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Die Ukraine, der Weltkrieg und … Deutschland

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Rosenmontag, 28.2.2022. Eifel. Klaus schlägt Susi. Ins Gesicht. Zweimal. Sauerei, oder? Dieses Arschloch. Man sollte ihn mal ordentlich vermöbeln. Mädchen schlagen geht ja gar nicht. Dann noch ins Gesicht – wo kommen wir da hin? Ist doch auch ein eindeutiger Fall, gab auch genug Zeugen dafür: also – ab ins Loch mit Klaus. Oder die anderen Jungs aus der Klasse nehmen ihn sich mal in der Pause vor.

Wie geht es Ihnen mit dieser Geschichte? Nun – wenn Sie über ein geringes Reflexionsvermögen verfügen, wahrscheinlich gut.

Ich erzählen Ihnen jetzt mal was über Susi. Susi hat üblen Rufmord an Klaus begangen, sie hat Hakenkreuze auf den Schulhof gemalt und behauptet, Klaus hätte das getan. Er wurde dafür verurteilt und musste zehn Sozialstunden ableisten. In der Klasse hat sie überall erzählt, dass er ihr nachstellt, aber keinen hochkriegt. Seiner kleinen Schwester hat sie regelmäßig das Essensgeld geklaut, der Mathelehrerin erzählt, Klaus würde Nacktbilder herumzeigen, auf denen angeblich genau diese Lehrerin zu sehen war – würde jedenfalls Klaus behaupten. Außerdem hat sie einen Jungen in der Klasse angestiftet, in Klaus Fanta zu urinieren – die ganze Klasse war am Brüllen, als Klaus die Flasche ausgetrunken hatte. Sie hat auch mehrere Klassenkameraden bestohlen – aber mit ihrem Charme, ihrem Ausschnitt und ihrem Lächeln dafür gesorgt, dass man Klaus verdächtigte, weil seine Eltern ja geschieden seien (was gelogen war), die Mutter eine Prostituiterte (auch gelogen) und sein Vater ein stadtbekannter Alkoholiker (gelogen – was sonst).

Merken Sie gerade, wie ihre Gefühle für Susi schwinden? Es ist immer noch so, dass Klaus Susi zweimal ins Gesicht geschlagen hat. Es hat ihm einfach gereicht. Die letzte Sicherung ist durchgebrannt.

Wir sind ein kulturell hochstehendes Land, weshalb wir bei Urteilen nicht nur fragen: was ist passiert (Putin ist in die Ukraine einmarschiert), sondern auch: warum hat der Täter das gemacht. Jeder Richter lernt, Umstände zu beurteilen. Umso erstaunlicher die Reaktionen mancher Menschen in Deutschland auf den aktuellen Krieg in der Ukraine: wir fallen wieder zurück in tiefste Primitivität des Urteilens – jeder Richter, der im Rahmen unseres Rechtssystems arbeitet und urteilt, gerät in den Verdacht, ein „Verbrecherversteher“ zu sein. Bei uns regiert der Mob mit seiner Weisheit, seiner Ausgewogenheit, seiner Besonnenheit (Scherz!) und seinem Lynchsystem. Nun ja – noch sind wir ein kulturell hochstehendes Land, aber dank der Verblödung auch weiter Teile der akademischen Bevölkerung ist unser ethisches Niveau und die Differenziertheit unseres Urteils bald wieder auf dem Stand einer mongolischen Räuberbande.

Ja, Putin hat die Ukraine angegriffen. Und sich die Krim einverleibt. Aber sind wir so viel besser? Wir, der „Wertewesten“ mit seinen Edelbürgern? Die Führungsmacht des Wertewestens gibt jedes Jahr mehr als zwölfmal soviel Geld für Rüstung aus wie Russland, ja sogar mehr als die vierzehn anderen Nationen in der Liste der höchsten Rüstungsausgaben zusammen(siehe Statista), ist in der Lage, jederzeit überall erstmal 188 000 Marines hinzuschicken, die die Lage sondieren und kann per Flugzeugträger jedes Land der Erde bombadieren – so fern es auch sein mag. Und die machen das auch: Liberia, Grenada, Panama, Libyen, Irak, Afghanistan, Syrien, Somalia, Jemen, Jugoslawien, Haiti, Sudan, Uganda … die Liste der amerikanischen Interventionen ist lang: und das sind nur die Aktionen, von denen wir wissen (siehe Wikipedia) – welche geheimen Sauereien die noch aushecken, werden wir wohl erst viel später erfahren.

Schauen wir uns Großbritannien an: Edelnato von Anfang an. Wann geben die eigentlich Nordirland an die Iren zurück? Oder Gibraltar an die Spanier? Ach – Gibraltar … da gab es doch vor kurzem im Rahmen der Brexitverhandlungen doch in der Tat eine Kriegsdrohung Richtung Spanien: die Wertewestennatoedlen hätten sich fast gegenseitig erschossen (siehe Deutschlandfunk). Oder die Edeltürken der Nato: besetzen einfach so mal den Nordirak und erschießen dort Kurden – weil man als Türke eben einfach keine Kurden mag (siehe DerStandard). Oder die USA: greifen die einfach den Irak an, weil Saudi-Arabische Bürger aus Afghanistan New York angegriffen haben. Ja – und da dachte der Putin wohl: wenn ich ein aufrechter Demokrat werden möchte, muss ich auch mal meinen Landsleuten im Nachbarland helfen! Und mir ein Stück anderes Land einfach mal so nehmen! Damit die mich anerkennen … und aufhören, mich mit ihren Militärbasen einzukreisen.

Ja, schon mal eine Karte von US-Militärbasen um Russland gesehen? Die USA haben 1000 Basen weltweit – die Russen nur 25 (siehe Nachdenkseiten). Das Russland angesichts dieser US-Übermacht langsam Angst und Bange wird, könnte man verstehen – wenn man drei Hirnzellen mehr als ein Huhn hätte. Oder man liest einfach deutsche Mainstreampresse: dort wird detalliert beschrieben, welche Ängste Russland vor einem US-amerikanischen Zangenangriff hat, wie sehr die USA immer näher an Russland kommen – das mit seinen 140 Millionen Einwohnern weit entfernt davon ist, auch nur seine eigenen Grenzen schützen zu können (siehe Wiwo). Und: haben uns die Ängste Russlands – dass so oft vom Westen angegriffen wurde, dass man gar nicht weiß, wann man anfangen soll, zu zählen – irgendwann mal interessiert? Haben wir uns mal hingesetzt und gesagt: prima, haben wir verstanden, wir bauen ein paar Basen wieder ab, wir wollen ja nicht, dass sich irgendjemand bedroht fühlt?

Nein. Wir haben mehr und mehr Basen errichtet, wir guten Natoedelmenschen … weil wir ja wissen, dass Putin böse ist. Jedenfalls: inzwischen wissen wir das. Weil wir das so beschlossen haben. Vergessen die Zeit unter Jelzin, als Verbrecher das Land ausplünderten, was unserer Wirtschaft sehr gefallen hat: mit Zwangsprostitution, Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Menschenhandel, Waffenhandel und anderen Geschäften hatten manche Russen endlich genug Geld, sich Porsche und Maserati und fette Jeeps zu kaufen … uns ist ja egal, wo das Geld herkommt, Hauptsache: Umsatz. Das Land drohte mit einem versoffenen Präsidenten ins absolute Chaos zu stürzen … dann kam Putin, über den man auch heute noch sagen kann (siehe t-online):

„Nach den chaotischen Neunzigerjahren hat Putin den Russen Stabilität beschert, er hat ihnen den Großmachtstolz zurückgegeben und die Gier der Oligarchen eingehegt.“

Ja, wird gerne vergessen: Russland versank und Jelzin in Chaos und Anarchie – jetzt kann man in Moskau nachts wieder auf die Straße gehen. Und natürlich bereichert sich Putin samt seinem Unterstützungsapparat an dem Reichtum: muss der unbedingt ein Heiliger sein, um Frieden zu bekommen? Muss der besser sein als unsere Bundestagsabgeordnete, die sich an Maskendeals in Zeiten tödlicher Pandemie (deren Lesart, nicht meine) bereichern, die schmierige Cum-Ex-Banker decken und sie vor Verfolgung schützen (siehe Welt) oder sich ihren SPD-Parteitag von Pfizer sponsern lassen, die an der nachfolgend angedachten SPD-Impfpflicht super verdienen? Der bemüht sich doch nur, ein aufrechter westlicher Edelbürger zu werden, der dann natürlich auch mal Syrien bombadieren will!

Nun – Scherz beiseite: langsam zeigt sich ja auch, dass es dann doch die Versprechen gab, die Nato nicht weiter nach Osten auszudehnen – aktuell sind dazu neue Dokumente aufgetaucht, die die russische Sichtweise bestätigen (siehe Spiegel). Führt das zu einem Umdenken? Zu etwas Verständnis für unseren Klaus?

Nein: unsere politische Debatte gleicht einem Hexenprozess – und hätte Putin nicht eine letzte, vernichtende Möglichkeit sich zu wehren, wären schon Natobomber über seinem Land wie damals über Jugoslawien, wo auch wir Deutsche unser politisches Erbe aus dem Dritten Reich einfach mal vergessen hatten und das erste Mal wieder Jugoslawien bombadierten: ein Angriff, der mit einer großen Lüge begann (siehe Wikipedia)… nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann die Nato erstmal einen illegalen Angriffskrieg, begleitet von der üblichen Lügenpropaganda („irakische Massenvernichtungswaffen“ oder die „Brutkastenlüge“ – um nur einige zu nennen). Wären wir ein Dorf im Mittelalter: bei unserem ethischen Niveau würde Putin schon brennen.

Und wir Deutschen?

Darf ich daran erinnern, dass 20 Millionen russische Bürger ihr Leben ließen, als die Wehrmacht vier Jahre lang Russland terrorisierte und die Zivilbevölkerung in Massen umbrachte? Nahezu jeder russische Bürger – auch in der Ukraine – hat Verwandte dort verloren: das vergisst man nicht so leicht. Das war ein Vernichtungskrieg – an dem sich faschistische Milizen in der Ukraine begeistert beteiligten. Kein Wunder: sie hatten schon 1919 50000 jüdische Mitbürger ermordet, 1941 kamen noch mal bis zu 35000 dazu, zwischen 1943 – 1945 nochmal 90000 Polen (siehe WSWS) … das vergisst mal als russischsprachiger Bürger nicht so leicht. Wenigstens der US-Kongress konnte sich an das Wirken dieser Banden und ihr aktuelles Wiedererstehen noch erinnern, weshalb er die Hilfen für die „Neonazi-Miliz Asow“ unterbunden hatte (siehe DerStandard).

Und wir? Wir Deutschen?

In unserem epischen Kampf gegen Rechts – der aktuell eher gehen friedliche Spaziergänger geführt wird – ignorieren wir echten Faschismus vollkommen: echte Neonazis werben offen dafür, dass sie für Nazikämpfer aus der Ukraine Fronturlaub in Deutschland organisieren (siehe Zeit), echte deutsche Neonazis führen Hitlers Vernichtungskrieg gegen den slawischen Untermenschen als Freiwillige in der Ukraine weiter fort (siehe Spiegel vom 11.11.2017 oder WAZ vom 16.2.2022, dort kann man auch erfahren, dass die Neonazibattalione auch schon mal ausrangierte Bundeswehruniformen tragen, finanziert von Spendenaufrufen deutscher Neonazis).

Aber nicht nur das: wir zündeln von Anfang an auch gerne mit … nur wird das von unseren „Besserbürgern“ gerne ignoriert. 2014 kam es zum großen Skandal: Bundeswehrsoldaten waren in der Ostukraine aufgegriffen worden, behaupteten erst (Lüge), dass sie harmlose OSZE-Beobachter waren, dann berief man sich auf das Wiener Dokument 2011 … das aber auch nicht die Tatsache deckte, dass die Mission von Oberst Schneider in der Ostukraine Karten mit Stellungen der „Rebellen“ anfertigte (siehe AG-Friedensforschung).

Wie sowas wohl in Russland ankommt? Machen wir uns keine Gedanken drüber, wir sind die Herrenmenschen, die sind nur Russen, angeführt von einem größenwahnsinnigen Diktator, dessen Leistung zur Stabilisierung des Landes niemand mehr wahrnimmt.

So dachte Hitler auch schon.

Was sagte eigentlich der Gründer unserer ach so überlegenen christlichen Zivilisation: „Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein“ (Johannes 8, 1-11). Da hier gerade viele – auch angeblich engagierte linke Gutbürger – gar nicht genug Steine aufsammeln können, um sie gegen „Putinversteher“ zu schmeißen (dabei ist ja Verstehen der erste Schritt zum Frieden): können wir dann sagen, wir sind endgültig ein antichristlicher Staat geworden?

Das unser BND-Chef – der eigentlich hier hinter den Schreibtisch gehört – nur mit Mühen durch eine Spezialeinheit aus der Ukraine gerettet werden konnte (siehe Focus – also waren schon wieder deutsche Kampfeinheiten in einem fremden Land aktiv – ohne Bundestags- oder UN-Mandat), darf jetzt natürlich auch nicht die Frage aufwerfen, was der da eigentlich gemacht hat … an geheimen Sachen. Und erst Recht nicht, wie das wohl in Russland ankommt.

Darf man mal erwähnen, dass der russische BIP 2000 bei 209 Milliarden Dollar lag – und in der Putin-Ära auf das Zehnfache anwuchs? Ja, es gibt immer noch Arme in Russland: 13, 5 Prozent (siehe bpb). Wir haben in Deutschland eine Armutsquote von 16,1 Prozent – nur mal so als Vergleich (siehe derparitätische). In der Rankingliste der Staatsverschuldungen nimmt Russland von 190 Ländern den Platz 181 ein – kaum Schulden. Der Wertewesten sieht da ganz anders aus (siehe Wikipedia).

Soviel zu Klaus und Susi … und der Verrohung der Sitten in Deutschland.

Fände es gut, wenn wir edlen Wertewestenbessermenschen uns erstmal in die eigene Nase fassen würden, bevor wir wieder den Herrenmenschen und Lehrmeister der Welt spielen. Wenn wir uns daran erinnern würden, dass wir entweder den Krieg besiegen … oder der Krieg uns als Menschheit besiegt. Dass wir endlich lernen, dass nicht der Feind der Feind ist, sondern der Krieg. Und das es unter uns Menschen gibt – und zwar nicht wenige – die in finanzielles Interesse an Krieg haben: nach aktuellen Plänen wird jeder Mensch in Deutschland – auch jedes Kind – erstmal 1250 Euro für die Aufrüstng ausgeben (siehe Tagesschau): Geld, das überall dringend gebraucht würde, um die massiv gestiegenen Kosten für Heizung, Benzin und Strom aufzufangen.

Aber wer interessiert sich schon im besten Deutschland, in dem wir je gelebt haben, für die finanzielle Leistungsfähigkeit der Armen. Wir haben kein Programm, dass die Armut der Ärmsten erstmal lindern soll, ja, bis 2024 sogar halbieren (siehe BPB)

Lieber … werfen wir den ersten Stein.

Ist Putin deshalb ein Heiliger? Der Einmarsch in die Ukraine völlig ok?

Kein Krieg ist ok. Und kein Politiker ein Heiliger. Leider. Aber wenn wir 100 Milliarden in Friedens- und Konfliktforschung investieren würden anstatt in Waffen – dann hätten wir die Chance, solche Kriege zu verhindern lange bevor sie überhaupt denkbar werden. Lawinen hält man am besten auf, wenn sie noch gar nicht rollen. Aber an der Aufrüstung der neuen Natomitglieder haben sich viele unserer Mitbürger – vor allem in den USA – eine goldene Nase verdient. Und wenn der Krieg zwischen Griechenland und der Türkei wieder aufflammt (aktuell sind da türkische Kampfjets wieder aktiv – ohne dass jemand groß über Sanktionen spricht – siehe RND), dann kämpfen Panzer aus deutscher Produktion auf beiden Seiten!

Wir kassieren richtig ab.

Wahrlich das beste Deutschland, das wir je hatten.

Und wenn alle noch ein wenig weiterzündeln … nun ja: dann bekommen wir vielleicht auch unseren großen thermonuklearen Krieg. Was soll auch schon passieren: Hiroshima und Nagasaki sind ja heute auch wieder blühende Städte … und die Kriegsgewinnler haben schon längst supersicher Bunker, in denen mal lange sehr luxuriös leben kann (siehe u.a. Handelszeitung.ch).

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