entsprechenden Medikamente nicht nur umstritten und teuer, sie sind auch so nutzlos, das englische Behörden den Einsatz massiv begrenzt haben.

Der clevere Arzt … kann hier ausweichen, um die Segnungen der Pharmaindustrie weiter zu erhalten. Einfach mal eine Diagnose stellen, die nicht so sehr in der Kritik steht – schon kann man die Ansprüche des Pharmareferenten befriedigen und seine Honorare empfangen. Der professionelle Pharmareferent hat solche „Tips“ auch schnell zur Hand, bei den Tagestherapiekosten schauen die Krankenkassen auch genau hin – was sich jedoch hinter der Diagnose „F 03“ versteckt, fällt nicht so schnell auf.

Und so … fördert die Pharmaindustrie die Entwicklung von Krankheiten zur Steigerung der Umsätze.

Probleme?

Schon 2004 gab es zu dem Thema eine Studie.

Gravierende   Mängel  stellte die Hamburger Forschergruppe  in 8 von 10        Donepecil-Studien fest,  wie ein  kommentarloses Unterschlagen der letzten 6 Wochen   eines  Untersuchungszeitraumes von insgesamt 54 Wochen:  „Da stellt sich die Frage, was in den letzten 6 Wochen geschehen ist, dass es den Lesern vorenthalten wird.“

Angesichts dieser Studienqualität ist es nicht verwunderlich, das das Medikament nicht hält, was es verspricht:

„Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Einsatz von Donepezil bei der vorhandenen Datenlage wissenschaftlich nicht begründet ist. Die Fixierung auf eine medikamentöse Behandlung der Alzheimer Demenz verstellt möglicherweise den Blick auf dringliche Probleme, wie die pflegerische Betreuung, die Sicherung der Lebensqualität der Patienten sowie die kontinuierliche Unterstützung der Angehörigen.“

Das war damals ziemlich viel Gegenwind, der nicht nur von Ärzten ausging:

An der Wirksamkeit von Cholinesterasehemmern, wie z.B. Aricept®, hegten   gewissenhafte Ärzte und wegen erheblicher Nebenwirkungen  besorgte Angehörige schon lange  Zweifel.   Zweifel, die bei  den Vertretern  führender Institutionen eher mitleidiges Kopfschütteln auslösen, als dass negative Fallberichte gesammelt und überprüft würden.

Warum trotzdem weiterverordnet wird, ist kein Geheimnis:

Der VFA (Verband forschender Arzneimittelhersteller, dazu zählen auch die Hersteller von Aricept®, Exelon®, Reminyl®) gibt bislang ebenso viel Geld für Werbung aus wie für seine Forschung. Werbegeld der Pharmafirmen erreicht auch Alzheimer-Organisationen und Alzheimer-Selbsthilfegruppen.

Dieses Geld fließt auch vielen Rednern zu, eine Liste davon findet man hier.

So steht der Arzt vor Ort – selbst wenn er nicht käuflich ist – auf einmal ziemlich verloren da. Die Angehörigen wollen es, die Experten empfehlen es, die Industrie bezahlt dafür … und mit einer einfachen kleinen Verordnung ist man den ganzen Ärger los.

Je größer der Druck, umso eher die Versuchung, bei der Diagnose der Krankheit nicht so genau hinzuschauen und sich mit „F 03“ gekonnt aus der Affäre zu ziehen, zumal ja auch die Wirkung bei „echter“ Demenz nicht ganz so ausgeprägt ist.

Für die Patienten ist es – wie schon erwähnt – nicht immer angenehm, das Zeug schlucken zu müssen. Häufige Nebenwirkungen sind:

Harnwegsinfektionen, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Synkope, Übelkeit, Erbrechen,Durchfall, Dyspepsie, Bauchschmerzen, Hautausschlag, Pruritus, Hautreaktionen an der Applikationsstelle, asthenischeErscheinungen, Fieber, Gewichtsabnahme

Synkope? Eine kleine Ohnmacht. Das schreibt man nicht gerne auf Deutsch in den Beipackzettel, das könnte der Patient verstehen. Die Nebenwirkungen bezüglich des Magen-Darm-Traktes werden als „erheblich“ beschrieben – bei gleichzeitig fragwürdiger Wirksamkeit.  Man verordnet es also am besten Patienten, die gar keine Demenz haben … oder eben eine „nicht näher bezeichnete Demenz“. Die haben dann auch eine Chance, Nebenwirkungen besser zu verarbeiten als wirklich kranke Patienten – bei häufiger Übelkeit und Erbrechen fällt die Tablette ja auch schnell wieder heraus.

Das gerade ältere Patienten schnell bei solchen Nebenwirkungen austrocknen – mit tödlichen Folgen – wird gerne billigend in Kauf genommen. Sie gehören dann auf jeden Fall nicht zu den 20000 Menschen, die jedes Jahr direkt  durch Nebenwirkungen sterben, sondern zu jenen, die durch Dehydration von dannen scheiden, neben Unterernährung und Lungenentzündung eine der drei häufigsten Ursachen für den Tod demenzkranker Menschen.

Wie viele Patienten jetzt aber direkt durch Cholesterinesterasehemmer zu Tode gebracht wurden … werden wir nicht erfahren. Solche Studien werden von der Pharmaindustrie nicht durchgeführt – und die anderen haben kein Geld dafür.

Ich jedoch verstehe langsam, warum die Zahl des Teufels auf jedem Rezept steht. Das moderne Vermarktungssystem von Medikamenten ist inzwischen so perfekt, das man es nur teuflisch nennen kann. Gut, das uns die Rezepte direkt davor warnen – das ist wenigstens fair.

Beruhigend ist jedoch, das sich der Verdacht einer politischen Diagnose nicht weiter erhärten lässt.

(Quelle für F03 -Diagnosen: Bundesamt für Statistik)

 


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