Armut

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Hartz IV – die leise Hinrichtung der Kikki W. und der Applaus der Masse

Hartz IV - die leise Hinrichtung der Kikki W. und der Applaus der Masse

Mittwoch, 3.2.2016. Eifel. Wer mit Kikki W. Geiß telefoniert, wird überrascht sein. Sie gehört zu den Menschen, die ich per Facebook kennengelernt habe. Sie hatte eine – inzwischen geschlossene – Gemeinschaft mit dem Namen“die sterbende Frau in der Pampa“. Wie man seit ein paar hundert Artikeln von mir weiß, beobachte ich den Sektor Hartz IV sehr genau: es geht um die Zukunft meiner Kinder. Ich selbst habe nicht mehr viel davon, die aber: denen steht noch einiges bevor. Geht auch um das Schicksal des ganzen Landes, der Wirtschaftsgemeinschaft Bundesrepublik. Natürlich wissen wir, dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss – einmal abgesehen von Obdachlosen. Ach ja: diese Obdachlosen (die es ja eigentlich nicht gibt) – 240 000 Menschen in Deutschland haben keinen sicheren Wohnraum, 24000 leben nur noch auf der Straße, doch die Zahlen sind nicht sicher, nur geschätzt. Warum man in einem Land, dass eine riesige Behörde für Statistik beschäftigt, keine konkreten Zahlen über massiv hilfsbedürftige Menschen erhält, hat einen einfachen Grund (siehe Zeit):

„In der Antwort der Bundesregierung, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt, lehnt die Regierung unter Federführung des Sozialministeriums eine Wohnungslosenstatistik ab. Sie verweist auf eine Anfrage von SPD, Grünen und Linken aus dem Jahr 2012 und sagt: „An den grundsätzlichen Einschätzungen hat sich nichts geändert.“ Eine Wohnungslosenstatistik sei nicht realisierbar, weil der „finanzielle und bürokratische Aufwand für die Einführung einer neuen Statistik auf Bundesebene mit sehr begrenzter Aussagekraft nicht zu rechtfertigen“ sei.“

Lebensgefahr für 24000 Menschen? Oder – langfristig – 240000? Kein Thema für die Bundesregierung. Das – schaffen wir nicht. Zuviel Aufwand. Interessiert auch keinen. Sollen die doch verrecken, die Verlierer. Tun die ja auch – ganz offen in Berlin am Kurfüstendamm, dem Herz der Republik, scheiden die dahin – möglicherweise erfroren, aber wen interessiert das schon wirklich (siehe Morgenpost). Müssen hunderte Menschen miterlebt haben – hippe, junge, erfolgreiche Selfmadestars, die die Straßen Berlins bevölkern, mit Steuermitteln reich gepumpte Abgeordnete, Banker mit dem Fachgebiet Steuerhinterziehung, Ministerialbeamte mit Luxuspensionen für die Ewigkeit, Lobbyisten mit Säcken voller Geld für Demokratieaushöhlung und was da noch alles so in der Hauptstadt einherschlendert: das neue Deutschland erinnert an ein Bild von Otto Dix – Großstadt – wo die Promis eiligst an den zerfetzten und zerschossenen, verstümmelten Kriegsveteranen vorbeiflanieren, um zu neuen Partyzonen zu gelangen.

Zurück zu Frau Kikki W.

In ihren Einträgen findet man viel Bitterkeit, Zorn, Wut – umso überrschander ist es, wenn man persönlich mit ihr spricht. Sie wirkt wie eine junge Frau mit gerade abgeschlossenem Einsersstudium, die einen fetten Vertrag mit der Deutschen Bank in der Tasche für – für die Filliale in New York natürlich. Einer der ganz wenigen Momente in meinem Leben, wo ich mich mal in der Einschätzung einer Person geirrt hatte. Trotz großer Not eine ruhige, klar denkende, bewusste Person vor mir zu haben, war eine Überraschung. In Wirklichkeit ist sie aber eine Frau, die vom „Sozialstaat“ zum Tode verurteilt wurde – was sie zu einem außerordentlichen Schritt veranlasste: sie ging mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit, weil sie seit dem 1.2.2016 als „unerwünschte Person“ kein Geld mehr bekommt. Ja – dieser Hilferuf ist mir dann aufgefallen – und ich möchte Ihnen diesen nicht vorenthalten:

So Leute ich sage es Euch wie es ist, finden wir nicht in Kürze ein neues zu Hause weit weg von diesem hier, dann war es das ….. Ich war eben mit den Hunden „ spazieren“ was ja eher einen Spießrutenlauf gleichkommt. Man hat sich was neues einfallen lassen, man versucht die Hunde zu provozieren, dass sie angreifen. Zum Glück hatte ich nur die dabei, die wirklich gelassen sind. Hintergrund ist klar, Hund greift an aggressiv muss weg.

Ich werde NIEMALS eines meiner Tiere im Stich lassen. Nur das alles hier hält man nervlich nicht mehr aus, abgesehen von den finanziellen Einbußen die man hier einem zumutet‘ indem man ihn einfach aushungern lassen will. Nein, ich beuge mich auch nicht und ich sage was ich denke und stehe dazu. Ich weiß viele können damit schwer bis gar nicht umgehen, aber es ist niemand gezwungen zu lesen was ich schreibe oder überhaupt sich meine Gesellschaft in irgendeiner Weise zu Gemüte zu ziehen.

Es geht hier nicht weiter. Seit mehr als einem Jahr habe ich hier gekämpft, gebettelt und versucht irgendwie raus zu kommen. Mir wurden mehr Steine in denWeg gelegt , als ein Steinbruch beinhaltet. Menschen haben mich gemobbt, den Tieren ihre Paten vergrault und alles versucht um mich schlecht zu machen. Hier vor Ort, werden Giftköder, Glas und anderes in den Garten geworfen, dass bezahlte Land einfach für sich beansprucht. Gedroht, Zaun kaputt gemacht, Reifen zerstochen . Das ist kein Leben und es interessiert evtl. niemanden , denn ich schreie hier gerade nach Hilfe für uns. Vielleicht bin ich kein guter Mensch, evtl. hin und wieder gemein und hässlich, aber ich bin zumindest authentisch und nicht so verlogen , wie so mancher hier. Ich heuchel auch nicht, mache keine traurigen Bilder meiner Tiere und bitte um Hilfe, nein denen geht es nunmal gut, solange wir zusammen sind.

Ich habe alles gegeben, mein letztes Hemd, alles verkauft, was nicht Niet- und Nagelfest war . Habe gehungert und verzichtet. Weder Klamotten noch Friseur geleistet. Ich will weder Dank noch Anerkennung, bekomme ich alles täglich durch die Vierbeiner.

Ich wehre mich gegen diese korrupten Verstrickungen zwischen Landrat, Gerichten , Vermieter, Nachbarn und dergleichen.

Habe Menschen die berühmt sind und sich immer hier stark für Tierschutz, Menschenwürde usw. machen gebeten, meine Gesuch nach einem zu Hause mal bei sich zu posten, damit viele Leute, denen doch sowas auch wichtig ist mitbekommen und evtl. irgendwer dabei ist, der ein kleines Haus mit Grundstück ohne Nachbarn hat, wo meine Tiere und ich endlich zur Ruhe kommen könnten, soll ja nicht mal umsonst sein. Aber nein, man predigt zwar immer seine guten Taten und wie sehr man sich einsetzt, aber sowas zu teilen wäre wohl unmöglich. Zumindest tut man es nicht und man reagiert auch nicht auf diese Bitten mit einem Wort. Okay, ändern kann ich das auch nicht, finde es nur traurig, kann nur versuchen alles zu tun. Andere meinen Kasse mit den Tieren machen zu können und bieten an “ auf ihre Kosten “ zu vermitteln. Leute hier lebt ein Rudel, das sich gegeneinander und vor allem miteinander hält . Alle haben schlimmes erlebt und das Rudel gibt Sicherheit und Frieden . Ich werde dieses Rudel was echt schön chaotisch ist nicht auseinander reißen. Und nein, ich poste nun auch keine mitleidsvolle Bilder, ich gebe auch keine persönlichen Daten raus. Wer mir ein zu Hause geben kann und will, der darf das gerne erfragen, aber bitte nicht hier die Leute, die einfach nur ihre Neugier stillen wollen, oder verzweifelt suchen womit man mir einen reinwürgen kann.

Meine Tiere haben weder gehungert, noch fehlt es Ihnen an Pflege oder sonstigen. Denn im Gegensatz zu ganz vielen anderen, gebe ich wirklich mein letztes Hemd für Tiere und dreimal für mein Rudel. Ich bin kein Schwätzer ich gebe sie auch nicht her, damit ich dann ein einfaches Leben führen kann. Das wäre für den einen oder anderen das sichere Todesurteil

Es ist verdammt viel Arbeit, jeden Tag, Woche, Monat, Jahr von früh bis spät, aber ich mache das sehr gerne und erhalte den schönsten Dank, denn dieses Rudel liebt mich wie ich sie. Also kommt bitte nicht mit Sprüchen von trennen oder sonstiges.

Sorry, wenn ich es so klar hier schreibe, aber ich habe die Nase voll, von all denen die zwar immer Fehler finden, aber wie man es besser machen kann , dazu fällt ihnen dann nichts ein.

WIR BRAUCHEN NUN HILFE VON DEN LEUTEN DIE AUCH HELFEN WOLLEN UND KÖNNEN.

ich habe mir die Finger wund gewählt und mit vielen Maklern und Vermietern gesprochen. Es ist für eine Einzelperson mit Tieren nahezu unmöglich etwas zum mieten zu finden. Heute erst sagte mir ein Makler, der sehr nett war, dass die Vermieter alle ihre Preise angezogen haben, weil der Staat ja gerne mehr zahlt für unsere Neubürger und wirtschaftlich gesehen verstehe ich das auch. Nur heißt es im Umkehrschluss, dass ich nichts finden werde.

Man meinte ich sollte kaufen…..klasse, mir gibt auch jede Bank direkt ein Darlehn. Klar ist eine Finanzierung günstig und die monatliche Belastung machbar, aber wir leben in Deutschland, da bekommt man nur Geld, wenn man welches hat und nicht wenn man es braucht.

Was suchen wir also ? Ein Wunder ….. Ein kleines Haus, das bitte Sanitäre Anlagen, Strom und ein dichtes Dach haben sollte. Einen Ofen oder Heizung ansich und was halt wichtig ist, Alleinlage mit Land drumrum, wo die Tiere laufen dürfen ohne wenn und aber. Sowas gibt es , teilweise für kleines Geld , aber wer nicht mal kleines Geld hat, weil er hier alles alleine stemmt, nun für den ist auch ein Euro unerreichbar.

Ich weiß nicht weiter . Ich finde keine Lösung mehr, keine Perspektive. Ein Investor, der sein Geld in Immobilien anlegen mag, das wäre der 6 er im Lotto, aber woher nehmen wenn nicht stehlen. Die Leute die ich von früher kenne , die schauen mich wegen meiner Lage kaum mit dem Hintern an. Ist halt so, ihr gutes Recht.

Ich kenne viele und doch niemanden.

Oder ich finde 50 Tsd. Leute die mir jeweils 2 Euro leihen, aber hier teilt ja kaum einer, wenn es nicht um was brisantes aus dem Mainstream geht. In Amerika würde man das hinbekommen . Nein , ich will gar keinen Besitz, ich will einfach ein zu Hause und Ruhe, mehr nicht. Ich brauche kein Eigentum . Was wir aber ganz dringend brauche ist ein zu Hause.

Also wer was tun kann, der tut es bitte und wer helfen will auch später irgendwie, sehr gerne . Wir sind glaube ich gar nicht so verkehrt. Auf keinen Fall reich an materiellen , denn da ist so gut wie nichts mehr , aber wir sind sehr reich an Liebe .

Wäre schön wenn das hier was bewirkt. lch weiß einfach nicht mehr weiter.

Die Geissleins ( Mensch und Tier mit Herz und Werten )

Das wäre schön: 50000 Leute, die ihr jeweils 2 Euro leihen. Gäbe es die – hätte Kikki ihr Haus. Ich kenne da eins, das ideal wäre – auch und gerade für ihre beruflichen Pläne. Doch ihre Erfahrungen mit ihren Mitmenschen sind da ganz anderer Art:

Ich bin für die meisten schuldig an meiner Lage und deswegen soll ich doch verrecken, so die Wahrheit dieser Gesellschaft. Das ich mich um Tiere kümmere, wofür andere sich bezahlen lassen , wird mir als Luxusleben ausgelegt und Dreistigkeit so leben zu wollen. Das ich hier ein einem Haus wohne ist direkt Luxus, oh sie fährt Auto, hat Internet, diese Betrügerin will sich von anderen Ihr tolles Leben bezahlen lassen. Ja, so redet man sich sein eigenes Gewissen wohl rein, denn nicht einer dieser Menschen hat mich je gefragt wie ich lebe, wie mein Tag aussieht, ich bin ein Luxus oder eine Schmarotzerin das Urteil über mich ist in dieser Gesellschaft gefallen und ich bin es müde zu widerlegen. Ich bin es leid, ich bin dieses Gehetze und gemobbe müde und am Meisten tut die Ignoranz weh, von Menschen die mich kennen von früher .

Ja – Kikki war nicht immer arm, doch ich traue mich das kaum noch zu schreiben. Wer um Hilfe ruft, bekommt heutzutage vor allem eins: tausend Richter (auch aus dem Lager der „Hartzer“), die erstmal alles genau wissen wollen, die prüfen wollen, ob es sich überhaupt um „schützenswertes Leben“ handelt, ein privater Volksgerichtshof der Hassfratzen, die vor allem eins vergessen haben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – jedenfalls in diesem Land. Aber darauf sind wohl erstmal alle richtig geil, wenn aktuell jemand am Boden liegt: drauftreten – und den „Existenzberechtigungsschein“ überprüfen. Wundert sich da jemand, dass es Menschen gibt, die sich „Antideutsche“ nennen?

Ich weiß: alle denken jetzt – Anwalt nehmen, durchpauken. Hat Kikki alles schon hinter sich, sie war sogar schon beim Bundesverfassungsgericht – das jetzt angeordnet hat, dass weitere Post von ihr nicht mehr beachtet wird. Ein weiter Weg für den Kampf einer Familie. Ja, es gibt auch Anwälte – Anwälte, die erleben durften, wie ihre verharzten Mandanten sich das Leben genommen haben und die deshalb nichts mehr mit dem Themenbereich Hartz IV zu tun haben wollen. Der Kniff, mit dem ihr jede Hilfe der Optionskommune entzogen wird, ist einfach – aber genial (und spart dem Staat viel Geld). Kikki wohnt in einem Haus, dass zu teuer ist, mit dem Partner angemietet, als es finanziell noch sehr gut ging – einem Partner, der fort war, als es schlechter ging: ein richtiger Fall unverschuldeter Not. Wir reden auch nicht über eine Luxusvilla, sondern über eine baufällige alte Ostfriesenhütte – Durchzug inklusive.

Die rechtliche Auseinandersetzung ist in Kikkis Internetauftritt fotografisch gut dokumentiert. Die List, mit der sich die Optionskommune ihrer Verantwortung entzieht, auch. In ihren eigenen Worten klingt das so:

Die begründen das indem sie meinen Antrag auf Bedarfsdeckung umwandeln in einen Antrag auf höhere Mietkosten. Das zum Zwecke, damit die Leute direkt sehen sollen, ah die Dame wohnt im Luxus und wir sollen den bezahlen. Sind ja nicht dumm und wissen wie sie es machen mit dem Bürger und dem Neid. Im Gesetz steht, das wer in Not gerät, 6 Monate Zeit bekommt diese zu beseitigen sonst wird reduziert. Das Urteil vom 09.02.2009 sagt, der tatsächliche Bedarf ist zudecken. Davon will aber keiner was wissen. Denn tatsächlich ist dieser Hartz Satz eine Pauschale. Das Verfassungsgericht hat damals gesagt, dass das Existenzminimum nicht bestimmt werden kann und somit hier diese Pauschale festgesetzt wird und Leute die mehr brauchen dies nachweisen sollen und dann bekommen. So die Theorie. Fernsehn, hatten wir schon die greifen dieses Thema nicht auf und Anwalt ebenso wenig. Diese Ratschläge kenne ich alle und laufen ins Leere. Habe schon alles versucht . Ich bekomme keine Leistungen , auch ein Darlehn wird abgelehnt . Gutscheine bekommst du nur wenn du sanktioniert bist, nicht wenn eine Totalversagung vorliegt. Mein Antrag liegt Gericht und Landrat vor, man entscheidet einfach nicht. Spielt auf Zeit .

Sie hat kein Recht auf Leistungen, weil sie Miete zahlt, die ihr nicht zusteht. Zahlt sie nicht, folgt die fristlose Kündigung, die Obdachlosigkeit, der Tod … wie bei dem Mann auf dem Kurfürstendamm. Wie oben geschildert ist der verantwortliche Landrat (Jurist, SPD) scheinbar nicht gewillt, hier der Not Abhilfe zu schaffen. Und außerdem … beseitigt sich dieses Problem ja auch von ganz allein. Ohne Geld. Da wir Obdachlose ja nicht zählen, verschwindet Kikki dann ja auch im Nichts … bzw. auf dem nach Behördenangaben sehr „entspannten Wohnungsmarkt“.

Was verdient eigentlich so ein Landrat? Es gibt da einen ganz mutigen, der das mal öffentlich gemacht hat: 8520,59 Euro im Monat (siehe: der gläserne Landrat). Dazu kommt eine Dienstaufwandsentschädigung, ein Dienstwagen mit Fahrer und eine Altersvorsorge, in deren Genuss man auch in sehr jungen Jahren kommen kann … wenn man nicht wiedergewählt wird. In Hessen reichen schon sechs Jahre als Bürgermeister, um Pensionen bis zu 4200 Euro Netto im Monat zu erhalten (siehe HNA). Für manche Dinge ist Geld da – für andere eben nicht. Kein Geheimnis ist, dass diese Pensionsansprüche (in Höhe von EINER BILLION EURO – siehe Wiwo) nicht mehr finanzierbar sind – doch davon müssen wir ein andermal reden.

Kikki hat konkrete (und realistische) berufliche Pläne für die Zukunft, kein Interesse, es sich in Hartz IV „bequem“ zu machen, braucht nur kurze Zeit Hilfe, um ein Zuhause zu finden. Eine Selbstverständlichkeit – in einem „Sozialstaat“. Jetzt aber … sieht es eher nach „Endstation Kudamm“ aus.

Ich nenne das … eine leise Hinrichtung. Kann mich halt noch daran erinnern, dass „Aushungern“ eine Kriegswaffe ist. Nun – diese Waffe wird gegen viele im Land eingesetzt, um sie zur Niedriglohnarbeit zu zwingen. Das ist ekelhaft, aber nicht neu. Wirklich widerlich jedoch … sind hier die Mitmenschen. Ich verstehe langsam, warum unzählige Frauen auf Scheiterhaufen brennen mussten … und denke, wir nähern uns vom Klima wieder diesen Verhältnissen an – mit großen Schritten.

Vielen Dank jenen, die sich auf Facebook nach der ersten Veröffentlichung bereit erklärt haben, eine kleine Spende zu schicken. Wie üblich waren es Menschen, die selbst so gut wie Nichts haben – dort ist Menschlichkeit noch nicht ganz ausgestorben. Hier für Euch – endlich eine Kontonummer:

Kerstin W. Geiß

IBAN: DE17285500000150406510

BIC. BRLADE21LER

Sparkasse LEERWITTMUND

Das Geld wäre nur für Kikki. Ihre Tiere werden durch Paten versorgt.

Als besonderen Leckerbissen: hier noch eine Antwort auf ihren Hilfeschrei:

sorry, wen ich auf dein schmarren, hier mich zu wort melde, schreib den scheiss doch in ein buch, und veröffentliche dies. dan hast auch paar Groschen. oder versuche es bitte mal mit arbeit, wer arbeiten will findet auch was. und keiner muss hier bei uns, auf der strasse liegen oder hungern. es ist nur peinlich was man auf facbock hier veröffendlich und schreibt. ich gebe dir ein guten rat. ziehe nach Ostdeutschland, da sind so viel Wohnungen leer, und auch mit Tieren findest du eine sichere billige bleibe. den wie du schreibst, einfach herrablassend und Bettelbriefe.

Ja – bildungsferne Schicht im Einsatz … bei der Sozialhygiene, bzw. auf der Jagd nach unwertem Leben, das weg kann. Noch Fragen?

Im Gegensatz zu den durchschnittlich über tausend Leuten, die meine täglichen Gedankensplitter und Naturaufnahmen auf FB gratis konsumieren, interessierten sich für das Schicksal der sterbenden Frau in der Pampa gerade mal 239. Trotzdem schreibe ich das hier nochmal mit Kommentar, weil es für zukünftige Generationen archiviert werden sollte, damit klar ist „WIR HABEN VON ALL DEM NICHTS GEWUSST“ zählt diesmal nicht.

 

Angela Merkel „Multi Kulti ist gescheitert. Total gescheitert!“ Das geplante Totalversagen der Politik.

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Dienstag, 6. Oktober 2015. Eifel. Bevor Sie diese Zeilen lesen, muss ich Sie warnen. Erst kürzlich wurde mir „Pegida-Nähe“ bescheinigt – und klar wurde ich als CIA-Agent entlarvt. Der Grund ist einfach: ich bin kein Angehöriger der Teddybärkultur, der die Kriegsfolgen dazu nutzt, sein Ego demonstrativ aufzupolieren. Meiner bescheidenen Meinung nach brauchen Kriegsflüchtlinge Therapie und keine Teddybären oder – wie Siemens es gerade praktiziert – einen Praktikumsplatz (siehe Welt) … ja, Siemens, die Firma, die im Mai erstmal großflächigen Stellenabbau angekündigt hatte (siehe Zeit). Ich werde mir auch weiter meine Meinung erlauben, obwohl man inzwischen leicht zum sozialen Abschuss freigegeben wird. Bevor Sie aber nun erschrecken: wir vom Nachrichtenspiegel haben schon 2013 Flüchtlingen geholfen – zu einer Zeit, als großflächig „Migrationshintergrund“ noch als genereller Tatverdacht galt. Es war auch leicht: mit Frank hatten wir einen Menschen vor Ort, der Geld direkt in Hilfe umwandeln konnte – und dies beständig in Videos dokumentierte (siehe Nachrichtenspiegel). Ich hatte aus meinem kläglichen Budget einen Prozentsatz überwiesen, der deutlich über dem lag, was dieses reiche Land für Entwicklungshilfe zahlt. Und wenn Sie mich fragen würden, ob wir die Frauen und Kinder dort aufnehmen sollten, so würde ich sagen: sofort. Melde mich auch freiwillig für den Sprachunterricht. Allerdings wäre ich der Meinung, dass wir sie dort abholen sollten: das erspart uns die Leichenschwemme im Mittelmeer (siehe Spiegel).

Ich bin allerdings auch jemand, der von Medien, Wirtschaft und Politik darüber unterrichtet wurde, dass dieses Land arm ist. Sicher: wer hier Hartz IV bekommt, bekommt mehr, als ein Syrer (2750 Dollar/Jahr), ein Iraker (2640 Dollar/Jahr) oder ein Afghane (410 Dollar im Jahr) (siehe durchschnittseinkommen aus dem Jahre 2010) verdient – allerdings haben wir ein anderes Preisniveau … und zwar eins, dass beständig mehr Deutsche in die Obdachlosigkeit treibt, selbst jene, die „berufstätig“ sind (siehe Freitag vom 2. 10. diesen Jahres):

„Die Zahl der Obdachlosen ist in diesem Jahr erneut gestiegen. Die Politik schaut ungerührt darüber hinweg“

„Nachdem die Zahl der Wohnungslosen seit Mitte der 90er Jahre rückläufig war, steigt sie seit 2008 kontinuierlich an. Am kommenden Montag veröffentlicht die BAGW ihre neuen Schätzungen, zu rechnen ist erneut mit einer massiven Zunahme der Wohnungslosigkeit.“

Nicht gerade Kennzeichen für ein reiches Einwanderungsland – obwohl ein kleiner Teil der Bewohner dieses Landes es in den letzten 20 Jahren es geschafft hat, mehr Besitz und Geld zu privatisieren, als das Land an Schulden hat – doppelt soviel, um ehrlich zu sein. Wir haben schon viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum im eigenen Land: würde die Politik bzw. das Kartell aus Reichen in Medien, Wirtschaft und Politik nicht beständig darüber hinwegsehen, könnten wir wissen, dass die Armut auf dem Vormarsch ist – bedenkliche Entwicklungen für ein Land, dass sich nun als „Einwanderungsland Nr.1“ positionieren will bzw. es einfach mal so – ohne große gesellschaftliche Debatte – geworden ist (siehe Stern). Ja: wir liegen vor den USA. Deutschland gilt es „dicht bevölkert“, wir haben 226 Einwohner pro Quadratkilometer, die USA hingegen nur 32,5 (siehe laenderdaten). Nur – in einem Land, in dem nicht mehr debattiert und gestritten wird, sondern man lieber über den Austausch von Parolen kommuniziert („Deutschland geht es gut“, „Ausländer ´raus“, „Nazischwein“, „CIA-Agent“, „Lügenpresse“), ist das Wahrnehmen dieser Fakten schon gefährlich.

Was wir erleben, ist das, was prophezeit wurde: Generation Doof macht Politik – aber wer will sich schon an das Geschwätz von gestern erinnern. Nun – ich erinnere mich gern an das Geschwätz, zum Beispiel an das von Angela Merkel auf dem Deutschlandtag der Jungen Union im Jahre 2010 (siehe Frankfurter Rundschau) – demnach (die Rede findet man auch bei you tube – zahlreich) war „Multi Kulti gescheitert. Total gescheitert“, wir hatten uns angeblich „in die Tasche gelogen“, was das Zusammenleben mit Türken anging – das sollte mal ein Pegida-Anhänger im Jahre 2015 sagen: der Lynchmob wäre nicht weit entfernt. Ich hatte mich damals über diese Aussage erschrocken: immerhin leben 8 Millionen „Menschen mit Migrationshintergrund“ in diesem Land, die allein schon das kulinarische Leben sehr bereichert haben: wo sollen die denn jetzt hin? Und wohin sollen ihre Kinder, die nichts anderes kennen als die Bundesrepublik?

Ach ja, Kinder. Das erinnert mich an eine „knallharte Merkel“ (siehe Münchener Merkur), die mit ihrer Härte ein „Flüchtlingskind“ zum Weinen brachte – ein Kind, dem Abschiebung in den Libanon droht, obwohl es sich hervorragend integriert hat: das war noch im Juli diesen Jahres. Was hatte sich da die Republik aufgeregt – wer die Zustände im Libanon kennt, weiß, warum. Da würde man noch nicht mal seinen Hund hingeben, geschweige denn einen Menschen.

Doch was geschiet im September 2015? Hören wir, was aktuell im Gespräch ist (siehe Frankfurter Rundschau)

„In Deutschland hat Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik einen schweren Stand. Im Ausland aber wächst ihre Reputation – jetzt wird sie sogar für den Friedensnobelpreis gehandelt.“

Einen schweren Stand? In Deutschland? Aber nicht in den Kreisen der Funktionselite des globalen Turbokapitalismus: Medien, Wirtschaft und Politik stehen Seite an Seite mit der Kanzlerin, vereint im Kampf gegen die „Nazis“ … zu denen man heute die knallharte Merkel vom Juli oder die Enthüllerin des Multi-Kulti-Wahns von 2010 zählen müßte. Der Spiegel zum Beispiel gibt schon eine Anleitung heraus, wie man Flüchtlinge privat bei sich daheim unterbringen kann (siehe Spiegel): ähnliche Anleitungen für die Unterbringung deutscher Obdachloser sucht man vergebens.

Nun – die Funktionselite des Turbokapitalismus rechnet ja auch mit ihresgleichen, so die Propaganda: es kommen „Fachkräfte“ ins Land. Sie rechnet auch zurecht damit: der Preis für eine Reise ins gelobte Deutschland beträgt 9300 Euro (siehe Zeit): da kann man sicher sein, dass Gesinnungsgenossen kommen. Der deutsche Neoliberale betreibt hier – nebenbei bemerkt – eine tödliche Selektion der besonderen Art: einen Job bekommt, wer die Reise überlebt. Ja – da wird auch nicht mehr über „Asyl“ gesprochen, plötzlich ist nur noch von Einwanderung die Rede … obwohl das Grundgesetz dies für eines der dichtbevölkertsten Länder der Erde gar nicht vorsieht.

Wir wissen, das Enge Streß hervorruft … weshalb unsere Reichen ja auch gerne abseits der Masse wohnen und sich nur selten mit den Miniwohnungen zufrieden gibt, die wir unseren aussortierten Mitmenschen – den „parasitären“ Arbeitslosen – knallhart zugestehen … und sie so krank und arbeitsunfähig halten.

Den Streß erleben auch die Flüchtlinge. Massenschlägereien zwischen Flüchtlingen werden immer mehr zur Normalität (siehe Stuttgarter Nachrichten, Spiegel Ntv). Die Gewerkschaft der Polizei findet hier sogar eine klare Sprache (siehe Deutsche Wirtschaftsnachrichten):

„In den Flüchtlingsunterkünften gibt es flächendeckende vorbereitete und organisierte Massenschlägereien und Kämpfe. Wir reden hier nicht nur von Rangeleien, sondern von richtigen Machtkämpfen zwischen verschiedenen Gruppen, die verschiedene ethnische und religiöse Hintergründe haben oder/und Clan-Mitglieder sind. Dabei kommen Waffen zum Einsatz.“

„Die Öffentlichkeit erfährt nur einen Bruchteil, weil die Behörden die Bürger nicht unnötig in Schrecken versetzen wollen.“

Es sind nicht gerade die Handlungsweisen, die man von traumatisierten Flüchtlingen erwartet – andererseits wird hier „Wettbewerb“ gelebt, und wie „belebend“ das für eine Gesellschaft ist, predigt uns der Neoliberalismus ja Tag für Tag. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass 80 Prozent der überlebenden Flüchtlinge junge Männer sind – angesichts der Preise für die Überfahrt muss man sagen: reiche junge Männer, Männer, die in ihrer Heimat mangels Rentensystem für die Versorgung ihrer Eltern zuständig gewesen wären, Männer, die oft genug Frauen und Kinder allein gelassen haben: anstatt der christlichen Devise in Notzeiten „Frauen und Kinder zuerst“ lautet jetzt die Parole „Ärzte und Ingeneure zuerst“: das freut die Medien, die Wirtschaft und die Politik.

Wie viele kommen eigentlich noch? Die Zahlen steigen von Monat zu Monat, aktuell sind schon 1,5 Millionen im Gespräch (siehe Spiegel), sehe ich mir die Steigerungen der Prognosen in diesem Jahr an, dann denke ich mir, dass 2 – 3 Millionen zum Jahresende realistisch sein werden … Tendenz steigend. Damit unsere Kanzlerin den Friedensnobelpreis bekommt, wird die Öffentlichkeit über Bandenbildung unter den „Zuwanderern“ nicht unterrichtet – außer in Organen, die nicht zum deutschen Machtkartell gehören. Die Kartellpresse jedoch singt da ein anderes Lied, wie der Innenminister letztlich erfahren durfte. Er hatte seltsame Beobachtungen gemacht, die er auf Anhieb noch nicht einsortieren konnte – offenbar hatte man es versäumt, ihn mit vorgefertigten Parolen auszustatten (siehe Tagesschau):

„Sie gehen aus Einrichtungen raus, sie bestellen sich ein Taxi, haben erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern durch Deutschland zu fahren. Sie streiken, weil ihnen die Unterkunft nicht gefällt, sie machen Ärger, weil ihnen das Essen nicht gefällt, sie prügeln in Asylbewerbereinrichtungen.“

So sind sie halt, die traumatisierten Kriegsflüchtlinge. Doch darüber reden darf man nicht. „Generation doof“ ist selbst mit kleinsten Abwägungen überfordert, Parolen brüllen ist angesagt, wer sich der Parole widersetzt (oder Fakten präsentiert, die die Parole in Frage stellen) wird mit einem gerechten „shitstorm“ überzogen … also ob Scheiße werfen je gerecht sein könnte.

2010 lautete die Parole „Multi kulti ist gescheitert“ – und Deutschland jubelte. 2015 lautet die Parole „wir brauchen unbedingt Zuwanderer“ – und Deutschland jubelt. Jedenfalls … die reichen Deutschen. Die jubeln aber immer, wenn Profite durch Ausbeutung locken. Insgesamt sieht es inzwischen anders aus: 51 Prozent der Deutschen bekommen es mit der Angst zu tun (siehe Tagesschau), was besonders mutig ist: immerhin offenbaren sie nach neudeutschem Sprachgebrauch, dass sie „Nazis“ sind – wie jederman, der heutzutage der Regierungsmeinung widerspricht. Die Angst es begründet: immerhin nehmen wir keine Familien auf, keine Kinder, keine kranken und alten Menschen, sondern junge Männer, die sich ihren Platz in der Welt erobern wollen – auch mit Waffengewalt. Das hat überhaupt nichts mit ihrer Religion zu tun – doch das überfordert die Parolenbrüller schon im Ansatz. Wer kümmert sich eigentlich um die Nöte und Ängste jener Kassiererin, der mit Enthauptung gedroht wurde (siehe Handelsblatt): einer Hinrichtungsart, die in den vom Westen destabilisierten, zerrütteten und absichtlich durch Sanktionen verarmten Ländern inzwischen an der Tagesordnung ist – wie auch das Verbrennen der „Feinde“ bei lebendigem Leibe. Diese Verrohung macht sich nach Informationen des Spiegel auf beiden Seiten breit (siehe Spiegel) – und rechtfertigt meiner Meinung nach schon eine gesellschaftliche Diskussion darüber, ob wir Massenmörder, Sklavenhändler, Folterer und Vergewaltiger in Massen zuwandern lassen wollen … und wie wir angesichts des aktuellen Kontrollverlustes der Politik ausschließen können, dass wir große Mengen an Kriminellen ins Land lassen, die erstmal ein Resozialisierungsprogramm bräuchten, bevor man sie auf die Bevölkerung loslassen kann.

Zumal: diese Art er kalten Zuwanderung verändert das politische Klima im eigenen Land – sehr zum Schaden jener, die wirklich dringend Hilfe brauchen. In Österreich steigt die Nachfrage nach Schusswaffen (siehe unzensiert.at), in Deutschland wird von der Regierungskoalition das Asylrecht selbst in Frage gestellt (siehe Spiegel): wir kriegen einen „Rechtsruck“ der besondern Art aufgrund der besonderen Art der aktuellen Debatte … und der besonderen Art der für eine gewisse Weile aufgezwungenen „Willkommenskultur“ … die nur eine Willkommenskultur für jene ist, die die lebensgefährliche Reise überleben und den Schlepper bezahlen können.

Doch wer empört sich schon über die besondere „Kultur der Auslese“, die sich hier plötzlich und unerwartet breit macht, eine Kultur, die die Starken willkommen heißt – und die Schwachen weltweit verhungen läßt? Wer macht sich Gedanken darüber, wohin wir mit 300 Millionen Flüchtlingen sollen, die aufgrund der neuen „Willkommenskultur“ nach Europa strömen? Ja – das ist noch eine ältere Zahl, die ich im Sinn hatte, als es um „Horrorvisionen“ über Hungerflüchtlinge ging, eine Völkerwanderung, die schon lange vorhergesagt wurde … und die Berge von Leichen hinter sich lassen wird. Wer wird die Verantwortung dafür übernehmen, wenn sich 850 Millionen hungernder Menschen weltweit in Bewegung setzen – auf der verständlichen Suche nach Nahrung? Wer wird dann die Schießbefehle an der Grenze erteilen? Wer wird sich um die Zurückgelassenen kümmern – die kranken, armen, alten … und die Kinder?

Nicht vergessen werden darf: die Katastrophe ist hausgemacht, das „Imperium der Schande“ (siehe Jean Ziegler) ist sich der Bewegung im Klaren, hat mit Frontex eine „halb geheime militärische Organisation“ (Ziegler) auf die Beine gestellt, um die Folgen einer unbeschreiblichen Ausbeutung der afrikanische Bevölkerung zu begrenzen und den künstlich kriminalisierten Hungerflüchtling in afrikanischen Lagern aufzufangen, während die wohl situierten Wirtschaftsflüchtlinge mit offenen Armen empfangen werden sollen: die Gier nach immer mehr trifft in Herrschaftskreisen auf immer mehr Verständnis.

Grund genug, von einem Totalversagen der Politik zu reden. Doch … schaut man sich andere Informationen an, erscheint dieses Versagen in einem anderen, düsteren, unheimlichen Licht.

„Unter dem Titel „Future strategic Context“ stellte das britische Verteidigungsministerium seinem strategischen Militärinstitut 2007 die Frage, welche Kriege und Konflikte die Welt in dreissig Jahren bedrohen werden. Ein überraschendes Ergebnis war, „dass die Militärs sich vor Neomarxisten in der globalen Mittelklasse fürchten“. In einer düsteren Vision warnen die Autoren der Studie davor, dass sich im Jahre 2037 mehr als sechzig Prozent der Menschen weltweit in verslumten Städten zusammendrängen werden und dass diese Zusammenballung von Not, Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit einen gewaltigen sozialen Sprengsatz darstellt.“

„Der Krieg der Staaten geht, der Krieg der Klassen kommt“

„In dieser Situation“, fahren die britischen Militärstrategen fort, „könnten die Mittelklassen eine revolutionäre Klasse werden…“ “ Aufgerieben zwischen wachsender sozialer Verelendung einerseits und dem schamlosen Leben der Superreichen andererseits“ könnten sich die „Leistungs- und Wissenseliten, die früher einmal Bildungsbürger und Facharbeiter genannt worden“ zu einem schlagkräftigen Interessenverband zusammentun“. (Aus: H.J.Krysmanski, 0,1 %, Das Imperium der Milliardäre, Westendverlag, 2. Auflage 2013, Seite 56-57).

Auf einmal … wirken jene, die Multi-Kulti für gescheitert halten es aber trotzdem mit großer Kraft – in extremer Form – fördern, gar nicht mehr so gaga … sondern ganz funktional im Sinne der Studien der Militärs.

Man braucht nicht mehr Facharbeiter – sondern mehr Facharbeiter, die in ganz besonderer Abhängigkeit zu ihren Arbeitgebern und dem Machtkartell des Landes stehen, in das sie eingewandert sind, die keine familiären, sozialen oder historischen Wurzeln mit ihrer Umwelt verbindet, die nur dem Machtkartell zur Loyalität verbunden sind … und nicht den Obdachlosen in den „Gastländern“. Das „der Markt“ via lebensgefährlicher Überfahrt für eine automatische Selektion sorgt, ist ganz im Sinne des Wettbewerbs, der die stärksten, klügsten und fähigsten (und mutmaßlich reichsten) Menschen der geplünderten Länder ohne Rücksicht auf Verluste nach Deutschland lotst, so dass wir  nicht nur ihre Rohstoffe, ihre Nahrung und ihr Geld horten können – sondern auch jene Menschen, die die Zukunft gestalten können.

Das diese Leute Banden bilden, sich mit Waffengewalt Respekt verschaffen, einen Staat im Staate bilden können (und wollen): das alles kann nur nützlich sein, wenn der Krieg der Klassen in knapp zwanzig Jahren offen ausbricht.

Von einem Totalversagen der Politik (inklusive der Medien und der Wirtschaft) darf da sicherlich  gesprochen werden – allerdings in einem viel größeren, globalen Rahmen.

Wie man überraschenderweise sieht, spielt der Islam in den Studien der Militärs gar keine Rolle mehr – die Pseudodebatte über die „Islamisierung der Gesellschaft“ entbehrt also jeder Grundlage.

Aber die Chancen für die neomarxistische Revolution 2037 schwinden täglich, weil – wie der Zufall so will – die Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Und wer hier zu viele Fragen stellt, zu viele Informationen sammelt … ist halt der CIA-Mann von Pegida.

 

 

 

Armut in Deutschland

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Mittwoch, 8.4.2015. Eifel. Armut in Deutschland – ein viel diskutiertes Thema. Genauso wie Arbeitslosigkeit gibt es sie ja nicht, diese Armut. Reflexhaft nennen wir sie schon „relativ“, weil die deutsche Bundeskanzlerin auf die Durchhaltung ihrer Parole „Deutschland geht es gut“ besteht, ergo kann es in Deutschland keine Armut geben. Mir ist sie mal begegnet, die Armut – zu Weihnachten, in Form eines alten, abgerissenen, mit üblen Wunden übersäten Mannes, der Stolz darauf war, dass er ja noch Gartenarbeit bei reichen Menschen macht, ansonsten aber in einem Wartehäuschen an einem Parkplatz mitten im Wald lebt. Ein Foto „Das ist Deutschland“: das wäre ein angemessenes Geschenk für die richtungsweisende Kanzlerin gewesen.

„Relative Armut“ – was für eine Beleidigung aller deutscher Armen. Man drückt damit gleich aus, dass es denen eigentlich sehr gut geht, ja geradezu super, sie wollen es nur nicht wahr haben. Man schielt dann gerne auf andere Länder, wo hungernde Kinder am Straßenrand verrecken (ohne dass die „relativ Reichen“ daran Anstoß nehmen – außer zur Disziplinierung der eigenen Armen), damit unsere Armen noch ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihre 300 Euro Rente oder 391 Euro Arbeitslosenunterstützung abholen. Wo das Wort „relative Armut“ ausgesprochen wird, kommt es mir so vor, als sei damit eine geheime Drohung verbunden: „sei froh über das, was Du hast: wir könnten noch ganz anders mit Dir umgehen…“ … „so wie wir mit jenen umgehen, die Dein Essen produzieren, Deine Kleidung nähen, Deine Plattenbauten herrichten“.

Sozialhilfe verkommt so zu gönnerhafter Gnade, was vielen gefallen würde, die es – als Staatsfeinde im Herzen – sehr stört, dass Deutschland im Grunde als Sozialstaat konzipiert war. Gerne würden sie die Verfassung umschreiben, gerne den ganzen Staat in Frage stellen, um einen neuen zu schaffen, der noch mehr unbegrenzte Ausbeutungsmöglichkeiten zuläßt, so dass man endlich wie ein Gott leben kann – was leicht fällt, wenn man die anderen nur tief genug erniedrigt und in den Dreck stößt. Leben alle wie die Schweine im Holzverschlag, kann man die Distanz zu ihnen in seiner Yacht vor der Küste wesentlich mehr genießen, als wenn alle glücklich und zufrieden auf dem Dorfplatz Bier trinken und der Reiche sich von den anderen nur durch einen dicken Geldsack unterscheidet, der schwer am Gürtel hängt und den Rücken krumm macht.

Natürlich ist Armut relativ – sie ist abhängig von der Umwelt.

Ein Beispiel? Nun – nehmen wir eine Gruppe reicher Menschen, die in den Anden mit ihrem Flugzeug abstürzt. Viele überleben. Es ist kalt, es gibt nichts zu essen, die Chancen, gefunden zu werden, sind gering. Es sind immer noch reiche Menschen, wie ihre Kontostände jederzeit beweisen können … und doch leiden sie Hunger, weil sie fern von jenen Orten sind, wo ihnen ihre Konsumberechtigungsscheine (sprich: „Geld“) jederzeit ein Bad im von anderen Menschen erwirtschafteten Überfluss gestatten. Ja – sie fangen sogar an, sich gegenseitig aufzuessen (ja: das beruht auf einer wahren Geschichte) … wollen wir wirklich Menschen „reich“ nennen, die solch eine Bürde ihr Leben lang mit sich herumschleppen müssen? Hunger, Durst, Einsamkeit können auch den Reichen treffen – überall, jederzeit. Warum erschrecken wir dann unsere Armen mit Bildern von Verhungernden? Könnten auch Millionäre drunter sein, die zufällig die falsche Partei unterstützt haben. Ausgeschlossen ist es nicht. Manche stranden mit ihrer Yacht an den falschen Gewässern – oder haben – wie der Autor dieser Zeilen – mal eine Wagenpanne in der Wüste … andere verlieren den Weg dort gleich ganz und verdursten elendig (da kenne ich sogar persönlich einen Fall), trotz allem Geld.

Wir könnten unseren Armen auch andere Bilder zeigen. Jesus Christus, zum Beispiel: der hatte noch nicht mal ein Dach über dem Kopf, sein von Reichen oft verachteter Gott erwählte sich sogar ein armes Volk, um in der Geschichte zu wirken anstatt eine Supermacht wie die USA. Die Hauptreligion der westlichen Welt ist eine Religion der Armut, der Arme somit ein besonders gesegneter Mensch, weil er Gott und dem Himmelreich nahe sein kann. Das wäre schon ein großer Schritt für die Armen, die schon zu Christi Zeiten vom „Druck der auftrumpfenden Reichen“ „erschöpft und belastet“ waren und unter dem „stolzen“ Reichtum litten, der „sich selbst tröstet und sichert“ (siehe praktisches Bibellexikon Herder 1985, Stichwort „Armut“).

Reichtum als „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ … wer mal wahrgenommen hat, wie viel Parkplatz ein SUV braucht, der weiß, was der Zeitgenosse Christi meinte: schon damals waren Reiche in Bezug auf ihr Sozialverhalten außerordentlich arm.

Ja – ich weiß: wir kommen hier in verbotene Gefilde: nicht umsonst führt die Supermacht der Konsumgötzen gerade einen Weltkrieg gegen eine Religion, die mit Armut ganz gut umgehen kann, ja, gelegentlich sogar ziemlich coole Hochzeiten feiert … bis die Cruise Missile der Reichen dem ein Ende setzt. Ja – was das Thema Armut angeht: da sind Mohammed, Buddha und Christus gar nicht so weit voneinander entfernt. Ich habe da mal nachgefragt (siehe islamische-zeitung.de):

„Der Prophet, Friede sei mit ihm, war und ist ein Prophet der Armen und Schwachen. Seine ersten Anhänger waren aus der untersten sozialen Schicht Mekkas. Besonders Sklaven wurden zu überzeugten Anhängern, weil sein Glaube des Islam, die Religion der Barmherzigkeit war. Der Prophet selber stammte aus einer armen Familie. Er wuchs bei seinem Großvater auf, denn sein Vater starb bereits vor seiner Geburt, und seine Mutter verlor er mit sechs Jahren. So wurde er als Kind zu einer Vollwaise. Aus diesem Grund fordert der Islam eine besondere Achtung für Waisenkinder. Der Prophet sagte, jemand, der eine Waise unterstützt, wird im Paradies mit mir nebeneinander sei“

Merken Sie, woher der Hass auf den Islam kommt? Der Prophet war ein „Hartzer“, wie Christus und Buddha auch. Ja: dieser Christus hat nur von Almosen gelebt: stellen Sie sich das mal vor. Lies sich immer von anderen Menschen aushalten – mal abgesehen davon, als er mit Zaubermacht Brot und Fische vervielfältigte und so auf widerliche Art und Weise die Gesetze der Marktwirtschaft ignorierte, ja, die Nahrung sogar kostenlos verteilen lies: der Tod für die Fischereiindustrie drohte, von den Bäckern ganz zu schweigen.

Wir schweifen ab – aber weil es so schön ist, bleiben wir noch ein wenig in jenen fernen Zeiten, wo Weise, Gottessöhne, Propheten und andere gute Geister Einlass in die öffentlichen Medien (damals noch kaum zentral steuerbare „Mundpropaganda“) fanden. Kennen Sie die Anawin? Das sind die Erniedrigten, die Hingebeugten, die, die alle Atribute der Armut in sich vereinen: befürftig, gedrückt, still, geduldig – und ganz schlimm: Menschen ohne Grundbesitz.

„Ein solcher durfte nicht mitreden, hatte keinen Einfluss, würde übervorteilt, auch vor Gericht“.

Wir erfahren auch, wer alles zu den Anawin gehört:

„Endlich sind Arme vom Schicksal Getroffene, Kranke, Gebrechliche, Witwen, durch die Schuld anderer Gezeichnete. Diese „Erniedrigten“ waren der besondere Gegenstand der Sorge u. Liebe Gottes“ (siehe: Praktisches Bibellexikon, a.a.O., Stichwort Anawin).

3000 Jahre sind seitdem vergangen: was haben wir seitdem erreicht? Wir haben den Armen auch noch Gott genommen, ihre letzte Hoffnung auf Gerechtigkeit, die letzte Zuflucht vor den auftrumpfenden Reichen.

Ich möchte noch ein wenig in jener Zeit vor 3000 Jahren verweilen, weil es mich interessiert, wie die Reichtum definieren. Sie werden überrascht sein. Sicher: ganz besonders glücklich sind die, die schon im Leben nahe an Gott wohnen, sicher kann man sie auch als reich bezeichnen, aber der Gegensatz zu Armut ist klar definiert: Landbesitz. Groß genug für Ziegen – und Schafherden, für Ackerbau und Obstgehölz. Zu dem Land gehören auch Kinder und Enkel dazu, die braucht man, um lästige Räuber zu vertreiben und den Besitz zu mehren. Ja: Landbesitz. Ganz profan. Das war „normal“ … und das Gegenteil von Arm.

Genau jetzt kehren wir zurück in unsere Zeit, wo der Begriff „relative Armut“ ein politischer Kampfbegriff geworden ist.

Hand aufs Herz: wie viele Menschen kennen Sie, die auf einen Landbesitz zurückgreifen können, der den alttestamentarischen Begriff für „Reichtum“ erfüllt? Ein paar hundert Hektar sollten es schon sein – für den Eigenheimbesitzer umgerechnet: mehrere Millionen Quadratmeter. 1200 Qudratmeter mit SUV vor der Tür und prall gefülltem Bankkonto samt Ferienwohnung im Tessin reichen nicht: das ist relative Armut, die nur nicht so auffällt, weil die Zeiten nicht danach sind. Verliert das Geld seinen Wert, bricht in Folge von aus dem Ruder gelaufenen Investmentbanking-Geschäften und Hedgefondaktivitäten die Versorgung zusammen, zeigt sich die Armut schnell absolut: der SUV ist nichts mehr wert, weil er ohne Benzin nicht weit kommt, das Konto ist so real wie eine Fata Morgana und der Zierrasen am Hang bleibt ungenießbar – und viel zu klein. Alles nur relative Werte – was die echt Reichen wissen. Die kaufen sich Farmland in Massen – in den USA, in Afrika, in Südamerika.

Ja – sogar unsre geliebten, von der Politik gehätschelten Millionäre mit ihren zehn Mietskasernen sind relativ Arme, weil ihr „Besitz“ nur unter ganz besonders günstigen Umweltbedingungen funktioniert, fehlt die Wirtschaftsordnung, die für Konsumberechtigungsscheine unbegrenzt Waren ausgibt, so naht der Hungertod in Windeseile.

Armut in Deutschland – es kommt sogar noch schlimmer.

Aus der Sicht des alttestamentarischen Hirten gelten 99 % der Deutschen als arm, bzw. armutsgefährdet, nur ausgeklügelte Gesellschaftsverträge garantieren ihnen für eine gewisse Zeit gewisse Halluzinationen von Wohlstand, aber einige von ihnen – jene, die gezwungernermaßen vom gängelnden, entwürdigenden Sozialstaat leben – gelten zurecht als absolut arm.

Wie gesagt: arm und reich sind relative Werte. Versetze ich unsere Arbeitslosen mit ihren Ressourcen an einen mittelalterlichen Königshof, so erschienen sie wegen ihrer Seherkraft (der „Fernseherkraft“), ihrer Herrschaft über Licht, Wasser und Feuer als unermesslich reich – sie leben aber im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Und was ist Deutschland?

Lauschen Sie mal diesen Worten (siehe Chronik.net):

„Neue Auto-Modelle, steigendes Interesse an Autosalons und eine expandierende Autobranche in der Bundesrepublik deuten an, dass der Weg zur »automobilen Gesellschaft« steil aufwärts führt.

Vorbild bleiben die USA, die schon seit Jahrzehnten »Pioniermacht der Motorisierung« sind: »Das Auto dient nicht nur mehr dem Luxus und dem Vergnügen, sondern ist vielfach bereits zu einer Lebensnotwendigkeit geworden«, beschreibt die »Frankfurter Allgemeine« die Situation in den Vereinigten Staaten.“

Woher stammt das?

Aus dem Jahre 1951.

2015 sind wir eine automobile Gesellschaft. Jede Schule setzt dies voraus, wenn sie um 10 Uhr morgens anruft und verlangt, dass man sein krankes Kind von der Schule abholt, jeder Arzt setzt es voraus, wenn er verlangt, dass Kranke zu ihm in die Praxis kommen, jeder Arbeitgeber fordert dies ein – erst recht, wenn er seinen Betrieb kostengünstig vor die Tore der Stadt baut.

Wer in einer mobilen Gesellschaft kein Auto hat (und damit meine ich nicht die 20 Jahre alte Rostlaube, die jeden Moment ihren Geist aufgeben kann) ist ABSOLUT arm – nicht relativ. Er ist nicht mehr in der Lage, den Anforderungen der Gesellschaft genüge zu tun.

Nun sind wir nicht nur eine Automobilgesellschaft, sondern auch noch eine Konsumgesellschaft, die enorme Ansprüche an uns stellt: wollen wir der Norm entsprechen, so ist „Mode“ gefragt – ein Dresscode, den es zu erfüllen gilt, will man nicht sich und seine Kinder als Außenseiter erleben müssen, Körpergerüche müssen ganztätig mit teuern Duftwässerchen übertönt werden (ja – die billigeren gelten schon als versuchte Körperverletzung), wer in die Kommunikation aufgenommen werden will, muss regelmäßig „angesagte“ Sendungen sehen und dreimal im Jahr an wechselnden Orten in den Urlaub fahren, ebenso sind zu verschiedensten Anläßen (Geburtstage, Hochzeitstage, Namenstage, Weihnachten, zunehmend auch Ostern, Halloween, Muttertage und Valentinstage – und nur ein paar zu nennen) Geschenke im Minimalwert von 100 Euro zu machen, weil alles andere einer Beleidigung der Gastgeber gleich kommt, ebenso werden regelmäßige Einladungen bzw. Konsultationen der gehobenen Gastronomie erwartet sowie ein aktiver, bemerkbarer Beitrag zum Vereinsleben … und ein Wohnort, der es erlaubt, Gäste angemessen zu empfangen.

Das ist die reale Umwelt eines Deutschen im 21. Jahrhundert – hier herrschen andere Standards als im Sudan, wo man schon reich ist, wenn man einen Laib Brot sein eigen nennen kann. Absurd, wenn man sieht, wie arm dieses Volk eigentlich wirklich ist – arm an relevantem Grundbesitz. Berücksichtig man die Distanz der Armen und ihren Lebensausdrucksmöglichkeiten zu den wenigen echten Reichen dieser Gesellschaft, die ganze Inseln hin- und wegbaggern lassen können, ganze Landschaften nach gutdünken verunstalten dürfen, so ist die Armut in Deutschland sogar im weltweiten Vergleich besonder ekelerregend.

Die Armut in Deutschland hat aber noch ganz andere Dimensionen.

Angesichts der Standards, die hier verlangt werden, um ein akzeptierter Bürger der Gemeinschafts zu sein (bzw. von Menschen wie Günter Jauch als solche anerkannt und eingeladen zu werden, was der Ausstellung eines Lebensberechtigungsscheins oder dem Ritterschlag gleich kommt), befinden sich alle Bürger von Geburt an in einer Schuldknechtschaft – ein Zustand, den das Gesetz eigentlich verbietet (siehe Gesetze im Internet, hier: § StGB 233)

„Wer eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder der Hilflosigkeit, die mit ihrem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Schuldknechtschaft oder zur Aufnahme oder Fortsetzung einer Beschäftigung bei ihm oder einem Dritten zu Arbeitsbedingungen, die in einem auffälligen Missverhältnis zu den Arbeitsbedingungen anderer Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer stehen, welche die gleiche oder eine vergleichbare Tätigkeit ausüben, bringt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ebenso wird bestraft, wer eine Person unter einundzwanzig Jahren in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Schuldknechtschaft oder zur Aufnahme oder Fortsetzung einer in Satz 1 bezeichneten Beschäftigung bringt.“

Ein-Euro-Jobs, Leiharbeit, Werkverträge … wer sich das ausgedacht hat, gehört in den Knast. Gut – hier wird Schuldknechtschaft mit dem Aufenthalt im eigenen Land verbunden – sonst wären die schlauen Arbeitgeber schon längst hinter Gittern.

Bleiben wir aber beim normalen, „reichen“ deutschen Arbeitnehmer. Wer von denen hat die Freiheit … ohne die Lieferungen von Strom, Gas, Öl, Wasser, Nahrung, Wohnraum auszukommen? Wer kann sich erlauben, seinen Alltag völlig ohne Kosten zu gestalten … d.h. ohne in irgendeine Form von „Schuld“ zu geraten?

Der Deutsche wird hineingeboren in eine Flut von Rechnungen, die bezahlt werden müssen – ein anderes Wort für „Schuldknechtschaft“, will ich meinen. Kaum einer ereicht jenen Zustand, wo er mal zwei- drei Jahre Urlaub in einer anderen Kultur machen kann, um Erfahrungen zu sammeln, sechs Wochen pro Jahr werden für solche Erlebnisse zugeteilt: mehr nicht – viel zu wenig, um auch nur ansatzweise anderes Leben kennen zu lernen. Wir sind zwar  überall in dieser kurzen Zeit – doch wir nehmen davon absolut nichts mehr mit.

Wie arm.

Und wenn wir den Ottonormalverbraucher schon arm nennen müssen – in seinen vielfältigen Abhängigkeiten in Bezug auf das Wohlverhalten von Kunden, Chefs, Kollegen und Ämtern – denn dürfen wir die modernen Anawin, die „Hartzer“, denen wir sogar den Trost der Religion genommen haben, zurecht als absolut arm bezeichnen: wir haben ihnen sogar noch das genommen, was vor 3000 Jahren noch ihr gutes Recht war.

Und jeder Versuch, diese Armut zu relativieren, schön zu reden, sollte als Verbrechen geahndet werden. Sogar jene, die Armut als Möglichkeit der besonderen Nähe zu Gott priesen, haben sie im Alltag mit vielen Formen von „Sozialgesetzen“ bekämpft, um Gerechtigkeit zu schaffen. Mit unserem Gerede von „Sozialromantik“ fallen wir sogar hinter diese 3000 Jahre alten Kulturen zurück … und das ist echt besonders arm.

Über die geistige Armut möchte ich da noch nicht mal sprechen, nur darüber, wie sie sich äußert: darin, dass jene, die in der Schuldknechtschaft ihr Leben verramschen, stolz sich als „Reiche“ über jene erheben, denen sie noch nicht mal den Begriff „Armut“ gönnen.
 

 

 

 

Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz

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Mittwoch, 11.3.2015, Eifel. „Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz“ – wer sich einen solchen Titel erlaubt, macht sich in der Regel sehr unbeliebt. Zum einen natürlich in der Politik, die diese „moderne Dienstleistung am Arbeitsmarkt“ als größten Triumph sozialdemokratischer Kreatitivät und Einfallsreichtums wie eine Siegesfahne vor sich herträgt: in jenen Sphären hört man nicht gerne Kritik an der eigenen Schaffenskraft, noch wird man gerne auf die Folgen der eigenen, schier grenzenlosen Dummheit, Faulheit und Ignoranz aufmerksam gemacht.

Dummheit, Faulheit, Ignoranz? Habe ich da den Mund nicht zu voll genommen? Nun – ich denke nicht. Peter Hartz hat eine Strategie vertreten, die man im Management als durchaus fortschrittlich bezeichnen kann – innerhalb eines Unternehmens. Mitarbeiter, die nicht die erforderliche Leistungen bringen, werden gefördert anstatt gefeuert, erhalten Hilfen anstatt Abmahnungen: eine Einstellung, die einem sozialen Staatswesen (und ein solches haben wir laut Gesetz zu sein) durchaus angemessen ist. Das es auch anders geht, zeigen viele Beispiele. Der „Spiegel“ zum Beispiel bietet ja in seinem „Karriere“-Ressort immer mal wieder nassforschen Jungjuristen ein Forum für ihre antisozialen Ausbrüche in punkto Arbeitsrecht. Erkennbar ist, dass im Sinne der Renditemaximierung die Aussortierung von Kranken aktuell neue Höhepunkte erreicht, ja: viele personalverantwortliche Mitarbeiter in Unternehmen scheinen so viel Zeit zuviel zu haben, dass sie Seminare besuchen können, wo ihnen kreative Kündigungsgründe beigebracht werden – heute zum Beispiel in Stuttgart (siehe Schreiner-Praxisseminare: „Die Kündigung „störender“ Arbeitnehmer“).

Das soziale Empfinden (und somit auch die Treue zum Verfassungsgrundsatz der Sozialstaatlichkeit) scheint vielen Anwälten abhanden gekommen zu sein, ohne zu zögern wird aktuell sogar stolz ein schwaches Immunsystem als Grund für die endgültige Aussortierung aus dem Arbeitsleben benannt (siehe Spiegel): vor diesem Hintergrund wirkt die Personalarbeit von VW in der Tat vorbildlich – und die Idee, eine solche gründliche, systematische Förderung auch jenen angedeihen zu lassen, die von weniger sozial eingestellten Anwälten ins soziale Jenseits befördert werden, begrüßenswert.

Dann jedoch kam diese Forderung in die Sphären der Politik – wo ich nicht umhin kann, Dummheit, Faulheit und Ignoranz zu vermuten, um nicht wirklich einfach Boshaftigkeit unterstellen zu müssen. Was geschah dort mit den Ideen? Erstmal wurde gekürzt – und ein vollumfänglicher Zugriff auf das Vermögen von Arbeitslosen möglich gemacht – „Enteignung“, das sozialistische Schreckgespenst, wurde für ausgewählte Personenkreise in Deutschland plötzlich Realität. Wo früher der Grundsatz herrschte, dass man Sozialhilfe zur Sicherung des Lebensstandards gewährt, galt heute: wer einmal von einem cleveren Anwalt aus der Firma geboxt wurde, ist selber Schuld und haftet mit seinem ganzen Vermögen für das Geschehen. In Kreisen, in denen die Verpflichtung zum Sozialstaatscharakter dieses Landes weniger ernst genommen wird und man sich lieber mit der Arroganz von „Macht“ umgibt, ein Vorgang, der keinerlei zweifelnde Gedanken aufkommen ließ.

Das man in Folge eines stark zusammengestrichenen Versorgungssatzes nicht mehr in der Lage war, um sozialen Leben teil zu haben, interessierte niemanden im Ministerium – und schnell meldeten sich auch „Wissenschaftler“, die den Versorgungssatz nochmal um 66% senken wollten: das erste Mal spürte man in Deutschland wieder den Willen zur Vernichtung „unwerten Lebens“ aus Akademiker- und Regierungskreisen, ohne das es jemanden groß störte. Keiner bemerkte, dass Kosten für bewerbungsfördernde Kleidung (inkl. teurer Brillen), Kosmetika, professionelle Fotografien inklusive Frisur mit einem Hungerregelsatz gar nicht mehr zu bewältigen waren, der Gesetzgeber also entweder bewusst und mit Absicht oder aber aus reiner Dummheit heraus den Opfern der Globalisierung ihre ganze Zukunft nahm … bzw. diese Zukunft vernichtete … ihre und die ihrer Kinder gleich mit.

Nun sieh mal einer an: das Wort Vernichtung taucht im Diskurs über moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt überraschend früh auf – und führt in Deutschland natürlich umgehend zu Vergleichen mit Zeiten, in denen schon mal großflächig vernichtet wurde. Hier haben wir die zweite große Tabuzone der bundesdeutschen Gesellschaft (neben der – unerwünschten – Kritik am Regierungshandeln): die deutschen Vernichtungslager der Vergangenheit. Ja: sogar selbsternannte und großspurige Arbeitslosenaktivisten reagieren mit äußerster Empörung und drastischen Maßnahmen auf nur den leistesten Vergleich moderner deutscher „Sozialpolitik“ mit den Vernichtungslagern des Dritten Reiches, sie greifen zum Äußersten: zur „Entfreundung“ der Betreffenden auf ihrem Facebook-Account. Sie reagieren nach dem gleichen Prinzip wie die Führer des Nationalsozialismus: was stört muss weg! Man kann nur hoffen, dass solche Gestalten niemals mehr Macht bekommen, als ihnen Facebook gibt – denn sonst werden die Öfen wieder angeheizt, damit die Störer eleminiert werden können.

Der Umgang mit dem Dritten Reich ist problematisch – weshalb man es gerne ins Reich der Mythen und Märchen verbannt, es als kleinen Ausrutscher darstellt, als winzigen Unfall der Geschichte, der sich selbstverständlich niemals wiederholen kann, weil es so absolut unwahrscheinlich und undenkbar war, dass so etwas überhaupt jemals passiert. Hitler und die Nazis – das ist ein Thema für Hollywood, aber nicht mehr für den modernen gesellschaftlichen Diskurs. Sicher: wir haben ja auch alles unternommen, damit sich 1933 – 1945 nicht wiederholt: Hitler, Goebbels und Himmler sind tot, die NSDAP verboten (und sogar ihre Symbole!!!) und überhaupt schreiben wir das 21. Jahrhundert, weshalb sich 1933 sowieso schon nicht wiederholen kann – also können wir uns doch in Sicherheit wiegen und den peinlichen kleinen Zwischenfall eigentlich vergessen … und all´ jene eleminieren, die als unbequeme Unken unser gemütliches „deutsch sein“ stören und darauf hinweisen, dass Massenvernichtung von Mitmenschen auch 2033 wieder denkbar wird – mit anderen Führern, anderen Parteien, anderen Symbolen.

Das einzige, was man dazu braucht, ist ein entsprechender „Zeitgeist“, Menschen, die durch die Menschenhatz konkrete Vorteile haben und sie sich durch die Verfolgung anderer sichern können.

Ein Beispiel?

Nun – bleiben wir bei den Arbeitslosen in Deutschland. 40 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten, 3 Millionen sind nach offizieller Lesart arbeitslos. Das „arbeitslos“ ein unzumutbarer Zustand ist, ist allen klar, weshalb wir reagieren wie alle sozialen Gemeinschaften: wir gründen eine Kasse, die im Notfall (falls die Exekutionsjuristen mal wieder erfolgreich waren) die Folgen der Arbeitslosigkeit abmildert  – und die Folgen sind heutzutage bedrohlicher als vor hundert Jahren, wo selbst einfache Arbeiter noch das Hausschwein und den kleinen Gemüsegarten hatten, um wenigstens eine kleine Sicherheit in der Hinterhand zu haben. 3 Prozent ihres Bruttoarbeitslohnes zahlen die 40 Millionen Menschen, laut deutscher Rentenversicherung liegt das Durschnittseinkommen 2015 bei 2917 Euro monatlich, d.h. jeder der 40 Millionen arbeitenden Menschen zahlt jeden Monat 87 Euro, um im Notfall vor den Folgen der Arbeitslosigkeit geschützt zu werden.

Jetzt stellen Sie sich mal kurz vor, diese 40 Millionen würden den 3 Millionen Arbeitslosen das Geld persönlich auszahlen, ganz im Sinne der ursprünglichen, selbst organisierten Arbeitersozialversicherungen, die man für Witwen und Waisen ohne staatliche Hilfe eingerichtet hatte: jeder Arbeitslose würde 1137 Euro monatlich bekommen, um wieder auf die Beine zu kommen. Schon eine stolze Summe – knapp doppelt soviel, wie er jetzt inklusive Heizung, Miete und Wasser erhält. Da wäre sogar Spielraum für kreative Unternehmensgründungen anstatt für passives Dahinvegetieren bei Wasser, Brot und Kerzenlicht.

Warum stellt eigentlich niemand mal die Frage, wo das ganze Geld bleibt? Nun – man würde schnell viele hunderttausend Menschen identifizieren können, die an der üblen Behandlung von Arbeitslosen ein substanzielles Interesse haben: nämlich jene, die zwischen den Beitragszahlern und den Beitragsempfängern sitzen und es sich dort richtig gut gehen lassen – je höher in der Hierarchie, umso fetter. Natürlich hat man dort ein profundes Interesse daran, substanzielle Fragen zum Umgang mit Versicherungsgeldern zu vermeiden, ja: das ganze System ist darauf angewiesen, dass solche Fragen vermieden werden – sonst käme man noch auf ganz andere Ideen.

Welche?

Nun: die Hälfte des Jahres arbeiten Sie für den Staat. Sogar wenn Sie minimale Renten und Sozialleistungen beziehen, greift er noch 19 Prozent Mehrwertsteuer ab. Und was bekommen Sie dafür? Marode Brücken, sanierungsbedürftige Schulen, ein Gesundheitswesen auf dem Niveau eines EU-Randstaatees, eine Armutsverfolgungsbehörde, die lieber Arme verfolgt als Armut zu bekämpfen … und auch gerne schon mal einen allgemeinen Drogenmissbrauchsverdacht in die Tat umsetzt und massenhaft Drogentests von Versichertengeldern anschafft (siehe Mitteldeutsche Zeitung), Tests, die mit großer Wahrscheinlichkeit im deutschen Bundestag erfolgreicher zum Einsatz kommen würden.  Aktuell verfolgen von Steuergeldern finanzierte „Sozialkommissare“ sogar Behinderte (siehe Ostseezeitung) und kriminalisieren so eine weitere Schicht von Mitbürgern: nach den Arbeitslosen kommen die Kranken als unwerwünschte Personen in den Fokus der Aufmerksamkeit der Beitragsgeldabsahner. Diese Absahner sind in der Tat sehr alarmiert: die Kosten für Sozialhilfe steigen, der größte Batzen davon sind Eingliederungsbehilfen für Behinderte (siehe Spiegel): das Geld, was die Behinderten dort in Folge unseres Sozialstaatsgebotes in Anspruch nehmen, fehlt für die Dientstreisen aller Akteure nach Australien, Brasilien oder in die USA, für ausgedehnte Betriebsfeiern oder großzügige Beförderung vor Pensionseintritt.

Nun – das reicht noch nicht für einen Vergleich mit den Vernichtungslagern des Dritten Reiches, die manche als natürliche Folgen der kapitalistischen Ordnung ansehen  – ja, mal im Ernst gefragt: wo sollen denn die von den Arbeitgebern systematisch aussortierten „Minderleister“ (also „Kranke“) anders hin? Irgendwann bilden die eine große, nicht mehr verwertbare Masse, die Kosten verursacht – und Kosten gehören nach der in unseren Breitengraden angebeteten betriebswirtschaftlichen Logik eleminiert. Da die ganze Maschine schon einmal – aus recht ähnlichen Gründen – in Deutschland funktionierte, warum sollte sie nicht wieder anlaufen können? Nur, weil wir das Hakenkreuzsymbol verboten haben und Adolf Hitler tot ist?

Doch wir reden hier schon von der Zukunft, auf die wir uns logisch geradlinig zubewegen, wenn wir anfangen, Menschen wieder als „unwertes Leben“ zu stigmatisieren, als „Parasiten“ und „Schmarotzer“. In der Tat vergessen wir schnell, dass Auschwitz am Ende einer Entwicklung einer hoch zivilisierten Gesellschaft stand – und nicht plötzlich von dämonischen Aliens ins Reichsgebiet gebeamt wurde … obwohl das eine Vorstellung ist, die vielen Verantwortlichen (gestern wie heute) sehr angenehm wäre, enthebt sie doch jeder Verantwortlichkeit (wie auch die Sichtweise als „einmaliger, nicht wiederholbarer Unfall“).

Mir geht es um die Vernichtungsaktion, die in der Gegenwart läuft. Jetzt und hier. Vor aller Augen.

Während deutsche Wissenschaftler im Zeitgeist der kostengünstigen Massenvernichtung von drastisch niedrigen Regelsätzen träumen (siehe TAZ aus dem Jahre 2008) und so dem Steuerzahler noch mehr Leistungen vorenthalten wollen (um dann für die eigene Universität eine dicke Scheibe Zusatzgeld zu erhalten) sehen Wissenschaftler aus Schottland etwas anderes: endgültige Vernichtung.

Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die am 18.2.2015 von der American Psychological Association veröffentlicht wurde und uns mit etwas Entsetzlichem konfrontiert (siehe Apa): Arbeitslosigkeit verändert den Kern der menschlichen Persönlichkeit, jenen Ort, den man bislang immer für unantastbar gehalten hat, endgültig.

“The results challenge the idea that our personalities are ‘fixed’ and show that the effects of external factors such as unemployment can have large impacts on our basic personality,” said Christopher J. Boyce, PhD, of the University of Stirling in the United Kingdom. “This indicates that unemployment has wider psychological implications than previously thought.”

Arbeitslosigkeit vernichtet … Persönlichkeit.

Das, was uns am meisten ausmacht.

Infolge dessen ist ein Gesetz, dass hauptsächlich zum Ziel hat, Arbeitslose unter Zuhilfenahme massivster Diskriminierung und existenzbedrohender Sanktionen im von der Industrie zur Gewinnmaximierung von Anlegern mangelns sonstiger Leistungsfähigkeit dringend benötigten Niedriglohnsektors zu platzieren und zu halten ein Gesetz zur Massenvernichtung menschlicher Persönlichkeit – und die Vernichtung des Persönlichkeitskerns (nach etwas zwei Jahren) führt zu absoluten Minimierung der Chancen auf dem Jobmarkt.

So erschaffen wir zielgerichtet jene Art von Menschen, vor denen uns Gerhard Schröder eigentlich warnen wollte.

Ob und wie es mit Auschwitz verglichen werden kann, wird die Zukunft zeigen. Darüber brauchen wir auch jetzt nicht zu spekulieren, denn wir haben unsere eigene Vernichtungsorgie: jetzt, hier und heute, ganz ohne Hitler, Hakenkreuze und braune Uniformen.

Es ist die größte Massenvernichtungsaktion auf deutschem Boden seit Ausschwitz – was hauptsächlich der Tatsache geschuldet ist, dass wir eben jahrzehntelang konstruktive Sozialstaatspolitik verfolgt haben, die ohne Vernichtung von künstlich aussortierten Menschen bzw. der Vernichtung ihrer Persönlichkeit auskam.

Sicherlich kann man den Opfern auch entgegnen: seit froh, dass ihr überhaupt noch was kriegt. Sprüche dieser Art bekommen wir oft zu hören – und viel zu selten wird dagegen gehalten, dass wir einen Gesellschaftsvertrag haben, der uns als Sozialstaat definiert. Wer damit nicht leben kann und will, dem steht es frei, in Länder auszuwandern, in denen andere Gesellschaftsordnungen praktiziert werden … und in denen jene Armut grassiert, mit denen man hier den Armen drohen will.

Dort wird aber auch häufig mit der Kalaschnikow eingekauft.

Man kann aber aus andereseits sagen: die Vermögen der Deutschen explodieren geradezu, beständig erreichen uns neue Triumphmeldungen.

Die Geschichten darüber, dass uns das Geld ausgeht, waren also gelogen.

Es war auch nie wahr, dass die Juden in den Osten ausgesiedelt wurden und dort niedliche kleine Höfe bestellen durften.

Es ist auch nicht wahr, dass Arbeitslose gefördert werden.

Wahr ist, dass Arbeitslosigkeit den Kern der Persönlichkeit zerstört – und wir in Deutschland eine Gesetzgebung und einen entsprechenden Zeitgeist haben, die Arbeitslosigkeit für ausgewählte Störer zum gewollten Dauerzustand zwecks Disziplinierung der Niedriglöhner und Zeitarbeiter macht  – und damit zur größten Vernichtungsaktion seit Auschwitz.

Nicht größer. nicht gleich groß – aber die größte seit damals.

Ich finde schon, das sollte mal gesagt werden, bevor andere Professoren auf neue krude Ideen zur Kostensenkung kommen – oder?

 

 

 

 

Die totale Verarmung der USA – und die praktische Weltherrschaft der grausamen Kultur der Massenarmut

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Montag, 19.1.2015. Eifel. Man sollte diesem Herrn Snowden wohl doch mal einen Friedensnobelpreis geben: was der nicht alles bewegt hat – in Richtung Frieden, Völkerverständigung und vertrauensbildenden Maßnahmen, ist schon beeindruckend. Es war sicher kein leichter Schritt, einer Nation die Stirn zu bieten, die sich die Freiheit herausnimmt, weltweit durch ferngesteuerte Kampfroboter willkürliche Hinrichtungen ohne jeden Prozess auszuführen, geschützt durch einen Raketenschirm, den man nun noch weiter ausbauen will, um auch Zugriff zu den letzten drohnensicheren Gebieten erzwingen zu können. Sicher war es für einen Menschen mit Gewissen (und nur ein solcher Mensch kann so eine Tat begehen) nicht leicht, gegen den eigenen Dienstherrren vorzugehen: was müssen für Gewalten in dieser Seele getobt haben, während er sich dazu durchrang, die ganze Menschheit über eine Gefahr aufzuklären, die aus den US-Netzwerken von Industrie, Militär und Kapital entspringt (siehe Spiegel):

„Sie planen Schlachten im Internet, um Computernetzwerke lahmlegen zu können – und damit potenziell alles, was die steuern: Strom- und Wasserversorgung, Fabriken, Flughäfen oder Zahlungsverkehr“.

Es ist ein umfangreicher Artikel aus dem Online-Magazin, dass uns aktuell über die Absichten unserer Verbündeten aufklärt und uns als Europäern klar macht, das wir Natopartner zweiter Klasse – wenn nicht sogar ausgemachte Feinde – sind:

„Die Praxis, andere Dienste spionieren zu lassen und sich deren Erkenntnisse anzueignen, wird „Fourth Party Collection“ genannt. Alle Länder, die nicht zur Fünf-Augen-Allianz gehören, gelten als potenzielle Ziele für diese „nicht traditionelle“ Methode – also auch Deutschland.“

Ich denke, diese Informationen sollte man im Gedächtnis behalten, wenn man die politischen Entwicklungen und Entscheidungen der Gegenwart beurteilt – eine Perspektive die nur selten angewendet wird. Aus guten Grund, will ich meinen:

„Die NSA vermag inzwischen auch die Verteidigung in einen Angriff zu verwandeln: „Umnutzen und nachbauen“ heißt diese Methode. Dabei geht es um sogenannte Botnetze, die mitunter aus Millionen Rechnern von Privatpersonen bestehen, auf denen eine Software eingeschmuggelt wurde. So lassen sie sich als Teil einer „Zombie-Armee“ fernsteuern, um etwa Firmen lahmzulegen und zu erpressen.“

Merken Sie, welch´ungeheure Macht sich dort zusammenballt … jenseits der Kontrolle durch Parlamente und Öffentlichkeit? Merken Sie, dass intern keinerlei Kontrolle mehr über die Arbeit der Datenkrieger herrscht? Wie auch – die arbeiten … ab jetzt … ganz offen mit finstersten Verschwörungen.

„Dabei wird die Beute nicht direkt an die Internetadresse des ROC geleitet, sondern an einen sogenannten Sündenbock-Empfänger (Scapegoat). Geklaute Informationen können so auf den Servern von Gegnern landen, womit diese dann am Pranger stehen.“

Darf man dabei an Kinderpornos auf Politikerrechnern denken? Oder bei Kirchenfürsten? Vielleicht auch einfach mal so aus Spaß – weil man´s kann? Nun – Verschwörungen müssen wir erdulden, weil man uns verboten hat, Theorien über sie zu formulieren, die ihrer Entdeckung und Entlarvung voraus gehen müssen. Aber denken darf man ja noch, oder?

Ich stelle mir einfach mal einen deutschen Politiker vor (Partei ist egal) der in führender Position sitzt und diese Zeilen liest (gilt auch für jeden anderen „Entscheidungsträger“): er weiß sofort, dass jenseits des Atlantiks – fernab jeglicher parlamentarischer oder öffentlicher Kontrolle – ein Machtapparat existiert, der von heute auf morgen für großen Ärger im Atomkraftwerk sorgen kann – oder auf der eigenen Festplatte. Auf einmal hat man geklaute Informationen aus der albanischen Botschaft (oder Kinderpornos) auf dem Rechner und ist der Abschaum der Republik, ohne dass man auch nur die geringste Chance hat, auf die unsichtbaren Angreifer hin zu weisen: das Gefühl muss fürchterlich sein – erklärt aber hinreichend (auch ohne fremde Schlapphüte im eigenen Dienstzimmer) die seltsame Gleichschaltung von Poltik und Medien: ich schätze mal, jeder weiß heutzutage, welche Risiken er da eingeht.

Es ist ungeheuerlich, welche Auswüchse wir hier zu erdulden haben – erst Recht angesichts der Tatsache, dass hier eine zutiefst kranke, sterbende Wirtschaftsordnung zu beobachten ist, die letztlich mit allen Mitteln ums Überleben kämpfen wird, da der Wohlstand ihrer Entscheidungsträger (also auch der einzelnen Agenten an den NSA-Rechnern) direkt davon abhängig ist: nur ein Knopfdruck und der Euro ist Geschichte – oder das Internet in Europa fällt komplett aus – samt jedem PC .

Eine kranke, sterbende Wirtschaftsordnung?

2010 berichtete die Süddeutsche Zeitung über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten (siehe Süddeutsche):

„Die Rezession hat die Armut in den Vereinigten Staaten auf den höchsten Stand seit 1994 getrieben. Wie das US-Zensusbüro mitteilte, lebten im vergangenen Jahr 43,6 Millionen Amerikaner, oder 14,3 Prozent der Bevölkerung, unter der Armutsgrenze. 2008 waren es noch 13,2 Prozent gewesen. Besonders betroffen sind die Jüngsten: Über ein Fünftel aller Kinder lebt danach in Armut“.

Man nannte es beschönigend ein „verlorenes Jahrzehnt“ (was auch auf Arbeitnehmer in Deutschland zutrifft) – dabei war es viel mehr: es ging um die verlorene Zukunft.

2012 konnte man in der „Zeit“ unglaubliche Wahrheiten über die USA lesen – veröffentlicht von führenden superreichen US-Amerikanern (siehe Zeit):

„Es ist kein Zufall, dass nur ein paar Kilometer weiter, in Boca Raton, Mitt Romney vor einem erlauchten Kreis von Gönnern jene unklugen Bemerkungen machte, die ihn vielleicht um das Präsidentenamt bringen könnten. 47 Prozent der Amerikaner hingen am Tropf des Staates und hielten sich für Opfer der Umstände, sagte der Kandidat, der aus reichem Hause stammt und ein Vermögen mit Geschäften an der Wall Street gemacht hat: »Sie glauben, dass der Staat für sie verantwortlich ist, dass sie einen Anspruch auf Gesundheitsversorgung, Essen, Obdach und was auch immer haben.«“

47 % der Amerikaner – vom Kapitalismus entsorgt – und von superreichen Plutokraten zum Abschuss freigegeben. Was ist das für eine Wirtschaft, die 47 % der Bevölkerung nicht versorgen und via Arbeitsplatz am Vermögen teilhaben lassen kann – und wie denken Menschen, die sowas klasse finden?

Noch schlimmer die Zahlen, die 2013 in der „Welt“ veröffentlicht wurden – nicht unter den Rubriken „Politik“ oder „Wirtschaft“, sondern unter „Panorama“, wo man nur liest, wenn man sich für das „Dschungelcamp“, kuriose Autounfälle  oder das Privatleben halbtoter Königshäuser interessiert. Lesen Sie selbst (siehe Welt):

„Für immer mehr US-Bürger ist der „amerikanische Traum“ nur Legende: Vier von fünf Amerikanern fallen vor Erreichen ihres 60. Lebensjahres zeitweise in Arbeitslosigkeit, sinken an die Armutsgrenze, benötigen staatliche Hilfe. Rezession, globalisierte Wirtschaft, das Sterben von Jobs für Arbeiter ohne Collegeabschluss haben zu einem extremen Auseinanderklaffen der Einkommen geführt. Und eine steigende Zahl ist weiß.“

80 Prozent der US-Amerikaner leben in prekären Verhältnissen – was für eine Schlagzeile. Im Schnitt leben 47% der Bürger der USA nur noch, weil der Staat sie unterstützt – und nur noch 20% bleiben von Arbeitslosigkeit verschont – wie die Datenkrieger der NSA, die mit den Reichen in einem Boot sitzen. Wie muss man denken, um angesichts dieser Zahlen nicht in Panik zu verfallen? Oder in grenzenloser Hilfsbereitschaft für eine Wirtschaft, die Dritte-Welt-Niveau erreicht hat?

Die Linken sagen es schon lange – und melden sich 2014 deutlich zu Wort (siehe Rote Fahne):

„Das US-Wirtschaftsministerium meldete kürzlich in seinem Dreimonatsbericht, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA im fünften Quartal hintereinander wächst – im ersten Quartal 2014 betrug sein Anstieg 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser deutlichen Anzeichen für ein Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise nehmen Armut und Not unter der Bevölkerung der größten Wirtschaftsmacht der Welt weiter zu. Nach einem Bericht der Federal Reserve (FED), der amerikanischen Notenbank, geht es heute mehr als einem Drittel der Amerikaner erheblich schlechter als im Jahr 2008 und einem weiteren Drittel genauso schlecht wie damals.“

Die „Wirtschaft“ – völlig entkoppelt vom Leben der Menschen. Wozu braucht man so was noch?

Nun – „brauchen“ tun das die oberen zwanzig Prozent, die für das obere eine Prozent arbeiten, dass richtig, richtig dicke abräumt. Das ist die Welt, die durch TTIP, TISA und wie die Geheimabkommen noch alle heißen hier Fuß fassen soll. Denken sie immer noch an die Macht der Geheimdienste, wenn Sie glauben, dass unsere Politiker uns davor schützen werden – ein Knopfdruck, und die Karriere ist vorbei. Machen die vielleicht auch zwischendurch einfach mal nur so zum Spaß: man wirbt ja nicht umsonst gerne Charaktere an, die Spaß daran haben, Dinge kaputt zu machen. Mit denen legt man sich besser nicht an – noch steht man ihnen gern im Weg herum … oder macht in irgeneiner für die unangenehmen Art und Weise auf sich aufmerksam.

Schlimmer wird es, wenn man historisch denkt. Schauen wir uns mal an, was die Regierung der USA im Jahre 1969 für Probleme hatte (siehe Food and Nutriation Service):

2,8 Millionen US-Bürger mussten die Hilfe dieser Lebensrettungsagentur in Anspruch nehmen, die aus 6,63 Dollar im Monat bestand. Überschaubare Kosten. 1972 waren es schon 11 Millionen Bürger.

1990 – die Sowjetunion brach gerade auseinander, man hatte den Feind „totgerüstet“ und somit die Überlegenheit der eigenen Wirtschaftsordnung bewiesen, waren es schon 20 Millionen Bürger, die nur dank staatlicher Hilfe vom Verhungern bewahrt werden konnten: die „Hochleistungswirtschaft“ warf für sie nicht mehr genug ab.

2013 waren es 47, 636 Millionen Menschen (2014 46, 5 Millionen), die im reichsten Land der Welt verhungert wären, gäbe man ihnen nicht ein monatliche Unterstützung von 133 Dollar, verglichen damit sind die Hartz IV-Regelsätze von 391 Euro (aktuell 449 Dollar – nach dem letzten Eurotief) schon paradiesisch zu nennen – aber daran wird ja auch gearbeitet … dank TTIP und TISA gehören diese Regelsätze wegen Verzerrung des Marktes bald der Vergangenheit an und wir dürfen uns auf US-Sätze freuen.

Und doch geben diese Zahlen nicht das ganze Elend der USA wieder – wie sonst könnte der Wall-Street-Millionär Mitt Romney 2010 von 47 Prozent reden, die nur noch dank staatlicher Fürsorge überleben können. Wie hat er eigentlich sein Geld gemacht, dieser „moderate“ Konservative aus „gutem“ Hause? Die Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Würtemberg klärt uns darüber auf (siehe LBW):

„Allerdings verdiente er seine Millionen mit Bain Capital, einer Private-Equity-Gesellschaft, die Firmen aufkauft, auf Rendite trimmt und dann wieder verkauft.“

„Auf Rendite trimmen“ … das heißt: Massenentlassungen, Gewerkschaftsabbau, Niedriglöhne, kennen wir in Deutschland auch. Da wollte einer der Hauptverantwortlichen für die Prekarisierung der USA Präsident werden – und hätte es dank „Wahlmännersystem“ fast geschafft. Sein Programm bestand natürlich aus „Sozialkürzungen“: 148 Millionen US-Bürger sind inzwischen „über“, man braucht sie nicht mehr, sie liegen dem Staat nur auf der Tasche – und dank miserabler Aufstiegschancen (siehe hierzu „Armut als Schicksal“, Telepolis, Heise) wird das auch so bleiben.

„Private-Equtiy-Gesellschaften“ erweisen sich so als Krebsgeschwüre, die sich durch die gesunde Volkswirtschaft fressen, um immer mehr Menschen ins soziale Abseits zu stellen: nach neoliberaler Propaganda (die auch in Deutschland mit Hartz IV einen Riesenerfolg gefeiert hat) ist nämlich per Gesetzbeschluss auf einmal der Arbeitnehmer selbst für die Folgen der Arbeit der „Heuschrecken“ verantwortlich: das schwächste Glied in der Kette soll aus eigener Kraft den Kapitalismus retten: so blöd war schon lange keine politische Propaganda mehr. Tut er das nicht, giert man danach, ihn verhungern zu lassen … also: „Sozialausgaben zu kürzen“, das Lieblingsthema aller Konservativen (neben „Steuervergünstigungen“ … also dem ungehemten eigenen Griff in die Staatskasse). Hört sich auch so schöner an, als wenn man direkt über Massenmord an „unnützem“ Menschenmaterial reden würde. Und verhungern … tun die von ganz alleine.

Diese Gesellschaft, dieses Netzwerk aus Geheimdiensten, Industrie und Kapital hat nun einen neuen Rekord eingefahren: laut Washington Post sind inzwischen die Mehrheit der US-Schüler als „arm“ zu bezeichnen. Waren es 2010 noch ein Fünftel aller Kinder, so sind es jetzt über 50 Prozent (siehe Southern Education Foundation). Fast könnte man meinen: nach dem der „militärisch-industrielle Komplex“ der USA die Sowjetunion totgerüstet  hat, haben sie jetzt ihr eigenes Land totgerüstet – schon Grund genug, sich neue Kriege zu wünschen, um vom eigenen Versagen abzulenken … vielleicht auch Grund genug, Anschläge im eigenen Land nach zu inszenieren (also nicht nur auf fremden Rechnern), um weiter „im Geschäft“ zu bleiben.

Einzelne Daten?

Kalifornien – allein schon einer der größten Wirtschaften der Welt, ganz ohne den Rest der USA – hat 55 % Schüler, die an öffentlichen Schulspeisungen teilnehmen. Texas kommt auf 60 %, New York auf 49 %, Mississipi auf 71 Prozent, gerettet wird der Durschnitt von New Hampshire an der Ostküste, wo nur 27 Prozent der Schüler als arm gelten … bei einer Gesamtbevölkerung von 1, 3 Millionen Einwohnern. Insgesamt sind es inzwischen 51 % der Kinder, die von Armut betroffen sind, d.h. von Hunger, mangelnder Hygiene, mangelhafter Kleidung.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten … und der unbegrenzten Macht … demonstriert in eigenen Reihen die Zukunft der Menschheit, die Zukunft der „westlichen Wertegemeinschaft“, die sich so über den ganzen Planeten ausbreiten soll: ständig von Abschaffung bedrohte staatliche Ernährungshilfe auf der einen Seite gegen Apartments mit Pool für die 20 Prozent sichere Funktionselite (siehe Spiegel-Fotostrecke „Wohnungen mit Privatpool: Wenn Millionäre planschen gehen“) auf der anderen Seite: diese Kultur verbreitet sich im 21. Jahrhundert weltweit – mit militärischer Macht.

Nun – vielleicht zerstört einer der Cyberkrieger jetzt auch meinen Rechner – aus Absicht, weil ich „unkorrekte“ Meinungen vertretete oder einfach, weil es ihm Spaß macht – aber wenigstens sollte man Anfang 2015 noch mal schnell lesen können, dass der Kapitalismus die Kultur der Massenarmut ist.

Und das wollen wir wirklich jetzt in Europa etablieren … und auch weltweit als Leitkultur (besser: „Leidkultur“) einführen?

Nun – angesichts der Allmacht der NSA-Krieger im Internet bleibt uns gar nichts anderes über – aber das erklärt, warum alle so devot sind, wenn neue Kommandos aus den USA kommen – z.B. wenn „Putin“ auf einmal „böse“ zu sein hat. Ich denke: in den Zentralen der Macht in Europa (und auch in den Redaktionsstuben) ist man sich ganz genau bewusst welche Macht sich in den USA gerade entfaltet – einer Macht, der man lieber devot dient, bevor sie unwirsch wird.

Also … ich habe da keine weiteren Fragen.

 

 

 

 

Armut in Deutschland: Unfreiheit, Ungleichheit, Unbrüderlichkeit – ein Unland.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Mittwoch, 24.9.2014. Eifel. Über Armut in Deutschland zu sprechen ist gar nicht so leicht. Klar, alle denken erstmal an Geld – als wäre allein Geld der Maßstab allen Lebens. Schauen Sie sich doch mal die Schwerbehinderten in Deutschland an: schon fast zehn Prozent aller Deutschen haben einen Schwerbehindertenausweis (siehe Spiegel): ich denke, viele von ihnen würden all´ ihr Geld opfern, um wieder gesund zu sein. Genau genommen ist Gesundheit insgesamt ein großes Problem in Deutschland: Ärzte und Industrie werden für Erkrankungen bezahlt: ein Arzt, der nichts findet, ist bald ein armer Arzt. Und ein Mensch, der solange zum Arzt geht, bis der was findet, ist ein armer Mensch – und davon gibt es sehr viele.

Oder denken wir an die zentralen Werte der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Wie frei sind Sie eigentlich? Nein – die Frage lautet nicht, wie frei sie sich nach vier Stunden TV-Konsum fühlen (da dürfte das Gefühl positiv ausfallen: immerhin gaukelt man Ihnen hier eine allmächtige Beobachterposition vor, wie man sie früher bei Göttern annahm – oder eine Berichtsposition, wie sie Könige erlebten), sondern wie frei Sie wirklich sind? Frei, um zum Beispiel eine Glühbirne zu verwenden? Ja – die sind schon verboten (angeblich ist Sigmar Gabriel dafür verantwortlich – siehe Deutsche Wirtschaftsnachrichten), an anderen Verboten wird gerade gebastelt (siehe FAZ):

In diesen Wochen trifft die Europäische Kommission eine Vorentscheidung, welche Geräte und Produkte sie zwischen 2015 und 2017 regulieren will. Die Liste der Vorschläge reicht von Fitnessgeräten, Akkuschraubern und Föhn über Rasenmäher, Smartphones und Videoprojektoren bis hin zu Aufzügen, Gewächshäusern und Verstärkern.

Sie wissen, wo das enden wird? In einer Ökodiktatur. Die will ich auch gar nicht anprangern: wir Wohlstandsbürger sind in unserer Vernichtungswut gegenüber unserer Umwelt ansonsten doch gar nicht mehr bremsen: auf Warnungen der Wissenschaftler reagieren wir mit dem Kauf eines überdimensionierten Geländewagens, der pro Kilometer soviel verbracht wie vier Kleinwagen – bei gleichem Effekt: den Transport unserer Wohlstandshintern zum „Aldi“. Und die Warnungen der Wissenschaftler werden immer deutlicher (siehe Sciblogs):

Klimaforscher haben seit den 1970ern davor gewarnt: Jetzt ist der Westantarktische Eisschild instabil geworden und hat seinen unaufhaltsamen Zerfall begonnen. Das wird den Meeresspiegel deutlich steigen lassen. Eine Zäsur der Menschheitsgeschichte.

Gut, dass wir das Leben nur noch über den Bildschirm erleben: so bleibt uns das Gefühl, wir könnten die Apokalypse durch Betätigung der Fernbedienung von unserer Wohnung fern halten.

Aber wir waren bei der Freiheit. Anders als ehedem angedacht ist Freiheit heute ein Gut, dass man sich leisten können muss – finanziell gesehen. Sind Sie chronisch unterfinanziert wie zum Beispiel Thomas Meese von der Universität Hamburg, dann müssen Sie sich staatlich verordneter Zwangsarbeit beugen – auch als hochqualifizierter Wissenschaftler (siehe gegen-Hartz). Kein Wunder, dass der Deutsche lieber seine Wohnung nicht verläßt und nicht mehr auf Demonstrationen zu sehen ist … ein Tatbestand, der deutlicher als alles Andere zeigt, wie „frei“ er sich wirklich fühlt.

Brüderlichkeit? Wie sieht es damit aus? Da fällt mir gerade der Löschzug Rapen aus Oer-Erkenschwick ein (siehe: Der Westen):

Denn bei der Feuerwehr brannte es. Auslöser war ein Aufnahmeritual vom 15. September 2007. An jenem Nachmittag war eine 20-jährige Anwärterin an einen Baum gefesselt worden. Ein im Löschzug Rapen nicht unübliches Verfahren.

Ein seltsamer Geist bricht sich dort Bahn. Nicht nur bei deutschen Feuerwehren, auch bei der Polizei (siehe Der Westen):

Hakenkreuze, rechte Parolen, offener Rassismus – monatelang ist eine Polizeianwärterin (23) mit Migrationshintergrund von Studienkollegen in einem Kurs an der Fachhochschule „XXXXXXXX“* (siehe unten) gemobbt und erniedrigt worden.

Wissen Sie, was daran wirklich rassistisch ist? Was zudem niemandem auffällt? Das man darauf hinweist, dass die Polizeianwärterin einen Migrationshintergrund hat. Vielleicht hieß sie Schimanski (wie ein bekannter „Tatort“-Kommissar aus dem TV) und der Ururgroßvater kam aus Polen?

Zwei Ausnahmebeispiele? Nein, zwei Ausprägungen einer verrrohenden Gesellschaft, für die es jetzt fundamentalere Daten gibt (siehe WDR):

Häusliche Gewalt nimmt nach Angaben der Ärztekammern in NRW immer weiter zu. Die Zahl der Strafanzeigen deswegen habe sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre von 16.000 auf 27.000 Fälle pro Jahr erhöht.

Damit daraus keine Gesellschaftskritik wird, wird die Aussage umgehend relativiert mit dem Hinweis darauf, dass Ärzte sensibler auf des Thema reagieren, wodurch mehr Fälle bekannt werden. So einen Humbug liest man selten: Ärzte haben Schweigepflicht – sie dürfen überhaupt keine Straftaten anzeigen. Wir werden also mit der Tatsache leben müssen, dass das Leben in der trauten Ehegemeinschaft rauer wird – sogar dort.

Probleme mit der Brüderlichkeit hat man auch im Geschäftsleben – nach der Finanzkrise sollte das eigentlich jedermann bewusst geworden sein. Trotzdem stößt man immer noch auf erstaunliche Dokumente, die das Geschäftsgebahren der Bankenwelt gut dokumentieren – wie hier zum Beispiel bei den Sparkassen: (siehe Spiegel)

„Man versucht, indem man sich ins Gehirn hineinschleimt, Vertrauen zu finden und den Verbraucher in einer Weise zu beeinflussen, die nicht in seinem Interesse ist.“ – so das Urteil der Verbraucherschützer über die Klassifikationsraster der Sparkassen. Das gilt aber im Kapitalismus für alle Branchen … und führt uns zum nächsten Thema: der Gleichheit.

Darüber traue ich mich gar nicht mehr zu reden – darüber ist schon genug gesagt worden. Es gibt wieder eine Elite, die enscheidet – und ein Prekariat, das folgen muss … bei Zwangsarbeit, Glühbirnenverbot und offenem Rassismus. Das gilt weltweit so, da hat Deutschland kein Alleinstellungsmerkmal (siehe Oxfam):

Die wachsende soziale Ungleichheit untergräbt demokratische Prozesse, sowohl in Industrie- als auch in  Schwellen- und Entwicklungsländern. Das ist das Ergebnis eines Berichtes zur Einkommens- und Vermögensungleichheit, den Oxfam heute kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht. In „Working for the Few“ warnt die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation davor, dass wohlhabende Eliten weltweit die Politik zu ihren Gunsten beeinflussen und wirtschaftliche Spielregeln in ihrem Sinne manipulieren.

Heute besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des Weltvermögens. Die 85 reichsten Menschen besitzen ebenso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen.

Das ist der Trend, der auch in Deutschland vorherrscht. Den beschreibt der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR Egon Krenz aus einer interessanten Perspektive (siehe Junge Welt):

Herbert Wehner, der vom Kommunisten zum Sozialdemokraten mutierte, hatte mich schon 1973, damals Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag, gewarnt: »Wer einmal Kommunist war, den verfolgt die bürgerliche Gesellschaft bis zu seinem Lebensende.« Ich hätte also durchaus wissen können, was nicht nur mich erwartet, sollte die Bundesrepublik einmal Zugriff auf die DDR bekommen. Der Gedanke, daß dies jemals geschehen könnte, lag mir damals fern. Nun rächt sich die neue Macht mit all ihren Institutionen dafür, daß sie über 40 Jahre keinen Zugriff auf den deutschen Osten hatte. Und sie sendet damit das Signal: Sie will nie wieder eine Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft zulassen.

Kommunistenverfolgung in einer freien Demokratie? Sind wir etwa auch arm an politischer Freiheit, arm an wissenschaftlicher Wahrheitsfindung, arm an Prozessen zur Meinungsbildung? Hören wir Herrn Krenz:

Das offizielle bundesdeutsche Geschichtsbild über die DDR steht doch fest: »Zweite deutsche Diktatur«, »Unrechtsstaat«, »Mauer« und »Stasi«. Wer diese Klischees nicht bedient, hat keine Chance auf eine sachliche Diskussion.

In der Tat: die Chance, aus den Erfahrungen des sozialistischen Deutschlandes etwas über mögliche Alternativen zum momentan versagenden Kapitalismus zu lernen, wurde vollkommen zugunsten einer blindwütigen Siegerorgie vertan. Die „neue Macht mit all ihren Institutionen“, die bei Oxfam erwähnte „wohlhabende Elite“ rechnet sich auch aktuell den Kapitalismus schön (siehe Spiegel):

Es ist das höchste Wachstum seit zehn Jahren: Das Vermögen privater Haushalte ist 2013 weltweit auf 118 Billionen Euro gestiegen. Das sind rund zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor und 27 Prozent mehr als 2007.

Solche Meldungen gehen eher durch die Systemzensur als die Meinungen des Herrn Krenz. Schauen wir hier ruhig mal genauer hin: immerhin ist der Spiegel das bedeutendste „kritische“ Medium der Bundesrepublik, die Bibel der staatstragenden Kräfte, das Sturmgeschütz der Demokratie:

Fast eine halbe Milliarde Menschen ist demnach in den vergangenen 13 Jahren in die globale Vermögensmittelklasse aufgestiegen. Zwischen 2012 und 2013 waren es 60 Millionen. Zur Mittelklasse zählt in der Allianz-Definition, wer ein Vermögen zwischen 5300 und 31.800 Euro besitzt. Im vergangenen Jahr waren das laut Allianz weltweit 912 Millionen Menschen.

Ja, Sie lesen richtig: mit einem Vermögen von 5300 Euro gehören Sie zur Mittelklasse dieser Welt – sagt die Allianzversicherung, einer der großen Träger des bundesdeutschen Systems. Ach – jetzt sind wir doch beim Geld gelandet … dabei ist diese Debatte dem Lande der Dichter und Denker doch so unangemessen. Aber – was soll´s.

Ja – jeder Deutsche Hartz IV-Abhängige, der noch Schonvermögen von 5300 Euro in Händen hält, gehört schon zu Mittelklasse. So definiert, steigt die Mittelklasse weltweit an, allein schon deshalb, weil Geld wie irre gedruckt wird und an der Börse mit diesem gehaltlosem Geld irrsinnige Gewinne möglich sind. Lesen wir die vom Spiegel zitierte Studie aber nochmal genauer:

Allerdings setzt sich ein Teil der neuen Mittelschicht auch aus Absteigern zusammen. Denn die Zahl der wohlhabenden Menschen ist geschrumpft. Die meisten Absteiger aus der Oberschicht gab es in den USA, Japan, Frankreich und Italien. Seit der Jahrtausendwende sind laut der Studie 65 Millionen Menschen aus der sogenannten Vermögensoberklasse herausgefallen.

„Wohlhabend“ .. das waren mal die mit einem Vermögen von über 31800 Euro. Ein teures Auto, geerbter Schmuck, ein kleines Häuschen – schon gehören sie zur Oberschicht. Schon eine kleine bezahlte Eigentumswohnung macht aus Ihnen den Bill Gates von Oer-Erkenschwick – wenn es nach den Träumen der Allianz geht. Wir hielten das früher mal für untere Mittelschicht – und  schauen wir aus den Augen der alten BRD-Bewohner, dann merken wir, dass uns unser Alltag nicht täuscht: immer mehr Menschen fallen aus dieser Mittelschicht heraus, wandern in die Armut. Genau genommen werden immer weniger Menschen immer reicher und immer mehr Menschen immer ärmer – aber das versucht die „neue Macht mit all´ ihren Institutionen“ zu vertuschen wo immer es geht.

Aber kümmern wir uns jetzt mal um die Armen, geben der Armut ein Gesicht. Der NDR hat dies getan (siehe NDR):

Tanja ist eine von vielen Frauen in Deutschland, die alleinerziehend sind und deshalb keinen Vollzeitjob machen können. Dadurch, dass sie in Teilzeit in einem Café arbeitet, verdient sie nicht genug, um ihren Lebensunterhalt für sich und ihr Kind zu sichern. Trotz eines Stundenlohns von 8,50 Euro kommt sie gerade mal auf 870 Euro.

Kein Hartzer – sondern eine reiche, arbeitende Frau. Zum Überleben mit 320 Euro im Monat (abzüglich der Fixkosten) ausgestattet – für zwei Personen. Macht 160 Euro pro Person, 5,30 Euro am Tag. Eine Schachtel Zigaretten ist teuerer – um mal einen Vergleichsmaßstab zu setzen. Ich will aber auch noch einen anderen Maßstab nehmen: Afrika, jener Kontinent, auf dem die Menschen mit einem Dollar pro Tag auskommen müssen (siehe Johannes Rau in der Zeit). Das gilt als „wirklich arm“ – dagegen ist unser Tanja richtig reich.

Vergleichen wir aber mal die Bruttoinlandsprodukte der Kontinente (ja, da sind wir großzügig – die Griechen, Spanier und Portugiesen kommen sogar mit in die Rechnung – siehe Politik-kompakt). Europa hat demnach ein Bruttoinlandsprodukt von 17580 Milliarden, Afrika von 1960 Milliarden. Europa ist neunmal reicher als Afrika … aber Tanja hat nur fünfmal Geld mehr als ein afrikanischer Armer. Manche deutsche Rentner haben genau so viel wie ein Afrikaner (siehe RTL). Würden wir die BIP´s Deutschlands mit … sagen wir mal: dem Sudan vergleichen, wird es noch doller: Deutschland hatte 2013 ein BIP von 3 600 Milliarden Euro (Platz 4 im Ranking der Nationen), der Sudan 70 Milliarden (Platz 68 von immerhin 188 Ländern). Während der arme Sudanese mit einem Dollar auskommen muss, muss die reiche Tanja in einem Land das über FÜNZIGMAL REICHER als der Sudan ist, mit fünf Euro auskommen – also 6, 5 Dollar. Verglichen mit Uganda, dem Senegal oder dem Kongo ist der Sudan aber noch reich, die drei Länder haben weniger als die Hälfte des BIP des armen Sudan (siehe Wikipedia).

Merken Sie jetzt langsam, wie arm die arbeitende Tanja eigentlich wirklich ist … wenn man ihren Anteil am BIP des Landes als Maßstab zugrunde legt? Würde man ihr Einkommen gemessen am BIP auf Sudan-Niveau umlegen, würden aus den 6,50 Dollar 10 Cent werden. Da sind Leute mit fast einem Dollar pro Tag deutlich reicher.

Das sind Dimensionen der Armut, die wir täglich fühlen – aber kaum mit Zahlen anschaulich machen. Während die Armut in Afrika teils einfach auf lange Dürreperioden zurückzuführen ist, ist sie in Deutschland der Wille der Elite und des von ihr kontrollierten Staates, die – wie überall sonst auch – „die Politik zu ihren Gunsten beeinflusst und die wirtschaftlichen Spielregeln in ihrem Sinne manipuliert“.

Übrigens erwirtschaftet Tanja in diesem Jahr vorraussichtlich 40000 Euro, so jedenfalls ihr Anteil am BIP (siehe Wikipedia), zusammen mit ihrem Kind kommt sie auf 80 000 Euro. Davon erhält sie 10000 Euro und hat am Ende 3840 Euro übrig, von denen sie ein Jahr lang das Überleben ihrer Kleinstfamilie finanzieren muss.

Keine Freiheit. Keine Brüderlichkeit. Keine Gleichheit.

Keine Gerechtigkeit. Kein Mitleid. Keine Nächstenliebe.

Und das tolle ist: verglichen mit dem armen Sudanesen sind wir sogar arm am wichtigsten Gut menschlichen Lebens: der Zeit, siehe Sybille Berg im Spiegel über den modernen Menschen:

Lasst mich endlich, endlich in Ruhe, möchte er schreien, der gehetzte Mensch, der zu nichts mehr kommt. Der immer am Anschlag ist. Weil die Zeit wegrennt, weil der Terminplan voll ist mit der Arbeit, die immer mehr wird, besonders bei denen, die sind wie ich, bei Freiberuflern, Selbstständigen. Eltern, Menschen mit kranken Eltern, kranken Kindern oder depressiven Partnern, mit Verwandten, die Prozesse haben, nicht zu reden von den Prozessen, die man selber führt. Der gehetzte Mensch muss immer mehr arbeiten, irgendwie ist da Inflation, und keiner hat es gesagt, alles wird teurer.

Deutschland: ein armes Land. Ein sehr armes Land.

Ein Unland.


 

 

* Offensichtlich ist die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein Westfahlen Gelsenkirchen, Standort Köln, gemeint. Im Originalartikel ist dies nicht ersichtlich.

Siehe den oben genannten Link und
http://www.rp-online.de/nrw/panorama/nazi-skandal-erschuettert-polizei-in-aachen-mobbing-und-fremdenfeindlichkeit-aid-1.4517648

 

Achtung, Warnmeldung! Weitere Zumutungen optimistischer Politiker drohen: die Agenda 2030 und die Vernichtung des Euros.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Dienstag, 26.8.2007. Eifel. Man stolpert bei der Zeitungslektüre gelegentlich über seltsame Aussagen – wie jetzt aktuell in der FAZ, wo es über die Agenda 2030 oder die Agenda 2040 geht – man war sich da nicht so sicher.  Zu Wort meldet sich ein CDU-Politiker mit einer recht eigentümlichen Anschauung:

„Das Land befindet sich zu sehr im Wohlfühlmodus, keiner will den Menschen etwas zumuten“.

Weiß nicht, ob Ihnen dabei auch leicht übel wird – immerhin spricht dort ein Arbeitsloser, ein Mensch, den wir mit unserem Geld von der Last der Erwerbsarbeit befreit haben, um Verwaltungsaufgaben für uns zu übernehmen: und als Dank dafür möchte er an weiteren Zumutungen arbeiten, beschwert sich darüber, dass es dem Land gut geht.

Nun – „Deutschland geht es gut“ – so lautet ja auch die Devise der Bundeskanzlerin, und ich bin dankbar, dass das Handelsblatt jetzt endlich darauf hinweist, dass dieser blindwütige Optimismus einfach nur eine Lüge ist – bzw eine Einstellung, zu der JEDER Bundeskanzler durch sein Amt verpflichtet ist (siehe Handelsblatt). Es heißt nicht umsonst, dass ein Fisch vom Kopfe her stinkt – und Wolfgang Münchau vom Spiegel verfolgt den Gestank bis in die Reihen der Ökonomen (siehe Spiegel):

Fast immer daneben, fast immer zu optimistisch: Die meisten Konjunkturprognosen sind Lachnummern. Ökonomen wissen nicht mit Dynamischen Systemen umzugehen. Höchste Zeit, sie zu ersetzen.

Klare Worte. Was fehlt, ist die Forderung, auch die Optimismuströten im Kanzleramt und Bundestag durch Realisten zu ersetzen. Wer nur seinen verträumten Optimismus im Kopf hat, der muss in der Tat seinen Bürgern einiges zumuten, um die Lücke zwischen Vorstellung und Wirklichkeit zu ersetzen. Und zugemutet wird ihnen ja genug: sogar Sylt, einer der Orte Deutschlands, wo sich Geld mit Gewalt ballt, verzeichnet einen steigenden Zulauf zur Tafel (siehe Hamburger Abendblatt), jenen Orten, wo Geschäfte infolge einer gezielten Beratung durch McKinsey ihre Entsorgungskosten minimieren, in dem sie den Abfall an Bedürftige verteilen (wir berichteten).

Reicht das nicht an Zumutung?

Nein. Natürlich nicht. Erinnern wir uns an die Agenda 2010 – bevor wir über die Agenda 2030 oder 2040 reden. Sie wirkt ja auch heute mit gleicher Gewalt und verändert das Gesicht des Landes. Aktuell verbietet die Polizei Proteste vor Jobcentern (siehe gegen-Hartz), ein weitere denkwürdiger Angriff auf die Meinungsfreiheit in Deutschland. Als einziges Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bleibt den optimistischen Experten der Griff zur Gewalt, weshalb Oberst Weise, Kommandant der Bundesagentur für Arbeitslosendisziplinierung, auch die Sanktion als höchsten Segen moderner Arbeitsmarktpolitik preist (siehe gegen-Hartz): auch so eine Zumutung, allerdings eine der intellektuellen Art – das Druck nur Gegendruck erzeugt, aber niemals zur Änderung der intrensischen Motivation taugt, weiß jeder Versicherungsvertreter, doch in Amts- und Regierungsstuben ist dieses Niveau noch lange nicht erreicht.

Kein Wunder dass es beständig neue Meldungen über Sanktionsrekorde in Deutschland gibt (siehe Leipziger Internet Zeitung): der Arbeitslose muss die Fehler der Politik, die sich nur allzu gern an die viel zu optimistischen (sprich: FALSCHEN) Prognosen der Wirtschaftswissenschaft bindet, persönlich ausbaden: findet er die nicht vorhandenen Jobs nicht, wird er dafür bestraft. Für den gesunden Menschenverstand eine Zumutung – aber „Zumutung“ scheint ja auch des primäre Ziel der politischen Kaste zu sein, die große Herausforderung im Wettlauf der Parteien: wer schafft es, dem Volk in kürzester Zeit mehr zuzumuten? Der Sieger bekommt einen Vorstandsposten in einer Rüstungsfirma – nein, das war jetzt sicher zu fies gedacht.

Aber hat sie nicht enorm viel gebracht, diese Agenda? Jubeln nicht die gleichen Experten, die mit ihren Prognosen immer daneben liegen, gerade ob der großen Erfolge des großen Entwurfes?

Nun – die schieben sich die Irrläufer gegenseitig ein Eigenlob in die Tasche. Menschen, die für ihr Geld noch richtig arbeiten müssen und nicht fürstliche Bezüge von Vater Staat kassieren, dürften das anders sehen – aber auch einige Experten müssen nüchtern feststellen, dass die Reform ihre Kernziele nicht erreicht hat (siehe hartziv.org):

Aus den Hartz IV Reformen resümiert die Untersuchung eine Verschlechterung der Funktionalität des Arbeitsmarktes. Durch die Einschüchterung, in die Grundsicherung zu fallen, seien Arbeitnehmer bereit, auch schlechtere Bedingungen wie geringere Einstiegslöhne in Kauf zu nehmen – die für bereits Beschäftigte unattraktiv waren. Dies hat auch zur Folge, dass sich Arbeitgeberwechsel für Beschäftigte demnach nicht lohnen.

Ja – Hartz IV war gar kein Schlag gegen die „Sozialschmarotzer“ und „Parasiten“: jenen, die schon immer von Sozialhilfe gelebt haben, ging es danach besser denn je – wenn ich den Informationen von langjährigen Sozialhilfebeziehern glauben darf. Es war zuerst ein Schlag  (und eine Zumutung) gegen ALLE Arbeitnehmer – und gegen kleinere Selbständige.

Alan Posener berichtete in der Welt von den absurden Zuständen, die Deutschland aktuell zu einem Narrenhaus werden lassen – wie zum Beispiel die Geschichte über den mit einem befristeten Vertrag bei der Bundesagentur für Arbeit ausgestatteten Anwalt, dem richterlicherseits empfohlen wird, doch nach Ablauf des Vertrages Fachanwalt für Hartz IV zu werden und selber so lange Hartz IV zu beziehen, bis er genügend Kunden hat, die gegen die Bundesagentur klagen – und an denen sei kein Mangel (siehe Welt).

Ja – zwischendurch gehören auch Akademiker zur Unterschicht – auch eine Zumutung und ein Zeichen dafür, dass „Wirtschaft“ und „Politik“ das Ruder völlig aus der Hand läuft und wahrscheinlich auch der Grund, weshalb deutsche Professoren die materielle Vernichtung der Unterschicht fordern. Vernichtung? Nun ja, wenn ein deutscher Professor die Einstellung der staatlichen Leistungen nach fünf Jahren fordert (die endgültige Totalsanktion, sozusagen, siehe FAZ), dann sehe ich Berge von verhungerten Menschen vor mir: die Tafeln werden das nicht auffangen können. Aber so sind sie halt, die Experten: je mehr man ihnen selbst zuviel an staatlicher Unterstützung zahlt, umso wilder und wirrer werden ihre Phantasien. Ein- zwei Jahre Straßenbau als Arbeitsurlaub wären da vielleicht mal ganz hilfreich, um das Professorengehirn mal wieder auf die Erde zurück zu holen.

Der Sozialverband Deutschland hat nun folgerichtig Bilanz gezogen (siehe Saarbrücker Zeitung)

Zehn Jahre nach Einführung der Hartz-Gesetze müsse man eine fatale Bilanz ziehen, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer. „Dieses System ist eine soziale, ökonomische und moralische Bankrotterklärung.“

Ich würde noch hinzufügen: eine intellektuelle Bankrotterklärung ist sie ebenfalls. Ebenso eine demokratische – und politische, erst Recht, wenn man sieht, dass andere Zumutungen innerhalb der Politik kaum wahrgenommen oder billigend in Kauf genommen werden: dass EU-Kommissare für vier Monate Arbeit je 500 000 Euro kassieren, findet niemand anstößig (siehe Spiegel), erklärt aber, warum Bundeskanzler zum Optimismus verpflichtet sind – rationale Haushaltsführung ist angesichts solcher Phantasiegehälter nur mit intensiven Hoffen auf zukünftigen Geldsegen zu gewährleisten.

Nun – von erlebbarer Armut sind jene Politiker, die jetzt wieder von „Zumutungen“ träumen, weit entfernt. Ihre Diäten sind jetzt gerade saftig angehoben worden – auch ein Grund, warum Politik nichts ändern wird: im Kampf reich gegen arm wechseln auch linke Politiker schnell die Seiten, wenn sie Diätenreich werden. Ein paar schnelle linke Worthülsen noch aus der Hüfte geschossen … das war es dann aber auch schon mit dem Engagement, immerhin steht man jetzt auch auf der Seite jener, die sich um optimale Geldanlagen kümmern müssen – anstatt zu jenen, die am Ende des Geldes noch viel Monat übrig haben.

Aktuell verblüffen Geschichten über die armen Städter das Land, der interssanteste Artikel dazu stammt aus dem Handelsblatt. Er erläutert uns auch die Zumutungen, mit denen wir leben müssen:

2014 lag die Armutsgefährdungsschwelle für einen Alleinstehenden bei 870 Euro. Rechnet man Sätze für Miete und anderes hinzu, liegt der Hartz IV-Satz eines Singles bei 651 Euro und damit unter der Armutsgefährdungsschwelle.

Der Grundgedanke des Sozialstaates war mal, Armut zu verhindern. Jetzt muten Politiker jene, die durch die von ihnen gestaltete Wirtschaftspolitik den Anschluss verloren haben, per Gesetz Armut zu – als Pauschalsanktion, die noch verschärft werden kann.

Was drohen denn dann noch für weitere Zumutungen, wovon träumen denn die mit dem staatlichen „Rundum-sorglos-Paket“ vollgefütterten Daueroptimisten und Realitätsverdränger noch? Die reichsten Gemeinden in Deutschland verzeichnen nach diesem Artikel noch 8,6 % Arme, die großen Städte ÜBER 25 %!

Aber: erschrecken sie nicht zu sehr über diese Studie, sie zeigt nur eine Perspektive auf, berücksichtigt nicht, dass Arme auf dem Land ein Auto brauchen, weil die menschenfernen Konzentrationsprozesse der „Wirtschaft“ die Nahversorgung vernichtet haben.

Während „der Arbeitslose“ als „Volksfeind Nr 1“ beständig neuen Zumutungen ausgesetzt werden soll, beschäftigt sich scheinbar kaum ein Politiker mit den finsteren Wolken am Horizont, die die ganze Eurozone bedrohen. Man jubelt über steigende Börsenkurse (während über einen Kurssturz von 10% kaum gesprochen wird: Optimisten unter sich verdrängen so etwas gern), kümmert sich aber nicht um die Ursachen – also die Entscheidungen optimistischer Politiker auf der Grundlage optimistischer Wissenschaftler. Hier offenbart ein Blick hinter die Kulissen gruseliges: die Börse steigt nur auf Grund eines „Draghi-Effektes“ (siehe Handelsblatt). Die EU will die Inflation ankurbeln (und damit die Armen noch Ärmer machen), in dem sie die Reichen noch reicher macht.

Wir erfahren auch, von welchem Volumen wir da sprechen: 1 Billion Euro sollen in die Märkte gepumpt werden . Gleichzeitig erfahren wir, dass die Spekulanten der Wallstreet den Euro massiv unter Beschuss nehmen wie nie zuvor: kein Wunder – was so in Massen gedruckt wird, kann keinen Wert mehr haben (siehe Welt). Kurz darf einem hier einfallen, dass Draghi auch ein Ex-Mitarbeiter einer großen Wall-Street-Bank ist und hier vielleicht bald wieder eine blühende Zukunft vor sich sieht.

Eine Billion Euro. Darf man kurz träumen? Darf man kurz überlegen, wieviel jeder EU-Bürger von dieser Summe hätte, wenn man sie ihm persönlich auszahlen würde – als Konkunkturspritze für die Realwirtschaft? 500 Millionen Bürger haben wir in der EU. Das macht 2000 Euro pro Bürger. Würde man das Geld in Arbeislose investieren (anstatt die mit diesem Geld zu bekämpfen), könnte man eine Mordsrendite von 60 Prozent einfahren: jeder in Arbeitslose investierte Euro kommt mit 1,60 Euro Wertschöpfung zurück (wir berichteten). Stattdessen investiert man dieses Geld in Aktienbesitzer, die dadurch völlig ohne Arbeit noch viel reicher werden.

Gleichzeitig arbeitet man gezielt an der Vernichtung des Euro, der beständig an Wert verliert. Das verteuert die Importe für die armen Leute, verbessert aber die Ertragslage der großen, exportierenden Firmen, deren Waren im
Ausland immer günstiger werden und deren Gewinne dank Lohndumping ins Unermessliche steigen.

Reicht das noch nicht an Zumutungen?

Nein. Wie ein aktuelles Interview nahelegt, hegen und pflegen wir in Europa immer noch „Zombiebanken ohne wirklichem Geschäftsmodell“, die jederzeit eine neue Finanzkrise auslösen könnten (siehe Spiegel).

Dafür ist Geld da.

Kein Wunder, dass Politiker von weiteren Zumutungen träumen. Die werden ganz von allein kommen, will mir scheinen – und wenn nicht, wird die Politik noch einen draufsetzen, anstatt eine realistische Wirtschaftspolitik zu betreiben.

„Deutsche Politik im aktiven Kampf gegen den Wohlfühlmodus der Bevölkerung“ – wäre auch ein schöner Titel gewesen. „Den Nutzen des Volkes zu mehren, Schaden von ihm abzuwenden“ war gestern, „nutzloses Volk auszumerzen und Schaden durch Zumutungen zu verursachen“ scheint das aktuelle Programm zu sein, das nach der aus reiner Dummheit erfolgenden Vernichtung des Euros den Ton angeben wird.

Und mit der Agenda 2050 werden dann chinesische, thailändische und malaysische Produzenten gesucht, die bei uns ihre Hemden billig nähen lassen wollen, während UN-Hilfsorganisationen die deutschen Städter vor dem Verhungern retten.

Kein Wunder, dass angesichts solcher Aussichten der platte Realismus gerade nicht angesagt ist und wir stattdessen lieber die Utopie „Schlaraffenland“ herbeiphantasieren: Optimismus ist deutlich besser für die Nerven und unterdrückt jede notwendigen Handlungsimpulse: „Wird schon alles gut gehen“.

 

 

Die Minderleister und der Neoliberale Soziale Rassismus

All gegenwärtig kann man es hören, sehen und lesen, wie sich die sogenannten Eliten der Gesellschaft sich abgrenzen vom gemeinen Pöbel, den Minderleistern, den Minderwertigen.
Eliteschulen, Elitekindergärten, Eliteuniversitäten. Und um sicherzustellen, dass Gier, Herzlosigkeit, Macht und sozialer Unverantwortlichkeit, kann sich die Elite, quasi per Inzucht, auf Elitepartnerbörsen verlassen oder zurück greifen.
Die Elite Deutschlands sind Familienclans, oft mit Adelstiteln, die bereits im Kaiserreich protektioniert wurden, mit den Nazis zusammengearbeitet haben und nach der Wende den Osten und heute ganz Deutschland und Europa aufkauftenen. Ihre Strategie ist Egoismus, Vetternwirtschaft, Bestechung, Gier, Lobbyismus, um ihren Glück immer ein wenig nachzuhelfen.
Wer heute noch glaubt, dass es Demokratie und Kapitalismus eine Symbiose eingehen, der scheint doch sehr naiv zu sein.

 

Fuck the Poor (2)

Passend zu diesem Bild

A man walks the streets of London shouting #FuckThePoor.
Social experiment from poverty charity, The Pilion Trust, to see whether we really do care about those less fortunate.

„Armutseinwanderung“ nach Deutschland

Wieder einmal haarsträubend, was ich im deutschen TV beobachtet habe. Natürlich empfangen wir auch in Rumänien über Satellit alle westlichen Sender, die Italiener, die Franzosen, die Engländer, aber auch die deutschen, österreichischen und die schweizerischen. Öfters mal sehe ich auch ZDF, obwohl mir klar ist, welche Art von Meinung da verbreitet wird. Die Rede ist vom heute-journal vom Donnerstag, den 2. Januar 2014, 21 Uhr 45.

Bei dieser Sendung haben sie wieder mal den Vogel abgeschossen. Offensichtlich bekamen sie von oben verordnet, das Volk zu beschwichtigen. Das haben sie auch mit aller Kraft zelebriert. Den es interessiert, der kann sich über die ZDF-Mediathek „Sendung verpaßt“ das nochmal ansehen.

Es dreht sich wieder mal um die Roma, die von RO und BUL aus Richtung Deutschland ziehen. Man probierte die Statistik-Masche. Wie sagt doch das Sprichwort: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Roma in ElendsviertelnRoma in Elendsvierteln in Rumänien, mit Vorliebe so in Deutschland präsentiert

Nun, hier gehts nicht um Fälschen, hier gehts um gezielte Meinungsmache durch Hervorheben und Weglassen. Wenn ich jemanden, der keine bunte Blumenwiese kennt, einen Strauß mit Mohnblumen bringe, und dazu sage, daß die von der Blumenwiese sind, dann wird derjenige davon ausgehen, daß sich darauf hauptsächlich rote Blumen befinden. Daß darauf auch blaue Kornblumen und gelbe Butterblumen wachsen, verschweige ich.

Die Beschwichtigungssendung von gestern war genauso gemacht. Man nimmt einfach Dinge heraus, die zwar aus dem Themenbereich, aber zum Vergleich völlig falsch angebracht sind. Da ist von Facharbeitern die Rede, die man dringend braucht, und die man durch solche böse Aussagen wie Sozial-Mißbrauch nicht verprellen soll, da werden Zahlen aufgetischt, die gezielt in den Zusammenhang gebracht werden, daß sie genau das Gegenteil der Realität widerspiegeln. Dazu bedient man sich der Prozentzahlen, der Gesamtzahlen nur dann, wenn es vorteilhaft für die Begründung ist.

Es ist gar nicht schwer, über eine Analyse dieser Sendung Punkt für Punkt richtigzustellen, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Bleibt auch die Frage, ob es jemanden überhaupt interessiert. Viele wollen ja angelogen werden, weil es in ihr Weltbild so paßt.

Sozialwohnungen in einer Kleinstadt in Siebenbürgen
Sozialwohnungen in einer Kleinstadt in Siebenbürgen, vornehmlich von Roma bewohnt, seit 2 Jahren übergeben

 

An einigen wenigen Punkten will ich es verdeutlichen.

Auszüge aus dem ZDF-Bericht:

„die Probleme, die das in einigen deutschen Städten schafft, sind allerdings nicht neu“

– man vermeidet die Wortwahl:  „untragbar für die Anwohner“, etc.

„Roma, vor allem, die schon in ihrer rumänischen Heimat nicht integriert waren.“

Man sagt bewußt nicht die Wahrheit. Die müßte ein anderes Verb beinhalten, nämlich „nicht integrierbar waren“.

Roma-JugendlicheRoma-Jugendliche beim Austragen ihrer Streitigkeiten

Dann zeigt man den Roma namens Valentin, der mit seinem treuherzigen Augenaufschlag für solche Reportagen prädestiniert ist. Er will den Eindruck vermitteln, daß diese Art von „Wohnen“ in Frankfurt immer noch besser ist als die Zustände zuhause in RO.

Wer nicht weiß, wie die Roma in den Dörfern leben, wer nicht weiß, daß in fast allen Städten in RO Sozialwohnungen zur Verfügung stehen (oftmals neu gebaut), der glaubt das vielleicht.

Roma-Frauen auf dem Dorf
Roma-Frauen auf dem Dorf

 

Ein – vielleicht unbedeutendes – Detail: Neuerdings bekommt man bei den Medien „verordnet“, statt Roma (wie auch die gezeigte Frau Böttcher, die selbst Roma ist, es ausspricht) künftig „Romma“ zu sagen, damit man die Italiener nicht andauernd mit dem Namen ihrer Hauptstadt brüskiert.

„… hat einige Zahlen zusammengestellt, um das Gesamtbild zu sehen“ – Ein richtiger Hohn, wie man mit den Zahlen hier jongliert.

Selbständige und Saisonarbeitskräfte werden mit einer Spannweite von 26 T bis 40 T angegeben. Das ist Blödsinn. Man kann die genaue Zahl hinschreiben. Für jeden Selbständigen gibt es eine Gewerbeanmeldung, für jeden Saisonarbeiter einen Arbeitsvertrag über das Arbeitsamt Frankfurt für ganz D. Man will nicht transparent machen, daß die Saisonarbeiter mit knapp 10 T in der Minderzahl sind, und fast 30 T sogenannte „Selbständige“ durch diesen Status seit längerer Zeit (nicht erst seit 1.1.2014) Anspruch auf alle Sozialleistungen haben und diese auch realisieren.

Roma, die ihren Kleinwagen sicher durch redliche Arbeit erworben haben.Roma, die ihren Kleinwagen sicher durch redliche Arbeit erworben haben.

 

Dadurch könnte ja jemand hochrechnen, daß es schon 3 Mio € sind, wenn jeder „nur“ 100 € beziehen würde. Genau das aber soll verschleiert werden, auch, wieviel das tatsächlich in der Summe ausmacht. Logischerweise sind es nicht nur 100 € pro Person. Schon das Kindergeld beträgt 200 €.

„…Selbständige und Saisonarbeiter, die wie die abhängig beschäftigten Steuern und Abgaben entrichten..“

Geschickt verwendet man das in einem Wort-Zusammenhang. Die Saisonarbeiter entrichten sehr wohl Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, – bei den sog. Selbständigen ist es die absolute Ausnahme. Die bezahlen einen Steuerberater, der rumänisch spricht, und weisen in der Steuererklärung nach, daß ihr „Einkommen“ unterhalb des Existenzminimums liegt, was wiederum den Freifahrtsschein im Sozialzug bedeutet.

„… erreichen die Bulgaren und Rumänen eine Beschäftigungsquote von 60 – 64 %“. Würde mich interessieren, worauf diese Zahl basiert. Etwa auf die geschätzten nicht-registrierten Roma in D? Dazu dann die offizielle Zahl von 7,4 %, die arbeitslos gemeldet sind. Und wovon, wenn ich fragen darf, leben diejenigen zwischen den 64 % und den 7,7 %? „Nur“ vom Betteln?  Macht sich jemand Gedanken darüber, warum z.B. der Fahrraddiebstahl in den letzten Jahren sprunghaft in die Höhe gegangen ist? Die braucht man sich nicht machen, wenn man mal an den zwei Hauptgrenzübergängen in RO (Oradea und Arad) einen Tag lang beobachtet, wieviele Anhänger (Autotransportanhänger) mit gebrauchten Fahrrädern bis oben hin bepackt, die Grenze passieren. Kein Mensch fragt nach der Herkunft, die transportierten Fahrradberge werden bei der Fahrt nicht einmal mehr mit Planen abgedeckt.

Auf die Spitze wird es mit dem Vergleich getrieben:

Roma haben eine Arbeitslosenquote von 7,4 %, damit stünden sie im Vergleich besser da als die anderen ausländischen Arbeitnehmer mit 14,7 %.

Man stelle sich mal vor: Da vergleicht man EINE Volksgruppe mit allen anderen ausländischen Volksgruppen in D, wie Türken und Albaner, Griechen, Afrikaner, aus dem ehemaligen Jugoslawien, Italiener, Spanier, etc. etc. und verschleiert dadurch, daß die Roma den höchsten Arbeitslosenanteil aller Ausländer in D haben.

Die H4- Bezieher werden genauso unsinnig gegenübergestellt. Man sagt nicht, von welcher Zahl die genannten 10 % bei den Roma errechnet werden, auch nicht, daß sie bei den 16,2 % ALLER Ausländer in D eine vorrangige Stellung einnehmen, – und das Wichtigste: Man verschweigt die tatsächlichen Gesamtzahlen, – weil es durch die Manipulation mit den Prozentzahlen besser aussieht.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Sendung. Auch die rothaarige Dame der Linken spielt das Ganze herunter, – genauso wie die Grünen. Durch den Wohnsitz in D sind die Roma ja auch bei Kommunal- und Kreiswahlen wahlberechtigt, und diese Stimmen sollen in erster Linie bei diesen Parteien landen.

Dann spricht man vom Facharbeitermangel, gerade in Süddeutschland, und bringt das in einen Zusammenhang mit der Zuwanderung der Roma. Eine Lachplatte.

Die wirklichen Tatsachen:

Ein verschwindend geringer Anteil der rumänischen Bevölkerung ist so ausgebildet, daß damit in D Fehlstellen besetzt werden können, insbesonders im medizinischen sowie im Pflegebereich. Teilweise sind Arbeitskräfte in legendären Berufen wie Eisenbieger, Schweißer, etc. am Bau einsetzbar. Daneben in den Großschlächtereien als Metzger. Dazu kommen die Saisonarbeiter in der Landwirtschaft.

Alle vorgenannten sind überwiegend ein Verlust für RO und ein Gewinn für D. Sind viele gute und fleißige Leute dabei.

Roma bei der traditionellen Lehmziegelherstellung
Roma bei der traditionellen Lehmziegelherstellung, die ihr Geld auf redliche Art verdienen

Alle anderen, die mit defizitärem Wissen ausgestattet sind und sich im Privatbereich (schwarz) als Fliesenleger oder sonst was verdingen, machen ihre jeweiligen Auftraggeber um eine Erfahrung reicher, – nämlich wie mans nicht macht. Dazu kommen noch die Roma, die auf allen Ebenen beschlagen sind, legaler oder illegaler Art.

Mag schon sein, daß das alles jemand nicht hören will und mir irgendwelche Tendenzen unterstellt. Ich bin hier vor Ort und kenne die Situation. Die Deutschen, die hier leben, genauso. Man redet derzeit in D diese Probleme klein, spuckt auf Sarrazin, und wird ein weiteres Scherflein zum sozialen Unfrieden beitragen.

Inwiefern? Ganz einfach. Wartet mal ab, wenn diese „Notunterkünfte“ wie z.B. in Frankfurt durch die Verwaltung geräumt werden sollen. Ich hab da noch die Bilder in Erinnerung, als das ein Bürgermeister in einem Viertel in Bukarest gemacht hat. HH-Hafenstraße läßt grüßen.

Wohnblock, seit 3 Jahren von Roma bewohnt, mit FeuchtigkeitsschädenWohnblock, seit 3 Jahren von Roma bewohnt, mit Feuchtigkeitsschäden, weil das Dachfallrohr (rechts neben den Balkonen) geklaut wurde.

Gut, das Geld, was dadurch von den Roma abkassiert wird, das lassen wir mal beiseite. Solange genügend Geld für S21, Flughafen Berlin, Elbphilharmonie etc. da ist, solls daran nicht scheitern.  Und die zusätzlichen Einnahmen durch die Selbstanzeigen der Steuersünder beim Finanzamt müssen ja irgendwo hinkommen, aber nach Möglichkeit nicht zu den Sozialhilfebeziehern, die vorher dafür gearbeitet haben.

Sehen wir es von der positiven Seite. Eine Chance für Siebenbürgen. Wenn der Teil der Roma, die dem Staat hier auf der Tasche liegen und dem Herrgott den Tag stehlen, nach D gehen, dann wünsche ich jedem nur soviel: „Geh mit Gott, aber geh!“. Wenn wir dann noch die korrupten Politiker nachschicken können, dann gehts mit Siebenbürgen wieder aufwärts. Dann wirds wieder zum „Land des Segens“, wie es in der Hymne heißt.

Aber nachdenklich macht es mich, was die Medienberichterstattung in D betrifft. Jetzt mag das nicht der Nabel der Welt sein, dieses Roma-Thema. Trotzdem werden die Tatsachen verdreht und die Realität verzerrt wiedergegeben. Der Zufall will es, daß ich mich in diesem Metier auskenne und ich das beurteilen kann. Ich frage mich, in wievielen anderen Bereichen, die wesentlich wichtiger sind, wird da noch verschleiert, verzerrt, bewußt die Unwahrheit gesagt?  Bereiche, in denen ich mich gar nicht auskenne, deren Wahrheitsgehalt ich gar nicht beurteilen kann.  Hat man das nach 1945 wirklich abgeschafft, das Propagandaministerium? Ich bin mir da nicht mehr so sicher……

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2060066/Rumaenen-und-Bulgaren-in-Deutschland#/beitrag/video/2060066/Rumaenen-und-Bulgaren-in-Deutschland

Die Invasion der Raubmenschen und ihre Spuren im Alltag.

Die Invasion der Raubmenschen und ihre Spuren im Alltag.

Freitag, 10.1.2014. Eifel. Ein Tag wie jeder andere. Was liegt auf dem Tisch? Zustand der Kinderarmut in Deutschland. Nun – das wird kaum einen interessieren. Wir sind nicht umsonst eines der kinderfeindlichsten Länder der Welt und stolz darauf, uns endlich von den Fesseln der Sozialromantik zu lösen. Ein paar gibt es noch, die nach den Kindern schauen – und auch wissen, wie man ihnen helfen kann, siehe Spiegel:

Denn nach gängiger wissenschaftlicher Definition sind 18,9 Prozent oder 2,4 Millionen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von Armut bedroht, weil sie oder ihre Eltern über weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Nettoeinkommens verfügen. Für ein Elternpaar mit einem Kind unter 14 Jahren wären das demnach 1564 Euro.

Das könnte der Staat natürlich einfach ändern – zum Beispiel durch drastische Aufstockung des Arbeitslosengeldes. Wird das erhöht, müssen die Firmen höhere Löhne zahlen – sonst geht da keiner mehr hin.

WSI-Forscher Seils sieht dagegen in erster Linie die Wirtschaft in der Pflicht: Um Kinderarmut im reichen Deutschland einzudämmen, sei es zwingend, im unteren Lohnsegment deutlich höhere Löhne zu zahlen. Denn was real bei den Eltern ankomme, gehe direkt weiter zu den Kindern.

So etwas ginge bei uns natürlich gar nicht: das ist jedem klar. Höhere Löhne würden die Rendite schwächen, die beständige Selbstvermehrung großer Kapitalansammlungen wäre in Gefahr – und an diesen „Fonds“ verdienen Deutschlands führende Redakteure dank ihrer Anlageberater ebenso wie Politiker und führende Beamte.

Das Geld an sich von alleine wächst, ist schön für den, der es hat. Schlecht für den, der dafür arbeiten muss, denn der Wert des Geldes sinkt beständig, wodurch die Preise automatisch steigen.

So sind Strom- und Heizkosten seit 2006 um 23,6 Prozent gestiegen (siehe Handelsblatt), die gesamten Verbraucherpreise sind um 14,6 % gestiegen, der Regelsatz für Arbeitslose jedoch nur um 10,7 % (Stand Januar 2013, siehe tarif-verzeichnis). Butter hatte damals hier vor Ort 50 Cent gekostet, heute zahlt man 1,29 Euro – um eine persönliche Erkenntnis beizutragen.

So zwingt der Staat durch massive Eingriffe in den Arbeitsmarkt breite Schichten dazu, ihre Arbeitskraft unter Wert zu verkaufen – was diese auch gerne machen. Ende 2012 berichtete die Welt darüber, dass es seit 2005 Gehaltssteigerungen nur noch für Top-Manager gab (z.B. die beim Arbeitsamt), der Rest der arbeitenden Bevölkerung muss seit diesem staatlichen Eingriff in den Arbeitsmarkt mit einem realen Minus von vier Prozent leben.

Auf die – angesichts der gesellschaftlichen Zustände zu erwartende – Zunahme der psychischen Erkrankungen in diesem Land – 150 Prozent in den letzten 15 Jahren – reagiert nun der Markt mit einer ganz besonderen Entwicklung: externe Berater bringen die Kranken wieder zum Arbeitsmarkt (siehe Spiegel), wo der Fallmanager der Jobcenter schon freudig auf sie wartet – aber nicht wirklich weiß, was er mit ihnen machen soll.

Die Firma, die diese Leistungen anbietet, verspricht wahre Wunder, sie Ge.on:

Im Rahmen des Case Managements Krankengeld werden arbeitsunfähige Versicherte mit psychischen Störungen, psychiatrischen Erkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen, sowie langwierigen orthopädischen Erkrankungen und anderen schweren und/oder chronischen Erkrankungen beraten, betreut und bei Bedarf in geeignete (Rehabilitations) Maßnahmen vermittelt.

Das Ziel ist die möglichst rasche aber nachhaltige Wiederherstellung und mittelfristige Sicherung der Arbeitsfähigkeit, indem eine individuell passgenaue und bedarfsdeckende Versorgung gewährleistet wird.

Da geht es nicht nur um psychisch kranke Menschen – da geht es um alle schweren chronischen Erkrankungen … genau die Fälle, für die der Sozialstaat geschaffen wurde.

Wer nimmt die Leistungen dieses Unternehmens in Anspruch? AOK, Rentenversicherung Bund, Technikerkrankenkasse. Stolz berichtet die Firma von ihren Erfolgen:

Wir erzielen einen ROI zwischen 1:3 und 1:6

ROI? Return on Investment. Für einen Euro Auftragsgebühr versprechen die, drei bis sechs Euro bei Kranken – schweren, chronisch erkrankten – Menschen einzusparen … also genau jenen, die wirklich Hilfe brauchen. Wie machen die das – und vor allem: wer macht das?

Wir sind ein starkes Team bestehend aus zur Zeit über 40 festangestellten PsychologInnen, SozialpädagogInnen und ÄrztInnen mit therapeutischen / beraterischen Zusatzqualifikationen. 

Wie soll ich das nun verstehen? Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus bestätigen eine ernsthafte chronische Erkrankung – und dann kommt ein Privatunternehmen mit eigenen Ärzten und macht die Leute wieder heil? Oder sorgt zumindestens dafür, dass sie nichts kosten? Warum erinnert mich das an einen „Entmietungsservice“?

Auch wenn es zwei unterschiedliche Themen sind: sie haben die gleiche Ursache – die Invasion der Raubmenschen. Man muss sie so nennen – es ist manchmal schon sehr hilfreich, wenn mein ein Wort für einen häßlichen Umstand gefunden hat. Während der normale Mensch seinen Lebensunterhalt durch Ackerbau und Vierzucht bestreitet, gehen Raubmenschen anders vor: sie leben lieber von der Leistung der anderen, lassen es sich gut gehen, schonen sich, während andere zu Pflegefällen werden.

Wir kennen dies aus der Natur, die uns mehr und mehr als ethisches Vorbild gilt, weil sie bar jeder Sozialromantik sein soll. Wen überfallen die Raubtiere zuerst? Alte, Kranke und Kinder. Darum ist der Zustand der Kinder in einem Land immer ein guter Indikator dafür, wie stark das Land von Raubmenschen befallen wurde – geht es den Kindern schlecht (im Verhältnis zu ihrem natürlichen Umfeld – nicht im Vergleich mit Namibia), sollten die ersten Warnlampen angehen: die Aktivität von Raubmenschen ist so groß geworden, dass sie die Zukunft des ganzen Landes gefährden. Einhergehend darf man ruhig beobachten, wie es den Alten und Kranken geht – sind auch sie in Gefahr, hat die Population der Raubmenschen eine Größe erreicht, die die Grundfesten des Gemeinwesens in Gefahr bringt …. und wahrscheinlich schon Strukturen aufgebaut, die dieses Gemeinwesen stürzen.

Raubmenschentum wurde gezielt in diese Gesellschaft implantiert – das lernten wir durch Frank Schirrmachers Buch „Ego“. Raubmenschentum ist das Betriebssystem des Kapitalismus, das haben wir durch ihn erfahren. Der Raubmensch denkt nur an eins: so schnell wie möglich so viel wie möglich fressen, um dann so lange wir möglich faul in der Sonne liegen zu können.

Wir nähern uns durch diese Gedanken in gefährlicher Art und Weise neoliberalem Denken, die sich dieser Erkenntnis zunutze machen wollte, in dem sie ihr eigenes Sein auf Arbeitslose projezierten und dies auch mit großer Macht in den Medien durchsetzten … dabei hat der Arbeitslose gar nicht genug Geld für seine Jacht im Mittelmeer, die zum Genießen der Sonne unverzichtbar ist. In Herne auf dem Rathausplatz ist das in Wirklichkeit nicht so schön. In Wirklichkeit könnten wir sogar die Bezüge der Arbeitslosen verdoppeln und trotzdem viermal soviel von Ihnen (das wären 28 Millionen) finanzieren, wenn wir Subventionen (z.B. den Porsche als Firmenwagen oder den Strom für den Golfplatz) und Steuerhinterziehungen einstellen: da rückt ein bedingungsloses Grundeinkommen, dass dem Schutzauftrag des Staates gerecht werden würde, in greifbare Nähe.

Wir leisten uns in Deutschland 70 000 Steuerberater, die nichts anderes machen, als den Raubmenschen zu helfen, ihren Beitrag an der Finanzierung der Gemeinschaft zu minimieren – wahrscheinlich würden wir uns enorm echauffieren, wenn es Arbeitslosenberater gäbe, die gegen Geld die Maximierung von Sozialleistungen bei einem ROI von 1:6 vorantreiben würden. Dafür kassiert so ein Steuerberater – dessen Existenz wir begeistert akzeptieren –  im Schnitt knapp 80000 Euro pro Jahr. Steuerfahnder hatten wir 2010 laut Angaben des Hamburger Abendblattes mit Bezug auf die Deutsche Steuergewerkschaft 2600, laut Gehalt.de haben sie einen Durchschnittsverdienst von 37.500 Euro.

Vater Staat – der Schäfer der Herde – hält die Zahl der Hirtenhunde gezielt gering und schwach, damit die Wölfe nicht vom Fleisch fallen. Das ist weniger der Hirtenstaat – sondern eher der Metzgerstaat, das Paradies für Raubmenschen, ohne deren psychische Eigenarten das System Kapitalismus gar nicht funktionieren könnte.

Wer immer mehr für sich selbst will, bekundet in einem geschlossenen System (wie es unser Geldkreislauf sein sollte), dass andere wegen ihm weniger haben sollten. Das ist heute so selbstverständlich, dass diese Einstellung nur noch selten hinterfragt wird – oder gab es etwa in Folge des Buches von Frank Schirrmacher große Änderungen in den Lehrplänen der Schulen und Universitäten, eine große Aktion von Staat und Wissenschaft zu mehr Altruismus statt Egoismus?

Im Gegenteil … nach kurzer Debatte kehrte Ruhe ein, jeder lief wieder weiter im Trott auf der Jagd nach Schafen, an denen man sich gütlich tun kann.

Beim Thema Krankheit wird das besonders peinlich – zum Zwecke der Steigerung ärztlicher Einnahmen verfügt jeder Deutsche heutzutage im Durchschnitt über 20 Erkrankungen, die man alle „behandeln“ kann – von „heilen“ spricht ja keiner mehr. Millionen von Menschen lassen alle möglichen Behandlungen über sich ergehen, obwohl sie eigentlich kerngesund sind. Problematisch wird in diesem System nur der wirklich ernsthaft Kranke – der braucht nämlich von den jahrelang eingezahlten Beiträgen mal etwas für sich und wird somit zu einer existentiellen Bedrohung für Kassenmitarbeiter und Ärzteschaft, die lieber die jährliche Gesundheitsuntersuchung macht anstatt eine Krankheit zu behandeln: man verdient immerhin allein schon durch Diagnosen.

Schlimm in einem solchen System, wenn man alt wird und kaum noch versteht, was der Anlageberater, der Immobilienberater oder der Steuerberater mit dem Geld anstellt, schlimm, wenn man krank ist und alles mögliche unterschreibt, um den Nachstellungen der Gesundschreiber zu entgehen … oder wenn man zu jung ist, um als Steuerberater erfolgreich am System mit zu verdienen.

Momentan teilen die Raubmenschen die Kapitalflüsse der Zukunft unter sich auf – womit der Jugend eine unglaubliche Last aufgebürdet wird. Besteht das Raubmenschentum bei der Jugend auch weiter fort, werden wir als Pflegefälle bitter darunter zu leiden haben – wir sind dann Kosten, die sich noch nicht mal mehr auf ihren Beinen halten können.

Was geschieht mit einem biologischen System, wenn die Raubtiere überhand nehmen?

Es bricht zusammen, kollabiert. Das erleben wir gerade … und nennen es sanft „Krise“.

Es ist in erster Linie ein Befall von Raubmenschen, der zu der Krise geführt und Billionen Dollar vernichtet hat – und weiter vernichten wird. Dank intensiver Erziehung bekennt sich die Mehrheit der Menschen zum Raubmenschentum und macht sich in ihrem beruflichen Alltag gezielt auf die Suche nach Alten, Kranken und Schwachen, um sie auszuschlachten – finanziell, gerne aber auch durch Organentnahme.

Die Natur schafft es wundersamerweise, die Überflutung von Ökosystemen durch Raubtiere einzudämmen … wir kennen die genauen Mechanismen bis heute noch nicht, was schade ist, denn wir könnten sie gut gebrauchen.

Wie soll man diese Entwicklung nun aufhalten?

Gar nicht, so lange die Mehrheit danach strebt, selbst das größte Raubtier vor Ort zu werden – mit dem größten Haus, dem größten Garten, dem größten Auto und dem größten Pool jenseits der Wupper oder wenigstens in Bottrop-Kirchhellen.

Aktuell widmet der Spiegel jenen einen Artikel, die das Raubtierdasein freiwillig oder in Folge einer Krankheit aufgegeben haben.

Gerrit von Jorck könnte Spitzenverdiener sein: Sein VWL-Studium hat er mit 1,0 abgeschlossen, er war im Ausland, hat Praktika absolviert. Alles richtig gemacht also. Doch von Jorck lebt von 500 Euro im Monat – weil er das so will. Über einen, dem Zeit das Wichtigste ist.

Es fehlt nicht der Hinweis, dass dieser Student von einem Drittel des Regelsatzes lebt … und trotzdem an einen Hauskauf denkt.

Na also, denkt sich der Leser: geht doch: die Senkung des Regelsatzes rückt in greifbare Nähe – den Kindern von Arbeitslosen drohen Verhältnisse wie in Namibia.

Und doch – machen diese Beispiele Hoffnung. Der Zusammenbruch des System des Raubtierkapitalismus (einen Begriff, der schon von sich Reden gemacht hat, ohne darauf hinzuweisen, dass er nur funktioniert, wenn Millionen von Menschen zu Raubtieren mutierten – oder, um Frank Schirrmacher zu folgen, gezielt zu Raubmenschen herangezüchtet wurden) wäre nur aufzuhalten, wenn es gelänge, sein Betriebssystem auszuschalten … falls man nicht genug militärische Gewalt entfalten kann, um  zur Guilliotine zurückzukehren, die das Raubmenschentum in früheren Zeiten beenden sollte.

Was für eine Aufgabe: eine geistig-moralische Gegenwende, hin zu Arbeitsfreude, Lebenssinn, Lebensfreude, Arbeitssinn und Zeitreichtum bei gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen des Planeten Erde. Sie könnte gelingen … wären nicht auch die meisten Menschen, die an den Zuständen Kritik üben, ebenfalls nur Raubmenschen … Hyänen, die sich nur über den Erfolg des Löwen ärgern, selbst den Maserati für sich beanspruchen und deshalb hauptsächlich den Kampf gegen den vermeintlichen Konkurrenten innerhalb einer sozialen Bewegung in ihren Fokus gerückt haben.

Wer dazu Studienmaterial sucht, ist bei politischen Parteien (auch den Linken und der Piratenpartei) gut aufgehoben.

Im Falle einer Raubtierinvasion eine wirksame politische Alternative aufzubauen, scheint undenkbar, locken doch Versammlungen von Schafen gerade die Raubtiere an. Aber auch hier gab es mal Versuche, die vielversprechend starteten (wie Die Guten), aber leider im Sande verliefen. Wahrscheinlich namen die Raubmenschen auch dort überhand.

Und was machen die Schafe, die die Invasion der Raubmenschen und ihren Hang zu ständig höheren Beiträge, Preisen und Steuern (grundlage für jedes leistungslose Einkommen) bemerken?

Sie verstecken sich in ihren Wohnungen – in der Hoffnung, dass sie den Raubmenschen nie durch Einkauf, Arbeit oder Arbeitslosigkeit in die Hände fallen und sie dort – im kuscheligen Heim – den Zusammenbruch gemütlich aussitzen können. Mit der Methode hat ein bekannter deutscher Bundeskanzler das Land regiert, sein Ziehkind verfolgt diese Strategie heute noch.

Leider wird man auch in der Wohnung alt und krank … aber es dauert ein paar Jahre, bis man merkt, dass man selber auch auf der Schlachtbank liegt und für die Rendite von Arzt und Pharmaindustrie bluten muss, während vor der Tür schon der Entmietungsservice steht, weil man so unverschämt war, für seine Beiträge auch Leistung zu verlangen.

PS: Das Buch zum Thema Krankheitserfinder von Jörg Blech gibt es bei Amazon gebraucht schon für einen Cent … falls es jemanden interessiert, warum er 20 Diagnosen hat, an denen Ärzte gut verdienen und die das Geld für echte Erkrankungen knapp werden lassen.

 

 

 

 

 

Wie arm ist arm?

Und wann ist man arm? Und: ist man dann weniger wert, weil man arm ist? Woran bemisst man, ich, du, der Leser, die Gesellschaft den Wert eines Menschen? An seinem Einkommen? Und was ist, wenn man mit dem Einkommen nicht mehr auskommen kann – ist man dann wertlos? Muss man sich dann schämen?

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Wir, die Menschen in Europa, brauchen eine Revolution

Hallo,
im Anhang schicke ich euch einen Gastbeitrag zum Thema europäische Revolution. Er stammt aus Auszügen eines Berichtes namens „Revolutionäre Gedanken“, veröffentlicht von Heinz Sauren am 26. Juli 2011 auf http://freigeistblog.com/2011/07/26/rvolutionare-gedanken, am 6.August 2011  auch auf le-bohemien.net erscheinen. Ich finde ihn aktuell lesenswert in diesem Rahmen und habe eine Einleitung vorangestellt. Der zitierte Text ist fett formatiert. Ich habe ihn gekürzt und umgestellt. Die Wiedergabe hat der Autor auf seiner oben zitierten Webseite gestattet. Ich denke, dass der Leser sich anhand des Artikels leichter innerhalb des revolutionären Prozesses finden kann.

LG vom „Einsiedler“

(Denke ich auch – Rbb)

Diesen Gedanken möchte ich hier noch einmal vorstellen, da er den Charakter des anstehenden gesellschaftlichen Umbruches sehr gut skizziert und seine staatspolitische Tragweite auslotet.

Die meisten Bürger haben erkannt, dass die europäischen Parteiendiktaturen im Gefolge der Korpokraten nichts mehr zur Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben beitragen können und wollen. Das letzte Tafelsilber wird gerade von ihnen verscherbelt, die Bevölkerungen als Armeen von Zinssklaven an die Finanzgiganten verpfändet, um die spätrömische Dekadenz der leistungslosen Elite für alle Ewigkeit zu erwirtschaften.

Der Bürger hat das längst durchschaut und verlangt Korrekturen, bekommt aber bei den Wahlen – trotz gegenteiliger Versprechen –  immer nur die gleiche gescheiterte Politik in verschieden Verpackungen. Damit ist das System des Parteienstaates gescheitert. Zu lange haben uns die Parteien belogen, zu lange Besserung gelobt und doch nicht geliefert. Nun glaubt ihnen niemand mehr. Die Gesellschaft droht, im Kampf Jeder gegen Jeden zu zerfallen, falls sie sich nicht eine neue Geschäftsgrundlage gibt.

 

Der folgende Text besteht aus Auszügen eines Berichtes von Heinz Sauren, der am 26. Juli 2011 auf

http://freigeistblog.com/2011/07/26/rvolutionare-gedanken erstmals veröfentlicht wurde.

Wir, die Menschen in Europa, brauchen eine Revolution. Wir brauchen sie unabhängig von den Zielen, die sie trägt, um ihrer selbst willen. Eine Revolution ist geeignet, verkrustete Strukturen aufzubrechen, um wieder eine Verbindung zwischen den Regierungen und der Bevölkerung herzustellen. Wie sehr wir dieses nötig haben, hat uns Stuttgart 21 gezeigt. Dort wurde offensichtlich, dass Regierung und Volk, um miteinander reden zu können, einen Schlichter und Vermittler brauchen.

 Dieser Umstand zeigte deutlich die unüberwindbare Entfernung der Volksvertreter zu denen, die sie vertreten sollen. Wir brauchen kein Gemetzel nach dem Vorbild der französischen oder russischen Revolution, welches auch nicht zu befürchten steht, jedoch eine Revolution als reinigendes Gewitter, zur Wiederherstellung der Demokratie in ihrer gedachten Form, zum Nutzen und in Entsprechung des Willens des Volkes, auch gegen die Interessen des Großkapitals.

 Die Begründung für eine Revolution liefert immer der Staat selber, indem er die vom Volke gewünschten Veränderungen verweigert und sich somit seiner wichtigsten Aufgabe, dem Volke und seinem Willen zu dienen, entzieht. Durch diese Verweigerung seiner Verantwortung legt er diese Aufgabe in die Hand seiner Bürger. (…) Eine Revolution ist die Ultima Ratio jedes Volkes gegenüber einem Reform unwilligen Staat, als sein Souverän.

Revolutionen sind nicht Menschenmassen, die auf Straßen und Plätzen aufbegehren. Revolutionen geschehen viel früher. Sie entstehen in den Köpfen der Menschen, die aufgrund der ihnen vorliegenden Informationen ein Ungerechtigkeitsgefühl entwickeln. Wenn sie auf den Straßen zu sehen sind, ist dies nicht der Beginn einer Revolution, sondern ihr Zenith.

 Staatsgefährdend an diesem Umstand ist, zumindest aus der Sichtweise der etablierten Machthaber, dass sie ihre Privilegien nicht mehr historisch begründen und verteidigen können…

 Jede Revolution ist illegal (…) Auch die friedliche Revolution in Deutschland 1989. Jeder Teilnehmer verstieß gegen bestehende Gesetzte und war nach geltendem Recht ein Verbrecher. Somit wird deutlich, dass der Bruch von Gesetzen im Zuge einer Revolution zwangsläufig und legitim ist.

 Jede Revolution richtet sich auf die Errichtung neuer Werte. Dies ist der Umkehrschluss zu der staatlichen Definition zur Revolution, die einzig die Zerschlagung des Staates sieht. Es geht aber nicht um die Zerschlagung des Staates, diese ist nur ein Kollateralschaden, auf dem Weg zur Erreichung des Ziels, der Errichtung neuer Werte.

Es hat eine europäische Revolution begonnen. Unter den zur Verfügung stehenden Tatsachen lässt sich dieser Umstand nicht mehr leugnen, obwohl dieses von den etablierten Politikern, zum Zwecke der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung natürlich versucht wird.

 Die europäische Revolution will kein Chaos, sie will keine Anarchie, sie fordert noch nicht einmal die Köpfe der Regierungen. Sie fordert ein Ende der wirtschaftlichen Ausbeutung und eine Herstellung einer tatsächlichen Mitbestimmung. Forderungen die nicht utopisch sind, sondern verbriefte völkerrechtliche Ansprüche und Grundlage der europäischen Gesetzgebung. Diese Revolution fordert die Einhaltung der völker- und verfassungsrechtlich garantierten Rechte und eine Entrechtung des Großkapitals.

 Ob die europäische Revolution einen friedlichen und für alle positiven Weg nimmt, liegt nicht in den Handlungen und Forderungen derer, die dieses Revolution vorantreiben. Diese Entscheidung liegt in den Händen weniger, die von den aktuellen Umständen unverhältnismäßig profitieren und unserer Politiker, ob sie den Mut finden, über verkrustete Konventionen hinweg, mit den Revolutionären in eine ehrliche Auseinandersetzung zu gehen und ihre Entscheidungen nach pragmatischen und nicht nach ideologischen Gesichtspunkten zu treffen.

Wie Frau Merkel Europa die Armut Afrikas verordnet, die Demokratie zerschlägt und ihre Bürger zur Ware macht

Freitag, 15.11.2013. Eifel. Es gibt Tage, da kann man nur mit dem Kopf schütteln und überlegen, wohin man auswandern soll. So ein Tag erlebte ich letzte Woche. Zufällig erhaschte ich einen Blick auf eine aktuelle Printversion des Spiegel und erfuhr dadurch, welche Information Angela Merkel Tag aus Tag ein in ihren Reden verbreitet. Ich war verdutzt:  warum schreibt niemand etwas darüber? Warum wurde das so geheim gehalten? Oder war das nur für jene Ohren bestimmt, die Frau Merkel persönlich lauschen?

Nun - Frau Merkel macht es einem schwer, sie nicht zu mögen. Sie ist freundlich, bestimmt, bescheiden, sparsam - und in der Tat imponiert es mir gewaltig, dass sie immer noch in ihrer alten Mietwohnung wohnt (siehe Tagesspiegel). So viel Bescheidenheit wünscht man sich von Menschen, die von uns mit Macht und Geld ausgestattet worden sind, um Schaden von uns fern zu halten. Andererseits kennen wir von ihr schon ein paar Aussagen, die einen ein wenig frösteln lassen ... wie zum Beispiel diese hier:

Freitag, 15.11.2013. Eifel. Es gibt Tage, da kann man nur mit dem Kopf schütteln und überlegen, wohin man auswandern soll. So ein Tag erlebte ich letzte Woche. Zufällig erhaschte ich einen Blick auf eine aktuelle Printversion des Spiegel und erfuhr dadurch, welche Information Angela Merkel Tag aus Tag ein in ihren Reden verbreitet. Ich war verdutzt:  warum schreibt niemand etwas darüber? Warum wurde das so geheim gehalten? Oder war das nur für jene Ohren bestimmt, die Frau Merkel persönlich lauschen?

Nun – Frau Merkel macht es einem schwer, sie nicht zu mögen. Sie ist freundlich, bestimmt, bescheiden, sparsam – und in der Tat imponiert es mir gewaltig, dass sie immer noch in ihrer alten Mietwohnung wohnt (siehe Tagesspiegel). So viel Bescheidenheit wünscht man sich von Menschen, die von uns mit Macht und Geld ausgestattet worden sind, um Schaden von uns fern zu halten. Andererseits kennen wir von ihr schon ein paar Aussagen, die einen ein wenig frösteln lassen … wie zum Beispiel diese hier:

„Man kann sich nicht darauf verlassen, daß das, was vor den Wahlen gesagt wird, auch wirklich nach den Wahlen gilt, und wir müssen damit rechnen, daß das in verschiedenen Weisen sich wiederholen kann.“ (siehe Wikiquote, 2008).

Herrlich ehrlich diese Frau, oder? Reicht das für eine Strafanzeige wegen Betrugsversuch? Man merkt, dass sie aus dem Osten kommt, genau weiß, wie es im Westen läuft und den offiziellen Sprach- und Denkcode der BRD noch nicht übernommen hat. Das hat sicher vielen Menschen gefallen, für den normalen Westbürger war es keine Neuigkeit, er wußte schon seit Jahrzehnten, was von Wahlversprechen zu halten ist, dass man sich von ihnen nicht zu viel versprechen darf, weil sich der Versprecher notfalls einfach nur versprochen hat. Ebenso weiß er, was nach jeder Wahl auf ihn zukommt: neue Kosten. Jede Partei hat es bis heute geschafft, den Bürgern auf die eine oder andere Art und Weise tief in die Tasche zu greifen, dirket, indirekt, versteckt – die Methoden unterschieden sich, das Ergebnis war dasselbe: es wurde teuer.

Natürlich weiß auch jeder, der ohne Taschenrechner bis drei zählen kann, dass dieses System der hemmungslosen Selbstbedienung von Staat und Wirtschaft nicht ewig finanzierbar ist – als Physikerin ist dies Frau Merkel bekannt. Vor ihren Freunden verkündet sie das ja auch ganz offen:

„Wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich auch im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten.“ (siehe Wikiquote, 2005)

Im Prinzip: ein Fall für den Verfassungsschutz – aber gleichzeitig hat Frau Merkel auch auf etwas ganz wichtiges hingewiesen: Demokratie wird nicht „gewährt“, es gibt keinen Rechtsanspruch darauf. Demokratie – das lehrt die Geschichte – muss man sich mühevoll erkämpfen.

Einer der ersten US-Präsidenten hat uns schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts darüber aufgeklärt:

„Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu Zeit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger.“ (siehe Wikiquote)

Die Demokratie hat Feinde – das ist jenen, die mit ihrem Leben für sie einstanden, gut bekannt. Ist die Macht erstmal wieder in den Händen der Apostel des Feudalismus gelangt, kriegt man sie mit noch so schönen Worten nicht mehr zurück, da hilft dann nur noch Waffengewalt – was schnell zu Blutvergiessen führt. Man sollte Angela Merkel dankbar dafür sein, dass sie uns daran erinnert – zu schnell werden wir Bürger bequem, denken, dass  mit dem Sieg der Lieblingsfußballmannschaft alles in Butter ist.

Ist es aber nicht.

Die Feinde der Demokratie arbeiten Tag und Nacht daran, die Macht wieder für sich zu gewinnen – sie nutzen alle Möglichkeiten, die ihnen unser demokratisches System ihnen bietet: deshalb gehen gerade sie konsequent zu jeder Wahl, darauf hoffend, dass sie auch auf diesem Wege mehr Macht und Einfluss erhalten. Schon jetzt ist in Deutschland von Demokratie wenig übrig geblieben, die Spitzen zweier Parteien bestimmen, wo der Rest des Volkes hin zu gehen hat, tausende von Lobbyisten stehen Spalier auf diesem Pfad … und geben so die Richtung vor.

Der Triumph des Neofeudalismus steht kurz bevor – und dann wird es wieder sehr blutig werden, bis man seine Demokratie, seine Rechte, seine Würde, seine soziale Sicherheit wieder zurückerkämpft hat.

„Wehret den Anfängen“ ist ein Spruch, der die Erfahrungen vieler Revolutionen beinhaltet: sperrt euren Hitler bloß früh genug weg, dann erspart ihr euch vieles.

Die größte Schwäche unsere momentanen Demokratie ist die wirtschaftliche Abhängigkeit des Souveräns: das haben schon Kaiser gemerkt. Hat der Monarch Schulden, wird es schwer, politisch frei zu wirken: die Geldgeber könnten ungeduldig werden. Charlie Chaplin hat diesen einfachen Tatbestand in seinem Film „Der große Diktator“ ebenfalls ilustriert: Diktator Hinkel wurde auf einmal sehr judenfreundlich, als es Aussicht auf Kredite gab – wir können also davon ausgehen, dass die Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Unabhängigkeit und politischer Freiheit allgemein bekannt sind.

Ohne eine bedinungslose Grundversorgung mit den lebensnotwendigsten Gütern ist der Souverän auch in der Demokratie nur das Arbeitstier der Investoren – seine Meinung kann er so oft frei äußern, wie er will, solange er nur seine Arbeit tut. Tut er dies nicht, will lieber mehr Zeit für Bildung, politisches oder kulturelles Engagement, liegt er schnell hungernd auf der Straße: der Staat ist 2013 zur Exekutive eines erstarkenden Feudalismus geworden, den der Staatsrechtler von Arnim „das System“ nennt.

Und dieses System hat nun einen neuen Schlag gegen die europäischen Souveräne vor – womit ich zu dem angekündigten Zitat von Frau Merkel komme, welches ich so nebenbei aufschnappte. Ich kannte es schon aus einer älteren Veröffentlichung „alternativer“ Medien – aber da geht es mir wie allen anderen auch: ich nehme sie noch nicht ernst genug. Es waren die Deutschen Wirtschaftsnachrichten, die im Dezember 2012 auf das angekündigte Ende des Wohlfahrtsstaates hinwiesen:

Die Kanzlerin: „Wenn Europa heute 7 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, etwa 25 Prozent des globalen Bruttosozialprodukt erwirtschaftete und damit 50 Prozent der weltweiten Sozialkosten finanzieren muss, dann ist es offensichtlich, dass wir sehr hart werden arbeiten müssen, um den Wohlstand und unseren Lebensstil zu erhalten. Wir alle müssen aufhören, jedes jahr mehr auszugeben als wir einnehmen.“

Das hört sich klug und weise an – wenn denn die Zahlen stimmen würden. Ich habe das Zitat aktuell etwas verkürzter in Erinnerung, momentan erwähnt sie nur noch, dass 7 Prozent der Weltbevölkerung 50 Prozent der weltweiten Sozialkosten verursachen: was sind wir nur für unerträgliche Schmarotzer! Die ganze Welt wird uns verachten, wenn wir gegen diesen Missstand nicht mit aller Gewalt vorgehen!

Was mich aber nun in erster Linie interessiert: wer trägt eigentlich mit welcher Absicht diese Zahlen zusammen und präsentiert sie der Kanzlerin? Diese Zahlen stellen – wenn überhaupt – nur eine ganz gewissen, begrenzte Perspektive dar. Wir können ähnliche Zahlen präsentieren, wenn es um Müllproduktion geht (siehe Welt), auch bei Treibhausgasen, Umweltgiften und Rüstungsproduktion stehen wir ganz weit oben, dass in Hochpreisländern der Anteil der Sozialkosten automatisch enorm hoch sein muss, damit nicht Leichen die Straßen pflastern, wird gar nicht mehr diskutiert.

Ich erinnere mich da an einen Passus aus „Die Elefantenmacher“, Lambrecht/Müller, Eichborn 2010, Seite 22:

Der Kanzlerin aber bescheinigt Josef Ackermann gönnerhaft Lernbereitschaft: Er schätze ihre Eigenschaft, „sich einen komplizierten Sachverhalt so lange erklären zu lassen, bis sie ihn wirklich verstanden hat.

In seiner geradezu unwiderstehlichen Art von Überheblichkeit – aber den wirklichen Verhältnissen gerecht werdend – beschreibt Ackermann so den Klassenunterschied zwischen einem anerkannten Meister und einer interessierten Auszubildenden.

Darum wohl auch der Jubel der von den Anzeigen und Jobangeboten der Neufeudalisten abhängigen Presse zur glorreichen Widerwahl von Angela Merkel unter völliger Ignoranz der tatsächlichen Machtverhältnisse im Bundestag: die bezahlten Klatscher machen ihren Job.

Kein Wunder, dass angesichts der Brisanz solcher stetig gepredigten Botschaften eine enorme Ruhe in der Presselandschaft herrscht, dabei verstecken sich hier Absichten, die die gesamte europäische Geschichte um 300 Jahre zurückdrehen wollen: streichen wir die Versorgung des Volkes – die Wurzel ihrer politischen Souveränität – auf das Niveau von Dhafur zusammen (was diese Art der Weltsicht automatisch macht: Maßstab sind dann jene Leute, die Null Euro von ihren Feudalherren erhalten), dann gehört die politische Macht wieder nur einigen wenigen …. endlich, nach dreihundert Jahren Revolution, Kampf um die Demokratie und die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte hat es eine Bande von superreichen Kosmokraten dank der ehedem gut gemeinten Globalisierung geschafft, den Feudalstaat zu reanimieren … einen Staat, dessen Diener IHRE Diener sind – und nicht mehr unsere.

Wo das enden wird?

Einfach mal einen Blick in die Geschichtsbücher werfen: „Leibeigenschaft“ wird wieder hoch im Kurs stehen – erst recht, seitdem Organe ein knappes Gut geworden sind. Nicht umsonst wird die Debatte um die Ausschlachtung von Menschen zum Zwecke der Rendite intensiv geführt – mit teils erstaunlichen Entwürfen, siehe Spiegel:

Statt Geld auszuzahlen könnte Spendern die Rückzahlung von Studiengebühren erlassen werden. Oder sie bekämen einen Rabatt auf ihre Einkommensteuer.

Haben wir erstmal das soziale Niveau Dhafurs, werden die gesunden europäischen Körper eine unermesslich kostbare Ware darstellen, mit denen Banken neue Rekordgewinne einfahren können.

Dazu brauchen wir aber das soziale Niveau eines Entwicklungslandes – und das dieses Niveau Weltstandard werden soll: das predigt die Kanzerlin der BRD.

Wie viel weiß die eigentlich noch von Ackermann über die Zukunft dieses und der anderen europäischen Länder?

28.297 Unternehmensinsolvenzen hat das Statistische Bundesamt im Jahr 2012 gezählt. Hinzu kamen fast 100.000 Verbraucherinsolvenzen. Die Forderungen der Gläubiger aus beiden Verfahrensarten betrugen 51,7 Milliarden Euro. Insgesamt befinden sich derzeit mehr als 900.000 Menschen in einem Insolvenzverfahren. 6,6 Millionen Menschen gelten als überschuldet und stehen mit durchschnittlich rund 34.000 Euro in der Kreide – lese ich gerade im Spiegel.

Wird Zeit, diese Leute mal zur Ader zu lassen, oder? Wir sehen: Rohmaterial haben wir noch genug.

Wer übrigens glaubt, die AfD sei hier eine Alternative, der irrt. Ihr Führer – Professor Lucke – war einer von drei Hauptunterzeichnern des Hamburger Appells, den Egon W. Kreuzer hier verkürzt wiedergegeben hat:

Deutschland wird so lange als Verlierer im internationalen Wettbewerb dastehen, wie der Lebensstandard seiner Bürger über dem des Durchschnitts seiner Wettbewerber liegt. Also: Runter mit den Löhnen und den Sozialleistungen. Rein in die Armut!

Man sieht also: noch nicht mal die Alternative für Deutschland ist eine wirkliche Alternative. Aber kein Wunder, dass die Befürworter des freien Organhandels in Deutschland zu ihren Unterstützern gehören.

Mir scheint, dass der Baum der Freiheit bald wieder mit Blut gedünkt werden wird – doch diesmal wird es das Blut der Patrioten sein, die ihre Organe verkaufen, um ihre Steuern zahlen zu können.

Ob Frau Merkel das wirklich alles gut durchdacht hat?

 

Sternbild der Hoffnung

Sternbild der Hoffnung

Genozid an den Armen in Deutschland: die Treibjagd wird eröffnet.

Genozid an den Armen in Deutschland: die Treibjagd wird eröffnet.

Donnerstag, 10. Oktober 2013. Eifel. Gestern habe ich noch einmal den „Großen Diktator“ gesehen – mit Charlie Chaplin in der Hauptrolle. Die Uraufführung war 1940, die USA waren noch nicht im Krieg. Es können einem viele Gedanken durch den Kopf gehen, wenn man den Film sieht. Zum einen denke ich an das damals kriegsmüde US-Volk (wann haben sie diese einfachen, hilfsbereiten, freiheitsliebenden Menschen eigentlich so geändert?), das hier gegen Deutschland in Stellung gebracht wird (zurecht, das wissen wir – aber hat das damals einer angeordnet, solche Filme zu drehen?), zum anderen denke ich daran, das meines Wissens nach das Wissen über Konzentrationslager bei den Alliierten gar nicht vorhanden war – aber vielleicht erinnere ich mich da falsch oder wir haben schon wieder eine neue politische Wahrheit, die meine Schulbildung übersteigt. Ich würde dieser Zeit in Deutschland gerne mehr Aufmerksamkeit widmen, sie hat historische Dimensionen höchsten Ausmaßes: wie gerade das Volk der Dichter und Denker nach dem Zeitalter der Aufklärung in eine solche Barbarei verfallen konnte, bleibt ein Rätsel.

Lösen wir dieses Rätsel nicht, werden wir die Zeit wiederholen müssen. Leider tun wir das schon.

Ich bin kein großer Fan von Star Trek, kann mich aber an eine verbotene Folge erinnern, die ich dann doch irgendwann mal gesehen habe: Mr. Spock preist dort die Leistungen des Führers, der innerhalb kurzer Zeit die Wirtschaftsleistung des Volkes auf Höchstniveau gebracht hat. Wie gesagt: in Deutschland war dieser Film verboten … was nicht heißt, dass die deutsche Wirtschaftselite, die ihre Beute aus der Plünderung jüdischen Eigentums und ihre gesellschaftliche Position erfolgreich in die Bundesrepublik überführen konnten und dort die Weichen für die politische Entwicklung der nächsten Jahrzehnte stellte nicht aus den Tatsachen, die dieser Film beschreibt, gelernt hat.

Seit 2005 jedenfalls gibt es in Deutschland wieder Gesetze, die zum Arbeitsdienst verpflichten: wer aus Gründen der Ehre oder der Vernunft nicht bereit ist, zu erbärmlichsten Bedingungen seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen (oft auch ganz umsonst) wird von den Sozialbehörden sanktioniert und kann zusehen, wie er in einem Land, in dem jeder Apfelbaum irgendjemandem gehört, noch überleben kann.

So drastisch hatte sich nur Hitler in den Arbeitsmarkt eingemischt, so hat er „die Arbeitslosen von den Straßen geholt“ – er brauchte sie für den Krieg. Mich erreichen Berichte, dass auch heute wieder Menschen nach diesem Hitler rufen – kleine Bürger, die um ihre Rente fürchten, weil die „Faulen“ nicht arbeiten gehen. Man nimmt gerne billigend in Kauf, dass dann wieder – wie Charlie Chaplin als Hitler in seinem Film forderte – alle Arbeitslosen erschossen werden, weil der Führer keine Arbeitslosen mag. Welchen Krieg nun die deutsche Industrie im Auge hat, weiß ich noch nicht.

Die „erfolgreiche“ Arbeitsmarktpolitik des Führers brachte auch eine gigantische Staatsverschuldung mit sich – darüber wird weniger geredet, obwohl sich auch unsere Staatsverschuldung jener der Kriegszeit angleicht: bald sind wir auf dem Niveau von 1942 – und haben kein jüdisches Eigentum, mit dem wir das bezahlen könnten.  Darum werden bei uns halt die Arbeitslosen ausgeplündert: allein fünf Millionen Erwachsene, die nach teilweise jahrzehntelanger Beitragszahlung noch ein Jahr Zeit haben, ihre Arbeit in einem gesättigten Markt zu verkaufen – dann greift der Staat ihr Eigentum an. Dort geht das – bei den Krisengewinnlern in der upper class scheint das unmöglich zu sein. Nun – die haben das System ja hinter unserem Rücken so gestaltet, dass der Geldfluß in großem Maße von unten nach oben geht: nur so bekommen wir unseren Feudalstaat wieder, der ach so bequem ist für die Elite der Lumpen in diesem Land.

Alles noch nicht so schlimm in Deutschland?

Das denken viele. Viele fallen auf die Jubelparolen der Regierung herein, die sich kaum noch von den Lügen unterscheiden, die ein Herr Goebbels unter das Volk gebracht hat. Ein Teamführer der von einem Oberst geleiteten Bundesagentur für Arbeit hat sich kürzlich beim Bundesrechnungshof gemeldet, siehe Spiegel:

Aber die Prüfer zitieren eine E-Mail von ihm. Eine Mail, die seine ganze Not offenbart. Und noch mehr: einen Skandal. Eine Betrugsmentalität, die sich anscheinend durch die ganze Bundesagentur für Arbeit zieht. Und noch viel mehr: Die Mail entlarvt ein System, das der Rechnungshof in diesem Bericht nun als krank beschreibt, geradezu irre, mindestens aber irregeleitet.

Ein krankes und irres System. Wetten, dass sich keiner Gedanken darüber macht, wie man es stoppen kann? Der Oberst hat sein System sogar gut durchorganisiert, wie eine Drückerkolonne funktioniert es mit Druck für die Frontleute und Prämien für den Chef, siehe BZ:

Pikant: Während bei Hartz-IV-Empfängern der Regelsatz (382 Euro) auch bei kleinsten Verstößen knallhart gestrichen wird, kassieren die Jobcenter-Bosse bis zu 4000 Euro Prämie. Herz oder Bonus?

Herz oder Bonus? Keine Frage: das System der Arbeitslosenvernichtung zieht bundesweit den Bonus vor. Am Ende dieses Systems stehen die Totalsanktionierten, die Eigentum, Geld und Wohnung verloren haben. Manche von ihnen nehmen sich das Leben, andere verhungern, wieder andere drehen durch und ermorden das Fußvolk der Arbeitslosenvernichtungsmaschine. Ein zu hartes Wort: Arbeitslosenvernichtungsmaschine?

Ja – wir leben in einer Diktatur der weichen Worte: das haben die Machthaber aus dem Dritten Reich gelernt. Man meidet die Öffentlichkeit und spricht sanft – aber schwingt immer noch den gleichen Knüppel. Es geht darum, die Arbeitslosen aus dem Bewusstsein der Bevölkerung zu entfernen, sie – eigentlich unschuldige Opfer der Globalisierung – werden zu Tätern stigmatisiert, an deren Eigentum man sich allerdings eine goldene Nase verdienen kann, wenn man bei der Zwangsversteigerung des gepflegten Häuschens nur früh genug auf der Matte steht. So hatte sich die Wirtschaft schon in den dreißiger Jahren saniert, als noch die Rasse über Leben und Tod entschied – und nicht Alter, Krankheit, Intelligenz oder Bildungsgrad.

Ja – für die Alten, die Kranken und die Dummen haben wir keinen Platz mehr im Land. Dabei gibt es sie immer noch: jene Kinder, die schon mit der Hauptschule überfordert sind. Über sie wird nicht gesprochen, weil sie unerwünscht sind, sie stören die saubere Statistik, für deren Bereinigung die Teamleiter der Jobcenter dicke Prämien kassieren, während ihre Opfer in den Gassen erfrieren.

Harte Worte, oder? Ungewohnt in diesem Land. Hier spricht man sanft – das ist eindeutig anders als früher …. aber jeder weiß auch so, was gemeint ist.

Das war früher auch so: jeder wusste, was mit den Juden (und den vielen anderen Mitmenschen) geschah – aber keiner sprach darüber. Man hatte zuviel Angst, selbst ins Visier zu geraten – genau wie heute.

Die Angst hat man auch zurecht: der Krieg der Reichen gegen die Armen läuft bundesweit weiter. Bis zu 25000 Jobs werden demnächst in der Autozulieferindustrie wegfallen bzw. ins Ausland verlagert werden, weil die großen Automobilkonzerne beständig den Druck erhöhen (siehe Manager Magazin).  Wieder einmal 25 000 Leute, die von heute auf morgen zu „faulen, asozialen Parasiten“ werden, denen man am Liebsten nichts mehr zu essen geben würde, weil sie nicht arbeiten (sinngemäß: Müntefering, SPD). Die zahlen dann auch nichts mehr in die Steuerkasse ein (was Politiker am meisten stört, denn immerhin möchte man sich aus dieser Kasse großzügig bedienen), was dazu führt, dass die Verschuldung der öffentlichen Hand immer weiter zunimmt – manche Bundesländer geben schon 33% ihrer Einnahmen für die Zinslast aus (während einer Minizinsphase! – siehe Manager Magazin), mit deutlichen Folgen für die Beschäftigen im öffentlichen Dienst: dort sind mitlerweile 2,2 Million Arbeitsplätzen seit 1991 weggefallen (siehe destasis).

Will aber mal der normale Verbraucher Vorteile aus den aktuellen Verhältnissen ziehen, merkt er schnell: für ihn ist das nicht gedacht. Die massenhafte Kündigung von gut verzinsten Bausparverträgen in Deutschland ist rechtens, Leben ohne Arbeit durch Zinseinkünfte ist dem neuen Adel vorbehalten (siehe Manager Magazin).

Dafür setzt man neue Hunde auf die Armen an: das Grundrechteforum meldet eine still vorgenommene Privatisierung des Gerichtsvollzieherwesens: aus den Beamten sind Kopfgeldjäger geworden, die sich ihren Lebensunterhalt durch Beute verdienen müssen – jenseits der Vorgaben des Grundgesetzes, an dessen diesbezüglicher Änderung gearbeitet wird.

Die Treibjagd auf Arme wird eröffnet.

Der Erfolg dieser Politik läßt auch nicht lange auch sich warten: sie ist tödlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur Selbstmord, Hunger- und Kältetod fordern ihren Preis, die Armut selbst ist tödlich. Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich immer weiter, Arme sterben inzwischen fünf Jahre früher als Reiche,  siehe Spiegel.

Spiegel (und auch die Welt … die zitiere ich aber nicht mehr, weil sie Geld für ihre Nachrichten nehmen wollen: dafür besorge ich ihnen doch keine Leser!) bemühen sich auch, die Schuld bei den Armen zu suchen: ihr Bildungsgrad ist es, der ihnen das Leben kostet.

Weniger dem System verpflichtete Intellektuelle kennen da andere Ursachen, siehe Handelsblatt:

Heizkosten steigen 2013 um bis zu 18 Prozent

Da kann man sonst noch so schlau sein: irgendwann kann man die Rechnungen nicht mehr bezahlen, man muss am Essen oder an der Wärme sparen – beides schadet der Gesundheit, für die wir 300 Milliarden Euro im Jahr ausgeben – unter anderem, um die Folge von Mangelernährung und angegriffener Gesundheit wegen Kälte und Schimmel in der Wohnung zu beheben. Absurd, oder?

Aber der Genozid an den Armen (da diese Zustände in einem der reichsten Länder der Erde herrschen, nehme ich an, dass sie mit Absicht so gestaltet werden und nenne sie deshalb beim Namen: Genozid) ist wichtig für die Disziplinierung der Massen – das wussten schon Hitler und Chaplin.

Hitlers alter Verbündeter Ungarn (Natomitglied seit 1999, EU-Mitglied seit 2004, zählt laut Human Development Index zu den hoch entwickelten Staaten) gibt hier auch schon mal den Takt für die Zukunft vor: unlängst beschloss das Parlament Gesetze gegen Odachlose – Obdachlosigkeit wird Straftat (siehe Handelsblatt).

Bin gespannt, ob wir das im Rahmen der Angleichung der EU-Gesetzgebung einfach auch mal heimlich übernehmen. Immerhin steigen auch hier die Zahlen der Obdachlosen ständig an (siehe Tagesspiegel), neue Gesetze erleichtern Räumungsklagen, damit es noch mehr davon gibt (siehe DasErste):

Räumungsklagen, die sich früher bisweilen über Jahre hingezogen haben, sollen in Zukunft schneller über die Bühne gehen. Zumindest wenn es nach dem Gesetzgeber geht. Die Gerichte sind aufgerufen, zukünftig Räumungsklagen vorrangig zu bearbeiten und zu terminieren. Um derartige Verfahren zu beschleunigen können dabei die Fristen für Stellungnahmen und Ladungen entsprechend abgekürzt werden.

Wenn das Jobcenter dann Sanktionen verhängt, kann man die früheren Arbeitnehmer schneller auf die Straße jagen, wo Hunger und Kältetod auf sie warten.

Schade, dass Chaplin Tod ist. Wäre interessant zu sehen, wie sein heutiger Film über die Berliner Republik lauten würde.

 

 

 

 

 

 

Donald und Dagobert

Ein lesenswerter Artikel aus der Telepolis:

Die gegenwärtige Verteilung des Geldes in der westlichen Welt ist so gerecht wie die Vermögensverhältnisse zwischen Donald und Dagobert Duck – von den Entwicklungsländern ganz zu schweigen. Wie viel Geld Dagobert bunkert, weiß niemand so genau. Doch die Zahlen der realen Welt sprechen für sich: In Deutschland zum Beispiel besitzen die oberen 10 Prozent über zwei Drittel des Gesamtvermögens. Schlimmer noch: Die reichsten 0,1 Prozent (also weniger als 70.000 Bundesbürger) horten knapp ein Viertel des Gesamtvermögens. Und um die Zahlenspiele weiterzutreiben: Die oberen 0,5 Prozent (also um die 350.000 Bundesbürger) besitzen gemeinsam so viel Vermögen wie die unteren 90 Prozent (also um die 63.000.000 Bundesbürger).
[…]
Purer Neid auf die Reichen? Mitnichten. Denn selbst die Reichen haben – wenn sie eins und eins zusammenzählen können – erkannt, dass solche Abgaben [Steuern] notwendig sind, wenn das System nicht kollabieren soll: Wenn Warren Buffett und gleichgesinnte Milliardäre eine Reichensteuer fordern, dann machen sie das nicht nur aus Barmherzigkeit. Vielmehr wissen sie, dass der heutige Turbokapitalismus zwangsläufig die Finanzsysteme und damit auch ihre eigenen Vermögen und Firmen ins Straucheln bringt. Wenn die unteren 99 Prozent nichts in der Tasche haben, können sie auch nicht das konsumieren, was die oberen 1 Prozent verkaufen wollen. Die westlichen Regierungen – zumal unsere lethargische Bundesregierung – haben dieses Angebot freundlich-liberal ausgeschlagen … und jammern uns allabendlich in den Nachrichten vor, dass kein Geld zur Verfügung stehe. Bullshit!

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10 Jahre Agenda 2010: ein Grund zum feiern!

10 Jahre Agenda 2010: ein Grund zum feiern!

Mittwoch, 13.3.2013. Eifel. Was für ein Tag. Die Sonne scheint, der Schnee schmilzt, die Heizung ist kaputt – das Leben ist schön. Das scheint jedoch vielen Mitmenschen nicht zu gefallen: wo kommen wir auch hin, wenn alle Spaß am Leben haben? Der echte deutsche Leistungsträger will auf grenzenloses Leid blicken, wenn er aus seinem Penthouse auf die Restbevölkerung blickt – nur dann geht es ihm so richtig gut. Wohlstand für alle? Ohne ihn! „Wohlstand für mich und Armut für alle“ – das ist die Devise, der er folgt und zu deren Verbreitung inzwischen die ganze Wirtschaft, ja, der ganze Staat  umgebaut worden ist. Morgen treffen sich die Bauarbeiter und lassen sich groß feiern: ihre Agenda 2010 war ein voller Erfolg: die Gewerkschaften wurden zahm, die linke Opposition in Deutschland völlig zerschlagen, Streiks, Lohnforderungen oder einfach nur der Wunsch nach einem nicht gesundheitsschädlichem Arbeitsplatz: so etwas ist von gestern. Und obwohl das ehemalige Nachrichtenmagazin „Spiegel“ die Agenda (wie alle anderen Medien auch) mit Jubelchören begleitet hat, lesen wir heutzutage andere Worte in diesem Blatt – hier von Jakob Augstein:

Der Sozialstaat ist ausgehöhlt. Deutschland ist auf dem Weg zur Klassengesellschaft. Wir sollten uns an den Begriff wieder gewöhnen. Die Zeiten, in denen ein sozialpolitisch eingehegter Kapitalismus „Wohlstand für alle“ (Ludwig Erhard) zumindest möglich erscheinen ließ, sind vorbei. Die Ära der sozialen Marktwirtschaft ist beendet.Eine große Enteignung hat stattgefunden. Aber in Deutschland sind nicht die Reichen enteignet worden. Sondern das Volk.

Der „Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“, der in der vergangenen Woche vorgelegt wurde (hier die Zusammenfassung und hier ein Faktencheck dazu), legt davon Zeugnis ab. Man muss genau hinsehen, um die traurige Botschaft des Berichts zu entziffern. Die Regierung hat sich in den vergangenen Monaten viel Mühe gegeben, die Lage zu schönen und zu manipulieren.

So etwas muss man in Deutschland im Jahre 2013 lesen, ohne zur Waffe greifen zu dürfen. Warum wird auf diesen Ex-Kanzler Schröder und seine Bande eigentlich kein Kopfgeld ausgesetzt? Irgendwie muss man die doch einfach mal einem Richter vorstellen dürfen? Es kann doch nicht sein, das ein ganzes Volk enteignet wird und die Täter weiterhin frei herumlaufen? Immerhin: für Tony Blair würde ich Kopfgeld erhalten, siehe Arrest Blair. Ginge das nicht hier auch, das alle zusammenschmeißen und die Hartz-Gauner einfangen?

Nun, SPD-Chef Sigmar Gabriel formuliert deutlich, warum das in Deutschland nicht geht, hier ebenfalls im Spiegel:

Bislang sei es eher in totalitären Staaten üblich gewesen, dass die Wirklichkeit „gefälscht, Statistiken verändert, retuschiert und Zensur ausgeübt“ worden sei.

Deshalb geschieht also nichts: wir sind ein totalitärer Staat, der in der Kunst „Lügen mit Zahlen“ Meisterschaft erreicht hat. Wer hier gut mithalten kann, wird auch gut entlohnt, siehe Welt:

Trotz Massenentlassungen und öffentlicher Bescheidenheits-Bekundungen haben 35 der größten Banken der Welt im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld an ihre Mitarbeiter ausgeschüttet als 2011. Die Ausgaben stiegen um zehn Milliarden auf insgesamt 275 Milliarden Euro, wie eine Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters ergeben hat.

Unglaublich aber wahr: trotz massivem Stellenabbau steigen die Lohnkosten immer noch. Das sollte auch nicht verwundern, denn immerhin lesen wir seit Jahren, das die „Produkte“, die uns in die Krise gebracht haben, gerade wieder in großem Umfang auf den Markt kommen (wir berichteten). Wer da mithalten kann, darf an dem 275 Milliarden Euro-Kuchen teilhaben – das ist der Haushalt einer mittelgroßen Industrienation. Das wird jedes Jahr in jene Hände verteilt, die Anlagebetrug in großem Stil absolvieren. Das das auch in Deutschland geht – dafür hat Schröder gesorgt: die Deregulierung der Märkte war sicher eine viel größere Sauerei als Hartz IV  – aber die Medien haben darüber nur höchst selten berichtet. Immerhin galt für jeden Journalisten: vielleicht gibt es da ja gut bezahlte Jobs in der Peripherie der Geldmachtmaschine.

Im Managermagazin finden wir überraschend klare Stimmen zum Boniwahn der Banksterelite:

Aber weder andere Manager noch den normalen Bürger geht es etwas an, was der andere verdient. Und schon gar nicht den Staat. Es ist ein massiver Eingriff in die Eigentumsrechte der Bürger, wenn der Staat entscheidet, wie schnell Menschen wie reich werden dürfen. Ich halte den Volksentscheid in der Schweiz deshalb für ein Desaster. Es ist ein weiterer Schritt in einen Bevormundungsstaat. Wo führt das hin, wenn mein Nachbar per Abstimmung bestimmen kann, wie viel Geld ich verdiene?

Wo das hinführt? Direkt nach Hartz IV. 7 Millionen Deutsche (viele davon unschuldige Kinder) sind schon da, insgesamt 42 Millionen Deutsche sind schon registriert – der Datenkrake erfasst auch gerne Angehörige. Der Staat entscheidet bei denen nicht nur, das die niemals mehr reich sein dürfen, sondern zementiert ihre Armut auch noch mit Gesetzen und Verboten fest. Wäre Armut nicht brutal gewollt, könnte man ja sagen: oh, Hinzuverdienstgrenzen gibt es nicht mehr und Oma darf auch wieder schenken, so viel sie will. Und weil alle arm sind, schaffen wir auch die Mehrwertsteuer ab – wäre so ein gerechter Traum von mir.

Massive Eingriffe in die Eigentumsrechte von Bürgern, die nicht die Gnade der staatlichen Festanstellung genießen, sind schon längst Alltag – in einem Umfang, das jeden Manager verblüffen würde. Wer aber die Verfügungsgewalt über Milliarden hat und sich jederzeit ein paar Millionen für den Privatgebrauch abzweigen kann, der braucht sich um Hartz IV keine Sorgen mehr zu machen – außerdem gibt es da ja auch noch die Netzwerke, die einen auffangen.

Solche Netzwerke hatten wir Bürger dereinst auch: wir haben sie Staat, Land und Gemeinde genannt – und sie kamen allen zugute. Es ist schön, solche Netzwerke zu haben: geht etwas kaputt, ist gleich Hilfe da. So kamen wir zu Wohlstand und Reichtum … der eine Heerschar von Neidern aus den Reihen der Krawattenträger angezogen hat. Mit etwas cleveren „Finanzprodukten“, einem Berg von Lügen und einem Ozean von falschen Versprechungen zog man los, sein ein Einkommen von 275 Milliarden Euro im Jahr zu sichern … unter dem honorigen Titel, man sei eine „Bank“. War man nur nicht – man war eine Bande.

Die Zeitschrift Capital zeigt uns, wie die Situation augenblicklich aussieht:

Das Sparbuch wirft inflationsbereinigt so gut wie nichts mehr ab, seit die großen Notenbanken der Welt die Zinsen nahe null gedrückt haben. Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität, zum Beispiel Deutschland, versprechen nur noch mickrige Erträge. Ein weiterer Vorteil aus Sicht vieler Investoren: Die Unternehmen aus DAX, MDAX und TecDAX schütten in den kommenden Monaten die Rekordsumme von 34,4 Mrd. Euro an ihre Aktionäre aus, ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Die DAX-Unternehmen sind im Schnitt so erfolgreich wie noch nie“, sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Landesbank Bremen.

Neun Prozent mehr für die Aktionäre … obwohl die Wirtschaftsdaten doch gar nicht so berauschend sind? DAX-Unternehmen im Schnitt erfolgreich wie nie … oder wird hier der Aktienkurs beliehen – jener Kurs, der mit frischen Gratiskapital der Notenbanken gepuscht wird? Dort, wo der Sparer nichts mehr bekommt für sein Geld (sein Geld also eigentlich arbeitslos ist – oder schon längst wertlos), können andere mit geliehenen Milliardenbeträgen nur Gewinn machen – wer sich eine Milliarde zu einem Prozent geliehen und massig Aktien gekauft hat, der hat jetzt 80 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Wie schön wäre es doch, wenn wir alle auch die Milliarde für einen Prozent bekommen würden – wir jedoch … als „Europäer“ … zahlen deutlich mehr. Seltsamerweise partizipieren unsere Wirtschaftsministerien nicht so sehr an den boomenden Kapitalmärkten, dabei wäre das doch schön: wenn wir mit einem Volksvermögen von neun Billionen Euro (Stand: 2007) 9 Prozent Zinsen erwirtschaften würden, dann hätten wir jedes Jahr 810 Milliarden Euro zum ausgeben – der Bundeshaushalt bewegt sich nur um 310 Milliarden.

Da sage noch mal einer: Arbeitslose wären zu teuer!

Die Vernichtung der sozialen Marktwirtschaft durch skrupellose Ganoven war also völlig unnötig?

Ich denke … ja.

Aber ein lockeres Bündnis der Funktionselite des Kapitalismus: Fernsehstars, Rechtsanwälte, Banker, Journalisten, Politbarone und Unternehmensberater hat die Gelegenheit zum großen Putsch genutzt – nun haben wir in diesem Land Milliardäre, die nichts zur Verbesserung der Lebensqualität des Volkes beigetragen haben, aber dafür an einer großen Kultur der Angst mitbauten: der JOBANGST.

Das … gab es früher nicht.

Das ist nicht nur eine kleine Korrektur im Sozialwesen, das war der erste Schritt in ein ganz anderes Land – ja, eine ganz andere Welt. „The winner takes all!“ heißt jetzt die Devise – und Gewinner ist, wer andere auf der Strecke bleiben lässt … zur Not mit Staatsgewalt, die für billige und willige Galeerensklaven sorgt, damit der Kapitän Wasserski fahren kann.

Der Sozialdarwinismus ist zurück – und keiner will ihn sehen.

Jeder denkt: ICH schaffe das, ICH komme noch mal ganz nach OBEN denn ICH bin sowieso die Krönung der Menschheit – und die Medien füttern diese Einstellung regelmäßig mit Sendeformaten, in denen sich normale Bürger zum Affen machen. Nur gilt diese Devise nicht für jedermann … eigentlich nur für eine Handvoll sozial kranker Individuen. Für die Gesunden ergibt eine nüchterne Kosten-Nutzen-Rechnung, das man sein Leben nicht für die Karriere wegwerfen sollte … man hat nämlich nur eins.

Noch nicht mal innerhalb der Geldmachtmaschinen funktioniert diese Devise – einfach mal beim Handelsblatt nachschauen, welche Pensionslasten die DAX-Konzerne mit sich herumschleppen:

Die Dax-Konzerne haben insgesamt Pensionsverpflichtungen in Höhe von 317 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Geld, das Mitarbeitern im Ruhestand in kommenden Jahren und Jahrzehnten zusteht. Die Ruhestandsbezüge der Manager sind da nur die Spitze eines Eisbergs.

Das ist einmal der komplette deutsche Staatshaushalt – oder einfach nur leere Versprechungen, denn die, die die Versprechen gemacht haben, wissen, das sie schon längst über alle Berge sind, wenn das Kartenhaus zusammenbricht … aber dank der schönen Nebenwirkungen von Hartz IV, dank des Aufbaus einer Kultur der Angst, dem Aufbau einer Willkürbehörde mit der Lizenz, die gesamte Existenz bei mangelndem Wohlverhalten auf einen Schlag zu vernichten, haben wir als Bürger etwas anderes zu tun als die Machenschaften der Geldmachtelite aufzudröseln. Schauen wir doch noch mal zurück, in den Spiegel:

Am 14. März 2003 hatte Gerhard Schröder dem Bundestag seine Reformvorschläge präsentiert, die als Agenda 2010 bekannt wurden. Umgesetzt wurden die Reformen einschließlich der Hartz-IV-Regelung bis Anfang 2005. Es waren die umstrittensten Sozialreformen der Nachkriegszeit – mit Einschnitten bei der Rente, der Arbeitslosenunterstützung und im Gesundheitssystem. In der SPD ist die Agenda bis heute heftig umstritten. Schröders damaliger Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier verteidigte die Reformen und lobte sie als „Ausbruch aus der Abwärtsspirale“. „Wenn Schröder damals so mutlos regiert hätte wie Angela Merkel heute, stünden wir jetzt in einer Reihe mit Italien, Frankreich und Spanien vor deutlich größeren Problemen inmitten der Euro-Krise“, sagte Steinmeier der „Süddeutschen Zeitung“.

Der Hinweis auf das Ausland folgt nicht ohne Hintergedanken, meldet der Spiegel doch gleichzeitig ganz andere Auffälligkeiten:

Wegen der zunehmenden Armut verteilen mittlerweile zwei Drittel der nationalen Rot-Kreuz-Gesellschaften in der EU Lebensmittelhilfen. Das habe es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht gegeben, sagte der Generaldirektor des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Yves Daccord, an diesem Montag bei einem Besuch in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi.

Toll, oder? Zustände wie nach einem Weltkrieg … und in Deutschland eine Kultur der Angst wie vor dem letzten Weltkrieg.

Zehn Jahre nach der Agenda 2010 ist Deutschland ein armes Land geworden, das seine wirtschaftliche Zukunft in der Konkurrenzfähigkeit zu Billiglohnländern sieht, statt in Fortschritt, Zukunft und Innovation. Das ist der gezielte Umbau einer Industrienation zu einem Dritte-Welt-Land … in dem wie üblich eine kleine Superkaste die Fäden in der Hand hält.

Die haben allerdings wirklich einen Grund zum feiern – sie habe in Deutschland eine Geldmachtmaschine installiert, die für sie satte Milliardengewinne auf Kosten der Allgemeinheit abwirft … und niemand hat mehr den Mumm, dagegen zu wettern.

Wie auch … würde sowieso weder gedruckt noch gesendet – seitdem man die Medien aufgekauft hat.

Nur ein Jakob Augstein – selbst millionenschwer – darf gelegentlich mal die Wahrheit sagen, damit man den Massen erfolgreich verkaufen kann: „Sehet her, dies ist ein freies Land, in dem alles gerecht und gut geordnet zugeht“.

Der gleiche Mann, der jetzt diese Reform so über den grünen Klee lobt – Frank Walter Steinmeier – ist der Mann, der jetzt in diesem Jahr wieder mit seiner Partei in Amt und Würden gewählt werden will.

Auch wenn wir die nicht festnehmen können, so sollte man doch nicht vergessen: wählen müssen wir das nicht. Noch nicht.

Was man sonst wählen soll? Die dreizehnte Partei von oben. Einfach abzählen – und schon hat man einen Treffer. Dreizehn soll ja eine Glückszahl sein.

Welche Partei das ist? Ist völlig egal. Wählbar sind die inzwischen alle nicht mehr … aber so hat man wenigstens nicht die Verantwortung für den Mist, den die anschließend machen.

Was wir aber als Bürger machen sollten: wir sollten wieder unsere eigenen Netzwerke aufbauen: den Staat, die Länder und die Gemeinden. Nebenbei sollten wir ermitteln, wer die alten Netzwerke okkupiert hat … möglicherweise ist da noch was im Sinne von Schadensersatz zu holen. Vielleicht schaffen wir es, wirtschaftlich tragfähige Versicherungen aufzubauen – gegen Krankheit, Alter, Arbeitslosigkeit. So könnten wir der Kultur der Angst entkommen. Und der größte Teil der Steuern gehört in die Gemeinden – dann wäre auch die Arbeitslosigkeit fort … und mit ihr Hartz IV.

Die Gemeinden wissen, wo Arbeit zu tun ist – sie haben nur kein Geld, sie zu bezahlen. Besser man repariert Spielplätze, Schwimmhallen und Büchereien, als das man nochmal Bewerbungstraining macht oder einen fünften Gabelstaplerfahrerschein.

Überhaupt … wäre das mal eine Alternative: wir geben für Arbeit wieder richtig Geld – ebenso wie auch ordentliche Zinsen auf Sparbücher. Wieso geht das eigentlich nicht?

Ach ja: anderes Land, andere Welt.

Schade auch.

 

 

 

 

Grundeinkommen rettet Europa – und sonst nichts.

Sonntag, 3.3.2013. Eifel. Ich war vorgestern zu einem Film eingeladen. "James Bond" - klassisches europäisches Kulturgut. Wie so oft, hat mich der Film nicht interessiert, sondern mehr die Bilder. War schon mal jemand in Shanghai? Ich nicht. Meine Firma hatte mich mal zu einer zweiwöchigen Chinareise eingeladen, aber da ich dafür den Urlaub mit meinen Kindern (zu Hause im Garten) hätte streichen müssen, habe ich lieber meine Entlassung riskiert und die Annahme der "Prämie" verweigert. War vielleicht blöde, weil ich so etwas sehr Wichtiges verpasst habe. Wirklich - schauen Sie sich den Film mal an - und die Bilder von Shanghai. Und dann vergleichen sie diese chinesische Provinzstadt mit unseren Städten ... ich garantiere, sie werden sich erschrecken. All unsere stolzen großen deutschen Städte sind im Vergleich zu dieser "Billigproduzentenmetropole" dreckige, dunkle Löcher. Da kann man Zukunft erleben, dort wird Zukunft gemacht. Und wie reagiert die deutsche Politik auf diesen Tatbestand? Immerhin gaukelt man uns doch vor, WIR seien die reiche Industrienation (fast so reich wie die USA). Wie kann es dann sein, das die armen Chinesen (und all die anderen "Billignäher) so wunderbare Paläste in ihren voll beleuchteten Städten haben, während uns noch nicht mal im dunkelsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen ein Licht aufgeht? Warum fragt sich keiner, wieso DIE so etwas haben und WIR nicht? Oder ist das Geheimnis vielleicht ... der Kommunismus, der jetzt locker am Westen vorbeizieht?

Sonntag, 3.3.2013. Eifel. Ich war vorgestern zu einem Film eingeladen. „James Bond“ – klassisches europäisches Kulturgut. Wie so oft, hat mich der Film nicht interessiert, sondern mehr die Bilder. War schon mal jemand in Shanghai? Ich nicht. Meine Firma hatte mich mal zu einer zweiwöchigen Chinareise eingeladen, aber da ich dafür den Urlaub mit meinen Kindern (zu Hause im Garten) hätte streichen müssen, habe ich lieber meine Entlassung riskiert und die Annahme der „Prämie“ verweigert. War vielleicht blöde, weil ich so etwas sehr Wichtiges verpasst habe. Wirklich – schauen Sie sich den Film mal an – und die Bilder von Shanghai. Und dann vergleichen sie diese chinesische Provinzstadt mit unseren Städten … ich garantiere, sie werden sich erschrecken. All unsere stolzen großen deutschen Städte sind im Vergleich zu dieser „Billigproduzentenmetropole“ dreckige, dunkle Löcher. Da kann man Zukunft erleben, dort wird Zukunft gemacht. Und wie reagiert die deutsche Politik auf diesen Tatbestand? Immerhin gaukelt man uns doch vor, WIR seien die reiche Industrienation (fast so reich wie die USA). Wie kann es dann sein, das die armen Chinesen (und all die anderen „Billignäher) so wunderbare Paläste in ihren voll beleuchteten Städten haben, während uns noch nicht mal im dunkelsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen ein Licht aufgeht? Warum fragt sich keiner, wieso DIE so etwas haben und WIR nicht? Oder ist das Geheimnis vielleicht … der Kommunismus, der jetzt locker am Westen vorbeizieht?

Der Wind, der in Europa weht, ist aber ein anderer. Hier bereitet man sich auf eine Zukunft vor, die Professor Gunter Dueck in seinem Werk Aufbruch kurz skizziert hat und seitdem in vielen Vorträgen in Deutschland immer weiter verbreitet: die Aufspaltung der Bevölkerung in eine winzig kleine Elite … und den riesengroßen Rest, dessen Arbeitskraft in einer vollautomatisierten Welt nichts mehr Wert ist – eine Entwicklung, die auch zunehmend die einst so gelobte „Dienstleistungsgesellschaft“ betrifft.

Vielleicht sollte man die Zukunft Deutschlands anhand eines Bildes von New Dehli illustrieren, welches ich mir von Georg Diez leihen möchte, siehe Spiegel:

Das Goethe Institut hatte Christopher Roth und mich hierhin eingeladen, eine Konferenz zum Thema „What happened 2081?“ zu veranstalten, und dauernd überfällt einen dann die Zukunft an unerwarteten Orten, beim Abendessen im touristischen Herzen der Riesenstadt, in der Metro auf Betonstelzen hoch über den Müllkippen und den mit Stacheldraht geschützten Gärten der Reichen hinweg, in der Auto-Rikscha, in der man den Straßenverkehr als vernunftfreie Zone erleben kann, die man nur heil durchquert, wenn man alles ganz buddhistisch geschehen lässt: totale Aufmerksamkeit bei totaler Gelassenheit.

Das ist im Prinzip jene Welt, die schon Vivianne Forrester beschrieben hatte: wir marschieren in Europa mit großen Schritten darauf zu – und die Entscheider in Politik und Wirtschaft geben ihr Bestes, diesen Prozess zu befördern. Neunzig Prozent der Bevölkerung leben von dem Müll der übrigen zehn Prozent: das ist das Endstadium des „american way of life“ für seine ökonomischen Kolonien. Wann es bei uns soweit sein wird?

Nun – in Teilen ist es schon soweit bei uns. Das Handelsblatt berichtet darüber: über das Schicksal jener Menschen, die den Beruf des Friseurs ergreifen. Wissen Sie eigentlich, das dieser Beruf zusammen mit dem Arztberuf gleiche Wurzeln in den reisenden Barbieren hat, die nebenbei auch Krankheiten kurierten? Irgendwann haben sich dann alle niedergelassen – aber getrennt. Die einen kriegen 10 000 Euro im Monat, obwohl sie nur als lokale Verteiler für Produkte der Pharmaindustrie fungieren und weit entfernt von einem Zustand sind, wo sie Krankheiten „heilen“ können, die anderen arbeiten den ganzen Tag in einem sensiblen und intimen Bereich, der den gesamten Außenauftritt eines Menschen, seine gesellschaftliches Ansehen und seine Karrieremöglichkeiten bestimmt und bekommen dafür sage und schreibe 511 Euro netto im Monat.

Davon noch Miete, Wasser und Strom bezahlt (was alles beständig teurer wird) und schon ist man unter Hartz IV-Niveau.

Wieso lassen das Menschen mit sich machen?

Weil der Staat sie dazu zwingt. Die schneiden quasi umsonst anderen die Haare, damit sie nicht in die Fänge der Jobcenter und damit in die Sphären von Obdachlosigkeit und Hungertod fallen. Sicher, es sterben nicht ganz so viele wie möglich, aber die Medien sorgen dafür, das Meldungen über EINE MILLION SANKTIONEN in jedem Teil des Landes gehört werden.

Die Botschaft?

Wir machen Euch Sozialschmarotzer alle platt – es sei denn, ihr arbeitet umsonst für uns!

Das ist deutscher Alltag … und es wundert, das das nicht in breiter Front als Diktatur gekennzeichnet wird. Nichts anderes ist es.

Das merken auch die Mitarbeiter in den Jobcentern selbst. Inge Hannemann – einer Frau, die ich sofort für das Bundesverdientskreuz mit allen Beilagen empfehlen möchte – berichtet darüber. Sie ist selbst Jobcentermitarbeiterin, erlebt und beschreibt den systematischen Unfug in der Behörde, der Millionen von Menschen zum ersten ohne Geld dastehen lässt (Leiharbeiter betrifft das regelmässig). Was sie in ihrem Blog allerdings noch beschreibt, ist die Angst in der Behörde:

Nun stellt sich aber die Frage, warum Mitarbeiter sich anonym äußern müssen. Auf Nachfrage bei den anonymen Schreibern aber auch Nichtschreibern, ergibt sich ein einheitliches Bild. Sie haben bei offener Äußerung große Angst um ihren Arbeitsplatz sowie Angst vor Repressalien durch ihren direkten Arbeitgeber vor Ort, den Standortleitern oder auch Kollegen. Gesprochen wird hier von einer Angst vor Mobbing, Bossing (Schikane durch den/die Vorgesetzten) oder als sogenannter Whistleblower betitelt zu werden. Ist zum Teil diese Angst, insbesondere bei befristeten Arbeitsverträgen nachvollziehbar, ist es ein Unding, sich vor möglichen Repressalien von oben sich nicht äußern zu dürfen.

Sind das Zustände in den Behörden eines demokratischen Landes?

Nein.

Das sind Zustände einer Kultur der Angst, wie sie nur in den Ganovenstaaten dieser Welt vorherrschen sollten – und der Umkehrschluss, das wir zu einem dieser Ganovenstaaten geworden sind (aber auch Angst haben, darüber sprechen – wie im Dritten Reich über das Schicksal der jüdischen Mitbürger) liegt nahe.

Sehen wir das aber in einem größeren Rahmen (womit ich wieder in Shanghai oder Neu-Dehli bin), dann zeichnen sich Zusammenhänge ab, die die gesamte Situation noch gruseliger gestalten, aber zeigen, das ein brutaler politischer Wille – über alle Parteigrenzen hinweg – Deutschland in ein Niedriglohnland voll Zwangsarbeiter verwandelt und der Zustand unserer Städte im Vergleich zu den blühenden Metropolen Asiens (und Arabiens) die Situation des ganzen Landes wiederspiegelt.

Um die Bewegung zu erkennen, müssen wir einen Blick in die Aachener Zeitung werfen – obwohl so etwas eigentlich in die Tagesschau gehört.

Die Städte an Rhein und Ruhr müssen auf Druck der EU-Kommission rasch ihre Stickstoffdioxid-Belastung reduzieren – notfalls auch mit drastischen Maßnahmen. So könnten etwa über zehn Jahre alte Autos aus den Innenstädten verbannt werden oder die Parkgebühren deutlich erhöht werden.

Was plant die EU-Kommission? Die Vertreibung der armen Bürger aus den Städten. Sollen die irgendwo auf dem fernen Land dahinvegetieren, wo es garantiert keine Arbeit mehr für sie gibt, sollen sie mir ihren zwanzig Jahre alten Autos in Mecklenburg-Vorpommern nach Jobs suchen, bei Parkgebühren von dreissig Euro die Stunde wird man sie auch nie wieder in den Städten finden, in denen die Superreichen ihre Funktionseliten untergebracht haben.

Flächendeckend wird ein Krieg gegen die Armen geführt, die es nur dank staatlicher Gewalt überhaupt gibt. Man stelle sich ein Land vor, das noch nach solidarischen Prinzipien funktioniert und der Armut selbst den Krieg erklärt – schon merkt man, wie der Hase anders laufen könnte.

Es ist gut und schön wenn ein Herr Albrecht 70 Milliarden mit einer Geschäftsidee macht. Das gönne ich ihm auch. Was nicht ok ist, wenn er die Folgekosten seines Raubzuges der Allgemeinheit aufbürdet. Die Folgekosten? Nun – die lokalen Versorger sterben großflächig aus, man braucht viele neue Autos und neue Straßen, um die Aldi-Märkte zu füttern und dort einkaufen gehen zu können, viele Menschen verlieren die Basis ihrer beruflichen Selbständigkeit, ihre Arbeit – um nur ein paar Folgen zu nennen.

Ist es wirklich so vermessen, zu fordern, das diese Kosten  nicht vom Steuerzahler bezahlt werden sollen? Ich finde: so vernünftig, das einzusehen, sollten auch die Gebrüder Albrecht sein – und nicht nur die.  Der Staat kann so ein Sozialschmarotzertum (ich behalte den Gewinn und lasse die Kosten andere bezahlen) nicht ewig bezahlen, also muss eine Solidaritätsgebühr her, die einen Ausgleich für die Schneise der Vernichtung schafft, die die clevere Geschäftsidee als Nebenwirkung verursachte.

Alle Forderungen nach einem bedingungslosem Grundeinkommen werden auf einmal finanzierbar, wenn die Täter sich an den Folgekosten ihrer „Errungenschaften“ beteiligen müssen. Geld genug für Gewinne bleibt doch immer noch übrig.

Ebenso müssten die Finanzmärkte eine Solidaritätsgebühr errichten, eine Schadensersatz für die Verheerungen, die sie in der Realwirtschaft produzieren. Es geht nicht an, sich mit cleveren Rechentricks immer reicher zu rechnen und der Realwirtschaft so das dringend benötigte Kapital für Investitionen zu entziehen. Schon 1990 hat Doug Henwood auf die Schwächen der modernen Finanzsysteme hingewiesen:

Einerseits, so Henwood, erfülle das U.S.Finanzsystem seine angebliche Aufgabe, die Ersparnisse der Gesellschaft in Richtung der besten Investitionen zu lenken, nur höchst kümmerlich. Das System sei wahnsinnig teuer, gebe eigentlich falsche Signale zur Lenkung der Kapitalströme und habe überhaupt kaum etwas mit wirklicher Investitionstätigkeit zu tun. Auf der anderen Seite aber würde der Finanzmarkt etwas sehr gut machen: er bewirke die Konzentration von Reichtum. Der Mechanismus ist einfach: mithilfe staatlicher Verschuldung werden Einkommen von unten, von den einfachen Steuerzahlern, noch oben, zu den reichen bondholders verschoben. Statt die Reichen zu besteuern, borgen die Regierung von ihnen und bezahle für dieses Privileg auch noch Zinsen. 

(zitiert nach: Krymanski, Hirten und Wölfe, Seite 98)

Wir als Bürger haben die Warnung Henwoods  überhört, während in Deutschland die rot-grüne Regierung diesem Finanzsystem Tür und Tor geöffnet hat.

2013 haben wir den Salat, den der italienische Politiker Beppe Grillo derzeit drastisch beschreibt, siehe Spiegel:

„Ich gebe den alten Parteien noch sechs Monate – und dann ist hier Schluss“, sagte der Komiker dem „Focus“. „Dann können sie die Renten nicht mehr zahlen und auch die öffentlichen Gehälter nicht mehr.“ Den Altparteien unterstellte der 64-Jährige, keine ernsthaften Reformen zu wollen. „Sie bluffen nur, um Zeit zu gewinnen.“

Italien werde von seinen Staatsschulden erdrückt und müsse daher die Kredite neu aushandeln. „Wenn die Zinsen 100 Milliarden Euro pro Jahr betragen, sind wir tot“, sagte Grillo. Wenn sich die Bedingungen nicht änderten, solle Italien den Euro aufgeben.

Auch das Heimatland des Finanzterrorismus erfährt gerade, wie gesund es ist, Superreiche aus der eigenen Wirtschaftskraft heraus zu züchten – das ganze Land stirbt, obwohl in den deutschen Nachrichten überraschend wenig darüber berichtet wird. Es entfaltet sich eine Militärdiktatur, weil die Gemeinden und der Staat Pleite sind – sogar die einst blühende Metropole Detroit kommt unter den Hammer, siehe Spiegel:

Ab Samstag gilt der Milliarden-Sparzwang im US-Haushalt – viele Kommunen und Landkreise sind schon seit langem in größter Not. Mit am schlimmsten geht es der einst stolzen Autobauer-Metropole Detroit. Jetzt musste der Gouverneur durchgreifen. Er entmachtete den Bürgermeister.

Die Bürger selbst erleben die „Sparmaßnahmen“ als Diktatur.

Karen Lewis, Manager eines Lebensmittelgeschäfts empfindet die Maßnahme als Diktat der Republikaner, das nur dazu diene, die betroffenen Bürger auszubeuten: „Sie wollen unser Geld, unser Land. Niemand kümmert sich um uns“.

Warum erfahre ich das eigentlich nicht täglich aus der „Tagesschau“? Weil niemand von den „Entscheidern“ Interesse daran hat, das die Schafe von dem Schlachthof erfahren. Sollen die Dschungelcamp, Schlag den Raab oder Elton versus Simon gucken – da merken die auch nicht, das die seit zwanzig Jahren keinen Kaufkraftgewinn mit Arbeit erzielen konnten … von wegen: Leistung soll sich wieder lohnen.

Wer nun Rettung von politischen Parteien hofft, der hofft vergebens. Eine der ganz wenigen glaubwürdigen Gestalten in der deutschen Politik, Johannes Ponader, wurde jetzt von den Beamten und Ex-CDU-Mitgliedern der Piratenpartei gezielt abgeschossen – was mich von meinem Versprechen entbindet, den Karrieristenhaufen noch einmal zu wählen. Aber – das sehen Millionen andere ja ähnlich.

Wir brauchen auch eigentlich keine neue Partei – wir brauchen eine Bewegung, die im Namen der Demokratie die Macht der Parteien in Deutschland bricht, weil nur durch sie die Macht der Finanzeliten in jede deutsche Familie einbrechen konnte. Dort ist auch der erste Ort, aus dem man die politische Macht der Finanzjongleure wieder vertreiben muss.

Das geht auch einfach, die Idee ist schon da – und äußerst erfolgreich ausprobiert worden. Seltsam, das in Deutschland keiner auf die Idee kommt, oder? Ich meine, anstatt viel Papier und Wichtigtuerei über ein bedingungsloses Grundeinkommen zu produzieren, könnte man es doch einfach mal einführen (aber diesmal bitte nicht auch noch im Osten, wäre schön, wenn der Westen auch mal wieder etwas Aufmerksamkeit bekommt).  Gelsenkirchen wäre da ein schöner Ort, diesen Test zu machen: einfach mal – aber bitte nur auf Rechnung deutscher DAX-Konzerne – die Bevölkerung mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ausstatten … jedenfalls jene, die vom Markt nicht mehr aufgenommen werden, wie unsere deutsche Friseurin.

In Kanada ging das – das war das Mincome Programm, das so erfolgreich war, das es lange Zeit verborgen gehalten wurde. Im Zentrum des Experimentes stand die Frage, ob sich dann eigentlich alle auf die faule Haut legen, siehe Dominionpaper:

Initially, the Mincome program was conceived as a labour market experiment. The government wanted to know what would happen if everybody in town received a guaranteed income, and specifically, they wanted to know whether people would still work.

It turns out they did.

Only two segments of Dauphin’s labour force worked less as a result of Mincome—new mothers and teenagers. Mothers with newborns stopped working because they wanted to stay at home longer with their babies. And teenagers worked less because they weren’t under as much pressure to support their families.

The end result was that they spent more time at school and more teenagers graduated. Those who continued to work were given more opportunities to choose what type of work they did.

Das ist sie ja, die Riesenangst der urdeutschen Sozialneider, der „Sozialschmarotzer“ würde mit einem bedingungslosen Grundeinkommen nur auf der faulen Haut liegen, während man selber ungerechterweise für sein Geld arbeiten muss.

Tat er aber nicht. Nur die alleinerziehenden Mütter widmeten sich mehr ihren Kindern – und die Kinder stellten die Kinderarbeit ein und gingen lieber zur Schule und machten einen Abschluß.  Der Mensch an sich ist eben kein asoziales Wesen, auch wenn er von Politikern gerne so gesehen wird – die wahrscheinlich zu oft von sich auf andere schließen.

Ein nützlicher Nebeneffekt: die Krankheitsrate sank enorm. Armut macht krank – das wissen wir. Grundeinkommen rettet Gesundheit – uns spart Milliardenbeträge bei der Behandlung der Folgekosten von Armut ein.

Gut, das Experiment stammte aus den siebziger Jahren – und es handelte sich eher um eine negative Einkommensteuer. Wichtig ist, zu begreifen, das all´ die Ängste, die unsere Apostel des ungebremsten Kapitalismus mit sich herumschleppen, völlig aus der Luft gegriffen sind. Außerhalb der Sphäre der „Entscheider“ begegnet man verantwortungsvollen, sozialen Wesen, die gerne an der Entwicklung des Gemeinwesens mitarbeiten … wenn von dieser Arbeit auch etwas für die Allgemeinheit übrigbleibt und nicht alles für die künstliche  Millionärszüchtung ausgegeben wird, die für unsere Politiker das Allheilmittel gegen die Krise zu sein scheint.

Diese künstliche Millionärszüchtung ist es aber gerade, die aus unseren Städten Slums macht, während der Rest der Welt an seiner Zukunft baut. Im Zustand unserer Städte spiegelt sich der Zustand unserer Wirtschaft viel besser wieder, als in den Analysen der „Wirtschaftsexperten“.

Wir haben in Europa auch keine Alternative mehr zu diesen „Experimenten“ – wie gerade jedes Land merkt, wirken die von Henwood beschriebenen Mechanismen perfekt – und vernichten in Folge den ganzen Kontinent (und ebenfalls ihr Heimatland). Eine Zukunft droht, in der ganz wenige Superreiche in ihren Burgen leben, während die Leibeigenen vor Ort im Müll leben.

Das alles hatten wir schon einmal.

Schieben wir dem einen Riegel vor.  Man fordert ja auch nichts Unflätiges, sondern einfach nur die Einhaltung der sozialen Menschenrechte, deren Dimensionen von Kapitaleignern gerne klein geredet werden. Schauen wir sie uns einfach noch mal an, sie enthalten keine überzogenen Ansprüche, siehe Wikipedia:

In hochindustrialisierten Ländern braucht man für diese Rechte vor allem zwei Dinge: Frieden – und GELD. Dort, wo GELD ALLES ist, müssen auch ALLE GELD HABEN.

Hört der staatliche Zwang nur Sklavenarbeit auf, erlischt auf einen Schlag der Niedriglohnsektor. Ganz tolle Nebenwirkung: LEISTUNG WIRD SICH WIEDER LOHNEN – auch für Friseure.

Der Weg zu dieser gerechten, zukunftorientierten und leistungsfördernden Gesellschaft wird nicht leicht sein, weil wir sechzig Jahre lang geschlafen haben. Jetzt aufgewacht, sehen wir eine Welt, die bis ins letzte Detail jemand anderem gehört: den menschlichen Wölfen und Blutsaugern. Es wird ein Weg sein, der blutig werden wird, viel Arbeit erfordert, viel Disziplin und Durchhaltevermögen.

Aber hier wäre das Wort „alternativlos“ mal richtig eingesetzt – jedenfalls dann, wenn man Zustände wie im Feudalismus beseitigen will, bevor sie so festzementiert sind, das wir uns wieder devot in den Dreck werfen müssen, wenn die Kutsche des Anlagebetrügers an uns vorbeirollt.

Was Mut macht, ist lediglich die Tatsache, das 90 % der Bevölkerung auf unserer Seite sein werden – wenn sie erstmal verstehen, wohin die Reise geht, wenn wir den Kurs nicht ändern.

Also: wann brechen wir auf?

Und: welche Farbe wird die Partei haben, die wir gründen, um den sozialen Menschenrechten in Europa zum Durchbruch zu verhelfen … und nebenbei die Realwirtschaft vor den Finanzbanditen zu schützen und Europa wieder zu einer gesunden Hochleistungswirtschaft zu machen?

Eine Partei natürlich, die sich auf dem Höhepunkt ihres Erfolges zusammen mit allen anderen politischen Kampfverbänden auflösen sollte, um einer echten Demokratie Platz zu machen …

 

 

 

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