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Wie Wirtschaftskiller den Mittelstand vernichten … und was wir dagegen tun können

Dienstag, 6.11.2012. Eifel. Heute wird in den USA gewählt, habe ich gehört. Der Sieger steht von vornherein fest: das ganz große Geld. Wir wissen das schon längst. Wir haben nämlich alle John Perkins gelesen - Bekenntnisse eines Economic hit man. Sicherlich eins der wichtigsten Bücher, das Bürger eines demokratischen Rechtsstaates schon in der Schule lesen sollten, damit sie wissen, auf welche Welt sie treffen (zitiert nach let´s make money, einem Film, der jährlich zu Weihnachten in allen Klassen der Oberstufe aufgeführt werden sollte):

Dienstag, 6.11.2012. Eifel. Heute wird in den USA gewählt, habe ich gehört. Der Sieger steht von vornherein fest: das ganz große Geld. Wir wissen das schon längst. Wir haben nämlich alle John Perkins gelesen – Bekenntnisse eines Economic hit man. Sicherlich eins der wichtigsten Bücher, das Bürger eines demokratischen Rechtsstaates schon in der Schule lesen sollten, damit sie wissen, auf welche Welt sie treffen (zitiert nach let´s make money, einem Film, der jährlich zu Weihnachten in allen Klassen der Oberstufe aufgeführt werden sollte):

Die Spezies der Economic Hit Men (Wirtschaftskiller) ist ein Produkt unserer Zeit, in der Kriege gegen andere Länder mehr oder weniger ersetzt wurden durch den Wirtschaftsimperialismus von Großkonzernen. Sie sind hoch intelligente, hoch bezahlte Profis, die weltweit Länder um Zigmilliarden betrügen. Sie schleusen Weltbank-, Regierungsgelder und ‚Entwicklungskredite’ in die Taschen einiger Großkonzerne und reicher Familien, die über die natürlichen Ressourcen verfügen. Zu ihrem Instrumentarium gehören gezinkte Wirtschafts- und Finanzprognosen, Wahlmanipulationen, Schmiergelder, Erpressung, Sex und Morde. Sie treiben ein Spiel, das so alt ist wie Macht und Herrschaft; doch im Zeitalter der Globalisierung hat es eine neue und bedrohliche Dimension angenommen.

Sie treiben jenes Spiel, von dem wir nichts wissen dürfen, obwohl es uns doch betrifft. Sie sind das Öl im Getriebe der globalisierten Welt, sie sind die Terroristen, Selbstmordattentäter und Bombenleger der Sieger, sie dirigieren Politik, wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Prozesse. Solange sie unterwegs sind, sind unsere Wahlen nur eine Farce. Sie sind auch der Grund, weshalb die Welt der Mächtigen vor „Verschwörungstheorien“ so eine panische Angst hat – würde man sie nicht zum TABU erklären, so würden emsige Forscher in allen Wirtschaftsangelegenheiten sowie jeglichen politischen Strömungen ihre Spuren erkennen … und man würde feststellen, das hinter den Fassaden von „Demokratie“ Entscheidungen getroffen werden, die alternativlos sind.

Ein Beispiel dazu?

Gern.

Aktuell lauert die Finanzwelt wieder auf einen ganz großen Coup, siehe Handelsblatt. Warren Buffet hat 47,8 Milliarden Dollar eingesammelt: Geld, das die Reichen zuviel haben. Sie haben es deshalb zuviel, weil der Staat die Banken mit billigstem Geld überschüttet hat, das diese wieder zu außerordentlich günstigen Konditionen an ihre besten Freunde ausgeliehen haben. Warrens Aufgabe ist es jetzt, diese billige Geld jemand anderem aufzudrücken – und zwar zu Spitzenpreisen. Dafür kauft er Aktien (was nicht ganz so der Bringer ist) oder … ein ganzes Unternehmen. Diesmal ein ganz Großes.

Hat er das Unternehmen dann gekauft, muss dieses ganz schnell Gewinn abwerfen. Das macht man am Besten durch Massenentlassungen, in den USA geht das seit den 90´er Jahren so. Nichts kann die Bilanzen schneller glänzen lassen als ein kräftiger Schlag mit der Entlassungsaxt. Das würde natürlich den Staat stören … wenn nicht die Economic Hit Man dafür gesorgt hätten, das der Widerstand im Keim erstickt wird. Das geht gut mit Geld. Die politische Kaste ist inzwischen darauf gedrillt, das sie beständig von viel Geld umflossen wird. Wer sich zum Beispiel gefragt hat, wie denn der Gauck seinen Lebensunterhalt finanziert, der erfährt aktuell, das der auch – wie der Kanzlerkandidat der SPD – 25000 Euro von den Bochumer Stadtwerken bekommen hat (siehe Spiegel). Wenn die Wirtschaftskiller das Geld nicht selber mitbringen, so bringen sie eben Ideen, wie man es von der Masse wiederbekommen kann: Preiserhöhungen bei Strom (siehe Welt) oder KFZ-Versicherungen (ebenfalls Welt) sichern den stetigen Strom des Bakschisch, um die politische Kaste regelmäßig mit kleinen Zuckerchen versorgen zu können.

Die braucht man nämlich, diese Kaste, denn das System der Geldmultiplizierung hat einen Haken: man hat zwar auf der einen Seite enorme Gewinne … aber in den Betrieben fehlen die Leute, die die Arbeit machen. Gut, oft kann man den ganzen Laden dicht machen und die Produktion ins Ausland verlagern, aber wenn man den Stempel „Wertarbeit“ haben möchte, dann belässt man die Kirche lieber im Dorf – und übergibt den Job den Wirtschaftskillern, denn die haben Mittel und Möglichkeiten, entsprechende Lösungen durchzudrücken.

Die Lösung des Problems war einfach: damit die deregulierten Kapitalmärkte sich wie ein Orkan durch die Realwirtschaft fräsen konnten, brauchte man einfach nur Menschen, die möglichst umsonst die Arbeit der Entlassenen machen: die Idee der Leiharbeit war geboren, die von ihren Schöpfern noch heute gefeiert wird, weil die Hälfte der Leiharbeiter nach zwei Jahren einen festen Job gefunden hat – oft allerdings bei einer kleinen Firma (siehe Handelsblatt). Der Haken: zwei Jahre lang arbeiten die deutlich billiger – was kein Politiker gut finden dürfte, denn: die zahlen dann auch viel weniger in die Versicherungen ein. Aber dafür gibt es ja diese obszön hohen Honorare für Vorträge.

So macht Warren Buffet mit Geld des amerikanischen Steuerzahlers Geld auf Kosten des deutschen Steuerzahlers, der letztlich für all die Zahlungsausfälle durch Leiharbeit aufkommen muss.

Toller Trick, oder? Hätte wir Bürger auch solche Wirtschaftskiller – wir hätten Ruckzuck unseren Sozialstaat wieder und könnten unsere Demokratie retten, jene Demokratie, die – wie Carl Amery in einem Brief an Horst Köhler schrieb – inzwischen nur noch die Musik bestimmt, die beim Untergang der Titanic gespielt wird.

Schauen wir doch zurück nach Amerika, dem Mutterland der Demokratie und der Lokomotive der Weltwirtschaft, jenem Land, das sich gerade mit 5,8 Milliarden Dollar den teuersten Wahlkampf aller Zeiten geleistet hat (siehe Welt). Hier fallen immer mehr Leute immer schneller aus der Mittelschicht in die Unterschicht (siehe Spiegel), nach Selbsteinschätzung der Bürger waren es 2008 noch 25 %, die sich zur Unterschicht zählten, während es 2012 schon 33 % sind – mit Spitzenwerten von 39 % bei den Jugendlichen.

Die Welt sieht heute „schockierende Zahlen“, nach denen Amerika auf „Dritte Welt -Niveau“ sinkt. Sie zitiert dazu den Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, der 99 % der Amerikaner in der Sklaverei sieht:

Die Zahlen, die Stiglitz anführt, sind schockierend. Einem Prozent der Amerikaner gehört mehr als ein Drittel des nationalen Gesamtvermögens. Das Durchschnittseinkommen dieser Gruppe betrug 2007 nach Steuern 1,3 Millionen, das der unteren 20 Prozent 17.800 Dollar. Die obersten 0,1 Prozent der Amerikaner streichen alle anderthalb Tage soviel ein, wie die unteren 90 Prozent in einem Jahr verdienen.

Allein die sechs Erben des Wal-Mart-Supermarkt-Imperiums verfügen über ein Vermögen von 69,7 Milliarden Dollar; das entspricht dem Gesamtvermögen der unteren 30 Prozent. Bei dem reichsten Hundertstel kamen in den Boom-Jahren vor der Krise 65 Prozent des Zuwachses beim Volkseinkommen an; seit der Krise 93 Prozent. Während diejenigen, die sich für die Mittelschicht hielten, in der Großen Rezession ihre Häuser und ihre Ersparnisse verloren, geht es den Leuten, die für die Misswirtschaft verantwortlich waren, blendend.

Liest man den Artikel weiter,  erfährt man, das Stiglitz die gezielte und absichtliche Vernichtung aller Marktgesetze anprangert. Wenn man sich nun fragt, wie das nur bewerkstelligt wurde, so braucht man nur John Perkins lesen: die Antwort steht dort in großen Lettern.

Wer nun glaubt, wir in Europa sind da ja noch sicher, der vergisst, wie groß der Einfluss der Wirtschaftskiller auch hier ist: die Agenda 2010 ist letztlich ihr Werk, das nötig war, um auch auf deutsche Steuergelder in steigendem Ausmaß zugreifen zu können – die Hauptakteure sind ja auch entsprechend belohnt worden.  Aktuell dreht sich das Sozialabbaukarussel weiter, diesmal mit Frankreich als Kampfziel – auch dort sollen Lohnnebenkosten drastisch gesenkt werden (siehe Spiegel). Wir kennen dieses Lied schon, es wurde auch hier gesungen, das Ergebnis war Leiharbeit und Einnahmeeinbußen für die Krankenversicherung, die Rentenversicherung, die Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung. Welche Folgen das für die Menschen vor Ort hat, erwähnt heute die Welt:

Die Fakten sind erschreckend: Fast eine Viertelmillion Demenzkranker wird in Deutschland mit Psychopharmaka ruhiggestellt, um den überlasteten Pflegern weniger Arbeit zu verursachen; gut zahlende Heimbewohner werden zu Zehntausenden an die Betten gefesselt oder leiden Hunger und Durst; das Wundliegen wird zur Volkskrankheit.

Darüber kann auch nur ein Günther Jauch lächeln, weniger gut Betuchten fällt auf, dass das das Schicksal der „gut zahlenden“ Patienten ist: gefesselt und mit Drogen vollgepumpt hungrig und durstig in der eigenen Scheiße zu liegen – Hauptsache, die Rendite stimmt. Kann sich jemand vorstellen, was geschieht, wenn sich die Pflegefälle in Zukunft vervielfachen? Und was geschieht mit jenen, die weniger zahlen können?

Wir steuern hier auf Zustände zu, die uns den Tod durch wilde Tiere im Alter als äußerst begrüßenswert erscheinen lassen – und klugen Ratschluss göttlicher Weisheit. Ich denke, die Mehrheit der so gefolterten Alten wäre dankbar, wenn ein Rudel Wölfe ihrer erbärmlichen Qual ein schnelles Ende bereiten würde – oder wenn man sie einfach nach alter Indianerart im Schnee aussetzen würde – das alles ist weniger schmerzhaft als bei lebendigem Leibe von den eigenen Ausscheidungen verdaut  und langsam wegen Hunger und Durst wahnsinnig zu werden.

Bedenkt man, das 99 % der bundesdeutschen Bevölkerung dieses Schicksal droht, weil irgendwann JEDER zum Pflegefall wird, dann sieht man, das wir auf eine Zukunft zusteuern, die dem Holocaust das Wasser reichen kann – aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen. Sogar der deutsche Bundestag und die Regierung arbeiten aktiv an dieser Entwicklung mit, in dem sogar sie die Rentenkasse durch Einsatz von Scheinselbständigen um die sowieso schon viel zu geringen Einnahmen betrügen (siehe Spiegel) oder durch Schönrechnerei von Privatisierungen den Staat entreichern (ebenfalls Spiegel).

Wir machen hier in Deutschland inzwischen die gleichen Erfahrungen wie andere Dritte-Welt-Länder: wo die Wirtschaftskiller aktiv sind, zerfällt die soziale Ordnung im großen Stil, Ethik, Moral und normaler menschlicher Anstand verschwinden aufgrund neuer „Anreizsysteme“ in der Bedeutungslosigkeit. Andererseits erreichen diese Killer richtige Wunder: so entsteht gerade im politisch geächteten Nordkorea das höchste Hotel der Welt, bezahlt von einer ägyptischen Telefonfirma, geleitet von der deutschen Kempinskigruppe, gedacht für chinesische Gäste (siehe Handelsblatt). Deutlicher kann man wohl nicht klar machen, wie bedeutungslos politische Mächte in unserer Zeit geworden sind – und das sie wirklich nur noch die Begleitmusik zum Untergang der Titanic stellen.

Welche Konsequenzen hat nun John Perkins selbst aus den Erkenntnissen seiner jahrelangen Tätigkeit gezogen? Er gründete die Organisation Dream Change, die nichts anderes im Sinne hat als die Erde zu retten, in dem sie die Menschen zu einem neuen globalen und individuellen Bewußtsein anleitet – inspiriert durch schamanische und indianische Kulturen. Seine Liste der „wakeful Organisiations“ zeigt eine große Bandbreite von „alternativen“ gesellschaftlichen Projekten und eine große Sympathie für schamanische Weltbilder.

Wer nun denkt, das dieser Wirtschaftskiller nun vollständig den Verstand verloren hat, hat nicht weit genug gedacht. Wer eine Bewußtseinsänderung will, braucht eine stabile Basis, die noch nicht von den perfekten in sich geschlossenen Weltbildern der Korporatokratie erreicht wurde und die bewiesen hat, das sie nachhaltig und harmonisch mit ihre Umwelt leben kann, um auch zukünftigen Generationen das Überleben zu sichern … und der eigenen qualvollen Vernichtung durch hochpreisige Altenheime zu entgehen.

Der Freiheitskampf, der John Perkins vorschwebt, der neue Unabhängigkeitskrieg, wie er ihn in seinem Werk „Weltmacht ohne Skrupel“ nennt, muss sich sehr radikal mit den Werten dieser Gesellschaft auseinandersetzen – und hier hat sich schon immer die Religion als gedanklicher Gegenpol zu den Mächten der Welt angeboten. Leider haben die westlichen Kirchen hier versagt, in dem sie den Neoliberalismus in ihren Reihen dankbar empfangen haben (mit enormen Gehaltszuwächsen bei den Kirchenoberen) – dabei wäre „liebe Deinen Nächsten“ schon eine hinreichenden Botschaft, um das Leben der menschlichen Gemeinschaft kooperativer, sozialer und umweltverträglicher zu gestalten. In Zeiten, in denen dem heiligstem Ort der Christenheit – der Grabeskirche in Jerusalem – die Schließung wegen unbezahlter Wasserrechnungen droht (siehe Spiegel), darf man wohl zurecht davon ausgehen, das die christlichen Kirchen andere Werte vertreten als die, die in ihren Lehren verbreitet werden.

Konsequent setzt Perkins nicht nur auf politische Hoffnungen, was bei seinen Erfahrungen kein Wunder ist: immerhin ist JEDER Politiker durch Wirtschaftskiller erreichbar – und wie oft haben wir uns schon über die Tatsache gewundert, wie bewußtseinsverändernd die Mitgliedschaft im Parlament sein kann.

Wenn Sie versucht sind, einkaufen zu gehen, um den Stress abzubauen, sollten Sie lieber laufen gehen, meditieren, lesen oder eine andere Beschäftigung finden“ – so einer von vielen Ratschlägen des John Perkins (aus: Weltmacht ohne Skrupel, Seite 302). „Fahren Sie ein kleineres Auto, ziehen Sie in ein kleineres Haus, reduzieren Sie ihre Garderobe und allen materiellen Besitz„, empfiehlt er weiter als Ergebnis eines Bewußtseinswandels, der sowieso zwanghaft auf die meisten von uns zukommen wird, wenn in Deutschland die „Sparmaßnahmen“ so um sich greifen wie im übrigen Europa … jenem Europa, das inzwischen im Fokus der Wirtschaftskiller angekommen ist und leibhaftig erfährt, wie einem plötzlich die Souveränität über das eigene Leben aus der Hand genommen wird.

Andererseits – ist die Hinwendung zum Schamanismus vielleicht auch einfach der Erkenntnis geschuldet, das angesichts der Macht, Skrupellosigkeit, der kriminellen Energie und der organisatorischen Perfektion der Wirtschaftskiller nur noch beten hilft.

Wer die Erfahrungen von John Perkins visuell erleben möchte: die gibt es jetzt auch als Film (siehe 3sat).

Wer nun allerdings glaubt, das alles sei ein bedauerlicher Einzelfall, der mit der bundesdeutschen Wirklichkeit überhaupt nichts zu tun hat, der ist gut beraten, sich einmal gründlich mit der Arbeitsweise und den Auswirkungen von „Unternehmensberatungen“ zu beschäftigen, die unsere Leben in  Deutschland gründlicher umgebaut haben als jede Wirtschaftskrise … und auch in Altenheimen den Pflegetakt mit der Stoppuhr vorgaben.

Und was wir von Indianern lernen können?

Nun – die sind so organisiert, das drei Stunden Erwerbsarbeit pro Tag ihre Ernährung sicher stellen – ganz ohne Maschinen. Wäre das nicht ein Ziel, für das man streiten kann – auch dann, wenn man vor den Konsequenzen für unser Alter die Augen erfolgreich verschließt?

 

 

 

 

 

 

 

Deutschland am Abgrund: „Egal, wen sie erschiessen, ich bin immer auf ihrer Seite“ – soziale Massaker voraus!

Montag, 16.4.2012. Eifel. Millionen schlecht gelaunter Deutscher haben heute ihren ersten Arbeitstag - als Schüler, als Lehrer, als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber - wobei letztere ganz deutlich von dem arbeitgeberfreundlichen Klima der Kohl/Schröder/Merkel-Dynastie profitieren und deshalb vielleicht besser durch den Tag kommen. Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland, der arbeitslos wird, fällt sofort durch das soziale Netz und landet bei Hartz IV: dem von Medien und Politik definierten "Abschaum der Gesellschaft", mit dem man dem Mittelstand von unten Druck machen will, damit er denen oben besser dient.

Montag, 16.4.2012. Eifel. Millionen schlecht gelaunter Deutscher haben heute ihren ersten Arbeitstag – als Schüler, als Lehrer, als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – wobei letztere ganz deutlich von dem arbeitgeberfreundlichen Klima der Kohl/Schröder/Merkel-Dynastie profitieren und deshalb vielleicht besser durch den Tag kommen. Jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland, der arbeitslos wird, fällt sofort durch das soziale Netz und landet bei Hartz IV: dem von Medien und Politik definierten „Abschaum der Gesellschaft“, mit dem man dem Mittelstand von unten Druck machen will, damit er denen oben besser dient.

Eigentlich die ideale Gelegenheit um sich mal hinzusetzen und zu überlegen, ob denn das alles nicht auch anders ginge, sich zu fragen, ob das denn eigentlich alles noch in Ordnung ist, wie es läuft. Schon heute Morgen hat jeder Deutsche wieder einmal gemerkt, das die Spritpreise in der Tat dreimal so schnell wie die Inflation steigen – nachdem die Politik flächendeckend auf Individualverkehr gesetzt hat (mit ordentlichen Subventionen, die ein vielfaches des Hartz IV-Etats ausmachen) sind nun alle abhängig von ihrer Benzinkutsche und zahlen sich dumm und dämlich. Das sich eine solche Strategie auszahlt, merkt man auch am Gehalt der Manager, siehe Spiegel:

Rex Tillerson, der Chef von ExxonMobil, bekommt für das Jahr 2011 insgesamt 34,9 Millionen Dollar und damit 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu dem US-Konzern gehören in Deutschland die Esso-Tankstellen. Tillersons Kollege John Watson von Chevron erhält 24,7 Millionen Dollar und damit sogar 52 Prozent mehr als 2010.

Beide Manager konnten mit ihren Konzernen dank der hohen Preise im vergangenen Jahr gigantische Gewinne einfahren. 

So etwas kann man inzwischen in Deutschland offen schreiben, ohne einen Aufstand zu riskieren. Hartz IV hat halt wie gewünscht funktioniert, da gibt es dann beim großen Abkassieren überhaupt kein Halten mehr. Gehaltssteigerungen von 52 % – würde eine Gewerkschaft das fordern, gäbe es sofort Geschrei vom Ende der zivilisierten Welt, wie wir sie kennen. Wer aber Millionen Menschen das Einkommen durch ungerechtfertigte überhöhte Preise kürzt, erlebt, das solche Wunder möglich sind.

Natürlich hört die neoliberale Offensive in der Gesellschaft nicht auf – eine Offensive, die eigentlich der „Putsch der Asozialen“ genannt werden sollte, der Putsch jenes politischen Bündnisses zwischen Parteien und Konzernen, die gemerkt haben, das man viel besser VON dem Bürger als FÜR den Bürger leben kann.  Das der dann jeden Montag Morgen schlechte Laune hat, nimmt man billigend in Kauf, immerhin hat man die Macht, dafür zu sorgen, das der überhaupt nicht mehr zur Ruhe kommt. Konkrete Pläne zur Neugestaltung der Arbeitswelt liegen jetzt auf dem Tisch – sogar die Schreiber der eigentlich als wirtschaftsfreundlich und konservativen Werten verpflichteten Welt bekommen Angst, wenn sie darüber schreiben:

„Work Hard, Play Hard“ zeigt, wie das letzte bisschen Leistung aus Arbeitskräften herausgepresst werden soll. Und zwar mit einer Art Gehirnwäsche. Willkommen in der neuen Arbeitswelt. Am besten wird man „Work Hard, Play Hard“ wohl als Horrorfilm bezeichnen.

Die Ressource Mensch muss optimiert werden„, heißt es da, der Mensch selbst an sich ist nicht mehr gut genug. Früher wollte Adolf Hitler den Herrenmenschen züchten, das ging ordentlich schief – heute wollen Konzerne den Leistungsmenschen züchten (eine neue Form des Herrenmenschen, wenn man den Sprüchen der Politiker glauben darf) – unter vollem Beifall der „Society“, siehe Welt:

„Egal, wen sie rausschmeißen, ich bin immer auf ihrer Seite“.

In dem Artikel spricht der Multimillionär Harald Schmidt über den durchschnittlichen Bahnfahrer, seine Mitbürger, denen er seine Millionen verdankt:

„85 Prozent unserer Landsleute sind zu doof zum Bahnfahren.“ 

„Die Bedrohung für mich im Alltag ist nicht die Atombombe, sondern eine allein reisende Mutter mit einem Rucksack hinten und einem Rucksack vorne“, sagte Schmidt.

Ein Mann, der offen sagt, was die Leistungselite dieses Landes über den Rest der Bürger denkt,  jener Bürger, die es nicht schaffen, mit doofen Sprüchen oder Anlagebetrug, Preistreiberei oder Leiharbeit Millionäre zu werden, jener Elite, die sich darauf spezialisiert hat, VON dem Bürger zu leben wie die Made im Speck und ihn währenddessen noch wegen seiner Blödheit zu verspotten. Die Zeiten, wo allein reisende Mütter Hilfe von Mitreisenden bekamen, sind vorbei – inzwischen sind Sie für den Leistungsträger eine Gefahr, die – zum Erschrecken aller vernunftbegabten Leser des Artikels – schlimmer ist als die Atombombe. Liegt vielleicht daran, das man die sozial denkenden Mitmenschen schon ´rausgeschmissen hat, damit die asozialen in der ersten Klasse in Ruhe die Börsenkurse studieren können.

Natürlich braucht dieses Klima auch eine entsprechende Politik, die den Umbau der Gesellschaft in eine „marktkonforme Demokratie“ – sprich: Bananenrepublik – produktiv begleitet und jeglichen gesellschaftlichen Widerstand ausschaltet. Getreu dem Motto „Wer zahlt, befielt!“ will der parteispendendurstige Hartz-Block im Parlament (CDU/SPD/FDP) das Rederecht von Parlamentariern einschränken, also eine Art Meinungs-Hartz-IV für Abgeordnete einführen.  Hintergrund ist die neue Geldquelle, die man alternativ zur Ölpreistreiberei entdeckt hat: der nahezu wöchentlich wachsende europäische Rettungsschirm, der demnächst für die Pleitebanken in Spanien zahlen muss: nie wieder soll vom deutschen Abgeordnetenhaus Widerspruch gegen die neue Supergeldquelle ausgehen, von der auch viele Entertainer leben, die ansonsten in Vereinshallen elendig verwurstet werden würden.

Welch´ ein Unterschied zu jenen Zeiten, als von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen sollte – Krieg, der aktuell mitten in Deutschland tödlich für Schauspieler werden kann, weil sie von Soldaten auf offener Straße erschossen werden. Es hat schon seinen Sinn, das die Leistungs- bzw. Lumpenelite dieses Landes die Privatisierung der Bundeswehr vorantrieb und dadurch ein neues Disziplinierungsinstrument für das Volk schuf: jetzt müssen sogar Jungschauspieler um ihr Leben fürchten, die in Komödien mitspielen, die in etwa „den Unterhaltungswert einer Magenspiegelung haben„.

Vielleicht hört man dann demnächst von den Entertainmentkaspern der Lumpenelite den lustigen Satz:

„Egal auf wen Sie schießen, ich bin immer auf Ihrer Seite“.

Gut, das viele schon freiwillig gehen – jedenfalls dort, wo der Rettungsschirm richtig eingeschlagen hat, siehe Spiegel:

Seit Beginn der europäischen Wirtschaftskrise steigen in den betroffenen Ländern die Selbstmordraten. Häufig wird der Freitod öffentlich inszeniert, um auf die schlechte Lage aufmerksam zu machen. Experten sehen die harte Sparpolitik als Ursache für die Verzweiflung vieler Menschen.

Nachrichten, die den italienischen Steuerzahlerbund schon offen von einem „sozialen Massaker“ sprechen lassen. Vielleicht will sich die Bundeswehr einfach schon jetzt mal dran beteiligen, bevor die alle von selbst abtreten?

Oder man will einfach offen demonstrieren, wer jetzt wirklich die Macht im Lande hat.

„Asoziale Lumpen aller Länder vereinigt euch“ war als geheime Losung des Weltbundes der neoliberalen Plünderelite ausgegeben worden. Hätten wir damals genau hingehört, bräuchten wir heute nicht mit schlechter Laune in die Arbeitswoche starten … und erst recht müssten wir dabei nicht dauernd freundlich lächeln und permanent glücklich winken.

Aber das ist allemal besser als Hartz IV, Selbstmord oder erschossen zu werden, oder?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Verkauf Deutschlands durch ahnungslose Parlamentarier – wie „Das System“ den Mittelstand vernichtet

Schönes Wetter heute, oder? Der Himmel war heute morgen leicht fliederfarben, als die Sonne die Hügelgipfel golden färbte. Ein wunderschöner Morgen - genau das Gegenteil zur politischen Wirklichkeit in Deutschland. Dort erlebten wir gestern den Untergang der Demokratie. Natürlich ist sie nicht gestern untergegangen. Vorbereitet wurde das schon viel früher, gestern konnte man nur live erleben, das sie kaputt ist - und wie unrettbar verrottet das ganze politische System ist. Das gräuslichste Dokument dieses Verfalls serviert Panorama .... einfach mal anschauen: Abgeordnete, die nicht wissen, wieviel Geld wann wo warum an wen fließt beschliessen den Ausverkauf Deutschlands. Das alles bei vollem Bewußtsein miterleben zu dürfen ist irgendwie wie OP am offenen Herzen ohne Narkose.

Schönes Wetter heute, oder? Der Himmel war heute morgen leicht fliederfarben, als die Sonne die Hügelgipfel golden färbte. Ein wunderschöner Morgen – genau das Gegenteil zur politischen Wirklichkeit in Deutschland. Dort erlebten wir gestern den Untergang der Demokratie. Natürlich ist sie nicht gestern untergegangen. Vorbereitet wurde das schon viel früher, gestern konnte man nur live erleben, das sie kaputt ist – und wie unrettbar verrottet das ganze politische System ist. Das gräuslichste Dokument dieses Verfalls serviert Panorama …. einfach mal anschauen: Abgeordnete, die nicht wissen, wieviel Geld wann wo warum an wen fließt beschliessen den Ausverkauf Deutschlands. Das alles bei vollem Bewußtsein miterleben zu dürfen ist irgendwie wie OP am offenen Herzen ohne Narkose.

Wundern sollte einen das nicht, dann die Mechanismen der Meinungsbildung sind ja bekannt – wie auch die Marionettenfunktion der Abgeordneten in den Parlamenten, – hier mal ein Beispiel, wie so etwas praktisch aussieht:

Deutsche Diplomaten verteilten im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie ein siebenseitiges Papier im Europarat, um Abstimmungen zu beeinflussen. 

Ein weiteres Beispiel einer konzertierten Aktion von Medien, Politik und Konzernmacht war die Affäre „Schweinegrippe“, die gerade – wahrscheinlich wieder mal folgenlos – publizistisch aufgearbeitet wird. Ein erschreckender Blick auf des ethische Niveau von Journalisten, Politikern und Managern: für Geld lügen und betrügen die ein ganzes Volk, auch auf die Gefahr hin, das einige an den Folgen der Impfung einfach wegsterben – im Namen des Aufschwungs ist halt alles möglich.

Man konnte es vorher gewußt haben. Die Schweiz klärt aktuell über die Vernichtung des deutschen Mittelstandes auf – dort darf man offen (und mit ein bischen Schadenfreude) darüber reden, siehe Berner Zeitung:

Die Wirtschaftpolitik des christlich-konservativen Ludwig Erhard führte zum Wirtschaftswunder und zu «Wohlstand für alle». Die Politik der beiden rot-grünen Zauberlehrlinge Schröder und Fischer zu Hartz IV und zu «Luxus für wenige». Auch das lässt sich mit Zahlen belegen: «Im Jahr 1987 verdiente ein Vorstandsmitglied im Durchschnitt das 23-Fache eines Arbeitnehmers, im Jahr 2007 war es das 109-Fache», stellt Bofinger fest. «Dabei ist bemerkenswert, dass die Vorstandstantiemen erst in dem Jahrzehnt richtig ausgeweitet wurden, in dem für die Lohnabhängigen das Gürtel-enger-schnallen angesagt war. Mit der Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer schossen die Gewinne nach oben, so dass es sich in den Vorstandsetagen in Saus und Braus leben liess.»

Die Gier wird größer und kennt kein Ende … und der deutsche Mittelstand wird zu spät wach – viel zu spät:

„Die Griechenland-Pleite wird sehr hässlich sein. Es wird keinen sicheren Hafen geben. Alle Anlageformen werden darunter leiden.“ Selbst Geld, das man im Garten vergraben hat, werde nicht sicher sein – weil es vielleicht die falsche Währung ist. 

Die Menschen, die das Rückgrat der sozialen Marktwirtschaft und der deutschen Demokratie bildeten, merken auf einmal, wohin der Zug fährt – hier wurde gestern ein Blankoscheck verteilt:

Das Centrum für Europäische Politik warnt vor einem grundlegenden Irrtum: Mit dem Gesetz, welches der deutsche Bundestag heute beschlossen hat, werden strenge Regeln für Milliarden-Bürgschaften nur für Deutschland aufgestellt. Die EU kann das Geld danach nach viel laxeren Regeln verteilen.

Wie kann so etwas geschehen? Wie kann es sein, das der deutsche Mittelstand, die fleissigen, sparsamen deutschen Arbeiter, Angestellten und Unternehmer so hinters Licht geführt wurden?

Ungewollt klärt uns der Spiegel bzw. der Herr Kauder heute über „Das System“ auf:

„Diese Entscheidung halte ich für falsch“, ärgerte sich nach der Abstimmung Unions-Fraktionschef Volker Kauder. „Wenn alle reden, die eine von der Fraktion abweichende Meinung haben, dann bricht das System zusammen“, befürchtet der Christdemokrat.

Das „System“, das ist die disziplinierende Wirkung der Fraktionsführungen aller Couleur. Sie bestimmen, wer reden darf und wer nicht.

So stellt man sich Demokratie vor, oder? Meinungsfreiheit für alle, die gefällige Meinungen haben.

Es geht unter anderem um die Rede des Fank Schäfer (FDP), der aufgrund der aktuellen Wahlerfolge der FDP wohl seine letzte Legislaturperiode erlebt. Herr Schäfer erwähnt in seiner Rede den Papst, der Augustinus zitierte:

„Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine Räuberbande.“

Und Herr Kauder zeigt, wie diese Bande im Parlament regiert und nun Steuergelder in – womöglich – Billionenhöhe fortschafft … alles ermöglicht durch Parlamentarier, die blind und dumm gehorchen – und eigentlich gar nicht wissen, was sie da tun.

Was sie tun, kann man vielleicht in Zahlen verdeutlichen. 26 % Arbeitslosigkeit und massive Rentenkürzungen erwartet Griechenland in Folge, obwohl es mehr Geld verbraucht als zuvor, in Italien übertreffen die Schulden (für die wir jetzt nebenbei auch bürgen) den Wert des gesamten Staatsbesitzes.

„Das System“ – wir merken es gerade – hat viele Facetten und wenige Täter. Sie sitzen in den Parteizentralen, sind privat beste Freunde und bedienen sich hemmungslos am Volksvermögen wie einst der Adel. Dank der Macht der Parteien – und der Alternativlosigkeit des Systems – sind sie absolut unangreifbar … aber leider nicht unbestechlich. Gerne hat man ein Ohr für die Sorgen der Reichen, die von den Armen gerne noch viel mehr Geld hätten … und es auch bekommen.

Mit Hartz IV – ich hatte es regelmässig angemerkt, noch bevor ich anfing zu bloggen – wird gezielt der Mittelstand vernichtet, aber nur wenige haben damals die Tragweite des Gesetzes im Detail verstanden. Als Mitglied des Mittelstandes war mir klar, das ein Instrument geschaffen wurde, um Existenzen millionenfach in Serie zu vernichten – wie sollte der hart arbeitende Familienvater denn nach der Zwangsversteigerung seines Hauses zwecks Finanzierung seiner Arbeitslosigkeit wieder in der Arbeitswelt Fuss fassen – bei der sozialen Stigmatisierung der „Hartz-IV-Fälle“? Wie sollten seine Kinder dem sozialen Standard der weiterführenden Schulen entsprechen können? Wer krank wurde, wurde abgeschossen – das war das Prinzip, das alle anderen immer schneller rennen lies – für immer weniger Geld.

Die psychischen Folgen dieses Hamsterrades nennen wir heute „burn out“.

Die Implementierung eines solchen Existenzvernichtungsprogrammes läßt erschreckende Rückschlüsse auf das ethische Niveau der Täter zu: „Räuberbande“ ist da noch ein sehr harmloser Titel, der einem in den Sinn kommt. Das die Bande nach den ersten erfolgreichen Raubzügen während der DDR-Privatisierung nicht aufhört, sondern erstmal auf den Geschmack kommt und unter der Führung einer FDJ-Sekretärin auch noch den Rest Europas „privatisieren“ will, ist mir plausibel.

Räuberbanden sind so. Kommen die einmal ins Rollen, finden sie schnell Mitläufer – mit jedem erfolgreichen Raubzug werden es mehr, das ethische Niveau des ganzen Volkes beginnt zu sinken.  So wundert es nicht, das im Zuge anderer rot-grüner Reformen auch der Menschenhandel sprunghaft anstieg:

Damit steigt auch die Nachfrage nach illegal eingeschleusten Prostituierten. “In Deutschland, wo Prostitution legal ist, ist der Markt 60 Mal größer als in Schweden, wo Prostitution verboten ist. Gleichzeitig hat Deutschland rund 62 Mal so viele Opfer von Menschenhandel wie Schweden, obwohl die Bevölkerung weniger als zehn Mal so groß ist”, so Dreher. Damit ist das rot-grüne Prostitutionsgesetz – eines der liberalsten Prostitutionsgesetze der Welt – in der Praxis gescheitert. 

Das glaube ich allerdings nicht: es macht aus europäischen Frauen erneuerbaren Rohstoff – und liegt damit genau auf dem ethischen Niveau der Räuberbande. Und das sind dann letztlich die Folgen für den Mittelstand: wenn gar nichts mehr geht und der Regelsatz gegen Null läuft, dann darf er seine Frauen legal verkaufen.

Bis dahin importieren wir illegal Fachkräfte aus dem Ausland.

Nicht mehr lange und die Arbeitgeber bzw. der Bankenclan wird das „Recht der ersten Nacht“ für sich geltend machen.

Undenkbar?

Das war die Enteignung der Arbeitslosen auch mal … oder die Forderung, das Arbeitslose ihre Organe verkaufen sollen, um die Arbeitslosigkeit zu finanzieren, damit man durch Massenentlassungen schnell Engpässe auf dem Transplantationsmarkt überwinden kann.

Was nun mit Menschen geschieht, die sich noch eine Meinung erlauben, die versehentlich an die Rechte der unabhängigen Parlamentarier glauben, schildert der Herr Bosbach (CDU)  heute im Handelsblatt – ebenfalls ein wichtiges Dokument, das die Degeneration der politischen Kultur zusätzlich anschaulich belegt:

Bosbach fügte hinzu, er sei sich darüber klar gewesen, „dass es Ärger gibt, wenn man sich entscheidet, nicht für die Regierungsvorlage zu stimmen. Ich bin ja nicht naiv. Aber was ich in den letzten Wochen erlebt habe, das habe ich mir so nicht vorgestellt. Das gilt insbesondere für Vorwürfe, die tief ins Persönliche gehen.“ So habe man ihm unterstellt, „dass ich noch eine Rechnung offen hätte, weil meine Karriereerwartungen enttäuscht wurden. Das ist Blödsinn.“

Auch habe man ihn zum Anti-Europäer abgestempelt, der zu dumm sei, die politische Bedeutung der europäischen Einigung zu erkennen, und ihm nahe gelegt, in der Öffentlichkeit zu schweigen. Das sei zu viel gewesen. Bosbach hat am Donnerstag als einer von 15 Abweichlern der schwarz-gelben Regierungsfraktionen gegen die Erweiterung des Euro-Rettungsschirm EFSF gestimmt. Zuvor war Bosbach nach eigenen Angaben von Mitgliedern der Unionsfraktion auf subtile Art und Weise massiv unter Druck gesetzt worden, seinen Widerstand aufzugeben.

„Die politische Bedeutung der europäischen Einigung“ ist klar: das System bekommt mehr Freiheiten zur Vernichtung des  deutschen Mittelstandes, um an seine Frauen, sein Geld und seine Organe zu kommen.

Das ist primitiv, ungerecht, gemein – aber politischer Alltag, an den wir uns immer mehr gewöhnen müssen … denn das System hat gestern Deutschland verkauft.

Und man wird in einigen Jahren sehen, das meine Schilderung bezüglich der Folgen nicht übertrieben sind: infolge der immensen Schuldenlast wird die Kapitalisierung des Deutschen an sich in verschiedenen Formen überhand nehmen – es geht gar nicht anders.  Wir werden uns dann aber schon dran gewöhnt haben, nicht mehr drüber zu reden, wenn die Nachbarn abgeholt werden, so wie sich die Abgeordneten des deutschen Bundestages daran gewöhnt haben, dummes Stimmvieh zu sein, das zur Not durch Mobbing gezielt öffentlich abgestraft wird, wenn es sich auf seine Rechte auf Gewissensfreiheit als Abgeordneter beruft.

Räuberbanden kennen kein Gewissen.

 

 

Das Ende des Papiergeldes als treibende Kraft in Politik und Wirtschaft: die Geburt der Plutonomie

Nach ein paar Tagen krankheitsbedingter Medienabstinenz drängt sich mir beim Blick in die Medien spontan nur eine Frage auf: sind die alle kriminell - oder nur dumm wie Rosenkohl? Diese Frage ist nicht böse gemeint. Sie stellt nur die Verwirrung des Souveräns dieses Landes angesichts des Zustandes der politischen und wirtschaftlichen Realitäten dar. Nehmen wir zum Beispiel den Deutschen Bundestag - der Fisch stinkt ja immer vom Kopfe her. Seitdem es gut bezahlt wird, macht sich in Deutschland ja ein Umweltbewusstsein breit, wie man es selten erlebt hat. Nur die Prediger dieses Bewußtseins lassen zu wünschen übrig, siehe Stern:

Nach ein paar Tagen krankheitsbedingter Medienabstinenz drängt sich mir beim Blick in die Medien spontan nur eine Frage auf: sind die alle kriminell – oder nur dumm wie Rosenkohl? Diese Frage ist nicht böse gemeint. Sie stellt nur die Verwirrung des Souveräns dieses Landes angesichts des Zustandes der politischen und wirtschaftlichen Realitäten dar. Nehmen wir zum Beispiel den Deutschen Bundestag – der Fisch stinkt ja immer vom Kopfe her. Seitdem es gut bezahlt wird, macht sich in Deutschland ja ein Umweltbewusstsein breit, wie man es selten erlebt hat. Nur die Prediger dieses Bewußtseins lassen zu wünschen übrig, siehe Stern:

Kein einziger Minister-Dienstwagen bleibt unter der von der EU erwünschten Norm von 140 Gramm CO2 pro Kilometer. Auf Ebene der Bundesländer sieht es nicht besser aus. Spitzenreiter im „Schaufahren gegen den Klimaschutz“, so die DUH, ist Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU), der sich in einem Audi A8 6.0 Quattro chauffieren lässt. Mit 353 Gramm CO2 pro Kilometer ist der Wagen trauriger Gesamtsieger im Klimakiller-Ranking.

Doch nicht nur dort ist Sparen ein Fremdwort. Nehmen wir mal den nächsten Artikel im Stern: Steuerverschwendung. Lieblingssport eines jeden Politikers.

Da macht die in Wagner verliebte Kanzlerin Angela Merkel aus den Mitteln des Bundesbeauftragten für Kultur, die zum Kanzleramts-Etat hinzugerechnet werden, 2,3 Millionen Euro locker für die Bayreuther Festspiele.

Ich habe mal nachgeschaut: eine Karte für eine einzige Aufführung auf Kanzleusenniveau kostet mehr als man einem Arbeitslosenkind für einen Monat zahlt, siehe hier.

Sowas muß vom Steuerzahler gefördert werden – aber saftig. Weniger gibt es für Rentner und Arbeitslose, die ja aber auch auf den Treffen der Staatsausbeuterlobby nichts verloren haben – obwohl die Kassen der Ärmsten prall gefüllt sind, siehe Handelsblatt:

Die Rentenversicherung dürfte demnach 1,2 Milliarden Euro Überschuss erzielen, Krankenkassen und Gesundheitsfonds sogar 5,8 Milliarden Euro. Außerdem dürfte das Defizit der Bundesagentur mit 2,6 Milliarden Euro deutlich kleiner ausfallen als erwartet. Die Pflegerversicherung mache rund 300 Millionen Euro Überschuss, so der Kieler Experte.

Geld ist also genug da … zur Unterstützung von Lobbyarbeit. Und darum muß es so exquisite Veranstaltungen wie Bayreuth, Salzburg oder den Bundespresseball geben. Man muss ja im Gespräch bleiben, damit eine Hand auch weiterhin die andere waschen kann. Weniger wichtig ist in diesem Zusammenhang das deutsche Parlament, das nur noch als Kostenfaktor in Erscheinung tritt, politisch aber immer bedeutungsloser wird, wie wiwo erwähnt:

Eine „Marginalisierung der Parlamente“ erkennt Heinrich Oberreuter, Direktor der Akademie für Politische Bildung Tutzing. Anfang April hat er zusammen mit der Deutschen Vereinigung für Parlamentsfragen eine Tagung zur Ohnmacht der Volksvertretungen organisiert. Gerade in der Atomdebatte sieht Oberreuter eine „Ausnahmezustandsmentalität. Das Parlament wird von der Regierung auf die Seite geschoben. Das von ihm verabschiedete Recht wird gebrochen oder umgangen.“ Zwar bemüht sich eine Arbeitsgruppe der Koalitionsfraktionen, Schritt zu halten. Aber die Regierung gibt das Tempo vor.

Und die Lobbyisten die Marschrichtung. Zum Beispiel die Marschrichtung „libysches Öl“. Seitdem Dokumente zum irakischen Öl aufgetaucht sind, dürfte es doch keine Frage sein, was man da will. Im Irak gings um Öl, siehe Godmode-Trader:

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass Großbritannien und die USA noch vor einer eigentlichen Bekanntgabe einer Invasion des Iraks die Ölvorräte des Iraks untereinander aufteilten. Das zeigen jetzt Dokumente, die von der Regierung veröffentlicht wurden und die bisher geheimgehalten wurden. Die Dokumente mussten im Rahmen einer Ermittlung über die Rolle Großbritanniens im Irakkrieg veröffentlicht werden.

Das sind die Themen, über die in Bayreuth gesprochen werden muß – auf Kanzleusenniveau. Die Minister brauchen Sprit für ihre PS-Monster.  Aus der Perspektive jedoch wundern andere Erscheinungen nicht mehr, zum Beispiel diese im Manager-Magazin:

Die einflussreiche Agentur Standard & Poor’s hält die weltweit führende Wirtschaftsnation USA nur noch für bedingt kreditwürdig – und die Börse bleibt unbeeindruckt. Das passt ins Bild. Seit Monaten blenden die Aktionäre die Risiken für den globalen Aufschwung aus. Wie lange geht das noch gut?

Nun – das geht noch lange gut. Zum einen investiert hier die Mafia ihr schmutziges Geld und wäscht es sauber (wir berichteten), zum anderen war die Lobbyarbeit der letzten zwanzig Jahre eben sehr erfolgreich: die Staatsvermögen stehen den Großkonzernen als Finanzreserven in unbegrenzter Höhe zur Verfügung. Was bitte schön soll denn da noch schiefgehen? Zum anderen greifen wir wie in den guten alten Kolonialzeiten einfach brutal mit Waffengewalt nach den Rohstoffen – was rohstoffreiche Länder verstanden haben, siehe Handelsblatt:

Erst Anfang des Jahres hatte Russland mit seiner Zustimmung zum „START-II“-Vertrag einen historischen Schritt in der Abrüstung gemacht, jetzt folgt die Kehrtwende: Premier Putin päppelt die Rüstungsindustrie wieder auf.

Da bekommt jemand Muffensausen. Das hat auch die FDP, siehe Goldseitenblog:

Merkwürdiges geschieht im deutschen Bundestag. Einige Abgeordnete scheinen sich daran zu erinnern, daß es früher hieß, sie seien nur ihrem Gewissen und dem deutschen Volke verpflichtet!

Nicht der Bankenaristokratie, der Großindustrie, der „europäischen Idee“ oder anderem vorgeschobenen undemokratischen Unsinn oder gar einigen dubiosen Strippenziehern im Hintergrund. Nur wenige erinnern sich daran, immerhin mindestens 30 aus der FDP sind es jetzt, die endlich den Mund aufmachen und das Schalten und Walten der Regierung nach Gutsherrenart nicht mehr mitmachen wollen. Viel zu verlieren hat die FDP auch nicht mehr, käme sie nach aktuellen Umfragen nicht einmal mehr in dieses Pseudo-Parlament.

Da merken Parlament – Arier, das sie in naher Zukunft nicht mehr gebraucht werden. Der Arierstatus ist in Gefahr. Hartz IV kommt in Reichweite der Volksvertreter – als Lebensgrundlage. Währenddessen schreitet der Umbau der Nachkriegsgesellschaft – oder soll ich besser sagen: Vorkriegsgesellschaft – weiter voran, ohne das wir es beschlossen hätten, siehe Welt:

„Wir erleben derzeit den langsamen Tod des Papiergeldes“, meint Andrew Roberts, Leiter Anleihenstrategie bei der RBS in London. Gold setze sich als Alternative zu klassischen Währungen wie dem Dollar oder Euro durch.

So langsam merkt man, was auf uns zukommen kann. Staatsdiener und andere Almosenempfänger wie Arme, Kranke, Behinderte, Rentner und Arbeitslose werden schön blöd gucken, wenn in den Geschäften die ersten Schilder auftauchen: „Nehme keine Euro an!“.  Die Lobbyelite der Welt baut sich gerade eine neue Welt zusammen, in der Papiergeld überflüssig wird. Gut für die, die Gold in Tonnen kaufen können, schlecht für die, die nur Papier in den Händen halten. Das ist bekanntermaßen geduldig. Auf einmal wird deutlich, warum die Regierung und Wirtschaft das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster schmeißen: es ist bald eh´ nichts mehr Wert.

Die wissen das schon.

Wir nicht.

Wir können nur durch Randerscheinungen in den Medien auf den Grad unserer Unwissenheit schließen, siehe gulli.com:

Freien Journalisten aus dem Ausland wird der Zugang zu Pressekonferenzen verweigert. Die Vertreter der japanischen Medien werden zweimal täglich informiert, die ausländischen Korrespondenten einmal in der Woche. Telefongesellschaften und ISPs sollen dabei helfen, dass keine „falschen“ Informationen an die Öffentlichkeit geraten. Es gehe um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Moral.

Die „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Moral“ rechtfertigt selbstverständlich den leisen Tod der vierten Macht, die ja umgehend durch die fünfte Macht – den Lobbyisten – ersetzt wurde. Man hatte also nie ein Machtvakuum. Wir erhalten selbstverständlich noch Nachrichten, wir werden sogar überschüttet damit – nur ihre Bedeutung erschließt sich uns nicht. So meldet Yahoo am 16. April 2011:

In den USA sind sechs weitere Banken pleite gegangen. Wie der US-Einlagensicherungsfonds FDIC mitteilte, ist die größte von ihnen die Superior Bank aus dem südlichen Bundesstaat Alabama. Die Community Bancorp aus Texas sei ebenso betroffen wie kleinere Banken aus Alabama, Georgia, Mississippi und Minnesota. Insgesamt gingen damit in diesem Jahr in den USA bereits 34 Banken pleite.

Die Bankenkrise ist also noch lange nicht gebannt, aber das Thema „Weltwirtschaftskrise“ wurde aus den Medien verbannt – im Sinne der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Moral. Und die Ausblicke sind nicht sonderlich rosig – für Leute ohne Gold, siehe FTD:

Der größte private Bondinvestor der Welt steht nicht allein da. Auch andere Fondsanbieter stoßen die Papiere ab – wenn sie denn überhaupt noch im Depot sind. Die von S&P angedrohte Herabstufung Amerikas wird den Trend verstärken.

Einige Gesellschaften, etwa Templeton oder Carmignac, haben die US-Schuldtitel längst aus ihren internationalen Rentenfonds verbannt. Pimco-Starmanager Bill Gross geht sogar einen Schritt weiter: Er hat nicht nur im Februar alle US-Staatsanleihen aus seinem rund 240 Mrd. Dollar schweren Dickschiff Total Return Fund geworfen – dem weltweit größten Rentenfonds, der in Deutschland freilich nur eine Nischenrolle spielt.
Kurz darauf begann er sogar, Wetten gegen US-Staatsanleihen einzugehen.

Auf einmal merken wir, wohin die Reise geht. Die sind gar nicht so dumm, unsere Politiker. Die wissen nur mehr als wir. Die wissen, das man jetzt gerade alles Geld der Welt braucht, um Gold zu kaufen. Jede Unze zählt. Oder man kauft Firmenanteile, die man dann später in Gold umtauschen kann. Seitdem Natobomber Rohstoffe sichern, ist das kaum noch ein Risiko, und wenn´s schiefgeht: kein Problem – siehe Banken- bzw. Eurorettung. Darum müssen Rentner, Kranke, Arme, Behinderte, Kinder und Arbeitslose trotz voller Kassen darben und leiden: die Lobbymafia tanzt mal wieder um das Goldene Kalb und sortiert sich die Welt neu.
Ganz legal. Gekündigt wird man dafür nicht. Im christlichen Abendland, das sich im kulturellen Kampf gegen den Islam gerade auf diese Werte beruft, wird man für andere Aktionen gekündigt, siehe Welt:
„Jesus hat Sie lieb“ ist ein Kündigungsgrund.

Für die Vernichtung der Lebensgrundlage von Millionen und Abermillionen von Menschen, die Förderung von Staatspleiten, die Ausplünderung von Volkswirtschaften oder den schleichenden Abbau von Demokratie und Sozialwesen hingegen gibt es Redordbonuszahlungen. Und je später das der Souverän des Landes merkt,  umso mehr Gold findet sich in den Taschen der Lobbyelite, der Politiker, Journalisten und Manager.
Darum werden wir zwecks Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Moral erst später über die neue Wirtschaftsordnung informiert. Sie hat aber jetzt schon einen Namen: Plutonomie.
Plutonomie bedeutet ökonomisches (wirtschaftliches) Wachstum, gehalten und kontrolliert von der oberen und reichsten Bevölkerungsschicht.

Und wer da noch dabei sein will, sollte unbedingt in Bayreuth vorstellig werden. Darum helfen wir den Reichen ja, dort die Eintrittspreise niedrig zu halten.

 

 

 

 


Brief an meinen Sohn – Mitglied des Bundestages

Eine Glosse von Frank Ullrich

 

Mein lieber Sohn !

Da wir uns eine Ewigkeit nicht persönlich gesehen haben, möchte ich Dir einen Brief schreiben. Und dennoch sehe ich Dich jeden Tag. In Zeitungen kann ich über Dich und Deine Arbeit als Politiker lesen und im Fernsehen bist Du all gegenwärtig.

Es macht mich stolz, wenn ich sehe, wie Du Dich um die Menschen kümmerst, vor allem um die welche Hilfe benötigen, in diesen schlechten Zeiten. Mit Freude und Genugtuung kann ich heute sagen, dass jeder gesparte Cent richtig gewesen ist um Dir eine gute Schulausbildung und Studium zu ermöglichen. Noch heute sehe ich Deine strahlenden Augen, verspüre Deinen Stolz, als Du mir Deinen Abschluss als Sozialpädagoge mit Diplom gezeigt hast. Heute zeigt sich wie wichtig dieses Studium war, erleichtert es Dir doch Entscheidungen zu treffen, als Sozialpolitiker, in verantwortungsvoller Stellung.

Beeindruckt war ich wie Du Dich für die Einführung der Praxisgebühr eingesetzt hast und auch die Menschen davon überzeugtes, wie notwendig es ist, Zusatzbeiträge bei den Beiträgen der Krankenkassen zu erheben. Und keinesfalls will ich die Zuzahlungen bei Medikamente vergessen, die ich nun bezahlen darf.

Als wäre das nicht genug, hast Du ein Jahr lang mit ausgerechnet, wie viel Geld als Grundsicherung ausreichend ist. Das hätte ich Dir gar nicht zugetraut, Mathe war nicht wirklich Deine Stärke. Aber das Ergebnis ist wirklich großzügig. Fünf Euro jeden Monat mehr, damit hätte nun keiner gerechnet. Und wie viele Arbeitsplätze Du und Deine Freunde geschaffen haben und das für ganz wenig Lohn, einfach eine unglaubliche Leistung. Ich bin so stolz auf Dich.

Als nächste Aufgabe willst Du Dich nun um die Alten kümmern. Das zeigt mir, dass Du an Deinen Vater denkst. Ach, da fällt mir ein, dass ich Dir meine neue Adresse noch mitteilen muss.

Nach meinen letzten Schlaganfall konnte ich nicht mehr arbeiten und meine Miete bezahlen. Nun lebe ich in einer WG, wie man heute so sagt. Aus Kostengründen bewohne ich, mit acht älteren Menschen, ein Zimmer im Pflegeheim.
Ich will mich über die Betreuung nicht beklagen. Zweimal am Tag, werde ich gedreht und meine Windeln werden gewechselt. Schade nur, dass wir keinen Fernseher mehr haben, auch aus Kostengründen, dafür bringen uns die Schwestern und Pfleger, Zeitungen aus dem Altpapiercontainer mit. Du siehst also mein Sohn, Deine Politik kommt bei uns an. Wer weiß, wo ich geblieben wäre, hättest Du und Deine Freunde nicht so eine soziale Politik verfolgt und durchgesetzt.

Nun mein Sohn, will ich Deine Deine Zeit nicht länger in Anspruch nehmen.
Mach Dir keine Sorgen um mich Du hast du wichtigeres zu tun !

Dein Vater

PS: Deine Mutter ist im vergangenen Jahr verstorben. Wie es Dein Wunsch war, habe ich aus Rücksicht auf Deine Stellung und unserer Armut, keine Traueranzeige aufgegeben und Mutter in einen Armengrab, ohne Nennung des Namens, beigesetzt.

Stuttgart 21, die Welt der Konzerne und unsere Zukunft

In Deutschland kann man mitlerweile gut Geschäfte machen. Die Zahl der Millionäre wächst täglich. Businessmäßig sind wir konsequent den USA gefolgt und produzieren neben immer mehr Elend auch immer mehr Millionäre. Im Jahre 2000 hatte Deutschland nach Wikipedia noch ein Bruttoinlandsprodukt von 1,9 Billionen Dollar, 2005 sind es schon 2,8  Billionen, 2008 kommen wir auf 3,649 Billionen – nach Google. Knapp 10 Prozent Steigerung jedes Jahr. Das ging an der Öffentlichkeit und den öffentlichen Kassen vorbei – sonst würden wir schon längst im Geld schwimmen. Die feine Gesellschaft läßt sich auf unsere Kosten Straßen, Innenstädte, Gleisanlagen und Flugplätze instandhalten um ein möglichst angenehmes Markttreiben zu haben aber ansonsten ist ihnen der Markt selbst und sein Zustand egal – man denkt global. Darum steigen in Deutschland die Umsätze und die Staatsschulden.

Im hinkenden Vergleich zwischen Konzernumsätzen und Bruttoinlandsprodukten von Ländern stehen wie damit sehr gut da.  Wir gehören zu der kleinen Gruppe von Ländern, deren Wirtschaftsleistung noch über der von Konzernen liegt, hier mal die Spitzenreiter bei T-Online:

Weltweit führend ist laut „Fortune“ nach wie vor der amerikanische Einzelhandelsriese Wal-Mart mit einem Umsatz von 379 Milliarden Dollar (241 Mrd. Euro). Allerdings rechnet das Magazin für seine Rangliste unter anderem bestimmte Steuern heraus, um verschiedene Branchen vergleichbar zu machen. Nach den offiziellen Berichten der Konzerne wäre die Nummer eins der Ölkonzern Exxon Mobil mit einem Umsatz von knapp 404,6 Milliarden Dollar. Bei „Fortune“ kam der Ölmulti auf Platz zwei mit 373 Milliarden Dollar

Länder wie Belgien, die Schweiz, Österreich, Schweden, Norwegen oder Polen liegen da schon drunter … genauso wie 85 % aller Staaten dieser Welt. Das zeigt die enorme Finanzkraft der Konzernwelt.

Konzerne sind eigenständige Welten – einfach mal einen besuchen oder für einen arbeiten. Und sie arbeiten ständig daran, diese Eigenständigkeit auszuarbeiten – eigene Lebensmittelversorgung, eigener Sicherheitsdienst, eigene Versicherungen, eigene Städte (bislang nur bei DISNEY, laut Wikipedia: Celebration ist eine Planstadt im Osceola County im US-Bundesstaat Florida, die 1994 von der The Walt Disney Company geplant und realisiert wurde. Der Ort hatte 2004 eine Fläche von 27,7 km² und 9500 Einwohner mit 3745 Haushalten) … sie werden – ja, nicht zum Staat im Staate, sondern zu Staaten außerhalb der Staaten.

Ihre Regierungsform ist überall gleich: die Diktatur. Der Chef bestimmt, der Rest folgt oder fliegt ´raus. Manchmal fliegen auch die ´raus, die folgen.

Eine Großteil ihrer Lebenszeit verbringen die demokratischen Bürger in Konzernen, die – wie Bertelsmann in Deutschland – unser Leben bis in das kleinste Detail kontrollieren und bestimmen wollen: wann wir uns wie womit die Zähne putzen, wann wir worauf, wie und mit wem schlafen sollen und was wir in unserer Freizeit so noch alles anstellen sollten: Nordic Walking, Fußball, Superstar suchen … die Angebote sind flächendeckend und lückenlos – und überaus erfolgreich.  Freiwillige interschulische Schülerarbeitsgruppen für Philosophie zum Beispiel suche ich seit Jahrzehnten vergebens – wir hatten damals in Recklinghausen noch so etwas, initiiert von dem Referendar Reinhold Hülsewische, der – damals zumindest – der Meinung war, das man Philosophie und Schulunterricht nicht miteinander in Einklang bringen kann.

Darüberhinaus beschäftigen Konzerne in jedem Land zehntausende Lobbyisten, die dafür sorgen, das ihre Interessen gewahrt bleiben. So beschäftigt allein die Pharmaindustrie bis zu 40 000 Pharmareferenten (jeder gut bezahlt und ausgestattet mit Firmenwagen und modernster Kommunikationselektronik) um den Ärzten die Sparsamkeit und wissenschaftliche Vernunft  aus- und ihre Umsätze voranzutreiben.  Offiziell Konkurrenten, arbeiten sie inoffiziell gegen jede Form von Medizin außerhalb der Konzernlinie – auch wenn die noch so gut heilt. Man verdient halt durch Krankheit und Dauerbehandlung, nicht durch Heilung

Das alles sollte man im Hinterkopf behalten wenn man die Ereignisse um Stuttgart 21 betrachtet – und sich über die brutale Gewalt wundert, die dort gegen Kinder ausgeübt wurde:

„Die hessische und bayerische Bereitschaftspolizei hat einen heldenhaften Sieg über die 9. Klasse der Waldorfschule errungen“ zitiert heute Spiegel-online Kommentatoren bei Face-Book.

Ganz Deutschland ist verwundert, entsetzt und erstaunt – nur in der Eifel sitzt ein kleiner unbedeutender Eifelphilosoph, der sich nicht wundert weil weltweit das Gleiche geschieht: Konzerninteressen werden gegen Bürger mit Gewalt durchgesetzt – je größer die Interessen umso tödlicher die Gewalt.

Bei Stuttgart 21 geht es  laut „Deutsche Welle“ nicht nur um einen überteuerten Provinzbahnhof, die Vision der Konzerne ist eine größere, der Handlungsspielraum der Politik deshalb sehr klein (oder, besser gesagt: gleich null):

„Stuttgart 21“ ist Teil eines umfassenden Ausbaukonzeptes für den öffentlichen Schienenverkehr in Baden-Württemberg. Das Vorhaben ist das größte aktuelle Infrastrukturprojekt Deutschlands. An der Planung und Finanzierung sind neben der Deutschen Bahn auch die Bundesrepublik Deutschland, das Land Baden-Württemberg, die Region und die Landeshauptstadt Stuttgart beteiligt.

Zum einen geht es bei den geplanten Streckenmodernisierungen und Neubaumaßnahmen, etwa der neuen Trassenführung nach Ulm, um die bessere Anbindung an den transeuropäischen Fernverkehr: Die von der Europäischen Kommission geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke „Magistrale für Europa“ zwischen Paris und Bratislava beziehungsweise Budapest soll Ost- und Westeuropa wirtschaftlich und kulturell enger zusammenwachsen lassen.

Oder, wie es Wikipedia ausdrückt:

Der Ausbau zur Hochleistungsverbindung gilt auch als wesentliche Voraussetzung für die rasche ökonomische, politische und kulturelle Integration von Ost- und Westeuropa. Das Projekt soll bis 2019/2020 etwa 34 Millionen EU-Bürger in fünf EU-Staaten entlang einer ca. 1500 km langen Strecke miteinander verbinden.

Da winken Riesengeschäfte für die ganze Konzernwelt.  Das neue gesamteuropäische Konsumprojekt ist jetzt schon die einzige Wirtschaftseinheit, die die USA an Ausbeutbarkeit der Arbeits- und Finanzressourcen übertreffen. Die Magistrale für Europa ist – neben der Standardisierung der Europäischen Polizei zu einheitlich blauen gesichts- und gewissenlosen Einheitsschlägern – eines der Hauptprojekte, mit der dieser Markt erschlossen werden soll. Da werden gigantische Finanzmittel in Bewegung gesetzt … und wenn sich da eine Schulklasse in den Weg stellt und meint, sie müßte ihre Vorstellung von Demokratie ausleben, dann gerät diese Schulklasse direkt auf die Gleise der Magistrale – eigentlich eine ganz einfache Sache.  Gehe ich als Bürger auf die Straße, riskiere ich, von einem Fahrrad angefahren zu werden. Habe ich aber die falsche Straße gewählt, ist es der Tanklaster von Exxon, der mich erwischt. Der hat mehr Wucht als das grüne Fahrrad.

Insofern haben die Medien recht wenn sie sagen, das die Demonstranten eine Mitschuld haben. Der Platz des Bürgers ist vor dem Fernseher, wo er den Weisungen der Konzernplaner für seine private Lebensgestaltung und der Vermittlungen des Konzernwillens durch die politische Kaste aufmerksam (oder auch volltrunken, ist völlig egal) folgen darf.  Verläßt er diesen sicheren Ort, so ist er selbst schuld, wenn ihm was passiert.

„Stuttgart 21“ kommt. Daran lassen Kanzlerin Merkel und Ministerpräsident Mappus trotz der Empörung über den rabiaten Polizeieinsatz keinen Zweifel. Doch in ihre Entschlossenheit mischt sich auch Unbehagen: Denn sie verlieren den letzten Draht zu den Gegnern des Bahnhofsprojekts. – meint Spiegel-online.

Insofern können Politiker einem Leid tun – sie wissen was geschieht, dürfen aber nicht so offen darüber reden.

Darf ich nochmal Thilo Caster aus der Zeitschrift des Deutschen Bundestages „Das Parlament“ aus dem Jahre 2005 zitieren:

Ein Economic Hit Man (EHM) ist ein Spitzenmanager, der im Dienst eines US-Konzerns dafür zu sorgen hat, dass in anderen Ländern Profite gemacht werden, die ausschließlich der US-Ökomonie zugute kommen. John Perkins war viele Jahre lang ein EHM; er arbeitete als hochbezahlter Chefvolkswirt in Indonesien, Iran, Saudi-Arabien, Panama, Ecuador und Kolumbien, bis er, geplagt von jahrelangen Gewissensbissen und Schuldgefühlen, den Mut fand, über seine Arbeit Rechenschaft abzulegen.

Seine Bekenntnisse sind schockierend. Zum ersten Mal berichtet ein Insider, wie das mächtigste Land der Welt dabei ist, ein globales Imperium rücksichtslos auf Kosten vor allem der Entwicklungsländer aufzubauen. Wurde Weltmacht-Streben in früheren Jahrhunderten noch überwiegend über Kriege realisiert, so ist es heute die subtilere Methode ökonomischer Eroberungen.

Seit den Enthüllungen sind fünf Jahre vergangen – aber nichts hat sich geändert, außer, das die Konzerne mit der Etablierung von Hartz IV in Deutschland sichtbar in als politische Akteure in Erscheinung getreten sind. Weiterhin bauen Konzerne weltweit die Zivilgesellschaft in eine unselbständige, abhängige hohlköpfige Masse um, die sie beliebig dirigieren können. Geld genug haben sie dazu … und genug „Economic Hitmen“ auch. Als Abgeordneter des deutschen Bundestages könnte man das wissen. Wahrscheinlich weiß man es auch. Jutta Ditfurth von den Grünen war eine der wenigen Politikerinnen, die sich dem System bzw. der Korruption verweigerte. Die anderen machten die Grünen zu der Partei, die sie heute ist.

Ist alles ganz öffentlich im Netz zu finden. Könnte jeder tun.

Wo das alles endet?

Da braucht man keinen akademischen Abschluß, um sich das ausrechnen zu können. Wenn ich … hundert Baukonzerne habe, dir nur überleben können, wenn sie Asphalt, Beton und Zement überall verbreiten, wenn es keine Möglichkeiten gibt, die Konzerne aufzuhalten (sie kriegen schon heute in Deutschland Milliardenaufträge, die NUR zur „Rettung ihrer Arbeitsplätze“ dienen) … dann werden alleine die Baukonzerne die Welt in eine Betonwüste verwandeln, um die ein kleiner künstlicher Bankenmond für die Familien der Firmenvorstände kreist.

Gut das es auch Rüstungskonzerne gibt, die die Baukonzerne in Schranken weisen – oder?

Wer das für zu Übertrieben hält … kann einfach mal bei Greenpeace schauen.

McPlanet.com – Das ist Widerstand gegen den Ausverkauf des Planeten, sagt Sven Giegold von Attac. Der freie Welthandel à la WTO wird politisch immer weniger in Schranken verwiesen. Konzerne setzen auf Sozial- und Umweltdumping. Nach der Bundestagswahl werden die ökologischen Skrupel beim neoliberalen Umbau der Republik noch kleiner sein als bisher.

Martin Rocholl, Friends of the Earth Europe: Die Politik unterwirft sich zunehmend der Globalisierung. Bei der Reform der EU-Chemiepolitik etwa stehlen sich die Chemiekonzerne aus der Verantwortung, die Gefährlichkeit ihrer Chemikalien zu überprüfen. Die Regierungen geben diesem Druck auf Kosten von Mensch und Umwelt immer mehr nach und verpassen Innovationschancen.

Gerd Leipold, Chef von Greenpeace International: Konzernbosse, die unter dem Vorwand des weltweiten wirtschaftlichen Konkurrenzdrucks Urwälder zerstören, Meere leeren, das Klima aufheizen und die Gentechnik in der Landwirtschaft durchsetzen, müssen wir „outen“ und auf die Anklagebank setzen.

Ich habe gezielt jene Sätze in den „Statements“ weggelassen, die die eigentliche Botschaft entwerten. War in jeder Stellungnahme einer drin.

Greenpeace ist mitlerweile auch ein Konzern. Darum geht es der Umwelt immer schlechter obwohl wir immer mehr darüber reden. Reden beruhigt.

Und mitlerweile hat Greenpeace einen Chef, der (hier bei Spiegel-online) ganz offiziell die Meinung der Konzerne vertritt:

Skeptisch äußert sich Naidoo über die grundsätzlich ablehnende Haltung von Greenpeace gegenüber Techniken wie etwa der Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid in Kraftwerken oder der grünen Gentechnik.

Die kriegen mit ihrem Geld ihre Leute überall „implementiert“, in jede bestehende Organisationsform.   Darum haben der Chef von Greenpeace und Frau Merkel die gleiche Meinung – obwohl uns das größte Artensterben in der Geschichte der Menschheit bevorsteht.  Die demokratisch-bürgerliche Gesellschaft wird sehr lebendig werden müssen, um das zu Überleben.

Unser Feind ist dieses mal schlauer als wir, hinterhältiger, raffinierter. Ein Mammut oder ein Säbelzahntiger sind ein Witz dagegen.  Hoffentlich … werden wir das hinkriegen. Es wäre ein schlechter Witz im Intergalaktischen Tagesanzeiger lesen zu müssen: „Menschheit von eigenen Organisationstrukturen vernichtet!“

Korporatokratie, Bundestag, Sarrazin, künstliche Wirtschaftskrise und der Widerstand

Kommen wir heute mal zur Ausgabe von DAS PARLAMENT, Nr. 47, 2005.  Das Parlament wird herausgegeben durch den deutsche Bundestag in Abstimmung mit der Bundeszentrale für politische Bildung.  Es hilft den Abgeordneten dabei, die langweiligsten Passagen ihrer Konkurrenz im Plenarsaal geistig halbwegs gesund zu überstehen.  Vor fünf Jahren berichtete DAS PARLAMENT über eine Sensation:

Ein Economic Hit Man (EHM) ist ein Spitzenmanager, der im Dienst eines US-Konzerns dafür zu sorgen hat, dass in anderen Ländern Profite gemacht werden, die ausschließlich der US-Ökomonie zugute kommen. John Perkins war viele Jahre lang ein EHM; er arbeitete als hochbezahlter Chefvolkswirt in Indonesien, Iran, Saudi-Arabien, Panama, Ecuador und Kolumbien, bis er, geplagt von jahrelangen Gewissensbissen und Schuldgefühlen, den Mut fand, über seine Arbeit Rechenschaft abzulegen.

Seine Bekenntnisse sind schockierend. Zum ersten Mal berichtet ein Insider, wie das mächtigste Land der Welt dabei ist, ein globales Imperium rücksichtslos auf Kosten vor allem der Entwicklungsländer aufzubauen. Wurde Weltmacht-Streben in früheren Jahrhunderten noch überwiegend über Kriege realisiert, so ist es heute die subtilere Methode ökonomischer Eroberungen.

Der Schock muß wirklich tief gesessen haben. Ich lese die Bücher deshalb gerade, bin aber nicht ganz so schockiert, weil ich Anfang 2000 schon einige andere Werke gesichtet habe, die ähnliches berichten – nur halt von Außen und aus der Sicht der Opfer. Hier sprach mal ein Täter und bestätigte das, was viele sich schon dachten – weil einfach der Verlauf der Weltpolitik ohne dieses Element nicht erklärbar ist: hinter der politischen Wirklichkeit tobt ein Krieg und viele Verschwörungen begleiten ihn.

Für mich ist es eher ein Schock, das dieses Buch für unsere Politiker ein Schock ist, als ob die Machenschaften des CIA nicht über Jahrzehnte hinweg bestens dokumentiert und aufgeklärt wären. Ich konnte schon mit 18 Jahren Bücher lesen, die gezielt auf nine-eleven hingewiesen haben – nine-eleven 1973, als der demokratische Präsident Allende ermordet wurde:

Die CIA unterrichtete den Bundesnachrichtendienst bereits einige Tage vor dem Umsturz vom geplanten Putsch. Der Bundesnachrichtendienst soll es jedoch unterlassen haben, den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt davon zu unterrichten. Mit Alfred Spuhler, einem Stasi-Spion im BND, gelangte die Information in die DDR. Eine Warnung aus Ost-Berlin an Allende kam zu spät

Quelle: Wikipedia

Und das war nicht das einzige, was die Brüder sich geleistet hatten. Als Politiker sollte man so etwas wissen. Aber zumindest jetzt kann man davon ausgehen, das sie es wissen:

Ein EHM offeriert, wie Perkins seine Tätigkeit beschreibt, den wirtschaftlich zurückgebliebenen Ländern hohe Kredite. Dabei werden den jeweiligen Regierungen die damit verbundenen Vorteile in den schillernsten Farben und oft mit gefälschten Zahlen geschildert. Die zur Verfügung gestellten Gelder, in Absprache und mit Unterstützung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds, flossen in die Kassen großer US-Unternehmen, denen der Aufbau moderner Großstädte, Flughäfen, Schienenverbindungen, Straßen und Elektrizitätswerken übertragen wurde.

Konnte dann, wie erwartet und erhofft, das Entwicklungsland die Kredite nicht zurückzahlen, geriet es völlig in die Abhängigkeit der US-Strategen, die nun leichtes Spiel hatten, die Regierungen dieser Länder in das ausgedehnte amerikanische Netzwerk zu integrieren und schamlos auszubeuten. Weigerten sie sich wie im Falle Panamas und Ecuadors, den Interessen der „Korporatokratie“ zu dienen, wie Perkins die Allianz von Ölgesellschaften, Baufirmen, Großbanken und der US-Regierung nennt, griffen die Killerkommandos oder das CIA ein und beseitigten die Störenfriede.

So macht man Geschäfte mit der dritten Welt, da kostet der Hammer von Haliburton schon mal 5000 Dollar das Stück, damit man einen guten Schnitt machen kann. So wird man Leistungsträger. Und wenn man nicht mitmacht … greift man zu den ganz alten Methoden, die schon Julius Cäsar kannte:

So kamen der ecuadorianische Präsident Roldós und der panamesische Präsident Torrijos bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Waren die Killerkommandos erfolglos, weil der widerspenstige Regierungschef zu gut bewacht wurde oder durch Doppelgänger schwer berechenbar war, dann musste wieder die eigentlich überholte kriegerische Option angewendet werden, nach Perkins der Hintergrund der beiden Irak-Kriege.

Die Arbeit der EHM hat Folgen – weltweit.  Lauschen wir weiter dem PARLAMENT:

Ein EHM arbeitet nicht als Beauftragter der US-Regierung, sondern ist immer Mitarbeiter eines renommierten US-Unternehmens. Läuft etwas schief, kann die Regierung ihre Hände in Unschuld waschen. Die Interessensymbiose zwischen Wirtschaft und Regierung ist dennoch stets gewährleistet: So war George Shultz Präsident des US-Konzern Bechtel und wurde Finanzminister, später Außenminister; Caspar Weinberger war Chefsyndikus von Bechtel und wurde Verteidigungsminister; Richard Cheney ist Direktor von Halliburton und jetzt US-Vizepräsident; George Bush war vor seiner Präsidentschaft CIA-Direktor und Gründer der Firma Zapata Petroleum.

Was sind die Ergebnisse der neoliberalen, auf Weltherrschaft ausgerichteten Konzeption, an deren Umsetzung die EHM maßgeblichen Anteil haben? Das Verhältnis zwischen den Einkommen jenes Fünftels der Weltbevölkerung, das in den reichsten Ländern lebt, und dem Fünftel in den ärmsten Ländern, hat sich von 30:1 im Jahr 1965 auf 74:1 im Jahr 1995 verändert. In Ecuador zum Beispiel stieg der Anteil der Armen von 50 auf 70, die Zahl der Arbeitslosen von 15 auf 70 Prozent; die Staatsverschuldung wuchs von 240 Millionen auf 16 Milliarden, wobei der Anteil der nationalen Ressourcen für die Ärmsten der Armen im Lande von 20 auf sechs Prozent sank. Gleichzeitig aber, so Perkins, behaupteten die Weltbank, die US-Agency for International Development und der IWF, „dass sie gute Arbeit machen und dass es vorangeht“.

Eine Bewegung die international ist und dank der Agenda 2010 auch in Deutschland ankam.  Die Nützlichkeit der BRD als Leuchtturm von Kapital und Demokratie, der direkt an der Grenze zum Ostblock über die Grenze strahlen kann und den „Feind“ innerlich zerrüttet, hat sich erschöpft. Wir werden jetzt behandelt wie alle anderen auch, das heißt: man gibt einigen Bürgern in diesem Land ganz viel Geld, damit die der Korporation helfen, ganz viel zu verdienen. Bei uns sind das dann zum Beispiel die Medikamentenkosten bzw. das ganze Gesundheitssystem. Man treibt uns in die Verschuldung, damit man uns Politik aufzwängen kann.

Doch hören wir den EHM selber:

John Perkins: Unser Job besteht im wesentlichen darin, ein Imperium aufzubauen, und es ist uns gelungen, das erste wirklich globale Imperium in der Weltgeschichte zu erschaffen. Das haben wir größtenteils ohne das Militär zustande gebracht, und das Einzigartige an diesem Imperium ist, daß es keinen Kaiser oder König hat. Stattdessen haben wir eine, wie ich es nenne, „Korporatokratie“ [Herrschaft der Konzerne]: eine Gruppe von Männern und einigen Frauen, die unsere größten Konzerne, Banken und unsere Regierung leiten.
Wir haben viele Wege eingeschlagen, um dieses Imperium zu gründen, aber am typischsten ist vielleicht der, daß wir uns ein Entwicklungsland aussuchen, das über Ressourcen verfügt, die wir haben wollen, zum Beispiel Öl. Wir arrangieren dann für das Land einen Großkredit von der Weltbank oder einer der ihr angegliederten Organisationen. Der Hauptanteil des Kredits geht direkt an US-Konzerne, die uns bekannt sind, wie Bechtel, Halliburton, Stone & Webster, die damit dann große Infrastrukturprojekte wie den Bau von Elektrizitätswerken, Häfen, Industrieparks und andere Anlagen durchführen, an denen die Reichen dieser Länder verdienen. Dann verläßt man das Land mit seinen gewaltigen Schulden, die so hoch sind, daß es sie unmöglich zurückzahlen kann. Irgendwann tauchen dann die EHM, die Wirtschaftskiller, wieder auf und sagen: „Schaut her, ihr schuldet uns eine Menge Geld. Ihr könnt eure Schulden nicht bezahlen, also gebt ihr uns jetzt, was uns zusteht. Ihr verkauft unseren Ölgesellschaften euer Öl zu Billigpreisen oder laßt uns Militärstützpunkte in eurem Land bauen oder stellt euch bei der nächsten kritischen UN-Abstimmung auf unsere Seite oder schickt eure Truppen in den Irak oder dahin, wo wir eure Unterstützung brauchen.“ Das ist der Tenor. Auf diesem Wege ist es uns gelungen, dieses unglaubliche Imperium aufzubauen.

Und ich denke … so sind unsere Soldaten nach Afghanistan gekommen.

Quelle: Share International

Es gibt jetzt auch den Film zum Buch:

Das ist der Inhalt des brisanten Buches „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ (1), das schon 2004 und 2005 in den USA und in Deutschland erschienen ist, auf das aber erst im Mai dieses Jahres eine Dokumentarsendung im ORF (2), produziert von einem griechischen Filmemacher, ein größeres und wacheres Publikum aufmerksam gemacht hat. Es geht also um das Phänomen des „Killers von Volkswirtschaften“, des Killers von ökologischer und kultureller Vielfalt und Mannigfaltigkeit weltweit, des Killers gleichmäßiger, natürlicher Wohlstandsverteilung weltweit zugunsten der globalisierten, proletarisierten Einheitskultur von MacDonalds und Coca Cola, von Hartz IV und Loveparade, von BP, Aral und Shell, von Euro, Multikulti und kultur- und naturzerstörender Migrationsströme und aus dem Gleichgewicht geratener Geburtenraten in allen Teilen der Welt.

Quelle: Aufbruch jetzt

Hier wird nun ein viel weiters Bild gezeichnet, die Zeugen mehren sich – aber auch der Widerstand des Imperiums wird deutlicher.  Es mag eine Erklärung dafür sein, das wir einerseits Millionen von Arbeitslosen (auch Jugendlichen) haben, andererseits aber zum Einwandererland werden wollen, was erstmal Einwanderer entwurzelt, Fachkräfte aus ärmeren Ländern abzieht, andererseits aber die Welt in eine globale USA verwandelt – der ideale Nährboden für die Korporatokratie.

Möglicherweise finden wir in der Existenz der Koporatokratie auch den Grund für … das seltsame Verhalten mancher Politiker, den Grund dafür, das die so anders werden, wenn sie an der Macht sind, den Grund dafür, das ihre Meinung von der des Volkes so oft abweicht – was Afghanistan angeht, Atomstrom oder gesellschaftliche Gerechtigkeit. Möglicherweise ist es das, was man im Bundestag erfährt, nachdem man DAS PARLAMENT gelesen hat:

Die Parallelen zu den zeitgleichen Vorgängen in Europa sind da nur unschwer zu ziehen. Schnell erinnert man sich, daß der Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, insbesondere deshalb Morddrohungen aus der amerikanischen Finanzwelt erhalten hatte (s. G. Wisnewsksi/“Das RAF-Syndrom“), weil er schon 1989 eine umfassende Entschuldung der Länder der Dritten Welt gefordert hatte. Wie konnte das die überstaatliche Finanzwelt zulassen, wo sie doch diese Schulden aufgebaut hatte, wie John Perkins berichtet, um weltweit sich die Staaten und Kulturen erpreßbar zu machen und erpreßbar zu halten?

Quelle: Aufbrauch jetzt

Widerstand ist tödlich.

Ich denke, was uns wohlstandsverwöhnte Bürger angeht, fällt es uns schwer, an die Wirklichkeit der Korporatokratie zu glauben, wie es uns schwerfällt, an die Wirklichkeit des Todes zu glauben. Wir wissen alle, das wir sterben werden, aber wir glauben nicht daran. Wir wissen auch alle, das die Korporatokratie mit Gewalt ums sich greift, merken es im eigenen Land, das auf einmal gegen Afghanistan Krieg führt, wieder Atomstrom zuläßt, sich auch sozial mehr und mehr in eine Kopie der USA verwandelt – getrieben durch Menschen, die seltsamerweise alle Verbindungen zum Kreis der Bilderberger und der Atlantikbrücke haben und einer optimalen Verzahnung von Wirtschaft und Politik dienen.

Wir haben lieber eine heile Welt, jene heile Welt, die uns auch die Medien dauernd predigen.

Auch der EHM Perkins war 2005 noch optimistisch:

Ja, ich sehe unübersehbare Anzeichen dafür, daß dieses Imperium große Risse bekommt. 1997 erlitten die „asiatischen Tigerstaaten“ einen Wirtschaftskollaps, der eng verknüpft war mit der Politik des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, und heute schleichen sie sich an China, Japan und sogar Korea heran. Es scheint sich eine neue asiatische Allianz zu formieren, die sich uns in gewisser Hinsicht entgegenstellt. Das ist auch in Südamerika zu beobachten. Bei den letzten sechs Wahlen dort, in Chile, Brasilien, Argentinien, Uruguay, Venezuela und Ecuador, wurden Staatschefs gewählt, deren Programme dem Imperium im wesentlichen zuwiderlaufen.
Sogar in der während des Kalten Krieges sehr starken atlantischen Allianz zeigen sich inzwischen tiefe Risse. Am offensichtlichsten ist das Verhalten der Franzosen uns gegenüber, aber auch die Deutschen widersetzen sich uns. Und die Europäische Union und das Erstarken des Euro sind alles Zeichen dafür, daß das Imperium wankt.
Überall auf der Welt entstehen sehr starke soziale Bewegungen. Ich komme gerade vom Weltsozialforum in Porto Alegre in Brasilien. Es war eine bemerkenswerte Zusammenkunft von 155 000 Menschen, die alle sehr beunruhigt über das Imperium sind. In den USA bricht die Wirtschaft zusammen. Das System hat enorme Risse bekommen, die allesamt anzeigen, daß das Imperium allmählich zusammenbricht. Genau das ist der Grund dafür, warum die Leute in der Korporatokratie ein derartiges Machogehabe an den Tag legen.

Quelle: shareinternational

Wir leben jetzt im Jahre 2010 und haben … eine künstliche Wirtschaftskrise. Künstlich? Nun, zumindest für Deutschland. Schröder und Fischer haben all jene fein ausgeklügelten Sicherheitsinstrumente ausgehebelt, die eine neuerliche Weltwirtschaftskrise verhindern sollten.

Wem hat die Krise genutzt?

Den Reichen, auch in Deutschland. Sie stehen besser da als je zuvor. Die Korporatokratie belohnt ihre Diener über alle Maßen – und ist weiter im Vormarsch:

Unternehmerische Kräfte führten einen Putsch in Zeitlupe durch, noch lange vor der Entscheidung des obersten Gerichtshofs, im Fall Citizens United gegen die Federal Election Commission. Der Putsch ist vorbei. Die Herrschaft wurde einmal mehr gerichtlich durchgesetzt, um die Kontrolle durch die Unternehmen auf Linie zu bringen. Es enthüllt den Mythos der funktionierenden Demokratie und den Triumph der unternehmerischen Macht. Aber es ändert kaum etwas an der politischen Landkarte. Der Konzern-Staat wird gegenwärtig manifestiert.

Die Fiktion von Demokratie bleibt nützlich, nicht nur für Konzerne, nein, auch für unsere bankrotte liberale Klasse. Würde diese Fiktion wirklich hinterfragt werden, müssten die Liberalen gegenwärtig mit Widerstand rechnen, der sich weder freundlich noch genügsam äußern würde. So lange die demokratische Fassade existiert, können die Liberalen eine moralisch leere Stellung einnehmen, die nur wenig  Aufopferung und Verpflichtung abverlangt. Sie können die selbst ernannten Kritiker der Demokraten sein, handeln, als ob sie Teil der Debatte sind und sich durch deren Proteste bestätigt fühlen.

Die Korporatokratie ist ja auch kaum dumm zu nennen. Sie kennt die Theroie der Dialektik und benutzt sie – so bleibt der Bürger beschäftigt. Pro-Israel gegen Pro-Palästina, Pro Regelsatzkürzungen gegen Bürgergeld, Sarrazin gegen die NWO – vielerlei dieser Spielchen laufen gerade offen vor unseren Augen ab. Und die, die sie entlarven, verschwinden:

Liberale, Sozialisten, Gewerkschaftler, unabhängige Journalisten und Intellektuelle, viele von denen, die einmal wichtige Stimmen in unserer Gesellschaft waren, wurden zum Schweigen gebracht oder wurden gezielt aus der unternehmenskontrollierten akademischen Welt, den Medien und der Regierung ausgeschlossen.

Quelle: Chris Hedges in: Zeitkritiker

Und das den führenden Bankern der großen Konzerne nicht klar war, was sie mit ihren Spekulationen riskieren, kann ich mir kaum vorstellen – auch wenn man publizistisch so tut, als hätten diese Leute einen IQ mit dem sich mit ach und krach die Hauptschule absolviert haben. Plausibler scheint mir, das die Korporatokratie einfach mal ihre Muskeln spielen lies und nebenbei noch viele Milliarden an Steuergeldern kassiert hat, die wiederum die Staaten mehr an sie binden.

Das ist natürlich … ein Verschwörungstheorie und wir haben uns ja daran gewöhnt, das wie „denen da oben“ niemals intelligentes taktisches und strategisches Handeln unterstellen dürfen – und wir halten uns auch an dieses Tabu, selbst wenn uns UN-Mitarbeiter eines Besseren belehren:


Herr Professor Ziegler, in Ihrem neuen Buch „Das Imperium der Schande“ sprechen Sie von einer Refeudalisierung der Welt. Was meinen Sie damit?

In den letzten Jahrzehnten sind auf der Erde unglaubliche Reichtümer entstanden, der Welthandel hat sich in den letzten 12 Jahren mehr als verdreifacht, das Welt-Bruttosozialprodukt fast verdoppelt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist der objektive Mangel besiegt und die Utopie des gemeinsamen Glückes wäre materiell möglich. Und gerade jetzt findet eine brutale, massive Refeudalisierung statt. Die neuen Kolonialherren, die multinationalen Konzerne – ich nenne sie Kosmokraten – eignen sich die Reichtümer der Welt an. Diese neue Feudalherrschaft ist 1000 Mal brutaler als die aristokratische zu Zeiten der Französischen Revolution.

Wie funktioniert diese Feudalherrschaft im 21. Jahrhundert?

Die Legitimationstheorie der Konzerne ist der Konsensus von Washington. Danach muss weltweit eine vollständige Liberalisierung stattfinden: Alle Güter, alles Kapital und die Dienstleistungsströme in jedem Lebensbereich müssen vollständig privatisiert werden. Nach diesem Konsensus gibt es keine öffentlichen Güter wie Wasser. Auch die Gene der Menschen, der Tiere und Pflanzen werden in Besitz genommen und patentiert. Alles wird dem Prinzip der Profitmaximierung unterworfen. Dabei setzen die Konzerne zwei Massenvernichtungswaffen ein, den Hunger und die Verschuldung. Das Resultat ist absolut fürchterlich. Die Hungerzahlen steigen in absoluten Zahlen immer weiter an. Letztes Jahr sind nach dem Welternährungsbericht jeden Tag 100.000 Menschen an Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen gestorben, alle 5 Sekunden ist ein Kind unter 10 Jahren verhungert. Und dies, obwohl die Weltlandwirtschaft schon heute – ohne Gentechnik, etc. – problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könnte, wie derselbe Bericht feststellt. D.h., es gibt keinerlei Fatalität für die Massenzerstörung der Welt. Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.

Quelle: germanwatch

Auch Ziegler war 2005 noch optimistisch.

Wer in einer Demokratie lebt, insbesondere einer westlichen, kann alles tun, um diese mörderische Weltordnung zu brechen.

Das geht! In der Demokratie sind die Mittel vorhanden, um diese Weltordnung umzustoßen und die Menschenrechte durchzusetzen.

Allerdings … gehe ich von der Wirklichkeit und Mächtigkeit der Korporatokratie aus, d.h. nehme ich sie ernst, dann weiß ich, das Demokratien nur Masken sind, denn Parteispitzen gehören mit zu den drei Säulen der Macht der Korporatokratie – neben den Vorständen von Banken und Konzernen.

Und führe ich Hartz IV ein (oder das 99´er Programm der USA) so haben die Bürger andere Sorgen als sich um die dritte Welt zu kümmern: der Hunger (und in den USA die Obdachlosigkeit) steht auf einmal vor der eigenen Haustür, wenn der Konzernherr es will.  Und die Verschuldung trifft uns momentan mit voller Wucht.  Die Offensive der Korporatokratie läuft erfolgreich weiter, indem sie z.B. in Deutschland dem deutschen Bürger den Boden unter den Füssen wegzieht. Das können sie jetzt – dank Schröder.

Wir wissen also, wo wir hier ansetzen müssen: die Rückeroberung der wirtschaftlichen Souveränität des Bürgers, ohne die seine politische Souveränität nutzlos ist.

Und wir wissen auch, was wir tun müssen, um dies zu erreichen: Aufklärung über die Machtverhältnisse der Welt – ohne uns gleichzeitig von linken oder rechten Rattenfängern vor deren Karren spannen zu lassen – was recht schwer ist, denn kaum hat man ein Problem erkannt, kommt schon ein Sarrazin mit einem neuen Feind um die Ecke gerannt….dabei gibt es all diese Feinde nur noch, um uns gegenseitig zu beschäftigen. Gezielt eingesetzt von der Korporatokratie, die der einzige reale Feind der Menschlichkeit, des glücklichen zufriedenen Lebens und der Gerechtigkeit ist.

Der Weg ist klar erkennbar – nur ist der Feind schwer greifbar, denn anders als früher kann man ihn geografisch nicht lokalisieren. Er gleicht, wie Perkins es beschrieb, Wolken, die den Planeten umkreisen.  Mal schlagen sie hier zu, mal da. Das ist der Vorteil, wenn man das Imperium wirtschaftlich anstatt politisch basiert. Man bleibt flexibel – und kann zur Not nach China ausweichen.

Und der Weg zum Widerstand, zur Rebellion, zum Aufstand ergibt sich daraus wie von selbst. Es wird ein schmaler Grat sein, auf dem wir wandern, denn die Sazzazins dieser Welt lauern an jeder Ecke nur darauf, uns in ihre dunkeln Welten zu ziehen.  Einen Vorteil jedoch hat der Kampf gegen das Imperium: er könnte rein wirtschaftlich und ganz unblutig verlaufen …

246 worte über büromaterial

bleistift

ein thema, mit dem ich mich bereits einmal beschäftigte – und das immer noch in der lage ist einen dicken hals von sachsen-anhalt bis hückeswagen zu produzieren!

bleistiftlaut spiegel und ntv haben sich 115 Abgeordnete zwischen Januar und Oktober 2009 mit 396 Füllfederhaltern einer teuren Marke eingedeckt. naja, das ist nicht abendfüllend.

nachdem ich meinen 27.sten füllfederhalter verbummelt hatte, bin ich auf einwegkugelschreiber umgestiegen, von denen ich immer wahllos welche um mich herum verstreut lagere – natürlich finde ich keinen, wenn ich ihn brauche – aber… ich schweife ab.

warum machen schreibe ich deshalb einen artikel?

jeder (!) bundestagsabgeordnete dieser bunten republik darf (!) im jahr (!) für 12.000.- € (in worten: ZWÖLFTAUSEND NULL NULL EURO!) büromaterial aus einem Katalog bestellen.

Der Katalog präsentiert neben Papier und Druckern auch Reisetaschen, Wasserfilter, ein Mini-Fotostudio, Mandelgebäck, Duftkerzen oder Schulhefte.

dies zusätzlich zu seiner steuerfreien diät von 7668 euro und seiner steuerfreien kostenpauschale von 3868 euro monatlich!Schulheft

Schulhefte? nur mal so zur erinnerung: der

h4 regelsatz für eine alleinerziehende mutter mit kind unter 15 jahren beträgt 570 euro – ohne wohngeld. hiervon muss essen, kleidung, sämtlicher anderer lebensunterhalt und natürlich auch die schulhefte des kindes bezahlt werden.

jetzt fragen wir uns  bloss: wozu brauchen unsere bundestagsabgeordneten schulhefte. und nicht, das mir jetzt einer der üblichen verdächtigen damit kommt, das die von mir bemühte h4 berechtigte keine leistung erbringt. die erbringt nämlich ein großteil der diät-berechtigten auch nicht.

bundesadler

PS: es ist natürlich beruhigend, das diese bereicherung auf kosten der allgemeinheit nach dem willen des bundestagspräsidenten zukünftig „maßvoll“ geschehen soll… aha!

fotos:  2 sxc.hu / montagen: 1 selbst

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