Bildung

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Jamaika: Brief eines zornigen Wählers

Dienstag, 21.11.2017. Eifel. So – jetzt reichts. Endgültig. Lange habe ich geschwiegen, lange gut funktioniert, lange auf die wohlklingenden Töne der Regierungsjournalisten gelauscht, die tagaus tagein predigen: alles ist in Ordnung, alles supergut, die besten Köpfe der Welt arbeiten an den besten Lösungen für alle! Drauf geschissen, sag ich! Was bilden sich die Arbeitslosen mit Luxuseinkommen eigentlich ein, dass Sie uns so ein Schauspiel darbieten? Ach, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Fangen wir mal an bei dem Beruf Politiker. Dass dies ein Beruf ist, ist sowie so schon ein Hohn, denn: Politik kann jeder und muss auch jeder können, wenn er nicht mit Revolvern, Dynamit und Winchestergewehren Probleme lösen will. Politik komme von polis (altgr.: Stadt) und beschreibt die Kunst, den Frieden zu bewahren – selbst unter dem Stress eng zusammengepferchter Menschenmassen mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen. Man kann schon erahnen, dass man dafür ein ganz besonderes Gespür braucht, geistige Unabhängigkeit, einen weiten Horizont was Lebensphilosophien und Weltbilder angeht – kurzum: das Amt des Politikers ist ein Amt, dass in erster Linie eine profunde geisteswissenschaftliche Ausbildung erfordert, weil es ums Verstehen des Anderen und seiner Anliegen geht. Die Kunst, widerstreitende Interessen unter einen Hut zu kriegen ist genau jene Kunst, für die wir Politiker bezahlen. Dafür sind sie von der Last der Alltagsarbeit befreit und werden von der Gemeinschaft alimentiert – einer weisen Gemeinschaft, die verstanden hat, das schlechte Politik immer noch besser ist als gute Kriege. Ja – haben wir ganz vergessen, oder?

Während uns die Naturwissenschaft mit ihren Ingenieuren immer neue Waffen liefert müssen die Geisteswissenschaftler immer schneller rennen, um den Frieden zu erhalten. Müssen? Müssten. Sie tun momentan etwas ganz anderes, ziehen sich  zurück auf sich selbst, weil sie die Auseinandersetzung mit den geistlosen Wissenschaften fürchten: das Kapital zahlt lieber für Waffen als für Frieden; Waffen – eingesetzt zum Raub von Rohstoffen – bringen immer mehr Rendite als friedliche Verhandlungen, wo die andere Seite (die Neger: ausbeuten dürfen wir sie jederzeit, aber wehe wir sagen dieses Wort!) noch über die Preise mitverhandeln kann. Und wenn man dann noch kleine Kriege inszeniert – inzwischen ganz pervers zur „Rettung des Friedens“ – dann klingelt die Kasse in einem fort.

Ja, was haben wir in den letzten Jahren alles erlebt – zur Rettung des Krieges. Staat, Politik und Wirtschaft haben uns eine Welt voller „Hitlers“ präsentiert, die uns alle ans Leder wollen: Putin, den Russenhitler, Gaddafi, den lybischen Hitler, Saddam Hussein, den irakischen Hitler, Osama bin Laden, den Höhlenhitler – um nur ein paar zu nennen. Und anstatt das Problem friedlich zu lösen, wie es sich für Demokratien gehört, gab es auf einmal – völlig geist- und alternativlos – nur noch eine Möglichkeit: Krieg. Mittels Drohnen – gesteuert aus Deutschland – sogar weltweiten Krieg – den man früher Weltkrieg genannt hätte, aber heute einfach mal elegant verschweigt. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Deuschen die Demokratie für beendet erklärt (siehe Focus).

Ach – ich rege mich schon wieder auf. Wissen Sie, was ich bei den Schweizern lese? „Nur noch ein Sokrates kann uns retten“ (siehe NZZ):

„Das Wesen der Philosophie liegt nach Sokrates im Widerstand gegen die eigene Zeit.“

„Es ist nicht weiter verwunderlich, dass Sokrates, der Begründer der westlichen Philosophie, zugleich ihr erstes Opfer war. Er verführte die Jugend durch sein freies Denken, bis ihn ein Gerichtshof der attischen Demokratie dazu verurteilte, den tödlichen Schierlingsbecher zu trinken.“

„Freies Denken“ – im Deutschland des Jahres 2017 enthält diese Forderung schon im ersten Moment einen üblen Beigeschmack nach Verschwörungstheorie, die per Regierungsdefinition ausschließlich rechstradikal sein kann und darf … Sokrates könnte auch hier nicht lange überleben, wäre sofort irrer Aluhutnazi: sowas können unsere Politiker noch.

Wissen sie eigentlich, wie es in unseren Geisteswissenschaften heutzutage aussieht? Ich kann Ihnen da ein paar Takte zu sagen (siehe Süddeutsche):

„Diese Mechanismen machten eine unkonventionelle Arbeit schlichtweg riskanter. Doktorand Barbi sagt: „Oft werden unorthodoxe Gedanken zunächst nicht als suspekt betrachtet. Wenn sie jedoch erfordern, sich vom gängigen Jargon abzusetzen, wird der Gedanke als formal unzulänglich angesehen und die Publikation verwehrt.“ Es gibt also sprachliche Zusammenhänge aus Schlüsselbegriffen, Schlüsselzitaten und Schlüsselquellen, die bedient werden müssen, damit ein Essay problemlos in den Journals erscheint und durch die Algorithmen der Suchmaschinen bestmöglich erfasst wird.“

Kurzum: die weise Königin der kritischen Wissenschaften wurde ihrer Essenz beraubt: es gibt Vorschriften für richtiges Denken. Mit interessanten Konsequenzen:

„Die Konsequenzen für die philosophische Praxis sind fatal. „Peer-Review in der Philosophie ist die Vortäuschung von Qualitätskontrolle“, so Gabriel. „Kein einziger großer Philosoph wäre je mit einem seiner relevanten Texte in ein solches Journal gekommen. Immanuel Kant hätte unter heutigen Bedingungen nicht publizieren können. Seine ,Kritik der reinen Vernunft‘ wäre nie bei Oxford University Press erschienen“.

Es ist also dafür gesorgt, dass wir keinen Sokrates mehr bekommen – und somit auch kein Personal, dass den Beruf des Politikers in seinem ureigensten Sinne ausfüllen kann. Stattdessen haben wir professionelle Schauspieler, die in jeder Talkshow den Großmeister geben: aber wenn es mal nur um ganz einfache politische Aufgaben geht – eben vier unsterschiedliche Standpunkte zu einem Kompromis zu bringen, eine Aufgabe, die schon Erstsemester in der Philosophie erledigen können müssen – dann sind die alle gleich überfordert!

Wissen Sie, wie ich das handhaben würde? Ganz einfach: der deutsche Bundestag kriegt eine Woche Zeit, eine Regierung zu bilden. Sicher: das ist ein wenig knapp – aber wir haben eine ganze Menge Probleme zu lösen – und jeder Arbeitnehmer kennt Zeiten, wo die Hütte brennt … und man nicht einfach nach Hause gehen kann, weil man sich überfordert fühlt.  Außerdem wird die Gurkentruppe ja genau dafür bezahlt – also könnten die auch mal liefern anstatt nur zu kassieren. Nach Ablauf der Woche werden Diäten und Ministergehälter dauerhaft um 10 Prozent gekürzt – jeden Tag um weitere zehn Prozent. Das ist einfach Hartz-IV-Pädagogik auf Bundestagsebene: da dies ja eine ganz tolle Maßnahme gewesen sein soll, werden sicher alle begeistert sein und sie widerspruchslos begrüßen! Gibt es nach zehn Tagen keine Lösung – verlieren alle ihre Posten und das passive Wahlrecht … einfach, weil sich der Staat vor diesen unfähigen Versagern schützen muss. Die können dann ja mal in der freien Wirtschaft beweisen, was sie für unglaublich tolle Dinge leisten können! Sicher werden die alle schnell zu Millionären … mal abgesehen davon, dass ihre aktuelle Verhandlungskompetenz kaum hoffen läßt, dass die überhaupt auch nur einen Bauchladen für Bockwürstchen sicher durch den Monat bringen könnten.

Und wie es weitergehen soll, fragen Sie?

Gut – mangels eigenständiger Philosophen … die man dringend dafür braucht, um Krisen gleich im Keim an der Entstehung zu hindern – nicht umsonst hielt Plato sie für die geeignesten Politiker und Regenten … könnten wir vielleicht den irischen Weg wählen und einfach das Los entscheiden lassen (siehe ARD). Einfach mal x-beliebige Leute auswählen, ihnen volle Diäten auszahlen und mal schauen, ob die nicht die Luschenbrigade in Berlin ersetzen könnten. Also – nichts erreichen ist ja nun wirklich nicht so schwer: wir könnten Kindergartenkinder in den Bundestag setzen, die würden sich wahrscheinlich eher einigen können. Ja – so doof sind Kinder gar nicht: einfach mal den örtlichen Kindergarten besuchen und staunend wahrnehmen, welche überragende Sozialkompetenz die ganz ohne Diäten an den Tag legen können; kein Wunder, dass manche Gröhlbarden von „Kindern an die Macht“ fantasieren – schlimmer kann es kaum werden!

Als gäbe es nicht Probleme genug, die zur Lösung drängen. Ich denke nur an die mafiöse Autoindustrie, die es wirklich geschafft hat, eine flächendeckende Abgasverschwörung hin zu legen … und dann alle mit dem Versprechen einer zauberhaften Software beruhigte, die allen Dreck aus dem Auspuff entfernen sollte. Wundert da nicht wirklich, dass die Lieblingsdienstwagen der Minister die größten Dreckschleudern sind: „wie der Herr, so´s G´scher!“ – sagt der Volksmund. Wussten Sie eigentlich, dass das die alle Jamaika-Parteien bezahlt haben (siehe Merkur)? Und nicht nur die Autoindustrie ist dick im Politikgeschäft, Jamaika hat gleich einen hochrangigen Lobbyisten an die Seite gestellt bekommen, der an den Verhandlungen teilnimmt (siehe Change.org) und dafür sorgen soll, dass die Luschen da gleich mal ihre Entscheidungsspielräume kennen lernen! Deshalb bin ich ja für das irische Losverfahren für Spitzenämter: wäre sicher auch mal lehrreich für die Wirtschaft, wenn da eine Gruppe von Dachdeckern, Metzgern, Krankenpflegern, Polizisten, Bäckern und Hausfrauen sitzen, die den „feinen Fatzke“ erstmal zurück auf den Golfplatz schicken … weil sie sich daran erinnerten, dass ein Kollege schon ihre Rente mit 85 plant (siehe wiwo). Oder sie kommen gleich auf die Idee, den Hansel wegen „Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung“ erstmal weg zu sperren. Ja – schauen Sie sich einfach mal an, was der Verfassungschutz dazu sagt (siehe Bundesamt für Verfassungsschutz): da steht was vom Recht des Volkes, die Staatsgewalt auszuüben, vom Recht auf Bildung – um den ganzen Zinnober überhaupt zu begreifen.

Bildung – ja, genau: dazu ist auch noch ein Wort zu sagen … damit es nicht nachher heißt, wir würden nur bei den Philosphen herumschlampen. Eine 18-jährige Schülerin hat die Quintessenz unserer Hochbildung mal kurz auf den Punkt gebracht (siehe Noizz.de):

„Als ich mit der Schule fertig war, brauchte ich ein paar Monate, wenn nicht sogar Jahre, um mich zu akklimatisieren. Aber nicht, weil ich die Schule vermisste. Vielmehr war ich ein demotivierter, desillusionierter und desinteressierter Mensch geworden. Nach all den Jahren wusste ich eigentlich nur, was ich alles nicht gut konnte.“

Ja – lesen Sie sich das ruhig mehrmals durch: das ist das Ergebnis der Bildungspolitik der Luschenhansel – so erziehen die sich ihr Volk, damit überhaupt keiner mehr auf die Idee kommt, den Sokrates zu machen. Hier: die junge Dame kann noch deutlicher werden:

„Aber wie war es so weit gekommen? Die Grundschulzeit war doch so schön gewesen. Am Gymnasium dagegen fühlte ich mich immer so, als würde ich vor einem riesigen Buffet stehen und dürfte von den ganzen leckeren Speisen nur die Saucen probieren. Und sollte es in der Sauce mal etwas zu kauen geben, wurde es für mich vorgekaut und mir als unappetitlicher Brei serviert.

Ich lernte von einer Vielzahl von Themen ein bisschen. Die Tiefe fehlte. Der Lehrer vorne gab mir vor, wie der Stoff zu lernen war. Ob das auch meine Art war zu lernen war egal. Es war, als würde ich an der Oberfläche von einem riesigen See voller Wissen schwimmen und hätte dabei meine Schwimmflügel an.“

Die gehört sofort in den Bundestag. Dazu noch ein Straßenbauer, ein Maurer, eine Köchin, eine Kindergärtnerin, ein Tätowierer und eine Nageldesignerin – kurum: einfach mal ein paar Menschen, die noch wissen war echte Arbeit ist, wie echte Werte erschaffen werden und man echte Probleme lösen kann … wir hätten nach fünf Minuten eine Regierung, die anpacken kann.

Was haben wir stattdessen? Karneval! Ganzjährig! Bundesweit – in allen Ämtern! „Kamelle, Kamelle, de´ Merkel kütt!“. Ja – das erzählt man sich in der Schweiz über uns (siehe Geschichte der Gegenwart):

„Ver­keh­run­gen ins Gegen­teil kön­nen wit­zig sein, wenn sie als Iro­nie und Kar­ne­va­li­sie­rung daher­kom­men. Für den rus­si­schen Phi­lo­so­phen Michail Bach­tin war die Ver­keh­rung ins Gegen­teil ein Merk­mal der volks­tüm­li­chen Lach­kul­tur, die zur Zeit des Kar­ne­vals die Welt und deren Macht­ver­hält­nis­se auf den Kopf stellt. Aus dem König wird der Pleb, aus dem Kopf der Unter­leib, aus dem Schimpf­wort ein Lob – und umge­kehrt. Bach­tin hat­te die­se Ver­keh­run­gen als sub­ver­si­ves Ver­la­chen von Hier­ar­chi­en gele­sen und dabei ver­kannt, dass die­se Ver­keh­run­gen ins Gegen­teil auch als Macht­stra­te­gie instru­men­ta­li­siert wer­den kön­nen. Als sol­che die­nen sie nicht dem hier­ar­chie­frei­en Spass, son­dern der Til­gung von Erin­ne­rung und der Zemen­tie­rung von ver­ein­fa­chen­den, meist schie­fen Oppo­si­tio­nen, die für die beab­sich­tig­te Umbe­nen­nung und Umwer­tung nötig sind.

In jüngs­ter Zeit haben wir es gera­de­zu mit einer Wel­le von Ver­keh­run­gen ins Gegen­teil zu tun: aus ‚böse‘ wird ‚gut‘, aus ‚links‘ wird ‚rechts‘, aus Erfin­dun­gen Fak­ten. Immer häu­fi­ger bezeich­nen sich Ras­sis­ten als Dis­si­den­ten und Popu­lis­ten als Anders­den­ken­de. Das Esta­blish­ment imi­tiert die Stim­me des Vol­kes, aus Demo­kra­tie wird Dik­ta­tur und Lin­ke wer­den zu Faschis­ten.“

Was hier nur auf Rechtspopulisten abzielen soll, wird jedoch von den Linken ebenfalls benutzt – oder war etwa niemand stutzig, dass aus Montagsdemos für den Frieden auf einmal rechtsradikale Naziaufmärsche mit „Aluhüten“ wurden … von Leuten so definiert, deren grüne Politiker die ersten Bomben nach dem zweiten Weltkrieg auf ein fremdes Land warfen – wieder mal Jugoslawien, alten Traditionen folgend? Und haben wir diese Karnevalisierung nicht in viel größerem Umfang, wenn die rechte CDU auf einmal zur weltoffenen Neubüger-Empfangs-Partei wird, während die linke SPD handstreichartig den Sozialstaat deformiert und die Schleusen für internationale Kapitalgangster öffnete?

Ja: das können die Jungs in Berlin noch: Karneval machen. Bäumchen wechsel Dich spielen. Kein Wunder, dass Steuersenkungen für Reiche und weitere Privatisierungen die ersten Ergebnisse der Jamaikaverhandlungen waren – womit die Grünen ihr Wahlkampfgetöse am schnellsten begraben hatten (siehe jungewelt).

Und jeder, der die wundersame Entwicklung außerhalb staatlich geduldeter Witzigkeit hinterfragt, wird als Verschwörungstheoretiker „gedisst“ und „gemobt“, selbst wenn man aktuell in ganz normalen Satiresendungen das Ausmaß der Verschwörung der Wirtschaft gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung auf lustige – karnevaleske – Weise dargeboten bekommt (siehe Faktenchef zu der Sendung Die Anstalt).

Ich sehe noch kommen, dass die Karnevalskanzlerin die Atomkraft abschafft und die Grünen die Umstellung des Individualverkehrs auf Elektroautos fordert – was ganz schnell den Ruf nach gigantischen Mengen Strom nach sich ziehen wird, die ohne Atomkraft gar nicht produzierbar wäre …. während man uns die Glühbirne im Namen der sauberen Umwelt verboten hat. Ach … das gab´s ja schon, merke ich gerade. Karneval – kontaktlose Geselligkeit der Narren!

Und was sage ich jetzt als zorniger Wähler zu Neuwahlen?

Glauben Sie wirklich, ich renne noch mal durch den Regen, um unfähigen Luschenpolitikern ein Mandat für Karnevalspolitik  zu geben?

Ich kann mir doch genau vorstellen, was passiert, wenn irgendein jugendlicher Schnösel aus den Ratingagenturen des großen Bruders der Merkel eine kurze Mail schickt, in der er ankündigt, das Rating für Deutschland zu senken, wenn nicht alle Deutschen ab morgen gelbe Mützen tragen: wir würden ganz schnell herumrennen wie Sonnenblümchen! Und dabei lächeln, um den Markt nicht weiter zu erzürnen!

Leider ist jener amerikanische Historiker aus dem Netz verschwunden, der uns die Geschichte der Politik der letzten dreitausend Jahre kurz dargelegt hat (ich habe die Idee anfangs für ziemlich irreal gehalten – mir deshalb seinen Namen nicht gemerkt, was ich nun sehr bedauere … würde mich sehr freuen, wenn den mal wieder jemand ausgraben könnte): eine Gesellschaft entwickelt sich, bis sich im Laufe der Zeit Familien zu großen Fürsten und Oligarchen entwickeln, gegen die sich das Volk nur noch durch die Wahl eines mächtigen Königs erwehren kann … der selber dann zum größten Tyrann wird, weil Macht einfach jeden korrumpiert – auch die ehrlichsten.

Das ist also unsere Zukunft für die nächsten Jahrzehnte – und der Grund für den gigantischen Rechtsruck in der westlichen Welt. Und das die AfD bei Neuwahlen über 20 Prozent kommen wird, halte ich für sicher – allein, weil die anderen Wähler sich von der Luschenelite nicht weiter verarschen lassen wollen und lieber zu Hause bleiben.

So wie ich. Bin gebürtiger Westfale – kann mit Karneval nun mal nichts anfangen!

Und Karneval … wird reichlich geboten (siehe Süddeutsche):

„In der Nacht nach dem Abbruch der Verhandlungen beobachteten Journalisten hingegen Szenen schwarz-grüner Verbrüderung: Claudia Roth, die Innenminister Thomas de Maizière umarmt, Peter Altmaier, der wiederum Roth die Hand schüttelt.“

Dabei galten die Grünen kurz zuvor noch als „das größte Problem“ bei Jamaika (siehe Spiegel).

Da kriege ich spontanen Brechreiz.

Und wer wissen will, was die Mächte hinter dem Karneval wollen, ist mit den Analysen eines der letzten lebenden Linken – Noam Chomsky – gut bedient (siehe Deutschlandfunk):

Chomsky sieht zehn Prinzipien am Werk, denen der systematische gesellschaftliche Umbau folge:

„1. Demokratie einschränken,
2. Ideologie bestimmen,
3. Wirtschaft umgestalten,
4. Andere die Last tragen lassen,
5. Solidarität bekämpfen,
6. Regulierungsbehörden regulieren,
7. Wahlen manipulieren,
8. Den Pöbel im Zaum halten,
9. Zustimmung konstruieren und
10. Die Bevölkerung an den Rand drängen.“

Und das – ist unsere Zukunft – ob mit Wahl oder ohne.

 

Schule – wie Staat Kinder zerstört: über moderne Selektionsrampen und ihre tödlichen Folgen. Bekenntnisse eines Lehrers.

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Montag 29.8.2016. Eifel. Nun – seit einer Woche ist wieder Schulanfang. Zeit, über einen Fehler zu reden. Meinen Fehler. Den größten Fehler meines Lebens. Jene Entscheidung, mit der ich alles verraten habe, wofür ich damals als Jugendlicher stand. Auch heute noch ist es mir extrem peinlich, darüber zu reden, aber wenn ich mir anmaße, über Schule zu reden, muss ich zuvor ein Geständnis machen: ich habe eine Ausbildung als Gymnasiallehrer. Da stellt sich natürlich gleich die Frage: warum? Wegen den Ferien? Der Verbeamtung? Dem lockeren Job? Nun – nein. Ich wollte nie Lehrer werden. Im zarten Alter von 15 Jahren hatte ich beschlossen, Philosophie zu studieren – das war mein Lebensziel. Egal, was danach kam – und wenn es eine lebenslange Existenz als Obdachloser bedeuten sollte (so idealisiert kann man ja in solchem Alter schon mal sein) – das Ringen um Weisheit und Wahrheit faszinierte mich, das kreative Spielen mit Perspektiven, die Analysen, die über den Tellerrand der sonstigen Fachwissenschaften weit hinausgingen: Philosophie war nach der Lektüre einiger Schriften von Platon meine Leidenschaft geworden, während um mich herum alles nach Banker- und Politikerkarrieren schrie. Ja – so war meine alte Schule, ein Kollegschulversuch, den ich mir mit 14 Jahren selbst ausgesucht hatte, zum Erschrecken meiner Eltern fuhr ich allein in die ferne Stadt, um dort mein Glück zu machen und ein Angebot anzunehmen, das mir so kein Gymnasium bieten konnte: zwei Abschlüsse zum Preis von einem – wer kann da schon widerstehen.

Die Entscheidung führte nicht zu einem Leben ohne Probleme: ich war 14, als die Schule begann, und damit der jüngste Schüler meiner Klasse, der älteste, der an diesem Schulversuch teilnahm, war 28. Eine kunterbunte Mischung, in der ich schneller wachsen musste als in „normalen“ Schulen. Der Unterricht wurde dank Lehrermangel von Universitätsprofessoren ergänzt (was ein Segen war, wie man im folgenden sehen wird – unter „Lehrern“ hätte ich als Arbeiterkind kaum Abitur machen können), zusätzlich mussten wir uns wirtschaftliche Kompetenzen antrainieren: Stenografie, Schreibmaschine, Buchführung – die unbeliebtesten Fächer aller Zeiten. Unser Wirtschaftsunterricht war … außergewöhnlich, aber so sehr anerkannt, dass wir Bewerbungen von Gymnasiasten dazu bekamen, die mit uns den Unterricht teilten. Ich war also auch recht jung, als ich Abitur machte, was ein Wunder war, verbrachte ich doch den Großteil meiner Lebenszeit mit Bürgerinitiativen, Aufmärschen gegen Nazis, Demonstrationen gegen Krieg, Atomstrom, Atomraketen, als verdeckter Schreiber für eine Stadtzeitung (verdeckt weil … ich den Verantwortlichen zu humanistisch eingestellt war und angesichts der Terroristenjagd für Respekt vor dem Menschen in den Gejagten warb), zusätzlich experimentierten wir mit neuen Lebens- und Gesellschaftsformen in Selbsterfahrungsgruppen: es war eine wilde, zeitintensive, aufregende Zeit, die viel Hoffnung auf Zukunft machte – doch dann kam der Moment, wo ich … immer noch viel zu jung … zum Arbeitsamt gerufen wurde, dessen Mitarbeiter für mich als jungen Mann viel zu raffiniert waren.

Ich schlug dort auf mit meinem festen Entschluss, Philosophie zu studieren – und landete in einer völlig fremden Welt, denn: das ging nicht. Ich brauchte ein Zweitfach. Medizin hätte ich noch interessant gefunden – hatte schon einige Arbeiten zu Hirn- und Nahtodesforschung gelesen – aber das war schnell vorbei, als man mir eiskalt mitteilte, dass ich schon im dritten Semester tote Menschen schlachten sollte (also: völlig auseinanderschneiden). Ich fand: da war ich noch zu klein für. Also predigte der Beamte des Arbeitsamtes weiter (Predigten, die Familie und vor allem mein Vater schon herunterbeteten): ich solle doch darauf achten, dass ich in Zukunft – wenn ich realistischer denken würde – Frau und Kinder haben würde, Geld verdiene müsste und sollte deshalb das Studium mit Abschluss Lehramt machen. Und außerdem wäre da noch das Problem dass ich ein Zweitfach bräuchte, Monostudiengänge seien durch den Staat verboten worden.

Nun – über ein Zweitfach hatte ich mir nie Gedanken gemacht: er wollte aber eine Antwort für seine Akten. Geschichte war mir zu seicht, Germanistik ebenso, von Sprachen hatte ich die Nase voll, ebenso von der Mathematik, die mir zu unpräzise im Denken war (ja: dass man per Willkürentscheidung nicht durch Null teilen darf, weil dann das ganze System kollabierte, hatte einen starken Eindruck auf mich gemacht). Doch der Mann vom Arbeitsamt hatte gleich eine Liste parat von Zweitfächern, die dringend gesucht wurden: Sonderpädagogik war ganz oben. Gut, sagte ich: das nehme ich. Doch wieder: das verbot der Staat. Wer Sonderpädagogik brauchte, sollte nicht in die Welt des Denkens eintauchen. Überhaupt war der Stellenwert der Philosophie im Schulwesen absolut gering: selbständiges Denken war wohl nicht erwünscht.

Ich gab also nach, nahm – als Atheist – das Zweitfach Theologie: wohl wissend, dass ich um die Religion im Rahmen der Philosophie nicht herumkommen würde (was ein Glücksfall war, muss ich im Nachhinein sagen: ich musste zwar noch einmal die Religion wechseln – von katholisch zu evangelisch – aber dann war es ein „erstklassiges geisteswissenschaftliches Studium“: jedenfalls waren das Kommentare von akademischen Freunden meines Vaters, die ihn dann sehr erfreuten. Die Kombination wurde während meines Studiums verboten, erstklassige Geisteswissenschaftler sind dem Staat sohl unheimlich). Zu der Entscheidung, dem Druck nachzugeben, gehörte die Tatsache, dass ich jahrelang als Begleiter und Leiter von Jugendfreizeiten für arme Kinder gearbeitet hatte: für jeweils drei Wochen fuhren wir mit Kindern aus „sozialen Brennpunkten“ in den Urlaub. Ich hatte also – für mein Alter – reichlich Erfahrung im Umgang mit jungen Menschen, dachte ein wenig an „Fügung“ und verriet meinen philosophischen Geist: zum Jubel von Verwandtschaft und Arbeitsamt.

Und dann: kam die Realität. Voller Idealismus – auch geprägt durch Eindrücke aus dem Pädagogikstudium – betrat ich die Schulwelt … und wusste nach dem ersten Besuch im Lehrerzimmer, dass dies ein Fehler war. Nach einem Jahr spätestens war mir – und vielen anderen – klar, dass man diesen Job aus Gewissensgründen ablehnen musste – sofern man noch ein Gewissen hat. Ich ging dann – nach einem etwas ungewöhnlichen und abenteuerlichen Abschluss des Zweiten Staatsexamens – in die Pharmaindustrie, was mich viele Freunde gekostet hat, aber meinem Gewissen … Überraschung! .. Erleichterung verschaffte.

Was musste ich erleben – im Lehrerzimmer, dem schlimmsten Ort meiner Schulzeit? Lehrer, die hereinkamen und offen herumposaunten, dass sie diesen oder jenen Schüler nicht mehr sehen wollten und Kollegen ersuchten, denjenigen eine Fünf zu geben: es gab Freiwillige genug. Leitende Ausbildungslehrer, die Karrieren ruinieren wollten (mit einer 6 in Religion), weil es die Schüler gewagt hatten, entschuldigt den Unterricht versäumt zu haben, weil die Trainingszeiten der Fussballmannschaft sich mit dem Unterricht des eitlen Gecken überschnitten: da wurden in zehn Minuten Gespräch mehr Gesetze gebrochen, als wir tags zuvor in der theoretischen Ausbildung gelernt hatten. Hausaufgaben über die Ferien? Streng verboten, aber gerne gegeben. Man wurde – als Referendar – auch mal an die Seite genommen und über die Noten aufgeklärt: Lehrerkinder waren mit „1“ zu benoten. Und natürlich gab es Schweigepflicht … weshalb ich ja auch nicht sage, wo dies war, wer dies war (wahrscheinlich schon alle pensioniert) – und außerdem ist das 28 Jahre her.

Knallharte Umsatzverantwortung in der Pharmaindustrie, 120-Stunden-Wochen, existentieller Leistungsdruck  waren eine Erholung gegenüber den gruseligen Erfahrungen im Schulwesen, wo ich von einem Ausbildungsleiter wesentliches über den Charakter des Lehrers erfuhr: seiner Erfahrung nach (die groß war, er ging nach uns in Rente und wollte uns, seinen letzten Kurs, dazu benutzen, um endlich mal die Wahrheit zu sagen) waren Lehrer schwache Menschen mit Angst vor dem echten Leben, weshalb sie – nach kurzer Exkursion in die Universität – schnell wieder in gewohnte Gefilde zurückkehrten, wo wenig Kontakt durch Leistungsdruck, Arbeitseffektivität und Ergebnisorientierung bestand und man als Büttel des Staates ganz frei nach Lust und Laune Noten verteilen durfte – es sei denn, sie seien zu gut.

Der Traum, man könne im Schulwesen Kinder zum Nachdenken anregen, zerplatzte schnell: man stand an der Selektionsrampe. Wissen Sie, was ich damals gelesen hatte? Ich habe es wiedergefunden (siehe Spiegel):

„Zeugniszeit — Selbstmordzeit. Die Fünf im Rechnen und in Deutsch: Angst vor dem Versagen treibt zunehmend Schüler wie Eltern in Verzweiflung. In den Klassenzimmern herrscht Ellenbogendenken, wächst die Zahl der psychisch und physisch Kranken. Lehrer und Ärzte warnen: „Unser Schulwesen treibt einer Katastrophe zu.““

Das war 1976, an den Universitäten wurde der Unsinn von „Hausaufgaben“ und „Noten“ sowieso schon abgelehnt, die Wissenschaft der Pädagogik (in der Schule kaum benötigt) entwickelte ein anderes Bild vom Menschen und seiner Entwicklung, das alte Schulwesen (das damals ohne Noten für „Betragen“ auskam) galt es auszurangieren – und ich war überzeugt davon, dass ich bei der Transformation des Reichsschulwesens (ja: unser Schulwesen beruht auch heute noch auf den Grundsätzen des Kaiserrreiches … und der NS-Zeit … – für Lehrer ein Traum) gute Dienste leisten könnte. „Wie lange soll die Quälerei noch dauern“ – fragte der Spiegel damals. Rechnen Sie selbst nach: wir schreiben heute das Jahr 2016.

Die Folgen der Notengebung sind tödlich – nur eine der Katastrophen, vor denen der Spiegel damals warnte (siehe Tagesspiegel aus dem Jahre 2013):

Die Zahlen sind erschreckend. Selbsttötung ist in Deutschland nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache junger Menschen zwischen 15 und 20 Jahren. In den vergangenen zehn Jahren nahmen sich nach Angaben der Telefonseelsorge Berlin jedes Jahr in Deutschland mehr als 600 Jugendliche das Leben.

Was hatte sich geändert gegenüber 1976? Der Tagesspiegel erwähnt nicht mehr, dass der Leistungsdruck in der Schule mit verantwortlich für die Suizide ist: für eine Leistungsgesellschaft sind halt Reibungsverluste (Kollateralschäden) tolerabel. Er reduziert die Suizidgründe auf Liebeskummer und Drogenmissbrauch, läßt ganz die Tatsache außer acht, dass Schulnoten ein eigenständiges Risiko darstellen (siehe Psylex):

Schwache Zensuren / Noten in der Schule zu erhalten, ist mit einem erhöhtem Risiko für Suizid im Jugendalter verbunden laut einer neuen Studie der medizinischen Universität Karolinska Institutet und des Swedish National Board of Health and Welfare.

Wieviele Leichen wollen wir der deutschen Lehrerschaft vors Lehrerzimmer legen? Schwer zu beurteilen, weil es ein Tabuthema gibt. 24000 Suzide von Kindern in den letzten 40 Jahren – vielleicht sollten wir einfach mal alle nehmen?

Wie geht Schule selbst damit um? Fragen wir das Ministerium (siehe Schulpsychologie.NRW):

„Die Frage, inwieweit Schule mit dazu beiträgt oder sogar ursächlich dafür verantwortlich ist, dass Jugendliche sich das Leben nehmen, wurde schon seit Anfang des vorigen Jahrhunderts heftig und kontrovers diskutiert und ist bis heute nicht eindeutig geklärt.“

Die Arbeit, die hier als Grundlage für die staatliche Position angegeben wird, hat jedoch einen ganz anderen Schwerpunkt (siehe Kohlhammer), aber es reicht um zu sagen: „ob wir es waren, ist unsicher. Also machen wir weiter“.

Was geschieht jedoch, wenn Lehrer sich dem System widersetzen? Wenn sie wirklich gute Arbeit leisten und als Folge gute Noten vergeben?

Nun – dann greift der Staat ein … und hart durch (siehe Spiegel):

„Ihr Fall machte Furore: Die Lehrerin Sabine Czerny wurde von bayerischen Schulbehörden strafversetzt – wegen guter Noten und spannenden Unterrichts. Jetzt hat die Lehrerin, die zu wenig Fünfen gab, einen Preis für Zivilcourage erhalten.“

Unglaublich, oder? Die macht vielleicht guten Unterricht und versucht nicht nur die Arbeitszeit zwischen den Ferien durch exzessive Hausaufgabenkontrolle möglichst bequem zu überbrücken – oder die hat einfach gute Schüler gehabt, doch da schreitet der Staat mit aller Gewalt ein:

„Mehrfach wurde Sabine Czerny bei ihrer Schulleiterin und von übergeordneten Kultusbeamten einbestellt. Man verbot ihr so etwas Harmloses wie den Morgenkreis – ein pädagogisches Instrument, bei dem Schüler vor dem Lernbeginn miteinander ins Gespräch kommen. Man wollte sie zwingen, für ein Mädchen den Förderunterricht anzuweisen – aber sie widersetzte sich. Man bedeutete ihr, sie solle das Notenspektrum voll ausschöpfen: „Auch bei Ihnen muss es Fünfer und Sechser geben“, wies sie ein Schulbeamter an.“

Wissen Sie, was das bedeutet? Das offene Bekenntnis des Staates zur wirklichen Aufgabe seines Schulwesens: Schule muss Selektionsrampe sein, nicht Bildungsort. Keiner hat Interesse an perfekt ausgebildeten Schulklassen, dafür aber an einer Dreiteilung der Gesellschaft wie zu Kaisers Zeiten: Bauer, Bürger, Edelmann. Wer was wird, darüber entscheidet der Lehrer je nach Lust und Laune. Kein Wunder, dass mein Ausbildungsleiter uns am ersten Tag warnte, dass wir in der letzten Bastion des Feudalstaates in Deutschland gelandet sind: dem Schulwesen (was nicht ganz stimmte: im Medizinbereich lebte der Feudalismus ebenfalls fort – mit religiösen Tendenzen, die den Chefarzt fast heilig sprachen).

Es geht aber noch weiter – wir erfahren auch, welche Methoden der Staat gegen renitente Lehrer einsetzt, die ihren perversen Selektionsauftrag verweigern und statt dessen den Bildungsauftrag ernst nehmen … über den sonst intern alle ablachen:

Den Schulbehörden gefiel das gar nicht. Sie ordneten eine amtsärztliche Untersuchung der Lehrerin an. Zweck: psychologische Begutachtung und eventuelle Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand – „aus Fürsorge“.

Den Psychotest überstand Czerny mühelos. Aber als ihre vierte Klasse bei Arbeiten hintereinander einen Notenschnitt von 1,8 und 1,6 errang, wurde es den bayerischen Behörden endgültig zu bunt. Sie versetzten die Lehrerin an eine andere Schule – weil, so die amtliche Begründung, „der Schulfriede nachweislich und nachhaltig gestört“ sei.

Der Schulfrieden? Die ungestörte Selektion und künstliche Bildung einer „dummen“ Unterschicht. Das manche von denen, die per Lehrerwillkür zum sozialen Abschaum deklariert werden, sich umbringen, weil sie keinerlei Chance auf ein Hartz IV-freies Leben haben, wird kaltblütig einkalkuliert. Wer von den Lehrern nicht pariert, wird zwangspsychiatrisiert  … oder eben einfach versetzt. So lange aus seinem Lebensmittelpunkt herausgerissen, bis er die Lektion verstanden hat: er soll die Grundversorgung des Feudalstaates mit Schichten sicherstellen. Psychiatrie als Waffe des Staates zur Disziplinierung seiner Diener: Stalin läßt grüßen – aber Kommunismus bleibt verboten?

Wir schreiben das Jahr 2016. Nach wie vor müßte ich den Schuldienst (wie auch den Wehrdienst) aus Gewissensgründen verweigern, habe aber kein Problem damit, freiberuflich an einem Institut Kinder zu unterrichten … das geht ganz ohne Noten, muss aber von den Eltern selbst bezahlt werden. Selektion ist kostenlos, Bildung zur Verbesserung von Fähigkeiten muss bezahlt werden.

Woran ich manchmal denke? An meine Schulzeit. Es waren kaum Lehrer, die uns unterrichteten, wir hatten Fachwissenschaftler von der Universität. Später sollte ich dann lernen, dass Fachwissenschaftler an Schulen nichts zu suchen hätten (die erste richtungsweisende Anweisung meiner „Fachleiter“), dort bräuchte man „Lehrer“, die nach wie vor nur eine sehr mangelhafte theoretische Ausbildung im Fach Pädagogik haben … aber mehr Praxiserfahrung bekommen sollen: Selektionspraxis, damit ihnen von vornherein klar wird, dass es ihre Aufgabe ist, die kaiserliche Drei-Klassen-Gesellschaft im Auftrag der Oberschicht mit Personal zu befüllen … also vor allem: jene zu bestimmen, die lebenslang Unterschicht sein müssen. Und das in einer Demokratie, die über siebzig Jahre alt ist!

Dass solche Ungerechtigkeit Kindern den Lebenswillen nehmen kann: wen interessierts?

Doch dies wird nicht in Betracht gezogen, wenn man – wie aktuell eine Bertelsmannstudie zeigt (siehe t-online) – die Bildungschancen von „Hartz IV-Kindern“ beurteilt. Lehrer werden halt vom Staat gezwungen schlechte Noten zu vergeben – also vergibt man die doch lieber an jene, deren Familien sowieso schon am Boden liegen, die keinen Anwalt bezahlen können, um sich gegen Willkür zu wehren. Und als geheime Rechtfertigung vor sich selbst baut man sich Mythen über die „Hartzer“ …  Mythen, die den Bildern von NS-Publikationen über Juden gleichen …. womit keiner ein Problem hat, auch, weil es kaum noch einer kennt.

Verstehen Sie, warum dieser „Lehrer“ ein Makel für meinen Lebenslauf ist – und Verrat an allem, für was ich in meiner Jugend stand? Mit dem Regional- und Verkaufsleiter in der Pharmaindustrie kann ich offen leben … den Makel „Lehrer“ kann ich mir kaum verzeihen. Zwar habe ich vierzig Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (und selbst sieben Kinder – im Umfeld des Jüngsten durfte ich erfahren, dass viele in seiner Klasse massive Ängste haben, weil es ab der dritten Klasse Noten gibt), bin aber völlig ungeeignet für Selektionsmaßnahmen.

Und vielleicht verstehen Sie dann auch, weshalb ich massiv gegen den jetzt immer früheren Zugriff es Staates auf die Kinder bin, die nun schon ab dem ersten Lebensjahr von Staatsdiener formatiert werden sollen(siehe Editionf): die Selektion findet nur früher statt, die Erfahrung bedingungsloser Liebe – zentraler Faktor für die gesunde Entwicklung von Kindern vom 1. – 6. Lebensjahr können Staatsdiener nicht besser als Eltern vermitteln – erst recht nicht bei Hordenbetreuung mit knappen Personal.

Und unnütz ist es sowieso: es besteht für die Lehrer später Selektionspflicht – selbst in einer Klasse von Genies sorgen Rektor und Ministerium dafür, dass ein Drittel in der Gosse landen – damit es den Lehrerkindern gut geht.

PS: jenes dreibändige Werk über Verhaltensstörungen bei Lehrerkindern, welches unser Ausbildungsleiter den Eltern unter uns Junglehrern empfahl, finde ich leider nicht mehr wieder. Schade – das hätte ich gerne, habe aber völlig vergessen, wie es hieß – und das Internet schweigt dazu. Vielleicht auch: tabu. Wäre aber hoch interessant … denn da gab es viel zu finden.

PS 2: 98 Prozent aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach Absolvierung der Schule … sind es noch zwei Prozent, so der Neurobiologe Gerald Hüther in dem Film Alphabet. Warum solche Erkenntnisse nicht zur kompletten Umänderung unseres Schulwesen führen, dürfte nun jeder verstanden haben.

PS 3: Warum ich diese Schrift unter der Kategorie „Politik“ ablege … nun, das denken Sie sich bitte selbst. Wir sind ein Nachdenk- und kein Vorkaumagazin.

PS 4: das es anders geht, zeigen britische Privatschulen (teuer!), wo Kinder zur Höchtsform auflaufen können, die an deutschen Gymnasien aussortiert wurden: das durfte ich selbst beobachten. Der Unterschied: Lehrer unterrichten nur, konzentrieren sich auf die Ausbildung von Fertigkeiten und Fähigkeiten – aber sie benoten nicht. Das machen andere. Sind die Noten zu schlecht … braucht der Lehrer eine neue Anstellung, weil er zu wenig geleistet hat. Gut für (reiche) Eltern, Schüler und Gesellschaft … schlecht für Lehrer, die bei uns eine respektable Abordnung im Bundestag sitzen haben: sie stellen die zweitgrößte Berufsgruppe (siehe statista) … im Geiste der Selektion. Noch Fragen zu Hartz IV?

 

 

 

Eure Bildung kotzt mich an

Da machen sich SPD, CDU, CSU, Grüne, die öffentlich-rechtlichen Medien sowie die Printmedien, DGB, Bertelsmann-Stiftung, Zentralrat der Juden usw. mit ihren Schnüffelnasen auf, um die geistigen Brandstifter, die zum Beispiel hinter der PEGIDA stehen, zu suchen – klasse oder?

Was für ein Aufschrei …

Leiden die alle an Realitätsverlust? Wo war denn zum Beispiel der Zentralrat der Juden, als man die Agenda 2010 einführte. Über zehn Jahre wurde hier an einem Süppchen gekocht, das mehr als nur Ähnlichkeit mit der Verfolgung der Juden hat: Reiseverbot, Beschlagnahmung des Vermögens, Verlust der Unantastbarkeit des Wohnraumes, Vertreibung aus Wohngebieten mit “ordentlichen” Bürgern, regelmäßige Meldepflicht, Bedrohung mit Hunger oder Zwangsumsiedlung … alles schon mal da gewesen. Sicher, wir haben noch nicht 1941. Aber schon 1934. Wie lange kann man Menschen demütigen, bis sich ein Ventil gesucht wird?

Von allen oben genannten Institutionen und Parteien wird von oben herab auf eine verächtliche Art und Weise der Boden für Ressentiments vorbereitet, der nicht nur unerträglich, sondern widerlich ist – Hartz IV Empfänger sollen Ratten jagen, ihre Organe zum Kauf anbieten, wie gefährlich ist der Islam, Papst contra Mohammed, zu viel Ausländer usw. Der investigative Journalismus ist zu einer „Bussi-Bussi-Gesellschaft“ verkommen. Da werden gescriptete TV-Sendung mit dem Anspruch der Wahrhaftigkeit – kostengünstig produziert um sämtliche Vorurteile der Mittelschicht zu bedienen – um daraus dann ihr politisches Kapital zu schlagen.

Diese „bildungsnahe“ Schicht schämt sich noch nicht einmal, das Wort „bildungsferne“ Schicht in den Mund zu nehmen und artikuliert lautstark, dass man dieser Schicht den Hahn zu drehen müsse, denn nur ein ungeborenes Kind aus diesem Milieu ist auch ein gutes Kind – denn es würde einem schon keinen Baseballschläger über den Kopf schlagen. Öffentlich-rechtliche Sendeformate wie zum Beispiel das „Philosophische Quartett“ unter der Leitung Peter Sloterdijk gibt den geistigen Brandstiftern eine Plattform. Sendeformate dieser Art, die mit angeblichen philosophischem Anspruch daher kommen, verpacken ganz geschickt eine Hetze, die an vergangenen Zeiten anknüpfen.

Die Pyromanen haben das Grundgesetz niedergefakelt und nun streifen sie sich den Feuermannsanzug über – welch eine Farce.

Ein Lob der Arbeitslosigkeit

Ein Lob der Arbeitslosigkeit

Montag, 4.11.2013. Eifel. Wieder Montag. Ist ihnen schon mal aufgefallen, worin die Hauptkritik arbeitender Menschen an Arbeitslosen besteht? Noch nicht? Mir schon – gestern. „Die haben alle einen Flachbildschirm!“. Cool, oder? Mir persönlich würden andere Kritikpunkte einfallen, die meinen Neid entfachen. Die haben endlos Zeit, Bücher zu lesen. Die können ausschlafen, lange Wanderungen in der Woche unternehmen, haben Zeit für Yoga, Mediation, Kontemplation und vor allem: ganz viel Gelegenheit, selbst langwierige und komplizierte Gedankenstrukturen zu entfalten, ohne das Kunden oder Chefs diese mit dämlichsten Einwürfen stören. Die können sich selbst finden – oder Gott -, sich in einem Tempo fortbilden, das kein Arbeitnehmer mithalten kann und sich in Themenbereiche so tief einarbeiten, wie es sonst nur Akademikern im Elfenbeinturm möglich ist. Sie können die ganze Welt des Internet mit Worten füllen und so am politischen Meinungsbildungsprozess aktiv teilhaben.

Von der Arbeitsfron befreit zu sein, kann einen enormen Gewinn für die ganze Gesellschaft darstellen – weshalb wir Politiker und Akademiker, Geistliche und Beamte, Polizisten und Soldaten, Journalisten und Ärzte, Richter und Rechtsanwälte von der Arbeit freigestellt haben (doch, das ist so. Die könnten doch ihre Berufe alle auch in der Freizeit ausführen, nachdem sie im Straßenbau, im Bergbau oder an der Ladentheke geknechtet haben): unsere ganze Kultur schätzt den enormen Mehrwert, den man aus arbeitsfreier Zeit generieren  kann.  Doch was kommt an Kritik?

„Die sitzen den ganzen Tag vor dem Fernseher – dem FLACHBILDFERNSEHER!“.

Mehr scheint der deutsche Arbeitnehmer nicht mehr vom Leben zu verlangen: ein Flachbildfernseher im Haus ist sein größter Genuss, sein Lebenssinn, Flachhirnprogramme zu konsumieren, sein Lebensinhalt – weshalb er den wahren Reichtum, der in Arbeitslosigkeit liegen kann, gar nicht schätzt … noch sieht.

Nur Arbeitslose haben noch die Chance, sich einen sicheren Weg durch die Nachrichtenflut zu bahnen und ihre Mitmenschen vor unangenehmen Entwicklungen zu warnen, die schnell verloren gehen. Schauen wir allein heute das Handesblatt an. Wussten Sie zum Beispiel, dass Wasser, Sport und Schlaf ungesund sein können – obwohl man uns oft genug das Gegenteil gepredigt hat (siehe Handelsblatt)? War ihnen klar, dass das ganze Gesundheitsgefummel, diese Vitamingeschichten, das Joggen, die Aquakur, die Gymnastik und die Superultramatratze alles Mumpitz sind bei dem, was wir unseren Körpern antun (siehe Handelsblatt):

In unserem Blut fließt Plastik

Durch die Luft, über die Haut und vor allem über die Nahrung nehmen die Menschen mehr Plastik denn je auf. Studien deuten drauf hin, dass Krebserkrankungen, Fettleibigkeit und Unfruchtbarkeit darauf zurückzuführen sind.

Jeder Busenblitzer von Lady Gaga erregt unsere höchste Aufmerksamkeit … während wir uns langsam in Bisphenolzombies verwandeln. Irre, oder?

Dafür zahlen wir einen hohen Preis – wie jetzt in Berlin (siehe Handelsblatt):

Berlin hat einer von Bürgern kontrollierten Stromversorgung eine Absage erteilt. Der Volksentscheid des Berliner Energietisches scheiterte am Sonntag knapp an zu wenig Ja-Stimmen, wie Landesabstimmungsleiterin Petra Michaelis-Merzbach am Abend mitteilte. Mit dem Volksentscheid sollten ein vom Land unabhängiges Stadtwerk gegründet und das Stromnetz zurückgekauft werden. Am Ende fehlten 0,9 Prozent der notwendigen Stimmen. 

Mit genügend Arbeitslosen wäre das nicht passiert. Die hätten sich genügend informieren können, die wären in der Lage gewesen, die Tragweite der Entscheidung zu begreifen: ohne Energie keine Souveränität, ohne Souveränität keine Demokratie. Das wäre ein wichtiger Schritt gewesen – nun hat die große Koalition ihren ersten Sieg davon getragen: die große Koalition oder die „Kein-Bock-Wohlstandsblasenlandsmannschaft“, die meint, wenn ihr persönlicher Lieblingsserienheld seinen Traumjob in der angesagten Werbeangentur bekommt, kann es mit der Welt doch gar nicht so schlimm aussehen.

Mit dieser Ansicht haben diese Menschen ja sogar Recht: solange das „sprechende Bild“ Serienschmarn am laufenden Band wiederholt, sollte man nicht meinen, dass irgendetwas Wichtiges vor der Tür passiert.

Das passiert aber trotzdem – und damit das seine Wahlentscheidung nicht beeinflusst, sieht man zu 99% inhaltslose Füllmasse im TV, die man nur mit Alkohol ertragen kann – was man aber auch weiß, denn die Arbeitslosen sitzen ja immer mit dem Bier in der Hand vor dem Fernseher … so klagt jedenfalls die deutsche Mobbingpresse – so, als hätte man eine andere Wahl. Schon mal Privatfunk nüchtern gesehen? Erinnert an LSD-Trips: alles bunt, nackt, durcheinander und völlig sinnfrei. Darum hängen die Leute auch davor und kommen nie wieder weg: sie können einfach nicht glauben, was sie dort sehen.

Und der größte Neidfaktor des normal arbeitenden Menschen aus dem bildungsfernen Sektor ist eben die Tatsache, dass die Arbeitslosen eventuell ja den ganzen Tag diesen geistigen Müll in sich aufsaugen dürfen, während man selber nur vier Stunden davon abbekommt.

Wie tief ist dieses Land eigentlich gesunken?

Gar nicht, will man dem Handelsblatt weiter folgen. Es scheint im Gegenteil wieder zu groß zu werden:

Seit über drei Jahren wird in den Krisenländern der Eurozone gegen das Spardiktat demonstriert. Die Proteste richten sich gegen eine (Austeritäts-)Politik, die nicht nur als falsch, sondern auch als fremdbestimmt wahrgenommen wird. Die Demonstranten vermuten, dass die wichtigen Entscheidungen nicht in Athen oder Lissabon, sondern allenfalls noch in Brüssel, vor allem aber in Berlin getroffen werden.

Die Lage wird ernst für die Flachbildschirmfantrupp, die sich der Tatsache stellen muss, dass Busenblitzer keine Probleme lösen. Da werden sogar wieder große, böse Bilder gezeichnet:

Sie transportieren die Botschaft, dass die Deutschen heute mit ökonomischen Mitteln nachholen, was ihnen damals militärisch nicht gelungen ist: die Dominanz über Europa zu erringen. Solche Vorwürfe werden nicht nur auf der Straße geäußert. Auch der ungarische Ministerpräsident Orban sprach im letzten Mai davon, dass Deutschland „schon einmal“ Panzer in sein Land geschickt habe.

Das Vierte Reich wird nicht nur im Inneren wahr genommen. Solche Töne sind sehr bedenklich – erst Recht, wenn man bedenkt, dass wir nur noch am Tropf des Exportes hängen und uns einen schlechten Ruf im Ausland gar nicht mehr leisten können.

Den haben wir aber schon weg – auch in den USA (siehe Handelsblatt):

US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schaltet sich in die Debatte um den deutschen Exportüberschuss ein – und verteidigt die Kritik daran. Deutschland schade dem Wachstum der Weltwirtschaft.

Deutschland erobert nicht nur Europa, es schadet der ganzen Welt. Eine solch´ schlechte Presse hatten wir das letzte mal 1942. Auch die Staatsverschuldung war damals ähnlich hoch.

Der Bericht platzte mitten die erhitzte Diskussion um die Bespitzelung der Bundeskanzlerin und vieler anderer Spitzenpolitiker weltweit durch den US-Geheimdienst. Entsprechend scharf war die Reaktion aus dem politischen Berlin auf den Bericht. Der Überschuss sei Ausdruck der hohen Nachfrage nach deutschen Qualitätsprodukten.

Nun – die Nachfrage nach deutschen Qualitätsprodukten ist unter anderem deshalb so hoch, weil Deutschland Niedriglohnland geworden ist – und weil der Euro deutsche Produkte sehr billig gemacht hat. Allerdings dürfte die Reaktion der Bundeskanzlerin nicht nur deshalb so scharf (und falsch) ausgefallen sein, Krugman spricht ein anderes, viel peinlicheres Thema an:

Seine Exportstärke und die damit verbundenen exzessiven Leistungsbilanzüberschüsse führten zu deflationären Tendenzen im Euroraum und weltweit. Deutschland müsse das heimische Wachstum stärken und die Exportabhängigkeit verringern.

Über das heimische Wachstum haben wir schon berichtet: außer den Preisen steigt in diesem Lande nichts mehr, die Binnenkonjunktur liegt seit Jahrzehnten am Boden. Deutschland geht es prächtig – aber immer weniger gehören dazu. Richtig fett werden hier nur wenige – die wenigen aber kann man nur noch zu Tagungen rollen.

Die antideutschen Sprüche im Ausland gelten dem ganzen Land – dabei ist es nur eine kleine Clique, die für die Misere verantwortlich ist. Der Deutsche an sich begrüßt weder den Sozialabbau, noch die Kriegseinsätze im Ausland, er erfreut sich nicht an seinen Billiglöhnen oder den Luxuspreisen für Nahrungsmittel, Benzin oder Medikamente, noch jauchzt er vor Glück über die neue Autobahnmaut, mit der er seine lange von Steuergeldern abbezahlten Straßen noch einmal bezahlen kann (siehe Handelsblatt). Eben so wenig dürfte er glücklich darüber sein, in einer Bananenrepublik zu leben, in der sogar die alt-ehrwürdige Debeka zur Beamtenbestechung neigt, um sich einen wirtschaftlichen Vorteil zu sichern (siehe Handelsblatt).

Der „Leistungsträger“ sonnt sich im Ritterschlag der Lumpenelite, während das Ansehen seiner Heimat ebensolche Tiefstände erreicht wie der Wohlstand seiner Mitmenschen. Sympathie fühlt er nur noch mit der Macht – der Supermacht, siehe Handelsblatt:

In der Beliebtheitsrangliste Europas rangiert Amerika derzeit ganz weit hinten, irgendwo zwischen weißem Hai und Kettensägenmassaker. Monstergleich werden die USA verteufelt, und man traut ihnen alles zu: vom Abhören des Kanzlerhandys bis zum Ruinieren des Weltklimas, vom Big-Data-Krakengriff bis zum wahllosen Drohnenkrieg.

Ein seltsamer rhetorischer Trick, auf den hier zurückgegriffen wird: wir trauen den Amerikanern nicht alles zu – wir wundern uns nur darüber, was sie sich alles trauen. Sie ruinieren das Weltklima, hören das Handy der Kanzlerin ab, führen einen gigantischen Datenkrieg gegen die zivilisierte Welt und terrorisieren schwächere mit einem schrankenlosen Drohnenkrieg.

Doch hinter den großen Klagen über die Verteufelung der USA in Deutschland steckt eine ganz böse, bittere Erkenntnis über unsere Wirtschaft, eine Erkenntnis, die uns überhaupt nicht in den Kram passen sollte:

Die Klage über die neue Macht Amerikas ist darum in Wahrheit die Selbstanklage der eigenen Ohnmacht. In der gesamten modernen Digitalindustrie haben wir gegenüber Amerika einfach jämmerlich verloren. Wir stehen da wie die Wilden vor Kolumbus und bestaunen die digitalen Glasperlenspiele mit großen und nun eben meckernden Mündern.

Das Ergebnis der Arbeit der deutschen Lumpenelite? Wir können nur noch durch Korruption, Ausbeutung, Währungstricks und Zwangsabgaben mithalten, in Wahrheit hat unsere Wirtschaft (die deutsche und die europäische) den Schuss nicht gehört.

Umso bedrohlicher das dunkle Bild, das aus dem Ausland heraufzieht: der eingebildete Riese ist in Wirklichkeit ein kleiner, aufgeblasener Zwerg, der im 21. Jahrhundert keine Leistungen mehr erbringt, die zukunftsfähig sind – aber er führt sich auf wie Julius Cäsar in Gallien.

Die USA können sich Diskussionen darüber leisten, ob man lieber die Malaria bekämpfen oder das Internet weltweit ausbauen soll (siehe Handelsblatt, Bill Gates im Disput mit Mark Zuckerberg), während Deutschland in der neuen Bildzeitung darüber nachdenkt (falls man das überhaupt denken nennen kann), wer die neue Kommissarin im Tatort gewesen sein kann.

So ruht der Deutsche im Dämmerschlaf – und nur der Herr Snowden rettet seine Haut. Ohne ihn wäre das Freihandelsabkommen mit den USA wohl nicht in Gefahr, jetzt erst wird ein Stop der Verhandlungen gefordert (siehe Spiegel). Für die deutschen Bauern die letzte Hoffnung – gegen den hochsubventionierten US-Agrarmarkt hätten sie keine Chance. Aber auch die anderen dürften – jenseits der vielversprechenden Zahlen – ziemlich drum dreinschauen, wenn sie merken würden, wie der neue Supermarkt in ihr Leben eingreift. Die Mexikaner können ein Lied davon singen, siehe Quetzal-Leipzig.

Was für die Firmen wirtschaftlich sinnvoll ist, hat für die ArbeitnehmerInnen deutliche Schattenseiten. Zwar gibt es hier die im Rest des Landes rar gesäten Arbeitsplätze, aber die Beschäftigungsbedingungen sind oft schlecht. Wochenarbeitszeiten von 60 Stunden sind keine Seltenheit. Sicherheits- und Gesundheitsstandards sind niedrig, und die Bildung von Gewerkschaften wird unterbunden oder findet gar nicht erst statt.

Kommt die Freihandelszone, konkurrieren wir mit diesen Mexikanern. Siemens lässt da jetzt schon produzieren … und die ganze Welt wird jubeln, wenn es den Deutschen dann so richtig hart trifft.

Wer aber hat noch Zeit und Muße solche Entwicklungen zu beobachten, die Informationen zu sondieren, abzugleichen und ein Bildungsniveau aufzubauen, dass geeignet ist, die vielen Facetten der Fakten aufzuzeigen? Wer schafft es überhaupt noch, täglich genügend Zeit aufzubringen, um sich „auf dem Laufenden zu halten“?

Keiner, der Arbeit und Familie hat.

Anstatt auf Arbeitslose zu schimpfen, weil die unter Umständen auch einen Flachbildfernseher haben (wenn auch sonst nichts – wirklich gar nichts) täten wir gut daran, etwas mehr Arbeitslosigkeit für uns selbst zu fordern. Es gibt momentan eine ganze Reihe wichtiger politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen, um die wir uns dringender kümmern müssen als um die Reflexionen der Talkshows der letzten Woche, um den Büroalltag mit Pseudomeinungen füllen zu können.

Der ganz große Rahmen zeigt sogar, dass es ziemlich finster für den deutschen Arbeitnehmer und RTL-Fan aussieht, weil die deutsche Wirtschaft in der Tat so gut wir gar nichts Nützliches mehr produziert, während die US-Wirtschaft aktiv Zukunft in großem Stil gestaltet.

Was machen wir aber mit diesem kostbaren Faktor Arbeitslosigkeit? Nutzen wir ihn produktiv?

Nein – wir wählen die altdeutsche Lösung: Druck, Zwang, Essensentzug. Anstatt Utopien zu entwerfen, machen unsere Arbeitslosen Bewerbungstraining … und einen entwürdigenden, demotivierenden Niedriglohnsektor samt schwacher Gewerkschaften überhaupt erst möglich.

Und das einzige, was dem deutschen Vollmalocher dazu noch einfällt, ist:

„Wenn die auch noch alle einen Flachbildschirm bekommen, dann drehe ich durch!“ – was aber seine Enkel nicht davor beschützen wird, dass sie in Zukunft ihr (äußerst karges) Brot damit verdienen werden, für Vietnamesen, Nigerianer und Bolivianer Hemden zu nähen.

 

 

 

 

 

 

Wegen Bildungspaket – Sachsens Kommunen streichen Sozialleistungen

Das Bildungspaket ist noch lange nicht bei den bedürftigen Familien und deren Kinder angekommen, da droht schon von Seiten der Provinzpolitiker aus Sachsen neues Ungemach.
Wie die Dresdner Morgenpost am 24.04.2011 berichtet, kürzen und streichen die Kommunen in Sachsen bereits beschlossene und in Kraft gesetzte „Subventionen“ wie zum Beispiel bei der Schulspeisung in den Städten, die Landkreise die Schülerbeförderung.
Die Kommunalpolitiker sind der Ansicht, dass mit Einführung des Bildungspaketes und bereits vorhandenen Sozialleistungen, eine doppelte Unterstützung besteht und dies sei wahrscheinlich als rechtswidrig anzusehen. Ob diese Vermutung der Rechtswidrigkeit zutrifft, ist weder geprüft noch mit Fakten hinterlegt. Das hält jedoch die Kommunen nicht davon ab den Rotstift anzusetzen.
So hat die Stadt Waldheim bereits die Rücknahme der Schulessensförderung beschlossen und das rückwirkend zum 1. März.
Noch schlimmere Auswirkungen könnte das Bildungspaket für bedürftige Familien und deren Kinder in den Sachsen Städten haben.
Zwickau und Markneukirchen hatten,vor den Bildungspaket, die Kosten der Schulspeisung von der Kommune bereits komplett übernommen und nun wieder nach Einführung des Bildungspaketes einkassiert. Man wolle erst mal die Entwicklung beobachten. Auch aus anderen Städten, Kommunen sowie Landkreisen sollen die Provinzpolitiker mit „Hochdruck an Kürzungen von Hilfeleistungen“ arbeiten. Das würde für einige arme Familien und deren Kinder zur Folge haben, dass mit der Einführung des Bildungspaketes, sogar weniger Geld übrig bleiben könnte.
Es gibt aber auch Gewinner, dieser vorgesehenen Sparmaßnahmen der Kommunen.
Dies sind Familien welche gut verdienen. Ursprünglich sollten diese nämlich einen höheren Anteil an der Schülerbeförderung zahlen. Dies wurde jetzt um ein Jahr verschoben, da die Bundesförderungen nun mit einkalkuliert werden müssen.
Ein gutes Beispiel, wer GEWINNER und VERLIERER ist !

Frank Ullrich
Dresdner Sozialwacht

Das Guttenberg-Plagiat und seine Folgen…

…einmal detailiert aufbereitet (*) :

Gaddafiuttenberg klammert sich an seine bröckelnde Macht
Der Diktator Kriegsminister ist da, doch die Kontrolle über sein Land scheint er längst verloren zu haben. Während Libyen die Plagiatsaffaire immer stärker außer Kontrolle gerät, zeigt sich Muammar al Gaddafi Guttenberg in einem wirren Kurzauftritt im Fernsehen. Er will an seiner Macht festhalten.

22. Februar 2011

Die libysche Führung Der gegelte Sunnyboy der schwarz-gelben reGIERung verliert zunehmend die Kontrolle über die Lage in ihrem im Land. Aus Protest gegen die Gewalt der Sicherheitskräfte gegen Regierungsgegner distanzierten sich am Montagabend weitere Diplomaten von dem Regime. Soldaten weigerten sich, weiter auf Demonstranten zu schießen. Der libysche Diktator Muammar el Gaddafi mühevolle Kleinarbeit des GuttenPlagWiki machte der entdoktorisierte Kriegsminister in einem wirren Fernsehauftritt deutlich, dass er freiwillig die Macht nicht abgeben werde.

Die Lage in dem für die von ausinländischen Medien abgeschotteten (1) nordafrikanischen Land berufliche Niete ohne Nadelstreifen (2) spitzt sich weiter zu. Ungeachtet der Versuche von regimetreuen Sicherheitskräften (3) und Söldnern (4), die Proteste blutig niederzuschlagen, weiteten diese sich weiter aus. (5) Mehrere Städte überparteiliche an der Objektivität der Wissenschaft und deren Ehre Interessierte vor allem im Osten Internet des nordafrikanischen europäischen Landes sollen inzwischen unter Kontrolle der RegierungsPlagiatsgegner stehen. In der zweitgrößten Stadt Bengasi Universität Bayreuth sollen ganze Militäreinheiten desertiert sein außerdem der Plagiatsvorwurf an den falschen Doktor ausgibig geprüft werden, wie die in Paris ansässige Internationale Menschenrechtsföderation Universitätsleitung (6) berichtet. Unterschiedlichen Angaben zufolge wurden seit Beginn der Proteste Plagiatsforschung vor weniger als einer Woche bis zu 400 Menschen getötet rund 73 % der Doktorarbeit als Plagiat enttarnt.

Das Ende des Regimes fränkischen Barons scheint nah

Berichte des arabischen Fernsehsenders El Dschasira der Medien, wonach die Luftwaffe Demonstranten in Tripolis und Bengasi Zivilisten in Kunduz angegriffen habe, wies Gaddafis Sohn Seif el Islam Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, genannt Xerox (7), allerdings auch schon zurück. Die Streitkräfte hätten Munitionslager gestohlene Tanklaster bombardiert, die weit außerhalb bewohnter Stadtgebiete lägen, aber keine Städte Zivilisten, wurde er vom StaatsfFernsehen zitiert. Aus Protest gegen die Gewalt Opel zu retten, kündigten mehrere Mitarbeiter der libyschen UN-Vertretung in New York Gaddafi die Gefolgschaft Gutti ja seinerzeit auch schon mal den Rücktritt an. In einer Erklärung riefen verharmloste der Kriegsminister nun in Kelkheim vor CDU-Publikum erneut die gegen Ihn gerichteten Plagiatsvvorwürfe sie die libysche Armee auf, den Revolutionsführer und sein Regime zu entmachten. Nach Auffassung des stellvertretenden UN-Botschafters Ibrahim Dabbaschi Spiegel-Online ist das Ende des Machthabers nur noch eine „Frage von Tagen“.

Dabbaschi und seine Kollegen Jürgen Kaube von FAZ-Net forderten indirekt, Gaddafi Guttenzwerg wegen der von ihm zu verantwortenden Verbrechen zusammengeglaubten „Doktorarbeit“ vor den Internationalen Strafgerichtshof von allen Ämtern zu bringen entbinden. Sie Erwarfen ihm unter anderem ?Völkermord? „aufwendige und liebevoll hergestellte Täuschung“ (8) an seinem eigenen Volk vor. Zuvor hatte bereits der einflussreiche katarische Theologe Scheich Jussef El Kardawi der Bremer Staatsrechts-Professor Andreas Fischer-Lescano das Plagiat des die libysche Armee zur Ermordung ihres Oberbefehlshabers aufgefordertdeckt.

Nach hartnäckigen Gerüchten, Gaddafi Super-Gutti habe das Land bereits verlassen und sich nach Venezuela Afghanistan abgesetzt, brach der 68 39-Jährige sein tagelanges Schweigen und meldete sich

Fernsehen selbst zur Wort: 22 Sekunden lang. Er wolle damit zeigen, dass er sich noch in Tripolis befinde und nicht in Venezuela möglicherweise kleine Fehler geleeistet habe, mehr aber auch nicht, sagte er in einer ?Live? Aufzeichnung-Übertragung aus seiner Residenz, bevor er in einen Wagen stieg, um nach eigenen Angaben ?die Jugend auf dem Grünen Platz? die Angelegenheit in kohlscher Manier auszusitzen zu besuchen.

Internationale Proteste

Im Ausland nimmt die Empörung über die zügellose Gewalt Dreistigkeit gegen die Demonstranten Wahrheit und Doktorenehre weiter zu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte für Dienstagmorgen (Ortszeit) eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats Das SchweizMagazin äußerte sich kritsich zur Lage in Libyen ’schlaaaaaaaaaaaaaaaaaaaand (9) angekündigt. Er habe selbst vierzig Minuten lang am Telefon mit Gaddafi gesprochen, sagte Ban in Los Angeles. Dabei habe er den Machthaber aufgefordert, die Gewalt zu beenden sowie die Rechte der Demonstranten zu respektieren. Auch die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton forderte die libysche Führung auf, das ?nicht hinnehmbare Blutvergießen? sofort zu beenden.

Fast alle EU-Staaten raten ihren Bürgern inzwischen von Reisen nach Libyen ab zu Doktortiteln aus Bayreuth. Mehr und mehr Länder planen zudem die Evakuierung generelle Nichtanerkennung aller Doktortitel von Staatsbürgern aus dem nordafrikanischen L ’schlaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaand. Ausländische Unternehmen ziehen stellen bereits die Doktorwürden ihres teutschen Personals aus Libyen Bayern in Frage ab. (Quelle)

(1)

Während die Hauptstadtjournalisten auf den Verteidigungsminister warteten, verlas Guttenberg seine Erklärung zu den Plagiatsvorwürfen nur vor „ausgewählten Journalisten“. (…) Einen ähnlichen Eklat hat es in der über 60-jährigen Geschichte der Bundespressekonferenz noch nicht gegeben. Aus lauter Ärger über das Verhalten von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verließen mehrere Dutzend Hauptstadtkorrespondenten am Freitag unter Protest die Regierungspressekonferenz. Zurück blieben die verdutzten Sprecher von Kanzleramt und Ministerien. (Quelle)

(2)

vgl. diesen

target=“_blank“>ZAPP-Bericht

(3)

Horst Seehofer, einer der letzten großen Ironiker der deutschen Politik, verkneift sich an diesem Montag jede noch so kleine Doppeldeutigkeit. „Ich habe ihm gesagt: ‚Du hast meine volle Unterstützung‘. Das gilt und bleibt auch so„, beteuert Seehofer. Das sei keine Pro-Forma-Erklärung: „Wir stehen. Und wir bleiben. Gehen Sie davon aus.“ Und noch einmal, damit es jeder kapiert: „Der Karl-Theodor hat die Unterstützung seiner politischen Familie.“ Dann zieht er das entscheidende Wort in die Länge. „Und zwar un-ein-ge-schränkt.“ (…) Ist ein Rücktritt auszuschließen? „Ja, da habe ich keinen Zweifel„, sagt Seehofer. Um dann noch hinterher zu schieben: „Wenn Sie etwas anderes wissen, dann sagen Sie es.“ Die Sorge bleibt. (Quelle)

(4)

Erstellt wurde die Facebook-Seite mit dem Titel „Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg“ vom Mainzer Medienunternehmer Tobias Huch. Er sei zwar FDP-Mitglied, finde aber, dass Guttenberg als Verteidigungsminister einen „guten Job“ mache, sagte der 29-Jährige der Nachrichtenagentur dapd. Mit der Seite habe er seinen eigenen Unmut über die Berichterstattung der Medien und die Attacken aus der Opposition auf den Minister ausdrücken wollen. (Quelle)

(5)

Die SPD kündigte an, es werde eine Aktuelle Stunde im Bundestag zu der Affäre geben. Der SPD-Vorsitzende Gabriel verglich das Verhalten Guttenbergs indessen mit dem des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi. Es könne nicht sein, dass ein Medienstar Sonderrechte genieße, sagte Gabriel. Nach bisherigem Stand des Textvergleichs zwischen Guttenbergs Dissertation und ihren Quellen sind auf siebzig Prozent aller ihrer Seiten ein oder mehrere Plagiate zu finden.(Quelle)

(6)

siehe die Stellungnahme zur heutigen Berichterstattung über Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit der Dissertation von Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg durch Dekan Professor Dr. Markus Möstl

(7)

Karl Theodor Xerox Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Xerox, Name eines großen Kopiererherstellers und im Englischen auch als Verb für eben jene Tätigkeit gebräuchlich, wurde in einem Anfall von humorvollem Vandalismus in den Wikipedia-Eintrag eingefügt. Spiegel Online berichtet darüber heute genussvoll, in der History des Artikels über den Minister findet sich die Änderung jedoch nicht mehr. (Quelle)

(8)

Inzwischen ist bekannt, dass Proben auf jeder zweiten Seite eine hohe Erfolgschance hatten. Die Internetplattform „Guttenplag“ dokumentiert, dass auf 270 von 393 Textseiten unausgewiesene Quellen benutzt wurden. Wer sich Belege dafür anschauen will, kann es auch auf http://gut.greasingwheels.org/ tun. Die längste Lesestrecke, auf der sich bislang kein Plagiat fand, sind die Seiten 39 bis 44, wohingegen beispielsweise zwischen Seite 303 und 359 überhaupt nur drei Seiten ohne Plagiat sind. Das Vorgehen desjenigen, der diese Arbeit geschrieben hat, ist beispiellos in seiner Dreistigkeit. Sie setzt mit einem Plagiat aus einem Zeitungsessay ein, verwendet schon in der zweiten Fußnote Formulierungen aus der „Fischer Länderkunde Nordamerika“, schreibt aus Informationsbroschüren für politische Bildung ab und aus Lesebüchern der Politischen Philosophie, übersetzt amerikanische Aufsätze ohne Quellenangabe, grast durch „graue Literatur“ – also Manuskripte vor ihrer Drucklegung – und Vorträge im Internet und bedient sich aus Hausarbeiten von Studenten. Selbst in Abschnitten mit reiner Sachinformation fand der Autor dafür keine eigenen Worte, sondern lieh sich die Formulierungen aus Seminarreferaten unter hausarbeiten.de aus, um sie als die seinen auszugeben. So etwas ist kein „Fehler“.Denn wie strategisch dabei zu Werk gegangen wurde, zeigen Passagen, in denen aus einem Text erst ausgiebig abgeschrieben wird, um ihn anschließend für etwas anderes als die plagiierten Sätze zu zitieren. Oder, besonders frech: Man schreibt, ohne es zu sagen, einen ganzen Absatz aus einem Aufsatz ab, etwa dem von Michael Stolleis über „Europa nach Nizza“ und setzt ans Ende die Fußnote: „Ebenso Michael Stolleis, ,Europa nach Nizza‘“. Ja, genau: Stolleis sagt dasselbe wie Stolleis. Der Ausdruck „mühevollste Kleinarbeit“, den der Minister in seiner Erklärung zu dem Umständen seiner Promotion bemühte, passt. Eine so aufwendige und liebevoll hergestellte Täuschung findet man in der jüngeren deutschen Universitätsgeschichte nicht so leicht. Wer hier am Werk war, wusste, was er tat, und dass es nicht gestattet ist. (Quelle)

(9)

Auffallend ist nach wie vor sein Realitätsverlust und der Eindruck vollends die Kontrolle verloren zu haben. Erneut behauptete er, er hätte diese Dissertation selbst geschrieben und höchstens „an der einen oder anderen Stelle“ einen Fehler gemacht zu haben“. Die Flucht nach vorn ist misslungen und von und zu Guttenberg, der noch vor ein paar Tagen behauptete die Vorwürfe seien „absurd“, strauchelt wie ein schwer angeschlagener Boxer durch die Affäre die noch lange nicht beendet ist.Der Applaus, der ihm von den in Kelkheim versammelten CDU Mitgliedern gezollt wurde, muss für viele Deutsche erschreckend sein. Der Beifall zeigte wie weit der moralische Verfall der Partei bereits vorangeschritten ist. Lügen, Betrug, Unehrlichkeit, Unaufrichtigkeit und der augenscheinliche Hang zu Personen, die es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen, scheinen bei CDU/CSU eine Heimat gefunden zu haben. (Quelle)

(*) Der Autor gibt vorsichtshalber die noch nicht vorhandene Doktorwürde respektvoll zurück, da nicht auszuschließen ist, das es zu bedauerlichen Fehlern und Mißverständnissen gekommen ist, soweit es den obigen Artikel betrifft

„Bildung“…

…heißt das ultimative Zauberwort, sozusagen der heilige Gral, derjenigen, die meinen, hierzulande gehe es viel zu vielen noch viel zu gut und das auch noch aus eigener Schuld.

Bildung sei der einzig wahre Weg in die Zukunft, damit alles besser werde.

Bildung, Bildung, Bildung!

Abgesehen davon, das bereits heute im sog. Niedriglohnbereich gar nicht wenige „gebildete“ für nicht zum Leben ausreichenden Lohn abseits ihrer eigentlichen Qualifikationen schuften und viele dieser Tätigkeiten ja auch von irgendjemandem gemacht werden müssen…

Was wären denn die Auswirkungen einer umfassenden zukünftigen Bildung für alle und jeden..?

Genau – das Angebot würde sich erhöhen.

Das Angebot an besonders gut gebildeten und qualifizierten Arbeitskräften.

Und was passiert, wenn das Angebot steigt, während die Nachfrage nicht wirklich nennenswert wächst oder sogar stagniert..?

Richtig: der Marktpreis sinkt.

Die Folge von perfekter Bildung für alle wäre also letztlich leider, das der Niedriglohnbereich immer weiter ausgeweitet würde können.

Quintessenz: „Bildung“ ist eben kein Allheilmittel und keineswegs die ultimative Lösung aller Probleme, als die sie immer wieder gerne und realitätsfern verkauft wird – ob mit oder ohne Bewegungsmelder-Chipkarte a la Zensursula von der Leyen.

Bildung allein führt nur zu weiteren Problemen – sinkende Steuereinnahmen beispielsweise; also bleibt nur, die Suche nach dem Stein der Weisen aufzugeben und sich endlich an eine umfassende Problemlösung zu machen.

Wäre ja auch zu einfach gewesen…

Thomas Wieczorek, Oswald Metzger und das INSM: Bürgerkrieg in Deutschland 2010

Es gibt ja Bücher, bei denen sollte eine Leseempfehlung stehen: nur ab 18,  nur in Begleitung der Eltern, niemals mit gesundheitlichen Einschränkungen, auf gar keinen Fall mit Herzproblemen … denn die Lektüre kann tödlich enden.  Für Filme gibt es so etwas, aber für Bücher?

Dabei können Bücher genauso gefährlich sein – wie z.B. die von Thomas Wieczorek. Das sind so Werke, da greift man schon während der Lektüre nach der Muskete und will nach Berlin marschieren (…bis man merkt, das es zu Fuß ziemlich weit ist und Musketen im Flieger verboten sind) – wobei man ja in guter Gesellschaft wäre, denn Amerikaner, Russen, Engländer, Franzosen, Belgier, Holländer, Australier, Griechen, Polen, Neuseeländer, Marokkaner  und viele andere mehr sind ja auch schon mal nach Berlin marschiert.  Die hatten aber Panzer und eigene Flugzeuge.

Viele halten ja Thomas Wieczorek für einen Linken. Er selber nicht, wie er auf  „gute-Frage-net“ beschreibt:

Lieber Canifex, ich bin dieser Thomas Wieczorek und verstehe mich keineswegs als „Linken“, schon gar nicht im Sinne von Rot-Grün oder Linkspartei“, sondern als „radikalen Humanisten“ – sogar mit teilweiser Anlhenung an die „Bergpredigt“. Meine aktuellen Lieblingspolitiker sind Uwe Schummer (MdB) und Heiner Geißler – also CDU-Leute. Nun wird man natürlich gerade von den Leuten, deren Partei oder politisch-moralische Einstellung man angreift, als „linksradikal“ beschimpft – aber da muss man durch. Jedenfalls bemühe ich mich, anders als vielleicht Deine Lieblingsautoren – meine Aussagen möglichst akribisch zu belegen. Schöne Grüße Thomas Wieczorek Mail: wieczo72@t-online.de

Man kann ihm also auch persönlich schreiben und seine Meinung sagen. Was sich der gute Mann da alles anhören muss, möchte ich allerdings gar nicht wissen. Leute wie er leben gefährlich … er war mal bei der Bildzeitung.  Und hält die Republik für so verblödet, das er sogar ein Buch darüber geschrieben hat:

So wenig Niveau war nie! Selbst Qualitätsmedien berichten ausführlich und mit Hingabe vom Dschungelcamp oder Deutschland sucht den Superstar. Gleichzeitig dürfen von der Wirtschaft finanzierte Professoren auch in der Tagesschau dreist als unabhängige Experten auftreten. Ihre Phrasen werden uns als alternativlose Wahrheiten verkauft – während kritische Politsendungen im Nachtprogramm verschwinden. In seinem neuen Buch deckt Thomas Wieczorek die Auswüchse der allgemeinen Massenverblödung auf. Und er geht der Frage nach: Wird sie bewusst betrieben? Und von wem? Und mit welchem Ziel? Das Ergebnis seiner Recherchen ist Aufklärung im besten Sinne.

Quelle: Buchredaktion

Ich brauche das Buch nicht zu lesen um zu wissen, das die Verblödung bewusst betrieben wird.  Wer offenen Auges durch diese Republik zieht, sieht, das eine Superreichenelite und ihre Anhängsel gezielt politische Rückbildung auf breiter Front betreiben – mit Erfolg.  Und das Volk jubelt. Fühlt sich bestens unterhalten.  Römische Verhältnisse waren halt für die Zuschauer im Kolosseum ein Riesengaudi. Da wurden Langzeitarbeitslose noch von Löwen aufgefressen, da durfte man noch sagen: Das haben die verdient!

Heute macht man das subtiler….manche Dinge ändern sich eben. Wir bauen ja auch keine Belagerungstürme mehr, um damit Burgen zu erobern. Heute kommen die Opfer nicht ins Kolosseum, sondern ins Fernsehen, wo Supernannys,  Superputzfrauen und Superidioten sie in aller Öffentlichkeit bloßstellen, ebenso wie die verbrauchten Aussortierten der Unterhaltungselite nochmal im Dschungelcamp verheizt werden … und sich verheizen lassen um bloß noch ein einziges Mal im Rampenlicht stehen zu dürfen – wohl eine Sucht, die nur Medienmenschen verstehen können.

Man braucht auch die verblödete Republik um die Macht zu übernehmen. Sowas macht man heutzutage ja auch anders als früher. Früher marschierte man mit Musketen gegen Berlin, heute …. kauft man Medien. Wir leben in einer Demokratie, man braucht den König nicht mehr zu erschiessen, man kann ihn abwählen.  Ist insgesamt auch kostengünstiger und man kommt dafür nicht ins Gefängnis, wenn´s mal schiefgeht.

Nur in einer blöden Republik kann ein Verbund von Putschisten offen eine andere Republik fordern und mit beispiellosen Medienoffensiven und Wortverdrehungen Mehrheiten für sich aufbauen … Mehrheiten, die gar nicht mehr wissen, wofür sie da eigentlich stimmen.

Die INSM verfügt über eine breite Medienbasis, sogenannte „Medienpartnerschaften“:

Die INSM unterhält Medienpartnerschaften. Bisher gab es Medienpartnerschaften zwischen der INSM und der Financial Times Deutschland, der Wirtschaftswoche, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dem Focus, dem Handelsblatt und der Fuldaer Zeitung. Im Handelsblatt erschien zeitweise eine regelmäßige Kolumne des Kuratoriumsvorsitzenden der INSM, Hans Tietmeyer, und des KuratoriumsmitgliedsOswald Metzger.

Die Kooperation mit den Medien funktioniert ja auch aus Kostengründen sehr gut:

Die ARD-Sendung Monitor moniert „kritisch-selbstkritisch“ ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Journalismus und Public Relations (PR). [3] Der Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg sagte in dieser Sendung:„Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist höchst erfolgreich, weil es ihr gelungen ist, so einen neoliberalen Mainstream in den Medien durchzusetzen. Und das konnte auch leicht gelingen, weil die Medien kostengünstig produzieren müssen. Sie sind sehr darauf angewiesen, dass ihnen zugeliefert wird, hier gibt’s eine Lobby, die sehr wohlhabend ist. Das ist natürlich eine sehr, sehr problematische Geschichte, weil die Medien nicht das tun, was sie tun sollen. Die Journalistinnen und Journalisten fallen sozusagen aus der Rolle, weil sie nicht kritisch kontrollieren, weil sie die Interessen nicht transparent machen.“

Quelle: Wikipedia

So kann man also Meinungen kaufen … und das ohne große Anstrengung.  Dabei ist das Ganze nicht ungefährlich, denn: es sterben Menschen dabei.  In der Tat … Hartz IV überlebt nicht jeder. Das muß man in diesem Land noch  sagen dürfen.  Manche verhungern,  manche halten den Druck nicht aus, manche die Verachtung.  Es gibt noch keine Leichenberge … aber um die zu verhindern, haben wir ursprünglich die ganzen Geisteswissenschaften geschaffen. Weiß auch kaum noch einer.  Kriege … können im Handumdrehen alles vernichten was wir aufgebaut haben.

Die Väter des Grundgesetzes haben noch einen erlebt, sie wußten, wovon sie sprachen. Sie wußten auch, wie gefährlich ein verblödetes Volk ist – und haben deshalb sie Volksabstimmungen nicht vorgesehen. Aber je blöder das Volk wird,  umso lauter wird der Ruf nach Volksabstimmung.

Tödlich können auch die Forderungen des Oswald Metzger werden, die er momentan bei der INSM verbreiten darf.

Über Oswald Metzger habe ich ja schon mal was geschrieben, da möchte ich mich nicht wiederholen. Er ist so eine Art politischer Wanderpokal, von dem ich erwarte, das er bald bei der Piratenpartei auftaucht, weil ihn sonst keiner mehr haben will.  Ein Mann ohne abgeschlossene Berufsausbildung auf der ständigen Suche nach leistungslosem Wohlstand auf Kosten des Steuerzahlers, wäre er nicht bei der  INSM, wäre er ein Fall für die ARGE und den allseits beliebten Gabelstaplerfahrerschein.

Doch lauschen wir Metzger und dem INSM:

Die Demokratien in Europa befinden sich in einer Verschuldungsfalle – auch wir in Deutschland. In dieser Dekade muss Staatsverschuldung strukturell überwunden werden. Aber: Lassen Lobbys, Medien und wir Wählerinnen und Wähler es in der Demokratie überhaupt zu, öffentliche Leistungen einzuschränken, soziale Besitzstände zu reduzieren? Für die dringend notwendige nationale Konsolidierungsstrategie muss die Politik von einigen Lebenslügen Abstand nehmen, schreibt Oswald Metzger in einem Beitrag für den ÖkonomenBlog der INSM.

Schon diese Einstiegsformulierungen sind … ungeheuerlich.  Die gute wirtschaftliche Vernunft auf der einen Seite … die bösen Medien, Wähler und Wählerinnen auf der anderen Seite – heißt im Klartext: schafft die Demokratie ab. Sagen die ganz offen, ohne das die Polizei kommt.  Darum ist Verblödung zu wichtig für die.  Doch kommen wir zu Oswald selbst.  Was ist zu tun?

Der Staat muß weg. Bildung, Beamte, Rentner … alle müssen zur Kasse gebeten werden.  Vor allem das mit den Rentner geht nicht so weiter:

Hier geht’s um die höchste Einzelausgabe im Bundeshaushalt: 80,8 Milliarden Euro fließen dieses Jahr als Zuschuss an die Rentenversicherung. Die Großzügigkeit“ der Politik muss bezahlt werden von allen Steuer- und Beitragszahlern. Beispiel Rentengarantie. Während die Bruttoeinkommen sinken, bleiben die Renten verschont. Ergebnis: weniger Netto vom Brutto. Auch die Krankenversicherung wird zu einem Fass ohne Boden. Wer hier nicht handelt, treibt die Beitragszahler in die nächste Abgabenerhöhung. Arbeit wird teurer – und der Sozialstaat fetter.

Die Agenda 2010 wurde medial ähnlich vorbereitet.  Ein Jahr später wird das dann als „alternativlos“ akzeptiert.  Und da soll man nicht meinen, das man in einer verblödeten Republik lebt. Die Bürger werden gerade von einer gewissenlosen Clique verraten und verkauft, während sie den Superstar suchen, schaffen gewissenlose Lumpen ihre Rente beiseite….man muß schon schön blöd sein, um solche Prioritäten zu setzen.

Nun erwähnt Metzger auch, das Kapitalerträge und Erbschaften mehr besteuert werden sollten. Auch das … verwundert nicht.  Sind Renter,  Jugend und Beamte genügend ausgeplündert, bleibt für das Feigenblatt genug Geld über … falls es dann nicht wieder heißt: Leistung muß sich wieder lohnen.  Aber auch ansonsten: kommen die anderen Vorschläge politisch durch, wird die Inflation zurückgefahren und somit das Vermögen derjenigen, die zuviel  haben, automatisch geschont.

Also … die Rente ist fort.  Das sollte man schon mal überall verkünden.  Die Demokratie auch.

Es wird Tote geben … wie schon bei der Agenda 2010 … und diesmal werden es mehr werden. 20 Millionen Rentner, die am Hungertuch nagen?

Was tun wir nicht alles für den Aufschwung … des Oswald Metzgers. Und damit auch alles reibungslos klappt, schaffen wir gleich die Demokratie mit ab, denn … das das Volk zu blöde ist,  zu verstehen, was vor sich geht, meint ja neben Wieczorek auch das INSM.

Oswald Metzger hat über die bösen Bürger sogar mal ein Buch geschrieben:

Aufgrund langjähriger Erfahrungen im Politikbetrieb und anhand vieler Beispiele zeigt Oswald Metzger, dass es fast unmöglich geworden ist, in Deutschland notwendige Veränderungen durchzusetzen: weil in den Parteien der Opportunismus regiert und wir Bürger unbequeme Wahrheiten gar nicht erst hören wollen. Eine furiose Kritik an der herrschenden demokratischen Kultur – und ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Verantwortungsgefühl und Augenmaß in der Politik.

Oder der Ruf nach der Diktatur der wirtschaftlichen Vernunft gegen den Egoismus von Bürger und Partei.

Mir scheint, es herrscht Krieg in Deutschland. Bürgerkrieg. Es sterben auch schon Menschen …. obwohl nicht mehr geschossen wird. Es wird entwürdigt und erhungert.  Der politische Wille für die Todesstrafe bei Arbeitslosigkeit ist zu erkennen. Und das alles ist … alternativlos.

Die Fronten dieses Krieges laufen allerdings quer durch alle Parteien … dafür ist die moralische Zuordnung einfacher.

Die Guten gegen die Bösen sind diesmal: Humanisten gegen Plünderer.    Nochmal Thomas Wieczorek in der TAZ:

Was für ein Bild der führenden Elite haben Sie?

Es ist schwierig, Elite zu personifizieren. Wenn diese Leute erst einmal in einem System drin sind, dann haben sie relativ wenig eigene Entscheidungsmöglichkeit. Es sei denn, sie sind so ein Typ wie Obama. In der Regel arbeiten die Politiker aber für das System, und zwar auf eine Art, wie andere für Lidl jobben.

Sie meinen, die tauchen morgens auf, tun, was ihnen aufgetragen, und wollen am Monatsende ihr Geld aufs Konto?

Ja, und wie bei Lidl müssen sie genau wissen: Was darf ich sagen, um keinen Ärger zu kriegen. Das Hauptproblem ist, dass das meiste Geld bei uns verdient wird durch leistungsloses Einkommen. Die, die die Kohle abgreifen, die arbeiten gar nicht.

Und Ihre Gesamtthese ist: Die führenden Eliten leisten nichts und werden trotzdem bezahlt?

Innerhalb ihres Systems erfüllen sie ihre Pflicht. Die Frage ist, ob das System ein richtiges ist.

Da habe ich jetzt … keine weiteren Fragen,  merke nur … das wir vom blutigen Teil des Bürgerkrieges vielleicht gar nicht mehr weit weg sind.  Auf der Seite der Armen gibt es ja schon Tote – und eine Riesenzahl seelisch verletzter und durch gezielten Psychoterror emotional verkrüppelter Kriegsopfer, die ihres Lebens nicht mehr froh werden.

Wir sollten es  schon jetzt Bürgerkrieg nennen, damit auch dem Blödesten klar wird, das es ernst ist.  Wenn´s erst mal richtig brennt, ist´s  zu spät für den Rauchmelder.

Bildungsrepublik Deutschland, Mammonismus und Charakterbildung

Deutschland muß sich Gedanken über seine Zukunft machen. Dringend, sonst werden wir innerhalb einer Generation das Armenhaus Europas. Noch ist Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie und wo wir unseren Platz in einer globalisierten Welt finden wollen. Als Maurer und Klempner sind wir zu teuer. Schreinerei wird uns von Maschinen abgenommen sowie bald auch die Altenpflege. Maschinenbau wird ebenfalls bald von den Schwellenländern übernommen. Falls wir nicht eine Zukunft als Wanderarbeiter in Saudi-Arabien oder Dhubai ins Auge fassen wollen (kein Scherz: viele sind ja schon da) dann sollte man rechtzeitig die Notbremse ziehen und Ressourcen suchen, Spezialisierungen suchen, die uns wieder weltweit führend machen können. Oder aber wir werden das Volk, das – von der Eu dirigiert – sich gegenseitig für ein Euro die Stunde ein-Euro-Waren verkauft.

Wir haben da auch noch zwei. Die Ressource Sozialstaat und die Ressource Bildung, wobei letztere von aus billigst verramscht wird. Über die Ressource Sozialstaat schrieb ich schon. Die Ressource Bildung bedarf einer näheren Analyse, für die ich erstmal ins Kaiserreich zurückkehre, aus der unser jetziges Bildungssystem stammt.

http://www.petrakellystiftung.de/fileadmin/user_upload/newsartikel/PDF_Dokus/Bueb_Erziehung.pdf

„Die Moral unserer Jugend wurde und wird durch die offenbaren Missstände unseres
öffentlichen Lebens, die man in den kurzen Schlagworten: Mammonismus, Alkoholismus
(Nikotinismus) und Sexualismus zusammenfassen kann, besonders gefährdet. Diesen
Gefahren zu begegnen und diesen Notstand, in dem sich viele Familien und Kinder befanden
und noch befinden, abzuhelfen, wurde ich Erzieher und schuf mir, nach dem ich bereits an
verschiedenen Plätzen für diese Überzeugung gekämpft hatte, ein eigenes Wirkungsfeld.”
(Hermann Lietz, 1913).

Eine recht alte Aussage, knapp hundert Jahre alt. Und ich muß persönlich sagen: als Vater von vielen Kindern erfahre ich diese Gefahren durch eigene Kinder und durch ihre Freunde als immens. Wozu noch eine Ausbildung machen, wenn man doch als Superstar in einem Monat mehr Geld verdienen kann als Papa in zehn Jahren? Wozu Latein lernen, wenn es reicht, blöd zu sein und im Big-Brother-Container zu wohnen, um berühmt zu werden? Besser als Neil Postman kann man es glaube ich kaum beschreiben:

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute haben diese Erscheinungen eine neue
Dimension des öffentlichen und privaten Lebens erreicht, und zwar durch den Wandel zur
Informationsgesellschaft. Für jedes Kind und jeden Jugendlichen sind diese genannten
Phänomene über das Fernsehen und Internet zugänglich. Fernsehen und Internet werden
ihrerseits zu einer bedrohlichen Sucht.
Der amerikanische Soziologe Nell Postman hat ein bemerkenswertes Buch mit dem Titel
,,Das Verschwinden der Kindheit“ geschrieben Seine These lautet, dass Kindheit einen
Schutzraum vor der Welt der Erwachsenen darstellt, einen Schutzraum besonders vor ihrer
Sexualität, ihrer Gewalt, ihrer Korruption und ihrer Abhängigkeit vom Geld. Das Mittelalter
kannte diesen Schutzraum nicht. Kinder waren unmittelbar am Leben der Erwachsenen
beteiligt, sie genossen auch keinen Rechtsschutz. Erst die Neuzeit, vor allem das 19 und 20
Jahrhundert, haben die Idee der Kindheit als eines eigenen geschützten Erfahrungsraumes
erfunden und praktiziert.

Die Kindheit als geschützter Erfahrungsraum? Meine Kinder haben Gewalterfahrungen als erstes in der Schule kennengelernt. Meine und die Nachbarskinder. Die Täter? Zugewanderte Menschen. Alle ohne Migrationshintergrund, alle träumten den Traum vom schmucken Eigenheim, in dem man jederzeit stolz die „Supernanny“ empfangen konnte. Natürlich arbeiteten beide Eltern. Und natürlich … verwahrlosten die Kinder. „Verwahrlost“ im materiellen Sinne sahen eher die Dorfkinder aus (was mir das Leben dort so sympathisch machte): barfuß oder mit zerrissenen Strumpfhosen über die „Hauptstraße“ schlendern, Bollerwagen bauen, Mäuse jagen … alles ganz normaler Alltag.

Dann kamen die anderen, wie eine Invasion. Und auf einmal hatten wir Eltern ganz andere Probleme.
Sexfilme, Alkohol, Zigaretten, Drogen … alles für Zwölfjährige verfügbar. Und nach wenigen Jahren hatten diese Menschen … die Mehrheit im Dorf. Die Veränderung der soziokulturellen Normen waren deutlich zu erkennen. Auf einmal hatten wir, die wir niemals unsere Haustüren abschlossen und deren schlimmster Kriminalfall in zehn Jahren ein aufgebrochener Zigarettenautomat im Jahre 1995 war mit allen Formen von Kriminalität zu tun….und das alles völlig ohne Migrationshintergrund. Im Gegenteil, Hort der Asozialtität war: die gutbürgerliche Familie mit dem bunt angemalten freistehenden Einfamilienhaus.
Opfer: die Bauernkinder – in erster Linie. Sie, von deren Arbeit wir alle leben, kamen mit den neuen normen – Handy, PC, Playstation – nicht mehr mit … und hatten auch gar kein Interesse daran. Ihr eigenes Leben war viel reichhaltiger, vielfältiger – und sie hatten auch Zukunft: als Bauer den Hof des Vaters zu übernehmen. Sie hatten keine Zeit für Videospiele, konnten aber Kühen bei der Entbindung helfen.

Heute, sagt Neil Postman, haben wir uns in mittelalterliche Zustände zurück entwickelt. Der
kindliche Erfahrungsraum ist aufgehoben durch das Fernsehen und das Internet. Kinder und
Jugendliche sind wieder unmittelbar am Leben der Erwachsenen beteiligt. Wer sich die Mühe
machen würde, sich eine Woche lang die Fernsehprogramme zuzumuten, die Jugendliche
vornehmlich sehen, nämlich RTL, Sat 1 und Pro 7. müsste entsetzt sein über das. was die
Mehrzahl der Jugendlichen täglich erlebt. Jugendliche erfahren die Beliebigkeit sexueller
Beziehungen, die Auflösung aller Bindungen, den Primat von Spaß und Egoismus, die
grenzenlose Konsumgesellschaft, die Dauerpräsenz von Gewalt, die Selbstverständlichkeit
von Korruption und die Abhängigkeit der Menschen vom Geld.
Unter den Erscheinungen der Erwachsenenwelt ragt besonders die Bedeutung des Geldes
hervor, als letzte sinngebende Instanz für das Handeln und Denken der Menschen. Wir
erleben durch die Medien einen grenzenlosen Materialismus. Geldgier, Geldbesitz und
Gelderwerb sind der Hauptantrieb im Guten und im Bösen. Man muss sich nur das Beispiel
Sport vor Augen führen, um die Macht des Geldes zu erkennen. Die Güte einer Sache wird an
ihrem materiellen Wert gemessen, der Rang von Berufen an der Höhe des Einkommens
orientiert. In Aktiengesellschaften stehen nicht an erster Stelle die Qualität des Produkts und
das Wohl der Mitarbeiter. sondern der Shareholder Value.

Und weil das so ist, sterben immer mehr Menschen, denn die Qualität der Arbeit ist egal: so versagen Bremsen, Stadtarchive stürzen ein, Hüftgelenke müssen erneut raus´- und reinoperiert werden: Hauptsache, die Aktionäre bekommen mehr Zahlen aufs Konto. Und unsere Kinder erleben wieder mittelalterliche Zustände – und verlieren den Glauben an die Welt.

„Superstars“ werden gefördert – wozu sollen die lesen lernen? Und als Wert gilt nur noch eins: der Mammon. Und der hat mit der Fähigkeit lesen und schreiben zu können nichts zu tun. Entweder ist der Papa Arzt – dann wird man schon was, oder: Papa ist kein Arzt, dann muß man eben singen oder auf den Strich gehen.

Das Mammonismus seine Schattenseiten hat, wissen sogar Börsenprofis:

http://www.direktbroker.de/unser-service/boersenlexikon/Mammonismus%20(mammonism)/16331830/M

Ausdruck für die Meinung, dass Geld die (fast) alles bestimmende Wirklichkeit in der Welt gesamthaft sei. Eine Haltung, gekennzeichnet durch die Ausrichtung allein auf den Erwerb von Vermögen ohne Rücksicht auf andere Gegebenheiten. In der sozialistischen Anklageliteratur gegen die freiheitliche Wirtschaftsordnung der Vorwurf, die eigenständige Entscheidung der Privathaushalte und Unternehmen am Markt führe mit innewohnender Notwendigkeit in eine Gesellschaft, in der bald alle nur noch auf Geld und Anhäufung von Vermögen (auf Kosten anderer, schwächerer Personen und Unternehmen) ausgerichtet seien; auch Mancherstertum (mancuniasm; Mancunium = der lateinische Name für die englische Industriestadt Manchester) genannt.
� Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Universität Siegen

Wenn man dann aber sieht, wie die Elite ihre Kinder in Privatschulen erziehen läßt, dann wird einem ganz anders:

http://www.salem-net.de/fileadmin/Kundendaten/pdf/PERSOENLICHKEITSENTWICKLUNG/Die_7_Salemer_Gesetze/7_Salemer_Gesetze.pdf

Die sieben Salemer Gesetze
Die Impulse, aus denen heraus Kurt Hahn und Prinz Max von Baden 1920 die Schule Schloss Salem gründeten, kristallisierten sich zusammen mit den ersten praktischen Erfahrungen um 1930 zu den sogenannten ‘Sieben Salemer Gesetzen’.

Sie formulieren die Grundprinzipien Salemer Erziehung, und in ihren verschiedenen Varianten in Deutsch und Englisch bestimmen sie Leben und Arbeiten in Salem bis heute.

Erstes Gesetz

Gebt den Jugendlichen Gelegenheit, sich selbst zu entdecken.

Zweites Gesetz

Sorgt dafür, daß Jugendliche Erfolg und Niederlage erleben.

Drittes Gesetz

Schafft den Jugendlichen Gelegenheiten, sich über die gemeinsame Sache selbst zu vergessen.

Viertes Gesetz

Schafft Zeiten des Schweigens – Schafft Raum für Sammlung.

Fünftes Gesetz

Übt die Vorstellungskraft, die Fähigkeit vorauszuschauen und zu planen.

Sechstes Gesetz

Nehmt Spiel und Sport ernst, aber laßt sie nicht beherrschend sein.

Siebtes Gesetz

Befreit die Kinder der Reichen und Einflussreichen von dem lähmenden Bewußtsein ihrer Bevorzugung.

Es sind Lichtjahre, die diese Form der Charakterbildung von dem Bildungsalltag deutscher Gymnasien unterscheidet, wo jede mathematische Niete dank „sonstiger Mitarbeit“ eine drei einfahren kann und dann erst später im Leben merkt: „Mensch, ich kann ja gar nicht rechnen!“ … und häufig melden bringt an der Kasse bei Aldi auch nichts, die wollen Geld für ihre Waren, sonst nichts.

Förderung von Phantasie, Charakter, Verantwortungsgefühl, Gemeinschaftsbewußtsein, Mitleid, Individualität … aber nur noch für die, die es sich leisten können. Und jene Zöglinge sind es dann wohl auch, die dieses Land – durch Sarrazins und Henkels angewiedert – verlassen: sie haben jetzt Charakter, aber Land und Leute nicht mehr.

Wer diese Gesellschaft verändern will, der muß genau dort ansetzen: in der Schule. Nicht politische Parteien werden dieses Land verändern, sondern mündige Bürger. Und so könnten wir zur Hochschule der Welt werden – uns würde man das abkaufen, Brasilien, China und den USA nicht. Wir haben Kant, Marx, Luther, Beethoven und viele andere Größen hervorgebracht, wenn wir an diesem „Markenzeichen“ anknüpfen, haben wir die nächsten 500 Jahre Ruhe – und Arbeit genug.

Ganz Deutschland wird ein Bildungsgarten, in den die Weltbürger ihre Kinder schicken.

Ein schöner Traum, oder? Wir hätten wieder Arbeit für alle Bewohner des Landes, unser sozialer Friede würde den Bürgern aller Nationen ein Beispiel geben können und am „Deutschen Wesen“ könnte endlich mal „die Welt genesen“ … damit auch die Reichsdeutschen glücklich werden, auch wenn das Ergebnis und die Wege nicht ihren Wünschen entsprechen.

Ich schätze aber, das wird ein Traum bleiben, da bildungsferne Politiker inzwischen ihren eigenen wahnhaften und widerlichen Phantasmen nachjagen. Und dank ihnen wird Deutschland am Ende der Globalisierung ein deindustrialisierter Slum werden.

Unser Autobahnen geben jetzt schon nach.

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