bedingungsloses Grundeinkommen

This tag is associated with 16 posts

Das Ende von Sozialstaat und Menschheit im heiligen Dienst an der Rendite der Elite

DSC_0544[1]

Donnerstag. 6.12.2018. Eifel. Was für eine schöne, wunderbare Welt! Voller glücklicher, verzückter Menschen, denen an nichts anderen liegt, als beständig die Lebensqualität der Gemeinschaft zu erhöhen, Not und Leid immer weiter aus der Welt zu schaffen und sich voll und ganz dem Schönen, dem Edlen, dem Heiligen zwecks Erhebung der Seele zu widmen! Seltsame Sätze, oder? Es gab Zeiten, da wäre das wirklich eine Option gewesen, dass solche Sätze zurecht ausgesprochen werden. An diese Zeiten kann sich niemand mehr erinnern, das ist wohl inzwischen so. Aber was wäre das für eine Welt, wenn wir so denken würden? Wenn alle Medien sich darauf konzentrieren würden, die Welt schön und wunderbar erscheinen zu lassen – die ganze Welt, nicht nur die der Reichen und Schönen, die alles für sich besetzen wollen, was wirklich schön und wunderbar ist. Sicher: es käme viel Arbeit auf uns zu – schärfen wir unseren Blick für das Schöne und Wunderbare, fällt uns sofort die unglaubliche Häßlichkeit unserer Gegenwart auf, die kaum in den Medien thematisiert wird – zum Beispiel die absolute Häßlichkeit unserer Städte, die für zwei Drittel der Deutschen inzwischen Heimat geworden sind.

Ich war gestern in einer solchen Stadt – zum ersten Mal seit Jahren wieder zu Fuß unterwegs. Verwöhnt durch eine Wohnlage mitten in einem Nationalpark bin ich sicherlich vorbelastet, das mag erkären, warum eine Wanderung durch eine Stadt – die ich früher beruflich täglich unternehmen musste – so schockierend war – mir aber viel erklärte. Viele Menschen schotten sich ab gegen die Stadt – ganz offensichtlich. Sie tragen Kopfhörer und Kaputzenpullis – es fehlen nur noch Gasmasken. Wir regen uns auf über die Menschen, die ständig mit ihrem Smartphone durch die Gegend laufen, die Medien sind voller Witze über sie … aber niemand nimmt wahr, dass diese Bilder hier auf dem Land kaum zu beobachten sind. Schauen Sie ruhig mal vorbei, wandern Sie ein wenig an den Ufern unserer Seen und Flüsse, schlendern Sie durch die alten Dörfer mit Fachwerk und Heiligenfiguren, ruhen Sie auf Bänken mit Blick über sanfte Hügel und stille Wälder …. und beobachten Sie, was die Menschen dort machen: sie genießen eine schöne, wunderbare Welt! Sie ist schon da, muss nicht erst geschaffen werden: das erleichtert die vor uns liegende Arbeit enorm. Sie werden kaum – eigentlich: gar nicht – „Smombies“ sehen, die sich in ihrem Smartphone vor der Welt verstecken … verstecken müssen, um an der Häßlichkeit nicht zu Grunde zu gehen.

Ich kann mir vorstellen, dass man auch in sich selbst viel Schönes und Wunderbares trägt. Schauen Sie, wozu der Mensch fähig ist: welch´ wunderbare Symphonien er schreiben kann, welch´tiefgründige und heilsame Geschichten er zu erzählen vermag, wie er in Tanz und Rausch eins mit der Welt werden kann – mit jeder Faser seines Seins, wie er in Bild und Ton die Schönheit der Natur abbilden – und noch vertiefen kann, wie er seine Fürsorge sogar auf Tiere und Pflanzen ohne Hemmungen überträgt, wie er Gärten schaffen kann, die die Schönheit der Natur nachahmen, verfeinern und übertreffen: was brauchen wir schon ein Paradies, wo wir doch durch die Kraft unserer Arbeit und Kreativität unsere Umwelt jederzeit in ein Paradies verwandeln können? Stellen Sie sich diese Welt doch einmal bildlich vor: eine Welt, in der Sie täglich im Rausch der Sinne leben könnten, voller angenehmer Töne, wohliger Düfte, sanfter Eindrücke und prächtiger Bilder – wo Häuser auch Kunstwerke sind und ein Genuss für die Augen … was wäre das für eine Welt!

Aber was haben wir für eine Welt? Grauer, häßlicher Beton, der psychisch krank macht, an sich schon eine Form von optischer Gewalt ist, eine Häßlichkeit präsentiert, die sich seine Erfinder selbst als Wohnraum nie antun würden. Ein Krach und eine Hektik im Straßenverkehr, als lauerten die Tiefen der finstersten Höllen um die nächste Ecke. Ein Gestank nach Gift und Seuche, der unsere Altvorderen panisch hätte fliehen lassen, weil er nur den finsteren Odem düsterster Götter darstellen kann, die gekommen sind, die Menschheit zu fressen.

Man gewöhnt sich daran.

Ich denke mir manchmal: manche dieser jungen Menschen, die es in den Moloch Stadt verschlagen hat, kommen vielleicht noch von der kleinen Minderheit der Landbewohner, die noch artgerecht leben, und schotten sich mit Kopfhörern und Kaputzenpulli so weit es geht vor der Häßlichkeit der Massenmenschhaltung ab, die kaum weniger widerwärtig ist als die Massentierhaltung. Und diese Schutzhaltung prangern wir an – oft und an jeder Ecke. Die Ursachen dafür jedoch…werden nirgends erwähnt. Man klagt und jammert über „die Deutschen“, die doch so wenig Widerstand zeigen – schaut aber nicht darauf, woher die Lethargie, die Mutlosigkeit, die Kraftlosigkeit stammt: wir erwarten uns revolutionäre Taten von wandelnden Leichen! Machen Sie auch noch verantwortlich dafür, dass sie wandelnde Leichen sind – und fragen nicht mehr nach den Tätern, ihren Waffen und ihren Methoden noch nach ihren Absichten.

Wir Menschen sind sinnliche Wesen, unterscheiden uns darin von keinem Tier auf dem Planeten. Menschen leiden ebenso wie Hunde, Katzen, Pferde und Schafe wenn sie nicht artgerecht gehalten werden … aber das „Gift der Propaganda“ hat uns schon so eingelullt, dass wir gar nicht mehr in der Lage sind, einfachste Fakten zu realisieren. „Gift der Propaganda“? Nun – ein Wort dass man bei der bemerkenswerten Vivanne Forrester finden kann, die im letzten Jahrtausend die beiden Werke „Terror der Ökonomie“ und „Diktatur des Profits“ geschrieben hatte – Werke, die in 27 Sprachen übersetzt und von der deutschen Literaturkritik zerrissen wurden … dabei nahmen sie voraus, was für uns alle Alltag geworden ist. Ich zittiere mal aus so einem Verriss von 1997 (siehe Zeit):

„Mit teils gehörigem Zorn, teils ungehörigem Zynismus wettert die Essayistin gegen die dunklen Mächte des Großkapitals, die klammheimlich die Massen nicht mehr benötigter Arbeitnehmer ins Elend abschieben wollen. Auch die schlimmsten Diktaturphasen der Geschichte hätten die Menschheit weniger gefährdet als der ungehemmte Globalmarkt, mittels dessen die selbsternannten Eliten ihr einziges Lebensziel, den Profit, immer weiter und immer brutaler in die Höhe trieben. Denn erstmals in der Geschichte seien die Machthaber anders als die schlimmsten Despoten vor ihnen – auf das Gros der Menschen nicht mehr angewiesen. Reduziert auf ihren Ertragswert, würden viele Arbeiter „noch unterhalb des Niveaus von Maschinen“ angesiedelt.

Viviane Forresters Schlußfolgerung paßt zu ihrer sogenannten Analyse: „Nie zuvor war das Überleben der gesamten Menschheit derart bedroht.“

Frau Forrester starb 2013 – was sehr schade ist, würde man doch gerne nochmal ihre Stimme hören, wie sie uns an die Hand nimmt und durch die Propagandafluten begleitet, uns hinführt in ein Land, wo Milch und Honig fließen – jenem Land, dass wir in Zukunft im Miteiander so leicht gestalten könnte aber im alltäglichen Gegeneinander unmöglich werden lassen. Es lohnt sich, den Verriss der Zeit ganz zu lesen, der Autor ist außer sich – hat nur keine Argumente. Zutiefst verletzt ist das Weltbild des Nobelbürgers von der Offfenheit einer damals schon älteren Dame – dabei leidet er wie alle unter der Tatsache, dass kaum nennbare Eliten die ganze Welt in eine Anstalt zur Erhöhung ihrer Renditen umbauen. Wer Forrester gelesen hatte, verstand schnell, dass Hartz IV kommen würde – auch wenn es den volkstümlichen Namen dafür noch nicht gab.

Im Kabarett – zur lustigen Unterhaltung – hatte ein Künstler das schon mal auf den Punkt gebracht: die brauchen uns alle nicht mehr. Wir können froh und dankbar sein, dass wir noch nicht ins Gas geschickt werden, weil der Umbau aller Werte in den Sozialsystemen der Elite noch nicht vollständig erreicht worden ist. Noch ziert man sich, die notwendigen Schlussfolgerungen zu ziehen, aber man bereitet sie Schritt für Schritt vor: es gibt de fakto keine andere Lösungmöglichkeit für das Überleben der Menschheit, als neun von zehn zu töten: das gebietet allein schon das Narrativ der menschengemachten Klimawandels – denn dieses Narrativ erklärt den Menschen zum Feind der Welt … und deshalb sehen wir den Menschen – mal Hand aufs Herz – doch schon gar nicht mehr als empfindungsfähiges, schützenwertes Wesen an, sondern als Parasiten, als Ballastexistenz, als Schädling … und folgen so in breiter Masse den Weltbildern der Elite.

Sie sind nun schockiert, oder? Wahrscheinlich gehören Sie auch zu jenen, die den SUV-Wahn verdammen, bei Diesel die Nase rümpfen und sich ihre vegane Jackfruit per Flugzeug zur Rettung der Welt von anderen Kontinenten einfliegen lassen (siehe FAZ), haben aber ganz vergessen, dass Kochfeuer jedes Jahr Millionen töten und durch CO2 die Umwelt in Gefahr bringen (siehe Spiegel). Wer kocht wie der Inder, vernichtet die Welt. Und die kochen nicht nur, die Inder, die haben auch Blähungen. Über Blähungen von Indern gibt es dankenswerterweise noch keine Studien wie die über Blähungen von Kühen, aber das Ergebnis im Rahmen der herrschenden Klima-Narrative ist schon jetzt klar: der muss weg, der Inder. Vor allem der Arme. Die Kühe müssen ja auch weg … nur essen dürfen wir die nicht, das wäre pfui. Aber weg sollten sie schon.

CO2-Emissionen steigen weltweit auf Rekordhoch, weitere Steigerungen werden erwartet (siehe Handelsblatt): es muss uns langsam klar werden, das wir den Kampf ums Klima verloren haben – einen Kampf, den sowieso niemand ernst nimmt, ein Gesang, der hauptsächlich angestimmt wird, um die Menschen gegeneinander auszuspielen: voller Stolz jagen wir gerade Dieselfahrer … obwohl es der Diesel ist, der die günstige Klimabilanz hat. Merkt aber keiner mehr, weil das Gift der Propaganda so stark geworden ist, dass es keine Alternativen mehr zuläßt. Wir sehen gerade am Dieselwahn wir irrational die Zeiten geworden sind, wieviel Hysterie und Panik das Denken beherrschen … und das der ungehemmte Globalmarkt die schlimmste Despotie von allen über die Menschheit hereinbringen wird – eine Despotie, die das Überleben der gesammten Menschheit bedroht … mehr als der Klimawandel.

Ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht ist eine ganz wichtige Frage: sie entscheidet darüber, ob wir Milliarden von Menschen auslöschen müssen oder nicht. Wie gesagt: selbst die kleinen Kochfeuer sind zu viel. Und dann wollen die alle auch noch essen…

Machen Sie sich da nichts vor: es wird Menschen geben, die die Aufgabe der Auslöschung der Armen gern und voller Überzeugung übernehmen werden: ganz normale Menschen, die sich der Größe und Tragweite der Aufgabe bewusst sind und die sie voller Stolz erfüllen werden, weil es um nichts geringes geht als um die Rettung der Welt! Deutschland 1933-1945 hat gezeigt, wozu Menschen fähig sind, wenn sie nur in der vollen Überzeugung handeln, dass zur Rettung der Welt große Taten nötig sind, für die man wahre Helden braucht, die in aller Stille unangenehme Dinge zum Wohle aller erledigen.  Das ist schon mal geschehen. Sie haben sich gefühlt wie die Besten und Größten – wir richtig gute Gutmenschen – nur leider angefüllt mit tödlichem Propagandagift, das ihnen die Sinne vernebelte.

Wieso ist eigentlich alles so fürchterlich schief gelaufen? Nun – es gibt viele Erklärungsmodelle dafür. Ich ziehe die radikaleren vor: es liegt einfach an unserem degeneriertem Wirtschaftssystem, am Renditewahn. Eine Firma sollte gute Produkte produzieren, die die Lebensqualität von Menschen verbessern … und nicht nur Mittel dafür sein, dass das eingesetzte Kapital genug Zinsen bringt. Letzteres ist überhaupt kein sinnvolles Ziel – außer für jene, die die Zinsen geschenkt bekommen. Im Zentrum dieses Wirtschaftssystems befindet sich … der Konzern, in Colin Crouches Werk „Postdemokratie“ (sehr lesenwert, ja, geradezu ein Muss um die Gegenwart zu verstehen) der zentrale Motor zur Zerstörung der demokratischen Strukturen – meist nur noch eine Zentrale mit vielen großen Konten, weit ab von den romantischen Vorstellungen einer „Firma“. Und dieser Konzern … könnte nur durch eine globale Weltregierung aufgehalten werden, Nationalstaaten sind ihm völlig hilflos ausgeliefert – wie die Cum-Cum -und Cum-Ex-Skandale mal wieder deutlich gezeigt haben … um nur ein kleines Beispiel zu nennen.

Mit den Konzernen haben wir etwas geschaffen, dass es noch nie auf der Welt gab: gigantische, seelenlose, psychopathische Monstren mit vielen menschlichen Dienern, Göttern gleich, die gierig den ganzen Planeten zerstören: geschaffen durch den Willen weniger, gehalten durch den starken Arm des Gesetzes und getragen durch die Arbeitskraft der Menschheit. Ja – es sind unsere Gesetze, die sie zu „Personen“ machen – Personen mit einer Machtfülle, wie sie einst Götter hatten. Und die gleichen Gesetze zwingen sie dazu, Psychopathen zu werden … und beschneiden die Macht eines jeden Menschen, der in ihnen arbeitet. Lesen Sie mal Joel Bakan dazu, „das Ende der Konzerne“ … nur ist das Ende leider nicht mehr absehbar.

Und jetzt sind Sie sicher völlig durcheinander, gilt es doch als sicher, dass gerade die „Bösen“ für die Globalisierung sind und die Guten den Nationalstaat behalten wollen, der einzig der Garant für die soziale Absicherung des Volkes sein kann. Ich erwähne jetzt nochmal das „Gift der Propaganda“ … dessen Wirkung Sie gerade jetzt in sich verspüren werden. Die Konzernwelt braucht den Nationalstaat, um seine Bewohner aussaugen zu können: das, wovor man sich bei Schreckensbildern wie „NWO“ fürchtet, findet schon seit Jahren statt – in jedem Land der Erde. Und wird jährlich schlimmer.

Ich verwirre Sie gerne noch weiter, denn eine Methode zur Vernichtung der Armen wird etwas sein, von dem die Armen gerade träumen: das bedingungslose Grundeinkommen – jetzt auch von führenden Milliardären des Silicon Valley gefordert (siehe FAZ), jenen Menschen, die mit Hochdruck daran arbeiten, in eigenen schwimmenden Städten mir ihresgleichen vor den Traumstränden der Welt zu leben und ihren „Geist“ in Maschinen transformieren zu können, während intelligente Maschinen die Arbeit (die Verwaltung … und Eliminierung der Massen) an Land erledigen. Das überrascht sehr, gilt doch das bedingungslose Grundeinkommen als einzige Hoffnung auf Zukunft: jeder bekommt 1500 Euro und kann leben wie ein König! Es könnte auch jeder 10000 Euro bekommen, das wäre den Herren des Geldes im Prinzip völlig egal – solange sie wie schon jetzt – die Preise diktieren dürfen. Schulbesuch der Kinder kostet dann eben 2 Millionen im Jahr, jeder Arztbesuch 100000, Straßenbahnticket 500 Euro. Ja – in der neuen Welt hat alles seinen Preis – und unterm Strich werden alle für ein bedinungsloses Grundeinkommen stimmen, dass … nebenbei … die Reichen noch reicher macht und die Armen völlig „dem Markt“ ausliefert – ausgestattet mit einem kleinen Taschengeld, das unterm Strich nur für junge, gesunde, egoistisch orientierte Menschen Gewinn bringt … aberletztlich dazu führen wird, dass die Armen auf die preisgünstigste Weise sterben werden: sie verhungern und erfrieren einfach, sterben früh an Krankheiten. Ist viel billiger als Gas und Lager. Was nämlich keiner erwähnt: der ganze Sozialstaat wird zugunsten dieses Grundeinkommens abgeschafft – und auch das normale menschliche Miteinander.

Nun sollte man sich nicht entmutigen lassen, sein Heil halt nicht in Formen suchen. Herrscht ein guter Geist in den Systemen, können Staaten, Grundeinkommen und sogar eine globale Regierung sehr nützliche, hilfreiche, positive Elemente sein. Herrscht aber ein niederer Geist in ihnen – können Sie Waffen gegen die Menschheit werden.

Und die ist ja – wenn wir der guten Frau Forrester folgen – gerade in Gefahr wie nie zuvor.

Durch „die Wirtschaft“ – wie der Feind der Menschheit neudeutsch verharmlosend genannt wird.

 

 

Bedingungsloses Grundeinkommen. Über Führung, Verantwortung und Recht.

Digital StillCamera

Montag, 26.9.2016. Eifel. Bedinungsloses Grundeinkommen. Ich habe noch nie ausführlich darüber geschrieben – und das hat einen einfachen Grund: die Datenlage zur verfügbaren Geldmenge ist unklar. Die Statistiken sind nicht einfach lesbar – und enthalten all zu oft Einschränkungen. Ist ja vielleicht auch so gewollt. Dann sind meine Erfahrungen hinsichtlich der Arbeitsdisziplin und der Arbeitsmotivation meiner Mitmenschen nicht unbegingt immer hoffnungserweckend. Damit meine ich nicht die, die trotz Leistungswillen und Leistungsfähigkeit vom Arbeitsleben völlig ausgeschlossen sind. Wer von den Mini-Hartz-Sätzen leben muss (die ja jetzt um 5 Euro erhöht werden – im Monat, nicht am Tag, wie es notwendig wäre – während der reiche Kanzler, der dies eingefädelt hatte, nebenbei noch mal 10000 Euro Preisgeld für seine Reform erhält), ist gezwungen, hart zu arbeiten: er muss absolut effektiv und fehlerfrei wirtschaften, sonst drohen Hunger und Obdachlosigkeit … ein Schicksal, dass immer mehr Menschen droht. „Wirtschaften“ – ist harte Arbeit, das weiß jeder, der das mal für einen Konzern getan hat – da kriegt man allerdings bei Erfolg Riesenprämien. Und gerade aus der Wirtschaft (und der Verwaltung) stammen jene Beobachtungen, die zweifeln lassen, dass Menschen verstehen, dass für Riesengehälter und Unkündbarkeit auch eine gewisse Leistung erbracht werden muss: in der Regel versuchen die Mitarbeiter – ganz nach kapitalistischen Denken – ein Maximum an Geld mit einem Minimum an Einsatz zu erwirtschaften … und der „Minimum an Einsatz“ ist da oft der entscheidendere Faktor.

Motivation zur Arbeit ist ein gigantisches Problem. Die Konzerne merken es zusehends – man denke nur an die ganzen gigantischen Rückrufaktionen in der Autoindustrie der letzten Jahre … oder die Mauscheleien bei der Abgasmessung, eine Strategie, die von der Regierung bei der Analyse der Arbeitslosenzahlen vorgelebt wurde: „lieber Schein als Sein, die Kohle läuft ja weiter“ ist die Devise – und eigentlich die Devise für den ganzen deutschen Arbeitsmarkt. Anselm Grün, Mönch und Unternehmensberater, hat  mir jedoch ein wenig Hoffnung gemacht, dass diese kapitalistische Arbeitsmoral (Einkommen minus Arbeitszeit gleich Gewinn) bewältigt werden kann. Seine Theorie – die durch die Erfahrungen einiger großer Unternehmen untermauert wird: schlechte Arbeitsmoral liegt an der schlechten Führung. Gute Führung zeichnet sich seiner Meinung nach durch Sorgfalt, Achtsamkeit, durch festen Glauben an den guten Kern im Menschen aus, ebenso durch Vermeidung von „Betrüben“ und Verachtung. (Anselm Grün, Menschen führen, Leben wecken, dtv, 5. Auflage 2008, Seite 33 – 45). Gerade der letzte Aspekt führt direkt hinein in Milliardenverluste: wer seine Arbeitnehmer (und auch seine Bürger) verachtet (durch Spott, Arroganz, Überheblichkeit, Sklavenmeistermentalität – um nur einige Formen der Verachtung zu nennen, es reicht auch schon, wenn man sie als „Mob“, „Pack“, Pöbel ansieht und ihnen den Stinkefinger zeigt), erzeugt mächtige Gegenkräfte, die bis hin zu Sabotage reichen – Themen, die in den Konzernzentralen bekannt sind, über die man aber nicht redet, weil ihre Bewältigung das ganze  System in Frage stellen würde.

Grün weist aber den Führungskräften auch eine Reihe von Eigenschaften zu, die sie unbedingt erfüllen sollen: Erfahrung, menschliche Reife, Bescheidenheit, Demut, Ruhe, Sinn für Gerechtigkeit, Klarheit bei der Entscheidungsfindung, Sparsamkeit, Gottesfurcht (ein befremdliches Wort in diesem Kontext, es weist allerdings auf die positiven Folgen des spirituellen Weltbildes hin: die absolute, nicht mehr hinterfragbare Akzeptanz des Menschen als ursprünglich „gutes“ Wesen) und Väterlichkeit (im positivsten Sinne des Wortes) sind Anforderungen an Führungspersonal (Grün, a.a.O., Seite 13 -33). Durchsuchen Sie mal Regierung und Bundestag, ihre Stadtverwaltung sowie die Zentralen der Deutschen Bank, VW oder Siemens nach Menschen mit diesen Eigenschaften: Sie werden Gründe genug finden, die die uneffiziente Arbeitsmoral erschöpfend erklären. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her, sagt der Volksmund – und damit erklärt sich vieles.

Wenn ich über bedingungsloses Grundeinkommen im privaten Kreis rede, habe ich immer ein Beispiel parat. Nehmen wir mal an, wir fliegen in den Urlaub. Vielleicht auf die Malediven – aktuell sehr islamistisch geprägt – aber immer noch schön. Voller Freude besteigen wir den Flieger, der irgendwo im Pazifik abstürzt – wir können uns natürlich alle auf eine einsame Insel retten. Was brauchen wir dann? Unternehmer. Also Menschen, die was unternehmen, die Pläne für die effektive Organisation von Arbeit haben – was in diese Fall lebensnotwendig ist. Vielleicht haben wir sogar Glück und alle sind zu dieser Leistung fähig: dann können wir überleben. Wir brauchen ganz schnell Wärme – Kälte bringt uns am schnellsten um. Dann brauchen wir Wasser – und letztlich Nahrung. Also flugs vier Teams gebildet: einer für Brennholz und Baumaterialien, einer für Wassersuche, einer für Nahrungssuche – da darf keine Sekunde verschleudert werden – und ein Team zur Pflege der Alten, der Kranken und der Kinder, die noch nicht in die Suche eingebunden werden können. Das ist unser „Backoffice“, das selbst noch viel leisten kann: das Feuer am Leben halten, Küste und Himmel beobachten, die Versorgung der erschöpften Sucher übernehmen und einen Lagerplatz sauber halten. Sie sehen mein Problem mit dem bedingungslosen Grundeinkommen? Ein Kreis aus Lehrern und Sozialarbeitern sowie politischen Aktivisten jeder Art, die am Strand erstmal die Verteilungsfragen diskutieren, kann ich in meinem Geschäftsplan am Strand nicht abbilden. Und diese Inselsituation …. ist im Prinzip die Situation eines jeden neugeborenen Menschen auf dieser Erde. Manche jedoch landen eher auf felsigem Eiland, wo nichts wächst. Andere – wachsen in paradiesischen Zuständen auf.

Bleiben wir gleich mal auf unserer Insel – Sie werden sehen: es lohnt sich.

Wem gehört eigentlich diese Insel, auf der wir in der Not gestrandet sind? Da sich keiner meldet: wem wollen wir die Besitzrechte zusprechen? Gut, es gibt jene, die kräftig und gesund genug sind, weite Flächen zu roden und so Ackerland zu schaffen, das vorher nicht da war. Während die roden, gehen andere jagen, dritte gehen kochen, vierte hüten ihre Kinder: an der Arbeitsleistung „Feld“ sind viele beteiligt, was den Anspruch des Roders auf Eigentum schon relativiert. Hat der Inselbewohner Pech, steht sowieso nach drei Jahren die US-Marine vor der Küste, zeigt ein Dokument, auf dem steht, dass sie die Insel für drei Flaschen Whisky von einem portugiesischen Fischer gekauft haben, der meinte, sein Opa hätte die Insel in Besitz genommen: Legitimation von „Grundbesitz“ (dem wichtigsten Besitz auf Erden, stellt er doch die Voraussetzung für Nahrung, Wasser, Obdach) können vielfältig sein und haben immer denselben Effekt: andere auszuschließen.

Denken wir uns jedoch, die Insel war noch unentdeckt. Also: wem „gehört“ sie? Denken wir adelig, so wird klar: der Elite. Den Starken. Gott sei Dank sind wir ja nicht adelig, sondern Demokraten, weit von jeder Form des Faschismus entfernt, der die Menschheit immer wieder in „wertes“ und „unwertes“ Leben aufteilt – sich selbst aber selbstverständlich immer und überall als höchstwertig einstuft. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ sind unsere zentralen Werte: das spricht völlig gegen Stacheldraht, der Zugang zu Land einschränkt, die Freiheit behindert und der Brüderlichkeit demonstrativ eine Absage erteilt. Und bleibt also gar nichts anderes übrig – wenn wir nicht zu bloßen Räubern degenerieren wollen – als zu sagen: diese Insel gehört von Anfang an allen, die sie gefunden haben – unabhängig von ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit. All ihre Rohstoffe, ihre Nahrungsmittel, ihre Flächen, Seen, Bäche, ihre Luft und Felsen gehören allen, die eine Notgemeinschaft auf ihr bilden. Da gilt für die Insel das gleiche Prinzip wie für den Erdball … jenen Erdball, der voller Zäune ist. Sie merken jetzt wahrscheinlich, worauf ich hinaus will: wir haben eine Verteilungsfrage. Oder ein Verteilungsproblem. Oder eine Verteilungsherausforderung.

Nun, ich denke: für unsere Inselbewohner ist das erstmal kein Problem: sie haben keinen Chef, der sie terrorisiert, können also ganz vernünftig entscheiden. Ihnen wird klar sein: alles gehört allen. Niemand hat die Wärme gemacht, niemand das Wasser, Nahrung wächst von ganz allein: nur ein völlig irrer Soziopath könnte auf die Idee kommen, irgendetwas davon könnte ihm allein gehören und er könnte aufgrund seiner Privilegien nun die anderen dirigieren, wie es ihm gefällt.

Kehren wir nun von unserer Insel zurück nach Deutschland, gerettet von einem russischen Fischkutter. Was sehen wir? Zäune, Mauern, Schranken. Einen Räuberstaat – ganz im Sinne des lateinischen Verbes für „Privatbesitz“: Privat gleich „geraubt„. Wahrscheinlich wäre unsere Insel ebenso denaturiert, wenn sich die Leute nicht zusammengesetzt und beschlossen hätten, dass man sich an die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte hält, an die christlichen Werte und die Maximen der reinen Vernunft. Wir erkennen sofort: Deutschland im Jahre 2016 hat andere Maximen. Und was wollen unsere frisch geretteten Inselbewohner nun – ausgestattet mit der Erfahrung, dass man zusammen ein viel glücklicheres Leben leben kann, als wenn man den ganzen Tag gegeneinander wirkt?

Sie wollen was ändern. Sie müssen etwas ändern, weil die Räuberbarone ein System aufgebaut haben, das den ganzen Planten in Gefahr bringt. Was wäre sinnvoller, als sich darauf zu besinnen, dass die materiellen Werte dieser Erde nicht von Menschen geschaffen wurden – also allen gehören … nicht nur den Räubern. Indianer wussten das noch, Cowboys auch – nicht umsonst kam aus ihren Reihen die Kunde, dass der Stacheldraht dem freien, wilden Westen ein Ende gesetzt hat – und nicht etwas das Gesetz.

Wie ändert man das jetzt?

Nun – ganz einfach: wir fordern die Zuteilung von jenen Ressourcen, die uns per Naturrecht zustehen. Essen, Obdach, Wärme, Wasser. Wer würde uns das auch verbieten wollen? Nur ein psychopathischer Mörder könnte diese lebensnotwendigen Dinge für sich behalten wollen – ein geistig kranker Mensch, der Hilfe und Fürsorge braucht, aber auf keinen Fall Macht bekommen darf.

Gut, wir sind ja nicht doof. Die Hungersnöte sind auch in der Eifel dadurch bewältigt worden, dass man die kleinen Parzellen zusammengelegt hat, um sie effektiver bewirtschaften zu können – damit mehr für alle übrig bleibt. Nur: im Laufe der Zeit wurden die, die ihr Land dazugegeben hatten, immer weiter herausgedrängt … so weit. dass sie letztlich im Jobcenter landeten. Gerecht ist das nicht. Außerdem … haben wir ja inzwischen das Geld dazwischengeschaltet, wir zahlen  nicht mehr mit Hühnern, Schweinen und Strohballen sondern mit einem staatlich legitimierten Tauschmittel.

Wem gehört eigentlich dieses Tauschmittel?

Nun: dem Staat. In erster Linie. Also: der Gemeinschaft der Bürger, die für den Wert dieses Geldes persönlich bürgt. Später dem, der es „rechtmäßig“ erhalten hat. Der Staat – hier Bundesbank – stellt es her, die Regierung stellt Regeln zur Verteilung auf, anhand derer Sie dann Ihren Schein Ihr Eigentum nennen können. Da Geld Tauschmittel ist, um den Verkehr von Waren und Dienstleistungen effektiver zu regeln, ist es eine Notwendigkeit, alle damit auszustatten: 40 Mark bekam jeder von der neu gegründeten Bundesbank zur Geburt der Bundesrepublik.

Sie merken, nun wird es kompliziert: über Jahrhunderte hinweg haben sich Eigentumsrechte an Land zusammengeballt, ohne dass jemand groß nach ihrer Legitimität fragt – allein die Kirchen haben da gigantische Mengen an Eigentum privatisiert, die nun für die Allgemeinheit nicht mehr zur Verfügung stehen. Wenn Sie hier geboren werden, kommen sie also auf eine Insel, in der schon alles privatisiert ist. Das ist doof – es sei denn, ihre Eltern waren erfolgreiche Räuber. Aber wir mit unseren Werten wollen ja keinen öffentlichen Räuberstaat schaffen, das lassen die Werte ja gar nicht zu.

Insofern erkennen wir nun nach langer Vorrede, dass jeder Mensch, sobald er geboren ist, ein Grundrecht an den materiellen Schätzen dieses Planeten hat: ein Grundrecht, das ihm seine Solidargemeinschaft im Sinne von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit freudig gewährt … es sei denn, sie ist gerade zu einem asozialen Räuberhaufen degeneriert. Würden wir übrigens auf unsere Insel diesen Räuberhaufen dulden: Armut, Not, Gewalt, ewiger Krieg wäre die direkte Folge – außer für die Räuberbarone, auf deren Zusammenarbeit wir in dieser Hinsicht nicht bauen dürfen.

In einer arbeitsteiligen Welt bestünde dieses Grundrecht in regelmäßiger Zuteilung von GELD, für dessen Wert ja die gesamte Solidargemeinschaft mit all ihrem Besitz und ihrer Schaffenskraft bürgt. Somit ist ein bedingungsloses Grundeinkommen keine hirnige Forderung fauler Laumalocher, sondern ein unabänderliches Naturrecht, das umgehend zugestanden werden muss … wenn wir unsere westlichen Werte ernst nehmen wollen.

Wie die Verteilung auszusehen hat, braucht uns in diesem Moment gar nicht zu interessieren: aus dem Naturrecht leitet sich erstmal der ganz normale Anspruch ab, dass die Wirtschaft diese Ressourcen zur Verfügung zu stellen hat (dafür hat sie ja Land, Straßen und Personal sowie Freiheit genug bekommen, um „wirtschaften“ zu können, was ja allein schon Spaß genug macht) und die Regierung muss für die rechtmäßige Verteilung sorgen. Da gibt es kein vertun, kein drumherum und keine Diskussion: dieses Grundrecht ist oberste Priorität … und im 21. Jahrhundert sollte es in demokratischen Gesellschaften eine Selbstverständlichkeit sein, da wir uns schon lange vom „Recht des Stärkeren“ verabschiedet haben.

Sicher: ein bedingungsloses Grundeinkommen (wer würde sich hier überhaupt anmaßen, „Bedingungen“ für das nackte Überleben zu stellen?) wird anstregend, ist nicht leicht und kostet viel Geld. 1500 Euro im Monat würden 1,5 Billionen Euro im Jahr kosten (siehe Süddeutsche). Haben wir überhaupt soviel Geld? Das sind ja Summen, die unser Alltagsbudget weit übersteigen. Nun – die Geldmenge M 3 besteht in Deutschland aus 2,3 Billionen Euro (siehe Statista) … es wäre also genug Geld da, daran soll es nicht scheitern.

Doch dann kommt die Kritik: die Geringverdiener zum Beispiel würden dann ja gar nicht mehr arbeiten gehen (siehe Zeit). Nun – aber auf der Ebene diskutieren wir ja gar nicht: es geht um das Urrecht jedes Menschen auf die Schätze dieses Planeten: da kann es kein legitimes NEIN geben. Und auf diesen besonderen Einwand kann man nur entgegnen: dann sollte man eben keine Bullshitjobs schaffen.

Aber setzen wir uns mal mit den vier Gründen gegen das bedingungslose Grundeinkommen auseinander (mit Gründen dafür brauchen wir uns nicht befassen: es ist da älteste Naturrecht des Menschen – basta! Darüber kann man legitimerweise gar nicht diskutieren – ebenso wenig wie über das Recht auf Leben).

Alexandra Borchard hat sich mal für sie stark gemacht (siehe Süddeutsche).

Die Steuern würden ins Astronomische steigen, sagt sie. Wir können sagen: ja und? Gleichzeitig steigt doch auch das verfügbare Haushaltseinkommen, weil Millionen Menschen mehr konsumieren können, was mehr Arbeitsplätze bedeutet, mehr Geschäfte, mehr Umsatz, mehr Steuern: allein die Mehrwertsteuer auf 1,5 Billionen Grundeinkommen beträgt 285 Milliarden – und traue ich dem Wirtschaftsnobelpreisträger Stieglitz, würde diese Investitionsschub ein Rückfluss an Geld (durch die Wertschöpfungskette) 2,4 Billionen Euro bedeuten. Was natürlich nicht geht, ist: das wir der selbsternannten „Elite“ mehr Geld geben als das Grundeinkommen hergibt. Ja: sie lesen richtig – die „verdienen“ ja nichts, das wird alles zugeteilt: im Kommunismus vom Staat, im Kapitalismus vom Räuberbaron – je nach Lust und Laune. Deshalb können Fussballer Millionäre werden. TV-Clowns auch.

Ein Grundeinkommen soll nicht dazu führen, dass sich Unternehmen aus der Verantwortung stehlen, sagt sie. Das aber … können sie ja auch gar nicht. Sie haben einen klaren gesamtgesellschaftlichen Auftrag: effektiv (also: auch nach den Gesetzen der Marktwirtschaft) Wirtschaft zu organisieren – ohne Kinderarbeit, ohne Ausbeutung von Niedriglöhnern, ohne Umweltvernichtung: also in den engen Grenzen der Menschenrechte. Heute besteht der Auftrag der Wirtschaft darin, größtmögliche Gewinne für Aktionäre zu erwirtschaften – auf Teufel komm ´raus – Geld, das dann als „gefrorene Arbeitsleistung“ auf irgendwelchen Konten in Steuerparadiesen unnütz herumliegt anstatt das zu machen, wofür wir es geschaffen haben: zum Zwecke des ewigen Zirkulierens.

Ein Grundeinkommen macht alles gleich, meint Alexandra, dabei seien die Menschen doch verschieden. Ja, das stimmt, perfekt erkannt, aber so soll es ja auch sein: das Grundrecht auf Existenz mit allen Privilegien ist für alle Menschen gleich – da hat nicht einer mehr von und der andere weniger.

Das vierte Gegenargument ist jedoch das schauerlichste, was man sich einfallen lassen kann: „Menschen brauchen Strukturen, wollen gebraucht werden und sozial eingebunden sein“. Wer von Ihnen braucht dafür einen Arbeitgeber oder einen Vorgesetzten? Da ist sie wieder, diese nicht tot zu kriegende Einstellung, es gäbe den Hypersupermenschen, der wie dafür geschaffen ist, den anderen Struktur zu geben, ihnen einen Nutzen zuzuweisen und sie effektiv einbinden zu können. Zur „sozialen Einbindung“ brauche ich Freunde, Nachbarn und Familie, das Zusammenleben mit ihnen strukturiert den Tag von ganz allein (wie auch meine existentiellen Grundbedürfnisse schlafen, essen, trinken), sie sorgen auch für das Gefühl, gebraucht zu werden.

Aber hier sehen wir halt wieder unser Hauptproblem: unsere „Führung“ – die sich selbst übrigens gerne das Vielfache von 1500 Euro im Monat zuteilt, ohne sich zu fragen, ob es auch Sinn macht oder ob wir uns das überhaupt leisten können. Ja. dass müssen Sie sich unbedingt mal klar machen: wir haben schon längst ein Grundeinkommen. Jeder – auch Arzt, Architekt, Anwalt, Bischof und Kanzlerin bekommen ihre Zuteilungen von Gemeinbesitz durch andere Menschen… allerdings auf einem Niveau, das der Planet nicht mehr lange hergibt. Es wird zwar gerne von „verdienen“ geredet, doch das ist nur ein intellektueller Täuschkörper; verdient wird da gar nichts, zugeteilt alles. Also klappt das doch im Prinzip: wir reden nur noch über die Bedingungen der Zuteilung.

Ein paar hätte ich da schon. Ich fordere von den Empfängern jenes Einkommens einer politischen Gemeinschaft, dass sie auch die komplette Verwaltung selbst übernehmen: Bürgermeister, Bundeskanzler, Abgeordnete, Verwaltungsangestellte – all das muss von den Grundeinkommensempfängern selbst organisiert werden: ohne Zusatzkosten. Wie schön, dass wir dann automatisch bescheidene Chefs kriegen. Für die Gierigen bleiben dann ja noch 800 Milliarden übrig, um die sie sich streiten können – die Züchtung von Milliardären (da sind wir Deutschen spitze drin – siehe Cicero) können wir uns dann aber mangels Masse nicht mehr leisten. Ebenso müssen alle Gemeinschaftsaufgaben auf diesem Niveau organisiert werden: wie auf unsere Insel gibt es da nichts groß extra, weil einfach die Geldmenge beschränkt ist. Wir können nur die Kokosnüsse verteilen, die da sind – wer hier Optionsscheine handeln will, um Reichtum anzutäuschen, sollte sich schnell eine andere Insel suchen.

Ich habe aber gar keine Zweifel daran, dass wir genug Menschen finden, die für 1500 Euro im Monat im Parlament sitzen möchten: allein schon, weil sie an politischen Debatten Freude haben. Da kommt dann wieder richtig Leben ins Parlament.

Der Umstrukturierungsprozess ist natürlich gewaltig – aber leider völlig alternativlos. Zum einen gibt es das Gebot des Urrechtes der Existenz – und zum anderen die natürlichen Grenzen unserer Ressourcen: wer alle Bäume unsere Insel fällen will, um sich eine Riesenyacht zu bauen, mit tausend Rudern für die anderen, damit man richtig Fahrt aufnehmen kann, muss leider in seine Schranken gewiesen werden – so schön der Gedanke an Wasserski auch sein mag. Ich werde nicht alle Facetten davon mit 3000 Worten beschreiben können – aber es geht ja erstmal um die Grundsatzdebatte. Wissen Sie übrigens, wie hoch die Staatsquote in Deutschland ist – also das Geld, das der Staat in die Wirtschaft pumpt? Sie macht 44 Prozent vom Bruttosozialprodukt aus, welches 2015 über drei Billionen Euro lag. Das sind schon 1,3 Billionen Euro, die sowieso schon jetzt durch Staat und Steuern umverteilt werden – nur halt anders. Die 200 Milliarden, die dann noch fehlen, sparen wir durch die Übernahme der Verwaltung durch die Bürger selbst

Also: Geld (bzw. Masse), ist da. Recht auch. Vernünftig ist es eh, weil es die Wirtschaft zum Nutzen von Verbrauchern und Konsumenten mal wieder so richtig ankurbeln würde – nur das leistungsfreie Leben durch Zinseinkünfte wäre sehr schwierig zu gestalten.

Jetzt müssen wir es nur noch machen. Und dabei wird jeder Feind sein, dessen Ansprüche über 1500 Euro im Monat hinausgehen. Sie sehen also: Volksabstimmungen könnten da schwierig werden – die brauchen wir aber nicht. Über Grundrechte kann nicht abgestimmt werden – wo kämen wir da hin?

Wo fangen wir an mit unserer Arbeit? Nehmen wir einfach den Mönch Anselm Grün – einen Menschen, der als Unternehmensberater arbeitet und weit entfernt von kommunistischen Träumen anzusiedeln ist. Stinkt der Fisch vom Kopfe her, müssen wir beim Kopf beginnen: bei den Ansprüchen und Maximen der „Bosse“ in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – und sie vorsichtig daran gemahnen, bescheiden und „väterlich zu sein“. Und welcher Vater würde seine behinderten, kleinen Kinder schon im Schnee vor der Türe verrecken lassen, während er mit dem ältesten Sohn vor dem Kamin prasst? So ein Arschloch würden wir doch gar nicht für voll nehmen können … und es widerspräche ja auch dem von Grundeinkommensgegnern geforderten menschlichen Bedürfnissen nach „gebraucht werden wollen“ … und so einen asozialen Typus braucht kein Mensch.

Also: lasst uns den Auftrag jetzt umsetzen. Recht, Vernunft und die Werte des christlichen Abendlandes sind auf unserer Seite – und zeigen uns so, dass dieser Auftrag zur Installierung eines geldbasierten Bedingungslosen Grundeinkommens alternativlos ist … trotz aller gewaltigen Probleme, die die Umorganisation der Verteilungsprozesse mit sich bringt.

Aber: wir sind ja nicht faul!

(Text gewidmet einer Drachenfrau, die die Inspiration zu ihm gab)

 

 

 

 

 

 

 

 

Bundesagentur für Arbeit verleiht Ehrentitel – Held der Arbeit

Wann wird hier in der freiheitlich demokratischen Republik kurz genannt „BRD“ der Ehrentitel „Held der Arbeit“ eingeführt – verliehen von der Bundesagentur für Arbeit für besondere Verdienste auf dem Arbeitsmarkt? In Anlehnung an der sowjetischen Stachanow-Bewegung der Steigerung der Arbeitsproduktivität?

Denn das wäre nur konsequent …

Mütter, die im SGB II Bezug stehen, soll der Zugang zu dem Arbeitsmarkt erleichtert werden, der Gleichberechtigung und der Selbstbestimmung willen, im Niedriglohnsektor versteht sich – wobei Letzteres schon fast nach kaschiert marxistischen Parolen klingt – der Selbstverwirklichung.

Kosten und Mühen werden nicht gescheut, gepaart mit schwarzer Pädagogik ergänzt mit politischem Druck, die selbstbestimmte gesellschaftliche wertvolle Kindererziehung der Obhut der Fremdbestimmung zu überlassen und das nach dem Willen der Volkspartei CDU/CSU, SPD und Grünen – sozusagen unter staatlicher Aufsicht. Begründet wird dies mit Expertisen, Stellungnahmen, Gutachten, Statistiken, die die immer weiter fortschreitende Verwahrlosung der Unterschicht aufzeigen sollen.

So auch die OECE, die festgestellt hat, dass die Armen mittlerweile so arm sind, dass sie sogar schon das Wachstum gefährden. Die Expertin Antinie Kerwien von der OECD artikulierte das so:

„die kaufen unter Umständen keine Bücher, die schicken ihre Kinder nicht in Nachhilfekurse und vielleicht ist es ihnen auch nicht ganz so wichtig, dass ihre Kinder ein Abitur machen oder eine Ausbildung finden, die gut angesehen ist, weil sie erstmals ganz andere Sorgen haben.“

Mit der Herabwürdigung der selbstbestimmten Kindererziehung und Slogans, die da lauten: Betreuungsgeld bleibt eindeutig eine Antibildungsprämie, weg mit der Herdprämie, Betreuungsgeld sei eine Fernhalteprämie, Betreuungsgeld ist eine Schnapsidee, Elterngeld sei eine Fortpflanzungsprämie für die Unterschicht – versetzt man der selbstbestimmten Kindererziehung den gesellschaftlichen Todesstoß. Mütter im Dienste der Kapitalverwertung – clever gemacht von den Neoliberalen, die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wächst, das Lohngefälle rutscht weiter nach unten und die Milliarden teure Fremdbetreuung, diese Zeche zahlt die Gemeinschaft.

Würde man den Müttern, wenn sie ein Kind gebären, ein bedingungsloses Grundeinkommen zugestehen – in dem sie selbst entscheiden können ihre Kinder in fremde Hände oder eben selbstbestimmt zu erziehen, wäre das schon ein Schritt in ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben – aber ich vergaß: Die Empfängerinnen würden das Geld eher in den nächsten Schnapsladen tragen, als es in Vorsorge und selbstbestimmte Familienplanung zu investieren – so die einhellige Meinung unserer Volksvertreter.

Vom Tode der Marktwirtschaft in Deutschland und Europa

Vom Tode der Marktwirtschaft in Deutschland und Europa

Mittwoch, 27.5.2014. Eifel. Kennen Sie eigentlich noch die Legende vom „Markt“? Sicherlich – wie ein goldenes Kalb wird dieses Bild von Wirtschaft und Politik durch die Welt getragen – aber kennen sie auch seine Geschichte? Sollten Sie, denn „der Markt“ ist älter als der Kapitalismus. Viel älter – und viel gesünder. Die Idee hinter dem Markt ist einfach: Wohlstand durch Kooperation. Anstatt, dass jeder einzeln durch die Wildnis läuft, sich von Beeren, Nüssen, Äpfeln und den Kadavern kleiner Tiere ernährt, rodet man einen Wald, legt Felder an, produziert – im günstigsten Fall – Überschuss, den man dann mit anderen Gemeinschaften auf dem Markt austauschen kann. Es ist im Prinzip gar keine Geschichte des „Marktes“, sondern eine Geschichte des Handels an und für sich, eine Geschichte, der die Menschheit ihren ganzen Wohlstand, ihren gesamten Fortschritt und ihre enorme Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse zu verdanken hat.

In der Tat verbringt der Markt Wunder. Er kann Wein in Hühner verwandeln, Gerste in Kleidung, Kühe in Bücher: Dinge, die in der eigenen Wirtschaftsgemeinschaft in Hülle und Fülle vorhanden sind und ansonsten nutzlos in der Ecke liegen würden, kann man dort gewinnbringend eintauschen: so werden alle mit allem versorgt … jedenfalls alle, die Grundeigentum zum wirtschaften haben: das zeigt, wie begrenzt der Markt von vornherein war. Böse formuliert könnte man sagen: hier tauschen Reiche ihren Überfluss. Im Idealfall jedoch denkt man sich bei „Markt“ gleichberechtigte Wirtschaftsteilnehmer: jeder kriegt seinen Arbeitsplatz bzw. seinen Grund und Boden, um sich mit der Kraft seiner Arbeit und dem Wachstum und der Fruchtbarkeit seiner Felder eine Existenz aufbauen zu können … was den Gedanken eines „bedingungslosen Grundeinkommens“ zwecks Aufbau einer Existenz sehr plausibel erscheinen läßt.

Mit der Zeit – lange vor dem Kapitalismus – erfand man auch „Geld“: also – „Tauschmittel“ in Form von Muscheln, Gold, Diamanten oder Anrechtsscheinen. Dieses Geld erlaubte einem, die Angebote des Marktes noch viel effizienter nutzen zu können: Geld konnte „Leistung“ konservieren, war leicht zu transportieren und vor allem: es wurde nicht schlecht, wenn man es lagerte. Geld wurde das „Schmieröl“ für den „Motor Markt“.

In der Tat funktionierte dieses Modell auch, selbst heute noch gibt es Märkte, auf denen Bauern ihre Überschüsse vermarkten. Kleinbauern verkaufen dort „Bio“-Lebensmittel. Von ihnen gibt es nur noch eine Hand voll. Die Mehrheit der – insgesamt nur noch wenigen Bauern – produziert mit der Hilfe von Maschinen ganze Berge von Überschüssen … so viel, dass oft sogar was weggeschmissen wird. Möglich wurde dies dadurch, dass wir die ganzen Minifelder der Gemeinschaften zu gigantischen Feldern vereint haben, um dort Maschinen überhaupt erstmal einsetzen zu können.

Im Prinzip eine gute, vernünftige Sache … gäbe es da nicht einen kleinen Haken.

Im Laufe der Zeit hatte sich gezeigt, dass der Markt Schutz brauchte. Tauschmittel waren ideale Diebesware, Überfälle auf Marktflecken durch Raubritter versprachen maximalen Profit bei minimalem Arbeitseinsatz (der Investmentbanker war erfunden) die Anmarschwege zum Markt mussten gegen Wegelagerer geschützt werden (die ersten Formen des Finanzbeamten) und der Markt selber vor Betrügern, Fälschern und Dieben: der soziopathische Geist egozentrischer Mitmenschen konnte sich übel auf das Markttreiben auswirken – und man sah auf einmal, wie unsicher doch das Markttreiben war, wenn nicht eine große Macht den riesengroßen Rahmen garantierte: der Staat war geboren – und er war eine gute Idee, getragen von einem noch größeren Gemeinschaftsgedanken.

Es gab nämlich ein paar Probleme zu lösen. Der Markt brauchte nicht nur Schutz, er war auch anfällig gegen andere Übel. Gab es eine Missernte, drohte Hungersnot auf den Marktflecken, weil die Bauern keinen Überschuss produzierten – eine Tatsache, die jeden Schneider, Schuhmacher und Hufschmidt dazu anhielt, sich besser nicht zu spezialisieren. Da aber – bei gutem Wetter – der Markt und der Handel eine Lebensqualität produzierten, wie man sie allein auf seinem Hof niemals hätte erwirtschaften können, war es im Interesse aller, dass der Marktflecken auch in Notzeiten erhalten blieb: der Sozialstaat war geboren – samt bedingungslosen Grundeinkommen, das im Prinzip schon als Ausgleich für fremdverteilten Grund und Boden notwendig war, damit der Markt überhaupt noch funktionieren konnte, eine reine Überflussgemeinschaft, die dank vorausschauender Lagerhaltung und Planung immer unabhängiger vom jeweiligen Wetter wurde, aber als Gemeinschaft stärker war als es die bloße Summe ihrer einzelnen Mitglieder je hätte sein können: der Schutzgedanke weitete sich aus, der Gedanke der „Versicherung“ war geboren, der Wohlstand gegen alle Übel (nicht nur Räuber und Betrüger) sichern sollte.

Hier hätte man einen Punkt machen können und sagen: mit großen Einsatz der Gemeinschaft, unter großem Verzicht auf persönliche Rechte und Inkaufnahme enormer Einschränkungen (z.B. der 300 000 Jahre lang gültigen Siedlungsfreiheit) haben wir ein fragiles System erschaffen, dass bei optimaler Funktion allen Mitgliedern der Gemeinschaft ein Leben in Überfluss beschehrt und so allen ermöglicht, sich vom Joch der Arbeit mehr und mehr zu befreien, um sich der Menschwerdung widmen zu können.

So jedenfalls – die Theorie.

In der Praxis jedoch … entwickelte sich alles etwas anders. Vieles hängt an einem prinzipiell kleinen Fehler, der sich irgendwann in das Denken des Handels einschlich: es gab Menschen, die sich die Oberhoheit über die Tauschmittel sicherten. Angefangen hatte das ganz harmlos: als „Bank“, d.h. als sicherer Ort, wo man seine Muscheln gegen ein kleines Entgelt in einem Tresor lagern konnte, damit man sie nicht dauernd mit sich herumschleppen musste. Diese Bank kam nun irgendwann auf die Idee, das Geld Menschen zu geben, die gar nichts hatten: keine Wolle, keine Musik, keine schönen Worte, keine Hühner, Kühe oder Kartoffeln – sie hatten einfach gar nichts … außer einer gewissen Skrupellosigkeit, Brutalität, Asozialität und Egozentrik und dem Willen zur absoluten Macht.

Das Geschäft war klar umrissen: „Wir geben Dir 1 000 000 Taler – und fordern am Ende des nächsten Jahres 1 100 000 Taler zurück – oder sperren Dich lebenslänglich in den Schuldturm“. Man merkt: der Zins war geboren – und ALDI. Natürlich war der Zins völliger Murks – wenn man mal genauer drüber nachdachte, konnte keine Wirtschaft der Welt garantieren, dass dieser Zins immer erwirtschaftet werden konnte – der Autor Günter Hannich beschreibt das sehr anschaulich:

Hätte jemand beispielsweise im Jahre 1 nur 1 Pfennig zu 5% Zins angelegt (bzw. 1 Pf. Schulden gemacht), würde diese Anlage im Jahre 1466 den Wert einer Erdkugel aus Gold und im Jahr 1990 bereits den Gegenwert von 134 Mrd. Erdkugeln aus Gold erlangt haben

Das heißt: das ganze Geschäftsmodell der Banken funktionierte im Prinzip wie ein Schneeballsystem, an dessen Ende immer ein Zusammenbruch stehen muss (oder die Eroberung fremder Planeten aus Gold) – aber das verstehen nur Menschen mit einem gewissen Bildungsgrad: vor Ort arbeiteten die Banken nämlich auf einmal ganz anders: man bezahlte nicht mehr für die Einlagerung seines Geldes, sondern man bekam die DIENSTLEISTUNG BEZAHLT! Man hätte da stutzig werden können … denn der Wert der Dienstleistung scheint geradezu negativ zu sein, wenn man für die Inanspruchnahmen auch noch bezahlt wird – aber erstmal ist es natürlich ein schönes Gefühl. Es gibt zwar regelmäßige Wirtschaftscrashs, der Sinn von Staat und Markt, gerade vor diesen zu schützen, wird untergraben … aber das merken oft erst die Enkel der Enkel. Eine Zeit lang geht das ganz gut – nur nicht ewig.

Da die Kritik am Zinssystem der Bankenwirtschaft aktuell in Deutschland als „rechtsradikal“ gilt (womit Banken und Linke auf einmal an einem Strang ziehen), wollen wir uns auf einen anderen Aspekt der Entwicklung beschränken: nämlich darauf, was der faule Gauner (ich nenne ihn mal so, weil einfach eine Million für Nichtstun zu bekommen schon eine Gaunerei ist und ich vermute, dass nur extrem arbeitssscheues Gesindel sich auf solche Experimente einläßt) mit seinem Geld anstellt: er geht in den  Markt und kauft alle Ware auf. Viele denken jetzt: „Wie blöde, dass kann der doch alles gar nicht essen?“

Das will er auch nicht. Er kauft die Ware – und damit den ganzen Marktinhalt – und den ganzen Marktplatz mit dem Geld, dass die Bauern auf der Bank deponierten. Die Bauern freuen sich erstmal – erst recht, weil der Soziopath gute Preise zahlt (das Geld landet aber sofort wieder auf der Bank, weil die Bauern es nicht unter ihrer Matratze lagern wollen), sondern weil er auch noch Verträge macht, mit denen er auch zukünftige Ernten aufkauft: der Wohlstand scheint auf ewig gesichert – auch wenn die Preise auf dem Markt plötzlich anfangen zu steigen denn immerhin gab es die Verpflichtung, ohne eigene Arbeit jedes Jahr 100 000 Euro an die Bank abzutreten, Geld, dass die Bank auf braucht, um die Zinsen für das geliehene Geld bezahlen zu können.

Im Laufe der Jahre merken die Bauern nun, das was falsch läuft. Sie merken, dass einer die Zinsen zahlen muss – und das ist nicht der Soziopath. Wer das ist, merken sie, als der Agent des Soziopathen im Mai zu ihnen kommt und ihnen mitteilt: sie bräuchten dieses Jahr nichts liefern, man hätte im Kongo einige Stämme gefunden, die für Glasperlen die doppelte Menge an Essen lieferten – da bräuchte man die lokale Wirtschaft nicht mehr. Die Bauern schauten etwas doof drein: sie brauchten doch das Geld, allein schon die Betriebsgebühren für die Gemeinschaft, die mit Leib und Leben für die Sicherheit der Transportwege  und der Marktflecken sorgt (wir nennen das heute „Steuern“), müssen entrichtet werden … sonst droht Privatkonkurs oder Enteignung.

Natürlich gibt sich der Soziopath großzügig … allerdings nähern sich die Preise immer mehr dem Wert von Glasperlen an – vor allem die Preise für den Wert von Arbeitsleistung, dem Urwert allen bäuerlichen Arbeitens. Wozu auch noch arbeiten? Das Schneeballsystem ernährt seinen Mann! Der Soziopath hat letztlich sogar die ganze Gemeinschaft im Griff, fordert die Begleichung der Bankzinsen durch den Staat selbst – sonst schließt er den Markt und Millionen verhungern. Er ist auf einmal König der Welt … in einer Welt, die Könige schon lange abgeschafft hat.

Der Markt selbst jedoch, der freie, demokratische Ort des Austausches, der Kommunikation, des Miteinanders – ist tot. Der Tod der Märktegemeinschaft (Staat) ist vorauszusehen: ewig wird er die Kosten der „Wirtschaft“ nicht mehr tragen können – einer Wirtschaft, die selbst nur noch als Raubwirtschaft überleben kann – fernab jeglicher ideeler Prinzipien des Marktgedankens hat sie sich auf Straßenräuberei verlegt … die anderen Marktteilnehmern natürlich durch Staatsmacht verboten ist.

Modern hört sich das so an – siehe Wiwo aus einem Interview mit dem Sozialphilosophen Axel Honneth:

Ich habe jedenfalls große Zweifel, dass die heutigen ökonomischen Verhältnisse im Sinne der Gründerväter noch „marktwirtschaftlich“ zu nennen sind. Dafür sind die Machtasymmetrien in den Märkten zu gewaltig. Großformatig gesehen, ist der Markt längst außer Kraft gesetzt. Erstaunlich ist, dass der Markt im kleinen Format, also als Instrument des Warenaustauschs vor Ort, noch immer gut funktioniert.

Gruselt es Sie bei dieser Formulierung? Nein? Ich kann Sie ihnen übersetzen: „Erstaunlich ist, dass die Menschen immer noch was zu essen bekommen„. Oder: es ist ein Wunder, das wir noch nicht alle tot sind. Der Staat selbst – die Gemeinschaft aller Marktteilnehmer – ist in Gefahr:

Die demokratische Willensbildung und ihre Umsetzung in staatliche Entscheidungen ist längst nicht mehr so gut geschützt gegenüber externen Einflussnahmen wie noch vor 50, 60 Jahren. Ich habe im Gegenteil den Eindruck, dass unser ökonomisches Modell von autokratischen Systemen so weit nicht mehr entfernt ist. Sowohl mächtige Banken als auch internationale Konzerne haben inzwischen beängstigend viel Veto-Macht gegen staatliche Entscheidungen. Sie lassen sich von Staaten und Steuerzahlern retten, entziehen sich aber zugleich der Steuererhebung in den Ländern, in denen sie wirtschaften und rekrutieren ihre Arbeitskräfte dort, wo sie am billigsten sind… das alles sind alarmierende Zeichen.

Die Folgen?

Erbärmlich für die Marktteilnehmer – die man korrekterweise besser Marktgestalter nennt.

So wird die Wirtschaftspolitik in Deutschland trotz allen Reichtums immer unsozialer – was sogar die OECD kritisiert (siehe Spiegel), trotz allen Reichtums kann sich jeder zwölfte Marktteilnehmer im superreichen Deutschland kein Essen mehr leisten (siehe Tagesspiegel) – ein Zustand, den die Bundesregierung (bzw. die SPD) noch gerne durch Steigerung der Mehrwertsteuer verschärfen möchte (siehe Focus). Wer aber reich wird, sind jene, deren Vorväter den Großangriff auf die Marktwirtschaft gestartet haben: ihre Tauschmittelsammlungen (bzw. die Versprechen der Banken, im Bedarfsfall so viele Tauschmittel auszuschütten) versprechen durch den Schneeballeffekt der Zinszahlungsversprechen enorm steigenden Reichtum … wodurch der Markt immer weniger Tauschkraft zur Verfügung hat. Wer mitmacht, kann unglaublichen Reichtum ernten, siehe Bert Flossbach im Handelsblatt:

Das Problem ist im Investmentbanking am größten. Dort gibt es reihenweise Leute, die selbst keinerlei unternehmerisches Risiko tragen, aber in unvorstellbare Gehaltssphären vorstoßen. Dort können 30-jährige „Talente“ so viel verdienen, wie ein erfolgreicher Unternehmer am Ende eines langen Arbeitslebens, wenn überhaupt. Der Banker geht Risiken ein, der Unternehmer trägt sie, das ist ein feiner Unterschied.

Man wird reich durch theoretische Tauschmittelvervielfältigung, die praktisch nur noch Wahnsinn ist.

Im Jahre 2012 betrug das Weltbruttoinlandsprodukt 71,7 Billionen Dollar (siehe Statista), die Weltprivatvermögen beliefen sich 2013 jedoch auf 241 Billionen Dollar (siehe Credit-Suisse) – die Verschuldung der Staaten, die für die zerstörten Märkte gerade stehen müssen, belief sich 2014 auf 100 Billionen Euro (siehe Handelsblatt) – um nur ein paar Kennziffern zu nennen, die den Stand des Schneeballsystems 2014 aufzeigen.

Reale Folgen für die ehemaligen Marktgestalter? Katastrophal – siehe Giacomo Corneo im Interview, hier als Warnung vor dem Untergang des Gesamtsystems „Kapitalismus“ bei Wiwo:

Aus ökonomischer Sicht ist die Ineffizienz eindeutig. Es gibt viele Fälle, wo wir Ressourcen verschwenden. Schauen Sie auf die hohe Arbeitslosigkeit in Südeuropa. Das Potenzial von Millionen von Menschen bleibt ungenutzt. Oder schauen Sie in die USA: durch eine lasche Kreditvergabe wurde ein Immobilienboom geschaffen. Nun stehen landauf landab Häuser frei und verrotten. Die Materialen könnten wir an anderer Stelle gut gebrauchen.

Banken wollen nur noch Millionäre als Kunden – die anderen machen zuviel Arbeit (siehe Handelsblatt), die hoffnungslose Jugend sucht ihr Heil in Suff und Selbstmord (siehe Stern) – wobei letzteres eine Erscheinung ist, die in früheren Kulturen extrem selten war. Armut greift auch im schwerreichen Europa um sich – wie es in Staaten mit toten Märkten aussieht, beschreibt der Spiegel:

Coelhos eiserne Reformpolitik hat Portugal zwar die Rückkehr an die Finanzmärkte ermöglicht, aber gleichzeitig das Land in eine historische soziale Krise gestürzt. 2,5 Millionen Portugiesen leben in Armut oder an der Armutsgrenze, das entspricht rund einem Viertel der Bevölkerung.

Das Gesicht der Armut ist vielfältig:

Rund hundert Menschen versorgt das Team täglich mit Essen, gut die Hälfte kennt Duque persönlich. Er wohnt seit 18 Jahren in der Gegend. Als er 2008 anfing, Essen auszuteilen, kamen vor allem Obdachlose; vor drei Jahren kam die Frau eines befreundeten Bauarbeiters, vor zwei Jahren kam ein befreundeter Diplom-Ingenieur, vor einem Jahr die Nachbarin von gegenüber, aus dem Haus mit dem Swimmingpool.

Das Schneeballsystem erreicht seine Grenze – die Marktwirtschaft ist tot – oder liegt in den letzten Zügen, das Schneeballsystem frißt das Schmieröl des Marktes – das Geld – in immer größerer Geschwindigkeit.

Noch funktioniert die Warenversorgung vor Ort – anstatt gute Ware gegen Arbeit zu tauschen, wird die Versorgung durch Verteilung fast abgelaufener Lebensmittel (sprich: MÜLL) aufrecht erhalten. Produktive Arbeit – Grundlage eines jeden Wertes – wird vom Staat unter Androhung von Gewalt zu Billigstpreisen erzwungen (siehe „Hartz IV“ in Deutschland, das Modell für Europa werden soll), während der Staat sich selbst immer weiter verschuldet, um das Schneeballsystem am Zusammenbruch zu hindern: wir weit man mit einem Motor ohne Öl kommt, den man mit Gewalt weiterlaufen läßt, kann sich jeder selbst vorstellen.

Wann es soweit ist, bis der Motor endgülitg tot ist, auch.

Der Soziopath aber: der wird am Ende Berge voller Muscheln in seinem Geldspeicher haben. Dafür zu sterben lohnt sich auf jeden Fall, oder?

 

 

 

 

 

 

Die Invasion der Raubmenschen und ihre Spuren im Alltag.

Die Invasion der Raubmenschen und ihre Spuren im Alltag.

Freitag, 10.1.2014. Eifel. Ein Tag wie jeder andere. Was liegt auf dem Tisch? Zustand der Kinderarmut in Deutschland. Nun – das wird kaum einen interessieren. Wir sind nicht umsonst eines der kinderfeindlichsten Länder der Welt und stolz darauf, uns endlich von den Fesseln der Sozialromantik zu lösen. Ein paar gibt es noch, die nach den Kindern schauen – und auch wissen, wie man ihnen helfen kann, siehe Spiegel:

Denn nach gängiger wissenschaftlicher Definition sind 18,9 Prozent oder 2,4 Millionen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von Armut bedroht, weil sie oder ihre Eltern über weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Nettoeinkommens verfügen. Für ein Elternpaar mit einem Kind unter 14 Jahren wären das demnach 1564 Euro.

Das könnte der Staat natürlich einfach ändern – zum Beispiel durch drastische Aufstockung des Arbeitslosengeldes. Wird das erhöht, müssen die Firmen höhere Löhne zahlen – sonst geht da keiner mehr hin.

WSI-Forscher Seils sieht dagegen in erster Linie die Wirtschaft in der Pflicht: Um Kinderarmut im reichen Deutschland einzudämmen, sei es zwingend, im unteren Lohnsegment deutlich höhere Löhne zu zahlen. Denn was real bei den Eltern ankomme, gehe direkt weiter zu den Kindern.

So etwas ginge bei uns natürlich gar nicht: das ist jedem klar. Höhere Löhne würden die Rendite schwächen, die beständige Selbstvermehrung großer Kapitalansammlungen wäre in Gefahr – und an diesen „Fonds“ verdienen Deutschlands führende Redakteure dank ihrer Anlageberater ebenso wie Politiker und führende Beamte.

Das Geld an sich von alleine wächst, ist schön für den, der es hat. Schlecht für den, der dafür arbeiten muss, denn der Wert des Geldes sinkt beständig, wodurch die Preise automatisch steigen.

So sind Strom- und Heizkosten seit 2006 um 23,6 Prozent gestiegen (siehe Handelsblatt), die gesamten Verbraucherpreise sind um 14,6 % gestiegen, der Regelsatz für Arbeitslose jedoch nur um 10,7 % (Stand Januar 2013, siehe tarif-verzeichnis). Butter hatte damals hier vor Ort 50 Cent gekostet, heute zahlt man 1,29 Euro – um eine persönliche Erkenntnis beizutragen.

So zwingt der Staat durch massive Eingriffe in den Arbeitsmarkt breite Schichten dazu, ihre Arbeitskraft unter Wert zu verkaufen – was diese auch gerne machen. Ende 2012 berichtete die Welt darüber, dass es seit 2005 Gehaltssteigerungen nur noch für Top-Manager gab (z.B. die beim Arbeitsamt), der Rest der arbeitenden Bevölkerung muss seit diesem staatlichen Eingriff in den Arbeitsmarkt mit einem realen Minus von vier Prozent leben.

Auf die – angesichts der gesellschaftlichen Zustände zu erwartende – Zunahme der psychischen Erkrankungen in diesem Land – 150 Prozent in den letzten 15 Jahren – reagiert nun der Markt mit einer ganz besonderen Entwicklung: externe Berater bringen die Kranken wieder zum Arbeitsmarkt (siehe Spiegel), wo der Fallmanager der Jobcenter schon freudig auf sie wartet – aber nicht wirklich weiß, was er mit ihnen machen soll.

Die Firma, die diese Leistungen anbietet, verspricht wahre Wunder, sie Ge.on:

Im Rahmen des Case Managements Krankengeld werden arbeitsunfähige Versicherte mit psychischen Störungen, psychiatrischen Erkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen, sowie langwierigen orthopädischen Erkrankungen und anderen schweren und/oder chronischen Erkrankungen beraten, betreut und bei Bedarf in geeignete (Rehabilitations) Maßnahmen vermittelt.

Das Ziel ist die möglichst rasche aber nachhaltige Wiederherstellung und mittelfristige Sicherung der Arbeitsfähigkeit, indem eine individuell passgenaue und bedarfsdeckende Versorgung gewährleistet wird.

Da geht es nicht nur um psychisch kranke Menschen – da geht es um alle schweren chronischen Erkrankungen … genau die Fälle, für die der Sozialstaat geschaffen wurde.

Wer nimmt die Leistungen dieses Unternehmens in Anspruch? AOK, Rentenversicherung Bund, Technikerkrankenkasse. Stolz berichtet die Firma von ihren Erfolgen:

Wir erzielen einen ROI zwischen 1:3 und 1:6

ROI? Return on Investment. Für einen Euro Auftragsgebühr versprechen die, drei bis sechs Euro bei Kranken – schweren, chronisch erkrankten – Menschen einzusparen … also genau jenen, die wirklich Hilfe brauchen. Wie machen die das – und vor allem: wer macht das?

Wir sind ein starkes Team bestehend aus zur Zeit über 40 festangestellten PsychologInnen, SozialpädagogInnen und ÄrztInnen mit therapeutischen / beraterischen Zusatzqualifikationen. 

Wie soll ich das nun verstehen? Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus bestätigen eine ernsthafte chronische Erkrankung – und dann kommt ein Privatunternehmen mit eigenen Ärzten und macht die Leute wieder heil? Oder sorgt zumindestens dafür, dass sie nichts kosten? Warum erinnert mich das an einen „Entmietungsservice“?

Auch wenn es zwei unterschiedliche Themen sind: sie haben die gleiche Ursache – die Invasion der Raubmenschen. Man muss sie so nennen – es ist manchmal schon sehr hilfreich, wenn mein ein Wort für einen häßlichen Umstand gefunden hat. Während der normale Mensch seinen Lebensunterhalt durch Ackerbau und Vierzucht bestreitet, gehen Raubmenschen anders vor: sie leben lieber von der Leistung der anderen, lassen es sich gut gehen, schonen sich, während andere zu Pflegefällen werden.

Wir kennen dies aus der Natur, die uns mehr und mehr als ethisches Vorbild gilt, weil sie bar jeder Sozialromantik sein soll. Wen überfallen die Raubtiere zuerst? Alte, Kranke und Kinder. Darum ist der Zustand der Kinder in einem Land immer ein guter Indikator dafür, wie stark das Land von Raubmenschen befallen wurde – geht es den Kindern schlecht (im Verhältnis zu ihrem natürlichen Umfeld – nicht im Vergleich mit Namibia), sollten die ersten Warnlampen angehen: die Aktivität von Raubmenschen ist so groß geworden, dass sie die Zukunft des ganzen Landes gefährden. Einhergehend darf man ruhig beobachten, wie es den Alten und Kranken geht – sind auch sie in Gefahr, hat die Population der Raubmenschen eine Größe erreicht, die die Grundfesten des Gemeinwesens in Gefahr bringt …. und wahrscheinlich schon Strukturen aufgebaut, die dieses Gemeinwesen stürzen.

Raubmenschentum wurde gezielt in diese Gesellschaft implantiert – das lernten wir durch Frank Schirrmachers Buch „Ego“. Raubmenschentum ist das Betriebssystem des Kapitalismus, das haben wir durch ihn erfahren. Der Raubmensch denkt nur an eins: so schnell wie möglich so viel wie möglich fressen, um dann so lange wir möglich faul in der Sonne liegen zu können.

Wir nähern uns durch diese Gedanken in gefährlicher Art und Weise neoliberalem Denken, die sich dieser Erkenntnis zunutze machen wollte, in dem sie ihr eigenes Sein auf Arbeitslose projezierten und dies auch mit großer Macht in den Medien durchsetzten … dabei hat der Arbeitslose gar nicht genug Geld für seine Jacht im Mittelmeer, die zum Genießen der Sonne unverzichtbar ist. In Herne auf dem Rathausplatz ist das in Wirklichkeit nicht so schön. In Wirklichkeit könnten wir sogar die Bezüge der Arbeitslosen verdoppeln und trotzdem viermal soviel von Ihnen (das wären 28 Millionen) finanzieren, wenn wir Subventionen (z.B. den Porsche als Firmenwagen oder den Strom für den Golfplatz) und Steuerhinterziehungen einstellen: da rückt ein bedingungsloses Grundeinkommen, dass dem Schutzauftrag des Staates gerecht werden würde, in greifbare Nähe.

Wir leisten uns in Deutschland 70 000 Steuerberater, die nichts anderes machen, als den Raubmenschen zu helfen, ihren Beitrag an der Finanzierung der Gemeinschaft zu minimieren – wahrscheinlich würden wir uns enorm echauffieren, wenn es Arbeitslosenberater gäbe, die gegen Geld die Maximierung von Sozialleistungen bei einem ROI von 1:6 vorantreiben würden. Dafür kassiert so ein Steuerberater – dessen Existenz wir begeistert akzeptieren –  im Schnitt knapp 80000 Euro pro Jahr. Steuerfahnder hatten wir 2010 laut Angaben des Hamburger Abendblattes mit Bezug auf die Deutsche Steuergewerkschaft 2600, laut Gehalt.de haben sie einen Durchschnittsverdienst von 37.500 Euro.

Vater Staat – der Schäfer der Herde – hält die Zahl der Hirtenhunde gezielt gering und schwach, damit die Wölfe nicht vom Fleisch fallen. Das ist weniger der Hirtenstaat – sondern eher der Metzgerstaat, das Paradies für Raubmenschen, ohne deren psychische Eigenarten das System Kapitalismus gar nicht funktionieren könnte.

Wer immer mehr für sich selbst will, bekundet in einem geschlossenen System (wie es unser Geldkreislauf sein sollte), dass andere wegen ihm weniger haben sollten. Das ist heute so selbstverständlich, dass diese Einstellung nur noch selten hinterfragt wird – oder gab es etwa in Folge des Buches von Frank Schirrmacher große Änderungen in den Lehrplänen der Schulen und Universitäten, eine große Aktion von Staat und Wissenschaft zu mehr Altruismus statt Egoismus?

Im Gegenteil … nach kurzer Debatte kehrte Ruhe ein, jeder lief wieder weiter im Trott auf der Jagd nach Schafen, an denen man sich gütlich tun kann.

Beim Thema Krankheit wird das besonders peinlich – zum Zwecke der Steigerung ärztlicher Einnahmen verfügt jeder Deutsche heutzutage im Durchschnitt über 20 Erkrankungen, die man alle „behandeln“ kann – von „heilen“ spricht ja keiner mehr. Millionen von Menschen lassen alle möglichen Behandlungen über sich ergehen, obwohl sie eigentlich kerngesund sind. Problematisch wird in diesem System nur der wirklich ernsthaft Kranke – der braucht nämlich von den jahrelang eingezahlten Beiträgen mal etwas für sich und wird somit zu einer existentiellen Bedrohung für Kassenmitarbeiter und Ärzteschaft, die lieber die jährliche Gesundheitsuntersuchung macht anstatt eine Krankheit zu behandeln: man verdient immerhin allein schon durch Diagnosen.

Schlimm in einem solchen System, wenn man alt wird und kaum noch versteht, was der Anlageberater, der Immobilienberater oder der Steuerberater mit dem Geld anstellt, schlimm, wenn man krank ist und alles mögliche unterschreibt, um den Nachstellungen der Gesundschreiber zu entgehen … oder wenn man zu jung ist, um als Steuerberater erfolgreich am System mit zu verdienen.

Momentan teilen die Raubmenschen die Kapitalflüsse der Zukunft unter sich auf – womit der Jugend eine unglaubliche Last aufgebürdet wird. Besteht das Raubmenschentum bei der Jugend auch weiter fort, werden wir als Pflegefälle bitter darunter zu leiden haben – wir sind dann Kosten, die sich noch nicht mal mehr auf ihren Beinen halten können.

Was geschieht mit einem biologischen System, wenn die Raubtiere überhand nehmen?

Es bricht zusammen, kollabiert. Das erleben wir gerade … und nennen es sanft „Krise“.

Es ist in erster Linie ein Befall von Raubmenschen, der zu der Krise geführt und Billionen Dollar vernichtet hat – und weiter vernichten wird. Dank intensiver Erziehung bekennt sich die Mehrheit der Menschen zum Raubmenschentum und macht sich in ihrem beruflichen Alltag gezielt auf die Suche nach Alten, Kranken und Schwachen, um sie auszuschlachten – finanziell, gerne aber auch durch Organentnahme.

Die Natur schafft es wundersamerweise, die Überflutung von Ökosystemen durch Raubtiere einzudämmen … wir kennen die genauen Mechanismen bis heute noch nicht, was schade ist, denn wir könnten sie gut gebrauchen.

Wie soll man diese Entwicklung nun aufhalten?

Gar nicht, so lange die Mehrheit danach strebt, selbst das größte Raubtier vor Ort zu werden – mit dem größten Haus, dem größten Garten, dem größten Auto und dem größten Pool jenseits der Wupper oder wenigstens in Bottrop-Kirchhellen.

Aktuell widmet der Spiegel jenen einen Artikel, die das Raubtierdasein freiwillig oder in Folge einer Krankheit aufgegeben haben.

Gerrit von Jorck könnte Spitzenverdiener sein: Sein VWL-Studium hat er mit 1,0 abgeschlossen, er war im Ausland, hat Praktika absolviert. Alles richtig gemacht also. Doch von Jorck lebt von 500 Euro im Monat – weil er das so will. Über einen, dem Zeit das Wichtigste ist.

Es fehlt nicht der Hinweis, dass dieser Student von einem Drittel des Regelsatzes lebt … und trotzdem an einen Hauskauf denkt.

Na also, denkt sich der Leser: geht doch: die Senkung des Regelsatzes rückt in greifbare Nähe – den Kindern von Arbeitslosen drohen Verhältnisse wie in Namibia.

Und doch – machen diese Beispiele Hoffnung. Der Zusammenbruch des System des Raubtierkapitalismus (einen Begriff, der schon von sich Reden gemacht hat, ohne darauf hinzuweisen, dass er nur funktioniert, wenn Millionen von Menschen zu Raubtieren mutierten – oder, um Frank Schirrmacher zu folgen, gezielt zu Raubmenschen herangezüchtet wurden) wäre nur aufzuhalten, wenn es gelänge, sein Betriebssystem auszuschalten … falls man nicht genug militärische Gewalt entfalten kann, um  zur Guilliotine zurückzukehren, die das Raubmenschentum in früheren Zeiten beenden sollte.

Was für eine Aufgabe: eine geistig-moralische Gegenwende, hin zu Arbeitsfreude, Lebenssinn, Lebensfreude, Arbeitssinn und Zeitreichtum bei gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen des Planeten Erde. Sie könnte gelingen … wären nicht auch die meisten Menschen, die an den Zuständen Kritik üben, ebenfalls nur Raubmenschen … Hyänen, die sich nur über den Erfolg des Löwen ärgern, selbst den Maserati für sich beanspruchen und deshalb hauptsächlich den Kampf gegen den vermeintlichen Konkurrenten innerhalb einer sozialen Bewegung in ihren Fokus gerückt haben.

Wer dazu Studienmaterial sucht, ist bei politischen Parteien (auch den Linken und der Piratenpartei) gut aufgehoben.

Im Falle einer Raubtierinvasion eine wirksame politische Alternative aufzubauen, scheint undenkbar, locken doch Versammlungen von Schafen gerade die Raubtiere an. Aber auch hier gab es mal Versuche, die vielversprechend starteten (wie Die Guten), aber leider im Sande verliefen. Wahrscheinlich namen die Raubmenschen auch dort überhand.

Und was machen die Schafe, die die Invasion der Raubmenschen und ihren Hang zu ständig höheren Beiträge, Preisen und Steuern (grundlage für jedes leistungslose Einkommen) bemerken?

Sie verstecken sich in ihren Wohnungen – in der Hoffnung, dass sie den Raubmenschen nie durch Einkauf, Arbeit oder Arbeitslosigkeit in die Hände fallen und sie dort – im kuscheligen Heim – den Zusammenbruch gemütlich aussitzen können. Mit der Methode hat ein bekannter deutscher Bundeskanzler das Land regiert, sein Ziehkind verfolgt diese Strategie heute noch.

Leider wird man auch in der Wohnung alt und krank … aber es dauert ein paar Jahre, bis man merkt, dass man selber auch auf der Schlachtbank liegt und für die Rendite von Arzt und Pharmaindustrie bluten muss, während vor der Tür schon der Entmietungsservice steht, weil man so unverschämt war, für seine Beiträge auch Leistung zu verlangen.

PS: Das Buch zum Thema Krankheitserfinder von Jörg Blech gibt es bei Amazon gebraucht schon für einen Cent … falls es jemanden interessiert, warum er 20 Diagnosen hat, an denen Ärzte gut verdienen und die das Geld für echte Erkrankungen knapp werden lassen.

 

 

 

 

 

Grundeinkommen rettet Europa – und sonst nichts.

Sonntag, 3.3.2013. Eifel. Ich war vorgestern zu einem Film eingeladen. "James Bond" - klassisches europäisches Kulturgut. Wie so oft, hat mich der Film nicht interessiert, sondern mehr die Bilder. War schon mal jemand in Shanghai? Ich nicht. Meine Firma hatte mich mal zu einer zweiwöchigen Chinareise eingeladen, aber da ich dafür den Urlaub mit meinen Kindern (zu Hause im Garten) hätte streichen müssen, habe ich lieber meine Entlassung riskiert und die Annahme der "Prämie" verweigert. War vielleicht blöde, weil ich so etwas sehr Wichtiges verpasst habe. Wirklich - schauen Sie sich den Film mal an - und die Bilder von Shanghai. Und dann vergleichen sie diese chinesische Provinzstadt mit unseren Städten ... ich garantiere, sie werden sich erschrecken. All unsere stolzen großen deutschen Städte sind im Vergleich zu dieser "Billigproduzentenmetropole" dreckige, dunkle Löcher. Da kann man Zukunft erleben, dort wird Zukunft gemacht. Und wie reagiert die deutsche Politik auf diesen Tatbestand? Immerhin gaukelt man uns doch vor, WIR seien die reiche Industrienation (fast so reich wie die USA). Wie kann es dann sein, das die armen Chinesen (und all die anderen "Billignäher) so wunderbare Paläste in ihren voll beleuchteten Städten haben, während uns noch nicht mal im dunkelsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen ein Licht aufgeht? Warum fragt sich keiner, wieso DIE so etwas haben und WIR nicht? Oder ist das Geheimnis vielleicht ... der Kommunismus, der jetzt locker am Westen vorbeizieht?

Sonntag, 3.3.2013. Eifel. Ich war vorgestern zu einem Film eingeladen. „James Bond“ – klassisches europäisches Kulturgut. Wie so oft, hat mich der Film nicht interessiert, sondern mehr die Bilder. War schon mal jemand in Shanghai? Ich nicht. Meine Firma hatte mich mal zu einer zweiwöchigen Chinareise eingeladen, aber da ich dafür den Urlaub mit meinen Kindern (zu Hause im Garten) hätte streichen müssen, habe ich lieber meine Entlassung riskiert und die Annahme der „Prämie“ verweigert. War vielleicht blöde, weil ich so etwas sehr Wichtiges verpasst habe. Wirklich – schauen Sie sich den Film mal an – und die Bilder von Shanghai. Und dann vergleichen sie diese chinesische Provinzstadt mit unseren Städten … ich garantiere, sie werden sich erschrecken. All unsere stolzen großen deutschen Städte sind im Vergleich zu dieser „Billigproduzentenmetropole“ dreckige, dunkle Löcher. Da kann man Zukunft erleben, dort wird Zukunft gemacht. Und wie reagiert die deutsche Politik auf diesen Tatbestand? Immerhin gaukelt man uns doch vor, WIR seien die reiche Industrienation (fast so reich wie die USA). Wie kann es dann sein, das die armen Chinesen (und all die anderen „Billignäher) so wunderbare Paläste in ihren voll beleuchteten Städten haben, während uns noch nicht mal im dunkelsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen ein Licht aufgeht? Warum fragt sich keiner, wieso DIE so etwas haben und WIR nicht? Oder ist das Geheimnis vielleicht … der Kommunismus, der jetzt locker am Westen vorbeizieht?

Der Wind, der in Europa weht, ist aber ein anderer. Hier bereitet man sich auf eine Zukunft vor, die Professor Gunter Dueck in seinem Werk Aufbruch kurz skizziert hat und seitdem in vielen Vorträgen in Deutschland immer weiter verbreitet: die Aufspaltung der Bevölkerung in eine winzig kleine Elite … und den riesengroßen Rest, dessen Arbeitskraft in einer vollautomatisierten Welt nichts mehr Wert ist – eine Entwicklung, die auch zunehmend die einst so gelobte „Dienstleistungsgesellschaft“ betrifft.

Vielleicht sollte man die Zukunft Deutschlands anhand eines Bildes von New Dehli illustrieren, welches ich mir von Georg Diez leihen möchte, siehe Spiegel:

Das Goethe Institut hatte Christopher Roth und mich hierhin eingeladen, eine Konferenz zum Thema „What happened 2081?“ zu veranstalten, und dauernd überfällt einen dann die Zukunft an unerwarteten Orten, beim Abendessen im touristischen Herzen der Riesenstadt, in der Metro auf Betonstelzen hoch über den Müllkippen und den mit Stacheldraht geschützten Gärten der Reichen hinweg, in der Auto-Rikscha, in der man den Straßenverkehr als vernunftfreie Zone erleben kann, die man nur heil durchquert, wenn man alles ganz buddhistisch geschehen lässt: totale Aufmerksamkeit bei totaler Gelassenheit.

Das ist im Prinzip jene Welt, die schon Vivianne Forrester beschrieben hatte: wir marschieren in Europa mit großen Schritten darauf zu – und die Entscheider in Politik und Wirtschaft geben ihr Bestes, diesen Prozess zu befördern. Neunzig Prozent der Bevölkerung leben von dem Müll der übrigen zehn Prozent: das ist das Endstadium des „american way of life“ für seine ökonomischen Kolonien. Wann es bei uns soweit sein wird?

Nun – in Teilen ist es schon soweit bei uns. Das Handelsblatt berichtet darüber: über das Schicksal jener Menschen, die den Beruf des Friseurs ergreifen. Wissen Sie eigentlich, das dieser Beruf zusammen mit dem Arztberuf gleiche Wurzeln in den reisenden Barbieren hat, die nebenbei auch Krankheiten kurierten? Irgendwann haben sich dann alle niedergelassen – aber getrennt. Die einen kriegen 10 000 Euro im Monat, obwohl sie nur als lokale Verteiler für Produkte der Pharmaindustrie fungieren und weit entfernt von einem Zustand sind, wo sie Krankheiten „heilen“ können, die anderen arbeiten den ganzen Tag in einem sensiblen und intimen Bereich, der den gesamten Außenauftritt eines Menschen, seine gesellschaftliches Ansehen und seine Karrieremöglichkeiten bestimmt und bekommen dafür sage und schreibe 511 Euro netto im Monat.

Davon noch Miete, Wasser und Strom bezahlt (was alles beständig teurer wird) und schon ist man unter Hartz IV-Niveau.

Wieso lassen das Menschen mit sich machen?

Weil der Staat sie dazu zwingt. Die schneiden quasi umsonst anderen die Haare, damit sie nicht in die Fänge der Jobcenter und damit in die Sphären von Obdachlosigkeit und Hungertod fallen. Sicher, es sterben nicht ganz so viele wie möglich, aber die Medien sorgen dafür, das Meldungen über EINE MILLION SANKTIONEN in jedem Teil des Landes gehört werden.

Die Botschaft?

Wir machen Euch Sozialschmarotzer alle platt – es sei denn, ihr arbeitet umsonst für uns!

Das ist deutscher Alltag … und es wundert, das das nicht in breiter Front als Diktatur gekennzeichnet wird. Nichts anderes ist es.

Das merken auch die Mitarbeiter in den Jobcentern selbst. Inge Hannemann – einer Frau, die ich sofort für das Bundesverdientskreuz mit allen Beilagen empfehlen möchte – berichtet darüber. Sie ist selbst Jobcentermitarbeiterin, erlebt und beschreibt den systematischen Unfug in der Behörde, der Millionen von Menschen zum ersten ohne Geld dastehen lässt (Leiharbeiter betrifft das regelmässig). Was sie in ihrem Blog allerdings noch beschreibt, ist die Angst in der Behörde:

Nun stellt sich aber die Frage, warum Mitarbeiter sich anonym äußern müssen. Auf Nachfrage bei den anonymen Schreibern aber auch Nichtschreibern, ergibt sich ein einheitliches Bild. Sie haben bei offener Äußerung große Angst um ihren Arbeitsplatz sowie Angst vor Repressalien durch ihren direkten Arbeitgeber vor Ort, den Standortleitern oder auch Kollegen. Gesprochen wird hier von einer Angst vor Mobbing, Bossing (Schikane durch den/die Vorgesetzten) oder als sogenannter Whistleblower betitelt zu werden. Ist zum Teil diese Angst, insbesondere bei befristeten Arbeitsverträgen nachvollziehbar, ist es ein Unding, sich vor möglichen Repressalien von oben sich nicht äußern zu dürfen.

Sind das Zustände in den Behörden eines demokratischen Landes?

Nein.

Das sind Zustände einer Kultur der Angst, wie sie nur in den Ganovenstaaten dieser Welt vorherrschen sollten – und der Umkehrschluss, das wir zu einem dieser Ganovenstaaten geworden sind (aber auch Angst haben, darüber sprechen – wie im Dritten Reich über das Schicksal der jüdischen Mitbürger) liegt nahe.

Sehen wir das aber in einem größeren Rahmen (womit ich wieder in Shanghai oder Neu-Dehli bin), dann zeichnen sich Zusammenhänge ab, die die gesamte Situation noch gruseliger gestalten, aber zeigen, das ein brutaler politischer Wille – über alle Parteigrenzen hinweg – Deutschland in ein Niedriglohnland voll Zwangsarbeiter verwandelt und der Zustand unserer Städte im Vergleich zu den blühenden Metropolen Asiens (und Arabiens) die Situation des ganzen Landes wiederspiegelt.

Um die Bewegung zu erkennen, müssen wir einen Blick in die Aachener Zeitung werfen – obwohl so etwas eigentlich in die Tagesschau gehört.

Die Städte an Rhein und Ruhr müssen auf Druck der EU-Kommission rasch ihre Stickstoffdioxid-Belastung reduzieren – notfalls auch mit drastischen Maßnahmen. So könnten etwa über zehn Jahre alte Autos aus den Innenstädten verbannt werden oder die Parkgebühren deutlich erhöht werden.

Was plant die EU-Kommission? Die Vertreibung der armen Bürger aus den Städten. Sollen die irgendwo auf dem fernen Land dahinvegetieren, wo es garantiert keine Arbeit mehr für sie gibt, sollen sie mir ihren zwanzig Jahre alten Autos in Mecklenburg-Vorpommern nach Jobs suchen, bei Parkgebühren von dreissig Euro die Stunde wird man sie auch nie wieder in den Städten finden, in denen die Superreichen ihre Funktionseliten untergebracht haben.

Flächendeckend wird ein Krieg gegen die Armen geführt, die es nur dank staatlicher Gewalt überhaupt gibt. Man stelle sich ein Land vor, das noch nach solidarischen Prinzipien funktioniert und der Armut selbst den Krieg erklärt – schon merkt man, wie der Hase anders laufen könnte.

Es ist gut und schön wenn ein Herr Albrecht 70 Milliarden mit einer Geschäftsidee macht. Das gönne ich ihm auch. Was nicht ok ist, wenn er die Folgekosten seines Raubzuges der Allgemeinheit aufbürdet. Die Folgekosten? Nun – die lokalen Versorger sterben großflächig aus, man braucht viele neue Autos und neue Straßen, um die Aldi-Märkte zu füttern und dort einkaufen gehen zu können, viele Menschen verlieren die Basis ihrer beruflichen Selbständigkeit, ihre Arbeit – um nur ein paar Folgen zu nennen.

Ist es wirklich so vermessen, zu fordern, das diese Kosten  nicht vom Steuerzahler bezahlt werden sollen? Ich finde: so vernünftig, das einzusehen, sollten auch die Gebrüder Albrecht sein – und nicht nur die.  Der Staat kann so ein Sozialschmarotzertum (ich behalte den Gewinn und lasse die Kosten andere bezahlen) nicht ewig bezahlen, also muss eine Solidaritätsgebühr her, die einen Ausgleich für die Schneise der Vernichtung schafft, die die clevere Geschäftsidee als Nebenwirkung verursachte.

Alle Forderungen nach einem bedingungslosem Grundeinkommen werden auf einmal finanzierbar, wenn die Täter sich an den Folgekosten ihrer „Errungenschaften“ beteiligen müssen. Geld genug für Gewinne bleibt doch immer noch übrig.

Ebenso müssten die Finanzmärkte eine Solidaritätsgebühr errichten, eine Schadensersatz für die Verheerungen, die sie in der Realwirtschaft produzieren. Es geht nicht an, sich mit cleveren Rechentricks immer reicher zu rechnen und der Realwirtschaft so das dringend benötigte Kapital für Investitionen zu entziehen. Schon 1990 hat Doug Henwood auf die Schwächen der modernen Finanzsysteme hingewiesen:

Einerseits, so Henwood, erfülle das U.S.Finanzsystem seine angebliche Aufgabe, die Ersparnisse der Gesellschaft in Richtung der besten Investitionen zu lenken, nur höchst kümmerlich. Das System sei wahnsinnig teuer, gebe eigentlich falsche Signale zur Lenkung der Kapitalströme und habe überhaupt kaum etwas mit wirklicher Investitionstätigkeit zu tun. Auf der anderen Seite aber würde der Finanzmarkt etwas sehr gut machen: er bewirke die Konzentration von Reichtum. Der Mechanismus ist einfach: mithilfe staatlicher Verschuldung werden Einkommen von unten, von den einfachen Steuerzahlern, noch oben, zu den reichen bondholders verschoben. Statt die Reichen zu besteuern, borgen die Regierung von ihnen und bezahle für dieses Privileg auch noch Zinsen. 

(zitiert nach: Krymanski, Hirten und Wölfe, Seite 98)

Wir als Bürger haben die Warnung Henwoods  überhört, während in Deutschland die rot-grüne Regierung diesem Finanzsystem Tür und Tor geöffnet hat.

2013 haben wir den Salat, den der italienische Politiker Beppe Grillo derzeit drastisch beschreibt, siehe Spiegel:

„Ich gebe den alten Parteien noch sechs Monate – und dann ist hier Schluss“, sagte der Komiker dem „Focus“. „Dann können sie die Renten nicht mehr zahlen und auch die öffentlichen Gehälter nicht mehr.“ Den Altparteien unterstellte der 64-Jährige, keine ernsthaften Reformen zu wollen. „Sie bluffen nur, um Zeit zu gewinnen.“

Italien werde von seinen Staatsschulden erdrückt und müsse daher die Kredite neu aushandeln. „Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot“, sagte Grillo. Wenn sich die Bedingungen nicht änderten, solle Italien den Euro aufgeben.

Auch das Heimatland des Finanzterrorismus erfährt gerade, wie gesund es ist, Superreiche aus der eigenen Wirtschaftskraft heraus zu züchten – das ganze Land stirbt, obwohl in den deutschen Nachrichten überraschend wenig darüber berichtet wird. Es entfaltet sich eine Militärdiktatur, weil die Gemeinden und der Staat Pleite sind – sogar die einst blühende Metropole Detroit kommt unter den Hammer, siehe Spiegel:

Ab Samstag gilt der Milliarden-Sparzwang im US-Haushalt – viele Kommunen und Landkreise sind schon seit langem in größter Not. Mit am schlimmsten geht es der einst stolzen Autobauer-Metropole Detroit. Jetzt musste der Gouverneur durchgreifen. Er entmachtete den Bürgermeister.

Die Bürger selbst erleben die „Sparmaßnahmen“ als Diktatur.

Karen Lewis, Manager eines Lebensmittelgeschäfts empfindet die Maßnahme als Diktat der Republikaner, das nur dazu diene, die betroffenen Bürger auszubeuten: „Sie wollen unser Geld, unser Land. Niemand kümmert sich um uns“.

Warum erfahre ich das eigentlich nicht täglich aus der „Tagesschau“? Weil niemand von den „Entscheidern“ Interesse daran hat, das die Schafe von dem Schlachthof erfahren. Sollen die Dschungelcamp, Schlag den Raab oder Elton versus Simon gucken – da merken die auch nicht, das die seit zwanzig Jahren keinen Kaufkraftgewinn mit Arbeit erzielen konnten … von wegen: Leistung soll sich wieder lohnen.

Wer nun Rettung von politischen Parteien hofft, der hofft vergebens. Eine der ganz wenigen glaubwürdigen Gestalten in der deutschen Politik, Johannes Ponader, wurde jetzt von den Beamten und Ex-CDU-Mitgliedern der Piratenpartei gezielt abgeschossen – was mich von meinem Versprechen entbindet, den Karrieristenhaufen noch einmal zu wählen. Aber – das sehen Millionen andere ja ähnlich.

Wir brauchen auch eigentlich keine neue Partei – wir brauchen eine Bewegung, die im Namen der Demokratie die Macht der Parteien in Deutschland bricht, weil nur durch sie die Macht der Finanzeliten in jede deutsche Familie einbrechen konnte. Dort ist auch der erste Ort, aus dem man die politische Macht der Finanzjongleure wieder vertreiben muss.

Das geht auch einfach, die Idee ist schon da – und äußerst erfolgreich ausprobiert worden. Seltsam, das in Deutschland keiner auf die Idee kommt, oder? Ich meine, anstatt viel Papier und Wichtigtuerei über ein bedingungsloses Grundeinkommen zu produzieren, könnte man es doch einfach mal einführen (aber diesmal bitte nicht auch noch im Osten, wäre schön, wenn der Westen auch mal wieder etwas Aufmerksamkeit bekommt).  Gelsenkirchen wäre da ein schöner Ort, diesen Test zu machen: einfach mal – aber bitte nur auf Rechnung deutscher DAX-Konzerne – die Bevölkerung mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ausstatten … jedenfalls jene, die vom Markt nicht mehr aufgenommen werden, wie unsere deutsche Friseurin.

In Kanada ging das – das war das Mincome Programm, das so erfolgreich war, das es lange Zeit verborgen gehalten wurde. Im Zentrum des Experimentes stand die Frage, ob sich dann eigentlich alle auf die faule Haut legen, siehe Dominionpaper:

Initially, the Mincome program was conceived as a labour market experiment. The government wanted to know what would happen if everybody in town received a guaranteed income, and specifically, they wanted to know whether people would still work.

It turns out they did.

Only two segments of Dauphin’s labour force worked less as a result of Mincome—new mothers and teenagers. Mothers with newborns stopped working because they wanted to stay at home longer with their babies. And teenagers worked less because they weren’t under as much pressure to support their families.

The end result was that they spent more time at school and more teenagers graduated. Those who continued to work were given more opportunities to choose what type of work they did.

Das ist sie ja, die Riesenangst der urdeutschen Sozialneider, der „Sozialschmarotzer“ würde mit einem bedingungslosen Grundeinkommen nur auf der faulen Haut liegen, während man selber ungerechterweise für sein Geld arbeiten muss.

Tat er aber nicht. Nur die alleinerziehenden Mütter widmeten sich mehr ihren Kindern – und die Kinder stellten die Kinderarbeit ein und gingen lieber zur Schule und machten einen Abschluß.  Der Mensch an sich ist eben kein asoziales Wesen, auch wenn er von Politikern gerne so gesehen wird – die wahrscheinlich zu oft von sich auf andere schließen.

Ein nützlicher Nebeneffekt: die Krankheitsrate sank enorm. Armut macht krank – das wissen wir. Grundeinkommen rettet Gesundheit – uns spart Milliardenbeträge bei der Behandlung der Folgekosten von Armut ein.

Gut, das Experiment stammte aus den siebziger Jahren – und es handelte sich eher um eine negative Einkommensteuer. Wichtig ist, zu begreifen, das all´ die Ängste, die unsere Apostel des ungebremsten Kapitalismus mit sich herumschleppen, völlig aus der Luft gegriffen sind. Außerhalb der Sphäre der „Entscheider“ begegnet man verantwortungsvollen, sozialen Wesen, die gerne an der Entwicklung des Gemeinwesens mitarbeiten … wenn von dieser Arbeit auch etwas für die Allgemeinheit übrigbleibt und nicht alles für die künstliche  Millionärszüchtung ausgegeben wird, die für unsere Politiker das Allheilmittel gegen die Krise zu sein scheint.

Diese künstliche Millionärszüchtung ist es aber gerade, die aus unseren Städten Slums macht, während der Rest der Welt an seiner Zukunft baut. Im Zustand unserer Städte spiegelt sich der Zustand unserer Wirtschaft viel besser wieder, als in den Analysen der „Wirtschaftsexperten“.

Wir haben in Europa auch keine Alternative mehr zu diesen „Experimenten“ – wie gerade jedes Land merkt, wirken die von Henwood beschriebenen Mechanismen perfekt – und vernichten in Folge den ganzen Kontinent (und ebenfalls ihr Heimatland). Eine Zukunft droht, in der ganz wenige Superreiche in ihren Burgen leben, während die Leibeigenen vor Ort im Müll leben.

Das alles hatten wir schon einmal.

Schieben wir dem einen Riegel vor.  Man fordert ja auch nichts Unflätiges, sondern einfach nur die Einhaltung der sozialen Menschenrechte, deren Dimensionen von Kapitaleignern gerne klein geredet werden. Schauen wir sie uns einfach noch mal an, sie enthalten keine überzogenen Ansprüche, siehe Wikipedia:

In hochindustrialisierten Ländern braucht man für diese Rechte vor allem zwei Dinge: Frieden – und GELD. Dort, wo GELD ALLES ist, müssen auch ALLE GELD HABEN.

Hört der staatliche Zwang nur Sklavenarbeit auf, erlischt auf einen Schlag der Niedriglohnsektor. Ganz tolle Nebenwirkung: LEISTUNG WIRD SICH WIEDER LOHNEN – auch für Friseure.

Der Weg zu dieser gerechten, zukunftorientierten und leistungsfördernden Gesellschaft wird nicht leicht sein, weil wir sechzig Jahre lang geschlafen haben. Jetzt aufgewacht, sehen wir eine Welt, die bis ins letzte Detail jemand anderem gehört: den menschlichen Wölfen und Blutsaugern. Es wird ein Weg sein, der blutig werden wird, viel Arbeit erfordert, viel Disziplin und Durchhaltevermögen.

Aber hier wäre das Wort „alternativlos“ mal richtig eingesetzt – jedenfalls dann, wenn man Zustände wie im Feudalismus beseitigen will, bevor sie so festzementiert sind, das wir uns wieder devot in den Dreck werfen müssen, wenn die Kutsche des Anlagebetrügers an uns vorbeirollt.

Was Mut macht, ist lediglich die Tatsache, das 90 % der Bevölkerung auf unserer Seite sein werden – wenn sie erstmal verstehen, wohin die Reise geht, wenn wir den Kurs nicht ändern.

Also: wann brechen wir auf?

Und: welche Farbe wird die Partei haben, die wir gründen, um den sozialen Menschenrechten in Europa zum Durchbruch zu verhelfen … und nebenbei die Realwirtschaft vor den Finanzbanditen zu schützen und Europa wieder zu einer gesunden Hochleistungswirtschaft zu machen?

Eine Partei natürlich, die sich auf dem Höhepunkt ihres Erfolges zusammen mit allen anderen politischen Kampfverbänden auflösen sollte, um einer echten Demokratie Platz zu machen …

 

 

 

Der leise Tod der Marktwirtschaft: warum der „Arbeitsmarkt“ an sich pervers und die Weltwirtschaft am Ende ist.

3.4.2012. Eifel. Es gibt ja ein todsicheres Mittel gegen gute Laune.  Falls einem einmal wirklich Sonne, Wärme und frische Frühlingsbrise  einen euphorischen "Das-Leben-ist-schön"-Taumel ausgelöst haben, reicht zumeist ein einfacher oberflächlicher Blick in die Nachrichten, um die Laune deutlich zu dämpfen wenn nicht sogar ins Gegenteil umzukehren. Zum Beispiel das TV-Duell der Spitzenkandidaten in Frankreich: da weist der "Spiegel" darauf hin, das noch nie eine TV-Debatte eine Präsidentenwahl "gedreht" hätte, weshalb man denkt, der Wähler ist so souverän, das er das Spektakel gar nicht beachtet - jedenfalls denkt man das so lange, bis man das Handelsblatt gelesen hat: dort "verpatzt Sarkozy das entscheidende TV-Duell".  Der Leser nimmt beide Botschaften auf - und bleibt im Regen stehen. Sind nun TV-Duelle in Frankreich wahlentscheidend oder nicht? Oder nehmen wir die Arbeitslosigkeit in Deutschland - Riesenschlagzeilen weisen darauf hin, das sie in Europa beständig neue Rekorde erklimmt während sie in Deutschland unter drei Millionen gesunken ist. Unter drei Millionen war sie schon vor ein paar Monaten - keine Schlagzeile erwähnte, das sie wieder gestiegen ist. Ausserdem ist das sprachlich nicht korrekt, korrekt wäre: "Der deutschen Bundesregierung gelang es im Jahre 2011, die Arbeitslosenzahlen auf unter fünf Millionen herunter zu definieren. Der Trend setzt sich fort". Unsere Arbeitslosigkeit ist der Erfolg von Statistikern und ähnlichen Sterndeutern, nicht der Erfolg der Wirtschaft. Dort sieht es nämlich fürchterlich aus - wenn man zwischen den Zeilen liest.

3.4.2012. Eifel. Es gibt ja ein todsicheres Mittel gegen gute Laune.  Falls einem einmal wirklich Sonne, Wärme und frische Frühlingsbrise  einen euphorischen „Das-Leben-ist-schön“-Taumel ausgelöst haben, reicht zumeist ein einfacher oberflächlicher Blick in die Nachrichten, um die Laune deutlich zu dämpfen wenn nicht sogar ins Gegenteil umzukehren. Zum Beispiel das TV-Duell der Spitzenkandidaten in Frankreich: da weist der „Spiegel“ darauf hin, das noch nie eine TV-Debatte eine Präsidentenwahl „gedreht“ hätte, weshalb man denkt, der Wähler ist so souverän, das er das Spektakel gar nicht beachtet – jedenfalls denkt man das so lange, bis man das Handelsblatt gelesen hat: dort „verpatzt Sarkozy das entscheidende TV-Duell“.  Der Leser nimmt beide Botschaften auf – und bleibt im Regen stehen. Sind nun TV-Duelle in Frankreich wahlentscheidend oder nicht? Oder nehmen wir die Arbeitslosigkeit in Deutschland – Riesenschlagzeilen weisen darauf hin, das sie in Europa beständig neue Rekorde erklimmt während sie in Deutschland unter drei Millionen gesunken ist. Unter drei Millionen war sie schon vor ein paar Monaten – keine Schlagzeile erwähnte, das sie wieder gestiegen ist. Ausserdem ist das sprachlich nicht korrekt, korrekt wäre: „Der deutschen Bundesregierung gelang es im Jahre 2011, die Arbeitslosenzahlen auf unter fünf Millionen herunter zu definieren. Der Trend setzt sich fort„. Unsere Arbeitslosigkeit ist der Erfolg von Statistikern und ähnlichen Sterndeutern, nicht der Erfolg der Wirtschaft. Dort sieht es nämlich fürchterlich aus – wenn man zwischen den Zeilen liest.

Wir – also der gesamte europäische Wirtschaftsraum – sind auf dem Weg zum Selbstmord – so liest man jedenfalls im Handelsblatt. Selbstmord durch stringente Sparstrategie. Wo gespart wird? Nicht etwa an Diäten, Rüstungsausgaben oder Straßenbauvorhaben – nein, das wäre undenkbar. Immerhin hat man ein Haus abzubezahlen, muss dem Rüstungslobbyisten für die Lehrstelle des eigenen Sohnes danken und die Baufirma des Schwagers vor dem Konkurs retten. Man spart einfach beim Bürger: vorbei die Zeiten, wo Gewerkschaften nach hartem Kampf fünf Prozent mehr Lohn erkämpften – in der neuen Welt ist es dem Bankenclan ein leichtes, das Einkommen um 25% zu reduzieren. So würde Marktwirtschaft auch dem Bürger gefallen, wenn man von heute auf morgen einfach mal die Preise um 25% senken könnte – auf Befehl der Regierung, die den Wunsch „des Marktes“ ausführt, eines Marktes, der an sich schon lange gestorben ist.

Was für ein Traum war das früher: der Traum von der Marktwirtschaft. Alle Marktteilnehmer treffen sich Montag morgens auf dem Marktplatz, verhandeln dort fair und gleichberechtigt die Preise ihrer Waren um am Ende des Tages glücklich und zufrieden mit Gewinn auseinanderzugehen – so erzählt man uns doch das Märchen vom „guten Markt“.

Was man uns nicht erzählt: auf dem Markt landet nur der Überschuss. Kein vernünftiges Wesen käme auf die Idee, seine eigenen, lebenswichtigen Ressourcen zu Markte zu tragen: erst wird einbehalten, was die Familie zum Leben braucht, der Rest wird verkauft. Das kann auch funktionieren – wenn die Reisekosten und Marktgebühren nicht zu hoch sind. Wird aus dem Warenmarkt dann der perverse „Arbeitsmarkt“, haben wir vollends die Rückkehr zu alten Sklavengesellschaften. Hier wird schon längst kein Lebensüberschuss mehr verkauft, sondern die Substanz, das ganze Leben. Übrig bleiben ein paar Tage Urlaub – und etwas Rente, wenn man Glück hat.

Das ist nicht das Leben eines freien Bürgers, das ist das Leben einer Ware: der Ware Mensch.

Kann deren Preis beliebig von außen reduziert werden wie akutell in Griechenland, dann hat die Ware an sich schon keinen Wert mehr – und der Markt ist tot, jedenfalls der echte, wahre Arbeitsmarkt, der sich dadurch auszeichnet, das ich meinen Arbeitskraftüberschuss an zwei Tagen die Woche nachmittags der Gemeinde verkaufe, weil die einen Staudamm bauen will.  So gesehen würde das bedingungslose Grundeinkommen erstmal wieder den Sklavenmarkt zu einem freien Markt machen, weil der Anbieter bei zu niedrigen Preisen sein Angebot vom Markt nehmen kann, ohne zu verhungern.

Wie würde denn „die Wirtschaft“ darauf reagieren, wenn wir ihr vorschreiben würden, das sie täglich zehntausend Autos zum Preis von fünftausend Euro verkaufen muss – und notfalls sogar am Abend die übriggebliebenen für 20 Euro losschlägt, weil der Staat eine Absatzquote vorgegeben hat – analog zur Vorschrift des Arbeitskraftverkaufes, der 40 Stunden die Woche nicht unterschreiten darf? „Die Wirtschaft“ würde sich an den Kopf fassen und die Welt nicht mehr verstehen – jene Marktwelt, die sie doch selber jederzeit im Munde führt.

Wie würde „die Wirtschaft“ reagieren, wenn der Staat ab morgen die Vorschriften für den Arbeitsmarkt auf andere Märkte übertragen würde und eine Verkaufspflicht einführt – egal zu welchem Preis. Wer nicht genug ans Volk verkauft, muss Strafe zahlen, so wie der leiden muss, der nicht genug arbeitet. Da würde dann nur noch die verkaufte Masse zählen – der Preis wäre egal, wie bei Millionen von deutschen Tagelöhnern auch, die als Mini-Leiharbeiter zur Verschönerung der Regierungsstatistik ihre Lebenszeit unwiederbringlich für lächerliche Löhne verschleudern.

Zudem wird schnell übersehen, das der Arbeitskraftverkäufer ganz schlechte Marktbedingungen vorfindet: sein Leben ist geprägt von Schulden. Bevor er überhaupt nur den Mund aufmachen und sich selbst anpreisen kann, laufen schon Kosten auf: Miete, Essen, Heizung, Steuern und Abgaben bürden ihm enorme Lasten auf, die ihn letztlich dazu zwingen, sich zu Dumpingpreisen zu verschleudern … was nicht unbedingt gut fürs Selbstbewußtsein ist und erst recht nicht zu einem freien, selbstbestimmten Leben führt.

Das zusätzliche „Effizienzorgien“ durch völlige Maschinisierung der Arbeitskraft und beständige Erhöhung der Zielvorgaben für überlebende Arbeitsplatzbesitzer den Markt für „Arbeit“ großflächig zerstört haben, wird von der politischen Kaste gar nicht erst zur Kenntnis genommen – Subventionen für Kohle und Bauern ringt man sich gerne ab, aber Subventionen für den Arbeitsmarkt kürzt man rigogoros, droht sogar mit Hungertod … es sind ja nur Menschen, die man dort aus der Gemeinschaft herauskickt so wie die griechischen Rentner, die man aktuell durch den Schuldenschnitt zu Zehntausenden in die Altersarmut zwingt. 

Wären die eine Bank: sie kämen unter den Rettungsschirm.

Der muss aktuell größer den je werden: Spaniens Banken glänzen durch Ineffizienz, weshalb das Land erstmal drastisch herabgestuft wurde: das da marktfremde Kräfte die Preise auf Märkten bestimmen, stört die Apostel der freien Marktwirtschaft nicht, das Millionen von Menschen in eine staatliche verordnete Armut rutschen und gar keinen Markt mehr vorfinden, auf dem sie selbst frei und gewinnmaximierend operieren können, wird nicht zur Kenntnis genommen – zu schön ist das Märchen von der Marktwirtschaft, die schon lange gestorben ist.

Warum ist sie tot?

Ein Großgrundbesitzer ist aufgetreten, hat die Marktstände gekauft, ihre Versorgung mit Strom, Wasser und Lebensmitteln in die eigene Hand genommen, seine Schläger regeln den Zugang zum Markt, diktieren die Preise und Absatzmengen, stellen durch die enormen Gewinne eine Vielzahl von Gauklern ein (Unternehmensberater, Investmentbanker, Showstars, Lobbyisten, Wirtschaftsexperten, Journalisten), die den Markt atmosphärisch zersetzen und wirklich jedem einzelnen Marktteilnehmer fein ausgeklügelte Botschaften ins Ohr flüstern um ihn von der Wahrnehmung der Wirklichkeit abzuhalten: der Wirklichkeit, das der Marktplatz von Gangstern übernommen worden ist, Gangstern, die nicht Wohlstand durch freien Handel vermehren sondern persönlichen Reichtum durch Manipulation maximieren wollen.

Deshalb sind „Wohlstand“ und „Fortschritt“ so selten gebrauchte politische Vokabeln geworden, stattdessen haben wir „Beschäftigung“ und „Sparsamkeit“ als politische Maximen kennengelernt: als ob irgendeine Gesellschaft je durch unproduktive Beschäftigung und hirnlose Raffgier der Staatsverwalter zu Größe gelangt wäre: man vergleiche unsere Utopien mal mit jenen der sechziger Jahre, als Hippies, Mondlandung und schier grenzenloses Wirtschaftswachstum das Paradies wieder in greifbare Nähe gerückt haben – alles schien möglich zu sein.

Und was haben wir heute, an welcher Utopie  haben Politik und Wirtschaft in den letzten dreissig Jahren gearbeitet?

Am ultimativen Zahlungsausfall, siehe Welt:

Die Diagnose an sich ist nicht neu: Die Vereinigten Staaten leben über ihre Verhältnisse – und dies auf zahlreichen Feldern. Josef Braml nennt die Schwächen. Die USA stecken in der schlimmsten Rezession seit den Dreißigerjahren. Der Staat ist beängstigend verschuldet, die Arbeitslosigkeit dramatisch gestiegen. Soziale Ungleichheit und Armut wachsen. Automobilindustrie und Immobilienbranche haben einen rasanten Verfall erlebt. Die Gefahr weiterer Spekulationsblasen ist nicht gebannt, die Abhängigkeit von Energieimporten weiterhin hoch.

Wenn alle merken, das der reiche Großgrundbesitzer, der reiche Rancher, den Markt und die Geschäfte der Stadt nur mit leeren Versprechungen gekauft hat (leeren Versprechungen und den Colts seiner Cowboys, die seit zwanzig Jahren wieder munter durch die Gegend morden), dann kommt auf uns eine ganz neue Aufgabe zu: wir dürfen der „Koalition der Zahlungswilligen“ beitreten, wie Josef Braml ausführt.

Der reiche Rancher jedoch zahlt nichts. Er hat einen Zugriff auf den Marktplatz, den andere nicht haben: jederzeit kann er seine Günstlinge mit frisch gedruckten Dollars überhäufen, für die andere bitter schuften müssen, nochmal Stieglitz im Handelsblatt:

Auch in den USA würden immer wieder Fehler in der Wirtschaftspolitik gemacht. Aber das europäische Modell sei derzeit eindeutig der schlechtere ökonomische Ansatz und führe zu schwerwiegenden Konsequenzen. Strenge Sparsamkeit führe nur bei kleineren Ländern zu Erfolg, die von starken Volkswirtschaften umgeben seien. In der Euro-Zone würden derzeit aber fast alle Staaten in die Rezession getrieben. Zudem besäßen die USA den Vorteil, nie Bankrott gehen zu können, weil die amerikanische Regierung im Zweifel immer Zugriff auf die Notenpresse habe. Mit der Trennung zwischen Geld- und Fiskalpolitik gehe das in der Euro-Zone gerade nicht.

Und da sie ihren Dollar mit militärischer Gewalt stützen (siehe Irak – dessen Schicksal weniger mit den nie gefundenen „Massenvernichtungswaffen“ verbunden war, aber dafür sehr mit dem Willen seines Diktators, das Ölgeschäft mal alternativ mit Euros zu händeln), können sie grenzenlos auf Pump leben … bzw. auf Kosten anderer.

Gegen diese Gelddruckmaschine muss nun der Arbeitnehmer auf dem deutschen Markt mit seiner im Alter stetig schwindenden Leistungskraft antreten … eine perverse Herausforderung.  Das ist kein Markt, das ist eine Sklavenauktion, die nur durch Androhung des Hungertodes funktioniert – keine wirtschaftlich denkendes Wesen würde an einem solchen Treiben teilhaben wollen, wenn es nicht durch staatliche Gewalt dazu gezwungen würde.

Aber immerhin wissen wir, in welche Richtung wir uns entwickeln müssten, um den Markt überhaupt erstmal wieder zu retten. Erahnt man jetzt, welche politischen und wirtschaftlichen Dimensionen das „bedingungslose Grundeinkommen“ wirklich hat? Es würde die bislang existierenden Marktverzerrungen aufheben, aus Arbeitssklaven würden souveräne Marktteilnehmer werden, die mit Spaß und Freude ihre Arbeitskraft mit Gewinn verkaufen könnten, anstatt sie zugunsten des Dollars billigst verschleudern zu müssen.

Was mir nun beim französischenTV-Duell und der Berichterstattung gefehlt hat, ist die Frage: wo bleibt der Sheriff, bzw. hat einer von beiden vor, Sheriff zu werden und das Dorf und seinen Marktplatz vor den Gangstern des Großgrundbesitzers zu schützen, oder wollen sie nur die Tributzahlungen anders regeln? Müssen wir wirklich beten, das ein einsamer Revolverheld vorbeikommt, der dem Spuk ein Ende bereitet – oder gar glorreiche sieben Revolverhelden?

Aber solche Helden gibt es nur im Märchen …. wie auch die freie Marktwirtschaft.

Für uns andere gilt: wir kaufen zu überhöhten Preisen in den Läden jener Menschen, die uns immer weniger Geld für unsere Lebenszeit geben (und den „Wert“ dieses Geldes durch Orgien in der Druckerei immer weiter nach unten treiben) … und die Politik unterstützt sie nach Kräften dabei.

Und am Ende – im Alter, bei Krankheit oder sonstigen Krisen – sitzen wir hungernd auf der Straße … oder im Lager, wenn es – wieder mal – noch perverser wird.

 

 

 

 

 

Westliche Nötigungskultur kontra Diktatur: 0-1 … über den Kampf der Systeme

Mittwoch, 11.1.2012. Eifel. Ein wunderbarer Morgen, den der Spiegel gleich mit einer unglaublichen Nachricht versüßt: in der Tat gibt es jetzt ein Ranking für die beliebteste Prinzessin in Europa. Ich sagte ja: unglaublich. Wer hätte wirklich gedacht, das so eine kleine Belgierin soviel unbeliebter ist als all die anderen unwichtigen Damen? Warum sieht man sich überhaupt genötigt, im "Sturmgeschütz der Demokratie" Text für feudale Hofberichterstattung zu verschwenden? Sind da wirklich alle Hemmungen gefallen - oder will man uns langsam auf eine neue Zukunft vorbereiten? Dazu passt eine Meldung aus Tschechien, die von besonderer Bedeutung ist, da dieses Land nicht nur intelligente Menschen hat und auf  eine lange Tradition des Widerstandes gegen den Ostblock blicken kann,  sondern auch dank der neueren Geschichte einen direkten Vergleich beider Systeme anstellen kann. Das Ergebnis ist erschütternd - das, was wir Demokratie nennen, kommt bei denen ganz schlecht weg: gerade mal 26 % der Tschechen sollen noch zufrieden mit der Demokratie sein - der Rest knirscht nur noch mit den Zähnen.

Mittwoch, 11.1.2012. Eifel. Ein wunderbarer Morgen, den der Spiegel gleich mit einer unglaublichen Nachricht versüßt: in der Tat gibt es jetzt ein Ranking für die beliebteste Prinzessin in Europa. Ich sagte ja: unglaublich. Wer hätte wirklich gedacht, das so eine kleine Belgierin soviel unbeliebter ist als all die anderen unwichtigen Damen? Warum sieht man sich überhaupt genötigt, im „Sturmgeschütz der Demokratie“ Text für feudale Hofberichterstattung zu verschwenden? Sind da wirklich alle Hemmungen gefallen – oder will man uns langsam auf eine neue Zukunft vorbereiten? Dazu passt eine Meldung aus Tschechien, die von besonderer Bedeutung ist, da dieses Land nicht nur intelligente Menschen hat und auf  eine lange Tradition des Widerstandes gegen den Ostblock blicken kann,  sondern auch dank der neueren Geschichte einen direkten Vergleich beider Systeme anstellen kann. Das Ergebnis ist erschütternd – das, was wir Demokratie nennen, kommt bei denen ganz schlecht weg: gerade mal 26 % der Tschechen sollen noch zufrieden mit der Demokratie sein – der Rest knirscht nur noch mit den Zähnen.

Die RP zeigt uns heute die Weltuntergangsuhr. Sie hat sich in diesem Jahr weiter in Richtung Apokalypse bewegt – vielleicht ein guter Grund, mal zu schauen, was an unserer Demokratie oder unserer Gesellschaft nicht stimmt. Einen Schritt in diese Richtung unternimmt Muslim Market – wo man sich die Frage stellt, warum sich „Wissenschaftler“ so oft prostituieren und dabei auf einen eigentlich wichtigen Nebenaspekt gestoßen ist:

Obwohl jede Hochkultur ihre spezifischen Eigenheiten hat, die nicht problemlos auf andere Systeme übertragbar sind, so haben doch Wissenschaftler in ganz unterschiedlichen Bereichen – ob Historiker, Sozialwissenschaftler oder Wirtschaftswissenschaftler – einige typische Merkmale ausgemacht, die alle jenen Untergängen gemeinsam sind. Das interessante bei dieser Art von Forschung besteht darin, dass noch nie in der Geschichte eine deutlich wahrnehmbare Gruppe von eigenen Wissenschaftlern den Untergang des eigenen Systems diagnostiziert und entsprechend Gegenmaßnahmen vorgeschlagen hat (z.B. den rechtzeitigen Ausstieg). Stets waren es die Anderen in der Geschichte oder in fernen Ländern. In der neueren Zeit gibt es zudem ein Zusammenspiel von Wissenschaft und Propaganda, die zuweilen die gesamte Wissenschaft auf den Kopf stellt. Beispielsweise ist gemäß Propaganda die Islamische Republik Iran seit 30 Jahren am untergehen, während die objektiven Daten genau das Gegenteil beweisen. Hingegen ist das Westliche System – würde man die bisher erforschten Daten der Wissenschaft darauf anwenden – im totalen Untergang begriffen, ohne dass es irgendeinen Ausweg gibt, aber kaum ein Wissenschaftler warnt davor. 

Das westliche System im totalen Untergang begriffen? Das kann doch nur ein Forum für deutschsprachige, gottesehrfürchtige Muslime so sehen. Und natürlich die Wissenschaftler von der Weltuntergangsuhr. Und der intelligente Tscheche:

Bestimmendes Thema in Havels dramatischem wie essayistischem Werk war die Entfremdung des heutigen Menschen von der sogenannten Lebenswelt. Diese werde dadurch hervorgerufen, dass in der aufgeklärten Gesellschaft die Wissenschaft die Position der obersten Instanz, die zuvor dem unbekannten Höheren (Gott o. ä.) vorbehalten war, eingenommen hat. Diese Entfremdung sah Havel als Ursache der Probleme der heutigen Menschheit, sowohl der Umweltzerstörung, die durch die von der Wissenschaft ermöglichte Technisierung der Ökonomie hervorgerufen wurde, also auch der ehemaligen kommunistischen Diktaturen, denen die Vorstellung einer wissenschaftlich organisierten Gesellschaft (wissenschaftlicher Sozialismus) zugrunde liegt.

Huch, wie schrecklich. „Wissenschaft“, unser höchstes Gut- ein häßlicher Teufel? Wie sollen wir das eigentlich noch verstehen? Die können ja nur gelogen haben. Wissenschaft hat uns die Kaffeemaschine gebracht, das Flugzeug, das Auto – dank Wissenschaft können wir endlich fliegen, trocken durch die Landschaft rasen, Kaffee trinken. Was soll daran schlecht sein?

Immerhin fordern jetzt auch westliche Wissenschaftler die absolute Macht des wissenschaftlichen Sozialismus ein – wobei sich die Frage stellt, ob es dann auch wirklich Sozialismus wird – oder nicht eher eine Gesellschaft nach dem Geschmack ihrer Finanziers. Das übersieht man bei „Wissenschaft“ immer: es bedarf eines Geldgebers. Der einsame Forscher im alten Burgturm hat ausgedient, moderne Grundlagenforschung ist teuer – und bringt erstmal nichts. Jeder Wissenschaftler ist erstmal ein überfinanzierter Arbeitsloser, der ganz schnell seinen Job verliert, wenn er nicht Ergebnisse vorweisen kann, die seine Geldgeber befriedigen. Ein wichtiger Grund auch, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen – „Forschung“ hätte eine Chance, wieder frei zu werden.

Schauen wir uns doch mal die Welt an, die uns „Wissenschaft“ und „Demokratie“ gerade so präsentieren. In Deutschland zum Beispiel sind wir Rekordhalter in der Armutsproduktion geworden. Nirgendwo sonst in Europa bedeutet Arbeitslosigkeit das sofortige gesellschaftliche Aus – sehr oft lebenslänglich. Viele, die noch Arbeit haben, leben von Billiglöhnen, was den Staat – also die Gemeinschaft – Milliarden kostet. Und wie es aussieht, werden wir in diesem Jahr in Deutschland – einem Land, dem es angeblich noch sehr gut geht, eine ganze Flut von Arbeitslosen bekommen – nicht nur uns, sondern ganz Europa droht eine nie dagewesene Pleitewelle. Das wird dann wieder Folgen haben – einen „nie dagewesenen Rückgang beim Privatkonsum“ – wir gerade beispielsweise in Portugal. Eine schöne Formulierung für Armut, Krankheit, Not und Hunger.

Wundert es da, das man unzufrieden wird mit dem System der Demokratie, das man sich zurücksehnt zu den Zeiten, wo die Prinzessin ihre schützende Hand über die Armen im Land gehalten hat und der weise und gerechte König alle Feinde des Volkes – alle Lügner und Betrüger, Lumpenhunde und Heiratsschwindler aus dem Lande jagen lies? Einer Welt, ohne Pornodarsteller, die sich absichtlich von Flammenwerfern verbrennen lassen, eine Welt ohne Holzfäller, die kleine Indianermädchen bei lebendigem Leibe verbrennen, in der Menschen nicht reich werden, weil sie auf die Pleite demokratischer Staaten wetten oder als Millionäre soviel Steuern zahlen wie normale Arbeitnehmer.

Die Chinesen haben es da leichter. Die haben keine Demokratie und holen sich ihr Wissen aus dem Westen. Jetzt, wo sie es haben, drängen sie unsere Firmen aus dem Land  und zerschlagen unsere Produkte – zur Zufriedenheit der Regierung – auf offener Straße. Wir könnten natürlich stolz und erhobenen Hauptes sagen: ist uns egal, wir sind die alte griechische Demokratie, die Wohlstand, Freiheit und Glück in die Welt bringt – vor allem für die kleine Frau und den kleinen Mann von der Straße, wir messen uns jederzeit gerne mit den Bürgern kommunistischer Diktaturen!

Man merkt aber schnell – dieser alte Spruch wirkt nicht mehr. Man macht sich damit lächerlich – unser Wohlstand schwindet täglich mehr, Nötigung bestimmt unseren Alltag, sobald der Wecker uns brutal aus dem Schlaf reißt, und glücklich sind wir nur noch, wenn wir besoffen sind. Ein leibeigener Bauer war freier als der moderne Stadtbürger – immerhin konnte er schlafen, bis die Sonne aufging, konnte in seiner Arbeitszeit bestimmen, was er wann wo tat und wurde von allen staatlichen Formularen verschont … ja, in der Tat wollte der Landesfürst nur die Ernte, er stand nicht den ganzen Tag hinter dem Bauern und schaute zu – sowas gibt es nur bei Sklaven und in unserer Nötigungskultur. Die Wissenschaft sollte uns darüber aufklären, das die Lebenswelt der alten Kreter den Kretern ein Höchstmaß an Glück brachte anstatt nur darauf zu schauen, das ihre Häuser keine Flachbildschirme hatten. Brauchten die ja auch nicht, die hatten echtes Leben gleich vor der Haustür – und konnten sogar noch hineingehen.

Wissenschaft sollte uns vielleicht auch mal darüber aufklären, was „Nötigung“ eigentlich ist. Nötigung ist strafbar – auch wenn man es nur versucht. Das Gesetz hat auch eine sehr weise Formulierung:

Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Natürlich gibt es da viel zu diskutieren – vor allem mit Juristen. Wenn wir aber die Juristen mal außen vor lassen und einfach mal schauen, wie oft wir in unserem technisierten, vollständig durchorganisierten Leben genötigt werden, Dinge zu tun, die wir eigentlich nicht wollen. Wollen wir wirklich morgens aufstehen, obwohl unser Körper dringend nach Schlaf ruft? Dann elf Stunden in Autositzen und Bürostühlen herumhängen, was unseren Rücken ramponiert, anschließend Gammelfleisch und Müllfraß in uns hineinstopfen, um uns den Rest des Tages einer elektronischen Bilderflut zu widmen, die wirklich gar nichts mehr mit unserer eigenen Lebenswelt zu tun hat – außer, das wir erfahren, das in unserer Nötigungskultur das Verbrechen die größte Wirtschaftsmacht darstellt – wie in Italien die Mafia?

Und auf einmal merken wir … es geht gar nicht um die Demokratie. „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen“ sagte mal ein Mensch, der von „Wissenschaftlern“ streng verfolgt wird, weil er zu oft von seinem Gott sprach – und diese Taten können wahrlich nichts mehr mit Demokratie zu tun haben.  Was ist demokratisch an einer Kultur, die erst die „Rationalisierung“ einführt und dann Arbeitslose mit Freiheitsentzug und Hunger dafür bestraft, das es Rationalisierungen gab? Was ist demokratisch an einer Kultur, in der das Volk den Banken Geld schenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln, das die aber dann lieber wieder der EZB zurücküberweisen, um sichere Zinsen zu kassieren – oder sich vor dem Verlust des geschenkten Geldes zu schützen, dabei aber in Kauf nehmen, das alle Firmen vor die Hunde gehen, die infolge der Rezession kurzfristige Überbrückungsdarlehen brauchen. Demokratie hat was mit Gemeinschaft zu tun, das, was wir haben – ist Kleptokratie, die Herrschaft der Diebe, Räuber und sonstigen Nötiger … darum werden mafiöse Strukturen hier so erfolgreich. Da aber Kulturen, die nur von anderen leben, parasitäre Strukturen sind, die ohne Wirt nicht leben können (was der chinesische Wirt wohl gerade merkt), brauchen wir uns nicht wundern, das uns die Apokalypse ins Haus steht.

Der erste Schritt, um die Apokalypse zu stoppen, ist die Erkenntnis, das wir auf dem Weg zu Demokratie waren, aber dann doch eine Nötigungskultur serviert bekamen – eine Kultur, die die Kellner, die sie uns servierten,  reicht gemacht hat. Ohne Bewußtseinsbildung, Rückbesinnung auf echte Werte (nein, nicht Sachwerte noch Aktien – sondern eher LEISTUNGSWERTE) wird es nicht möglich sein, der sterbenden Kultur der Kleptokraten eine wachsende Kultur der Demokraten entgegenzustellen. Wir brauchen hier gar keine Revolution – es reicht schon eine einfache Evolution.

Was spräche dagegen, den Nötigungsparagraphen einfach mal auf das Arbeitsleben auszudehnen? Auf die Jobcenter? Die Finanzbehörden? Die Krankenhäuser und Schulen? Was spräche dagegen, erstmal freie, starke, selbstbewußte Souveräne zu erziehen – anstatt immer nur ängstliche Duckmäuser in optimierter Käfighaltung?

Was spräche dagegen … eine Kultur des Glücks zu gestalten, der Freiheit, der Gleichheit und Brüderlichkeit – um die andere Völker uns beneiden?

Mit diesem Personal und dieser Kultur  könnten wir uns dann entspannt dem Kampf der Systeme stellen … und vielleicht die Zeiger der Weltuntergangsuhr wieder zurückstellen. Echte Demokratien haben den Vorteil, das sie als Gemeinschaft agieren. Das hat seinen Preis – „Sozialkosten“ – aber auch seinen Lohn: Kreativität, Fleiß, Effektivität, Sicherheit, Wohlstand – und schon ist man von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit nicht mehr weit entfernt. Die Wissenschaftler sollten uns ruhig mal öfter darüber informieren, wie stark und mächtig der Mensch in Gemeinschaft ist, anstatt immer nur darüber, wie schädlich sein Atem für das Klima sein kann.

Unsere Zivilisationskäfigmenschen in der Nötigungskultur jedoch … werden mehr Sklaven, die Ungleichheit lieben, weil sie die Chance erhöht, selber Sklaven zu bekommen – und Brüderlichkeit ist ihnen völlig fremd. Dafür züchten sie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs, Depressionen und Impotenz. Ein feines Volk – das selbst gegen Diktatoren mit Exekutionsmobilen 0:1 verliert.

Unmöglich, so eine Evolution?

In einer Welt, in der Schottland wieder frei wird, ist nichts unmöglich, denke ich mir.

 

 

 

Ist die Occupy-Bewegung kommunistisch?

Ist die Occupy-Bewegung kommunistisch?

Es ist nicht das erste Mal, dass die weltweite Protestbewegung der Empörten als kommunistischer Impuls verleumdet wird. Der Vorwurf ist falsch, widerspiegelt aber meines Erachtens zwei Dinge: ein Dilemma auf Seiten der Empörten und eine Art Anerkennung durch ihre Gegner. (mehr …)

Grundeinkommen – ein Kulturimpuls

 

„Ein Einkommen ist wie Luft unter den Flügeln!“ so beginnt der Film. Sollte das für jeden bedingungslos sein? Kann es das geben: ein wirtschaftliches Bürgerrecht?

2 Stunden, um darüber nachzudenken:

 

 

via:

Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V. (BbG)

 

Bedingungsloses Grundeinkommen als Rettung vor dem Staatsinfarkt

Bedingungsloses Grundeinkommen als Rettung vor dem Staatsinfarkt

Wer wie ich in den siebziger Jahren groß geworden ist, der weiß, wie motivierend es sein kann in einer Gesellschaft zu leben, die sich in einer Aufbruchphase befindet. Es war die Zeit, in der man anfing, die letzten lebenden Nazis aus den Ämtern zu vertreiben, in der viele Menschen alternative Lebensentwürfe ausprobierten, in der man Vertrauen fassen konnte in das „Modell Deutschland“ mit seiner niedlichen kleinen Hauptstadt am Rhein. Es war eine Zeit, in der Zuhälter beim Sozialamt die Raten für ihren Porsche bezahlt bekamen – was erstmal entsetzte, aber beim näheren Hinschauen konsequent fair und sozial war: niemand sollte durch Arbeitslosigkeit seinen gesellschaftlichen Status verlieren.  Für so ein Land hat man dann gerne 120 Stunden die Woche gearbeitet – und auch gerne Steuern gezahlt.

Jedenfalls habe ich das getan.

Damals konnte man noch Kants Schrift „Zum Ewigen Frieden“ lesen und glauben, man erlebt, wie sie – nachdem sie schon in die UN-Charta eingeflossen ist – Realität wird und der Welt den ewigen Frieden schenkt. Ein Blick nach Wikipedia zeigt, wo das Problem liegt

Erster Abschnitt: Die sechs Präliminarartikel

  1. „Es soll kein Friedensschluss für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden.“
  2. „Es soll kein für sich bestehender Staat (klein oder groß, das gilt hier gleichviel) von einem anderen Staate durch Erbung, Tausch, Kauf oder Schenkung erworben werden können.“
  3. „Stehende Heere (miles perpetuus) sollen mit der Zeit ganz aufhören.“
  4. „Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden.“
  5. „Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines andern Staats gewalttätig einmischen.“
  6. „Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem andern solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind, Anstellung der Meuchelmörder (percussores), Giftmischer (venefici), Brechung der Kapitulation, Anstiftung des Verrats (perduellio) in dem bekriegten Staat etc.
Die Stichworte „Libyen“, „Irak“, „Israel“, „Afghanistan“, „Grenada“, „DDR“ zeigen, das man sich nicht daran zu halten gedenkt – und so die Chance auf Frieden verwirkt. Ein aktuelles Beispiel, über das meiner Meinung nach viel zu wenig geredet wird? Schauen wir kurz nach Libyen und hören uns eine Gegenmeinung an:

Man erfährt, dass die NATO-Luftangriffe auf Libyen brutal und gnadenlos fortgesetzt werden. Gemeldet werden seit Beginn der Aggression ca. 20 000 Luftwaffenkampfeinsätze. In Tripolis wurde am 29. Juli 2011 die Antennen der TV-Sender bei Luftangriffen durch Zerstörung von drei Satelliten weitgehend lahm gelegt.

Ziel der NATO ist, dass die Welt nicht mehr die Meinung aus Tripolis erfahren soll. Auch in den etablierten Medien des Westens darf kaum mehr über Libyen berichtet werden. Eine der täglichen Meldungen aus Tripolis ist z. B. die Mitteilung vom 9. August 2011, die auch über die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass verbreitet wurde, dass in einem Dorf nahe der Stadt Slitan bei NATO-Luftangriffen 85 friedliche Einwohner, darunter 33 Kinder ermordet wurden !! 
Kant dreht sich über soviel Dummheit und Unvernunft aktuell im Grabe herum – aber es sollten halt auch keine Staatsschulden in bezug auf äußere Staatshändel gemacht werden.  Wer sich Geld leiht, um Krieg zu führen (wie aktuell die USA bei den Chinesen) wird über kurz oder lang eine hohen Preis dafür bezahlen müssen. Wie es kam, das der fein ausgedachte Weg zum Frieden so abrupt verlassen wurde?
Nun – das System kollabiert und schlägt deshalb wild um sich. Es ist wie mit Tieren auf der Jagd: die angeschossenen, die den sicheren Tod vor Augen haben, sind die gefährlichsten. Sie sind unberechenbar wir Staaten, die vor dem Bankrott stehen. Noch werden wir mit lustigen Nachrichten bei Laune gehalten, das Manager-Magazin erteilt uns heute ein Lektion in „positiven Nachrichten“: da erfahren wir, das die Zahl der Beschäftigten weiter steigt und wollen gerade jubeln, bis wir erfahren, das die deutsche Wirtschaft kaum noch wächst….was bedeutet, das wir bald große Probleme bekommen werden:
 „Die deutschen Banken könnten mit den gleichen Problemen kämpfen wie die französischen Institute“, sagte Eichengreen jüngst im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“. „Wenn das Wachstum in Deutschland schwächer wird, könnten diese Probleme sehr schnell für alle sichtbar werden.“
Welches System kollabiert da eigentlich? Die bürgerliche Zivilgesellschaft?
Nein. Nur ein Teil von ihr. Zur bürgerlichen Zivilgesellschaft gehören alle Menschen, weshalb sie den „Arbeiter- und Bauernstaat“ auch höflich die Tür weisen musste: die Definition des Menschen nur als Arbeitstier für die Parteioberen macht uns so wenig froh wie die Definition des Menschen nur als Arbeitstier für die Kapitalbesitzer. Die ersteren sind nun schon gegangen und von der Bühne der Politik verschwunden, die letzteren jedoch befinden sich gerade in einem Sterbeprozess, auf den der Tagesanzeiger in der Schweiz hinweist:
In einem Video-Interview mit dem «Wall Street Journal» analysiert der Star-Ökonom Nouriel Roubini den Zustand der westlichen Industriestaaten. Wegen einer massiven Umverteilung des Wohlstandes zugunsten der Superreichen sei die Nachfrage in den westlichen Industriestaaten zusammengebrochen. Der Einbruch sei so dramatisch, dass wir Glück gehabt hätten, nicht bereits jetzt in eine Depression abgerutscht zu sein, sagt Roubini und prophezeit im besten Fall lange Jahre einer schmerzhaften Stagnation.
Schön, wenn man so etwas auch in einer Nato-Zeitung lesen könnte, doch die Nato spielt gerade den militärischen Arm des Kapitalismus und schlägt besonders wild um sich – auch gegen Frauen und Kinder.  Da muss man Rücksicht darauf nehmen, das die Journalisten in Natoländern über Natomassaker nicht so ausführlich berichten: man will ja nicht seinen Arbeitsplatz oder seine Karriere gefährden.
All dies ist keine Frage der Ideologie mehr und es geht auch nicht um Fairness oder Moral. Wer das System retten will, muss jetzt handeln. «Die Märkte funktionieren nicht mehr», sagt Roubini. «Der Kapitalismus ist im Begriff, sich selbst zu zerstören.»
Es ist darob wichtig, zu erkennen, das dieser Zerstörungsprozess sich nicht nur in ein paar Zahlen auf Bildschirmen äußert, sondern als Zerstörung bürgerlicher Moral und Ethik in den Krawallen in London wie auch in den Bomben auf Lybien: ein sterbendes System bekommt Panik. Die einen plündern Läden, wer mehr kann, plündert Märkte oder Länder.
Vereinfacht gesagt sieht die Lage der westlichen Industriestaaten derzeit wie folgt aus: Konzerne und Superreiche haben in den letzten Jahrzehnten ungeheure Vermögen angehäuft und profitieren heute von tieferen Löhnen, billigem Geld und sinkenden Steuern. Der Mittelstand hingegen blutet aus: Die Löhne sinken, die Wohnkosten und die Steuerbelastung steigen. Das Resultat ist eine einbrechende Nachfrage, die im Begriff ist, in eine Verelendungsspirale zu münden. Dieses Phänomen ist Ökonomen bestens bekannt, sei es als «Liquiditätsfalle» oder als «Balance Sheet Recession».
Das sind klar Worte. Die Verelendungsspirale erleben gerade wir Deutschen sehr bewußt, manche sehen sogar einen Zusammenhang mit hohen Selbstmordraten in östlichen Bundesländern, die Arbeitszufriedenheit nimmt bundesweit rapide ab:
Auch der internationale Vergleich ist erschreckend: Das IAQ verweist auf die Ergebnisse der European Social Survey, einer Analyse der Jobzufriedenheit in 22 europäischen Ländern. Hier rangiert Deutschland auf Platz 18 – abgeschlagen hinter den anderen west- und nordeuropäischen Staaten. Hinter den deutschen landen nur noch die Arbeitnehmer der Slowakei, der Ukraine, Bulgariens und Russlands. Am zufriedensten am Arbeitsplatz sind laut der Studie Dänen, Schweizer und Finnen.
Dabei zählen Menschen mit Arbeitsplätzchen (Arbeitsplatz mag ich diese Leihteilzeitbeschäftigungen wirklich nicht mehr nennen) noch zu den Gewinnern in diesem Land.
Die Lösung für dieses Problem ist nach Roubini einfach:
Der Weg aus der Liquiditätsfalle sieht anders aus: Kurzfristig muss mit sinnvollen Investitionsprogrammen in Infrastruktur und Bildung Nachfrage geschaffen werden, um Massenarbeitslosigkeit und Deflation zu verhindern. Gleichzeitig muss der Lohnzerfall der Mittelschicht gestoppt werden. Um zu verhindern, dass die Staatsschulden ausser Kontrolle geraten, muss die massive Umverteilung zugunsten der neuen Oligarchie wieder rückgängig gemacht werden. Das geht nur – wie es auch Buffett fordert – mit einer Erhöhung der Steuern für Superreiche.
Das dürfte dann … das Ende sein, denn die Superreichen werden ihr ergaunertes Vermögen nicht freiwillig abgeben. Oder … man findet andere Lösungen:
Seit jeher beschäftigen sich Philosophen mit der Frage, ob jeder einen Anteil an der Erde haben solle. Eine Lösung wäre das Grundeinkommen. In der Schweiz wird darüber vielleicht bald abgestimmt. Auch der frühere Spitzenbanker Klaus Wellershoff ist dafür und sagt: „Der Gedanke ist bestechend einfach“
So etwas … kommt dann auch aus der Schweiz. In Deutschland ginge das nicht … schon wegen der Gewerkschaft:
Krämer ist ein brummiger Gewerkschafter aus dem Bundesvorstand von Verdi und arbeitet in Berlin. In Berlin wird das Altpapier nicht versorgt, und auch sonst ist hier vieles anders als auf dem Zürichberg. Krämer kann gar nicht alle Argumente gegen das Grundeinkommen aufzählen, so viele sind es. Es würde den Wert der Arbeit mindern, die Löhne kaputt machen, Leute würden entlassen, da alle ja abgesichert seien. Das BGE sei „Aufstocken für alle“, sagt Krämer. Die Gewerkschaften haben es nicht so mit Utopien.
Also werden wir das System gewaltsam kollabieren lassen, damit bis zum Schluß alle ein Arbeitsplätzchen haben, auf dem sie beständig unzufriedener dahinvegetieren? Und das wirkt nicht irgendwie … krank?
Eine Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen wir gar nicht mehr führen: es geht nicht mehr ohne. Das bedingungslose Grundeinkommen ist alternativlos: wenn man die zivile Bürgergesellschaft des 20. Jahrhunderts mit all ihren Errungenschaften im 21. Jahrhundert erhalten will. Wir werden ein neues Wirtschaftssystem brauchen – aber das wird sich automatisch aus diesem Grundeinkommen entwickeln.  Es werden sich damit auch neue gesellschaftliche und politische Systeme entwickeln, die Zivilgesellschaft wird von der Wirtschaft unabhängiger, möglicherweise wird die Produktion von Luxusgütern zurückgehen – aber das wird sowieso nicht zu verhindern sein, wenn das System gewaltsam kollabiert.
Die alles entscheidende Frage beim BGE, wie es auch kurz genannt ist, ob es auch finanzierbar ist.
Die Antwort darauf ist ein – alternativloses – ja!
Wir finanzieren gerade schon das Überleben von 80 Millionen Bundesbürgern. Schon gemerkt? Das klappt ja … schon seit sechzig Jahren. Da kommen erstmal keinerlei neue Kosten auf uns zu. Nur die Verteilung muss neu organisiert werden, unproduktive oder schädliche finanzelle Überversorgungen (mit denen letztlich unter anderem gegen den Euro gewettet wird) müssen abgebaut werden zugunsten der Rettung der Wirtschaftsgemeinschaft. Auf Subventionen für unrentable Unternehmen werden wir wohl verzichten müssen – und auf einen unausgeglichenen Haushalt wegen Rettung der Banken vor den Folgen ihres eigenen Fehlverhaltens ebenfalls.
Wir werden uns jeden einzelnen Posten der Haushalte anschauen müssen … auch wenn es für Politiker, Manager und Gewerkschafter unangenehm wird und manche wohl versorgte Baufirma schließen muss, weil ihr Überleben nur durch nicht finanzierbare Staatsaufträge gesichert werden kann.
Bahnhofsneubau oder Bürgerglück: dazwischen gibt es keinen Mittelweg.
Das ähnelt der Therapie beim Herzinfarkt: auch dort gibt es überversorgte Areale, die viel zu viel Blut bekommen, während andere … absterben. Daran stirbt letztlich aber der ganze Mensch, obwohl es den überversorgten Zellen ganz Klasse geht. Darum schafft man mit Operationen oder Medikamenten einen Ausgleich … und pumpt nicht immer mehr Kunstblut in den Menschen hinein oder versucht die minder versorgten Zellen per Befehl (nichts anderes ist Hartz IV) zu besserer Leistung trotz Blutmangel anzuregen.
Darum brauchen wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen als Rettung vor dem Staatsinfarkt – oder wir erleben das Ende des „freien Westens“ im Kampf der Armee gegen Plünderer.
Noch haben wir die Wahl: machen wir einen mutigen, historisch beispielhaften vernünftigen Schritt zum ewigen Frieden – oder lassen wir die Welt in Chaos und Anarchie versinken?

1. Mai: Tag des Grundeinkommens

1. Mai: Tag des Grundeinkommens

Arbeit ist auch nicht mehr, was sie mal war. Dasselbe gilt für den Tag der Arbeit. Es haftet ihm etwas Gestriges an, etwas Antiquiertes. Und die alljährlich ritualisierten 1. Mai-Kundgebungen sind in der Regel eher Folklore denn wahrhaftige Kampftage der ArbeiterInnenbewegung. Warum also nicht stattdessen am 1. Mai den Tag des Grundeinkommens ausrufen? – Ein Pamphlet.

Die Tradition, den 1. Mai als Tag der Arbeit zu feiern, geht auf die turbulenten Ereignisse auf dem Haymarket in Chicago zurück. Dort hielt August Spies, Chefredakteur und Herausgeber der Chicagoer Arbeiter-Zeitung, am Abend des 1. Mai 1886 auf einer Arbeiterversammlung eine programmatische Rede. Es kam daraufhin in Chicago zu mehrtägigen Streiks und zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei, die bald so weit eskalierten, dass es zu Toten auf beiden Seiten kam. Zwar wurden acht Organisatoren der Kundgebungen zum Tode verurteilt und fünf von ihnen, darunter auch August Spies, tatsächlich auch hingerichtet. Trotzdem – oder gerade deswegen – gelten die Haymarket-Vorkommnisse als Geburtsstunde des breiten Klassenbewusstseins der ArbeiterInnen.

Zeitgenössischer Schnitt der Tumulte auf dem Haymarket – die Geburtsstunde des Klassebewusstseins der Arbeiter (Bild: gemeinfrei).

Sozialdarwinismus statt Klassenkampf
Doch das ist Geschichte. Die ArbeiterInnenbewegung gibt es nicht mehr – weil es die ArbeiterInnen nicht mehr gibt. Nicht dass zwischen den Sozialpartnern heute die absolute Gerechtigkeit ausgebrochen wäre. Im Gegenteil. Doch die Ungerechtigkeit lässt sich nicht mehr am Begriff Arbeiter festmachen. Oder kennen Sie persönlich noch einen der seltenen Spezies der (Industrie-)Arbeiter, wie sie früher ganze Regionen bevölkerten und wie man sie damals, so stelle ich mir vor, von weitem als solche erkannte, an ihrer Kleidung, ihrem Gang, ihrem Gebaren.

Auch die Aufteilung in Klassen funktioniert nicht mehr so richtig, jedenfalls nicht entlang der herkömmlichen Klassengrenzen. Oder fühlen Sie sich eindeutig einer bestimmten Klasse zugehörig? Wenn ja, welcher? Womöglich ist heute jeder Mensch eine Klasse für sich. Und der Klassenkampf ist zu einem Kampf jeder gegen jeden mutiert: Sozialdarwinismus statt Klassenkampf. Das würde auch erklären, weshalb heute die Solidarität einen so schweren Stand hat. Die soziale Frage findet jedenfalls im Klassenkampf keine gültige Antwort mehr.

Ironische Darstellung der Klassengesellschaft aus dem Jahr 1911 (Bild: gemeinfrei).

Folklore statt Kampftag
Vieles ist in der Gegenwart uneindeutiger, zersplitterter. Man spricht nicht mehr von Arbeitern, sondern von Angestellten. Und wer ist heute noch in einer Gewerkschaft? Auch Industrie gibt es bei uns kaum mehr. Wir sind eine Dienstleistungsgesellschaft. Und wenn Dienstleister auf die Strasse gehen, dann gibt es allenfalls eine Art folkloristischer Umzug, bunt zwar, aber bestimmt keinen Kampftag – zumindest bis auf weiteres. Nicht nur die Industrie wurde ausgelagert, auch die allerhimmelschreiendste Ungerechtigkeit zog mit ihr fort – zumindest bis auf weiteres …

Weil mit dem Klassenkampf kein Staat mehr zu machen ist, bin ich für die Abschaffung der Nostalgieveranstaltung „Tag der Arbeit“. Vielmehr wünschte ich mir neue, zukunftgerichtete Konzepte, die von der Gegenwart ausgehen, nicht von der Vergangenheit. Und da kommt das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel, gerade in Bezug auf die Arbeit. Denn das bedingungslose Grundeinkommen hebelt den fatalen Mechanismus aus, der Lohnarbeit letztlich zu einer Art Sklavenarbeit macht. Es schenkt dem Menschen einen Freiraum, indem seine Existenz wirtschaftlich gesichert ist. Das befreit ihn unmittelbar aus der Sklaverei der Lohnarbeit und geht weit darüber hinaus, was sich die Gewerkschaften unter Verbesserungen der Arbeitsbedingungen vorstellen. (Siehe dazu auch: Ketzerische Fragen zum Begriff der Arbeit.) Vielleicht zählen die Gewerkschaften deshalb zu den erbittertsten Gegnern eines bedingungslosen Grundeinkommens …

Tag des Grundeinkommens statt Tag der Arbeit
Denn das Konzept der (Lohn-)Arbeit selbst ist am Wanken. Seit Jahrhunderten wirkt der Mensch auf ihre Abschaffung hin. Wo immer möglich sollen Maschinen sie ersetzen. Doch was man sich einst als Segen vorstellte – die Befreiung von schwerer, mühsamer, stupider Arbeit –, ist heute zum Fluch geworden. Die Menschen werden einmal mehr über ihre Existenznot zu sklavenähnlicher Arbeit gezwungen. Sicher: Der Kampf um Mindestlöhne und besseren Kündigungsschutz – zum Beispiel – kann hier die grösste Not lindern. Doch der Einsatz für ein bedingungsloses Grundeinkommen schafft ganz neue Voraussetzungen und lässt die Not – zumindest die wirtschaftliche – geradezu ins Leere laufen.

Deshalb sollten wir am 1. Mai den Tag des Grundeinkommens begehen.

Walter Bs Textereien
http://walbei.wordpress.com/

Der Grundeinkommen-Kongress in Zürich

Liebe Nachrichtenspielgel-online Leser,

am kommenden Samstag 19. März. 2011 beginnt der Kongress zum Grundeinkommen.

Der Kongress zum Grundeinkommen in Zürich vom kommenden Samstag wird live ins Internet übertragen. Die Schaltung steht bereits.

Auf Ustream kann man Samstag, den 19.03.2011 von 10.00 – 18.00 Uhr virtuell dabei sein.

http://www.ustream.tv/recorded/13090729

Jeder ist dazu eingeladen.

Mit Dang an Jerry Lang
(sorry, could’nt resist)

Also Seite Bookmarken, Samstag abrufen, Kongress anschauen, Bookmark löschen 😉

Die Linke gegen das bedingungslose Grundeinkommen

Tja,

da bekommt man folgende mitleidsheischende Mail zur Weiterverbreitung von der ARCA und Herrn Kallay, dessen Leistung ich hiermit in keinster Weise schmälern will und denkt, die arme Linke im Visier von Rechten und Linken gleichermaßen. Und das, obwohl Arbeitslose Hartz IV Opfer wie Herr Kallay bei der Linken an den entscheidenden Stellen eher weniger zu sagen haben. Na ja, Leidensfähigkeit hat er ja bewiesen (Nochmals: Respekt, Herr Kallay!).

Guten Tag,

über DIE LINKE und Hartz-IV wird derzeit viel gesagt, geschrieben, geblogt, genörgelt, gehetzt.

So geht das aber nicht weiter.

Thomas Kallay, Kläger gegen die Hartz-IV-Regelsätze für Erwachsene und Kinder vor dem Bundesverfassungsgericht (Az.: 1 BvL 1/09, Urteil vom 09. Februar 2010), ist überzeugter Linker und hat daher heute ein (!) Scherflein zum Besseren beigetragen, und sich als erwerbsloser Hartz-IV-Bezieher zu DIE LINKE, in der er Mitglied ist, öffentlich bekannt.

Zudem ruft er auch dringend auf zum Nachdenken, weil es ihm überhaupt nicht mehr gefällt, daß es linke Leute gibt, die den Rechten einen Riesengefallen tun, indem sie gegen DIE LINKE hetzen und dadurch Menschen in unserem Land, die sich für die Partei interessieren und sie vielleicht wählen wollen, völlig verunsichern.

Thomas Kallay sagt:

„Für mich, der ich mich seit 1999 ehrenamtlich in der Erwerbslosensozialarbeit engagiere und daher mit eigenen Augen täglich sehe, wie unser Land in den Arsch geht, ist DIE LINKE die einzige politische Partei in Deutschland, die mann/frau noch wählen kann, wenn mann/frau ganz normaler Arbeitnehmer oder eben Erwerbsloser, Erwerbsunfähiger oder Rentner ist.“

Hierzu hat unser lieber E-Philosoph in einer Mail folgendes gesagt:

Thomas Kalley darf sich gerne seine Meinung bilden – und ich mir meine. Was auf keinen Fall geschehen darf (sage ich mal als Hartzgegner der ersten Stunde) ist, das Hartz als Thema zum Spielball einer kleinen Extremistenpartei verkommt, die sich unter Gebrauch bzw. Mißbrauch des Leids von Millionen von Menschen Wählerstimmen erschleicht, um Pöstchen für narzistische Gewerkschaftsfunktionäre der zweiten Reihe zu ergattern, die dann letztlich die alternativlose Politik der CDU durchwinken – nur halt mit noch größeren Tränen.
Wenn man wirklich dieses Gesetz kippen will (und nicht nur mit etwas Widerstand koketieren möchte) dann darf man diesen Widerstand nicht einer fünf-Prozent-Partei überlassen … erst recht nicht,  wenn der nichts mehr einfällt, als 33 Euro mehr im Monat zu fordern. Die  Partei „die Linke“ ist in meinen Augen schon längst nicht mehr „links“. Aus  dem hoffnungsvollen Start der WASG ist halt etwas geworden, das 2015 Bomben auf … irgendwen schmeißen wird, solange man nur an der Regierung bleibt.
Wetten daß?

Wer lesen und verstehen kann schaut sich dann mal den unten stehenden Beitrag aus der „Zeitung zur Programmdebatte“ mit dem schnittigen Titel „Freiheit durch Sozialismus“ von der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Linkspartei im Bundestag, Frau Sabine Z., an, die ein paar Tage später in meinen Postfach lag.

Für mich persönlich ist das nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und deshalb geht die Kündigung der Mitgliedschaft bei den LINKEN in den nächsten Tagen, sobald ich dafür Zeit habe, in die Post.

Die gelieferten, meist durchsichtigen Argumente sind ein prima Beispiel dafür, daß da jemand ernsthaft Sorge hat, eine Linke (bzw. diese „LINKE“) könnte überflüssig werden, wenn niemand mehr Angst vor Hartz IV hat bzw. nicht mehr drangsaliert wird oder mit Almosen für reelle Arbeit abgespeist wird und dadurch das eigene Einkommen und die zu erwartenden Pensionsansprüche wegfallen könnten. Und dem die Menschen, die unter Hartz IV oder prekären Arbeitsverhältnissen leiden, völlig egal sind.

Die unten von ihr angesprochene Erhöhung der Mehrwertsteuer ist eine Idee des unermüdlichen Herrn Götz Werner und keineswegs die einzige „plausible“ Möglichkeit, dies zu finanzieren. Und Lohnsenkungen? Was für ein Blödsinn! Wenn jemand ein ausreichendes Einkommen – bzw. in diesem Zusammenhang ein „Auskommen“ hat, gibt es KEINEN Grund, irgendeine unterbezahlte und/oder schlechte Arbeit anzunehmen. Ergo gibts Arbeitskräfte nur gegen angemessene Bezahlung. So wie es sein sollte.

Am liebsten würde ich ja jeden einzelnen Satz des Artikels kommentieren, aber wenn ich an meinen Bluthochdruck denke, spare ich mir das lieber. Ich habe die berechtigte Hoffnung, daß die Leser vom Nachrichtenspiegel-online selber erkennen, was dort geschrieben steht und vor allem, welche Intention dahinter steckt.

Aber zwei hab ich noch:

Außen vor bleibt das Bedürfnis von Millionen Menschen nach guter regulärer Arbeit.

Ja… und? Gute reguläre (und angemessen bezahlte) Arbeit verschwindet nicht einfach in einer mystischen Rauchwolke, wenn niemand mehr gezwungen ist, sie anzunehmen. Muß halt, wie gerade gesagt, das Gehalt angepasst werden.

So gerät das Ziel aus den Augen, gemeinsam mit Gewerkschaften, Erwerbslosenverbänden und vielen anderen um einen gesetzlichen Mindestlohn, um Arbeitszeitverkürzung, um mehr gute und reguläre Arbeitsplätze zu kämpfen.

Ja, genau DAS ist ja das Ziel des Konzeptes!

Nicht mehr um etwas kämpfen oder „kämpfen“ zu lassen, sondern es einfach zu erhalten. Aber dann brauch man Leute wie Frau Zimmermann und ihre Parteikollegen nicht mehr und sie bekommen, wie alle anderen auch, erstmal nur ein Grundeinkommen. Bedingungslos. Wie schrecklich.

So, hier der ganze Beitrag:

Unsolidarisch und ein gigantisches Kombilohnprogramm!

Warum die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen nicht in das Programm einer emanzipatorischen Linken passt.
Der vorliegende Programmentwurf skizziert klar, wie die derzeitige Erwerbsgesellschaft umgestaltet werden soll: Es geht um die „gerechte Verteilung der Erwerbsarbeit und der anderen notwendigen Arbeiten“, um eine Überwindung der Massenarbeitslosigkeit, um „gute Arbeit statt ungesicherter, prekärer und unterbezahlter Beschäftigung“ und darum die „Enteignung der Beschäftigten“ zu stoppen.

Für eine andere Sicht plädieren die Vertreter des sogenannten bedingungslosen Grundeinkommens (BGE). Das BGE soll es dem Einzelnen ermöglichen, dem Elend der kapitalistischen Lohnarbeit zu entkommen, sich individuell selbst zu verwirklichen. Es ist der Versuch, den notwendigen kollektiven Kampf um eine Veränderung der Gesellschaft abzukürzen. Eine Idee, die sich gut anhört, aber wegführt vom Projekt einer emanzipatorischen Linken.

Der Grundgedanke ist einfach:
Jede Bürgerin, jeder Bürger erhält ein staatlich garantiertes Einkommen, ohne Bedarfsprüfung und Verpflichtung zur Arbeit. Das BGE wirkt allerdings nur auf den ersten Blick charmant. Geht es darum, die Situation der Erwerbslosen zu verbessern und das Hartz-System zu überwinden? Das würde auch eine bedarfsdeckende Mindestsicherung leisten, die ausschließt, schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen.

Eine solche Mindestsicherung in Höhe von monatlich 500 Euro fordert DIE LINKE, verbunden mit einem gesetzlichen Mindestlohn von10 Euro. Warum also ein bedingungsloses Grundeinkommen, das ebenso der Millionär und die Millionärin erhält?

Linke Verfechter des BGE kritisieren die despotische Seite der kapitalistischen Lohnarbeit (zu Recht!), stellen jedoch zugleich die Notwendigkeit von Erwerbsarbeit insgesamt in Frage. So wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.  Außen vor bleibt das Bedürfnis von Millionen Menschen nach guter regulärer Arbeit. Völlig unterschätzt wird die Bedeutung gesellschaftlich organisierter und anerkannter Arbeit für das Wesen des Menschen. Ausgeblendet
wird eine Binsenweisheit:
Um Wohlstand zu erhalten und vermehren ist gesellschaftlich organisierte Arbeit unabdingbar, was zum Teil auch unangenehme Tätigkeiten umfasst.

Freilich: wir wollen, dass dies anders geschieht als in der derzeit kapitalistisch organisierten Wirtschaftsordnung. Aber auch im Sozialismus bliebe dies „immer ein Reich der Notwendigkeit“ (Marx).

Verfechter des BGE meinen, Vollbeschäftigung sei nicht möglich, nicht erstrebenswert. So gerät das Ziel aus den Augen, gemeinsam mit Gewerkschaften, Erwerbslosenverbänden und vielen anderen um einen gesetzlichen  Mindestlohn, um Arbeitszeitverkürzung, um mehr gute und reguläre Arbeitsplätze zu kämpfen.

Statt ein gemeinsames Interesse von Erwerbslosen und Beschäftigten heraus zustellen, wird abstrakt die Forderung nach einen Grundeinkommen aufgestellt, das dem einzelnen einen Ausstieg aus dem kapitalistischen Lohnsystem ermöglichen soll, aber die bestehende Spaltung de facto anerkennt.

Die Forderung nach einem BGE ist nicht nur untauglich, um ein breites, fortschrittliches Bündnis zu bilden. Schlimmer: Es ist zu Ende gedacht ein Trojanisches Pferd, mit dem der Sozialstaat abgebaut, Tarifverträge untergraben und zu Gunsten des Kapitals umverteilt wird. Denn ein BGE würde wie ein gigantisches Kombilohnprogramm wirken.

Unternehmen würden versuchen, die Löhne zu senken, von Sozialabgaben befreit, während auf der anderen Seite die Mehrwertsteuer gigantisch erhöht werden würde – überproportional zu Lasten der mittleren und kleinen Einkommen. Kein Wunder, dass das BGE von relevanten Kreisen der Rechten und Wirtschaft hofiert wird.

Man kann dem bedingungslosen Grundeinkommen einen linken Anstrich geben. Das hat jedoch nichts mit einer emanzipatorisch und solidarischeren Politik zu tun.

Frau Z. ist übrigens (laut Wikipedia) Gewerkschaftsvorsitzende in der von Helmut Kohl besetzen Zone. Hat also doppelt Angst davor, überflüssig zu werden.
Wem kriechen die Gewerkschaftler noch mal in den Hintern – der arbeitenden Bevölkerung oder den Arbeitgebern?

Abschließend, zur Unterstellung, Kritik an der Linken helfe den Rechten:
Ich will weder eine Kröte schlucken noch habe ich Lust, in eine Zitrone zu beißen. Beides ist indiskutabel. Und die postengeile Führungsriege der LINKEN ebenfalls.

(Die gesamte Zeitung gibt es hier.)

Dschungelcamp, Mafia und bedingungsloses Grundeinkommen

Selten finde ich mal was authentisch Menschliches in den Nachrichten. Heute war es so weit, bei Spon:

Weniger trinken. Aber wer soll denn zehn Grad Minus und einen bleigrauen Himmel ohne einen gepflegten Rausch ertragen? Vorsätze. Die Hoffnung der Müden, der Zahnräder des Kapitalismus, der Basis des Staates, dass sich das Schicksal mit einem Mantra der Besserung zum Guten wenden würde. Vorsätze, der Pakt mit dem Universum. Ich werde abnehmen, mich disziplinieren, ich werde den Iron Man mitmachen, und dann musst du, Schicksal, mich belohnen. Mit einem Leben das sich nicht anfühlt wie Beutelsuppe schmeckt. Ein kleiner Deal, komm schon!

Landauf  landab begegnet mir seit Jahrzehnten diese Typus Mensch, der in Deutschland die Mehrheit bildet … die schweigende Mehrheit, wenn man so will. Ihnen geht es gut, sie haben viel Geld, sie haben alles richtig gemacht. Zweierbeziehung mit doppeltem Einkommen, keine Kinder, leistungsorientiert, das ganze Leben bis in den letzten Winkel so durchorganisiert, das man allen Ansprüchen der Werbebranche und der Medien an ein vorzeigbares Leben genügt: Sport, Urlaub, Geräteausstattung – alles vom Feinsten (oder drei Klassen drunter, wenn die Jobs zu wenig abwerfen – da zählt dann „dabei sein ist alles!“).

Aber wenn man dann fertig ist mit allem,  merkt man schnell: man ist betrogen worden. Es ist kein Leben in der modernen Arbeitsameisenkultur. Der einzige Ort, wo noch Leben ist, ist in jenem Elektrofenster, durch das wir tagtäglich neue Botschaften bekommen: was wir dieses Jahr essen sollen, welche Autos wir kaufen müssen, wie wir uns kleiden müssen und welche Trendfarbe in unsere Wohnung muß.

Um uns herum … wird die Welt immer dunkler. Verbrecher kommen an die Macht. Meistens Verbrecher in Maßanzügen, der Typus mit Augenklappe und Hakenhand ist gerade nicht modern.

Damit wir aber beim Verzehr unserer dioxinverseuchten Fertignahrung nicht auf die Idee kommen, den Tunesier zu machen, sorgt der Staat dafür, das wir nur noch die „guten“ Informationen bekommen, die wirklich bedrohlichen … muß man selber suchen. Leider findet man sie auch,  zum Beispiel im Handelsblatt:

Die Mafia sitzt in Köln, Hamburg, Mannheim und Nürnberg. Die neapolitanische Camorra in Berlin, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt und München. Die Hochburg der kalabresischen ’Ndrangheta ist in Duisburg, dort, wo im August 2007 vor dem Restaurant „Da Bruno“ sechs Italiener bei einer Fehde zweier Clans aus San Luca erschossen wurden.

Der Jahresumsatz der drei Mafia-Organisationen liegt zwischen 120 und 180 Milliarden Euro, und der Gewinn wird auf 70 bis 80 Milliarden Euro geschätzt.

„Die Mafia hat genug Kapital und investiert in angeschlagene Finanzsektoren. Auf diese Weise wird die Wirtschaft immer mehr verschmutzt.“

Hört sich sehr bedrohlich an, oder? Wir wissen es auch schon länger und die Gefahr für die Zivilgesellschaft (also für uns alle, ob reich oder arm, gesund oder krank, dick oder dünn, alt oder jung) ist immens.  Was geschieht mit dem Buch, das detalliert den Einfluß  in Deutschland beschreibt? Wir vom Markt genommen.

„Ich habe ein Buch geschrieben gegen die Scheinheiligkeit derer, die die Mafia nicht sehen, bis die eigenen Straßen voller Blut sind, wie es in Duisburg geschehen ist“, sagt Forgione. „Dass mein Buch eingezogen worden ist, bestätigt, dass in Deutschland die Scheinheiligkeit siegt“, ergänzt er verbittert.

Der Autor ist Soziologe und Hochschullehrer, Vorsitzender der Antimafia-Kommission des italienischen Abgeordnetenhauses während der Regierung Prodi, sein Buch es eine reine seriöse Faktensammlung … aber bei den Renditen und den Kapitalmengen, die die Mafia als Großkonzern mitlerweile bewegt, ist ihre Macht so groß, das sie bestimmen kann was Fakten sind oder auch nicht. Es gibt sicher genug Leute, die für einen Umschlag voller Bargeld ein Auge zudrücken – immerhin sind wir eine Leistungsgesellschaft geworden, die sich für guten Lohn so ziemlich alles leistet.

Vor dem Hintergrund erklärt sich der unglaubliche Erfolg der wahrhaft spätrömischen Dekadenz, der Triumphzug der medialen Unmenschlichkeit und die Etablierung der neuen Gladiatorenarena. Wo früher Christen von Löwen gefressen wurden, werden heute „B-Promis“ (an und für sich schon ein in mehrdeutiger Hinsicht faschistoider Terminus) der Öffentlichkeit  vorgeführt: das „Dschungelcamp“ feiert unaufhaltsam seinen Triumph. Die „Welt“ klärt uns über die Motivation der Teilnehmer detalliert auf:

Ruhm ist vergänglich, und das ist für viele Prominente, deren Zeit im Dauerrampenlicht vorbei ist, eine bittere Erfahrung. Die Stille nach dem Applaus schmerzt, und die Ebbe auf dem Bankkonto tut ein Übriges, so dass manche Ex-Stars bereit sind, sich buchstäblich zum Affen zu machen, um endlich wieder zurück vor die Kameras zu dürfen.

Alles eitle Versager auf der Flucht vor der ARGE – das habe ich hoffentlich so richtig übersetzt? Thomas Gottschalk hat uns ja schon gezeigt, das der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon bereit ist, für die Quote über Leichen zu gehen, RTL peilt vorher noch die gezielte Erniedrigung und Demütigung an, die umso schlimmer wirkt, weil die Menschen es freiwillig tun:

Kotzfruchtsaft mit Mehlwürmern, lebendige Flusskrebse, Wasserspinnen, Stabheuschrecken und Rhinozeros-Kakerlaken …. das ganze erinnert an das „Ekeltraining“ satanischer Sekten.

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis RTL Arbeitslose durch Kampfhunde zerfleischen läßt oder Migranten den Krokodilen zum Fraß vorwirft? Zehn Jahre? Oder nur zwei?

Wie schön wäre es, wenn wir eine Gemeinschaft hätten, die dafür sorgt, das niemand es nötig  hat, sich derart zu verkaufen, das niemand es nötig hat, das Leben als dröge Tütensuppe zu empfinden, das niemand es nötig hat, sich der Mafia anzudienen. Das ist ein ganz einfaches kulturelles Argument für ein bedingungsloses Grundeinkommen: es rettet die Zivilisation vor den Entartungen der spätrömischen Dekadenz, die ganz sicher nicht ihren Ursprung in Haushalten von Langzeitarbeitslosen hat.

Dabei … haben wir die Gemeinschaft eigentlich schon. Wir leben mitten drin … und lassen sie gerade sterben, lassen zu, das sie von einer degenerierten Raubwirtschaft ausgeblutet wird. Darum wird es Zeit, den Spieß umzudrehen: Deutschland ist unser Land, nicht das Land von Porsche, Siemens, Roland Berger oder den Parteien.

Wenn die also weiterhin hier ihre Geschäfte machen wollen, dann … brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen.  Das ist die Minimalforderung, die man stellen muß – und unsere Wirtschaft sollte doch wohl in der Lage sein, so etwas hinzukriegen, oder? Immerhin kann man ja ganz gut Millionär in diesem Land werden, wo sogar die Linken Porsche fahren.  So eine stabile zuverlässige Planungsgrundlage für Jedermann ist Grundlage eines jeden Geschäftes, der „Cash Flow“ muß gesichert sein … weshalb ich davon ausgehe, das die Wirtschaft an sich Verständnis dafür hat. Immerhin brauchen die ja auch Geld zum Leben.

Allerdings wird man mit Gegenwind von Seiten der Arenabetreiber rechnen müssen … und mit Gegenwind all jener asozialen Elemente, die von der momentanen Mangel- und Notsituation enorm profitieren, weil sie Menschen total billig einkaufen können. Aber besser Gegenwind … als Madenfrass. Und den haben die für uns alle vorgesehen … denn wenn die „B-Promis“ das schon können, dann kann man unseren Arbeitslosen auch zumuten, der UN-Empfehlung von gesteigertem Insektenverzehr zu folgen, hier aus news.orf:

Geht es nach dem für die UNO-Welternährungsorganisation (FAO) tätigen Experten Arnold van Huis, sollen künftig auch in den westlichen Industrienationen Insekten verstärkt auf den Speiseplänen zu finden sein. Angesichts der sprunghaft steigenden Weltbevölkerung stehe laut einer aktuellen Studie demnach außer Frage, dass es künftig ressourcenfreundlichere Alternativen zu Fleisch geben müsse.

Ob das Dschungelcamp auch Fördergelder der FAO bekommt?


2011 – alles wird teurer, Internet kommt weg und Deutsche sind froh wegen gelungener Beschäftigungstherapie

Was kommt im nächsten Jahr? – eine Frage, die sich jedes Jahr wiederholt. Eigentlich mal Zeit, selbst ein wenig in die Zukunft zu blicken. Der Brüderle von der FDP wagt ja laut Welt einen ganz großen Blick nach vorne:

„Wir sehen einen nachhaltigen Aufschwung, der durchaus über die kommenden Jahre anhalten könnte. Angesichts der rückläufigen Bevölkerung in Deutschland und des Fachkräftemangels in der Wirtschaft könnte es ein Jahrzehnt der Arbeitnehmer werden“, sagte Brüderle der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.

Als ob nicht schon das letzte Jahrzehnt das Jahrzehnt der Arbeitnehmer war. Immerhin haben sie durch Lohnverzicht und unbezahlten Überstunden dafür gesorgt, das wir in ganz Europa billige Waren verkaufen konnte – man hätte uns „Klein-China“ nennen können, es fehlten eigentlich nur noch die blauen Anzüge. Das wir die Einheitspartei irgendwie schon haben und nur noch ihre Fraktionen sich um ein paar Prozent Wählerstimmen streiten,  könnte man angesichts der aktuellen Politik ja mal denken. Ein Parteinahme wäre auch schon: Neoliberale Einheitspartei der Prominenz – kurz NEPP.  Nun, es wird wohl einer der letzten Auftritte Brüderles geworden sein, die FDP als Partei der Zahnärzte und Hoteliers merkt gerade, das sie die Zahl der reichen Zahnarztpraxen in Deutschland unterschätzt hat, die liegen in ihrer Summe deutlich unter fünf Prozent.

2011 wird auf jeden Fall das Jahr für Arbeitnehmer, wo sie mal wieder das machen können, was sie am liebsten tun, nämlich – laut Manager-Magazin – alles bezahlen:

„Mehr Netto vom Brutto.“ Mit diesem Versprechen war Schwarz-Gelb angetreten. Doch davon ist kaum noch die Rede. Im Gegenteil verheißt der Blick auf die wichtigsten Änderungen in 2011 wenig Erfreuliches. Der Bürger muss sich in vielen Bereichen auf steigende Belastungen einstellen.

Stromkosten steigen rasant, was den Hartz IV-Regelsatz automatisch drastisch kürzt, Beiträge für die Krankenkassen erreichen wie die Honorare niedergelassener Ärzte Rekordhöhen, steigende Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, Luftverkehrssteuer – da kommt mal wieder ganz schön was zusammen.

Der sicher größte Schlag gegen die freie Welt wird jedoch in den USA vorbereitet: die Eleminierung des Störfaktors Internet.  Nach dem Drama mit Wikileaks, das uns zeigte, wie übel die USA über ihre Kollegen denken, welche Kriege angedacht und welche Verschwörungen gestrikt wurden – obwohl es sie nicht geben darf – nach dem ganzen Schmutz auf unserer mulitmedialen Disneybrille holt die Korporatokratie, die Diktatur der Konzerne, laut Handelsblatt zu einem letzten großen Schlag aus, um diese lästige Konkurrenz der ökonomisch und politisch gesteuerten Meinungsbildung zu beseitigen:

Das Internet wird sich wandeln: In den USA wurden am Dienstag die Spielregeln für das weltumspannende Datennetz neu festgelegt. Mobilfunker erhalten danach mehr Macht. Der Datenfluss soll stärker gesteuert werden. Internet-Aktivisten sind damit alles andere als zufrieden.

Es war eigentlich zu erwarten, das die Konzernwelt irgendwann mal darauf hinweist, wem eigentlich die ganzen Netze gehören, mit deren Hilfe ja auch schon mal ganz gute Geschäfte gemacht werden. Ohne Kabel – kein Internet. Und Kabel ist teuer.

Der deutsche Arbeiter jedoch freut sich. Ihm geht es einfach super. Ich weiß nicht, was die ihm ins Trinkwasser geschüttet haben, aber es wirkt laut Focus sehr gut:

Deutschen Arbeitnehmern geht es „hervorragend“

Eurokrise? Staatsverschuldung? Die deutschen Arbeitnehmer lassen diese Probleme kalt. Sie blicken ausgesprochen zuversichtlich in die Zukunft – ein paar versprengte Pessimisten fallen da kaum ins Gewicht.

Den deutschen Arbeitnehmern geht es mitlerweile so gut, das man ihnen die Wahrheit offen ins Gesicht sagen kann – wie zum Beispiel hier die FTD:

Aber wenn man lange nachdenkt, erkennt man: Es geht gar nicht darum, dass gewisse Berufsgruppen unsere Lebensqualität verbessern, sondern darum, dass sie beschäftigt sind und nichts Schlimmeres anstellen.

Denn, und das ist die Ursache des ganzen Problems, es braucht bei Weitem nicht die gesamte Erwerbsbevölkerung, um in einem Industrieland alle Bedürfnisse des täglichen Lebens abzudecken. Die Landwirtschaft ist nur das gängigste Beispiel der Freisetzung menschlicher Arbeitskraft durch Produktivitätssteigerung im letzten Jahrhundert. Wohin aber nun mit dem geballten Arbeitspotenzial? Hier kommt das Paralleluniversum der Banken und Fonds ins Spiel. Denn Hunderttausende hoch bezahlter Investmentprofis, die alle versuchen, irgendeinen Index zu schlagen – bekanntlich insgesamt ein Nullsummenspiel -, oder Banker, die Firmen heute zum Kauf und übermorgen zum Verkauf einer Firma raten – natürlich braucht das kein Mensch. Aber so reguliert, dass die Handlungen dieses Paralleluniversums eine möglichst geringe Wirkung auf die reale Welt haben, und schon sprechen wir von einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit einem gewissen Unterhaltungswert. Vielleicht ist das einfach der Preis, den Industrieländer für den Fortschritt zahlen müssen.

Bleibt einem da nicht erstmal die nächsten zwei Stunden der Mund offen stehen? Das muß man doch mehrmals langsam und genüßlich lesen. Die ganze Bankenkrise nur als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme? Der Ruin tausender Menschen … als Beschäftigungstherapie? Hartz IV, Fachkräftemangel, der Kampf ums Überleben in einer globalisierten Welt … alles eine Lüge, um die Wahrheit zu verschleiern, das wir alle gemütlich an einer gerechten, glücklichen Gesellschaft basteln könnten anstatt von einem Herzinfarkt zum nächsten zu rasen? Und das wird immer so weitergehen, weil der Deutsche einfach so wider alle Umstände glücklich vor sich hingluckst?

Na, dann … ist ja alles in Ordnung.

Aber jetzt versteht man auch, warum sich eigentlich niemand mehr drum kümmert, das ein Millionenheer deutscher Bürger durch die Agenda 2010 entwürdigt werden. Für die einen sind das „Asoziale“, für die anderen „Lumpenproletariat“.  So was – muß einfach nur weg. Und das geht ja auch ganz gut, in dem man einfach die Kosten erhöht … und irgendwann entsorgt sich das Problem dann ganz von alleine.

Zu düster?

Einfach mal zu einem Parteitag der Linken gehen und bedingungsloses Grundeinkommen fordern….und dann ganz genau hinhören.

Die letzten 100 Artikel