Berliner Mittelstandsvereinigung

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Tag der Arbeit: ketzerische Fakten zum reichsdeutschen Arbeitskult

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Dienstag, 1.5.2018. Eifel. Wir müssen mal über Arbeit reden. Immerhin haben wir ihn ja heute: den Tag der Arbeit. Ist Ihnen auch unangenehm bei dem Thema? Wahrscheinlich. Die Welt ist voll von Menschen, die Abscheu vor dem Montag haben, Mittwoch ein „Bergfest“ feiern und nur noch aufs Wochenende schauen, wo man frei ist von Arbeit. Viele arbeiten dann trotzdem: bauen was im eigenen Garten an, unternehmen was mit ihren Kindern, probieren neue Kochrezepte aus, spielen im Laientheater, testen neue Lebensweisen aus, treiben Sport, lernen neue Sprachen – und was es sonst noch alles so gibt, das eigentlich „Freizeit“ ausmacht. Kam Ihnen noch nie seltsam vor, oder? Dass es „gute“ Arbeit gibt und „schlechte“ Arbeit? Wird ja auch nicht thematisiert. Baut sich der Lehrer am Wochenende mit seinen eigenen Händen ein eigenes Haus (ja, so einen kenne ich persönlich), dann leistet er die gleiche Arbeit wie ein Maurer, ein Schreiner und ein Dachdecker – trotzdem würde er auf die Existenzberechtigungskontrollfrage nie antworten: ich bin Hausbauer! Ebensowenig würde eine Mutter (ja – ich bemühe hier mal kurz das klassische Mutterbild … an das glauben ja sowieso alle und fast alle Frauen erfüllen es auch so, trotz aller theoretischen Diskussion) antworten, dass sie Erzieherin ist, Finanzverwalterin, Haushälterin und Reinigungskraft, nebenbei auch noch Nachhilfelehrerin, Taxifahrerin, Seelsorgerin und Modespezialistin. Alles ehrbare Berufe, doch bei Müttern (und den wenigen Vätern, die diesen Job machen) akzeptieren wir das nicht.

Existenzberechtigungskontrollfrage? Nun ja, das Wort ist neu. Habe kein Problem, für neue Tatbestände umgehend neue Begriffe zu gebären. Sie kennen den Begriff als solchen nicht, aber Sie kennen die Frage:

„Und – was machen Sie so beruflich?“

Ich beantworte die Frage gerne wie mein Onkel: „arbeitslos“. Ist gelogen, ich weiß. Bei uns beiden. Aber die Gesichter, die man dann zu sehen bekommt, die Verhaltensweisen – einfach zu göttlich, um darauf verzichten zu können. Würden Sie sich das auch trauen? Ich hoffe nicht. Solche Antworten können sich nur Menschen leisten, die sicher mit beiden Beinen im sozialen Leben stehen und nicht darauf angewiesen sind, bei jeder Party ihre Existenzberechtigung abfragen zu lassen, um noch Freunde zu behalten. „Arbeit“ meint ja nicht, ob man irgendwas zu tun hat, sondern ob man Geld dafür bekommt. Da gibt es auch gutes und schlechtes Geld. Gutes Geld ist das, was man irgendwie anderen aus der Tasche zieht – mit betrügerischen Autos, gefakten Anlageprodukten, inhaltsleeren Nahrungsmitteln oder der Produktion von Waffen oder Giften aller Art. Schlechtes Geld ist das, was Arbeitslose bekommen, weil es ja „von andern“ kommt. Das  alles Geld von anderen kommt, das haben die Existenzberechtigungsblockwarte noch nicht verstanden.

Alle Religionen müssten gegen den neuen Arbeitsbegriff Sturm laufen. Denken Sie nur an unsere Religion, sie kennen die Geschichte? Eva verführte Adam mit diesem Apfel – auf Geheiß der Schlange, die in dieser Geschichte kaum hinreichende Bedeutung erlangt – worauf hin sie aus dem Paradies herausflogen, wo Arbeit als Strafe auf sie wartete. Äonen später kam dann die Kultur, wo Arbeit auf einmal heilig wurde, ein Götze selbst – und weil auch dies von der Schlange kam, wurden die Belohnungen um so größer, je mehr Welt verwüstet wurde. Ja: Sie werden kein Millionär durch Kinder- oder Altenpflege, aber durch Asphaltierung, Waffenproduktion und die Schaffung von künstlichen Plastikkontinten im Ozean. Da kann nur wieder „die Schlange“ dahinterstecken.

Kann gar nicht ausdrücken, wie es mich gelegentlich anekelt, wenn Menschen voller Stolz darüber berichten, dass sie wieder „Arbeit“ haben. Woher der Ekel stammt? Nun – da begegnet man nationalsozialistischem Denken in Reinkultur. Wissen Sie nicht, oder? Wir reden in ganz Deutschland über „Rechte“, aber was echtes, finsteres rechtes Denken ausmacht, das weiß kaum noch einer. Deshalb kennen Sie ja auch nicht das Motto des Reichsarbeitsdienstes, das bis heute weder Gültigkeit noch disziplinierende Gewalt verloren hat (weshalb die Hitlerzeit immer noch einen langen Schatten über uns wirft und wir zurecht vom Ausland kritisch beobachtet werden, ob der Wahn nicht wieder ausbricht): „Arbeit für Dein Volk adelt Dich selbst“

Das ist eigentlich der Hintergrund jener Frage, die so einfach daherkommt: „und, was machen Sie so beruflich“?

Man könnte auch fragen: Gehören Sie auch zum auserwählten Volk oder sind Sie nur ein Schmarotzer?

Das ist so der Hintergrund jener Frage – und voll Stolz geschwellter Brust treten dann auch die Adeligen auf:

„Ist Tag der Arbeit, nicht der Arbeitslosen. Und es gibt entgegen aller Prognosen und Unkenrufe auch immer noch Leute, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen und damit Philosophen ihren Lebensunterhalt finanzieren. Wie wäre es mal mit ein ein bisschen Dankeschön … so am Tag der Arbeit.“

Das war eine der Antworten auf eine kleine Randnotiz bei FB, wo ich mal reale Arbeislosenzahlen zur Diskussion stellte. Die mutige Dame ist Friseurin aus dem Osten, finanziell ziemlich schlecht ausgestattet, aber halt … adelig im Sinne des Reichsarbeitsdienstes. Da ich mehr verdiene als sie – habe ich bisher auf Dankesbekundungen verzichtet.

Reale Arbeitslosenzahlen? Stimmt, wir müssen ja auch mal über die Fakten reden. Meine Argumentation ist da eigentlich einfach: ich gehe von unbefristeten Vollzeitarbeitsplätzen als Norm aus … was ein Fehler war, wie ich später bemerkte, in Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer, aber bleiben wir erstmal bei dieser Definition. Zuvor sei gesagt: es gibt auch andere Definitionen (siehe destasis):

„In der Arbeitskräfteerhebung wird das Labour-Force-Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation, Genf (ILO) umgesetzt, das die Bevölkerung nach international einheitlichen Kriterien in Erwerbstätige, Erwerbslose und Nichterwerbspersonen einteilt. Erwerbstätig im Sinne der ILO-Definition ist jede Person im erwerbsfähigen Alter, die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit gearbeitet hat. Auch wer sich in einem formalen Arbeitsverhältnis befindet, das er im Berichtszeitraum nur vorübergehend nicht ausgeübt hat, gilt als erwerbstätig.“

So einfach geht Vollbeschäftigung. Eine Stunde bezahlter Arbeit in der Woche: schon ist man adelig. Ja – der religiöse Status der Arbeit zieht sehr weite Kreise. Ich hätte da eher eine andere Sichtweise, schaue auf die Anzahl unbefristeter Vollzeitjobs in Deutschland und sehe: nur noch 38 Prozent der Deutschen haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit Vollzeitstelle (siehe statista). Nehme ich das als Norm, sind 62 Prozent mehr oder weniger arbeitslos. So sah das mal ein Nobelpreisträger für Wirtschaft, der Herr Stieglitz.

Wir haben ja in Deutschland gerade 44 Millionen Erwerbstätige (hier mal nicht nach ILO-Definition), demnach wären nur knapp 17 Millionen in Besitz eines vollwertigen Arbeitsplatzes. Von diesen 44 Millionen arbeiten 33 Millionen im Dienstleistungsbereich, 10 Millionen im Gastgewerbe, 13 Millionen bei öffentlichen und privaten Dienstleistern, 16 Millionen im prozuzierenden und verarbeitenden Gewerbe (siehe Statista). Das sind noch nicht alle Berufsgruppen – wir sind ja auch jetzt schon bei 72 Millionen Arbeitsplätzen, die von 44 Millionen Menschen ausgefüllt werden – addieren wir den Rest dazu kommen wir auf ca. 83 Millionen Erwerbstätige – wir sind ein Supervolk! Arbeiten fast doppelt! Oder -die meisten brauchen zwei Jobs, um über die Runden zu kommen.

Reicht Ihnen das schon?

Mir nicht.

Schauen wir uns doch mal diese 17 Millionen genauer an, den Hochadel der Arbeitswelt: sie haben einen unbefristeten Vollzeitarbeitsplatz, von dem aus sie voller Abscheu und Verachtung auf die Minderleister herabschauen können – und oft genug auch tun. Immerhin haben wir insgesamt 14 Millionen Minderleister – das sind jene, die rund um Hartz IV pendeln. Ja – addiert man die Zahl aller Menschen, die jemals Hartz IV bekommen haben, so kommt man auf 14 Millionen (siehe Handelsblatt) – schon epische Ausmaße.

Aber wie sieht es aus mit diesem Vollzeitarbeitsplatz? Nun – die sind auch nicht mehr alle das Wert, was sie mal waren (siehe aktuelle.sozialpolitik.blogspot)

„3,7 Millionen – wohlgemerkt – sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte verdienen weniger als 2.000 Euro brutto pro Monat.“

Ich kenne einen von denen. Alleinerziehende Mutter, arbeitet im Baumarkt, 50 Stunden die Woche, bekommt dafür 1045 Euro Netto im Monat – das ist halt das Mindestlohnnormmodell. Ohne staatliche Unterstützung sähe das düster aus für die Familie – aber das sind schon unsere Topspitzenkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Bleiben also von 44 Millionen arbeitenden Menschen in Deutschland gerade mal 14 Millionen übrig, die ordentliche Arbeit haben – 30 Millionen haben irgendeinen Schrott und müssten auf die aktuellen Arbeitslosenzahlen zuaddiert werden.

Ach ja: Mindestlohn. Der ist den Herren der Weltbank noch zu hoch (siehe rt):

„Im Entwurf ihres Jahresberichts, der erst im Herbst offiziell veröffentlicht werden soll, schlägt die Weltbank den Regierungen der Mitgliedsländer vor, keine weiteren Gedanken mehr an den Mindestlohn zu verschwenden und stattdessen darüber nachzudenken, wie für die Unternehmer die gesetzlichen Einschränkungen bezüglich Einstellungen von Arbeitern und die Beschränkungen bei deren Entlassungen gelockert bzw. komplett dereguliert werden könnten.“

Wissen Sie, wer da wieder sein gräßliches Haupt erhebt? Ja, genau: der alten Plantagenbesitzer aus den Südstaaten, bei uns heißen die Gutsherren. „Wir brauchen mehr rechtslose Arbeitssklaven“ – so könnte man die Forderung einfach mal mit größerer historischer Dimension betrachtet benennen.

Dabei sind wir Deutschen ja schon einsame Spitzenklasse, was unbezahlte Gratisarbeit angeht: 1700 Millionen Überstunden leisteten die Deutschen 2016 – und vernichteten so eine Million Vollzeitarbeitsplätze – meist ohne Bezahlung (siehe Zeit). Ich sage ja: „Arbeit für Dein Volk adelt Dich selbst“. Dieser NS-Parole folgen die Deutschen – und sind stolz darauf.

Fünf unbezahlte Überstunden jede Woche leistet das deutsche Arbeitsvieh (siehe Spiegel). Aber Sie haben Recht, wenn Sie sich darüber beschweren, mit dem NS-Gedankengut in Verbindung gebracht zu werden – ich schätze mal, bei den meisten ist es die pure Angst vor dem Hass der Gesellschaft und ihrer Gutsherren. Ja, sicher: Hass ist ein Geschäftsmodell geworden, so werden wir jedenfalls gewarnt (siehe t-online). Das dieser Hass aber nicht mit „Flüchtlingen“ in die Welt gesetzt wurde, sondern in einer großen asozialen Offensive 2005 durch die Hartz-IV-Gesetzgebung in die Welt kam … daran erinnert sich niemand. Dort wurde der „Minderleister“ auf breiter medialer Front als „unwertes Leben“ definiert – und das Volk klatschte Beifall über die Tatsache, dass Staat endlich mal wieder Bürger durch Entzug aller Lebensgrundlagen zu Tode bringen konnte.

Und die Offensive der Asozialen ist ja noch lange nicht zuende, die 60-Stunden-Arbeitswoche wird gerade gefordert (siehe t-online) – und wird wohl spätestens nach der nächsten Wahl Gesetz. Den Spitzenplatz an gelebter reichsdeutscher Asozialität schießt jedoch die Berliner Mittelstandsvereinigung ab (siehe t-online):

„Arbeitsfähige Bürger unter 50 Jahren sollen nach Willen der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Berliner Union (MIT) keine Hartz-IV-Leistungen mehr erhalten. „Es ist bei der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt nicht einzusehen, dass Menschen, die 25 oder auch 45 Jahre alt sind, zu Hause sitzen und Hartz IV beanspruchen können“, sagte MIT-Vorsitzender Christian Gräff der „Berliner Morgenpost“. „

Christian Gräff war Abgeordneter im Land Berlin. Hat Abitur nicht geschafft, wurde Einzelhandelskaufmann – seit 2006 ist keine wirtschaftliche Tätigkeit mehr nachzuvollziehen (siehe Wikipedia), er lebt vom staatlichen Leistungen – als Bezirksstadtrat, Besoldung beträgt 7533,07 Euro (siehe Tagesspiegel). Enorm, was so ein kleiner Verwaltungsjob bringt. Mit normaler Arbeit kommen Sie da nicht mehr mit, ist halt ein Gutsherrenjob. Ist natürlich nichts gegen jene Geschäfte, die Parteikollegen von ihm so machen: 2,7 Millionen verdient eine damit, dass sie in einem heruntergekommenen, kleinen Hotel Flüchtlinge unterbringt (siehe WDR), der Groko-Kollege Jörg Heydorn macht es noch besser: er kassiert 125 000 Euro für eine leere Flüchtlingsunterkunft – jeden Monat (siehe NDR). Weil ich fies bin, kommt mir da gleich der Verdacht, dass dies der Hauptgrund dafür ist, dass „Flüchtlinge“ vor allem im Südwesten Deutschlands untergebracht werden (siehe destasis) – wo man gerne „gutes“ Geld verdient – am liebsten ohne jegliche Arbeit.

Nach meinem Willen übrigens – der nicht weniger entschlossen ist als der Wille der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Berliner Union – sollte man diese Lumpen wegen Planung einer gezielten Massenvernichtung deutscher Staatsbürger umgehend allesamt verhaften und einsperren, irgendwelche Terroristengesetze sollten doch dafür herhalten können – sonst brauchen wir neue. Wir hatten sowas schon mal – das wird dem Realschüler Christian Gräff vielleicht nicht bewusst sein, er hat ja auch genug damit zu tun, jeden Monat das Zehnfache von dem zu verbraten, was man Arbeitslosen als Grundsicherung zugesteht. Wir kriegen doch diese neuen Polizeigesetze – und der Mann und sein Verein dürften sich doch wohl genug als „Gefährder“ positioniert haben, die man schon vor der Massentötung aus Habgier inhaftieren darf.

Puh – jetzt sind wir schon wieder weit vom Thema entfernt – oder auch nicht, denn: diese asozialen Entwicklungen im Lande gründen alle auf jenem reichsdeutschen Arbeitskult … der natürlich nur fürs Volk gilt, nicht für die Gauleiter, Plantagenbesitzer und Gutsherren, die ganz tief in die Gemeinschaftskasse greifen – auch mit jedem idiotischen Mammutprojekt, an dem Parteifreunde super verdienen … und von dem man im Nachhinein sagt, dass man es im Prinzip nie wieder bauen würde – wie Stuttgart 21 (siehe Spiegel).

Vielleicht denken Sie einfach mal heute über jenen Spruch nach, der seit Ewigkeiten durchs Land geistert: der Franzose arbeitet, um zu leben – und der Deutsche lebt um zu arbeiten.

Das hat auch religiöse Dimensionen, wie Ihnen jeder gebildete Christ bestätigen kann: der christliche Gott ist der Gott des Lebens, der Gott allen Lebendigen, er erfreut sich mehr an Franzosen, die das Leben, das ihnen geschenkt wurde, lieben und genießen anstatt an Deutschen, die Arbeit heiligen … obwohl nur noch ein kleiner Bruchteil von ihnen wirklich Arbeit hat, die man auch als solche bezeichnen kann.

Nebenbei … können Sie jetzt aber auch verstehen, warum der Atheismus eine wichtige flankierende Maßnahme der Plantagenbesitzer ist: ein Paradies, in dem alle nackt in der Sonne wie im Urlaub herumlaufen und gratis Essen und Trinken bekommen, ist dem Gutsherren ein Dorn im Auge – wie soll er da Bezirksstadtrat werden und kräftig abkassieren?

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