Assange

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Wikileaks-Chefredakteur Kristinn Hrafnsson berichtet über Julian Assange

Deutsche Übersetzung

In dieser Rede, die am 4. Februar 2020 in London aufgezeichnet wurde, spricht der Chefredakteur von Wikileaks, Kristinn Hrafnsson, den Fall Julian Assange an. Hrafnssons Rede beginnt mit seinen jüngsten Erfahrungen mit Assange, als er ihn kürzlich im Belmarsh-Gefängnis besuchte. Anschließend geht Hrafnsson auf die Anschuldigung der US-Regierung ein, die behauptet, dass Assange ein Hacker und kein Journalist sei. Er untersucht die wichtigsten Enthüllungen von Wikileaks, als Assange die Organisation leitete, die Bedrohung, die seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten für die Pressefreiheit darstellt, und stellt abschließend die Bedeutung kollektiver Maßnahmen fest.

Grundsatzfragen sind keine Frage

Ein Kommentar von Christiane Borowy.

Coronavirus, Wahl in Thüringen, Julian Assange sitzt im Gefängnis, Markus Lanz macht schlechtes Fernsehen – mehr hat die Berichterstattung in den letzten Tagen thematisch nicht zu bieten. In jedem Medium werden die gleichen paar Themen und nachrichtentechnische Luftnummern wiedergekäut. Dabei sollen Emotionen geschürt werden, doch an echter Empathie und dem Stellen grundsätzlicher gesellschaftlich relevanter Fragen wird schlichtweg vorbeigeschrieben. Die wesentlichen Fragen kommen nicht auf den Tisch, denn schließlich ist man ja schon „am Puls der Zeit“.

Ein Dokument belegt: Der „Westen“ ist eine kriminelle Vereinigung.

Wir sind wahrlich nicht die Guten.

Wenn Sie diese Kennzeichnung für übertrieben halten, dann lesen Sie bitte dieses Dokument, ein Interview mit dem UNO-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer. Es geht um Assange. Die NachDenkSeiten hatten schon in den Hinweisen II vom 31. Januar darauf aufmerksam gemacht. Das Dokument ist aber so wichtig, dass es dazu dieses gesonderten Hinweises bedarf. Wenn Sie nicht alles lesen können, dann reicht zum Beleg der Aussage in der Überschrift alleine die Lektüre der Vorgänge in Schweden. Was da in Schweden von Polizei und Justiz an Rechtsbrüchen bewerkstelligt wurde, ist nicht auf schwedischem Mist gewachsen, sondern auf „westlichem“ und es ist ungeheuerlich.

Julien Assange, der Tod und die Wiedergeburt der Demokratie

Ich bin gerne mal ein Freund deftiger Worte – erst recht in dem Fall Wikileaks, in dem kaum eine Woche vergeht, in dem mir nicht irgendein Medienapostel erklärt, das „Wikileaks“ ganz schlecht ist und der Bürger auf keinen Fall ungefärbte Wahrheiten verträgt. So etwas kann man inzwischen ganz offen in Nachrichtensendungen hören. Schamlos und ohne jede Bedenken entmündigen Pressefürsten die Bevölkerung, der man nur „aufbereitete“ Wahrheiten zumuten möchte. Das eine „aufbereitete“ Nachricht eine deutlich und absichtlich manipulierte Nachricht ist, scheint inzwischen schon selbstverständlich zu sein.

Eine Weltmacht jagt öffentlich einen einzelnen Menschen. Offen diskutieren Journalisten darüber, das es eigentlich gar kein Gesetz gibt, das Julien Assange übertreten hat, offen wird geantwortet, das man schon irgendetwas finden wird – oder man erschießt ihn eigentlich einfach so. Das ist das brutale, arrogante Antlitz einer Diktatur, die sich vor Öffentlichkeit nicht fürchten muß und Konfrontationen der Öffentlichkeit mit Wahrheit mit Gewalt unterdrücken möchte, damit die Fratze der Menschenfeindlichkeit nicht all zu offen zu Tage tritt – und wo bleibt der Aufschrei der Journalisten und Politiker bei dieser Menschenjagd, die inzwischen Wellen schlägt, die bald an Staatsfeind Nr. 1 Osama bin Laden erinnern?

Warum sollten sie auch aufschreien … sie werden von dem System bezahlt und dienen dafür seiner Stabilität, ordnen Tag für Tag Nachrichten so ein, das sie in das öffentlich gewünschte Bild passen – lediglich ein Altkanzler traut sich laut Welt aus der Deckung:

Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat die Verfolgung des WikiLeaks-Gründers Julian Assange durch amerikanische Firmen und Politiker als „unklug“ verurteilt. „Das wirkt wie Rache, und das ist es auch“, sagte Schmidt im „Zeit“-Magazin.

Natürlich ist der Rachefeldzug gegen einen Journalisten unklug, denn es zeigt, was man von Pressefreiheit hält. Vielleicht muß man  Scharfschütze sein, um die Sicherheit zu haben, sich dem System öfffentlich entgegen zu stellen, so wie jener Mensch, der laut Süddeutscher Zeitung Julien Assange jetzt Obdach gewährt:

Smith betrachtet sich selbst als einen radikalen Liberalen, der konsequent für Bürgerrechte und Meinungsfreiheit eintritt. Politische Parteien sind ihm suspekt. Diese gehören für ihn zum politischen Establishment, und das entfernt sich nach Meinung von Vaughan Smith in den westlichen Staaten immer weiter von den Idealen der Demokratie.

Schön, so etwas auch mal von einem etablierten, mutigen und risikofreudigen Journalisten zu hören. Aber mit einem eigenen Landsitz im Rücken und einer Ausbildung als Scharfschütze lebt es sich schon anders als als alleinerziehende Mutter mit befristetem Angestelltenvertrag und notorischer Dauerflucht vor den Fängen der ARGE, wo man möglicherweise der Willkür gerade jener Menschen ausgesetzt ist, die man durch seine journalistische Arbeit verärgert hat.

„Journalismus“ ist kein Selbstzweck. Informiert er nicht mehr, dann braucht ihn keiner.  Vor drei Jahren gab es einen Artikel in der Welt zum Tag der Pressefreiheit:

Die klassische Bedrohung der Pressefreiheit durch totalitäre Regime ist zurückgegangen. Doch es wächst, auch in Deutschland, eine verdeckte Bedrohung durch fragwürdige Rechtsprechung und politische Maßnahmen. Viele Beispiele mahnen am heutigen Unesco-Tag der Pressefreiheit zu erhöhter Wachsamkeit.

Berührt ein Thema die Machtstellung der Regierenden, endet die Freiheit auf eine Weise, die Leser nicht zwingend als Zensur erkennen. Auf der Seite 1 stehen dann Texte, die Informationen täuschend ähneln. Es sind aber keine. Ihnen fehlen, kaum merklich, verbotene Details, oder verbotene Zusammenhänge. Die Seite 1 sähe vollgeschrieben aus. In Wahrheit aber wäre sie leer.

Es ist, wie Torsten Kraul in der Welt schreibt, eine subtile Bedrohung der Pressefreiheit, die sich nun 2010 ganz offen auslebt. Wer wann was erfährt, das bestimmen anonyme „Mächtige“.  Karl-Hinrich Renner vom „Hamburger Abendblatt“ zeigt auf, worum es wirklich geht:

Denkt man es zu Ende, könnten die Enthüllungen von WikiLeaks der Anfang vom Ende des Herrschaftswissens sein, so wie wir es bisher kennen.

Schön, das es mal jemand ausspricht: „Herrschaftswissen“ ist jener Machtfaktor, den Wikileaks zentral angreift. Mithilfe von Herrschaftswissen können Massen dirigiert werden – und an dieser Diktatur verdienen so viele so gut, das sich kaum ein Widerstand entfalten kann. „Wissen ist Macht“ – und diese Macht des Journalismus, an dem gut verdient wurde, ist in Gefahr, weshalb – nochmal aus dem Abendblatt – Verleger Zeter und Mordio schreien:

Die Rede war rhetorisch brillant, mehr aber auch nicht. Als der Schweizer Verleger Michael Ringier am 18. November auf den Zeitschriftentagen in Berlin über die neue Stärke von Print sprach, arbeitete er sich vor allem am Internet ab. Dort gebe es „den digitalen Mob“. Mit Journalismus hätten die Hervorbringungen des Netzes nichts zu tun, mit preisgekröntem schon mal gar nicht. „Wir brauchen Edelmetall“, sprach der Verleger, „den Schrott finden Sie im Internet.“

„Wir brauchen Edelmetall“ … das stimmt. Darum geht es Verlegern – um Gold, am Besten im eigenen Tresor. Wir Bürger brauchen Wissen, Informationen, Fakten – und gerne auch sehr unterschiedliche Meinungen zum Thema, das erleichtert das Finden der eigenen Position, die wir im Prinzip nicht gerne vom Kommentator der Tagesschau kritiklos übernehmen möchten. Den gesellschaftlichen Sinn reicher Verleger an sich können wir als Bürger nicht auf Anhieb erkennen.

Wird Information Ware und Mittel zum Zweck der Machterhaltung und persönlichen Bereicherung, ist die Pressefreiheit nur noch ein Witz. Es scheint bald sowieso nur noch die Freiheit einiger weniger Reicher zu sein, ihre Meinung auf vielen Kanälen gleichzeitig zu verbreiten, während der gemeine Bürger andächtig lauschen darf.

Wir brauchen deshalb Qualität in Journalismus und Berichterstattung mehr denn je. Aber wer kann das gewährleisten? Es gibt angestellte Journalisten, die ihr Tagewerk verrichten, indem sie Agenturmeldungen verwerten und die eigene Stellungnahme so weit wie möglich ausfallen lassen. Es gibt freie Journalisten, die darauf angewiesen sind, dass jemand ihre Artikel kauft. Gekauft wird oft nur, was stromlinienförmig ist. Und es gibt Blogger, die oft nicht über die Informationen und Mittel verfügen, welche den klassischen Medien zur Verfügung stehen. Genau an dieser Stelle offenbart sich des Pudels Kern: Das klassische Verständnis von Journalismus und Pressefreiheit taugt nicht mehr, um den Bedürfnissen der Informationsgesellschaft zu genügen.

Das schreibt Tobias Kläner in einem Kommentar auf Telemedicus und es bringt unsere Problematik auf den Punkt:  Journalismus alleine reicht nicht mehr – und wehrt sich dagegen mit Gewalt.

Die internationale Hetzjagd auf Julien Assange ist nichts weiter als der endlich öffentlich erfolgende Angriff auf die Pressefreiheit. Hier sieht man, welche heimlichen Allianzen sich in den letzten Jahrzehnten gebildet haben und wer alles gezielt an der Zerstörung der demokratischen Ideale arbeitet. Doch darin liegen ungeahnte Möglichkeiten einer Wiedergeburt des demokratischen Ideals. Klar erkennbar werden auch  notwendige Voraussetzungen, die die Widergeburt des demokratischen Ideals sicherstellen: die absolute Freiheit des Internet, um unbeeinflußte Informationsströme sicherzustellen – und ein bedingungsloses Grundeinkommen, das die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Bürger sicherstellt. Damit endet dann das Zeitalter der Diktatur des Herrschaftswissens und wir können uns aufmachen, wieder mal mehr Demokratie zu wagen. War doch das letzte mal auch ganz ok, oder?

Offene Schlacht gegen Wikileaks

Na Freunde, zur Zeit können wir uns tatsächlich das Imperium schlägt zurück im Original angucken. Allerdings habe ich das Gefühl, das es eher mal wieder „das Imperium führt einen Präventivkrieg“ heißen sollte.

Was haben wir nicht im Vorfeld für tolle Sachen lesen dürfen. Die neusten Veröffentlichungen würden einen Teil der Geschichtsschreibung verändern und was weiß ich nicht noch. Unsere großartigen Medien haben dann doch eher Klatsch und Tratsch aus dem US-Botschaftsklo draus gemacht. Schon traurig wenn der Spiegel mehrere Wochen vorher das Material zur Verfügung hat und dann nur blöde Geschichten von Teflon Merkel, dem blöden Horst aus Bayern und Scheißguido der nichts kann und zu nichts zu gebrauchen ist macht. Zum Einen ist das überhaupt nichts Neues und zum Anderen wird so ein Ausschnitt aus der Realsatire die sich deutsche Politikelite nennt wohl kaum die Geschichtsschreibung verändern. Das der Gelprinz ein ganz großer U S A rschkriecher ist, dürfte wohl auch keinen gewundert haben. Geiler fand ich da schon den Maulwurf in der FDP, Der den Amis brühwarm jeden Mist aus den Koalitionsverhandlungen erzählt hat. Ich habe noch meine Zweifel ob Gödis Bürohengst wirklich der Verräter war. Die Idee das es der Rösler Phillip sein könnte war mir viel sympathischer, aber Dem Traue ich im Prinzip eh alles zu. Ach ja, die Idee ist übrigens nicht aus der Heute Show, sondern stand Anfang der Woche schon bei Duckhome:  http://www.duckhome.de/tb/archives/8641-Philipp-Roesler-Der-Spion-der-die-soziale-Kaelte-brachte.html .

Das die Arabs im Allgemeinen und da Saudi Arabien im Besonderen gerne den Iran wegblasen wollen und die Amis sich ein kacken, weil Pakistan so eine Scheißregierung hat, fand ich da schon interessanter. Auch das der Mossad sich befleißigt gefühlt hat die Grüne Revolution im Iran zu befeuern hat mich gefreut, auch wenn ich schon damals gesagt habe das ich mich wundere, wenn Iraner mit Demoschildern in der Sprache des Erzfeindes auf die Straße gehen. Jedenfalls habe ich bisher noch nichts gesehen, was die Ankündigung einer neuen Geschichtsschreibung gerechtfertigt hätte.

Nichts über Interventionen der Amis während der deutschen Vereinigung, nichts zum 11.September, kein zünftiger politischer Mord; im großen und Ganzen nicht viel Aufregender als die Stuttgard21 Schlichtung.

Nun hat Assange allerdings einen entscheidenden Fehler gemacht, bei dem es mich nicht wundern würde, wenn sich irgendein bescheuerter amerikanischer Patriot findet, der Ihm das Licht ausbläst. Immerhin hat sich sogar schon ein Mensch der sich Politikwissenschaftler schimpft hin gestellt und Assanges Kopf gefordert.

Ich würde behaupten, das ein Großteil der US-Politik von der Wall Street aus bestimmt wird, also ist es wohl kaum verwunderlich, das der Feldzug der USA gegen Wikileaks mit der Ankündigung des Dossiers gegen 2 US Großbanken begonnen hat. Plötzlich war der schwedische Haftbefehl wieder aktuell, dann schmiss Amazon die Leute von Ihrem Server, danach wurden die Denic Domains gesperrt, nun hat PayPal das Konto von Wikileaks eingefroren. Das Die bei Paypal total Scheiße sind konnten wir neulich ja auch in Plusminus auf der ARD sehen.

Über die Motivation von Assange will ich mich hier nicht auslassen. Ich habe keine Ahnung ob Er wirklich der Idealist ist, für den Er sich ausgibt, oder ob Er einfach nur ein geltungssüchtiger Spinner ist, Der mit dem Feuer spielt. Von der Theorie, das Er für die US-Regierung arbeitet halte ich persönlich für abwegig, jetzt noch mehr, da wir sehen können, wie der Feldzug des Imperiums läuft und die Luft für Wikileaks dünner zu werden scheint. Allerdings bin ich der Meinung das, gerade weil fast alle linientreuen Regierungen und alle Systemschreiberlinge gegen Ihn zu sein scheinen Er alle Unterstützung bekommen muß Die wir geben können. Wer kann sollte Spenden, wer Webspace hat sollte Diesen zur Verfügung stellen und wer hat sollte selbstverständlich sein Amazon und Paypal Konto kündigen und sämtliche Amazon Werbung von seinen Seiten nehmen. Oder wollt Ihr Euch etwa nachsagen lassen, das Ihr mit den Scheißläden sogar noch Geschäfte gemacht und Euer Gewissen für ein paar elende Cents verkauft habt?

USA und Kanada fordern Hinrichtung von Wiki-Leaks-Verantwortlichen – und das Ende der freien Welt

Es wird der Moment kommen, wo man erkennen muß, das es zu spät ist, die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft in eine neue Barbarei zu stoppen. Es mag sein, das der Moment schon jetzt da ist – wenn man die WELT ernst nehmen darf:

„Es gab sogar Rufe nach einer Ermordung von Julian Assange.“ Deshalb fürchte Assange zurecht um seine Sicherheit, sagte Hrafnsson. Der Wikileaks-Gründer werde sich deshalb weiter versteckt halten. Hrafnsson reagierte offensichtlich auf Aussagen aus Nordamerika. In den USA hatte der frühere republikanische Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, Medienberichten zufolge gefordert, dass der Verantwortliche für die Wikileaks-Enthüllungen wegen Verrats angeklagt und hingerichtet werden solle.

In Kanada sagte ein Berater von Regierungschef Stephen Harper – offensichtlich ironisch – im Fernsehen, Assange sollte „getötet werden“ und US-Präsident Barack Obama könnte „eine Drohne nutzen“.

Man fragt sich, warum es diese Aufregung gibt.  Selbst wenn man bislang der Meinung war, das die herrschende Kaste in den USA respektvoll und voller Hochachtung über den Rest der Welt gesprochen hat, so ist es doch weniger der Tatbestand der Veröffentlichung, der Zorn erregen sollte, sondern die Arroganz und Verachtung, mit denen diese Kommentare formuliert werden.

Geht man nur mit Gewalt gegen den Boten vor … so zeigt man vor allem eins: man möchte an der eigenen Einstellung nichts ändern.

Was ist so fürchterlich an der Einschätzung der Demokratie in Russland? Ständige Ermordungen von kritischen Journalisten zeigen, das man dort wache informierte Bürger genauso wenig schätzt wie in den USA. Und die Macht mafiöser Strukturen in Russland ist doch kein Geheimnis, erst kürzlich konnte man im Spiegel darüber lesen:

Sie morden, brandschatzen, vergewaltigen: In russischen Provinznestern herrschen schwerkriminelle Banden, denen die Staatsmacht kampflos das Feld überlassen hat. Die verzweifelten Bürger flehen um Hilfe, aber wer soll ihnen beistehen?

Es sind Bilder aus einer Zukunft, die auch in Deutschland möglich geworden ist, einer Zukunft, auf die wir gezielt hinarbeiten. In den Idealvorstellungen der Konzernwelten brauchen wir zur Leistungsoptimierung in unteren gesellschaftlichen Schichten eine dicke Portion realer Grausamkeit – nichts anderes ist der Hintergedanke zu Hartz IV.

Diese Entwicklung bedroht die gesamte menschliche Zivilisation, deren mächtigere Bewohner überwiegend ihre Zeit vor dem Fernseher verbringen – in früheren Zeiten hätte man gesagt: in der Arena den Gladiatorenkämpfen und Christenverfolgungen zuschauen.

Meldungen wie die in der heutigen Ausgabe des „Spiegel“ sind doch wirklich nicht so umwerfend neu … noch kommt es unerwartet:

Etliche US-Depeschen aus dem WikiLeaks-Fundus erschüttern den Glauben an den Rechtsstaat Russland. Argwöhnisch beobachten die Diplomaten die wachsende Macht mafiöser Clans und Großkrimineller – und deren angebliche Kontakte in die Moskauer Staatsspitze.

Je größer die Herrschaft der Konzerne umso schwächer wird der Staat. Je schwächer der Staat wird, umso größer wird die Gefahr, das kriminelle Banden sich in Nischen festsetzen. So hat sich der Adel vor Jahrtausenden etabliert. Um Mao zu zitieren: Macht kommt aus den Läufen der Gewehre – und je ohnmächtiger das Volk (der SOUVERÄN) ist, umso größer wird der Wunsch nach Macht, um sich schützen zu können.

Es ist die Zukunftsvision einer Vivianne Forrester, auf die die neoliberale Wirtschaftspolitik mit großen Schritten zumarschiert:  sichere Konzernnetzwerke, in deren Machtbereich sicheres Leben möglich ist – Disney hat es mit Celebration laut archinform schon mal vorgemacht:

Cele­brated, also g efeiert, verherrlicht wird hier die heile Welt, wie sie Disney vor schwebt, denn der Kon zern hat sich vor ge nom­men, nach der perfekt illusionierten Traumwelt nun auch die Wirklickeit in Ordnung zu bringen ‒ wenigstens auf dem eige­nen claim. Wie die synthetische Kleinstadt Celebration also sieht die amerikanische Idealwelt aus, proper, clean und ohne soziale Probleme, ein »Prototyp für das kommende Jahrtausend«, so Disney-Chef Michael Eisner.

Alle kritisieren die Schaffung von „Parallelwelten“ durch Immigranten – kaum jemand fällt auf, das Konzerne mit ihrer unglaublichen Macht beginnen, ihre eigene Realität und Wirklichkeit zu bauen, in der Demokratie keinen Platz mehr hat. „Soziale Probleme“ bleiben draußen, und damit die auch wirklich draußen bleiben und sich nicht Widerstand organisieren, ist es gut, wenn die Gesellschaft in hohem Maße kriminalisiert wird. „Herrenmenschen“ leben sicher in den Siedlungszentren während der Rest im verwüsteten, ausgeplünderten Niemandsland vor sich hin vegetiert, wo Banden dafür sorgen, das es keinerlei sinnstiftende Organisation mehr gibt.

Eine Horrorversion der Zukunft – für die meisten von uns. Und doch ist sie unaufhaltsam, sofern man nicht die Wurzeln der Entwicklung erkennt. Eine außer Rand und Band geratene Wirtschaftsordnung ist so gefährlich für die Demokratie wie eine außer Rand und Band geratene Militärmaschine. Letztere haben wir gezähmt, das kann uns mit ersterer auch gelingen – aber nur dann, wenn wir bereit sind, über den Tellerrand hinaus zu schauen und das wahrzunehmen, was in den inneren Zirkeln der Macht gedacht und geplant wird.

Einen Ausblick darauf haben wir durch Wikileaks erhalten. Russland zeigt, wie schwach Staaten werden können, wenn sie unvorbereitet der Korporatokratie vor die Füße fallen – sie werden einfach aufgekauft, wer dagegen ist, wird erschossen.

Schon lange reden wir nicht mehr von der freien Welt, die uns früher Tag für Tag gepredigt wurde. An die glaubt auch kaum noch einer, sie hat ihre Bedeutung verloren, war nur im Kampf gegen die Sowjetunion eine Zeit lang nützlich. Jetzt, wo dieser Garant für die Machtbegrenzung der Korporatokratie gefallen ist, zeigt der Westen, das nicht die Demokratie sein Hauptantriebsmotor war, sondern der Wille der Konzerne zur grenzenlosen Machtentfaltung.

Das Ende der freien Welt kam mit dem Ende der Sowjetunion, deren Bürger die blutigen Folgen dieses Endes am eigenen Leib erleben. Die Korporatokratie freut sich, denn in der Sowjetunion sind einige neue Geldpressmaschinen geboren worden, die noch mehr Arbeitskraft in Finanztitel auf Konten einfrieren und das Volk in Folge im Elend verrotten lassen.

In Deutschland können Millionen Menschen das Ende der Freiheit und die Macht der Konzerne am eigenen Leib erleben … aber kaum jemand stört sich darum, weil es von breiten Bevölkerungsschichten als „gerecht“ empfunden wird: Agenda 2010 ist ein reines Konzernprodukt. Ein weiterer Endpunkt der Freiheit – im Prinzip (aber nicht von der Qualität her) gleich mit den Morddrohungen gegenüber Wikileaks – ist der Jugendmedienstaatsvertrag, der momentan die Freiheit der politischen Meinungsbildung im Internet anzugreifen droht.

Hier … hat man zwei Felder, wo man selber vor Ort etwas zur Rettung der freien Welt tun kann….wenn man möchte. Ich schätze mal, die Mehrheit hofft lieber auf einen Platz in den Luxusarchen der Konzerneigner – allerdings brauchen die nur noch 20% der Bevölkerung, Tendenz sinkend. Kann sich ja jeder selbst ausrechnen, wie groß seine Chancen sind, in den „Celebration“-Ablegern aufgenommen zu werden.

Ansonsten … sollte man sich gut überlegen, ob man diesen Konzern (Artikel im Spiegel) noch unterstützen möchte:

WikiLeaks verliert seine US-Heimat im Internet. Dienstleister Amazon untersagte dem Enthüllungsportal die Nutzung seiner Server – offenbar hatte Washington auf diesen Schritt gedrängt. Die WikiLeaks-Webseite ist nun über einen schwedischen Anbieter zu erreichen.


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