Atomkraft

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Denkanstöße #2

In der Kolumne "Denkanstöße"  stelle ich hier in loser Folge einfach nur mal ein paar Fragen, die mir so durch den Kopf gehen.

Einfach die Frage in den Raum geworfen…

Denkanstoß vom 14.03.2011

  • Ist die totale "Rolle Rückwärts" zur AKW-Laufzeitverlängerung der schwarz-gelben Bundesregierung nun eigentlich Einsicht oder nur eine taktische Wahlkampfstrategie ???

über tote Pferde

Bundesadler

 

„Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag im Bundeskanzleramt in Berlin. Wenn in einem solch hoch entwickelten Land wie Japan mit höchsten Sicherheitsstandards ein solcher Unfall passiere, könne „auch Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“.

Quelle

Doch was bedeutet das? Dass die Atomkraftwerke in unserem Land abgeschaltet werden? Sicher nicht. Und so verkündete sie allein, dass die Sicherheit in allen 17 deutschen Meilern nun rasch überprüft werden soll. Eine Weisheit der Dakota-Indianer besagt: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!” Doch statt das tote Pferd den Geiern zu überlassen wird schlicht mitgeteilt: „Kein Pferd kann so tot sein, das wir es nicht mehr reiten können.”

Horst Chomyn
louemol

Tsunami und Kernschmelze in Japan: Lügen, Verschwörungen – und der schwarze Montag an der Börse

Es sind schon schlimme und erbärmliche Tage. In der Zeit umfassendster Information versuche ich seit gestern vergeblich  zu erfahren, was denn da in diesem Atomkraftwerk los ist, ob es da eine Kernschmelze gegeben hat. Was ich erhalte, sind Regierungserklärungen: „Kernschmelze? Welche Kernschmelze? Wir haben da unten noch nicht mal mehr ein Atomkraftwerk!“.

Die Welt formuliert das dann so:

Fukushima erhält Stufe 4 von 7 auf Störfallskala Nach der Explosion in dem AKW Fukushima in Japan droht ein GAU. Es wurde bereits mehr Radioaktivität gemessen als erlaubt. Trotzdem soll alles unter Kontrolle sein.

Ich hatte Bilder gesehen – japanisches Fernsehen – die zeigten, mit welch´ unglaublicher Wucht das Kraftwerk zerfetzt wurde. Da beruhigt es mich sehr, das ich jetzt die Nachricht erhalte, das „alles unter Kontrolle ist“, nur ein „Störfall Stufe 4“, man beginne ja auch schon wieder mit den Aufräumarbeiten.

Ich mußte ein längeres Telefonat führen, als die Meldungen von dem Tsunami hereinkamen. Eine zehn Meter hohe Welle in einem der am dichtesten bevölkerten Länder der Erde? Ich habe sofort mit hunderttausend Toten gerechnet … vielleicht sogar mit Millionen Toten. Wie viele es wirklich waren, werden wir nie erfahren – nicht nur, weil die rücklaufende Welle die Leichen einfach mit sich gerissen hat, sondern auch, weil unsere Kultur erstmal ihren Gottesdienst leisten muß: oberstes Gebot von allem ist: „Schützt die Börse“. Deshalb tritt auch gleich Untergebot Nr. 1 in Kraft: Unangenehme Nachrichten dürfen niemals unkontrolliert an die Öffentlichkeit gelangen.

Hören wir das Marktorakel dazu:

Japan hat offenbar auf „Bitten“ der USA, die Weltöffentlichkeit über die wahren Ausmasse des Erdbebens nicht ausreichend informiert.

Erst jetzt erfahren wir, wie beim letzten Tsunami, dass es nicht hunderte Menschen, sondern bereits  zehntausende und mehr Menschen vermisst werden.
Ganze Städte sind verschollen.
Alles ist viel, viel schlimmer als man uns weismachen wollte.
Aber eines hat man doch geschafft: Einen schwarzen Freitag zu vermeiden.

Das die Nachrichten lange Zeit von überraschend wenig Toten sprachen, kann ich bestätigen. Ich war überrascht (und bin es heute noch) das niemand mal mutig die Millionengrenze anvisiert – damit sollte man angesichts der Umstände rechnen. Ebenso sollte man wohl mit einem schwarzen Montag rechnen, wie das Marktorakel weiter ausführt:
Nach der Explosion im japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist es am Samstag im außerbörslichen Handel zu panikartigen Aktienverkäufen gekommen.
Bei der Wertpapierhandelsbank „Lang und Schwarz“ in Düsseldorf wurden Papiere des Versicherungskonzerns Allianz und des Energieversorgers EON mit den größten Abschlägen gehandelt. Beide Werte gingen gegenüber dem Freitagsschluss bis 10:30 Uhr rund vier Prozent nach unten. Auch alle anderen im DAX notierten Aktien ließen nach.
Quelle: dts Nachrichtenagentur

Da brennen dann wohl die Schreibtische an der Börse. Schon irgendwie pervers, wie diese Geldwelt so denkt. Ich fand es unangemessen angesichts der Katastrophe sofort nach dem Geldbeutel zu schielen. Immerhin waren zu dem Zeitpunkt ja schon vier oder fünf Menschen dem Tsunami zum Opfer gefallen, da berichtet der Spiegel:
Tokio – Es kam eine Viertelstunde vor Börsenschluss: Das schwere Erdbeben in Japan hat am Freitag die Kurse an der Tokioter Aktienbörse kräftig ins Minus gedrückt. Der Betrieb an den Märkten lief zwar weiter, aber die Anleger wollten wegen der schweren Erdstöße offenbar ihr Risiko reduzieren – als sicher geltende Staatsanleihen verbuchten einen Kurssprung.

Der Yen geriet dagegen stark unter Druck. Die japanische Währung fiel gegenüber dem Dollar auf ein Tagestief von 83,29 Yen, nachdem sie zuvor bei 82,80 Yen gelegen hatte. Der Nikkei-Index schloss 1,7 Prozent schwächer auf einem Fünf-Monats-Tief von 10254,43 Punkten.

Das erinnerte mich dann auch gleich an die erste Verschwörungstheorie, die mich fast zeitgleich erreichte, aber wohl noch nicht im Netz publik ist. Ich hatte bislang kein Interesse die Details zu kontrollieren, aber angeblich wollte Japan den Yen weltweit als Alternativwährung zum Dollar ausbauen. Das war den „Entscheidern“ dann zuviel: wieder gab es einen Schlag mit der Erdbebenwaffe. Nach dem Ausstieg von Pimco konnte wollte man eine weitere „Ohrfeige“ (siehe N-tv) nicht mehr hinnehmen – die war eigentlich schon zuviel.
Der Fonds Total Return des weltgrößten Anleihen-Investors Pimco hat sich von sämtlichen US-Staatsanleihen getrennt. Der Schritt ist das bislang stärkste Signal dafür, wie negativ einige Investoren Schuldenpapiere des Staates USA inzwischen bewerten.

Zudem hat so ein lauter Knall enorme Vorteile: er lenkt ab von der strategischen Neuorganisation des arabischen Raumes, denn während wir immer noch versuchen herauszufinden, was denn da mit diesem Atomkraftwerk los ist und uns vor den realen Opferzahlen des Tsunamis fürchten, erobert sich die Nato – mal wieder ohne angegriffen worden zu sein – die Lufthoheit über die Ölreserven Lybiens, so berichtet rian.ru am 1. März:
Im Fernsehsender Fox News teilten Pentagon-Sprecher am Montag mit, die USA verlegen ihre Flugzeugträger näher an die libysche Küste heran. So hat jetzt die Enterprise, die zur Bekämpfung von Piraten vor der Küste Somalias kreuzt, Kurs auf den Suezkanal genommen und soll sich weiter in Richtung Libyen bewegen.

Dafür braucht man Flugzeugträger … zum Kampf gegen Piraten und Diktatoren. Offenbar vermutet man eine Bedrohung aus dieser Richtung auch in Japan, denn Folgendes findet man in der Märkischen Allgemeinen:
Die USA schicken unter anderem einen Flugzeugträger nach Japan. Er solle die Hilfsmaßnahmen nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami unterstützen, sagte Präsident Barack Obama auf einer Pressekonferenz. Obama hatte am Morgen auch mit dem japanischen Regierungschef Naoto Kan telefoniert. Der US-Präsident nannte Japan einen der „stärksten und engsten“ Verbündeten der USA.

Was man da jetzt mit ein- und zweisitzigen Kampfflugzeugen soll, verstehe ich noch nicht. Vielleicht nur nachschauen, ob die Stilllegung des Reaktors gelungen ist, geplant war sie laut N-Tv ja wirklich für diesen Monat:
Inzwischen wurde bekannt, dass der Betrieb des Reaktors 1 des Meilers Fukushima 1 nach etwa 40 Jahren in diesem Monat den Betrieb eingestellt werden sollte. Eine Datenbank des Forschungszentrums Nuclear Training Centre (ICJT) in Slowenien nennt als „erwartetes Datum der Stilllegung“ den März 2011.

Das nennt man nun das „Informationszeitalter“. Man wird hinfortgespült von Daten und Fakten und muß vor allem damit rechnen, das im Dienste der Börse die Hälfte davon noch „frisiert“ wurde, schick gemacht für den Auftritt vor der Weltöffentlichkeit. Da lobe ich mir doch die klaren Worte des ehemalitgen Chefs der deutschen Atomaufsicht, ebenfalls in dem Bericht bei n-tv:
Der ehemalige Chef der Atomaufsicht in Deutschland, Wolfgang Renneberg, sieht keine Chance mehr für eine Kontrolle des Meilers Fukushima 1. „Das ist das klassische Szenario, das den sogenannten Super-GAU umschreibt“, sagte Renneberg. Eine Kühlung des Reaktors sei offenkundig nicht mehr möglich, die Batterien zur Versorgung des Systems müssten am Samstagmorgen erschöpft gewesen sein. „Das ist das, was in manchen Kinofilmen inszeniert wurde.“ Japan bliebe offenkundig nur noch der Katastrophenschutz wie Evakuierungen oder das Verteilen von Jod-Tabletten. „Das sind aber keine Maßnahmen mehr, um den Reaktor zu kontrollieren.“ Aufgrund der großen Entfernung werde Deutschland aber von Radioaktivität praktisch nicht getroffen werden. China und Russland seien dagegen gefährdet.

Das ist dann aber schon ein schön praktischer Zufall: die in den letzten Monaten sehr lästig gewordenen Chinesen und die immer noch irgendwie argwöhnisch beäugten Russen werden in Zukunft dann ganz schön zu tun haben.

Ich weiß nicht, ob es so etwas wie Erdbebenwaffen gibt – das sollen mal Physiker oder Okkultisten unter sich ausdiskutieren. Was man aber mit Sicherheit sagen kann ist: es fängt gerade an eng zu werden für die Räuberelite in den USA.

Lauschen wir etwas Michael Moore in jungewelt:

Im Gegensatz zu dem, was die Machthaber euch glauben machen wollen, damit ihr auf eure Rente verzichtet, selbst eure Löhne kürzt und euch mit einem Lebensstandard aus der Zeit eurer Großeltern zufrieden gebt, ist Amerika nicht pleite. Bei weitem nicht. Das Land quillt über vor Reichtum und Geld. Das Problem ist nur, daß es nicht in eure Hände gelangt. In einem der größten Raubzüge in der Geschichte ist der Reichtum von den Arbeitern und Konsumenten zu den Banken und Portfolios der Superreichen transferiert worden.

Das gilt nicht nur für die USA – wie wir Deutschen aus eigener Erfahrung beitragen können.

Heute verfügen nur 400 Amerikaner über den gleichen Reichtum wie die Hälfte aller US-Bürger zusammen.

Laßt mich das wiederholen: 400 absolut reiche Leute, von denen die meisten auf die eine oder andere Weise von der Multibillionendollar-Rettungsaktion des Jahres 2008 aus Steuermitteln profitierten, verfügen jetzt über genausoviel Zaster, Aktien und Eigentum wie das Vermögen von 155 Millionen US-Amerikanern zusammengenommen. Wenn ihr es nicht über euch bringt, das einen finanziellen Putsch zu nennen, dann seid ihr einfach nicht ehrlich bezüglich dem, was ihr im tiefsten Innern als Wahrheit empfindet.

Diesen Putsch haben wir auch kennengelernt.

Ihr in Wisconsin habt den schlafenden Riesen geweckt, die Werktätigen der USA. Schon bebt die Erde unter den Füßen derer, die das Sagen haben. In allen 50 US-Bundesstaaten sind viele Menschen von eurer Botschaft begeistert, die da lautet: Wir haben die Schnauze voll! Soll uns niemand mehr weismachen, Amerika sei pleite oder bankrott. Das Gegenteil ist der Fall! Wir sind reich an Talenten und Ideen, haben den Willen, etwas anzupacken, und wir empfinden Liebe und Mitgefühl für all jene, die unverschuldet in Not geraten sind. Auch sie sehnen sich nach dem, wonach wir alle uns sehnen: Wir wollen unser Land zurück! Wir wollen unsere Demokratie zurück!

Man sollte sich diese Worte mal in Ruhe zu Gemüte führen und sich überlegen, wie sich die Räuberallianz der Superreichen dabei fühlt. Ist es wirklich so undenkbar, das die … ein wenig Endzeit unter das aufmüpfige Volk bringen wollen? Hätten sie so eine Erdbebenkeule … wären sie nicht gerade jetzt versucht, das Volk mal wieder unter Kontrolle zu bringen?

Es wäre eine haltlose Spekulation, die als solche schon zu vermeiden ist – sie würde allerdings erklären, weshalb alle wie verrückt dem Geld hinterherrennen, so als wäre das Ende der Welt nah – nur nicht für jene, die genug Kapital haben, sich frei zu kaufen. Diese blinde Gier scheint mir nicht weniger verrückt zu sein als die verrücktesten Verschwörungstheorien … deren pauschale banale Ächtung durch den Milliardärsfunk eher darauf hindeutet, das sie mehr als ein Körnchen Wahrheit enthalten.

Warten wir also ab, ob man uns im Laufe des Tages noch für würdig erachtet, zu erfahren, ob es nun in einem oder zwei Reaktoren zu einem oder zwei kleineren oder größeren Kernschmelzen gekommen ist, oder ob man der Meinung ist, das wir noch nicht reif genug sind für solch wichtige Nachrichten. Sollen wir weiterhin glauben, das die am Besten gesicherten und kontrollierten Einrichtungen der westlichen Welt so unüberwacht sind, das wir uns nur mit Hilfe von Kristallkugeln und Tarotkarten der Wahrheit nähern können?

Wahrscheinlich wird man aber versuchen, die Meldungen über die Kernschmelze (eine, zwei oder … drei?) solange zurückzuhalten, bis sich gezeigt hat, das der Schwarze Montag vermieden werden konnte.

Mir würde das als „Verschwörungstheorie“ vollkommen reichen. Und das da jetzt ein Flugzeugträger herumschwimmt, der … nebenbei … dezent auf die Wünsche der Wall Street bezüglich der Informationspolitik der japanischen Regierung hinweist, wird auf einmal plausibel.

 


Bundespräsident Wulff kann das Atomgesetz noch stoppen

Helft mit, den Appell von Campact an Wulff noch bekannter zu machen und verbreitet den Kampagnenfilm!

Das Wendland, das Atom, der Röttgen, der Özdemir und die politische Landschaftspflege

Nun ist die Republik ja endlich mal wieder aufgewacht. Der Frust von Millionen von Grünen über die neoliberale Politik hat endlich ein Ventil gefunden, Bundeskanzlerin Merkel hat selbst dazu beigetragen, das die Grünen wieder zu sich selbst finden: sie boxte die Laufzeitverlängerung für AKW´s durch, den Ausstieg aus dem Einstieg zum Ausstieg.

Atomkraft ist ein Sicherheitsrisiko, auch Innenpolitisch. Schon vor dreissig Jahren konnte man sehen, das der Atomstaat nicht lustig wird. Und wenn man dann die Leukämiefälle bei Kindern, die in der Nähe von Atomkraftwerden wohnen,  herunterspielt wie die Anzahl der Hirntumore bei der Handynutzung, dann muß man sich nicht wundern, wenn die Dinger wieder da sind.  Atomkraft macht krank, Atomkraft ist teuer, aber: an Atomkraft kann man super verdienen, weil die Produktion in der Hand ganz weniger spezialisierter Fachleute liegt. Atomkraft eignet sich gut dazu, richtig tolle Leistungsträger zu zeugen, inklusive Yacht, Villa und Oldtimersammlung.

Außerdem erzeugt Atomkraft genau jene Form von Staat, die sehr angenehm für Verwaltungsbeamte in der Regierung ist … und Verwaltungsbeamte sind alle, auch der Norbert Röttgen.

Gegen Atomkraft kamen jetzt 50000 Menschen im Wendland auf die Straße, jenem Wendland, in dem die Republik Freies Wendland einst einen Ausblick auf eine neue, ganz andere Bundesrepublik geworfen hat, einen Blick, der Lust auf Zukunft machte.  Was dann kam, war Dauerkohl. Während die bundesweite Aktion der Montagsdemonstranten in Berlin ein eher bescheidenes Echo hervorgerufen hat und der heiße Herbst der Gewerkschaften sehr leise im Novembernebel versickert, sit die Anti-AKW-Bewegung wieder zurück.

Im Zusammenhang mit den Protesten zeigte Norbert Röttgen, das er Jurist ist. Juristen sind ja nun eigentlich ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft, ebenso wie Journalisten. Andererseits kann man Juristen schneller kaufen als Journalisten: Advokat und der Anwalt ist dein Freund! Wenn die Summe stimmt, verteidigt der Jurist den Kinderschänder, den Mafiaboss, den Völkermörder oder eben die Atomlobby. Juristen sind wichtige Menschen, aber … für politische Ämter im Prinzip völlig ungeeignet.

Gleich nach der Wahl zum Chef von NRW mußte der Norbert dann laut Spiegel auch schnell mal zeigen, das diese Annahme stimmt:

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat die aktuellen Castor-Transporte mit Atommüll nach Gorleben seinerseits verteidigt. Es gebe keine Alternative dazu, den bei der Stromerzeugung durch Kernenergie entstandenen Abfall „vernünftig“ zu entsorgen, sagte Röttgen auf einem Landesparteitag der NRW-CDU.

Wenn man etwas nutze, müsse man sich auch um den anfallenden Abfall kümmern, fügte Röttgen hinzu. Die Sicherheit von Kernkraftwerken sei „nicht verhandelbar“. Insofern sei der Protest gegen die Castor-Transporte „verantwortungslos“, weil die Verantwortung eine sichere Entsorgung des Atommülls gebiete.

Man merkt: ein Anwalt sprach. Hochgiftigen Atommüll einfach in die Landschaft kippen ist extrem verantwortungsvoll, sich darüber aufzuregen, ist verantwortungslos – ihn zu produzieren, ist ein reiner Akt der Nächstenliebe, weshalb man ihn ja auch laut ZDF mit 40 000 Millionen Euro Steuergeldern subventioniert.

Ich plädiere hiermit dafür, das der Amtsitz des Herrn Röttgen ins Wendland verlegt wird … direkt über dem Lager. Führungspersönlichkeiten zeichnen sich ja durch Vorbildcharakter aus und wenn der Herr Röttgen zeigt, wie ungefährlich das ist (vielleicht zieht er ja auch demonstrativ mit seiner Familie nach nebenan, Bauland ist da billig), dann ist den Demonstranten der Wind aus den Segeln genommen … und man hätte erste Schritte unternommen, die überbordenden Bezüge der Abgeordneten ebenso aus Gründen des Vorbildcharakters auf Hartz IV-Niveau zu senken – das reicht ja völlig aus zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Währenddessen gibt die Welt dem Protest ein lustiges Gesicht:

Wer gegen den Castor-Transport demonstriert, muss nicht bierernst sein. Selbst Charlotte Roche („Feuchtgebiete“) reiht sich in den Widerstand ein.

Und zeigt auch die Relevanz auf:

40 000, vielleicht sogar 50 000 Menschen drängen sich in Richtung des große Ackers unweit der Verladestation Dannenberg. Das sind zwar immer noch ein paar weniger als beim Spiel des HSV gegen Hoffenheim,

Zum Fußball gingen mehr. Währendessen berichtet die Legal Tribune von einer gezielten Kriminalisierung der Demonstrationsteilnehmern:

Nun wurden schon im Vorfeld geplanter Demonstrationen gegen Castor-Transporte in Niedersachsen etliche Personen zur „polizeilichen Vermessung“ vorgeladen. Die Behörden beriefen sich dabei auf  § 81 b StPO. Nach dieser Vorschrift dürfen, soweit es für die Zwecke der Durchführung des Strafverfahrens oder für die Zwecke des Erkennungsdienstes notwendig ist, Lichtbilder und Fingerabdrücke des Beschuldigten auch gegen seinen Willen aufgenommen und Messungen und ähnliche Maßnahmen an ihm vorgenommen werden.

Nach Medienberichten ist allerdings keiner der Betroffenen bisher strafrechtlich verurteilt worden. Es gab nur Ermittlungsverfahren, die aber alle mangels hinreichendem Tatverdacht oder wegen geringer Schuld eingestellt wurden. Trotzdem begründen die Behörden die Vorladung jetzt mit der effektiven Vorsorge zur Verhinderung von Straftaten bei Versammlungen. Es handele sich dabei nur um einen geringen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der betreffenden Personen.

Die einschüchternde Wirkung der geplanten polizeilichen „Vermessungen“ steht außer Frage. Die betroffenen Personen stehen im Fokus polizeilicher Beobachtung und werden sich deshalb eine Teilnahme an Demonstrationen sehr genau überlegen.

Es sind unbescholtene Bürger, die – wenn man der Welt folgt – nur mal so zum Spaß einen kleinen Landausflug machen, lustig geschminkt mit bunten Luftballons … und vielleicht waren es auch nur 20000, die zur „Protest-Party“ kamen, wie der Spiegel das Schauspiel betitelte.

Sowas finden die Medien halt lustig. Ist es irgendwo ja auch … sagt hier jemand, der selbst früher mal dabei war. Man denkt, man geht auf die Straße, latscht sich die Füße kaputt, macht lauten Lärm und ändert dadurch irgendetwas.  Dreissig Jahre später merkt man … eigentlich hat man nichts verändert. Politik macht man anders in diesem Land. Die Kraftwerksbetreiber wissen das, wie anti-atom-aktuell berichtet:

Georg Wilhelm Adamowitsch war nervös. Seine Ehefrau wartete. Abrupt zog sich der beamtete Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium am Nachmittag des 1. Dezember aus einer Gesprächsrunde zurück, um gemeinsam mit seiner Gattin einer Einladung des drittgrößten deutschen Energieversorgers zu folgen.

Vattenfall Europe hatte mehr als tausend erlesene Gäste aus Politik, Kultur und Medien in die Deutsche Staatsoper geladen, zur Vorpremiere der Oper Carmen, dirigiert von Daniel Barenboim, und mit anschließendem Empfang in den gediegenen Räumen der Opern-Konditorei. Adamowitsch ist für Energiepolitik zuständig und novelliert derzeit das Energiewirtschaftsgesetz. Seit Monaten ringen Staatsdiener und Konzern-Lobbyisten deswegen um die Neufassung der Paragrafen, die die Spielregeln auf dem Strom- und Gasmarkt für die kommenden Jahre festlegen werden. Das von der Europäischen Kommission in Brüssel geforderte Ziel, künftig per Regulierung für Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt zu sorgen, beunruhigt die Netzmonopolisten, die unter den bisherigen Bedingungen Milliardengewinne erwirtschaften. Und sie versuchen ihre Interessen mittels politischer Landschaftspflege durchsetzen. Eine Aufführung von Carmen könnte da helfen, erlaubt sie dem Vattenfall-Europe-Chef Klaus Rauscher doch, seinen Konzern als Kulturförderer in ein sanftes Licht zu rücken. Ein 50.000-Euro-Scheck, ausgestellt für die Aktion »Opernkarten zu Kinopreisen« mit der junge Leute zu Besuchen der Oper motiviert werden, könnte ablenken von weniger glanzvollen Leistungen wie der zum 1. Januar 2005 angekündigten 19-prozentigen Erhöhung der Entgelte für die Nutzung der Vattenfall-Stromnetze, der Abbaggerung von Ortschaften in Lausitzer Braunkohlenrevieren oder den Millionen Tonnen von Klimagasen, mit denen Vattenfalls Kraftwerke die Atmosphäre aufheizen. Was könnte die geladenen Gäste friedvoller stimmen als ein wenig Wohltätigkeit zu Beginn der Adventszeit? Die Dunkelziffer der Gierigen ist »enorm hoch«.

„Politische Landschaftspflege“ zahlt sich halt aus. Den Konzernen ist es egal, ob nun 20000, 50000 oder 10000000 auf die Straße gehen … sind doch eh´ alles nur Nullen. Was wichtig ist, ist, das man zentrale Figuren in der Tasche hat. Gegen den Lärm der Straße gibt es schalldichte Fenster, wattstarke Medien und Juristen, die einem das Volk für wenig Geld vom Hals halten.

Da schwindelt der Grünenchef Özdemir, wenn er der Bildzeitung sagt, er meine, die Regierung wolle ihre Politik mit Wasserwerfern durchsetzen. Die arbeiten nicht mit Wasserwerfern, sondern mit Überweisungen. Überall arbeiten wir eher mit Überweisungen als mit Waffen, das ist unsere gesellschaftliche Übereinkunft, die unseren gemeinsamen Wohlstand und Frieden sichert. Das gerade Özdemir aber lieber auf die Wasserwerfer als auf den Lobbyismus schielt ist verständlich … hat er doch einen privaten Kredit bei Moritz Hunzinger, dem wegen uneidlicher Falschaussage vor Gericht verurteilten PR-Berater und ehemaligen Schatzmeister der Christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft, der schon den Scharping aus dem Kriegslügentheater gerettet hatte und dem Özdemir zusätzlich noch ein Honorar für einen Auftritt bei Microsoft zahlte.

Atomkraft ist ein Weg, durch leistungsloses Einkommen auf Staatskosten so richtig reich zu werden.  Da kann man viel Geld in alle möglichen Kanäle fließen lassen, Geld, das alle weichspült.  Auf einmal verstummen auch die kritischen Linken, die noch die Proteste gegen Banken Ende Oktober mit dem Hinweis verhindert haben, das die Blockaden den Sicherheitsstaat anheizen würden. Aber die … waren ja vielleicht auch nur bezahlt.

2010 macht man Politik beim Schmausen im Opernhaus. Die großen Medien wissen das … und geben sich deshalb belustigt über des bunte Treiben der skurrilen verantwortungslosen Spaßvögel, die ernsthaft glauben, man könnte im Deutschland des Jahres 2010 Politik ohne Scheckbuch machen.

Die Bundeskanzlerin der Lobbyisten

Schade, daß man das nicht im Fernsehen sehen kann…

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