Aufstand

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Die EU stinkt! Über die gezielten Verarmungsprogramme für Deutschland.

Montag, 25.3.2013. Eifel. Endlich Ferien - wie ich höre, auch von der Krise. Zypern ist gerettet - irgendwie. Schon wieder. Lang ist her, da war Zypern schon mal zu retten: das NATO-Mitglied Türkei nahm dem NATO-Mitglied Griechenland ein Drittel der Insel mit militärischer Gewalt weg, ohne das die US-Flotte sie daran gehindert hätte. Angriffskriege unter Natomitgliedern waren damals protokollarisch noch nicht geregelt. Was war das für eine Peinlichkeit, als am 20. Juli 1974 türkische Truppen im Rahmen der Operation Attila den Norden Zyperns besetzten - "der Russe" war begeistert, zeigte sich doch erneut, wie dekadent die kapitalistische Nato war. Die Insel ist immer noch geteilt - davon erfährt man im Rahmen der neuen Zypernkrise nur wenig. Die oft zitierten "britischen Geldbesitzer" auf der Insel dürften sich aus den Kriegsflüchtlingen der damaligen Tage rekrutieren, in Großbritannien wohnen heutzutage mehr türkische Zyprioten als auf Zypern selbst, siehe Wikipedia. Dort erfährt man auch, das der EU-Beitritt der Insel nicht ganz korrekt war - eigentlich kann nur die ganze Insel beitreten. Aber - wie immer, wenn die EU etwas will, dann kriegt sie das auch. Hätte sie sich korrekt verhalten, dann hätten wir nie ein Zypernproblem gehabt - aber die Gier, Größe, Macht und Herrlichkeit der EU grenzenlos auszuweiten war größer als die Tatsache, das eine 2/3-Insel nicht beitreten kann.

Montag, 25.3.2013. Eifel. Endlich Ferien – wie ich höre, auch von der Krise. Zypern ist gerettet – irgendwie. Schon wieder. Lang ist her, da war Zypern schon mal zu retten: das NATO-Mitglied Türkei nahm dem NATO-Mitglied Griechenland ein Drittel der Insel mit militärischer Gewalt weg, ohne das die US-Flotte sie daran gehindert hätte. Angriffskriege unter Natomitgliedern waren damals protokollarisch noch nicht geregelt. Was war das für eine Peinlichkeit, als am 20. Juli 1974 türkische Truppen im Rahmen der Operation Attila den Norden Zyperns besetzten – „der Russe“ war begeistert, zeigte sich doch erneut, wie dekadent die kapitalistische Nato war. Die Insel ist immer noch geteilt – davon erfährt man im Rahmen der neuen Zypernkrise nur wenig. Die oft zitierten „britischen Geldbesitzer“ auf der Insel dürften sich aus den Kriegsflüchtlingen der damaligen Tage rekrutieren, in Großbritannien wohnen heutzutage mehr türkische Zyprioten als auf Zypern selbst, siehe Wikipedia. Dort erfährt man auch, das der EU-Beitritt der Insel nicht ganz korrekt war – eigentlich kann nur die ganze Insel beitreten. Aber – wie immer, wenn die EU etwas will, dann kriegt sie das auch. Hätte sie sich korrekt verhalten, dann hätten wir nie ein Zypernproblem gehabt – aber die Gier, Größe, Macht und Herrlichkeit der EU grenzenlos auszuweiten war größer als die Tatsache, das eine 2/3-Insel nicht beitreten kann.

Nun ja – wie haben´s halt jetzt wieder einmal geschafft … und gerade noch den GAU für europäische Sparer vermieden: den direkten Zugriff der Staatsmacht auf die ganz privaten Sparkonten. Haben wir das wirklich geschafft? Der Spiegel weist heute darauf hin, das die Sicherheit von Kleinsparerguthaben in Krisenländern ab sofort nicht mehr gegeben ist: soviel sollte man aus dem Zirkus gelernt haben. Das Handelsblatt hatte vor ein paar Tagen berichtet, das die Europäische Zentralbank verschiedene Instrumente zur Kontrolle des Kapitalverkehrs in Zypern vorbereitet, unter anderem sollte man nicht mehr als 400 Euro pro Tag abheben können, aktuell sollen es nur noch 100 Euro sein, Onlinebanking war eine Zeit lang völlig unmöglich.

Gut – die Instrumente werden jetzt nicht eingesetzt … aber sie sind doch jetzt da, oder?

Sie schweben über uns wie das Damoklesschwert Hartz IV über den deutschen Arbeitern und Angestellten, die im Falle der Arbeitlosigkeit auch jeden Moment vom Staat komplett enteignet werden können – nur kräht bei denen kein Hahn danach. Wir haben halt Sozialdarwinismus und finden den auch gut – wer versagt, muss zur Belustigung der Republik Scheiße fressen.

Es sei denn, er lebt nicht in Deutschland.

Das ist eine Erkenntnis, die mir erst langsam dämmert, den Verdacht hege ich schon lange, seit dem ich sehe, welch´ teure Häuser sich Holländer aus verdachtsgemäß niedrigen Einkommensschichten in der Eifel kaufen können.  Wir hören immer wieder Horrormeldungen aus dem Ausland – ganz so, wie es die Kanzlerin von den Chefredakteuren zwecks gemeinsamer Steuerung des Tankers Deutschland wünscht. Die wirkliche Horrormeldung ist aber: die sind schon längst alle viel reicher als wir. Der Hintergrund erläutert eine Studie der Bundesbank:

Ein deutscher Durchschnittshaushalt hat laut der Bundesbank-Studie ein Bruttovermögen von 67.900 Euro. Abzüglich der Schulden bleibt ein Nettovermögen von 51.400 Euro, wie die Deutsche Bundesbank gestern bei der Präsentation ihrer Studie  Private Haushalte und ihre Finanzen in Eltville berichtete. Das Durchschnittsvermögen der reichsten zehn Prozent, die 59, 2 Prozent des Nettovermögens besitzen, liegt mit brutto 440.000 Euro und netto 195.200 Euro sehr deutlich höher. 73 Prozent der Deutschen hingegen haben mittlerweile ein „unterdurchschnittliches“ Nettovermögen. Die Mittelschicht dünnt also erheblich nach unten aus.

73 % der Deutschen haben ein unterdurchschnittliches Nettovermögen – Tendenz: steigend für die Schicht, sinkend für das Vermögen.

Ist das das Volk, das die EU retten soll?

Interessant ist, dass das mittlere Nettovermögen der Deutschen im europäischen Vergleich miserabel ausfällt. In Frankreich beträgt es 113.500 Euro pro Haushalt, in den von der großen Krise geschüttelten Ländern Spanien erstaunliche 178.300 und in Italien 163.900 Euro.

Der Grund für den mehr als bescheidenen Vermögenswert im reichen Deutschland ist die extrem niedrige Eigenheim-Quote. Von den Deutschen besitzen nur 44,2 Prozent ein Haus oder eine Wohnung. In Frankreich sind es 57,9 Prozent, in Italien 68,4 Prozent und in Spanien sogar 82,7 Prozent, im Vergleich mit Deutschland also fast die doppelte Anzahl.

Man merkt, warum die Ausweitung von Hartz IV interessant sein könnte: da draußen warten ganz viele Immobilien auf den potenten Käufer aus Deutschland … zum Beispiel in Spanien. Das Land verliert im 1. Quartal nochmal 300 000 Arbeitsplätze (siehe Alambus.blog), seine Verschuldung steigt auf neue Rekordwerte (siehe Spiegel), aber die Bürger brauchen keine Angst vor Obdachlosigkeit zu haben, weil fast doppelt so viele Spanier wie Deutsche ihr Eigenheim haben.

Die deutschen Eigenheime sind zudem auch deutlich weniger Wert als die der europäischen Brüder und Schwestern, siehe Institut der deutschen Wirtschaft:

In den letzten vier Jahrzehnten haben die Immobilienpreise nur in den 70er Jahren real zugelegt. Seit den 80er Jahren haben die Hauspreise hingegen durchschnittlich real an Wert verloren (Tabelle). Ganz anders in Spanien, den Niederlanden oder auch dem Vereinigten Königreich. Dort sind die Preise allenfalls in einer Zeitperiode gefallen. In den meisten Zeitperioden sind die Preise jedoch kräftig gestiegen, teilweise sogar um mehr als 80 Prozent in 10 Jahren.

Wer dort ein Haus hat und verkauft, der kann sich in Deutschland gleich zwei leisten. Wir sind Billigland – nicht nur bei den Löhnen. Die neuen Polen Europas.

Warum schafft unsere Regierung so etwas nicht, was im Rest Europas Normalität ist? Warum versagt hier unsere Wirtschaft so völlig, wo man doch gerade zehntausende von „Anlageberatern“ durch die Gegend schickt, um den Deutschen zu mehr Vermögen zu verhelfen? Wieso gibt es hier eigentlich kein gigantisches Hilfsprogramm für Deutschland, die verarmende Mieternation im Herzen Europas?

Während wir auf keinen grünen Zweig kommen, steigt allerdings unsere Pro-Kopf-Verschuldung hinsichtlich der Staatsschulden ständig weiter an: die 73%, die unter dem Durchschnitt verdienen, müssen schon ganz schön knechten, um ihren Anteil zusammen zu bekommen.

Nun – eine Antwort auf die Frage ergibt sich schon aus der Agenda 2010: man wollte den flexiblen Arbeitnehmer, was ein Leser des Handelsblattes deutlich formulierte:

Flexibilisierung heißt nichts anderes als Lohndrückerei bei gleichzeitiger Rund-um-die-Uhr Verfügbarkeit.

In dem Artikel ging es um den „Erfolg“ der Agenda 2010, der sich bei näherem Hinsehen als „Scheinriese“ entpuppt, siehe nochmal Handelsblatt:

Die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 haben nach einem Zeitungsbericht nicht mehr Beschäftigung gebracht. Die Zahl der Arbeitsstunden lag im vergangenen Jahr bei 58,1 Milliarden und damit 0,3 Prozent höher als 2000, wie die „Berliner Zeitung“ aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken zitierte.

Man sieht: es ging eher um ein Programm zur Vernichtung des lebenslänglichen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatzes als um ein Programm zu Bekämpfung der Arbeitslosigkeit: ein Volk von Wanderarbeitern sollte geschaffen werden – und die brauchen weder Wohneigentum noch sonst ein Vermögen, eher im Gegenteil: haben die zuviel, dann wandern die zuwenig.

Die gleiche EU, die jetzt die gespaltene Miniinsel mit 10 Milliarden Euro rettet, bleibt stumm und still, wenn es um die Verarmung Deutschlands geht. Geht es aber um Maßnahmen zur Förderung der Verarmung, dann fallen denen ziemlich viele neue Ideen ein – zum Beispiel die „Wärmedämmung“, die aktuell von der EU vorgenommen wird. Hausbesitzer in Deutschland (also …. die kleine, noch nicht verarmte Minderheit) sind momentan nicht nur angehalten, die Sanierung der Straße in Deutschland mitzutragen, sondern auch noch zusätzliche Maßnahmen zur Wärmedämmung vorzunehmen – im Schnitt 17 000 Euro, siehe Wirtschaftswoche.

Im gleichen Artikel wird auch eine Studie zitiert, die belegt, das die Dämmung sogar zu einem Anstieg der Heizkosten führt – da hat die EU sich wohl mal wieder richtig vertan – aber nicht nur das. Capital beschreibt weitere EU-diktierte Scheußlichkeiten an deutschen Häusern:

BASF weist diese Vorwürfe zurück. „Bei unfachmännisch sanierten Altbauten kann es unter Umständen zu Wartungsbedarf kommen, aber Styropor ist darauf angelegt, so lange zu halten wie ein Haus“, sagt Jürgen Fischer. In der Theorie stimmt das auch.

Die Praxis indes sieht oft anders aus: Mal nisten sich in den weichen WDVS-Fassaden Mäuse ein, mal Spechte, mal sorgt die Witterung für Risse in der schützenden Außenschicht. So oder so ist die Fassade dann undicht, anfällig für Wasserschäden, Schimmel, Wärmeverlust. Nach Angaben des Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau liegt die schadenfreie Lebensdauer von Styropor-WDVS im Schnitt bei nur 22 Jahren.

Und wie oft hat Henrich schon wärmegedämmte Gebäude begutachtet, deren Außenwände sich bereits nach wenigen Monaten grün verfärbten. ­Fritschiella heißt die Übeltäterin – eine Grünalge, die auf den Kunststofffassaden ideale ­Lebensbedingungen vorfindet. Gerade Nordwände, die kaum von Sonne beschienen werden, sind oft feucht und kühl, beste Voraussetzungen für die Alge, sich rasant zu vermehren. Gleiches gelte für Schimmel, den der Sachverständige immer wieder hinter den Platten oder an Anschlusspunkten, Übergängen und Verklebungsstellen entdeckt.

Viele Styropor-WDVS werden daher mittlerweile mit Algiziden und Fungi­ziden getränkt. Die Mittel waschen sich mit der Zeit aus, gelangen ins Grundwasser. Welchen Schaden sie dort anrichten, ist noch weitgehend unerforscht.

„Weitgehend unerforscht“? Im Internet habe ich auf Anhieb keine Studie gefunden, weiß aber aus NRW, das einzelne Gemeinden schon mit einer Schadstofferhöhung von 600% über Norm leben müssen … alles ausgewaschener Mist aus den Dämmplatten, heißt es unter der Hand.

Capital ist nun sicher keine linksradikale Zeitschrift – und doch wagt sie sich etwas zu schreiben, was bei anderen als „Verschwörungstheorie“ abgelehnt worden wäre:

Es greift alles ineinander: Die Politik gibt den Immobilienbesitzern das Ziel vor und braucht dazu Normen. Diese Normen werden von Lobbyisten festgelegt, und schon stellt sich ganz Deutschland als ein Sanierungsfall heraus. Und schon lohnen sich auch 20 Zentimeter dicke Styroporplatten. Die Immobilienbesitzer müssen sich schließlich an die Normen halten.

Fazit: Die Politik feiert sich für ihre ­klimapolitischen Erfolge, die Industrie kassiert ab. Und der Hausbesitzer ist der Dumme.

Es lohnt sich, den Artikel im Detail zu lesen und sich kündig darüber zu machen, wie einflussreiche Konzerne über finanziell abhängige Institute wissenschaftlich „gesicherte“ Normen entwickeln, um das ganz große Geschäft zu machen.

Das Geschäft mit dem Dämmstoff Neopor führte beim Hauptanbieter BASF zu einer Verdreifachung der Produktion in Deutschland (siehe Euripcities), während 2012 Anlagen in Indien und Malaysia geschlossen wurden (siehe Chemmanager-online): dank brummendem EU-Geschäft sind die Märkt unrelevant geworden.

Wer nun denkt: damit ist es aber genug mit der EU – der irrt. Dieses zu einem Instrument des Lobbyismus verkommene politische Spektakel (das die armen Deutschen von allen Ländern am meisten kostet) plant noch weitere Schläge zur Verarmung des Bürgers – oder zur Rettung der Industrie. Den neuesten Plan – für den jetzt schon Wissenschaftler ganz neue Theorien aufstellen – benennt die Zeitschrift Focus:

Die EU-Umweltkomission will laut eines Medienberichtes angeblich alle Autos in Großstädten verbieten, die Baujahr 2004 oder älter sind. In Deutschland dürfte dann rund jedes zweite Auto nicht mehr in die Stadt fahren.

Ab wann verbietet die EU eigentlich Bürger in Großstädten, die älter als 65 Jahre sind? Begründungen dafür ließen sich – bei entsprechender Bezahlung – schnell finden, „Umwelt“ allein gibt da schon genug her. Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, können sich in den Städten sowieso schon nicht halten.

Nun, es ist Zeit, aus der deutschen Armut aufzutauchen und sich wieder der Europapolitik zuzuwenden, die jetzt mit dem Coup in Zypern wieder Kasse gemacht hat. Diesmal wurden „Reiche“ enteignet – sagen uns die Medien – und zwar genau die richtigen: alles geldwaschende Drogenmafiosi, so tönt es aus allen Rohren.

Das hört sich gerecht an – ist es aber nicht. Über die Enteignung von Kapital aus Verbrechen entscheidet in demokratischen Zivilgesellschaften ein Gericht – nicht der Finanzminister des eigentlich ärmsten Landes der EU – in diesem Falle: Deutschland. Und der wagt es auch noch, sich jetzt vor die Zyprer zu stellen und denen zu sagen, das jetzt harte Zeiten auf sie zukommen werden. Der Mann ist nur mein Angestellter – und ich wünsche nicht, das der durch die Welt zieht und meinen europäischen Brüdern Angst macht.

Sowas kann schlimm enden, siehe Heise:

„Die Regierung gehorcht nur Technokraten der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank, den Finanzmärkten und Frau Angela Merkel“, kritisiert Soares. Portugal verliere die Unabhängigkeit und sei ein „Protektorat“ von „Wucherern“.

Das meint Mário Suarez, ein ehemaliger Ministerpräsident Portugals. Er rechnet mit gewalttägigen Unruhen … und wie sich zeigt, ist die Troika durch solche Aktionen in der Tat zu bewegen:

Dass sich die Lage im Land zuspitzt, sieht offenbar auch die Troika ein. Aus verschiedenen Quellen ist zu vernehmen, dass sie Portugal erneut mehr Zeit für den Defizitabbau einräumt. Wie Irland soll auch Portugal mit der Rückzahlung der Hilfskredite erst viel später beginnen, um „Belastungsspitzen“ zu vermeiden.

Geht also – solange Deutschland zahlt und ruhig hält.

Wir sitzen lieber in unseren verschimmelten, vergifteten Styroporkartons, trauen uns mit unserem alten Renault nicht mehr auf die Straße und arbeiten rund um die Uhr für beständig weniger Geld, während wir darauf warten, das die EZB ihre „Instrumente“ auch mal in Deutschland einsetzt, um auch noch den Rest des Geldes abzugreifen.

Wer nicht ruhig hält, ist die Eifel. Hier vor Ort weigert man sich, der EU-Verordnung über die Gestaltung von Kreisverkehren nachzukommen (siehe Aachener Nachrichten). Solange die Pariser ihren Triumphbogen nicht abreißen, wird auch in der Eifel an den mit Kunstobjekten lokaler Künstler vollgepackten Kreisverkehren nicht herumgebastelt.

Nun – vielleicht fängt  ja hier vor Ort der Prozess an, der Deutschland zum Umdenken bewegt … bevor noch die EU festlegt, wie viel Geld wir monatlich bezahlen müssen, um einen echten Arbeitsplatz zugeteilt zu bekommen.

Obwohl – auf solche Ideen kommt die deutsche Politik sicher noch von selbst.

 

 

 

 

 

Der kommende Auftstand: Die große Weltverschwörung triumphiert! Und nun?

Man mag mir verzeihen, das ich nicht immer ausführlich auf Kommentare antworten kann. Ich bin zeitlich mehr als ausgelastet und habe eine negative Zeitbilanz – Zeitschulden häufen sich auf, sozusagen. Da muß ich knapp haushalten. Ich kenne einige Einstellungen zur Weltpolitik schon seit Jahren – auch die extremen Verschwörungsanalysen, die ich absichtlich nicht Theorien nenne, da ich davon ausgehe, das es hinreichend Indizien gibt, über bloße haltlose Theorien hinaus- und zur nüchternen Analyse der Verschwörungspraxis überzugehen.

„Even the worst case“ ist ein für mich wichtiger Managementgrundsatz,  der in der Wirtschaft wunderbar funktioniert, aber in der Politik kaum angewendet wird, was zu einer enormen Staatsverschuldung führt, weil alle staatlichen Angestellten davon auszugehen scheinen, das wir Onkel Dagoberts Geldspeicher in Bonn/Berlin frei zugänglich zur Verfügung hätten. Hatten wir leider nicht.

Selbstverständlich gehe ich persönlich nicht davon aus, das die extremsten Verschwörungsphantasien real sind. Ich würde sonst nicht mehr schreiben. Aber – ich mache es mir hier bequem und muß mir selbst vorwerfen, hier zu mangelnder Gründlichkeit zu neigen. Darum hier mal Skizzen für den ganz ganz schlimmen Fall – wobei ich nicht weiß, welcher der schlimmen Fälle es denn jetzt sein soll.

Ist es die Verschwörung altägyptischer Zauberpriester zur Übernahme (oder Weiterführung) der Weltherrschaft?

Ist es die schleichende Übernahme der Welt durch reptiloide Aliens?

Oder sind es nur weitere Ausformungen der normalen Verschwörungen, die sich quer durch die US-amerikanische Geschichte wühlen?

Ist die Welt ein Gefängnis gefallener Seelen oder eine Schule für Götter?

Ist die Welt wie wir sie wahrnehmen, überhaupt real?

Fragen über Fragen … die erkennen lassen, das wir in erster Linie ein philosophisches Problem haben: wir wissen nicht, wo wir eigentlich stehen.

Um die Frage „Was ist nun zu tun“ zu beantworten, muß man sich zuerst entscheiden, wo man stehen möchte. Entscheiden? Ja. Philosophie setzt an das Denken bzw. an Erkenntnis und Wissenschaft strengere Maßstäbe an als es die Naturwissenschaften tun. ABSOLUTE SICHERHEIT gibt es nicht. Dafür ist der menschliche Verstand nicht geeignet. Darum muß man sich irgendwann für eine Wahrheit entscheiden, sonst kommt man nicht ins Handeln. Ohne diese Entscheidung gibt es keine Strategie, die Handeln präzise definieren kann.

Dann haben wir noch eine nächste Wahrheit – eine einzige, die todsicher ist, auch wenn wir nicht wissen, was sie bedeutet: WIR WERDEN ALLE STERBEN! – das steht schon mal fest. Auch wenn wir nicht wissen, was läuft, was gespielt wird, so wissen wir doch eins: wir sind nicht ewig hier. Das kann uns schon mal zu der Entscheidung führen: „Siehe zu, das Du ein möglichst glückliches Leben hast, denn es ist nur von kurzer Dauer“. Glück und Sinn stehen nun in einem engen (leider häufig in der Glücksforschung nicht sonderlich berücksichtigten)  Zusammenhang. Sinnvolles Leben kann einem die Schrecken der Konzentrationslager überstehen helfen – siehe Viktor Frankl.

Somit wäre ein sinnvolles Leben mit Glück gesegnet – unabhängig von der Dauer. Ein kurzes glückliches Leben scheint auch mehr Sinn zu machen als ein langes voller Qual. Das ist der Rahmen, in dem wir uns bewegen. Kommen wir von dem Rahmen nun zum Bild.

Was wäre also zu tun, wenn ich mich für die Alienvariante entscheide?

Hierzu müßte man erstmal die Alienvariante konkret kennen. Im ungünstigsten Falle droht uns das Schicksal der Indianer. Für diesen Fall (riesige Raumschiffflotten von der Venus erobern die Welt) gibt es erstmal keine Anzeichen. Wir würden sterben (wie gehabt) und müssten aufgeben. Das war es dann. Gut das wir sterblich sind, da müssen wir das nicht ewig erdulden. Wer will, könnte noch Widerstandszellen bilden, auf Hilfe von Außen hoffen („gute“ Aliens), aber die Chancen auf Erfolg stehen so schlecht, das sie mathematisch nicht mehr auszudrücken sind.

Und die Unterwanderung durch Reptiloiden? Wäre im Prinzip nichts anderes als die bisherige „Superreichentheorie“, nur sind die dann nicht nur superreich, sondern auch noch schuppig. Strategie? Sich abwenden und an einer neuen, eigenen Zivilisation bauen, bei steigendem militärischen Widerstand die Infrastruktur soweit zerstören, das renditefreundliches Wirtschaften unmöglich ist – wie gehabt: der Generalstreik.

Altägyptische freimaurer-illuminaten-Zauberpriester? Wie Reptiloiden … mit einer Ausnahme. Hier muß man sich ganz sicher sein, das der metaphysische Bereich keine unangenehmen Überraschungen bereithält. Wir haben uns als Gesellschaft für den Atheismus als Weltanschauung entschieden (Freimaurer mal ausgenommen) – was nützlich und in Ordnung ist. Allerdings sollten wir uns nicht darauf verlassen, das unsere Gedanken die Welt formen – auch Bärbel Mohr, die Botschafterin der Bestellungen beim Universum, ist tot – siehe Bunte:

Trauer in der Esoterik-Szene: Bestsellerautorin und Wünsche-Expertin Bärbel Mohr ist tot. Sie starb am 29. Oktober im Alter von 46 Jahren. Am vergangenen Dienstag wurde sie beigesetzt. Sie hinterlässt ihren Mann Manfred und neunjährige Zwillinge.
Vor einem Jahr war bei Bärbel Mohr ein Burn-out festgestellt gestellt worden, fast zeitgleich brach ihre Krebserkrankung aus.

Möglicherweise funktioniert Magie, möglicherweise kann man Wahnsinn künstlich hervorrufen. Unwahrscheinlich … aber nicht undenkbar. Möglicherweise gibt es einen echten Satan, Hexen die Darmkrebs anhexen können und böse Geister, die das Büroklima versauen sowie eine Kaste von Zauberleuten, die das ausnutzen.

Hier wäre die Strategie eine andere: Gott suchen. Gilt der Zauberkram, dann auch … die Gegenseite. Wie man munkelt, ist „Gott“ in allen Kulturen der Stärkere. Wir haben nur seine Nummer verlegt. Die bräuchten wir dann. Im Prinzip aber: die gleiche Strategie wie zuvor, nur mit einer Phalanx von Betern (oder geisterjagenden Schamanen, dann geht auch der Krebs weg) dabei, die für günstige Winde sorgen.

Die Frage, was zu tun ist, ist die konkrete Frage nach dem, wo man eigentlich steht.

Das Risiko ist immer gleich: wir könnten sterben.

Das wäre schlimm … ist aber sowieso unvermeidlich. Wenn wir das akzeptieren (und ich denke, hier hapert es gewaltig in der Kultur: wir wissen alle, das wir sterben werden, aber wir glauben nicht daran), dann werden wir unbesiegbar. Und je aufrichtiger, ehrlicher, liebevoller, wahrhaftiger wir gelebt haben, umso größer kann die Hoffnung sein, das das, was nach dem Tode kommt, eine feine Angelegenheit ist. Damit brauchen wir uns aber erstmal nicht zu beschäftigen, denn zuerst kommt das Leben vor dem Tod – und in dem ist vor allem eins zu tun: eine Mehrheit bilden. So läuft das in Demokratien. Oder kriminell werden – geht auch, ist aber nicht fein.

Um Mehrheiten zu bilden, muß man viele Worte machen, Informationen verbreiten, Gegenpropaganda entlarven – ist halt viel Schreibkram, so eine Revolution, eine komplette Umkehr einer in satanische Werte abdriftenden Gesellschaftsordnung macht halt viel Arbeit …. die einem niemand ersparen kann. Bequem auf der Straße herumstehen, schöne Pappschilder tragen und laut brüllen ist auch ok, verschafft Luft, motiviert, zeigt Präsenz und … ändert nur dann was, wenn sich die Mächtigen auf das Ritual einlassen. Tun sie es nicht … wovon wir gerade ausgehen … dann braucht man absolute Mehrheiten.

Kriegt man die aber nicht … auch gut. Dann kann man immer noch den Ernst Jünger machen und mit einem Glas Rotwein in der Hand die light-show des thermonuklearen Krieges genießen oder mit der Kuchengabel in der Hand noch einen guten Kampf gegen die Gestapo führen … zwar wird man verlieren, aber landet vielleicht bei den mutigsten Kriegern in Walhalla.

Was heißt das nun konkret für morgen?

Entscheidet euch für ein Weltbild – oder verreckt. So kurz und knapp könnte man es in der Tat fassen. Nur wenn man in den (von den Medien gezielt forcierten) wischi-waschi-Bereichen der Erkenntnistheorien bleibt, bleibt man handlungsunfähig. Hat man ein Weltbild, sollte man dabei bleiben. Welches richtig war, wird sich zeigen, wenn man anfängt, seine eigene Welt aufzubauen. Könnte sein, das dann irgendwann die Aliens, die Reptiloiden, die Illuminaten oder der Teufel selbst vor der Tür steht … oder das einfach nichts passiert, weil sie draußen bleiben oder nie existent waren.

Bis dahin aber kann uns niemand daran hindern miteinander zu reden, unsere Kräfte zusammenzulegen und unsere Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Fernseher, Alkohol und Nikotin aus seinem Leben zu verbannen, kann da schon mal sehr helfen.

Und dann? Straßen blockieren, wenn das Gespräch nicht funktioniert. Den „Besatzungstruppen“ das Leben so unangenehm wie möglich machen, sich empören, ihre Schande aufzudecken (und ihnen die schlimmsten Höllenstrafen vor Augen zu führen, die es für dieses asoziale Pack seit Anbeginn der Menschheit gibt, weshalb sie ja auch ihren Traum vom Atheismus so pflegen, um ihre Geschäfte ruhigen Gewissens weiter führen zu können).

Ghandi hat gezeigt, das man sogar Weltmächte friedlich in die Knie zwingen kann.

Ewiges Leben und Unverwundbarkeit gab es aber auch für ihn nicht.

Ein Beispiel für Strategien – aus der hohlen Hand geschossen?

Zweihunderttausend Menschen, die nichts weiter tun, als ihren Müll auf Autobahnen abzuladen – das Land stünde still. So schnell kommt keine Müllabfuhr hinterher. Das geschieht eigentlich heute schon … nur schmeißen sie den Müll nicht auf die Fahrbahn – aber es sind viel mehr, die ihren Müll so irgendwo entsorgen. Raus mit dem Müll auf die Autobahn, monatelang … und das Land wird sich ändern, weil keiner mehr Spaß am Porsche hat. Da geht nichts kaputt, das bringt keinen um, aber es wird für die Mächtigen unangenehm.

Aber bevor man das macht, braucht man die Legitimation der Mehrheit zur Veränderung  – und dafür muß man viele Worte machen.

Wie gut, das das immer mehr geschieht.

Dank Internet reden die Leute wieder miteinander und bilden sich ihre eigene Meinung – und meiner Meinung nach hat die schon längst einen kleinen gemeinsamen Nenner: „SCHNAUZE VOLL!“ – von Armut, Überstunden, Lügen, Plagiaten, Kriegen, Steuern, Fernsehprogrammen, Gebühren, Benzinpreisen, Gammelfleisch, Lobbyismus … und … und … und … und.

Gefragt ist nun der ganz große Wurf, der nicht aus den Kreisen der abgehobenen weltfremden politischen Lehrer- und Juristenkaste kommen wird, die meinen, man könnte die Arbeitslosigkeit wirklich erfolgreich nach den Prinzipien der „schwarzen Pädagogik“ des frühen Kaiserreiches in den Griff bekommen, eine Einstellung, die aber bei Lehrern nicht verwundert und die Juristen mangels jeglicher Orientierung gerne ungefiltert übernehmen.

Kommt der Wurf nicht … droht auch den Besserverdienenden das Verrotten im renditefreundlichen  Pflegeheim. Wem das gefällt, wer meint, das Risiko für sich persönlich eingehen zu können, der braucht nichts zu tun. Anders als die Konzentrationslager für Langzeitarbeitslose ist allerdings das Pflegeheim etwas, das ganz sicher droht: je reicher man ist, umso unwahrscheinlich ist leider auch der schnelle, früher Tod, der einem das Heim sicher erspart. Im Gegenteil: man hat gute Hoffnung auf zehn Jahre live-Verrottung mit allen Extras.

Also … mich würde das hinreichend motivieren, mich auch als Reicher den Nörglern anzuschließen.

Manchmal denke ich: die Natur hat die Raubtiere erschaffen, um den alten Menschen genau jenes grausame Schicksal zu ersparen, das wir ihnen in Heimen angedeihen lassen. Bei dem, was ich da sehen durfte … das ist der Grizzly schon gnädiger. Aber das denke ich nur manchmal – auch weil ich die Menschen mit satanisch angehauchter Wertebildung nicht auf noch blödere Gedanken bringen möchte.

 

 

Der kommende Aufstand – Gedanken zu Deutschland 2011

Vor zwei Jahren habe ich angefangen, Gedanken im Internet zu veröffentlichen. Zuvor hatte ich den politischen Bereich des Lebens zum Wohle meines Seelenheils ausgeblendet. Mir war nach einem ruhigen, beschaulichen Leben, das der Liebe zur Weisheit gewidmet war – und nicht er Erlangung von Ruhm, Ehre oder Macht, die jeder für sich und alle zusammen erst recht der menschlichen Seele nicht gut tun … nach meiner Erfahrung. Ich war nun nicht immer so weltabgewandt. Zuvor habe ich das Gesundheitsbudget im Auftrag der Pharmaindustrie vergrößert – da landen Philosophen heutzutage, wenn sie essen wollen. Ich habe in den teuersten Hotels in Deutschland gewohnt, teuerste Fernreisen mitgemacht und in kleiner Runde schwerreiche Menschen persönlich kennengelernt, Menschen, für die Ackermann ein kleiner Knilch ist. Man kann nicht sagen, das ich mich dort mit Ruhm bekleckert habe, aber ich habe Impressionen von „oben“ bekommen, Einblicke in Funktionen von US-Konzernen (die ich auch vor Ort besuchen konnte) und in die Mentalität von „Funktionseliten“.  Das war mir persönlich wichtig, um ein umfassendes Bild vom Menschen und der Welt entwerfen zu können.

Nun sind zwei Jahre ins Land gegangen, wo ich aufgrund ständig politischer werdender Artikel gezwungen war, einen konkreteren Blick in die Welt zu werfen, einen Blick, der zunehmend Beunruhigendes an den Tag bringt. Meine Überzeugung, das sich die Welt schon automatisch in Richtung Vernunft entwickeln wird und letztendlich in eine Welt des „ewigen Friedens“ verwandelt, schrumpft täglich und die bewußte, absichtliche Erzeugung von Leid und Qual per Gesetz durch gewählte Volksvertreter befremdet mich mehr als ich in Worte fassen kann. Vor kurzem zitierte ich eine Religionswissenschaftlerin, die in einem Nebenaspekt ihrer Untersuchung über „Satanismus in Deutschland“ zu der Erkenntnis kam, das Satanismus nicht mehr so schlimm sei, weil die Werte satanischer Sekten mitlerweile auf breite Bevölkerungsschichten übergehen. Ich war verwundert über die Banalität der Erkenntnis, die eigentlich alle Alarmglocken zum Klingen bringen sollten, denn: im Kern ist der Mythos „Satan“ der Mythos von einem absoluten Menschenfeind. Werden seine Werte gesellschaftlicher Standard, dann bekommen wir … die Hölle auf Erden in einer Form, das ein Konzentrationslager ein Urlaubsort dagegen wäre.

Jeder Mensch, der nur ansatzweise Kenntnis von der Bedeutung und Wirkung ethischer und moralischer Normen auf die Entwicklung gesellschaftlicher Prozesse hat, müsste Zeter und Mordio schreien angesichts dieser Entwicklung – und es ist kein Wunder, das mehr und mehr Menschen über Aufstände nachdenken, Aufstände wie jene, die gerade Nordafrika umgestalten.

Ich denke auch: wenn die breite Masse der Bevölkerung (die sowieso schon angenervt ist – inklusive weiter Teile der „Funktionselite“, die nur noch deshalb funktionieren, weil sie sich auf Kosten anderer bequem die Taschen füllen können, um sich dann auf ihrer Segelyacht unbeobachtet schöne drogenumnebelte Träume von einer fernen, besseren Welt erlauben zu dürfen) wissen würde, wohin die Reise geht, dann wäre die Reise schnell zuende. Weder Christen noch Atheisten, weder Arme noch Reiche, weder kluge noch dumme, weder Faschisten noch Kommunisten, weder Demokraten noch Monarchisten wollen so eine Welt wie die, auf die wir zusteuern – und ganz normale Wähler wie ich wollen das sowieso nicht.

Nun kommt immer häufiger der Wunsch nach Aufruhr, nach Aufstand und wird auch in unseren Kommentaren öfter geäußert – manchmal so heftig und brutal, das wir es nicht veröffentlichen. Ich bin kein Freund von Aufruhr und Aufstand – so etwas stört die Kontemplation und die Besinnlichkeit und bringt die Mahlzeiten durcheinander. Aber als Schachspieler kann ich mich der Faszination der strategischen Planung nicht entziehen und möchte deshalb den kommenden Aufrührern einige Gedanken mit auf dem Weg geben.

Wer immer einen Aufruhr plant, braucht eine Analyse der Versorgungssituation, sonst verhungern seine Aufrührer auf dem Marktplatz. Unsere angeblich ach-so-freie Gesellschaft ist gekennzeichnet durch eine große (staatliche geförderte) Zersplitterung und Vereinzelung (weshalb auch getrennte Hartz IV-abhängige pro Monat 120 Euro mehr bekommen als normale „Hartz-Mütter“, hier hat der Gesetzgeber eine gezielte „Trennungsprämie“ vorgesehen, wie gestern erwähnt ist die gesamte Familienpolitik seit 2000 ähnlich ausgerichtet) sowie durch eine absolute Abhängigkeit der Gesamtbevölkerung von externen Dienstleistern, die Wasser, Nahrung und Energie in Händen halten. Selten waren Menschen so einsam wie heutzutage, so abhängig und hilflos. Sicherheitshalber (man weiß ja: „even the worsest case“ ist das erfolgreichste Managementprinzip, das der Bankenwelt durch umsichtige und fehlerfreie Planung Riesengewinne auf Staatskosten beschert hat) sollte man davon ausgehen, das diese Entwicklung seit dem Ende der 90´er Jahre gezielt gestartet wurde – vielleicht fürchtet man sich bei der Planung dann zwar vor einem blossen Verschwörungsgespenst, aber man erspart sich auf jeden Fall ein „böses Erwachen“.

Widerstand und Aufruhr lassen sich nur schlecht mit Formen der Legalität vereinbaren. Irgendwo wird es schon ein Gesetz geben, gegen das man versehentlich verstößt – und im Handumdrehen sind neue geschaffen, die die bisherigen erlaubten Lücken von Rebellion schließen. Was der Rebell aber braucht, ist Legitimität, nicht Legalität. Es ist entscheidend wichtig, das er „besser“ ist, das er Visionen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ in sich trägt und sein Leben nach dem Prinzip der Nächstenliebe ausrichtet, was umso wichtiger ist, als die Gesellschaft momentan einen ganz gegensätzlichen Kurs ansteuert. Wem sich nun unbewusst Bilder eines elitären „Seelenadels“ vor Augen entfalten, der liegt richtig – was die Effizienz der Bewegung und ihre Nachhaltigkeit angeht. Im Prinzip wird man im Laufe der Entwicklung nicht um eine Konsequenz herumkommen, der sich auch demokratische Indianerstämme beugen mußten: der Kriegshäuptling muß her (und zwar viele davon). Allerdings sollte man dieses Bild eher mit einem Gandhi als mit einem Che Guevarra auskleiden.

Die Werte sind bequemerweise schon da: die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte hat ihr eine politische Form gegeben. Der Alltag scheint jedoch zu zeigen, das die Formulierung allein nicht reicht – einfach mal die Hartz-abhängigen fragen, wieviel Menschenrecht bei ihnen aktuell gerade ankommt, nach neuesten Meldungen müssen die sich jetzt auch als Tagelöhner verdingen, weil man sie sonst per Gesetz dem Hunger ausliefert … Prinzipien, bei denen es einem eiskalt den Rücken herunter laufen sollte, weil der Geruch der „Vernichtung unwerten Lebens“ wieder im Raum steht.

Im erweiterten Gegenzug würde ich empfehlen, der satanischen Gesellschaft ein größeres, positives Gesamtbild entgegen zu stellen, ein Gesamtbild, das aber völlig unabhängig sein sollte von klerikaler oder weltanschaulicher Kleinkariertheit und sich nicht darum kümmert, welcher Gott „den Größten“ hat (aber gleichzeitig offen ist für die Akzeptanz der einzelnen „Gottesbilder“), sondern gezielt die Arbeitshypothese formuliert, das es ein höchstes gutes Gefühl gibt, das wir empfinden können („können“,  nicht „müssen“) einen höchsten Gedanken gibt, den wir denken können („Gott“ ist dafür als Begriff schon viel zu klein) und das dieser höchste Gedanke moralische Forderungen stellt, die (wieder mal „even the worsest case“) nach unserem Ableben honoriert oder … sanktioniert werden. Dies ist der natürliche (und im Sinne der praktischen Vernunft) vernünftigste Gegenpol einer wertmäßig  ins „satanische“ abdriftetenden Gesellschaft.

Die Diskussion, ob es „Gott“ nun wirklich „gibt“ oder nicht, kann man sich völlig ersparen, schon die Begrifflichkeit in dieser Fragestellung ist eine Katastrophe. Letztlich brauchen wir nur eine Arbeitshypothese, die der aktuellen entgegenläuft, in der Investmenbanker sich für die „Herrscher des Universums“ halten … was auch eine Form von Religion ist, der man folgt, wenn man ihr nicht bewusst etwas entgegenhält und ihr sich nicht bewusst verweigert.  Neben der Aufklärung über das Bedrohungspotential der aktuellen politischen Entwicklung brauchte eine demokratische Erneuerungsbewegung auch einen minimalen Grundkonsens, der es erlaubt, das Verbindende in allen Menschen zu sehen und sich nicht – wie aktuell – darin zu vertiefen, was jetzt gerade bei dem anderen nicht hundert Prozent der eigenen Meinung entspricht.

Von Hitler über Pol Pot bis Stalin und Bush schätzten alle Übelmenschen ein gutes Essen, eine warmes Nachtlager, menschliche Geselligkeit und … zumindest den Namen nach … sogar ein Streben nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit – nur die Definition der Begriffe sowie die Methoden, die zum Einsatz kamen, waren recht kontraproduktiv.

Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit sind allgemeinverbindliche Werte, Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit sind normale humane Standardwerte, ohne die wir die Konfrontation mit Höhlenbären und Säbelzahntiger sowie die Unwetter der Eiszeit nicht überlebt hätten.

Das hat nun Konsequenzen bezüglich der Methoden, die bei einem Aufstand zur Wahrung der Legitimität zu berücksichtigen sind. Wer gleich morgen losrennen möchte um Barrikaden zu errichten und Banker, Politiker oder Unternehmensberater zu erschiessen, lebt im falschen Jahrtausend – oder der falschen Weltgegend. Das weiß auch die Nato, die deshalb den Begriff  „flexibel response“ entwickelt hat. Da man aber nun nicht die Potentiale der Natoarsenale hat (noch aus ethischen Gründen darauf zurückgreifen dürfte) , muss man andere Wege suchen – die schon längst entwickelt worden sind. Es gibt Strategien des gewaltlosen Widerstandes (die aber auf Seiten der Widerständler zu den gleichen Todesfällen führen können für „normale“ Kriege), die sehr überzeugend sind und im Prinzip die Armeen des Warschauer Paktes gewaltlos aus Europa vertreiben sollten – eine ungleich schwerere Herausforderung als die Änderung  gesellschaftlicher Leitprinzipien.

„Flexibel response“ bedeutet im Prinzip, das man den Grad der Heftigkeit der Auseinandersetzung vom Gegner bestimmen läßt – und sich in einer Situation weiß, in der man sich der materiellen Überlegenheit des Gegenübers bewusst ist. Für gewaltfreie Widerständler bedeutet dies, das man dem Feind die Beute möglichst „ungeniessbar“ werden läßt – bei möglichst geringem Verlust an Menschen oder Material. Im Extremfall (das wäre dann die zivile „Atombombe“) – auf Deutschland heruntergebrochen – würde das die komplette Blockierung von Schienen, Autobahnen und Landstraßen bedeuten, solange, bis hier keine Rendite mehr eingefahren werden kann, die Blockierung von Seehäfen und Flughäfen, Golfplätzen und anderen Orten, an denen man als Wirtschaftsräuber seine Beute genießen kann.

Das könnte funktionieren – selbst in einem der Kernländer der „satanischen Revolution“, die gerade die bürgerliche Welt zu vernichten trachtet um nach der Weltherrschaft zu greifen. Hierzu bedarf es zu allererst der Aufklärung, der Entwicklung einer gemeinsamen Sprache, der Besinnung auf gemeinsame (bürgerliche) Werte – genauso wie vor 1789. Das der Schuh drückt,  merken alle – von ganz oben bis ganz unten – nur wo genau der Stein sitzt, ist diesmal etwas schwieriger zu definieren als damals.

Aber wir wollen ja auch einen Aufstand des Miteinanders, nicht neue Variationen des Gegeneinanders, weshalb man auf die Definition von Feindbildern weitläufig verzichten kann.

Wer Aufstand will, sollte allerdings wissen, das er bereit sein muß, sein eigenes Leben für das Ziel zu geben – alles andere  ist Humbug. Je mehr Planung, Absicht und Bewußtheit hinter der Errichtung einer „satanischen Weltordnung“ steht (die sich aber auch genauso gut einfach aus Dummheit entwickeln kann), umso mehr Menschen werden sterben bei dem Versuch, sie aufzuhalten.

Andererseits … war es in unserer christlich-abendländischen Gesellschaftsordnung noch nie so leicht, große Gedanken real bei der Arbeit zu beobachten – und gerade wir Deutschen haben wir durch das Dritte Reich eine besondere Chance erhalten: wir durften live eine Gesellschaft erleben, in der „satanische“ Werte einen ersten Versuch auf Alltagstauglichkeit  starteten.

Das Ergebnis ist bekannt – und sollte normale Wähler nicht zur Nachahmung reizen.

So gesehen kann – wer will – die momentane historische Herausforderung mit größten Gedanken füllen: auf der Ebene der ethischen Leitprinzipien bewegen wir uns auf das Armageddon zu, auf die Apokalypse, auf den großen Kampf zwischen den fiesesten, übelsten Gedanken, die wir denken können („ich fresse den Rest der Menschheit auf um den größten Bauch der Weltgeschichte zu bekommen„) und den höchsten Gedanken, die wir leben können (die selbstlose Aufopferung für seine Mitmenschen), es ist eine Auseinandersetzung mit einer letzten, großen historischen Dimension, die letztlich über das Überleben der ganzen Menschheit entscheiden wird, wer will, mag hier die große Auseinandersetzung zwischen „gut“ und „böse“ sehen, eine Auseinandersetzung, die geeignet ist, die edelsten Züge der Menschheit hervorzurufen … oder ihre niedersten.

Wer nun als Normalbürger noch Motivation braucht, um Stellung zu beziehen, dem sei mal ein Besuch in einem Pflegeheim mit renditefreundlichen Personalschlüssel empfohlen. Eine Gesellschaft mit „satanischen“ Leitprinzipien hat keinen Platz für Alte, Kranke, Schwache … ja noch nicht mal für Kinder. Sie hat letztendlich … überhaupt keinen Platz für Menschen.

Insofern ist es nun die Aufforderung an die normalen Wähler, sich zu entscheiden: für die Prinzipien des Hasses oder die Prinzipien der Liebe, für den Gott der Vernichtung oder für den der Schöpfung, für den Geist des Gegeneinanders oder den Geist des Miteinanders, für asozial oder sozial, für inhuman oder human, für Sozialdarwinismus oder Menschenrechte.

Ich kann diese Entscheidung auch mit anderen Bildern ausmalen – und bleibe im christlichen Abendland bei christlichen Bildern (in Japan würde ich sie ganz anders malen), die ich Wikipedia entleihe:

Das Neue Jerusalem (auch „himmlisches Jerusalem“ genannt) entspringt einer Vision aus dem neutestamentlichen Buch der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, wonach am Ende der Apokalypse eine neue Stadt, ein neues Jerusalem entstehen wird. Dies geschieht, nachdem der alte Himmel und die alte Erde vergangen sind.

So beschreibt Offb 21,1–2 EU, dass bei der Apokalypse, dem letzten Gericht und dem Endkampf zwischen Gott und dem Teufel, letzten Endes Gott als Sieger aus diesem Kampf hervorgehen wird. Daraufhin werden die Erde und der Himmel erneuert und eine Stadt wird aus dem Himmel herabfahren: das neue Jerusalem.

Noch besser als ein blosses „gegen“ wäre mir eine Entwicklung „für“ etwas. Und wir selbst, wir ganz normalen Menschen, könnten problemlos ein himmlisches Jerusalem bauen, die Errichtung einer Stadt mit einer Ausdehnung von 2200 Kilometern wäre uns auch ohne göttliche Hilfe technisch möglich … und in einem blühenden Garten umgeben von seinen Lieben zu sterben scheint mir ein erstrebenswerteres Ziel zu sein als im Pflegeheim bei lebendigem Leibe zu verrotten.

Und in sofern – ist es die Entscheidung zwischen der Errichtung der Hölle auf Erden ganz nach Dantes Prinzipien, einem Ort, wo dem Hungernden die köstlichsten Speisen vor Augen geführt werden, die er aber nie erhalten wird (in etwa vergleichbar mit dem Besuch eines Hartz-abhängigen Kindes in einem Supermarkt, wo angesichts verlockendster Waren das beständige „NEIN“ des Elternhauses eine unüberwindbare Grenze setzt und tagtägliche Qual schafft) und der Schaffung eines neuen Paradieses, in dem die Menschheit wieder zu alten Prinzipien des Miteinanders zwecks Steigerung der Lebensqualität zurückkehrt.

Es ist im Prinzip – nur unsere Wahl, die den Verlauf der Geschichte entscheidet. Und eigentlich … ist die Wahl alternativlos. Die Hölle hat letztendlich keinen Platz für Menschen, im Sinne der Renditemaximierung sind wir Kosten auf zwei Beinen, die es gegen Null zu fahren gilt. Was das praktisch heißt, haben wir in Deutschland schon mal erlebt.

Persönlich ist es die Entscheidung, auf welches Leben man kurz vor seinem Tode zurückblicken möchte: das von Adolf Eichmann oder das von Albert Schweitzer.

Und … um noch mal ein Wort an die Eichmänner unter uns zu verlieren: man sollte schon ganz ganz sicher sein, das die weltweit in allen Religionskreisen und unterschiedlichesten Kulturen vorhandenen Vorstellungen von der Existenz von Bewußtheit nach dem Tode völliger Nonsens ist, denn … den Eichmännern unter uns soll es dort (völlig jenseits christlicher Auferstehungshoffnungen) ziemlich übel ergehen. Sollte man sich irren mit seinem materialistischen Egoismus … würde man sehr lange einen hohen Preis bezahlen. Extrem lange.

Ich persönlich glaube, das Mythen wie „Der Herr der Ringe“ gerade deshalb eine so hohe Resonanz im Gemüte der Menschen entfalten, weil sie instinktiv wissen, das es große Entscheidungen gibt, die gerade getroffen werden müssen – womöglich endgültige Entscheidungen, Entscheidungen darüber, ob der Mensch in Zukunft ein unantastbares Geschöpft „Gottes“ ist, ausgestattet mit unveräußerlichen Rechten … oder einfach nur ein Kostenfaktor, den es zu minimieren gilt, ob wir als „Elben“ oder „Orks“ enden wollen.

Diese Entscheidung ist die erste, die man fällen muß. Ganz persönlich und ganz alleine.

Und dann können die weiteren Schritte folgen – die Aufklärung, die Sammlung und die Transformation.

Am Ende mag wirklich eine „goldene Stadt“ entstehen, eine Zivilisation, die in den Mythen der Menschheit als „Goldenes Zeitalter“ weiterleben wird, aber diesmal als ein „Goldenes Zeitalter“, das nicht enden wird und nur noch als Schatten durch die Märchen der Menschheit geistert.

Am Anfang wird – wie so oft – das Wort stehen müssen.

Das geht dann aber auch ganz ohne Gott.

Und mal ehrlich – ganz ehrlich – wenn man sich wirklich vor das deutsche Volk stellen und sie fragen würde, ob sie die totale satanische Gesellschaft wollen: würden sie nochmal alle laut „JA!“ brüllen wie als Antwort auf Goebbel´s Frage nach dem totalen Krieg?

Ich denke, nach den Erfahrungen, die in diesem Land vorhanden sind, ist es eigentlich ein recht ideales Land, um Träume von „einem neuen Himmel und einer neuen Erde“ zu gebären und sie in die Tat umzusetzen.

Wir hätten auch ganz schnell keine Arbeitslosen mehr, denn zu tun und zu schaffen wäre genug. Das Leben ist momentan kein Ponyhof, aber wir könnten es einfach mal umbauen: dann wäre es einer.  Das ist zwar viel Arbeit, aber dann würde ja endlich gelten, das sich Leistung wieder lohnt – und das wollen ja sogar die Neoliberalen.

Also: fangen wir an.

Entscheiden wir uns. Ich bin mir sicher, das man weltweit eine Mehrheit für das Überleben der Menschheit in Wohlstand, Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit erhalten wird.

Der Rest ist banale Organisation von alltäglichen Arbeitsabläufen.

 

 

 

 

 

 

Lybien: Bundeswehr rettet Aufschwung vor Bin Laden!

So langsam stellt sich mir die Frage, was denn eigentlich gerade los ist in der Welt. Lybien zum Beispiel – da scheint es fürchterliche Massaker zu geben. Ich habe in den Weiten des Internet Fotos der friedlichen Demonstranten gefunden – bewaffnet bis an die Zähne. Facebook machts möglich. Solche Fotos sagen allerdings wenig aus – darum verbreite ich sie auch nicht weiter.

Fragt man den Diktator – der erst kürzlich noch von Berlusconi demütigst empfangen wurde und gerne junge hübsche Frauen zum Islam bekehrt – selbst, so taucht ein gefälliges Gespenst auf, das auch im Westen gerne gebraucht wird, um Rätsel zu lösen. So erwähnt die Tagesschau:

Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi hat erneut eine über weite Strecken wirre Rede ans Volk gehalten. In einer Ansprache per Telefon, die vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde, machte er die Terrororganisation Al Kaida für den Aufstand in seinem Land verantwortlich.

Al Kaida wars. Das scheint ein direkter Hilferuf Gaddafis an die USA zu sein. „Schaut her, die Mörder eurer Brüder greifen auch mich an! Rettet mich vor Bin Laden!!!

Dabei haben die USA alle Hände voll zu tun, nicht selbst ins Visier der unheimlichen Gegenkräfte des Weltgeschehens zu kommen. So zitiert Antikrieg.com einen Aufruf:

Es ist eine Tatsache: diese Völker hassen die Tyrannen. Es ist auch eine Tatsache, dass es „unsere“ Tyrannen sind. Deren bloße Existenz bringt die totale Scheinheiligkeit der Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika ans Licht.

Gott segne diese Demonstranten. Diese verlieren ihre Ketten. Sie verändern die arabische Welt – und die ganze Welt – indem sie die Diktatoren destabilisieren und stürzen. Sie machen das nicht nur ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie machen das ungeachtet der Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika für die Diktatoren, die sie bekämpfen. Insgesamt können diese Revolutionen mehr bedeuten als den Sturz von Despoten; sie können zum Sturz der despotischen Politik und des Imperiums führen, das in Washington, DC., seinen Sitz hat.

Gehen Sie mit mir auf die Straße?

Die USA als Schuldigen haben auch andere ausgemacht. Fidel Castro … aber von dem hätte man ja auch wirklich nichts anderes erwartet, hier bei granma.cu:

Was für mich absolut klar ist, ist, dass es der Regierung der Vereinigten Staaten überhaupt nicht am Frieden in Libyen gelegen ist und sie nicht zögern wird, der NATO den Befehl zur Invasion in dieses reiche Landes zu geben, sei es in einigen Stunden oder in den nächsten Tagen.

Ich bin nun in einem Jahrgang, der aufgrund der Erfahrungen mit der US-Aussenpolitik schlecht leugnen kann, das da viel gemauschelt wurde. Iran, Vietnam, Argentinien, Chile, Nicaragua, Panama, Grenada, Irak, Afghanistan … eine lange Tradition von Staatsterror hinterläßt halt beim Leser seine Spuren.

Die Informationsstelle Militarisierung hat sich auch schon ein Szenario überlegt, das den Einsatz von Nato-Truppen in Lybien denkbar machen könnte:

Zunächst klingt alles sehr harmlos: Die UN richten eine Flugverbotszone ein. Doch die UN kann diese nicht durchsetzen, infrage käme hierzu eigentlich nur die NATO. Genau darin bestand auch Owens Vorschlag: die NATO solle – evtl. gemeinsam mit der ägyptischen Armee – diese Flugverbotszone durchsetzen, libysche Flugzeuge abschießen und Flugplätze bombardieren.

Dabei braucht man so etwas gar nicht künstlich zu konstruieren: unser Bundespräsident selber plant schon laut Welt in alter Afrika-Korps-Tradition den Einmarsch in Lybien:

Drei Kriegsschiffe der Bundeswehr sind unterwegs nach Libyen, um notfalls bei der Ausreise deutscher Staatsbürger zu helfen. Laut Verteidigungsministerium werden die zwei Fregatten und der Einsatzgruppenversorger ihr Ziel erst in den kommenden Tagen erreichen. Sie sollen die Große Syrte ansteuern, eine weite Bucht an der Nordküste. Um die noch bis zu 6000 Europäer aus Libyen herauszuholen, schließt die EU einen militärischen Einsatz nicht länger aus. Derzeit sei man aber noch weit von davon entfernt.

Bundespräsident Christian Wulff und Italiens Staatschef Giorgio Napolitano forderten ein einheitliches und mutiges Auftreten der EU gegen die Gewaltexzesse in Libyen. „Das ist Staatsterrorismus. Das ist offenkundig das Handeln, das als psychopathisch bezeichnet werden kann“, sagte Wulff. Napolitano sagte nach einem Gespräch mit Wulff, es gebe kein italienisches Veto gegen Sanktionen gegen Libyen.

„Erst kommen die Missionare, dann die Soldaten“ … eine Erkenntnis der Kolonialvölker über die Strategien der Kolonialisierung, die man heute umformulieren könnte: „Erst kommen Touristen und Geschäftsleute, dann die Söldner“.  Das Prinzip ist das Gleiche.

Nur gut das die LINKEZEITUNG ausschließen kann, das die USA diesmal wieder ihre Finger im Spiel haben:

Das (positive) Bild, das die meisten Autoren, Wissenschaftler und Journalisten von dem unbezwingbaren israelischen Mossad (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Mossad ) und der all­mächtigen CIA entworfen haben, hat durch deren eingestandene Fehleinschätzungen schwer gelitten, weil beide weder den Umfang, die Tiefe noch die Intensität des mehrere Millionen Menschen mobilisierenden Aufstandes erkannten, der zum Sturz des Diktators Mubarak führte. Der Mossad, der schon in vielen Hollywood-Filmen einflussreicher zionis­tischer Produzenten als „Musterbeispiel für Effizienz“ dargestellt wurde, war noch nicht einmal im Stande, rechtzeitig das Anwachsen einer Massenbewegung in einem Nachbar­land zu entdecken.

Das hier wieder die altbekannte „jüdische Weltverschwörung“ hinter dem Ofen hervorgelockt wird, fällt wohl nur jenen auf, die sich umfassender mit der NS-Propaganda auseinandergesetzt haben. Aber das gehört ja zu den Wirren der heutigen Zeit, das sich umfassend die wirresten Fronten bilden und eigentlich so richtig keiner mehr weiß, wer hier eigentlich gerade gegen wen ist. So entstehen Meldungen wie diese hier aus der NZZ:

Im blutigen Ringen in Libyen schickt Machthaber Muammar al-Ghadhafi offenbar auch eine Art Jugend-Miliz auf seine Gegner los. Die französische Zeitung «Libération» berichtete am Donnerstag in einer Reportage aus der Region um die ostlibysche Stadt Benghasi über eine derartige Freiwilligen-Truppe, «Mourtazaqa» genannt. In einer Schule in Benghasi seien rund 200 dieser Milizionäre eingesperrt; sie waren nach eigenen Angaben im Süden des Landes für eine Demonstration in Tripolis angeworben worden. Stattdessen seien sie dann in die Kampfgebiete im Osten des Landes geflogen und dort gefangen genommen worden.

Sollten die jetzt in Benghasi demonstrieren, sind aber von der Opposition erstmal eingesperrt worden, weil man ja so freiheitsliebend ist?

Auch die neue stimmungsvolle Meldung aus der Welt verheißt nichts Gutes:

Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi soll eine Kopfprämie ausgesetzt haben. Söldner bekommen angeblich knapp 9000 Euro pro getötetem Gegner.

Ich sehe schon Lastwagen voller Leichen vor mir, die sich von Söldnern gesteuert zwecks Bonuszahlungen auf Tripolis zubewegen. Bei einem Volk von sechs Millionen bräuchte man also nur 54 Milliarden Euro, um … na ja. Ist auf jeden Fall billiger als eine deutsche Bank zu retten.

In diesem ganzen Chaos bleibt die Frage im Raum stehen: „Gehen Sie mit auf die Straße?“

Mit dieser Frage ist die arabische Revolution ist bei uns angekommen. Sie wird aber mit Sicherheit negativ beantwortet werden:

Sprit kostet 1.53 Euro. Zu teuer, um zum Aufruhr zu fahren. Außerdem haben wir ganz andere Sorgen, wie das Manager Magazin berichtet:

Alarm an den Ölmärkten, Sorge um den deutschen Aufschwung: Sollte der Ölpreis langfristig auf dem aktuellen Krisenniveau verharren, droht er unsere Wirtschaftserholung abzuwürgen. Erste Experten ziehen Parallelen zu einer Desasterphase der deutschen Wirtschaft – der Ölkrise der 70er Jahre.

Deshalb muß jetzt die Bundeswehr in Lybien den Aufschwung retten.

Und ich kriege irgendwie doch die Sorge nicht los, das Gaddafi richtig liegt: die Kräfte, die hinter dem panarabischen Aufstand stehen sind die gleichen, die auch hinter den Anschlägen von nine-eleven stehen und deshalb marschiert bald die Bundeswehr auf lybische Ölquellen zu.

Schon eine verrückte Welt, oder?

 

 

 

Ägypten, Wolfgang Clement und Deutschlands Zukunft nach dem Rentenklau

Blicken wir eigentlich noch durch, was in der Welt gerade so passiert? Ich meine – wir waren laut „Experten“ am „Ende der Geschichte“ angekommen, hatten die beste aller möglichen Welten erreicht und brauchten jetzt nur noch das System stabil halten, damit alle in Ruhe und Frieden ihr eigenes Leben leben dürfen.

Gut, man hatte nicht den Bürger gefragt. Es war zwar das Ende der Geschichte, der Kampf der Systeme war zugunsten der marktwirtschaftlich orientierten Demokratie entschieden worden, doch war dieses Paradies der Historie zugangsbeschränkt: nur der ewig junge, kerngesunde, ungebundene  gut ausgebildete Mann mit guten Beziehungen konnte alle Dimensionen dieses Paradieses ausloten, das normale Bauernkind mit Lernbehinderungen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten blieb mit vielen Millionen anderer Menschen zusammen auf der Strecke.

Da alle Menschen mal alt werden – und die meisten auch krank – ist das System „Halbgott mit Mercedes und Rolex“ auch nur für ganz eingeschränkte Intelligenzkreise zufriedenstellend lebbar, vernünftige Wesen (und erst recht soziale) merken ganz schnell, das da eigentlich kein realer Gewinn für die Seele drinsteckt, aber viel Ablenkung für das Kind im Mann.

Das System „Halbgott mit Mercedes und Rolex“ ist momentan auch in Nordafrika sehr in Gefahr. Jahrzehntelang war Ruhe, es gab eine stabile, satte Oberschicht, die ihre Kinder auf Schulen in die USA und zum Einkaufen nach Paris und London schicken konnten – und den Rest, der von den Resten leben durfte.

Woher das Geld kommt? Nun – von uns. Unter anderem. Wir sind laut Manager Magazin dick drin in Nordafrika:

Öl, Südfrüchte, aber auch Bauteile für die Automobil- und Maschinenbauer: Die deutsche Industrie ist in vielfältiger Weise auf Produkte aus Nordafrika und dem Nahen Osten angewiesen. Unternehmensberater Marc Kloepfel erklärt im Interview, wie Firmen ihre Lieferketten in der Region sichern sollten.

Unternehmensberater Marc Kloepfel arbeitet mit Wolfgang Clement zusammen, dem Clement, der Mitbürger, die den Optimierungsprozessen der Unternehmensberater zum Opfer gefallen sind, zu „Schmarotzern“ erklärte, während er nun hilft, auch in Nordafrika mehr von diesen „Schmarotzern“ zu erzeugen, in dem Einkauf und Produktion „optimiert“ werden.

Wenn ein Unternehmen wirklich von einem Lieferanten abhängig ist, muss es von diesem Zustand wegkommen. Wenn es zum Beispiel um ein Aluminiumprofil geht, wird dafür wird ein Werkzeug gebraucht, es muss eine Oberfläche bearbeitet, es müssen Löcher hineingebohrt werden. Um unabhängiger zu werden, könnte ein Unternehmen diesen Prozess splitten und an mehrere Zulieferer vergeben. Denkbar wäre auch, eine andere Form der Oberflächenbearbeitung zu finden, die nicht nur ein einziger Lieferant beherrscht.

Billig, billig, billig zum Wohle des Halbgottes. Nur in der Welt der Halbgötter gilt „billig“ nichts, da wird es schnell teuer, siehe ebenfalls Manager-Magazin:

Nur zwei Jahre nach dem Beinahekollaps des Finanzsystems schwimmen die Banker an der Wall Street wieder im Geld. Die 25 größten US-Finanzfirmen haben laut „Wall Street Journal“ im  Vorjahr 135 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter gezahlt. Das ist rund ein Drittel der gesamten Erlöse – und die Bezüge könnten bald noch weiter steigen.

Überrascht wie schnell man vom ägyptischen Bürgerkrieg aus ins Vorzimmer einer deutschen ARGE landet, weil die Boni in den USA steigen müssen? Das nennt man „Globalisierung“, läßt sich nur mit systemübergreifenden Denken verstehen. Deshalb kann man schon jetzt sagen, das die wirtschaftlichen Nöte der nordafrikanischen Staaten langsam auf Deutschland hinübergreifen, wie der „Entscheider“ im Manager-Magazin erfährt:

Das neue Jahr ist nur vier Wochen alt, aber schon tut sich neben Währungskapriolen und Schuldendramen ein weiteres Minenfeld auf: Vielen Unternehmen drohen aufgrund der anziehenden Inflation einbrechende Gewinnmargen – und das mitten im Aufschwung. Denn eskalierende Preise für Rohstoffe, Energie und Vorprodukte nehmen die Unternehmen und ihre Gewinnspannen in den Würgegriff. Und das weltweit.

Und jetzt kommt es zu einem interessanten Nebensatz. Für Entscheider ist der wichtig … für Politiker jedoch jenseits aller zumutbaren Realität:

Erzeuger und Handel können an ausgelaugte oder immer noch zur Vorsicht neigende Kunden die höheren Bezugspreise nur mühsam weitergeben, in vielen Fällen gar nicht. Das ist Gift für die Börsenrally und Kanonenfutter für die Rezessionspropheten.

Der deutsche Binnenmarkt, der „König Kunde“ … ausgelaugt? Also … Pleite? Kann es sein, das … wir in Deutschland genauso ausgeplündert wurden wie die in Nordafrika? Das kann nicht nur sein, das ist ganz sicher so. Hinter dem Aufschwunggerede der Halbgötter in Maßanzügen verbergen sich nicht nur die horrenden Staatsschulden, sondern auch eine geplünderte Rentenkasse, von der nun die TAZ berichtet:

Otto Teufel hat sich seit Mitte der 80er Jahre akribischer als jeder bezahlte Beamte in die Materie hineingearbeitet, hat die Finten und Rechentricks, die Lügen und Propagandafeldzüge der Lobbyisten, der Politiker und Medien entlarvt.

Hierbei hat er die Grunzüge der politischen Realität in Deutschland erkannt, die nicht weniger diktatorisch sind als die des ägyptischen Despoten – wir haben nur mehr davon:

Es ist erschreckend, mit welchem Selbstverständnis unsere staatlichen Eliten ein Zweiklassenrecht bei der Altersversorgung verinnerlicht und durchgesetzt haben. Der Gesetzgeber ist zugleich der Empfänger von Pensionen. Über Rentenfragen sprechen bei uns öffentlich in der Regel ausschließlich solche Personen, die davon in keiner Weise betroffen sind. Sie haben nicht das geringste Interesse, da was zu ändern, weil sie erheblich davon profitieren. Nicht umsonst haben Bundestag und Länderparlamente es immer wieder abgelehnt, ihre eigene Altersversorgung der gesetzlichen Rentenversicherung anzuvertrauen.

Da gibt es ein Millionenheer von „Nutznießern“…deren Pensionen wir nie mehr bezahlen können, genauso wenig wie unsere Rentengelder, die seit über fünzig Jahren geklaut werden:

Seit 1957 haben die verschiedenen Bundesregierungen rund 700 Milliarden Euro inklusive 300 Milliarden Zinsen quasi veruntreut. Sie wurden zweckentfremdet, für versicherungsfremde Leistungen aus der Rentenkasse in Anspruch genommen. Dieses Geld schuldet die Regierung unserer Rentenkasse und die Rentner und Beitragszahler bestehen auf Rückzahlung.

Ein Skandal der Extraklasse, ein Skandal, der sofort vierzig Millionen Deutsche auf die Straße scheuchen sollte, denn von dieser Pleite die sich schon jetzt durch ausgelaugte Kundenschichten ankündigt, werden wir alle betroffen sein, zumal der Klau immer weitere Kreise zieht:

Es ist immerzu die Rede von der drohenden Pleite der Rentenkasse wegen der demografischen Entwicklung. Diese Propaganda ist Teil des Konzepts der systematischen Demontage des Sozialstaats. Solche Schlagworte der Meinungsmanipulation dienen der gezielten Irreführung der Versicherten und der Öffentlichkeit.

Nun – irgendwoher muß das Geld je herkommen, das SPD-Funktionäre in Halbgötter umwandelt. Otto Teufel rechnet genau vor, wo es herkommt:

Aber die Leute lassen sich beeinflussen und haben zu Recht Angst. Arbeitnehmer erhalten schon lange keine angemessenen Renten mehr. Der durchschnittliche Rentenbetrag für Männer lag 2009 bei 931 Euro (für Frauen nur bei 521 Euro), während die durchschnittliche Beamtenpension bei 2.500 Euro lag (12,8-mal pro Jahr). Seit 2003 ist die Kaufkraft der Rente zurückgegangen, etwa um 20 bis 25 Prozent. Und es gibt keine Instanz oder Regierungspartei, bei der auf Hilfe zu hoffen wäre. Im Gegenteil, der Jens Spahn z. B. von der Union hetzt jetzt gerade besonders gegen Rentner, und auch die Linkspartei will sich das Thema eigentlich vom Hals halten und fasst die heißesten Kartoffeln gar nicht erst an.

Auf den eigenen Geldbeutel heruntergerechnet gehen einem schon die Augen auf: 521 Euro Rente – damit kann man wahrlich kein großes Faß aufmachen. Da aber alle Politiker von diesem System profitieren, wird es keine Mehrheit gegen dieses System im Parlament geben. So langsam kann man die Deformationen der SPD und auch der LINKEN verstehen – sobald die Leute in Berlin angekommen sind, wissen sie, das es ums nackte Überleben geht. Um ihr eigenes nacktes Überleben im Alter – und das ist ein Thema, das man besser nicht in der Öffentlichkeit präsentiert, die geschlossen auf eine Zukunft zumarschiert, in der Hunger, Durst und Kälte wieder Einzug in den Alltag halten.

Und in sofern beschreibt das Handelsblatt mit seinen Schilderungen der Zustände in Ägypten vielleicht auch einen Aspekt der Zukunft Deutschlands:

Offiziell ist Ausgangssperre, doch Anhänger des ägyptischen Despoten Hosni Mubarak schleudern immer neue Brandsätze auf die friedlich im Stadtzentrum Demonstrierenden. Deren Reihen haben sich merklich gelichtet. Nicht nur wegen der Angst vor den Schlägertrupps des Regimes. Von ihnen stellt sich immer mehr heraus, dass es zu einem großen Teil von der Geheimpolizei mit jeweils 50 ägyptischen Pfund (umgerechnet 6,30 Euro) bezahlte und zuvor aus Gefängnissen entlassene Straftäter sowie Angehörige der Staatssicherheit in Zivil sind.

Vielleicht läuft es in Deutschland so ab: nachdem die Lumpenelite gezielt ein hartz-abhängiges Prekariat geschaffen haben, werden die Opfer ab 2012 in Uniformen gesteckt (hatte die Frankfurter SPD schon mal gefordert), ab 2015 als Sicherheitspersonal eingesetzt (eine Forderung rechter Kreise) und dann mit Schlagstöcken und Brandsätzen gegen jene Bürger eingesetzt, deren Presse sie über Jahre hinweg entwürdigt, geschmäht, verleumdet und beleidigt hat.

Und auf einmal macht der Unsinn von Hartz IV einen ganz großen Sinn: man bastelt gezielt an einem kontollierbaren Hasspotential … das sich bequem entfalten läßt, wenn die Rentenlügen mal nicht mehr zu verbergen sind. So wäre sichergestellt, das der Anzug mit Wolfgang Clement drin weiterhin ungestört zur Aufsichtsratssitzung der neuen finsteren unmenschlichen Halbgötter gelangt und das System der Lumpenelite auch ägyptische Zustände übersteht. Geht ja in Tunesien laut Handelsblatt auch:

Die Unruhen in Tunesien dauern schon erheblich länger an als in Ägypten. Die Wirtschaft des Landes steht wegen wochenlanger Proteste auf der Kippe. Die Regierung versucht die Leute nun wieder zurück in die Betriebe zu beordern.

Egal was passiert: weiterarbeiten! Kommt mir bekannt vor.


Der kommende Aufstand

Man findet in den Medien ja auch mal klare Worte – wenn man will. Verstörende Worte, die nicht zu den üblichen Aufschwungparolen passen. Zum Beispiel gestern in der WELT:

Schon jetzt steht Deutschland mit einer prognostizierten Gesamtverschuldung von 1,884 Billionen Euro an der Spitze der europäischen Schuldenstaaten. Sollte die Wirtschaft einbrechen, wäre das eine unbezahlbare Hypothek.

Das sind Sätze die man gerne hört. Sie erklären die Aufschwunghysterie: wir können es uns gar nicht mehr erlauben, ohne Aufschwung auszukommen, dürfen uns schon längst nicht mehr erlauben, ihn auch nur im geringsten Maße zu bremsen, obwohl auch das wahrscheinlich nicht mehr ausreichen wird:

Gleichwohl dürfte es unmöglich sein, von diesem Schuldenberg wieder herunterzukommen. „Allein um die deutschen Rettungsmaßnahmen nach der Finanzkrise zu bezahlen, wäre in den kommenden 15 Jahren ein Wachstum von deutlich mehr als sechs Prozent pro Jahr erforderlich“, rechnet Michael Müller vor, früherer SPD-Staatssekretär im Umweltministerium. Solche Erwartungen aber sind geradezu illusorisch. Denn zwischen 1998 und dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 wuchs die deutsche Wirtschaft jährlich im Schnitt um gerade mal 1,5 Prozent. In den sechziger Jahren, also zur Zeit des Wirtschaftswunders, waren es 4,5 Prozent.

Das heißt: wir Deutschen sind pleite. Bankrott. Und hatte noch nicht mal was davon:

In Deutschland gibt es seit bald zwei Jahrzehnten keinen nachhaltigen Konsum, der nennenswert über das existenziell Notwendige hinausgeht. Der Grund hierfür sind Einkommen, die deutlich hinter der konjunkturellen Entwicklung zurückblieben. Obwohl Deutschland Exportweltmeister ist und zu den reichsten Ländern der Erde zählt, wuchs die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich. „Seit dem Jahr 2000 haben in Deutschland Einkommensungleichheit und Armut stärker zugenommen als in jedem anderen OECD-Land“, heißt es in einem OECD-Bericht aus dem Jahr 2008.

Wer meint, die Renten sind sicher, der irrt, zumindest, wenn er Beamter ist

Da sind die gewaltigen Pensionslasten für die Beamten, für die bislang kein Cent zurückgelegt wurde, noch gar nicht eingerechnet

Dazu passen zwei weitere Meldungen in der gleichen Zeitung vom gleichen Tage. Die erste hier:

Das Haushaltsdefizit des Bundes ist in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf 49,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit war die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben um 16,1 Milliarden Euro größer als im Vorjahreszeitraum. Dies teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach vorläufigen Ergebnissen mit.

Die zweite hier:

Immer mehr Menschen gehören zu den Empfängern von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld – ein Viertel davon sind Kinder unter 15 Jahren.

Normalerweise wären das Fakten, die man dem Bürger jeden Tag um die Ohren hauen müßte, damit er zu Besinnung kommt und Politik und Wirtschaft in die Pflicht nimmt, nicht nur Beiträge zur Selbstbereicherung einzustreichen sondern ihren Beitrag zur Lösung des Problems zu liefern – am liebsten in Bargeld. Andererseits darf man das nicht zu laut sagen, weil sonst auch noch das letzte Privatgeld ins Ausland geht und sich dort in Luft auflöst.

In diese Zeiten, die – nach nur einer Ausgabe der WELT zu urteilen – mehr als düster und vor allem scheinbar zu Ende sind, fällt eine Schrift, über die ich andernorts schon mal geschrieben habe und die in derselben Ausgabe der WELT zu einem denkwürdigen Kommentar führt.

In Frankreich hat ein „Unsichtbares Komitee“ eine Hetzschrift gegen Metropolen veröffentlicht. Damit treffen die Extremisten offenbar den Nerv der Zeit.

Dieses Pamphlet, getragen von schneidender Verachtung und von der Gewissheit, dass die Städte, in denen wir leben, nichts Besseres verdient haben, als auf der Stelle in Brand gesteckt zu werden, verkündet eine einzige diagnostische Botschaft:

Das Leben ist ganz fürchterlich, und zwar ausnahmslos jedermanns Leben; wer etwas anderes glaubt, macht sich bloß etwas vor. Woran immer die Menschen Spaß haben, es ist in Wahrheit bloß ein Narkotikum, das sie davon abhält, mit der Wahrheit in Kontakt zu treten – jener Wahrheit, dass nichts mehr geht.

Offenbar sollte man die Wahrheit des unsichtbaren Komitees ernster nehmen, denn das bald „nichts mehr geht“ scheint auch die Wahrheit der anderen WELT-Autoren zu sein. Wie es momentan aussieht, werden wir ein Volk von Hartz IV – Beziehern, denen man letztendlich die Leistungen komplett streicht, weil „kein Geld mehr da ist“.

Auch die Unterhaltungselite gerät in die Kritik:

die Milieus der Literaten, Journalisten, Sportler und Künstler „mit ihrem Getratsche und ihren informellen Hierarchien, jedes einzelne von ihnen beauftragt, eine Wahrheit zu neutralisieren“

was dann letztlich den Zorn des Autors aufkommen läßt:

Hin und wieder versucht man, sich die Menschen zu dieser grimmigen Stimme auszumalen, aber diese Vorstellung ähnelt einem Wackelbild, aus dem einem alle möglichen Gesichter entgegenspringen. Spricht da ein muffiger Rentner, der mit all dem neumodischen Teufelszeug nichts anfangen kann?

Ein von seinem Job angeekelter Werbetexter, der endlich für etwas Fundamentaleres Propaganda machen will? Ein gewaltig untervögelter Philosophiestudent, der sich vorgenommen hat, der entfremdeten Welt mal ordentlich die Leviten zu lesen? Ein Kabarettist, ein Taxifahrer?

Die Hilflosigkeit, mit der man versucht, diese Schrift einzusortieren, hat etwas verstörendes an sich, verstörend deshalb, weil doch nicht das unsichtbare Komitee das Problem ist – sondern die Wirklichkeit, die sie beschreiben. Bis gestern hätte ich nicht gedacht, das diese kleine Schrift nochmal in mein Leben tritt – aber sie scheint weite Kreise der medialen Welt zu beunruhigen.

Ob nun Süddeutsche Zeitung, die mit eindeutigen Anweisungen für Ordnung sorgt (Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum es falsch wäre, den „Aufstand“ als antimodernes Pamphlet abzutun), die FAZ, die der linken Revolution ein schnelles Ende voraussag (Eine kollabierende öffentliche Ordnung würde nicht von Deleuze lesenden Kommunarden verbessert, sondern durch eine Mafia regiert. Wenn die Züge nicht mehr fahren, folgt nichts Besseres. Nach dem kommenden Aufstand kommen die schwarzen Geländewagen) oder die TAZ, die sich empört, das das alles nicht richtig links ist (Der kommende Aufstand ist linke Erlösungsfantasy mit rechten Elementen. Das mögen viele immer noch nicht erkennen).

Was man merkt ist: der Journalist sieht seine Deutungshoheit in Gefahr. Was man aber in zweiter Linie merkt ist – die kleine Schrift scheint Angst zu machen. Angst davor, das sie die Wahrheit beschreiben? Eine Wahrheit, die man tagtäglich in den eigenen Magazinen nachlesen könnte und die man gerne so formuliert, das sie möglichst positiv klingt?

Die öffentliche Ordnung wird nicht zusammenbrechen, weil Kommunarden den Strom abstellen, sondern weil Banken die Zahlungen einstellen. Das ist doch die Botschaft der Artikel in der WELT heute: Deutschland ist pleite und daran wird sich auch nichts ändern. Aller künstlicher Jubel über wenige Arbeitslose, steigende Steuereinnahmen und Rekordexporte kann die Wahrheit nicht mehr vertuschen: das Land ist pleite und wird es bleiben.

Noch was aus der TAZ und der dort weltbewegend wichtigen Schlacht über die korrekte Einordnung der Schrift in ein rechts/links Schema?

Noch weiter versteigt sich Alex Rühle in der SZ. Weitgehend kritiklos bestaunt der Internetverweigerer den „düsterrevolutionären Zorn“ des Buches, seine „Aura der Hellsichtigkeit“ und seine „heroische Melancholie“. Gerade die darin vertretene „Partizipationsverweigerung“ sagt ihm zu. Sein Urteil lautet kurz, es handele sich um „ein Weißbuch des Überlebens in stürmischen Zeiten“. Und auch zu weiteren Entgleisungen lässt er sich verleiten: „Das System“, schreibt er, „ist überall, fast wie Gas ist es noch in die letzten Ritzen des Privatlebens gedrungen.“

Ein „Weißbuch des Überlebens in stürmischen Zeiten“ wäre notwendig – wenn die Zeiten stürmisch werden. „Überleben“ als solches ist auch erstmal weder „rechts“ noch „links“. Man beruft sich als „Linker“ gerne auf Werte wie „Freiheit“ „Gleichheit“ „Brüderlichkeit“ – was aber  ist, wenn diese Werte die Abkehr von der Maschinenkultur fordern? Was ist, wenn diese Maschinenkultur, die seit über hundert Jahren Rohstoffe in Müllberge und Landschaften in Betonwüsten verwandelt, als solche nicht überlebensfähig ist? Was, wenn immer mehr junge Menschen „aus bestem Hause“ gerade zu diesem Ergebnis kommen und in der Großstadt das Symbol jener Entwicklung sehen, die ihnen die Zukunft stiehlt … und sich aufmachen, sich einfach selbst eine Zukunft zu sichern?

Wenn der König zum Bauern wird, wird´s für den Höfling ungemütlich, das kam mir in den Sinn, als ich die Kommentare las. Und ich fragte mich: lesen die die anderen Artikel in ihren eigenen Zeitungen nicht – und erwarten die dasselbe von den anderen Lesern? Zeitungskauf wird (Partei)Spende für Meinungsverbreitung – kann man den Prozess dann nicht effektivieren und das Drucken ganz sparen? Ich denke, wären da nicht die Werbeeinnahmen,  würde man darüber schon nachdenken.

Dabei ist die Grundaussage des „unsichtbaren Komitees“ nicht neu, „Nur Stämme können überleben“ war schon in den siebziger Jahren bekannt. Vielleicht merken das jetzt immer mehr, ebenso wie immer mehr merken, das die Fleischtöpfe weniger werden – auch für Journalisten.  Und das macht dann Angst.

Irland und die Wirtschaftskrise: der Putsch der Krämerseelen und das Versagen der Medien

Wenn ich an Irland denke, dann muß ich zuerst an die Predigten denken, die uns jahrelang über die hervorragende Wirtschaftskraft des „keltischen Tigers“ gehalten wurden.  Sowas findet man heutzutage noch im „Irlandguide“:

Wirtschaftlich war die Republik Irland lange Zeit sehr rückständig, die Wirtschaft stagnierte, die Inflationsraten stiegen. Das hat sich aber mit dem EG-Beitritt 1973 und den damit verbundenen Förderprogrammen zunächst langsam geändert. Seit Mitte der Neunziger Jahre erlebt Irland nun einen regelrechten Wirtschaftsboom, so wurde etwa das Wirtschaftswachstum 2003 mit 4,8 Prozent veranschlagt, weit über EU-Durchschnitt. Dieser Aufschwung hat Irland auch den Namen „keltischer Tiger” eingebracht, in Anlehnung an die „Tigerstaaten” Südostasiens.

Momentan wird klar: aus dem keltischen Tiger wird ein verschuldeter Dackel. Liest man mal konkret, wie dieser Tiger seinen Aufschwung geschafft hat, kann einem schon übel werden, so schreibt diePresse:

Irlands Wirtschaftswunder sei eine Illusion gewesen, behauptet Peter Boone von der London School of Economics. Die Basis dafür seien der clevere Gebrauch einer Steueroasen-Gesetzgebung und ein enormer Kreditboom gewesen.

Die eindrucksvollen Wachstumsraten über die letzte Dekade seien teilweise auf die aggressiven Versuche zurückzuführen, großen US-Konzernen bei ihren steuerschonenden Abrechnungen zu helfen. Rund 20 Prozent des irischen BIPs sei auf solche Gewinn-Transfers zurückzuführen, die kaum Steuereinnahmen gebracht hätten. Würde man die irischen Zahlen diesem Faktum anpassen, sehe es für Irland noch fataler aus.

Irland ist schon jetzt das EU-Land mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Das hoch verschuldete Land droht seine Sparziele weiterhin zu verfehlen. Die Regierung werde ihre Haushaltspläne für die kommenden Jahre wohl bald an die holprige Entwicklung der Konjunktur anpassen müssen, sagte der irische Zentralbankchef Patrick Honohan kürzlich.

Auf den Finanzmärkten kursieren bereits Gerüchte, dass die Iren auf die Hilfe des Rettungsschirms der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgreifen müssen. Dublin und der IWF beeilten sich, die angebliche Notwendigkeit milliardenschwerer Hilfen mit Nachdruck zu dementieren.

Das Geheimnis des irischen Wirtschaftswunders? Sie haben sich der Korporatokratie als willige Prostituierte angedient und ihr beim Kampf gegen die sterbenden staatlichen Strukturen, bei dem laufenden Vernichtungsfeldzug gegen die Sozialstaaten, Gewerkschaften und parlamentarischen Demokratien und beim Raubzug auf die Steuerbillionen volle Unterstützung zugesagt.

Zuerst sollte man angesichts dieser Entwicklung vor allem eins anmerken: wieder einmal haben Politik und Experten auf breiter Front versagt, ebenso die Medien. Eine Aufklärung über den Seifenblasencharakter des irischen Tigers hätte ich mir von führenden deutschen Wirtschaftsmagazinen jeden Tag erwartet – und nicht erst dann, wenn der Tiger in den Brunnen gefallen ist und sich als Frosch erwies, als Kröte, die wir jetzt wieder zu schlucken haben.

Wozu lese ich eigentlich noch Zeitung, wozu konsumiere ich überhaupt noch Nachrichten, wenn ein so offensichtliches Scheinwirtschaftswunder jahrelang als vorbildlich für die ganze EU dargestellt wird? Kristallkugel und Tarotkarten scheinen mir da hilfreicher zu sein als die Lektüre von Handelsblatt, Financiell Times und Manager Magazin – erstere haben wenigstens die Chance auf einen Zufallstreffer.

Schaut man ins Detail, verblüfft wieder mal die kriminelle Energie, mit der früher mal scheinbar seriöse Geldinstitute in Irland agieren – hier ein irischer Ökonom im Manager-Magazin:

Davies führt an, dass ein gutes Fünftel der Direktinvestitionen im Finanzbereich angefallen sei, dem Zentrum der irischen Krise – und auch Ausgangspunkt für manche Probleme in den Finanzsystemen anderer Länder; so waren die Zweckgesellschaften und Tochterbanken, die deutsche Problembanken wie IKB, SachsenLB oder Hypo Real Estate in die Malaise brachten, steuergünstig in Dublin angesiedelt. Zudem sind diese Investitionen so schnell wieder verschwunden, wie sie kamen.

So schnell wie die Konzerne, die nur mal schnell zum Zwecke des Steuernsparens vorbeigeschaut haben, verschwinden laut FTD auch die „Werte“ des Landes:

Die Irland-Hilfen können den Kollaps des Immobilienmarkts auf der grünen Insel nicht eindämmen. Seit 2008 haben Immobilien zwischen 50 und 60 Prozent ihres Wertes verloren. Und die Preise fallen weiter.

Wer also ein Haus für 200000 Euro gekauft hat, muß feststellen, das es nur noch 100000 Euro Wert ist, seine Hypothek aber gleichbleibend hoch ist. Da hilft nur noch eins: Mieten erhöhen, Preise erhöhen, noch mehr Geld aus dem Markt pressen im verzweifelten Versuch, die Verluste auszugleichen. Und in der neuen virtuellen Welt der Geldadelshöfe  freut man sich über noch mehr virtuelle Zahlenhaufen, die in Sekundenschnelle ungebändigt um den Globus rasen und dabei immer mehr realen Schaden anrichten.

Die Gefahren des Turokapitalismus waren bekannt. Das er zum Krieg gegen die Zivilgesellschaft aufruft und diese bis in ihre Grundfesten erschüttern und zersetzen wird ebenfalls. Man braucht kein Wirtschaftsexperte zu sein um zu verstehen, welche Wirkung Konzerne haben, die immer mehr Geld (bzw. „Leistung“) aus Ländern saugen um es in Steuerparadiesen vor der Menschheit zu verstecken.  Das ist die geschichtliche Aufgabe, vor der wir wohl im Moment stehen: nachdem Staaten gelernt haben, das militärische Macht gebändigt und kontrolliert werden muß, weil sie sonst dazu tendiert, Regierungsmacht mit Gewalt an sich zu reißen, müssen Staaten jetzt lernen, das auch wirtschaftliche Macht gebändigt und kontrolliert werden muß.  Nach den Generälen ist es nun die Managerkaste, die Krämerseelenelite, die nach der Allmacht im Staate greift … und in Deutschland schon so weit gekommen ist, das man von einer Regierung der „Leistungsträger“-Netzwerke reden kann. Ein Witz eigentlich,  da diese „Leistungsträger“ eigentlich Leistungsvernichter sind.  Die enorme Wirtschaftsleistung unseres Landes resultiert in immer größeren Schulden – und die Unsummen finden sich nicht auf den Konten der Arbeitslosen, den Sparbüchern der Kinder oder unter den Betten der Minirentner wieder.

Der Geldkreislauf eines Landes ist immer ein geschlossenes System – sonst hat er keinen Wert. Und wenn ich Verteilungsmechanismen konstruiere, die auf der einen Seite immensen Reichtum anhäufen, dann hat das viele Nebenwirkungen – national wie international. Da bleibt nämlich weniger für irgendwen übrig, meistens für jene, die keine Verwandten im Verteilungsmechanismuskonstruktionsbüro haben. Wer also persönlich auf einem großen Geldhaufen sitzt, sollte sich immer im klaren sein, das die pure Größe dieses Haufens irgendwo auf der Welt einen Schatten von Leid, Hunger und Tod wirft.

Ich denke jedoch, das der Putsch der Wirtschaft zeigt, das sich die Krämerseelen längst weit jenseits jeglicher Menschlichkeit bewegen, wie ein aktueller Einblick im Spiegel in eins der gesellschaftlich konstruierten Geldverteilungsmechanismen zeigt:

Der Wall Street droht der größte Insider-Skandal ihrer Geschichte. Dutzende Firmen sollen sich illegal Spekulationsvorteile verschafft haben. Manche Branchenvertreter halten die Vorwürfe für überzogen – der Handel mit geheimen Informationen gehöre nun mal zum Geschäft.

Und was machen die Medien in diesem Tohuwabohu, in dem man sich als Durchschnittsbürger nur noch mühsam durchwursteln kann?

Ein Blick in die Presseschau des  Handelsblattes zeigt ihre Rolle im System deutlich.

Die Wirtschaftsagentur Reuters sieht Portugal als nächsten Anwärter auf EU-Hilfe, sollte nicht bald eine umfassende Lösung gefunden werden. Irlands Rettung dürfte zwar die Märkte etwas beruhigen, doch der Effekt werde nicht lange anhalten. Die Gründe für die Misere Irlands und Portugals seien zwar verschieden – während Irland sich an der Rettung der Banken übernommen habe, leide Portugal an mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und geringem Wachstum –, das Ergebnis sei jedoch gleich: „Eine Schuldenlast, die Märkte als kaum tragbar ansehen“.

Irland hat sich bei der Bankenrettung übernommen.

Die Börsen-Zeitung räumt in ihrem Kommentar mit falschen Behauptungen der Politiker von Angela Merkel bis Wolfgang Schäuble zu der Euro-Krise auf. Bei der Rettung Irlands und Griechenlands sei angeblich jedes Mal die Zukunft des Eurolands auf dem Spiel gestanden. Damit streuten Politiker Sand in die Augen von Europas Bürgern. Falsch sei etwa, dass es um die Stabilität des Euro gehe. „Fakt ist, dass es sich nicht um eine Krise der Währung, sondern der Staatsfinanzen handelt“, kommentiert die Zeitung. Falschbehauptung Nummer zwei sei, dass die Märkte durch Ausweitung der Risikoaufschläge die Refinanzierungsmöglichkeiten Irlands verschlechtert und die Hilfen so erzwungen hätten. „Fakt ist, dass für Irland aktuell keine Refinanzierungen anstehen“, so das Blatt. Irland sei der Rettungsschirm aufgedrängt worden. Als falsch habe sich ebenfalls die Behauptung erwiesen, alleine die Existenz eines 750 Milliarden Euro Rettungsfonds werde Märkte beruhigen. Die vierte Falschbehauptung sei, dass Irland vor allem wegen des angeschlagenen Bankensektors geholfen werden müsse. Tatsächlich habe die EZB den irischen Bankensektor längst gerettet.

Irland hat sich bei der Bankenrettung nicht übernommen.

In Zeiten, wo die Banken selber kaum wissen, was in ihren Geschäftsräumen vor sich geht (weshalb ja Bankenexperten unverzichtbar geworden sind, wie wir im Rahmen der Krise gelernt haben), hat der normale Bürger da – neben der Bewältigung des Alltagsterrors – noch ziemlich viel zu tun, sich in den Spannungsfeldern von These und Antithese zurechtzufinden….eine Aufgabe, bei der ihm die Medien eigentlich helfen sollten. Stattdessen vernebeln sie fleissig weiter.

Call of Duty – Black Ops … ein Schutzraum vor der Wirklichkeit

Wenn man nicht Teil der „Gamer“-Szene ist, reagiert man wohl verblüffent auf die Nachricht, das ein Spiel alle Entertainmentrekorde geschlagen hat:

So erfolgreich war kein Spiel, kein Film und kein Buch je zuvor: Das neue „Call of Duty“ hat alle Verkaufsrekorde gebrochen – trotz herber Kritik.

So jedenfalls die „Welt“.

Da fliegen Gewehrkugeln zu Rockmusik in den Kopf eines Vietnamesen, Blut spritzt, Kehlen müssen durchgeschnitten werden. Zudem vertritt das Spiel einen knüppelharten konservativen Militarismus, der Spieler muss etwa Kuba infiltrieren und die geheimsten Methoden der USA zur Zeit des Kalten Krieges bedenkenlos unterstützen.

Kein Wunder, das dieses Spiel sogar politische Folgen hat:

Bei „Black Ops“ (der Name bezeichnet verdeckte Operationen kleiner Spezialeinheiten) geht die Kritik neue, verstörende Wege. So hat Kuba sich bitter über das Spiel beschwert. Dort ist eine lange Szene des Spiels angesiedelt: Der Spieler muss noch vor der Zeit der (echten) gescheiterten Invasion in die Schweinebucht, es ist 1961, man soll den noch jungen Revolutionsführers Fidel Castro umbringen.

Die kubanischen Medien erregten sich ungewöhnlich. Das Spiel sei „doppelt pervers“, indem es Attentate glorifiziere und bei Kindern und Heranwachsenden in Nordamerika „soziopathische Haltungen“ fördere. Was die USA in 50 Jahren nicht geschafft hätten, werde nun virtuell versucht, hieß es auf der staatlichen Website Cubadebate.

Ob solche Spiele soziopathische Haltungen fördern und dazu führen, das man seinen Nachbarn erschießt, ist umstritten. Aber etwas anderes kommt in den Fokus der Öffentlichkeit, obwohl es doch verpönt ist, darüber überhaupt nur nachzudenken:

Der Vorteil der sogenannten Black Operations: Der ausführende Staat hat die Möglichkeit, jedwede Beteiligung an den Missionen zu leugnen.

Das ist natürlich schön für den Staat, der den Auftrag gibt – und schlecht für alle, die bei der Ausführung des Auftrags im Wege steht. „Black Ops“ sind die Mutter aller Verschwörungstheorien, gäbe es sie nicht, so würde auch niemand auf die Idee kommen, das bei nine-eleven was ganz falsch gelaufen ist.  Unter „Black Ops“ laufen jene Killer – auch „Schakale“ genannt – die die Welt laut John Perkins für die Interessen der Konzerne gefügig schießen. Globalisierung heißt letztlich Amerikanisierung – und das heißt wiederum Weltherrschaft der Korporatokratie. Im Kampf gegen das Böse sind alle Mittel recht. Russen, Kubaner, Vietnamesen … alles laufende Zielscheiben. Nun – vorher waren es Deutsche.

„There is a Soldier in all of us“ – so lautet ein Trailer der offiziellen Webseite des Spiels. Brave Bürger ballern dort herum was das Zeug hält – ich persönlich fand die Bilder verstörender als die „echten“ Bilder aus dem Spiel. Sie erinnerten mit an Erfurt oder Winnenden.

Was macht so ein Spiel so erfolgreich? Was fasziniert Spieler? Was ist aus der Debatte geworden, das alle Soldaten Mörder sind – und darf man auch mal die Kollateralschäden nach ihrer Meinung zu dem Satz fragen?

Die Jagd auf Menschen – so ein hartnäckiges Gerücht – soll ja spannend sein, der Jagd- und Sammeltrieb bei Menschen sehr ausgeprägt sein. Das sieht man ja täglich bei Aldi, Lidl und E-Bay, so das man solche Spiele zum Ausleben der Triebe eigentlich nicht braucht – shoppen ist wohl im Prinzip kaum was anderes.

Überraschenderweise fand ich einen Hinweis auf Videospiele in einem Merkblatt zur Traumatherapie – also exakt jener Therapie, die eingesetzt wird, um Soldaten mit Kriegstraumata zu behandeln. Hier wird darauf hingewiesen, das Videospiele „geschützte Räume“ schaffen, Räume, die man anders als Fernsehen komplett steuern und bestimmen kann (falls der Schwierigkeitsgrad nicht zu hoch ist).

Ich weiß nicht, ob „Call of Duty: Black Ops“ für die Traumatherapie geeignet ist – aber die Sicht der Traumatherapie eröffnet eine neue Perspektive auf die Motivation der Spieler. Es gibt nicht nur einen „geschützten Raum“ zwischen Bildschirm und Spieler, innerhalb dieses Raumes ist jeder sehr wehrhaft. Wovor der Raum schützt?

Vor der Wirklichkeit, die über einem hereinbricht, vor dem Zusammenbrechen der sozialen Strukturen der Realität, einem Zusammenbruch, dem man scheinbar hilflos gegenübersteht –  hier eine aktuelle Entwicklung aus  England, von der die „Zeit“ berichtet:

Parallel zu den Einschnitten soll die Höchstgrenze für Studiengebühren steigen, von derzeit 3290 auf bis zu 9000 Pfund im Jahr, über 10.000 Euro. Staatliche Kredite helfen dabei, die Studiengebühren und Lebenshaltungskosten zu finanzieren.

So etwas bedeutet wohl den Tod der Geisteswissenschaften, mit einer Zunahme von Verblödung und Verrohung ist zu rechnen.

Man denkt unwillkürlich an Marx und seinen durch Feuerbach inspirierten Satz: „die Religion ist Opium fürs Volk“, wenn man an die Wirkung der Videospiele in diesem Zusammenhang denkt, könnte man den Satz auch auf diese Spiele ummüntzen. Dabei ist es wohl auch gerade die Erfahrung mit linker Politik, mit dem, was aus der Revolution geworden ist, die die Menschen in geschützte Räume treibt: aus der Leibeigenschaft für den Adeligen ist die Arbeitspflicht fürs Kollektiv geworden – was im Endeffekt für den Menschen auf das Gleiche hinausläuft: er soll umsonst arbeiten, damit andere das Leben genießen können. Mit der Agenda 2010 zeigte die Demokratie, das auch sie einen großen Hunger auf Gratisarbeit ihrer Mitglieder hat – der Praktikumswahn zeigte ein Übriges.

Machtstrukturen sind heute andere als zu Zeiten von Karl Marx. Heute bestimmen „Black Ops“ die Politik – und man erfährt nur von ihnen, wenn sie völlig aus dem Ruder laufen. Aufklärung ist unerwünscht – die Tatsache, das Kennedy nach neuesten ballistischen Untersuchungen von zwei Schützen unter Feuer genommen wurde, zeigt, das die amtliche Einzeltätertheorie falsch ist, was aber wirklich geschehen ist, interessiert keinen mehr … ebenso bei nine-eleven.

Macht man die Nachrichten an, wird man überschüttet mit Lügen und Irrationalitäten. Morgens braucht Irland Geld, mittags braucht es kein Geld um abends dann sehr viel Geld zu brauchen. Millionen Arbeitslose stehen auf der Straße, wir müssen aber alle länger unseren Arbeitsplatz besetzen, damit die für sich ja keine Rentenansprüche erwerben. Arbeitslosigkeit und Zweifel an Regierungsmythen werden fast zu Straftaten, auf jeden Fall wird beides gesamtgesellschaftlich mit Verachtung gestraft – wobei als Nebenwirkung Menschlichkeit und die Tradition der Aufklärung auf der Strecke bleiben.

Und da soll ich junge Menschen verurteilen, die sich in ihren vier Wänden verbarrikadieren und sich einen therapeutisch wirksamen „sicheren Raum“ schaffen, um den alltäglichen Wahnsinn besser ertragen zu können? Wäre mal spannend, zu untersuchen, ob „Gamer“ weniger an Depressionen leiden als TV-Konsumenten. Ich schätze mal … eher nicht.

Politische Bewegungen, die die Mobilisierbarkeit der Massen als Lebensgrundlage brauchen, stehen solchen Entwicklungen wahrscheinlich feindlich gegenüber wie Marx der Religion, denn motivierbar ist da nicht mehr viel. Jedoch sollte man – so meine Meinung – berücksichtigen, warum nicht.  Alle Träume von der proletarischen Revolution im 21. Jahrhundert scheitern letztlich … an der Möglichkeit des nuklearen Holocaust. Die Atombombe bedeutet für Politik, was Hartz IV für den Arbeitsmarkt bedeutet. Weit vorher aber befindet sich der Normalbürger – weit entfernt, sich selbst der Kaste der Proletarier zuzurechnen – in einer nie dagewesenen Abhängigkeit, die gleichzeitig mit einer luxuriösen Vollversorgung einhergeht – gemessen am Weltdurchschnitt. Der duldsame Deutsche bekommt da zwar wie üblich weniger und aber fühlt sich dennoch  wie ein Ackermann.

Unsere ganze Nahrungsmittelversorgung ist in der Hand einiger weniger Menschen. Unsere Medien sind in der Hand einiger weniger Menschen. Unsere Technik läuft nur dank einiger weniger Spezialisten. Der Korporatokratie braucht nicht mehr den Gemeindebüttel als Steuereintreiber durch die Gegend schicken, Geld wird heute viel eleganter per Knopfdruck erbeutet. Somit erübrigen sich auch die Feuergefechte an den Barrikaden mit den Gemeindebütteln, die Infrastruktur hat sich soweit geändert, das unsere Bauern ohne EU-Subventionen verhungern würden.

Die Menschen hängen am Tropf … und das ist eine häßliche Erfahrung. Einen Monat lang die Bankschalter zumachen und der Hunger besorgt den Rest. Diese Abhängigkeit ist vielen Menschen bewußt … und eine Form, die man aus einer gewissen Perspektive auch Luxussklaverei nennen könnte. Woher da nun das Vertrauen auf die Machbarkeit des großen Volksaufstandes kommen sollte, bleibt mir ein Rätsel, zumal das regelmäßige Spiel mit den nuklearen Muskeln des Mutterlandes der Korporatokratie, des Konzernterrors, in den Medien immer dann zu beobachten ist, wenn die realen „Black Ops“ mal wieder versagt haben.

Da scheint es mir sinnvoller zu sein, sich in einen sicheren Raum zurückzuziehen, der auch vor den Auswirkungen der Konzernpropaganda schützt, bis der Sturm vorüber ist und man sieht, was übrig geblieben ist.  War es nicht Mao, der meinte, das der Revolutionär aus China sich zurückzieht, wenn der Sturm kommt, wie das Gras das vom Wind gebeugt wird – anders als die deutsche Eiche, die sich ihm in den Weg stellt und gebrochen wird?

Worin der Sturm besteht?

Im fortschreitenden Umbau der Gesellschaft zur Anpassung an Konzernansprüche – zum Beispiel zur Finanzierung der Spekulationsverluste der Finanzspielereien und zur gezielten Züchtung einer Millionärs-Herrenmenschenkaste. Was da letztlich für eine Gesellschaft auf uns wartet, kann ich nicht sagen, die Prognosen sind da uneinheitlich. Womit man jedoch sicher rechnen kann ist viel mehr Arbeit für viel weniger Geld, soviel Prophezeiung wage ich mal. Und Spieleverbot für Arbeitslose … die laut Spiegel den Strom schon jetzt schon nicht bezahlen können:

Hunderte Stromanbieter erhöhen die Preise – jetzt zeigt eine neue Statistik: Für Arbeitslose wird das besonders teuer. Sie müssen viel mehr für Energie zahlen, als im Hartz-IV-Regelsatz vorgesehen ist.

Dabei könnten die den sicheren Schutzraum sicher gut gebrauchen.

Und das das Versenken in Videospiele eine Form des Widerstandes sein kann, eines Widerstandes gegen ein reales Leben, das seine Reize, seinen Sinn, seine optimistischen Zukunftsperspektiven und Utopien verloren hat und dem Individuum nur noch einen Platz als Nutzvieh bereithält (bei allerdings angemessener Pflege), ist eine Perspektive, die sich wohl ebenso durchsetzen muß wie jene, das Videospiele auch Kunst sein können.

Weltflucht – kann auch Widerstand sein … und ärgert in erster Linie jene, die als selbsternannte oder staatliche bezahlte (Gefängnis)Wärter darauf achten, das niemand aus der Reihe tanzt und alle Mitglied der Partei sein – welcher auch immer ist fast schon egal. Hauptsache, man bleibt unter Aufsicht.

Aufschwung des Elends, Aufstand der Mittelschicht: Sloterdijk, Sarrazin und die Psychopolitik

Deutschland geht es prima dank Aufschwung, der das Land jetzt überall erfaßt hat. Zum Beispiel gibt es Aufschwung bei Traumatisierung von Soldaten, da erreichen wir ständig neue Rekordwerte, es gibt Aufschwung bei den Energiepreisen weil Atomkraft eben nicht billig ist, Aufschwung beim Umsatz von Luxusfüllern (und bald erfahren wir auch laut Gerichtsbeschluß, wer sich welche dieser Schreibmaschinen zugelegt hat), Aufschwung beim Kokainverbrauch sowie der Deutschtümelei , jedenfalls seitdem die SPD jetzt auch die Erhaltung der deutschen Kultur (Bierbauch, Fußball und Porno gucken?) zum Staatsziel machen möchte.

Ob der Bürger selbst die Kultur erhalten möchte, wird da gar nicht erst gefragt, weil man weiß: dem Bürger geht es immer schlechter, jedenfalls wenn man zum Vergleich mal nicht Bosnien, Afghanistan, China oder den Kongo anführt, so laut Welt:

Die Lebensqualität in Deutschland ist weit geringer als in vielen anderen reichen Volkswirtschaften. Bei einem internationalen Vergleich unter 22 wohlhabenden Volkswirtschaften lag Deutschland 2008 lediglich auf Platz 18.

Als ob man dazu noch eine Studie bräuchte.  Die Auswanderungszahlen sprechen für sich, aber bei allen Debatten über Fachkräftemangel habe ich noch nie den Vorschlag gehört: laßt uns doch einfach mal in diesem Land die Lebensbedingungen verbessern! Dann laufen uns die Fachkräfte nicht immer fort.

So etwas geht natürlich gar nicht. Dem Nutzvieh die Lebensbedingungen zu verbessern? Wieso? Die Kuh ist zum melken da, nicht um verwöhnt zu werden. Und in diesen Zeiten meldet sich der schon mal unangenehm aufgefallene „Großphilosoph“ Sloterdijk zu Wort.

Sloterdijk? Nun, ist weitläufig nicht bekannt, darum mal hier was Einführendes zur Person aus einem Interview mit dem Gewerkschaftsfunktionär Wendel bei Telepolis:

Während Thilo Sarrazin Wogen der Empörung entgegenbranden, ist Peter Sloterdijk mit seinen Gedanken zu gentechnischer Selektion, Menschenzüchtung und sozialer Aussonderung in den Medien en vogue. Er darf im ZDF sogar eine Fernsehsendung moderieren. Können Sie uns das erklären?

Michael Wendl: Sarrazin hat in der Ausdrucksweise überzogen: Seine Kritik ist zu direkt überheblich, zu „vulgär“. Und: Sarrazin ist Politiker, die gelten in der Öffentlichkeit nicht viel. Sloterdijk hat sich einen Ruf als „Philosoph“ verschaffen können. Er wird in der Öffentlichkeit nicht verstanden. Der Streit über Sloterdijk wurde in Cicero, FAZ und ZEIT, im Wirtschaftsteil der SZ ausgetragen, der Streit über Sarrazin in BILD und SPIEGEL, also in der politischen Boulevardpresse.

Sarrazin wiederum sollte bekannt sein – aber auch hier überrascht die Perspektive des Gewerkschafters:

Wenn man 4 Millionen Arbeitslose hat, aber nur eine Million offene Stellen, können drei Millionen machen, was sie wollen. Sie bekommen keine Beschäftigung. Sarrazin beschreibt das ganz treffend, dass sich z.B. niedrigqualifizierte Leute mit schlechten Sprachkenntnissen in diesem System einrichten müssen. So gesehen ist das Buch eine unbeabsichtigte massive Kritik an Hartz IV, denn es zeigt klar auf, zu was dieses Blutbad auf dem Arbeitsmarkt geführt hat. Ich würde heute einen Text zu Sarrazin mit der Überschrift aufmachen: „SPD schließt Hartz IV-Kritiker aus!“ Das ist das Tragische, dass Sarrazin nicht merkt, dass sein Text eine massive Kritik der Folgen der rot-grünen Arbeitsmarktpolitik 2003 bis 2006 darstellt.

Sarrazin als größter Kritiker der Agenda 2010 – wenn man es so sehen will, paßt es schon. Und das er es selber nicht gemerkt hat, paßt erst recht.

Der Großphilosoph wird ja nun vom Spiegel  nicht gerade mit Ruhm überschüttet, aber hat jetzt gerade dort einen Artikel geschrieben, dessen Zielrichtung man nur verstehen kann, wenn man vorher sortiert, hier aus dem Gespräch zwischen Heiner Geißler und Sloterdijk:

Geißler konstatiert „totale Unordnung“ auf der Welt – sozial, militärisch, ökonomischSloterdijk dagegen will über den geschichtlichen Fortschritt staunen, das „Wunderwerk“ der real existierenden Gesellschaft gewürdigt sehen und beklagt die „permanente schwarze Messe des Miserabilismus“.

Man merkt: der Großphilosoph hat seine Klientel fest im Auge, will Aufschwungphilosoph werden, oberster Denker der zehn Prozent, die dieses Land am Laufen halten:

Im vergangenen Sommer philosophierte er über einen „antifiskalischen Bürgerkrieg“, den „Semisozialismus“ des Steuerstaates – und forderte die „Abschaffung der Zwangssteuern“

Umso erstaunlicher sind die kritischen Töne, die er jetzt im Spiegel anschlägt:

Hat nicht der von Großbritannien ausgehende Diskurs über „Postdemokratie“, also der Gedanke, dass Bürgerbeteiligung durch die höhere Kompetenz politischer Spitzenentscheider eingespart werden kann, diskret die Parteizentralen und soziologischen Seminare in der westlichen Hemisphäre erobert? Sind nicht Unzählige schon wieder existentiell in Deckung gegangen, wie einst die antiken Stoiker und Epikureer, und haben sich darauf eingerichtet, dass Bürokratie, Spektakel und private Sammlungen jetzt die letzten Horizonte markieren?

Nun, die von ihm so skizzierte „Expertokratie“, der Traum der Herrschaft des Fachwissens über den Bürger, müßte dem Elitephilosophen und Philosophen der Elite ja eigentlich gefallen.  Die Tyrannei der alternativlosen Sachzwänge, die die Menschen in die epikureische Flucht in sinnliche Genüsse und stoische Teilnahmslosigkeit treibt, erkennt man in jeder politischen Debatte, wo man den Eindruck bekommt, der Politiker sei nur noch ausführendes Organ eines diffusen Weltgefüges, das ihn zwingt, wieder besseren Wissens und aller Vernunft irgendeinen Unsinn anzuordnen – wie z.B. Hartz IV.  Dies markiert natürlich das Ende der Demokratie, aber auf die haben die Bürger (wir berichteten) ja sowieso schon keine Lust mehr.

Das jedoch sieht der Großphilosoph anders, denn hier erkennt er auf einmal den Aufstand – oder bläst dazu:

Er ist wieder da, der Bürger, der empörungsfähig blieb, weil er trotz aller Versuche, ihn zum Libido-Bündel abzurichten, seinen Sinn für Selbstbehauptung bewahrt hat, und der diese Qualitäten manifestiert, indem er seine Dissidenz auf öffentliche Plätze trägt. Der unbequeme Bürger weigert sich, ein politischer Allesfresser zu sein, duldsam und fern von „nicht hilfreichen“ Meinungen. Diese informierten und empörten Bürger verfielen plötzlich, man begreift nicht wie, auf den Gedanken, den Artikel 20 Absatz 2 des Grundgesetzes auf sich selbst zu beziehen, wonach alle Staatsgewalt vom Volk ausgehe.

Es sind natürlich Elitebürger, die sich empören. „Informiert“ sollte man schon auch sein. Auch über Sloterdijk, wie ich finde.  Damit man weiß, wie es gemeint ist und auch weiß, das hier die gehobene Mittelschicht selbst zum Aufstand schreitet … oder schreiten soll, denn die epikureeische Flucht in die Sinnlichkeit setzt wie auch die stoische Genügsamkeit eine gewisse … finanzielle Grundausstattung voraus. Lustvoll auf das faule Obst der Tafel zu stürzen verschafft einem nicht die sinnlichen Genüsse, die man braucht, um die politische Wirklichkeit zu verdrängen.

Wird die Frage gestellt, wie das breite Volk auf die Performance der Regierenden reagiert, verzeichnen Meinungsforscher seit einiger Zeit am häufigsten die Auskunft: mit Verachtung.  … Wenn die Bezeichnung für den Minuspol der Stolz-Skala so häufig und so heftig gebraucht wird wie zur Stunde, dürfte begreiflich werden, in welchem Maß die psychopolitische Regulierung unseres Gemeinwesens aus dem Ruder läuft.

Und wenn die „psychopolitische“ Regulierung unseres Gemeinwesens aus dem Ruder läuft, dann brauchen wir … neue Steuermänner. Neue Führer braucht das Land, die dann die Masse psychopolitisch (ein Begriff, der übrigens aus dem Dunstkreise rechtsextremer Verschwörungstheoretiker kommt) wieder mit Brot und Spielen (mit neuem Brot und neuen Spielen)  ruhig stellt und dann mittels gentechnischer Selektion, gezielter Menschenzüchtung und sozialer Aussonderung ein ganz neues Deutschland schafft.

Toll.

Die meisten heutigen Staaten spekulieren, durch keine Krise belehrt, auf die Passivität der Bürger. Westliche Regierungen wetten darauf, dass ihre Bürger weiter in die Unterhaltung ausweichen werden; die östlichen wetten auf die unverwüstliche Wirksamkeit offener Repression. Die Zukunft wird bestimmt sein vom Wettbewerb zwischen dem euro-amerikanischen und dem chinesischen Modus der Bürgerausschaltung. Beide Verfahren gehen davon aus, man könne das Aufklärungsgebot der Repräsentation von positivem Bürgerwillen und gutem Bürgerwissen im Regierungshandeln umgehen, indem man weiter mit hoher Bürgerpassivität rechnet.

Auch ohne divinatorische Begabung kann man wissen: Dergleichen Spekulationen werden früher oder später zerplatzen, weil keine Regierung der Welt im Zeitalter der digitalen Zivilität vor der Empörung ihrer Bürger in Sicherheit ist. Hat der Zorn seine Arbeit erfolgreich getan, entstehen neue Architekturen der politischen Teilhabe. Die Postdemokratie, die vor der Tür steht, wird warten müssen.

Die Postdemokratie – ist jedoch längst da. Die war – laut Jaspers – schon Mitte der sechziger Jahre erkennbar.  Dort, wo der Bürger Souverän sein soll, braucht er auch wirtschaftliche Souveränität – niemals käme jemand auf die Idee, die Queen von England zur ARGE zu schicken.  Ohne ein bedingungsloses Grundeinkommen wird es keine Demokratie geben … und für die Mehrheit keinen Grund, sich zu engagieren. Es ist die Sicht des wohlversorgten Bürgertums, das verkennt, das der Staatsphilosoph auch nur ein Hartz IV-Aufstocker ist … allerdings auf XXL-Niveau.

Seine Sorge über die Bürgerausschaltung und ihre Methoden jedoch schätze ich hoch, ebenso seinen Mut, dies offiziell zu äußern. Es zeigt, wie sehr auch dem wohlversorgten Mittelstand das Wasser bis zum Halse steht und wie sehr er hofft, es möge „etwas“ geschehen, um die Flut aufzuhalten.

Die Flut jedoch – wird gesteuert. Sie ist kein Naturereignis.  Es sind konkrete Menschen, die in konkreten Netzwerken an dem Umbau der demokratischen Gesellschaften arbeiten, im Dienste der Korporatokratie bzw. der Konzerninteressen – und dort verdient auch der „informierte“ Mittelstand sein überdurchschnittliches Gehalt, jener Mittelstand, der aufgrund seiner Bildung wissen müßte, das „Information“ immer auch „Manipulation“ ist – eine Grunderkenntnis der Psychopolitik. Der von Sloterdijk so beschworene „Zorn der Bürger“ ist also nur für ganz wenige Mittelschichtler von Interesse – für jene zum Beispiel, die staatlicherseits noch alimentiert werden und noch keinen sicheren Futtertrog im Konzernnetzwerk bekommen haben.

Es ist auch nicht die Sorge um die Demokratie, die die Bürger umtreibt – sondern die klare Erkenntnis, das die Plätze an den Futtertrögen rarer werden.  Ein aktuelles Beispiel? Manager-Magazin:

Die deutsche Wirtschaft wächst so schnell wie zuletzt im Boom nach der Wiedervereinigung. Nach dem Exportmotor springt endlich auch die inländische Nachfrage an. Als Konjunkturlokomotive für Europa zieht Deutschland jedoch nur einen einzigen Waggon. Das könnte sich noch rächen.

Das hört sich noch gut an. Der Bildungsbürger jedoch liest weiter und erkennt … Erschreckendes:

Europa insgesamt steht damit sogar noch etwas schlechter da als die USA, wo das schwache Wachstum derzeit für Stimmung wie in einem Katastrophengebiet sorgt. Selbst die Niederlande, die mit ihrer ebenfalls exportlastigen Wirtschaft sich bislang meist synchron zur deutschen Konjunktur entwickelten, fielen im Sommer zurück. Das Centraal Planbureau, die niederländische Wirtschaftsbehörde, meldete einen Rückgang des BIP um 0,1 Prozent statt des von Volkswirten erwarteten 0,5-prozentigen Wachstums.

Wenn es Europa schlechter geht als den USA, dann … na ja. Kann man sich denken, wie es um unseren Aufschwung wirklich bestellt ist – ungefähr genauso, wie um den Aufstand.  Und wie es weitergeht? Ich denke, Sloterdijk beschreibt genug Paralellen zwischen dem spätrömischen Dekadenzreich und unsere erfahrbaren Wirklichkeit, das man sich das selber denken kann.  Aber bis es soweit ist, kann man sich ja den Programmen der Bürgerausschaltung ergeben – Bierbauch, Fußball und Porno gucken.  Das wird ja jetzt auch Staatsziel.

Stimmung in Großbritannien

Die englische Jugend scheint wirklich sehr schlecht informiert zu sein. Ihnen hat anscheinend keiner gesagt, das nach der Wahl nicht vor der Wahl ist und gewählte Politiker unter Umständen genau das Gegenteil von dem machen, was Sie im Wahlkampf gepredigt haben. Außerdem kennen die jungen Leute anscheinend das ungeschriebene Gesetz nicht, das Proteste gegen Obrigkeiten und Ihre Beschlüsse immer gewaltfrei und ohne Schaden an Infrastruktur und Privatbesitz abzugehen haben.

Ich schätze Gestern und Vorgestern war es ein Heidenspass in London. Es wurden Särge mit den Namen der zur Zeit gewählten Regierenden durch die Stadt getragen und am Ende hat man es tatsächlich geschafft die Parteizentrale der Torys zu besetzen, einige Büros ab zu fackeln und sogar ein Sofa aufs Dach zu schleppen. Nur gut, dass das Haus nicht so hoch ist, sonst wäre es unter Umständen wohl eingestürzt, wir wissen ja wie schlimm Bürobrände sind, aber egal, das ist ein anderes Thema.

Dabei passiert in England nichts Anderes als bei uns in Deutschland. Im Wahlkampf wurde behauptet, das die Studiengebühren abgeschafft werden und nun werden Diese eben verdoppelt. Das erinnert mich schon sehr an mehr Netto vom Brutto mit der anschließenden Erhöhung der Abgaben nur geht bei uns deshalb keiner auf die Straße. Es kann natürlich sein, das der Bevölkerung von Anfang an klar war, das Sie gar nicht gemeint waren, schließlich ist nicht jeder Hotelier oder Kernkraftwerksbetreiber denn bei denen lohnt sich die Leistung immer mehr.

Das Gute bei uns in Deutschland ist natürlich auch, das sich die Demonstranten gar nicht um gewalttätige Ausschreitungen kümmern müssen, Diese werden von der Staatsmacht gleich mit geliefert. Blöd nur, das sich zumindest ein Teil der Polizei bei uns zu schade für so was ist, wie wir hier lesen dürfen: http://www.kritische-polizisten.de/stuttgart_21/pressemitteilung_stuttgart-21_2010-10-23.pdf
(Danke an „Omma“ für den Tipp)

Es würde mich nicht wundern, wenn der Steinewerfer aus Gorleben, Den wir vor einigen Tagen auf der Titelseite des Stürmers, äh der Bildzeitung bewundern durften mit einem Grün-Weißen Transporter zum Einsatz gefahren worden ist. Mittlerweile ist ja auch zugegeben worden, das sogar ausländische, vorzugsweise französische Polizisten bei der Demonstration mit geknüppelt haben, auch wenn behauptet wird, das Sie nur als Beobachter mit waren, muß ich mich doch sehr wundern, wie diese ausgerüstet waren:

http://www.abendblatt.de/multimedia/archive/00602/Castor_Polizist_HA__602606c.jpg

Wundern muß ich mich allerdings nicht darüber. Sehen wir es einfach als Generalprobe. Bei uns wird die Polizei schließlich systematisch kaputt gespart und da kann es nicht schaden, wenn man auf Kollegen aus dem Ausland zurück greifen kann. Schließlich kloppt es sich viel leichter auf einen Demonstranten ein, dessen Anliegen man nicht versteht. Vielleicht wäre das ja auch ein Modell für die nächsten Demonstrationen in London, denn was wir da bisher gesehen haben war wohl allenfalls der Anfang.

Der kommende Aufstand

Mehr als alles andere fürchte ich menschliche Dummheit. Sie ist mir an sich zuwieder, egal ob sie von Rechts oder von Links kommt. Früher kam sie seltener von Links, heute …. scheint sie auch dort gesellschaftsfähiger zu werden und ihre Fakten- sowie Geschichtsresistenz in vollem Umfang auszuleben. So verblüffte es mich nicht, das man heute Esoterik und Faschismus in einen Topf wirft, wo doch Faschisten Gesundbeter und (fähige)Astrologen in KZ´s gesteckt hatten. Der materialistisch organisierte Faschismus mit Nationaltünche war … religiös aber nicht esoterisch. Das stört manche linke Dummköpfe nicht, sie hetzen und verurteilen trotzdem – womit sie den Neonazis ein weites Feld überlassen und ihnen viele Mitglieder zuschanzen. Kommen dann wieder Studien über wachsenden Rechtsradikalismus, der auch (aber nicht nur) durch linke Dummheit und Einfalt wächst (aber dafür ein weniger enges Weltbild bietet), dann wundert man sich, als wäre da was überraschend vom Himmel gefallen. Scheibenwelt kommt halt nirgendwo mehr gut an.

Nun werden uns ja die kommenden Zahlen bestätigen, das wir bald keine Arbeitslosen mehr haben. Wie hier, aus dem Blog, der mich dankenswerterweise über die Astrologenjagd der Nazis informiert hat – Analyse und Aktion – (und mich daran erinnert, das ich im Prinzip immer noch nichts von Astrologie halte und vielleicht mal was an der Einstellung ändern sollte) , die Arbeitslosenzahlen wirklich aussehen, vermag vielleicht ein Blick in die USA zu zeigen:

Benutzt man die Methoden zur Ermittlung der Arbeitslosigkeit, die in der Großen Depression der 1930er verwendet wurden, dann zählen wir heute in den USA die Depressionsziffer von 22,5 % Arbeitslosen. Die Regierung der USA benutzt Tricks um die reale Zahl optisch zu verrringern. Genauso wie die deutsche Regierung.

22,5 % Arbeitslosigkeit … das ist eine Menge. Bedenkt man die Schulden der USA und ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft, dann kann einem mulmig werden.

Bedenkt man die von den deutschen „Gewerkschaften“ gepflegte „Sozialpartnerschaft“, dann weiß man, das die Gewerkschaften in Deutschland eine sehr gezähmte Gegenmacht darstellen (siehe hierzu: Labournet.de) und keine verläßlichen Partner zur Rettung der verfassungsmäßigen Ordnung darstellen. Ihre Funktion als gesellschaftliche Ordnungsmacht (als linker Arm der Korporatokratie, der Herrschaft der Konzerninteressen) beginnen sie langsam zu verlieren – ihre Glaubwürdigkeit erst recht.

In diese Zeiten macht eine Schrift aus Frankreich die Runde, die … beeindruckend in Analyse, Sprache und geistiger Bilderwelt ist – und gleichzeitig beängstigend in ihrem Inhalt: Der kommende Aufstand, hier zitiert aus „linksunten„.

Frankreich ist nicht das Vaterland der Anxiolytika, das Paradies der Antidepressiva und das Mekka der Neurose, ohne gleichzeitig Europameister der Stundenproduktivität zu sein. Die Krankheit, die Müdigkeit, die Depression können als individuelle Symptome dessen wahrgenommen werden, was geheilt werden muss. Sie arbeiten also am Erhalt der existierenden Ordnung, an meiner folgsamen Anpassung an dumme Normen, an der Modernisierung meiner Krücken. Sie umfassen die Selektion der opportunen, konformen und produktiven Neigungen in mir, von jenen, die brav zu betrauern sind. »Man muss sich verändern können, weißt du.«

Es ist ein Buch aus Frankreich über die französische Situation – und doch greift es den Verfall der westlichen Kultur insgesamt an – und das ruft sofort den linken Arm der Korporatokratie auf den Markt: einen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Bundestagsfraktion der Grünen, hier in der TAZ:

Das Buch ist der aktuellste Versuch, ultralinker Politik ein glamouröses Antlitz zu verpassen. Situationismus, Autonomen-Anarchismus und Punkpoesie werden darin zu einem knackig formulierten Pamphlet gemixt. Es gibt herrlich resignierende Sätze wie diesen: „Das Paar ist die letzte Phase des großen sozialen Debakels.“

Überhaupt gefallen sich die Autoren in der Pose der heroischen Melancholiker. Der Kapitalismus ist unschlagbar, eine Revolution unwahrscheinlich – und genau deswegen muss man genau jetzt den Aufstand wollen. Ihr praktischer Vorschlag: Kommunen bilden! Nur so könnten die kapitalistische Maschine und ihre Kommunikationsflüsse unterbrochen werden.

Im argumentativen Zentrum steht die Gegenüberstellung von „echter“ und „entfremdeter“ Politik. Die Kommune der Gleichgesinnten: das schöne Reich der Unmittelbarkeit. Das parlamentarische System: das hässliche Theater der Repräsentation. Einmal mehr wird Rousseaus Traum von einer authentischen Gesellschaft ohne Konflikte geträumt. Über den repressiven (und regressiven) Charakter politischer Unmittelbarkeit machen sich die Autoren allerdings ebenso wenig Gedanken wie über die Frage, wie in einer globalisierten Gesellschaft ohne Repräsentation eine Politik möglich sein soll, die die Interessen möglichst vieler Menschen berücksichtigt. Auch vermisst man eine kritische Reflexion darüber, warum wohl das alte linke Ideal der Selbstbestimmung auf den neoliberalen Hund gekommen ist – Stichwort „Eigenverantwortung“.

Einmal mehr zeigt sich hier die Angst des Linken vor der Konkurrenz, die möglicherweise im Kampf um Stimmen effektiver sein könnte – dabei ist das doch ein Buch von Franzosen für Franzosen, ein Buch, dem man in Deutschland deshalb kaum Aufmerksamkeit schenken muß. Ich denke aber, der „wissenschaftliche Mitarbeiter“ weiß, was ihn so auf die Palme bringt: die Leute, die das Buch geschrieben haben, sind … unabhängig vom System. Sie sind „draußen“. Selbstversorger.

Hören wir Edition Nautilus dazu, den Verlag, der dieses Buch in Deutschland herausbringt:

»Dies ist möglicherweise das Böseste, was ich jemals gelesen habe.«
Glenn Beck, Fox News, USA
Der Aufstand kommt ist ein Buch, das neueste Zeitgeschichte geschrieben hat: Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde es von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines mittlerweile international bekannten »Terrorismusfalls« gehandelt, als ein »Handbuch des Terrorismus« und Vorwand für die skandalöse, z.T. monatelange Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält des Buch eine pointierte, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren. Die brennenden Vorstädte in Frankreich, die Straßengewalt in Griechenland usw. werden von den Regierungen als Gefahr gesehen, die polizeilich und militärisch gebändigt werden müsse, wobei das »Krisenmanagement« die Gesellschaft auch zusammenhalten soll. Für die Autoren dieses Manifests hingegen sind die Revolten revolutionäre Momente, Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Sie fordern einen Kommunismus, der als »ergebnisoffener« Prozess die Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten vorsieht und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit.
»Nur wir, die in Betonklötzen zur Welt kommen, in Supermärkten Obst pflücken und im Fernsehen nach dem Echo der Welt Ausschau halten, bringen es fertig, geduldig die Enzyklopädie des Desasters zu erstellen.« Unsichtbares Komitee

Das Böseste, das man je gelesen hat? Nun – ich kenne da Schlimmeres, aber … für Linke scheint es sehr böse zu sein. Es fordert Taten statt Worte, sowas könnte den Nachmittagskaffee mit Gebäck nachhaltig stören … man macht sich Gedanken darüber, wie man das System vernichten kann, anstatt es zu beklagen, wie man ihn ihm überleben kann, ohne zu ersticken. In der NZZ liest sich die Kritik an diesem Buch deshalb auch ganz anders:

«Kein materielles Milieu hat je den Namen umwelt verdient, ausser vielleicht die heutige Metropole. Digitalisierte Stimmen der automatischen Ansagen, Pfeifen der Trambahn im Tonfall des 21. Jahrhunderts, bläuliches Licht von Strassenlaternen mit der Form von Riesen-Streichhölzern, zu misslungenen Models travestierte Fussgänger, stille Rotation einer Überwachungskamera, helles Bimmeln der Métro-Säulen, der Supermarktkassen, der Chipkarten im Büro, elektronisches Ambiente der Cybercafés, Orgien von Plasmabildschirmen, von Schnellspuren und von Latex. Nie konnte ein Dekor so gut auf die Seelen verzichten, die es durchqueren. Nie war ein Milieu automatischer. Nie war eine Umgebung gleichgültiger und forderte, um in ihr zu überleben, eine ganz gleich geartete Gleichgültigkeit zurück. Die Umwelt, das ist letztlich bloss: der der Metropole eigene Bezug zur Welt, den sie auf all das projiziert, was sie nicht zu fassen vermag.»

von diesen Ausschnitten halten mag, sie zeugen von einem Sensorium für Bilder, Düfte, Laute und Stimmungen, das ich nie und nimmer in einem linksradikalen Aufruf zur Revolution erwartet hätte. Neben dieser (zumindest mir) durchaus sympathischen Empfindsamkeit, die etwas Versonnenes, ja Verträumtes hat, legt das «unsichtbare Komitee» allerdings auch eine eiskalte Entschlossenheit an den Tag, seiner Causa mit allen (illegalen) Mitteln zum Triumph zu verhelfen.

In der Tat: das Buch wirkt nicht unbedingt linksradikal – aber das kommt ja auch ganz auf die jeweiligen Definitionen von Rechts und Links an, oder? In Zeiten, in denen Konzerne eigene kleine (oder große) Länder darstellen und Politik maßgeblich bestimmen, muß man möglicherweise auf die alten Feindbilder „Arbeiter“ gegen „Unternehmer“ verzichten, weil Arbeiter und Manager gleichermaßen Aktien am selben Konzern halten, in dessen Aufsichtsrat Gewerkschafter und Kapitaleigner gleichermaßen sitzen.

Berühmt-berüchtigt wurde «L’insurrection qui vient» allerdings durch folgende Passage: «Die soziale Maschine mit nennenswerten Folgen zu sabotieren, erheischt heute die Wiedergewinnung und Neuerfindung der Mittel, den Fluss der Netzwerke dieser Maschine zu unterbrechen. Wie macht man eine TGV-Linie unbrauchbar, wie ein Stromnetz? Wie findet man die Schwachstellen der Informatiknetze, wie stört man die Radiowellen, wie überantwortet man die Flimmerkisten dem Schneegestöber?»

Im Zusammenhang mit diesem Buch sind auch die Verhaftungen von Tarnac zu sehen:

Die jungen Leute, überwiegend glänzend gebildete und ausgebildete «Aussteiger», bewirtschafteten dort einen Bauernhof, betrieben den lokalen Gemischtwarenladen und brachten mit Festveranstaltungen und Filmprojektionen Leben ins Dorf.

Seltsame Terroristen. Voll integriert im dörflichen Leben … und das soll schon gefährlich sein? Vielleicht ist es gerade das, was Angst macht: das es Menschen gelingt, Freiräume zu schaffen, die außerhalb der kontrollierbaren Sphäre liegen, Freiräume aus denen heraus man – unabhängig von allen Korruptionsmethoden der Moderne – Kritik üben kann, die wirkt, glaubhaft ist, überzeugt. Und sie scheint überzeugend zu sein, schaut man sich das Echo außerhalb der staatlich subventionierten Linken an:

Der wichtigste Grund ist wohl, dass wir es satt haben, politische Pamphlete zu lesen, die sich mit der Darstellung der schlechten Verhältnisse begnügen, ohne konkrete Schritte zu ihrer Aufhebung in die Diskussion zu werfen. „Der kommende Aufstand“ beschreibt die bröckeligen Fundamente der gegenwärtigen Ordnung nicht, um aufzurütteln oder Therapien zu ihrer Rettung vorzuschlagen, im Gegenteil. Die Zerbrechlichkeit der verschiedenen Aspekte dieser Welt der Domestizierung und Vernutzung, ihre neusten Transformationen werden nur durchgespielt, um endlich ihre Zerstörung konkret ins Auge zu fassen. Die Selbst-Zurichtung der Individuen, die sich mit Pillen im Rennen der Vermarktung halten, die Gewöhnung schon der Kleinsten daran, dass ihr Leben in der Selektion für eine Arbeitswelt bestehen wird, deren einziger Zweck der Erhalt des Hamsterrades selbst ist; der Angriff auf unser Leben wird nur geschildert, damit wir uns darin erkennen und dagegen in Stellung bringen können. Die Rundreise durch das trostlose Existieren der Metropole ist Aufklärung nicht im mythischen, sondern im militärischen Sinne: die Klärung eines gemeinsamen Ausgangspunktes, der operativen Bedingungen einer Real-Exit-Strategie aus der globalen Misere, und nicht zuletzt der praktischen Hebel, die uns in diesem Kampf zur Verfügung stehen.

Nun, ob die Autoren des „kommenden Aufstandes“ wirklich bei der Kommune zu suchen sind, ist fraglich. Überraschend ist, mit welcher Gewalt die Staatsmacht dagegen vorgegangen ist und hier kommenden Terrorismus a´la Baader-Meinhof wittert – obwohl sogar eine bekannte Schauspielerin dort mit wohnte, wie die FAZ berichtet:

Die Nachricht von ihrer Festnahme hat einen Riesenwirbel ausgelöst. Verhaftet wurde sie zusammen mit neun anderen Mitgliedern einer Gruppe, welche vom französischen Verfassungsschutz seit Monaten observiert wird. Das Zentrum der terroristischen Vereinigung soll ein alternativer Tante-Emma-Laden in der tiefsten französischen Provinz sein, in Tarnac, im Departement der Corrèze – auf dem „Plateau des Mille Vaches“, der Ebene der tausend Kühe. Aria Thomas wohnt hier in einer Wohngemeinschaft auf dem Bauernhof. Täglich haben die französischen Fernsehsender von der neuen Terroristenfront berichtet, den Laden gefilmt und die Nachbarn im Dorf mit dreihundertfünfzig Einwohnern befragt. In den Kinos war gerade der Baader-Meinhof-Film angelaufen.

Als „Hirn“ der Gruppe mit der schönen Schauspielerin in der Nebenrolle der verführten Mitläuferin wird ein Philosoph vermutet. Julien Coupat, vierunddreißig Jahre alt, hat an der renommierten Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales studiert – vielleicht noch bei François Furet, der in seinen letzten Vorlesungen vor dem Aufkommen einer neuen Utopie und politischen Gewaltbereitschaft warnte. Coupat gehörte zu den Begründern der Zeitschrift „Tiqqun“, dem „Bewussten Organ der imaginären Partei“.

Als Gemisch aus Situationismus und Postmaterialismus wird die Ideologie von „Tiqqun“ beschrieben. „Mit Spuren im jüdischen Messianismus“, befindet das „Figaro-Magazine“. Anderswo ist von einem „Potpourri aus Talmud und Heidegger“ die Rede. Zur Rolle des Staats hätten die Autoren auch gescheite Ideen formuliert. „Tiqqun“ kündete eine „neue historische Epoche extremer Gewalt und großer Unordnung“ an.

Und das ist es, was eigentlich beunruhigt … jene neue „historische Epoche extremer Gewalt“ wirkt nach dem schwarzen Donnerstag von Stuttgart eben nicht nur wie ein Aufflackern des Linksterrorismus, sondern wie eine neue, erschreckende Form von politischer BASTA-Wirklichkeit.

Dabei sollte allen klar sein: ein Zusammenbruch der Wirtschaft der USA wird uns alle vor ganz neue Probleme stellen … zum Beispiel vor das Problem, wo wir das Essen für morgen herbekommen.

Insofern sind da die „Terroristen“ mit ihrer angestrebten Autarkie schon deutlich weiter … und bräuchten sich eigentlich um die Zerschlagung der sozialen Strukturen keine Sorgen mehr machen, sondern könnten in Ruhe und Geborgenheit bei Wein und Brot dem Untergang des Abendlandes zuschauen, das noch mit den letzen Atemzügen: „AUFSCHWUNG!“ ruft.

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