Arbeitslose

This tag is associated with 15 posts

Die unglaubliche Ohnmacht der Armen … und ihre sukzessive Vernichtung. Und ein paar Gedanken zu ihrer Rettung.

Donnerstag, 22.6.2017. Eifel. „Die Wissenschaft der politischen Ökonomie habe, so hieß es, mit der Gewißheit der Gesetze eines Newton bewiesen, dass wir den Armen nur schaden, wenn wir ihnen zu helfen suchen. Vielmehr müssen wir die leidenden Massen von der irrtümlichen Annahme befreien, dass sie ein Recht darauf hätten, zu leben“. Diesen Satz finden wir im Buch „Profit over People, War aganist People von Noam Chomsyk (Piper, 2. Auflage 2006, Seite 75). Er beschreibt die Erkenntnisse der Geburt des Neoliberalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts, jener Philosophie des Grauens, die sich nun weltweit anschickt, die Herrschaft zu übernehmen – mit allen unangenehmen Folgen, die Sie in Ihrem eigenen Alltag bemerken – es sei denn, Sie haben das Glück, in Staat oder Wirtschaft Funktionen auszuüben, die es Ihnen erlauben, sich aus der Verwertungsdynamik von Menschenfleisch herauszuziehen – auf Kosten der Steuerzahler, Beitragsleister oder Verbraucher.

Schon letztere Begriff – „Verbraucher“ – zeigt, wie tief das Denken jener Neoliberalisten in unseren Alltag eingedrungen ist, wie umfassend wir im Alltag die Sprache der nationalsozialistischen Mordbrenner verinnerlicht haben – und wie schief dieses Weltbild in Wirklichkeit ist, das Tag für Tag unser Denken, unsere Entscheidungen, unsere Lebensphilosophie bestimmt. Wir haben akzeptiert, dass wir unnütz sind, Subjekte in einer Gesellschaft, deren Zweck nur eins ist: verbrauchen. Luft, Land, Wasser – wir sind nur einen Schritt davon entfernt, bis jemand ausrechnet, wie unsere Blähungen (analog zu den „Kuhpfürzen“) das Weltklima in Gefahr bringen. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen liegen auf der Hand – es gibt auch schon entsprechende Studien zu den Herdfeuern in Indien, Arbeiten, die nahe legen, dass der indische Bauer von der Bildfläche verschwinden muss, wenn wir den Planeten retten wollen.

Planet retten – das hört sich gut an. So edel. So rein. Ein Wert, der über allen anderen Werten zu stehen hat. Muss sich unglaublich gut anfühlen, wenn man meint, zu jener edlen Ritterschaft zu gehören, die sich das höchste Ziel auf die Fahnen geschrieben hat: die Rettung der ganzen Welt. Und das Erstreben jenes Gefühls – selber unglaublich gut zu sein – hat ja auch zu dem Begriff „Gutmensch“ geführt, jener finanziell meist überversorgten Schicht, die ihre materielle Überlegenheit noch gerne mal mit etwas „Gutem“ zieren möchte. Still und leise gehorchen sie aber alle – bis in die tiefsten Schichten des Landes hinein – jenen dunklen Gedanken, die der Neoliberalismus ihnen predigt, jenen Gedanken, die seit Reagan, Schröder, Blair, Thatcher, Kohl und wie sie alle heißen unablässig die Gesetzgebung bestimmt: dass der Arme schlecht sei, ein Schädling, eine Gefahr für die ganze Welt. Nehmen Sie mal die Predigten der Kurfürsten des Neoliberalismus, ersetzen das Wort „Armer“ durch „Jude“ – und erfreuen sie sich über die Paralellen, die Sie erkennen können … die aber weitläufig gemieden werden. Mitten im weltweiten Genozid der Armen redet man nicht mehr über die laufenden Aktionen, die „geistlose Funktionselite“ (siehe den Artikel „Das Gastmahl der Geistlosen“, NZZ) redet lieber über ihre neue Pfeffermühle, den letzten Urlaub in Peru, die Vorteile des neuen SUV oder die Solaranlage auf dem Dach – das Politische wird ausgeklammert, man schaut nicht mehr gerne auf die Straße, wo die Rentner im Müll wühlen, um durch Flaschenpfand ihr Überleben zu sichern.

Die Vernichtung der Armen … die die früheren Ziele der Vernichtung der Armut weitgehend ersetzt hat … ist ein Milliardengeschäft, wie wir aktuell lesen können: 2 Milliarden Euro Profit wurden in den letzten zehn Jahren in Deutschland gemacht – durch „Sanktionen“ gegen die Ärmsten, denen man kurzerhand die komplette Verantwortung für die Folgen der ungebremsten Globalisierung (massenhafter Verlust von Arbeitsplätzen) übertragen hat (siehe Spiegel). Da sind dann schon mal satte Prämien für jene drin, die die Vernichtung organisieren. Man beginnt sogar, einen Volkssturm gegen die Armen zu organisieren, in Hamburg sollen in Zukunft Fahrgäste der S-Bahn als Hilfspolizisten eingesetzt werden, um Bettler und andere unerwünschte Personen zu melden (siehe Hamburger Abendblatt) … die Ältesten unter uns erinnern sich mit Grausen daran, welch´ Bestie nun wieder ihr grässliches Haupt erhebt.

Welche Sorgen jene Bürger umtreiben, die im Taumel der Vernichtung der Armen ein gutes Geschäft gemacht haben? Wie sie im Urlaub ihr Aktiendepot sichern (siehe FAZ). Es ist zwar kein Urlaub, wenn man sich zwischendurch immer noch um sein „Depot“ kümmern muss – aber wen kümmert das schon in den Kreisen jener Menschen, die durch Staat und Konzern vollversorgt sind? Die Sparmaßnahmen an den Armen sorgen für Massen von Toten auf den Straßen – wie jüngst in England (siehe Frankfurter Rundschau) – während unsere Gedanken darum kreisen, Studien zu veralbern, die vor Gefahren warnen, die durch Handys verursacht werden können (siehe Zeit). Wir – amüsieren uns zu Tode, wie Neil Postman 1985 warnte (siehe zeitgeistlos) … und er meinte nur das Fernsehen:

„Unser Fernsehapparat sichert uns eine ständige Verbindung zur Welt, er tut dies allerdings mit einem durch nichts zu erschütternden Lächeln auf dem Gesicht. Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.“

„Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen – es erzeugt sie.“

„Unsere Abwehrmechanismen gegen die Informationsschwemme sind zusammengebrochen; unser Immunsystem gegen Informationen funktioniert nicht mehr. Wir leiden unter einer Art von kulturellem Aids.“ (Zitate aus Wikipedia)

Postman starb 2003. Die heutige Kultur würde ihn wohl vollends in den Wahnsinn getrieben haben.

Wissen Sie, wer damals die Neoliberalisten aufgehalten hatte?

Die Arbeiterbewegung. „Wenn Dein starker Arm es will, stehen alle Räder still!“ – den Spruch kannte damals wohl jeder. Die Armen hatten gelernt, sich zu organisieren und waren sich ihrer Stärke sehr bewusst. Wollen Sie mal hören, wie einfache Arbeiterinnen damals sprachen? Habe da ein schönes Beispiel (siehe Freitag):

„Wenn du dein Produkt verkaufst, bleibst du trotzdem du selbst. Aber wenn du deine Arbeitskraft verkaufst, verkaufst du dich selbst. Du verlierst die Rechte von freien Menschen und wirst zu einem Vasallen eines gigantischen Apparats der Geldaristokratie, die jedem mit der Auslöschung droht, der ihr Recht zur Versklavung und Unterdrückung in Frage stellt. Diejenigen, die in den Fabriken arbeiten, sollten diese auch besitzen.“

Das forderten 1840 die Lowell Mill Girls, geknechtete Arbeiterinnen in den Textilfabriken der USA“

Eines gewaltigen Apparates der Geldaristokratie , der … die wahre Ursache für die Vernichtung von Welt ist, gerne aber auf „den Verbraucher“ zeigt, der – vorausgesetzt, er hätte jemals die freie Wahl, vorausgesetzt, in den Schulen würden mal effektive Alternativen zu unsere Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen besprochen, jenem „Kapitalismus“, der heute als so alternativlos gilt wie die Sonne am Himmel und vorausgesetzt, man würde ihn jemals fragen … vielleicht ganz andere, humanistischere, menschenfreundlichere Strukturen vorziehen würde. Er hatte sich ja auch schon mal geregt, dieser „Verbraucher“ … der der eigentliche Produzent von allem ist:

„Aber dann tauchte ein unvorhergesehenes Problem auf. Wenn wir nicht das Recht haben zu leben, schlossen die stupiden Massen, haben die Herrschenden nicht das Recht zu regieren. Die britische Armee musste gegen Aufständische vorgehen, und als die Arbeiter sich organisierten, nahm die Bedrohung konkrete Gestalt an. Die Arbeiterbewegung verlangte Arbeits- und Sozialgesetze, die die Proletarier vor dem neoliberalen Experiment schüzten sollten, und stellte noch weitergehende Forderungen. Die Wissenschaft, die glücklicherweise flexibel ist, veränderte sich mit den gewandelten Anschauungen der Elite, die in Reaktion auf die unkontrollierbare Bevölkerung nunmehr entdeckte, daß das Recht auf Leben durch eine Art Sozialvertrag gesichert werden müsse“. (Chomsky, a.a.O., Seite 75/76).

Ja – der Einsatz der Bundeswehr im Inneren ist den Herrschenden nicht umsonst so wichtig, ebenso wie die Umformierung der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee, da hier schon automatisch eine gewisse Selektion stattfindet, die dafür sorgen kann, dass unsere „Demokratie“ auf auch jeden Fall „marktkonform“ bleibt.

Jener Frieden zwischen Volk und Geld, der vor 140 Jahren geschlossen wurde – auch in Deutschland – löst sich nun auf. Die Bevölkerung ist nicht mehr unkontrollierbar, mit gewaltigen finanziellen Mitteln wurde dafür gesorgt, dass die Massen in ihre mediale Handytrance versinken können, wo sie Zuflucht finden vor einer immer dekadenter werdenden Wirklichkeit, in der sich – mit Bildern, die denen der alten Sklavenmärkte bis aufs Haar gleichen – Menschen nur mit ihren Geschlechtsteilen präsentieren (siehe FAZ) und so der Geldaristokratie brav zeigen, dass sie ihre Lektionen gelernt haben: sie sind das Nutz-, Wahl- und Zahlvieh der Moderne, das selbst begriffen hat, dass es überhaupt keine Würde, keinen Wert, keinen Stolz mehr hat, Vieh, das dankbar für die Gnade ist, am Leben gelassen zu werden, dankbar für die Gnade, dass nicht alle arbeitslosen Physikerinnen umgehend vom Jobcenter in die Pornoindustrie gesteckt werden (…was erstmal nur einer geschah, siehe Berliner Zeitung), dankbar für die große Gunst, als „Verbraucher der Welt“ auf diesem Planeten überhaupt noch geduldet zu werden.

Die Widerstandsfrage ergibt sich nicht mehr, seit vierzig Jahren werden gezielt Idioten gezüchtet, man ist stolz auf sein „kulturelles Aids“, präsentiert sich damit brav auf Facebook und Instagram: die Umwertung aller Werte gelangt in ihr letztes Stadium … und das große neoliberale Experiment kann umgehend fortgeführt werden, das „I-Phone“ der Firma Apple hat dafür gesorgt, dass sich der Irrsinn milliardenfach multipliziert und jedes Individuum seine eigene kleine Wirklichkeitsblase erzeugen kann, in der es fantasierend dahinvegetiert bis es an die Grenzen seiner Nützlichkeit gestoßen ist – seiner Nützlichkeit für die Geldaristokratie.

Und dann?

Wird das Recht der Armen auf Leben Schritt für Schritt abgeschafft. Hier wie in Afrika, Asien und Südamerika.

Es fängt klein an – beim Geld. Vor 140 Jahren noch nicht so wichtig, denn: auch Arbeiterhaushalte hatten Zugriff auf eigene kleine Gärten, eine gewisse Grundversorgung war immer gewährleistet. Geld war Zusatz, Luxus, Überfluss. Heute jedoch … ist Geld ALLES. Essen, trinken, Obdach. Und wird für den kleinen Mann in großen Zügen vernichtet: 436 Milliarden Euro kostete die aktuelle EZB-Politik bisher den „kleinen Sparer“ (siehe FAZ) und vernichtete so seine Möglichkeit, eigene Sicherheitsreserven aufzubauen, Überschuss zu erwirtschaften und politische Bewegungen zu unterstützen, die sich gegen die Ausplünderung der Gemeinschaftskassen wenden – jene Ausplünderungen, die in den „Cum-Ex“-Geschäften aktuell wieder im Gespräch sind und Milliardenschäden verursachen – völlig zu Lasten jener, die bequemerweise kein Recht auf Leben haben … weshalb man sie logischerweise auch problemlos ausplündern darf. Kriminalität ist für die „Herren des Geldes“, die unser ganzes Leben bis ins kleinste Detail regieren, die bestimmen, welche Informationen gefördert werden, welche Frisuren „in“ zu sein haben, welche Kleidung wir tragen, was wir essen, wie wir uns einrichten, welches Wissen unsere Kinder erhalten, ja, selbst wie wir zu riechen haben, schon längst Alltag geworden: die Firma „Toll Collect“ liefert da aktuell wieder ein Beispiel für (siehe Süddeutsche Zeitung). Ja, sicher: der Staat nimmt dadurch Milliarden ein … aber wer zahlt die letztlich? Diese Milliarden, die Milliarden, die durch die Maut auf Bundesstraßen fließen werden oder jene Milliarden, die die Autobahnmaut einbringen soll? Nun – Sie. Und zwar Sie allein.

Die anderen organisieren sich inzwischen wieder ganz offen, bauen ihre „geheimen Machtzentralen“ (siehe FAZ), weben ihre geheimen Machtzirkel, um ja nichts dem Zufall zu überlassen: die Regentschaft der „unsichtbaren Hand des Marktes“ soll selbstverständlich an ihnen spurlos vorbeigehen, geht was schief – springen Sie ja wieder ein, mit Ihrem Geld, während Sie nackig in einer Kabine stehen und sich anpreisen mit allem, was sie haben. Wissen Sie noch, wie viel Geld Sie in die Bankenrettung gesteckt haben? Wo das gelandet ist? Was es bewirkt? Wollen wir mal Experten dazu hören? Den ehemaligen UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler? Bitte schön (siehe Junge Welt)

„Wir leben in einer kannibalischen Weltordnung, diktiert von Finanzoligarchen. Die 85 reichsten Milliardäre besitzen so viel wie die 4,5 Milliarden ärmsten Menschen, das müssen Sie sich einmal vorstellen. Die 500 größten Konzerne der Welt beherrschen fast 53 Prozent des jährlichen Weltsozialprodukts. Diese Oligarchen haben eine Macht, wie kein König, kein Kaiser und kein Papst sie je hatte.“

Noch nie sah sich die Menschheit einer solchen Gewalt, einer solchen Macht gegenüber. Und noch nie war sie so schwach, weil die kannibalistische Elite uns im Innersten getroffen hat, damit nie wieder eine Gegenbewegung entstehen kann, hat vernichtet, was im Inneren unseres Selbst die Quelle aller Würde ist (die der Gesetzgeber 1949 nicht umsonst als besonders schützenswert dargestellt hatte):

„Die Entfremdung unseres Identitätsbewusstseins. Die neoliberale Wahnidee will uns eintrichtern, dass sich der Markt selbst reguliert, dass er Naturkräften folgt und der Mensch nichts anders tun kann, als sich diesen Marktkräften zu unterwerfen. Dadurch wird der Mensch seiner historischen Subjektivität und Singularität beraubt. Er verhält sich nur noch so, wie ihm die Warengesellschaft das diktiert.“

Und wenn etwas diktiert wird, nennt man das politisch … Diktatur. So einfach ist das.

Alles also hoffnungslose Ohnmacht? Keine Alternative zur Vernichtung der „Verbraucher“, jenem Begriff, der dem alten Begriff des „unnützen Essers“ so nahe kommt?

Nun – schauen Sie sich mal dieses Dorf an: ein US-Unternehmer hat es entwickelt – ein völlig autarkes, von allen Konzernen unabhängiges Dorf, dass sein Essen und seine Energie selbst produziert (siehe Utopia). 25 Wohnhäuser auf 15000 m2, 300 m2 pro Mensch – eventuell sogar weniger. Selbst wenn wir 1000 m2 pro Mensch annehmen würden: die Menschheit könnte selbstversorgend auf der Fläche von Australien Platz haben – Asien, Afrika, Amerika und Europa könnten komplette Biotope werden. Technisch kein Problem. Die meisten Menschen dieser Erde hätten einen Luxus, von dem sie nie hätten träumen können – alles wäre möglich- auch die Reduktion der Arbeitszeit auf 4 Stunden pro Tag (inkl. Einkauf und Hausarbeit). Gigantische politische Bewegungen wären zur Realisierung dieser Utopie nötig – und obwohl wir so alle Umweltprobleme lösen könnten, greifen politische Parteien lieber Randthemen wie die Homoehe auf (siehe Zeit).

Und die Linke? Mehr ein neoliberales Feigenblatt (siehe scharf-links):

„Lediglich diejenigen, die seit 2005 MandatsträgerInnen und hauptamtlich Beschäftigte geworden sind, haben durch die Partei DIE LINKE eine positive Veränderung ihrer Lebensumstände erfahren. Sie erleben einen Bedeutungszuwachs und soziale Sicherheit. Ihre Wählerinnen und Wähler warten darauf noch.“

Was uns unterscheidet von den Arbeiterinnen und Arbeitern des 19. Jahrhunderts?

Überlegen Sie mal selbst.

Ich helfe Ihnen durch ein kleines Experiment. Ganz kostenfrei.

Wir haben 7 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Rufen wir sie zum Sparen auf – auch die Kinder, denn die Ökodörfer beschreiben ihre Zukunft, nicht unsere. Ein Jahr sollen sie sparen, jeden Monat 8,33 Euro. Das geht, ich habe es selbst schon mal versucht, bin auch nicht verhungert. Dann … legen wir alle die hundert Euro in einen großen Topf – und haben auf einmal eine Kriegskasse mit 700 Millionen Euro. Und damit … machen wir Meinungsbildung. Wahlkampf – nicht für eine Partei (der droht schnell das Schicksal der Linken), sondern für eine Zukunft ohne kannibalistische Wirtschaftsordnung.

Wissen Sie, wie hoch das Wahlkampfbudget der SPD  2013 war? 23 Millionen Euro, alle anderen hatten weniger, die Grünen nur 5,5 Millionen (siehe Welt).

Können Sie langsam erahnen, wieviel Macht die Armen immer noch haben? Welche professionelle Werbeleistungen sie sich kaufen könnten – in den teuersten Medien dieses Landes?

Gäbe es Botschaften, die man versenden könnte – außer Bilder von einem schönen Dorf?

Ich hätte da eine für Sie. Lernen Sie sie bitte auswendig. Kommt von einem Nobelpreisträger für Wirtschaft, es geht um wirksame Staatsausgaben:

„Wirksamkeit bedeutet, dass jeder ausgegebene Dollar die Beschäftigung und die volkswirtschaftliche Produktion stark erhöhen sollte. Der Betrag, um den sich das Nationaleinkommen für jeden Dollar erhöht, heißt Multiplikator: Der gängigen keynesianischen Berechnung  zufolge erhöht ein Dollar an Staatsausgaben die volkswirtschaftliche Gesamtproduktion um mehr als einen Dollar. Wenn die Regierung Mittel in ein Bauprojekt investiert, geben die Arbeiter ihren Lohn aus, um Waren zu kaufen, und wieder andere geben deren Geld aus. Jede Stufe in der Kette steigert das Volkseinkommen weit mehr als der ursprüngliche Betrag, den die Regierung ausgegeben hat. Im Durchschnitt beträgt der durchschnittliche Multiplikator der US-Wirtschaft etwa 1,5. Wenn die Regierung heute eine Milliarde ausgibt, wird sich das BIP in diesem Jahr um 1,5 Milliarden Dollar erhöhen. …

Ausgaben haben nicht alle denselben Multiplikator: die Ausgaben für ausländische Auftragnehmer, die im Irak arbeiten, haben einen niedrigen Multiplikator, weil ein Großteil ihres Konsums außerhalb der Vereinigten Staaten stattfindet; das gilt auch für Steuersenkungen für Vermögende – die einen Großteil dessen, was sie mehr bekommen, sparen. Ein erhöhtes Arbeitslosengeld hingegen hat einen hohen Multiplikator, weil diejenigen, die plötzlich Einkommenseinbußen erleiden, fast jeden Dollar ausgeben, den sie erhalten“ (aus: Joseph Stieglitz, Im freien Fall, Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft, Pantheonverlag 2011, Seite 95)

Kurzum: die sinnvollsten Ausgaben eines Staates wären die massive Erhöhung der Arbeitslosengelder – sprich: Hartz IV. Danach sprudelt die Wirtschaft wieder wie verrückt – und das Ökodorf kann umgehend Realität werden.

Verstanden?

Oder wollen sie lieber nackt im Fernsehen in einer Glaskabine landen?

Oder zukünftig in einem Lager für nichtsnutzige Verbraucher?

Denken Sie mal in Ruhe drüber nach … dann können wir über die Organisationsformen sprechen – und die Lösung der anstehenden Personalprobleme. Die werden kommen, denn: wir brauchen Organisatoren, die weitgehend ehrenamtlich arbeiten und nicht reich werden durchs Geld- und Pöstchensammeln.

Und stellen Sie sich mal vor, wir könnten jeden Abend Werbespots über unser Dorf, unsere Wirtschaft, unser neues Leben senden … wir hätten schnell noch die Niedriglöhner, Zeitarbeiter, Halbtagskräfte und Leihsklaven auf unsere Seite – und alle Menschen, die noch menschlich geblieben sind.

Noch ein Wort zum Schluss?

Sich selbst regieren macht unglaublich viel mehr Spaß als regiert zu werden.

Wäre das nicht mal eine Überlegung wert?

Die SPD: ihre Fachkraft für Sozialrassismus

Digital StillCamera
Freitag, 23.9.2016. Eifel. War ja eine sensationelle Nachricht die Tage: Müntefering, der alte Knochen aus dem Sauerland, verzichtet auf knapp 7000 Euro Rente. Wollte die Jubelmeldung selber bringen: wäre ja ein schönes Signal an die vielen „Parasiten und Schmarotzer“ (Originalton Sozialdemokrat), die von unseren Steuergeldern leben – vor allem die in Parlamenten – das man das Mandat auch als Ehrenamt begreifen kann, für das man gar kein Geld bekommen braucht. Was würden wir sparen, wenn sich all die Leute an den Geldtöpfen mit 600 Euro im Monat bescheiden würden? Deutschlands Schulden wären ruckzuck weg – aber wie ernähren lieber einen gigantischen, unersättlichen Wasserkopf, anstatt rational zu wirtschaften und nur das auszugeben, was da ist. Nur: leider meinte der Müntefering das so nicht. Der große Aufreger, der durch Deutschland ging, war mal wieder nur eine schnatternde Ente. Das, was Münte („wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“) gesagt  hat, war viel schlimmer, glauben Sie mir.

Zitieren wie ihn mal vollständig – solange wir das noch dürfen, wenn das neue EU-Recht wirkt, darf der Graswurzeljournalismus das nicht mehr – bzw. es wird sehr sehr teuer (siehe Süddeutsche):

„Nur weil jemand auf nur 600 Euro Altersrente kommt, muss er ja nicht arm sein. Meine Mutter hatte keine Rentenansprüche, mein Vater ja. Meine Mutter hatte nicht das Gefühl, arm zu sein. Es war klar, dass das Haushaltseinkommen zählte. Ich denke, das gilt weiter“

Mir geht es nicht darum, dass die Definition von Armut nun ab heute von den Gefühlen von Müntes Mutter abhängig ist, sondern um das Denken dahinter, das man zurecht als frauenfeindlich deuten darf: sollen sich die Frauen doch einen Versorger suchen! Müntes vierzig Jahre jüngere Frau ist auch nicht arm – sie hat ja Münte. Die Empfehlung ist klar: Frauen – verkauft euch an einen reichen Mann, dann reichen auch 600 Euro Rente! Und wer sich nun nicht rechtzeitig um einen privaten „Versorger“ gekümmert hat – nun, der fällt aus dem Bewusstsein des Münte heraus.

Wir wollten ja aber über die SPD reden – bzw über deren Sozialrassismus. Was ist da eigentlich, „Rassismus“? Ich frage da mal die Bundeszentrale für politische Bildung (die BpB):

Der (politische, soziale) R. unterstellt eine Homogenität biologischer Rassen aufgrund äußerlicher Unterschiede von Menschen (wie z. B. der Hautfarbe). Den so konstruierten Gruppen werden fälschlicherweise bestimmte Wesenszüge und Charaktereigenschaften zugeschrieben. Diese werden in Bezug auf die eigene Gruppe überhöht und in Bezug auf andere Personen oder Gruppen abgewertet. Der R. fördert damit das eigene Überlegenheitsgefühl und erzeugt Vorurteile, Ablehnung und Feindseligkeit gegenüber anderen Menschen und führt zu sozialer Ausgrenzung.

Die BpB trägt hier noch einen primitiven Begriff von „Rassismus“ in die Welt, die Uni Düsseldorf ist da schon moderner – mit konkretem Blick auf realen Rechtsradikalismus (siehe Forena):

„Viele Opfer offener rassistischer Gewalt waren und sind Obdachlose, Behinderte oder Homosexuelle. Wenn sie auf offener Straße angepöbelt, angegriffen oder sogar erschlagen wurden und werden, richtet sich der Blick mit Abscheu vor allem auf die rassistischen, meist jugendlichen Täter. Dabei gibt es sowohl bei der Auswahl der Opfer als auch dem Versuch, sie aus dem öffentlichen Leben verschwinden zu lassen, Überschneidungen mit Denkweisen und Praktiken der Ausgrenzung, die in der Mitte der Gesellschaft fest verankert sind.“

Wissenschaftler wie sie sind formulieren sie auch die neuen Ansprüche der ultrarechten Szene an den „neuen Menschen“:

„Vor diesem Hintergrund wurde in diesem Projekt untersucht und dokumentiert, wie heute mit Menschen umgegangen wird, die keinen Platz (mehr) in der leistungsorientierten Arbeitsgesellschaft haben, die leistungsgemindert, behindert, schwerstkrank sind.“

Schon diese Menschen sind in Gefahr – durch rechtsradikale Skinheads. Und durch die SPD, die in ihren Köpfen nur noch Platz hat für den kerngesunden , bescheidenen und demütigen deutschen Arbeiter, der auch mit 75 noch auf dem Bau arbeitet, selbstverständlich genug Geld heranschafft, um sich eine Frau halten zu können, die wirtschaftlich absolut von ihm abhängig ist. Ich möchte die liebe Frau Adelheid Schmitz, die diesen aufschlussreichen Aufsatz formulierte, noch ein einziges mal zitieren, damit Sie begreifen, wie tief er faschistische Geist schon längst in die Mitte der Gesellschaft – also: in der SPD – eingedrungen ist:

„So wird z.B. nicht oder selten wahrgenommen, dass die humangenetische Zielsetzung „Kommendes Leid verhindern“ und die von rechten Skinheads zu hörende platte Parole „Unnützen Fressern das Maul stopfen“ viel miteinander zu tun haben: immer geht es darum, dass Menschen, die den Kriterien der leistungsorientierten Arbeitsgesellschaft nicht entsprechen, die schwerstkrank oder behindert sind, möglichst aus der Welt verschwinden oder gar nicht erst geboren werden sollen.“

Ja – der faschistische Geist teilt sich mit Münte den Leistungseros, die Verliebtheit in Lohn- und Zwangsarbeit, geboren aus tief verwurzelten masochistischen Störungen, die – wenn ich Wilhelm Reich trauen darf – alle auf schlechten Sex zurück zu führen sind: kein Wunder, wenn man denkt, welche Rollenvorstellungen über Frauen noch in alten Männerhirnen toben.

Haben Sie nun eine Vorstellung von dem Begriff „Sozialrassismus“? Frau Schmitz hat die Überschrift ihres Artikels so genannt – eines Artikels, den ich vollständig zur Lektüre empfehlen möchte, da er zeigt, wie nahe wir schon wieder an die „Aktion T 4“ herangerückt sind: der Selektion und Vernichtung von Leistungsgeminderten.

Ich möchte mich übrigens gegen den Kurz- und Umkehrschluss wehren, das Münte nur wegen seines Geldes eine jüngere Frau geheiratet hat – ich zweifle nicht daran, dass hier große Liebe herrscht. Darum geht es hier auch gar nicht. Es geht um Beschreibungen des neofaschistischen Geistes in der Gegenwart – und ein weiteres Beispiel dafür finden wir in Südwestfalen, wo der Sprecher des paritätischen Wohlfahrtsverbandes brandneue Erkenntnisse verbreitet (siehe WDR):

Wer länger als ein Jahr arbeitslos war, hat sich an ein anderes Leben gewöhnt. Dann ist es ein schwieriger Schritt, wieder in einen Alltag zu kommen. Darum brauchen wir mehr begleitende Hilfen, als das bisher üblich war.

Nun – die „Wohlfahrt“ … seit Ewigkeiten Kamerad der SPD … lebt von Steuergeldern. Das meinen Sie mit „begleitende Hilfe“. Mehr Hilfsbedürftige bedeutet: mehr Steuergelder für arbeitslose Sozialarbeiter, die man mit Zeitverträgen auf die Arbeitslosen loslassen kann. Zwar können die so selbst in elender Not lebenden Helfer selbst nicht sonderlich viel Hilfe leisten – dafür ist ihre Psyche durch wirtschaftliche Ängste viel zu zerrüttet, müssen sie doch beständig um den Folgeauftrag fürchten – aber die Träger der Maßnahmen können wieder fürstliche Gehälter zahlen. Da können schon mal 134000 Euro im Jahr abfallen (siehe Caritas), während die Arbeiter an der Front für Mindestlohn schuften. Und deshalb werden solche Mumpitzsätze verbreitet, als seien sie das Wort Gottes. Der Autor dieser Zeilen macht nun aktuell wieder Personalarbeit, diesmal nicht mehr mit Fach- und Führungskräften sondern mit den letzten im Schulwesen, den Haupt- und Sonderschülern … nach 13 Jahren Pause in dem Bereich. Und was stelle ich fest: es ist mit der Arbeit wie mit dem Fahrrad fahren oder dem Schwimmen: man verlernt es nie. Aber man kann den Mangel einfach behaupten, um Vorstandsbezüge zu sichern, die letztlich alle aus Steuertöpfen stammen.

Nehmen wir die neue Hartz-IV-Verschärfung aus dem Hause der Andrea Nahles (SPD). Während Münte wenigstens noch 21 Jahre als angestellter Kaufmann gearbeitet hatte (das Partei- und Regierungsgedöns kann ich als Arbeiterkind beim besten Willen nicht als Arbeit bezeichnen – was die Arbeit nennen fand bei meinem Opa Sonntags zum Nachmittagskaffee statt), suchte ich bei Andrea Nahles vergeblich nach praktischen Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt. Nur so kann man erklären, wie absolute Irrsinnsgedanken in die Gesetzte einfließen wie bei der aktuellen Verschärfung der Hartz IV-Gesetze geschehen (siehe hierzu Telepolis bei Heise). Ja- die schon völlig enteigneten Hartz IV-Empfänger sollen nun künstlich in eine absolute Verschuldung getrieben werden, die ihnen endgültig das Genick bricht. Schon der normale Hartz IV-Satz bringt Mangelernährung und in Einzelfällen den Hungertod mit sich: das neue Experiment an lebenden Menschen unterschreitet das von Regierungsexperten definierte Existenzminimum dann im Falles des Falles um 30 Prozent. Vernichtung durch Hunger wurde von der NSDAP als Normmaßnahme an Millionen Polen und Russen vollzogen (ja – über die spricht man gar nicht mehr, weil die Einschränkung des Holocaust auf die Bevölkerung jüdischen Glaubens so bequem ist und die vielen Facetten des Faschismus verschleiern hilft) – und an fünf Millionen Ukrainern durch Stalin … übrigens einfach nur aus Gründen der betriebswirtschaftlichen Effektivierung des Leistungsvermögens des Volkes durch Eliminierung von „unnützen Essern“, einer Effektivierung, von der die gesamte Führungsschicht bis hin zum kleinen Beamten vor Ort profitierte.

Wenn in Zukunft also der Arbeitnehmer gesundheitsgefährdende Arbeit von sich aus beendet, wird er vom Staat durch künstliche Schulden, die er nie gemacht hat, bestraft.

Gut – Frauen hatten wir jetzt. Arbeitslose auch. Aber damit nicht genug: die SPD sucht sich noch ganz andere Opfer. Auf der Jagd ganz vorne mit dabei: Iris Gleicke (SPD). Auch bei ihr suche ich vergeblich nach realer Arbeitserfahrung – Beschäftigung in der steuerfinanzierten Stadtverwaltung kann ich da leider nicht als echte Arbeit gelten lassen. Lieb wäre mir was im Straßenbau, im Versicherungswesen, an der Kasse, im Lager oder in der Produktion, Auto- oder PC-Reperatur – also echte, Mehrwert schaffende Arbeit – und nicht nur steuerfressende Beschäftigung auf Kosten der Allgemeinheit – aber ich bin ja auch Arbeiterkind, wir haben da an der Front andere Vorstellungen von Arbeit … unsere Arbeit für die Familie und deren Verwaltung wird ja auch nicht als „Arbeit“ definiert, obwohl sie sich qualitativ in Nichts von der Arbeit in der Stadtverwaltung unterscheidet. Die haben nur mehr „Kinder“, die sie betreuen.

Iris Gleicke – Beauftragte für die neuen Bundesländer – hat den neuen Feind ausgemacht: den Ostdeutschen. Den kennt sie gut, sie ist selber eine (siehe Pressemitteilung der Beauftragten neue Länder):

„Der Rechtsextremismus in all seinen Spielarten stellt eine sehr ernste Bedrohung für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder dar. Ein entschlossenes Handeln der Bundesregierung, der Länder, der Kommunen und der Zivilgesellschaft ist notwendig, um den gesellschaftlichen Frieden in Ostdeutschland zu sichern. Die große Mehrheit der Ostdeutschen ist nicht fremdenfeindlich oder rechtsextrem. Aber ich würde mir schon wünschen, dass diese Mehrheit noch lauter und deutlicher Stellung bezieht. Wir Ostdeutschen haben es selbst in der Hand, ob wir unsere Gesellschaft, unsere Städte und unsere Dörfer beschützen oder ob wir sie dem braunen Spuk überlassen. Die Gesellschaft darf nicht wegschauen, wenn Menschen angegriffen oder Flüchtlingsunterkünfte angezündet werden. Es steht für Ostdeutschland viel auf dem Spiel.“ 

Schon die Formulierung „neue Länder“ erzeugt dem gebildeten Menschen Zahnschmerzen: die Länder sind genau so alt wie die BRD-Länder. Aber sie erinnert an den „Lebensraum Ost“, den sich Vorgängerregierungen bis zum Ural sichern wollten (die Nato ist ja heute auch wieder dabei, diese Räume für sich zu erschließen – bis zur Ukraine sind sie schon vorgedrungen).

Hören Sie den Vorwurf von Frau Gleicke? Während die Bundesregierung beim Kampf gegen Rechts völlig versagt (siehe den Gesamtkomplex NSU-Morde), während ihre Geheimdienste, ihre Polizei, ihre „Sozialarbeit“ völlig ergebnislos herumhantieren – trotz aller Macht und der immensen Summen an Steuergeldern, die sie verprassen – soll nun der kleine Mann vor Ort die Verantwortung für den Kampf gegen Rechts allein übernehmen. Sonst … „steht viel auf dem Spiel“.

Was für eine Drohung. Irgendwie denke ich … es geht wieder um die Hungerwaffe. Aber vielleicht wird da nur an neue Zäune gedacht. No-go-Areas für Ostdeutsche. Reiseverbot für alle Ossis – nicht nur für Arbeislose.

Lesen Sie den Bericht noch weiter. Ich verspreche, es lohnt sich: auch wenn Ihnen schlecht dabei werden wird:

„Nach wie vor liegt die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands deutlich hinter der Westdeutschlands. Im Jahr 2015 lag das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Ostdeutschland 27, 5 Prozent hinter den Werten Westdeutschlands. Viel schlimmer ist jedoch, dass angesichts der neuesten Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung nichts darauf hindeutet, dass sich diese Lücke mittel- oder auch nur langfristig schließen könnte. Der Aufholprozess, verläuft schon seit einigen Jahren äußerst verhalten. Wir brauchen in Ostdeutschland ein deutlich stärkeres Wachstum, um wirtschaftlich zu den westdeutschen Ländern aufzuschließen. Die aktuellen Zahlen zum realen Wachstum geben Anlass zur Sorge. Das reale Wachstum lag 2015 in den ostdeutschen Flächenländern mit 1,5 Prozent unter dem der westdeutschen Länder mit 1,7 Prozent. Der Bevölkerungsrückgang führt dazu, dass Ostdeutschland bei der Entwicklung seiner realen Wirtschaftskraft weiter an Boden verliert.“ 

Darf ich mal den Gesamtgedanken übersetzen? „Ossis, ihr seid nicht nur FEIGE, sondern auch FAUL“. Gefährlich für Menschen, die im real existierenden Sozialrassimus überleben müssen. Kommt aber noch besser, keine Sorge:

„Als wichtiges Hemmnis für ein stärkeres wirtschaftliches Wachstum identifiziert der Bericht die Kleinteiligkeit der Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland. Das Fehlen von großen Unternehmen und Konzernzentralen und einer daraus resultierenden vergleichsweise geringen Innovationskraft sind wesentliche Ursachen für den stockenden Aufholprozess.“

Denen fehlen Konzernzentralen. Und große Unternehmen. Soll ich jetzt mal nachfragen, wo die großen Unternehmen der ehemaligen DDR geblieben sind? Die Leuna-Werke zum Beispiel, der größte Chemiekonzern der DDR? Gut – die wurden an einen französischen Konzern verkauft, da dafür auch noch 14 Milliarden EU-Hilfe bekam (und dessen Manger für Schmiergeldzahlungen verurteilt wurden, ich weiß nur die Namen der Empfänger nicht)  … aber eben deshalb sind sie jetzt weg. Wie das Gesamtvermögen der DDR, das die Treuhand zu Schleuderpreisen verramscht hat … was mich daran erinnert, dass es auch eine „Treuhand“ gab, die während der NS-Zeit jüdisches Vermögen günstig verteilte. Wir haben da – als Rechtsnachfolger des Dritten Reiches -Erfahrung in der Organisation von Enteignungsprozessen.

Frauen. Arbeistlose. Ossis. Die SPD bastelt sich ein Feindbild, das vor allem durch völlig überzogenes Anspruchsdenken gekennzeichnet ist.

Frauen – sollen sich gefälligst einen Versorger suchen, dann reicht die Rente auch.

Arbeitslose sollen gefälligst im Alleingang die durch Globalisierung, Automatisierung, Spezialisierung und irrationale Konzernentscheidungen völlig chaotisch gewordene Arbeitswelt neu ordnen.

Und Ossis sollen gefälligst selbst dafür sorgen, dass sie mehr Wirtschaftsleistung aus ihrem Land holen, mehr Merkelkonform sind und überhaupt mal weg kommen von jenen Untugenden, die man auch einst den Juden zugeschrieben hatte: Feigheit und Faulheit.

Nun – was können die so Gescholtenen tun, um ihrem Schicksal zu entrinnen … jenem Schicksal, das mit den Worten „es steht viel auf dem Spiel“ bedrohlich an die Wand gemalt wird?

Sie könnten ihre Frauen doch den Konzernmanagern anbieten, die Arbeitslosen könnten für den Konzern umsonst arbeiten und man könnte ihm doch auch Gemeindeland im Osten schenken … oder liege ich da mit meinen Lösungsvorschlägen so völlig falsch?

„Dient dem neuen Fürsten“ – so tönt die SPD hintenrum. Er hat Arbeit, die frei macht von der Not, jener Not, die nur die Agenda 2010 (SPD) ins Volk gebracht hat. Ergebt ihm euch völlig, mit Körper, Geist und Seele, vielleicht erhört er dann euer Flehen und errichtet eine Konzernzentrale in Bautzen, die Zivilisation nach „Dunkeldeutschland“ bringt – wie die Bundespräsident mal jene neu besetzten Gebiete beschrieben hatte.

Konzerne – so weiß man aus der Wirtschaft – haben überhaupt keine Innovationskraft. Sie haben eine gigantische Finanzmacht – und enorm viel Platz für Nichtstuer, die von einer Keksplattentagung nur nächsten eilen und das stolz „Arbeit“ nennen. Konzerne (hier: Banken) haben in der Krise die Vernichtung von 50000 kleinen und mittelständischen Unternehmen zu verantworten gehabt, sie sind Meister im Steuersparen (siehe Tagesschau) und Großmeister im Lobbyismus (siehe Welt).

Vielleicht sollte die SPD mal Wiwo lesen – die haben erst Anfang des Jahres Bilanz gezogen (siehe Wiwo):

„In Deutschland heißt Innovation nicht, etwas Neues zu erfinden, sondern etwas Bestehendes zu verbessern. Die Dax-Konzerne sind keine Vordenker, sondern Nachmacher. Hoffnung gibt der Mittelstand, bestätigt eine Studie.“

Volkswirtschaftlich gesehen, sind Konzerne marktfeindliche Sozialschmarotzer, die auf Kosten der gesamten Volkswirtschaft gedeihen. Warum die für den „Aufbau Ost“ – sozusagen als Kolonialmacht – besonders geeignet sein sollen, versteht man wohl nur, wenn man mitten im Geldsegen des Lobbyismus steht. Aber das erleben wir ja oft genug: Konzerne haben für Politiker coole „Pöstchen“. Der inhabergeführte Betrieb kann da halt nicht mithalten.

Wie müssen wir nun die Definition von Rassismus der BpB ergänzen, um den um sich greifenden Neofaschismus besser beschreiben zu können?

Ganz einfach: der neue Jude ist der „Arme“, das neue Judentum das „Prekariat“ – auch wenn da christliche Biodeutsche leben. Darum – ihr lieben Ossis – solltet ihr die Warnung ernst nehmen.

Die Regierung droht euch schon ganz offen: „es steht viel auf dem Spiel“.

Was – das bleibt erstmal eurer Phantasie überlassen.

Wer neugieriger ist – darf ins Geschichtsbuch schauen. Empfehle da Götz Aly: die Vordenker der Vernichtung.

 

 

Hass … und Liebe

Digital StillCamera

Donnerstag, 28.1.2016. Eifel. Er ist ja jetzt in aller Munde: der Hass. Ein ganzes Volk steht auf, vereint, im Kampf gegen ihn. Der Hass: er kommt aus dem Osten. Er ist männlich. Er ist bildungsfern. Er ist rechts. Er … gehört ausgerottet, mit Stumpf und Stil. So jedenfalls habe ich die Hasskommentare der Millionärspresse verstanden, die ich hier nicht umfänglich zitieren möchte – aber jederzeit zitieren könnte.

Hass war das erste philosophische Projekt meiner Jugend. Ich arbeitete während der Schulzeit in einer „Philosophie-AG“, gegründet von einem engagierten Studienreferendar, der merkte, dass man in der Schule und unter den Bedingungen von Schule keine Philosophie betreiben kann und deshalb privat aktiv wurde. Es war ein kunterbuntes Treiben in der AG, es waren interessante Menschen dort, dort habe ich meine Frau kennengelernt – und viele wertvolle Menschen, die alle im Meer der Zeit verschollen sind.

Es ist oft erstaunlich, wie einfach Philosophie sein kann – oder wie hilfreich. Eines der Erkenntnisse dieser Ag war: alle „All-Quanten“ sind Unsinn, d.h. alle Lehrsätze, die „Alle soundso sind soundso“ sind grober Unfug und falsch … eingeschlossen dieser Satz selbst. Versuchen Sie es mal selbst: sie werden erstaunt sein, wie oft diese „All-Quanten“ (der Begriff stammte von unserem Referendar, seitdem habe ich ihn nie wieder gehört) falsch sind … und ich hoffe sehr, Sie haben schon mal gehört, dass diese „All-Quanten“ politisch gefährlich sein können. Immerhin leben wir in einer Zeit, in der sie wieder aktiv werden, die groben Verallgemeinerungen: alle Rechten sind Nazis, alle Arbeitslosen faule Schmarotzer, alle Amerikaner Verbrecher, alle Flüchtlinge Vergewaltiger oder Invasoren, alle Juden nach wie vor aktive superreiche Weltverschwörer, alle Russen brutale Barbaren – besonders Putin, alle schönen und reichen Menschen edel, hilfreich und gut und alle anderen Menschen egoistisch, triebgesteuert und konsumorientiert….um nur ein paar der Vorurteile zu nennen.

Nun – dass dieser Satz selbst ebenfalls ein „All-Quantum“ ist, stört den Philosophen nicht sonderlich, es gibt ja Sprüche dagegen wie: „Ausnahmen bestätigen die Regel“. Natürlich hatte es mich auch nicht gestört, dass ich ebenfalls so einen allgemeingültigen Satz entwickelte, um Hass zu erklären. Hass – war mir fremd. Ein sehr seltsames Gefühl, dass Menschen zu Wesen machte, die wilder als das wildeste Tier waren, bösartig geradezu, Wesen, die nach Vernichtung trachteten und nicht nur zum Zwecke des Überlebens töteten. Damals – das war 1976 – war die NS-Zeit noch näher in Reichweite, oft Gesprächsgegenstand beim Mittagessen, immer noch nicht hatte man verarbeitet, wie eine Kultur des Hasses mitten in Europa wachsen konnte – und da die Lehrstühle noch voll waren mit den Kindern dieser Zeit (oder ihren ersten Zöglingen) war an gründlicher Aufarbeitung nicht zu denken.

Meine Erklärung für Hass war einfach – und eine erste Erfahrung mit einer der Wahrheitstheorien, denn: diese Erklärung „fiel mir einfach so ein“, ja – als sei sie vom Himmel gefallen. Sie war auf einmal da – und gilt heute als Standarderklärung für Hass bei Wikipedia:

„Hass entsteht, wenn tiefe und lang andauernde Verletzungen nicht abgewehrt und/oder bestraft werden können. Hass ist somit eine Kombination aus Vernunft und Gefühl. Die Vernunft ruft nach dem Ende der Verletzung und nach einer Bestrafung des Quälenden. Laut Meyers Kleines Lexikon Psychologie ist das Gefühl des Hasses oft mit dem Wunsch verbunden, den Gehassten zu vernichten. Das Gefühl des Hassenden ist das des Ausgeliefertseins, der Gefangenschaft, der Wehrlosigkeit.“

Ich hatte einfachere Worte, war ja auch noch jung: Hass entsteht, wenn Liebe verletzt wird. Eine Welt, in der Liebe das selbstverständliche Urgefühl war, gefiel mir – und es war mir auch klar, woher diese völlig fremdartige Judenhass in Deutschland stammte: immerhin hatten die der Legende nach Christus ermordet. Nun – ich war noch jung und arbeitete erstmal mit einfachen Hypothesen, die noch nicht im Alltag erprobt waren; heute – vierzig Jahre später – wundere ich mich immer noch, woher in einer atheistischen Gesellschaft dieser glühende Antisemitismus herkommt – doch das wird ein andermal Thema sein.

Ja – Liebe war für mich nicht der Gegensatz zum Hass, sondern das Urgefühl eines Menschen in der Welt – was wir heute gar nicht mehr verstehen können … oder wollen. Sehe ich die Definition von „Liebe“ bei Wikipedia, so stelle ich fest: sie ist inzwischen sehr verkürzt worden und beschreibt nur noch das Verhältnis zwischen Menschen. Im Alltag ist sie noch verkürzter und beschreibt jene Illusionen, die Männern Frauen vorgaukeln müssen, um an Sex zu kommen – wenn sie nicht dafür bezahlen wollen. Liebe jedoch – als Grundgefühl – geht weit über Sex hinaus: zum Beispiel kann man Liebe zu seiner Nation empfinden. Dort, wo Hass eine tiefe und andauernde Verletzung beschreibt, die nicht abgewehrt werden kann, beschreibt Liebe eine tiefe und andauernde positive Zuwendung, wie sie ein Kind von seinen Eltern erfahren kann – oder eben ein Mensch von seiner Heimat, die ihm Nahrung gibt, Wasser, Luft, Obdach, Wärme und Anerkennung, heute alles pervers konzentriert, verkürzt und verarmt auf einen „Job“ – den man auch lieben kann (oder sogar muss – weil Staat und Wirtschaft dies angeordnet haben).

Ein leichteres Beispiel für Liebe jenseits der menschlichen Sphäre ist wohl die Liebe zur Natur, gleichzeitig ist sie auch der Urgrund für die Liebe zur „Nation“ und zum „Job“, die sie im menschlichen Denken erfolgreich verdrängt haben, weil die Natur selbst auch „Feind“ wurde, gegen den man sich zu wappnen hatte – mit ensprechenden Folgen für die Umwelt, die wir heute auszubaden haben. Würden wir noch die Natur lieben – und nicht die Nation oder den Job – wir würden ihr nicht solche Gewalt antun und ihre Schönheit nicht breitflächig in Häßlichkeit verwandeln. Ebenso heftige Gefühle kann man für Musik empfinden, für Kunst, für Ideale (das ist uns jetzt schon sehr fremd geworden – ich denke, viele wissen gar nicht mehr, was das ist) – oder einfach nur für Licht.

Eine vernünftige Form von Hass wäre jene, die sich gegen die wendet, die Natur vernichten: sind sie erfolgreich, endet das Leben auf der Erde. In Deutschland wird das in 700 Jahren der Fall sein: hält uns nichts auf, dann ist bei der momentanen Baugeschwindigkeit dann das Land komplett zubetoniert – zum Wohle des Automobils. Da Natur aber als Quelle der Liebe der Welt zum Menschen (und als Quelle einer lebendigen Gotteserfahrung) nach 300 Jahren Massenvernichtung kaum noch erfahrbar ist und als Heimat erinnert wird, wendet sich der Hass gegen die Feinde der Nation oder des Jobs … und somit erklären sich viele gesellschaftlichen Verwerfungen. „Nation“ und „Job“ sind wirklichkeitsverzerrende Begriffe, die zu realitätsfernen Handeln führen – zum Beispiel zu Kriegen oder Bullshitjobs, die man beide wiederum zu Recht hasst – aber auch gleichzeitig im Dienste der Liebe zu Nation und Job (als Ersatzstoff für „Natur“) begeistert ausführt.

Testen wir das mal in der Realität. Im Internet gibt es ein Beichthaus, in dem Menschen ihre Sünden beichten können – einer von den Sündern beichtete seinen Hass (siehe Beichthaus): er würde die faulen Arbeitslosen, die sich beständig über die Umstände, das Unglück und die Schlechtigkeit des Lebens auslassen, im liebsten totknüppeln. Ja – lesen Sie selbst: sowas steht im Internet, ohne eine große politische Hassdebatte auszulösen – und es steht dort seit dem Jahre 2009. Nun – Menschen, die ihre Nation lieben (die können wir „rechts“ nennen) oder die, die ihren Job lieben (spricht was dagegen, sie „links“ zu nennen? Heutzutage?) „kotzt es an“, dass Arbeitslose ihren Liebesdienst verweigern – es folgt der Hass, weil man ihre Arbeitslosigkeit als bewussten Akt der Feindseligkeit gegen die geliebten Objekte interpretiert. Das ist jedoch eine willkürliche Deutung – in Wirklichkeit sind die Arbeitslosen die Beraubten (beraubt durch die „Privatheit“ von Räubern, die ihren Raub per Gesetz behalten dürfen – ja, der Lateiner weiß noch: privare steht u.a. für „rauben: siehe Wikipedia oder das Lateinlexikon im Bücherschrank): ihnen wurde das geraubt, was die Natur umsonst schenkte – weshalb man sie ja auch so liebte.

Zurück zum Hass, den wir – so hoffe ich – jetzt besser verstehen können. Hass kann – erinnern wir uns – sehr gefährlich sein. Tödlich. Er kann dazu führen, dass man als aufgeklärter, hoch gebildeter, technisch sehr versierter Mensch, der sich an der Spitze der menschlichen Evolution wähnt, Fabriken baut, um Menschen, die man gerade hasst (Juden, Sinti, Roma, Kommunisten, Sozialdemokraten, Nachbarn die Feindfunk hören, Homosexuelle, Behinderte, Slawen – um nur ein paar zu nennen), systematisch in großem Stil umzubringen: eine Entwicklung, die weniger entwickelte Naturvölker nicht so in dem Ausmaß kennen und die wohl auch mit der Entwicklung zusammenfällt, dass „Technik“ nun „Arbeit“ alleine macht und wir die Arbeitskraft Mensch nicht mehr so dringend brauchen … also kann die weg.

Wir sehen also: der Kampf gegen den Hass ist wichtig – andererseits ist Hass auch eine logische vernünftige Folge von … Qual. Man hasst Folterer – zum Beispiel. Menschen, die einem tiefe und andauernde Verletzungen zufügen. Hass … ist also nicht unbegründet, entsteht nicht einfach aus der Luft – ist sogar in dieser Hinsicht an sich wertvoll. Darf ich nochmal erinnern?

„Das Gefühl des Hassenden ist das des Ausgeliefertseins, der Gefangenschaft, der Wehrlosigkeit.“

Was für eine wertvolle Erkenntnis. Sie führt uns doch gleich zu Maßnahmen im Kampf gegen den Hass, die wir sofort ergreifen müssen … bevor er wieder Lager baut. „Mitbestimmung“ statt „Ausgeliefertsein“, „Freiheit“ (oder besser: Gleichberechtigung) statt „Gefangenschaft“, „Teilhabe an der Macht“ statt „Wehrlosigkeit“. Natürlich könnte man auch „Liebe“ stärken … doch dieser Begriff ist den Menschen fremd geworden, ist kommentarlos durch „Sex“ ersetzt worden und funktioniert so kaum noch – Sexualität kann sogar zur Waffe des Hasses werden, ein Mittel, mit dem man seinen Hass ausdrücken kann (ich denke da – – ganz harmlos – an die Verwendung des Verbs „to fuck“, das auch als „Scheiße!“ verwendet werden kann – siehe z.B. im Wörterbuch bab.la).

Außerdem belehrt uns ja auch die Zeit in einem aktuellen Aufsatz darüber, dass Liebe im Kampf gegen den Hass völlig sinnlos ist (siehe Zeit):

„Man kann dem Hass nicht die Liebe entgegensetzen, denn man kann nicht jeden Menschen lieben. Es ist ja schon schwer genug, die wenigen zu lieben, die man liebt.“

Ja – wo kämen wir dahin, wenn wir versuchen würden, mehr Liebe in die Welt zu bringen (es wäre aber schon ein Fortschritt, das Wort „man“ durch „ich“ zu ersetzen – damit wäre man schon einen Riesenschritt weiter). Oder Verständnis. Verständnis für einen ostdeutschen Mann, der als Maurer arbeitet und die SED-Zeit in unangenehmer Erinnerung hat. Verständnis ist jene Geisteshaltung, für die wir einen ganzen Wissenschaftskosmos erarbeitet haben – die Geisteswissenschaften. Heute gerne als Sparschwein der Universität verwendet, hatten sie im 19. Jahrhundert eine klare Aufgabe: jene Kriege zu verhindern, die man dank der Naturwissenschaften immer brutaler und vernichtender führen konnte – man wusste noch, dass Kriege nicht vom Himmel fallen und plötzlich „da“ sind, sondern ausschließlich von Menschen gemacht werden. Man wusste noch, dass der Weg zum Frieden der Weg über das Verständnis war, das den „Feind“ als gleichberechtigt ansah, ihn an der Macht zur Lösung des Problemes teilhaben und mitbestimmen ließ … anstatt ihn als Unmenschen zu verdammen … weil er „bildungsfernen Schichten“ angehört oder ein „Nazi“ ist – oder weil gewisse Intellektuelle schon so sehr im Hass leben, dass sie schon Probleme haben, die wenigen zu lieben, die man halt so liebt.

Ja – im Jahre 2016 merken wir, wie erfolgreich es war, an Geisteswissenschaften zu sparen: der Hass ist wieder da (und der Krieg) – und kaum noch einer versteht, wie und warum er selbst daran mitarbeitet. Noch schwieriger wird es werden, klar zu machen, warum Auschwitz als Endpunkt des Hasses wiederkehren wird (und der Faschismus als jene politische Position, die das Ausleben des Hasses zur ersten Bürgerpflicht macht) – ganz logisch und alternativlos … als pure Folge der Auslöschung der Geisteswissenschaften. Hätten wir mehr Künstler, Philosophen und Dichter im Parlament: die Sozialgesetzgebung wäre eine andere – und die Bundeswehr würde auf deutschem Boden auf den Feind warten, wie es sich für Demokratien gehört.

Der Hass kann auch weiblich, gebildet, links sein und aus dem Westen kommen – ich kann da Beispiele für aufzeigen. Aber da stört er nicht so. Jedenfalls momentan nicht.

Sicher hülfe ein Verständnis von Liebe – wie oben skizziert, als jenes umfassende, entgegenkommende Gefühl, dass den anderen begeistert akzeptiert, wie er halt durch die Welt so geworden ist wie er ist und mit ihm gemeinsam Wege sucht, die Welt wieder so zu formen, dass sie liebenswerte Heimat für alle ist. Wenn man sieht, welche Energien Hass entfalten kann – wie große wären dann die Energien, die Liebe entfalten könnte?

Manche waren von der Erfahrung von Liebe so sehr begeistert, dass sie „Gott ist Liebe“ in die Welt schrien – doch die Machtelite dieser Welt schrie dagegen: „Gott ist tot“ – und schreit so bis heute. Und auch darum wird die Welt Hass: wo der Gott der Liebe tot ist, der Gott, der alle Menschen akzeptiert wie sie sind – dick, dünn, doof, weiß, rot, braun – tritt der Götze der Selektion (und der Gott des Hasses) auf den Plan, selektiert das vorhandene Material nach nützlichen Organquellen und gewinnbringenden Überleistern – wobei letztere Schritt für Schritt durch Maschinen ersetzt werden.

Es ist eine ganze Kultur des Hasses – und eine Kultur der Menschenfeindlichkeit, die nicht nur mehr gruppenbezogen ist, sondern den Menschen an sich als zu optimierendes (und notfalls als zu selektierendes und sanktionierendes) Mangelwesen begreift, dass „beständig an sich selbst zu arbeiten hat“ – um nicht in den Fokus des Hasses jener zu geraten, die nur noch ihre abstrakten Renditen und sich selbst lieben. Und diese Kultur des Hasses … erzeugt selber den Hass all jener, die die Welt lieben.

Es wird spannend zu sehen, wie diese Kultur nun gegen den Hass kämpfen will.

Ich fürchte nur: es wird mal wieder nichts Gutes dabei herauskommen – obwohl viele „Gutmenschen“ aktiv daran beteiligt sind. Menschen, die schon große Mühe damit haben, überhaupt ein paar wenige Menschen zu lieben – aber sich selbst für ganz unverzichtbar toll halten.

Ein wenig denke ich, dass die gelebte „Willkommenskultur“ von der Hoffnung getragen wird, dass diese Kultur des Hasses einfach fortgespült wird durch Millionen Menschen aus anderen Kulturen.

Wäre schön, wenn da so einfach wäre. Nur – so gesehen sind die begeisterten Träger der Willkommenskultur gar nicht so weit entfernt von den „Rechten“ – beide merken, dass da etwas gewaltig nicht stimmt im Lande.

 

 

 

 

 

 

Die Oligarchie der westlichen Wertegemeinschaft und ihr neuer Krieg gegen Russland und die Welt

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Dienstag, 18.6.2014. Eifel. Ich habe da ein Problem, bei dem Sie mir helfen können: wie halten Sie das eigentlich alles aus? Also – den Wahnsinn um Sie herum? Welche Drogen nehmen Sie außer den alltäglich im Einsatz befindlichen: Alkohol,Ritalin und Fernsehen? Fernsehen eine Droge? Aber klar doch: es verwirrt die Sinne, gaukelt einem  nicht vorhandene Realitäten vor, versetzt einen in einen seichten Dämmerzustand, der in Kombination mit Alkohol die gezeigten Bilder erträglich macht und die logische Verarbeitung der dargebotenen Informationsreste vollkommen verhindert, zudem vermittelt einem Fernsehen das Gefühl, man würde gar nicht dazu gehören, wie ein körperloser Bebachter über einer Welt schweben, mit der man im Prinzip gar nichts zu tun hat.

Hören Sie mir doch auf mit diesem Spott und Zorn über den Bahnstreik, dass glaubt Ihnen doch kein Mensch, dass Sie sich aufregen, weil sie zu spät zur Arbeit kommen. Sie haben doch nur befürchtet, dass Sie nicht schnell genug nach Hause kommen, in die Kuschelhöhle, wo Kommissare, die keine sind, Mörder die keine sind wegen Taten jagen, die nie geschehen wurden … das ganze nennt man „Tatort“ und ist sogar Deutschlands führendem Nachrichtenmagazin regelmäßige Artikel auf vorderen Rangplätzen wert: da werden Alpträume von Opiumsüchtigen zur Weltsensation aufgebauscht.

Währenddessen verwandelt sich die Welt da draußen in Scheiße.

Schon mal darüber nachgedacht, dass wir aktuell ein internationales Klassensystem haben, ein System von guten, vertrauenswürdigen, edlen und hilfsbereiten Ländern, die gegen eine schlechte, verlogene, feige und böse Welt angehen? Das Handelsblatt informiert darüber (siehe Handelsblatt):

Der US-Geheimdienst NSA darf laut einem Bericht der „Washington Post“ fast jede Regierung und die wichtigsten internationalen Organisationen der Welt ausspionieren. Bis auf Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland, die mit den USA die sogenannten „Five Eyes“ bilden, muss die Spionagebehörde vor keiner Regierung haltmachen.

Auch die Weltbank, der IWF und die internationale Atomenergiebehörde gehören zu den Feinden, gegen die sich die Spionage richtet. Ja, dass muss man mal deutlich aussprechen: da wird deutlich zwischen Freund und Feind unterschieden, Großbritannien und seine ehemaligen Kolonien gegen den Rest der Welt – völlig paranoid, aber Realität. Wir … gehören da zu den schlechten, verlogenen, feigen und bösen Menschen, die man scharf kontrollieren muss.

Wer so viel abhört, der hat auch viel Macht. Wer immer irgendwo Dreck am Stecken hat, kann so per Erpressung zu allem gebracht werden, was einem gerade so einfällt. Dreck? Bordellbesuche, Kokainkonsum, Liebhaber der Ehefrau, drogensüchtige Kinder – oder Kinder die in nicht astreine Geschäfte verwickelt sind: zur Not reicht ja auch ein Passwort für einen Rechner, um Pornovideos zu installieren. Jedes vertrauliche Telefonat, jede E-Mail und jede SMS landen in den Datenbänken unserer Feinde (äh … ja. Haben die sich per Beschluss selbst zu erklärt, unsere Regierungen wollen das nur nicht wahr haben, die handeln immer nach der Devise: bloß keinen Ärger mit dem römischen Imperium) und können dort beliebig kombiniert werden, so dass wir letztlich Dinge über uns hören können (wahrscheinlich sogar per Videozusammenschnitt aus unsere eigenen Mund) die wir nie so gesagt oder so gemeint haben.

Da wird nicht manipuliert? Na – wo leben Sie denn? Schauen Sie doch einfach mal in den Spiegel (siehe Spiegel):

Bereits Ende Juli hatte sich dazu eine Gruppe von US-Geheimdienstveteranen in einem offenen Brief an Barack Obama gewandt und ihn aufgefordert, die Erkenntnisse zum Absturz von Flug MH17 publik zu machen. „Vorwürfe gegen Russland sollten auf überzeugenden, handfesten Beweisen beruhen, gerade bei einem so brisanten Vorfall“, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem vom Whistleblower und ehemaligen Technischen NSA-Direktor William Binney unterzeichnet ist. Stattdessen würden „auf amateurhafte Weise fadenscheinige und wenig eindeutige Indizien präsentiert“.

Ja – das ist ja keine Kleinigkeit: diese Information hat eine Brisanz wie Massenvernichtungswaffen im Irak – wer hätte ein Interesse daran, hier fadenscheinig und wenig eindeutig zu arbeiten? Wieso traut man sich das überhaupt, der Öffentlichkeit solches Material zu präsentieren?

Nun – es kommt noch schlimmer.

Seit einigen Tagen wandert ein Satellitenfoto um die Welt, dass zeigt, wie ein Kampfflugzeug den Flug MH 17 über der Ukraine abschießt – sogar die Rauchspur der Rakete ist deutlich zu erkennen. Im Gegensatz zu vielen Aufnahmen von angeblich russischen Truppen, die aus dem All fotografiert wurden, waren diese Aufnahmen vergleichsweise scharf (obwohl sie nicht die Aufnahmequalität haben, die schon seit Jahrzehnten von Satellitenfotos erreicht wird, sondern auf dem Niveau von Google Earth verbleiben … man will ja der feindlichen Welt auch nicht wirklich demonstrieren, dass man aus dem Weltall Eimer fotografieren kann). Groß wurde angekündigt, dass es sich hier um eine „Fälschung“ handele, doch das führende deutsche Nachrichtenmagazin blieb jeden Beweis dafür schuldig (siehe Spiegel), noch nicht mal im Ansatz wurde versucht, zu erläutern, wo denn da die Fälschung zu erkennen sein soll.

Vielleicht ist es auch gar keine? Und angesichts der angesäuselten TV-Zombies reicht diese Arbeitsweise (amateurhaft fadenscheinig und wenig eindeutig) wahrscheinlich auch inzwischen aus, um herrschende Standards zu erfüllen, immerhin sind wir es gewöhnt, im Zusammenhang mit dem Weltkriegszündstoff Ukraine sehr drollige Geschichten lesen zu dürfen – wie die von Dr. Christian Neef, der im Spiegel (siehe Spiegel) über „Putin´s Lügen“ schrieb und dabei Sätze produzierte, die sich an internationalen Standards orientieren – fadenscheinig und wenig eindeutig.

Es gibt keinen gezielten Beschuss ostukrainischer Städte und auch nicht den Versuch, die Bevölkerung, wie er sagt, mit „scharfem Feuer“ zu töten. Ich habe die letzten Wochen in Donezk verbracht und mir die Schäden in der Stadt genau angesehen. Ja, tagtäglich gibt es dort Einschläge von Artillerie, es gibt Zerstörungen und menschliche Opfer.

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen „beobachten“ und „bewerten“. Putin behauptet, dass in der Ostukraine Zivilisten mit Artillerie beschossen werden, Christian Neef fährt hin, sieht Artillerieeinschläge und Tote: also wird dort mit Artillerie auf Menschen geschossen. Auf Zivilisten. Das hätte man als Fakt erstmal festhalten müssen – bevor man seine eigene Meinung, Wertung und Deutung der Geschehnisse der Realität überstülpt.

Ähnlich dämlich argumentiert auch der neue Natogeneralsekretär, der Putin scharf aber doof angreift: russische Maschinen würden angeblich den internationalen Luftraum gefährden, weil sie ohne Transpondercodes unterwegs seien (siehe Spiegel) … was auch nicht weiter problematisch ist, weil sie ja auch nicht über Natoländer fliegen. Man könnte ihm auch vorwerfen, dass russische Panzer keine deutschen Nummernschilder mit sich führen, wenn sie jenseits der deutschen Grenzen herumfahren – na, das kommt vielleicht noch.

Aber: wem fällt das denn schon auf? Schauen wir uns doch die Reaktion auf das Putin-Interview an – diesmal stellt Klaus Hecking ihn als Lügner dar, betreibt einen „Faktencheck“ (siehe Spiegel), der mit „Prognosen unabhängiger Experten“ – die namentlich nicht näher genannt werden noch werden nachprüfbare Quellen genannt – 4 Behauptungen Putins kommentiert. Eine davon – das kritische Freihandelsabkommen des Westens mit der Ukraine, welches in Folge eines russisch-ukrainischen Abkommens russische Märkte gefährdet – ist einfach nur wahr, die drei anderen bestenfalls Ansichtssache: wer nur die Überschriften liest und nicht den Text analysiert, wird absichtlich  hinters Licht geführt.

Halten wir nur eins fest: Russland hat viel Öl und Gas … und ist damit sehr reich, allem Geunke zum Trotz. Dieser Reichtum zeigt sich auch in der Staatsverschuldung des Landes, dessen Raumfahrtindustrie inzwischen das verläßliche Rückgrat der US-Raumfahrtbemühungen darstellt: das „Uns-gehts-gut“-Deutschland der Angela Merkel liegt bei 81,7 %, das „die-sind-ganz-schlecht-dran-Russland“ bei 12,2% (aus: CIA fact books, zitiert bei laenderdaten.de).

Im Übrigen dürfte sich Putin freuen, wenn die Ukraine sich der „westlichen Wertegemeinschaft“ anschließt, weil dann der deutsche Steuerzahler auch die Kosten für die Pleitewirtschaft der Ukraine übernehmen darf (siehe DWN), nach kurzer Regierungszeit des „westlichen Wertemannes“ Klitschko als Bürgermeister in Kiew war die Stadt ja auch pleite (siehe DWN): „pleite sein“ ist halt ein zentraler Wert der westlichen Wertegemeinschaft … einfach mal bei CIA fact books nachschauen.

Dementsprechend finden ja auch ähnliche „westliche“ Werte ihre Anwendung in der Ukraine (siehe Telepolis):

In einem sogenannten Letter of intent, also einer als verbindlich angesehenen Absichtserklärung, verpflichten sich Präsident Petro Poroschenko, Premierminister Arsenij Jazenzuk sowie der Finanzminister und der Zentralbankchef 27.000 öffentlichen Angestellten zu kündigen und die Gehälter der restlichen sowie Renten und Sozialhilfe für dieses Jahr einzufrieren. Bei einer Inflation, die bis zum Jahresende 20 Prozent erreichen könnte, bedeutet das eine massiven Verarmung und zugleich einen erheblichen Kaufkraftverlust. Dass derlei die Wirtschaft unmöglich ankurbeln kann, wurde zuletzt in Griechenland und zuvor schon in zahlreichen lateinamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Ländern gezeigt, die sich den Programmen des IWF unterwerfen mussten.

Massenentlassungen, Kürzungen bei Renten und Sozialhilfen: ja, dass sind die für uns Bürger erkennbaren Werte der westlichen Wertegemeinschaft – neben massiver Staatsverschuldung zur Rettung einer wirtschaftlich maroden Oligarchie.

Na ja – und da sind wir ja auch gleich beim Thema: die Oligarchie des Westens. Ja – da haben wir jenes Moment, dass uns verstehen hilft, warum wir eine sogar vom Programmbeirat des ARD bemängelte einseitge Berichterstattung erdulden müssen (siehe Yahoo/Nachrichten), deren Kritik aus Sicht der Privatmedien aus den Kritikern gleich „von Putin gesteuerte Stalinisten“ macht (siehe Welt): ein harter, verbaler Schlagabtausch von ungewohnter Primivitität weit jenseits jeglicher historischer Bildung.

Dabei ist doch allen klar, wer die Welt regiert: 200 reiche Familien aus den USA bilden die Oberschicht der westlichen Oligarchie, die sich in den letzten 70 Jahren (oder 150 – je nachdem, wie man es nun sehen möchte) ein unvergleichbares, mit vielen Billionen Dollar ausgestopftes Netzwerk erarbeitet haben, das im 21. Jahrhundert endlich so weit war, das größte Geschäft der Welt ans Laufen zu bringen: einen neuen Weltkrieg.

Die unglaubliche Macht dieser Netzwerke zeigt sich auch ganz öffentlich – ein Beleg dafür, wie sicher man sich in Wirklichkeit fühlt (siehe Focus):

Lötzsch, die als Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundestages tiefen Einblick in das milliardenschwere Berliner Machtgefüge besitzt, zieht einen Schluss, den viele Experten und Bürger, die ansonsten mit der Linkspartei nicht viel am Hut haben dürften, wohl teilen würden: „Es gibt in Deutschland eine zahlungskräftige Minderheit, die mit Hilfe von Lobbyisten unser Land in ihrem Sinne gestaltet.“

Über ihre Tentakel im Glückspiel, in der Rüstung, im Autobau und im Bankwesen steuern die Oligarchien die „westliche Welt“, machen aus der ehedem „Freien Welt“ Zins- und Konsumsklaven. Steht ganz öffentlich in einem ihrer Propagandablättchen. Ja – das ist das, was westliche Journalisten inzwischen machen: Propaganda für das Erfolgssystem der Oligarchie, das in Punkto Moral der Mafia in nichts nachsteht.

Schauen wir nochmal genau hin, was Christian Neef uns aus der Ukraine mitteilen möchte (nochmal: Spiegel):

Viele der Rebellen, die gegen die Ukrainer kämpfen, sind frühere Arbeitslose oder teilweise auch Kriminelle, die die eigene Bevölkerung terrorisieren.

Ja, haben Sie überlesen, den Satz, oder? Die Oligarchie hat ein klares Feindbild: wer sich nicht zum Bezahlen der Zinsen eignet oder zum Konsumieren des umweltschädigenden Glitzerschrotts ist in Wirklichkeit ein Rebell, gegen den man mit Sanktionen vorgehen muss: in der Ukraine, in Russland oder in Gelsenkirchen. Der Arbeitslose an sich ist der internationale Feind der Oligarchie, der Systemverweigerer, gegen den man zur Not auch mit Artillerie vorgehen muss.

Journalisten, die diese Propaganda nicht mehr mitmachen, werden als „Propagandisten“ aussortiert (siehe jungewelt), während man bekennenden Neofaschisten eine Ausbildung in US-amerkanischen Eliteakademien des Militärs zusichert (siehe jungewelt) und überhaupt kein Problem mit einem eigenen Nato-Journalisten-Netzwerk innerhalb der Gesellschaft hat  -siehe Willy Wimmer von der CDU in jungewelt.

Ja – überhaupt: den letzten Artikel sollte man noch mal gründlicher lesen, vor allem zu Beginn: dort beantwortet Willy Wimmer die Frage, warum er als gestandener konservativer Demokrat aus dem Westen von US-Seite aus als Kommunist beschimpft wurde:

Zunächst gab es die Frage, wie man die Wiedervereinigung so hinkriegen kann, daß der europäische Friede erhalten bleibt. Aber wir Parlamentarier, die auf internationalem Feld arbeiteten – zu uns gehörte auch die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth –, wollten uns auch mit wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen befassen. Die Briten und Amerikaner, die für eine reine Form des Kapitalismus eintraten, verhinderten das. Sie lehnten das von uns vertretene Konzept der sozialen Marktwirtschaft ab und beschimpften uns als Kommunisten.

Das hat uns überrascht und war ein Zeichen, daß sich die Welt auf ungeahnte Weise umbrechen würde.

Ja – die Politik wusste das: die „five-Eyes“-Oligarchie wollte mit viel Geld und Lobbyismus den Staat umbauen: „soziale Marktwirtschaft“ wurde zum „Kommunismus“ erklärt, Nächstenliebe zu „Sozialromantik“. Mitleid zu Schwäche, Armut zur logischen Folge eigenen, falschen Denkens.

Es lohnt sich, den Artikel ganz zu lesen – immerhin beschreibt Willy Wimmer, wie detalliert man schon im Jahre 200o wusste, das die transatlantische Oligarchie die Demokratie in Europa aushebeln will. Ebenso war schon damals klar, dass es einen neuen eisernen Vorhang geben soll … den diesmal die Unrechtsstaaten des Westens bauen, die mit ihrem „five-eyes-Programm“ eine deutlich erkennbare Grenze zwischen gut und böse gezogen haben.

Wie die Zukunft der „Guten“ aussieht, wird man schnell ermessen können, wenn man in ihr Heimatland schaut – siehe Spiegel:

Die Zahlen sind bestürzend: In den USA leben einer Studie zufolge etwa 2,5 Millionen Kinder auf der Straße – so viele wie nie zuvor.

Und das genau ist der Alltag der westlichen Wertegemeinschaft.

Und der große Krieg? Über den erfährt man mehr, wenn man den Kurier aus Österreich liest: offensichtlich läßt man hier aktuell auch noch unbequeme Agenturmeldungen durch (siehe Kurier, unten stehen die Agenturen, die für die Meldung bürgen)

Wegen des Konflikts in der Ukraine hat ein chinesischer Militärstratege Vorbereitungen auf einen Krieg gefordert. „Der Ausbruch eines Weltkrieges ist nicht unmöglich“, schrieb Professor Han Xudong von der Nationalen Verteidigungsuniversität der Volksbefreiungsarmee am Dienstag in einem Kommentar für das Parteiorgan Volkszeitung.

Verstehen Sie jetzt, warum ich mich für die spezielle Art der Drogen interessiere, die es Ihnen erlaubt, wegen einem Bahnstreik auszurasten, während Sie der täglich dringlicher werdenden Kriegsgefahr völlig gelassen gegenüberstehen?

Vielleicht zur Erinnerung: der russische Staatschef hat den Gipfel der G 20 in Brisbane mit der Aussage verlassen, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach Krieg geben wird (siehe Nachrichtenspiegel) – auch wenn die Propagandisten der Oligarchie das wieder mal ein klein wenig anders darstellen.

Aber das machen die ja jeden Tag, im mutigen Kampf gegen die Stalinisten beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen und jene Menschen, die schon arbeitslos geworden sind … oder es demnächst werden, sobald Maschinen ihre Jobs im Verkauf, im Wachdienst, in der Schule oder der Altenpflege übernommen haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Achtung, Warnmeldung! Weitere Zumutungen optimistischer Politiker drohen: die Agenda 2030 und die Vernichtung des Euros.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Dienstag, 26.8.2007. Eifel. Man stolpert bei der Zeitungslektüre gelegentlich über seltsame Aussagen – wie jetzt aktuell in der FAZ, wo es über die Agenda 2030 oder die Agenda 2040 geht – man war sich da nicht so sicher.  Zu Wort meldet sich ein CDU-Politiker mit einer recht eigentümlichen Anschauung:

„Das Land befindet sich zu sehr im Wohlfühlmodus, keiner will den Menschen etwas zumuten“.

Weiß nicht, ob Ihnen dabei auch leicht übel wird – immerhin spricht dort ein Arbeitsloser, ein Mensch, den wir mit unserem Geld von der Last der Erwerbsarbeit befreit haben, um Verwaltungsaufgaben für uns zu übernehmen: und als Dank dafür möchte er an weiteren Zumutungen arbeiten, beschwert sich darüber, dass es dem Land gut geht.

Nun – „Deutschland geht es gut“ – so lautet ja auch die Devise der Bundeskanzlerin, und ich bin dankbar, dass das Handelsblatt jetzt endlich darauf hinweist, dass dieser blindwütige Optimismus einfach nur eine Lüge ist – bzw eine Einstellung, zu der JEDER Bundeskanzler durch sein Amt verpflichtet ist (siehe Handelsblatt). Es heißt nicht umsonst, dass ein Fisch vom Kopfe her stinkt – und Wolfgang Münchau vom Spiegel verfolgt den Gestank bis in die Reihen der Ökonomen (siehe Spiegel):

Fast immer daneben, fast immer zu optimistisch: Die meisten Konjunkturprognosen sind Lachnummern. Ökonomen wissen nicht mit Dynamischen Systemen umzugehen. Höchste Zeit, sie zu ersetzen.

Klare Worte. Was fehlt, ist die Forderung, auch die Optimismuströten im Kanzleramt und Bundestag durch Realisten zu ersetzen. Wer nur seinen verträumten Optimismus im Kopf hat, der muss in der Tat seinen Bürgern einiges zumuten, um die Lücke zwischen Vorstellung und Wirklichkeit zu ersetzen. Und zugemutet wird ihnen ja genug: sogar Sylt, einer der Orte Deutschlands, wo sich Geld mit Gewalt ballt, verzeichnet einen steigenden Zulauf zur Tafel (siehe Hamburger Abendblatt), jenen Orten, wo Geschäfte infolge einer gezielten Beratung durch McKinsey ihre Entsorgungskosten minimieren, in dem sie den Abfall an Bedürftige verteilen (wir berichteten).

Reicht das nicht an Zumutung?

Nein. Natürlich nicht. Erinnern wir uns an die Agenda 2010 – bevor wir über die Agenda 2030 oder 2040 reden. Sie wirkt ja auch heute mit gleicher Gewalt und verändert das Gesicht des Landes. Aktuell verbietet die Polizei Proteste vor Jobcentern (siehe gegen-Hartz), ein weitere denkwürdiger Angriff auf die Meinungsfreiheit in Deutschland. Als einziges Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bleibt den optimistischen Experten der Griff zur Gewalt, weshalb Oberst Weise, Kommandant der Bundesagentur für Arbeitslosendisziplinierung, auch die Sanktion als höchsten Segen moderner Arbeitsmarktpolitik preist (siehe gegen-Hartz): auch so eine Zumutung, allerdings eine der intellektuellen Art – das Druck nur Gegendruck erzeugt, aber niemals zur Änderung der intrensischen Motivation taugt, weiß jeder Versicherungsvertreter, doch in Amts- und Regierungsstuben ist dieses Niveau noch lange nicht erreicht.

Kein Wunder dass es beständig neue Meldungen über Sanktionsrekorde in Deutschland gibt (siehe Leipziger Internet Zeitung): der Arbeitslose muss die Fehler der Politik, die sich nur allzu gern an die viel zu optimistischen (sprich: FALSCHEN) Prognosen der Wirtschaftswissenschaft bindet, persönlich ausbaden: findet er die nicht vorhandenen Jobs nicht, wird er dafür bestraft. Für den gesunden Menschenverstand eine Zumutung – aber „Zumutung“ scheint ja auch des primäre Ziel der politischen Kaste zu sein, die große Herausforderung im Wettlauf der Parteien: wer schafft es, dem Volk in kürzester Zeit mehr zuzumuten? Der Sieger bekommt einen Vorstandsposten in einer Rüstungsfirma – nein, das war jetzt sicher zu fies gedacht.

Aber hat sie nicht enorm viel gebracht, diese Agenda? Jubeln nicht die gleichen Experten, die mit ihren Prognosen immer daneben liegen, gerade ob der großen Erfolge des großen Entwurfes?

Nun – die schieben sich die Irrläufer gegenseitig ein Eigenlob in die Tasche. Menschen, die für ihr Geld noch richtig arbeiten müssen und nicht fürstliche Bezüge von Vater Staat kassieren, dürften das anders sehen – aber auch einige Experten müssen nüchtern feststellen, dass die Reform ihre Kernziele nicht erreicht hat (siehe hartziv.org):

Aus den Hartz IV Reformen resümiert die Untersuchung eine Verschlechterung der Funktionalität des Arbeitsmarktes. Durch die Einschüchterung, in die Grundsicherung zu fallen, seien Arbeitnehmer bereit, auch schlechtere Bedingungen wie geringere Einstiegslöhne in Kauf zu nehmen – die für bereits Beschäftigte unattraktiv waren. Dies hat auch zur Folge, dass sich Arbeitgeberwechsel für Beschäftigte demnach nicht lohnen.

Ja – Hartz IV war gar kein Schlag gegen die „Sozialschmarotzer“ und „Parasiten“: jenen, die schon immer von Sozialhilfe gelebt haben, ging es danach besser denn je – wenn ich den Informationen von langjährigen Sozialhilfebeziehern glauben darf. Es war zuerst ein Schlag  (und eine Zumutung) gegen ALLE Arbeitnehmer – und gegen kleinere Selbständige.

Alan Posener berichtete in der Welt von den absurden Zuständen, die Deutschland aktuell zu einem Narrenhaus werden lassen – wie zum Beispiel die Geschichte über den mit einem befristeten Vertrag bei der Bundesagentur für Arbeit ausgestatteten Anwalt, dem richterlicherseits empfohlen wird, doch nach Ablauf des Vertrages Fachanwalt für Hartz IV zu werden und selber so lange Hartz IV zu beziehen, bis er genügend Kunden hat, die gegen die Bundesagentur klagen – und an denen sei kein Mangel (siehe Welt).

Ja – zwischendurch gehören auch Akademiker zur Unterschicht – auch eine Zumutung und ein Zeichen dafür, dass „Wirtschaft“ und „Politik“ das Ruder völlig aus der Hand läuft und wahrscheinlich auch der Grund, weshalb deutsche Professoren die materielle Vernichtung der Unterschicht fordern. Vernichtung? Nun ja, wenn ein deutscher Professor die Einstellung der staatlichen Leistungen nach fünf Jahren fordert (die endgültige Totalsanktion, sozusagen, siehe FAZ), dann sehe ich Berge von verhungerten Menschen vor mir: die Tafeln werden das nicht auffangen können. Aber so sind sie halt, die Experten: je mehr man ihnen selbst zuviel an staatlicher Unterstützung zahlt, umso wilder und wirrer werden ihre Phantasien. Ein- zwei Jahre Straßenbau als Arbeitsurlaub wären da vielleicht mal ganz hilfreich, um das Professorengehirn mal wieder auf die Erde zurück zu holen.

Der Sozialverband Deutschland hat nun folgerichtig Bilanz gezogen (siehe Saarbrücker Zeitung)

Zehn Jahre nach Einführung der Hartz-Gesetze müsse man eine fatale Bilanz ziehen, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer. „Dieses System ist eine soziale, ökonomische und moralische Bankrotterklärung.“

Ich würde noch hinzufügen: eine intellektuelle Bankrotterklärung ist sie ebenfalls. Ebenso eine demokratische – und politische, erst Recht, wenn man sieht, dass andere Zumutungen innerhalb der Politik kaum wahrgenommen oder billigend in Kauf genommen werden: dass EU-Kommissare für vier Monate Arbeit je 500 000 Euro kassieren, findet niemand anstößig (siehe Spiegel), erklärt aber, warum Bundeskanzler zum Optimismus verpflichtet sind – rationale Haushaltsführung ist angesichts solcher Phantasiegehälter nur mit intensiven Hoffen auf zukünftigen Geldsegen zu gewährleisten.

Nun – von erlebbarer Armut sind jene Politiker, die jetzt wieder von „Zumutungen“ träumen, weit entfernt. Ihre Diäten sind jetzt gerade saftig angehoben worden – auch ein Grund, warum Politik nichts ändern wird: im Kampf reich gegen arm wechseln auch linke Politiker schnell die Seiten, wenn sie Diätenreich werden. Ein paar schnelle linke Worthülsen noch aus der Hüfte geschossen … das war es dann aber auch schon mit dem Engagement, immerhin steht man jetzt auch auf der Seite jener, die sich um optimale Geldanlagen kümmern müssen – anstatt zu jenen, die am Ende des Geldes noch viel Monat übrig haben.

Aktuell verblüffen Geschichten über die armen Städter das Land, der interssanteste Artikel dazu stammt aus dem Handelsblatt. Er erläutert uns auch die Zumutungen, mit denen wir leben müssen:

2014 lag die Armutsgefährdungsschwelle für einen Alleinstehenden bei 870 Euro. Rechnet man Sätze für Miete und anderes hinzu, liegt der Hartz IV-Satz eines Singles bei 651 Euro und damit unter der Armutsgefährdungsschwelle.

Der Grundgedanke des Sozialstaates war mal, Armut zu verhindern. Jetzt muten Politiker jene, die durch die von ihnen gestaltete Wirtschaftspolitik den Anschluss verloren haben, per Gesetz Armut zu – als Pauschalsanktion, die noch verschärft werden kann.

Was drohen denn dann noch für weitere Zumutungen, wovon träumen denn die mit dem staatlichen „Rundum-sorglos-Paket“ vollgefütterten Daueroptimisten und Realitätsverdränger noch? Die reichsten Gemeinden in Deutschland verzeichnen nach diesem Artikel noch 8,6 % Arme, die großen Städte ÜBER 25 %!

Aber: erschrecken sie nicht zu sehr über diese Studie, sie zeigt nur eine Perspektive auf, berücksichtigt nicht, dass Arme auf dem Land ein Auto brauchen, weil die menschenfernen Konzentrationsprozesse der „Wirtschaft“ die Nahversorgung vernichtet haben.

Während „der Arbeitslose“ als „Volksfeind Nr 1“ beständig neuen Zumutungen ausgesetzt werden soll, beschäftigt sich scheinbar kaum ein Politiker mit den finsteren Wolken am Horizont, die die ganze Eurozone bedrohen. Man jubelt über steigende Börsenkurse (während über einen Kurssturz von 10% kaum gesprochen wird: Optimisten unter sich verdrängen so etwas gern), kümmert sich aber nicht um die Ursachen – also die Entscheidungen optimistischer Politiker auf der Grundlage optimistischer Wissenschaftler. Hier offenbart ein Blick hinter die Kulissen gruseliges: die Börse steigt nur auf Grund eines „Draghi-Effektes“ (siehe Handelsblatt). Die EU will die Inflation ankurbeln (und damit die Armen noch Ärmer machen), in dem sie die Reichen noch reicher macht.

Wir erfahren auch, von welchem Volumen wir da sprechen: 1 Billion Euro sollen in die Märkte gepumpt werden . Gleichzeitig erfahren wir, dass die Spekulanten der Wallstreet den Euro massiv unter Beschuss nehmen wie nie zuvor: kein Wunder – was so in Massen gedruckt wird, kann keinen Wert mehr haben (siehe Welt). Kurz darf einem hier einfallen, dass Draghi auch ein Ex-Mitarbeiter einer großen Wall-Street-Bank ist und hier vielleicht bald wieder eine blühende Zukunft vor sich sieht.

Eine Billion Euro. Darf man kurz träumen? Darf man kurz überlegen, wieviel jeder EU-Bürger von dieser Summe hätte, wenn man sie ihm persönlich auszahlen würde – als Konkunkturspritze für die Realwirtschaft? 500 Millionen Bürger haben wir in der EU. Das macht 2000 Euro pro Bürger. Würde man das Geld in Arbeislose investieren (anstatt die mit diesem Geld zu bekämpfen), könnte man eine Mordsrendite von 60 Prozent einfahren: jeder in Arbeitslose investierte Euro kommt mit 1,60 Euro Wertschöpfung zurück (wir berichteten). Stattdessen investiert man dieses Geld in Aktienbesitzer, die dadurch völlig ohne Arbeit noch viel reicher werden.

Gleichzeitig arbeitet man gezielt an der Vernichtung des Euro, der beständig an Wert verliert. Das verteuert die Importe für die armen Leute, verbessert aber die Ertragslage der großen, exportierenden Firmen, deren Waren im
Ausland immer günstiger werden und deren Gewinne dank Lohndumping ins Unermessliche steigen.

Reicht das noch nicht an Zumutungen?

Nein. Wie ein aktuelles Interview nahelegt, hegen und pflegen wir in Europa immer noch „Zombiebanken ohne wirklichem Geschäftsmodell“, die jederzeit eine neue Finanzkrise auslösen könnten (siehe Spiegel).

Dafür ist Geld da.

Kein Wunder, dass Politiker von weiteren Zumutungen träumen. Die werden ganz von allein kommen, will mir scheinen – und wenn nicht, wird die Politik noch einen draufsetzen, anstatt eine realistische Wirtschaftspolitik zu betreiben.

„Deutsche Politik im aktiven Kampf gegen den Wohlfühlmodus der Bevölkerung“ – wäre auch ein schöner Titel gewesen. „Den Nutzen des Volkes zu mehren, Schaden von ihm abzuwenden“ war gestern, „nutzloses Volk auszumerzen und Schaden durch Zumutungen zu verursachen“ scheint das aktuelle Programm zu sein, das nach der aus reiner Dummheit erfolgenden Vernichtung des Euros den Ton angeben wird.

Und mit der Agenda 2050 werden dann chinesische, thailändische und malaysische Produzenten gesucht, die bei uns ihre Hemden billig nähen lassen wollen, während UN-Hilfsorganisationen die deutschen Städter vor dem Verhungern retten.

Kein Wunder, dass angesichts solcher Aussichten der platte Realismus gerade nicht angesagt ist und wir stattdessen lieber die Utopie „Schlaraffenland“ herbeiphantasieren: Optimismus ist deutlich besser für die Nerven und unterdrückt jede notwendigen Handlungsimpulse: „Wird schon alles gut gehen“.

 

 

Das Böse

Das Böse


Sonntag, 5.4.2014. Eifel. Sonntag sind immer gern gesehene Zeiten, um sich jenseits des Alltagshorrors besinnlichen Themen zu widmen, die eher aufbauen denn informieren sollen. Wem selbst nichts einfällt, geht halt in die Kirche und setzt sich mit dem dortigen Angebot auseinander – oder bleibt im Bett und verzichtet ganz auf die Besinnlichkeit. Wir brauchen sie ja auch nicht mehr – wir haben das Rundumsorglospaket des Kapitalismus frei Haus geliefert bekommen. Wer braucht schon Besinnung, wenn er konsumieren kann?

Na ja – Sonntags fällt der Konsum schwerer. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, was oft dazu führt, dass die ihrem Lebenssinn beraubten Konsumdrohnen sich selbst, ihrer Freizeit und der Sinnlosigkeit ihrer Existenz hilflos ausgeliefert sind und sehnsüchtig auf die Zeit warten, wo der Chef, die Regierung, die Wissenschaft, die Werbung und das Kaufhaus dem Leben wieder Sinn und Richtung geben. Vielleicht sollten wir den heutigen Sonntag – allein aus Gründen der Langeweile – mal wieder Themen widmen, die der Kapitalismus gerne verdrängt, übersieht, ignoriert und außen vor läßt. Ja? Sollen wir? Ich bin mal mutig und schlage … DAS BÖSE als Thema vor.

Ja – die Hälfte der Leser wendet sich jetzt ab. „Den Teufel gibt es nicht“ – so murmeln sie im Abgang.

Aber moment? Vom Teufel sprach ich gar nicht! „Teufel“ …. der geht zurück auf den vorchristlichen Pan, dessen Lüsternheit ihn der Kirche so verdächtig gemacht hat, dass sie ihn „verteufelt“ hatten. Pan selbst jedoch … ist Gestalt gewordene Natur – und nicht das personifizierte Böse. Ich merke, es wird kompliziert. Zeit, Hilfe zu suchen.

Kennen Sie Johannes Baptista Scaramelli? Jesuit, gestorben 1752. Er entwarf dereinst „Regeln zur Unterscheidung der Geister“. Wird heute noch von Mönchen gerne gelesen, die sich ihr privates Glück nicht durch wirre Gedanken stören lassen wollen. Sein Werk stellt inzwischen ein Standardwerk für geistiges Personal da, für Menschen, die sich bewusst vom Bösen abwenden wollen … an das wir nicht glauben wollen: was ja auch ein Weg ist, damit umzugehen.

Ich lese gerne mal extreme Texte aus ferner Vergangenheit, um einen alternativen Blick auf unsere Kultur zu erhalten – für diesen Zweck ist Scaramelli gut geeignet, allein, wenn ich mir schon die erste Regel anschaue:

Das erste Kennzeichen der Einwirkung des bösen Geistes auf unseren Willen sind Unruhe, Verwirrung und Trübsinn. All dies steht im direkten Gegensatz zum Frieden, den Gott verleiht. Und in der Tat: wenn der Teufel uns offen versucht, so erregt er in uns Gefühle des Hasses, des Unwillens, des Zorns und des Neides; alles trübe und unruhige Leidenschaften; oder er ruft auch in der Seele Begierden nach sinnlichen Ergötzungen, Reichtümern und Ehren hervor, welche mit ihrem blendenden Schein anlocken, aber, wenn man sie nicht hat, uns quälen und wenn man sie erlangt, uns auf tausenderlei Art beunruhigen.

(aus: Scaramelli, Regeln zur Unterscheidung der Geister, FE-Medienverlag 2011, Seite 21 – 22).

Bleiben wir bei diesen „ersten Kennzeichen“. Wir wollen ja keine Jesuiten werden, noch Scaramelli in die bundesdeutsche Verfassung schreiben. Ich möchte nur zu einem Gedankenexperiment einladen – weil Sonntag ist.

Stellen Sie sich mal vor, unsere Kultur würde ihre ganze Kraft in den Kampf gegen böse Geister stellen – nur für einen Moment.

Unruhe – wegen drohender Arbeitslosigkeit zwecks Kosteneinsparungen (aktuell: Airbus Group, 800 Stellen trotz Wachstums der Aktie im 157 % in drei Jahren, siehe ManagerMagazin)? Verwirrung – wegen polizeilichen Zwangsräumungen ohne richterlichen Beschluss (ganz aktuell: siehe TAZ)? Trübsinn – wegen „Sonntag“ (siehe Sybille Berg im Spiegel)?

Gehört abgeschafft. Sind Auswirkungen der Einflüsterungen böser Geister.

Merken Sie, wie elegant und zivilisiert diese Lösung ist? Nicht der Manager ist böse, nicht der übergriffliche Polizist, der den demokratischen Grundsatz der Gewaltenteilung ignoriert, nicht die Konsumdrohne, die an der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz verzweifelt, sondern … „böse Geister“.

Das ist uraltes Denken. Vorchristlich. Vorreligiös, könnte man sagen. „Das Böse“ besteht aus Einflüsterungen böser Geister … nicht etwa aus einem Schaden an der Seele des Menschen – oder aus grundsätzlichen Fehlprogrammierungen der Psyche.

Stellen Sie sich vor, wir würden aktiv – mit der ganzen manipulierenden Gewalt der Werbewirtschaft – die Wirkungen böser Geister anprangern und so den Menschen die Möglichkeit geben, sie zu erkennen, sich ihrem Einfluss zu entziehen! Wie sähe unsere Welt aus … ohne Hass, ohne Neid, ohne Unwillen, ohne Zorn?

Keine Unruhe.

Keine Verwirrung.

Kein Trübsinn.

Was also hält uns eigentlich davon ab, mit aller Kraft gegen „das Böse“ vorzugehen und für eine Gesellschaft zu werben, in der es Ruhe gibt, Klarheit und Glück? Geprägt von Werten der Liebe, der Toleranz, der Sympathie und der Gelassenheit?

Grund genug hätten wir dafür – denn hier, mitten im aufgeklärten Europa des 21. Jahrhundert – wütet das Böse ungehindert in großem Stil, siehe Spiegel:

Es sind erschreckende Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Frauen in Europa. Jede dritte Befragte einer EU-weiten Umfrage wurde schon einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt, jede 20. Frau berichtete von Vergewaltigung.

Nun – wir haben den Glauben an „böse Geister“, „das Böse“ und vor allem „den Teufel“ abgeschafft. Einen Feind, den man nicht sehen will, kann man nicht bekämpfen. Kämpfen wollen wir aber trotzdem – und hier sind wir dann … anders als die alten Kulturen, deren Weisheit Scaramelli nur für den katholischen Raum aufbereitet hat … völlig abgedreht, völlig unmenschlich geworden.

Schlimmer noch als die katholische Kirche, die aus einer fruchtbaren Naturgottheit ein personifiziertes Böse gemacht haben, haben wir das Böse auf die Erde geholt und aus MENSCHEN das personifizierte Böse gemacht … das wir dann mit aller Gewalt bekämpfen. Juden. Armenier. Indianer. Kurden. Hexen. Arbeitslose. Zigeuner. Frauen. Männer. Aktuell sind die Russen dran – und der Islam. Oder der Unternehmer und die Jobcentermitarbeiterin.

Die Ergebnisse lassen sich sehen: die aufgeklärten, rationalen, vernünftigen und den Idealen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verpflichteten Demokratien führen genauso brutale Massenvernichtungskriege wie die Horden der Tyrannen: ein Fest für böse Geister.

Deren Botschaft wird ja auch von den Medien in breiter Front ausgestrahlt und immer wiederholt, die ganze Werbewirtschaft erweist sich als fünfte Kolonne böser Geister und ruft gezielt Begierden hervor nach Kaffee und Urlaubsfahrten, Lottogewinnen oder Jauchs Millionen, „Wetten Das“ – Ehrungen oder „DSDS“-Sangesprämien.

Wenn es gilt, die Botschaft böser Geister zu verbreiten, stehen auf einmal alle Medien stramm. So erziehen sie das Volk zum Hass auf die, die böse sind, zum Neid auf die, die reich sind (entweder reich an Geld oder reich an Zeit), zum Zorn auf die, die sich nicht dem Reich der bösen Geister anschließen und zum Unwillen, etwas gegen diesen „Mainstrem“ zu unternehmen.

Das Ergebnis? Ein depressives, unglückliches, gewalttätiges Volk.

Was wäre wohl … wenn die Medien die Botschaft guter Geister verbreiten würden? Nur mal so aus Spaß angedacht?

Wenn wir – fern von jeder Art von Religion oder Katholizismus – die Botschaften eines Epikur über ein glückliches Leben zur Grundlage unserer Werbebotschaften machen würden, wo nicht der Genuss des Kaffees höchstes Ziel des Lebens ist … sondern die Befreiung von der Gier nach Kaffee?

Nach Scaramelli wäre das Ergebnis des Einflusses guter Geister „Liebe, Freude und Friede“ (a.a.O., Seite 14) – Epikur verspricht das Gleiche, wenn man Herr über seine Begierden wird – anstatt täglich neue zu entfachen und diesen ständig nachzulaufen.

Wie wäre es … wenn wir nicht nur das Reden über das Böse, den Teufel und die Dämonen ausrotten würden, sondern die Auswirkungen des Bösen in der menschlichen Gesellschaft angehen würden?

Nun – die „Liebe“ erklären wir zur „Sozialromantik“ und somit zu einem Ausdruck krankhaften Schwachsinns.

Die „Freude“ wird als „Schadensfreude“ gefeiert – alle gieren danach, die Demütigungen des „Dschungelcamp“ zu konsumieren.

Und der „Friede“ – gehört ebenfalls in den Bereich der Sozialromantik, Massenmord an Zivilisten wird alternativlos zu „Kollateralschaden“ erklärt, den man im Kampf gegen „DEN Bösen“ hinnehmen muss.

So etwas geschieht, wenn man den Kampf gegen „das Böse“ zum Kampf gegen „den Bösen“ macht.

Letzerer ist aber bequemer, denn der Kampf gegen „das Böse“, gegen die Einflüsterungen böser Geister, findet in einem selber statt. Hier kann man keine gedungenen Mörder ausschicken, die mit Drohnen, Bomben oder Gift dem „Teufel“ den Garaus machen und so das Gewissen beruhigen. Funktioniert ja auch nicht: das Böse bleibt – trotz aller Kollateralschäden. Es verschwindet nicht, wenn man alle „Bösen“ dieser Welt ausrottet – zumal die „edlen Retter“ den „bösen Tyrannen“, die sie so heldenhaft bekämpfen, immer ähnlicher werden … was sehr zu unserer Verwirrung in politischen und moralischen Fragen beiträgt.

Wo sind wir da nur gelandet?

Nur ein paar besinnliche Gedanken über ein nahezu ausgestorbenen Begriff, ein wenig Hilfe dazu von einem asketischen Wanderprediger – und schon haben wir eine Antwort auf die Frage, wieso eigentlich die „westliche Wertegemeinschaft“ „Lebensraum im Osten“ sucht, wieso die deutsche Verteidigungsministerin von einer neuen Ostfront und einer Neuauflage des Afrikakorps träumt.

Würden wir Scaramelli fragen – ihm wäre das völlig klar. Die bösen Geister sind außer Rand und Band, sie haben die Herrschaft über die Erde übernommen, dirigieren uns in unserem Leben inzwischen in jedem kleinsten Detail und verwandeln die Erde in ein Jammertal. Das natürliche Immunsystem der menschlichen Gesellschaft versagt im Kampf gegen diese „Viren“ vollkommen – trotz Aufklärung, Demokratie und Erklärung der allgemeinen Menschenrechte.

Der Grund ist einfach: die Bedrohung wird nicht mehr als solche erkannt: Grundlage für das Versagen eines jeden Immunsystems. „Das Böse“ gibt es nicht – das ist jedem klar. Über so etwas redet man auch nicht.

Das wir aber „den Bösen“ aufhalten müssen – auch mit aller Gewalt ohne Rücksicht auf die Folgen: das erleben wir gerade am Beispiel Putin, der gerade in den Medien den Arbeitslosen als Urbild des Bösen ersetzt. Ist wie eine Autoimmunerkrankung, die sich gegen die eigenen Zellen richtet, anstatt gegen die Viren, die diese Zellen besetzen wollen.

Das geht auch politisch immer weiter, Sie akzeptieren das, ohne zu merken, was geschieht: schon längst sind Sie als Bürger selbst zum „Bösen“ geworden, Sie zahlen sogar Steuern dafür, dass Sie sich selbst bekämpfen lassen dürfen. Völlig ohne jeden Protest akzeptieren wir, dass „Riot-Control“ (also: Aufstandsbekämpfung) zu unserem Alltag gehört und bei jeder Demonstration zum Einsatz kommt – wie aktuell bei der Demonstration gegen die Sparpolitik (Scaramelli würde hier vielleicht von der gewollten Herrschaft des Hungers reden, eines ziemlich großen bösen Dämons, ja, sogar einer der apokalyptischen Reiter) in Brüssel, die von vielen Medien ignoriert wurde (siehe Russia Today).

Wie wäre es, wenn wir – nur mal zum Spaß angedacht – uns mit Scaramelli in jene Situation begeben würden und mit Polizisten und Demonstranten über böse Geister reden, die ihneneinflüstern, das Böse im jeweils anderen Menschen zu sehen …. anstatt in dem ihn bedrängenden Geistern? Wenn wir gegen den Hass, den Zorn, den Neid und den Unwillen selbst vorgehen würden anstatt jene Menschen zu schlagen (oder töten), die wir für unsere Gefühle ursächlich verantwortlich machen?

Die Welt wäre sofort friedlicher.

Ist aber schlecht fürs Geschäft.

Na ja – es ist halt Sonntag. Da darf man so etwas denken. Geschäfte haben zu.

Morgen ist wieder Montag, da haben die Geschäfte wieder auf und helfen uns, jene Begierden zu stillen, die wir ohne Werbung gar nicht hätten. Morgen können wir wieder in der sicheren Gewissheit leben, dass Boshaftigkeit alternativlos zum menschlichen Verhalten dazugehört … obwohl schon ein Blick in die Geschichte reichen würde, um zu erkennen, dass es gar nicht so alternativlos ist.

Man findet sogar Menschen, die gezielt gegen das Böse vorgehen wollen – etwas, das unserer Kultur einfach nur als krank bewertet, während wie Aufstandbekämpfung, Kollateralschäden oder politisch gewollten Hunger als völlig normal und gut akzeptieren und völlig vergessen haben, dass auch uns Meinungsfreiheit, der Schutz der Zivilbevölkerung und die sozialen Menschenrechte viel Wert sein sollten.

 

 

 

 

 

 

 

 

NSU ist toll!

Mittwoch, 19. Juni 2013. Eifel. Und Deutschland. Letzteres ist ein ganz besonderes Land - wir reden allerdings nicht gerne darüber. Ist uns irgendwie ein bischen peinlich. So etwas wie Nationalstolz wollen wir öffentlich gar nicht mehr entwickeln, es sei denn beim Fußball, wo wir regional uralte Stammeskulturen und Hordenstrukturen wiederbelebt haben. Über das Wesen dieses Landes erzählen die deutschen Moore eindrucksvolle Geschichten: sie sind voll mit Leichen von Männern, Frauen und Kindern, gefesselt, erdrosselt, erstochen, manche ohne Kopf - der Deutsche hat sich abreagiert. Tacitus zufolge war dies der Umgang mit Kampfscheuen, Feiglinge und Unzüchtigen - letztere waren wahrscheinlich schwul, auch heute noch ein Riesenproblem in Germanien, vor allem bei den Mitläufern der Stammeskulturen (zu den Germanen siehe: Arnulf Krause, Die Geschichte der Germanen, Seite 128 ff). Feige, schwule, kampfscheue Kinder und Frauen gehören auch einfach hingerichtet - ich glaube, da wird auch heutzutage nicht mehr groß diskutiert.

Mittwoch, 19. Juni 2013. Eifel. Und Deutschland. Letzteres ist ein ganz besonderes Land – wir reden allerdings nicht gerne darüber. Ist uns irgendwie ein bischen peinlich. So etwas wie Nationalstolz wollen wir öffentlich gar nicht mehr entwickeln, es sei denn beim Fußball, wo wir regional uralte Stammeskulturen und Hordenstrukturen wiederbelebt haben. Über das Wesen dieses Landes erzählen die deutschen Moore eindrucksvolle Geschichten: sie sind voll mit Leichen von Männern, Frauen und Kindern, gefesselt, erdrosselt, erstochen, manche ohne Kopf – der Deutsche hat sich abreagiert. Tacitus zufolge war dies der Umgang mit Kampfscheuen, Feiglingen und Unzüchtigen – letztere waren wahrscheinlich schwul, auch heute noch ein Riesenproblem in Germanien, vor allem bei den Mitläufern der Stammeskulturen (zu den Germanen siehe: Arnulf Krause, Die Geschichte der Germanen, Seite 128 ff). Feige, schwule, kampfscheue Kinder und Frauen gehören auch einfach hingerichtet – ich glaube, da wird auch heutzutage nicht mehr groß diskutiert.

Auch im Mittelalter zeigte sich der Deutsche von seiner besten Seite – hier waren die Hexen und Zauberer dran, vor allem aber die Frauen. Es gibt viele Legenden über die Hexenverbrennungen in Deutschland: den Anwälten versprach die Vernichtungsmaschine ein gutes Einkommen, den Ärzten schuf sie Konkurrenz aus dem Weg, manch ein neidischer Nachbar konnte sich so ein zusätzliches Stück Land ergattert und vor allem konnte die eigene Frau die hübsche Nachbarin so bequem entsorgen. Gerne schob man das später der Kirche in die Schuhe, dabei hatte die Kirche schon 500 Jahre zuvor im canon episkopi jeglichen Budenzauber für Einbildung erklärt. So fand der Hexenhammer nie Einlass ins kirchliche oder weltliche Recht, es blieb eine kleine Sarrazinade am Rande, die einem vielfach gescheitertem Mönch ein kleines Einkommen bescherte.  Triebkraft des Hexenwahns war aber – der einfache Deutsche vor Ort, der den ganzen Tag nichts Besseres zu tun hatte, als seine Mitmenschen wegen Hexerei anzuklagen – ohne wirklich zu verstehen, was das eigentlich ist.

Später nun – Hexen und Zauberer waren alle – kamen die Juden dran. Millionen von ihnen. Nach altgermanischer Tradition warf man auch ihnen Zauberwerk vor, ihre Vernichtung wurde aber mit typisch preußischer Effizienz in großen Industrieanlagen vollzogen und nicht auf dem freien Feld.

Wieder später – Juden waren alle – konzentrierte man sich auf langhaarige Studenten, die man leider nicht so in Serie erschießen konnte, wie man gerne wollte – die Siegermächte waren noch sehr präsent in Deutschland.

Langhaarige Studenten waren auch bald alle, deshalb mussten neue Ziele her. Immer noch eingebunden in jene Konventionen, welche die westlichen Siegermächte dem Westen Deutschlands als Grundgesetz übergestülpt hatten, konnten sie nicht ganz so mit ihren neuen Opfern verfahren wie die alten Germanen mit den Schwulen, aber man konnte neue Genozide und Meuchelmorde zumindest schon einmal vorbereiten. Ausländer waren die neuen Opfer. Gerne wollte man sie so richtig schön bei lebendigem Leibe verbrennen – schon immer ein Mordsgaudi für den ganzen Stamm – doch das verbot das Grundgesetz der Siegermächte. Ein paar Versuche in diese Richtung sind jedoch lokal gelungen, das eine oder andere Heim wurde angezündet, auch wurden gerne ganze Familien in ihren Häusern verbrannt – der Deutsche war wieder so richtig in seinem Element.

Aber natürlich ist der Deutsche nicht froh, wenn er nicht auch gleichzeitig ein paar aus seinen eigenen Reihen aussondern kann. Als klar wurde, dass aus der großen nationalen Ausländerhatz nichts wurde (auch weil Türken wehrhafter waren als Juden), wählte man den Arbeitslosen als Unhold aus, der ins Moor gehörte, wo auch schon die anderen Feiglinge, Kampfscheuen und Unzüchtigen waren.

Man dachte nun: das kann doch nicht wahr sein. Dieses Volk, dass in Musik und Philosophie einsame Weltspitze ist, kann doch nicht zum überwiegenden Teil nur aus hirnlosen Barbaren bestehen?

Leider leider leider scheint dies aber doch der Fall zu sein. Hören wir die Erlebnisse einer Frau, die keine Hexe ist, keine Jüdin, keine Ausländerin und keine Arbeitslose, Erlebnisse, die ganz aktuell sind:

Ich selber habe erlebt, wie Menschen um den Wagen herumschleichen und immer auf den Schriftzug zeigen, mit dem Kopf schütteln und davor spucken. War leider nicht schnell genug da, um denen meine Meinung zu geigen. 

Neulich stand ich an einer Ampel und ein kleiner Trupp Männer überquerte die Strasse. Erst mal war es ‚Ohhh, blonde Frauen im alten, goldenen Wagen. Dann auf Höhe der Stossstange fiel der Blick aufs Emblem. Ich war froh, dass es tagsüber war, wir 2 Frauen waren und noch kein Platz für Alkohol gab. So bösen und finster bin ich in meinem ganzen Leben noch nie angeschaut worden. 

Einem Clubkameraden haben se angepöbelt, weil sein Hund NSU Biene am Geschirr eingenäht hat. Ein andere wurde wegen einer Kappi aus einem Restaurant geschmissen. 

Letztes Jahr war das internationale NSU Treffen in Neckaraulm. Ein Motorradclub hat auf dem Weg dorthin in einem Hotel übernachtet, Grill und Clubstand aufgebaut. Ende vom Lied war ein riesiges Polizeiaufgebot.

Was war geschehen?

Nun – jahrelang waren – vom Verfassungsschutz erkannt aber unbehelligt – junge Deutsche losgezogen und hatten das Ausländerproblem auf germanische Art erledigt: sie haben sie reihenweise erschossen. Niemand in Deutschland kam auf die Idee, diese Morde in einen Zusammenhang zu bringen. So etwas gilt auch schnell als  „Verschwörungstheorie“ (ein anderes Wort für kriminalistische Arbeit) und „Verschwörungstheorien“ sind in diesem Land extrem verpönt, die Verschwörer bestehen hier mit Nachdruck darauf, ungestört arbeiten zu können.

Natürlich haben diese Deutschen ihre Fans, ganze Unterstützergruppen sogar – mutmaßlich aus Treue der alten germanischen Kameradschaft gegenüber auch bei Polizei und Verfassungsschutz – ABER: diese Fans haben keine Fan-Kappen, keine Annäher, keine eigene Auto- oder Motorradmarke!

Dem Deutschen – so scheint´s – ist dies jedoch egal, er macht weiter wie eh und je, Hauptsache: Menschenjagd und Opfer bringen.

Zwar ist er stolz auf seine Automobilgeschichte, doch wie üblich hat der durchschnittliche Stammestölpel keine Ahnung von der Materie, es wäre ihm wahrscheinlich auch egal. Wer hat schon geprüft, ob Hexen wirklich auf Besen reiten konnten? Ob Juden wirklich Babyfleisch aßen? Ob langhaarige Studenten wirklich alles Kommunisten waren, Ausländer böse Invasoren oder Arbeitslose biertrinkende TV-Dauerglotzer?

Natürlich wird ein IT-Ingenieur, ein Rechtsanwalt, ein Schauspieler oder ein angestellter Lehrer nicht gleich vollkommen asozial, nur weil er gekündigt wurde – aber was interessiert das den Deutschen? Ständig auf der Suche nach neuen Beutetieren streift er durchs Land – und hat endlich wieder eins gefunden:

den NSU-Fahrer.

NSU ist eine 1873 gegründete deutsche Automobil- und Motorradfabrik, die in den fünfziger Jahren sogar der erfolgreichste Motorradhersteller der ganzen Welt war. Sie brachte uns unseren eigenen kleinen Prinzen, in dem wir König sein durften – oder den legendären RO 80 mit Wankelmotor, ein Spitzenprodukt deutscher Ingenieurskunst. Schon ab 1901 produzierte das Unternehmen (das sein Namenskürzel aus „Neckarsulm“ ableitete – siehe Wikipedia) Motorräder.

Es gibt Menschen, die aus reiner Nostalgie („Sozialromantik“ würde man das heute nennen) diese alten Schätzchen pflegen … und auf einmal ganz unvorbereitet auf das wahre Wesen des Deutschen stoßen.

Die oben geschilderten Erlebnisse sind keine Einzelfälle. Die Quelle bleibt wie üblich geheim – immerhin handelt es sich um einen bekennenden NSU-Fan.

Der NDR bestätigt diese Erfahrungen – schlimm, dass sogar die Polizei darauf hereinfällt:

Bei Jens Rüter aus Bad Iburg zum Beispiel stand eines Tages die Polizei vor der Tür, weil er eine NSU-Fahne gehisst hatte. Irgendjemand hatte die Beamten alarmiert. Auch die Fan-Tasse lässt Rüter mittlerweile lieber Zuhause und nimmt sie nicht mit zur Arbeit. Christa Temme aus Hilter trägt ihr T-Shirt zumindest nicht mehr allein in der Öffentlichkeit. Darauf steht „NSU Freunde Bramsche“.

Es bleibt aber nicht nur bei harmlosen Erlebnissen. Hören wir noch mal, was unser Zeuge zu berichten hat:

In Süddeutschland wurde wohl ein Ro auch schon abgefackelt. 
Die Menschen haben Angst vor uns Oldtimerfahren und das nur, weil die Presse das Kürzel so in den Dreck gezogen hat. Audi bat darum, das Thema klein zu halten, das würde sich schon wieder beruhigen. Hat aber selbst bei Audi Tradition alles von NSU verbannt.

Klein halten möchte das auch der NDR. Ist ja keine große Sache in Deutschland, wenn einem das Auto abgefackelt wird, man aus Restaurants fliegt und nur noch mit Angst durch die Straßen gehen kann.

Es ist aber nicht nur ein norddeutsches Problem. Schön wäre es, denn dann könnte man sage: prima, die Fischköppe waren sowieso schon immer etwas seltsam.

Hören wie die Süddeutsche Zeitung dazu:

Mit dem NSU-Wappen versehene schwarze Kappen werden von den Clubmitgliedern nicht mehr getragen. Einer gibt zu: „Ich parke meinen NSU Prinz nicht mehr unbeaufsichtigt auf der Straße.“ Bedrückt registrieren Clubfreunde, dass Nürnberg an städtischen Fahrzeugen das Kfz-Kennzeichen N – SU ändern lässt und Zulassungsstellen die Buchstabenkombination nicht mehr ausgeben.

Ist das nun zu „antideutsch“ gesehen?

Ich fürchte nicht. Als Deutscher, der hier schon über fünfzig Jahre lebt, Land, Sprache und Leute liebt, kann ich keinen anderen kleinen gemeinsamen Nenner finden als: die sind so, die Germanen. Es gibt da wohl irgendeinen genetischen Defekt, gegen den die meisten nicht mehr Kraft ihres Verstandes vorgehen und ihn im Zaum halten können, der den Urdeutschen dazu anhält, dass Andere, das Fremdartige, das „Böse“ zu vernichten, seien es nun friedliebende Hippies, harmlose Juden oder unschuldige Arbeitslose.

Das hört ja auch heute nicht auf: Juden nennt man heute „Zionisten“ und wünscht sich die Auslöschung Israels mit der gleichen unkritischen Begeisterung, wie man früher deren Läden in der Nachbarschaft geplündert hat, gegen Arbeitslose wird mit Begriffen gewettert, die original im „Stürmer“, dem Kampfblatt der NSDAP zu finden sind und das Ausländer trotz Gyros, Kebab und Pizza unser Untergang sind, gilt inzwischen als gesichert.

Das seltsame Benehmen hat auch nichts mit „rechts“ oder „links“ zu tun – der nationalsozialistische Untergrund ist ja wohl eindeutig rechts … es sind also die linken Hexenjäger, die sich hier unkritisch und hemmungslos blöde an Oldtimerfans abarbeiten.

Vielleicht kann mir aber jemand helfen – vielleicht irre ich mich ja und es gibt einen guten Grund, weshalb wir die Firma NSU (und all´ die ähnlichen Autokennzeichen) jetzt völlig aus unserem Leben verbannen müssen … während gleichzeitig allgemeine linke Kritik an Israel völlig unkritisch komplette NPD-Positionen übernimmt (siehe Publikative.org).

Mir fällt nur einer ein: die gute alte germanische Menschenopfertradition, die Rohmaterial braucht.

Wer nun denkt, dass alles sei allenfalls skuril, dem sei gesagt: dieses historische Bild vom Deutschen ist in den Köpfen vieler gebildeter Deutscher und vieler ausländischer Beobachter, die deshalb den massenhaften Zuzug ausländischer Mitmenschen sehr begrüßen und in die Tat umsetzen – in der Hoffnung, so ein neues organisiertes Auferstehen des deutschen Ungeistes feiern zu können.

Vielleicht haben sie ja recht – mir jedenfalls gibt diese NSU-Posse sehr zu denken … wie man sieht.

 


 

 

Die Wahrheit und die Medienwelt: über die heimliche Desintegration des deutschen Mittelstandes

Montag, 10. Dezember 2012. Eifel. Wie haben wir eigentlich davon erfahren, das es in Deutschland eine geheime Allianz zwischen Regierung und sämtlichen Medien gibt? Durch Zufall. Jakob Augstein schrieb einen Artikel über die Zukunft des Journalismus in Deutschland und erwähnte - quasi nebenbei - das seit Oktober 2008 eine geheime Allianz zwischen Regierung und den führenden Medien besteht, die im Grunde besagt: das Deutsche Volk sei von der Wirklichkeit fern zu halten.  Das geschieht seitdem Tag für Tag - auch in der Eifel. Lokalblätter legen ihre politischen Artikel regelmäßig dem Bürgermeister zur Genehmigung vor, ohne sich etwas dabei zu denken - habe ich jetzt aktuell erfahren. Da geht sie hin, unsere gute alte Demokratie. Wie haben wir eigentlich von dem wirklichen Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Deutschland erfahren? Durch Zufall. Alan Posener schrieb in der Welt einen Artikel über Beamte, einer der Beamten - überzeugter Christ - erwähnte nebenbei eine Nebenwirkung des "perversen Systems": schon 42 Millionen Deutsche sind erfasst. Bei 40 Millionen arbeitender Menschen eine überzeugende Zahl - für die sich niemand weiter interessiert, weil das von Augstein beschriebene Bündnis wirkt: die gesamte Medienwelt ist zum Regierungsfunk verkommen. Beunruhigt das niemanden, das Wahrheit und Medienwelt immer weiter auseinanderdriften? Schnell stellt sich die Frage: wozu noch Medien?

Montag, 10. Dezember 2012. Eifel. Wie haben wir eigentlich davon erfahren, das es in Deutschland eine geheime Allianz zwischen Regierung und sämtlichen Medien gibt? Durch Zufall. Jakob Augstein schrieb einen Artikel über die Zukunft des Journalismus in Deutschland und erwähnte – quasi nebenbei – das seit Oktober 2008 eine geheime Allianz zwischen Regierung und den führenden Medien besteht, die im Grunde besagt: das Deutsche Volk sei von der Wirklichkeit fern zu halten.  Das geschieht seitdem Tag für Tag – auch in der Eifel. Lokalblätter legen ihre politischen Artikel regelmäßig dem Bürgermeister zur Genehmigung vor, ohne sich etwas dabei zu denken – habe ich jetzt aktuell erfahren. Da geht sie hin, unsere gute alte Demokratie. Wie haben wir eigentlich von dem wirklichen Ausmaß der Arbeitslosigkeit in Deutschland erfahren? Durch Zufall. Alan Posener schrieb in der Welt einen Artikel über Beamte, einer der Beamten – überzeugter Christ – erwähnte nebenbei eine Nebenwirkung des „perversen Systems“: schon 42 Millionen Deutsche sind erfasst. Bei 40 Millionen arbeitender Menschen eine überzeugende Zahl – für die sich niemand weiter interessiert, weil das von Augstein beschriebene Bündnis wirkt: die gesamte Medienwelt ist zum Regierungsfunk verkommen. Beunruhigt das niemanden, das Wahrheit und Medienwelt immer weiter auseinanderdriften? Schnell stellt sich die Frage: wozu noch Medien?

Die Antwort kommt zum Beispiel von Steffen Grimberg von der TAZ:

Denn vor allem die Regionalpresse teilt schon jetzt das Schicksal der deutschen Brauereien: Immer mehr Journalismus kommt aus ein und demselben Redaktionskessel. Wie im Biermarkt wird am Ende die angebliche Angebotsvielfalt durch individuelle Etikettierung sichergestellt. Die Zahl der deutschen Zeitungstitel bleibt dabei mehr oder minder stabil. Die publizistische Vielfalt ist dagegen in den vergangenen dramatisch geschwunden.

Als Lösung des Problems empfiehlt Grimberg den Bezahljournalismus, der von der TAZ jetzt systematisch praktiziert wird: wer auf die Seite will, muss erstmal an einer PayWall vorbei: Wahrheit will bezahlt werden. Wer will aber schon für eine Wahrheit bezahlen, die von der Regierung willkürlich festgelegt wird? Wer will schon überhaupt für eine Wahrheit bezahlen? Wir kennen sie doch: Geld regiert die Welt – zum Beispiel in Griechenland, siehe Welt:

In keinem Land Europas ist die Korruption nach Einschätzung von Transparency International so verbreitet wie in Griechenland. Mit nur 36 von 100 möglichen Punkten bildet das hochverschuldete Land laut Korruptionsindex für das Jahr 2012 das Schlusslicht in Europa.

Die Folgen der Korruption sind klar erkennbar: die Mittelschicht in Griechenland löst sich auf – siehe Handelsblatt:

Tausende Griechen wie Karagaitanaki erfahren zurzeit, wie sich die Mittelklasse in ihrem Land auflöst. Lehrer, deren Gehalt um ein Drittel gesenkt wurde, stehlen Strom. In früher stabilen Stadtteilen steigt die Kriminalität und Familien haben Angst, mit ihren Kindern in den Park zu gehen.

Während wir in Deutschland noch von einem bedingungslosen Grundeinkommen träumen, hat in Griechenland die Desintegration des europäischen Mittelstandes begonnen.  Anhand des Beispiels von Frau Karagaitanaki erfahren wir auch, wie schnell das geht:

Als die frühere Café-Besitzerin Karagaitanaki ihren Laden eröffnete, betrug die Miete 400 Drachmen im Monat. Bis 2010 schnellte sie auf 3000 Euro hoch, zudem vervierfachten sich die Steuern und Nebenkosten allein seit 2000. Als Konsequenz musste sie die Preise anheben, woraufhin die Kunden wegblieben. Das Fass wurde zum Überlaufen gebracht, als ihr Vermieter erneut die Miete anhob und für einen 12-Jahres-Vertrag zusätzliche 40.000 Euro verlangte. Sie schloss das Café im Jahr 2010.

Man muss schon etwas länger suchen, um Informationen darüber zu finden, wie ein Nato-Staat vernichtet wird, ohne das die Bündnisgemeinschaft eingreift. Warum auch nicht: die Allianz zwischen Regierung und Medien trägt auch hier ihre Früchte. „Scharf-links“ gehört dieser Allianz wohl noch nicht an:

Der Kollege berichtete, daß sie mit einer entlassenen Oberschwester zur Apotheke„einkaufen“ gingen und diese ihnen berichtete, dass sie noch vor 2 Jahren niemals geglaubt hätte, dass sie mitten in Europa mit gesammelten Spendengeldern Medikamente für todkranke Menschen besorgen müsste.

Er berichtete auch von einem ehemaligen Berliner Busfahrer, der noch vor zwei Jahren in Berlin ca.2000 Euro verdient hätte und nun die gleiche Arbeit unter schlechteren Bedingungen in Athen für 480 Euro verrichtet, wovon er auch noch Steuern abzuführen hätte. 

Nachdenklich meinte der Referent, dass sie auf ihrer Reise viele griechische Gewerkschaftskollegen vor Ort kennengelernt hätten, die noch unter Schockwirkung standen. Die griechischen Kollegen schilderten ihre Lage und wunderten sich selbst darüber, wie in nur drei Jahren mitten in Europa derartige Zustände möglich wurden.

Schon längst müssten alle Journalisten den Aufstand proben, hier geschieht nichts weiter als die Etablierung der Agenda 2010 auf europäischer Ebene: mit Griechenland wird ein neuer europäischer Niedriglohnsektor geschaffen, der neue Maßstäbe für den europäischen Wirtschaftsraum setzen wird. Die Schlacht um Griechenland wird zum Angelpunkt einer Bewegung, die den gesamten europäischen Mittelstand binnen weniger Jahre aushebeln soll.

Wie bitte? Das gibt es nicht in Deutschland? Nur, weil wir es nicht erfahren, dafür sorgt Merkels Pakt mit den Chefredakteuren. Schaut man genauer hin, so haben wir schon lange eine Bewegung hin zu griechischen Verhältnissen. Schauen wir, was uns Kontraste vor zwei Jahren über Aushilfslehrer in Berlin berichtet hat:

Mit Nach -und Vorbereitung des Unterrichts arbeitet sie weit mehr als 20 Stunden in der Woche. Für sie ist es faktisch ein Halbtagsjob. Lohn erhält sie aber nur für die neun Stunden Unterricht. Dafür zahlt ihr der Staat gerade mal 600 Euro brutto im Monat.

Da haben wir eine jener 42 Millionen Jobcenterkunden, die in keiner Statistik auftauchen – und sie soll unsere Kinder zu Leistungsträgern erziehen? Quatsch – in politischen Kreisen weiß man schon längst, dass niemand mehr unsere Kinder braucht. Man braucht unser Geld – aktuell wieder einmal eine halbe Billion für die Bankenwelt (siehe Welt). Man gewöhnt sich schnell an solche Zahlen, oder? Man gewöhnt sich auch schnell an solche Horrormeldungen, wie sie Monitor vor einem Monat brachte:

Doch von einem Tag auf den anderen wurde alles anders. Da ging es um ihr Geld, Geld von Versicherten – und vor allem um ihr Zuhause. Die Bewohner bekamen Post vom Betreiber, der BonneVie Dottendorf GmbH. Die Miete des Heims sei teuer. Allen Bewohnern wurde der Umzug nahegelegt. Es herrschte Zeitdruck. Alte Menschen verschieben wie Lagerware?

Der Betreiber BonneVie Dottendorf habe über Monate keine Miete für das Haus bezahlt, erzählt man uns. Jetzt gab es eine Räumungsklage. BonneVie begann, das Haus zu räumen.

Schlecht bezahlte Lehrer, obdachlose Alte: Szenen einer sterbenden Gesellschaft – mitten in Deutschland. Es erwischt auch gehobene Schichten wie den Wirtschaftsanwalt Hans Scharpf, der einen klaren Blick für die Machtverhältnisse in Deutschland hat, siehe Geolitico:

„In meinen Augen sind die Banken Räuber“, sagt er. Sie würden den Staat erpressen. Er spricht von „Politik in den Fängen wirtschaftskrimineller Netze“ und fragt: „Was leisten die Banken eigentlich, dass sie soviel Geld von uns wollen?“ Gemeint sind Zins und Zinseszins. Mit letzterem steigen Vermögen oder Schulden nämlich gar exponentiell.

Das diese Entwicklung noch viel weniger finanzierbar ist als ein bedingungslose Grundeinkommen, dürfte auch jedem Menschen ohne Taschenrechner klar sein – aber wir reden nicht darüber.

„Ich verrate Ihnen jetzt mal etwas“, sagt Scharpf. Seine Augen funkeln, und es ist unzweifelhaft klar, dass er nun so etwas wie das unappetitliche Ergebnis einer schwierigen Obduktion auftischt. „Das ganze Bankwesen ist ein großer Betrug. Banken schaffen Geld aus dem Nichts. Sie geben es an ihre Kunden weiter und lassen sich das Nichts mit Zins und Zinseszins bezahlen“, sagt er. Das könne er nicht länger akzeptieren, weder für sich selbst, noch als Verteidiger des Rechtsstaates.

Das Schiff Europa gleicht Titanic – die deutschen 1.Klasse-Passagieren glauben aber noch, sie könnten dem Untergang entgehen, wenn sie nur ihre eigene Tür fest geschlossen halten oder möglichst hoch klettern, dabei ist jedem klar: Griechenland war nur das erste Finanzleck, dem schnell weitere folgten: langsam aber sicher versinkt der ganze Kontinent in einem unbeherrschbaren Schuldensumpf. Die deutsche Politik reagiert darauf bemerkenswert und stemmt sich mit aller Kraft gegen … neue Antikorruptionsgesetze für deutsche Abgeordnete, siehe Welt:

Für Bestechlichkeit werden Beamte hart bestraft, aber bislang sind alle Anläufe gescheitert, den Straftatbestand auf Abgeordnete auszuweiten. Die Volksvertreter wehren sich gegen eine solche Änderung des Strafgesetzbuchs mit dem Argument, in der Ausübung ihres Mandats beeinträchtigt zu werden.

Augenscheinlich stören Antikorruptionsgesetze schon heute die Ausübung des Bundestagsmandates – ein interessanter Aspekt, auf den ich von alleine gar nicht gekommen wäre.

„Wirtschaftskriminelle Netze“ schützen sich erfolgreich gegen eine Beeinträchtigung ihrer erfolgreichen Geschäftsstrategien – und forcieren so den Untergang des Kontinentes.

Natürlich trifft es inzwischen auch die reichen Deutschen und nicht nur die 42 Millionen Jobcenterkunden, über die nicht mehr gesprochen wird, weil sie mit viel Geld und ganz ausgefeilten statistischen Tricks unsichtbar gemacht worden sind. Man hört zwar schon das Plätschern der See im griechischen Quartier, glaubt aber noch dem Pressesprecher des Kapitäns, das dort Badetag ist. Währenddessen ist schon klar, das in Zukunft auch deutschen Millionären das Wasser bis zum Hals stehen wird, siehe Spiegel:

Die Deutschen sparen sich zu Tode – und bekommen immer weniger dafür. Wenn jemand selbständig ist und eine Million Euro fürs Alter zurückgelegt hat, dann hat er bisher gedacht, er bekommt vier Prozent Zinsen darauf, also 40.000 Euro im Jahr. Jetzt stellt er fest: In zehn Jahren sind es vielleicht nur noch 15.000 Euro. Und was macht er? Er spart noch mehr. Das ist ein Teufelskreis.

Und damit steht dieser eine Millionär nicht alleine da. Denken wir weiter: nehmen wir an, er schafft es, drei Millionen Euro an die Seite zu legen: damit hätte er dann 45 ooo Euro. Immer noch viel zu wenig, um den Altenheimplatz zu finanzieren, vor allem, weil an diesem Platz auch ganz viele Leute Geld saugen wollen, um sich selbst vor dem Schicksal jener Insassen zu schützen, die sie aktuell mangels Finanzmasse aus dem Heim verjagen.

Nicht vergessen: wir reden hier über das Schicksal von Menschen, die einen Gewinn von 3 Millionen Euro angesammelt haben. Über das Schicksal, das den 42 Millionen Jobcenterkunden droht, wollen wir gar nicht spekulieren. Wir brauchen auch gar nicht darüber zu spekulieren, wie wissen schon, das wir in Zukunft in Deutschland für sie wo wenig Platz haben werden wie die Griechen für heute für ihre Bevölkerung.

Schon heute ist klar, das der gesamte deutsche Mittelstand überhaupt keine Zukunft mehr hat. Sie ist schlichtweg nicht zu bezahlen. Selbst Multimillionäre kommen schon ins Schleudern, wenn sie versuchen, ihre eigene Altersversorgung zu sichern und machen die gleiche Erfahrung wie die Nobelpassagiere der Titanic vor hundert Jahren: es erwischt zwar die griechische Klasse zuerst – aber das schützt meine Nobelsuite nicht vor dem Untergang.

Zu drastisch, diese Vision?

Natürlich: deshalb gibt es doch diese Allianz zwischen Politik und Medienwelt. Wir empfinden solche Wirklichkeiten als drastisch, weil man uns mit „Infotainment“ rund um die Uhr einlullt, damit wir Nachrichten wie diese hier gar nicht mehr verstehen können, siehe Spiegel:

Der Metallkonzern Alcoa und der französische Einzelhändler PPR ziehen sich aus Südeuropa zurück – ohne Pläne zu haben, noch einmal zurückzukehren. Sie alle stehen für den Exodus der Unternehmen, der genau das Kapital, die Innovation und die Führungspersönlichkeiten abzieht, die Südeuropa dringend braucht, um Schuldenkrise und Rezession zu überwinden.

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff – und zwar endgültig.  Wenn die gehen, kann man davon ausgehen, das der Wirtschaftsstandort wirklich tot ist – und wir sehen, wozu wir noch Medien brauchen: um den Untergang so lange wir möglich zu verschleiern.

Die Bürger Deutschlands und Europas müssen so lange beschäftigt werden, bis die findigen und kundigen Wirtschaftskriminellen ihre Beute in ihren Rettungsboote auf den Bahamas verstaut haben.

Wer da noch glaubt, ein bedingungsloses Grundeinkommen – die Rettungsweste des kleinen Mannes – sei die Lösung aller Probleme, hat schon den Untergang akzeptiert, ohne allerdings  zu realisieren, das man auch mit Weste in den eiskalten Gewässern der Globalisierung nicht lange überleben kann. Das Grundeinkommen von 1000 Euro wird mit Sicherheit kommen – und wenn es da ist, wird man von uns wie von Frau Karagaitanaki 40 000 Euro Miete verlangen – zusätzlich zu dem, was wir sonst schon bezahlen. Ebenso werden die Preise für Strom und Lebensmittel steigen, dafür sorgt aktuell die Lobby der Finanzindustrie in Brüssel, siehe Foodwatch:

Heute berichte ich Ihnen aus Brüssel, wo ich gemeinsam mit zahlreichen anderen Organisationen versuche, die Verhandlungen zur Regulierung der Rohstoffbörsen zu beeinflussen. Leider muss ich erkennen:Noch immer stellt sich die übermächtige Finanzlobby der Regulierung des unmoralischen Zockens und Spekulierens uneinsichtig entgegen – als ob es die große Finanzkrise 2008, die uns alle an den Rand einer wirtschaftlichen Katastrophe brachte, als ob es die hochheiligen Versprechen der Banker, sich zu ändern und als ob es die Schwüre der Politiker, ein solches Desaster in Zukunft zu verhindern, nicht gegeben hätte.

Und die Finanzlobby wird – dank der Zineszinsautomatik – von Jahr zu Jahr stärker, während wir Bürger im gleichen Maße schwächer werden: mit jedem Euro für die Griechenlandrettung stärken wir jene Kräfte, die das Problem Griechenland überhaupt erst ins Leben gerufen haben.

Ist es nun verständlich, weshalb die Allianz zwischen Regierung und Medien alternativlos ist?

Es geht um die Plätze  in den Rettungsbooten. Je später wir erfahren, das das Schiff sinkt, umso mehr können sich besser informierte Mitwisser bequem aus dem Staub machen. Wir werden dann auch erleben, wohin uns der Bezahljournalismus führt: die Wahrheit wird dann sehr sehr teuer werden – die Wahrheit über den Untergang wird schlichtweg Summen kosten, die sich so schnell kein Normalbürger mehr leisten kann.

Aber das ist eigentlich schon heute so.

Ist der Untergang aber wirklich so unvermeidlich wie der der Titanic?

Ich denke – überhaupt nicht, wenn wir als Gesellschaft schnell genug handeln.

Dann stopfen wir das Leck, pumpen das Wasser heraus, lassen die Lumpen mit ihren Rettungsbooten im Eismeer treiben und sorgen dafür, das wir einen NEW DEAL bekommen:

Mit der massiven Interventionspolitik des Staates in fast allen Gesellschaftsbereichen gab der New Deal einer entmutigten, verunsicherten und richtungslosen Nation neue Hoffnung. Anders als im Deutschen Reich und in vielen anderen Ländern konnte die Demokratie in den Vereinigten Staaten durch die Phase der Weltwirtschaftskrise hindurch bewahrt werden. Die Marktwirtschaft wurde gerettet, indem vor allem durch Regulierung des Bankensystems und des Wertpapierhandels eine stabilere Wirtschaftsordnung geschaffen wurde.

Damit haben wir schon das Motto, das die partei-, klassen- und politikübergreifende Bewegung einen kann: New Deal.

Und damit sind wir noch nicht mal antiamerikanisch.

Jetzt brauchen wir nur noch die Medien dazu – und die Reise Europas kann doch noch weitergehen.

 

 

Adolf Hitler lebt und erobert die Welt … mit Arbeitslosen.

Montag, 5.November 2012. Kurz vor dem Ende der Welt - wenn man dem Maya-Kalender trauen darf. Bald kommen tausende von UFO´s und klauen unser Gold, die Zeit hört auf zu existieren oder alle Menschen werden weise. Das ist auch gut so. Wir sollten uns beeilen mit dem Weltende, denn wenn wir das nicht tun, werden wir ein Stück Geschichte wiederholen, das zu den widerwärtigsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte gehört. Doch zuerst ein Frage: kennt jemand Adolf Hitler? Nein, nicht den größenwahnsinnigen Aktmaler aus Österreich, sondern den edlen Retter der Menschheit, der es wagte, ganz allein gegen das internationale Kapital aufzustehen und von ihm tief in den Dreck zurückgestoßen wurde? Nein - hier in Deutschland kennen wir den nicht. Hier in Deutschland sind wir sowieso Meister der Verdrängung, wie die konservative Welt heute schreibt:

Montag, 5.November 2012. Kurz vor dem Ende der Welt – wenn man dem Maya-Kalender trauen darf. Bald kommen tausende von UFO´s und klauen unser Gold, die Zeit hört auf zu existieren oder alle Menschen werden weise. Das ist auch gut so. Wir sollten uns beeilen mit dem Weltende, denn wenn wir das nicht tun, werden wir ein Stück Geschichte wiederholen, das zu den widerwärtigsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte gehört. Doch zuerst ein Frage: kennt jemand Adolf Hitler? Nein, nicht den größenwahnsinnigen Aktmaler aus Österreich, sondern den edlen Retter der Menschheit, der es wagte, ganz allein gegen das internationale Kapital aufzustehen und von ihm tief in den Dreck zurückgestoßen wurde? Nein – hier in Deutschland kennen wir den nicht. Hier in Deutschland sind wir sowieso Meister der Verdrängung, wie die konservative Welt heute schreibt:

Viel erschreckender als die Morde an Migranten selbst ist die Art und Weise, in der deutsche Institutionen beim Kampf gegen Neonazis versagen. Auch die Politik tut nicht das, was sie müsste. 

Verdrängung – der Klassiker. Funktioniert auch bei Politikerkorruption, Staatsschulden, Massenarmut bei Kindern oder Eliminierung der Menschenrechte durch Hartz-Gesetze.  So bleibt Deutschland sauber, der Bürger ruhig und die Börse der Täter prall gefüllt. Wenn aber Linke irgendwo zu orten sind, dann werden wir gleich aktiv – so jedenfalls berichtet der Spiegel heute. „Feine Sahne Fischfilet“ – eine Punkband – ist ins Visier des Verfassungsschutzes geraten. Der Chef der Truppe hat etwas ganz Schreckliches gesagt:

„Wenn irgendwelche Nazis verprügelt werden, werde ich mich nicht hinstellen und in Mitleid für so einen Menschen schwelgen.“

Der Mann hat allen Grund, auf Nazis nicht gut zu sprechen zu sein:

Monchi fühlt sich an die mehr als 1000 Aufkleber erinnert, die Rechtsextreme vor Jahren in Umlauf brachten, mit Monchis Konterfei darauf, der Schädel gespalten, eine Portion Kot auf dem Weg ins Gehirn. Noch immer kursieren sie in der Szene. Das mache Angst, das schüchtere ein, sagt er. „Aber noch mehr treibt es einen an, weiterzumachen.“

So ist Deutschland. Der eine wird vom Verfassungsschutz observiert, weil er für Menschen kein Mitleid empfindet, die ihm den Schädel spalten wollen, die Schädelspalter laufen frei herum und ermorden Menschen in Massen. Wir seien auf dem rechten Auge blind, heißt es dann immer schnell. Dabei stimmt das gar nicht: wir schauen genau hin. Nur die Kategorie ist eine andere: Hitler gehört nicht in die Kategorie POLITIK, sondern in die Kategorie WIRTSCHAFT. Er ist ein deutscher Exportschlager, wohin man schaut, steht er hoch im Kurs. Einfach mal genau nachsehen:

Zum Beispiel in Indonesien, siehe TAZ:

„Hitler war mächtig und entscheidungsfreudig.“ Spricht sie von Adolf Hitler, benutzt sie das Wort „beliau“, das Ehrfurcht ausdrückt.

Auch in Russland erfreut sich der Führer wachsender Beliebtheit. 2007 berichtete der Spiegel von 2000 Teilnehmern des „Russischen Marsches“:

Zu Hakenkreuz tragenden Glatzköpfen in schwarzen Ledermänteln, Springerstiefeln, SS-Uniformen oder Bomber-Jacken gesellen sich alte Frauen, die schlecht kopierte Flugzettel ausgeben, junge geschminkte Studentinnen in hochhackigen Stiefeln und Eltern mit ihren kleinen Kindern in bunten Schneeanzügen. Selbst sie strecken schon den Arm zum Hitlergruß aus.

Interessant die Argumentation der Bürger dieses Landes, das wie kein anderes unter der Nazi-Barbarei gelitten hat:

Die Rentnerin Monika Nikolajewa verteilt eifrig Flugblätter, auf denen Oligarchen wie Boris Beresowskij, Wladimir Gusinskij und Michail Chodorkowski als Volksfeinde abgebildet sind. „Diese Milliardäre schicken ihre Kinder im Ausland auf die Schule“, regt sich die Großmutter einer 15-jährigen Enkelin auf: „Für unsere Kinder reicht das Geld nicht einmal, um sie in Russland auf die Universität gehen zu lassen.“

Wir Deutschen dürften so etwas gar nicht sagen: „Sozialneid“ wäre das Totschlagargument, das in unserer ganzen Medienlandschaft anerkannt und angewandt wird.

Dabei geht es nur um Gerechtigkeit – ein Wort, das im deutschen Sprachgebrauch immer seltener Einlass findet.

2012 beteiligen sich am russischen Marsch schon 20000 Leute (siehe TAZ) – die Kinder von früher sind größer geworden. 2011 berichtete „Russland-aktuell“ über Massenmorde durch Neonazis – besonders gern zu Ehren des Führers an seinem Geburtstag – und darüber, das die Regierung Putin locker darüber hinwegsehe. Kommt einem als Deutscher sehr vertraut vor.

Doch halten wir erstmal weiter nach Fans des Führers Ausschau. Fündig werden wir in Italien, GriechenlandMarokko, Thailand (hier sogar als Ronald McDonald-Ersatz), Pakistan, Südkorea oder Saudi-Arabien, wobei die deutsche Zensur auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerne mal zuschlägt um Hitlers Kollaborateure aus dem islamischen Dunstkreis zu verdrängen, siehe den aufschlussreichen Artikel von Karl Rössel – hier in ungekürzter Fassung.

Größere Bedeutung hat die Hitler-Verehrung auch in Indien. Schon 2005 berichtete der Spiegel über Israels Kritik an Indischen Schulbüchern, die ihren Schülern interessante Perspektiven vermittelten:

„Hitler verlieh der deutschen Regierung durch den Aufbau einer starken Verwaltung in kurzer Zeit Würde und Ansehen.“

2012 hat sich der Trend endgültig durchgesetzt. Hitler wird Namensgeber von Geschäften und zur nationalen Kultfigur:

Hitler hat in den vergangenen Jahren durch schnelle Popularität, in Indien an Bedeutung gewonnen. Dieses Phänomen ist ein Paradox, weil es in Indien keinen Antisemitismus gibt. Und obwohl das Land nie Antisemitismus gekannt hat, sind die Verkäufe von Hiltlers Mein Kampf in den letzten zehn Jahren um über 15% gestiegen. Der Name “arisch” ist ein beliebter Vorname in Indien und “Hitler” ist der Name des Protagonisten in vielen Bollywood-Produktionen.

Eine Erklärung für diesen Ruhm ähnelt jener Perspektive, die wir schon aus Russland kennen:

Als Teil dieser Fehlinformation glauben viele Inder, dass die Achsenmächte des Zweiten Weltkrieges, teilweise verantwortlich für die Unabhängigkeit Indiens von den Briten im Jahr 1947 waren. Es wird vermutet, dass Hitlers Krieg Großbritannien dazu gezwungen hat, seine Ressourcen in Europa zu konzentrieren. Un das Großbritannien deshalb ein Gebiet so groß wie Indien nicht mehr steuern konnte, so dass Raum für eine indische Unabhängigkeitsbewegung entstand.

Hitler als Widerstandskämpfer gegen das internationale anglo-amerikanisches Imperium: man hätte sich fast denken können, das es so endet.

Wer nun denkt, die Liste der Hitlerfans ist damit am Ende, der irrt. Auch in China kommt der Führer ganz groß in Mode, siehe SZ:

In China ist Adolf Hitler ein großer Mann. Eindeutig größer als er ist nur einer, ein von chinesischen Nietzsche-Interpretationen geprägter Übermensch, Schutzpatron und Halbgott – Mao Zedong.

Die Begeisterung für Übermenschen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Rezeption des Genie-Begriffs und des Konzepts „große Männer“ begonnen hat, erschüttert jedoch keine Kritik. Selbst in der Modewelt gilt diktatorische Größe als schick. 2003 brachte der chinesische Bekleidungshersteller Izzue in Hongkong eine mit SS-Abzeichen und Hakenkreuzen bedruckte Sommerkollektion für trendbewusste Jugendliche heraus.

China-intern wird da noch deutlicher:

Die Hitlerverehrung ist in China kein verbotenes Thema, „Mein Kampf“ ist so beliebt, dass viele Chinesen das Buch auf dem Nachttisch stellen, es ist quasi Pflichtlektüre. Das Lied „Die Fahne Hoch“, das hierzulande verboten ist, wird in China immer beliebter. Viele Chinesen geben positive Kommentare über Hitler ab. Eine neue Hitlerverehrung entsteht auf diese Weise nicht in Deutschland, aber in China. Kommentare wie „Der Führer lebe ewig“ oder „Dieser großartige Volksführer hat uns schon lange verlassen. Es gibt immer Menschen, die ihn kritisieren, das deutsche Volk hat aber kein Recht dazu, ihn zu kritisieren. Warum? Wir sollen an ihn glauben und ihn verehren, weil er es nach dem WK I geschafft hatte, das Volk zu einen und es zu einem Volk machte, das das Weltenschicksal steuern konnte.“
Warum informiert eigentlich der Verfassungsschutz nicht über die neue Hitlerwelle, die weltweit immer skurrilere Erfolge feiert? Vielleicht … weil man sich dann mit den wirklichen Herren der Welt anlegen müsste? Schauen wir uns zu diesem Zwecke doch einmal an, wer dafür gesorgt hat, das Hitler an die Macht kommt. Dazu gibt es ganze Bücher – wie dieses hier:
Als Adolf Hitler im Herbst 1919 erstmals zur NSDAP stößt, befinden sich in der Parteikasse gerade mal 7 Mark und 50 Pfennig. „Das war ja eine Vereinsmeierei allerärgster Art“, erinnert sich Hitler. „Außer einigen Leitsätzen war nichts vorhanden, kein Programm, kein Flugblatt, überhaupt nichts Gedrucktes, keine Mitgliedskarten, ja nicht einmal ein armseliger Stempel.“

Das ging ja nun mal gar nicht. Wir erfahren deshalb auch im Weiteren, das man schon früher wusste, mit welchen Mitteln man Gesellschaften auf einen anderen Kurs bringt:

Zu Recht kommentiert das Ministerium des Äußeren im Jahre 1923 über die Nazis: „Wie zum Krieg, so gehört zur Revolution erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld. Ohne Geld keine Revolution.“

Und weil das Geld ausblieb, hätte Hitler beinahe wieder zur Aktmalerei zurückkehren müssen. Diese Schicksal blieb ihm jedoch erspart:

Um das Jahr 1928 hätte die NSDAP genau so gut wieder untergehen können – wenn da nicht auf einmal beträchtliche Parteispenden gewesen wären, die Hitler die Mittel für gewaltige Propagandaschlachten lieferten.

Ohne massive Geldspenden hätte also die NSDAP niemals den Lauf der Weltgeschichte dermaßen beeinflussen können, wie sie es später tat. Hitler wäre ein belächelter Eiferer unter vielen geblieben, eine verkrachte Existenz mit Größenwahn.

Das Geld jedoch floss – und nicht nur aus den Reihen der deutschen Industrie.  Dies findet man in Karl-Heinz Deschners „Der Moloch“, hier bei wahrheitssuche:

Schon ein Prozeß im Sommer 1923 wegen der NSDAP-Finanzierung hatte ergeben, daß der Partei drei mal große Geldbeträge aus dem Saargebiet über die Deutsche Bank zugeflossen waren. Nach Überzeugung des Gerichts stammten sie von amerikanischer Seite, dem Großindustriellen Henry Ford, der lebhaft eine deutsche Aufrüstung wünschte. 

Es war aber nicht nur der Herr Ford, der sein Scheckbuch zückte. Es gab eine breite Allianz der Wallstreet-Größen:

Bei Beratungen der Präsidenten der „Federal Reserve“ Banken, des eigentlichen Finanzzentrums der Wallstreet, der fünf unabhängigen Banken, Vertreter der Royal Dutch, der Standard Oil, Rockefeller jun. und anderen im Sommer 1929 wurde Warburg schließlich gebeten zu prüfen, ob Hitler für amerikanisches Geld zugänglich sei. Als Gegenleistung hätte dieser gegenüber Frankreich eine aggressive Außenpolitik einzuleiten, sollte aber in die wirklichen Motive der amerikanischen Unterstützung nicht eingeweiht werden.

Hitler seinerseits habe bei den Verhandlungen in Berlin betont, daß „er mit den Arbeitslosen alles machen könne, wenn er ihnen nur Uniformen und Verpflegung gebe … Alles hinge vom Geld ab … Die USA-Hochfinanz habe doch sicher ein Interesse daran, daß er, Hitler, an die Macht komme, denn sonst hätte sie ihm nicht bereits 10 Millionen Dollar übergeben … Wenn er von der USA-Hochfinanz 500 Millionen Mark erhalte, sei er in „sechs Monaten fertig“. Hitler habe auch die Kommunisten als erledigt bezeichnet und erklärt, er werde nun die Sozialdemokraten ausschalten, durch Wahlen oder mit Gewalt. Eventuell komme noch eine Verhaftung von Hindenburg, Schleicher, Papen, Brüning in Betracht, aber alles koste Geld, und das bisher aus den USA erhaltene sei verbraucht.

Die wussten genau, was sie für ihr Geld bekamen. Der lästige Konkurrent Frankreich wurde ausgeschaltet. Und Hitler wusste genau, was er ihnen geben konnte:

eine gewaltige Heerschar von Arbeitslosen in Uniformen.

Das scheint überzeugt zu haben.

Auch Hitler war von den USA begeistert, dies zeigt vor allem sein zweites Buch, das – seltsamerweise – nur deshalb der Nachwelt erhalten blieb, weil ein jüdischer Historiker es aus den Archiven der USA ausgrub und ein jüdischer Verleger aus Deutschland es veröffentlichte- siehe Wikipedia:

Dagegen beschreibt Hitler im Zweiten Buch die Vereinigten Staaten als eine dynamische, „rassisch erfolgreiche“ Gesellschaft, die Eugenik und Rassentrennung praktiziere und eine vorbildliche Einwanderungspolitik auf Kosten „minderwertiger“ Einwanderer aus Süd und Osteuropa betreibe. Woher dieser Wandel in Hitlers Einstellung zwischen 1924 und 1928 rühren mag, ist unbekannt.

Eugenik und Rassentrennung – das gefiel dem Führer. Und deshalb gefiel der Führer auch seinen Finanziers von der Wallstreet. Es ist wohl nicht zu weit hergeholt, zu vermuten, das das „Missing Link“ in dieser Argumentationskette darin besteht, das „interessierte Kreise“ mit Geld und guten Worten den Führer auf ihre Seite gebracht haben.

Doch kehren wir zurück in das Jahr 2012, jenem Jahr, in dem man den beachtlichen weltweiten Aufstieg Adolf Hitlers beobachten kann, jenem Jahr, in dem im Handelsblatt erstaunliche Worte zu lesen sind:

Wahr ist: die wachsende Spaltung des Landes in Arme und Reiche, die Schwächung von Gewerkschaften und sozialstaatlicher Strukturen durch die neoliberalen Reformen der letzten Regierungen, haben die Gewichte innerhalb des Landes zugunsten einer zunehmend ruchlosen, ja zum Teil asozialen Elite verschoben, die mit ihrer ganzen finanziellen und politischen Macht die Kandidatur Romneys unterstützt. 

Eine ruchlose, asoziale Elite? Die vielleicht sogar langfristige Pläne verfolgt? Jene Elite, die über die WTO und die Weltbank weltweit jene neoliberalen Reformen unterstützt haben, die uns in Deutschland Hartz IV einbrachten? Die Agenda 2010, die in Deutschland ein nie dagewesenes Maß an Armut und sozialer Ungerechtigkeit eingeführt hat … und aktuell ein Heer von 2,5 Millionen Kinder produziert, die unter erbärmlichsten Umständen am Rande der Gesellschaft dahinvegetieren, während Politik und Wirtschaftsführer sich den Wamst vollschlagen, wo immer es geht? 2,5 Millionen Menschen, die – wenn sie erwachsen werden, nur darauf warten, in Uniformen gesteckt und mit Verpflegung versorgt zu werden, um es der asozialen Gesellschaft heimzahlen zu können, die ihre Eltern schikaniert und ihnen ihre Zukunft genommen hat?

Lauschen wir doch nochmal weiter den Worten amerikanischer Führer:

Der ultrakonservative Aktivist und Finanzier Grover Norquist hat dies wie folgt auf den Punkt gebracht: „Wir wissen was wir wollen, wir brauchen keine Anführer, brauchen lediglich jemanden im Weißen Haus, um die Gesetze, die der Kongress macht zu unterschreiben.“

So denken die: die brauchen nur jemanden, der ihre Arbeit macht. Romney, Obama, Hitler – denen ist es egal, wer den Job macht. Und das geben sie offen zu.

Das Szenario erinnert sehr an des Ende der Weimarer Republik – ein Ende, das – wie wir jetzt sehen – von Hitler ganz bewußt mit Hilfe der Arbeitslosen herbeigeführt worden ist, jener Arbeitslosen, die wir nur Dank der intensiven Wühlarbeit amerikanischer Interessengruppen haben, jener Interessengruppen, für die die Zerschlagung der Sozialstaaten sowie die Deregulierung der Finanzmärkte oberste Priorität hatten.

Jetzt haben sie, was sie wollten – diesmal sogar weltweit.

Was sie jetzt nur noch bräuchten, wäre ein geklonter Hitler. Technisch – glaube ich – kein Problem mehr. Der könnte in Deutschland ungeniert herumwandern, das Verfassungschutz würde schon dafür sorgen, das ihm die bösen Linken nichts tun – und in ganz Asien bräche Jubel aus.

Den USA käme das gerade recht: das Imperium zerbricht – und zelebriert Werte, die dem Führer sehr gefallen würden, siehe Spiegel:

Und tatsächlich: die Fanatiker, von denen Mitt Romney sich abhängig gemacht hat, haben alles über Bord geworfen, was den Westen ausgezeichnet hat: Wissenschaft und Logik, Vernunft und Mäßigung oder einfach Anstand. Sie hassen die Schwulen, die Schwachen und den Staat, sie unterdrücken die Frauen und verfolgen die Einwanderer, und ihr Abtreibungsmoralismus macht auch vor den Opfern von Vergewaltigung nicht halt. Sie sind die Taliban des Westens.

Die brauchen wieder dringend ihren Krieg … und Menschenmaterial dazu produzieren sie gerade in großen Massen, sowohl in den USA selbst, als auch in Europa und Asien.

Wir hatten das schon einmal. Wieder wünscht sich die Welt einen großen Führer, wieder sorgt das Kapital für ein günstiges Klima, einen gut gedünkten Boden, ideale Verhältnisse auf dem die neue Brut sprießen kann.

Und wieder tun wir so, als sei das alles nur Zufall. Dabei ist es einfach „Wirtschaft“ – bzw. jene Form, in der „die Wirtschaft“ oder „die Märkte“ gerne Politik machen: mit Uniformen, Aufmärschen und Todesschwadronen.

Darum steht dieser Artikel auch in der Kategorie „Wirtschaft“.

Vielleicht merken wir ja nach dem nächsten Weltkrieg, das man „Wirtschaft“ aus „Politik“ heraushalten muss, weil man sonst nur weitere Hitlereien produziert.

 

Die Piratenpartei, die Arbeitslosen und die Medien: Skizzen einer Jagdlandschaft

Die Piratenpartei, die Arbeitslosen und die Medien: Skizzen einer Jagdlandschaft

Samstag, 27.10.2012. Eifel. Es gibt Meldungen in den Kaufmedien, die verdienen eine viel größere Beachtung, als sie erhalten, Meldungen, die so wichtig sind, das sie jeden Menschen auf dieser Erde betreffen. Damit meine ich  nicht die Meldung, das Arnold Schwarzenegger wieder Conan den Barbar spielen wird (die Rolle hat er doch eigentlich nie abgelegt?), sondern die Meldung über die „betörende Nahtoderfahrung eines Hirnexperten„. Obwohl sich das viele wünschen, ist es nach dem Tod doch wohl nicht vorbei. Wie so oft kann man nur sagen: schade, das der Glaube nicht die Wirklichkeit steuern kann – auch nicht der Glaube an das große Nichts im Jenseits. Spannend auch die Meldung, das wir offenbar doch die Fähigkeit der Vorahnung haben – jedoch finden wir diese Meldung nur im engagierten Bürgerfunk, der öffentliche Funk predigt da lieber nach wie vor das Märchen vom Menschen als hirnloser Biomaschine. Immer mehr Menschen verhalten sich ja auch so: ohne korrekte Anweisungen darüber, was man heute trägt, welche Farbe die Wohnungseinrichtung zu dominieren hat, was momentan auf dem Speiseplan „in“ oder als Reiseziel unverzichtbar ist, liegen viele Zeitgenossen doch schon hilflos zappelnd herum wie ein Fisch auf Land. Leider eine Tatsache – und die große Klagerei über Hartz IV erschöpft sich doch bei den Meisten darüber, das sie nicht genug Geld haben, um alle Anweisungen korrekt ausführen zu können – was aber in der Tat auch eine Sauerei ist. Die Anweisungen über korrektes Leben hätte man mit Veröffentlichung der Agenda 2010 auch freundlicherweise einstellen können, sie beizubehalten, grenzt an seelische Grausamkeit. Einer der gezeigt hat, das man trotz Hartz IV noch lebendig sein kann, ist ein Herr namens Johannes Ponader, ein Hartz IV-Empfänger wie er im Buche steht.

Von seiner Art gibt es viele. Zum Beispiel Iris Bücker, Autorin mehrerer Bücher, hochqualifizierte Fachfrau aus der Unternehmensberaterbranche mit internationalen Erfahrungen. Jetzt Hartz IV. Oder Eckhard Freuwört, Autor mehrer Bücher, Fotograf, IT-Experte und … Hartz IV-Empfänger. Oder eben Johannes Ponader, Fachkraft aus einer Branche, die – nur aufgrund politischer Entscheidungen – finanziell außerordentlich schlecht aufgestellt ist und traditionsgemäß seit Gründung der BRD zwischen Arbeit und Sozialamt hin- und herpendelt … zum Wohle aller, muss man sagen, denn sonst hätten wir uns schon längst von weiten Teilen der deutschen Kultur verabschieden können.

Herr Ponader hat nun das getan, was man eigentlich allen Hartz-Bedrohten (also allen, die weder Beamte noch Millionäre sind) raten sollte: er ist in die Politik gegangen, zur Piratenpartei – wohin auch sonst. Zwar ändert man politische Entscheidungen im postdemokratischen Deutschland eher durch Lobbyismus (inklusive Reisen, Bargeld und Pöstchenhuberei) als durch mühsame Parteienarbeit, aber anständig ist dieser Weg der Parteienbildung natürlich immer noch. Damit geschah etwas, was man eigentlich von jeder aufrechten demokratischen Partei in Deutschland erwarten sollte: das Prekariat hat eine Stimme bekommen – und ein Gesicht. Nicht wie üblich das Gesicht des von den Medien so gerne verbreiteten besoffenen Obdachlosen, sondern das Gesicht eines sensiblen Intellektuellen, eines Menschen, dem man nach seinem Auftritt bei Günther Jauch abnehmen konnte das er es ehrlich meint mit der Politik und den Botschaften, für die die Partei stand.

Das erste Mal hatte das Prekariat in Deutschland eine reale Chance, an der Gestaltung der politischen Wirklichkeit teilzuhaben – ein Herausforderung, an der die LINKE auf breiter Front kläglich gescheitert ist. Das war ein politisches Signal, das dieses Land dringend gebraucht hat, um sich aus den klauen finanzwirtschaftlicher Unvernunft und Barbarei befreien zu können – die Partei schien ihr Potential voll zu entfalten, das man 2008 schon erahnen konnte. Leider hatte man – wie üblich – die Rechnung ohne den Wirt gemacht – und ohne die Medien. Die feiern aktuell den „Doppelrücktritt“ im Bundesvortstand der Piratenpartei als große Aktion gegen Johannes Ponader, dessen Arbeitslosigkeit sich als Riesenproblem für die westliche Wertegemeinschaft erwies. So ähnlich hätte Hitler reagiert, wenn ein Jude in Deutschland Karriere gemacht hätte.

In der FAZ schildert Herr Ponader die Vorgänge selber:

Wenige Tage nach der Sendung erhält Bernd Schlömer, Parteivorsitzender der Piraten, einen Anruf von Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit. Er fragt, warum die Partei mich nicht bezahlen könne, deutet an, dass das Jobcenter mich härter anpacken müsse, wenn öffentlicher Druck entsteht. Er spricht von Eingliederungsmaßnahmen und Sanktionen.

„Öffentlicher Druck“ entsteht recht schnell – immerhin will hier ein Arbeitsloser ins Parlament einziehen und sich so dem Lagerleben entziehen: das bedroht die neue postdemokratische Ordnung im Land. Schnell verbreitet sich die Hetze in den Medien, auf N-TV  wettert die Bundesagentur gegen den „Lebenskünstler“ und spricht ihm die Existenzberechtigung in den Heerscharen der durch politische Gewalt Verarmten ab – wohl ohne daran zu denken, das Herr Ponader dann verhungern müsste, wenn die Behörde ihre Ansichten durchdrückt. Die Möglichkeit, hier existentiell bedrohliche Gewalt auszuüben, hat der Gesetzgeber ja geschaffen. Das sieht auch der Betroffene selbst, hier im Spiegel:

„Ich werde vom Sozialsystem heftig hinterfragt, weil ich mich politisch engagiere und trotzdem Sozialleistungen beziehe. Das ist eine extreme Entartung des ganzen Systems“

Hier drohte ein Krieg Agentur gegen Bürger. Es gibt genug, entwürdigende, gesundheitsschädliche oder zeitlich umfassende Jobs, die einen Johannes Ponader in die Knie gezwungen hätten – auch finanziell, denn solche Arbeit wird ja besonders gerne auch als Praktikum angeboten. Sein Schritt war also logisch – und eher als Selbstschutzmaßnahme zu verstehen. Nach den Drohungen der Bundesagentur war dieser Schritt auch alternativlos, immerhin hätte man ja auch sagen können: wir akzeptieren, das Herr Ponader ein Praktikum bei der Piratenpartei macht. Irgendwann wird der schon irgendwo im Parlament oder Behörde zu jenen Arbeitslosen stoßen, die auf der Sonnenseite des Lebens in schier unbegrenzter Überversorgung ihrer Diäten leben.

Man hatte sich aber anders entschieden, was Herrn Ponader dazu verführte, eine innerparteiliche Hilfeaktion zu starten, um nicht während der übernächsten Sitzung wegen Unterernährung ins Koma zu fallen. Er hätte sich ja auch mit einem Schild um den Hals am Frankfurter Bahnhof hinsetzen können, aber dann hätte er genau jene Arbeit nicht mehr leisten können, für die er großes und überraschendes Lob aus der Partei bekommen hatte, wie hier im Fokus erwähnt:

Wer als Pirat in einer Talkshow auftritt, muss normalerweise mit brutalen Reaktionen auf Twitter rechnen – Shitstorms sind fast schon normal. Anders bei Johannes Ponader. Seine Aussagen bei Günther Jauch sorgen für regelrechte Lobeshymnen im Netz…

Das erste Mal, das ein Pirat in der Öffentlichkeit erfolgreich war. Und dann auch noch ein Arbeitsloser – das durfte nicht sein. Politik wird im neuen Deutschland von Reichen für Reiche gemacht, da haben Arme nichts verloren.

Da kam erstmal der Parteichef, der zuvor mit Herrn Alt von der Bundesanstalt für Arbeit gesprochen hatte und empfahl Herrn Ponader, doch einfach mal arbeiten zu gehen, siehe Spiegel:

Schlömer macht sich Sorgen um die Außenwirkung des umstrittenen Geschäftsführers. „Für Menschen, die einem Beruf nachgehen, ist es nicht nachvollziehbar, wenn sich jemand durch Spenden alimentieren lassen will und auf Privilegien setzt, die für andere nicht erreichbar sind.“

Den Satz sollte man sich zweimal durchlesen … und dann überlegen, das er von einem Berufsbeamten kommt, dessen Bezüge in der Tat „Alimente“ heißen. Man schaue sich auch mal den Lebenslauf von Herrn Alt an: noch jemand, der sich sein Leben vom Staat durchgehend alimentieren ließ und auf Privilegien setzt, die für andere nicht erreichbar sind. 

Lobend erwähnt wird jedoch in der Berichterstattung Sebastian Nerz, der direkt von der CDU zu den Piraten gekommen ist und durch qualitativ hochwertige Twittertexte auf sich aufmerksam macht:

„Er hat nichts – aber auch absolut gar nichts – verstanden. NULL. NADA. NICHTS. Das ist unglaublich. Einfach nur *gar nichts*. Krass.“

Dabei berührt man hier ein zentrales Problem der Piratenpartei, die im sozialen Umgang miteinander wohl das Asozialste darstellt, was die Parteienlandschaft zu bieten hat. Während die öffentlichen Medien sich noch an dem Arbeitslosen Ponader abarbeiten, hat der schon längst erkannt, woran es in der Partei wirklich krankt. Der Spiegel hatte auch darüber berichtet – aber diesen Artikel wohl lieber zugunsten der Parteikarrieristen a la Nerz verdrängt.

In der Tat: Das laute Spotten über Twitter und Mailinglisten verstört zunehmend Anhänger und verprellt Parteifreunde. Die Ex-Grüne und Neupiratin Anke Domscheit-Berg twitterte etwa: „FlauschCon ist für mich ein Wegweiser und Hoffnungsfaktor.“ Sie werde täglich auf die Kommunikationsprobleme der Piraten angesprochen. Organisatorin Simon sagt: „Unser Ton ist manchmal zum Abgewöhnen.“ Und der gebeutelte Geschäftsführer Ponader sagt: „Entscheidend ist nicht, ob wir in den nächsten Landtag einziehen, sondern ob wir unsere Basisdemokratie ohne ständigen Streit hinbekommen.“ Das ist also die Ausgangslage für das Bielefelder Kuschel-Camp. 

Das Problem hat auch Konsequenzen für die Personalaufstellung der Partei:

Wir müssen nun losmarschieren, sagt Simon. „Jetzt wo es um die aussichtsreichen Plätze für den Bundestag geht, könnte alles schlimmer werden. Wir müssen verhindern, dass die Guten weggebissen werden.“ Ihr selbst ist das mal passiert. Sie hatte eine Mailingliste für Frauen gegründet, das brachte ihr einen zweiwöchigen Shitstorm ein. Danach machte sie anderthalb Jahre lang gar nichts für die Partei. Jetzt startet sie einen neuen Versuch.

Man kann der Partei nur wünschen, das sie weit unter der fünf-Prozent-Hürde landet, damit die pöstchengeilen Politkarrieristen wieder in der Versenkung verschwinden bzw. in die Arme der Hartz-Parteien SDP/GRÜNE/CDU/CSU/FDP/LINKE zurückkehren.

Kommen wir jedoch zurück zu der Rolle der Medien, die bei der öffentlichen Hinrichtung des arbeitslosen Piraten mal wieder eine besondere Rolle spielen (und nicht umsonst lieber einen weiteren Politkarrieristen auf der Position des Herrn Ponader hätten – den Umgang mit denen ist man halt gewöhnt, die sehen aus wie alle anderen, denken, was man ihnen befohlen hat und tanzen nicht aus der Reihe).

Sie hätten es leicht gehabt, den Rücktritt des Piratenvorstandes anders zu deuten. Beide waren zuvor schon zum Rücktritt aufgefordert worden, der Vermögensberater Schrade wegen seiner mutmaßlichen Nähe zur FDP, Frau Schramm wegen Querelen um ihre Buchveröffentlichung. Auch für die sinkenden Umfragewerte hatte der Spiegel andere Erklärungen parat: es fehlt an Visionen, Strategie und Debatten, dafür gibt es aber Streit genug – und zwar Streit mit einer verbalen Streitkultur, über die sich Conan der Barbar gefreut hätte. Möglicherweise kommt es nicht ganz so gut beim Wähler an, das immer noch ein „Forum für nationale Sozialisten in der Piratenpartei Deutschlands“ exisitert (allerdings mit den Rentner-News im Impressum). Möglicherweise kommt es nicht gut an, das die Abgeordneten der Piratenpartei als erste Tat im Parlament erstmal für eine Diätenerhöhung stimmten, als sie im Landtag ankamen, das der Parteivorsitzende aus dem Berufsbeamtentum des Verteidigungsministeriums stammt (jenem Berufsbeamtentum, das hauptsächlich durch neue Schulden finanziert wird), das immer wieder gescheiterte Existenzen aus den Hartz-Parteien bei den Piraten aufschlagen, um dort doch noch einen Weg ins Parlament zu finden oder das die Partei im Parlament all zu oft einfach nur das mitbeschließt, was SPD und CDU vorgeben. Möglicherweise ist es auch einfach das soziale Niveau einer breiten Front von aktiven Piraten, die glauben, das die Welt ein Schulhof ist, wo man sich straflos völlig danebenbenehmen kann, weil Papa Zahnarzt ist, das die Wähler abschreckt.

Sobald man es auf den bequemen MdL-Posten geschafft hat, grinst man sich einen ob des blöden Wählers, der einen dort hingewählt hat – quasi ein klassischer Gerhard-Schröder-Trick, nicht?

So ein Zitat aus einem ausführlichem Kommentar auf dem Blog des Johannes Ponader, der zu seinen Aufruf zum „Shit-Storm-Stop“ als „Shitstorm-Heuchelei“ folgte. Der anonyme Kommentator listet dort einige Verfehlungen der Partei auf, die Stimmen kosten.

All das hätten Journalisten recherchieren können, bevor sie schreiben, das „das Piratenproblem Ponader  heißt“.

Die Piraten haben eher ein Problem mit dem Personal – und den Medien. Und das System der Medien, die Anzeigenkunden und Parteispender befriedigen müssen, hat ein großes Problem mit einem jungen Piraten, der „Lobeshymnen im Netz“ erntet.

Da droht mal wieder die Abschaffung der Fleischtöpfe, an denen sich alle so gerne laben.

Und das das ein Wert ist, der niemals hinterfragt werden darf, sollte niemanden wundern. Was mich nicht wundern würde, wäre, wenn die Nahtoderfahrungen von professionellen Piratenmobbern und Bezahljournalisten sich in jenen Höllenwelten erschöpfen würden, die der oben genannte Hirnexperte schilderte. Und ich habe da so eine geheime Vorahnung, das viele von ihnen jetzt schon dort leben, nochmal Welt:

Da war die Unterwelt, wie „schmutzige Götterspeise“, die nach Exkrementen, Erbrochenem und Blut roch, ein dunkler, feuchter Ort, im Hintergrund rhythmisches Pochen fern, aber laut, wie Metall auf Metall. Der Erzähler steckte da drin, nicht als Person, sondern wie ein Wurm, oder ganz körperlos, einfach nur seiend.

Wäre schade, wenn das so bliebe.

 

 

 

 

 

Wie „DIE WIRTSCHAFT“ das Volk verriet …

Samstag, 28.7.2012. Eifel. Merken Sie, wie die Welt aufatmet? Die politische Welt, meine ich. Der Grund ist einfach: 16 Tage lang bekommen wir jetzt Nachrichten zum Thema „Leibesübungen“ in breiter Front serviert: laufen, hüpfen, werfen werden auf einmal Tätigkeiten, die unsere Aufmerksamkeit fesseln sollen als ob es um unser Überleben ging, während die Nachrichten, in denen es wirklich um unser überleben geht, leise in den Hintergrund treten. Dabei brauchten sie eigentlich gar nicht so rücksichtsvoll sein, diese brutalen Nachrichten vom Ende der zivilisierten Welt wie wir sie kennen: in der Flut der Trivialitäten haben sowieso nur noch engagierte Nachrichtenscouts eine Chance, die zeitaufwendige Suche nach entscheidenden Informationen in der Medienjauche aufzubringen, Informationen, die belegen, das sich der Abbau der nationalen Realwirtschaften zugunsten der internationalen Finanzwirtschaften noch etwas beschleunigt – mit gräßlichen Folgen für alle, die ihr Geld nicht ausreichend für sich arbeiten lassen können. Gerade in den letzten Tagen gab es ein richtiges Feuerwerk in dieser Hinsicht, das gruselige Zusammenhänge vermittelt.

Zuerst wäre da mal Moodys zu nennen, eine jener ominösen Ratingagenturen, die die Sterndeuter und Vogelflugleser des Mittelalters ersetzt haben. Auch jene Zunft hatte damals ihren Herrscher mit glücksverheißenden Prophezeiungen über Ernte, Wetter und Kriegsgeschehen überhäuft, um weiter einen sicheren Platz an den Fleischtöpfen zu haben. Während man hier in Europa verzweifelt versucht, die Notbremse zu ziehen, schlagen die Ratingzauberer (denen man ihr gigantisches Komplettversagen in der Suprime-Krise überrachend schnell verziehen hat) immer schneller, immer härter und immer detallierter auf Europa ein – und jetzt auch auf Deutschland. Unser heißgeliebter Rettungsschirm wird finanzieller Sondermüll, unsere stärksten Bundesländer Bayern, Baden-Würtemberg und Nordrhein-Westfalen ebenso (siehe Handelsblatt), es sieht so aus, als ob uns Bremen und Mecklenburg-Vorpommern allein wieder ´raushauen müssten.

Doch damit nicht genug: neben der deutschen Bahn sind auch unsere Banken Schrott (ebenfalls: Handelsblatt). Ich sage das jetzt mal so deutlich, weil es eigentlich schon jeder weiß: wenn die Abwärtsspirale einmal beginnt, gibt es kein Halten mehr. Andere Länder haben das schon erlebt. Sinkt das Rating, steigen die Zinsen, das Geld wird knapper, was zu einem Sinken des Ratings führt, das wiederum die Zinsen steigen läßt und das Geld noch knapper macht … und so weiter und so weiter.

Am Ende ist man dann bankrott – aber manche Banken (gerade jene, die „das Werk Gottes“ verrichten und ihre Goldmänner in vielen europäischen Regierungspositionen sitzen haben) sind ultrasuperreich geworden. Sicher gibt es auch ein paar Vorstandsposten für Politiker, die sich durch besonders marktkonforme Politik ausgezeichnet haben – wir haben uns an derartig seltsame Karrieren ja schon hinreichend gewöhnt.

Eine Katastrophe von unabsehbaren Ausmaßen“ soll uns drohen, so werden „Wirtschaftsexperten“ in der Welt zitiert, allerdings meinen sie eine andere Katastrophe als die, denen die deutsche Gesellschaft momentan im Alltag begegnet: die schleichende Enteignung der bundesdeutschen Normalsparer (siehe Spiegel) – also gerade jener Menschen, die eigentlich wirtschaftlich vorbildlich leben und Gewinn erwirtschaften, den sie sich mühevoll vom Munde absparen.

Weitere Katastrophen stellen sich erwartungsgemäß schnell ein: Griechenland, jenes Land, das seine Kinder bei internationalen Organisationen vor die Tür legt, damit sie nicht dauernd in der Schule vor Erschöpfung vom Stuhl fallen, braucht noch mal eben dreißig Milliarden Euro zusätzlich (siehe Welt), Spanien legt ebenfalls nochmal nach: zu den jetzt schon beanspruchten hundert Milliarden werden nochmal dreihundert Milliarden Euro fällig, siehe Spiegel.

Man fängt an zu glauben, das die miesen Ratings der letzten Tage wirklich verdient sind – die Agenturen wissen halt nur mehr als wir verarmenden Normalsparer.

Die Summen, die die Bankenbereicherungsmaschine „Eurorettung“ inzwischen benennt, übersteigen das normalmenschliche Vorstellungsvermögen bei weitem – übertragen auf Olympia würden wir erwarten, das die Athleten in Schallgeschwindigkeit von Londen nach Paris hüpfen und ihre Kugeln bis New York stoßen.  Was im Sport unmöglich ist, wird von der Wirtschaft inzwischen als selbstverständlich hingenommen: virtuelle Gewinne sollen weiterhin beständig neue Rekorde erzielen – ohne Rücksicht auf das, was „Wirtschaft“ eigentlich sollte: die Versorgung der Gesellschaft sichern.

Wir nehmen inzwischen alle irrationale Tatsachen als völlig gelassen hin – wie zum Beispiel die, das gerade in jenen Ländern immer mehr Hunger, Armut und himmelschreiende Ungerechtigkeit herrscht, in die wir unsere Milliarden pumpen. Wir nehmen das hin, weil uns „Experten“ versichern, das wir noch viel mehr verlieren würden, wenn wir uns weigern würden, das System weiterhin mit unserem Geld zu füttern. 700 Milliarden Euro würde uns allein die Griechenlandpleite kosten – drohen die oben in der Welt zitierten „Experten“.  Wenn dann auch Spanien fällt, dürften die Löcher in deutschen Kassen umso größer werden.

Also wird mehr und mehr und mehr Geld gedruckt, die Zentralbanken geben es immer billiger heraus … und der Verlierer ist schon wieder der einfache Bürger mit seinen bescheidenen Träumen von einem kleinen bisschen Wohlstand.

Die Prinzipien kennen wir schon, siehe Welt:

Jeder höhere SS-Führer kannte das nach Staatssekretär Fritz Reinhardt vom Reichsfinanzministerium benannte „Reinhardt-Programm“. Es diente der Förderung der Wirtschaft durch staatliche Darlehen, die entweder durch Raub fremder, auch jüdischer Vermögenswerte finanziert wurde oder durch schlichte Erhöhung der Geldmenge.

Kurz gesagt: die Wirtschaft wurde durch massenhaften Raubmord finanziert – Proteststimmen aus „der Wirtschaft“ sind mir nicht bekannt. Im Gegenteil: ich denke, das „die Wirtschaft“ das Nazisystem durchaus als vorbildlich ansah, auch heute gibt es Stimmen aus „der Wirtschaft“, die neidvoll nach China blicken und dies ohne Weiteres als Vorbild für eine „marktkonforme“ Demokratie ansehen – vielleicht auch ein Grund, weshalb man in den weitgehend gleichgeschalteten Medien kaum Kritik zum Leiharbeiterunwesen findet: Chinas Millionenscharen unterbeschäftigter Wanderarbeiter dürften das Vorbild gewesen sein.

Auch die anderen Prinzipien kennen wir schon: die Förderung der Wirtschaft durch staatliche Darlehen wird finanziert durch den Raub der Ersparnisse der Arbeitslosen, die nach dreissig Jahren Betriebszugehörigkeit vor die Tür gesetzt werden: Hartz IV macht es möglich – Arbeitslosigkeit wird Straftat, während die „Subventionen“ für „die Wirtschaft“ ständig neue Rekorde erreichen: ob es nun um die Chemie- und Aluminiumindustrie (siehe Badische Zeitung) oder um Kraftfahrersubventionen für Verkäuferinnen von Aldi (siehe Süddeutsche) geht: „die Wirtschaft“ greift um ein vielfaches mehr in die Taschen der Steuerzahler, als es selbst fünfzehn Millionen Arbeitslose könnten: 163,6 Milliarden Euro wurden allein 2010 ausgegeben (siehe Statista), wobei die gewerbliche Wirtschaft mehr bekommt, als die Bereiche Landwirtschaft, Verkehr, Wohungswesen, Sparförderung und Steuervergünstigungen zusammen (ebenfalls: Statista).

Wer nun nur noch ein bisschen weiterdenkt, wird schnell zu dem Ergebnis kommen, das in naher Zukunft die Errichtung neuer Todeslager für „Kosten auf zwei Beinen“ wieder denkbar wird, durch die mediale Hatz auf Arbeitslose wird ja schon mal ein entsprechendes Klima geschaffen, in dem wieder Ungeheuerliches gedeihen kann.

Gut, das das Volk jetzt erstmal sechzehn Tage lang darüber informiert wird, wer wie weit gelaufen, gehüpft und gesprungen ist anstatt darüber, das „die Wirtschaft“ wieder einmal das Volk verraten hat, weil sie „kassiert was geht“ (ein ungenannter Aldimanager im Artikel der Süddeutschen).

Das könnte man als  Generalmotto der deutschen Wirtschaft nehmen: „Wir kassieren, was geht“.

Und was nicht über Preise reinkommt, kommt eben über Steuern ´rein … oder über Rettungsschirme.

Die Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung des menschlichen Bedarfs dienen – so urteilt noch Wikipedia.

Praktisch ist heute die Wirtschaft die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die dem planvollen Raub der letzten menschlichen Vermögenswerte dient.

Sie sollte verboten und polizeilich verfolgt werden … bevor wir menschliche „Minderleister“, die nur „Kosten auf zwei Beinen“ sind, im Namen der „marktkonformen Demokratie“ „alternativlos“ dem „sozialverträglichen Frühableben“ zuführen müssen: das wäre dann „Reinhardt Zwo“.

Wer noch Zweifel hat, ob es wirklich schon so schlimm steht, der schaue nach Griechenland. Dort läuft das Programm gerade an, siehe rp-online:

Noch ist Griechenland nicht pleite. Dennoch ist die Krise keine abstrakte Größe mehr. Wer durch die Straßen der Hauptstadt Athen läuft, begegnet der nackten Not. Bettler, verwahrloste Geschäfte, Obdachlose, anarchistische Parolen. Die Temperaturen sind unter den Gefrierpunkt gesunken. Die große Depression, hier ist sie bereits greifbar.

SOS-Kinderdörfer zeigen die Dramatik deutlich:

Stergios Sifinos, Leiter des SOS-Kinderdorf Vari,
80 km südlich von Athen, berichtet, dass sich die Anfragen für die Aufnahme neuer Kinder im letzten Jahr verdoppelt haben. „Normalerweise helfen wir Familien mit sozialen Probleme, heute suchen vor allem Familien mit akuter Geldnot einen Platz für ihre Kinder.“

Eine Rettung stellt das allerdings nicht da, denn im Zuge des Mottos „Wir kassieren, was geht“ werden auch dort bald die Pforten schließen. Immerhin bezahlen wir Deutschen viel dafür und fordern auch lautstark, das so gehandelt wird:

Doch das SOS-Kinderdorf selbst kämpft um sein Fortbestehen. Denn das SOS-Kinderdorf wird im Zuge des Sparpakets der Regierung nun besteuert. Dazu kommt, dass die Spendeneinnahmen um ein Viertel zurückgingen.

Im Prinzip ist das nichts anderes als der Massenmord an polnischen Juden zum Zwecke der Finanzierung der Subventionen, nur die Quantität ist eine andere.

Und das alles – geschieht wieder in „unserem Namen“.

Es macht schon Sinn, das wir uns aktuell wieder mehr auf sportliche Trivialitäten konzentrieren.

Die anderen Themen werden zunehmend unerträglich.

Brot und Spiele für die Mittelstandswampe

 Von Roberto J. De Lapuente

Es ist ein hartnäckiges Gerücht, dass sich bei Uninformierten hält: RTL ist mitnichten der konzipierte Sender für Hartz IV-Empfänger, Ungebildete oder andere prekarisierte Gesellschaftsschichten! Eigentlich ist es nicht nur die Bewahrung eines Gerüchtes, wenn man das behauptet – es ist Rufmord an denen, die man arroganterweise als Unterschicht bezeichnen könnte. Die schaut natürlich auch RTL – und möglicherweise sogar überproportional häufiger als der Mittelstandsbauch. Aber das ist ein nebenher zufällig erzeugter, vielleicht nicht mal bewusst gewollter Effekt. RTL bedient nicht das Prekariat, es serviert der Mittelschicht, überdies sogar der besser situierten Mittelschicht, ein bunt gewürfeltes Programm der Eintönigkeit.

Beratung für den Mittelstand

Nachrichten und Neuigkeiten flimmern dort als eine schlecht getarnte Form von konsumistischer Lebensberatung über die Mattscheibe. Man bekommt erklärt, welches Produkt wie günstig und wie gut ist – Lohnt sich der Kauf?Wohin in den Urlaub? Empfehlung für das Wochenende: Gehen Sie in einen Freizeitpark! Der Freizeitpark Soundso hat zufälligerweise diese Woche eine Sonderaktion!Sinnvoll für die Zukunft: Privat rentenversichern! Mehr Infos finden Sie online!Wie Sie sich bei der Hitze im Büro abkühlen können!Darf ich im Büro EM gucken? Beratung und Verkaufsanreize, Konsum und Verlockung…

All das ist nicht für jene Klientel gedacht und gemacht, die man als Hartz IV-Empfängerschaft bezeichnet – es richtet sich an die, die finanzielle Substanz aufbringen, die sich ernsthaft Gedanken um Urlaub und tägliche Kaufräusche machen können, die in einem Büro anschaffen dürfen; es richtet sich an jenen Teil der Mittelschicht, bei dem die Prekarisierung des Arbeitslebens noch nicht eingetroffen, bei dem der Rahm abschöpfbar ist. Es ist der Wohlstandsbauch, der hier gekitzelt und gebauchbinselt wird. An dessen Speck richtet sich die lebensberatende und hedonistische Botschaft des Senders – nicht an die vermeintlich vor dem Fernseher geparkten Wampen von Arbeitslosen, Niedriglöhnern oder Bildungsfernen.

Klischeebestätigung für den Mittelstand

Nachmittags unterhält sich das Publikum mit gescripteter Reality. Die dient nicht etwa dafür, den Erwerbslosen künstliche Hartz IV-Empfänger nach Drehbuch vor die Nase zu setzen. Nichts was die Gestelltheit dieser Konzepte abwirft, kommt wirklichen Bezieherun des Arbeitslosengeldes II bekannt vor – nichts stimmt auch nur ansatzweise mit deren Wirklichkeit überein. Speckige Haushalte sind nicht per se nur Hartz IV-Haushalte; ein Leben in Saus und Braus, etwa Kurzurlaube oder Wellness-Erlebnisse, kommen unter Transferbeziehern wohl sehr selten vor. Und aus dem Hut gezauberte Bewerbungsgespräche auf Mallorca wohl eher auch. Es sind billige Klischees, die so überspitzt geschauspielert werden, dass sie den wirklichen Arbeitslosen total entfremdet sind. Das dient nicht den prekarisierten Schichten, sondern dem mittelschichtigen Zuseher vor der Glotze, der einen ganz besonderen Blick auf die Unterschichten wirft. RTL ist der Dienstleister; er serviert elitäre Luftschlösser, in denen Erwerbslose als dreckig, faul und dennoch vermögend gezeichnet werden. Der „Asoziale“, wie ihn das Klischee kennt, ist nicht das Fabrikat aus Brennpunkten – er ist Kopfgeburt stümperhafter Drehbuchautoren, die dem mittelschichtigen und gutsituierten Publikum Klischees bestätigen wollen.

Mitten im Leben ist nicht die Unterhaltung für Menschen, die arbeitslos sind – es ist kein Konzept, das die Problematiken von Arbeitslosen auch nur streift, sondern von ihnen ablenkt, um sie in den spießbürgerlichen Kanon der Mittelschicht zu packen, in dem man nachlesen kann, dass alle Arbeitslosen verblödet, faul, ungepflegt oder kriminell sind. Der betuchte Mittelstand, der die Zeit aufwendet, nachmittags vor dem TV-Gerät zu hocken, wird unterhalten, bestätigt und je und je auf Stereotype abgerichtet.

Schau göttlicher Auserwähltheit

Auch das vermeintlich abgesicherte Leben der Mittelschicht will aufschauen. Sie tut das am Vorabend, wo man regelmäßig über den Superreichtum „informiert“ wird. Millionen sind nicht der Rede wert, Milliarden machen Themasetzung bei RTL. Das bedient nicht Leute, die schon froh wären, wenn sie tagsdrauf ohne zu viele Blicke in den klammen Geldbeutel einkaufen könnten. Das ist der Traum einer Gesellschaftsschicht, die relativ satt und abgesichert ist. Superreichtum wäre für manchen Hartz IV-Empfänger wahrscheinlich schon, sich zum Abendessen ein dickes Rindersteak zu leisten.

Von Reichtum zu berichten, der so maßlos ist, dass man ihn sich kaum vorstellen kann, ist nicht der Feuchttraum der Armut – ihr reichte Absicherung durch Anstellung und ein kleines Gehalt. Der potente Mittelstand, der selbst so hat, dass er leben, dass er urlauben und freizeiten kann, wird bedient. Er soll träumen, noch mehr urlauben und freizeiten zu können. Leute wie Gates und Jobs, die bei RTL Dauerbrenner sind, sind die Helden einer konsumistischen und hedonistischen Schicht und ihrer Medienanstalten – für einen Boulevard der Calvin verinnerlicht hat, wonach prädestiniert ist, wer Geld hortet. Wenn RTL dem Mittelstand den Superreichtum aufzeigt, über dessen Villen, Schiffe und Golfanlagen berichtet, dann ist das eine Schau in die himmlische oder gar göttliche Auserwähltheit eines konsumistischen Lebensgefühls – dann ist das der Ringelpiez hedonistischer Heiligengestalten. Dort huldigt man der Ikonen des Mittelstandes. Zwar mag sich auch der Hartz IV-Empfänger daran ergötzen, aber der braucht zur Ergötzung weitaus weniger.

Gesindelfreier Abend

Im Nachmittagsprogramm spult man den Hartz IV-Stereotyp ab. Was Leben am Regelsatz bedeutet, ist dort jedoch nicht Thema – auch die soziale Exklusion wird nicht beachtet. Dafür fickt, säuft, betrügt sich ein Pack durch die Sendung, das zufälligerweise keine Arbeit hat – conclusio daraus: ohne Arbeit lebt man so! Am Abend, nachdem sich die mittelschichtige Sendergemeinde über das Gesindel empört und belustigt hat, wird der RTL-Garten verriegelt – Zutritt für Arbeitslose verboten! Für echte Arbeitslose natürlich – ab und an darf ein Medien-Arbeitsloser doch auftreten. Stern TV berichtet dann von einem Mann, der seit Jahrzehnten nicht mehr arbeitete und das auch vehement als Lebensmodell vertritt. Der gilt dann pars pro toto. Der wirkliche Arbeitslose ist allerdings unterrepräsentiert.

Bei Wer wird Millionär? findet sich meist Mittelstand oder jedenfalls der zukünftige, Studenten also, die bei der sozialen Balance des deutschen Bildungswesens mit großer Wahrscheinlichkeit aus besserem Hause stammen. Arbeitslose sind rare Gestalten bei WWM. Und das, obwohl nach offiziellen Angaben rund sieben Prozent der hier lebenden Menschen arbeitslos sind. Weitaus mehr als Ärzte oder Anwälte, weitaus mehr als IT-Experten oder Sekretärinnen. Die kommen in der Sendung allerdings weitaus häufiger vor. Das mag an den Auswahlkriterien liegen, könnte man nun einwenden – dass man aber keinerlei Anstalten macht, die Kriterien durchlässiger zu machen, wenn es denn so wäre, liegt auf der Hand. Wo es etwas zu gewinnen gibt, da gibt es das Wort Arbeitslosigkeit nicht. Kein Unterschichtler geht bei RTL aufgrund Gewinns aus seiner Armut – wohl aber mancher Angehöriger der Mittelschicht in eine noch besser abgesicherte Zukunft. Almosen kann er haben, wenn er nachmittags ein Klischee nachspielt, das er in seinem realen Leben so gar nicht kennt, das er dem RTL-Konsumenten nun aber verkaufen soll.

 

Quelle

 

Mit freundlicher Genehmigung  von Roberto J. De Lapuente

Das Böse

Das Böse

Sonntag, 26.2.2012. Eifel. Ich habe das Glück, in einer Gegend zu wohnen, die vom Bösen ziemlich unangetastet blieb. Keine Hexenverbrennungen, 150 Jahre lang keine Morde, keine Nazis – ein faszinierendes Stück Welt, das die höchste mir bekannte Dichte an Gebetsheilern in Deutschland aufweist. Ob da ein Zusammenhang besteht, kann ich nicht sagen. Hier jedenfalls empfiehlt der Arzt noch den Wunderheiler, weil er selbst zwar keine Wunder wirken kann aber bei der Heilung von Krankheiten nicht auf sie verzichten möchte. Nun ist heute Sonntag – ein Tag, der sich gut zur Besinnung und Besinnlichkeit eignet – ein guter Tag, um sich einmal mit dem Bösen auseinander zu setzen. Immerhin: wir Menschen als Menschen haben keinen anderen Feind als das Böse, würde es nicht existieren, hätten wir keine Probleme, alle würden satt und geborgen im Wohlstand leben können.

Natürlich kommen wir scheinbar zuerst nicht um eine Begriffsdefinition herum – erst recht nicht, weil der Autor dieser Zeilen dereinst Philosophie studiert hat. Und doch – müssen wir hier erstmal auf eine Definition verzichten, denn: das Böse entzieht sich dem Verstand. Es ist kein Element der menschlichen Begriffswelt noch etwas, das sich intellektuell erschließen ließe, sondern etwas, das wir unmittelbar aus der Erfahrung heraus erkennen. Aus eigener Anschauung weiß ich das aus der Arbeit mit Kleinkindern, die unter frühkindlichen Autismus leiden und der menschlichen Sprache kaum mächtig sind … aber wann ein Tier „böse“ wird, das können sie schnell formulieren.

Besser als kleine autistische Kinder können das natürlich Erwachsene beschreiben, die dem Bösen leibhaftig begegnet sind – das kann man in der Tat, wie es der Gerichtspsychiater Hans-Ludwig Kröber in der Zeit beschreibt:

 Für mich ist das Böse eine Wahrnehmungskategorie, eine Form des unmittelbaren Erlebens. So wie wir spontan etwas als schön oder eklig empfinden, so erleben wir auch ein bestimmtes Handeln – ob wir es wollen oder nicht – als böse. Im Angesicht des Bösen sind wir fassungslos, empört, die Welt ist aus den Fugen – weil jemand sie bewusst zerstört. Das gilt selbst dann, wenn man eine solche Tat später als Gutachter nachzuvollziehen versucht; häufig beschleicht einen da ein gewisses Kältegefühl, ein ungutes Kribbeln.

Sendeformate wie das „Dschungelcamp'“ zeigen, das wir eine allgemeingültige Kategorie des Ekeligen in uns tragen, ohne das Ekelige zuvor intellektuell definiert zu haben. Für Liebe und Lust gilt das Gleiche – auch hier bedürfen wir nicht der philosophischen Definition, um zu verstehen, was gemeint ist … ebenso wenig wie bei dem Thema Gerechtigkeit. Doch lauschen wir weiter dem Gerichtspsychiater:

Aber das Böse ist umso augenfälliger, je eindeutiger es darauf abzielt, ganz bewusst das Schöne, das Heile, das Kindliche, die Zukunft zu zerstören.

Um über das Böse reden zu können, muss man es erst erlebt haben – so wie Eugen Sorg, der als Mitarbeiter des Roten Kreuzes und als Journalist Gegenden bereiste, wo das Böse triumphierte:

Ich arbeitete sieben Jahre lang in einer Kriseninterventionsstelle gegen Kindsmisshandlung. Später war ich als Delegierter des IKRK in Kriegsgebieten tätig. Zuerst im Südsudan, dann im auseinanderbrechenden Jugoslawien.Wir konnten mit Gefangenen reden, unter vier Augen. Dort bin ich zum ersten Mal mit extremer Grausamkeit und Mitleidslosigkeit konfrontiert worden. Mit Menschen, die kein schlechtes Gewissen beim Töten haben. Die ganze Atmosphäre ist erfüllt gewesen mit unvorstellbaren Blutgeschichten, Erzählungen von extremer Grausamkeit.

Leider erfahren wir Normalbürger im Westen nichts von diesen Exzessen.

Die westliche Welt will sich ihr Gärtchen bewahren, ihre Vorstellungen von einer heilen Welt. Journalisten sind nicht anders als die übrigen Leute, vielleicht sogar ein wenig ideologischer.

Wir wollen nichts von dem Bösen wissen … dabei ist es mitten unter uns:

Das Böse ist eine Versuchung, die umso stärker lockt, je grösser die Chance ist, dass man nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Das Böse ist das Extrem der Freiheit. Es geht um das Gefühl der Allmacht, dass man alles tun kann, was man will. «Ich habe Gott gespielt», sagte ein Krankenpfleger, der 24 Patienten ermordet hatte. Der Pfleger oder Arzt, der sich zum Herr über Leben und Tod seiner Pflegebefohlenen macht, der islamistische Selbstmordattentäter, der sich auf einem Markt oder in einem Strassencafé in die Luft sprengt: Es handelt sich um einen Akt der Selbstvergottung, um eine absolute Ego-Ekstase. Oder auch die jungen Leute, die ich in dem Buch erwähne, die in der Schweiz und in Deutschland ohne Not oder Affekt Menschen ermordeten oder zu Tode traten: Sie wähnten sich allmächtig und gehorchten nur dem einen Gesetz der unmittelbaren Erfüllung ihres Begehrens.

In der Tat könnten wir jeden Tag Opfer des Bösen werden … und werden es sogar. Wir erkennen es nur nicht immer, weil wir verzerrte Bilder des „Bösen“ im Kopf haben – ein Blick nach Ruanda konnte da aufklären:

Bei diesen Gesprächen wurde deutlich, dass die Mörder keine sadistischen Psychopathen waren, sondern normale und intelligente Menschen, für deren Handeln es keine andere Erklärung gibt, ausser einer: Sie haben den Pakt mit dem Teufel geschlossen. Weil er ihnen Rausch und Lust und Vergnügungen verschaffte und weil sie glaubten, ungestraft davonzukommen.

„Rausch“, „Lust“, „Vergnügen“ … an der Verstümmelung von Kindern mit Macheten. Macht schon Spaß, ihnen Arme und Beine abzuhacken und zuzuschauen, wie sie von Hunden gefressen werden, oder? Man braucht solche Bilder, um die Dimensionen des Bösen zu begreifen. Dabei ist es wichtig, das unsere Generation die Realität des Bösen begreift, eines Bösen, das sich in der Tat zeigt und nicht in der Person des bösen Psychopathen. Leider sind wir weit entfernt von solchen Erkenntnissen:

Ja, und das hat es noch nie zuvor gegeben, dass eine ganze Kultur das Böse als fehlgeleitetes Gutes, als reaktive Verhaltensweise, als Kinderglauben abgetan hat. Das Böse wurde immer als eigenständige Kraft begriffen. Kierkegaard sprach von der «unbegreiflichen Faktizität des Bösen».

Es hilft, zu erwähnen, das Eugen Sorg kein religiöser Mensch ist, aber gern die religiöse Begrifflichkeit benutzt, um zu verstehen, in welcher Gefahr wir uns als Menschheit befinden:

Ich zitiere in dem Buch katholische Intellektuelle, die ebenso glasklar erkannt haben: Hitler ist das Böse. Die haben viel mehr verstanden als die superintellektuelle, aufgeklärte Intelligenz. Sie haben erkannt, ohne Wenn und Aber: Das ist Antihumanität, das ist Antigott.

Sie hatten haben recht behalten, die katholischen Intellektuellen. Wenn wir heute als „moderne Menschen“ das Böse als Kinderglauben abtun und gleichzeitig seine Erscheinungsformen aus der Berichterstattung verschwinden lassen … was folgt daraus? Verschwindet es dann, weil wir uns als Gesellschaft die Augen zuhalten?

Wagen wir doch mal einen aktuellen Blick in die Politik – und bewaffnen uns mit einer Definition, die die bisher geschilderten Erfahrungen einschließt und nennen jenes Böse, das absichtsvolle Zerstörung und Lüge mit sich bringt – so Rüdiger Safranski bei 3Sat, hier auf

Tube, wobei die Lüge hier eine neue Qualität darstellt.

Nehmen wir zum Beispiel die fortdauernde „Rettung“ Griechenlands, deren Folgen gerade in der Welt beschrieben werden:

Von 330.000 Familien- und Mittelstandsunternehmen, dem Rückgrat der griechischen Wirtschaft, haben seit Mai 2010 rund 68.000 geschlossen; 135.000 Jobs gingen verloren. 2012 wird noch schlimmer, erwartet Korkidis. „Vier von zehn Mitgliedern machen Verluste. Bisher haben sie die halbwegs mit ihren Ersparnissen ausgeglichen.Aber ihre Reserven gehen zu Ende. Die Rezession vertieft sich.“ Treffen Kordidis’ Prognosen zu, geben in diesem Jahr weitere 60.000 Firmen auf.

Als Information aus der Wirtschaft sind wir solche abstrakten Daten gewohnt – praktisch heißt das: Hunger, Durst, Obdachlosigkeit … ein Elend wie in Afrika. Wir importieren Elend, anstatt es zu bekämpfen. Wie üblich, benutzt das Böse Ideologien, um seinen Trieben Raum zum Ausleben zu verschaffen: die Ideologie von den Notwendigkeiten der Marktgesetze – Gesetze, die niemals jemand formuliert noch jemals jemand beschlossen hat. Dabei geht es Griechenland in Wirklichkeit gar nicht so schlimm … hier greift aber die Lüge. Gleich der „Verschwörung des Weltjudentums“ werden wir gefüttert mit Informationen über die Untermenschengriechen – dabei gibt es viele Länder die schlimmer verschuldet sind: zum Beispiel die USA. Dort jedoch gibt es keine Debatten über den Einsatz deutscher Steuerbeamte, die jetzt in Griechenland die Macht übernehmen sollen, stattdessen gibt es von dort neuen Druck auf Europa und nahezu perverse Forderungen nach noch mehr Steuergeldern, diesmal in Billionenhöhe.

Verständlich wird diese ausufernden Irrationalität nur durch den Begriff des Bösen … und wir haben dank der Literaturwissenschaft ja auch einen Ausblick auf das Personal, siehe Welt:

WELT ONLINE: In den Neunzigern wurden psychopathische Killer zum Inbegriff des Bösen. Sie erwähnen einen Satz von Patrick Bateman in Bret Easton Ellis‘ Roman „American Psycho“: „Es gibt keine Schranken mehr, die man überschreiten kann.“ Sagt er das auch stellvertretend für seine ganze Generation?

Alt: Dieser Satz, der eine Figur im Jenseits von Gut und Böse ansiedelt, ist sicherlich auch eine Beschreibung der postmodernen Upper-Class-Jugend der Neunziger.

Diese Upperclass-Jugend sitzt heute flächendeckend in entscheidenden Positionen. Wirklich undenkbar, das die sich „nine-eleven“ ausgedacht haben, um mal wieder ungestraft fremde Länder überfallen zu können? Undenkbar … nur in einer Welt, die ihr künstliches Mediengärtchen für die Wirklichkeit hält, einer Welt, in der es kein Waterboarding gibt, keine Koranverbrennungen, keine sinnlosen Angriffskriege durch Demokratien, keine Leuna-Affäre und kein Hartz IV. Ja – so kam das Böse in die deutsche historische Wirklichkeit: durch Helmut Kohl, der dem Volk klar machte, das seine Spendenfreunde wichtiger waren als das Volk und der durch die „Bundeslöschtage“ klar machte, das er alle Mittel nutzen würde, um dem Volk die Wahrheit über die Verschleuderung der Sachwerte der DDR zu verschweigen und durch Gerhard Schröder und seine Bande, die vorgaben, die Arbeitslosigkeit durch Druck auf die Arbeitslosen lösen zu wollen: Demütigung, Entwürdigung und Aberkennung der Menschenrechte inklusive.

Ja, erschreckend, oder? Wir verdrängen das Böse inzwischen so gut, das wir es nicht mehr bemerken, selbst wenn es sich vor unserer Haustür entfaltet – dabei ist es der gleiche Geist, der auch zur Hitlerzeit das Volk in die Bahnen lenkte: im Rahmen der öffentlich verkündeten Lügengespinste sind die Handlungen alternativlos.

Zeit, den Blick auf Hannah Arendt zu legen, sprachlich schwerer zu verarbeiten, aber von unglaublicher Aktualität:

Die Bedingungen für das Auftreten des radikal Bösen verortet sie in Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951 auf Englisch) im Anspruch der totalen Herrschaft, auch hinsichtlich ihrer Möglichkeiten (und nicht nur in Hinblick auf die Subsumption der gesamten Gesellschaft unter die Herrschaft) total zu sein: „Aber in ihrem Bestreben, unter Beweis zu stellen, dass alles möglich ist, hat die totale Herrschaft, ohne es eigentlich zu wollen, entdeckt, dass es ein radikal Böses wirklich geben können. Als das Unmögliche möglich wurde, stellte es sich heraus, dass es identisch ist mit dem unbestrafbaren, unverzeihlichen radikal Bösen, das man weder verstehen noch erklären kann durch die Motive von Eigennutz, Habgier, Neid, Machtgier, Ressentiment, Feigheit.“ (Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München 1996, S. 941). 

Es ist nicht die Gier, der Eigennutz, die Habgier, der Neid, die Machtgier oder andere menschliche Eigenschaften, die das Böse in die Welt rufen – und seine Folgen sind noch schlimmer als die bestialischen Quälereien, in der es sich ergießt.

Demnach war durch die Herrschaftsstruktur des Nationalsozialismus das Böse allgegenwärtig, und zielt auf die Abschaffung des Menschen als Menschen. Dabei werden nach und nach alle Menschen im Namen abstrakter Fortschrittsziele industriell vernichtet so dass nur Funktionsträgers der „organisierten Ohnmacht“ des totalitären Systems übrig bleiben. Die Funktionsträger können jederzeit ausgewechselt werden, so dass sie nur als Funktion, nicht aber als Person überleben.

Merkt man nun, wie dicht wir aktuell wieder an den Vernichtungslagern herangerückt sind, wie schnell aus „Hartz IV“ „Dachau II“ werden kann? „Im Namen abstrakter Fortschrittsziele“ vernichtet das Böse die natürliche menschliche Solidargemeinschaft – bei uns, die wir sein Treiben schon mal erdulden mussten und deshalb sensibler reagieren sollten  – erst national, dann international. Es geht aber um viel mehr: es geht um die Vernichtung des Menschen an sich, des Menschseins, jeglicher Individualität, Kreativität, Liebenswürdigkeit – geduldet ist der Mensch in der neuen Zukunft nur, wenn und solange er reibungslos in seinem Hamsterrad läuft.

Was hier unter den schön und revolutionär klingenden Begriffen von „Reformen“ aufgebaut wird, ist nichts weiter als ein noch größeres Reich des Bösen, in dem Menschen ihre Lust am Bösen hemmungslos ausleben können – solange es nur gegen Arbeitlose, Griechen oder Moslems geht. Kaum einer merkt, das die Zielgruppe der „Aussortierten“ immer größer wird – in Deutschland selbst gehören schon Kinder und Jugendliche dazu: einfach mal genau hinschauen, wie „Hartz IV“ sie bestraft, weil ihre Eltern von US-Beratern aus dem Betrieb wegrationalisiert wurden.

Sicher – noch bewahrt uns der staatstragende Journalist vor der Wahrheit, erschrickt und nicht mit den Konsequenzen jener Entwicklung, die gezielt alle Sicherungen abbaut, die wir – als Menschheit – nach 1945 gezielt aufgebaut haben.

Wovor er uns aber nicht bewahren kann, ist die leibhaftige Erfahrung des Bösen, wenn es wieder Rahmenbedingungen wie in Ruanda,  Auschwitz oder Guantanamo vorfindet und sich endlich wieder hemmungslos ohne Rücksicht auf persönliche Konsequenzen entfalten kann.

Was wir aber für das 22. Jahrhundert aus den kommenden europäischen Gewaltexzessen lernen können, ist mit Sicherheit eins:

das wir niemals wieder die Macht der Wirtschaft als „Fünfte Macht“ im Staate vernachlässigen und unterschätzen dürfen, sie bedarf der gleichen Kontrolle wie die Gesetzgebung, die Rechtsprechung, die exekutive Macht und darf niemals die Freiheit des Journalismus für sich in Anspruch nehmen. Halten wir sie nicht im Zaum – wird es halt böse enden.

 

Verschwörungen in Deutschland und der Holocaust an Arbeitslosen

Wir sollen ja nicht an Verschwörungen glauben. Der größte Erfolg der Verschwörungspraktiker auf diesem Planeten ist, das sie das Nachdenken über Verschwörungen selbst unter Strafe gestellt haben. Das hält einem die lästigen Frager erstmal vom Leib. Wahrheit ist, was Regierung und die mit ihr befreundeten und verbündeten gesellschaftlichen Mächte erlauben, alles andere ist tabu. Das eine solche Einstellung brandgefährlich für die Demokratie ist und dirigistisch in den Prozess der Meinungsbildung eingreift, hätte vor zwanzig Jahren noch viele achtundsechziger aus dem Beamtensessel gescheucht, heute jedoch wissen sie, das auch ihre Pensionen in Gefahr sind, wenn sie das Tabu nicht beachten.

Wir sollen ja nicht an Verschwörungen glauben. Der größte Erfolg der Verschwörungspraktiker auf diesem Planeten ist, das sie das Nachdenken über Verschwörungen selbst unter Strafe gestellt haben. Das hält einem die lästigen Frager erstmal vom Leib. Wahrheit ist, was Regierung und die mit ihr befreundeten und verbündeten gesellschaftlichen Mächte erlauben, alles andere ist tabu. Das eine solche Einstellung brandgefährlich für die Demokratie ist und dirigistisch in den Prozess der Meinungsbildung eingreift, hätte vor zwanzig Jahren noch viele achtundsechziger aus dem Beamtensessel gescheucht, heute jedoch wissen sie, das auch ihre Pensionen in Gefahr sind, wenn sie das Tabu nicht beachten.

Manchmal jedoch holt uns die Wirklichkeit ein. Manchmal ist die Wahrheit noch schneller als die Propaganda. Sammelt man diese Bruchstücke merkt man schnell: es ist vorbei. Die Empfehlung, sich in irgendeiner Nische der Gesellschaft zu verstecken, bis der Sturm vorüber ist, ist vielleicht nicht die schlechteste. Einer jener Momente, wo Wahrheit über Propaganda gesiegt hat, betrifft ein fernes und für uns unbedeutendes Land: Syrien.

Dort meldete die junge Welt im April 2011:

Seit Jahren hat die US-Regierung auf verschiedenen Ebenen an einer Destabilisierung Syriens gearbeitet. Das berichtete am Montag die Washington Post unter Bezugnahme auf interne Botschaftskorrespondenzen, die der Zeitung von Wikileaks zugespielt worden waren. Danach habe das US-Außenministerium mindestens sechs Millionen US-Dollar zur Finanzierung von Oppositionsgruppen und des regierungskritischen Satellitensenders Barada-TV bezahlt, der von London aus sendet.

Solche Nachrichten sind eigentlich brandwichtig. Man sollte sie sich über die Haustür hängen, damit man jeden Tag daran erinnert wird, wie Politik in Demokratien gemacht wird: mit Geld … und Verschwörungen. Sofort sollte man sich die Frage stellen: wo stecken die denn überall noch hinter … und was finanzieren die eigentlich in meinem eigenen Land.

Heute fand ich ein in diesem Zusammenhang bedeutsames Dokument. Es beschreibt im Detail, wie Destabilisierung praktisch vor sich geht. Wie wahr es ist, läßt sich im Lügenkrieg der Nachrichten kaum noch beurteilen. Angesichts der bislang bekannten Praktiken der Machtelite in den USA wäre es zumindest nicht undenkbar … und würde eine plausible Erklärung dafür liefern, das in arabischen Ländern in breiter Front zeitgleich Unruhen ausbrechen. Wer das Dokument in ganzer länger studieren möchte, wird bei Joachim Guilliard fündig.

Nach diesem Plan wird Syrien in drei Bereiche (Großstädte, Kleinstädte und Dörfer) eingeteilt und begründet fünf Arten von Netzwerken

1. Der „Treibstoff“: Dieses Netzwerk besteht aus gebildeten und arbeitslosen Jugendlichen, die mit dezentralen Mitteln miteinander verbunden werden sollen.

2. Die „Verbrecher“: Das Netzwerk umfaßt Gesetzlose und Kriminelle aus entfernten, bevorzugt nichtsyrischen, Gebieten.

3. Die „Ethnisch-Konfessionellen“: Dazu gehören junge Menschen mit begrenzter Bildung, die ethnische Gemeinschaften repräsentieren, welche den Präsidenten unterstützen oder gegen ihn opponieren. Sie müssen jünger als 22 Jahre sein.

4. Die „Medien“: Es besteht aus einigen Führern zivilgesellschaftlicher Institutionen, die aus Europa und nicht aus Amerika finanziert werden.

5. Das „Kapital“: Es umfaßt nur Händler, Firmenbesitzer, Banken und kommerzielle Zentren in Damaskus, Aleppo und Homs.

So sieht das Grundgerüst zur Destabilisierung eines Landes aus. Hier ist es Syrien. Ich möchte nur noch ein kleines Detail herausgreifen: den Beginn der Destabilisierung.

1. Wenn eine Person des Treibstoff-Netzwerkes reagiert, beginnt sofort eine andere Stufe unter Ausnutzung seines/ihres Geldbedarfes:
– Ihm/ihr kleine Geldbeträge zur Verfügung stellen.
– Ihm/ihr ein Mietauto, ein Mobiltelefon und einen Internetzugang bereit stellen.
– Ihn/sie auffordern andere junge Menschen zu suchen und mitzubringen und die gleichen Methoden, bei diesen anwenden.

So kauft man einen Aufstand. So beginnen die ersten Schritte. So könnte auch ein steineschmeißender Taxifahrer zum ersten Außenminister eines ursprünglich geläuterten friedlichen Landes werden, das dann auf einmal wieder zu einer kriegführenden Nation wird. Etwas Ähnliches ist bei uns geschehen, Ex-Grüne wie Jutta Ditfurth haben von Einflussversuchen amerikanischer Kreise berichtet – die bei anderen Grünen auf fruchtbaren Boden vielen.

Agiert man mit fünf Netzwerken gleichzeitig, ist der normale Bürger vollkommen hilflos. Er versteht die Zusammenhänge nicht mehr, wundert sich aber über die ständige Degeneration der politischen Wirklichkeit. SPD-Kanzler fahren einen ultrarechten asozialen Kurs und demontieren mit großen Schlägen den kaiserlichen (!) Sozialstaat, CDU-Kanzleusen wandern nach links ab, Grüne werden militant gegen andere Länder, Linke setzen ARGE-Geschäftsleiter als Bürgermeister ein….und Geld fließt in Riesenströmen aus dem Land hinaus. Die Lebensqualität nimmt beständig weiter ab, „Wohlstand“ bedeutet für das Volk immer mehr Arbeit, immer höhere Preise bei immer geringerem Einkommen, im Aufschwung befinden sich nur die Renditen der US-Investoren (und ihrer deutschen Netzwerkpartner).

Die Medien berichten eigentlich alle dasselbe: die Welt ist heil und gut, alles ist in Ordnung, die Elite und ihre Experten  haben alles im Griff. Und auf einmal wird ein ehedem systemtreues Mittelstandsblatt zur Revolutionspostille, weil man dort Nachrichten findet, die eher zur Verunsicherung dienen. So berichtet die Welt über Hedgefonds, die hochriskante Spekulationsgeschäfte in Dimensionen von 2000 Milliarden Dollar fortsetzen, als hätte es die Krise nie gegeben, über die explodierenden Schulden Griechenlands und die Folgen für den deutschen Steuerzahler oder über die anstehenden Horror-Zusatzbeiträge, mit denen die beschlossenen Rekordhonorare für Ärzte bezahlt werden (die ihre Überschüsse wieder gerne in Hedgefonds stecken).

Vernünftig wirkt das alles nicht. Legt man aber den Plan zur Destabilisierung Syriens über das politische Geschehen in Deutschland, so bemerkt man schon … Ähnlichkeiten. Sicher, unsere Situation ist eine andere. Aber die Netzwerke haben wir auch. „Rotarier“ nennen sie sich, „Pro Christ“, „Atlantikbrücke“ … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Es geht hier allerdings nicht darum eine Diktatur zu beseitigen, sondern eine Demokratie zu unterwandern. Hier kauft man weniger Jugendliche auf der Straße sondern eher Menschen an den zentralen Schaltstellen der Macht in Politik, Medien und Wirtschaft. Deshalb braucht man hier keine Straßenkämpfe, weil es nicht darum geht, eine starke Staatsmacht zu brechen, sondern eine sanfte Staatsmacht zu unterwandern. Da die Netzwerke seit sechzig Jahren wachsen, dürften sie inzwischen eine Verflechtung erreicht haben, das wahrscheinlich jeder Bundesbürger irgendwo von ihnen berührt wird.

Auf jeden Fall dürfte das aber am Arbeitsplatz zutreffen. Er ist der zentrale Angelpunkt im Leben eines Wohlstandsbürgers, dort wird über Grad und Umfang der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben entschieden, dort wird bestimmt, ob er im Eigenheim oder im Plattenbau landet, dort wachen Heerscharen von Unternehmensberatern über die Einhaltung der Regeln einer „produktiven Kultur“ und liefern den Chefs Mittel zur beständigen Erhöhung des Arbeitsdrucks hinter dem nichts anderes steht als der Wunsch nach Erhöhung der Kapitalrendite ohne Rücksicht auf Lebensqualität der Mitarbeiter oder Produktqualität für Verbraucher.

Erinnert sich noch jemand an unser Grundgesetz erinnern? Ich habe gerade nur mal kurz hineingeschaut, es steht … noch … auf der Seite des Deutschen Bundestages:

Artikel 12

(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.

(2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.

(3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.

Das sollte man einmal über den Eingang eines jeden deutschen „Jobcenters“ hängen … und wer mag, der darf auch gerne die Aussagen einer bayrischen Ministerin mit diesem Grundgesetzartikel abgleichen, siehe „gegen Hartz„:

In einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“ forderte Bayerns Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) schärfere Sanktionen gegen Hartz IV Bezieher. Ihrer Meinung nach, gebe es eine „hohe soziale Absicherung bei uns“ und dabei „offensichtlich zu wenig Leidensdruck“.

Zwar wisse auch sie, dass die ALG II Leistungen bis auf Null Euro gekürzt werden können, wenn ein Jobangebot ohne hinreichende Gründe abgelehnt werde, doch hier sieht Haderthauer anscheinend eine noch nicht ausreichend bearbeitete Sanktionslücke, um Hartz IV Betroffene noch mehr zu drangsalieren. „Wer aber den Arbeitsplatz annimmt und nach zwei Wochen wieder ausgestellt wird, weil er unpünktlich und mit ihm nichts anzufangen ist, kann nicht mit Sanktionen belegt werden“. Haderthauer verlangt nun von der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den Katalog von Strafen deutlich zu erweitern. Zudem müssten die derzeitigen Arbeitsmarktinstrumente erweitert werden, um „Langzeitarbeitslose zurück in die Arbeit“ zu bringen. Neben der Jobsuche sollen Jobcenter-Mitarbeiter auch eine Art „Lebenskompetenz“ beibringen, wie beispielsweise den „Umgang mit Haushaltsgeld“.

Erstmal ist der Zwang zur Annahme eines Arbeitsplatzes mit dem Grundgesetz prinzipiell nicht zu vereinbaren – ich bin mir aber sicher, das man sich um diesen demokratischen Grundsatz schon erfolgreich herumgemogelt hat. Das Hereinregieren von Jobcentermitarbeitern (deren Qualifikationen generell sehr fraglich sind) in den privaten Haushalt stellt eine völlige Entmündigung da … und wer nach noch mehr Sanktionen schreit, um die Arbeitslosen endlich von der Straße zu bringen und dabei nach Regelsatzstreichung schielt, der fordert nichts anderes als die ENDLÖSUNG der ARBEITSLOSENfrage mit brutaler Gewalt.

Was ist mit der alleinerziehenden Mutter, deren Kind während der Arbeitszeit erkrankt? Sie wird gekündigt oder verliert ihr Kind. Was ist mit dem Behinderten, der die Arbeit vor Schmerzen nicht mehr aushält? Mit den Alten, die einfach nicht mehr so schnell rennen können?

„Laßt das Gesochse verhungern!“. Viel mehr bestrafen kann man Langzeitarbeitslose kaum noch. Im Namen der Aufschwungstatistik sollen sie gefälligst ins Gras beißen … und so etwas darf man im Deutschland des Jahres 2011 als Mitglied einer Landesregierung wieder offen fordern ohne vom Staatsschutz abgeführt zu werden?

Daran kann man erkennen, wie weit die Destabilisierung der Demokratie schon fortgeschritten ist. Ein US-Einfluß auf die Entwicklung ist damit noch nicht bewiesen.

Wir können aber ganz schnell mal wieder von unten nach oben schalten und entdecken überraschenderweise, das Frau Haderthauer  nach den gleichen Prinzipien reagiert wie der IWF, siehe Deutsche Welle:

Gestützt wird die Kritik an den internationalen Finanzorganisationen von einem prominenten Insider, der sich durchaus nicht als Gegner der Globalisierung versteht. Der frühere Chefökonom der Weltbank Joseph Stiglitz, 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet, wirft in seinem Buch „Die Schatten der Globalisierung“ von 2002 dem IWF vor, mit seinen Auflagen immer wieder die Ungerechtigkeit im weltweiten Armutsgefälle forciert zu haben.

So berichtet Stiglitz über Indonesien, wo der Großteil eines Milliardenkredits zur Bezahlung privater Kredite aus den Industrieländern dienen sollte, während den Armen im Lande die Subventionen für Nahrungsmittel gestrichen wurden.

Schauen wir uns jetzt noch einmal den Charakter der Leiter solcher Organisationen an, die mit Geld Weltpolitik, Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik machen, dann sollte uns eigentlich nichts mehr wundern, siehe Handelsblatt:

Kurz vor seinem Abflug aus New York ist der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn verhaftet worden. Er soll in New York ein Zimmermädchen zum Sex gezwungen haben. Es ist nicht sein erster Skandal.

Man fragt sich, wie kommen solche moralisch fragwürdigen Menschen eigentlich in solche entscheidenden Positionen? Wieso wird gerade ein steineschmeissender Pseudogrüner Aussenminister und nicht einer aus der Friedensbewegung?

Nun, die Antwort steht weiter oben: wenn eine Person des Treibstoffnetzwerkes reagiert, gibt es Bargeld. Kann man jetzt verstehen, warum ich bei solchen Nachrichten aus dem Manager Magazin 2002 sehr unruhig werde:

Özdemir hatte die Aufnahme eines 80.000-Mark-Kredits (rund 41.000 Euro) bei Hunzinger im Januar 1999 öffentlich bedauert und angekündigt, das Geld umgehend vollständig zurückzuzahlen. Er sagte, dass das Geld keine Spende oder Schenkung gewesen sei, sondern ein normaler Kredit.

Und so wird auch am heiligen Sonntag aus dem alltäglichen Nachrichenpuzzle ein Horrorbild. Bilder dieser Art würde ich mir von den Medien in Deutschland wünschen. Gerne würde ich sie mir im Lehnsessel zu Gemüte führen und mich beruhigt zurücklehnen, weil ich weiß, das aufgepasst wird.

Stattdessen werde ich über die Probleme von Filmsternchen, Fussballtrainern und FDP-Tränchen informiert, bis ich keine Lust mehr habe, weiterzulesen.

 

 

 

 

 

 

US-Milliardäre spenden 600 Milliarden Dollar

Jedenfalls scheint das die Größenordnung zu sein, über die Bill Gates and Warren Bufett derzeit recht konkret nachdenken. Sie wollen diese Summen selbst aufbringen und von ihren ähnlich reichen Kameraden einsammeln.

600 Milliarden Dollar – das lädt zu faszinierenden Zahlenspielereien ein. Immerhin ist diese Zahl unfasslich hoch; der Verstand des europäischen Durchschnittsverdieners setzt bereits bei sehr viel kleineren Zahlen aus und der des Geringverdieners bzw. Hartz-IV-Opfers muss angesichts dieser Summen regelrecht revoltieren.

600 Milliarden: wenn man Geringverdiener mit einer Summe von nur 15 Dollar pro Tag davon unterstützte, dann reichte dieser Geldberg für 10.958.904 Menschen ein ganzes Jahr lang. Die Arbeitslosenquote liegt in den USA bei knapp unter 10 Prozent und betrifft immerhin ca. 14,8 Millionen Menschen.

Die einstige Supermacht USA zeigt damit eine derart ungeheuerliche Schieflage in ihrer Vorstellung von Moral und Ethik, dass die betreffenden Milliardäre gerade durch ihre Spendenaktion zum näheren Nachdenken darüber auffordern. Obschon es ganz sicherlich exakt nicht dieser Effekt ist, auf den sie gehofft hatten.

Die Technik der Geldbeschaffung wird sich dadurch nicht ändern, aus den Milliardären sind nicht plötzlich und sozusagen über nacht sozialistische Engelchen geworden sondern sie sind knallharte Kapitalisten geblieben. Sie werden auch morgen noch neunzig Prozent aller in Mexiko für die Drogenkriege benötigten Waffen liefern und sie werden auch morgen noch Öl- und andere Rohstoffquellen von ihren rechtmäßigen Besitzern freischießen. Diese Summe ist keine, wegen derer auch nur einer der Spender einen halben Cocktail weniger schlürft denn in seinem Leben wird er das Fehlen des Geldes erstens gar nicht bemerken und er wird sie zweitens mehr oder weniger schnell wieder neu auf dem Konto begrüßen können.

Es wird Aufgabe der Menschheit im Zuge des Klimawandels und aller damit verbundenen Notzeiten werden, über die Konzentration wirtschaftlicher Macht und Möglichkeit auf wenige Individuen näher nachzudenken. Heute betrachten sehr viele Menschen derartige Vermögen als unanständig und geradezu obszön, morgen vielleicht als schädlich und feindselig. In einigen Ländern, die bereits jetzt eine wesentlich größere Schräglage haben, beginnen sich die Reichen auf regelrechten Burgen einzumauern; einige solcher Liegenschaften sind gar nicht mehr auf herkömmlichem Wege erreichbar. Da muss es schon ein Helikopter sein, um zur Wohnung zu gelangen.

Kapital und Politik haben wachsende Angst vor ihrem Melkvieh; uns allen liegt beispielsweise Heiligendamm noch im Magen. Nicht viele begreifen, in welche Situationen wir gelangen: die, die angeblich vom Wähler in ihr Amt gewählt worden sein wollen, haben Angst vor ihrem eigenen Wähler. Die, die ihre Gelder vom Konsumenten auf immer größeren Bergen horten, haben Angst vor ihren eigenen Kunden. Die Distanzen werden immer größer und größer. Es kann keine Rede mehr davon sein, dass ein Reicherer unbelastet durch eine Straße laufen kann weil er angesichts seines Vermögens, seines Verhältnisses zur Umwelt und seiner sozialen Kompetenz bzw. Leistung darauf hoffen darf, dass die Menschen ihn eher respektieren als hassen.

Kapital und Politik konzentrieren Macht auf immer schärfer fokussierte und kleinere Punkte; sie schicken Menschen in Kriege, die keiner will, die aber immer mehr und üppigere Geldströme in ihre Taschen lenken und Teil einer abstrakten Macht- und Geldpolitik sind, die mit Moral und Ethik nichts mehr zu tun haben – siehe Afghanistan, siehe Irak, siehe Pakistan, siehe Ägypten, siehe Israel ……. wie lang soll die Liste noch werden … ?

Gleichzeitig werden Barrieren zur Bildung immer höher gefahren, schon heute bedeutet der Besuch eines durchschnittlichen Gymnasiums für Eltern eine jährlich ansteigende, wirtschaftliche Belastung – der viele nicht mehr gewachsen sind. Was aus bildungsfernen Familien stammt, wird selbst wieder eine solche sein und gründen, die Elite schickt ihre Kinder auf höhere Schulen bis hin zu extrem teueren Internaten und Privatuniversitäten, deren Entstehung mit hohen Millionenbeträgen von Ländern in Deutschland gezielt gefördert wird.

Das Geld rekrutiert die Politik und diese ist dem Kapital dienstbar. Mittlerweile sind viele deutsche Politiker durch schmierige Machenschaften in die Kritik geraten, wenn sie auch durch noch so freche wie gierige Straftaten nicht befürchten mussten zu stolpern. Gar ein amtierender Bundeskanzler griff beherzt zu und half tatkräftig beim Füllen schwarzer Kassen.

Wohin man so kommen kann, wenn man über die ach soooo gutgemeinte Spendenaktion der US-Milliardäre nachdenkt. Ein großartiger Werbegag, mehr nicht.

© 2010 Echsenwut.

Die letzten 100 Artikel