Christoph Sieber

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In der Schraubenpresse des Guten, Gernen und Erbärmlichen – Über das Niederbrechen unserer letzten Bastion: Der Kunst  

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(Bild: E-Gruppe Berlin)

In der Polonaiseschlange mit Pogo, dem Clown

Die neue Normalität duldet keinerlei Abweichungen und würde im Sportpalast noch gepredigt, käme auf “Wollt ihr den totalen Infektionsschutz?” ein vieltausendfaches “Ja” – meint Mathias Bröckers in einem jüngsten Interview. Dass die im Sportpalast bzw. vor der Umnachtungsschau („Tagesschau“) versammelte Burgeoisie wieder einmal dem herrschenden Narrativ folgt, selbt wenn dieses Narrativ offenkundiger Wahnsinn ist, wäre hierbei noch nichts wirklich Bemerkenswertes.

Doch was ist mit all den Künstlern, Satirikern und Liedermachern, die bisher als letzte Bastion des kritischen Geistes galten? Die sich in ihren Texten und Werken stets als kompromisslose Streiter für die Freiheit und gegen die Unmenschlichkeit gaben? Wie ist es möglich, dass gerade in diesen Reihen der vermeintlich Kreativen und Kritischen ein regelrechtes Dominokegeln eingesetzt hat, in dem die meisten Promis bereits umgefallen sind, noch bevor der rülpsende Konsensmoloch (©W. Reiser) richtig Luft geholt hat? – siehe auch „Restlos coole Semunkulen im Enddarm des rülpsenden Konsensmolchs“. Wer hätte es für möglich gehalten, dass sich ehemals unbeugsame Rebellen nun in die Polonaiseschlange von Oktoberfestkaisern wie Söder und Pogo dem Clown einreihen und Schulter an Schulter in die digitale Transformation trotten?

Wo bleibt zumindest das Herz für Kinder? Laut UNICEF-Studie von letzter Woche haben die Lockdown-Maßnahmen 150 Millionen Kinder zusätzlich in Armut gestürzt. Die wenigsten dieser Kinder werden es noch an Grönemeyers Macht schaffen. Laut Oxfam-Studie werde durch die Lockdown-Maßnahmen die Zahl der hungernden Menschen um 82 Prozent bzw. 120 Millionen zunehmen. Zum Jahresende 2020 wird erwartet, dass wegen der Corona-Maßnahmen ca. 12.000 Menschen pro Tag zusätzlich sterben, zum großen Teil Kinder. Doch nicht nur in den Entwicklungsländern ist die Bilanz der Neuen Normalität fatal. Sogar für das Land, in dem wir gut & gerne leben, errechnet der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen, dass die Lockdown-Maßnahmen ca. 200 Mal mehr Lebensjahre vernichten als dadurch vermeintlich gerettet wurden (Quelle: welt.de). Doch 2+2 zusammenzuzählen ist offensichtlich nicht mehr politisch korrekt. Nicht einmal die Hofnarren des Kabaretts wagen es, diese elementare Rechnung vor laufender Kamera zu lösen. Volker Pispers, auf den wir angesichts der beschämenden Performance seiner Nachfolger wehmütig zurückdenken, hat wohl geahnt, was auf uns zukommt als er sich aus nicht näher genannten Gründen von der Bühne zurückgezogen hat.

Mann, Sieber!

Doch unsere wackeren Recken von der ÖR Bühne schweigen nicht nur etwa, so wie es der Titel des nachfolgend verlinkten Artikels nahelegen würde. Sie teilen sogar kräftig aus und treten feste nach denjenigen, die es wagen, das herrschende Narrativ der Neuen Normalität zu hinterfagen. Sind gerade keine „Covidioten“ und „Aluhüte“ in Sicht, da sie „im Medienmörser pulverisiert und vom Shitstorm verweht“ wurden (C. Castellini), dann arbeiten sich unsere guten & gernen Böhmer- und Siebermänner an Slapstick-Plattitüden wie „Die Polizei, dein Freund und Nazi“ ab (siehe Mann, Sieber!, gepostet vorgestern, 22.09.2020). Ja, Mann Sieber … sei dankbar und bete abends drei Ave Maria, dass es in Dunkeldeutschland zum Glück auch diese Nazis gibt. Denn wenn es sie nicht gäbe, dann müsstest Du Dich womöglich mit Pogo dem Clown konfrontieren, der Dich gerade mit blutverschmierter Nase angrinst und nach unseren Kindern verlangt.

Doch zurück zu den eingangs gestellten Fragen und dem Versagen der letzten Bastion unserer Kultur. Der Autor und Fotograf Thomas Castellini hat dazu einige Beobachtungen angestellt.

Wir übernehmen den Text unter Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International).


 

Das Schweigen der Künstler

Musiker und Kabarettisten, die man zuvor als kritische Geister kannte, sind zu eifrigen Verfechtern der Regierungspolitik in Sachen Corona mutiert.

von Thomas Castellini

„Aber die Verschwörungstheorien, die von einem großen Plan reden, das Volk zu entmündigen und zu lenken, halte ich für totalen Quatsch. Angela Merkel ist eine nüchterne Frau, keine große Rednerin. Sie beurteilt die Situation naturwissenschaftlich, das ist angenehm. Sie wird an einer raschen Beendigung der Beschränkungen interessiert sein“, so der Sänger und einst „Niedermacher von Osnabrück“ genannte Heinz Rudolf Kunze, dessen Prognose — um es konziliant auszudrücken — nicht zu 100 Prozent zutraf. Aber immerhin ist er ein treffendes Beispiel für sich als zeitkritisch gebende Künstler, die, wenn es darauf ankommt, nicht die unangepassten, eigenwilligen und nonkonformistischen Zeitgenossen sind, welche sie gerne darstellen.

Doch Kunzes Aussage ist wohl tatsächlich kein Lippenbekenntnis, um nicht negativ auszufallen, sondern er scheint von der Richtigkeit der Killervirus-Sage überzeugt. Und deshalb wäre es auch zu kurz gedacht, hier die Künstler eilig zu verurteilen und kategorisch mehr Engagement und Teilnahme zu fordern. Neben Kunze zweifeln viele nicht an der Richtigkeit dessen, was als „Narrativ“ in den Medien umgeht und beteiligen sich bedauerlicherweise auch an der ausgedehnten Verleumdung der Kritiker als „Corona-Leugner“ und „Aluhüte“. Andere vermeiden es, sich in die Thematik zu vertiefen. Weitere betrachten die Situation tatsächlich kritisch und misstrauisch.

Allen gemein ist die Sorge um die Existenz — im Allgemeinen, nicht nur die künstlerische. Denn außer wenigen Großverdienern, die sich eine längere Auszeit leisten können, traf der „Lockdown“ alle schwer in unterschiedlichen Ausprägungen — von herben finanziellen Verlusten bis zur Vernichtung.

Der eingangs erwähnte Heinz Rudolf Kunze zitierte auch seinen Musikerkollegen Purple Schulz, der ihm gesagt habe: „Nächstes Jahr um diese Zeit wird es die Hälfte von uns nicht mehr geben.“ Um der minimalen Chance willen, es womöglich doch zu schaffen und zu überleben, will kein Künstler es riskieren, in den medialen Schredder zu geraten und als „Covidiot“, „rechter Schwurbler“ oder „krude Theorien verbreitender Verschwörungstheoretiker“ unten wieder rauszukommen, was zweifellos gleichbedeutend wäre mit dem Untergang.

Bodo Schiffmann hatte es nur gut gemeint. Insbesondere zum Wohle der Kinder. In seinem Video „Corona 120“ rief der Arzt aus der Schwindelambulanz zu Sinsheim zwei seiner Lieblingsmusiker, Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken von BAP, auf, „stellvertretend für andere Künstler endlich Position“ zu beziehen, da „wir hier gerade auf dem Weg sind, eine DDR 2.0 aufzubauen“ (1). Schiffmann zitierte aus Lindenbergs „Wozu sind Kriege da?“ und „Zehnter Juni“ von Niedecken und stellte an beide Künstler gerichtet fest: „Ihr wart nie Mainstream.“

Da hat Schiffmann sich gewaltig getäuscht. Mit großer Leidenschaft und ebenso limitiertem Kölsch rezitiert er im Video aus dem BAP-Song, offensichtlich zurückschauend auf Momente, in denen ihm das Lied besonders wichtig war. Doch Niedecken fährt mit dem Bulldozer durch Schiffmanns Erinnerungen. Jener Niedecken, der im genannten Werk singt: „Eure Schachfiguren haben denken gelernt/Und springen einfach vom Brett,/Bis zum Kadaver wird jetzt nicht mehr pariert“ (2).

„Hört mal, ihr Aluhüte, Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner!“, eröffnete der Kölner Sänger seine Ansprache auf Facebook, in der er sich Einlassungen von den Genannten auf den BAP-Internetseiten verbat. „Damit das unmissverständlich klar ist: Ich lasse es nicht zu, dass ihr mit eurer Propaganda unsere Seiten zumüllt. Schreibt auf euren Seiten, was ihr wollt, aber respektiert bitte, dass ihr bei uns nicht willkommen seid. Achtet mal lieber darauf mit welchem Nazi-Pack ihr euch gemein macht. Okay!?“ (3).

Daneben ein Porträt des Musikers mit Ringelshirt, Sonnenbrille und einer der FFP2 funktional gleichwertigen KN-95-Atemschutzmaske. Im gleichlautenden Instagram-Post ist ihm übrigens ein Freudscher Verschreiber unterlaufen, als er im ersten Satz die Adressaten „Corona-Verweigerer“ nannte (4).

Aber um Schiffmann nicht unrecht zu tun: Die Diskrepanz zwischen Texten und Handeln des Bundesverdienstkreuzträgers aus der Kölner Südstadt ist durchaus erheblich. Wobei es nicht darum geht, dass der Sänger die Meinung, die er vertritt, nicht äußern dürfte oder dass es gar eine Missetat darstellte, von dieser überzeugt zu sein, sondern die Art und Weise, wie er Menschen, die einer unterschiedlichen Einschätzung anhängen, diskreditiert und beleidigt. Bereits in einem Interview mit der Kölner Internetzeitung report-K am 15. Juni 2020 hatte er über Demonstranten gegen die „Corona-Maßnahmen“ geäußert: „Die haben sie nicht mehr alle!“ Er forderte, dass jetzt „die Menschen doch alle an einem Strang ziehen“ sollten und konstatierte: „Jetzt passieren wieder merkwürdige Dinge und einige scheren aus. Aluhüte hat es übrigens immer gegeben, von denen sollten sich die Menschen jetzt nicht auseinander dividieren lassen.“

Zweifellos eine ungeheuerliche Aussage. Niedecken unterscheidet hier zwischen den „Menschen“ und „Aluhüten“, absonderliche Freaks, bizarre Ausscherer, die versuchen, die Menschengemeinschaft auseinanderzudividieren.

Das ist eine sprachliche Ansichtskarte von einem Abstecher in den Totalitarismus. Denn Demokratie bedeutet — auch wenn in den vergangenen Jahren die „gemeinsame Lösung alternativlos“ zum politischen Mantra wurde — Dissens statt Konsens; eine Binse, die offensichtlich keine mehr ist.

Geht es ums Ausland, geizt Niedecken allerdings nicht mit Kritik an der staatstragenden Politik: „Brasilien ist auf dem Weg in den Faschismus und Trump will autokratisch regieren.“ Überhaupt Brasilien und Bolsonaro: „Was passiert, wenn man mit absurden Theorien die Pandemie verleugnet, sieht man gerade in Brasilien.“ Und unsere nördlichen Nachbarn bleiben auch nicht ungeschoren: „Auch in Schweden ist der Plan nicht aufgegangen. Sie haben sehr hohe Todesraten mit ihrem eigenen Weg aus der Krise zu beklagen.“

Erneut entdeckt Niedecken also ausscherende Abweichler, die unfassbarerweise einen „eigenen Weg“ beschritten haben. Und dann gelingt ihm noch — wie ein Vorläufer zu Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz‘ Weissagung: „Das Virus kommt mit dem Auto!“ (5) — der bemerkenswerte Satz: „Manche Leute tun so, als ob man mit einem Virus diskutieren könnte, aber das ist völlig hirnverbrannt“ (6). Das hätte Schwedens Chefepidemiologe Anders Tegnell bedenken sollen. Womöglich wäre ein Anruf in Köln eine Option gewesen.

Und dies alles von einem Mann, der 1980 unter dem Titel „‘Nen schönen Gruß“ textete, als wäre es, so könnte man mit gegenwärtigen Blick meinen, der ungehorsame Zwillingsbruder gewesen: „Oh, lieber Orwell, ‘84 ist nah (…)/Es läuft so ähnlich ab, nur unauffällig und viel raffinierter gemacht./Der Trick funktioniert ganz zügig und reibungslos:/Etappenweise Entmündigung klappt famos,/Freiwillig eingereiht und flink zum Verblöden gebracht“ (7). Aber das ist, um einen weiteren BAP-Titel zu zitieren, verdammt lang her …

Auch Lindenberg ließ sich nicht lange bitten. Aus seinem „Udoversum“ im Hotel Atlantic an der Hamburger Außenalster reimte der Dauergast: „Wenn die hirntoten Risikopiloten durch Aerosole zischen, wird es ganze viele noch erwischen.“ Reim dich oder ich fress dich. Eine andere Möglichkeit aus dem Baukasten „Der kleine Reimer“ wäre gewesen: „Covidioten sind wie infektiöse Zecken, das sagt auch mein Kollege Niedecken.“

Und Panik-Udo fügte im typischen Lindenberg-Sprech hinzu: „Wir brauchen die kollektive Mega-Power, also: Maske auf und mit panischer Konsequenz da durch. (…) Nur wenn wir alle cool bleiben und uns an die Regeln halten, können wir das Ding unter Kontrolle kriegen.“ Denn: „Die großen Shows in den Stadien und Arenen können (…) erst wieder steigen, wenn wir clean sind“ (8).

Und „clean“ sind wir bekanntlich erst wieder, wenn es ein Medikament gibt oder die Impfung. „Zehnter Juni“ und „Wozu sind Kriege da“? Dr. Schiffmann wird wohl in Zukunft, wenn die Sprache auf Niedeckens BAP und Udo Lindenberg kommt, eher aus zwei anderen Liedern zitieren: „Sendeschluss“ von BAP: „Hatte gedacht, dass ihr versteht./Sag, geht der Abfuck eigentlich nie vorbei,/dass auch noch ihr mich hängenlasst?!“ Und Lindenberg: „Ich lieb dich überhaupt nicht mehr,/das ist aus, vorbei und lange her.“

Wodarg-Bashing in der Anstalt — Kabarett in Corona-Zeiten

So wie Bodo Schiffmann hätten viele „Corona-Verweigerer“ erwartet oder zumindest gehofft, dass vormals als kritische Geister firmierende Sänger, Autoren, Kabarettisten nun ihre Stimme zur Rettung und zum Wohle der Demokratie erheben. Es blieb still, sehr still, so angestrengt man auch lauschte. Im Gegenteil: Am 24. März 2020 verspotteten im ZDF Max Uthoff und Claus von Wagner in einer Folge von „Die Anstalt“ Dr. Wolfgang Wodarg in einer Art, die in ihrer dümmlichen, vollkommen zweifelsfreien Selbstgewissheit kaum zu ertragen ist (9).

Es beginnt mit einem Foto Wodargs mit den Haaren, die er eben hat, hochgehalten von Uthoff, woraufhin von Wagner kommentiert: „Das heißt, die Friseursalons sind jetzt endgültig geschlossen, ja?“ Im weiteren Verlauf des Dialogs wird Wodarg als pensionierter, trotteliger und ahnungsloser Medizinfreak dargestellt, der die drohende Gefahr zehntausender Toter ignoriert, nicht begreift, dass es sich um ein ganz neuartiges Corona-Virus handelt und überdies die irre These vertritt, „es gibt nur so viele Corona-Tote, weil so viel gemessen wird“, verfälscht Uthoff.

Daraufhin von Wagner mit schlecht gespielter Konsternation: „Die ganzen Toten in Italien, achthundert pro Tag, die gibt’s nur, weil’s so viele Beerdigungen gibt?“ Und auf von Wagners Frage, wo denn Wodarg seine „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ veröffentlich habe, antwortet Uthoff: „Äh, Moment, die Zeitschrift heißt ‚YouTube‘.“ Aber damit ist der Mann für die beiden noch nicht erledigt. Es gilt, noch eine Leiche aus dem Keller zu holen. Wodarg, so Uthoff, sei im Gesundheitsamt gewesen „und hat da wirklich Einmaliges geleistet, zum Beispiel Gerd Postel in seinem Amt eingestellt“.

Die Sache ist 38 Jahre her. Der Postbote Gerd Uwe Postel aus Bremen hatte sich unter dem Decknamen Dr. Dr. med. Clemens Bartholdy im Spätsommer 1982 für die von der Stadt Flensburg ausgeschriebene Stelle des stellvertretenden Amtsarztes beworben. Er knüpfte Kontakt mit dem Leiter des Amtes, der ihn sympathisch fand, und, so das Flensburger Tageblatt am 27. Oktober 2015 in einer Rückschau (10), wurde Postel alias Dr. Dr. med. Bartholdy trotz fehlender oder gefälschter Unterlagen vom Personalbüro der Stadt eingestellt. Später — als der Hochstapler enttarnt war — sagte vor Gericht sein ehemaliger Chef: „Wir waren froh, jemanden zu haben, der zeigte, dass er auf sozialpsychiatrischem Gebiet etwas tun wollte.“ Dieser Vorgesetzte heißt Wolfgang Wodarg.

Uthoffs und von Wagners Beitrag aus der „Anstalt“ verdient diese ausführliche Betrachtung, weil er in Form und Inhalt ein unschätzbares Zeitdokument darstellt. Zwei Kabarettisten, die sich als nonkonformistische Freigeister gerieren und selbst feiern. So geschehen ausgerechnet hier im Rubikon, wo am 5. April 2019 Max Uthoff in einem Interview sagte:

„Wir (…) sind letztlich ein kleiner Teil einer Gegenöffentlichkeit, die vielleicht stattfindet. Wir haben die Chance, um zehn Uhr abends in einem Mainstream-Medium etwas zu sagen, was (…) sonst vielleicht nur in einer Dokumentation auf Arte abends um Viertel nach zwölf oder Viertel vor eins gezeigt würde“ (11).

Doch nun, wo es wirklich darauf ankommt, ist vom Wirken als „Gegenöffentlichkeit“ — oder zumindest vom Abbilden und Einbeziehen einer solchen — nichts zu bemerken. Wie schon in Bezug auf Niedecken angemerkt, es geht nicht darum, dass sie die Einschätzung Wodargs und weiterer teilen, es geht um das Zulassen und Akzeptieren anderer Meinungen und Ansichten in einem demokratischen Konsens.

Stattdessen positionieren sich Uthoff und von Wagner als einfältige Hofnarren, die nicht ansatzweise in Betracht ziehen, dass eventuell auch eine andere Sichtweise auf das Geschehen möglich ist. Und keine Praktik ist ihnen zu billig wie der Kalauer über Wodargs Haare oder die Hochstaplergeschichte von 1982.

Gewiss, Wolfgang Wodarg hat damals einen Fehler begangen, einen groben womöglich. Er ist offensichtlich den suggestiven Fähigkeiten eines begabten Hochstaplers erlegen. Im Übrigen heißt es im erwähnten Artikel des Flensburger Tageblattes aber auch: „Doch dass der Pseudo-Arzt ein Nichtskönner war, blieb dann auch trotz allen Wohlwollens Dr. Wodarg nicht verborgen. Der Aufgabenbereich schrumpfte immer weiter.“ Letztlich schied „Dr. Dr. med. Bartholdy“ freiwillig aus dem Dienst des Gesundheitsamtes.

Das Erwähnen dieses Vorfalls durch Uthoff und von Wagner ist eine so üble wie wirkungsvolle Verfahrensweise aus dem Werkzeugkoffer des geübten Demagogen. Unterschwellig wird transportiert: Wer einen Fehler — und sei er auch fast vierzig Jahre her — in einem bestimmten Bereich begangen hat, der ist auch und für alle Zeit auf allen weiteren, selbst vollkommen unterschiedlichen Feldern unfähig, untauglich, unseriös. Denn was hat die Betrachtung eines Virus mit der Gutgläubigkeit gegenüber einem Hochstapler gemein?

Saftige Bußgelder für Covidioten und „Danke Lisa“

Es ist schon kurios. Gerade jene, die den Toleranzgedanken, das demokratische Verständnis, die Offenheit, das Buntsein als Weltanschauungsmonstranz bei Gesinnungsprozessionen durch die politische Landschaft getragen haben, gebärden sich nun als intellektuelle Despoten, für die das herrschende, mittlerweile berühmte „Narrativ“ alternativlos ist und folglich keine gegensätzliche Einschätzung zugelassen. Wie Niedecken, Lindenberg, die zwei aus der „Anstalt“.

Die Bundesvorsitzende der SPD, Saskia Esken, nennt die Demonstranten vom 1. August in Berlin „Covidioten“ (12), Cem Özdemir fordert für die Protestierenden bei Nichttragen der Maske oder Missachtung des Mindestabstandes „saftige Bußgelder“ (13) und Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, wirft Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow — als dieser Ende Mai 2020 beabsichtigt, die generellen Corona-Einschränkungen in Kürze aufzuheben — vor, sich von Verschwörungstheoretikern leiten zu lassen (14).

Als würden all diese vorgeblich aufgeklärten, vorurteilsfreien, humanen, freidenkerischen Menschen sich wie einst Fantomas die Latexmaske vom Gesicht reißen und darunter erscheint die Hardcore-Version von Markus Söder.

Doch es gibt auch einen Lichtblick — Lisa Fitz. Bei drei Auftritten in der SWR-Sendung „Spätschicht“ thematisierte die bayerische Kabarettistin zwischen Dezember 2019 und Juni 2020 die Machtkonzentration in den Händen weniger extrem Reicher, die Manipulation der Massen, Zwangsimpfung, rückgratlose Politiker, Big Pharma, Gates‘ Manipulation der Medien, Diskriminierung Andersdenkender als antisemitische Verschwörungstheoretiker und das berühmt-berüchtigte Adjektiv „krude“ und schloss: „Ich glaube ja, Corona ist ein Intelligenztest.“

Für diese Auftritte erntete sie in den Kommentarspalten von YouTube weit überwiegend positive, teils euphorische Kommentare wie: „Im Moment kommt ans Licht, wer intelligent ist und ein Gewissen hat.“ „Eine eigenständige Meinung und auch noch den Mut, diese auszusprechen. Eine sehr seltene Kombination in der heutigen Medienwelt .“ „Diese Frau erinnert mich an etwas. Ach ja, richtig! ‚Charakter‘ hieß der Ausdruck!“ „Satire kann im Gegensatz zum weichgespülten ‚Extra3‘ und der niveaulosen ‚heute-show‘ richtig bissig sein. Danke Frau Fitz.“ „Sehr mutige Frau. Solche Menschen werden mit solchen Aussagen Verschwörungstheoretiker genannt.“ „Wenn in Satire mehr Wahrheit steckt als in deutscher Politik. Danke Lisa“ (15, 16, 17). Die hier zahlreich zitierten Kommentare spiegeln deutlich wider, dass viele Zuschauer eine satirische Kommentierung und Einschätzung jenseits der landläufigen Erzählung von Corona bitterlich vermissen.

Dabei wurde Lisa Fitz bereits 2018 vorgeworfen, sie bediene „antisemitische Verschwörungstheorien“, weil sie in einem Lied die übergroße Macht von „Schattenstaat, Schurkenbank, Gierkonzern“ thematisiert und dabei über „Rothschilds, Rockefeller, Soros & Konsorten“ getextet hatte. Fitz wehrte sich mit den Worten:

„Wenn ich Erdogan kritisiere, bin ich nicht türkenfeindlich. Wenn ich als Pazifistin die Kriegspolitik der USA kritisiere, bin ich nicht amerikafeindlich. Und wenn ich reiche Bankhäuser kritisiere, bin ich nicht einen Hauch antisemitisch.“

Und sie zitierte Horst Seehofer, der diesen Satz tatsächlich in entwaffnender Offenheit und Ehrlichkeit 2010 in einer Folge von „Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich“ im Bayerischen Fernsehen geäußert hatte, was den sonst so redseligen fränkischen Satiriker Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig kurzzeitig sprachlos machte. Seehofer sagte wörtlich:

„Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt. Und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden“ (18, 19, 20, 21).

In einem weiteren User-Kommentar zu den genannten „Spätschicht“-Videos mit Lisa Fitz auf YouTube zeigte sich der Zorn über die anderen, ebenfalls in der Sendung auftretenden Satiriker, die in einer Runde hinter Fitz saßen: „Lisa, du bist spitze! Wenn ich die Flachpfeifen hinter ihr sehe, die am liebsten in ein Mauseloch kriechen würden bei so viel Wahrheit, dann sage ich, du bist die Einzige in dieser Runde, die Hirn hat und keinen Wasserbehälter.“

Hegel bei den Querdenkern

Einer der hinter ihr Sitzenden war übrigens Florian Schroeder, der am 8. August 2020 bei „Querdenken-711“ auftrat und mitteilte: „Ich bin der Auffassung, dass Corona eine hoch ansteckende, gefährliche Krankheit ist, und ich bin der Überzeugung, dass Maskentragen und Abstand halten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können.“

Bezeichnend an dieser Stelle: In seinem Stuttgarter Vortrag äußert Schroeder ebenfalls: „Maske abziehen in engen Räumen ist Verantwortungslosigkeit.“ Im Hintergrundbericht „Extra-3-Backstage — Florian Schroeder bei den ‚Querdenkern‘“ sieht man ihn in Berlin und Stuttgart im Fond zweier Autos sitzen, in denen sich noch Fahrer und Kameramann und womöglich einer seiner Sicherheitsleute befinden, also drei oder vier Personen; der Komiker spricht in die Kamera und telefoniert per Smartphone. Mithin Aerosole in einem engen, geschlossenen Raum, in dem kein Mindestabstand möglich und das Nicht-Tragen oder Abziehen einer Maske laut Schroeder „Verantwortungslosigkeit“ ist.

Schroeder trägt keine Maske. Nicht nur, dass er seinen eigenen moralischen Ansprüchen und moralisierenden Konklusionen in keiner Weise gerecht wird, er missachtet auch die Empfehlungen und Gebote der Landesregierungen von Berlin und Baden-Württemberg, mit denen er, seinen Aussagen zufolge, eigentlich konform gehen müsste. Letztere sagt, alle Auto-Insassen sollten eine Maske tragen, „da sie lange auf engem Raum zusammen sind und so ein besonderes Infektionsrisiko besteht“. Und in der Berliner Corona-Verordnung vom 11. August 2020 heißt es: „Wer mit Freunden, Bekannten oder anderen Personen in einem Auto fährt, muss ebenfalls eine Maske tragen, wenn der Fahrer in einem anderen Haushalt lebt“ (22, 23, 24). So lässt es sich aushalten auf der Kanzel — für die anderen Wasser predigen und selbst entspannt bei einer Flasche Château Lafite-Rothschild sitzen.

Was vorgeblich als Dialog mit Andersdenkenden vorgestellt wurde im Sinne eines Hegelschen Erkenntnisprozesses aus These, Antithese, Synthese, war in Wahrheit eine Verspottung und Provokation des Publikums, das für die NDR-Sendung Extra 3 den TV-Zuschauern ganz offensichtlich als dümmliche, begriffsstutzige und falschen Propheten hörige Masse vorgeführt werden sollte.

Die Provokationen gelangen nur mäßig, da die Stuttgarter Zuhörer nicht auf diese eingingen oder zum Teil auch nicht verstanden, was da auf der Bühne vor sich ging. So ließen sich auch einige dazu bewegen, tatsächlich „Ja!“ zu rufen, als Schroeder — in Anspielung auf Joseph Goebbels‘ vierte rhetorische Frage an die Menge in seiner berühmten Sportpalastrede — fragte: „Wollt ihr die totale Meinungsfreiheit?“ Von Hegel hatte Schroeder nur ein Probetübchen dabei, mit Dialektik hatte das Ganze nichts zu tun — außer man rechnet den alten Kalauer „These, Antithese, Prothese“ dazu, den der bekannte Wiener Kabarettist Alfred Dorfer allerdings schon 2010 im Programm hatte.

Schroeder kennt auch bereits die Schuldigen, sollte es zu einem „neuen 1933“ kommen, von dem man nur noch „eine fette Wirtschaftskrise“ entfernt sei. Und wer also „wird diese Wirtschaftskrise auslösen? Es werden die sein, die sagen, wir brauchen keine Masken tragen, weil es Maulkörbe sind. Es werden die sein, die sagen, Bill Gates will uns alle zwangschippen, und es werden die sein, die glauben Corona sei eine Erfindung oder komme aus einem Labor in Wuhan.“ Angesichts solcher Einlassungen eines öffentlich-rechtlichen Spaßmachers werden auch bei denjenigen, die sonst nie die Nazi-Keule schwingen, andere Assoziationen mit einem „neuen 1933“ geweckt.

Interessant zudem Schroeders Auffassung von Meinungsfreiheit: „Wenn ihr für Meinungsfreiheit seid, müsst ihr meine Meinung aushalten. Wenn ihr Demokraten seid, haltet ihr meine Meinung aus, ohne zu buhen“ (25). Dabei ist das Buhen in diesem Fall ja nichts anderes als die Meinungsäußerung auf eine Meinungsäußerung, der Faktencheck des Faktenchecks oder im Sinne Hegels die Antithese. Im Übrigen verhielt man sich in Stuttgart vorbildlich. Selbst das Buhen war verhalten, manche klatschten sogar an einigen Stellen, wohl nicht verstehend, was Schroeder da mit ihnen veranstaltete. Niemand stellte ihm das Mikrofon ab, es flogen keine Gegenstände, er wurde weder derb beschimpft, von der Bühne gezerrt noch in anderer Art körperlich angegangen.

Wer das für selbstverständlich hält, sollte mal bei einer Versammlung der extremen Linken zu Themen referieren wie „Freiheit für Immobilieneigentümer — weg mit der Mietpreisbremse!“ oder „Refugees not welcome! Für neue Ansätze in der Flüchtlingspolitik!“ Gerne aber auch bei den Kollegen auf der rechten Seite zu „Nur Ausländer können Deutschland retten!“ oder „Keine Zäune, keine Grenzen — für Multikulti und Buntheit!“

Gründe für das Schweigen

Was aber sind die Gründe für das Schweigen der Künstler in dieser demokratiegefährdenden Krise oder ihre Identifikation und teilweise Überidentifikation mit den „Corona-Maßnahmen“?

Drei Typen sind zu unterscheiden.

1. Diese Künstler teilen die herrschende Meinung.

Sie sind von der extremen Gefährlichkeit des „neuen Coronavirus“ überzeugt, tragen Maske, halten Abstand und werten all jene, die unterschiedlicher Ansicht sind und nicht dem Corona-Narrativ gemäß leben, als rücksichtslose Egoisten, als „hirntote Risikopiloten“, die leichtfertig die Gesundheit und das Leben anderer gefährden.

Hinzu gesellt sich hier stellenweise noch eine Ästhetisierung des Lockdowns und der „Corona-Verordnungen“. So wie die Krise von manchem als „Kopföffner“, als „Zeit des Innehaltens, der Einkehr und Entschleunigung“ (26) geradezu gefeiert wurde, meint auch Udo Lindenberg im bereits genannten Artikel: „Das Hamsterrad wird angehalten und du triffst dich selber, so intensiv wie vielleicht noch nie.“

Der Schriftsteller Bodo Morshäuser, 1983 sehr erfolgreich mit der Erzählung „Die Berliner Simulation“, ist mit seinem Text „Abstand und Anstand. Angehaltene Welt“ für diese Haltung das beste, das bezeichnendste Beispiel. So formuliert er:

„Den Atem Wartender im Nacken zu spüren, mit dieser Nötigung zur Hetze ist es fürs Erste vorbei. (…) Ich trete aus dem Geschäft, eine Frau auf dem Gehweg bleibt stehen. Ich ebenso. Gebe ihr Zeichen, dass sie den Vortritt hat. Lächeln. Ich trete aus einem Waldweg auf den Hauptweg, von rechts und links Leute. Ich warte. Lächeln. In Berlin. (…) Wir respektieren uns, denn wir haben mehr Gemeinsames als Trennendes. Die Sorge um unser Leben, ums Überleben. Wir haben Anstand, denn wir halten Abstand. Vor dem Virus sind wir alle gleich. Die Lehre des Virus lautet: Wir sind gleich verletzbar. (…) Seit Teilnehmer zwei Meter auseinander sitzen, sind Talkshows Gesprächsrunden. Der Ernst des einzigen Themas tut den Rest. Bis neulich saßen da Lautsprecher nebeneinander (…) Auch das ist nicht mehr da. (…) Die heilige Welt des Konsums wird kurzerhand für schädlich erklärt. ‚Nur das Nötigste‘ ist erlaubt. Andernorts wirst du krank. Besser hätte man es auch vor den ‚Maßnahmen zur Kontakteindämmung‘ (Robert-Koch-Institut) nicht ausdrücken können“ (27).

Während andere das „Corona“-Narrativ und den Lockdown als Expresszug in den Totalitarismus empfinden, erlebt Morshäuser diese als Weltverbesserung, denn sie schaffen für ihn Raum, zwischenmenschliche Rücksichtnahme und Solidarität in der Verwundbarkeit; bewirken Achtsamkeit, Selbstbeschränkung und stellen die Atmosphäre eines kollektiven buddhistischen Klosters her.

2. Dieser Teil hat keine dezidierte Meinung zur Gefährlichkeit des Virus.

Es ist eher eine Ja-Nein-Weiß-nicht-Einstellung — kann sein, kann nicht sein, man vermag ja auch nicht zu sagen, wem man glauben soll. Aber okay, bind‘ ich mir den Lappen halt um, bevor ich noch negativ auffalle.

Letztlich hadern diese Künstler mehr mit den Folgen des Geschehens um das Virus als mit diesem selbst. Krankheiten und andere Pein passieren nur den anderen. Was wirklich schmerzt: Keine Auftritte, kein Lampenfieber, kein Adrenalin, keinen Applaus und vor allem kein Geld.

Autoren können in dieser Zeit schreiben und sind das Leben in der Klause ohnehin gewohnt, aber Musiker, Schauspieler, Kabarettisten müssen es aussitzen. Die Wochen und Monate gehen ins Land, und die Rücklagen werden weniger. Das macht Angst. Dass es den Bach runtergeht, auf dem die Felle davonschwimmen. Von Cobra 11 zu Hartz 4. Dass alle Stricke reißen, nur nicht der, an dem man sich aufhängt.

Wenn sich dieser Typus auch kaum mit den medizinischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Sachverhalten bezüglich „Corona“ befasst hat, eines weiß er: Dass es alles andere als klug wäre, sich gegen die herrschende Meinung zu positionieren. Das erzeugt mehr als nur eine schlechte Presse, das katapultiert den Künstler aus dem Medienzirkus, wo eine Hand die andere wäscht und diese eine weitere, und dieses große Händewaschen bildet sich ab in Beziehungen, Verflechtungen, Verknüpfungen. Und wer verflucht wird, den stößt das System ab. Auf der Stelle. Mit dem kann man sich nicht mehr sehen lassen, der ist wie eine ansteckende Krankheit, Sars-CoV-2 in Menschengestalt; in ist, wer drin ist, und du bist raus.

3. Beim dritten Typus handelt es sich um einen Kritiker der Maßnahmen.

Er leugnet nicht, doch er erkennt kein Killer-Virus. Er zweifelt an der Richtigkeit vieler Zahlen, Studien und Expertenaussagen. Er sieht die Gefahr eines totalitären Systems. Aber er weiß auch, ähnlich wie Typus Nummer zwei, um die Gefahr, aus dem System der Beziehungen und Abhängigkeiten in ein schwarzes Loch geschossen zu werden. Auf der falschen Seite zu stehen, bedeutet das Ende. Pulverisiert im Medienmörser und vom Shitstorm verweht. Deshalb halten sich auch diese Künstler bedeckt und positionieren sich nicht öffentlich.

Das falsche Ideal des Künstlers

Die Idee des Künstlers als Speerspitze oder Soundtrack-Komponist einer politischen Bewegung ist mehr romantisch als realistisch. Natürlich sind auch Menschen aus anderen Berufsgruppen, die sich gegen eine herrschende Maxime wenden, in ihrer Existenz gefährdet, ob Oberregierungsrat, Polizist oder auch Arzt und Wissenschaftler. So sagte Professor Stefan Hockertz, Immunologe, Toxikologe, Pharmakologe und früher Kritiker der diversen „Corona“-Einschätzungen und daraus folgenden Maßnahmen, in einem Radio-Interview Ende März 2020:

„Natürlich ist es zurzeit Mainstream, die Apokalypse zu predigen. Junge Wissenschaftler tun gut daran, in dieser Situation sich nicht zu äußern, weil sie damit ihre Karriere gefährden. Das ist unser Wissenschaftssystem, und das ist auch das System in der Medizin, welches sehr hierarchisch ist und wo man sehr vorsichtig sein sollte, eine andere Meinung zu äußern. Viele Wissenschaftler in den Universitäten bangen möglicherweise auch um Forschungsmittel, wenn sie jetzt nicht das Lied singen, was ganz laut draußen gesungen wird“ (28).

Doch dem Künstler ergeht es noch ärger, ihm bricht der gesamte Boden der Existenz, die ohnehin schon schwierig genug ist, unter den Füßen weg. Selbst ein bekannter Kabarettist und Komiker wie Helge Schneider, der im Mai 2020 noch verkündet hatte, dass er erst auf die Bühnen zurückkehren werde, wenn „alle Freiheiten wieder da sind“ und nicht zu spielen gedenke vor „Menschen, die anderthalb Meter auseinander sitzen müssen und Mund-Nasenschutz tragen“, tritt ein Vierteljahr später genau unter diesen Bedingungen wieder vors Publikum und stellt fest: „Das ist dann so, wie ich angefangen habe (…) Aber in zwölf Monaten ist mein Geld alle. Und wenn ich dann nicht auf Tournee gehen kann, muss ich wieder arbeiten.“ Im Mai hatte er noch betreffend seiner kommenden Bühnenabstinenz verlautbart: „Da muss ich konsequent bleiben.“ Diesen Luxus der Konsequenz kann sich selbst ein so namhafter Künstler nach drei Monaten nicht mehr leisten (29, 30, 31).

Der Künstler ist angewiesen auf die richtigen Personen an den richtigen Positionen, auf Mäzene, Sponsoren, Gönner; verfügt er nicht darüber oder verliert er diese, ist dies gleichbedeutend mit dem Ende seiner künstlerischen Existenz, die über das Arbeiten für die Schublade oder Festplatte hinausgeht.

Norbert Leisegang von der Band „Keimzeit“ sagt in einem Interview:

„Ich merke, dass Musiker grundsätzlich angepasst sind. Sie richten sich zu 99,9 Prozent nach den Honoraren, die sie bekommen. Künstler kann man locker bestechen. Weil wir unseren Kühlschrank füllen müssen. Und wenn es da eng wird, rückt man schnell von seinen Idealen ab. (…) Meine Ideale sind, dass ich frei schreiben und tun kann, was ich will. Wenn ich allerdings merke, ich muss aus der Wohnung raus, weil ich die Miete nicht mehr auftreiben kann, spiele ich auch schon mal für eine Firma. (…) Aber grundsätzlich sieht man viele Musiker, Künstler oder Sportler in der Werbung. Angepasster als heutzutage war kaum ein Künstler in seiner Zeit“ (32).

Dabei können die meisten Künstler ohnehin nicht von ihrer künstlerischen Arbeit leben und müssen nebenbei in einem sogenannten Brotberuf arbeiten, wobei es eigentlich umgekehrt ist: Die Kunst entsteht nebenbei und pendelt irgendwo zwischen den Formaten Aufwandsentschädigung, mäßig bezahltes Hobby und bloße Liebhaberei. Laut den Zahlen der Künstlersozialkasse verdient ein Maler etwa im Durchschnitt weniger als 12.000 Euro im Jahr, Opernsänger 11.200 und experimentelle Künstler gar nur 9.100 Euro. Nicht besser ergeht es Schriftstellern.

Legt man Arbeitszeit und Verkaufszahlen auf einen Lohn pro Stunde um, so kommt man auf einen Betrag weit unter dem Mindestlohn. Verschiedene Autoren melden Zahlen zwischen 1,50 bis 6,00 Euro — brutto; aber auch der Betrag von 42 Cent wurde genannt (33, 34, 35, 36).

Doch der Künstler wird ja noch in einer anderen Währung bezahlt: Die Plattform, die ihm geschaffen wird — Buch, Bühne, Galerie, Kino — und das Publikum, das ihn liest, zuhört, anschaut. Das will er nicht verlieren. Denn es wäre gleichbedeutend mit dem Verlust seines Lebenszwecks. Der Künstler braucht den Applaus des Publikums. So sehr, dass er sich dabei sogar verbeugt.

Und so bedeutet Positionieren oder gar Polarisieren ein Laufen auf extrem dünnem Eis. Warnendes Beispiel ist hier Uwe Tellkamp. Von dessen Roman „Der Turm“, erschienen 2008 im Suhrkamp-Verlag, wurden 750.000 Exemplare verkauft und die Lizenz in fünfzehn Länder. Die Hardcover-Ausgabe war auf Platz eins der „Spiegel“-Bestsellerliste und platzierte sich dort insgesamt fünfzig Mal. Tellkamp erhielt den „Deutschen Buchpreis“ und zahlreiche weitere Preise. „Der Turm“ wurde auch verfilmt und Anfang Oktober 2012 in zwei Teilen von der ARD ausgestrahlt. Der erste Teil erreichte dabei mehr Fernsehzuschauer als das zeitgleich im ZDF gesendete „Champions-League“-Spiel Manchester City gegen Borussia Dortmund (37, 38, 39).

Zweifellos ein „Star-Autor“. Doch auch dies schützte Tellkamp nicht davor, dass sich im März 2018 der Suhrkamp-Verlag von ihm distanzierte. Was war geschehen? Bei einer Podiumsdiskussion in seiner Heimatstadt Dresden hatte Tellkamp zu den Motiven von Asylbewerbern geäußert: „Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent.“ Die Meinungsfreiheit betreffend sagte Tellkamp, es gebe zwar noch keine „Repressionsmühlen“, fügte aber hinzu: „Noch nicht.“

In Deutschland existiere ein „Gesinnungskorridor zwischen gewünschter und geduldeter Meinung“: „Meine Meinung ist geduldet, erwünscht ist sie nicht.“ Einwände der Mitdiskutanten überzeugten den Schriftsteller, laut FAZ, „augenscheinlich nicht. Gewalt in der Gesellschaft sah er vornehmlich von der linken Antifa ausgehen. Tellkamps Körpersprache war anzumerken, wie sehr ihn diese Themen erregten. (…) Wer sich kritisch äußere, werde gleich in die rechte Ecke gestellt, lautete eine These Tellkamps.“

Gleich am Tag darauf ging der Suhrkamp-Verlag per Twitter-Verlautbarung auf Distanz zu seinem eigenen Autor und zwitscherte unter dem Hashtag „#Tellkamp“:

„Aus gegebenen Anlass: Die Haltung, die in Äußerungen von Autoren des Hauses zum Ausdruck kommt, ist nicht mit der des Verlags zu verwechseln“ (40).

Schriftstellerin Monika Maron verteidigte ihren Kollegen und warf dem Suhrkamp-Verlag vor, seinen Autor verraten zu haben. Diskutabel sei dieser „eine Satz mit den 95 Prozent und noch eine Kleinigkeit (…) Was ist denn das für ein Streitgespräch, wenn ich damit bezahle, dass mich am nächsten Tag alle möglichen Leute anspucken (…) Man kann jeden Menschen, dessen Meinung einem nicht genehm ist oder auf den man nicht antworten will, oder man will nicht argumentieren, dem klebt man irgendeine AfD-Marke ans Hemd und sagt, der ist eben rechts“ (41).

Wer nun denkt, er sei geschützt, da er sich in Form und Inhalt nicht derart über Migranten äußere, täuscht sich. Man ist schnell auf der falschen Seite und am Pranger. Der Wunsch nach wissenschaftlichem Diskurs und differenzierter Erörterung in Sachen Corona machen einem zum „Covidioten“ und „Corona-Leugner“, und von da ist es nicht weit zum „Holocaust-Leugner“. Oder zum Geisteskranken. In fast allen größeren Zeitungen finden sich Artikel zum Thema „Was tun, wenn Familie oder Freunde an Verschwörungen glauben?“ oder auch „Hilfe, Papa glaubt an die Impfverschwörung!“ (42, 43).

Diesen Aufzug zum medialen Schafott will der Künstler nicht besteigen, sondern lieber die Bretter, die für ihn die Welt bedeuten. Wer will es ihm verdenken. Allerdings wird die Rezeption früherer Werke sich wandeln und zukünftige moralisierende, selbstgefällige Maximen oder Bekenntnisse können unbesehen ignoriert werden.

So gelobte der anfangs genannte Heinz Rudolf Kunze einst „den Wert der Unterschiede tapfer zu verteidigen/gegen das Verschwinden des Wertvollen zu kämpfen/das Verallgemeinern des Einzigartigen/gegen Einebnung/Gleichmachung/Auslöschung“ (44). Solch hehres Bekenntnis und ähnliche Aussagen erscheinen nun als halbstarkes Prahlen und folgenlose Schaumschlägerei moralisierender Hochstapler und Luftgitarrespieler.


Erstveröffentlichung + Fußnoten: siehe https://www.rubikon.news/artikel/das-schweigen-der-kunstler

 

 

Restlos coole Semunkulen im Enddarm des rülpsenden Konsensmolchs (Haltet durch, der Endsieg des Guten & Gernen ist nah!)

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(Logos: E-Gruppe Berlin)

Die Querdenken-Demo in Berlin ist also abgesagt, das gute & gerne Leben kann weitergehen. Böhmermann jubiliert. Vielleicht sollte man jetzt besser in Deckung gehen, denn das frenetische Ejakulat der guten & gernen Schenkelklopfer-Kombo rund um Somuncu, Schroeder & Co. wird nicht lange auf sich warten lassen und die Timelines fluten.


(Jan Böhmermann/Twitter/26.08.2020 nach Bekanntgabe des Verbots der Berliner Querdenken-Demo)

Wenn das, was sich momentan abspielt, nicht so tragisch wäre, dann könnte man ja fast darüber lachen, wie nun jeder, der etwas auf sich hält, auch noch seinen Beitrag zum Endsieg des guten & gernen und obendrein alternativlosen Lebens geben möchte. Wie selbst ehemals probate Systemkritiker kurz vor Ladenschluss ebenfalls versuchen, sich dem Guten, Gernen & Erbärmlichen – in den Worten von Söder: dem Lager der Vernunft – anzudienen. Im Amt der Bundeskanzlerin geht der Briefkasten mit Bewerbungsschreiben von Volontären über. Sogar bereits im Ruhestand befindliche Rentner kommen noch einmal hinter ihrem Ofen hervor, bieten alle ihre linguistische Kunst auf und schwingen ihre Krücken gegen KenFM und Rubikon – die beiden einzigen alternativen Medienplattformen mit relevanter Reichweite, die gegen das südtäusche Spiegelbildkartell und gegen den zur Normalität erklärten Wahnsinn anschreiben.

Doch nicht nur leicht durchschaubare und schleimige Charaktere wie Schroeder,  Böhmermann und Schlecky Silberstein trommeln zum Endsieg des guten & gernen Lebens. Sogar wirklich kluge Köpfe wie Sieber können sich dem allesverschlingenden Sog des rülpsenden Konsensmolochs nicht mehr entziehen und klöppeln inzwischen bei der guten & gernen Kombo mit auf die Blechtrommel … Krauß, der Autor hinter der „Anstalt“ schreibt wütende Pamphlete gegen die Zivilgesellschaft wie zu „Stürmer“-Zeiten, seine Frontmen Uthoff und Wagner verarschen die einzigen Mediziner, die dem zur Normalität erklärten Wahnsinn die Stirn zu bieten wagen  … das „Browser Ballett“ watscht alle rückständigen Bürger pausenlos ab um ihnen mit der Brechstange endlich das Heil beizubringen, gegen das sich viele immer noch wehren: das geile 5G und diese noch geilere genmanipulierende Coronaimpfung … und in Massen sagen die Follower für die täglich empfangenen Watschen ihrer Influenzer noch mit leuchtenden Augen „Danke“ … „Extra3“ verlinkt den Browser Ballett-Rotz mit dem Kommentar „genial“ … usw. usf. – Mit einem Wort: die Satire, unsere angeblich letzte Bastion gegen den neoliberalen Konsensmoloch … – ist jetzt wohl im Arsch.

Aber vielleicht ist das auch gut so. Wenn man von ihrem Bullshitjob erschöpfte Spiegelbildbürger abends nochmal dazu bringt, prustend über Inhalte zu lachen, über die sie eigentlich weinen sollten, zu was hätte diese Chose denn führen sollen? Signalisiert solches Kabarett nicht letztlich sogar, dass das, was heutzutage abgeht, so schlimm denn nu ja auch nicht sein könne – immerhin wir ja schallend drüber lachen können? Die von unseren „Bündnispartnern“ vergifteten, ausgebombten, ausgebeuteten, mit Uranmunition verseuchten Landstriche und Menschen und auch die eigene nukleare Bedrohung relativieren sich sogleich wieder, nachdem man bei einem kühlen Paulaner solch einen heiteren Kabarettabend verbracht und sich die Kehle heiser gelacht hat. Nicht nur der Proll, auch der intellektuell Anspruchsvolle kommt auf seine Kosten, wenn Serdar Somuncu durch den überfüllten Konzertsaal stolzt und in alle Richtungen Späßchen aus dem Hüftgelenk schwitzt, die seine Follower wie auf Knopfdruck zum Wiehern bringen. „Hey, ihr dahinten auf den hinteren Rängen: Ist wohl Scheiße, sich die ganze Zeit den Kopf verdrehen zu müssen? Das Programm geht noch 4 Stunden!“ (Publikum schäumt und wiehert) „Warum hat Corona nicht solche Arschlöcher wie Trump umgebracht? Das wäre mal was Gutes gewesen“ (Publikum schäumt und wiehert). Mit irisierenden Augen und lechzend nach der nächsten Pointe verfolgen sie ihren Showmaster, dem sie die Füße dafür küssen könnten, dass er sie abends nach Ende der neoliberalen Tretmühle nochmal zum Lachen bringt, obwohl jetzt eigentlich die Depression anklopfen würde.

Obwohl es in all diesen Shows und ebenso in den Foren der Influenzer und Superspreader inzwischen nur so vor Publikumsbeschimpfungen hagelt, halten die Follower ihren Maulhelden überwiegend die Treue. Haben diese doch schließlich schon so oft gezeigt, dass sie sich auch fürs „Soziale“ einsetzen und so richtig menscheln können, also – bedingungslos gut sind. Wer solche gleißenden Helden kritisiert, handelt sich umgehend den Arschlochvorwurf ein. Wenn dann doch ab und zu Post von Fans kommt, die über die Show nicht mehr lachen können und Kritik äußeren, dann brauchen sich die coolen Semunkulen gar nicht einmal mehr selbst dazu herablassen, diese Kritik zu beantworten. Sie werfen sie einfach ihrer Hunderttausendschaft an Followern zum Fraß vor mit dem bloßen Kommentar „Zuschauerpost“ – und die Follower übernehmen das Zerlegen des kleinen Ketzers, der da zugegeben etwas ungehobelt und vulgär, aber im Kern eben doch eine unangenehme Wahrheit über ihren Maestro ausgesprochen hat, der im Enddarm eines Machtapparates stecke etc. Im vorhin verlinken Fall kam dieses routinierte Zerlegen allerdings nur schleppend in Gang. Viele Follower waren perplex und wussten zunächst nicht so recht, wie sie das Posting einordnen sollten. Manche äußerten sogar: „Da ist ja eigentlich was dran …“ Bis dann der Rudelinstinkt einsetzte und ihnen ein paar intelligentere Follower-Fellows die Leitplanken wiesen, um was es hier geht. Erste Scherzchen regten sich: „Kommt wohl von Attila Hildmann, dieser Leserbrief …“, gefolgt von einigen zögerlichen Hihis. Bis dann sehr schnell das übliche Boah-Bämm-Gemetzel einsetzte und sich wieder alle handelseins waren.

So wie sich auch die Follower von Florian Schroeder vor stehenden Ovationen überschlugen angesichts der Genialität ihres gegelten Influenzers, der doch im Spätabendprogramm des ÖR ganz offensiv darüber philosophierte, wie sehr er eigentlich „im Enddarm der Kanzlerin“ stecke und nur ein systemerhaltender Hofnarr sei, der letztlich auch den Machenschaften der internationalen Finanzelite diene – und das Ganze trotz ernster Miene aber gar nicht ernst gemeint war. Wie soll es das auch sein, in einer Welt in der es doch bekanntlich seit der Ermordung von Cäsar keine Verschwörungen mehr gibt, sondern nur noch smart lächelnde Politiker und Philanthropen, die das Gute & Gerne vorantreiben! Boah, wie genial – ich gehe gleich in die Knie. Solange wir solch ausgefuchste Meta-Überwitzchen auf Lager haben, auf die sogar die Querdenken-Veranstalter reinfallen und Reineke Fuchs auf ihre Bühne einladen, die dieser dann hämisch lächeld zu einer Publikumsverspottung nutzt, besteht ja auch in Zeiten kollektiver Umnachtung noch kein Grund zur Sorge. Wir schaffen das. Bis zur Ziellinie der digitalen Transformation sind es nur noch ein paar hundert Meter. Obwohl wir schon am Zahnfleisch daherkriechen, mit ein paar Energydrinks und Nespressos schaffen wir das. Dann können wir uns fallen lassen, Gott KI wird übernehmen.

Wie auch immer, lassen wir das. Vielleicht kommt uns auch zugute, dass in Bayern nun der Bierausschank verboten wurde. Es besteht also die Möglichkeit, dass im aktuellen Drehschwindel zumindest für einige Atemzüge Ernüchterung einkehrt. Mancher mag dabei realisieren, in was für einer Situation wir uns eigentlich befinden.

Wer morgens auf nüchternen Magen derbe Kost nicht scheut, der mag sich eventuell von Ulrich Mies in einer jüngsten Revue auf die Sprünge helfen lassen. Wie immer schonungslos und nichts für gut&gerne gestimmte Gehirnwindungen. Was er beschreibt, ist nichts weniger als der drohende Totalzusammenbruch unserer Zivilisation. Ein geplanter Enthauptungsschlag gegen den selbstbestimmten Menschen und die demokratischen Staatsstrukturen wie wir sie kannten. Indes unsere intellektuelle Creme sich in ihren Magazinen und Foren darüber ereifert, ob die Veranstalter der Querdenken-Demo ein paar versprengten Dunkeldeutschen denn nicht ihre Deutschlandfahnen abnehmen könnten …

siehe https://www.rubikon.news/artikel/transnationaler-elitenfaschismus

Auszug:

„Die Demokratie, wie wir sie kannten, gehört der Vergangenheit an. Bernd Hamm schrieb dazu bereits 2017: „Die neoliberale Ideologie hat dazu beigetragen, staatliche Regulierungen abzubauen und Reichtum bei 1 Prozent anzuhäufen. Die Reichen sind in der Lage, einen erheblichen Teil der staatlichen Gesetzgebung zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Sie und ihre Vermögen werden von Heerscharen von Parlamentariern, Managern, Wirtschaftsprüfungsunternehmen, Anwälten, Steuerberatern, Denkfabriken, Radiosendern, Filmstudios, Verlegern, Medien, Forschern, Schreiberlingen, Lobbyisten, Bodyguards und anderen Lakaien in ihren Diensten beraten und geschützt.

Privateigentum ist das Goldene Kalb des Kapitalismus und unregulierter Kapitalismus die Bibel der herrschenden Klasse. Sie können selbst Polizei und Militär in ihrem Interesse mobilisieren. Dafür bleiben der Nationalstaat und seine Regierung wichtige Institutionen — vor allem aber müssen die Regierungen die Massen unter Kontrolle halten. Dies ist das Ende des Projekts Demokratie und die endgültige Übernahme durch die Plutokratie, ein stiller Staatstreich“ (5).

(…)

Der traditionelle Faschismus kombinierte Massenunterstützung und Propaganda mit beinhartem (Straßen-)Terror und Saalschlachten gegen seine Feinde. Im Unterschied dazu geht der transnationale „Eliten“-Faschismus wesentlich subtiler und intelligenter vor. Als deutsche Variante des transnationalen „Eliten“-Faschismus versuchen Merkel-Clique, die neoliberale Parteieneinheits- und Medienfront sowie die Drittmittel-prostituierte Wissenschaft (6) mit allen Mitteln der Propaganda, der Zensur, der Zersetzung jeglicher Opposition und der Unterdrückung von „Abweichlern“, ihre Position durchzudrücken und ihre Macht zu erhalten.

(…)

Vor der Corona-Krise hatte Deutschland Staatsschulden von circa 2 Billionen Euro. Um diese anzuhäufen, brauchte Deutschland 75 Jahre. Für die Verdopplung dieser Staatsschulden brauchte die Merkel-Mannschaft 3 Monate.

(…)

Die „große Sorge“ der Herrschaftszentren um die „Volksgesundheit“ ist eine beispiellose propagandistische Meisterleistung in der Geschichte der Menschheit. Es handelt sich um eine jahrelang vorbereitete PSYOP, eine psychologische Kriegführung gegen die Zivilgesellschaften.

Die Legitimation der westlichen Politik war nach Jahrzehnte langen Fehlleistungen der Herrschaftscliquen zum Ende des Jahres 2019 auf dem Nullpunkt. Und diejenigen, die den Planeten, die Menschlichkeit, das Miteinander, den inneren und äußeren Frieden sowie alle positiven Werte der Menschheitsgeschichte ruiniert haben, sollen nun die großen Retter der Menschheit sein?

Wie geschichtslos, ahnungslos, naiv und medial gehirngewaschen muss man sein, um den Treibern des globalisierten Katastrophenkapitalismus und den Tätern des angerichteten Desasters nun die große Sorge um die Gesundheit der Völker abzunehmen?

Die „Massenbasis“ der Herrschaftszentren ist längst nicht mehr die Gefolgschaft überzeugter Menschen. Ihre neue Gefolgschaft sind die Massen manipulierter, belogener und terrorisierter Menschen im Angst- und Panikmodus. Die mediale Massenverdummung sichert die angstbasierte Gefolgschaft.“

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