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Wie Hedgefonds die Marktwirtschaft vernichten und uns durch Minister Pferdefleisch servieren.

Wie Hedgefonds die Marktwirtschaft vernichten und uns durch Minister Pferdefleisch servieren.

Sonntag, 24.2.2013. Eifel. Sogar am Sonntag geht die Welt den Bach herunter. Dabei hilft: Dirk Niebel, FDP. Er hat eine Lösung des Pferdefleischskandals, der vor kurzem noch so skandalig war, weil dort für Menschen schädliche Medikamentenreste enthalten sein sollen. Laut Spiegel will Niebel das Fleisch den Armen zukommen lassen – deren Degradierung zum Müllfresser der Nation haben ja schon die Tafeln gut hinbekommen. Die Kommentatoren zu dem Artikel hatten bessere Vorschläge: einfach im Kaufhaus offen deklariert verschenken – oder in der Bundestagskantine verbraten. Letzteres gefällt mir sehr gut, wird aber wahrscheinlich nicht durchgesetzt. Dort wohnen die Herrenmenschen, die kriegen nur feinste Kost. Der Müll ist fürs Volk. Sie können sich auch sehr sicher sein, das sich an diesem System nichts ändert, dafür sorgen internationale Verträge. Einer dieser Verträge war der zwischen der EZB und Griechenland. Überraschenderweise verdienen wir gerade an Griechenland supergut: deshalb dürfen die auch nicht aus der EU austreten. Griechenland ist der Goldesel des Finanzsystems, siehe Wallstreet-Journal:

Der umstrittene Kauf von Staatsanleihen zur Entlastung der Finanzmärkte hat der Europäischen Zentralbank im vergangenen Jahr geholfen, den Gewinn erheblich zu steigern. Wie aus dem Jahresabschluss für 2012 hervorgeht, erzielte die EZB Nettozinseinnahmen von 2,3 Milliarden Euro. 2011 waren es 2 Milliarden gewesen.

Davon entfielen 1,1 Milliarden auf Staatsanleihen, die im Rahmen des Securities Markets Programme (SMP) gekauft wurden. Die Zinseinnahmen aus entsprechenden griechischen Anleihen beliefen sich auf 555 Millionen Euro, das ist fast ein Viertel der gesamten Nettozinseinnahmen.

555 Millionen Euro Gewinn. „Fast ein Viertel der gesamten Nettozinseinnahmen“ – gezahlt von einem der ärmsten Länder Europas. Das ist der Geist von Hartz IV – jetzt für ganze Staaten verfügbar.

Jochen Felsenheimer erklärt bei Capital, wie auch Privatanleger bei dem Griechenlanddeal einen guten Schnitt machen können:

(Capital): Konnten Sie es gegenüber Ihren Anlegern denn rechtfertigen, in griechische Staatsanleihen zu investieren?

(Felsenheimer):Ja, denn wir haben in die nach internationalem Recht ausgegebenen Anleihen investiert und fühlten uns mit diesen Papieren juristisch auf der sicheren Seite. Anders als bei den nach griechischem Recht emittierten Bonds ist es bei diesen Anleihen nicht möglich, nachträglich die Position der Gläubiger zu schwächen. Wir haben Geld aus dem CDS erhalten und einen guten Schnitt gemacht. Leider mussten wir die Griechenanleihen dann verkaufen, weil wir keine Position ohne Absicherung halten dürfen. Eigentlich hätte die Papiere gerne behalten, denn Griechenland wird die internationalen Bonds bis zum bitteren Ende bedienen. Schließlich stehen nur noch 4 Mrd. Euro in diesen Anleihen aus. Und wenn diese Zinsen nicht pünktlich fließen, stufen die Ratingagenturen das gesamte Land als „Default“ ein. Sobald ein U-Boot der griechischen Marine dann hellenisches Hoheitsgebiet verlässt, klebt ein amerikanischer Hedge-Fonds einen Kuckuck drauf. Dieses Risiko gehen die Griechen nicht ein.

Deutliche Worte, oder? „Griechenland wird die internationalen Bonds bis zum bitteren Ende bedienen“. Bitteres Ende … für wen? Nun – für die Griechen. Der Griechenlandblog informiert regelmäßig darüber – leider nicht  in der Tagesschau. Anstieg der Prostitution in Athen um 1500 %, Jugendarbeitslosigkeit von 62%, ein Drittel der Kinder lebt unterhalb der Armutsgrenze (wie auch in Spanien, Portugal, Italien und Irland), zunehmend werden durch willkürlichen staatlichen Zugriff auf private Bankkonten Leute in den Bankrott getrieben, die rechtsextremen Milizen erstarken.

Zahlen sie nicht, pfänden Hedgefonds die Rüstungsgüter, an denen wir Deutsche so gut verdient haben. Was macht eigentlich so ein Hedgefond mit einem U-Boot? Privatarmeen aufbauen? Diese kleine Andekdote am Rande zeigt, wie schlimm es um die Souveränität großer europäischer Staaten gestellt ist: sie werden Pfändungsgut von Hedgefonds, die dank CDS gar nicht pleite gehen können. CDS sind Kreditausfallversicherungen, die dann einspringen, wenn die faulen Kredite nicht mehr bedient werden – man braucht also gar keinen US-Kuckuck auf griechischen U-Booten. Zahlen die Griechen nicht, zahlen ja die Versicherungen.

Die Summe dieser CDS ist interessant – und kaum zu begreifen: 2008 waren es noch 60 Billionen Dollar. Ja, europäische Billionen, alse echte 60 000 Milliarden. Soviel gefährliche Kredite gibt es in der Welt. Sie entsprachen damals fast komplett dem Weltbruttoinlandsprodukt (siehe Statista). Heute liegen sie bei 32,5 Billionen Dollar (siehe Wiwo).

Herr Felsenheimer erklärt uns das Geschäft nochmal im Detail (wieder Capital):

(Felsenheimer):Die Strategie ist eigentlich ganz einfach: Wir kaufen eine Anleihe eines angeschlagenen Unternehmens, die bezogen auf unseren Einstandspreis zum Beispiel sieben Prozent Zinsen pro Jahr abwirft. Wenn wir nun eine Kreditausfallversicherung finden, die uns nur zwei Prozent pro anno kostet, haben wir fünf Prozent verdient.

(Capital):Das ist zu simpel.

(Felsenheimer):Niemand behauptet, dass wir Atomphysik veranstalten.

Dafür braucht man noch nicht mal Abitur.

Und wer zahlt, wenn den Großbanken (den Verkäufern der CDS)  die Beträge für ausgefallene Kredite über den Kopf wachsen? Auf jeden Fall: SIE! Entweder unterstützen sie die Banken durch den Rettungsfond – oder durch die Finanzierung der Arbeitslosen, die diese Banken produzieren. Zehn Prozent der Stellen will z.B. die Commerzbank gerade wieder streichen, weiterer Stellenabbau soll folgen (siehe Wallstreet-Journal).

Da der Staat sein Vermögen aber für die Rettung der Banken von den Kreditausfallversicherungen braucht, muss der Bürger Pferdefleisch essen. Das ist wirklich keine Atomphysik, oder?

Wo in diesem Geschäft aber risikolose Riesengewinne zu verzeichnen sind, bleibt für die Realwirtschaft – die immerhin für den Wohlstand der ganzen Nation sorgen soll – nichts mehr übrig. Die Autoproduktion – eine der ganz großen und wichtigen Säulen unsere westlichen Wirtschaft – erreicht ein historisches Tief, siehe Manager Magazin:

Der Automarkt bricht in der Europäischen Union (EU) einen Rekord nach dem anderen – im negativen Sinn: Im Januar sind so wenig Autos verkauft worden wie noch nie in diesem Monat, wie der europäische Branchenverband Acea am Dienstag mitteilte. Die Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge fiel um 8,7 Prozent auf 885.159 Stück, das war der niedrigste Stand in einem Januar seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1990.

Wo wir alle für die einfachen aber todsicheren Experimente der Anlageberater zahlen müssen, bleibt einfach kein Geld mehr zum Autokauf übrig. Auch nicht für Reiche, denn die Religion der Gier verschont auch sie nicht, wie aktuell der Rummel um den Anlagebetrug von S&K zeigt. Der Berater von S&K, der verurteilte Betrüger Jürgen Schneider, erklärt im Manager Magazin, was von diesen Fondgeschäften in Deutschland zu halten ist:

 „Das Fondsgeschäft insgesamt ist überwiegend ein großer Sumpf in Deutschland, mit dem ich nichts zu tun haben will“, sagt er. „Anleger verlieren dort regelmäßig viel Geld, es ist gut, dass die Justiz einmal kräftig durchgreift.“ Der Markt, so Schneider, müsste allerdings auch stärker staatlich beaufsichtigt und kontrolliert werden, insbesondere die Banken, die ebenfalls dieses Geschäft betrieben.

Was macht aber die Bundesregierung, deren Mitglieder uns in der Person des Herrn Niebel das Schummel-Pferdefleisch andrehen wollen? Da muss man nur einen Artikel weitergehen – und man erhält die Antwort, siehe Manager-Magazin:

So wäre es nach den Plänen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) künftig beispielsweise weiterhin möglich, dass Emissionshäuser geschlossener Immobilienfonds ihre Objekte von Leuten aus den eigenen Reihen begutachten lassen, die keinerlei Qualifikation dafür nachweisen müssen.

Fachleute und Verbraucherschützer laufen Sturm gegen dieses Vorhaben. „Wenn das Gesetz umgesetzt wird, kann ein Fondsinitiator seinen Buchhalter übers Wochenende zum Gutachter machen“, sagt etwa Steffen Sebastian, Professor und Experte für Immobilienfinanzierung von der Uni Regensburg. „Damit wäre der Manipulation Tür und Tor geöffnet.“

Wir können also davon ausgehen, das in Zukunft wieder viele Gefälligkeitsgutachten ausgestellt werden – mit dem Segen der Bundesregierung. Wertlose Schrottimmobilien werden gutgläubigen Bürgern aufgeschwatzt, die leider keine Kreditausfallversicherung bekommen – aber dafür Pferdefleisch. Immerhin können wir aber dann Hinz und Kunz Superkredite aufschwatzen, um der Wohnungsnot zu entkommen, die ebenfalls von der Politik geschürt wurde: bei uns in der Eifel gibt es aktuell keine im Rahmen der Hartz-IV-Gesetzgebung tauglichen Wohnungen (von anderen Gebieten Deutschlands habe ich ähnliches gehört) – der Markt wurde von Polen leergefegt, die im Rahmen der EU-Verträge hier Arbeit suchen … und noch viel  mehr werden kommen, weil die Realwirtschaft in Europa am Boden liegt, siehe Christian Schütte in Capital:

Ein Ende der Rezession in der Euro-Peripherie ist bislang nicht abzusehen. Die Folgen spürt auch Deutschland: Durch die schwächeren Exporte, durch eine verschärfte Lohn- und Standortkonkurrenz in der Industrie – und letztlich eben auch durch die verstärkte Zuwanderung von Menschen, die zu dem Schluss gekommen sind, dass sie hier noch allemal etwas Besseres finden als in der alten Heimat.

Und wenn die ständig von Arbeitslosigkeit bedrohten Deutschen dann ihre Kredite nicht mehr bezahlen können und merken, das die so teuer gekauften Immobilien noch nicht mal die Hälfte von dem Wert sind, was versprochen war?

Ich sage nur: Kreditausfallversicherung. Vielleicht auf der Grund, weshalb die Banken die EZB-Kredite nur zögernd zurückzahlen (siehe Wall-Street-Journal).

Währenddessen erkennen wohl nur die so oft verspotteten Altlinken die Gefahr, die für die globale Wirtschaft von dieser Strategie der Weltfinanz ausgeht, siehe WSWS:

Diesen Monat gab es so viele Unternehmensfusionen und Übernahmen wie zuletzt vor dem Finanzzusammenbruch von 2008. Letzten Donnerstag kündigte Berkshire Hathaway, das dem Multimilliardär Warren Buffet gehört, an, den Lebensmittelkonzern Heinz für dreiundzwanzig Milliarden Dollar aufzukaufen. Am gleichen Tag gaben die Fluggesellschaften American Airlines und US Airways Pläne eine elf Milliarden Dollar Fusion bekannt.

Eine Woche davor hatten Michael S. Dell und eine Gruppe von Private Equity-Bankern Pläne bekanntgegeben, den Computerhersteller Dell Inc. für vierundzwanzig Milliarden Dollar zu kaufen. Liberty Global erklärte sich bereit, den britischen Kabelfernsehanbieter Virgin Media für sechzehn Milliarden Dollar zu kaufen.

Die Liste könnte noch weiter geführt werden. Diese Woche kündigte das britische Private Equity-Unternehmen CVC Capital Partners an, dass es die größte fremdfinanzierte Übernahme Europas seit dem Zusammenbruch von 2008 plant.

Bisher kam es dieses Jahr in den USA zu Fusionen und Firmenaufkäufen im Wert von 158,7 Milliarden Dollar, doppelt soviel wie im gleichen Zeitraum im letzten Jahr.

Ausgestattet mir simplen Strategien frisst die Finanzwirtschaft die Realwirtschaft – oder zwingt zu immer größeren „Mergern“. Die Folge: höhere Arbeitslosigkeit, Vernichtung der Marktwirtschaft zugunsten einer hedgefonddominierten und ständig schrumpfenden Konzernoligarchie. Der Markt stirbt. Der Staat auch.

Ist doch auch simpel, oder?

Und was bitte schön soll daran jetzt noch gut sein?

Da ist auch nichts gerettet, selbst wenn – in Deutschland auf Wunsch der Kanzlerin – nur noch selten deutliche Worte zu vernehmen sind. Die Offensive der parasitären Wirtschaftsschmarotzer geht immer weiter, ihrer in der Gesellschaft implementierten Logik kann niemand wiederstehen: verschlechtert sich das Rating, steigen die Zinsen, der Staat wird arm – die Frauen müssen Huren werden, ihre Kinder bekommen Pferdefleisch und die Männer … nun, die werden Obdachlos.

Aktuell berichtet der Spiegel darüber, das Großbritannien – einer der letzten Pfeiler Europas – von den Ratingagenturen auf griechischen Kurs geschickt wurde. Da man an Griechenland so gut verdienen konnte, möchte man natürlich mehr davon. Und die Konjunkturlokomotive USA? Laut Welt unaufhaltsam auf Katastrophenkurs, die „Todeslinie“ rückt immer näher. Können Hedgefonds eigentlich auch U-Boote mit atombestückten Interkontinentalraketen beschlagnahmen?

Wenn das alles so simpel ist – wieso tun unsere gewählten Volksvertreter dann eigentlich nicht ihren Job, den Nutzen des Volkes zu mehren? Es ist ja sehr niedlich, das sie sich Sorgen um den Verbleib des gepantschten Pferdefleisches machen und es gerne den Armen zum Fraß vorwerfen wollen – aber allein bei den Leserkommentaren habe ich viel intelligentere, kostengünstigere und weniger diskriminierende Vorschläge gehört.

Kann man diese Leser nicht zu Ministern machen?

Selbst der verurteilte Betrüger Schneider hat da  Vorschläge im Sinn, die Millionen Deutschen helfen könnten, Haus und Hof zu behalten … und den Arbeitsplatz.

Wieso können das unsere Minister nicht?

Die Anwort ist einfach: Hedgefonds versprechen auch Ministern Renditen bis zu 72 Prozent. Und Politiker können durch gesetzgebende Gewalt auch Müll gewinnbringend unters Volks bringen – da herrscht ein gleicher Geist.

Ist doch simpel, oder?

Simpel wie die risikolosen Gewinne der Hedgefonds, die bald dank staatlicher Gewalt auch mit getürkten Immobiliengutachten erzielt werden dürfen – durch diese Geschäftspraxis wurde die letzte Riesenkrise in den USA ausgelöst.

Die war so toll, das wir die jetzt auch wollen.

 

 

 

 

 

 

Griechenland als D-Day der Eurozone – „economic hit man“ im Einsatz

Freitag, 9.3.2012, Eifel. Heute erhielt ich eine E-Mail von John Perkins. Ich habe sie nicht gelesen, ich bin kein großer Freund der esoterischen Welle (und halte vieles davon für Mumpitz und Humbug oder absichtlich gestreute Volksverdummung), finde es aber doch faszinierend, das Menschen wie Perkins ihr Heil in solchen Weltbildern suchen. Manchmal jedoch frage ich mich: was ist eigentlich, wenn wir uns irren? Aber lassen Sie uns zuerst einmal schauen, was unser Herr Perkins - der<em> economic hit man</em> -  zu sagen hatte. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/John_Perkins_(Autor)">Wikipedia</a> beschreibt es kurz und praktisch:

Freitag, 9.3.2012, Eifel. Heute erhielt ich eine E-Mail von John Perkins. Ich habe sie nicht gelesen, ich bin kein großer Freund der esoterischen Welle (und halte vieles davon für Mumpitz und Humbug oder absichtlich gestreute Volksverdummung), finde es aber doch faszinierend, das Menschen wie Perkins ihr Heil in solchen Weltbildern suchen. Manchmal jedoch frage ich mich: was ist eigentlich, wenn wir uns irren? Aber lassen Sie uns zuerst einmal schauen, was unser Herr Perkins – der economic hit man –  zu sagen hatte. Wikipedia beschreibt es kurz und praktisch:

Perkins erklärt in seinem Buch, seine Aufgabe als EHM sei es gewesen, den US-Geheimdienstbehörden und den multinationalen Konzernen zu helfen, ausländische Staatsoberhäupter dazu zu verleiten und ggf. zu erpressen, der US-Außenpolitik „zu dienen“ und der US-Wirtschaft lukrative Aufträge zu verschaffen. Es sei im Wesentlichen darum gegangen, Staaten größere US-amerikanische Kredite zu verschaffen, als sie ökonomisch verkraften konnten; durch deren so herbeigeführte Zahlungsunfähigkeit habe sich die USA weitreichende Einflusszonen in den jeweiligen Ländern gesichert, u.a. zur Gewinnung von Rohstoffen. Staatschefs, die derlei „Deals“ nicht zu folgen bereit waren, seien mit geheimdienstlicher Hilfe von den USA aus dem Weg geräumt worden. Perkins nennt in seinem Buch explizit die früheren Präsidenten Panamas,Omar Torrijos, und Ecuadors, Jaime Roldós, die beide bei mysteriösen Flugzeugabstürzen 1981 ums Leben kamen.

….es sei im wesentlichen darum gegangen, Staaten größere US-amerikanische Kredite zu verschaffen, als sie ökonomisch verkraften können … woran erinnert uns das eigentlich gerade? Vielleicht mal jetzt die Preisfrage: welches europäische Land hat nochmal gerade große Schwierigkeiten, weil es mehr Kredite bekommt, als es ökonomisch verkraften kann?

Bei der Huffington Post löst Perkins dieses Rätsel selbst:

As I write this, I am watching the economic chaos in Greece. I’m sure we’re all sharing the feelings of fear of economic collapse that is rampant among the other European countries — and in fact, around the world.

These events are classic cases of what I detail in my books — Confesssions of An Economic Hit Man andHoodwinked.

Greece has been struck by economic hit men.

So einfach wünscht man sich einen Krimi, oder? Leiche liegt auf dem Teppich, Kommissar schaut hilflos, Perkins kommt herein und sagt: „Ich kenne den Täter, der hatte schon viel auf dem Gewissen“.

Fall gelöst, oder?

Dabei brauchen wir überhaupt keinen John Perkins, der uns in die Einzelheiten weniger öffentlich gelebter Politik einweiht, um zu sehen, das in Griechenland ein ganz großes Ding gedreht wurde, siehe Mittelstandsmagazin:

Für die Investmentbanken sind die Politiker die besten Kunden: Sie brauchen immer Geld und verstehen nichts vom Geschäft. So werden am Vorabend des griechischen Schuldenschnitts neue Details bekannt, wie Goldman Sachs den Griechen half, die EU zu betrügen. Für Goldman war es ein extrem profitables Geschäft. Für die Euro-Zone war es das Initialereignis für die größte Krise ihrer Geschichte.

Wieder ist der Fall gelöst, oder?

Leider nicht, denn: die economic hit man sind auch heute unterwegs, gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe. Sie hören ja nicht auf, nur weil sie wieder mal Erfolg hatten – ganz im Gegenteil: jetzt fangen sie erstmal richtig an.

Griechenland ist der D-Day der Eurozone. Die Griechenlandkrise zeigt uns deutlich, das der von Perkins beschriebene Neokolonialismus jetzt Europa erreicht hat – jenes Europa, das sich als Verbündete der USA immer sicher gefühlt hat. Sind wir aber nicht mehr. Schauen wir doch mal, was Neokolonialismus praktisch anrichtet:

die Medikamente werden knapp – man stirbt bald wieder ein einfachsten Krankheiten … vielleicht sind bald Pest und Pocken auf dem Weg nach Europa, wenn sich die economic hit man noch ein paar weitere europäische Länder einverleibt haben. Es werden jetzt auch die ersten Hilfslieferungen aus Deutschland eintreffen, um die Not, die Tat für Tag schlimmer wird, wenigstens ein bischen zu lindern. Einfachste Sachen werden dort gebraucht siehe Zeit:

Reis, Nudeln, Mehl, Speiseöl, Fischkonserven, Zahnpasta, Seife, Shampoo – alles was zum Leben wichtig ist. 

Das sind unsere griechischen Brüder und Schwestern gewesen, die Helden der deutschen Gyros-Bude und großzügigen Gastgeber unserer Urlaubsreisen. Jetzt, nach dem Besuch der economic hit man hat man den Eindruck, dort sei eine Naturkatastrophe schlimmsten Ausmaßes gewesen oder gar ein Krieg verloren gegangen. Anstatt aber über diese dem Bundestag durchaus bekannten Tatsache zu schreiben, jubelt die Systempresse uns was vom glorreichen Schuldenschnitt vor – einem Schuldenschnitt, der dem deutschen Steuerzahler schon jetzt Milliarden kostet … die vierhundert Millionen Euro, die wir laut Focus bislang selbst als Gewinn aus der Krise gezogen haben, sind ein Pappenstil dagegen. Kein Wunder, das wir jetzt dem gemeinen Griechen auf der Straße die Tür vor der Nase zuknallen, siehe Welt:

Arbeitssuchende EU-Bürger sollen künftig keine Hartz-IV-Leistungen mehr bekommen. So will die Regierung laut einem Bericht den Zuzug von Arbeitslosen aus Südeuropa erschweren.

Während der griechische Bürger live erleben darf, wie sich die Bürger Latein- und Mittelamerikas früher gefühlt haben, als die economic hit man ihre Länder überfielen, sorgen die economic hit man erstmal dafür, das der Rest Europas ruhig bleibt – und den bankrotten Griechen noch seine Waffen verkaufen kann.

Teile und herrsche – funktioniert doch überall und immer wieder, oder?

Sie sind auch in Deutschland unterwegs und bereiten hier schon mal den Endsieg vor – erstmal erfahren wir aber nur von kleinen Guerillaangriffen auf deutsche Städte:

Es begann damit, dass die Stadt Pforzheim mit einem Finanzprodukt der Deutschen Bank hohe Verluste machte. Der vermeintliche Retter in der Not, JP Morgan, entpuppte sich jedoch als die noch größere Katastrophe für die Finanzen der Stadt. Am Ende verschwanden die Investmentbanker spurlos.

Sie bringen aber heute schon ihre Truppen in Stellung für den ganz großen Schlag … und die Regierung merkt es auch, siehe Handelsblatt:

Dass das neue Spitzenduo der Deutschen Bank durchgreift, noch bevor es offiziell im Amt ist und das oberste Führungsgremium mit Investmentbankern stärkt, stößt in Berlin auf breite Kritik. Die Union erwägt Konsequenzen.

Die hätten mal John Perkins lesen sollten – mit solchen „Konsequenzen“ können economic hit man gut umgehen. Immerhin bewegen wir uns hier in Sphären, die auch vor einem erneuten Barschel nicht zurückschrecken werden – das weiß in Berlin auch jeder.  Die Welt der economic hit man ist eine ernste Welt, in der nur der Erfolg zählt – nicht das ethische Niveau beim Einsatz der Mittel. Das sind jene Geschäfte in Europa, von denen der Bundestagsabgeordnete besser mal die Finger läßt, bevor er einen Unfall hat, an plötzlichem Herzversagen stirbt oder tot in der Wanne liegt.

Würde man uns das offiziell so erzählen – wir wären die Krise los. Sofort. Stattdessen wundern wir uns über Rekordspritpreise, Preise, die auch deshalb so hoch sind, weil der Euro ständig an Wert verliert – um an Öl zu kommen, müssen wir aber Dollar kaufen. Öl wird nur in Dollar gehandelt – und die USA sorgen mit allen Mitteln dafür, das das so bleibt (und wir dafür immer weniger haben), nochmal John Perkins, hier bei „Let´s make Money„:

„Auch heute sind die USA wieder ein bankrottes Land. Wir haben riesige Schulden, mehr als jemals ein anderes Land hatte. Wenn irgendeines der (Gläubiger-) Länder sein Geld in einer anderen Währung als Dollar fordern würde, dann wären wir in großen Schwierigkeiten. Aber jetzt wollen alle ihr Geld in Dollar, weil Erdöl so ein wichtiges Produkt ist und man es nur in Dollar kaufen kann. Saddam Hussein drohte, Erdöl auch gegen eine andere Währung zu verkaufen. Kurz bevor er gestürzt wurde … Hätte er nachgegeben, würde er heute noch regieren. Wir würden ihm Flugzeuge und Panzer und sonst noch alles Mögliche verkaufen.“

Jetzt wird auch klarer, warum die Kreditausfallversicherungen im Fall Griechenlands nicht greifen werden – und warum die Politik total nervös wird: economic hit man haben inzwischen ein so dichtes Netz gestrickt, das der ganze europäische Kontinent darin gefangen ist, siehe Wiwo:

Das maßgebliche Gremium des Verbandes hat 15 stimmberechtigte Mitglieder. Diese werden von zehn Banken und fünf großen Finanzinvestoren gestellt, darunter Deutsche Bank, Goldman Sachs, der Vermögensverwalter Blackrock und der weltgrößte Anleiheinvestor Pimco – also alles, was Rang und Namen in der Finanzbrache hat. Da liegt der Verdacht nahe, dass die großen Banken und Investoren am Ende selbst darüber urteilen, was aus ihren Ausfallversicherungen wird.

Die Versicherungen – mit denen gut verdient wurde – sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Und das ist auch gut so – niemand sollte ernsthaft auf die Idee kommen, sie einzulösen: die Folgen könnten katastrophal sein:

Was an den Finanzmärkten passiert, wenn CDS in großem Still ausgelöst würden, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Der Handel mit CDS ist wenig transparent, er läuft nicht über geregelte Börsen ab. Wer wie viele CDS auf Griechen-Anleihen in den Büchern hat, lässt sich nur schwer ermitteln. Experten fürchten jedoch ein Chaos wie nach der Lehman-Pleite 2008. Das Risiko bei einem Kreditereignis sei so groß, dass sogar mancher Versicherungsnehmer kein Interesse daran habe, seine Versicherung wahrzunehmen. 

Das darf mein eigentlich nicht lesen – sonst kommt man noch auf die Idee, wirklich in einem Tollhaus zu leben: die Versicherungen, die gerade die Wirtschaft vor den Folgen von Pleiten schützen soll, darf niemals ausgelöst werden, sonst droht eine Katastrophe. Kein Wunder, das letztlich die Bürger zahlen werden – zahlen, um den Wert des Dollars nicht zu beschädigen … nur darum geht es.

Darum wurde der Irak zerstört, darum wird jetzt der Euro zerschlagen – und darum wird die aktuelle Yuan-Offensive der chinesischen Regierung die Welt an den Rand des Krieges bringen.

Sieht man sich nun Macht und Wirkungskreis der economic hit man, so kann man schnell auf den Gedanken kommen, das es Angst und Hilflosigkeit sind, die Perkins auf den schamanisch-esoterischen Trip bringen. Vielleicht irren wir uns aber auch alle, und die Ritualmeister des Bohemian Grove nehmen ihre magische Symbolik viel ernster als wir denken und opfern Griechenland, das Mutterland europäischer Demokratien, symoblisch, um das endgültige Ende der weltweit existierenden Demokratien einzuläuten. Mit dem Irak hatten sie ja schon die symbolische Wiege der modernen Zivilisation (Babylon) in Besitz genommen.

Auf jeden Fall können wir sagen: diesmal kommen die Angreifer zuerst über Griechenland, nicht über die Normandie. Das letzte mal haben sie einen US-finanzierten Clowen vom Thron gejagt, der ihnen einen lukrativen Krieg bescherte, diesmal verjagen sie die marktunkonformen Demokratien, die als Folge dieses Krieges entstanden: sie räumen auf und ordnen die Dinge wieder mal neu.

Ich denke, ich sollte Perkins Mail doch lesen: wie es aussieht, hilft nur noch beten.

 

 

 

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