Armutsindustrie

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Merkels große Lüge: Deutschland geht es schlecht

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Montag 30.5.2016. Eifel. Was antworten Sie eigentlich, wenn man Sie fragt, wie es Ihnen geht? Ich weiß: „gut“ steht im Verhaltenskodex für Normbürger. Versuchen Sie es mal mit „schlecht“ als Antwort, ich kann ihnen sagen: äußerst unterhaltsam, was man da an Hilflosigkeit im Gesicht des Gegenübers erleben kann. So schön eingespielt sind die öffentlich zulässigen Verhaltensnormen, dass schon Kleinigkeiten genügen, um aus einem Nachbarn einen Staatsfeind zu machen. „Deutschland geht es gut“ – so tönt die deutsche Bundeskanzlerin, weit oben thronend über dem Volk, das zu blöd ist, sich selbst die Schnürsenkel zu binden oder eine Tiefkühlpizza ordentlich aufzubereiten. Pack geradezu, dem man immer erklären muss, wie es sich gerade fühlt – sonst fühlt es nachher wieder falsch.

Ich antworte oft „schlecht“ – es sei denn, mir tut mein Gegenüber leid, weil es einer solchen Antwort nicht gewachsen ist: oft reichen schon Kleinigkeiten, um einen aus der Fassung zu bringen – und man selbst ist schnell im Verdacht, rechtsradikaler arbeitsloser islamistischer Terrorist zu sein … oder wie „der Jude“ heute heißt.  Nicht, dass es mir selber schlecht ginge, im Gegenteil: ich lüge da einfach immer – aus erzieherischen Gründen. Mache ich ja auch bei meinen Kindern, muss ich machen: die haben ein Recht auf positive Zukunftsaussichten – da bleibt nur die Lüge, also muss ich hier die Merkel machen. Mir selbst – also persönlich, in meinen Kreisen – geht es sehr gut. Ich habe ausreichend Zeit, mein eigenes Leben zu leben, habe meine Bedürfnisse schon während des Studiums so weit herunterreguliert, dass sie mir ein Maximum an Freiheit geben, sehe viel Sinn in meinem Leben. Würde morgen der Sensenmann vor der Tür stehen: ich könnte erhobenen Hauptes meinen Platz in der Welt verlassen. Es war ein gutes Leben: turbulent, mit Höhen und Tiefen, reich an persönlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Eindrücken, reich an intensiven menschlichen Kontakten und Bildung. Geld und Gesundheit habe ich seit zehn Jahren nicht mehr – aber wer braucht das schon zum Glück.

Die Antwort „mir geht es schlecht“ ist trotzdem nicht falsch – und ich erläutere sie auch gern, wenn überhaupt noch Nachfragen kommen. In den letzten 15 Jahren haben wir „70 – 80 % der Biomasse an Fluginsekten“ verloren (siehe Nabu). Das haben Sie wahrscheinlich schon selbst gemerkt: wir Naturfreunde merken das schon länger (Bremsen zum Beispiel – waren in unserem kleinen Tal von einem Jahr aufs andere verschwunden), aber Sie als Autofahrer dürften auch gemerkt haben, dass Sie die Scheibe nur noch extrem selten von Insekten befreien müssen – das war früher anders.

Doch es ist nicht nur die Natur, die versagt. Auch unser Wirtschaftssystem ist gestorben, komplett zusammengebrochen. Wir merken es nur noch nicht, weil man uns die Informationen nur noch häppchenweise gibt – und kaum noch einer das notwendige geisteswissenschaftliche Rüstzeug dazu vermittelt bekommt, diese Häppchen wieder zu einer vollwertigen Mahlzeit zusammen zu fügen.

Ich will Ihnen mal eins dieser Häppchen aufzeigen: man findet es in den Kommentaren über den G-7-Gipfel in Japan, wo demokratische Politiker mit zehntausenden Polizisten vor den gemeinen Japanern geschützt werden mussten, ohne dass sich auch nur einer fragte, was denn da nicht stimmt. Hören Sie mal dazu Deutschlands wichtigstes Nachrichtenmagazin (siehe Spiegel):

„Überall grassiert die Unzufriedenheit, und sie wird genährt durch die Tatsache, dass die Wirtschaft in den G7-Staaten seit der schweren Finanzkrise vor acht Jahren noch nicht wieder auf Touren gekommen ist. Das geringe Wachstum kommt nahezu ausschließlich einer kleinen Oberschicht an der Spitze der Einkommensskala zugute, während die Einkünfte der Durchschnittsverdiener stagnieren. Als Folge der weltweiten Niedrigzinspolitik schrumpfen die Vermögen der Kleinsparer.“

Von wegen „Lügenmedien“. Die berichten schon noch die Wahrheit – nur verschleierter als früher. Man ist gezwungen, mehr als die Überschrift zu lesen. Wagt man das, erfährt man erstaunliches. Ich hoffe, Sie haben in den letzten Jahren die Jubelmeldungen über den Triumph des Kapitalismus über die Krise mitbekommen, die gerade in Deutschland ja wöchentlich ausgeschüttet wurden – alles gelogen. Man weiß ganz genau, welche Probleme die Bevölkerung hat:

„die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, die Auszehrung der Demokratie durch den Einfluss der Interessengruppen, das wachsende Gefühl ihrer Wähler, vor den Risiken der Globalisierung nicht mehr ausreichend gesichert zu sein.“

Nur – wie der Artikel im Weiteren darlegt – gibt es keine Lösung dafür. Die Spitzenkräfte unserer Politik und Intelligenz haben nur eins im Sinn: die Parole vom Endsieg auszugeben: „Deutschland geht es gut“. Die Wahrheit würden die seit Monaten stagnierenden Aktienmärkte nicht ertragen: die Titanic hat den Eisberg gerammt, unten steht immer mehr Bürgern das Wasser bis zum Hals, während man oben Kaviar und Champagner in die Rettungsboote packt … und Musikinstrumente zur Unterhaltung, man erinnere sich, den Porsche-SUV nicht zu vergessen.

Die Politik packt Parolen aus, Parolen vom Endsieg der deutschen Wirtschaft: „Deutschland geht es gut“. Die Erfahrung zeigt das Gegenteil. Wir werden darauf vorbereitet, dass auch Einheimische bald in Zeltstädten leben könnten (siehe Focus):

„Laut den Schätzungen der BAG Wohnungslosenhilfe hat die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland im Jahr 2014 mit 335.000 einen neuen Höchststand erreicht, darunter 29.000 Kinder. Bis zum Jahr 2018 könnten weitere 200.000 Menschen dazukommen, befürchtet die BAG W.“

Ein Grund, warum immer mehr Menschen ihre Miete nicht bezahlen können: die hohen Strompreise (siehe theintelligence):

„Aufgrund unbezahlter Rechnungen, wurde in Deutschland zuletzt in über 300.000 Haushalten von verschiedenen Energieversorgern der Strom abgestellt, das entsprach rund 800.000 Menschen. Die Betroffenen haben somit von einem Moment auf den anderen weder Warmwasser, Heizung noch Licht. Dabei ist im modernen Zeitalter ein Leben ohne Strom unzumutbar.“

Was da geschieht? Die Ärmsten finanzieren den grünen Häuslebauern die Solarzellen auf dem Dach und die Subventionen fürs Elektromobil: eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Die starken (oft steuer- oder beitragsfinanzierten) Schultern lassen sich von den schwächsten (auch von Kindern) zum Olymp tragen: perverser geht es kaum noch.

Das gilt auch für andere gesellschaftliche Sphären, die geschickt verschleiert werden. Versuchen Sie mal den Suchbegriff „Arbeitslosenindustrie“ zu googeln – sie werden so gut wie gar nichts finden. Aber „Armutsindustrie“ – das füllt den Rechner aus. Nur: es ist gar keine Armutsindustrie, an Armut läßt sich schlichtweg nichts verdienen, denn … die haben ja nichts, die Armen. An Arbeitslosen jedoch: da verdient man sich eine goldene Nase. Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten verdient daran mit, weil sie Pöstchen in Firmen haben, die die staatliche Ruhigstellung der Arbeitslosen besorgen (siehe freiewelt.net). Für diese Industrie geben wir mehr aus als für die Arbeitslosen selbst (siehe Spiegel):

„49 Milliarden Euro haben der Bund und die Kommunen 2010 für Hartz-IV-Empfänger ausgegeben, etwa drei Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Doch nur ein Teil des Geldes, 24 Milliarden Euro, ist unmittelbar für die Betroffenen bestimmt.“

Kaum zu glauben, oder? Diejenigen, die die Gesetze beschließen, verdienen daran, dass sie umgesetzt werden: da ist jedem Wahnsinn Tür und Tor geöffnet. Einfach mal die Regelsätze verdoppeln und die Arbeitslosenindustrie austrocknen: schon steigt der Binnenkonsum, Arbeitsplätze werden geschaffen, Deutschland wird wieder attraktiv für Investoren, die Jugend bekommt wieder Zukunft. Doch wir: entscheiden uns lieber für das Aufsagen von Durchhalteparolen.

Es ist kein Zufall, dass der Begriff „Arbeitslosenindustrie“ durch den Begriff „Armutsindustrie“ ersetzt wurde: für den armen Rentner interessiert sich nämlich niemand, an dem kann man auch nicht verdienen – es sei denn, man arbeitet in dem überzogenen Gesundheitssegment, verkauft Therapien, die nichts bringen gegen Krankheiten, die frei erfunden sind.

Schon längst ist klar, woran unsere Gesellschaft krankt – und weshalb die „Lügenpresse“ deutlich die Wahrheit sagen kann, ohne dass es jemand merkt (siehe Nachdenkseiten):

„Daher hat in jeder Gesellschaft und in jedem Bereich einer Gesellschaft das Establishment ein Interesse daran, dass Ausbildungsinstitutionen und Medien die Möglichkeiten eines Erkennens von Sinnzusammenhängen in geeigneten Grenzen halten. Fragmentierung – ob durch bildungsbürgerliches Wissen, durch eine PISA-orientierte Schulausbildung, durch ein “kompetenzorientiertes“ Studium oder durch Medien – ist also in diesem Sinne keineswegs Zufall, sondern ein beabsichtigter Prozess, eine Art Herrschaftsinstrument.“

Fragmentierung von Wissen – gäbe es das nicht, Sie wüssten sofort, dass der islamische Terror in der Tat rechtsradikal zu nennen wäre und bekämen Probleme damit, antiislamistische Strömungen als rechtsradikal zu definieren. Wir werden uns diesem Thema ein andermal widmen müssen – wenn es überhaupt noch erlaubt ist:

„Zu einem solchen “Hinterfragen“ sind wir alle von Natur aus befähigt, man muss sich nur entschließen, von dieser Befähigung auch Gebrauch zu machen – das war ja gerade die Leitidee der Aufklärung. Das ist oft mühsam und bedarf der Übung, doch empfinden wir häufig ein Gefühl der Befriedigung, wenn wir den Sinnzusammenhang der Dinge besser verstehen.“

Nur ist diese „Leitidee der Aufklärung“ heute „Verschwörungstheorie“ und de facto verboten – die Gesetze dazu werden sicher noch kommen. Die Titanic sinkt – und in der Dritten Klasse zeigt man Pornos, um für Ablenkung zu sorgen. Wer von Rissen im Rumpf faselt, ist ein Verschwörungstheoretiker. Wer dem Kapitän misstraut, ist rechtsradikal – oder geisteskrank. Immerhin ist die Titanic unsinkbar.

„Das große Versprechen an individuellen Lebensmöglichkeiten hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Es ist Moore, der hier spricht und der einst im Thatcherismus alter Prägung die größtmögliche Erfahrung gesellschaftlicher Perfektion erblickte: „Ihre Chancen für einen Job, für ein eigenes Haus, eine anständige Pension, einen guten Start für Ihre Kinder, werden immer kleiner. Es ist, als ob man in einem Raum lebt, der immer mehr schrumpft. Für Menschen, die nach 1940 geboren wurden, ist dies eine völlig neue Erfahrung. Wenn es noch länger so weiter geht, wird sie ziemlich schrecklich werden.“

Das sagt der Vordenker von Margret Thatcher, dem langsam die Erkenntnis kommt, „das die Linke recht hat“ (siehe FAZ). Der Artikel ist fünf Jahr alt, fünf Jahre, in denen sich nichts geändert hat  – außer dass der Top-Politiker der CDU Friedrich Merz jetzt Lobbyist für den Investmentriesen Blackrock ist (siehe Manager Magazin) – mit einer klaren Aufgabenbeschreibung:

„in der er „die Beziehungen mit wesentlichen Kunden, Regulierern und Regierungsbehörden in Deutschland für Blackrock fördern wird„. Was macht er sonst noch so?

„Aufsichtsrat der Deutschen Börse, Aufsichtsrat bei IVG Immobilien, dazu Beirat der Commerzbank sowie von Borussia Dortmund und Vorsitzender der Atlantik-Brücke“ – viel zu tun, gäbe es da echte Arbeit. Viel Einfluss für einen einzigen Menschen. Fürsten hätte man sie früher genannt. Heute – spricht man einfach nicht mehr von ihnen, hinterfragt nicht die seltsamen Machtzusammenballungen und Ämterhäufungen bei einzelnen Personen … während Millionen immer ärmer werden. Er macht jetzt mit bei der „Auszehrung der Demokratie durch Interessengruppen“ (siehe oben) – und der Steuerzahler hat viel investiert, damit Herr Merz diesen Job machen kann.

Verrückt, oder? Denen darf ich überhaupt nicht mit Insekten kommen – die kaufen keine Aktien, sind also nicht existent: wie Arbeitslose, nur billiger.

Ach ja: Arbeitslose. Zehn Jahre nach Einführung der Hartz IV-Gesetzgebung ist einem Richter etwas seltsames aufgefallen. Ja: wirklich – schon nach zehn Jahren. Die deutsche Intelligenz ist nach wie vor auf dem Damm, muss man sagen. Man stellte in der Tat fest, dass Sanktionen das zuvor mühsam klein gerechnete Existenzminimum unterschreiten – und somit möglicherweise gegen enorm viele fundamentale Gesetze verstoßen (siehe Süddeutsche):

„Eine Million Leistungsberechtigte werden jährlich sanktioniert. Eine Million! Womöglich sind Sanktionen schlicht eine einfallslose Reaktion darauf, dass sich die Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose weiter verschlechtern. Sie werden von den Jobcentern als Kunden bezeichnet – aber oft wie Penner behandelt.“

Hier haben Interessensgruppen die Grundlage von Demokratie und Menschenrechten schon ziemlich ausgehölt: der Staat wird zum Feind der Bürger, die den Folgen der Globalisierung erlegen sind – verliert man seinen Arbeitsplatz, weil Blackrock seinen Firmensitz aus steuerlichen Gründen nach Irland verlegt, wird man prompt als Täter vom Staat verfolgt – nicht nur als Penner. Gipfel der rot-grünen Idiotie war in der Tat, dass man von den Arbeitslosen verlangte, sie sollten die Folgen der Globalisierung für den bundesdeutschen Wirtschaftsraum von jetzt auf gleich ganz allein bewältigen und sich selbst quasi aus dem Nichts einen Ersatzarbeisplatz erschaffen, mit dem sie die Abzocker des Landes weiter subventionieren können.

So etwas wirkt halt auch auf die jungen Leute, von denen sich gerade einer in der Zeit sehr echauffiert – zurecht, wie ich sehe. Man erfährt dort auch nebenbei etwas über die Hintergründe der „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge – etwas, dass man vielleicht gar nicht hören will (siehe Zeit):

„Es sind vor allem die jungen Menschen gewesen, die an Bahnhöfen die Flüchtlinge willkommen geheißen haben.“

„Wie wäre es mit einer Art New Deal für die Flüchtlinge? Wenn wir einen anständigen Batzen Geld, so einen, wie ihn sonst nur Banken und Rentner kriegen, in die Hand nähmen, um damit Integrationsprogramme zu boosten, damit die Flüchtlinge hier ankommen, anpacken können, und in diesen Programmen fände unsereins, die Jungen, unbefristete, vernünftig bezahlte, steuerpflichtige Arbeit. Das wäre doch für alle gut, selbst für die Alten?“

Da hat die prekäre Jugend die Botschaft der „Hartz IV“-Gesetze verstanden und sich selbst Arbeit beschafft – und aus der Traum vom neuen empathischen Deutschland. Die Willkommenskultur war geprägt von Verdienstaussichten im sozialen Bereich für jene, die noch nicht in der „Armutsindustrie“ Fuß gefasst haben. Darum interessiert sich auch niemand groß dafür, dass weiterhin Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken – was wir recht schnell stoppen könnten, wenn „wir“ es wollen würden. Lesen Sie sich den Artikel in der Zeit ruhig mal durch: sie lesen dort von einem jungen Mann die Nöte seiner Leidesgenossen, er macht uns klar, dass bei der nächsten Bundestagswahl 50 Prozent der Wahlberechtigten über 50 sind … und seine Generation schon bei der letzten Wahl nur 15 Prozent der Wähler stellte.

Kein Wunder, dass sich keiner mehr für das Insektensterben interessiert – obwohl diese kleinen Kollegen eine unverzichtbare Grundlage für das Ökosystem bilden.

Und darum geht es mir schlecht – obwohl es mir selber gut geht. Jenseits meines Tellerrandes gibt es keine Zukunft mehr – dafür aber steigenden Wahnsinn … wie kürzlich im Wiener Theater (siehe orf):

„Diese Akkuratesse braucht es auch, wenn auf der Bühne gekotzt wird, wenn Frauen stehend in Glasgefäße urinieren, Pornoszenen nachgestellt werden und 20 Personen wild um sich schlagen, kreischen und schluchzen, wenn rohes Fleisch und Eingeweide geworfen werden, wenn echtes menschliches Blut fließt und Tragödie und Komödie einander abwechseln, wenn mehr als 20 griechische Heldinnen, Helden, Göttinnen und Götter auftreten: Denn 24 Stunden Chaos – das würde rasch langweilig. Es braucht also eine strenge Dramaturgie – und höchste Konzentration.“

Ja, Sie lesen richtig: da wird mit rohem Fleisch und menschlichen Eingeweide geworfen – sie nennen es „Unterhaltung“.

„Fabre teilt seine Erfahrung des Schlafentzugs und er teilt seine körperliche Interpretation dessen, was dem menschlichen Handeln zugrunde liegt: Status wollen. Bestimmen wollen. Und gleichzeitig: alle Zügel fahren lassen wollen, mit jedem ficken wollen, vor Schmerz losschreien wollen, jemandem die Gedärme herausreißen wollen, mit dem man eine Rechnung offen hat. Er zeigt das ganze Spektrum des Scheiterns und Reüssierens in einer Welt, die nur vermeintlich auf Vernunft aufgebaut ist.“

Wollten Sie schon mal jemandem die Gedärme herausreißen, weil Sie … „mit ihm eine Rechnung offen hatten“? Ich hoffe – sie wären angesichts dieser Gelüste sofort zum Arzt gegangen. Was unser Freund Parkwächter dort in seiner genialen Schrift aufgedeckt hat (siehe Nachrichtenspiegel) mag unsere Zukunft sein – eine Zukunft, die hier schon mal spielerisch vorweg genommen wurde. Wie gesagt: „es wird ziemlich schrecklich werden“ – wenn es so weitergeht.

Sagen selbst schon die Konservativen.

Und darum geht es auch mir öffentlich schlecht.

Alles andere hielte ich für verantwortungslos und dumm.

Sie doch auch, oder?

Dann wissen Sie ja, wie Sie ab morgen zu antworten haben.

Die Würde des Menschen ist antastbar. Die Zukunft von Hartz IV – schon jetzt hier. Ein Fallbeispiel….und Livebericht.

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Donnerstag, 10.3.2016. Eifel. Wir müssen uns heute mal über Ihr Schicksal unterhalten. Ihres? Ja, genau, Ihres. Ich weiß, Sie haben Arbeit, fühlen sich gesund, sind noch relativ jung: was soll Ihnen schon passieren? Läuft doch alles super. Sogar der Chef hat sie lieb – Klasse! Vielleicht grillen Sie sogar gelegentlich miteinander … und ziehen dabei über die faulen Hartzer her. Ist ja immer ein tolles Gefühl: „wir“ hier oben gegen „die“ da unten. Wussten Sie schon, dass die gar nicht als Hartzer geboren werden? Das waren mal normale Menschen wie Sie und ich. Und wussten Sie, dass man noch tiefer sinken kann – als klar denkender, durchsetzungsfähiger, leistungsorientierter und arbeitswilliger Mensch in Deutschland? Tiefer als Hartz IV? Nun – lassen Sie mich eine Geschichte erzählen. Die Geschichte einer Frau. Nennen wir sie „Ellen“ – das hört sich cool und schreibt sich leichter als Katharina oder Isidora.

Ellen – ging es gut. Sie war leitende Pflegekraft in einem Krankenhaus – Abteilung Forensik. Da hatte sie wohl ihre Durchsetzungskraft her, immerhin musste sie die kranken Knackis – die Mörder, Zuhälter, Vergewaltiger, Pädophilen – auf Kurs halten. Ein bombensicherer Job, denn: Kriminelle produzieren wir in Serie (sogar in der Regierung sind einige) … und Kranke auch. Doch eines Tages geschah etwas Besonders: es kam ein Mann aus den fernen USA mit einer besonderen Idee: er wollte viele Krankenhäuser aufkaufen, damit sie „wirtschaftlich“ werden. Das war ein toller Mann – ohne Zweifel, denn: er war ein armer Bauerssohn und hatte gar kein Geld.

Dieses Geld bekam er aus den USA. Umsonst (siehe: Nachdenkseiten). Ja – das passiert schon einmal in unserer Welt: so werden Milliardäre gemacht. Es ist mir sehr wichtig, dass Sie das verstehen: wer zum Milliardär wird, wird in Bankzentralen entschieden – dort, wo unser aller Geld liegt. Vom Tellerwäscher zum Milliardär geht nur, wenn die Bank freundlich winkt. Wer zum auserlesenen Kreis passt, bekommt genug Geld geliehen, um ganze Klinikketten aufzubauen, wichtig ist neu eins: dass er die Geschäfte so organisiert, dass das geliehene Geld mit dickem Gewinn zurückkehrt – und genau das scheint die Idee unsere tollen  Mannes gewesen zu sein. Sein Name spielt übrigens keine Rolle, denn: Menschen wie ihn gibt es zu hunderten, zu tausenden, zu zehntausenden. Er ist jetzt Milliardär, kaufte sich das Atlantik-Hotel in Hamburg (wirklich: eine ganz ganz feine Adresse), hatte an seinem Wohnsitz auch noch ein teures Hotel (wo auch Sie für 14000 Euro die Nacht einkehren dürften – oder 21000 Euro, wenn Ihnen der Platz nicht reicht – alles von der Frau des Meisters mit Hilfe von Feng-Shui-Meistern optimiert, siehe Taunus-Zeitung). Sie sehen: das Klinikgeschäft lohnt sich.

Es ist auch wirklich ein toller Mann, die Sylter Rundschau hat mal ein Interview mit ihm geführt (siehe Sylter Rundschau):

„Und zwar einer der tief verwurzelt im katholischen Glauben ist und sich mit Gewerkschaften prinzipiell nicht an einen Tisch setzt. Angeblich, weil ihm aus deren Kreisen in den Asklepios-Anfängen unterstellt worden sei, Scientology nahe zu stehen. Eine Kränkung, die bis heute extrem tief zu sitzen scheint. Genauso wie Vorwürfe, er würde sich auf Kosten der schlecht bezahlten Mitarbeiter persönlich bereichern. „Ich habe noch nie auch nur einen Pfennig aus dem Unternehmen entnommen oder ein Gehalt bezogen“, stellt Broermann glaubhaft klar. Was streng genommen natürlich nichts daran ändert, dass der Gewinn des Konzerns seinen Reichtum mehrt. Allerdings nur, solange seine Kliniken auch wirtschaftlich arbeiten. Sei das nicht der Fall, stünden auch die Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wie gesagt: Klar und überzeugend.“

Klar und überzeugend, dass man ohne Eigenkapital Milliardär wird und die teuersten Hotels Hamburgs kaufen kann, wenn man nichts aus dem Unternehmen nimmt und kein Gehalt bezieht. Überzeugt mich völlig. Zudem läuft das Klinikgeschäft gut – es gibt ja reichlich Fördergelder (also: Steuern, dass zahlen Sie): zum Beispiel 4,7 Millionen für eine Klinik in Falkenstein (siehe Taunuszeitung) oder – für die ganze Branche – 500 Millionen für ein Pflegeförderprogramm, das für mehr Mitarbeiter in den Kliniken sorgen soll (siehe Das Parlament), eine Maßnahme, die nötig wurde, weil die privaten Kliniken natürlich nur rentabel sind, wenn man die Personalkosten niedrig hält (siehe nochmal: Nachdenkseiten):

Seit dem Beginn der großen Privatisierungswelle im Jahre 1995 wurden alleine in der Krankenpflege rund 50 000 Vollzeitstellen abgebaut. Heute versorgt eine Pflegekraft rund 25 Prozent mehr Fälle
als vor 15 Jahren. Alleine die jeden Monat geleisteten Überstunden entsprechen 15 000 Vollzeitstellen. Gespart wird vor allem bei den Gehältern im Pflegebereich: 20 Prozent aller vollzeitbeschäftigten Krankenpfleger beziehen ein Bruttoeinkommen von unter 1 500 Euro und weitere 20 Prozent zwischen 1.500 und 2.000 Euro. Nur 13 Prozent beziehen mehr als 3.000 Euro brutto pro Monat. Sogar die Unternehmensberatung McKinsey, die ansonsten unverdächtig ist, Arbeitnehmerinteressen zu vertreten, brandmarkt diese offensichtliche Diskrepanz »Wenngleich die Beschäftigten in deutschen Krankenhäusern sehr viel leisten, verdienen sie keinesfalls mehr als ihre Kollegen im Ausland. Im Gegenteil: Die höchste Produktivität geht einher mit dem niedrigsten Gehaltsniveau.«

Wer sich für die „Verdichtung der Arbeit“ (nicht: Vernichtung durch Arbeit, das ist ähnlich, aber anders gemeint) interessiert, sei auf das Laubournet verwiesen (siehe: Labournet) wo der betriebliche Kampf gegen die Arbeitsbedingungen in Privatkliniken dokumentiert wurde. Natürlich hinterlassen solche betriebswirtschaftlichen Durchmärsche auch Opfer wie den 29-jährigen Thomas Schmidt – man hat ja im Rahmen der verdichteten Arbeit nicht wirklich für jeden Patienten Zeit (siehe NDR). Auch die Sylter Geburtsklinik hatte da Todesfälle wegen Qualitätsmängeln zu verzeichen (siehe Spiegel) – es lag natürlich nicht am Betreiber.

Jetzt haben wir viel über die Gesundheitsreform gesprochen und darüber, wie man dort Milliarden verdienen kann – es wird Zeit, zu Ellen zu kommen: nun kennen Sie ja das Umfeld, in dem sie sich bewegt hat.

Ellens Pech war, dass sie in einem der privatisierten Krankenhäuser arbeitete – und zudem Mitglied einer Gewerkschaft war … jenen „Gewerkschaften“, mit denen „man sich nicht an einen Tisch setzt“ – jedenfalls nicht dann, wenn man Milliardär mit Luxushotels ist und an Gehältern sparen möchte. Nach der Privatisierung wurde sie zur „unerwünschten Person“ – hatte sie doch einen jener Arbeitsverträge, die betriebswirtschaftlich außerordentlich unerwünscht war – auch wenn sie dafür (wie momentan alle Pflegekräfte) an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeitete. Um rentabel zu werden, musste ein Drittel des Personals gehen, also wurde „Druck“ ausgeübt. Wir kennen das: so arbeitet auch die Regierung mit den Opfern solcher tollen Männer: auch die werden gedrückt (hier wäre das Wort „genötigt“ eher angebracht) jene Jobs aus eigener Kraft zu finden, die bundesweit von Milliardären und ihren Millionärsbütteln abgebaut wurden.

Der Druck war so groß, dass sich ein Arbeitskollege während der Arbeit das Leben nahm. Gearbeitet wurde mit allen Mitteln: Rufmord, Ausschluß aus Teambesprechungen, schikanöse, gesundheitsgefährdende Dienstzeiten … und das alles im sensiblen Bereich der Forensik. Unexaminierte Billigkräfte wurden für die Herausgedrückten eingestellt (da gab es wohl auch schon eine eigene Leiharbeitsfirma des Konzerns, die die Billigkräfte rekrutierte – wir kennen das aus allen anderen Branchen), die wenigen Qualifizierten, die übrig blieben, mussten die dreifache Arbeit machen: alles zum Wohle der Rendite. „Leistung muss sich wieder lohnen“ gilt halt nicht dort, wo echte Leistung erbracht wird, sondern nur dort, wo Kapitalmengen für Parteispenden gesammelt werden.

Kurz gefasst: in dieser Entsorgungsorgie verlor auch Ellen ihren Arbeitsplatz – sie war im Laufe vieler Arbeitsjahre einfach zu teuer geworden. Leistung soll sich ja nicht für die lohnen, die sie erbringen, sondern lieber für jene, die sie verwalten: da stehen Unternehmer und Politiker dicht nebeneinander. Leistungsorientiert und Egoman wie unsere Idealmenschen nun mal sind, verließ sie auch ihr Lebenspartner (betriebswirtschaftlich vorbildlich wie der tolle Mann mit den Kliniken) … samt allem Geld, dass sie angespart hatte. Nicht schön – aber trotzdem real in unserem guten, neuen Deutschland. Da stand Ellen auf einmal vor einem Problem, dass viele haben: ohne Wohnung (die sie allein nicht halten konnte) gab es keine neue Arbeit, ohne Arbeit keine neue Wohnung. Man kennt das ja. Eine Zeit lang kam sie bei Freunden unter – die jedoch immer weniger wurden. Auch das kennt man ja: wer den Judenstern – äh, nein – den Armutstern trägt, ist draußen und lernt, dass er kaum wirklich echte Freunde hatte.

Doch da: kam Hilfe am Horizont. „Man“ hatte gemerkt, dass es da einen Markt gab: Menschen, denen keiner mehr eine Wohnung vermietet, weil die staatlichen Regelsätze in Großstädten gerade mal die Übernachtung in ungeheizten Wohnwagen reichen … von denen es nur wenig gibt. Da das Problem vor allem Frauen betraf, die von Männern bedroht wurden und plötzlich ohne Heim darstanden, hatte man auch eine Lösung gefunden: man mietet ganze Häuser an und bringt die Frauen dort unter.

Ich habe nun mehrfach mit Ellen telefoniert, habe Fotos ihrer alten Wohnung gesehen: da steckte schon Geld in der Einrichtung, das war schon gehobener Wohnkomfort, wie man ihn sich leisten kann, wenn man Arbeit hat. Nun wartete auf Ellen – innerhalb kurzer Zeit – ein Zimmer in einer WG.

Im Prinzip: eine gute Sache, auch wenn man selber den Sturz „nach ganz unten“ erstmal verdauen muss, so hat  man es doch geschafft, nicht auf der Straße zu landen – wie 350 000 (bald 500 000) andere, für die es nur ein klein wenig schlechter lief. Und eine WG ist auch eine schöne, kostengünstige Angelegenheit … es mussten nur ein paar Verträge unterzeichnet werden, schon war man nicht mehr in Gefahr, die nächste Nacht auf der Straße verbringen zu müssen. Ja: so ist unser Sozialstaat – er zahlt im Notfall für 6 Monate die normale Miete weiter, dann droht die Räumung, immer häufiger auch nach dem „Berliner Modell“ … wo man von seinem Besitz noch eine Tasche füllen darf, der Rest kommt weg. Da werden Existenzen komplett vernichtet, um die sich keiner kümmert, weil sie ja – plötzlich und unerwartet – parasitäre Sozialschmarotzer geworden sind … ganz anders als die tollen Milliardäre, die das Land zum Ruhm führen.

Ja … die Verträge. Wer hat schon Zeit, die alle in Ruhe durchzulesen – wenn Obdachlosigkeit droht. Was nebenbei zu den Verträgen gehört: die Hartz IV-Gelder gehen an den Träger des Hauses – nicht mehr an die vollmündigen Bürger. Man hat auf einmal einen Verwalter, der sich zwischen die Bewohner und das Amt schaltet – und sich das auch bezahlen läßt. Von dem persönlichen Regelsatz von 404 Euro werden erstmal 108 Euro abgezogen – von jedem Bewohner. Das Amt zahlt 354, 20 Euro pro Person an Miete – für ein Haus, in dem häufiger schon mal die Heizung ausfällt. Dafür aber bekamen diese 5 Frauen: eine Betreuerin (nein, keinen Vormund, sondern jemand, der täglich kontrolliert, ob sie auch das Haus gründlich putzen), eine Einkaufshilfe (wo man Frauen, die ihr ganzes Leben im Beruf standen, vermittelt, wie man einkaufen geht) und einen Erzieher (der sie gelegentlich mal ins Spaßbad einlädt oder einen Kochkurs anbietet – dafür zahlen sie ja auch 108 Euro im Monat).

Sie dachten immer: Hartz IV ist ganz unten? Lassen Sie sich überraschen, es geht noch viel weiter runter. So musste man zum Beispiel – um überhaupt aufgenommen zu werden – alle behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbinden, verpflichtete sich, keinen Alkohol im Haus zu trinken und den Zugang zu den Privatzimmern jederzeit zu gewähren. Überraschenderweise möchte die Verwaltung auch die Eingliederungsvereinbarungen mit dem Jobcenter selbst verhandeln … und Blankounterschriften unter Vereinbarungen, die unter Umständen dazu führen, dass die Bewohner des Hauses … eine gerichtlich bestellten Vormund bekommen, ohne davon Kenntnis zu haben. Für „Unterhaltung“ sorgen auch größere Mengen an „therapeutischen Helfern“, die gelegentlich in Gruppen von bis zu vier Mann (ja: dafür ist Geld da) ins Haus einfallen um … zum Beispiel eine Glühbirne auszuwechseln. Selbstverständlich … gelten die Zimmer als Privatsphäre, die geachtet wird – allerdings ist schon auffällig, dass nach Abwesenheit der Bewohner schon mal die Fenster (scheinbar von Geisterhand) frisch geputzt sind … ein Service, den man natürlich auch positiv sehen kann.

Ja, Ellen meint selbst, sie habe vor zwei Wochen zuviel unterschrieben. Natürlich bekam sie keine Kopien der Verträge – auch nicht auf Nachfrage. Aber Drohungen – die gab es. Die sind ja auch leicht und unaufdringlich formulierbar – immerhin kann man sie ja jederzeit auf die Straße werfen. Ellen ist Ende fünfzig – und will wieder in ihrem alten Beruf arbeiten. Ellen ist eine sehr dynamische, wortgewandte und durchsetzungsfähige Person – trotzdem sieht sie die Möglichkeit, dass sie mal als Kunde in der Psychiatrie enden wird – vielleicht schon bald. Der Weg dorthin ist einfach: je mehr sie sich gegen die entwürdigende Entmündigung wehrt, um so renitenter wird sie wahr genommen, als Querulantin beschrieben, die sich selbst in Gefahr bringt … und schon wäre sie weg. Natürlich bringt sich jeder selbst in Gefahr, der die Anweisungen seines Herrn nicht befolgt … weshalb man vernünftigerweise diesen Anweisungen zu folgen hat, jenen Anweisungen, die bei einer Mitbewohnerin mit Arbeitsplatz jetzt dazu führen, dass man sie anleitet, in ein Altenheim mit Betreuung zu ziehen – mit 60.

Es ist schon … denkwürdig, wenn man sie anruft und keiner geht ans Telefon, weil … „gerade Kontrolle ist“. Es ist unheimlich, mitzubekommen, wie sie „das blanke Entsetzen packt“, wenn die „Betreuer“ mit neuen Ideen auflaufen – wie sie erst heute morgen geschrieben hat. Es ist … beunruhigend, zu wissen, dass es jederzeit ganz ganz still um Ellen werden kann. Für immer. Vielleicht … sitzt sie heute Abend schon auf der Straße? Immerhin … weigert sie sich, weitere Entmündigungen hin zu nehmen. Oder sie äußert weiter konsequent ihren Unmut über Putzkontrollen, Entmündigung und Einkaufshilfen – und landet dann als „Querulant“ dort, wo sie ihr Leben lang gearbeitet hat? Nur halt als Patient, als Opfer einer „Armutsindustrie“, die allein 2011 schon mehr als 25 Milliarden Euro umsetzte (siehe Spiegel), also deutlich mehr, als den Arbeitslosen selbst für die Selbstorganisation ihres Überlebens zugestanden wird.

Auf der anderen Seite sitzen natürlich nur die Guten, die helfen wollen. Wie immer. Die Milliardäre mit Herz.

Warum ich diese Geschichte erzählen wollte? Weil Ellen schon jetzt in einer Zukunft lebt, die allen „Überflüssigen“ droht. Die Wirtschaft braucht keine Vollzeitarbeitsplätze mehr, sie braucht immer weniger Menschen, die teuren Alten sind ihr sowieso zuwider. Fünf Jahre Praktikum, dann zehn Jahre Leiharbeit, dann staatlich organisierte Endlagerung: das ist die Perspektive der Zukunft, der feuchte Wunschtraum jedes Leistungsverwalters: Gratisarbeit dank Staatsgewalt – so ist der Mensch profitabel für die Firma. Wer Glück hat, darf in der Endlagerverwaltung als Erzieher arbeiten – als einer jener, die „ihren Namen tanzen können“ … wie Ellen ihren Erzieher beschrieb. Ja – sie hat mit 57 Jahren wieder einen Erzieher. Und einen Einkaufshelfer. Und eine Putzkontrolle. Und eine indirekte Entmündigung. Sie selbst – will einfach nur wieder arbeiten gehen. Dort, wo sie gute Arbeit geleistet hat. Doch: ohne Wohnung – keine Arbeit.

Und mit Hartz IV: keine Wohnung.

Die in jenen Häusern gemachten (lukrativen) Erfahrungen werden sicher bei der Endlösung der Arbeitslosenfrage helfen. Diese … wird schon langsam ins Auge gefasst (siehe 3Sat):

„Ein disqualifizierter Konsument hat einen ganz anderen sozialen Status als die industrielle Reservearmee. Ein disqualifizierter Konsument ist völlig nutzlos“, so Baumann weiter. „Ein hoffnungsloser Fall für die Gesellschaft. Wenn man absolut zynisch ist, würde man sagen, unserer Gesellschaft ginge es viel besser, wenn diese armen Menschen, die keine richtigen Konsumenten sein können, einfach verschwinden würden.““

„So erklärt es sich, warum der Staat sich immer weniger um seine Arbeitslosen kümmert. Er weiß, dass diese Menschen nicht mehr gebraucht werden. Sie liegen dem Steuerzahler nur auf der Tasche.“

Abfallmenschen – so nennt der hier ziterite Soziologe die neue Kategorie von Mitbürgern, deren Entsorgung gerade ausprobiert wird. Immerhin … will auch der Finanzminister seine schwarze Null, damit der die Qualitätsmängel der Milliardärsfirmen sorgenfrei ausgleichen kann.

PS 1: ach ja, Sie interessieren sich jetzt noch für den Erfolg der Gesundheitsreform? Sie Witzbold. 2005 waren es knapp 240 Milliarden, 2014 – dank effektivem Einsatz fleißiger Milliardäre – 328 Milliarden (siehe Statista) die wir in diesen Moloch ohne Grund und Boden investiert haben (siehe Statista). Nun ja – nun müssen wir ja von unseren Beitragsgeldern auch noch Konzerne durchfüttern und Investoren glücklich machen, das kostet halt.

PS 2: Ja – und wirklich: Sie können sich sicher sein, dass genau heute hoch bezahlte jugendliche Unternehmensberater an Ihrer Abschaffung arbeiten. Viel Spaß beim Grillen mit dem Chef.

PS 3: Ellens letzte Worte heute Morgen waren in der Tat: „Was passiert hier bloss? Mich packt das blanke Entsetzen“. Ich weiß nicht, ob ich je wieder von ihr hören werde. Jetzt auf jeden Fall nicht: während der täglichen Kontrolle wird nicht telefoniert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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