Beschäftigung

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1. Mai 2012, Tag der Arbeit: ein Hohn – wir feiern eine Leiche … oder den Triumph Adolf Hitlers

1. Mai 2012, Tag der Arbeit: ein Hohn - wir feiern eine Leiche ... oder den Triumph Adolf Hitlers

1.Mai.2012. Tag der Arbeit. Eifel. Für bäuerliche  Gegenden ein Tag wie jeder andere – nur, das mehr Touristenautos hinter den Treckern hängen und wie die Blöden hupen. Bauern müssen jeden Tag arbeiten – das Vieh macht keine Pause. Maschinen machen heutzutage auch keine Pause mehr: im Namen der Rendite müssen sie rund um die Uhr laufen. Das ist eigentlich gut, nehmen sie uns doch die Arbeit ab – aber Maschinen werden an diesem Tag nicht gefeiert, noch gibt es einen Tag der Maschinen. Dabei hätten sie es verdient – vielleicht sogar an diesem Tag. Als die Maschinen noch die Hilfe vieler Menschen brauchten, um den unendlichen Güterstrom zu produzieren, den wir aktuell „Leben“ nennen, riefen diese Menschen am 1.Mai 1886 zum Generalstreik auf, weil sie nicht so lange durchhielten wie die Maschinen und nur noch acht Stunden am Tag arbeiten wollten – und auch für deutlich mehr Geld.  Die Polizei griff ein, es gab zwei dutzend Tote und mehrere hundert Verletzte – siehe Haymarket Affair. In Gedenken an diesen Tag erklärten die Nazis 1933 den 1. Mai zum nationalen Feiertag –  zum Tag der nationalen Arbeit. In der Tat kommt den Nazis bei der Bewertung der Arbeit ein besonderer Faktor zu, ein Faktor, um den wir uns heute mal kümmern sollten: Arbeit wurde zum politischen Instrument. Darum wurden direkt nach der Einführung des Feiertages die Gewerkschaften abgeschafft.

Von den Nazis kommt der Begriff: „Arbeit adelt“. Was sich erstmal nach großem Respekt vor der körperlichen Arbeit anhört, ist aber in erster Linie die Einführung der Arbeit als Selbstzweck und das bindende Versprechen, das die Arbeitserleichterungen, die die Maschinen ins Leben hätten bringen können, erstmal nicht das normale Volk erreichen: das soll weiterhin schuften bis zum Umfallen. Warum auch nicht, wenn man dadurch adelig wird.

Diesem Adelsmythos hängen wir bis heute hinterher, er verfolgt uns bis in den Alltag. Einfach mal in Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg oder München auf den Marktplatz stellen mit einem großen Transparent um den Hals: „ICH BIN ARBEITSLOS“. An den Reaktionen der Mitmenschen kann man sehen, das die nationalsozialistische Umerziehung noch bis heute in den Gliedern steckt. So viel Unfug kann man erreichen, wenn man nur gründlich genug ist und die Todesstrafe in eine materialistische Gesellschaft implementiert. Niemand denkt mehr daran, das Arbeit eigentlich ein biblischer Fluch in einer gefallenen Welt ist, alle denken daran, wie supertoll adelig sie doch durch die Schufterei werden – dabei ist Arbeit ein sich etwas geworden, das in Wirklichkeit nur noch für Idioten vorgesehen ist.

Für Idioten?

Schauen wir doch mal hin – wer verdient denn mit Arbeit heute noch richtig Geld … bzw. wo muss man heute eigentlich für sein (weniges!) Geld noch richtig schwer arbeiten?

Maurer, Straßenbauer, Altenpfleger, Bauern, Krankenschwestern, Handwerker generell – das sind Berufe, in denen im physikalischen Sinne noch Arbeit geleistet wird – jene Arbeit, nach der einem die Knochen weh tun, die den Körper langfristig ruinieren die aber dafür physikalisch messbar ist. Auch hier sind  viele Maschinen im Einsatz – aber der Mensch ist noch nicht völlig ersetzbar. Vergleicht man dazu Unternehmensberater, Investmentberater oder Rechtsanwalt, so verdient man unglaublich viel mehr … messbare Arbeit wird jedoch kaum geleistet. Sich vor Gericht vertreten, sein Unternehmen effektiv strukturieren und die Gewinne vor Entwertung zu sichern, das hat der Industrielle früher selbst getan, heute leben davon tausende sehr sehr gut – obwohl sie keine messbare Arbeit leisten.

Wer wird noch reich?

Fussballer, Models, Schauspieler. Superreich sogar. Der Spiel- Spaß- und Sportbereich ist zum Reichtumsgaranten geworden. Nicht dank Arbeit, sondern dank der Maschinen. Die produzieren inzwischen sein hundert Jahren, Tag und Nacht, ohne Unterlass – und die Maschinengesellschaft hätte die Arbeit komplett entwerten und ihr ihren Stachle nehmen können, wenn nicht … die SPD (in dieser Hinsicht die reale Nachfolgepartei der NSDAP) weiterhin Arbeit heilig sprechen würde und Arbeitslosigkeit unter  Strafe – ja sogar unter Todesstrafe gestellt hätte.

Das ist doch das, was man an Hartz IV nicht mag: die Aussicht, von einem sadistisch veranlagten Fallmanager mittels fortschreitender Sanktionen zu Tode gequält zu werden, einem tödlichen System ausgeliefert zu werden, während man gerade wo man alt, krank und schwächlich geworden ist arbeitslos wurde weil der neue Unternehmensberater gerade mit Hilfe der Rechtsanwälte noch mehr Arbeitsplätze abgebaut hat, damit der Investmentmanager mit dem so eingesparten Lohn an der Börse einen schnellen Gewinn einfahren kann.

Nun, das System arbeitet noch nicht mit der möglichen letalen Konsequenz, die seine Erbauer im Sinn hatten: „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ (Leitspruch von SPD und NSDAP-Führungskräften) heißt letztlich: tötet die Freien.

Die Freien?

Ja – jetzt wird es aber sehr heikel.

Schauen wir uns doch mal unseren „Arbeitsalltag“ an. Immerhin haben wir noch so etwas, auch wenn man es modern richtigerweise eher „Beschäftigung“ nennt. Was sind wir dort? Kleine Rädchen im Getriebe der Maschine. Morgens um sechs klingelt der Wecker, sechs Uhr fünfzig fährt der Bus, um acht beginnt die Arbeit, genauer gesagt, die „Beschäftigung“, die meistens darin besteht, Blätter umher zu schicken, Mails zu beantworten und Telefonate zu führen. Dort wartet dann … DER CHEF. Das der ein Ekel sein muss, erfährt man in vielen „Spiegel“-Artikeln zu diesem Thema. Abends dann noch schnell einkaufen, flugs ein paar Fertigmahlzeiten einwerfen und schon ist man bereit für die weitergehende Beschäftigung der Informationsaufnahme – der man sich nicht entziehen kann, will man am nächsten Tag auf der „Arbeit“ noch mithalten.

Wer nun arbeitslos ist, ist frei von diesen Zwängen. Kein Wunder, das man die verhungern lassen will – möglicherweise gefällt denen das frei sein noch, nachher wird es noch ansteckend: das muss unter allen Umständen vermieden werden.

Schon sind wir wieder bei den Nazis, deren dunkle Gedanken immer noch über dem deutschen Volk hängen. Auch die wollten das deutsche Volk den ganzen Tag beschäftigen (wobei die Frauen dem Führer beständig Kinder für den Endsieg zu schenken hatten, das war deren Programm). Sie führten den Fernseher ein, das Radio, den Volkswagen, die Autobahn … na, wird´s schon mulmig?

Die haben gewusst, was sie taten. Und ihre Erben haben das erfolgreiche System einfach mal übernommen, aber mit anderen Farben angestrichen.

Arbeit als Fluch, weil uns  der Teufel aus dem Paradies gelockt hat? Das merken viele, jeden Tag – aber sagen dürfen sie es nicht mehr, denn jenseits der „Beschäftigung“ lauert 2012 Entwürdigung und Hungertod … mit freundlichen Grüßen der Sozialdemokratie in Deutschland.

Millionen von deutschen Arbeitnehmen reden sich ein, sie würden als freie Bürger in einer Demokratie leben, während sie die meiste Zeit ihres Lebens nur machen, was der Chef oder der Fernseher ihnen sagt – wobei der Chef viel mehr Lebenszeit frisst als der Fernseher.

Wir fühlen uns aber immer noch adelig, wenn wir arbeiten – Hitlers Arm reicht halt weiter als unsere Schulbildung uns erzählen möchte.

Unternehmensberater werden reich, weil sie Arbeitsmöglichkeiten in Massen vernichten, aber uns erzählt man, das Arbeit gut ist.

Investmentbanker werben mit der Freiheit von Arbeit für Kapitaleigner, die „ihr Geld für sich arbeiten lassen sollen“, aber uns erzählt man, das Arbeit gut ist.

Rechtsanwälte sorgen dafür, das Unternehmensberater und Investmentbanker mit jedem fiesen Trick durchkommen, aber uns erzählt man, das Arbeit gut ist.

Wie viele SPD-Politiker sind eigentlich nach ihrer Zeit im Parlament zurück auf den Bau, an die Werkbank oder auf die Pflegestation gegangen? Gibt es da einen?

„Arbeit“ ist 2012 weitgehend eine Leiche. Sie wurde von Maschinen überrollt und hat den Zusammenstoß nicht überlebt. Der Begriff aber wird weiterhin als Waffe und Disziplinierungsinstrument im Sinne Hitlers gegen das Volk eingesetzt, sogar weit über seinen ursprünglichen Sinn hinaus, denn heutzutage können auch (bzw. gerade!) mehrfache Mütter vom sozialdemokratischen Hungertod ereilt werden, obwohl sie dem Land viele Kinder schenken: die SPD ist da härter als Hitler.

Im Lande der Maschinen ist Kinder kriegen asozial. Diese Botschaft haben wir vom Fernseher eingetrichtert bekommen und folgen ihr.

Und die Parteien?

Während sie die Menschen mit einem toten Arbeitsbegriff zum Dauerlauf treiben (einem Dauerlauf, der zeitintensiver ist als das, was die Aufständischen vom Haymarket zur Revolte animierte), sammeln sie sich um die Maschinen und ihren Reichtum. Keiner, der mal aufsteht und anstatt „Arbeit“ mit den Begriffen „Freiheit“, „Gleichheit“, „Brüderlichkeit“ oder gar „Glück“ hausieren geht.

Wir sollten diesen Tag „Tag der Maschinen“ nennen – sie machen unsere Arbeit.

Oder wir nennen ihn „Hitlers Triumphtag“ und feiern so den Triumph seines Gesellschaftsentwurfes, eines Gesellschaftsentwurfes, in dem jeder Deutsche ein Radio hat, damit man ihm sagen kann, was er tun soll, jeder Deutsche eine Fernseher hat, damit er sieht, was ihm blüht, wenn er nicht tut, was man ihm sagt und ein Auto auf der Autobahn, damit er die Illusion von Freiheit hat, eines Gesellschaftsentwurfes, in dem jeder Deutsche einen Chef hat und jeder Chef von einem Unternehmensberater gesagt bekommt, was er zu tun und wann er wie viele aktuell zu entlassen hat, um von seinen Chefs oder „Anlegern“ weiterhin Geld zu bekommen.

Oder … wir nutzen den Tag mal in seinem ursprünglichen Sinne und denken darüber nach, wie wir uns von dem Fluch „Arbeit“ entgültig befreien können. Da die Arbeit von Maschinen gemacht wird, ist das doch sicher machbar. Zum Beispiel könnten wir heute alle mal im „Spiegel“ die Geschichte vom „roten Utopia“ lesen, das in Spanien Wirklichkeit geworden ist:

„Alle wichtigen Entscheidungen treffen wir in Vollversammlungen“, sagt der Bürgermeister. „Die Menschen legen selbst fest, wie viel Steuern sie zahlen wollen oder wofür unsere Überschüsse ausgegeben werden.“ Die Landarbeiter von Marinaleda erhalten für sechs Stunden Arbeit pro Tag 47 Euro. Was darüber hinaus erwirtschaftet wird, kommt dem Gemeinwohl zugute. So ist es möglich, dass das knapp 3000 Einwohner zählende Dorf über mehrere Sportanlagen, einen großen Park und zahlreiche kleinere, gepflegte Grünflächen verfügt.

„Die Menschen hier brauchen nicht viel Geld,“ sagt Bürgermeister Sánchez Gordillo. „Anderswo wird unter der Last von Hypotheken und Krediten gestöhnt, hier zahlen wir für das Baumaterial unserer Häuser der Gemeinde 70 Jahre lang 15 Euro im Monat ab, dann gehören sie uns.“

Mal ehrlich: hätten wir unser eigenes Haus, einen Garten dabei, der uns ernährt, nette Nachbarn, mit denen man lustig feiern kann: was würde uns eigentlich die Bankenkrise, der Euroterror oder Afghanistan noch kümmern?

Tagtäglich könnten wir erleben, das man gut ohne „Arbeit“ (im Sinne von „Beschäftigung“) leben kann: Essen wächst nämlich ursprünglich ganz von allein. Das sich jemand das Essen nehmen und sagen kann: „das kriegst Du jetzt aber nur, wenn Du mir Dein Leben verkaufst“ ist ein Prinzip, gegen das wir 1789 Revolution gemacht haben …. und im Laufe der Geschichte noch viel öfter.

Früher durfte sich der Adel alles Essen nehmen, heute tritt die SPD (oder generell: „die Partei“) an seine Stelle – mit Hitlers adeligem Arbeitsbegriff im Hintergrund.

Und schon versteht man, warum Menschen, die Freiheit lieben, was gegen Linke haben können – die nehmen einem ganz schnell das Essen weg, um einen zur Arbeit zu zwingen – jene Arbeit, die eigentlich durch Maschinen eleminiert wurde. Eine besonders grausame Form der Folter.

Aber gerade das wollten wir ja eigentlich nicht mehr, oder?

 

 

 

 

Revolution in Deutschland? Eher Versailles 2010….und die Sucht nach Freiheit

Es gibt einfache Wege sich sehr unbeliebt zu machen: einfach mal zur Revolution aufrufen – oder zur friedlichen Änderung der Verhältnisse.  Sicher … Gemecker über die Verhältnisse gibt es viel. Sehr viel, an allen Ecken. Das Volk wagt es sogar schon in einigen wichtigen Fragen wie soziale Gerechtigkeit und Einsatz der Bundeswehr im Ausland völlig anderer Meinung zu sein als die Abgeordneten … dabei sollte das Volk doch wissen, das es genau diese Abgeordnete in den Bundestag gewählt hat. Na ja, ich kenne Rentner, die wählen Politiker nach ihrem Aussehen, weil sie gerne mal ein hübsches Gesicht im Fernsehen sehen würden, wenn über Politik berichtet wird. Darf man ja auch – ist freie und geheime Wahl.

Man kriegt natürlich sofort Ärger mit jenen die meinen: es ist doch alles in Ordnung. Wir werden von den fähigsten Experten regiert, die die unsichtbare Hand des Marktes hergibt.  Von jenen Exemplaren dürfte es nur noch wenig geben uns sie sind eine ständig schrumpfende Minderheit, aber es gibt sie noch, die Darwinisten unter den Wählern: der Fähigste wird sich schon durchgesetzt haben.

Dann gibt es natürlich noch jene, die Nutznießer des Systems sind. Mit ihnen kriegt man später Ärger. Viel später, dafür immer mehr.

Nehmen wir zum Beispiel die BRD. Hier läuft einiges schief. Wer nichts hat, kriegt immer weniger, wer viel hat, bekommt via Kapitalmarkt ein leistungsloses Luxuseinkommen auf Kosten der restlichen Welt – was vielerorts zu Hunger und Kriegen führt. Andere kriegen sogar die Menschenrechte gekürzt – siehe Hartz IV, das ja bald Basisgeld heißen soll. Das gibt es dann für alle, die jetzt noch unter Fünfzig sind auch als Rente … das und noch zwanzig Jahre lang Versprechungen, das es nie soweit kommen wird, obendrauf.

Käme man jetzt aber auf die verruchte Idee, etwas ändern zu wollen … merkt im selben Augenblick jeder, wieviel er eigentlich noch hat. Das will man dann auch nicht aufs Spiel setzen – so als Hartz IV-Abhängiger.  Das ist auch in Ordnung, zeigen uns doch friedliche und unfriedliche Revolutionen der letzten tausend Jahre, das man nichts anderes ändert als die Farbe der Unterdrückung. Selbst Gottes Sohn persönlich hat das nicht ändern können, sein Erscheinen und seine Predigt für mehr ganz normale Menschlichkeit führte zur katholischen Kirche, dem direkten Gegensatz zur Botschaft Christi – aber auch diese offensichtlichste aller Kröten schluckt man ja gern, wenn man dafür ins Himmelreich kommt.

Zwischen unseren Hartz-IV-Abhängigen, unseren Minilohnempfängern, unseren Minirentnern und den Angestellten von erfolgreichen Weltkonzernen in Indonesien besteht in der Tat noch ein Unterschied: jene schuften zwölf Stunden am Tag unter entwürdigensten Bedingungen, um anschließend in einem fensterlosen Betonloch zu wohnen, das westliche Konzerne für sie als Unterkunft konstruiert haben. Nach Abzug der Horrormiete müssen zwei Hände voll gesalzenem Reis pro Tag  reichen. Urlaub gibt´s nach Kündigung, wer krank wird, darf sterben, Rente ist ein Mythos aus dem Westen – das ist aus unseren sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen geworden aber auch unsere Kinder wollen ja gerne bezahlbare Schuhe von NIKE tragen.  Viele dieser entwürdigenden Arbeitsplätze haben wir mit unseren Steuergeldern bezahlt – und gleichzeitig müssen wir mit ihnen konkurrieren.

Im Vergleich zu jenen, die nun unsere Arbeitsplätze haben, ist das Basisgeld purer Luxus. Man wohnt in einem geheizten Raum mit Fenstern, hat genug zu essen (vorausgesetzt, man kann mit dem Geld haushalten), es gibt fließend warmes Wasser und elektrischen Strom. Für die absolute Mehrheit der Menschheit ist das Luxus pur – und ich habe ein wenig Verständnis dafür, das Menschen, die die Armut in Afrika, Amerika und Asien erlebt haben und dann die Klagen unserer Frührenter hören, das das größte Unrecht der Welt ist, das sie nur alle drei Tage mal zwei Industrieschnitzel auf einmal essen können nur noch voller Abscheu und Verachtung auf diese Anspruchswelt reagieren können.

Verständnis – weil es menschlich ist so zu reagieren. Politisch gesehen ist es unmenschlich, aber dafür muß man weit über den Tellerrand hinausschauen. Politisch gesehen sollte man den Konzernen nicht auf den Leim gehen, die die Armut in Asien zum Standard für die Bürger der Welt machen wollen, damit für sie mehr übrig bleibt.

Politisch gesehen, sollte man das Elend der Welt tagtäglich in den Nachrichtensendungen bringen … solange, bis es abgeschafft ist. Dann wäre Zeit für Musikantenstadel, für Big Brother und die Supernanny. Aber wer würde das schon sehen wollen? Unsere zarten Seelchen flüchten sich deshalb lieber professionell in Ignoranz … zumal sie ja auch wissen, das das wenige, das sie haben, ganz schnell auch noch fort sein kann.

Ich höre manchmal die Klagen, warum sich denn der Deutsche angesichts der Ungerechtigkeit nicht erhebt, einer Ungerechtigkeit, die ihm selbst jedes Jahr weiter zusetzt. Millionen von Menschen leben in prekären Verhältnissen …. wieso erheben die sich nicht.

Nun, vielleicht hilft eine Geschichte aus der Vergangenheit. Das Schloß Versailles, gebaut zur Verherrlichung des „Sonnenkönigs“,  ist sicher bekannt.

Am Ende des Ancien Régime umfasste der Hofstaat rund 10.000 Personen, von denen bis zu 5.000 direkt im Schloss lebten.[51][55] Die eigentlichen Höflinge machten davon rund 1.000 Personen aus, hinzu kamen Kammerfrauen, Köche, Leibwachen und andere Bedienstete. Der Palast war eine Stadt unter einem großen Dach, mit Wohnungen, Arbeitsräumen und Vergnügungsstätten. Auf den Gängen und Höfen ließen sich Händler nieder.[56] Das Schloss war fast ständig überbelegt[55][57], und die Aristokratie, so sie nicht zur königlichen Familie gehörte, war zum Teil verarmt und hauste sogar in den engen Dachkammern der oberen Geschosse.[57] Victor Hugobezeichnete das Gebäude später als eine einzige Höflingskaserne.[39]

Das Leben bei Hof bedeutete Verzicht auf Privatsphäre. Die Königsfamilie nahm selbst gewöhnliche Mahlzeiten vor Publikum ein[28] und auch die Niederkünfte der Königinnen waren innerhalb der Hofgesellschaft traditionell öffentliche Ereignisse − so sehr, dass Marie Antoinette während der Geburt ihres ersten Kindes in Lebensgefahr geriet, als sich zu viele Menschen in ihrem Schlafzimmer aufhielten. Trotz der prunkvollen Ausstattung war Versailles ein unkomfortables Schloss. Die en filade gereihten, zugigen und hohen Räume ließen sich schlecht heizen, und Madame de Maintenon beklagte, „man erträgt lieber die Zugluft durch die Türen […], man muss in Symmetrie zugrunde gehen“.[58] Im strengen Winter 1709 platzten sogar Likörflaschen durch die Kälte.[59]

Es gab, wie damals in ganz Europa üblich, im ganzen Schloss weder fließendes Wasser noch fest installierte Toiletten.

Das alles noch geregelt von strengsten Regeln, die sich kein Hartz – IV-Abhängiger vorstellen kann und die zu Ereignissen führte, über die wir uns zurecht zutiefst echauffieren würden:

„Das Lever der Königin vollzog sich analog dem Lever des Königs. Die Hofdame vom Dienst hatte das Recht, der Königin beim Ankleiden das Hemd zu reichen. Die Palastdame zog ihr den Unterrock und das Kleid an. Kam aber zufällig eine Prinzessin der königlichen Familie dazu, so stand dieser das Recht zu, der Königin das Hemd überzuwerfen. Einmal also war die Königin gerade von ihren Damen ganz ausgekleidet worden. Ihre Kammerfrau hielt das Hemd und hatte es soeben der Hofdame präsentiert, als die Herzogin von Orléans eintrat. Die Hofdame gab das Hemd der Kammerfrau zurück, die es gerade der Herzogin übergeben wollte, als die ranghöhere Gräfin von Provence dazukam. Nun wanderte das Hemd wieder zu der Kammerfrau zurück, und erst aus den Händen der Gräfin von Provence empfing es endlich die Köngin. Sie hatte die ganze Zeit nackt, wie Gott sie geschaffen hat, dabeistehen und zusehen müssen, wie die Damen sich mit ihrem Hemd überkomplimentierten.“

– Madame Campan[67]

Das was Versailles früher für Frankreich war, ist „der Westen“ heute für die Welt. Auch unser hauptsächliches Ziel ist: unterhalten zu werden. Wir wohnen im Schloß, wie die verarmten Adeligen unter dem Dach … aber wir kämen nie auf die Idee, Revolution zu machen. Das machen die Leute draußen, die, die wirklich nichts mehr zu verlieren haben und denen zur Not der Tod lieber ist als ein erbärmliches Leben.  Wir haben anderes im Sinn … und wollen doch wirklich von der Welt „dort draußen“ nichts wissen.

Der aufgabenlose Hofadel musste beschäftigt werden, und zum Programm von Versailles gehörten zu diesem Zweck prächtige Bälle, Feste und Turniere. Der König selbst veranstaltete regelmäßig Spieleabende in seinen Appartements.[71] Neben den ständigen Banketten, Maskenbällen und Opernaufführungen gab es verschiedene mehrtägige Feste, die durch ihren Prunk und die Anzahl der geladenen Gäste den Ruhm des Königs steigern sollten.

Quelle: Wikipedia

„Aufgabenlosen Hochadel“ haben wir genug, insofern, das in der Demokratie eigentlich jeder Souverän ist und JEDER zum Hochadel gehört. Die absolute Mehrheit des Volkes lebt aber arbeitslos vor sich hin, nur wenige kennen noch den 14-Stunden-Tag ohne Wochenende, Feiertage und Urlaub, den jeder Bauer hat, weil Kühe und Feld nicht pausieren. Konsequenterweise haben wir ja auch nicht ARBEIT als Ziel, sondern „BESCHÄFTIGUNG“. Das ist dann mal … sehr ehrlich.

Wir zahlen für diesen Wohlstand auch den Preis eines jeden Höflings (und zwar jeder in jeder Position): die absolute Abhängigkeit. Und nichts degeneriert den Menschen mehr als dies: zu wissen, das andere mit einem Federstrich die komplette eigene Existenz vernichten können. Das ist ein Sklavenleben, auch wenn der Luxus noch so groß ist, den man als Ersatz für seine Freiheit bekommt. Das ist im Rest der Welt etwas anders: dort, wo nicht jeder Quadratzentimeter Land irgendwie verteilt ist, lassen sich schnell eigene Häuser bauen, schnell ist ein kleiner Selbstversorgergarten angelegt … und man fühlt sich nicht mehr ganz so abhängig. Ein winzigkleiner Vorteil … aber ein Vorteil.

Und als armer aber freier Mensch läßt sich auch leichter Revolution machen: man hat den ganzen Ballast nicht, den Höflinge mit sich herumschleppen, die ganzen Eitelkeiten, den Hochmut, die Unfähigkeit zu Loyalität, die kleinliche Sucht nach dem kleinsten eigenen Vorteil und die Unfähigkeit sich zu bremsen, wenn der Vorteil risikolos vor einem liegt … alle jene Höflingsattitüden (die wir ja schon „normal“ nennen würden, weil wir uns so sehr daran gewöhnt haben), mit denen man sich selbst sehr erfolgreich im Weg herum steht und mit denen man zu einem absolut nutzlosen Individuum wird – und eine Gefahr für jede Art von Gemeinschaftsunternehmen.

Man stelle sich mal vor, es würde sich jemand auf die Straße stellen und zur Revolution aufrufen, es würde ihm gelingen, die Vision einer Utopie zu erwecken, wo Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit lebendige Wirklichkeit werden und ein freies, glückliches Leben winkt … und dann würde er verkünden, das mehr als vier Euro am Tag für jeden Bürger auf der Welt nicht machbar wären, da die Ressourcen begrenzt sind.  Und Schnitzel gibt es nur noch zu Weihnachten, weil der Verbrauch an Essen zur Produktion von einem einzigen Schnitzel andere Menschen tagelang ernähren kann.

Unser Revolutionär würde … sehr lange alleine dort stehen.

Einzig die Sucht nach Freiheit könnte uns noch dazu antreiben, etwas ändern zu wollen, weil Freiheit glücklicher macht als Reichtum – doch es sind wohl nur eine Handvoll, die wissen, was das ist.

Freiheit ist …. solange schlafen zu dürfen, wie es der Körper verlangt.

Freiheit ist … die Arbeiten zu tun, für die man sich gerade am Besten geeignet fühlt.

Freheit ist … schlafen zu gehen, wenn man Müde ist.

….um nur einige Beispiele zu nennen.

Wer nennt sich jetzt noch frei in diesem Land?

Aber eine Änderung der Verhältnisse … wer sollte daran Interesse haben? Und wer will schon sein Leben riskieren, damit andere garantiert mindestens  zwei Ökoschnitzel am Tag anstatt vier Industrieschnitzel die Woche essen können?

Letztlich kann man vielleicht einen Satz Schopenhauers  auf Revolutionen ummüntzen: alle Versuche, den Regierungsterror abzuschütteln, führen nur dazu, das er seine Farbe ändert. Also richtet man sich lieber im Schloß ein … und genießt das Leben, bis das Unvermeidliche eintritt: die Revolution fegt einen weg …  oder?

Vielleicht wird man auch erst sich selbst ändern müssen, bevor man sich daran wagen kann, die Verhältnisse zu ändern. Doch möglicherweise hat man dann … keine Interesse mehr daran, Arbeit in die Veränderung von Verhältnissen zu stecken, weil man sich dem neuen Faschismus kaum entziehen kann:

Es ist der „American Way of Life“, die einzige räuberische Ideologie, die bestreitet, eine Ideologie zu sein. Die mit mächtigen Fangarmen weltweit operierenden Konzerne, die diktatorisch nach eigenen Gesetzen herrschen, das Militär, das zu einem Staat im Staate geworden ist, die hinter der Fassade der (angeblich) besten Demokratie der Welt in Washington agierenden 35.000 Lobbyisten, die Politiker kaufen, und eine Popkultur, die nur ablenken und verdummen soll, prägen ein System, das es so bisher nicht gab.

Quelle: John Pilger bei der Geheimrätin

Und in diesem System haben wir alle … die Uniform der Partei an. Und außerhalb der Uniform … gibt es kein Leben. Schlau eingefädelt, oder?

Entweder man meuchelt mit – oder man verhungert.

Wie in Versailles.

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