Charlie Hebdo

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Je sui…

Steve Geshwister

Charlie Hebdo, Pegida und der leise Zerfall der Demokratie

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Donnerstag, 8.1.2015. Eifel. Wie fängt man an, von einem Ende zu schreiben? Vom Ende einer Idee, die 3000 Jahre alt ist – damals aber nur für „Vollbürger“ gelten sollte. Einer Idee, die in den letzten zwei- dreihundert Jahren kurz aufblühte und jetzt langsam stirbt. Einer Idee, die zu einer Revolution wurde, und dem Staat Grenzen aufzeigte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sollten fortan herrschen, Werte, die der Menschheit den Frieden bringen sollten, den sie so sehr ersehnte. Leistungskult, Promikult und Bürgerlichkeit – so werden die Werte heute gelebt, was an sich schon reicht, um nervös zu werden und sich wieder in einem Sklavenhalterstaat zu fühlen – eine anarchistische Gruppe hat mit einer Guerilla-Aktion aktuell gegen den Wahn unserer sinnlosen Bullshitjobs mit einer Plakataktion in der Londoner U-Bahn für Begeisterung gesorgt (siehe Storyfilter), einer Aktion, die selbst schon revolutionär ist.

Ach ja – Anarchisten. Sie sind sehr verpönt bei rechts und links, weil sie eine eindeutige Antwort auf die Frage haben, wer eigentlich das Land regieren soll: entweder alle – oder keiner. Von Regierungen halten sie nicht viel, weil sie der Ansicht sind, dass jede Form von Herrschaft dem Menschen nicht angemessen ist – und er auch erwachsen genug ist, sie nicht zu brauchen. Anarchisten werden deshalb meistens überall verboten und sind bei allen verpönt, geht es doch ALLEN politischen Parteien nur darum, an die Fleischtröge des Parlaments zu kommen, welche die Anarchisten gerne unter das Volk aufteilen wollen. Gut, das behaupten auch die Kommunisten, aber wie die Geschichte zeigt, war dies nur ein Werbegag: sobald man die Macht hat, landen die Gewinne beim großen Vorsitzenden.

Wissen Sie übrigens, wo Anarchisten heute noch geduldet werden, ja, sich kleine Lebensräume erschaffen haben? In den USA. Ihre Ideen haben viele der Gemeindeverfassungen geprägt und sind auch heute noch der Hauptgrund, warum Amerikaner so sehr an dem Recht hängen, selber Waffen zu tragen – dadurch gibt man das Recht auf Ausübung von Gewalt zum Schutze der eigenen Person nicht völlig in die Hände des Staates und behält sich auch vor (in guter, alter, amerikanischer Tradition, wie der englische König erfahren musste), diese Waffen notfalls gegen den Staat selbst einzusetzen … jenes Recht wird seltsamerweise in Europa nicht gegönnt, obwohl kurioserweise gerade wir Deutschen zu den größten Waffenproduzenten der Welt gehören.

Eine Partei, die – ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein – Grundwerte des Anarchismus predigt? Die FDP. Ja – FREIHEIT ist ein zentraler Wert des Anarchismus, Freiheit von jeder Art von Herrschaft. Leider findet man in der Partei keine konsequente Umsetzung dieses Wertes, eben so wenig wie man in der katholischen Kirche noch die Umsetzung urchristlicher Werte wiederfindet.

Das Satiremagazin Charlie Hebdo entstammt aus einer solchen Tradition, weshalb es – bzw. sein Vorgänger Hara Kiri – in den sechziger Jahren verboten war. Kein Politiker mag Anarchisten, sie wollen genau jene Macht abschaffen, die er mit jeder Faser seines Seins erlangen will, um fortan ein Leben auf Kosten der Allgemeinheit zu führen und jener Allgemeinheit seine Willen per Gesetz aufzuzwingen.

Aktuell ist dieses Satiremagazin in den Schlagzeilen: ein Überfallkommando hat einen Massenmord in den Redaktionsstuben ausgelöst, was viele Mächtige insgeheim freuen wird, ist doch die Satire der letzte Rückzugsort herrschaftsfreien Denkens, wie es in Deutschland Volker Pispers vorbildlich praktiziert.

Wer waren die Täter? Scheinbar arabisch stämmige Männer, wie ich heute lese. Einer der Täter, die gestern noch als hochprofessionelles Killerkommando geschildert wurden, hatte seinen Ausweis im Fluchtwagen liegen gelassen (siehe Spiegel). Erinnert Sie das an was? Ja – auch bei den Anschlägen von nine-eleven überstand ein Ausweis jenen Glutball, der ein Hochhaus zum Einstürzen brachte – und fiel direkt vor die Füße von Ermittlungsbeamten. Immer diese Araber. Immer ein wenig dümmlich in der Ausführung ihrer Attentate, das passt zum Bild des wahnsinnigen Untermenschen, das gerne über diesen Kulturkreis verbreitet wird.

Kaum war der Anschlag ausgeführt, meldete sich der deutsche Innenminister Friedrich zu Wort und forderte die Löschung von Videos aus you tube, die die Ermordung eines auf dem Boden liegenden Polizisten zeigten (siehe Heise). Mehrere Videos sind entfernt worden, wie heute zu merken ist – was mich neugierig gemacht hatte. Was war zu sehen?

Das Killerkommando – angeblich bestehend aus drei militärischen Laien, von denen einer laut Angaben von Spiegel-online schon mal im Gefängnis saß, weil er in den Dschihad ziehen wollte – wird auf der Flucht von einem Polizeiwagen gestoppt. Obwohl sie nach einem Massenmord auf der Flucht sind – als unprofessionelle Killer vermutlich nervlich sehr angeschlagen – und obwohl sie wissen dass mit jeder Sekunde tausend mehr Menschen nach ihnen Ausschau halten werden, das mit jeder Sekunde mehr Straßen gesperrt werden, gehen sie zu zweit an mehreren Autos vorbei, um einen auf dem Boden liegenden Polizisten zu erschießen – eine Tat, die sie als wahre Bestien dar stehen läßt.

Wundert es da, dass heute schon von „Operationen unter falscher Flagge“ gesprochen wird, die zur weiteren Dämonisierung einer Weltreligion animieren sollen? Woher haben diese Killer die Nerven, sich mitten auf der Flucht noch Zeit zu nehmen, um noch mal richtig einen drauf zu setzen? Verfolgt von einer ganzen Stadt? Wundert es da, dass man die Videos sperren lassen möchte? Wer Glück hat, findet noch einen Ausschnitt, auf dem man sieht, wie sie relativ ruhig wieder zu ihrem Auto zurückkehren. Wie Profikiller, die wissen, dass ihre Flucht sicher ist.

Nun – wollen wir den Bürger nicht noch weiter verunsichern, wollen wir heute mal keine Theorien darüber aufstellen, wer denn von einem solchen Anschlag im Prinzig den meisten „Profit“ hat – in Deutschland wissen wir es eh´ schon: Pediga, jene Bürgerbewegung, die auf breiter Front vom „Establishment“ bekämpft wird, sogar der Kölner Dom macht die Lichter aus, wenn die Dämonen von Pediga zum Marsch blasen, auch Kanzlerin und Bundespräsident reihen sich nahtlos ein in den Kampf gegen eine Bewegung, deren Organsiatoren gelegentlich für den Springer-Verlag gearbeitet haben.

Was nicht gefragt wird: ist denn nun die breite Front jener Menschen, die gegen die Gegner der Islamisierung des Abendlandes sind, für die Islamisierung des Abendlandes?

Bevor wir nun weiter spitzfindig herumraten, wollen wir uns an ein paar Grundregeln der Demokratie erinnern, die man wohl auf rechter und linker Seite vergessen hat. Hier darf jeder eine Meinung haben. Bundespräsident und Bundeskanzlerin haben dafür zu sorgen, dass dies so bleibt: sie sind Verwaltungsangestellte, keine Monarchen. Jeder darf für so gut wie alles demonstrieren – und wenn Menschen Angst vor „Überfremdung“ haben, dann dürfen sie dies kund tun. Wenn es eine Supermacht gibt, die den Islam als große Bedrohung der Menschheit erachtet und ihn weltweit (mit aktiver Unterstützung der Bundeswehr) mit brutaler Waffengewalt bekämpft, dann darf man nicht jenen Deutschen die Schuld für ihre Ängste zuschieben, die auf die Nachrichten nur REAGIEREN – und sie nicht erfinden.

Anders als zu der NS-Zeit, als der „Stürmer“ wilde Geschichten von kannibalischen, kindermordenden Juden unters Volk streute, die nichts andere wollten, als deutsche Frauen und deutsche Kinder zu vergewaltigen (erinnert ein wenig an die Katholikenhatz der Gegenwart, die aus fast jedem Priester einen Kinderschänder machen möchte und dabei völlig vergisst, dass die meiste sexuelle Gewalt gegen Kinder von Familien ausgeht – nicht von Priestern; auf Antifamilientiraden wartet man jedoch vergebens) sind es heute die breite Front der „seriösen“ Medien, die Gräuelgeschichten über „Islamisten“ verbreiten, wobei der Begriff „Islamist“ eine interessante Nutzung über sich ergehen lassen muss: gemeint sind im Prinzip wohl alle Muslime, die ihre religiöse Überzeugung ernst nehmen.

Wissen Sie, woher ich diese Idee habe? Unter anderem von Jan Fleischhauer, der vor den Anschlägen auf Charlie Hebdo durchaus schlüssige und brisante Gedanken zur Islamophobie der Gegenwart formulierte (siehe Spiegel):

Was macht am Alltags-Islam also solche Angst? Die Provokation liegt nicht in der Verschleierung oder der Polygamie, die vielen als Symbole der fremden Religion gelten: Als Provokation reicht der Glaube an sich. In einer Gesellschaft, in der schon das sonntägliche Kirchengeläut als Störung empfunden wird, muss eine Versammlung von Menschen, für die Gott nicht Chiffre, sondern lebendige Realität ist, Beklemmung auslösen. Jede Glaubensrichtung, die sich zu markant äußert, taugt heute zum Skandal; da macht der Katholizismus keine Ausnahme, wie die hysterische Beschäftigung mit dem Opus Dei zeigt. Erst wenn sich eine Religion wie der Protestantismus so weit säkularisiert hat, dass sie nahezu unsichtbar geworden ist, gilt sie als gesellschaftlich verträglich.

Hier spricht ein bekennender „Rechter“ – und Schlussfolgerungen zu seinen Beobachtungen reichen viel tiefer, als es den meisten lieb sein wird.

Bleiben wir jedoch erstmal beim Islam, der von der Bundeswehr im Ausland mit Gewalt bekämpft wird, aber in Deutschland von Medien und Regierung besonderen Schutz erfährt – „Islamisten töten“ scheint nur im Ausland „gut“ zu sein.

In einer freien Gesellschaft – und erst recht in einer freien Marktwirtschaft – gelten Angebot und Nachfrage. Sollte der Islam – als Religion – den europäischen Bürgern ein Angebot machen, dass sie überzeugender finden als das Angebot, dass herrschende Religionen ihnen machen, so ist das völlig in Ordnung. Deshalb haben wir Religionsfreiheit als Grundrecht, „gegen den Islam“ zu marschieren ist in etwas so demokratisch, wie gegen Juden, Anarchisten oder Gebrauchtwagenhändler zu demonstrieren. Erzielt der Islam in Europa deutliche Stimmengewinne, so zeigt dies nicht, dass er böse ist, sondern nur, dass wir mit unserer praktisch atheistischen Kultur Schwächen haben – Schwächen, die die oben erwähnten Anarchisten den Pendlern in der U-Bahn so deutlich aufgezeigt haben, dass sie dafür gefeiert wurden.

Unsere Kultur vermittelt keinen Sinn, gibt keinen Halt, macht nicht glücklich. Hier wäre der richtige Ansatz für eine Auseinandersetzung mit dem Islam. Wer sich noch auf Seiten des Islam befindet – jedenfalls aus dieser Sicht?

Der Papst selbst, oberster Hüter der Kultur des ehedem christlichen Abendlandes (und eigentlich der Mann, dessen „Job“ es wäre, im Streit der Religionen  um die Vorherschaft seine Sache so gut an den Mann zu bringen, dass seine „Mitbewerber“ in Europa chancenlos bleiben). Wird wenig beachtet – und ohne die „Zeit“ wüssten wir wahrscheinlich gar nichts davon (siehe Zeit):

Die führenden Volkswirtschaften in der Welt sanierten ihre Bilanzen mit der Produktion und dem Verkauf von Waffen. Sie opferten den Menschen dem Idol des Geldes. „Wenn man Fotos von unterernährten Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt sieht, kratzt man sich am Kopf. Das versteht man nicht“, sagte der Papst. „Das Wirtschaftssystem sollte im Dienst des Menschen stehen. Aber wir haben das Geld in den Mittelpunkt gerückt, das Geld als Gott.“

Demokraten müssten den Islam innerhalb ihrer Reihen dulden, sofern er mit seiner eigenen Gesetzgebung nicht die Gesetzgebung der Demokratie überschreiben möchte. Köpfe abschlagen, Hände abhacken, Frauen verkaufen – geht hier nicht, egal, im Namen welcher Religion man solche Gräuel begehen möchte. Genauso muss man dulden, dass es Menschen gibt, die auf die mediale Darstellung des Moslems (schlägt Köpfe ab, hackt Hände ab, verkauft Frauen) mit großer Abneigung und Angst reagiert – obwohl die meisten Teilnehmer von Pegida in Dresden nie einen Moslem gesehen haben, noch mit einem gesprochen hätten.

Für wen wird also der Islam gefährlich? Oder Pegida?

Für unsere neue, eigentliche, wirkliche, wirksame und täglich praktizierte Religion – so oder so. Verteidiger eines christlichen Abendlandes (vermute, die wenigsten haben eine Ahnung davon, dass dies hemmungslose Sozialromantik bedeutet -und die Verdreifachung des Hartz IV-Regelsatzes) stören den neuen, verführerischen, allmächtigen Gott genauso wie JEDE Form ernsthafter Religiösität … und hier müssen sich gerade die Kirchen den Vorwurf gefallen lassen, dass sie im Staatsauftrag vor allem dies bewirken: jede Ernsthaftigkeit von Religion in ihren eigenen Reihen zu bekämpfen.

Warum diese Sicht wahrhaftiger sein soll als jene, die von der Religion des Geldes verbreitet wird?

Nun – sehen Sie irgendeine Form von breiten Widerstand gegen die Bombadierung von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern durch die „westliche Allianz“ im Ausland? Macht da ein Dom die Lichter für aus?

Nur da, wo der eigene Geld-Gott ernsthaft angegriffen wird, regt sich enormer Widerstand. Darf ich daran erinnern, wer diese Religion öffentlich predigt? (siehe FAZ):

Der Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, hat ein ganz eigenes Bild von Gott. Riesige Bonuszahlungen und große Profite in der Krise – für die Gesellschaft sei das alles unproblematisch, sagte er. Und die Banker, vor allem die von Goldman, würden in Wahrheit Göttliches tun.

Wir haben jetzt einen großen Bogen gespannt – von Anarchisten der sechziger Jahre bis zu einem Anschlag in Frankreich auf die Erben jener Anarchisten im Jahre 2015. Das verlangt viel ab. Und ich muss den Bogen noch ein wenig weiter spannen, um jenes Bild zeichnen zu können, in dem wir uns aktuell bewegen. Ein Beitrag im „Zeit“-Blog aus dem Jahre 2010 liefert hier ein Puzzle-Stück, dass einen unheimlichen Ausblick bietet (siehe Zeit):

Die renommierte “Washington Post” zitierte unlängst den Boss des amerikanischen Geheimdienstes CIA, Hayden, mit den Worten, dass Deutschland spätestens im Jahre 2020 nicht mehr regierbar sei. Der Werteverfall, die Islamisierung, die Massenarbeitslosigkeit und der fehlende Integrationswille einiger Zuwanderer, die sich “rechtsfreie ethnisch weitgehend homogene Räume” selbst mit Waffengewalt erkämpfen würden, sowie viele andere deutsche Probleme werden sich nach dieser Studie in einem Bürgerkrieg entladen.

Der Autor erwähnt eine Kleinigkeit am Rande, die 2015 (nach dem „Fuck the EU“ einer US-Repräsentantin im Rahmen des Konfliktes in der Ukraine) eigentlich Allgemeinwissen sein sollte:

Vor all diesen Hintergründen dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass es auch in den USA ein breites Klientel dafür gibt, das sich eigentlich gegen ein zu starkes Europa gewandt hat, ohne es laut auszusprechen. Speziell für dieses Klientel kommt die Uneinigkeit Europas und das Setzen nationaler Prioritäten der europäischen Staaten gerade recht, während sich die Europäische Union dadurch selbst ausbremst und gefährdet.

Worte, bei denen man sich fragt, ob es 2015 überhaupt noch erlaubt ist, sie laut auszusprechen. Wissen Sie eigentlich, welche Konzerne am meisten für Lobbyarbeit in Brüssel ausgeben? Drei US-Konzerne: Microsoft, Phillip Morris und Exxon Mobile (siehe Lobbycontrol) – ohne das sich irgendjemand darüber aufregt, dass Nicht-Eu-Firmen massiv in die Gestaltung der Politik der EU eingreifen – geschweige denn, dass jemand als Protest dagegen den Dom in Köln verdunkelt.

Verstehen Sie nun, warum ein Jan Fleischhauer der Meinung ist, dass echte Religiösität (bzw. die faktische und theoretische Nichtanerkennung des Geld-Gottes) uns am meisten beunruhigt?

Und verstehen Sie jetzt, was die aktuellen „False-Flag“-Beschwörer motiviert, besonders gründlich hinzuschauen?

Die können sich halt noch daran erinnern, dass alle deutschen Medien in breiter Front die „Iraker klauen Babys aus kuweitischen Brutkästen“-Geschichte verteilt  haben – ebenso wie die Geschichte über die Massenvernichtungswaffen im Irak. Sie erinnern sich daran, dass die Hauptfinanziers des „Islamischen Staates“ die Freunde der US-Konzerne und der US-Oberschicht sind, ebenso erinnern sie sich daran, dass die „Taliban“ einst als Waffe der CIA gegen sowjetische Truppen in Afghanistan gefördert wurden.

Ist es vor diesem Bild wirklich verwunderlich, dass man skeptisch auf neue, „amtliche“ Versionen eines grauenvollen Attentats reagiert, das vor allem eins bewirken wird: die Kluft in Europa zu vergrößern. Pegida kann nun mit ungeahntem Auftrieb rechnen, „der Islam“ hat bewiesen, wie abgrundtief boshaft er ist – dank eines vergessenen Personalausweises.

Was jetzt zu tun ist, fragen Sie?

Aufgeben – wäre eine Alternative.

Die Zahl der lebendigen Demokraten scheint immer weiter abzunehmen, die Zahl der Idioten steigt an.

Auch wenn es jetzt „Pediga“-freundliche Leser stört: in einer Demokratie darf sich NIEMAND gegen die Ausübung einer Religion wenden, noch sollte sich der Staat in den Wettstreit der Religionen einmischen. Wir demonstrieren auch nicht für „Omo“ gegen „Dash“ (falls es diese Waschmittel meiner Jugend heute überhaupt noch gibt).

Auch wenn es „Pegida“-feindliche Leser stört: in einer Demokratie darf NIEMAND an der Äußerung seiner Ängste gehindert werden – auch dann nicht, wenn Linke ihn für rechts halten.

Und was ist jetzt mit Charlie Hebdo?

Es ist vollkommen unwesentlich, ob wir es hier mit einem Terrorkommando (arabischer?) Söldner des CIA zu tun haben oder mit frustrierten Jugendlichen, die – wie z.B. beim Massaker in Erfurt – ihren Frust mit Waffengewalt an ihrer Umwelt auslassen, dieser Anschlag trifft – viel besser, als es viele andere Ziele könnten – ins Herz des freien, aufgeklärten, intelligenten europäischen Menschen.

Für uns als Demokraten ist es wichtig, sich 2015 nicht davon abbringen zu lassen, Grundwerte der Demokratie zu verteidigen: das Recht auf Meinungsfreiheit – und das GLEICHWERTIGE Recht auf Religionsfreiheit.

Wir riskieren allerdings, dann zwischen alle Fronten zu geraten – weil die Macht des neuen Gottes schier unendlich ist. Wir sollten uns aber zuerst klar darüber werden, wo überall Fronten aufgebaut werden, die vor allem eins gemeinsam haben: die völlige Vernichtung der Demokratie, die Zersplitterung der Bevölkerung in kleine, kontrollierbare, sich ständig gegenseitig auch mit tödlicher Gewalt bekämpfende Teile.

Der Kampf, den Demokraten (und Menschenfreunde aller Art) 2015 zu kämpfen haben, wird jedoch nicht einfach sein: nichts anders als ein Gott ist unser Feind, ein neuer Herr der Welt, der alle Menschlichkeit zugunsten der Rendite vernichtet. Wie sehr er im Vormarsch ist, sieht man daran, dass zur Verkündigung von Hartz IV kein Dom das Licht gelöscht hat – obwohl es ein heftiger Schlag gegen zentrale Werte des christlichen Abendlandes war, ein harter Streich gegen … nie Nächstenliebe, die uns eigentlich so auszeichnen sollte und die nebenbei auch ein passender Wert für eine lebendige Demokratie wäre.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/charlie-hebdo-in-paris-nachruf-auf-die-getoeteten-karikaturisten-a-1011827.html

PS 1: den oben im Zitat erwähnten Artikel in der Washington Post habe ich nicht finden können, möglicherweise war jener hier gemeint:

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/04/30/AR2008043003258.html?nav=rss_world

PS 2: lesenwert der Spiegel-Artikel über die ermordeten, „links-liberalen“ Zeichner – er zeigt, wie viele Feinde die sich noch gemacht haben:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/charlie-hebdo-in-paris-nachruf-auf-die-getoeteten-karikaturisten-a-1011827.html

PS 3: zwei Videos, die ich benutzt habe, um mir mein Bild vom Tathergang zu machen – die Leute wirken auf mich nicht wie untrainierte Jugendliche, erst recht ihre sich gegenseitig absichernde Teamarbeit verblüfft mich. Vielleicht – irre ich aber hier.

 

 

 

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