Armut

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Der unaufhaltsame Tod von Madame Che – ein Livebericht zu Armut, Reichtum und den schaurigen Folgen

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Dienstag, 12.6.2018. Eifel. Ja – ist immer schön über die Gräuel der Weltgeschichte zu schreiben. Hat etwas von dem Gefühl an sich, wenn man bei strömenden Regen im Ohrensessel am Kamin sitzt: draußen ist Heulen und Zähneknirschen, drinnen behaglich und gemütlich. Mit dem SUV vom eigenen Einfamilienhaus ins vollklimatisierte Büro fahren, wo die Sekretärin schon mit einem frischen Kaffee auf einen wartet, dann schnell die von den Kontrollinstanzen der Wirtschaft genehmigten Nachrichten der großen Presseagenturen nach dem durchforsten und nach den Sichtweisen Ausschau halten, mit denen man sich als Schreiberling bei den Mächten und Gewalten dieser Welt noch beliebter machen kann – was für ein pralles Leben im fein gestylten Anzug, von dessen Anschaffungskosten eine Hartz IV-Familie ein halbes Jahr leben muss …. bzw. die Unmöglichkeit schaffen, die Ansprüche der Vermieter, Energieversorger, Nahrungsmittelkonzernen zu befriedigen um dem frühen Tod zu entgehen.

Das schaffen nicht immer alle: „Schmitti“ ist jetzt gerade gestorben. Er war Protagonist einer dieser unsäglichen TV-Shows, in denen Armut vorgeführt wird (siehe Huffingtonpost), wo man live erleben kann, die das Leben in einem „sozialen Brennpunkt“ ist … dabei ist der Begriff schon eine Schande an sich: da brennt es nicht sozial, da wird eine Situation erlebt, in denen die Ansprüche der Rechnungsschreiber größer ist als die Einnahmen der Leistungsbezieher, oder, anders formuliert: wo die Gier der Verkäufer größer ist als das Konto des Konsumenten.

Madame Che wird bald sterben, sie hat gestern ihren Freitod angekündigt. Wird Hartz IV gar nicht mehr erleben. Vielleicht ein Glück: der dauernde Belagerungszustand durch Ämter und Verkäufer ist kaum auszuhalten, er kostet 11 Jahre des Lebens (siehe Huffingtonpost). Wahnsinn, oder? Rechnen Sie das mal um – aber nicht nur mit den 4,2 Millionen Leistungsbeziehern, die derzeit durch die Behörden verfolgt werden, sondern mit allen, die so rund um die Maschine Hartz IV angesiedelt sind (siehe Zeit):

„In den vergangenen zehn Jahren haben insgesamt 18,2 Millionen Menschen Hartz IV bezogen, davon waren 5,47 Millionen unter 15 Jahre alt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Die Statistik umfasst alle Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren mindestens einmal Hartz IV bezogen haben.“

18 Millionen Menschen – jedem 11 Lebensjahre geklaut. Ein Siebtel ihres durchschnittlichen Lebens. Würde sich – rein rechnerisch – auf 2,5 Millionen ausgelöschte Menschenleben umlegen lassen. Kein Wunder, dass „die Wirtschaft“ über Fachkräftemangel klagt – bei diesen Verlusten. Ach ja – „die Wirtschaft“. Sollten wir auch mal vorher drüber reden. Ich habe da mal einen Facebookeintrag von Peter May gefunden – ja, Sie wissen ja: Facebook, diese Hassschleuder, gegen die unsere Regierung so mutig ankämpft. Lesen Sie selbst mal, was man da findet (siehe Facebook/Peter May)

Der Arbeitnehmer bezahlt durch Arbeitsleistung: Seinen Lohn Seine Sozialversicherungsbeiträge Seine Steuer Mehrwertsteuer für jeden ausgegebenen Euro aus seinem Nettolohn Den Arbeitgeberanteil Sozialversicherungsbeiträge Maschinen und Gebäude des Arbeitgebers Schuldzins des Arbeitgebers für Firmen-bedingte Kredite/Darlehen Gewinnabsicht des Arbeitgebers Steuer des Arbeitgeber Lasst euch nicht erzählen ihr würdet etwas “geschenkt” bekommen! Das es Arbeitnehmer und Arbeitgeberanteil für Sozialversicherungen gibt ist nur um die Arbeitnehmer nicht auf die Barrikaden gehen zu lassen. Zahlen muss er sie letztlich durch seine Arbeitsleistung alleine!

Ja – ohne Arbeit ist alles nichts. Versuchen Sie es mal: legen Sie hundert Millionen Euro in einen Tresor und warten hundert Jahre. Raten Sie mal, wie sich das Geld dann entwickelt hat. Nun – vielleicht ist es zu Staub zerfallen – aber vermehrt hat sich da nichts. Um Geld zu vermehren, wenden Banken Tricks an – legale Buchführungstricks – mit denen sie so tun, als hätten sie viel mehr Geld als sie haben. Die Schweizer wollten das jetzt verhindern (Stichwort: Vollgeld), sind aber in der Abstimmung gescheitert: drei Viertel der Schweizer wollen lieber Schundgeld als Vollgeld (siehe Spiegel).

Wen wunderts? Millionen verdienen daran – sofern sie gute Kontakte zu den Banken und ihren Vollstreckern haben. „Wer in Deutschland kein Millionär wird, ist selbst schuld“ – durfte ich noch kürzlich einen unbekannten Spinner zittieren. Wir haben in Deutschland 1 280 300 Millionäre – Vermögensmillionäre – und davon kriegen wir jedes Jahr 7 Prozent mehr (siehe Hamburger Morgenpost). Wir liegen damit gut im internationalen Vergleich. Völlig irre, oder? Millionärszüchtung – das Ziel der deutschen Wirtschaft. Und das es immer mehr Menschen gibt, die immer mehr Geld haben, klappt in einem geschlossenen Kreislauf nur dann, wenn noch mehr Menschen immer weniger haben – oder sehr viele sehr viel arbeiten, aber den finanziellen Gegenwert dafür nicht oder nur sehr gekürzt erhalten. Sowas hören Sie aber nie in der Tagesschau oder lesen es so im Spiegel, denn das wäre ja „klassenkämpferisch“ – und aus Gründen, die nie näher erläutert werden, ist es nicht ok wenn die Klasse der Armen mal erwähnt, dass ihr Geld sich bei den Lumpen in den Villen sammelt.

Ja – und das ist das Geheimnis des Reichtums – allen Reichtums seit Anbeginn der Zeiten. Gibt da schöne Arbeiten drüber – aus dem alten Griechenland oder dem alten Rom: Reichtum ohne irgend eine Form von Sklaverei ist nicht möglich. Funktioniert einfach nicht.  Irgendwer muss für die Millionärszucht bezahlen – und das waren schon immer Sie … und werden es auch immer bleiben.

Von 61 Bürgern ist einer Millionär – heißt für so ein kleines Städtchen wie meinen Heimatort: unter den 1200 Bürgern sind 20 Millionäre. Merkt man nicht, wenn man so durch die Gassen schlendert. Anders gerechnet, hat sich jeder Bürger mit mindestens 17000 Euro am Reichtum der Wenigen beteiligt – eine kleine Spende für die, die ihre Bedürfnisse überhaupt nicht im Zaum halten können. Machen wir ja gerne, sowas. Zu den Millionären gehören auch zahlreiche Bundestagsabgeordnete … addiert man ihre Pensionsansprüche, so würden es noch mehr werden. Zahlen wir auch. Und da „Sozialneid“ ebenfalls tabu ist, reden wir auch nicht darüber.

Was das im Vorbildland der USA anrichtet, kann man auch in Zahlen fassen: 40 Prozent der Erwachsenen in den USA sind nicht mehr in der Lage, eine spontane Rechnung von 344 Euro zu begleichen, 25 Prozent der Erwachsenen verzichteten aus finanziellen Gründen vollständig auf medizinische Versorgung (siehe: Yahoo).  Das Land mit den meisten Milliardären hat auch die höchste Kinderarmut unter den „zivilisierten“ Staaten (siehe Netzfrauen) – da können wir heute schon sehen, wo wir in zwanzig Jahren stehen. „American way of live“ ist halt das oberste Gebot – und wehe, jemand rührt daran: er wird den vollen Zorn der transatlantischen Netzwerke zu spüren bekommen, deren Krakenarme in Deutschland in jedem Zentrum der Macht – Politik, Medien, Wirtschaft – mächtigen Einfluss aufgebaut haben.

Und wie macht man nun die dicke Kohle? Da habe ich ein schönes Beispiel aus „der Wirtschaft“: zwei Milliarden Euro sind einfach weg, weil Unmengen an Containern verkauft wurde, die es nie gab (siehe Süddeutsche). Nun ist das Geld ja nicht weg … es ist nur bei jemand anders. Auch gut ist, wenn Sie in einem Moloch arbeiten, einem Großbetrieb: Krankenkassen, Versicherungen, Banken, Konzern, Staat – mit nur ein wenig Geschick, Intriganz, Hinterhältigkeit und reichlich Ellbogen können Sie dort tolle Pöstchen für leistungsloses Einkommen auf Großfürstenniveau bekommen. 850000 jedes Jahr … für einen Sparkassenvorstand (siehe FAZ). 2,9 – 3,3 Millionen für einen AOK-Vorsitzenden, 9 Millionen für die Techniker Krankenkasse (siehe Handelsblatt). Ein Jahr arbeiten: schon sind Sie Millionär. Versuchen Sie das mal als Feuerwehrmann, als Klempner, als Arzt, Hebamme, Polizist, Erzieher oder Straßenbauer. Kommt Ihnen vor wie Lumperei? Ist es auch. Vergessen Sie diese ganzen Geschichten von „harter Arbeit“, die zu Reichtum führt: was die Lumpenelite Arbeit nennt, ist nicht anstrengender als die Vorstandssitzung ihres Kaninchenzüchtervereins – das kriegt man alles locker in seiner Freizeit nebenbei hin, unbezahlt und freiwillig.

Nun – genug über die Lumpen aufgeklärt.

Kommen wir zum Tod von Madame Che.

Sie gehört zu den 70 Millionen Loosern, die es nicht geschafft haben, Millionär zu werden. Ja – zehn Millionen Gewinner haben wir im Land: jeder Millionär hat einen Hofstaat aus Anlageberatern, Starfriseuren, Handwerkern, Künstlern, Architekten, Gärtnern, Ärzten  und was es sonst noch so an Dienstleistern gibt, alles Menschen, die bei jeder Wahl für stabile Verhältnisse sorgen. Und 70 Millionen gehören zu denen, die ausgepresst werden wie eine Zitrone, deren Leben für die unsittliche Anhäufung von Mammon geopfert werden.  Gebühren, Beiträge, Steuern bei gleichzeitigen Leistungskürzungen in allen Bereichen – die Herren der Welt sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht, ihre Fleischtöpfe zu sichern. Was man dazu braucht, ist lediglich … die Abwesenheit von jeder Art von Moral, Ehrgefühl und Verantwortungsbewusstsein, eine völlige Rücksichtslosigkeit gegen das eigene Lebensumfeld … egal, ob Baum, Feld, Tier oder Kinder … und ein von allen anderen Millionären propagiertes Weltbild, das täglich auf allen Kanälen die Heiligkeit des Reichtums preist. „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“ – oder auch „kassieren, aber nicht liefern“: das wären die einfachen Schlagworte, unter denen „die“ sich versammeln.

Sie heißt natürlich nicht Madame Che.

Ich nenne sie mal so … weil sie große Sympathien für einen politischen Aktivisten mit ähnlichem Namen hat, der sich erfolgreich gegen die kubanische Lumpenelite zur Wehr setzte. Ein wirklich netter Mensch. Mit Leidenschaft für Fotografie, Texte und Tiere. Kenne sie seit ein paar Jahren – auch über Facebook, der bösen Sammelstelle für kontaktfreudige Mitmenschen. Sie half bei vielen Hilfsaktionen, die wir hier gestartet hatten, unterstützte durch ihre Begabung für Recherchen so manchen Artikel – unentgeldlich – und war immer dabei, wenn wir mal um Hilfe gebeten haben … auch mit Geld. Sie bereicherte meinen Horizont durch Einblicke hinter die Kulissen der „Linken“ und verstärkte meinen Eindruck, dass sich dort viele Lumpen sammeln, die vor allem nur ein Ziel haben: das Geld der Lumpenelite einzig für sich zu beanspruchen. Kann mich noch heute daran erinnern, wie mal ein französischer Philosoph mein Weltbild zum Wanken brachte, als er im TV kundtat (so Anfang der achtziger Jahre), dass „Linke“ aus dem gleichen Holz geschnitzt seien wie „Rechte“ – mit dem einen Unterschied, dass die Rechten die Millionen haben, die die Linken dann für sich wollen … für sich allein und ganz persönlich. Kein Wunder, dass die Arbeiterschaft solchen Typen die Gefolgschaft verweigerte … wirkt wie das Gleiche in grün. Und die Geschichte der „Grünen“ zeigt, dass er nicht ganz so falsch lag mit der These: die haben ganz vorzügliche Lumpen hervorgebracht, die nun fleißig mitkassieren.

Madame Che hat viel Arbeitserfahrung, konnte auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken, das Höhen und Tiefen hatte – also ein rundum vollständiges Leben, das geeignet ist, Charakter zu bilden. Und dann kam – in einer Notsituation aufgrund ausbleibender Spendengelder für den damaligen Arbeitgeber (Umweltschutz) – ein rettender Engel, ein Millionär mit einem Superangebot: ansprechender Job, Wohnung in feinster Wohnlage, viel Hilfe und Unterstützung … man hätte meinen können, es gäbe noch Gutes in der Welt. Ein willkommenes Angebot auch: immerhin verpflichtet die deutsche Sozialgesetzgebung uns inzwischen ja auch, jeden Arbeitsmist begeistert und himmerhochjauchzend anzunehmen – sonst drohen potentiell todbringende Sanktionen. Nach kurzer Zeit jedoch … verfinsterte sich das Paradies. Die fortlaufenden sexuellen Belästigungen, die Demütigungen, Beleidigungen, die entwürdigende Behandlung durch den „Retter“ waren nicht im Vertrag erwähnt worden. Manches davon habe ich persönlich am Telefon miterleben dürfen – das war schon weit jenseits jeglichem normalen Sozialverhaltens. Der Arbeitgeber war nicht nur Vermieter, sondern auch Nachbar, so dass der Terror kein Ende nahm. Eine von vielen Geschichten, wo „Arbeitgeber“ (schon das Wort ist ein Hohn, denn wer da Arbeit gibt, ist die andere Seite, korrekterweise müsste man von Geldgebern sprechen – und Ausbeutern, denn: ohne Ausbeutung keine Rendite) schamlos ihre Macht missbrauchen, um ihre psychischen Absonderlichkeiten straflos an anderen ausleben zu können.

Hat man nicht nur Mitgefühl für Menschen, sondern ist auch noch des Mitleides fähig (d.h. man spürt das Leid so, als würde es einem selbst zuteil werden), lassen einen solche Geschichten nicht ruhig schlafen. Erst recht nicht, wo ich in anderen Fällen (über die hier auch schon geschrieben wurde) schon mehrfach erfahren durfte, dass die Lumpenqoute im Land auch unter den Armen zunimmt – sexuelle Dienstleistungen der Hilfebedürftigen werden wohl inzwischen als absolute Selbstverständlichkeit angesehen – eine Folge der Liberalisierung von Prostitution, die halt dazu führt, dass Mann Frauen generell eher als Ware begreift, an der man sich – gegen Kost und Logis – ungebremst bedienen darf.

Es dauerte einige Zeit, bis eine mögliche Lösung gefunden wurde (und weitere Angebote Job gegen Sex eintrudelten, sogar eine Abteilungsleitung in einem Weltkonzern wurde da in Aussicht gestellt): vor Ort gab es eine Existenzmöglichkeit. War mir selbst mal angeboten worden … nur kann ich halt nicht mehr lange Auto fahren. Aber – geht ja auch anders. Einfach mal die Leute miteinander bekannt gemacht – sah gut aus.

Dann kamen auch wieder rettende Engel, wichtige Menschen von einem kleinen Lokalradio, die sich ganz begeistert zeigten und sogar eine begrenzte Festanstellung anboten, Firmenwagen und ein super Betriebsklima … und das, während die Situation im fernen Brandenburg täglich eskalierte: täglich Sexvideos vom Chef auf dem Handy, begleitet von Kommentaren „du bist doch nur zum F(x)cken gut“, Besuche vom Millionär im Bademantel (und sonst nichts), die nebenbei belegten, dass auch Deutschlands alternde Elite unangenehm riecht, wenn sie eine Woche lang Dusche und Bad meidet, steigende Agressionen und Beleidigungen gegen die nicht willfährige alleinstehende Frau … nun, es kam zu einer regelrechten Flucht ins noch üblere Elend, nur mit Haustieren und Handgepäck. Noch übleres Elend? Nun – die feschen Leute vom Radio (grausigste Musik, umgebende von stümerhaftesten Programm) wurden schlagartig anders, als die zukünftige Mitarbeiterin vor Ort war. Natürlich gab es keinen Arbeitsvertrag. Keinen Firmenwagen. Ein Angebot für freiberufliche Mitarbeit (unter unmöglichen Bedingungen) wurde schnell wieder zurückgenommen (wir prüfen gerade, ob wir die Geschichte nicht mal separat veröffentlichen). Vor Ort ließ sich zwar schnell eine Notunterkunft bei einem hilfreichen Mitmenschen organisieren … doch das würde auch nicht von Dauer sein.

Nach vier Wochen war klar: da wollten kleine Leute mal ganz wichtig spielen …. und vernichteten nebenbei eine Existenz.

Die Ereignisse … hatten üble Folgen. Nennt man glaube ich … Depressionen. Übelster Art. Möchte ich nicht im Detail beschreiben.

Die finanziellen Mittel, die wir vor Ort leihweise organisieren konnten, sind völlig erschöpft, an Arbeit ist momentan nicht zu denken – was den Aufbau einer neuen Existenz in weite Ferne rücken läßt. Äußerst unangenehm für einen Menschen für Madame Che, die zu den Menschen gehört, die sich über Arbeit definieren – und von Vorstandssekretärin bis zur Klofrau schon alles mal gemacht hat … und auch wieder machen würde. Wird nun auch eng für die Tiere – die langjährigen Begleiter und treuen Weggefährten, die über die vielfältigen Enttäuschungen mit der Gattung Mensch hinweg trösteten.

Gestern nun – nach drei Monaten Überlebenskampf in der Eifel – kündigte Madame Che nun an, dass sie sich das Leben nehmen wird … wenn sie nun auch noch ihre Tiere verliert. Ernst. Nüchtern. Unaufgeregt. Eine kalte, rationale Bilanz gezogen, Ergebnis präsentiert. Nicht hysterisch, nicht verzweifelt, sondern das Ergebnis völliger Verzweiflung. Gibt keine Kinder oder Menschen, auf die man noch Rücksicht nehmen müsste. Der ganze Hausstand ist noch im Osten, die Wohnung dort gekündigt – aber in Folge der Depression und des völligen Kontaktabruchs zum sozialen Umfeld hier kaum noch zu retten.

Was wir vor Ort leisten können, haben wir getan, nur: der eigentliche Job, der hier möglich wäre, wird erst spät Geld einbringen – wenn man die Arbeit leisten kann. Sieht kaum so aus, als wäre das möglich.

Ein schmales Licht der Hoffnung?

Das unter den Menschen, die dies lesen, vielleicht noch Menschen sind, die der allgegenwärtigen Lumperei entsagen.

Was gebraucht wird?

Menschen, die in Trebbin/Brandenburg einen LKW voll laden. Ach ja – einen LKW brauchen wir auch. Fahrerin hat sich bei uns schon gemeldet – nur kann die nichts tragen. Und hat keinen eigenen Laster mehr. Ausladen kriegen wir hier hin. Ach ja: Geld … wäre auch gut. Auch wenn es mir sehr schwer fällt, dies zu schreiben. Ich kann momentan nicht garantieren, dass es zurückgezahlt werden kann. Eine Führung zum Friedhof jedoch – kann ich zusagen. Würde es allerdings gern vermeiden.

Es fehlt Geld zum Essen für die inzwischen extrem abgemagerte Frau. Und Geld für Tierfutter. Dies per Post zu verschicken … ist betriebswirtschaftlich wegen Porto unsinnig. Was aber am meisten fehlt ist … der Glauben an die Mitmenschen. Ihre eigenen Worte. Nach drei Jahren Psychoterror war dies hier die Erfahrung, die den Rest gegeben hat. Bitter, so etwas bei einem Menschen zu lesen, der … immer für andere da war.

Gerne würde ich jetzt einfach eine Kontonummer angeben …. mit dem Hinweis: eilt riesig. Nur hat man mich davor gewarnt: scheint ziemlich gefährlich zu sein, Kontonummern öffentlich zu stellen, wusste bislang nicht, dass dann jeder Lump der Bank Einzugsermächtigungen schicken kann, die die nicht überprüfen … aber bedienen. Lumpenelite im Räuberstaat unter sich, halt.

Wer sich davon angesprochen fühlt, kann sich mit mir selbst in Verbindung setzen:

Eifelphilosoph@Nachrichtenspiegel-online.de

Werde nicht jede Mail sofort beantworten können – kriege jetzt schon 50 Stück am Tag. Vielleicht … schaffen wie es zusammen, ein Leben zu retten. Diesmal jedoch … ist es sehr eilig. Sehr sehr eilig.

Und bitte keine Ratschläge … Schläge … sind gerade äußerst kontraproduktiv. Taten sind nun gefragt, nicht Worte. Mitfühlende Worte jedoch … können ausgedruckt und überreicht werden. Weiß nicht, wann ich das zeitlich noch hinkriegen soll … aber das ist ja dann mein Problem.

Aber Stellenangebote – ja, die wären auch sehr willkommen. Wenn man berücksichtigt, dass hier jemand ein Weilchen brauchen wird, um wieder auf die Beine zu kommen.

Und vielleicht … schaffen wir es, in diesen wahnsinnigen Zeiten wenigstens einen Menschen zu retten. Kenne Madame Che ja jetzt auch persönlich … ist schon ein ganz feiner Mensch davon. Mehr von ihr, weniger von den Lumpen: dies wäre ein Land, in dem jeder gut und gerne leben kann.

Jeder – und alle.

 

 

Der Kapitalismus und seine Roll-Back-Offensive: Geld gegen Leben

Montag, 6.3.2017. Eifel. Ich würde heute gerne mal über die Gegenwart reden. Eine Gegenwart, von der ich meine, dass sie nicht vollständig begriffen wurde, beziehungsweise nur unvollständig beschrieben wird. Diese Unvollständigkeit hat natürlich einen Sinn: sie nimmt uns die Kraft zum Handeln, weil unsere Weltbilder mangelhaft – oder eben völlig falsch sind. Es hat alles auch mit Mus zu tun – also mit Brei, aber nicht aus Obst. Sozialismus, Faschismus, Feudalismus, Katholiszimus, Protestantismus, Demokratismus …. nein, den letzteren gibt es gar nicht. Das heißt: es gab ihn lange nicht, weil er keinen Sinn machte. Im Laufe des Niedergangs des demokratischen Gedankens kam auch dieser Begriff auf: abwertend wie die anderen (siehe Duden) als formalistische Übertreibung demokratischer Verfahrensweisen. Macht im ersten Moment wenig Sinn – und scheint somit nur ein Kampfbegriff zu sein, um den demokratischen Begriff zu entwerten, denn: Bürokratismus würde ja die Fehlerstellen demokratischer Systeme schon hinreichend genug beschreiben.

Warum geht es bei dem Mus? Um Herrschaft.

Im Sozialismus herrscht die Arbeiter- und Bauernklasse, unschön für das Lumpenproletariat: jene Sozialschmarotzer gelten als Feind des Sozialismus, Marx beschrieb sie wie folgt (siehe Wikipedia):

„zerrütteten Lebeherren mit zweideutigen Subsistenzmitteln und von zweideutiger Herkunft, verkommene und abenteuerliche Ableger der Bourgeoisie, Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen ‚la bohème‘ nennen“

Heute wären das: Hartz IV-Empfänger und Niedriglöhner. Menschen, aus denen wahrlich kein Cent mehr herauszupressen ist. Manche … waren nur von den Galeeren geflohen, wurden aber vom Sozialismus gleich als Staatsfeinde angesehen und der Arbeitspflicht unterworfen, um Kapitalerträge zu sichern und zu mehren.

Im Faschismus herrscht die Anbetung der nackten Gewalt, das ungebrochene Recht des Stärkeren über die Schwächeren, die es mit allen Mitteln auszumerzen gilt: wie zum Beispiel die Slawen. Gut – die sind nicht ausgerottet worden wie die Juden, aber auch nur, weil die Faschisten den Krieg haushoch verloren hatten. Sonst wären sie – allein aufgrund ihrer Schwäche, hinreichend Rendite für die Zinserwartungen des Kapitals zu erwirtschaften – auch ausgerottet worden … jedenfalls die Minderleister unter ihnen.

Im Feudalismus herrscht eine auserlesene, von Gott berufene Elite über die Untermenschen, die Kaste der Besitzenden hat sich soweit organisiert, dass sie alle Staatsgewalt im Griff hat und sich ihren Reichtum direkt von den Feldern ihrer Bauern holen kann. Im Katholiszismus – mit dem Feudalismus damals personell eng verbunden – herrscht Gottes Sohn als Papst persönlich. Der Feind sind all´ jene, die keine Kirchensteuer entrichten: die Ungläubigen. Sie werden gerne von den Höfen gejagt.

Und der Kapitalismus? Nun … wie wir jetzt bemerkt haben könnten, steht er als treibende Kraft hinter allem, ist eine eigenständige Regierungsform, die nur als solche nicht ausdrücklich behandelt wird. Ja: gruselig, oder? Die ganzen Mus-Bewegungen der letzten Jahrhunderte hatten alle einen gemeinsamen Meister, einen einzigen Herren, der erst sehr spät – nach der französischen Revolution – offen zu Tage getreten ist und heute die ganze Welt beherrscht – wobei ihm egal ist, welche Religion oder welchen politischen Glauben seine ausführende Dienstklasse hat. Schlimm am Kapitalismus: hier unterwirft sich die Menschheit dem Unmenschlichen, dem Geld (bzw. dem größten Geldhaufen), Geldwerte übertrumpfen Menschenrechte, ein künstlich geschaffenes Ding (Geld) übernimmt die Herrschaft über die Menschheit – und die Menschheit beugt sich. Ein Skandal für die „Aufklärung“ seit den Zeiten der griechischen Philosophie: die Götter, die wir abgeschafft haben, sind wieder zurück: die dunklen, bösen, nutzlosen Idiotengötter, die den finstersten Abgründen des menschlichen Geistes entsprangen.

Hört sich schaurig an, oder?

Ist aber wahr. Ich wage auch die Vermutung – wobei ich ein durchaus positives Menschenbild offenbare – dass Auschwitz ohne Kapitalismus gar nicht denkbar wäre: es braucht schon eine unmenschliche Kraft, die als Herrscher anerkannt wird, um solche kalten Orgien der Massenvernichtung durchzuziehen. Und wer sich in den Werken des Historikers Götz Aly mit der Genese der Massenvernichtung im Nationalsozialismus beschäftigt, wird merken, das Kapitalrendite das zentrale, alternativlose Argument für die Massenvernichtung unwerten Lebens war, die natürlich nicht nur die Juden betraf (treue Diener eines Gottes, der – auf dieser Interpretationsebene – der natürliche Feind des Moloch „Geld“ war, weil er Menschen seiner Herrschaft entriss – und zudem offen forderte, dass es keine anderen Götter neben ihm gab; erst recht kein Goldenes Kalb, um das man den ganzen Tag orgiastisch tanzte), sondern alle, deren Arbeit nicht genug Rendite abwarf – mögen sie auch noch so blond, blauäugig und superarisch gewesen sein: wer nicht schuftet bis zum Untergang, ist wertlos. Kennen Sie vielleicht aktuell aus Ihrer Firma.

Merken Sie langsam, wie es Ihnen kalt den Rücken herunterläuft? Nun – zurecht. Wir hatten Revolutionen, Umstürze, Staatsneugründungen, doch eins blieb über 600 Jahre stabil: die reichen Familien Hierzu gibt es eine Studie aus Florenz (siehe Welt), die Rückschlüsse auf die Verhältnisse in anderen Ländern zuläßt. Mammon hat alle geschichtlichen Turbulenzen unbeschadet überstanden, auch wenn der Reichsgraf mancherorts Politikkommissar oder Gauleiter hieß. Und diese Familien planen langfristig, über Generationen hinweg, wobei Heirat eines der zentralen Mittel der Machtvernetzung ist. Gut: 1789 gab es einen kleinen Rückschlag, 1917 auch, ebenso 1949. Aber Rückschläge spornen die Hohepriester des Mammon ja nur an – und das ist, was wir gerade erleben: die Operation Rollback der Kapitalfürsten, die all die vielen Erfolge wieder zurückdrängen will zugunsten eines Systems, in denen ihre Gefolgsleute die politische Macht ausüben … eine Macht, die sie selber gar nicht haben wollen, weil ihnen jede Form von Arbeit, die nicht auf Partys, Bällen und Empfängen erledigt werden kann zuwieder ist.

Ich weiß: schon wieder viele Worte gemacht. Doch bleiben Sie am Ball, denn jetzt: geht es um Sie. Es geht um die flächendeckende Vernichtung von „Familie“ als solche – ein erster Vorbote der kommenden Vernichtungsorgien, ohne die der Kapitalismus letztlich nicht seine Wachstumsraten erzielen kann. Nein – das sind jetzt keine Geheimnisse von Verschwörungstheoretikern, das sind Fakten, die man bei der Bundeszentrale für politische Bildung findet:

„Die Familienpolitik will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. Klingt gut. Doch der Politik geht es nicht um die Familien, sondern um die Wirtschaft, findet der Journalist Rainer Stadler. Die Politik versuche die Familien den Bedingungen des Arbeitsmarktes anzupassen – mit der Folge ganztagsbetreuter Kinder. Das gilt vielen als alternativlos – Kritik daran, gilt rasch als reaktionär.“

Die Familie … das war mal die Keimzelle der Gesellschaft. Noch nicht mal die kann unser Staat noch schützen. Die Familie wird „wirtschaftskompatibel“ gemacht – im Sinne der Rendite:

„Diese Denkweise hat sich bei den Familienpolitikern aller im Bundestag vertretenen Parteien durchgesetzt. Niemand kommt mehr auf die Idee zu fragen: Ist es wirklich familienfreundlich, eine Infrastruktur zu schaffen, deren Zweck vor allem darin besteht, die Familie den ganzen Tag voneinander zu trennen? Ist es wirklich sozial, Betreuungseinrichtungen 24 Stunden am Tag zu öffnen, damit alleinerziehende Mütter spätabends an der Supermarktkasse sitzen oder ihre Nachtschicht als Krankenschwester ableisten können?“

Diese Kinder haben keine Eltern mehr, sie haben Ernährer. Gemeinsames Leben, gemeinsames Lernen, Lachen, Spiel, Spaß, Liebe, Verbundenheit, Verantwortung, füreinander da sein – alles unnütze Beschäftigungen des Lumpenproletariats, der Bohéme, die mit dem Todfeind des Kapitalismus kokettiert: dem Anarchokommunismus, der sich urchristlicher Lehren bedient, um dem Leben jenseits von Macht, Herrschaft und Ausbeutung wieder ein Maximum an Lebensqualität zu verleihen.

Wir marschieren während der Rollbackoffensive des Kapitalismus wieder direkt in die ältesten aller Herrschaftsformen: wo acht Menschen mehr besitzen als die Hälfte der Weltbevölkerung (siehe Spiegel), da sind die alten Gottkönige Ägyptens, die Pharaonen, nicht mehr weit entfernt. Würde mich nicht wundern, wenn es bald Schreine für diese acht Leute gibt, wo man zu ihnen beten kann, um auch ein Stück von ihrem Segen zu erhalten. Die hochachtungsvolle Verehrung von „Promis“ wird ja in unseren Medien schon ausufernd praktiziert – das muss man nur noch weiterdenken.

Es ist wichtig, dass Sie sich das klar machen, denn: ihre Laune hängt direkt davon ab, ihre Resillienz, ihre Widerstandsfähgikeit gegen Propaganda – da liegt der erste Schritt zum Widerstand begründet dass man „Nein“ sagt zum Weltbild des Kapitalimus, „Nein“ zur Vernichtung von Mensch und Umwelt, „Nein“ zu allen Götzen, die sich zum Herrscher über die Menschheit aufschwingen wollen. Ihr persönliches Weltbild hängt direkt mit der Bewertung Ihres Lebens zusammen. Darüber wird wenig gesprochen – weil der Kapitalismus uns ein düsteres Weltbild aufgezwungen hat, das wir kritiklos hinnehmen, ohne zu bemerken, wie sehr uns das den Wind aus den Segeln nimmt.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Christentum (nicht dem Katholizismus – wohlgemerkt). Der Christ – also: Jesus persönlich – lebt in einer „gefallenen Welt“. Passiert da ein Unglück – ist das normal, liegt nicht am Individuum, sondern an der Grundstruktur einer unperfekten Welt, in der es halt Erdbeben, Raubtiere und Schnupfenviren gibt, die nicht nach der Pfeife des Menschen tanzen. Sie regen sich in einem solchen Weltbild nicht sonderlich über Misserfolge auf: die sind die normale Basis einer gefallenen Welt, in der alles schiefgeht, was nur irgendwie schief gehen kann. Was predigt hingegen des Kapitalismus (in verschiedenen, durchaus auch als „Esoterik“ getarnten Philosophien): geht etwas schief in Deinem Leben, dann … bist Du persönlich falsch, denkst falsch, fühlst falsch, lebst falsch, bis minderwertig – ein Minderleister. Die Welt des Kapitalismus ist durchweg superheil. Machen Sie einfach mal ihren TV-Empfänger an: die Botschaft verfolgt sie täglich mehrfach auf allen Kanälen, vor allem in der Werbung. Klar: wenn die Welt superheil ist, dann … nun, dann können bei Misserfolgen ja nur SIE schuld sein. Anstatt also mal über die Umstände nachzudenken, beschäftigen Sie sich nur mit sich selbst und der Kernfrage ihres Lebens: wie absolut ungenügend ihre ganze Existenz doch nur sein kann, weil Sie noch kein Milliardär sind.

Wie der Katholizismus braucht auch der Kapitalismus ein besonderes, beängstigendes Weltbild. Drohte der Katholizismus mit der Hölle, in die die Seele nach dem Leben fallen kann, droht der Kapitalismus mit etwas noch viel schlimmerem: der endgültigen, absoluten Vernichtung am Ende ihres Lebens. „Leben“ … wird dogmatisch begrenzt auf die Zeit zwischen Geburt und Tod – und Sieger ist, wer am Ende des Lebens am meisten Geld zusammengerafft hat. Da der Geldkreislauf ein geschlossenes System ist, kann man es nur von anderen raffen. Das ist jetzt kein Kommunismus, das ist reine Physik. Dieser dogmatische Lehrsatz -„Sinn des Lebens ist, als Milliardär zu sterben“ – ist der Kern des Kapitalismus, die Basis seines Glaubenssystems. Wer es schafft, am Ende seines Lebens Privatjets, einen Park mit Luxussportwagen, große Yachten und private Schlösser vorzuweisen, der … hat es geschafft. Der ist der Gewinner. „Wer wird Millionär“ – ist der zentrale Antriebssatz dieses Systems … „wer wird glücklich“ ist eine Frage, die nur am Rande gestellt wird, „wessen Leben ist sinnvoll“ wird gar nicht mehr gestellt – bzw. im Sinne des Kapitalismus alternativlos beantwortet: sinnvolles Leben ist jenes, dass dem Chef Gewinne in die Kassen spült.

Wie der Katholizismus hat der Kapitalismus auch seine Inqusitoren aufgestellt, deren Hauptaufgabe es ist, Hexen zu verbrennen bzw. das Volk dazu aufzustacheln, dies zu tun. Unsere modernen Inquisitoren nennen sich u.a. GWUP und Psiram, ihre Aufgabe ist klar definiert: alle Abweichler von der Lehre des Kapitalismus (bzw. seiner wissenschaftlichen Basis des dogmatischen Materialismus des 19. Jahrhunderts unter Ausklammerung aller Fortschritte der Physik in den letzten zweihundert Jahren) zu verbrennen – oder zumindest verbal so übel anzugehen, dass niemand mehr mit ihnen zu tun haben möchte, der nicht selbst in den Fokus des Hasses und des vernichtenden Spotts gegen Andersdenkende kommen möchte.

Die Rollbackoffensive des Kapitalismus läuft auf breitester Front, reicht tief in ihr Privatleben hinein – und wird auch in den nächsten Jahren Konsequenzen für Ihre materielle Versorgung haben – sofern Sie nicht das Wunder verbringen, jedes Jahr noch schneller zu rennen, um ihre vom Chef gesetzten Ziele zu erreichen. Schauen wir hierzu mal nach Griechenland, jenem Land, das wir ja unter fürchterlichen Opfern so großzügig gerettet haben. Ganz offen berichtet die Süddeutsche Zeitung von der drohenden völligen Vernichtung Griechenlands, die jedermann kalt läßt, weil es sich nach dem kapitalistischen Weltbild um wertlose Existenzen handelt, die kein Lebensrecht haben – womöglich, weil sie sich auch der völligen ökonomischen Verwertung ihrer Familien entzogen haben. Es findet eine unglaubliche Hatz nach den letzten Resten Bargeld im Lande statt (bzw. eine komplette Entwertung noch versteckter Bargeldreservern, die das Überleben sichern sollten): wer nicht bargeldlos zahlt, wird bestraft (siehe Focus). Sie können sich gerne bei Reuters über die konkreten Auswirkungen der Armut informieren: zwei Packungen Nudeln im Monat müssen reichen. Das ist momentan der Standard in einem EU-Land, das zudem die Wiege der europäischen Kultur war. Und wir reden den ganzen Tag über Trump und Putin, während EU-Bürger nur noch dahinvegetieren.

Wir können in Deutschland noch nicht mal über Armut reden – über unser eigene Armut. Kaum gibt es einen Armutsbericht, der zeigt, wie die griechische Armut nach Deutschland kommt, schon stehen jene auf, die im Schulterschluss die Vernichtung der Familie im Dienste des Kapitals beschlossen haben und stellen den Bericht in Frage (siehe FAZ), dabei ist schon der Tagesschau zu entnehmen, dass die Armen in Deutschland für das zehn Jahre längere Leben der Reichen bezahlen … ja es sogar – wie bei den alten Pharaonen – mit ihrem eigenen Leben bezahlen. Unsere Wirtschaftsform – die, genau genommen, eine Herrschaftsform ist, tötet Menschen – sagt sogar der Papst (siehe Süddeutsche), die große Offensive des Kapitalismus drängt sogar ihre alten Dienstleister an den Rand. Und hören Sie bitte auf, vom „Neoliberalismus“ zu reden – dieser Begriff täuscht nur vor, es gäbe eine schlechte Form von Kapitalismus … und adäquat dazu irgendwo eine gute Form. Neoliberalismus ist nur das Codewort für Kapitalismus in der Offensive, eine Offensive, die ihm wieder – nach 200 Jahren Schmach und Heimlichkeit – die absolute Oberherrschaft über die Menschheit zurückgeben soll.

Ich möchte Ihnen einen Artikel ans Herz legen, der aufzeigt, dass „die Reichen die wahren Sozialschmarotzer“ sind, ein Artikel, der aufzeigt, in welcher Realität wir gerade leben (siehe Heise):

„Die sozialversicherte Arbeit ist zerstört worden und je weniger man für Arbeit bezahlen muss, umso mehr Profit wird gemacht. Das alles wird nebenbei von den Steuerzahlern finanziert – etwa für Subventionen, Steuererleichterungen und die Zahlung von Hartz IV-Regelsätzen für Berufstätige, die nicht von ihrem Lohn leben können. So bezahlen die Arbeitnehmer für den Abbau ihrer eigenen Rechte, damit die Shareholder dann alles, was die anderen geleistet und erarbeitet haben unter sich aufteilen können.“

Das ist unsere Gegenwart: die Vertreibung von unseren Höfen. So herrschte Feudalismus, Sozialismus, Faschismus im Dienste des Kapitalismus, der mit seiner Geldmacht gerade die schwachen Demokratien zerdrückt oder gleich ganz aufkauft: wir werden von unserer Lebensgrundlage abgeschnitten – vom freien Zugang zum Warenfluss mittels Geld, besser gesagt: von der Ernte unserer Höfe. Da ist historisch das finstere Mittelalter nicht weit hinter uns – wir sind mitten drin, als Flüchtlinge, die täglich ängstlich auf den Briefkasten schauen, ob dort nicht jene Rechnung kommt, jene Kündigung, jene finanzielle Forderung, die uns endgültig auf die Straße treibt. Ganz ungünstige Voraussetzungen für eine Revolution, momentan können wir nur flüchten vor jenen „Mächten und Gewalten“, die sich gerade zurückholen, was sie dereinst verloren hatte. Deren Macht ist inzwischen so groß, dass sie – um nur ein Beispiel zu nennen – ihre ehedem profitablen Ölbohrplattformen vom Steuerzahler abreißen lassen (siehe Tagesschau) anstatt ihren Müll selbst zu entsorgen.

Und eigentlich … können Sie sogar froh sein, wenn Sie ihre drei-Zimmer-Wohlstandsblase in der Innenstadt verlieren, denn genau betrachtet, sind diese Zellen die Motoren der Umweltvernichtung … achten Sie einfach mal drauf, wie viel Müll sie monatlich produzieren. Aktuell hat diese Erkenntnis eine Umweltschützerin zur Aufgabe gebracht, sie hat einen lesenswerten Abschiedsbrief geschrieben, der uns zum Kern unserer persönlichen Existenz im Kapitalismus führt (siehe Umwelt-Watchblog):

„Das, was ich als Ausweg sehe, ist nicht populär. Unser Lebensstil, der nur auf exzessiven Verbrauch aller erreichbaren Güter ausgerichtet ist, muss sich ändern. Wir haben nicht so viel Energie zur Verfügung, wie wir brauchen, um weiterhin alles so zu tun wie wir es derzeit tun. Ein Anfang wäre die umfassende, ehrliche Aufklärung und Information über das, was derzeit geschieht und nicht zukunftsfähig ist.“

Und was gerade geschieht, ist: wir sind alle Teil eines Molochs, der unsere Lebensgrundlage vernichtet. Der Moloch heißt Kapitalismus – und er ist in der Offensive. Also bitte nicht groß wundern, wo die großen Demonstrationen für Frieden und Gerechtigkeit bleiben: wo feindliche Offensiven ihre Opfer durchs Land jagen, ihnen die Höfe nehmen, die Würde, die Freude, die Freiheit (auch die, zwischen konkurrierenden Weltbildern das für sich selbst zu wählen, in dem man sich am wohlsten fühlt), sind erstmal zu wenig Ressourcen für effektiven Widerstand vorhanden. Wir müssen erstmal mit der Erkenntnis leben, dass wir selbst Teil der Offensive des Geldes gegen das Leben sind – etwas, was ich immer merke, wenn ich meinen Plastikmüll herausbringe … und mir bewusst werde, dass ich gerade meinen Teil an der Vernichtung der Lebenswelt meiner Kinder und Urenkel beitrage. Ja – schauen Sie sich mal die Studie über PCB-Belastungen in ihren Wohnungen an: da leben Sie vegan, rauchen nicht, treiben regelmäßig Sport … und kehren jeden Abend in eine krebserregende Gifthölle zurück, der sie gar nicht entkommen können (siehe Stuttgarter Zeitung) – an der aber viele andere gut Geld verdienen.

Schlimm, wenn man über Kapitalismus redet und merkt, dass man auch selbst Teil seiner Offensive „Geld gegen Leben“ ist. Aber – um das nochmal zu erwähnen:

Ein Anfang wäre die umfassende, ehrliche Aufklärung und Information über das, was derzeit geschieht und nicht zukunftsfähig ist.

Und wenigstens daran könnten Sie teilhaben.

 

 

 

Der stille Tod des deutschen Bürgertums – eine Antwort an Jakob Augstein

Montag, 19.12.2016. Eifel. Ja, du meine Güte: da ist ja was los in dem Land! Endlich mal Aktion, endlich kommt mal die große Gefahr vor der alle gewarnt haben, endlich – nach jahrzehntelanger vergeblicher Warnung – ist der Feind da, das Böse, das Ungeheuer. Nein – ausnahmsweise ist es mal nicht Putin. Der steht immer noch Synonym für den „Gottseibeiuns“ (neudeutsch und respektlos: Satan, Teufel, Beelzebub), ist aber momentan nicht „in“. In den feinen, gebildeten, sich selber aus unergründlicher Anschauung als „irgendwie links“ verortenden Schichten der gutbürgerlichen Kreise, die alle Moralforderungen der Obrigkeit punktgenau erfüllen, wird ein neuer Teufel diskutiert – ein Teufel, der das Ende des Bürgertums signalisiert.

Bürgertum? Nun – kaum jemand weiß noch, was das ist. Kurz erklärt: es gab mal eine Zeit, da gab es Herren und Sklaven – den Adel und den Rest. Von dem Rest kamen einige auf die Idee, Städte zu bauen, Städte, die mächtiger waren als Burgen. Von „burga“ (Schutz) leitete sich auch das Wort ab: die Stadtbewohner waren so mächtig, dass sie sich gegenseitig Schutz vor den Kriegsknechten des Adels geben konnten, ja, sie konnten sogar Armeen aufstellen, die den Adel im Feld schlugen. Diese Ideen fanden viele so toll, dass das Bürgertum dann auf den Staat ausgedehnt wurde. Es war natürlich ein beschränktes, elitäres Bürgertum. Damals wie heute – und wie auch schon in Griechenland und im alten Rom – war Reichtum ohne Sklaven oder Tagelöhner (heute:  Niedriglöhner mit kurzer Kündiungsfrist) nicht denkbar.

Ja – nun schauen Sie nicht so: Ihr Eigenheim, Ihr SUV, Ihre Jahresurlaube, Ihre Flut an teuren Weihnachtsgeschenken, Ihre energieintensive Weihnachtsbeleuchtung, Ihre Maßanzüge wären nicht denkbar ohne eine breite Sklavenkaste, die für wenig Geld viel Arbeit leistet. Über ein paar von ihnen hat der WDR berichtet (siehe „Wir Sklavenhalter“, ARD), Millionen anderer, die nur Dank rot-grünen Niedriglohnsektors in bitterer Armut leben, sind da noch nicht mal erwähnt. Nicht in absoluter Armut, da haben Sie Recht, aber in „bitterer“ – weil sie politisch gewollt und verordnet ist, weil unsere feine Gesellschaft ein Drittel der arbeitenden Menschen in finsterer Knechtschaft hält, um sich ihre luxuriösen bürgerlichen Privilegien weiter gönnen zu können – vor allem das oberste Privileg: auf andere herabschauen zu können, um nicht zu merken, wie bescheiden es ihnen selber geht. Dabei machen auch die neofeudalen Kreise in Politik, Konzern und Verwaltung gerne mit: so spaltet sich ein Volk selbst.

Doch kommen wir erstmal zum nächsten Teufel – dem Trump, der Teufel aus dem Westen, der schon signalisiert hat, dass er mit dem Teufel aus dem Osten gut klar kommt. Die Stimme des deutschen seichtlinken Gewissens hat sich hier zu Wort gemeldet: Jakob Augstein, Mitbesitzer des Hassblattes „Spiegel“, klärt uns über die Gefahren auf (siehe Spiegel):

„Donald Trumps Kabinett könnte aus einer linken Parodie stammen – Militärs und Milliardäre übernehmen die Macht. Karl Marx hatte doch recht: Dem bürgerlichen Zeitalter droht das Ende.“

Schön ist auch die Begründung:

„Donald Trump ist noch gar nicht Präsident – und schon straft er alle Kritiker Lügen: Dieser Mann ist nicht so schlimm wie befürchtet, er ist schlimmer. Sein Kabinett, so weit es bislang feststeht, sieht aus wie der wahr gewordene Albtraum eines linken Sozialkundelehrers: Jedes linke Vorurteil über „Staatsmonopolkapitalismus“ und „militärisch-industriellen Komplex“ wird wahr. Militärs und Milliardäre übernehmen im Herzen der westlichen Welt die Macht.“

Jetzt haben wir endlich den Verantwortlichen gefunden: der Trump wars. Der Trump hat deutsche Soldaten weiter geschickt, als sich Hitler je erträumt hätte, der Trump hat die gigantischen Hedgefonds auf die kerngesunde Wirtschaft losgelassen, der Trump hat den Niedriglohnsektor befohlen. Das Ergebnis:

„Das bürgerliche Zeitalter kommt an sein Ende.“

Wegen Trump, der noch gar nicht im Amt ist – und – für einen deutschen Linken kaum verständlich – auf sein Präsidentengehalt verzichtet. Warum auch nicht: er ist zum Aufräumen angetreten, nicht zum Abkassieren.

Manche sind da weiter im Verständnis der Zusammenhänge (siehe Heise):

„Weder in den USA noch in Großbritannien hat ausschließlich die weiße Unterschicht – von den „Oberen“ verächtlich „white trash“ genannt – entgegen den Erwartungen abgestimmt. Insbesondere in den USA hat sich auch die US-Mittelschicht nicht für Trump sondern oftmals gegen Clinton und das damit verbundene sogenannte „Establishment“ entschieden. Trump wurde nicht zum Präsidenten gewählt, weil er so ein toller Hecht ist, sondern weil die Menschen es satt haben, dass sich das oberste Prozent der Bevölkerung ausschließlich um sich kümmert und sich gnadenlos bereichert, während der Rest auf der Strecke bleibt und obendrein für dumm verkauft wird.“

Es sind die Autoren eines Spiegel-Bestsellers, Matthias Weik und Marc Friedrich, die uns über die Widergeburt des trumpelnden Teufels aufklären – und auch darüber, warum unsere feine „Elite“ davon überhaupt nichts mehr mitbekommt.

„Wer jedoch jeden Andersdenkenden als dumm oder als etwas noch schlimmeres und jeden sozial schlechter Gestellten als faul bezeichnet und sich parallel völlig realitätsfern zumeist auf dem Parkett schicker Hotels und Wohngegenden, exklusiver Events und Businessclubs, hipper Bars und Nobelrestaurants oder auf Golf- beziehungsweise Tennisplätzen bewegt (und vorzugsweise in der Business oder First Class eincheckt) wird auch zukünftig von den kommenden demokratischen Wahlen in der westlichen Welt „überrascht“ werden.“

Ein einziger Satz – und jedem kann klar werden, dass unsere Funktionärselite in einer Paralellgesellschaft lebt, die weit entfernt von der politischen Realität der ehemaligen „Bürgers“ ist. Man versteht die politischen Bewegungen auf einmal … und wer noch Geschichte in der Schule gelernt hat, der weiß: der „starke Mann“ kommt immer dann, wenn die „Eliten“ völlig pervertierten, ihren Reichtum protzend zur Schau trugen – und für die Normalvernunft nicht mehr nachvollziehbare politische Entscheidungen trafen.

Darf ich dem Herrn Augstein mal etwas über die gesellschaftlichen Realitäten erzählen – die auch von rot-grün in Szene gesetzt wurden?

Gern.

Dank feudaldeutscher Sozialgesetzgebung gibt es in Deutschland inzwischen „Bürger“, die – per Anordnung der Staatsgewalt – von 90 Euro im Monat leben müssen; NEUNZIG – in Worten. Reicht noch nicht mal für ein Essen in jenen Etablissements, in denen unsere Funktionärselite so gerne speisen geht. Strom und Telefon sind da nicht mehr möglich, Heizkosten und Wasserkosten werden da zum tödlichen Risiko (siehe Huffingtonpost). Diese Risiken sind auch hauptverantwortlich für den 35-prozentigen Anstieg von Obdachlosigkeit in Deuschland (siehe Deutschlandfunk), Szenen wie aus einer großen Wirtschaftskrise … nur haben wie die Krise nicht. Die habe nur einige Millionen, aber zwei Drittel haben sie noch nicht – jedenfalls so lange nicht, bis die Konzepte für die Industrie 4.0 weitere 18 Millionen Arbeitsplätze vernichten. Ja – in Deutschland, nicht in Bangladesh, wo wir von Kindern unsere Hemden nähen lassen, die uns so überaus fein stehen.

Wir sind in Deutschland wieder so weit, dass wir inzwischen unschuldige Bürger stundenlang einkesseln dürfen (siehe N-tv), die Botschaft ist klar: meidet das demonstrierende Pack – sonst seid ihr selbst dran. Ja: stellen Sie sich ruhig selbst mal vor, wie das ist, stundenlang eingekesselt zu sein – und nicht auf die Toilette zu dürfen. Das sind Schmerzen – die sind unerträglich. Ebenso wie die Schmach, wenn man die Schmerzen nicht mehr aushält. Ihr Staat findet was ok – man muss ja auch nicht demonstrieren, man kann ja auch gehorsam sein. Dafür werden 11-jährige Kinder vor Gericht gestellt (siehe mittelbayrische)  … weil sie beim Fussballspielen am Tor vorbeischossen. Merke: auch Fussball wird gefährlich. Todesfälle durch Pfefferspray? Kein Problem, wird weiter eingesetzt (siehe neues-deutschland). Gut – es ist nur in Kombination mit Kokain schädlich … und das erkärt vielleicht auch, warum wir so wenig Politiker auf Demos haben.

Reicht das schon? Sind nur Meldungen der letzten Tage, die bei mir hängen geblieben sind.

Ja – reicht?

Mir nicht.

Stuttgart 21 – da haben Demonstranten zwar nicht ihr Leben aber ihr Augenlicht verloren – wird … wie Elbphilharmonie und Berliner Flughafen … zu einer Dauerkostenstelle (siehe SWR), was nur nicht berichtet wird – nie – an solchen Baustellen verdienen wieder viele „Funktionäre“ in Konzern und Amt eine goldene Nase. Kann sich ein Herr Augstein vorstellen, wie einen das ankotzt? Genauso wie der angebliche Kampf gegen Rechts, der äußerst lukrativ ist: aus der Amadeo-Antonio-Stiftung ist dank Staatsmitteln inzwischen eine Bank geworden (siehe jüdischerundschau), eine Bank, die mit primitiven Methoden von Stasi und SA gegen Andersdenkende hetzt, die zuvor – einfach mal so frei heraus – für „rechts“ erklärt wurden … so, als seien Kauder, Seehofer und Merkel linke Spinner.

Oder der Emissionshandel? Sollte das Klima verbessern, führte aber – dank großzügiger Schenkungen der Regierung an die Konzerne – zu Konzengewinnen von 25 Milliarden Euro (siehe Spiegel), mehr als der Bund für 6 Millionen Hartz-IV-Verurteilte ausgibt.

Noch eins? Diesel. Die preiswerte Art, Auto zu fahren. Heute … weiß ja jeder: die sind giftig. Gesund geht nur teuer. Man will sogar die Innenstädte für Diesel sperren, um die Apokalypse zu verhindern. Hat ja jeder geschluckt, diese Nachricht. Nur … liest man mehr, erfährt man andere Wahrheiten (siehe Spiegel):

„Viele Kunden sind nach dem VW-Skandal verunsichert, der Marktanteil von Dieselautos geht zurück. Für die Hersteller ist das ein Problem: Ohne die Selbstzünder sind die CO2-Vorgaben zum Klimaschutz kaum zu schaffen.“

Ja – Diesel verbraucht halt weniger. Macht weniger CO2. Wäre also eigentlich gesund – aber was wäre das für ein Gewinn für die Autoindustrie – die gerade zehntausend Arbeitsplätze abbaut – wenn man alle Dieselautos verbieten würde und Neuanschaffungen nötig wären? Cool kalkuliert, oder?

Doch was sagt die Elite dazu? Hören wie sie mal, in einem – auch aus anderen Gründen – äußerst peinlichen und unwissenschaftlichen Artikel über „Verschwörungstheorien“ (siehe Zeit):

„Aber wir müssen versuchen, schon bei Schülern ein Verständnis dafür zu wecken, wie Gesellschaft funktioniert, warum das Blog eines Privatmannes nicht dieselbe Glaubwürdigkeit besitzt wie eine Tageszeitung.“

Ja – die Tageszeitung kann Wirklichkeit eben besser erklären, wie im Falle des Passes von Mohammed Atta:

„Dass der Pass offensichtlich aus dem komplett zerstörten Flugzeug herausgefallen sein muss, ist ja auch schwer vorstellbar. Aber manchmal ist die Wirklichkeit eben unstimmig und widerborstig.“

Ja – manchmal ist die Erde eben eine Scheibe, auch wenn Empirie und Ratio eine Kugel vermuten. Und Anordnungen dieser Art ist eben Folge zu leisten, dafür stehen sie ja in der Tageszeitung. Man versteht, warum die Herren Friedrichs und Weik vom „Elitenversagen“ reden. Eine „unstimmige“ Wirklichkeit kann auch durch einen anderen Begriff abgebildet werden: falsch; und wenn sie „widerborstig“ erscheint, mag auch einfach die Theorie falsch sein, mit der man versucht, sie abzubilden. Das ist dem Professor für Amerikanistik vielleicht nicht klar, aber anderen Geisteswissenschaftlern mit Ausbildung in Wahrheitstheorien schon – auch wenn die in einem privaten Blog schreiben … der genauso öffentlich ist wie die Tageszeitung, nur halt unabhängig von den Interessen der reichen Zeitungsbesitzer – und selbstkritischer als die Elite.

Reicht es jetzt?

Mir nicht.

Blicken wir nach Düsseldorf, jener Landeshauptstadt, in der Lobbyismus inzwischen ungeahnte Dimensionen und ganz neue Qualitäten erreicht: 80 Prozent der Bürgeranfragen werden inzwischen von der Bertelsmanntochter Arvato abschließend beantwortet und erreichen die Regierung gar nicht mehr: diese Information ist wohl ein Abschiedsgeschenk der Piratenpartei an die Bürger (siehe Heise), dass es nicht Trump ist, der das Bürgertum vernichtet, sondern ein völlig aus dem Ruder laufender Ultrakapitalismus, kann man schon in der Tagesschau hören, dort erfährt man auch, wieso das Bürgertum einen leisen Tod stirbt (siehe Tagesschau):

„Warum aber ist die soziale Frage in der politischen Debatte derzeit nahezu tabu? Warum haben selbst Sozialdemokraten und Linke kaum mehr Ideen für eine gerechtere Gesellschaft? Weil auch sie nicht zu den Verlierern gehören wollen, sagt Nachtwey: „Personen, die in der Mittelklasse angekommen sind, die lang genug in den politischen Eliten sind, die bewundern die Reichen. Und verachten häufig die Armen. Und dann orientiert man sich häufig eher an den Gruppen, die man bewundert, mit denen man eher die Gemeinsamkeiten sieht.““

Ja – man bewundert die Reichen. Außer den einen, der nicht dazu gehört: den Trump. Der sich jetzt für robuste Arbeit eine robuste Mannschaft zusammenstellt? Wie es üblich ist, wenn der Filz der Reichen das Bürgertum erstickt hat, das nur noch von ihren Gnaden lebt … abhängig von niedrigen Zinsen und Arbeitsplätzen … und beständig Angst hat, in das von der Politik disziplinierte Konzentrationslager des Prekariat geschickt zu werden, wo man der Willkür schlecht ausgebildeter und manchmal mies gelaunter Aufseher im Jobcenter ausgeliefert ist?

Wenn „burga“ Schutz bedeutet: wo ist der Schutz für jene, deren Arbeitskraft nicht mehr den nötigen Profit für die Verwertungsindustrien der Moderne bringt? Wo der für die Niedriglöhner, Niedrigrentner … oder jene 22000 Kinder, die bei uns auf der Straße leben und höchsten noch als Verwertungsobjekt für eine ebenfalls aus dem Ruder gelaufene Betreuungsindustrie tauglich sind?

Darf ich noch mal die Tageszeitung zitieren? Den Spiegel (siehe dort):

„Donald Trump wettert gegen die Globalisierung – und hat in einem wichtigen Punkt recht: Freihandel bringt nicht nur Vorteile. Besonders drastisch zeigt das die Suizidrate in manchen Regionen der USA.“

Jene „relative“ Armut, die Hauptsächlich durch Armut an Würde und Achtung gekennzeichnet ist und nicht durch eine Versorgungsniveau, das an den Kongo heranreicht, sondern durch Massen von Toten, die die Entwürdigung nicht mehr ertragen haben. Nicht umsonst steht in unserem Grundgesetz die Achtung der Würde ganz vor im Text. Moment – Kongo? Zumindest in Ghana, Kenia und der Elfenbeinküste ist das Monatseinkommen höher als 90 Euro (siehe länderdaten) …. die Horrorarmut der Dritten Welt hat also auch schon uns erreicht.

Und der Trump?

Ist nicht das Ende des Bürgertums. Das stirbt seit der Agenda 2010, stirbt seit der von Frank Schirrmacher in seinem Werk Ego so fein geschilderten Umerziehung der Bürger zum selbstsüchtigen Egomanen: ist doch schon alles längst bekannt. Das Bürgertum – jener Bund der Bundesrepublik, der alle (ja: ALLE) Bürger vor Leid und Ungemach schützen soll, stirbt, seitdem die Lumpen unter den Bürgern ihre Vermögen steuerschonend ins Ausland verschieben und dadurch die Gemeinschaft aller Bundesbürger in die Staatsverschuldung treiben.

Trump und seine Genossen … könnten dem Filz ein Ende bereiten. Es wird mit Sicherheit kein schönes Ende sein, aber eins, das Klarheit schafft. Wahrscheinlich … werden aber auch die gegen den Filz der Lumpenelite nicht ankommen. Noch nicht.

Oder … es endet wie bei Kennedy.

Ändert nur nichts: irgendwann werden sich die Bürger – aus reiner Not, Ohnmacht und Verzweiflung – unter einem starken Mann versammeln, einem Kriegshäuptling (und der wird kein sozialliberaler Sozialpädagoge sein), der verspricht, den elenden Saustall aufzuräumen.

Und dann … werden wir, erschrocken vor zig-millionen Leichen stehend … wieder erinnern, warum wir einst das Grundgesetz schufen, warum wir einen Bund bildeten – und warum Würde so wichtig war.

Mir wäre es lieber … es würde anders gehen, ohne Tote. Jeder Einzelne ist zu viel.

Doch die Lumpenelite hat eine Macht, eine Durchdringung der Machtzentren errreicht, die man wohl kaum noch mit der Yogadecke unterm Arm beseitigen kann. Oder was meinen Sie, warum die Bundeswehr so unbedingt im Inland eingesetzt werden soll? Die Lumpen lesen halt wenigstens noch Geschichtsbücher und träumen wieder von den Freikorps, die dereinst die echten Linken abschlachteten: die demokratischen Arbeiter- und Soldatenräte.

Wir werden wieder durch Blut waten müssen, aber nicht wegen Trump … sondern eher wegen Menschen, die Ihnen morgens im Bad im Spiegel begegnen – dem echten Spiegel, nicht der Zeitschrift.

 

 

 

 

 

Der soziale Tod – Triumph der Elite, Wille der Regierung, Ende der Gerechtigkeit

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Montag, 23.5.2016. Eifel. „Es geht uns gut“ – sagen die, die auf Positionen sitzen, die fürstlich mit Steuergeldern honoriert werden – wie z.B. Frau Nahles, die unsern Blick auf Äthiopien lenkt, um uns zu zeigen, was für uns „Norm“ zu seien hat (siehe Morgenmagazin.com), jene Frau Nahles, die gerade dabei ist, Arbeitslose noch rechtloser zu machen (siehe Focus) und Kinder noch weiter in die absolute Armut zu treiben (siehe Tagesspiegel). „Uns“ – wird da nie näher definiert, aber mit „uns“ sind sicher nicht alle gemeint. Zum Beispiel Jonny Beyer, selbst Blogger, war auch schon mal zwischendurch obdachlos. Er beschrieb kürzlich sein Leben – mit dem Wunsch, dass man es breiter diskutiere:

„Als Rentner bei 612 €uronen Rente von 30/31 Tagen im Durchschnitt 25 Tage nicht die Wohnung verlassen können (weil die Kohle für ein oder 2 Tassen Kaffee einfach nicht drin ist) und seine sozialen Kontakte nur noch per Facebook oder ähnliches aufrecht erhalten können … und wenn Du jetzt meinst, dass ich ja einen Hund habe (stimmt), aber der ist nun mal als Gespächspartner wirklich nur bedingt geeignet … ebenso, wie die meisten anderen Hundebesitzer …“

Auf seinem Blog hat er die Dankesgaben auch schon aufgeschlüsselt, die er – als erfahrener Kameramann, den man früher auch schon mal im Fernsehen sehen konnte (der Chefredakteuer der Zeit und Mitherausgeber des Tagesspiegel Giovanni di Lorenzo konnte sich an Jonnys Auftritt noch Jahrzehnte später erinnern – es ging um eine Auseinandersetzung mit Rechtsradikalen, in die Jonny beherzt eingriff), von uns als Gemeinschaft der Steuer- und Beitragszahler erhält: nach Abzug aller festen Kosten bleiben im pro Monat noch 220 Euro übrig: für Kleidung, Essen, Kino, Theater, Oper, Fussballspiele und ähnlichem mehr, was wir uns als „Kulturvolk“ gerne gönnen, um uns von den „Primitiven“ abzuheben.

Theater, Kino, Oper, Fussball?

War nur ein Scherz.

Jonny hat pro Tag 7 Euro – für alles. Fussball kostet minimal 15, 14 Euro (manchmal auch 65 Euro – siehe statista), Oper (zum Beispiel in Köln) 12 Euro (bis 125 Euro – wenn man auch was sehen will), Theater (zum Beispiel in Dortmund – also keinem Hochpreisgebiet) Wochentags 10 Euro (bis 65 Euro – wenn man auch die Bühne sehen möchte, siehe Theater Dortmund). Kino kostet in Aachen Montags 5,50 Euro (siehe Cineplex Aachen) – wenn der Film nicht zu lang ist, Cola und Popkorn dazu: schon ist man 8 Euro mehr los. Für Jonny eine Investition, die sein Budget sehr herausfordert – falls er sich in seinen alten Klamotten überhaupt gerne in einer hochgestylte Öffentlichkeit als Außenseiter präsentieren möchte.

7 Euro am Tag – ein Eis mit drei Kugeln (kostet hier auf dem Land 3 Euro)? Völlig unerschwinglich, das wäre ja der Tagessatz für Kinder, die nebenbei noch Kleidung, Verkehr, Gesundheitspflege, Bildung, Nahrungsmittel, Getränke, Möbel, Schuhe und Strom bezahlen müssen – von 270 Euro (Regelsatz für Kinder von 7 – 14 Jahren, siehe cecu). Ein Nachrichtenmagazin wie der „Spiegel“ für 4,60 Euro das Stück? Nur erschwinglich, wenn man an dem Tag ansonsten nur von Billigtoast mit Marmelade lebt. Würde Jonny bio und vegan leben wollen, müsste er eine Woche im Monat ganz aufs Essen verzichten: 261 Euro kostet dieser Luxus (siehe Claudis Blog).

Der Spiegel widmet sich ja gerade mal wieder der „Relativität“ von Armut, die in Deutschland gerne beschworen wird (siehe Spiegel). Wir lernen dort den Herrn Huber kennen, der von seinen Erfahrungen im öffentlichen Leben erzählt:

„Eigentlich sind Biergärten Orte, an denen sich arme und reiche Münchner mischen, in denen der Bankdirektor neben dem Hilfsarbeiter sitzt. Traditionell darf jeder seine Brotzeit mitbringen, nur das Bier muss man kaufen, das spart Geld. „Aber was nützt mir das, wenn die Halbe vier Euro oder mehr kostet“, sagt Huber. So viel kann ein Hartz-IV-Empfänger rechnerisch pro Tag für Ernährung und alkoholfreie Getränke ausgeben.“

Herr Huber? Einst ein wohl situierter Unternehmer:

„Vor 44 Jahren kommt er zum Studium nach München, wird Diplom-Elektroingenieur, geht zu Siemens. 1979 macht er sich als EDV-Unternehmer selbstständig, Systemintegration, eine lukrative Zukunftsbranche. Zieht in ein großes Haus, liebt seine Arbeit, sein Motorrad, seinen Biergarten. Sein Bekanntenkreis ist groß. Fürs Alter hat er eine Lebensversicherung, dazu das Elternhaus mit großem Grund am begehrten Chiemsee.“

Der hat wohl gut eingezahlt in die Solidarkassen der Republik. Verständlich, dass er blöd dreinschaut, wenn der Staat dafür „liefern“ soll:

„Wenn es um Hartz IV geht, wird der freundliche Huber zornig. Er hat Fotos mitgebracht von seiner maroden Schrankwand, Baujahr 1972, vom zerschlissenen Sofa. „11 Euro im Monat für Möbel, 1,23 Euro für einen Kühlschrank. Wie soll des gehen?““

Der Grund für die Pleite? Der Hauptkunde hat nicht bezahlt. Ende der Vorstellung, Absturz inklusive.

Wir lernen in diesem Artikel auch noch andere Arme kennen: eine kinderreiche Familie, die durch alle sozialen Netze fällt, arm ist, obwohl beide arbeiten gehen. Eine Frau aus Aachen, die sich – mit einem globalen Blick ausgestattet – gar nicht für arm hält, weil sie jeden Tag sauberes Wasser hat. Eine Sichtweise, die beneidenswert ist. Was wir aber auch erfahren: die Namen der Armen sind falsch – aus gutem Grund:

„Noch ist Armut in Deutschland ein Stigma. Auch deswegen wollen Frau Kramer, Herr Huber und Familie Ehlers ihre echten Namen nicht veröffentlicht sehen.“

Stigma? Ein Makel. Ein Schandfleck.

Hören wir dazu einen anderen Menschen – Ingrid. Auch hier: ein Kommentar bei Facebook. Ingrid hat einen festen Arbeitsplatz – um hier gleich alle Verdächtigungen auszuschließen.

„Kommt jedoch vor dem physischem Tod, der soziale. Und der ist weitaus schlimmer. Tod ist, wenn ich nicht mehr da bin, bin ich da, so ist der Tod nicht. Vorher aber geschieht das langsame grausame soziale Absterben. Dies kann Jahre dauern, und ist viel schlimmer. Nahles und ihresgleichen, sind einfach dumme Menschen, ohne Bildung und Verantwortungsgefühl. Bald werden die Flüchlinge erkennen, in welche Vorhölle sie sich aufgemacht haben.
Ich sagte ja bereits, 12 Jahre in Westafrika verbracht zu haben. Zurück in diese soziale Armut, war ein unverzeihlicher Fehler. Hier gibt es keinen wahren Genuss des Lebens im Austausch mit Nachbarn und Freunden. Es ist eine dekadente Pseudowelt, basierend auf Lügen und Kampf.
Nur weil ich das Glück hatte, eine Alternative zu lernen, kann ich mit Brot und Wasser lange auskommen, mit leisem Lächeln, über die ach so wichtigen Wichtigtuer, die so geil drauf sind. Ich bin gespannt, wie sie, gerade diese, auf die kommenden Entwicklungen reagieren werden.
Wie war es denn Ende der 20er? Wieviele hatten keine andere Lösung als einen Fenstersturz, um einen Fettfleck zu hinterlassen. Man kann gespannt sein. Aber Danke für den wunderbaren Artikel. Dem Durchschnittsamerikaner ergeht es bereits schlechter… Der Rest kommt über Nacht!“

Ingrid kennt den sozialen Tod. Sie arbeitet in einem Krankenhaus. Der soziale Tod? Sicher schon mal gehört – aber in einem anderen Zusammenhang. Der Begriff wurde früher auf sterbende Menschen bezogen – Menschen, die noch leben, aber von ihrer Umwelt so behandelt werden, als wären sie schon tot. Betraf früher vor allem alte Menschen, die – geschlagen von diversen Krankheiten – nicht mehr dem Normstandard der Spaßgesellschaft entsprachen. Heute fassen wir den sozialen Tod weiter – ohne dass er in dieser Form groß diskutiert wird (siehe uni-oldenburg):

„Unter sozialem Tod verstehen wir, dass jemand völlig vereinsamt, sich so zurückzieht, dass er praktisch keine Beziehungen zu seiner Umwelt, zu Nachbarn, Arbeitskollegen und u.a. unterhält.
Bei älteren Leuten oder Menschen mit Behinderungen oder auch nach schweren, persönlichen Erlebnissen kommt so etwas vor. Der Rückzug erfolgt oft in mehreren Stufen und kann durch Ausgrenzungen (Mobbing) oder Verlust des Partners, der Arbeit veranlasst sein.“

Der soziale Tod – durch Ausgrenzung (Stigma …) oder Arbeitslosigkeit. Eine Erscheinung die – wenn wir Ingrid folgen wollen – eine Erscheinung spezifisch unserer Kultur ist. Er trifft die, die auf eine völlig feindliche, realitätsfremde Umwelt treffen, eine „dekadente Pseudowelt, basierend auf Lügen und Kampf“, eine Welt, in der es keinen wahren Austausch mit Nachbarn und Freunden gibt – anders als in jenem Land in Westafrika (mit einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 173 Euro – siehe länderdaten.info). Was ich in diesem Zusammenhang gerne zitiere: das Gastmahl der Geistlosen, die „Wohlstandsverwahrlosung“ des „akademischen Proletariats“ (siehe NZZ), die – mangels echtem Kontakt der nur selbstdarstellerisch agierenden Akteure – ebenfalls eine Form von sozialem Tod darstellt, die man nur mühevoll durch sinn- und zwecklosen, umweltvernichtenden Konsum und … Drogen ertragen kann. Alkohol, um es genau zu sagen.

Gerade aus diesen Kreisen kommen nun auch andere Philosophien, die den Vernichtungsprozess der Persönlichkeit nur noch verstärken – wie aktuell in der Totholzausgabe der Zeit (siehe Zeit), die einen weiteren Zug neoliberalistischer (oder besser gesagt: neofaschistischer) Strategie darstellt:

„Erfolg und Gesundheit, ja sogar Herzschlag und Gewicht hängen vom Selbstverständnis ab. Was Menschen zu sein glauben, das werden sie auch – im Guten wie im Schlechten. Wie Gedanken unser Leben verändern können.“

Wer trägt die Verantwortung für alles Elend dieser Welt? Sie – mit Ihren dämlichen, unsortierten, minderwertigen und unqualifizierten Gedanken. Würden Sie besser denken: sie wären sofort reich wie Bill Gates. Wichtiger Teil einer breiten Offensive von „reich“ gegen „arm“: die Umkehrung der Verantwortung. Nicht mehr der Mörder hat Schuld an der Tat, sondern die Leiche – die falsch gedacht hat (oder eine falsche „Resonanz“ erzeugt) und nun kräftig an sich arbeiten muss: eine Philosophie, die ein tödliches, selbstzerstörisches Gift enthält, geeignet, das Opfer völlig in den sozialen Tod zu treiben, denn: wer arm ist, behindert, krank, unglücklich, einsam oder sonstwie mit Makeln behaftet, belästigt mit seiner Minderwertigkeit das höherwertige „Außen“, das selbst perfekt denkt (aber bei der eigenen Bereicherung gerne auf ein Herr von Anwälten und diversen Beratern sowie ertragsoptimierten Netzwerken zurückgreift – und seine Kinder nicht im „richtigen Denken“ schult, sondern auf teuerste Privatschulen und Privatuniversitäten schickt).

Ein weiterer Schachzug: der „Veganismus“, der selbst den „Karnismus“ als Wurzel allen Übels ansieht – wer es hier wagt, sich den Ansprüchen der Luxusklasse zu entziehen, wird als unempathischer, grausamer Täter schnell völlig entmenschlicht, dabei beruht die Philosophie auf undurchdachten Momentaufnahmen und hahnebüchenen Theorien (von der hoch zu achtenden Entscheidung, das Leid in der Welt vermindern zu wollen, einmal abgesehen). Ein Beispiel? Nun besuchen wir kurz „Peta“ und schauen uns ihre Berechnungen an: es wird in der Tat viel Wasser verbraucht, um ein Kilo Rindfleisch zu erstellen – wenn die Kuh drei Jahre lebt (weshalb wir sie vielleicht lieber früher essen sollten?). Aber was passiert mit der Kuh, wenn wir kein Fleisch mehr essen? Trinkt die dann nicht mehr? (wieso die 30 Liter Wasser für eine Tasse Tee brauchen, habe ich allerdings noch nicht verstanden – die müssen da große Tassen haben. Sehr große Tassen.). Die Frage ist: was sollen diese fehlerhaften Theorien bewirken? Die Antwort gibt uns die „Süddeutsche“ in einem Artikel über das „Kükenschreddern“ (siehe Süddeutsche):

„Denn wer ist letztendlich verantwortlich für die Produktion von billigsten Eiern und billigstem Hühnerfleisch? Die Gerichte, die Politik, die Hühnerindustrie? Als das Bundesverfassungsgericht 1999 zu den Legebatterien urteilte, stellte der damalige bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller lapidar fest: „80 Prozent der Verbraucher sind gegen die Käfighaltung, aber 80 Prozent der Verbraucher kaufen Eier aus Käfighaltung.“ Leicht abgewandelt gilt diese Einschätzung noch heute.“

Ja – nicht die Gerichte, die das Schreddern von 50 Millionen Küken im Jahr erlauben, nicht die Politik, die den Rahmen dafür gibt, nicht die Hühnerindustrie, die die Morde begeht, sondern: der Arme ist Schuld. Seltsam nur: beim Thema Energieverbrauch erlaubte sich die EU, massiv in das Leben der Bürger einzugreifen. Niemand fand sich für eine Kampagne „Leben ohne Strom“. Als würde die Hühnerindustrie Probleme damit haben, wenn alle Deutschen Veganer werden: dann verkauft man eben ins Ausland. Afrika hat Hunger. Asien auch. Ebenso Südamerika. Würde man aber die Hühnerindustrie verbieten – der Verbraucher müsste schnell Ersatz suchen (wie für die Glühbirne) wenn die Kühltruhe im Supermarkt leer wäre. Vielleicht sollte man alle Tierschützer auffordern, sich der jährlich 50 Millionen Küken als Haustiere anzunehmen? Oder mal drauf hinweisen, dass wir uns nebenbei in Deutschland 20 Millionen fleischfressende Haustiere halten, die ebenfalls von der Fleischindustrie leben? Nun – die sind Peta heilig, hier diskutiert man über das perfekte Hundegeschirr (siehe Peta) … was schon allein 40 Euro kostet. Schlimm für die, die sich als einzige lebendige Gesellschaft einen Hund leisten, weil die Menschen sich abgewendet haben (was übrigens Leben retten kann – diese Hundehaltung).

Wer sich das nicht leisten kann … darf den sozialen Tod erfahren, wie jene, die sich „vegan-bio“ überhaupt nicht erlauben können – jene Lebensweise, mit der man sich als Produzent von veganer Bolognese im Glas schon mal einen Porsche leisten kann, – die der „Vegan-Papst“ Attila Hildmann in der Society-Broschüre „Gala“ (siehe Gala), der vor dem Methangas der Kühe warnt … als würden die weniger pupen, wenn sie frei durch die Getreidefelder flanieren dürften. Ach ja: Kosten der veganen Bolognese: 4,95 Euro für 290 ml plus 1,50 Euro „Mindermengenzuschlag“ – wenn man sich nur ein Glas leisten kann (siehe Attila Hildmann). Da könnte Herr Huber nur jeden zweiten Tag ein dürftiges Gläschen kaufen.

Wie man sieht, wird an diversen Formen des sozialen Todes gezielt gearbeitet, eine streng hierarchische, lieblose Gesellschaft aufgebaut, die man wohl besser wahrnehmen kann, wenn man mal 12 Jahre in einem weniger dekadenten Umfeld gelebt hat – wie zum Beispiel in Afrika.

Doch wo kommt das her? Wo ist der Ursprung für diese Dekadenz, die Ungerechtigkeit, die Vernichtungssystematik?

Die Antwort darauf finden wir an seltsamen Orten, in einem Sachbuch über den islamischen Fundamentalismus in Deutschland – und deren Sichtweise auf die Machtstrukturen in dem Umfeld, in dem sie sich etablieren wollen (siehe Ian Johnson, Die Vierte Moschee, Klett-Kota 2011, Seite 271):

„Der fließend Deutsch und Englisch sprechende Diplomvolkswirt kennt sich mit den politischen Entscheidungswegen in Deutschland aus, mit den komplexen Interaktionen von Gremien, kirchlichen und politischen Stiftungen, wo „Meinungsmacher“ zusammentreffen, miteinander diskutieren und Ideen formulieren, die in den politischen Parteien aufgenommen werden. Hierbei handelt es sich nicht um basisdemokratische Strukturen, sondern um ein System, das die Macht der Eliten vergibt“.

Ein System, das den sozialen Tod für viele eingeleitet hat – wobei wir über die Normen von Mode, Körperpflege oder Wohnungseinrichtung noch gar nicht gesprochen haben – oder über den Friseur, der bei uns in der Eifel für Jugendliche schon 18 Euro pro Schnitt nimmt – also: viereinhalb Tage Essen.

Ein System, das täglich perfider wird, auf breiter Basis den Kampf gegen die Armut durch Vernichtung der Armen führt – jedenfalls: durch ihre soziale Vernichtung.

Die Botschaft ist immer dieselbe – egal, ob im Rahmen des Tierschutzes, der Ernährung oder der Lebensführung vorgetragen: gebt gefälligst viel mehr Geld aus – und sorgt verdammt noch mal selbst dafür, dass ihr es habt, denn sonst … seid ihr nicht mehr menschlich.

Wissen Sie, wie konservative Wirtschaftsmagazine unsere Realität beschreiben? Gnadenlos (siehe Wiwo):

„Bei Hartz-IVlern dagegen drohen sofort brutale Sanktionen. Besitzen darf man sowieso nichts mehr. Man muss komplett nackt am Boden liegen, ehe der Sozialstaat sich gnädig erweist.“

„Das ist das Bermuda-Dreieck menschenverachtender, repräsentativer Demokratie. Barbarei. Animal Farm ist nichts dagegen.“

Und in diesem Bermudadreieck können schon mal 500 Millionen Euro spurlos verschwinden (siehe Yahoo), die Gemeinden Gebühren für die Annahme von Bargeld ab 10 Euro verlangen (siehe Düsseldorf bei Facebook) oder Medikamente an unwertem Leben getestet werden (siehe Tagesspiegel) – wobei die Formulierung mit dem „unwerten Leben“ von mir stammt. Die Barbarei schreitet täglich weiter voran – die Musik zu dem Marsch spielt die Elite. Nichts davon ist geheim.

Das Arbeitslose zur Minderung ihrer Notlage ihre Organe verkaufen sollen, ist schon mal vorgeschlagen worden – von einem inzwischen verstorbenen „Vordenker“ der Afd (siehe AfdwatchAfd):

Der Wille zum sozialen Tod schreitet weiter voran, getragen von einer überversorgten gesellschaftlichen Elite, die ihr Luxusleben auf Kosten der Ärmsten leben – hier in Deutschland und in der ganzen Welt. Und „Gerechtigkeit“ wurde aus dem Bewusstsein gestrichen – wem es  hier nicht passt, der kann ja nach Syrien, dem Irak, Afghanistan, Äthiopien oder den Jemen ziehen: wir sind ja eine freie Welt.

So – wird die Armut Afrikas zum Normstandard für ausselektierte Deutsche … und alle sollten ihre Herren auf Knien danken, dass sie noch sauberes Wasser haben. Man könnte auch noch ungnädiger sein.

Und währenddessen – rafft der rot-grüne soziale Tod (unter fleißigem Beifall der übrigen Parteien) immer mehr Menschen dahin.

Aber „uns“ – geht´s gut.

Noch etwas Torte gefällig?

 

 

Armut in Deutschland – Menschenopfer der Mächtigen

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Mittwoch, 6.4.2016. Eifel. Ziemlich unbemerkt hat die Sozialdemokratie wieder zugeschlagen. Eine kleine Meldung nur – doch die Marktromantiker dürften damit endgültig ihre Träumereien aufgegeben haben. Es war Ludwig Erhard (CDU), der gegen den Widerstand der deutschen Industrie eine – wenn auch ziemlich verwässerte – Kartellgesetzgebung durchgedrückt hatte, die viel für das Wirtschaftswunder bewirkte – und es war Vizekanzler Gabriel (SPD), der per Ministerweisung den Geist der freien Marktwirtschaft untergrub und torpedierte. Was bedeutet „Kartell“? Das ein Wirtschaftsteilnehmer sich bewusst und absichtlich in eine Marktmacht hineinmanövriert, die es ihm erlaubt, Preise zu diktieren – sowohl die Preise für die Kunden als auch die Preise für die Zulieferer. Das ist dann kein „freier“ Markt mehr – sondern ein diktierter Markt.

Was tat nun Minister Gabriel (SPD)? Er erlaubte die Fusion von Edeka und Tengelmann, gegen die das Kartellamt massive Bedenken hatte – immerhin haben wir schon einen Markt, der oligopolistisch ist (also nur eine Hand voll starker Teilnehmer hat, siehe Spiegel):

„Die Wettbewerbshüter fürchteten, dass die Marktmacht weniger Handelskonzerne durch die Fusion noch größer wird – zu Lasten der Verbraucher. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi beherrschen zusammen schon 85 Prozent des Marktes.“

Das ist kein Markt mehr, das ist eine zentralistische Staatsversorgungsorganisation, die im Falle des Zusammenbruchs ein unvorstellbares Elend nach sich ziehen wird: unsere Versorgung steht auf nur 4 Beinen. Natürlich gibt es harte Auflagen zum Schutz der schlecht bezahlten Arbeitsplätze – für ein paar Jahre. Arbeitsplätze, die man normalerweise gar nicht fördern sollte. Es geht aber nicht nur um das Lohndiktat, dass solche Megakonzerne ausüben können, sondern auch um das Preisdiktat – einerseits gegenüber den Kunden, andererseits auch gegenüber den Zulieferern. Der gesamte Markt bekommt eine enorme Schieflage – zugunsten von „Anlegern“ und „Funktionären“ … den „Brüdern im Geiste“ unserer Parteifunktionäre. Das trifft zum Beispiel Bauern, die von der Konzernallianz Preise für ihre Waren diktiert bekommen – aber wer interessiert sich schon für Bauern, wenn wir das Gemüse aus Spanien noch billiger importieren können – auch zu diktierten Preisen, die dort Arbeitsbedingungen schaffen, die nur mit Sklavenarbeit illegaler Einwanderer zu bewerkstelligen sind.

Wer sich freuen darf, sind die Erben der Eigentümer der vier Megariesen: die große Koalition hat „Erben großer Unternehmen massiv bevorzugt“ (siehe Kontraste, RBB). So werden diese Konzerne – praktisch Megaumverteilungsmaschinen, die das Volksvermögen von „unten“ nach „oben“ saugen – mit immer größerem Erfolg: die Armut schreitet immer weiter voran, dafür freuen sich die Parteien über Konzernspenden (siehe Handelsblatt):

„Erst verhindert die Bundesregierung strengere Abgasnormen für Autos, dann wird bekannt, dass BMW-Großaktionäre kurz zuvor der CDU fast 700.000 Euro gespendet haben. Entsprechend laut ist die Empörung jetzt.“

Welche Folgen solche Entscheidungen für die Pöstchenvergabe innerhalb der deutschen Funktionärselite haben werden, wird man in Zukunft sehen – wir haben da schon manches Wunder erlebt.

Wir wollen ja heute auch nicht über die Vermögenskonzentration reden, sondern über ihr Gegenteil: die Armut. Sie wird überall wahrgenommen – zum Beispiel in Berlin, wo der Anblick verarmter Rentner, die im Müll nach Ressourcen zum Überleben suchen, Alltag geworden ist (siehe Berliner Zeitung). Die Behörden reagieren auf diese unhaltbaren Zustände … in dem sie das Betteln verbieten, vor allem das Betteln von Kinder (siehe rbb-online): der Anblick von Armut auf den Straßen von Berlin ist den reichen Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu ersparen , es könnte ihnen übel dabei werden und sie an die oft vernachlässigten Pflichten gegenüber den Bürgern dieses Landes erinnern, Pflichten, die weit über die üblichen Vier-Jahres-Rythmen hinausgehen.

Ja – es hilft, sich kurz daran zu erinnern: der Staat hatte vor zweihundert Jahren Pflichten übernommen. Sogar mit König und Kaiser. Wir – als Staat – hatten uns zu einer großen Kraftanstrengung entschlossen und die vielen unergiebigen Kleinparzellen zu großen Anbauflächen vereint, die eine deutliche Steigerung der Erträge einbrachten. Mehr noch: wir hatten die Menschen von den kleinen Höfen geholt, damit sie in den Fabriken arbeiteten. Die so verlorene Selbständigkeit wog der Staat mit dem Versprechen auf, Sozialstaat zu werden, da man die systematische Schieflage im Land deutlich erkannte: noch bevor der Bürger Souverän wurde anstelle des Kaisers wurde die Grundlage seiner Souveränität – die wirtschaftliche Unabhängigkeit – vernichtet. Ein Überleben der Demokratie war also direkt abhängig geworden von der Verpflichtung des Staates, diesen von ihm selbst geschaffenen Mangel auszugleichen, in dem er die Versorgung der Bürger für alle Zeiten garantierte. Das ist die Grundlage unseres großen „Deals“, für die der Staat jetzt liefern muss – und aufgrund dessen die „Industrie“ Riesengewinne einfahren kann.

Was der Staat jedoch liefert, erfahren wir täglich (siehe Berlin Kurier):

„Ein Drama spielt sich in der Kleingarten-Kolonie „Saatwinkler Damm“ ab. Als die Datsche von Familie Behrens gestern zwangsgeräumt wird, bewegt sich Ehefrau Karin Behrens (77) nicht mehr. Sie muss mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden, war kollabiert.“

Der demenzkranke Ehemann und der Sohn stehen jetzt vor der Obdachlosigkeit, jener Obdachlosigkeit, die die 38-jährige Eleonore E. schon kennt: sie wurde jetzt zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt – für vier Diebstähle im Wert von 93,76 Euro (siehe Süddeutsche). Sie besitzt noch nicht mal einen Personalausweis. Hätte sie nur Kinderpornografie konsumiert wie manche Abgeordnete (Tauss, Edathy, beide: SPD): sie wäre mit einer Bewährungsstrafe davongekommen.

Gesichter von Armut in Deutschland, einer Armut, die immer weiter um sich greift (siehe Bundeszentrale für politische Bildung):

„Im Jahr 2013 galt jede sechste Person in Deutschland als armutsgefährdet: 16,7 Prozent der Bevölkerung bezogen ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Ohne die umverteilende Wirkung von Sozialleistungen wäre sogar jede vierte Person in Deutschland armutsgefährdet. Überdurchschnittlich häufig sind Arbeitslose betroffen – gut zwei Drittel von ihnen waren armutsgefährdet. Ebenso besteht bei Alleinlebenden und Alleinerziehenden ein erhöhtes Armutsrisiko – jeweils etwa ein Drittel der Personen galten 2013 als armutsgefährdet“

Und das im Reich der europäischen Wirtschaftslokomotive, die vor allem so gut brummt, weil sich die starken Schultern nur noch selbst bereichern, anstatt die schwachen mit zu tragen: aus dem kaiserlichen Sozialstaat ist der sozialdemokratische Asozialstaat geworden – an dem die Abgeordneten des Deutschen Bundestages exzellent verdienen: nach der nächsten automatischen Erhöhung werden es 9336 Euro im Monat sein (siehe Focus), bald soviel, wie Armutsgefährdete im Jahr verdienen. Ein genialer Trick der Reichen: einfach alle Abgeordenten reich machen – schon hat man etwas gemeinsam.

In dem Sinne funktionieren die Abgeordneten dann auch – nicht nur beim Thema Abgas oder Kartell. Andrea Nahles ist jetzt mit einem kühnen Vorstoß beschäftigt: sie will Armut in Deutschland einfach umdefinieren (siehe FAZ):

„In Deutschland gibt es immer mehr Armut – so schrieb es der Paritätische Wohlfahrtsverband im Februar. Seine Rechnung: Arm ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat, für eine vierköpfige Familie wären das derzeit 1873 Euro im Monat. Das ist ein „relativer Armutsbegriff“.“

Wo wirklich Armut herrscht, weiß die Ministerin genau:

„Mit solchen Berechnungen laufe die Politik und die Gesellschaft Gefahr, den Blick für die wirklich Bedürftigen zu verlieren. „Es gibt zum Beispiel mehr illegale Einwanderer und sehr viele jüngere Erwerbsgeminderte, da haben wir es mit wirklicher Armut zu tun.““

Nun – für illegale Einwanderer ist der Staat im Prinzip im Geiste des oben skizzierten Gesellschaftsvertrages überhaupt nicht verantwortlich (jedoch im Geiste der Erklärung der allgemeinen Menschenrechte), die haben in diesem Vergleich gar nichts zu suchen – und die „jüngeren Erwerbsgeminderten“ bekommen Hartz IV (oder – wenn sie nicht ganz so jung sind – eine Bonsai-Rente auf Hartz IV-Niveau … wenn sie Glück haben) wie alle anderen Armen auch – von denen viele noch Reste von Arbeit haben. Sie als die „wirklich Bedürftigen“ zu beschreiben und demgegenüber alle anderen als umverschämte Gierlappen darzustellen, instrumentalisiert Flüchtlinge zur Vertuschung der deutschen Armutsproblematik.

Bleiben wir bei 1873 Euro netto im Monat – für vier Personen. Das sind 468,25 Euro pro Person. Hört sich gut an. Davon bezahlt man Heizkosten, Strom, Miete, Versicherungen, private Rentenvorsorge. Mieten eine vier-Zimmer-Wohnung? Da fängt das Problem an. Will man nicht gerade für seine Kinder das Szenario „sozialer Brennpunkt“ verwirklichen (was in Aachen warm 890,50 Euro kostet – außerhalb der Stadt in einer Betonwüste mit kriminellem Umfeld) so muss man mit 1275 Euro Miete rechnen (Vorstadt von Aachen), dazu 100 Euro Strom, 20 Versicherungen (Haftpflicht und Hausrat), 100 Euro Auto (Achtung: Sie haben Kinder, die im Krankheitsfalle sofort von der Schule abgeholt werden müssen!), so bleiben unsere „reichen“ Familie 191,20 Euro pro Person im Monat im sozialen Brennpunkt – oder 94,20 in menschenwürdiger Umgebung. Bedenken Sie dabei auch, dass Sie zum ordnungsgemäßen Funktionieren in unserer Gesellschaft überdurchschnittlich viel für Körperpflege und intakte Kleidung ausgeben müssen, um „einstellbar“ zu bleiben – also den Erwartungen von Unternehmern in einer Dienstleistungsgesellschaft gerecht zu werden (was minimal bei uns auf dem Land 60 Euro Friseur/Monat für diese Familie bedeutet – und damit sieht man am Ende des Monats schon etwas ungepflegt aus).

Sicher: mit 94,20 Euro im Monat wären Sie im Sudan reich, auch in Syrien und Marokko, denn die müssen kein hohes soziokulturelles Niveau erfüllen, nicht täglich mehrfach die Hemden wechseln und die Kinder zum Mobbingschutz mit Markenkleidung versehen, die können noch Weizen im eigenen Garten anbauen und Ziegen hüten … ich denke, wenn man Lebensqualität als Maßstab nimmt, sieht es im Vergleich erst recht schlecht aus. Dazu gab es mal einen Film in NRW, gedreht mit Fördermitteln von einer afrikanischen Studentin, der seinerzeit viel Trubel verursacht hat – sie fand unser tolles, reiches Leben nicht lebenswert im Vergleich zu ihrer „armen“ Heimat, in der es weniger Gift, weniger Lärm, weniger Aggression im Alltag und weniger Kinderfeindlichkeit gab – und besseres Wetter.

Aber Frau Nahles (SPD) macht halt, wofür sie bezahlt wird (siehe SWR):

„Und je weiter diese Gesellschaft in Deutschland zwischen Arm und Reich gespaltet wird, umso mehr mauern sich Reiche ein und versuchen, all die in die Ecke zu stellen, die Armut anprangern, indem sie sagen: „Ihr bauscht auf, ihr skandalisiert“, um ihren Reichtum zu schützen.“

Monatsgehalt Andrea Nahles: 14668 Euro (siehe Statista).

Keine weiteren Fragen … zur „Verharmlosung der Armut in Deutschland“ (siehe Christoph Butterwege in Deutschlandradio).

Die Armen werden immer ärmer – so der Bericht der Bundesbank (siehe Süddeutsche) – Zeit also, Armut neu zu definieren. Vergleichszahlen habe ich schon: ein Polizeihund bekommt vom Staat 94,50 Euro (also: das zahlt man dem Hundehalter – siehe fragdenstaat) … das ist mehr als Hartz IV für ein fünfjähriges Kind. Nun – Hunde sind ja auch wichtig.

Armut in Deutschland bedeutet nun nicht nur, dass man weniger in den Urlaub fahren kann (also: GAR NICHT) oder weniger Geschenke zu Ostern kaufen kann (in Zahlen: GAR KEINE) oder nicht so oft ins Kino, ins Theater oder zum Fußball kann (besser gesagt: ÜBERHAUPT NICHT) oder dass man sich gesellschaftliche Verpflichtungen jeglicher Art (wie zum Beispiel Geburtstagsgeschenke für die weitere Familie, Vereinsmitgliedschaft oder Parteiarbeit) schlichtweg nicht leisten kann, ohne am Essen zu sparen – was die Meisten machen.

Armut in Deutschland bedeutet schlichtweg: FRÜHER TOD (siehe armut&gesundheit):

„Die Mortalität (Sterberate) von Armut betroffener Menschen in unserer Gesellschaft ist deutlich erhöht. Es besteht ein Lebenserwartungsunterschied von 11 Jahren bei Männern und von 8 Jahren bei Frauen zwischen dem reichsten und dem ärmsten Viertel der deutschen Bevölkerung (Lampert & Kroll 2010). 31% der von Armut betroffenen Männer erreicht nicht das 65. Lebensjahr. Armut bedeutet demnach nicht „nur“ geringere gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten, Armut bedeutet in einem der reichsten Länder der Erde früher sterben zu müssen. In diesem Kontext spielen strukturelle Gesundheitsversorgungsausschlüsse, -hindernisse und -defizite eine entscheidende Rolle, die von Entscheidungsträgern in unserer Gesellschaft leider viel zu häufig negiert und/oder bewusst ignoriert wird.“

Armut ist … eine besondere Form von Menschenopfer. Armut …. BRINGT MENSCHEN UM. Das ist ein Maßstab, der sich auch nicht durch noch so viele Rechenkünste relativieren läßt. Die Zahl der Opfer geht im Laufe der Jahre in die Millionen … Millionen die zu früh sterben und keinen „ruhigen Lebensabend“ vor sich haben, weil sie in Mülltonnen herumwühlen müssen. Wir sollten also lieber von Massenmord reden – anstatt von „relativer Armut“ … die auch als solche tödlich bleibt.

Da werden die Reichen und Mächtigen natürlich erst Recht „mauern“ und aufheulen, aber … das war schon immer so (siehe Spiegel):

„In vielen Gesellschaften gehörten Menschenopfer zum festen Brauchtum. Eine Analyse zeigt: Die perversen Riten nützen Herrschenden, um die Gemeinschaft zu spalten.“

Lesen Sie den Satz ruhig mehrmals. Sie können ihn auch gerne auswendig lernen.

Gut – wir töten anders als die früheren Herrschenden … ich will ihnen aber gerne die Dimensionen unserer Menschenopfer aufzeigen.

Wir haben über sechs Millionen Arme. Nehmen wir an: die Hälfte davon sind Männer. Das wären drei Millionen, von denen eine Million mindestens 13 Jahre früher sterben. Macht: 13 Millionen Lebensjahre. Ein Leben hat bei uns eine durchschnittliche Lebenserwartung von 78 Jahren bei Männern … also vernichtet Armut das Äquivalent von 166 666 Menschenleben, wenn wir die geraubten Jahre in Menschenleben umrechnen. Ganz grob überschlagen. Mitten in einem der reichsten Länder der Erde. Pro Jahr sterben in Deutschland 868 000 Menschen (siehe statista) – die Zahl der geraubten Lebenszeit für Arme (bzw. der Menschenopfer der Mächtigen) enspricht also 20 Prozent der Bevölkerung – Tendenz steigend.

Die sterben für … das Überleben des monopolistischen Kapitalismus.

Oder: sind die Menschenopfer der Lumpenelite.

Ich weiß: eine wilde Rechnung, die man auf vielfältige Art und Weise angreifen kann – sie dient aber nur der plakativen Darstellung, die Feinrechnung überlasse ich Menschen, die dafür bezahlt werden. Sie soll ja auch nur eins aufzeigen: Armut – ist nicht relativ, sie ist tödlich.

Auch in Deutschland.

 

 

Wie Deutschland regiert wird – und von wem.

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Montag, 21.3.2016. Eifel. Was schlagen gerade die Wellen hoch: die AfD ist in der Wählergunst gewaltig nach vorn gerückt – und das ganz ohne Programm. Na ja – ein wenig war schon da, beschlossen wird aber erst im April. Ich habe da einen Vorabdruck zugeschickt bekommen – allerdings anonym und ohne Garantie auf Echtheit … also nutzlos. Ich habe nur mal schnell drübergeschaut, vor allem interessierte mich der Passus Hartz IV. Wenn das stimmt, was dort steht, dann können sich die Etablierten warm anziehen: dann gibt es Pöstchenwechsel in Deutschland.In der Tat fand ich im schnellen drüberlesen einige Positionen, die auch ich selbst vertrete, manches wird die Demokratie weiterentwickeln – Grund für die Sorge der Elite. Aber vielleicht ist´s ja nur ein Fake.

Nun – gerade deshalb ist diese Elite ja auch so durcheinander. Vergessen Sie den Quatsch mit „Das – sind – alles – Nazis“. Nach der Wahl wird man sehen, wie schnell diese Pseudonazis entnazifiziert und zu guten Freunden werden, dann wird es Koalitionen geben, in „denen man sich annähert“ – und schon ist das Geschrei vergessen … und das nächste Thema wird durchs Dorf gejagt.

Aber bleiben wir doch bei den Fakten: schon Helmut Schmidt wurde in seiner Kanzlerzeit offen gesagt, dass nun die Diktatur der Märkte beginnt und die Zeit der Politik vorbei ist: niemand hat sich seitdem um die konkreten Folgen der Auswirkung der Diktatur der Märkte gekümmert, noch darum welche konkreten Menschen eigentlich hier noch Macht ausüben: die „Reichtumsforschung“ steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Was wir aber merken ist: die Zeit der Politik ist vorbei, die Zeit der Alternativlosigkeit ist gekommen. Die Nichtwähler ziehen daraus ihre Konsequenzen und gehen nicht mehr hin: man wählt ja eh´ nur noch die Büttel des Kapitals. Ist in etwa so brisant, als würde man entscheiden dürfen, welcher Partei der Finanzbeamte angehört, der die Horrorsteuern eintreibt – natürlich nur bei den Armen, nicht bei den Reichen.

Ja – das ist das Geheimnis unserer Zeit, dass alle „Entscheider“ kennen. Ein Wirtschaftsblog aus Österreich beschreibt mit einem Satz des Kernproblem unserer Gesellschaft (siehe blog.arbeit.wirtschaft):

„Die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen nimmt seit den 1970ern in den meisten wohlhabenderen Staaten zu. Einer der Gründe liegt in der Senkung der einkommens- und vermögensbezogenen Steuern. Während diese beiden Beobachtungen mittlerweile weitestgehend anerkannt werden, so sind die gesellschaftlichen Prozesse, die zu dieser Steuerpolitik geführt haben, bisher unterbeleuchtet. Studien und Umfragen sprechen dafür, dass ein Teufelskreis aus Elitenbildung, Einkommens- und Vermögenskonzentration und unterschiedlichen politischen Einflussmöglichkeiten hinter dieser Entwicklung steckt, den es zu durchbrechen gilt.“

Ich möchte das mal mit einem Bild skizzieren: wir alle kennen die Legenden vom Markt. Die lernen wir in der Schule. In der Mitte ein Dorf, das sich um einen Marktplatz gebildet hat. Drumherum: ein Dutzend freier Bauern, die sich spezialisiert haben, um die Ernteerträge zu effektivieren – der eine macht in Huhn, einer in Weizen, einer in Obst, einer in Fisch, einer in Karotten, einer in Kohl und so fort. Alle treffen sich einmal im Monat im Dorf, wo sich ebenfalls Menschen spezialisiert haben: einer macht in Schuhen, einer in Stoffen, einer in Werkzeugen und vieles mehr. Dort werden die jeweils überflüssigen Waren zum Wohle aller ausgetauscht – und der Wohlstand kommt.

Das war Deutschland früher.

Heute sieht es anders aus. Ein Konzern hat alle Ländereien gekauft, die freien Bauern sind Angestellte. Dem Konzern gehört der Marktplatz, die Geschäfte und die Wohnhäuser im Dorf, wo er durch Mieten schon allein für ein gutes arbeitsloses Einkommen sorgt – von den Patenten (die auch für Saatgut geben soll, der Basis der ganzen Wirtschaft) mal ganz abgesehen. Er allein bestimmt auch die Preise – sein Gewinn (der Gewinn von Wenigen) steht vor dem Prinzip „Wohlstand für Alle“, die freie soziale Marktwirtschaft des Ludwig Ehrhard ist zu einem kaum durchschaubaren Konstrukt von Beteiligungen geworden, gehalten und gelenkt durch die Bank im Ort, die diese Konzentration überhaupt erst möglich gemacht hat, in dem sie einem Lumpen das Geld der Dorfbewohner lieh, damit dieser soziale Notlagen umliegender Höfe ausnutzen konnte, die durch Krankheit, Alter oder mangelnde Erben entstanden. Der Konzernverwalter lädt Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer des Dorfes beständig zum Essen ein und beschenkt sie gelegentlich großzügig – natürlich nur, um der Würde ihres Amtes gerecht zu werden. Nebenbei sorgen diese Eliten – deren Kinder priviligierte Lebensläufe geschenkt bekommen – für den Erhalt des Status Quo.

Das ist Deutschland heute.

Natürlich ein verkürztes Bild – aber nur so verkürzt wie das alte Bild vom Markt, dass nie berücksichtigte, dass es immer Großgrundbesitzer gab, die das ganze Markttreiben in der Hand hatten.

Natürlich gibt es in der Realität auch mehrere Konzerne, die in der Öffentlichkeit alle emsig gegeneinander streiten – aber hinten herum geschieht etwas ganz anders: eine Verbrüderung zum Machterhalt, eine Bewegung hin zum absoluten Staat (den wir als Parteienstaat – faschistisch und kommunistisch geprägt – schon kennen gelernt haben, wobei letzterer für den Bürger weniger Angriffskriege zu verbuchen hat und mehr Lebensqualität bereit hält). Hinter den Kulissen bildet sich eine Allianz der Priviligierten, die ihre Milliönchen unangefochten ins Trockene bringen und das System auf tausend Jahre verfestigen wollen: die Wiedergeburt der alten Aristokratie, die sich in zweihundert Jahren wieder vererbare Titel geben wird, die ihren Besitz heiligen sollen.

Eine lange Vorrede, um Sie auf einen entscheidenden Artikel des Manager-Magazins aus dem Jahre 2011 zu verweisen, der auf ein sonderbares Treffen im Jahre 2010 verwies (siehe Manager Magazin):

Ob Karriereturbo, Kungelrunde oder lockerer Plausch: Geheime Machtzirkel der Wirtschaftselite erleben eine wundersame Renaissance. Ein Blick in die Hinterzimmer der neuen Deutschland AG.

Geheime Machtzirkel der Wirtschaftselite: klingt wie eine Verschwörung. Wer macht denn da mit?

„Johannes Teyssen (51, Eon), Frank Appel (49, Post), Martin Blessing (47, Commerzbank ), Kasper Rorsted (48, Henkel). So sind folgende Großkaliber dabei: Hartmut Ostrowski (52, Bertelsmann-Chef), Oliver Bäte (45, Vorstand Allianz), Günther Jauch (54, TV-Eminenz), Oliver Bierhoff (42, Fußballmanager). So rundet das Gremium folgender Unternehmsberater ab: der Kölner McKinsey-Direktor Klaus Behrenbeck (43).“

Sie werden sehr überrascht sein, wenn sie lesen, warum die im Hause Bertelsmann zusammen kommen:

„Die Herrschaften sind gern unter sich und einander genug. Nur so können sie interdisziplinär und diszipliniert besprechen, was die Öffentlichkeit nichts angeht, aber gleichwohl bewegt. Schließlich repräsentieren sie rund 280 Milliarden Euro Umsatz sowie zig Millionen Fernsehzuschauer und Fußballfans.“

Ist Ihnen klar, was sie da gerade gelesen haben? Sie werden öffentlich über die Existenz von Geheimgesellschaften informiert, die hinter ihrem Rücken – dem Rücken des Souveräns und Steuerzahlers – Dinge besprechen, von denen das Managermagazin meint, es würde Sie nichts angehen. Wirtschaft, Medien und Sport bilden eine Allianz hinter ihrem Rücken und wollen sich – wie man weiter lesen kann – auch bald einen Minister einladen.

Frank Appel ist übrigens auch ein McKinsey. Ebenso wie Martin Blessing, Chef der durch Staatsmittel geretteten Commerzbank, die besonders dadurch auffiel, dass er mutig gegen die Entscheidung eines Ministers die Begrenzung der Spitzenbezüge um 160 Prozent überschritt – es waren seine eigenen Bezüge, obwohl die Bank noch massiv Schulden beim Staat hatte (siehe Handelsblatt). Auch bei McKinsey: Oliver Bäte. Ostrowski, Teyssen und Bierhoff gehörten zu den 40 „Prominenten“ (also: Adeligen), die den „Energiepolitischen Appel“ unterschrieben hatten, den Aufruf zur Umkehr vom Atomausstieg.  Dort trafen sie auf Carsten Maschmeyer (der dem Ex-Kanzler Gerhard Schröder viel Geld für dessen Biografie zahlte), auf Otto Schily, der neben dem Altkanzler Schröder, dem CSU-Mann Peter Gauweiler, dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler zu einer „Kasachstan-Connection“ zu rechnen sind, die mit und für einen Diktator arbeiten (siehe Spiegel). Otto Schily – ach ja: sein Vater war der reiche Hüttendirektor Franz Schily. Er – der Waldorf-Schüler – verteidigte RAF-Bomber und nahm unlängst den Holocaustleugner Horst Mahler in Schutz – Holocaustleugnung als Straftatbestand sollte man überdenken (siehe Zeit).

Das ist jetzt etwas viel Information, oder? Die Sie gar nicht mehr verarbeiten können, weil Ihre Aufmerksamkeitsspanne unter Goldfischniveau gefahren wurde – ein Triumph moderner Technik (siehe engadged), die mit viel Geld unters Volk geworfen wird – ohne irgendeinen Nutzen zu haben. Eine Nebenwirkung ist fortschreitende Bequemlichkeitsverblödung (siehe Focus), die es nicht mehr erlaubt, komplexe vernetzte Informationen aufzunehmen: auch, wenn die lebenswichtig sind.

Wir schweifen ab.

Bleiben wir bei dem Treffen der deutschen Managerelite, zu der ein Ballspieler und ein Komödiant eingeladen wurden. Oder wie nennt man so einen Herrn Jauch? Herr Jauch soll privat sehr nett mit seiner Familie umgehen, hat mir ein Augenzeuge berichtet. Was macht da eigentlich ein Herr Jauch in diesem Kreis – außer, dass er Schwiegermutters Liebling ist. Weiß er nicht, in welchen Netzwerken er dort aktiv wird? Und was wollen die Funktionäre des Geldes von ihm? Nun – ein gemeinsamer Nenner eint sie: dort treffen sich Millionäre. Die Show, die Jauch in Deutschland präsentiert, ist – wie viele andere auch – ein Klon der anglo-amerikanischen Gameshow-Strategen, die heutzutage weltweit für die Förderung der Bequemlichkeitsverblödung sorgen, mitlerweile gehört sie dem Sony-Konzern in Japan (siehe Bundeszentrale für politische Bildung).

Lesen Sie diesen Artikel im Manager Magazin bitte selbst ganz durch (ähnliches finden Sie auch in der Welt, wo man sich über „Deutschlands mächtigste Strippenzieher“ informieren kann – siehe Welt): sie bekommen zwar keinen Eindruck von den Mächten, die heute die Märkte kontrollieren, aber von ihren Angestellten, die die Arbeit der „Märkte“ vor Ort verrichten: Agenten der informellen Geldmacht, sozusagen. Viele – wie Herr Jauch, der sich jetzt von Werbegeldern der Unternehmen ein Weingut gekauft hat, das schon 1805 seiner Familie gehörte – stammen aus Familien, die schon früher „das Sagen“ hatten.

Was Herr Jauch den Millionärsfunktionären der Milliardärskaste berichtet, wird erwähnt:

„Der Millionärstester erklärt dann, wie Medien und Politiker funktionieren. Der Ex-Fußballprofi berichtet vom Umgang mit Drucksituationen und darüber, wie man Teamgeist und Loyalitäten schafft.Bis Viertel vor zwölf quatschte sich die Runde neulich bei Bertelsmann fest. Man fuhr auseinander mit dem Vorsatz, demnächst mal einen Minister einzuladen.“

Der Mann mit dem abgebrochenen Jurastudium erklärt McKinsey und seinen Ehemaligen die Welt der Politik und Medien. Der Mann, der mit dem Ball spielt, sorgt für Teamgeist und Loyalität – was viel Sinn macht, wenn man hier vor Ort – flankiert von McKinsey und Bertelsmann – Kommandogruppen schaffen will, die innerhalb der verblödeten Gesellschaft für Stimmung sorgen, weil sie Schwiegermutters Lieblingsmillionär sind und von McKinsey erfahren haben, wohin die Reise geht.

Das ist übrigens auch bekannt. Technik wird jeden zweiten Arbeitsplatz in Deutschland ersetzen (siehe Welt). Wir haben dann knapp 30 Millionen Arbeitlose, das wird ohne Zugriff auf die Millionärskonten gar nicht zu bewältigen sein. Wäre dann schwierig, die Villa am See für sich allein lange zu  halten. Sie wäre ja auch als Erholungsheim für alleinerziehende Mütter besser geeignet gewesen.

Wie viele dieser geheimen Netzwerke gibt es?

Das ist unbekannt.

Wie viele Führungskräfte sind schon so untereinander verwoben?

Das ist unbekannt.

Welche gemeinsamen Werte und Ziele einen sie – außer Atomkraft zu fördern und perverse Mengen an Geld aufhäufen, das woanders an allen Enden und Ecken fehlt?

Wir wissen es nicht.

Aber wir wissen, dass wir ein Problem haben. Ein Soziologe erklärt uns das (siehe 3Sat)

„Wenn Produkte hergestellt werden, entsteht Abfall, und wenn die Produkte nicht mehr gebraucht werden, entsteht noch mehr Abfall. Doch was passiert in dieser Gesellschaft mit den Menschen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der polnisch-britische Soziologe Zygmunt Bauman. Seine These: Die Moderne produziert überflüssige Menschen. Diese werden zu Abfall. Sie sind Verlierer des radikal-ökonomischen Fortschritts.“

30 Millionen Abfallmenschen. Wenn die wählen gingen, würde es nicht mehr steuerbare Veränderungen geben. Womöglich würde man Fragen stellen – und mal genau nachschauen, wieso ein Mann, der mit einem Ball spielt, Millionär wird. Ebenso wie ein abgebrochener Jurastudent – während das Gros deutscher Schauspieler von Hartz IV lebt – wie auch viele Juristen und Geisteswissenschaftler, die man zum Kampf gegen die Wohlstandsverblödung gut brauchen könnte. Man würde der Spur des Geldes nachgehen, den Hintergründen für die weltweite Flut an „Game-Shows“, die man leicht durch Informationsprogramme ersetzen könnte, um wieder Staatsbürger zu bilden – anstatt wohlstandsverblödete Standardwähler, die zu keiner politischen Entscheidung mehr fähig sind und nur noch machen, was Bierhoff, Jauch und ähnliche Agenten empfehlen.

Was sehen wir da im Entstehen? Womöglich eine Kaste, die sich informell als Wirk- und Kampfgemeinschaft formiert, um an der unvermeidlichen Endlösung der Abfallmenschenfrage zu arbeiten. Oder Millionäre, die eine Interessensgemeinschaft zur Sicherung und Manifestierung ihrer Wohlstandsspähre bilden.

Der Teufelskreis aus Elitenbildung, Einkommens- und Vermögenskonzentration und unterschiedlichen politischen Einflussmöglichkeiten organisiert sich, verfestigt sich, greift professionell nach noch mehr Macht.

Und das eine Partei aus diesen Eliten eine echte Alternative für Deutschland (oder Europa und die Welt) bedeutet, wage ich zu bezweifeln. Aber die Kellner, die uns die Steuern servieren und die Leistungen zum Wohle der Villenwelt kürzen, werden andere sein.

 

 

„SPD – WIR HABEN ENTSCHIEDEN – DAS WICHTIGE TUN“

„SPD – WIR HABEN ENTSCHIEDEN – DAS WICHTIGE TUN“

Uns geht’s gut im Schlamerkelland + Gratis-Tip aus Leistungsträgermund für Hartzer: Wie auch Sie es zu Wohlschand bringen können

Zwischen 16 und 20 Prozent der Bevölkerung Deutschlands leben unterhalb der Armutsgrenze (siehe N-TV). In dem Moment, wo Sie diese Zeilen hier jetzt gerade lesen, leidet rund eine Milliarde Menschen an Hunger (siehe wfp), alle fünf Sekunden stirbt ein Kind qualvoll an Unterernährung (siehe We feed the world). Migrationsforscher  erwarten demnächst hundert Millionen Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten, die sich auf den Weg nach Mitteleuropa, vorzugsweise ins gelobte Schlamerkelland machen, um nach Jahrzehnten im ausgebeuteten und vergifteten Elend nun auch mal ein Eck von der Wohlschandstorte abzubeißen.

Daheim hält sie nichts mehr – sie verdienen unter sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen und kaum Schlaf weniger als 1 Dollar pro Tag – zuwenig zum Leben und zuviel zum Sterben, während hier im Schlamerkelland sich die Tische mit fünfgängigen Menüs, Champagner und Unterhaltungselektronik biegen.

Tja, wie kommt das nur? Reichtumsforscherin Birte Schneider geht dem Rätsel im Auftrag des ZDF auf die Spur und interviewt den Selfmademan Robert Geiss, der seinerzeit mit einer Modekette für Bodybuilder Millionen gescheffelt hat und sich nun die Zeit damit vertreibt, zwischen Saint Tropez und Jamaica hin- und herzujetten.

Und der leistungsträge Herr Geiss ist keineswegs schnöde, er plaudert lachend aus der Schule und gibt freimütig das Geheimnis seines Erfolgs preis. Am Ende des Interviews spendiert er sogar den Harzern und den „Bimbos“ ein paar Tips, wie auch sie zu mehr Wohlschand kommen können:

Ach ja, falls jemand noch Puste hat: Hier auch noch ein paar ernst gemeinte Statements des obigen Herrn Geiss aus seinem echten Alltagsleben. Das RTL-Video hat mir persönlich einige Rätsel gelöst: Ich bin selbst Unternehmer und fragte mich schon länger, warum junge Mitarbeiter keine wirkliche Motivation mehr entwickeln können, sondern den Tag am Schreibtisch bzw. am Flachbildschirm eher lustlos absolvieren. Nun ja, nun kann ich als nicht-fernsehender Mensch dem Ganzen wieder besser nachfühlen: Wenn junge Menschen daheim vor der Glotze auf RTL täglich solche Bilder zu sehen bekommen, wo clevere Kerlchen sich zur Unterbrechung ihrer Montagslangeweile in Saint Tropez als Beilage zu ihrem Hummer zur Abwechslung mal einen Mercedes SL um schlappe 170.000 Kröten genehmigen und voll Schpaß dabei haben, einen „Doughnut“ zu drehen (was das ist, erfährt man im Video) – warum soll man sich dann in seinem Bullshitjob, von dem man sich nach Abzug von Miete und Essen gerade mal das Matschphone und einen Energydrink aus dem Budget-Regal leisten kann,  „einen Haxen ausreißen“?

Nachsatz:

Da wir hier im Nachrichtenspiegel natürlich nicht bloß Trash bringen wollen, sondern schon auch einen gewissen philosophischen Anspruch haben, zum Schluss also auch einige philosophische Gewürzstreusel. Dank dieser Gewürzstreusel kann Ihr Magen die aufgebrühte Pizzapuddingmelange aus den obigen Videos gut verdauen und Ihre Leber erhält die notwendigen Vitamine, um die aufgenommenen Toxine und freien Radikale wieder auszuscheiden.

Besagte Gewürzstreusel wurden in uralt-ehrwürdigen Zeiten von unbekannten Autoren im Industal verfasst, besitzen jedoch eine zeitlose Wahrheit und bringen in kurzer Versform genau das Verhängnis zum Ausdruck, das uns heute allerdings als erstrebenswerter state-of-the-art-lifestyle beigebracht wird:

Wenn ein Mensch materielle Dinge betrachtet, entsteht Bindung an diese.

aus Bindung entsteht Begehren,

aus Begehren entsteht Zorn,

aus Zorn entsteht Verblendung,

aus Verblendung erfolgt Verlust der Erinnerung (an den Sinn des Lebens),

aus dem Verlust der Erinnerung erfolgt Zerstörung des Verstandes/ der Unterscheidungsfähigkeit;

ist der Verstand/ die Unterscheidungsfähigkeit zerstört, dann geht der Mensch zugrunde.

Wie wäre es, diesen Vers als Beipackzettel  allen Käufern des oben vorgestellten Mercedes SL 63 AMG mit auf ihre Spritztour zu geben? Oder zeitgemäßer: als NAVI-Insert, das jedesmal gemeinsam mit dem Gurtwarn-Piepser aufleuchtet, wenn sich der Lenker ans Steuer setzt.  -Wo doch heute jedes Lebensrisiko des Menschen versicherungstechnisch deklariert werden muss …

Hartz IV – die leise Hinrichtung der Kikki W. und der Applaus der Masse

Hartz IV - die leise Hinrichtung der Kikki W. und der Applaus der Masse

Mittwoch, 3.2.2016. Eifel. Wer mit Kikki W. Geiß telefoniert, wird überrascht sein. Sie gehört zu den Menschen, die ich per Facebook kennengelernt habe. Sie hatte eine – inzwischen geschlossene – Gemeinschaft mit dem Namen“die sterbende Frau in der Pampa“. Wie man seit ein paar hundert Artikeln von mir weiß, beobachte ich den Sektor Hartz IV sehr genau: es geht um die Zukunft meiner Kinder. Ich selbst habe nicht mehr viel davon, die aber: denen steht noch einiges bevor. Geht auch um das Schicksal des ganzen Landes, der Wirtschaftsgemeinschaft Bundesrepublik. Natürlich wissen wir, dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss – einmal abgesehen von Obdachlosen. Ach ja: diese Obdachlosen (die es ja eigentlich nicht gibt) – 240 000 Menschen in Deutschland haben keinen sicheren Wohnraum, 24000 leben nur noch auf der Straße, doch die Zahlen sind nicht sicher, nur geschätzt. Warum man in einem Land, dass eine riesige Behörde für Statistik beschäftigt, keine konkreten Zahlen über massiv hilfsbedürftige Menschen erhält, hat einen einfachen Grund (siehe Zeit):

„In der Antwort der Bundesregierung, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt, lehnt die Regierung unter Federführung des Sozialministeriums eine Wohnungslosenstatistik ab. Sie verweist auf eine Anfrage von SPD, Grünen und Linken aus dem Jahr 2012 und sagt: „An den grundsätzlichen Einschätzungen hat sich nichts geändert.“ Eine Wohnungslosenstatistik sei nicht realisierbar, weil der „finanzielle und bürokratische Aufwand für die Einführung einer neuen Statistik auf Bundesebene mit sehr begrenzter Aussagekraft nicht zu rechtfertigen“ sei.“

Lebensgefahr für 24000 Menschen? Oder – langfristig – 240000? Kein Thema für die Bundesregierung. Das – schaffen wir nicht. Zuviel Aufwand. Interessiert auch keinen. Sollen die doch verrecken, die Verlierer. Tun die ja auch – ganz offen in Berlin am Kurfüstendamm, dem Herz der Republik, scheiden die dahin – möglicherweise erfroren, aber wen interessiert das schon wirklich (siehe Morgenpost). Müssen hunderte Menschen miterlebt haben – hippe, junge, erfolgreiche Selfmadestars, die die Straßen Berlins bevölkern, mit Steuermitteln reich gepumpte Abgeordnete, Banker mit dem Fachgebiet Steuerhinterziehung, Ministerialbeamte mit Luxuspensionen für die Ewigkeit, Lobbyisten mit Säcken voller Geld für Demokratieaushöhlung und was da noch alles so in der Hauptstadt einherschlendert: das neue Deutschland erinnert an ein Bild von Otto Dix – Großstadt – wo die Promis eiligst an den zerfetzten und zerschossenen, verstümmelten Kriegsveteranen vorbeiflanieren, um zu neuen Partyzonen zu gelangen.

Zurück zu Frau Kikki W.

In ihren Einträgen findet man viel Bitterkeit, Zorn, Wut – umso überrschander ist es, wenn man persönlich mit ihr spricht. Sie wirkt wie eine junge Frau mit gerade abgeschlossenem Einsersstudium, die einen fetten Vertrag mit der Deutschen Bank in der Tasche für – für die Filliale in New York natürlich. Einer der ganz wenigen Momente in meinem Leben, wo ich mich mal in der Einschätzung einer Person geirrt hatte. Trotz großer Not eine ruhige, klar denkende, bewusste Person vor mir zu haben, war eine Überraschung. In Wirklichkeit ist sie aber eine Frau, die vom „Sozialstaat“ zum Tode verurteilt wurde – was sie zu einem außerordentlichen Schritt veranlasste: sie ging mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit, weil sie seit dem 1.2.2016 als „unerwünschte Person“ kein Geld mehr bekommt. Ja – dieser Hilferuf ist mir dann aufgefallen – und ich möchte Ihnen diesen nicht vorenthalten:

So Leute ich sage es Euch wie es ist, finden wir nicht in Kürze ein neues zu Hause weit weg von diesem hier, dann war es das ….. Ich war eben mit den Hunden „ spazieren“ was ja eher einen Spießrutenlauf gleichkommt. Man hat sich was neues einfallen lassen, man versucht die Hunde zu provozieren, dass sie angreifen. Zum Glück hatte ich nur die dabei, die wirklich gelassen sind. Hintergrund ist klar, Hund greift an aggressiv muss weg.

Ich werde NIEMALS eines meiner Tiere im Stich lassen. Nur das alles hier hält man nervlich nicht mehr aus, abgesehen von den finanziellen Einbußen die man hier einem zumutet‘ indem man ihn einfach aushungern lassen will. Nein, ich beuge mich auch nicht und ich sage was ich denke und stehe dazu. Ich weiß viele können damit schwer bis gar nicht umgehen, aber es ist niemand gezwungen zu lesen was ich schreibe oder überhaupt sich meine Gesellschaft in irgendeiner Weise zu Gemüte zu ziehen.

Es geht hier nicht weiter. Seit mehr als einem Jahr habe ich hier gekämpft, gebettelt und versucht irgendwie raus zu kommen. Mir wurden mehr Steine in denWeg gelegt , als ein Steinbruch beinhaltet. Menschen haben mich gemobbt, den Tieren ihre Paten vergrault und alles versucht um mich schlecht zu machen. Hier vor Ort, werden Giftköder, Glas und anderes in den Garten geworfen, dass bezahlte Land einfach für sich beansprucht. Gedroht, Zaun kaputt gemacht, Reifen zerstochen . Das ist kein Leben und es interessiert evtl. niemanden , denn ich schreie hier gerade nach Hilfe für uns. Vielleicht bin ich kein guter Mensch, evtl. hin und wieder gemein und hässlich, aber ich bin zumindest authentisch und nicht so verlogen , wie so mancher hier. Ich heuchel auch nicht, mache keine traurigen Bilder meiner Tiere und bitte um Hilfe, nein denen geht es nunmal gut, solange wir zusammen sind.

Ich habe alles gegeben, mein letztes Hemd, alles verkauft, was nicht Niet- und Nagelfest war . Habe gehungert und verzichtet. Weder Klamotten noch Friseur geleistet. Ich will weder Dank noch Anerkennung, bekomme ich alles täglich durch die Vierbeiner.

Ich wehre mich gegen diese korrupten Verstrickungen zwischen Landrat, Gerichten , Vermieter, Nachbarn und dergleichen.

Habe Menschen die berühmt sind und sich immer hier stark für Tierschutz, Menschenwürde usw. machen gebeten, meine Gesuch nach einem zu Hause mal bei sich zu posten, damit viele Leute, denen doch sowas auch wichtig ist mitbekommen und evtl. irgendwer dabei ist, der ein kleines Haus mit Grundstück ohne Nachbarn hat, wo meine Tiere und ich endlich zur Ruhe kommen könnten, soll ja nicht mal umsonst sein. Aber nein, man predigt zwar immer seine guten Taten und wie sehr man sich einsetzt, aber sowas zu teilen wäre wohl unmöglich. Zumindest tut man es nicht und man reagiert auch nicht auf diese Bitten mit einem Wort. Okay, ändern kann ich das auch nicht, finde es nur traurig, kann nur versuchen alles zu tun. Andere meinen Kasse mit den Tieren machen zu können und bieten an “ auf ihre Kosten “ zu vermitteln. Leute hier lebt ein Rudel, das sich gegeneinander und vor allem miteinander hält . Alle haben schlimmes erlebt und das Rudel gibt Sicherheit und Frieden . Ich werde dieses Rudel was echt schön chaotisch ist nicht auseinander reißen. Und nein, ich poste nun auch keine mitleidsvolle Bilder, ich gebe auch keine persönlichen Daten raus. Wer mir ein zu Hause geben kann und will, der darf das gerne erfragen, aber bitte nicht hier die Leute, die einfach nur ihre Neugier stillen wollen, oder verzweifelt suchen womit man mir einen reinwürgen kann.

Meine Tiere haben weder gehungert, noch fehlt es Ihnen an Pflege oder sonstigen. Denn im Gegensatz zu ganz vielen anderen, gebe ich wirklich mein letztes Hemd für Tiere und dreimal für mein Rudel. Ich bin kein Schwätzer ich gebe sie auch nicht her, damit ich dann ein einfaches Leben führen kann. Das wäre für den einen oder anderen das sichere Todesurteil

Es ist verdammt viel Arbeit, jeden Tag, Woche, Monat, Jahr von früh bis spät, aber ich mache das sehr gerne und erhalte den schönsten Dank, denn dieses Rudel liebt mich wie ich sie. Also kommt bitte nicht mit Sprüchen von trennen oder sonstiges.

Sorry, wenn ich es so klar hier schreibe, aber ich habe die Nase voll, von all denen die zwar immer Fehler finden, aber wie man es besser machen kann , dazu fällt ihnen dann nichts ein.

WIR BRAUCHEN NUN HILFE VON DEN LEUTEN DIE AUCH HELFEN WOLLEN UND KÖNNEN.

ich habe mir die Finger wund gewählt und mit vielen Maklern und Vermietern gesprochen. Es ist für eine Einzelperson mit Tieren nahezu unmöglich etwas zum mieten zu finden. Heute erst sagte mir ein Makler, der sehr nett war, dass die Vermieter alle ihre Preise angezogen haben, weil der Staat ja gerne mehr zahlt für unsere Neubürger und wirtschaftlich gesehen verstehe ich das auch. Nur heißt es im Umkehrschluss, dass ich nichts finden werde.

Man meinte ich sollte kaufen…..klasse, mir gibt auch jede Bank direkt ein Darlehn. Klar ist eine Finanzierung günstig und die monatliche Belastung machbar, aber wir leben in Deutschland, da bekommt man nur Geld, wenn man welches hat und nicht wenn man es braucht.

Was suchen wir also ? Ein Wunder ….. Ein kleines Haus, das bitte Sanitäre Anlagen, Strom und ein dichtes Dach haben sollte. Einen Ofen oder Heizung ansich und was halt wichtig ist, Alleinlage mit Land drumrum, wo die Tiere laufen dürfen ohne wenn und aber. Sowas gibt es , teilweise für kleines Geld , aber wer nicht mal kleines Geld hat, weil er hier alles alleine stemmt, nun für den ist auch ein Euro unerreichbar.

Ich weiß nicht weiter . Ich finde keine Lösung mehr, keine Perspektive. Ein Investor, der sein Geld in Immobilien anlegen mag, das wäre der 6 er im Lotto, aber woher nehmen wenn nicht stehlen. Die Leute die ich von früher kenne , die schauen mich wegen meiner Lage kaum mit dem Hintern an. Ist halt so, ihr gutes Recht.

Ich kenne viele und doch niemanden.

Oder ich finde 50 Tsd. Leute die mir jeweils 2 Euro leihen, aber hier teilt ja kaum einer, wenn es nicht um was brisantes aus dem Mainstream geht. In Amerika würde man das hinbekommen . Nein , ich will gar keinen Besitz, ich will einfach ein zu Hause und Ruhe, mehr nicht. Ich brauche kein Eigentum . Was wir aber ganz dringend brauche ist ein zu Hause.

Also wer was tun kann, der tut es bitte und wer helfen will auch später irgendwie, sehr gerne . Wir sind glaube ich gar nicht so verkehrt. Auf keinen Fall reich an materiellen , denn da ist so gut wie nichts mehr , aber wir sind sehr reich an Liebe .

Wäre schön wenn das hier was bewirkt. lch weiß einfach nicht mehr weiter.

Die Geissleins ( Mensch und Tier mit Herz und Werten )

Das wäre schön: 50000 Leute, die ihr jeweils 2 Euro leihen. Gäbe es die – hätte Kikki ihr Haus. Ich kenne da eins, das ideal wäre – auch und gerade für ihre beruflichen Pläne. Doch ihre Erfahrungen mit ihren Mitmenschen sind da ganz anderer Art:

Ich bin für die meisten schuldig an meiner Lage und deswegen soll ich doch verrecken, so die Wahrheit dieser Gesellschaft. Das ich mich um Tiere kümmere, wofür andere sich bezahlen lassen , wird mir als Luxusleben ausgelegt und Dreistigkeit so leben zu wollen. Das ich hier ein einem Haus wohne ist direkt Luxus, oh sie fährt Auto, hat Internet, diese Betrügerin will sich von anderen Ihr tolles Leben bezahlen lassen. Ja, so redet man sich sein eigenes Gewissen wohl rein, denn nicht einer dieser Menschen hat mich je gefragt wie ich lebe, wie mein Tag aussieht, ich bin ein Luxus oder eine Schmarotzerin das Urteil über mich ist in dieser Gesellschaft gefallen und ich bin es müde zu widerlegen. Ich bin es leid, ich bin dieses Gehetze und gemobbe müde und am Meisten tut die Ignoranz weh, von Menschen die mich kennen von früher .

Ja – Kikki war nicht immer arm, doch ich traue mich das kaum noch zu schreiben. Wer um Hilfe ruft, bekommt heutzutage vor allem eins: tausend Richter (auch aus dem Lager der „Hartzer“), die erstmal alles genau wissen wollen, die prüfen wollen, ob es sich überhaupt um „schützenswertes Leben“ handelt, ein privater Volksgerichtshof der Hassfratzen, die vor allem eins vergessen haben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – jedenfalls in diesem Land. Aber darauf sind wohl erstmal alle richtig geil, wenn aktuell jemand am Boden liegt: drauftreten – und den „Existenzberechtigungsschein“ überprüfen. Wundert sich da jemand, dass es Menschen gibt, die sich „Antideutsche“ nennen?

Ich weiß: alle denken jetzt – Anwalt nehmen, durchpauken. Hat Kikki alles schon hinter sich, sie war sogar schon beim Bundesverfassungsgericht – das jetzt angeordnet hat, dass weitere Post von ihr nicht mehr beachtet wird. Ein weiter Weg für den Kampf einer Familie. Ja, es gibt auch Anwälte – Anwälte, die erleben durften, wie ihre verharzten Mandanten sich das Leben genommen haben und die deshalb nichts mehr mit dem Themenbereich Hartz IV zu tun haben wollen. Der Kniff, mit dem ihr jede Hilfe der Optionskommune entzogen wird, ist einfach – aber genial (und spart dem Staat viel Geld). Kikki wohnt in einem Haus, dass zu teuer ist, mit dem Partner angemietet, als es finanziell noch sehr gut ging – einem Partner, der fort war, als es schlechter ging: ein richtiger Fall unverschuldeter Not. Wir reden auch nicht über eine Luxusvilla, sondern über eine baufällige alte Ostfriesenhütte – Durchzug inklusive.

Die rechtliche Auseinandersetzung ist in Kikkis Internetauftritt fotografisch gut dokumentiert. Die List, mit der sich die Optionskommune ihrer Verantwortung entzieht, auch. In ihren eigenen Worten klingt das so:

Die begründen das indem sie meinen Antrag auf Bedarfsdeckung umwandeln in einen Antrag auf höhere Mietkosten. Das zum Zwecke, damit die Leute direkt sehen sollen, ah die Dame wohnt im Luxus und wir sollen den bezahlen. Sind ja nicht dumm und wissen wie sie es machen mit dem Bürger und dem Neid. Im Gesetz steht, das wer in Not gerät, 6 Monate Zeit bekommt diese zu beseitigen sonst wird reduziert. Das Urteil vom 09.02.2009 sagt, der tatsächliche Bedarf ist zudecken. Davon will aber keiner was wissen. Denn tatsächlich ist dieser Hartz Satz eine Pauschale. Das Verfassungsgericht hat damals gesagt, dass das Existenzminimum nicht bestimmt werden kann und somit hier diese Pauschale festgesetzt wird und Leute die mehr brauchen dies nachweisen sollen und dann bekommen. So die Theorie. Fernsehn, hatten wir schon die greifen dieses Thema nicht auf und Anwalt ebenso wenig. Diese Ratschläge kenne ich alle und laufen ins Leere. Habe schon alles versucht . Ich bekomme keine Leistungen , auch ein Darlehn wird abgelehnt . Gutscheine bekommst du nur wenn du sanktioniert bist, nicht wenn eine Totalversagung vorliegt. Mein Antrag liegt Gericht und Landrat vor, man entscheidet einfach nicht. Spielt auf Zeit .

Sie hat kein Recht auf Leistungen, weil sie Miete zahlt, die ihr nicht zusteht. Zahlt sie nicht, folgt die fristlose Kündigung, die Obdachlosigkeit, der Tod … wie bei dem Mann auf dem Kurfürstendamm. Wie oben geschildert ist der verantwortliche Landrat (Jurist, SPD) scheinbar nicht gewillt, hier der Not Abhilfe zu schaffen. Und außerdem … beseitigt sich dieses Problem ja auch von ganz allein. Ohne Geld. Da wir Obdachlose ja nicht zählen, verschwindet Kikki dann ja auch im Nichts … bzw. auf dem nach Behördenangaben sehr „entspannten Wohnungsmarkt“.

Was verdient eigentlich so ein Landrat? Es gibt da einen ganz mutigen, der das mal öffentlich gemacht hat: 8520,59 Euro im Monat (siehe: der gläserne Landrat). Dazu kommt eine Dienstaufwandsentschädigung, ein Dienstwagen mit Fahrer und eine Altersvorsorge, in deren Genuss man auch in sehr jungen Jahren kommen kann … wenn man nicht wiedergewählt wird. In Hessen reichen schon sechs Jahre als Bürgermeister, um Pensionen bis zu 4200 Euro Netto im Monat zu erhalten (siehe HNA). Für manche Dinge ist Geld da – für andere eben nicht. Kein Geheimnis ist, dass diese Pensionsansprüche (in Höhe von EINER BILLION EURO – siehe Wiwo) nicht mehr finanzierbar sind – doch davon müssen wir ein andermal reden.

Kikki hat konkrete (und realistische) berufliche Pläne für die Zukunft, kein Interesse, es sich in Hartz IV „bequem“ zu machen, braucht nur kurze Zeit Hilfe, um ein Zuhause zu finden. Eine Selbstverständlichkeit – in einem „Sozialstaat“. Jetzt aber … sieht es eher nach „Endstation Kudamm“ aus.

Ich nenne das … eine leise Hinrichtung. Kann mich halt noch daran erinnern, dass „Aushungern“ eine Kriegswaffe ist. Nun – diese Waffe wird gegen viele im Land eingesetzt, um sie zur Niedriglohnarbeit zu zwingen. Das ist ekelhaft, aber nicht neu. Wirklich widerlich jedoch … sind hier die Mitmenschen. Ich verstehe langsam, warum unzählige Frauen auf Scheiterhaufen brennen mussten … und denke, wir nähern uns vom Klima wieder diesen Verhältnissen an – mit großen Schritten.

Vielen Dank jenen, die sich auf Facebook nach der ersten Veröffentlichung bereit erklärt haben, eine kleine Spende zu schicken. Wie üblich waren es Menschen, die selbst so gut wie Nichts haben – dort ist Menschlichkeit noch nicht ganz ausgestorben. Hier für Euch – endlich eine Kontonummer:

Kerstin W. Geiß

IBAN: DE17285500000150406510

BIC. BRLADE21LER

Sparkasse LEERWITTMUND

Das Geld wäre nur für Kikki. Ihre Tiere werden durch Paten versorgt.

Als besonderen Leckerbissen: hier noch eine Antwort auf ihren Hilfeschrei:

sorry, wen ich auf dein schmarren, hier mich zu wort melde, schreib den scheiss doch in ein buch, und veröffentliche dies. dan hast auch paar Groschen. oder versuche es bitte mal mit arbeit, wer arbeiten will findet auch was. und keiner muss hier bei uns, auf der strasse liegen oder hungern. es ist nur peinlich was man auf facbock hier veröffendlich und schreibt. ich gebe dir ein guten rat. ziehe nach Ostdeutschland, da sind so viel Wohnungen leer, und auch mit Tieren findest du eine sichere billige bleibe. den wie du schreibst, einfach herrablassend und Bettelbriefe.

Ja – bildungsferne Schicht im Einsatz … bei der Sozialhygiene, bzw. auf der Jagd nach unwertem Leben, das weg kann. Noch Fragen?

Im Gegensatz zu den durchschnittlich über tausend Leuten, die meine täglichen Gedankensplitter und Naturaufnahmen auf FB gratis konsumieren, interessierten sich für das Schicksal der sterbenden Frau in der Pampa gerade mal 239. Trotzdem schreibe ich das hier nochmal mit Kommentar, weil es für zukünftige Generationen archiviert werden sollte, damit klar ist „WIR HABEN VON ALL DEM NICHTS GEWUSST“ zählt diesmal nicht.

 

Angela Merkel „Multi Kulti ist gescheitert. Total gescheitert!“ Das geplante Totalversagen der Politik.

Digital StillCamera

Dienstag, 6. Oktober 2015. Eifel. Bevor Sie diese Zeilen lesen, muss ich Sie warnen. Erst kürzlich wurde mir „Pegida-Nähe“ bescheinigt – und klar wurde ich als CIA-Agent entlarvt. Der Grund ist einfach: ich bin kein Angehöriger der Teddybärkultur, der die Kriegsfolgen dazu nutzt, sein Ego demonstrativ aufzupolieren. Meiner bescheidenen Meinung nach brauchen Kriegsflüchtlinge Therapie und keine Teddybären oder – wie Siemens es gerade praktiziert – einen Praktikumsplatz (siehe Welt) … ja, Siemens, die Firma, die im Mai erstmal großflächigen Stellenabbau angekündigt hatte (siehe Zeit). Ich werde mir auch weiter meine Meinung erlauben, obwohl man inzwischen leicht zum sozialen Abschuss freigegeben wird. Bevor Sie aber nun erschrecken: wir vom Nachrichtenspiegel haben schon 2013 Flüchtlingen geholfen – zu einer Zeit, als großflächig „Migrationshintergrund“ noch als genereller Tatverdacht galt. Es war auch leicht: mit Frank hatten wir einen Menschen vor Ort, der Geld direkt in Hilfe umwandeln konnte – und dies beständig in Videos dokumentierte (siehe Nachrichtenspiegel). Ich hatte aus meinem kläglichen Budget einen Prozentsatz überwiesen, der deutlich über dem lag, was dieses reiche Land für Entwicklungshilfe zahlt. Und wenn Sie mich fragen würden, ob wir die Frauen und Kinder dort aufnehmen sollten, so würde ich sagen: sofort. Melde mich auch freiwillig für den Sprachunterricht. Allerdings wäre ich der Meinung, dass wir sie dort abholen sollten: das erspart uns die Leichenschwemme im Mittelmeer (siehe Spiegel).

Ich bin allerdings auch jemand, der von Medien, Wirtschaft und Politik darüber unterrichtet wurde, dass dieses Land arm ist. Sicher: wer hier Hartz IV bekommt, bekommt mehr, als ein Syrer (2750 Dollar/Jahr), ein Iraker (2640 Dollar/Jahr) oder ein Afghane (410 Dollar im Jahr) (siehe durchschnittseinkommen aus dem Jahre 2010) verdient – allerdings haben wir ein anderes Preisniveau … und zwar eins, dass beständig mehr Deutsche in die Obdachlosigkeit treibt, selbst jene, die „berufstätig“ sind (siehe Freitag vom 2. 10. diesen Jahres):

„Die Zahl der Obdachlosen ist in diesem Jahr erneut gestiegen. Die Politik schaut ungerührt darüber hinweg“

„Nachdem die Zahl der Wohnungslosen seit Mitte der 90er Jahre rückläufig war, steigt sie seit 2008 kontinuierlich an. Am kommenden Montag veröffentlicht die BAGW ihre neuen Schätzungen, zu rechnen ist erneut mit einer massiven Zunahme der Wohnungslosigkeit.“

Nicht gerade Kennzeichen für ein reiches Einwanderungsland – obwohl ein kleiner Teil der Bewohner dieses Landes es in den letzten 20 Jahren es geschafft hat, mehr Besitz und Geld zu privatisieren, als das Land an Schulden hat – doppelt soviel, um ehrlich zu sein. Wir haben schon viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum im eigenen Land: würde die Politik bzw. das Kartell aus Reichen in Medien, Wirtschaft und Politik nicht beständig darüber hinwegsehen, könnten wir wissen, dass die Armut auf dem Vormarsch ist – bedenkliche Entwicklungen für ein Land, dass sich nun als „Einwanderungsland Nr.1“ positionieren will bzw. es einfach mal so – ohne große gesellschaftliche Debatte – geworden ist (siehe Stern). Ja: wir liegen vor den USA. Deutschland gilt es „dicht bevölkert“, wir haben 226 Einwohner pro Quadratkilometer, die USA hingegen nur 32,5 (siehe laenderdaten). Nur – in einem Land, in dem nicht mehr debattiert und gestritten wird, sondern man lieber über den Austausch von Parolen kommuniziert („Deutschland geht es gut“, „Ausländer ´raus“, „Nazischwein“, „CIA-Agent“, „Lügenpresse“), ist das Wahrnehmen dieser Fakten schon gefährlich.

Was wir erleben, ist das, was prophezeit wurde: Generation Doof macht Politik – aber wer will sich schon an das Geschwätz von gestern erinnern. Nun – ich erinnere mich gern an das Geschwätz, zum Beispiel an das von Angela Merkel auf dem Deutschlandtag der Jungen Union im Jahre 2010 (siehe Frankfurter Rundschau) – demnach (die Rede findet man auch bei you tube – zahlreich) war „Multi Kulti gescheitert. Total gescheitert“, wir hatten uns angeblich „in die Tasche gelogen“, was das Zusammenleben mit Türken anging – das sollte mal ein Pegida-Anhänger im Jahre 2015 sagen: der Lynchmob wäre nicht weit entfernt. Ich hatte mich damals über diese Aussage erschrocken: immerhin leben 8 Millionen „Menschen mit Migrationshintergrund“ in diesem Land, die allein schon das kulinarische Leben sehr bereichert haben: wo sollen die denn jetzt hin? Und wohin sollen ihre Kinder, die nichts anderes kennen als die Bundesrepublik?

Ach ja, Kinder. Das erinnert mich an eine „knallharte Merkel“ (siehe Münchener Merkur), die mit ihrer Härte ein „Flüchtlingskind“ zum Weinen brachte – ein Kind, dem Abschiebung in den Libanon droht, obwohl es sich hervorragend integriert hat: das war noch im Juli diesen Jahres. Was hatte sich da die Republik aufgeregt – wer die Zustände im Libanon kennt, weiß, warum. Da würde man noch nicht mal seinen Hund hingeben, geschweige denn einen Menschen.

Doch was geschiet im September 2015? Hören wir, was aktuell im Gespräch ist (siehe Frankfurter Rundschau)

„In Deutschland hat Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik einen schweren Stand. Im Ausland aber wächst ihre Reputation – jetzt wird sie sogar für den Friedensnobelpreis gehandelt.“

Einen schweren Stand? In Deutschland? Aber nicht in den Kreisen der Funktionselite des globalen Turbokapitalismus: Medien, Wirtschaft und Politik stehen Seite an Seite mit der Kanzlerin, vereint im Kampf gegen die „Nazis“ … zu denen man heute die knallharte Merkel vom Juli oder die Enthüllerin des Multi-Kulti-Wahns von 2010 zählen müßte. Der Spiegel zum Beispiel gibt schon eine Anleitung heraus, wie man Flüchtlinge privat bei sich daheim unterbringen kann (siehe Spiegel): ähnliche Anleitungen für die Unterbringung deutscher Obdachloser sucht man vergebens.

Nun – die Funktionselite des Turbokapitalismus rechnet ja auch mit ihresgleichen, so die Propaganda: es kommen „Fachkräfte“ ins Land. Sie rechnet auch zurecht damit: der Preis für eine Reise ins gelobte Deutschland beträgt 9300 Euro (siehe Zeit): da kann man sicher sein, dass Gesinnungsgenossen kommen. Der deutsche Neoliberale betreibt hier – nebenbei bemerkt – eine tödliche Selektion der besonderen Art: einen Job bekommt, wer die Reise überlebt. Ja – da wird auch nicht mehr über „Asyl“ gesprochen, plötzlich ist nur noch von Einwanderung die Rede … obwohl das Grundgesetz dies für eines der dichtbevölkertsten Länder der Erde gar nicht vorsieht.

Wir wissen, das Enge Streß hervorruft … weshalb unsere Reichen ja auch gerne abseits der Masse wohnen und sich nur selten mit den Miniwohnungen zufrieden gibt, die wir unseren aussortierten Mitmenschen – den „parasitären“ Arbeitslosen – knallhart zugestehen … und sie so krank und arbeitsunfähig halten.

Den Streß erleben auch die Flüchtlinge. Massenschlägereien zwischen Flüchtlingen werden immer mehr zur Normalität (siehe Stuttgarter Nachrichten, Spiegel Ntv). Die Gewerkschaft der Polizei findet hier sogar eine klare Sprache (siehe Deutsche Wirtschaftsnachrichten):

„In den Flüchtlingsunterkünften gibt es flächendeckende vorbereitete und organisierte Massenschlägereien und Kämpfe. Wir reden hier nicht nur von Rangeleien, sondern von richtigen Machtkämpfen zwischen verschiedenen Gruppen, die verschiedene ethnische und religiöse Hintergründe haben oder/und Clan-Mitglieder sind. Dabei kommen Waffen zum Einsatz.“

„Die Öffentlichkeit erfährt nur einen Bruchteil, weil die Behörden die Bürger nicht unnötig in Schrecken versetzen wollen.“

Es sind nicht gerade die Handlungsweisen, die man von traumatisierten Flüchtlingen erwartet – andererseits wird hier „Wettbewerb“ gelebt, und wie „belebend“ das für eine Gesellschaft ist, predigt uns der Neoliberalismus ja Tag für Tag. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass 80 Prozent der überlebenden Flüchtlinge junge Männer sind – angesichts der Preise für die Überfahrt muss man sagen: reiche junge Männer, Männer, die in ihrer Heimat mangels Rentensystem für die Versorgung ihrer Eltern zuständig gewesen wären, Männer, die oft genug Frauen und Kinder allein gelassen haben: anstatt der christlichen Devise in Notzeiten „Frauen und Kinder zuerst“ lautet jetzt die Parole „Ärzte und Ingeneure zuerst“: das freut die Medien, die Wirtschaft und die Politik.

Wie viele kommen eigentlich noch? Die Zahlen steigen von Monat zu Monat, aktuell sind schon 1,5 Millionen im Gespräch (siehe Spiegel), sehe ich mir die Steigerungen der Prognosen in diesem Jahr an, dann denke ich mir, dass 2 – 3 Millionen zum Jahresende realistisch sein werden … Tendenz steigend. Damit unsere Kanzlerin den Friedensnobelpreis bekommt, wird die Öffentlichkeit über Bandenbildung unter den „Zuwanderern“ nicht unterrichtet – außer in Organen, die nicht zum deutschen Machtkartell gehören. Die Kartellpresse jedoch singt da ein anderes Lied, wie der Innenminister letztlich erfahren durfte. Er hatte seltsame Beobachtungen gemacht, die er auf Anhieb noch nicht einsortieren konnte – offenbar hatte man es versäumt, ihn mit vorgefertigten Parolen auszustatten (siehe Tagesschau):

„Sie gehen aus Einrichtungen raus, sie bestellen sich ein Taxi, haben erstaunlicherweise das Geld, um Hunderte von Kilometern durch Deutschland zu fahren. Sie streiken, weil ihnen die Unterkunft nicht gefällt, sie machen Ärger, weil ihnen das Essen nicht gefällt, sie prügeln in Asylbewerbereinrichtungen.“

So sind sie halt, die traumatisierten Kriegsflüchtlinge. Doch darüber reden darf man nicht. „Generation doof“ ist selbst mit kleinsten Abwägungen überfordert, Parolen brüllen ist angesagt, wer sich der Parole widersetzt (oder Fakten präsentiert, die die Parole in Frage stellen) wird mit einem gerechten „shitstorm“ überzogen … also ob Scheiße werfen je gerecht sein könnte.

2010 lautete die Parole „Multi kulti ist gescheitert“ – und Deutschland jubelte. 2015 lautet die Parole „wir brauchen unbedingt Zuwanderer“ – und Deutschland jubelt. Jedenfalls … die reichen Deutschen. Die jubeln aber immer, wenn Profite durch Ausbeutung locken. Insgesamt sieht es inzwischen anders aus: 51 Prozent der Deutschen bekommen es mit der Angst zu tun (siehe Tagesschau), was besonders mutig ist: immerhin offenbaren sie nach neudeutschem Sprachgebrauch, dass sie „Nazis“ sind – wie jederman, der heutzutage der Regierungsmeinung widerspricht. Die Angst es begründet: immerhin nehmen wir keine Familien auf, keine Kinder, keine kranken und alten Menschen, sondern junge Männer, die sich ihren Platz in der Welt erobern wollen – auch mit Waffengewalt. Das hat überhaupt nichts mit ihrer Religion zu tun – doch das überfordert die Parolenbrüller schon im Ansatz. Wer kümmert sich eigentlich um die Nöte und Ängste jener Kassiererin, der mit Enthauptung gedroht wurde (siehe Handelsblatt): einer Hinrichtungsart, die in den vom Westen destabilisierten, zerrütteten und absichtlich durch Sanktionen verarmten Ländern inzwischen an der Tagesordnung ist – wie auch das Verbrennen der „Feinde“ bei lebendigem Leibe. Diese Verrohung macht sich nach Informationen des Spiegel auf beiden Seiten breit (siehe Spiegel) – und rechtfertigt meiner Meinung nach schon eine gesellschaftliche Diskussion darüber, ob wir Massenmörder, Sklavenhändler, Folterer und Vergewaltiger in Massen zuwandern lassen wollen … und wie wir angesichts des aktuellen Kontrollverlustes der Politik ausschließen können, dass wir große Mengen an Kriminellen ins Land lassen, die erstmal ein Resozialisierungsprogramm bräuchten, bevor man sie auf die Bevölkerung loslassen kann.

Zumal: diese Art er kalten Zuwanderung verändert das politische Klima im eigenen Land – sehr zum Schaden jener, die wirklich dringend Hilfe brauchen. In Österreich steigt die Nachfrage nach Schusswaffen (siehe unzensiert.at), in Deutschland wird von der Regierungskoalition das Asylrecht selbst in Frage gestellt (siehe Spiegel): wir kriegen einen „Rechtsruck“ der besondern Art aufgrund der besonderen Art der aktuellen Debatte … und der besonderen Art der für eine gewisse Weile aufgezwungenen „Willkommenskultur“ … die nur eine Willkommenskultur für jene ist, die die lebensgefährliche Reise überleben und den Schlepper bezahlen können.

Doch wer empört sich schon über die besondere „Kultur der Auslese“, die sich hier plötzlich und unerwartet breit macht, eine Kultur, die die Starken willkommen heißt – und die Schwachen weltweit verhungen läßt? Wer macht sich Gedanken darüber, wohin wir mit 300 Millionen Flüchtlingen sollen, die aufgrund der neuen „Willkommenskultur“ nach Europa strömen? Ja – das ist noch eine ältere Zahl, die ich im Sinn hatte, als es um „Horrorvisionen“ über Hungerflüchtlinge ging, eine Völkerwanderung, die schon lange vorhergesagt wurde … und die Berge von Leichen hinter sich lassen wird. Wer wird die Verantwortung dafür übernehmen, wenn sich 850 Millionen hungernder Menschen weltweit in Bewegung setzen – auf der verständlichen Suche nach Nahrung? Wer wird dann die Schießbefehle an der Grenze erteilen? Wer wird sich um die Zurückgelassenen kümmern – die kranken, armen, alten … und die Kinder?

Nicht vergessen werden darf: die Katastrophe ist hausgemacht, das „Imperium der Schande“ (siehe Jean Ziegler) ist sich der Bewegung im Klaren, hat mit Frontex eine „halb geheime militärische Organisation“ (Ziegler) auf die Beine gestellt, um die Folgen einer unbeschreiblichen Ausbeutung der afrikanische Bevölkerung zu begrenzen und den künstlich kriminalisierten Hungerflüchtling in afrikanischen Lagern aufzufangen, während die wohl situierten Wirtschaftsflüchtlinge mit offenen Armen empfangen werden sollen: die Gier nach immer mehr trifft in Herrschaftskreisen auf immer mehr Verständnis.

Grund genug, von einem Totalversagen der Politik zu reden. Doch … schaut man sich andere Informationen an, erscheint dieses Versagen in einem anderen, düsteren, unheimlichen Licht.

„Unter dem Titel „Future strategic Context“ stellte das britische Verteidigungsministerium seinem strategischen Militärinstitut 2007 die Frage, welche Kriege und Konflikte die Welt in dreissig Jahren bedrohen werden. Ein überraschendes Ergebnis war, „dass die Militärs sich vor Neomarxisten in der globalen Mittelklasse fürchten“. In einer düsteren Vision warnen die Autoren der Studie davor, dass sich im Jahre 2037 mehr als sechzig Prozent der Menschen weltweit in verslumten Städten zusammendrängen werden und dass diese Zusammenballung von Not, Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit einen gewaltigen sozialen Sprengsatz darstellt.“

„Der Krieg der Staaten geht, der Krieg der Klassen kommt“

„In dieser Situation“, fahren die britischen Militärstrategen fort, „könnten die Mittelklassen eine revolutionäre Klasse werden…“ “ Aufgerieben zwischen wachsender sozialer Verelendung einerseits und dem schamlosen Leben der Superreichen andererseits“ könnten sich die „Leistungs- und Wissenseliten, die früher einmal Bildungsbürger und Facharbeiter genannt worden“ zu einem schlagkräftigen Interessenverband zusammentun“. (Aus: H.J.Krysmanski, 0,1 %, Das Imperium der Milliardäre, Westendverlag, 2. Auflage 2013, Seite 56-57).

Auf einmal … wirken jene, die Multi-Kulti für gescheitert halten es aber trotzdem mit großer Kraft – in extremer Form – fördern, gar nicht mehr so gaga … sondern ganz funktional im Sinne der Studien der Militärs.

Man braucht nicht mehr Facharbeiter – sondern mehr Facharbeiter, die in ganz besonderer Abhängigkeit zu ihren Arbeitgebern und dem Machtkartell des Landes stehen, in das sie eingewandert sind, die keine familiären, sozialen oder historischen Wurzeln mit ihrer Umwelt verbindet, die nur dem Machtkartell zur Loyalität verbunden sind … und nicht den Obdachlosen in den „Gastländern“. Das „der Markt“ via lebensgefährlicher Überfahrt für eine automatische Selektion sorgt, ist ganz im Sinne des Wettbewerbs, der die stärksten, klügsten und fähigsten (und mutmaßlich reichsten) Menschen der geplünderten Länder ohne Rücksicht auf Verluste nach Deutschland lotst, so dass wir  nicht nur ihre Rohstoffe, ihre Nahrung und ihr Geld horten können – sondern auch jene Menschen, die die Zukunft gestalten können.

Das diese Leute Banden bilden, sich mit Waffengewalt Respekt verschaffen, einen Staat im Staate bilden können (und wollen): das alles kann nur nützlich sein, wenn der Krieg der Klassen in knapp zwanzig Jahren offen ausbricht.

Von einem Totalversagen der Politik (inklusive der Medien und der Wirtschaft) darf da sicherlich  gesprochen werden – allerdings in einem viel größeren, globalen Rahmen.

Wie man überraschenderweise sieht, spielt der Islam in den Studien der Militärs gar keine Rolle mehr – die Pseudodebatte über die „Islamisierung der Gesellschaft“ entbehrt also jeder Grundlage.

Aber die Chancen für die neomarxistische Revolution 2037 schwinden täglich, weil – wie der Zufall so will – die Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Und wer hier zu viele Fragen stellt, zu viele Informationen sammelt … ist halt der CIA-Mann von Pegida.

 

 

 

Armut in Deutschland

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Mittwoch, 8.4.2015. Eifel. Armut in Deutschland – ein viel diskutiertes Thema. Genauso wie Arbeitslosigkeit gibt es sie ja nicht, diese Armut. Reflexhaft nennen wir sie schon „relativ“, weil die deutsche Bundeskanzlerin auf die Durchhaltung ihrer Parole „Deutschland geht es gut“ besteht, ergo kann es in Deutschland keine Armut geben. Mir ist sie mal begegnet, die Armut – zu Weihnachten, in Form eines alten, abgerissenen, mit üblen Wunden übersäten Mannes, der Stolz darauf war, dass er ja noch Gartenarbeit bei reichen Menschen macht, ansonsten aber in einem Wartehäuschen an einem Parkplatz mitten im Wald lebt. Ein Foto „Das ist Deutschland“: das wäre ein angemessenes Geschenk für die richtungsweisende Kanzlerin gewesen.

„Relative Armut“ – was für eine Beleidigung aller deutscher Armen. Man drückt damit gleich aus, dass es denen eigentlich sehr gut geht, ja geradezu super, sie wollen es nur nicht wahr haben. Man schielt dann gerne auf andere Länder, wo hungernde Kinder am Straßenrand verrecken (ohne dass die „relativ Reichen“ daran Anstoß nehmen – außer zur Disziplinierung der eigenen Armen), damit unsere Armen noch ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihre 300 Euro Rente oder 391 Euro Arbeitslosenunterstützung abholen. Wo das Wort „relative Armut“ ausgesprochen wird, kommt es mir so vor, als sei damit eine geheime Drohung verbunden: „sei froh über das, was Du hast: wir könnten noch ganz anders mit Dir umgehen…“ … „so wie wir mit jenen umgehen, die Dein Essen produzieren, Deine Kleidung nähen, Deine Plattenbauten herrichten“.

Sozialhilfe verkommt so zu gönnerhafter Gnade, was vielen gefallen würde, die es – als Staatsfeinde im Herzen – sehr stört, dass Deutschland im Grunde als Sozialstaat konzipiert war. Gerne würden sie die Verfassung umschreiben, gerne den ganzen Staat in Frage stellen, um einen neuen zu schaffen, der noch mehr unbegrenzte Ausbeutungsmöglichkeiten zuläßt, so dass man endlich wie ein Gott leben kann – was leicht fällt, wenn man die anderen nur tief genug erniedrigt und in den Dreck stößt. Leben alle wie die Schweine im Holzverschlag, kann man die Distanz zu ihnen in seiner Yacht vor der Küste wesentlich mehr genießen, als wenn alle glücklich und zufrieden auf dem Dorfplatz Bier trinken und der Reiche sich von den anderen nur durch einen dicken Geldsack unterscheidet, der schwer am Gürtel hängt und den Rücken krumm macht.

Natürlich ist Armut relativ – sie ist abhängig von der Umwelt.

Ein Beispiel? Nun – nehmen wir eine Gruppe reicher Menschen, die in den Anden mit ihrem Flugzeug abstürzt. Viele überleben. Es ist kalt, es gibt nichts zu essen, die Chancen, gefunden zu werden, sind gering. Es sind immer noch reiche Menschen, wie ihre Kontostände jederzeit beweisen können … und doch leiden sie Hunger, weil sie fern von jenen Orten sind, wo ihnen ihre Konsumberechtigungsscheine (sprich: „Geld“) jederzeit ein Bad im von anderen Menschen erwirtschafteten Überfluss gestatten. Ja – sie fangen sogar an, sich gegenseitig aufzuessen (ja: das beruht auf einer wahren Geschichte) … wollen wir wirklich Menschen „reich“ nennen, die solch eine Bürde ihr Leben lang mit sich herumschleppen müssen? Hunger, Durst, Einsamkeit können auch den Reichen treffen – überall, jederzeit. Warum erschrecken wir dann unsere Armen mit Bildern von Verhungernden? Könnten auch Millionäre drunter sein, die zufällig die falsche Partei unterstützt haben. Ausgeschlossen ist es nicht. Manche stranden mit ihrer Yacht an den falschen Gewässern – oder haben – wie der Autor dieser Zeilen – mal eine Wagenpanne in der Wüste … andere verlieren den Weg dort gleich ganz und verdursten elendig (da kenne ich sogar persönlich einen Fall), trotz allem Geld.

Wir könnten unseren Armen auch andere Bilder zeigen. Jesus Christus, zum Beispiel: der hatte noch nicht mal ein Dach über dem Kopf, sein von Reichen oft verachteter Gott erwählte sich sogar ein armes Volk, um in der Geschichte zu wirken anstatt eine Supermacht wie die USA. Die Hauptreligion der westlichen Welt ist eine Religion der Armut, der Arme somit ein besonders gesegneter Mensch, weil er Gott und dem Himmelreich nahe sein kann. Das wäre schon ein großer Schritt für die Armen, die schon zu Christi Zeiten vom „Druck der auftrumpfenden Reichen“ „erschöpft und belastet“ waren und unter dem „stolzen“ Reichtum litten, der „sich selbst tröstet und sichert“ (siehe praktisches Bibellexikon Herder 1985, Stichwort „Armut“).

Reichtum als „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ … wer mal wahrgenommen hat, wie viel Parkplatz ein SUV braucht, der weiß, was der Zeitgenosse Christi meinte: schon damals waren Reiche in Bezug auf ihr Sozialverhalten außerordentlich arm.

Ja – ich weiß: wir kommen hier in verbotene Gefilde: nicht umsonst führt die Supermacht der Konsumgötzen gerade einen Weltkrieg gegen eine Religion, die mit Armut ganz gut umgehen kann, ja, gelegentlich sogar ziemlich coole Hochzeiten feiert … bis die Cruise Missile der Reichen dem ein Ende setzt. Ja – was das Thema Armut angeht: da sind Mohammed, Buddha und Christus gar nicht so weit voneinander entfernt. Ich habe da mal nachgefragt (siehe islamische-zeitung.de):

„Der Prophet, Friede sei mit ihm, war und ist ein Prophet der Armen und Schwachen. Seine ersten Anhänger waren aus der untersten sozialen Schicht Mekkas. Besonders Sklaven wurden zu überzeugten Anhängern, weil sein Glaube des Islam, die Religion der Barmherzigkeit war. Der Prophet selber stammte aus einer armen Familie. Er wuchs bei seinem Großvater auf, denn sein Vater starb bereits vor seiner Geburt, und seine Mutter verlor er mit sechs Jahren. So wurde er als Kind zu einer Vollwaise. Aus diesem Grund fordert der Islam eine besondere Achtung für Waisenkinder. Der Prophet sagte, jemand, der eine Waise unterstützt, wird im Paradies mit mir nebeneinander sei“

Merken Sie, woher der Hass auf den Islam kommt? Der Prophet war ein „Hartzer“, wie Christus und Buddha auch. Ja: dieser Christus hat nur von Almosen gelebt: stellen Sie sich das mal vor. Lies sich immer von anderen Menschen aushalten – mal abgesehen davon, als er mit Zaubermacht Brot und Fische vervielfältigte und so auf widerliche Art und Weise die Gesetze der Marktwirtschaft ignorierte, ja, die Nahrung sogar kostenlos verteilen lies: der Tod für die Fischereiindustrie drohte, von den Bäckern ganz zu schweigen.

Wir schweifen ab – aber weil es so schön ist, bleiben wir noch ein wenig in jenen fernen Zeiten, wo Weise, Gottessöhne, Propheten und andere gute Geister Einlass in die öffentlichen Medien (damals noch kaum zentral steuerbare „Mundpropaganda“) fanden. Kennen Sie die Anawin? Das sind die Erniedrigten, die Hingebeugten, die, die alle Atribute der Armut in sich vereinen: befürftig, gedrückt, still, geduldig – und ganz schlimm: Menschen ohne Grundbesitz.

„Ein solcher durfte nicht mitreden, hatte keinen Einfluss, würde übervorteilt, auch vor Gericht“.

Wir erfahren auch, wer alles zu den Anawin gehört:

„Endlich sind Arme vom Schicksal Getroffene, Kranke, Gebrechliche, Witwen, durch die Schuld anderer Gezeichnete. Diese „Erniedrigten“ waren der besondere Gegenstand der Sorge u. Liebe Gottes“ (siehe: Praktisches Bibellexikon, a.a.O., Stichwort Anawin).

3000 Jahre sind seitdem vergangen: was haben wir seitdem erreicht? Wir haben den Armen auch noch Gott genommen, ihre letzte Hoffnung auf Gerechtigkeit, die letzte Zuflucht vor den auftrumpfenden Reichen.

Ich möchte noch ein wenig in jener Zeit vor 3000 Jahren verweilen, weil es mich interessiert, wie die Reichtum definieren. Sie werden überrascht sein. Sicher: ganz besonders glücklich sind die, die schon im Leben nahe an Gott wohnen, sicher kann man sie auch als reich bezeichnen, aber der Gegensatz zu Armut ist klar definiert: Landbesitz. Groß genug für Ziegen – und Schafherden, für Ackerbau und Obstgehölz. Zu dem Land gehören auch Kinder und Enkel dazu, die braucht man, um lästige Räuber zu vertreiben und den Besitz zu mehren. Ja: Landbesitz. Ganz profan. Das war „normal“ … und das Gegenteil von Arm.

Genau jetzt kehren wir zurück in unsere Zeit, wo der Begriff „relative Armut“ ein politischer Kampfbegriff geworden ist.

Hand aufs Herz: wie viele Menschen kennen Sie, die auf einen Landbesitz zurückgreifen können, der den alttestamentarischen Begriff für „Reichtum“ erfüllt? Ein paar hundert Hektar sollten es schon sein – für den Eigenheimbesitzer umgerechnet: mehrere Millionen Quadratmeter. 1200 Qudratmeter mit SUV vor der Tür und prall gefülltem Bankkonto samt Ferienwohnung im Tessin reichen nicht: das ist relative Armut, die nur nicht so auffällt, weil die Zeiten nicht danach sind. Verliert das Geld seinen Wert, bricht in Folge von aus dem Ruder gelaufenen Investmentbanking-Geschäften und Hedgefondaktivitäten die Versorgung zusammen, zeigt sich die Armut schnell absolut: der SUV ist nichts mehr wert, weil er ohne Benzin nicht weit kommt, das Konto ist so real wie eine Fata Morgana und der Zierrasen am Hang bleibt ungenießbar – und viel zu klein. Alles nur relative Werte – was die echt Reichen wissen. Die kaufen sich Farmland in Massen – in den USA, in Afrika, in Südamerika.

Ja – sogar unsre geliebten, von der Politik gehätschelten Millionäre mit ihren zehn Mietskasernen sind relativ Arme, weil ihr „Besitz“ nur unter ganz besonders günstigen Umweltbedingungen funktioniert, fehlt die Wirtschaftsordnung, die für Konsumberechtigungsscheine unbegrenzt Waren ausgibt, so naht der Hungertod in Windeseile.

Armut in Deutschland – es kommt sogar noch schlimmer.

Aus der Sicht des alttestamentarischen Hirten gelten 99 % der Deutschen als arm, bzw. armutsgefährdet, nur ausgeklügelte Gesellschaftsverträge garantieren ihnen für eine gewisse Zeit gewisse Halluzinationen von Wohlstand, aber einige von ihnen – jene, die gezwungernermaßen vom gängelnden, entwürdigenden Sozialstaat leben – gelten zurecht als absolut arm.

Wie gesagt: arm und reich sind relative Werte. Versetze ich unsere Arbeitslosen mit ihren Ressourcen an einen mittelalterlichen Königshof, so erschienen sie wegen ihrer Seherkraft (der „Fernseherkraft“), ihrer Herrschaft über Licht, Wasser und Feuer als unermesslich reich – sie leben aber im Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Und was ist Deutschland?

Lauschen Sie mal diesen Worten (siehe Chronik.net):

„Neue Auto-Modelle, steigendes Interesse an Autosalons und eine expandierende Autobranche in der Bundesrepublik deuten an, dass der Weg zur »automobilen Gesellschaft« steil aufwärts führt.

Vorbild bleiben die USA, die schon seit Jahrzehnten »Pioniermacht der Motorisierung« sind: »Das Auto dient nicht nur mehr dem Luxus und dem Vergnügen, sondern ist vielfach bereits zu einer Lebensnotwendigkeit geworden«, beschreibt die »Frankfurter Allgemeine« die Situation in den Vereinigten Staaten.“

Woher stammt das?

Aus dem Jahre 1951.

2015 sind wir eine automobile Gesellschaft. Jede Schule setzt dies voraus, wenn sie um 10 Uhr morgens anruft und verlangt, dass man sein krankes Kind von der Schule abholt, jeder Arzt setzt es voraus, wenn er verlangt, dass Kranke zu ihm in die Praxis kommen, jeder Arbeitgeber fordert dies ein – erst recht, wenn er seinen Betrieb kostengünstig vor die Tore der Stadt baut.

Wer in einer mobilen Gesellschaft kein Auto hat (und damit meine ich nicht die 20 Jahre alte Rostlaube, die jeden Moment ihren Geist aufgeben kann) ist ABSOLUT arm – nicht relativ. Er ist nicht mehr in der Lage, den Anforderungen der Gesellschaft genüge zu tun.

Nun sind wir nicht nur eine Automobilgesellschaft, sondern auch noch eine Konsumgesellschaft, die enorme Ansprüche an uns stellt: wollen wir der Norm entsprechen, so ist „Mode“ gefragt – ein Dresscode, den es zu erfüllen gilt, will man nicht sich und seine Kinder als Außenseiter erleben müssen, Körpergerüche müssen ganztätig mit teuern Duftwässerchen übertönt werden (ja – die billigeren gelten schon als versuchte Körperverletzung), wer in die Kommunikation aufgenommen werden will, muss regelmäßig „angesagte“ Sendungen sehen und dreimal im Jahr an wechselnden Orten in den Urlaub fahren, ebenso sind zu verschiedensten Anläßen (Geburtstage, Hochzeitstage, Namenstage, Weihnachten, zunehmend auch Ostern, Halloween, Muttertage und Valentinstage – und nur ein paar zu nennen) Geschenke im Minimalwert von 100 Euro zu machen, weil alles andere einer Beleidigung der Gastgeber gleich kommt, ebenso werden regelmäßige Einladungen bzw. Konsultationen der gehobenen Gastronomie erwartet sowie ein aktiver, bemerkbarer Beitrag zum Vereinsleben … und ein Wohnort, der es erlaubt, Gäste angemessen zu empfangen.

Das ist die reale Umwelt eines Deutschen im 21. Jahrhundert – hier herrschen andere Standards als im Sudan, wo man schon reich ist, wenn man einen Laib Brot sein eigen nennen kann. Absurd, wenn man sieht, wie arm dieses Volk eigentlich wirklich ist – arm an relevantem Grundbesitz. Berücksichtig man die Distanz der Armen und ihren Lebensausdrucksmöglichkeiten zu den wenigen echten Reichen dieser Gesellschaft, die ganze Inseln hin- und wegbaggern lassen können, ganze Landschaften nach gutdünken verunstalten dürfen, so ist die Armut in Deutschland sogar im weltweiten Vergleich besonder ekelerregend.

Die Armut in Deutschland hat aber noch ganz andere Dimensionen.

Angesichts der Standards, die hier verlangt werden, um ein akzeptierter Bürger der Gemeinschafts zu sein (bzw. von Menschen wie Günter Jauch als solche anerkannt und eingeladen zu werden, was der Ausstellung eines Lebensberechtigungsscheins oder dem Ritterschlag gleich kommt), befinden sich alle Bürger von Geburt an in einer Schuldknechtschaft – ein Zustand, den das Gesetz eigentlich verbietet (siehe Gesetze im Internet, hier: § StGB 233)

„Wer eine andere Person unter Ausnutzung einer Zwangslage oder der Hilflosigkeit, die mit ihrem Aufenthalt in einem fremden Land verbunden ist, in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Schuldknechtschaft oder zur Aufnahme oder Fortsetzung einer Beschäftigung bei ihm oder einem Dritten zu Arbeitsbedingungen, die in einem auffälligen Missverhältnis zu den Arbeitsbedingungen anderer Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer stehen, welche die gleiche oder eine vergleichbare Tätigkeit ausüben, bringt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ebenso wird bestraft, wer eine Person unter einundzwanzig Jahren in Sklaverei, Leibeigenschaft oder Schuldknechtschaft oder zur Aufnahme oder Fortsetzung einer in Satz 1 bezeichneten Beschäftigung bringt.“

Ein-Euro-Jobs, Leiharbeit, Werkverträge … wer sich das ausgedacht hat, gehört in den Knast. Gut – hier wird Schuldknechtschaft mit dem Aufenthalt im eigenen Land verbunden – sonst wären die schlauen Arbeitgeber schon längst hinter Gittern.

Bleiben wir aber beim normalen, „reichen“ deutschen Arbeitnehmer. Wer von denen hat die Freiheit … ohne die Lieferungen von Strom, Gas, Öl, Wasser, Nahrung, Wohnraum auszukommen? Wer kann sich erlauben, seinen Alltag völlig ohne Kosten zu gestalten … d.h. ohne in irgendeine Form von „Schuld“ zu geraten?

Der Deutsche wird hineingeboren in eine Flut von Rechnungen, die bezahlt werden müssen – ein anderes Wort für „Schuldknechtschaft“, will ich meinen. Kaum einer ereicht jenen Zustand, wo er mal zwei- drei Jahre Urlaub in einer anderen Kultur machen kann, um Erfahrungen zu sammeln, sechs Wochen pro Jahr werden für solche Erlebnisse zugeteilt: mehr nicht – viel zu wenig, um auch nur ansatzweise anderes Leben kennen zu lernen. Wir sind zwar  überall in dieser kurzen Zeit – doch wir nehmen davon absolut nichts mehr mit.

Wie arm.

Und wenn wir den Ottonormalverbraucher schon arm nennen müssen – in seinen vielfältigen Abhängigkeiten in Bezug auf das Wohlverhalten von Kunden, Chefs, Kollegen und Ämtern – denn dürfen wir die modernen Anawin, die „Hartzer“, denen wir sogar den Trost der Religion genommen haben, zurecht als absolut arm bezeichnen: wir haben ihnen sogar noch das genommen, was vor 3000 Jahren noch ihr gutes Recht war.

Und jeder Versuch, diese Armut zu relativieren, schön zu reden, sollte als Verbrechen geahndet werden. Sogar jene, die Armut als Möglichkeit der besonderen Nähe zu Gott priesen, haben sie im Alltag mit vielen Formen von „Sozialgesetzen“ bekämpft, um Gerechtigkeit zu schaffen. Mit unserem Gerede von „Sozialromantik“ fallen wir sogar hinter diese 3000 Jahre alten Kulturen zurück … und das ist echt besonders arm.

Über die geistige Armut möchte ich da noch nicht mal sprechen, nur darüber, wie sie sich äußert: darin, dass jene, die in der Schuldknechtschaft ihr Leben verramschen, stolz sich als „Reiche“ über jene erheben, denen sie noch nicht mal den Begriff „Armut“ gönnen.
 

 

 

 

Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz

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Mittwoch, 11.3.2015, Eifel. „Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz“ – wer sich einen solchen Titel erlaubt, macht sich in der Regel sehr unbeliebt. Zum einen natürlich in der Politik, die diese „moderne Dienstleistung am Arbeitsmarkt“ als größten Triumph sozialdemokratischer Kreatitivät und Einfallsreichtums wie eine Siegesfahne vor sich herträgt: in jenen Sphären hört man nicht gerne Kritik an der eigenen Schaffenskraft, noch wird man gerne auf die Folgen der eigenen, schier grenzenlosen Dummheit, Faulheit und Ignoranz aufmerksam gemacht.

Dummheit, Faulheit, Ignoranz? Habe ich da den Mund nicht zu voll genommen? Nun – ich denke nicht. Peter Hartz hat eine Strategie vertreten, die man im Management als durchaus fortschrittlich bezeichnen kann – innerhalb eines Unternehmens. Mitarbeiter, die nicht die erforderliche Leistungen bringen, werden gefördert anstatt gefeuert, erhalten Hilfen anstatt Abmahnungen: eine Einstellung, die einem sozialen Staatswesen (und ein solches haben wir laut Gesetz zu sein) durchaus angemessen ist. Das es auch anders geht, zeigen viele Beispiele. Der „Spiegel“ zum Beispiel bietet ja in seinem „Karriere“-Ressort immer mal wieder nassforschen Jungjuristen ein Forum für ihre antisozialen Ausbrüche in punkto Arbeitsrecht. Erkennbar ist, dass im Sinne der Renditemaximierung die Aussortierung von Kranken aktuell neue Höhepunkte erreicht, ja: viele personalverantwortliche Mitarbeiter in Unternehmen scheinen so viel Zeit zuviel zu haben, dass sie Seminare besuchen können, wo ihnen kreative Kündigungsgründe beigebracht werden – heute zum Beispiel in Stuttgart (siehe Schreiner-Praxisseminare: „Die Kündigung „störender“ Arbeitnehmer“).

Das soziale Empfinden (und somit auch die Treue zum Verfassungsgrundsatz der Sozialstaatlichkeit) scheint vielen Anwälten abhanden gekommen zu sein, ohne zu zögern wird aktuell sogar stolz ein schwaches Immunsystem als Grund für die endgültige Aussortierung aus dem Arbeitsleben benannt (siehe Spiegel): vor diesem Hintergrund wirkt die Personalarbeit von VW in der Tat vorbildlich – und die Idee, eine solche gründliche, systematische Förderung auch jenen angedeihen zu lassen, die von weniger sozial eingestellten Anwälten ins soziale Jenseits befördert werden, begrüßenswert.

Dann jedoch kam diese Forderung in die Sphären der Politik – wo ich nicht umhin kann, Dummheit, Faulheit und Ignoranz zu vermuten, um nicht wirklich einfach Boshaftigkeit unterstellen zu müssen. Was geschah dort mit den Ideen? Erstmal wurde gekürzt – und ein vollumfänglicher Zugriff auf das Vermögen von Arbeitslosen möglich gemacht – „Enteignung“, das sozialistische Schreckgespenst, wurde für ausgewählte Personenkreise in Deutschland plötzlich Realität. Wo früher der Grundsatz herrschte, dass man Sozialhilfe zur Sicherung des Lebensstandards gewährt, galt heute: wer einmal von einem cleveren Anwalt aus der Firma geboxt wurde, ist selber Schuld und haftet mit seinem ganzen Vermögen für das Geschehen. In Kreisen, in denen die Verpflichtung zum Sozialstaatscharakter dieses Landes weniger ernst genommen wird und man sich lieber mit der Arroganz von „Macht“ umgibt, ein Vorgang, der keinerlei zweifelnde Gedanken aufkommen ließ.

Das man in Folge eines stark zusammengestrichenen Versorgungssatzes nicht mehr in der Lage war, um sozialen Leben teil zu haben, interessierte niemanden im Ministerium – und schnell meldeten sich auch „Wissenschaftler“, die den Versorgungssatz nochmal um 66% senken wollten: das erste Mal spürte man in Deutschland wieder den Willen zur Vernichtung „unwerten Lebens“ aus Akademiker- und Regierungskreisen, ohne das es jemanden groß störte. Keiner bemerkte, dass Kosten für bewerbungsfördernde Kleidung (inkl. teurer Brillen), Kosmetika, professionelle Fotografien inklusive Frisur mit einem Hungerregelsatz gar nicht mehr zu bewältigen waren, der Gesetzgeber also entweder bewusst und mit Absicht oder aber aus reiner Dummheit heraus den Opfern der Globalisierung ihre ganze Zukunft nahm … bzw. diese Zukunft vernichtete … ihre und die ihrer Kinder gleich mit.

Nun sieh mal einer an: das Wort Vernichtung taucht im Diskurs über moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt überraschend früh auf – und führt in Deutschland natürlich umgehend zu Vergleichen mit Zeiten, in denen schon mal großflächig vernichtet wurde. Hier haben wir die zweite große Tabuzone der bundesdeutschen Gesellschaft (neben der – unerwünschten – Kritik am Regierungshandeln): die deutschen Vernichtungslager der Vergangenheit. Ja: sogar selbsternannte und großspurige Arbeitslosenaktivisten reagieren mit äußerster Empörung und drastischen Maßnahmen auf nur den leistesten Vergleich moderner deutscher „Sozialpolitik“ mit den Vernichtungslagern des Dritten Reiches, sie greifen zum Äußersten: zur „Entfreundung“ der Betreffenden auf ihrem Facebook-Account. Sie reagieren nach dem gleichen Prinzip wie die Führer des Nationalsozialismus: was stört muss weg! Man kann nur hoffen, dass solche Gestalten niemals mehr Macht bekommen, als ihnen Facebook gibt – denn sonst werden die Öfen wieder angeheizt, damit die Störer eleminiert werden können.

Der Umgang mit dem Dritten Reich ist problematisch – weshalb man es gerne ins Reich der Mythen und Märchen verbannt, es als kleinen Ausrutscher darstellt, als winzigen Unfall der Geschichte, der sich selbstverständlich niemals wiederholen kann, weil es so absolut unwahrscheinlich und undenkbar war, dass so etwas überhaupt jemals passiert. Hitler und die Nazis – das ist ein Thema für Hollywood, aber nicht mehr für den modernen gesellschaftlichen Diskurs. Sicher: wir haben ja auch alles unternommen, damit sich 1933 – 1945 nicht wiederholt: Hitler, Goebbels und Himmler sind tot, die NSDAP verboten (und sogar ihre Symbole!!!) und überhaupt schreiben wir das 21. Jahrhundert, weshalb sich 1933 sowieso schon nicht wiederholen kann – also können wir uns doch in Sicherheit wiegen und den peinlichen kleinen Zwischenfall eigentlich vergessen … und all´ jene eleminieren, die als unbequeme Unken unser gemütliches „deutsch sein“ stören und darauf hinweisen, dass Massenvernichtung von Mitmenschen auch 2033 wieder denkbar wird – mit anderen Führern, anderen Parteien, anderen Symbolen.

Das einzige, was man dazu braucht, ist ein entsprechender „Zeitgeist“, Menschen, die durch die Menschenhatz konkrete Vorteile haben und sie sich durch die Verfolgung anderer sichern können.

Ein Beispiel?

Nun – bleiben wir bei den Arbeitslosen in Deutschland. 40 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten, 3 Millionen sind nach offizieller Lesart arbeitslos. Das „arbeitslos“ ein unzumutbarer Zustand ist, ist allen klar, weshalb wir reagieren wie alle sozialen Gemeinschaften: wir gründen eine Kasse, die im Notfall (falls die Exekutionsjuristen mal wieder erfolgreich waren) die Folgen der Arbeitslosigkeit abmildert  – und die Folgen sind heutzutage bedrohlicher als vor hundert Jahren, wo selbst einfache Arbeiter noch das Hausschwein und den kleinen Gemüsegarten hatten, um wenigstens eine kleine Sicherheit in der Hinterhand zu haben. 3 Prozent ihres Bruttoarbeitslohnes zahlen die 40 Millionen Menschen, laut deutscher Rentenversicherung liegt das Durschnittseinkommen 2015 bei 2917 Euro monatlich, d.h. jeder der 40 Millionen arbeitenden Menschen zahlt jeden Monat 87 Euro, um im Notfall vor den Folgen der Arbeitslosigkeit geschützt zu werden.

Jetzt stellen Sie sich mal kurz vor, diese 40 Millionen würden den 3 Millionen Arbeitslosen das Geld persönlich auszahlen, ganz im Sinne der ursprünglichen, selbst organisierten Arbeitersozialversicherungen, die man für Witwen und Waisen ohne staatliche Hilfe eingerichtet hatte: jeder Arbeitslose würde 1137 Euro monatlich bekommen, um wieder auf die Beine zu kommen. Schon eine stolze Summe – knapp doppelt soviel, wie er jetzt inklusive Heizung, Miete und Wasser erhält. Da wäre sogar Spielraum für kreative Unternehmensgründungen anstatt für passives Dahinvegetieren bei Wasser, Brot und Kerzenlicht.

Warum stellt eigentlich niemand mal die Frage, wo das ganze Geld bleibt? Nun – man würde schnell viele hunderttausend Menschen identifizieren können, die an der üblen Behandlung von Arbeitslosen ein substanzielles Interesse haben: nämlich jene, die zwischen den Beitragszahlern und den Beitragsempfängern sitzen und es sich dort richtig gut gehen lassen – je höher in der Hierarchie, umso fetter. Natürlich hat man dort ein profundes Interesse daran, substanzielle Fragen zum Umgang mit Versicherungsgeldern zu vermeiden, ja: das ganze System ist darauf angewiesen, dass solche Fragen vermieden werden – sonst käme man noch auf ganz andere Ideen.

Welche?

Nun: die Hälfte des Jahres arbeiten Sie für den Staat. Sogar wenn Sie minimale Renten und Sozialleistungen beziehen, greift er noch 19 Prozent Mehrwertsteuer ab. Und was bekommen Sie dafür? Marode Brücken, sanierungsbedürftige Schulen, ein Gesundheitswesen auf dem Niveau eines EU-Randstaatees, eine Armutsverfolgungsbehörde, die lieber Arme verfolgt als Armut zu bekämpfen … und auch gerne schon mal einen allgemeinen Drogenmissbrauchsverdacht in die Tat umsetzt und massenhaft Drogentests von Versichertengeldern anschafft (siehe Mitteldeutsche Zeitung), Tests, die mit großer Wahrscheinlichkeit im deutschen Bundestag erfolgreicher zum Einsatz kommen würden.  Aktuell verfolgen von Steuergeldern finanzierte „Sozialkommissare“ sogar Behinderte (siehe Ostseezeitung) und kriminalisieren so eine weitere Schicht von Mitbürgern: nach den Arbeitslosen kommen die Kranken als unwerwünschte Personen in den Fokus der Aufmerksamkeit der Beitragsgeldabsahner. Diese Absahner sind in der Tat sehr alarmiert: die Kosten für Sozialhilfe steigen, der größte Batzen davon sind Eingliederungsbehilfen für Behinderte (siehe Spiegel): das Geld, was die Behinderten dort in Folge unseres Sozialstaatsgebotes in Anspruch nehmen, fehlt für die Dientstreisen aller Akteure nach Australien, Brasilien oder in die USA, für ausgedehnte Betriebsfeiern oder großzügige Beförderung vor Pensionseintritt.

Nun – das reicht noch nicht für einen Vergleich mit den Vernichtungslagern des Dritten Reiches, die manche als natürliche Folgen der kapitalistischen Ordnung ansehen  – ja, mal im Ernst gefragt: wo sollen denn die von den Arbeitgebern systematisch aussortierten „Minderleister“ (also „Kranke“) anders hin? Irgendwann bilden die eine große, nicht mehr verwertbare Masse, die Kosten verursacht – und Kosten gehören nach der in unseren Breitengraden angebeteten betriebswirtschaftlichen Logik eleminiert. Da die ganze Maschine schon einmal – aus recht ähnlichen Gründen – in Deutschland funktionierte, warum sollte sie nicht wieder anlaufen können? Nur, weil wir das Hakenkreuzsymbol verboten haben und Adolf Hitler tot ist?

Doch wir reden hier schon von der Zukunft, auf die wir uns logisch geradlinig zubewegen, wenn wir anfangen, Menschen wieder als „unwertes Leben“ zu stigmatisieren, als „Parasiten“ und „Schmarotzer“. In der Tat vergessen wir schnell, dass Auschwitz am Ende einer Entwicklung einer hoch zivilisierten Gesellschaft stand – und nicht plötzlich von dämonischen Aliens ins Reichsgebiet gebeamt wurde … obwohl das eine Vorstellung ist, die vielen Verantwortlichen (gestern wie heute) sehr angenehm wäre, enthebt sie doch jeder Verantwortlichkeit (wie auch die Sichtweise als „einmaliger, nicht wiederholbarer Unfall“).

Mir geht es um die Vernichtungsaktion, die in der Gegenwart läuft. Jetzt und hier. Vor aller Augen.

Während deutsche Wissenschaftler im Zeitgeist der kostengünstigen Massenvernichtung von drastisch niedrigen Regelsätzen träumen (siehe TAZ aus dem Jahre 2008) und so dem Steuerzahler noch mehr Leistungen vorenthalten wollen (um dann für die eigene Universität eine dicke Scheibe Zusatzgeld zu erhalten) sehen Wissenschaftler aus Schottland etwas anderes: endgültige Vernichtung.

Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die am 18.2.2015 von der American Psychological Association veröffentlicht wurde und uns mit etwas Entsetzlichem konfrontiert (siehe Apa): Arbeitslosigkeit verändert den Kern der menschlichen Persönlichkeit, jenen Ort, den man bislang immer für unantastbar gehalten hat, endgültig.

“The results challenge the idea that our personalities are ‘fixed’ and show that the effects of external factors such as unemployment can have large impacts on our basic personality,” said Christopher J. Boyce, PhD, of the University of Stirling in the United Kingdom. “This indicates that unemployment has wider psychological implications than previously thought.”

Arbeitslosigkeit vernichtet … Persönlichkeit.

Das, was uns am meisten ausmacht.

Infolge dessen ist ein Gesetz, dass hauptsächlich zum Ziel hat, Arbeitslose unter Zuhilfenahme massivster Diskriminierung und existenzbedrohender Sanktionen im von der Industrie zur Gewinnmaximierung von Anlegern mangelns sonstiger Leistungsfähigkeit dringend benötigten Niedriglohnsektors zu platzieren und zu halten ein Gesetz zur Massenvernichtung menschlicher Persönlichkeit – und die Vernichtung des Persönlichkeitskerns (nach etwas zwei Jahren) führt zu absoluten Minimierung der Chancen auf dem Jobmarkt.

So erschaffen wir zielgerichtet jene Art von Menschen, vor denen uns Gerhard Schröder eigentlich warnen wollte.

Ob und wie es mit Auschwitz verglichen werden kann, wird die Zukunft zeigen. Darüber brauchen wir auch jetzt nicht zu spekulieren, denn wir haben unsere eigene Vernichtungsorgie: jetzt, hier und heute, ganz ohne Hitler, Hakenkreuze und braune Uniformen.

Es ist die größte Massenvernichtungsaktion auf deutschem Boden seit Ausschwitz – was hauptsächlich der Tatsache geschuldet ist, dass wir eben jahrzehntelang konstruktive Sozialstaatspolitik verfolgt haben, die ohne Vernichtung von künstlich aussortierten Menschen bzw. der Vernichtung ihrer Persönlichkeit auskam.

Sicherlich kann man den Opfern auch entgegnen: seit froh, dass ihr überhaupt noch was kriegt. Sprüche dieser Art bekommen wir oft zu hören – und viel zu selten wird dagegen gehalten, dass wir einen Gesellschaftsvertrag haben, der uns als Sozialstaat definiert. Wer damit nicht leben kann und will, dem steht es frei, in Länder auszuwandern, in denen andere Gesellschaftsordnungen praktiziert werden … und in denen jene Armut grassiert, mit denen man hier den Armen drohen will.

Dort wird aber auch häufig mit der Kalaschnikow eingekauft.

Man kann aber aus andereseits sagen: die Vermögen der Deutschen explodieren geradezu, beständig erreichen uns neue Triumphmeldungen.

Die Geschichten darüber, dass uns das Geld ausgeht, waren also gelogen.

Es war auch nie wahr, dass die Juden in den Osten ausgesiedelt wurden und dort niedliche kleine Höfe bestellen durften.

Es ist auch nicht wahr, dass Arbeitslose gefördert werden.

Wahr ist, dass Arbeitslosigkeit den Kern der Persönlichkeit zerstört – und wir in Deutschland eine Gesetzgebung und einen entsprechenden Zeitgeist haben, die Arbeitslosigkeit für ausgewählte Störer zum gewollten Dauerzustand zwecks Disziplinierung der Niedriglöhner und Zeitarbeiter macht  – und damit zur größten Vernichtungsaktion seit Auschwitz.

Nicht größer. nicht gleich groß – aber die größte seit damals.

Ich finde schon, das sollte mal gesagt werden, bevor andere Professoren auf neue krude Ideen zur Kostensenkung kommen – oder?

 

 

 

 

Die totale Verarmung der USA – und die praktische Weltherrschaft der grausamen Kultur der Massenarmut

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Montag, 19.1.2015. Eifel. Man sollte diesem Herrn Snowden wohl doch mal einen Friedensnobelpreis geben: was der nicht alles bewegt hat – in Richtung Frieden, Völkerverständigung und vertrauensbildenden Maßnahmen, ist schon beeindruckend. Es war sicher kein leichter Schritt, einer Nation die Stirn zu bieten, die sich die Freiheit herausnimmt, weltweit durch ferngesteuerte Kampfroboter willkürliche Hinrichtungen ohne jeden Prozess auszuführen, geschützt durch einen Raketenschirm, den man nun noch weiter ausbauen will, um auch Zugriff zu den letzten drohnensicheren Gebieten erzwingen zu können. Sicher war es für einen Menschen mit Gewissen (und nur ein solcher Mensch kann so eine Tat begehen) nicht leicht, gegen den eigenen Dienstherrren vorzugehen: was müssen für Gewalten in dieser Seele getobt haben, während er sich dazu durchrang, die ganze Menschheit über eine Gefahr aufzuklären, die aus den US-Netzwerken von Industrie, Militär und Kapital entspringt (siehe Spiegel):

„Sie planen Schlachten im Internet, um Computernetzwerke lahmlegen zu können – und damit potenziell alles, was die steuern: Strom- und Wasserversorgung, Fabriken, Flughäfen oder Zahlungsverkehr“.

Es ist ein umfangreicher Artikel aus dem Online-Magazin, dass uns aktuell über die Absichten unserer Verbündeten aufklärt und uns als Europäern klar macht, das wir Natopartner zweiter Klasse – wenn nicht sogar ausgemachte Feinde – sind:

„Die Praxis, andere Dienste spionieren zu lassen und sich deren Erkenntnisse anzueignen, wird „Fourth Party Collection“ genannt. Alle Länder, die nicht zur Fünf-Augen-Allianz gehören, gelten als potenzielle Ziele für diese „nicht traditionelle“ Methode – also auch Deutschland.“

Ich denke, diese Informationen sollte man im Gedächtnis behalten, wenn man die politischen Entwicklungen und Entscheidungen der Gegenwart beurteilt – eine Perspektive die nur selten angewendet wird. Aus guten Grund, will ich meinen:

„Die NSA vermag inzwischen auch die Verteidigung in einen Angriff zu verwandeln: „Umnutzen und nachbauen“ heißt diese Methode. Dabei geht es um sogenannte Botnetze, die mitunter aus Millionen Rechnern von Privatpersonen bestehen, auf denen eine Software eingeschmuggelt wurde. So lassen sie sich als Teil einer „Zombie-Armee“ fernsteuern, um etwa Firmen lahmzulegen und zu erpressen.“

Merken Sie, welch´ungeheure Macht sich dort zusammenballt … jenseits der Kontrolle durch Parlamente und Öffentlichkeit? Merken Sie, dass intern keinerlei Kontrolle mehr über die Arbeit der Datenkrieger herrscht? Wie auch – die arbeiten … ab jetzt … ganz offen mit finstersten Verschwörungen.

„Dabei wird die Beute nicht direkt an die Internetadresse des ROC geleitet, sondern an einen sogenannten Sündenbock-Empfänger (Scapegoat). Geklaute Informationen können so auf den Servern von Gegnern landen, womit diese dann am Pranger stehen.“

Darf man dabei an Kinderpornos auf Politikerrechnern denken? Oder bei Kirchenfürsten? Vielleicht auch einfach mal so aus Spaß – weil man´s kann? Nun – Verschwörungen müssen wir erdulden, weil man uns verboten hat, Theorien über sie zu formulieren, die ihrer Entdeckung und Entlarvung voraus gehen müssen. Aber denken darf man ja noch, oder?

Ich stelle mir einfach mal einen deutschen Politiker vor (Partei ist egal) der in führender Position sitzt und diese Zeilen liest (gilt auch für jeden anderen „Entscheidungsträger“): er weiß sofort, dass jenseits des Atlantiks – fernab jeglicher parlamentarischer oder öffentlicher Kontrolle – ein Machtapparat existiert, der von heute auf morgen für großen Ärger im Atomkraftwerk sorgen kann – oder auf der eigenen Festplatte. Auf einmal hat man geklaute Informationen aus der albanischen Botschaft (oder Kinderpornos) auf dem Rechner und ist der Abschaum der Republik, ohne dass man auch nur die geringste Chance hat, auf die unsichtbaren Angreifer hin zu weisen: das Gefühl muss fürchterlich sein – erklärt aber hinreichend (auch ohne fremde Schlapphüte im eigenen Dienstzimmer) die seltsame Gleichschaltung von Poltik und Medien: ich schätze mal, jeder weiß heutzutage, welche Risiken er da eingeht.

Es ist ungeheuerlich, welche Auswüchse wir hier zu erdulden haben – erst Recht angesichts der Tatsache, dass hier eine zutiefst kranke, sterbende Wirtschaftsordnung zu beobachten ist, die letztlich mit allen Mitteln ums Überleben kämpfen wird, da der Wohlstand ihrer Entscheidungsträger (also auch der einzelnen Agenten an den NSA-Rechnern) direkt davon abhängig ist: nur ein Knopfdruck und der Euro ist Geschichte – oder das Internet in Europa fällt komplett aus – samt jedem PC .

Eine kranke, sterbende Wirtschaftsordnung?

2010 berichtete die Süddeutsche Zeitung über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten (siehe Süddeutsche):

„Die Rezession hat die Armut in den Vereinigten Staaten auf den höchsten Stand seit 1994 getrieben. Wie das US-Zensusbüro mitteilte, lebten im vergangenen Jahr 43,6 Millionen Amerikaner, oder 14,3 Prozent der Bevölkerung, unter der Armutsgrenze. 2008 waren es noch 13,2 Prozent gewesen. Besonders betroffen sind die Jüngsten: Über ein Fünftel aller Kinder lebt danach in Armut“.

Man nannte es beschönigend ein „verlorenes Jahrzehnt“ (was auch auf Arbeitnehmer in Deutschland zutrifft) – dabei war es viel mehr: es ging um die verlorene Zukunft.

2012 konnte man in der „Zeit“ unglaubliche Wahrheiten über die USA lesen – veröffentlicht von führenden superreichen US-Amerikanern (siehe Zeit):

„Es ist kein Zufall, dass nur ein paar Kilometer weiter, in Boca Raton, Mitt Romney vor einem erlauchten Kreis von Gönnern jene unklugen Bemerkungen machte, die ihn vielleicht um das Präsidentenamt bringen könnten. 47 Prozent der Amerikaner hingen am Tropf des Staates und hielten sich für Opfer der Umstände, sagte der Kandidat, der aus reichem Hause stammt und ein Vermögen mit Geschäften an der Wall Street gemacht hat: »Sie glauben, dass der Staat für sie verantwortlich ist, dass sie einen Anspruch auf Gesundheitsversorgung, Essen, Obdach und was auch immer haben.«“

47 % der Amerikaner – vom Kapitalismus entsorgt – und von superreichen Plutokraten zum Abschuss freigegeben. Was ist das für eine Wirtschaft, die 47 % der Bevölkerung nicht versorgen und via Arbeitsplatz am Vermögen teilhaben lassen kann – und wie denken Menschen, die sowas klasse finden?

Noch schlimmer die Zahlen, die 2013 in der „Welt“ veröffentlicht wurden – nicht unter den Rubriken „Politik“ oder „Wirtschaft“, sondern unter „Panorama“, wo man nur liest, wenn man sich für das „Dschungelcamp“, kuriose Autounfälle  oder das Privatleben halbtoter Königshäuser interessiert. Lesen Sie selbst (siehe Welt):

„Für immer mehr US-Bürger ist der „amerikanische Traum“ nur Legende: Vier von fünf Amerikanern fallen vor Erreichen ihres 60. Lebensjahres zeitweise in Arbeitslosigkeit, sinken an die Armutsgrenze, benötigen staatliche Hilfe. Rezession, globalisierte Wirtschaft, das Sterben von Jobs für Arbeiter ohne Collegeabschluss haben zu einem extremen Auseinanderklaffen der Einkommen geführt. Und eine steigende Zahl ist weiß.“

80 Prozent der US-Amerikaner leben in prekären Verhältnissen – was für eine Schlagzeile. Im Schnitt leben 47% der Bürger der USA nur noch, weil der Staat sie unterstützt – und nur noch 20% bleiben von Arbeitslosigkeit verschont – wie die Datenkrieger der NSA, die mit den Reichen in einem Boot sitzen. Wie muss man denken, um angesichts dieser Zahlen nicht in Panik zu verfallen? Oder in grenzenloser Hilfsbereitschaft für eine Wirtschaft, die Dritte-Welt-Niveau erreicht hat?

Die Linken sagen es schon lange – und melden sich 2014 deutlich zu Wort (siehe Rote Fahne):

„Das US-Wirtschaftsministerium meldete kürzlich in seinem Dreimonatsbericht, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA im fünften Quartal hintereinander wächst – im ersten Quartal 2014 betrug sein Anstieg 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser deutlichen Anzeichen für ein Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise nehmen Armut und Not unter der Bevölkerung der größten Wirtschaftsmacht der Welt weiter zu. Nach einem Bericht der Federal Reserve (FED), der amerikanischen Notenbank, geht es heute mehr als einem Drittel der Amerikaner erheblich schlechter als im Jahr 2008 und einem weiteren Drittel genauso schlecht wie damals.“

Die „Wirtschaft“ – völlig entkoppelt vom Leben der Menschen. Wozu braucht man so was noch?

Nun – „brauchen“ tun das die oberen zwanzig Prozent, die für das obere eine Prozent arbeiten, dass richtig, richtig dicke abräumt. Das ist die Welt, die durch TTIP, TISA und wie die Geheimabkommen noch alle heißen hier Fuß fassen soll. Denken sie immer noch an die Macht der Geheimdienste, wenn Sie glauben, dass unsere Politiker uns davor schützen werden – ein Knopfdruck, und die Karriere ist vorbei. Machen die vielleicht auch zwischendurch einfach mal nur so zum Spaß: man wirbt ja nicht umsonst gerne Charaktere an, die Spaß daran haben, Dinge kaputt zu machen. Mit denen legt man sich besser nicht an – noch steht man ihnen gern im Weg herum … oder macht in irgeneiner für die unangenehmen Art und Weise auf sich aufmerksam.

Schlimmer wird es, wenn man historisch denkt. Schauen wir uns mal an, was die Regierung der USA im Jahre 1969 für Probleme hatte (siehe Food and Nutriation Service):

2,8 Millionen US-Bürger mussten die Hilfe dieser Lebensrettungsagentur in Anspruch nehmen, die aus 6,63 Dollar im Monat bestand. Überschaubare Kosten. 1972 waren es schon 11 Millionen Bürger.

1990 – die Sowjetunion brach gerade auseinander, man hatte den Feind „totgerüstet“ und somit die Überlegenheit der eigenen Wirtschaftsordnung bewiesen, waren es schon 20 Millionen Bürger, die nur dank staatlicher Hilfe vom Verhungern bewahrt werden konnten: die „Hochleistungswirtschaft“ warf für sie nicht mehr genug ab.

2013 waren es 47, 636 Millionen Menschen (2014 46, 5 Millionen), die im reichsten Land der Welt verhungert wären, gäbe man ihnen nicht ein monatliche Unterstützung von 133 Dollar, verglichen damit sind die Hartz IV-Regelsätze von 391 Euro (aktuell 449 Dollar – nach dem letzten Eurotief) schon paradiesisch zu nennen – aber daran wird ja auch gearbeitet … dank TTIP und TISA gehören diese Regelsätze wegen Verzerrung des Marktes bald der Vergangenheit an und wir dürfen uns auf US-Sätze freuen.

Und doch geben diese Zahlen nicht das ganze Elend der USA wieder – wie sonst könnte der Wall-Street-Millionär Mitt Romney 2010 von 47 Prozent reden, die nur noch dank staatlicher Fürsorge überleben können. Wie hat er eigentlich sein Geld gemacht, dieser „moderate“ Konservative aus „gutem“ Hause? Die Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Würtemberg klärt uns darüber auf (siehe LBW):

„Allerdings verdiente er seine Millionen mit Bain Capital, einer Private-Equity-Gesellschaft, die Firmen aufkauft, auf Rendite trimmt und dann wieder verkauft.“

„Auf Rendite trimmen“ … das heißt: Massenentlassungen, Gewerkschaftsabbau, Niedriglöhne, kennen wir in Deutschland auch. Da wollte einer der Hauptverantwortlichen für die Prekarisierung der USA Präsident werden – und hätte es dank „Wahlmännersystem“ fast geschafft. Sein Programm bestand natürlich aus „Sozialkürzungen“: 148 Millionen US-Bürger sind inzwischen „über“, man braucht sie nicht mehr, sie liegen dem Staat nur auf der Tasche – und dank miserabler Aufstiegschancen (siehe hierzu „Armut als Schicksal“, Telepolis, Heise) wird das auch so bleiben.

„Private-Equtiy-Gesellschaften“ erweisen sich so als Krebsgeschwüre, die sich durch die gesunde Volkswirtschaft fressen, um immer mehr Menschen ins soziale Abseits zu stellen: nach neoliberaler Propaganda (die auch in Deutschland mit Hartz IV einen Riesenerfolg gefeiert hat) ist nämlich per Gesetzbeschluss auf einmal der Arbeitnehmer selbst für die Folgen der Arbeit der „Heuschrecken“ verantwortlich: das schwächste Glied in der Kette soll aus eigener Kraft den Kapitalismus retten: so blöd war schon lange keine politische Propaganda mehr. Tut er das nicht, giert man danach, ihn verhungern zu lassen … also: „Sozialausgaben zu kürzen“, das Lieblingsthema aller Konservativen (neben „Steuervergünstigungen“ … also dem ungehemten eigenen Griff in die Staatskasse). Hört sich auch so schöner an, als wenn man direkt über Massenmord an „unnützem“ Menschenmaterial reden würde. Und verhungern … tun die von ganz alleine.

Diese Gesellschaft, dieses Netzwerk aus Geheimdiensten, Industrie und Kapital hat nun einen neuen Rekord eingefahren: laut Washington Post sind inzwischen die Mehrheit der US-Schüler als „arm“ zu bezeichnen. Waren es 2010 noch ein Fünftel aller Kinder, so sind es jetzt über 50 Prozent (siehe Southern Education Foundation). Fast könnte man meinen: nach dem der „militärisch-industrielle Komplex“ der USA die Sowjetunion totgerüstet  hat, haben sie jetzt ihr eigenes Land totgerüstet – schon Grund genug, sich neue Kriege zu wünschen, um vom eigenen Versagen abzulenken … vielleicht auch Grund genug, Anschläge im eigenen Land nach zu inszenieren (also nicht nur auf fremden Rechnern), um weiter „im Geschäft“ zu bleiben.

Einzelne Daten?

Kalifornien – allein schon einer der größten Wirtschaften der Welt, ganz ohne den Rest der USA – hat 55 % Schüler, die an öffentlichen Schulspeisungen teilnehmen. Texas kommt auf 60 %, New York auf 49 %, Mississipi auf 71 Prozent, gerettet wird der Durschnitt von New Hampshire an der Ostküste, wo nur 27 Prozent der Schüler als arm gelten … bei einer Gesamtbevölkerung von 1, 3 Millionen Einwohnern. Insgesamt sind es inzwischen 51 % der Kinder, die von Armut betroffen sind, d.h. von Hunger, mangelnder Hygiene, mangelhafter Kleidung.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten … und der unbegrenzten Macht … demonstriert in eigenen Reihen die Zukunft der Menschheit, die Zukunft der „westlichen Wertegemeinschaft“, die sich so über den ganzen Planeten ausbreiten soll: ständig von Abschaffung bedrohte staatliche Ernährungshilfe auf der einen Seite gegen Apartments mit Pool für die 20 Prozent sichere Funktionselite (siehe Spiegel-Fotostrecke „Wohnungen mit Privatpool: Wenn Millionäre planschen gehen“) auf der anderen Seite: diese Kultur verbreitet sich im 21. Jahrhundert weltweit – mit militärischer Macht.

Nun – vielleicht zerstört einer der Cyberkrieger jetzt auch meinen Rechner – aus Absicht, weil ich „unkorrekte“ Meinungen vertretete oder einfach, weil es ihm Spaß macht – aber wenigstens sollte man Anfang 2015 noch mal schnell lesen können, dass der Kapitalismus die Kultur der Massenarmut ist.

Und das wollen wir wirklich jetzt in Europa etablieren … und auch weltweit als Leitkultur (besser: „Leidkultur“) einführen?

Nun – angesichts der Allmacht der NSA-Krieger im Internet bleibt uns gar nichts anderes über – aber das erklärt, warum alle so devot sind, wenn neue Kommandos aus den USA kommen – z.B. wenn „Putin“ auf einmal „böse“ zu sein hat. Ich denke: in den Zentralen der Macht in Europa (und auch in den Redaktionsstuben) ist man sich ganz genau bewusst welche Macht sich in den USA gerade entfaltet – einer Macht, der man lieber devot dient, bevor sie unwirsch wird.

Also … ich habe da keine weiteren Fragen.

 

 

 

 

Armut in Deutschland: Unfreiheit, Ungleichheit, Unbrüderlichkeit – ein Unland.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Mittwoch, 24.9.2014. Eifel. Über Armut in Deutschland zu sprechen ist gar nicht so leicht. Klar, alle denken erstmal an Geld – als wäre allein Geld der Maßstab allen Lebens. Schauen Sie sich doch mal die Schwerbehinderten in Deutschland an: schon fast zehn Prozent aller Deutschen haben einen Schwerbehindertenausweis (siehe Spiegel): ich denke, viele von ihnen würden all´ ihr Geld opfern, um wieder gesund zu sein. Genau genommen ist Gesundheit insgesamt ein großes Problem in Deutschland: Ärzte und Industrie werden für Erkrankungen bezahlt: ein Arzt, der nichts findet, ist bald ein armer Arzt. Und ein Mensch, der solange zum Arzt geht, bis der was findet, ist ein armer Mensch – und davon gibt es sehr viele.

Oder denken wir an die zentralen Werte der französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Wie frei sind Sie eigentlich? Nein – die Frage lautet nicht, wie frei sie sich nach vier Stunden TV-Konsum fühlen (da dürfte das Gefühl positiv ausfallen: immerhin gaukelt man Ihnen hier eine allmächtige Beobachterposition vor, wie man sie früher bei Göttern annahm – oder eine Berichtsposition, wie sie Könige erlebten), sondern wie frei Sie wirklich sind? Frei, um zum Beispiel eine Glühbirne zu verwenden? Ja – die sind schon verboten (angeblich ist Sigmar Gabriel dafür verantwortlich – siehe Deutsche Wirtschaftsnachrichten), an anderen Verboten wird gerade gebastelt (siehe FAZ):

In diesen Wochen trifft die Europäische Kommission eine Vorentscheidung, welche Geräte und Produkte sie zwischen 2015 und 2017 regulieren will. Die Liste der Vorschläge reicht von Fitnessgeräten, Akkuschraubern und Föhn über Rasenmäher, Smartphones und Videoprojektoren bis hin zu Aufzügen, Gewächshäusern und Verstärkern.

Sie wissen, wo das enden wird? In einer Ökodiktatur. Die will ich auch gar nicht anprangern: wir Wohlstandsbürger sind in unserer Vernichtungswut gegenüber unserer Umwelt ansonsten doch gar nicht mehr bremsen: auf Warnungen der Wissenschaftler reagieren wir mit dem Kauf eines überdimensionierten Geländewagens, der pro Kilometer soviel verbracht wie vier Kleinwagen – bei gleichem Effekt: den Transport unserer Wohlstandshintern zum „Aldi“. Und die Warnungen der Wissenschaftler werden immer deutlicher (siehe Sciblogs):

Klimaforscher haben seit den 1970ern davor gewarnt: Jetzt ist der Westantarktische Eisschild instabil geworden und hat seinen unaufhaltsamen Zerfall begonnen. Das wird den Meeresspiegel deutlich steigen lassen. Eine Zäsur der Menschheitsgeschichte.

Gut, dass wir das Leben nur noch über den Bildschirm erleben: so bleibt uns das Gefühl, wir könnten die Apokalypse durch Betätigung der Fernbedienung von unserer Wohnung fern halten.

Aber wir waren bei der Freiheit. Anders als ehedem angedacht ist Freiheit heute ein Gut, dass man sich leisten können muss – finanziell gesehen. Sind Sie chronisch unterfinanziert wie zum Beispiel Thomas Meese von der Universität Hamburg, dann müssen Sie sich staatlich verordneter Zwangsarbeit beugen – auch als hochqualifizierter Wissenschaftler (siehe gegen-Hartz). Kein Wunder, dass der Deutsche lieber seine Wohnung nicht verläßt und nicht mehr auf Demonstrationen zu sehen ist … ein Tatbestand, der deutlicher als alles Andere zeigt, wie „frei“ er sich wirklich fühlt.

Brüderlichkeit? Wie sieht es damit aus? Da fällt mir gerade der Löschzug Rapen aus Oer-Erkenschwick ein (siehe: Der Westen):

Denn bei der Feuerwehr brannte es. Auslöser war ein Aufnahmeritual vom 15. September 2007. An jenem Nachmittag war eine 20-jährige Anwärterin an einen Baum gefesselt worden. Ein im Löschzug Rapen nicht unübliches Verfahren.

Ein seltsamer Geist bricht sich dort Bahn. Nicht nur bei deutschen Feuerwehren, auch bei der Polizei (siehe Der Westen):

Hakenkreuze, rechte Parolen, offener Rassismus – monatelang ist eine Polizeianwärterin (23) mit Migrationshintergrund von Studienkollegen in einem Kurs an der Fachhochschule „XXXXXXXX“* (siehe unten) gemobbt und erniedrigt worden.

Wissen Sie, was daran wirklich rassistisch ist? Was zudem niemandem auffällt? Das man darauf hinweist, dass die Polizeianwärterin einen Migrationshintergrund hat. Vielleicht hieß sie Schimanski (wie ein bekannter „Tatort“-Kommissar aus dem TV) und der Ururgroßvater kam aus Polen?

Zwei Ausnahmebeispiele? Nein, zwei Ausprägungen einer verrrohenden Gesellschaft, für die es jetzt fundamentalere Daten gibt (siehe WDR):

Häusliche Gewalt nimmt nach Angaben der Ärztekammern in NRW immer weiter zu. Die Zahl der Strafanzeigen deswegen habe sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre von 16.000 auf 27.000 Fälle pro Jahr erhöht.

Damit daraus keine Gesellschaftskritik wird, wird die Aussage umgehend relativiert mit dem Hinweis darauf, dass Ärzte sensibler auf des Thema reagieren, wodurch mehr Fälle bekannt werden. So einen Humbug liest man selten: Ärzte haben Schweigepflicht – sie dürfen überhaupt keine Straftaten anzeigen. Wir werden also mit der Tatsache leben müssen, dass das Leben in der trauten Ehegemeinschaft rauer wird – sogar dort.

Probleme mit der Brüderlichkeit hat man auch im Geschäftsleben – nach der Finanzkrise sollte das eigentlich jedermann bewusst geworden sein. Trotzdem stößt man immer noch auf erstaunliche Dokumente, die das Geschäftsgebahren der Bankenwelt gut dokumentieren – wie hier zum Beispiel bei den Sparkassen: (siehe Spiegel)

„Man versucht, indem man sich ins Gehirn hineinschleimt, Vertrauen zu finden und den Verbraucher in einer Weise zu beeinflussen, die nicht in seinem Interesse ist.“ – so das Urteil der Verbraucherschützer über die Klassifikationsraster der Sparkassen. Das gilt aber im Kapitalismus für alle Branchen … und führt uns zum nächsten Thema: der Gleichheit.

Darüber traue ich mich gar nicht mehr zu reden – darüber ist schon genug gesagt worden. Es gibt wieder eine Elite, die enscheidet – und ein Prekariat, das folgen muss … bei Zwangsarbeit, Glühbirnenverbot und offenem Rassismus. Das gilt weltweit so, da hat Deutschland kein Alleinstellungsmerkmal (siehe Oxfam):

Die wachsende soziale Ungleichheit untergräbt demokratische Prozesse, sowohl in Industrie- als auch in  Schwellen- und Entwicklungsländern. Das ist das Ergebnis eines Berichtes zur Einkommens- und Vermögensungleichheit, den Oxfam heute kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht. In „Working for the Few“ warnt die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation davor, dass wohlhabende Eliten weltweit die Politik zu ihren Gunsten beeinflussen und wirtschaftliche Spielregeln in ihrem Sinne manipulieren.

Heute besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des Weltvermögens. Die 85 reichsten Menschen besitzen ebenso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen.

Das ist der Trend, der auch in Deutschland vorherrscht. Den beschreibt der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR Egon Krenz aus einer interessanten Perspektive (siehe Junge Welt):

Herbert Wehner, der vom Kommunisten zum Sozialdemokraten mutierte, hatte mich schon 1973, damals Fraktionsvorsitzender der SPD im Bundestag, gewarnt: »Wer einmal Kommunist war, den verfolgt die bürgerliche Gesellschaft bis zu seinem Lebensende.« Ich hätte also durchaus wissen können, was nicht nur mich erwartet, sollte die Bundesrepublik einmal Zugriff auf die DDR bekommen. Der Gedanke, daß dies jemals geschehen könnte, lag mir damals fern. Nun rächt sich die neue Macht mit all ihren Institutionen dafür, daß sie über 40 Jahre keinen Zugriff auf den deutschen Osten hatte. Und sie sendet damit das Signal: Sie will nie wieder eine Alternative zur kapitalistischen Gesellschaft zulassen.

Kommunistenverfolgung in einer freien Demokratie? Sind wir etwa auch arm an politischer Freiheit, arm an wissenschaftlicher Wahrheitsfindung, arm an Prozessen zur Meinungsbildung? Hören wir Herrn Krenz:

Das offizielle bundesdeutsche Geschichtsbild über die DDR steht doch fest: »Zweite deutsche Diktatur«, »Unrechtsstaat«, »Mauer« und »Stasi«. Wer diese Klischees nicht bedient, hat keine Chance auf eine sachliche Diskussion.

In der Tat: die Chance, aus den Erfahrungen des sozialistischen Deutschlandes etwas über mögliche Alternativen zum momentan versagenden Kapitalismus zu lernen, wurde vollkommen zugunsten einer blindwütigen Siegerorgie vertan. Die „neue Macht mit all ihren Institutionen“, die bei Oxfam erwähnte „wohlhabende Elite“ rechnet sich auch aktuell den Kapitalismus schön (siehe Spiegel):

Es ist das höchste Wachstum seit zehn Jahren: Das Vermögen privater Haushalte ist 2013 weltweit auf 118 Billionen Euro gestiegen. Das sind rund zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor und 27 Prozent mehr als 2007.

Solche Meldungen gehen eher durch die Systemzensur als die Meinungen des Herrn Krenz. Schauen wir hier ruhig mal genauer hin: immerhin ist der Spiegel das bedeutendste „kritische“ Medium der Bundesrepublik, die Bibel der staatstragenden Kräfte, das Sturmgeschütz der Demokratie:

Fast eine halbe Milliarde Menschen ist demnach in den vergangenen 13 Jahren in die globale Vermögensmittelklasse aufgestiegen. Zwischen 2012 und 2013 waren es 60 Millionen. Zur Mittelklasse zählt in der Allianz-Definition, wer ein Vermögen zwischen 5300 und 31.800 Euro besitzt. Im vergangenen Jahr waren das laut Allianz weltweit 912 Millionen Menschen.

Ja, Sie lesen richtig: mit einem Vermögen von 5300 Euro gehören Sie zur Mittelklasse dieser Welt – sagt die Allianzversicherung, einer der großen Träger des bundesdeutschen Systems. Ach – jetzt sind wir doch beim Geld gelandet … dabei ist diese Debatte dem Lande der Dichter und Denker doch so unangemessen. Aber – was soll´s.

Ja – jeder Deutsche Hartz IV-Abhängige, der noch Schonvermögen von 5300 Euro in Händen hält, gehört schon zu Mittelklasse. So definiert, steigt die Mittelklasse weltweit an, allein schon deshalb, weil Geld wie irre gedruckt wird und an der Börse mit diesem gehaltlosem Geld irrsinnige Gewinne möglich sind. Lesen wir die vom Spiegel zitierte Studie aber nochmal genauer:

Allerdings setzt sich ein Teil der neuen Mittelschicht auch aus Absteigern zusammen. Denn die Zahl der wohlhabenden Menschen ist geschrumpft. Die meisten Absteiger aus der Oberschicht gab es in den USA, Japan, Frankreich und Italien. Seit der Jahrtausendwende sind laut der Studie 65 Millionen Menschen aus der sogenannten Vermögensoberklasse herausgefallen.

„Wohlhabend“ .. das waren mal die mit einem Vermögen von über 31800 Euro. Ein teures Auto, geerbter Schmuck, ein kleines Häuschen – schon gehören sie zur Oberschicht. Schon eine kleine bezahlte Eigentumswohnung macht aus Ihnen den Bill Gates von Oer-Erkenschwick – wenn es nach den Träumen der Allianz geht. Wir hielten das früher mal für untere Mittelschicht – und  schauen wir aus den Augen der alten BRD-Bewohner, dann merken wir, dass uns unser Alltag nicht täuscht: immer mehr Menschen fallen aus dieser Mittelschicht heraus, wandern in die Armut. Genau genommen werden immer weniger Menschen immer reicher und immer mehr Menschen immer ärmer – aber das versucht die „neue Macht mit all´ ihren Institutionen“ zu vertuschen wo immer es geht.

Aber kümmern wir uns jetzt mal um die Armen, geben der Armut ein Gesicht. Der NDR hat dies getan (siehe NDR):

Tanja ist eine von vielen Frauen in Deutschland, die alleinerziehend sind und deshalb keinen Vollzeitjob machen können. Dadurch, dass sie in Teilzeit in einem Café arbeitet, verdient sie nicht genug, um ihren Lebensunterhalt für sich und ihr Kind zu sichern. Trotz eines Stundenlohns von 8,50 Euro kommt sie gerade mal auf 870 Euro.

Kein Hartzer – sondern eine reiche, arbeitende Frau. Zum Überleben mit 320 Euro im Monat (abzüglich der Fixkosten) ausgestattet – für zwei Personen. Macht 160 Euro pro Person, 5,30 Euro am Tag. Eine Schachtel Zigaretten ist teuerer – um mal einen Vergleichsmaßstab zu setzen. Ich will aber auch noch einen anderen Maßstab nehmen: Afrika, jener Kontinent, auf dem die Menschen mit einem Dollar pro Tag auskommen müssen (siehe Johannes Rau in der Zeit). Das gilt als „wirklich arm“ – dagegen ist unser Tanja richtig reich.

Vergleichen wir aber mal die Bruttoinlandsprodukte der Kontinente (ja, da sind wir großzügig – die Griechen, Spanier und Portugiesen kommen sogar mit in die Rechnung – siehe Politik-kompakt). Europa hat demnach ein Bruttoinlandsprodukt von 17580 Milliarden, Afrika von 1960 Milliarden. Europa ist neunmal reicher als Afrika … aber Tanja hat nur fünfmal Geld mehr als ein afrikanischer Armer. Manche deutsche Rentner haben genau so viel wie ein Afrikaner (siehe RTL). Würden wir die BIP´s Deutschlands mit … sagen wir mal: dem Sudan vergleichen, wird es noch doller: Deutschland hatte 2013 ein BIP von 3 600 Milliarden Euro (Platz 4 im Ranking der Nationen), der Sudan 70 Milliarden (Platz 68 von immerhin 188 Ländern). Während der arme Sudanese mit einem Dollar auskommen muss, muss die reiche Tanja in einem Land das über FÜNZIGMAL REICHER als der Sudan ist, mit fünf Euro auskommen – also 6, 5 Dollar. Verglichen mit Uganda, dem Senegal oder dem Kongo ist der Sudan aber noch reich, die drei Länder haben weniger als die Hälfte des BIP des armen Sudan (siehe Wikipedia).

Merken Sie jetzt langsam, wie arm die arbeitende Tanja eigentlich wirklich ist … wenn man ihren Anteil am BIP des Landes als Maßstab zugrunde legt? Würde man ihr Einkommen gemessen am BIP auf Sudan-Niveau umlegen, würden aus den 6,50 Dollar 10 Cent werden. Da sind Leute mit fast einem Dollar pro Tag deutlich reicher.

Das sind Dimensionen der Armut, die wir täglich fühlen – aber kaum mit Zahlen anschaulich machen. Während die Armut in Afrika teils einfach auf lange Dürreperioden zurückzuführen ist, ist sie in Deutschland der Wille der Elite und des von ihr kontrollierten Staates, die – wie überall sonst auch – „die Politik zu ihren Gunsten beeinflusst und die wirtschaftlichen Spielregeln in ihrem Sinne manipuliert“.

Übrigens erwirtschaftet Tanja in diesem Jahr vorraussichtlich 40000 Euro, so jedenfalls ihr Anteil am BIP (siehe Wikipedia), zusammen mit ihrem Kind kommt sie auf 80 000 Euro. Davon erhält sie 10000 Euro und hat am Ende 3840 Euro übrig, von denen sie ein Jahr lang das Überleben ihrer Kleinstfamilie finanzieren muss.

Keine Freiheit. Keine Brüderlichkeit. Keine Gleichheit.

Keine Gerechtigkeit. Kein Mitleid. Keine Nächstenliebe.

Und das tolle ist: verglichen mit dem armen Sudanesen sind wir sogar arm am wichtigsten Gut menschlichen Lebens: der Zeit, siehe Sybille Berg im Spiegel über den modernen Menschen:

Lasst mich endlich, endlich in Ruhe, möchte er schreien, der gehetzte Mensch, der zu nichts mehr kommt. Der immer am Anschlag ist. Weil die Zeit wegrennt, weil der Terminplan voll ist mit der Arbeit, die immer mehr wird, besonders bei denen, die sind wie ich, bei Freiberuflern, Selbstständigen. Eltern, Menschen mit kranken Eltern, kranken Kindern oder depressiven Partnern, mit Verwandten, die Prozesse haben, nicht zu reden von den Prozessen, die man selber führt. Der gehetzte Mensch muss immer mehr arbeiten, irgendwie ist da Inflation, und keiner hat es gesagt, alles wird teurer.

Deutschland: ein armes Land. Ein sehr armes Land.

Ein Unland.


 

 

* Offensichtlich ist die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein Westfahlen Gelsenkirchen, Standort Köln, gemeint. Im Originalartikel ist dies nicht ersichtlich.

Siehe den oben genannten Link und
http://www.rp-online.de/nrw/panorama/nazi-skandal-erschuettert-polizei-in-aachen-mobbing-und-fremdenfeindlichkeit-aid-1.4517648

 

Achtung, Warnmeldung! Weitere Zumutungen optimistischer Politiker drohen: die Agenda 2030 und die Vernichtung des Euros.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Dienstag, 26.8.2007. Eifel. Man stolpert bei der Zeitungslektüre gelegentlich über seltsame Aussagen – wie jetzt aktuell in der FAZ, wo es über die Agenda 2030 oder die Agenda 2040 geht – man war sich da nicht so sicher.  Zu Wort meldet sich ein CDU-Politiker mit einer recht eigentümlichen Anschauung:

„Das Land befindet sich zu sehr im Wohlfühlmodus, keiner will den Menschen etwas zumuten“.

Weiß nicht, ob Ihnen dabei auch leicht übel wird – immerhin spricht dort ein Arbeitsloser, ein Mensch, den wir mit unserem Geld von der Last der Erwerbsarbeit befreit haben, um Verwaltungsaufgaben für uns zu übernehmen: und als Dank dafür möchte er an weiteren Zumutungen arbeiten, beschwert sich darüber, dass es dem Land gut geht.

Nun – „Deutschland geht es gut“ – so lautet ja auch die Devise der Bundeskanzlerin, und ich bin dankbar, dass das Handelsblatt jetzt endlich darauf hinweist, dass dieser blindwütige Optimismus einfach nur eine Lüge ist – bzw eine Einstellung, zu der JEDER Bundeskanzler durch sein Amt verpflichtet ist (siehe Handelsblatt). Es heißt nicht umsonst, dass ein Fisch vom Kopfe her stinkt – und Wolfgang Münchau vom Spiegel verfolgt den Gestank bis in die Reihen der Ökonomen (siehe Spiegel):

Fast immer daneben, fast immer zu optimistisch: Die meisten Konjunkturprognosen sind Lachnummern. Ökonomen wissen nicht mit Dynamischen Systemen umzugehen. Höchste Zeit, sie zu ersetzen.

Klare Worte. Was fehlt, ist die Forderung, auch die Optimismuströten im Kanzleramt und Bundestag durch Realisten zu ersetzen. Wer nur seinen verträumten Optimismus im Kopf hat, der muss in der Tat seinen Bürgern einiges zumuten, um die Lücke zwischen Vorstellung und Wirklichkeit zu ersetzen. Und zugemutet wird ihnen ja genug: sogar Sylt, einer der Orte Deutschlands, wo sich Geld mit Gewalt ballt, verzeichnet einen steigenden Zulauf zur Tafel (siehe Hamburger Abendblatt), jenen Orten, wo Geschäfte infolge einer gezielten Beratung durch McKinsey ihre Entsorgungskosten minimieren, in dem sie den Abfall an Bedürftige verteilen (wir berichteten).

Reicht das nicht an Zumutung?

Nein. Natürlich nicht. Erinnern wir uns an die Agenda 2010 – bevor wir über die Agenda 2030 oder 2040 reden. Sie wirkt ja auch heute mit gleicher Gewalt und verändert das Gesicht des Landes. Aktuell verbietet die Polizei Proteste vor Jobcentern (siehe gegen-Hartz), ein weitere denkwürdiger Angriff auf die Meinungsfreiheit in Deutschland. Als einziges Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bleibt den optimistischen Experten der Griff zur Gewalt, weshalb Oberst Weise, Kommandant der Bundesagentur für Arbeitslosendisziplinierung, auch die Sanktion als höchsten Segen moderner Arbeitsmarktpolitik preist (siehe gegen-Hartz): auch so eine Zumutung, allerdings eine der intellektuellen Art – das Druck nur Gegendruck erzeugt, aber niemals zur Änderung der intrensischen Motivation taugt, weiß jeder Versicherungsvertreter, doch in Amts- und Regierungsstuben ist dieses Niveau noch lange nicht erreicht.

Kein Wunder dass es beständig neue Meldungen über Sanktionsrekorde in Deutschland gibt (siehe Leipziger Internet Zeitung): der Arbeitslose muss die Fehler der Politik, die sich nur allzu gern an die viel zu optimistischen (sprich: FALSCHEN) Prognosen der Wirtschaftswissenschaft bindet, persönlich ausbaden: findet er die nicht vorhandenen Jobs nicht, wird er dafür bestraft. Für den gesunden Menschenverstand eine Zumutung – aber „Zumutung“ scheint ja auch des primäre Ziel der politischen Kaste zu sein, die große Herausforderung im Wettlauf der Parteien: wer schafft es, dem Volk in kürzester Zeit mehr zuzumuten? Der Sieger bekommt einen Vorstandsposten in einer Rüstungsfirma – nein, das war jetzt sicher zu fies gedacht.

Aber hat sie nicht enorm viel gebracht, diese Agenda? Jubeln nicht die gleichen Experten, die mit ihren Prognosen immer daneben liegen, gerade ob der großen Erfolge des großen Entwurfes?

Nun – die schieben sich die Irrläufer gegenseitig ein Eigenlob in die Tasche. Menschen, die für ihr Geld noch richtig arbeiten müssen und nicht fürstliche Bezüge von Vater Staat kassieren, dürften das anders sehen – aber auch einige Experten müssen nüchtern feststellen, dass die Reform ihre Kernziele nicht erreicht hat (siehe hartziv.org):

Aus den Hartz IV Reformen resümiert die Untersuchung eine Verschlechterung der Funktionalität des Arbeitsmarktes. Durch die Einschüchterung, in die Grundsicherung zu fallen, seien Arbeitnehmer bereit, auch schlechtere Bedingungen wie geringere Einstiegslöhne in Kauf zu nehmen – die für bereits Beschäftigte unattraktiv waren. Dies hat auch zur Folge, dass sich Arbeitgeberwechsel für Beschäftigte demnach nicht lohnen.

Ja – Hartz IV war gar kein Schlag gegen die „Sozialschmarotzer“ und „Parasiten“: jenen, die schon immer von Sozialhilfe gelebt haben, ging es danach besser denn je – wenn ich den Informationen von langjährigen Sozialhilfebeziehern glauben darf. Es war zuerst ein Schlag  (und eine Zumutung) gegen ALLE Arbeitnehmer – und gegen kleinere Selbständige.

Alan Posener berichtete in der Welt von den absurden Zuständen, die Deutschland aktuell zu einem Narrenhaus werden lassen – wie zum Beispiel die Geschichte über den mit einem befristeten Vertrag bei der Bundesagentur für Arbeit ausgestatteten Anwalt, dem richterlicherseits empfohlen wird, doch nach Ablauf des Vertrages Fachanwalt für Hartz IV zu werden und selber so lange Hartz IV zu beziehen, bis er genügend Kunden hat, die gegen die Bundesagentur klagen – und an denen sei kein Mangel (siehe Welt).

Ja – zwischendurch gehören auch Akademiker zur Unterschicht – auch eine Zumutung und ein Zeichen dafür, dass „Wirtschaft“ und „Politik“ das Ruder völlig aus der Hand läuft und wahrscheinlich auch der Grund, weshalb deutsche Professoren die materielle Vernichtung der Unterschicht fordern. Vernichtung? Nun ja, wenn ein deutscher Professor die Einstellung der staatlichen Leistungen nach fünf Jahren fordert (die endgültige Totalsanktion, sozusagen, siehe FAZ), dann sehe ich Berge von verhungerten Menschen vor mir: die Tafeln werden das nicht auffangen können. Aber so sind sie halt, die Experten: je mehr man ihnen selbst zuviel an staatlicher Unterstützung zahlt, umso wilder und wirrer werden ihre Phantasien. Ein- zwei Jahre Straßenbau als Arbeitsurlaub wären da vielleicht mal ganz hilfreich, um das Professorengehirn mal wieder auf die Erde zurück zu holen.

Der Sozialverband Deutschland hat nun folgerichtig Bilanz gezogen (siehe Saarbrücker Zeitung)

Zehn Jahre nach Einführung der Hartz-Gesetze müsse man eine fatale Bilanz ziehen, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer. „Dieses System ist eine soziale, ökonomische und moralische Bankrotterklärung.“

Ich würde noch hinzufügen: eine intellektuelle Bankrotterklärung ist sie ebenfalls. Ebenso eine demokratische – und politische, erst Recht, wenn man sieht, dass andere Zumutungen innerhalb der Politik kaum wahrgenommen oder billigend in Kauf genommen werden: dass EU-Kommissare für vier Monate Arbeit je 500 000 Euro kassieren, findet niemand anstößig (siehe Spiegel), erklärt aber, warum Bundeskanzler zum Optimismus verpflichtet sind – rationale Haushaltsführung ist angesichts solcher Phantasiegehälter nur mit intensiven Hoffen auf zukünftigen Geldsegen zu gewährleisten.

Nun – von erlebbarer Armut sind jene Politiker, die jetzt wieder von „Zumutungen“ träumen, weit entfernt. Ihre Diäten sind jetzt gerade saftig angehoben worden – auch ein Grund, warum Politik nichts ändern wird: im Kampf reich gegen arm wechseln auch linke Politiker schnell die Seiten, wenn sie Diätenreich werden. Ein paar schnelle linke Worthülsen noch aus der Hüfte geschossen … das war es dann aber auch schon mit dem Engagement, immerhin steht man jetzt auch auf der Seite jener, die sich um optimale Geldanlagen kümmern müssen – anstatt zu jenen, die am Ende des Geldes noch viel Monat übrig haben.

Aktuell verblüffen Geschichten über die armen Städter das Land, der interssanteste Artikel dazu stammt aus dem Handelsblatt. Er erläutert uns auch die Zumutungen, mit denen wir leben müssen:

2014 lag die Armutsgefährdungsschwelle für einen Alleinstehenden bei 870 Euro. Rechnet man Sätze für Miete und anderes hinzu, liegt der Hartz IV-Satz eines Singles bei 651 Euro und damit unter der Armutsgefährdungsschwelle.

Der Grundgedanke des Sozialstaates war mal, Armut zu verhindern. Jetzt muten Politiker jene, die durch die von ihnen gestaltete Wirtschaftspolitik den Anschluss verloren haben, per Gesetz Armut zu – als Pauschalsanktion, die noch verschärft werden kann.

Was drohen denn dann noch für weitere Zumutungen, wovon träumen denn die mit dem staatlichen „Rundum-sorglos-Paket“ vollgefütterten Daueroptimisten und Realitätsverdränger noch? Die reichsten Gemeinden in Deutschland verzeichnen nach diesem Artikel noch 8,6 % Arme, die großen Städte ÜBER 25 %!

Aber: erschrecken sie nicht zu sehr über diese Studie, sie zeigt nur eine Perspektive auf, berücksichtigt nicht, dass Arme auf dem Land ein Auto brauchen, weil die menschenfernen Konzentrationsprozesse der „Wirtschaft“ die Nahversorgung vernichtet haben.

Während „der Arbeitslose“ als „Volksfeind Nr 1“ beständig neuen Zumutungen ausgesetzt werden soll, beschäftigt sich scheinbar kaum ein Politiker mit den finsteren Wolken am Horizont, die die ganze Eurozone bedrohen. Man jubelt über steigende Börsenkurse (während über einen Kurssturz von 10% kaum gesprochen wird: Optimisten unter sich verdrängen so etwas gern), kümmert sich aber nicht um die Ursachen – also die Entscheidungen optimistischer Politiker auf der Grundlage optimistischer Wissenschaftler. Hier offenbart ein Blick hinter die Kulissen gruseliges: die Börse steigt nur auf Grund eines „Draghi-Effektes“ (siehe Handelsblatt). Die EU will die Inflation ankurbeln (und damit die Armen noch Ärmer machen), in dem sie die Reichen noch reicher macht.

Wir erfahren auch, von welchem Volumen wir da sprechen: 1 Billion Euro sollen in die Märkte gepumpt werden . Gleichzeitig erfahren wir, dass die Spekulanten der Wallstreet den Euro massiv unter Beschuss nehmen wie nie zuvor: kein Wunder – was so in Massen gedruckt wird, kann keinen Wert mehr haben (siehe Welt). Kurz darf einem hier einfallen, dass Draghi auch ein Ex-Mitarbeiter einer großen Wall-Street-Bank ist und hier vielleicht bald wieder eine blühende Zukunft vor sich sieht.

Eine Billion Euro. Darf man kurz träumen? Darf man kurz überlegen, wieviel jeder EU-Bürger von dieser Summe hätte, wenn man sie ihm persönlich auszahlen würde – als Konkunkturspritze für die Realwirtschaft? 500 Millionen Bürger haben wir in der EU. Das macht 2000 Euro pro Bürger. Würde man das Geld in Arbeislose investieren (anstatt die mit diesem Geld zu bekämpfen), könnte man eine Mordsrendite von 60 Prozent einfahren: jeder in Arbeitslose investierte Euro kommt mit 1,60 Euro Wertschöpfung zurück (wir berichteten). Stattdessen investiert man dieses Geld in Aktienbesitzer, die dadurch völlig ohne Arbeit noch viel reicher werden.

Gleichzeitig arbeitet man gezielt an der Vernichtung des Euro, der beständig an Wert verliert. Das verteuert die Importe für die armen Leute, verbessert aber die Ertragslage der großen, exportierenden Firmen, deren Waren im
Ausland immer günstiger werden und deren Gewinne dank Lohndumping ins Unermessliche steigen.

Reicht das noch nicht an Zumutungen?

Nein. Wie ein aktuelles Interview nahelegt, hegen und pflegen wir in Europa immer noch „Zombiebanken ohne wirklichem Geschäftsmodell“, die jederzeit eine neue Finanzkrise auslösen könnten (siehe Spiegel).

Dafür ist Geld da.

Kein Wunder, dass Politiker von weiteren Zumutungen träumen. Die werden ganz von allein kommen, will mir scheinen – und wenn nicht, wird die Politik noch einen draufsetzen, anstatt eine realistische Wirtschaftspolitik zu betreiben.

„Deutsche Politik im aktiven Kampf gegen den Wohlfühlmodus der Bevölkerung“ – wäre auch ein schöner Titel gewesen. „Den Nutzen des Volkes zu mehren, Schaden von ihm abzuwenden“ war gestern, „nutzloses Volk auszumerzen und Schaden durch Zumutungen zu verursachen“ scheint das aktuelle Programm zu sein, das nach der aus reiner Dummheit erfolgenden Vernichtung des Euros den Ton angeben wird.

Und mit der Agenda 2050 werden dann chinesische, thailändische und malaysische Produzenten gesucht, die bei uns ihre Hemden billig nähen lassen wollen, während UN-Hilfsorganisationen die deutschen Städter vor dem Verhungern retten.

Kein Wunder, dass angesichts solcher Aussichten der platte Realismus gerade nicht angesagt ist und wir stattdessen lieber die Utopie „Schlaraffenland“ herbeiphantasieren: Optimismus ist deutlich besser für die Nerven und unterdrückt jede notwendigen Handlungsimpulse: „Wird schon alles gut gehen“.

 

 

Die Minderleister und der Neoliberale Soziale Rassismus

All gegenwärtig kann man es hören, sehen und lesen, wie sich die sogenannten Eliten der Gesellschaft sich abgrenzen vom gemeinen Pöbel, den Minderleistern, den Minderwertigen.
Eliteschulen, Elitekindergärten, Eliteuniversitäten. Und um sicherzustellen, dass Gier, Herzlosigkeit, Macht und sozialer Unverantwortlichkeit, kann sich die Elite, quasi per Inzucht, auf Elitepartnerbörsen verlassen oder zurück greifen.
Die Elite Deutschlands sind Familienclans, oft mit Adelstiteln, die bereits im Kaiserreich protektioniert wurden, mit den Nazis zusammengearbeitet haben und nach der Wende den Osten und heute ganz Deutschland und Europa aufkauftenen. Ihre Strategie ist Egoismus, Vetternwirtschaft, Bestechung, Gier, Lobbyismus, um ihren Glück immer ein wenig nachzuhelfen.
Wer heute noch glaubt, dass es Demokratie und Kapitalismus eine Symbiose eingehen, der scheint doch sehr naiv zu sein.

 

Fuck the Poor (2)

Passend zu diesem Bild

A man walks the streets of London shouting #FuckThePoor.
Social experiment from poverty charity, The Pilion Trust, to see whether we really do care about those less fortunate.

„Armutseinwanderung“ nach Deutschland

Wieder einmal haarsträubend, was ich im deutschen TV beobachtet habe. Natürlich empfangen wir auch in Rumänien über Satellit alle westlichen Sender, die Italiener, die Franzosen, die Engländer, aber auch die deutschen, österreichischen und die schweizerischen. Öfters mal sehe ich auch ZDF, obwohl mir klar ist, welche Art von Meinung da verbreitet wird. Die Rede ist vom heute-journal vom Donnerstag, den 2. Januar 2014, 21 Uhr 45.

Bei dieser Sendung haben sie wieder mal den Vogel abgeschossen. Offensichtlich bekamen sie von oben verordnet, das Volk zu beschwichtigen. Das haben sie auch mit aller Kraft zelebriert. Den es interessiert, der kann sich über die ZDF-Mediathek „Sendung verpaßt“ das nochmal ansehen.

Es dreht sich wieder mal um die Roma, die von RO und BUL aus Richtung Deutschland ziehen. Man probierte die Statistik-Masche. Wie sagt doch das Sprichwort: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Roma in ElendsviertelnRoma in Elendsvierteln in Rumänien, mit Vorliebe so in Deutschland präsentiert

Nun, hier gehts nicht um Fälschen, hier gehts um gezielte Meinungsmache durch Hervorheben und Weglassen. Wenn ich jemanden, der keine bunte Blumenwiese kennt, einen Strauß mit Mohnblumen bringe, und dazu sage, daß die von der Blumenwiese sind, dann wird derjenige davon ausgehen, daß sich darauf hauptsächlich rote Blumen befinden. Daß darauf auch blaue Kornblumen und gelbe Butterblumen wachsen, verschweige ich.

Die Beschwichtigungssendung von gestern war genauso gemacht. Man nimmt einfach Dinge heraus, die zwar aus dem Themenbereich, aber zum Vergleich völlig falsch angebracht sind. Da ist von Facharbeitern die Rede, die man dringend braucht, und die man durch solche böse Aussagen wie Sozial-Mißbrauch nicht verprellen soll, da werden Zahlen aufgetischt, die gezielt in den Zusammenhang gebracht werden, daß sie genau das Gegenteil der Realität widerspiegeln. Dazu bedient man sich der Prozentzahlen, der Gesamtzahlen nur dann, wenn es vorteilhaft für die Begründung ist.

Es ist gar nicht schwer, über eine Analyse dieser Sendung Punkt für Punkt richtigzustellen, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Bleibt auch die Frage, ob es jemanden überhaupt interessiert. Viele wollen ja angelogen werden, weil es in ihr Weltbild so paßt.

Sozialwohnungen in einer Kleinstadt in Siebenbürgen
Sozialwohnungen in einer Kleinstadt in Siebenbürgen, vornehmlich von Roma bewohnt, seit 2 Jahren übergeben

 

An einigen wenigen Punkten will ich es verdeutlichen.

Auszüge aus dem ZDF-Bericht:

„die Probleme, die das in einigen deutschen Städten schafft, sind allerdings nicht neu“

– man vermeidet die Wortwahl:  „untragbar für die Anwohner“, etc.

„Roma, vor allem, die schon in ihrer rumänischen Heimat nicht integriert waren.“

Man sagt bewußt nicht die Wahrheit. Die müßte ein anderes Verb beinhalten, nämlich „nicht integrierbar waren“.

Roma-JugendlicheRoma-Jugendliche beim Austragen ihrer Streitigkeiten

Dann zeigt man den Roma namens Valentin, der mit seinem treuherzigen Augenaufschlag für solche Reportagen prädestiniert ist. Er will den Eindruck vermitteln, daß diese Art von „Wohnen“ in Frankfurt immer noch besser ist als die Zustände zuhause in RO.

Wer nicht weiß, wie die Roma in den Dörfern leben, wer nicht weiß, daß in fast allen Städten in RO Sozialwohnungen zur Verfügung stehen (oftmals neu gebaut), der glaubt das vielleicht.

Roma-Frauen auf dem Dorf
Roma-Frauen auf dem Dorf

 

Ein – vielleicht unbedeutendes – Detail: Neuerdings bekommt man bei den Medien „verordnet“, statt Roma (wie auch die gezeigte Frau Böttcher, die selbst Roma ist, es ausspricht) künftig „Romma“ zu sagen, damit man die Italiener nicht andauernd mit dem Namen ihrer Hauptstadt brüskiert.

„… hat einige Zahlen zusammengestellt, um das Gesamtbild zu sehen“ – Ein richtiger Hohn, wie man mit den Zahlen hier jongliert.

Selbständige und Saisonarbeitskräfte werden mit einer Spannweite von 26 T bis 40 T angegeben. Das ist Blödsinn. Man kann die genaue Zahl hinschreiben. Für jeden Selbständigen gibt es eine Gewerbeanmeldung, für jeden Saisonarbeiter einen Arbeitsvertrag über das Arbeitsamt Frankfurt für ganz D. Man will nicht transparent machen, daß die Saisonarbeiter mit knapp 10 T in der Minderzahl sind, und fast 30 T sogenannte „Selbständige“ durch diesen Status seit längerer Zeit (nicht erst seit 1.1.2014) Anspruch auf alle Sozialleistungen haben und diese auch realisieren.

Roma, die ihren Kleinwagen sicher durch redliche Arbeit erworben haben.Roma, die ihren Kleinwagen sicher durch redliche Arbeit erworben haben.

 

Dadurch könnte ja jemand hochrechnen, daß es schon 3 Mio € sind, wenn jeder „nur“ 100 € beziehen würde. Genau das aber soll verschleiert werden, auch, wieviel das tatsächlich in der Summe ausmacht. Logischerweise sind es nicht nur 100 € pro Person. Schon das Kindergeld beträgt 200 €.

„…Selbständige und Saisonarbeiter, die wie die abhängig beschäftigten Steuern und Abgaben entrichten..“

Geschickt verwendet man das in einem Wort-Zusammenhang. Die Saisonarbeiter entrichten sehr wohl Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, – bei den sog. Selbständigen ist es die absolute Ausnahme. Die bezahlen einen Steuerberater, der rumänisch spricht, und weisen in der Steuererklärung nach, daß ihr „Einkommen“ unterhalb des Existenzminimums liegt, was wiederum den Freifahrtsschein im Sozialzug bedeutet.

„… erreichen die Bulgaren und Rumänen eine Beschäftigungsquote von 60 – 64 %“. Würde mich interessieren, worauf diese Zahl basiert. Etwa auf die geschätzten nicht-registrierten Roma in D? Dazu dann die offizielle Zahl von 7,4 %, die arbeitslos gemeldet sind. Und wovon, wenn ich fragen darf, leben diejenigen zwischen den 64 % und den 7,7 %? „Nur“ vom Betteln?  Macht sich jemand Gedanken darüber, warum z.B. der Fahrraddiebstahl in den letzten Jahren sprunghaft in die Höhe gegangen ist? Die braucht man sich nicht machen, wenn man mal an den zwei Hauptgrenzübergängen in RO (Oradea und Arad) einen Tag lang beobachtet, wieviele Anhänger (Autotransportanhänger) mit gebrauchten Fahrrädern bis oben hin bepackt, die Grenze passieren. Kein Mensch fragt nach der Herkunft, die transportierten Fahrradberge werden bei der Fahrt nicht einmal mehr mit Planen abgedeckt.

Auf die Spitze wird es mit dem Vergleich getrieben:

Roma haben eine Arbeitslosenquote von 7,4 %, damit stünden sie im Vergleich besser da als die anderen ausländischen Arbeitnehmer mit 14,7 %.

Man stelle sich mal vor: Da vergleicht man EINE Volksgruppe mit allen anderen ausländischen Volksgruppen in D, wie Türken und Albaner, Griechen, Afrikaner, aus dem ehemaligen Jugoslawien, Italiener, Spanier, etc. etc. und verschleiert dadurch, daß die Roma den höchsten Arbeitslosenanteil aller Ausländer in D haben.

Die H4- Bezieher werden genauso unsinnig gegenübergestellt. Man sagt nicht, von welcher Zahl die genannten 10 % bei den Roma errechnet werden, auch nicht, daß sie bei den 16,2 % ALLER Ausländer in D eine vorrangige Stellung einnehmen, – und das Wichtigste: Man verschweigt die tatsächlichen Gesamtzahlen, – weil es durch die Manipulation mit den Prozentzahlen besser aussieht.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Sendung. Auch die rothaarige Dame der Linken spielt das Ganze herunter, – genauso wie die Grünen. Durch den Wohnsitz in D sind die Roma ja auch bei Kommunal- und Kreiswahlen wahlberechtigt, und diese Stimmen sollen in erster Linie bei diesen Parteien landen.

Dann spricht man vom Facharbeitermangel, gerade in Süddeutschland, und bringt das in einen Zusammenhang mit der Zuwanderung der Roma. Eine Lachplatte.

Die wirklichen Tatsachen:

Ein verschwindend geringer Anteil der rumänischen Bevölkerung ist so ausgebildet, daß damit in D Fehlstellen besetzt werden können, insbesonders im medizinischen sowie im Pflegebereich. Teilweise sind Arbeitskräfte in legendären Berufen wie Eisenbieger, Schweißer, etc. am Bau einsetzbar. Daneben in den Großschlächtereien als Metzger. Dazu kommen die Saisonarbeiter in der Landwirtschaft.

Alle vorgenannten sind überwiegend ein Verlust für RO und ein Gewinn für D. Sind viele gute und fleißige Leute dabei.

Roma bei der traditionellen Lehmziegelherstellung
Roma bei der traditionellen Lehmziegelherstellung, die ihr Geld auf redliche Art verdienen

Alle anderen, die mit defizitärem Wissen ausgestattet sind und sich im Privatbereich (schwarz) als Fliesenleger oder sonst was verdingen, machen ihre jeweiligen Auftraggeber um eine Erfahrung reicher, – nämlich wie mans nicht macht. Dazu kommen noch die Roma, die auf allen Ebenen beschlagen sind, legaler oder illegaler Art.

Mag schon sein, daß das alles jemand nicht hören will und mir irgendwelche Tendenzen unterstellt. Ich bin hier vor Ort und kenne die Situation. Die Deutschen, die hier leben, genauso. Man redet derzeit in D diese Probleme klein, spuckt auf Sarrazin, und wird ein weiteres Scherflein zum sozialen Unfrieden beitragen.

Inwiefern? Ganz einfach. Wartet mal ab, wenn diese „Notunterkünfte“ wie z.B. in Frankfurt durch die Verwaltung geräumt werden sollen. Ich hab da noch die Bilder in Erinnerung, als das ein Bürgermeister in einem Viertel in Bukarest gemacht hat. HH-Hafenstraße läßt grüßen.

Wohnblock, seit 3 Jahren von Roma bewohnt, mit FeuchtigkeitsschädenWohnblock, seit 3 Jahren von Roma bewohnt, mit Feuchtigkeitsschäden, weil das Dachfallrohr (rechts neben den Balkonen) geklaut wurde.

Gut, das Geld, was dadurch von den Roma abkassiert wird, das lassen wir mal beiseite. Solange genügend Geld für S21, Flughafen Berlin, Elbphilharmonie etc. da ist, solls daran nicht scheitern.  Und die zusätzlichen Einnahmen durch die Selbstanzeigen der Steuersünder beim Finanzamt müssen ja irgendwo hinkommen, aber nach Möglichkeit nicht zu den Sozialhilfebeziehern, die vorher dafür gearbeitet haben.

Sehen wir es von der positiven Seite. Eine Chance für Siebenbürgen. Wenn der Teil der Roma, die dem Staat hier auf der Tasche liegen und dem Herrgott den Tag stehlen, nach D gehen, dann wünsche ich jedem nur soviel: „Geh mit Gott, aber geh!“. Wenn wir dann noch die korrupten Politiker nachschicken können, dann gehts mit Siebenbürgen wieder aufwärts. Dann wirds wieder zum „Land des Segens“, wie es in der Hymne heißt.

Aber nachdenklich macht es mich, was die Medienberichterstattung in D betrifft. Jetzt mag das nicht der Nabel der Welt sein, dieses Roma-Thema. Trotzdem werden die Tatsachen verdreht und die Realität verzerrt wiedergegeben. Der Zufall will es, daß ich mich in diesem Metier auskenne und ich das beurteilen kann. Ich frage mich, in wievielen anderen Bereichen, die wesentlich wichtiger sind, wird da noch verschleiert, verzerrt, bewußt die Unwahrheit gesagt?  Bereiche, in denen ich mich gar nicht auskenne, deren Wahrheitsgehalt ich gar nicht beurteilen kann.  Hat man das nach 1945 wirklich abgeschafft, das Propagandaministerium? Ich bin mir da nicht mehr so sicher……

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2060066/Rumaenen-und-Bulgaren-in-Deutschland#/beitrag/video/2060066/Rumaenen-und-Bulgaren-in-Deutschland

Die Invasion der Raubmenschen und ihre Spuren im Alltag.

Die Invasion der Raubmenschen und ihre Spuren im Alltag.

Freitag, 10.1.2014. Eifel. Ein Tag wie jeder andere. Was liegt auf dem Tisch? Zustand der Kinderarmut in Deutschland. Nun – das wird kaum einen interessieren. Wir sind nicht umsonst eines der kinderfeindlichsten Länder der Welt und stolz darauf, uns endlich von den Fesseln der Sozialromantik zu lösen. Ein paar gibt es noch, die nach den Kindern schauen – und auch wissen, wie man ihnen helfen kann, siehe Spiegel:

Denn nach gängiger wissenschaftlicher Definition sind 18,9 Prozent oder 2,4 Millionen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von Armut bedroht, weil sie oder ihre Eltern über weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Nettoeinkommens verfügen. Für ein Elternpaar mit einem Kind unter 14 Jahren wären das demnach 1564 Euro.

Das könnte der Staat natürlich einfach ändern – zum Beispiel durch drastische Aufstockung des Arbeitslosengeldes. Wird das erhöht, müssen die Firmen höhere Löhne zahlen – sonst geht da keiner mehr hin.

WSI-Forscher Seils sieht dagegen in erster Linie die Wirtschaft in der Pflicht: Um Kinderarmut im reichen Deutschland einzudämmen, sei es zwingend, im unteren Lohnsegment deutlich höhere Löhne zu zahlen. Denn was real bei den Eltern ankomme, gehe direkt weiter zu den Kindern.

So etwas ginge bei uns natürlich gar nicht: das ist jedem klar. Höhere Löhne würden die Rendite schwächen, die beständige Selbstvermehrung großer Kapitalansammlungen wäre in Gefahr – und an diesen „Fonds“ verdienen Deutschlands führende Redakteure dank ihrer Anlageberater ebenso wie Politiker und führende Beamte.

Das Geld an sich von alleine wächst, ist schön für den, der es hat. Schlecht für den, der dafür arbeiten muss, denn der Wert des Geldes sinkt beständig, wodurch die Preise automatisch steigen.

So sind Strom- und Heizkosten seit 2006 um 23,6 Prozent gestiegen (siehe Handelsblatt), die gesamten Verbraucherpreise sind um 14,6 % gestiegen, der Regelsatz für Arbeitslose jedoch nur um 10,7 % (Stand Januar 2013, siehe tarif-verzeichnis). Butter hatte damals hier vor Ort 50 Cent gekostet, heute zahlt man 1,29 Euro – um eine persönliche Erkenntnis beizutragen.

So zwingt der Staat durch massive Eingriffe in den Arbeitsmarkt breite Schichten dazu, ihre Arbeitskraft unter Wert zu verkaufen – was diese auch gerne machen. Ende 2012 berichtete die Welt darüber, dass es seit 2005 Gehaltssteigerungen nur noch für Top-Manager gab (z.B. die beim Arbeitsamt), der Rest der arbeitenden Bevölkerung muss seit diesem staatlichen Eingriff in den Arbeitsmarkt mit einem realen Minus von vier Prozent leben.

Auf die – angesichts der gesellschaftlichen Zustände zu erwartende – Zunahme der psychischen Erkrankungen in diesem Land – 150 Prozent in den letzten 15 Jahren – reagiert nun der Markt mit einer ganz besonderen Entwicklung: externe Berater bringen die Kranken wieder zum Arbeitsmarkt (siehe Spiegel), wo der Fallmanager der Jobcenter schon freudig auf sie wartet – aber nicht wirklich weiß, was er mit ihnen machen soll.

Die Firma, die diese Leistungen anbietet, verspricht wahre Wunder, sie Ge.on:

Im Rahmen des Case Managements Krankengeld werden arbeitsunfähige Versicherte mit psychischen Störungen, psychiatrischen Erkrankungen und Abhängigkeitserkrankungen, sowie langwierigen orthopädischen Erkrankungen und anderen schweren und/oder chronischen Erkrankungen beraten, betreut und bei Bedarf in geeignete (Rehabilitations) Maßnahmen vermittelt.

Das Ziel ist die möglichst rasche aber nachhaltige Wiederherstellung und mittelfristige Sicherung der Arbeitsfähigkeit, indem eine individuell passgenaue und bedarfsdeckende Versorgung gewährleistet wird.

Da geht es nicht nur um psychisch kranke Menschen – da geht es um alle schweren chronischen Erkrankungen … genau die Fälle, für die der Sozialstaat geschaffen wurde.

Wer nimmt die Leistungen dieses Unternehmens in Anspruch? AOK, Rentenversicherung Bund, Technikerkrankenkasse. Stolz berichtet die Firma von ihren Erfolgen:

Wir erzielen einen ROI zwischen 1:3 und 1:6

ROI? Return on Investment. Für einen Euro Auftragsgebühr versprechen die, drei bis sechs Euro bei Kranken – schweren, chronisch erkrankten – Menschen einzusparen … also genau jenen, die wirklich Hilfe brauchen. Wie machen die das – und vor allem: wer macht das?

Wir sind ein starkes Team bestehend aus zur Zeit über 40 festangestellten PsychologInnen, SozialpädagogInnen und ÄrztInnen mit therapeutischen / beraterischen Zusatzqualifikationen. 

Wie soll ich das nun verstehen? Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus bestätigen eine ernsthafte chronische Erkrankung – und dann kommt ein Privatunternehmen mit eigenen Ärzten und macht die Leute wieder heil? Oder sorgt zumindestens dafür, dass sie nichts kosten? Warum erinnert mich das an einen „Entmietungsservice“?

Auch wenn es zwei unterschiedliche Themen sind: sie haben die gleiche Ursache – die Invasion der Raubmenschen. Man muss sie so nennen – es ist manchmal schon sehr hilfreich, wenn mein ein Wort für einen häßlichen Umstand gefunden hat. Während der normale Mensch seinen Lebensunterhalt durch Ackerbau und Vierzucht bestreitet, gehen Raubmenschen anders vor: sie leben lieber von der Leistung der anderen, lassen es sich gut gehen, schonen sich, während andere zu Pflegefällen werden.

Wir kennen dies aus der Natur, die uns mehr und mehr als ethisches Vorbild gilt, weil sie bar jeder Sozialromantik sein soll. Wen überfallen die Raubtiere zuerst? Alte, Kranke und Kinder. Darum ist der Zustand der Kinder in einem Land immer ein guter Indikator dafür, wie stark das Land von Raubmenschen befallen wurde – geht es den Kindern schlecht (im Verhältnis zu ihrem natürlichen Umfeld – nicht im Vergleich mit Namibia), sollten die ersten Warnlampen angehen: die Aktivität von Raubmenschen ist so groß geworden, dass sie die Zukunft des ganzen Landes gefährden. Einhergehend darf man ruhig beobachten, wie es den Alten und Kranken geht – sind auch sie in Gefahr, hat die Population der Raubmenschen eine Größe erreicht, die die Grundfesten des Gemeinwesens in Gefahr bringt …. und wahrscheinlich schon Strukturen aufgebaut, die dieses Gemeinwesen stürzen.

Raubmenschentum wurde gezielt in diese Gesellschaft implantiert – das lernten wir durch Frank Schirrmachers Buch „Ego“. Raubmenschentum ist das Betriebssystem des Kapitalismus, das haben wir durch ihn erfahren. Der Raubmensch denkt nur an eins: so schnell wie möglich so viel wie möglich fressen, um dann so lange wir möglich faul in der Sonne liegen zu können.

Wir nähern uns durch diese Gedanken in gefährlicher Art und Weise neoliberalem Denken, die sich dieser Erkenntnis zunutze machen wollte, in dem sie ihr eigenes Sein auf Arbeitslose projezierten und dies auch mit großer Macht in den Medien durchsetzten … dabei hat der Arbeitslose gar nicht genug Geld für seine Jacht im Mittelmeer, die zum Genießen der Sonne unverzichtbar ist. In Herne auf dem Rathausplatz ist das in Wirklichkeit nicht so schön. In Wirklichkeit könnten wir sogar die Bezüge der Arbeitslosen verdoppeln und trotzdem viermal soviel von Ihnen (das wären 28 Millionen) finanzieren, wenn wir Subventionen (z.B. den Porsche als Firmenwagen oder den Strom für den Golfplatz) und Steuerhinterziehungen einstellen: da rückt ein bedingungsloses Grundeinkommen, dass dem Schutzauftrag des Staates gerecht werden würde, in greifbare Nähe.

Wir leisten uns in Deutschland 70 000 Steuerberater, die nichts anderes machen, als den Raubmenschen zu helfen, ihren Beitrag an der Finanzierung der Gemeinschaft zu minimieren – wahrscheinlich würden wir uns enorm echauffieren, wenn es Arbeitslosenberater gäbe, die gegen Geld die Maximierung von Sozialleistungen bei einem ROI von 1:6 vorantreiben würden. Dafür kassiert so ein Steuerberater – dessen Existenz wir begeistert akzeptieren –  im Schnitt knapp 80000 Euro pro Jahr. Steuerfahnder hatten wir 2010 laut Angaben des Hamburger Abendblattes mit Bezug auf die Deutsche Steuergewerkschaft 2600, laut Gehalt.de haben sie einen Durchschnittsverdienst von 37.500 Euro.

Vater Staat – der Schäfer der Herde – hält die Zahl der Hirtenhunde gezielt gering und schwach, damit die Wölfe nicht vom Fleisch fallen. Das ist weniger der Hirtenstaat – sondern eher der Metzgerstaat, das Paradies für Raubmenschen, ohne deren psychische Eigenarten das System Kapitalismus gar nicht funktionieren könnte.

Wer immer mehr für sich selbst will, bekundet in einem geschlossenen System (wie es unser Geldkreislauf sein sollte), dass andere wegen ihm weniger haben sollten. Das ist heute so selbstverständlich, dass diese Einstellung nur noch selten hinterfragt wird – oder gab es etwa in Folge des Buches von Frank Schirrmacher große Änderungen in den Lehrplänen der Schulen und Universitäten, eine große Aktion von Staat und Wissenschaft zu mehr Altruismus statt Egoismus?

Im Gegenteil … nach kurzer Debatte kehrte Ruhe ein, jeder lief wieder weiter im Trott auf der Jagd nach Schafen, an denen man sich gütlich tun kann.

Beim Thema Krankheit wird das besonders peinlich – zum Zwecke der Steigerung ärztlicher Einnahmen verfügt jeder Deutsche heutzutage im Durchschnitt über 20 Erkrankungen, die man alle „behandeln“ kann – von „heilen“ spricht ja keiner mehr. Millionen von Menschen lassen alle möglichen Behandlungen über sich ergehen, obwohl sie eigentlich kerngesund sind. Problematisch wird in diesem System nur der wirklich ernsthaft Kranke – der braucht nämlich von den jahrelang eingezahlten Beiträgen mal etwas für sich und wird somit zu einer existentiellen Bedrohung für Kassenmitarbeiter und Ärzteschaft, die lieber die jährliche Gesundheitsuntersuchung macht anstatt eine Krankheit zu behandeln: man verdient immerhin allein schon durch Diagnosen.

Schlimm in einem solchen System, wenn man alt wird und kaum noch versteht, was der Anlageberater, der Immobilienberater oder der Steuerberater mit dem Geld anstellt, schlimm, wenn man krank ist und alles mögliche unterschreibt, um den Nachstellungen der Gesundschreiber zu entgehen … oder wenn man zu jung ist, um als Steuerberater erfolgreich am System mit zu verdienen.

Momentan teilen die Raubmenschen die Kapitalflüsse der Zukunft unter sich auf – womit der Jugend eine unglaubliche Last aufgebürdet wird. Besteht das Raubmenschentum bei der Jugend auch weiter fort, werden wir als Pflegefälle bitter darunter zu leiden haben – wir sind dann Kosten, die sich noch nicht mal mehr auf ihren Beinen halten können.

Was geschieht mit einem biologischen System, wenn die Raubtiere überhand nehmen?

Es bricht zusammen, kollabiert. Das erleben wir gerade … und nennen es sanft „Krise“.

Es ist in erster Linie ein Befall von Raubmenschen, der zu der Krise geführt und Billionen Dollar vernichtet hat – und weiter vernichten wird. Dank intensiver Erziehung bekennt sich die Mehrheit der Menschen zum Raubmenschentum und macht sich in ihrem beruflichen Alltag gezielt auf die Suche nach Alten, Kranken und Schwachen, um sie auszuschlachten – finanziell, gerne aber auch durch Organentnahme.

Die Natur schafft es wundersamerweise, die Überflutung von Ökosystemen durch Raubtiere einzudämmen … wir kennen die genauen Mechanismen bis heute noch nicht, was schade ist, denn wir könnten sie gut gebrauchen.

Wie soll man diese Entwicklung nun aufhalten?

Gar nicht, so lange die Mehrheit danach strebt, selbst das größte Raubtier vor Ort zu werden – mit dem größten Haus, dem größten Garten, dem größten Auto und dem größten Pool jenseits der Wupper oder wenigstens in Bottrop-Kirchhellen.

Aktuell widmet der Spiegel jenen einen Artikel, die das Raubtierdasein freiwillig oder in Folge einer Krankheit aufgegeben haben.

Gerrit von Jorck könnte Spitzenverdiener sein: Sein VWL-Studium hat er mit 1,0 abgeschlossen, er war im Ausland, hat Praktika absolviert. Alles richtig gemacht also. Doch von Jorck lebt von 500 Euro im Monat – weil er das so will. Über einen, dem Zeit das Wichtigste ist.

Es fehlt nicht der Hinweis, dass dieser Student von einem Drittel des Regelsatzes lebt … und trotzdem an einen Hauskauf denkt.

Na also, denkt sich der Leser: geht doch: die Senkung des Regelsatzes rückt in greifbare Nähe – den Kindern von Arbeitslosen drohen Verhältnisse wie in Namibia.

Und doch – machen diese Beispiele Hoffnung. Der Zusammenbruch des System des Raubtierkapitalismus (einen Begriff, der schon von sich Reden gemacht hat, ohne darauf hinzuweisen, dass er nur funktioniert, wenn Millionen von Menschen zu Raubtieren mutierten – oder, um Frank Schirrmacher zu folgen, gezielt zu Raubmenschen herangezüchtet wurden) wäre nur aufzuhalten, wenn es gelänge, sein Betriebssystem auszuschalten … falls man nicht genug militärische Gewalt entfalten kann, um  zur Guilliotine zurückzukehren, die das Raubmenschentum in früheren Zeiten beenden sollte.

Was für eine Aufgabe: eine geistig-moralische Gegenwende, hin zu Arbeitsfreude, Lebenssinn, Lebensfreude, Arbeitssinn und Zeitreichtum bei gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen des Planeten Erde. Sie könnte gelingen … wären nicht auch die meisten Menschen, die an den Zuständen Kritik üben, ebenfalls nur Raubmenschen … Hyänen, die sich nur über den Erfolg des Löwen ärgern, selbst den Maserati für sich beanspruchen und deshalb hauptsächlich den Kampf gegen den vermeintlichen Konkurrenten innerhalb einer sozialen Bewegung in ihren Fokus gerückt haben.

Wer dazu Studienmaterial sucht, ist bei politischen Parteien (auch den Linken und der Piratenpartei) gut aufgehoben.

Im Falle einer Raubtierinvasion eine wirksame politische Alternative aufzubauen, scheint undenkbar, locken doch Versammlungen von Schafen gerade die Raubtiere an. Aber auch hier gab es mal Versuche, die vielversprechend starteten (wie Die Guten), aber leider im Sande verliefen. Wahrscheinlich namen die Raubmenschen auch dort überhand.

Und was machen die Schafe, die die Invasion der Raubmenschen und ihren Hang zu ständig höheren Beiträge, Preisen und Steuern (grundlage für jedes leistungslose Einkommen) bemerken?

Sie verstecken sich in ihren Wohnungen – in der Hoffnung, dass sie den Raubmenschen nie durch Einkauf, Arbeit oder Arbeitslosigkeit in die Hände fallen und sie dort – im kuscheligen Heim – den Zusammenbruch gemütlich aussitzen können. Mit der Methode hat ein bekannter deutscher Bundeskanzler das Land regiert, sein Ziehkind verfolgt diese Strategie heute noch.

Leider wird man auch in der Wohnung alt und krank … aber es dauert ein paar Jahre, bis man merkt, dass man selber auch auf der Schlachtbank liegt und für die Rendite von Arzt und Pharmaindustrie bluten muss, während vor der Tür schon der Entmietungsservice steht, weil man so unverschämt war, für seine Beiträge auch Leistung zu verlangen.

PS: Das Buch zum Thema Krankheitserfinder von Jörg Blech gibt es bei Amazon gebraucht schon für einen Cent … falls es jemanden interessiert, warum er 20 Diagnosen hat, an denen Ärzte gut verdienen und die das Geld für echte Erkrankungen knapp werden lassen.

 

 

 

 

 

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