Arbeit

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Karl Marx #1: Das Kapital und die Ware

Zu unserem ersten #Jubiläum tun wir das, was viele sich seit Wochen und Monaten gewünscht haben: Wir beschäftigen uns mit Karl Marx, genauer gesagt: mit seinem berühmten Hauptwerk „Das Kapital“.
Aller Anfang ist bekanntlich schwer, doch man darf bei der Marx-Lektüre nicht zu sehr vor Ehrfurcht erstarren. Gewiss, leichte Lektüre sieht anders aus, aber es ist keineswegs unmöglich, Marx zu verstehen und zu erkennen, welch hohe Relevanz seine Theorie des #Kapitalismus noch immer hat. Marx schreibt, anders als seine Kritiker oft behaupten, keineswegs verworren, vielmehr ist jedes Wort, jedes Komma bewusst gesetzt, um für Klarheit zu sorgen.
Um das Wirtschaftssystem, in dem wir alle leben, zu verstehen, müssen wir zunächst dort beginnen, wo auch Marx anfängt: bei der Ware. Sie hat, erklärt Marx bereits auf den ersten Seiten des ersten Bandes, nicht nur einen Gebrauchswert, sondern auch einen Tauschwert. Doch wie kommt nun dieser Wert, mit dem Handel erst möglich wird, zustande? Welche Rolle spielt die Arbeit dabei? In der 50. Folge von „Wohlstand für Alle“ setzen sich Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt mit der #Arbeitswertlehre, einer wichtigen Grundlage des Marxismus auseinander, außerdem gibt es Lektüre-Tipps.

Literatur:

Autor_innenkollektiv: Mythen über Marx: Die populärsten Kritiken, Fehlurteile und Missverständnisse, Bertz und Fischer.

Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche, Suhrkamp Taschenbuch.

Wolfgang Fritz Haug: Vorlesungen zur Einführung ins „Kapital“, Argument Verlag.

Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band (MEW 23), Karl-Dietz-Verlag.

Christian Schmidt: Karl Marx zur Einführung, Junius Verlag.

Tag der Arbeit: ketzerische Fakten zum reichsdeutschen Arbeitskult

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Dienstag, 1.5.2018. Eifel. Wir müssen mal über Arbeit reden. Immerhin haben wir ihn ja heute: den Tag der Arbeit. Ist Ihnen auch unangenehm bei dem Thema? Wahrscheinlich. Die Welt ist voll von Menschen, die Abscheu vor dem Montag haben, Mittwoch ein „Bergfest“ feiern und nur noch aufs Wochenende schauen, wo man frei ist von Arbeit. Viele arbeiten dann trotzdem: bauen was im eigenen Garten an, unternehmen was mit ihren Kindern, probieren neue Kochrezepte aus, spielen im Laientheater, testen neue Lebensweisen aus, treiben Sport, lernen neue Sprachen – und was es sonst noch alles so gibt, das eigentlich „Freizeit“ ausmacht. Kam Ihnen noch nie seltsam vor, oder? Dass es „gute“ Arbeit gibt und „schlechte“ Arbeit? Wird ja auch nicht thematisiert. Baut sich der Lehrer am Wochenende mit seinen eigenen Händen ein eigenes Haus (ja, so einen kenne ich persönlich), dann leistet er die gleiche Arbeit wie ein Maurer, ein Schreiner und ein Dachdecker – trotzdem würde er auf die Existenzberechtigungskontrollfrage nie antworten: ich bin Hausbauer! Ebensowenig würde eine Mutter (ja – ich bemühe hier mal kurz das klassische Mutterbild … an das glauben ja sowieso alle und fast alle Frauen erfüllen es auch so, trotz aller theoretischen Diskussion) antworten, dass sie Erzieherin ist, Finanzverwalterin, Haushälterin und Reinigungskraft, nebenbei auch noch Nachhilfelehrerin, Taxifahrerin, Seelsorgerin und Modespezialistin. Alles ehrbare Berufe, doch bei Müttern (und den wenigen Vätern, die diesen Job machen) akzeptieren wir das nicht.

Existenzberechtigungskontrollfrage? Nun ja, das Wort ist neu. Habe kein Problem, für neue Tatbestände umgehend neue Begriffe zu gebären. Sie kennen den Begriff als solchen nicht, aber Sie kennen die Frage:

„Und – was machen Sie so beruflich?“

Ich beantworte die Frage gerne wie mein Onkel: „arbeitslos“. Ist gelogen, ich weiß. Bei uns beiden. Aber die Gesichter, die man dann zu sehen bekommt, die Verhaltensweisen – einfach zu göttlich, um darauf verzichten zu können. Würden Sie sich das auch trauen? Ich hoffe nicht. Solche Antworten können sich nur Menschen leisten, die sicher mit beiden Beinen im sozialen Leben stehen und nicht darauf angewiesen sind, bei jeder Party ihre Existenzberechtigung abfragen zu lassen, um noch Freunde zu behalten. „Arbeit“ meint ja nicht, ob man irgendwas zu tun hat, sondern ob man Geld dafür bekommt. Da gibt es auch gutes und schlechtes Geld. Gutes Geld ist das, was man irgendwie anderen aus der Tasche zieht – mit betrügerischen Autos, gefakten Anlageprodukten, inhaltsleeren Nahrungsmitteln oder der Produktion von Waffen oder Giften aller Art. Schlechtes Geld ist das, was Arbeitslose bekommen, weil es ja „von andern“ kommt. Das  alles Geld von anderen kommt, das haben die Existenzberechtigungsblockwarte noch nicht verstanden.

Alle Religionen müssten gegen den neuen Arbeitsbegriff Sturm laufen. Denken Sie nur an unsere Religion, sie kennen die Geschichte? Eva verführte Adam mit diesem Apfel – auf Geheiß der Schlange, die in dieser Geschichte kaum hinreichende Bedeutung erlangt – worauf hin sie aus dem Paradies herausflogen, wo Arbeit als Strafe auf sie wartete. Äonen später kam dann die Kultur, wo Arbeit auf einmal heilig wurde, ein Götze selbst – und weil auch dies von der Schlange kam, wurden die Belohnungen um so größer, je mehr Welt verwüstet wurde. Ja: Sie werden kein Millionär durch Kinder- oder Altenpflege, aber durch Asphaltierung, Waffenproduktion und die Schaffung von künstlichen Plastikkontinten im Ozean. Da kann nur wieder „die Schlange“ dahinterstecken.

Kann gar nicht ausdrücken, wie es mich gelegentlich anekelt, wenn Menschen voller Stolz darüber berichten, dass sie wieder „Arbeit“ haben. Woher der Ekel stammt? Nun – da begegnet man nationalsozialistischem Denken in Reinkultur. Wissen Sie nicht, oder? Wir reden in ganz Deutschland über „Rechte“, aber was echtes, finsteres rechtes Denken ausmacht, das weiß kaum noch einer. Deshalb kennen Sie ja auch nicht das Motto des Reichsarbeitsdienstes, das bis heute weder Gültigkeit noch disziplinierende Gewalt verloren hat (weshalb die Hitlerzeit immer noch einen langen Schatten über uns wirft und wir zurecht vom Ausland kritisch beobachtet werden, ob der Wahn nicht wieder ausbricht): „Arbeit für Dein Volk adelt Dich selbst“

Das ist eigentlich der Hintergrund jener Frage, die so einfach daherkommt: „und, was machen Sie so beruflich“?

Man könnte auch fragen: Gehören Sie auch zum auserwählten Volk oder sind Sie nur ein Schmarotzer?

Das ist so der Hintergrund jener Frage – und voll Stolz geschwellter Brust treten dann auch die Adeligen auf:

„Ist Tag der Arbeit, nicht der Arbeitslosen. Und es gibt entgegen aller Prognosen und Unkenrufe auch immer noch Leute, die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen und damit Philosophen ihren Lebensunterhalt finanzieren. Wie wäre es mal mit ein ein bisschen Dankeschön … so am Tag der Arbeit.“

Das war eine der Antworten auf eine kleine Randnotiz bei FB, wo ich mal reale Arbeislosenzahlen zur Diskussion stellte. Die mutige Dame ist Friseurin aus dem Osten, finanziell ziemlich schlecht ausgestattet, aber halt … adelig im Sinne des Reichsarbeitsdienstes. Da ich mehr verdiene als sie – habe ich bisher auf Dankesbekundungen verzichtet.

Reale Arbeitslosenzahlen? Stimmt, wir müssen ja auch mal über die Fakten reden. Meine Argumentation ist da eigentlich einfach: ich gehe von unbefristeten Vollzeitarbeitsplätzen als Norm aus … was ein Fehler war, wie ich später bemerkte, in Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer, aber bleiben wir erstmal bei dieser Definition. Zuvor sei gesagt: es gibt auch andere Definitionen (siehe destasis):

„In der Arbeitskräfteerhebung wird das Labour-Force-Konzept der Internationalen Arbeitsorganisation, Genf (ILO) umgesetzt, das die Bevölkerung nach international einheitlichen Kriterien in Erwerbstätige, Erwerbslose und Nichterwerbspersonen einteilt. Erwerbstätig im Sinne der ILO-Definition ist jede Person im erwerbsfähigen Alter, die in einem einwöchigen Berichtszeitraum mindestens eine Stunde gegen Entgelt oder im Rahmen einer selbstständigen oder mithelfenden Tätigkeit gearbeitet hat. Auch wer sich in einem formalen Arbeitsverhältnis befindet, das er im Berichtszeitraum nur vorübergehend nicht ausgeübt hat, gilt als erwerbstätig.“

So einfach geht Vollbeschäftigung. Eine Stunde bezahlter Arbeit in der Woche: schon ist man adelig. Ja – der religiöse Status der Arbeit zieht sehr weite Kreise. Ich hätte da eher eine andere Sichtweise, schaue auf die Anzahl unbefristeter Vollzeitjobs in Deutschland und sehe: nur noch 38 Prozent der Deutschen haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit Vollzeitstelle (siehe statista). Nehme ich das als Norm, sind 62 Prozent mehr oder weniger arbeitslos. So sah das mal ein Nobelpreisträger für Wirtschaft, der Herr Stieglitz.

Wir haben ja in Deutschland gerade 44 Millionen Erwerbstätige (hier mal nicht nach ILO-Definition), demnach wären nur knapp 17 Millionen in Besitz eines vollwertigen Arbeitsplatzes. Von diesen 44 Millionen arbeiten 33 Millionen im Dienstleistungsbereich, 10 Millionen im Gastgewerbe, 13 Millionen bei öffentlichen und privaten Dienstleistern, 16 Millionen im prozuzierenden und verarbeitenden Gewerbe (siehe Statista). Das sind noch nicht alle Berufsgruppen – wir sind ja auch jetzt schon bei 72 Millionen Arbeitsplätzen, die von 44 Millionen Menschen ausgefüllt werden – addieren wir den Rest dazu kommen wir auf ca. 83 Millionen Erwerbstätige – wir sind ein Supervolk! Arbeiten fast doppelt! Oder -die meisten brauchen zwei Jobs, um über die Runden zu kommen.

Reicht Ihnen das schon?

Mir nicht.

Schauen wir uns doch mal diese 17 Millionen genauer an, den Hochadel der Arbeitswelt: sie haben einen unbefristeten Vollzeitarbeitsplatz, von dem aus sie voller Abscheu und Verachtung auf die Minderleister herabschauen können – und oft genug auch tun. Immerhin haben wir insgesamt 14 Millionen Minderleister – das sind jene, die rund um Hartz IV pendeln. Ja – addiert man die Zahl aller Menschen, die jemals Hartz IV bekommen haben, so kommt man auf 14 Millionen (siehe Handelsblatt) – schon epische Ausmaße.

Aber wie sieht es aus mit diesem Vollzeitarbeitsplatz? Nun – die sind auch nicht mehr alle das Wert, was sie mal waren (siehe aktuelle.sozialpolitik.blogspot)

„3,7 Millionen – wohlgemerkt – sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte verdienen weniger als 2.000 Euro brutto pro Monat.“

Ich kenne einen von denen. Alleinerziehende Mutter, arbeitet im Baumarkt, 50 Stunden die Woche, bekommt dafür 1045 Euro Netto im Monat – das ist halt das Mindestlohnnormmodell. Ohne staatliche Unterstützung sähe das düster aus für die Familie – aber das sind schon unsere Topspitzenkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Bleiben also von 44 Millionen arbeitenden Menschen in Deutschland gerade mal 14 Millionen übrig, die ordentliche Arbeit haben – 30 Millionen haben irgendeinen Schrott und müssten auf die aktuellen Arbeitslosenzahlen zuaddiert werden.

Ach ja: Mindestlohn. Der ist den Herren der Weltbank noch zu hoch (siehe rt):

„Im Entwurf ihres Jahresberichts, der erst im Herbst offiziell veröffentlicht werden soll, schlägt die Weltbank den Regierungen der Mitgliedsländer vor, keine weiteren Gedanken mehr an den Mindestlohn zu verschwenden und stattdessen darüber nachzudenken, wie für die Unternehmer die gesetzlichen Einschränkungen bezüglich Einstellungen von Arbeitern und die Beschränkungen bei deren Entlassungen gelockert bzw. komplett dereguliert werden könnten.“

Wissen Sie, wer da wieder sein gräßliches Haupt erhebt? Ja, genau: der alten Plantagenbesitzer aus den Südstaaten, bei uns heißen die Gutsherren. „Wir brauchen mehr rechtslose Arbeitssklaven“ – so könnte man die Forderung einfach mal mit größerer historischer Dimension betrachtet benennen.

Dabei sind wir Deutschen ja schon einsame Spitzenklasse, was unbezahlte Gratisarbeit angeht: 1700 Millionen Überstunden leisteten die Deutschen 2016 – und vernichteten so eine Million Vollzeitarbeitsplätze – meist ohne Bezahlung (siehe Zeit). Ich sage ja: „Arbeit für Dein Volk adelt Dich selbst“. Dieser NS-Parole folgen die Deutschen – und sind stolz darauf.

Fünf unbezahlte Überstunden jede Woche leistet das deutsche Arbeitsvieh (siehe Spiegel). Aber Sie haben Recht, wenn Sie sich darüber beschweren, mit dem NS-Gedankengut in Verbindung gebracht zu werden – ich schätze mal, bei den meisten ist es die pure Angst vor dem Hass der Gesellschaft und ihrer Gutsherren. Ja, sicher: Hass ist ein Geschäftsmodell geworden, so werden wir jedenfalls gewarnt (siehe t-online). Das dieser Hass aber nicht mit „Flüchtlingen“ in die Welt gesetzt wurde, sondern in einer großen asozialen Offensive 2005 durch die Hartz-IV-Gesetzgebung in die Welt kam … daran erinnert sich niemand. Dort wurde der „Minderleister“ auf breiter medialer Front als „unwertes Leben“ definiert – und das Volk klatschte Beifall über die Tatsache, dass Staat endlich mal wieder Bürger durch Entzug aller Lebensgrundlagen zu Tode bringen konnte.

Und die Offensive der Asozialen ist ja noch lange nicht zuende, die 60-Stunden-Arbeitswoche wird gerade gefordert (siehe t-online) – und wird wohl spätestens nach der nächsten Wahl Gesetz. Den Spitzenplatz an gelebter reichsdeutscher Asozialität schießt jedoch die Berliner Mittelstandsvereinigung ab (siehe t-online):

„Arbeitsfähige Bürger unter 50 Jahren sollen nach Willen der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Berliner Union (MIT) keine Hartz-IV-Leistungen mehr erhalten. „Es ist bei der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt nicht einzusehen, dass Menschen, die 25 oder auch 45 Jahre alt sind, zu Hause sitzen und Hartz IV beanspruchen können“, sagte MIT-Vorsitzender Christian Gräff der „Berliner Morgenpost“. „

Christian Gräff war Abgeordneter im Land Berlin. Hat Abitur nicht geschafft, wurde Einzelhandelskaufmann – seit 2006 ist keine wirtschaftliche Tätigkeit mehr nachzuvollziehen (siehe Wikipedia), er lebt vom staatlichen Leistungen – als Bezirksstadtrat, Besoldung beträgt 7533,07 Euro (siehe Tagesspiegel). Enorm, was so ein kleiner Verwaltungsjob bringt. Mit normaler Arbeit kommen Sie da nicht mehr mit, ist halt ein Gutsherrenjob. Ist natürlich nichts gegen jene Geschäfte, die Parteikollegen von ihm so machen: 2,7 Millionen verdient eine damit, dass sie in einem heruntergekommenen, kleinen Hotel Flüchtlinge unterbringt (siehe WDR), der Groko-Kollege Jörg Heydorn macht es noch besser: er kassiert 125 000 Euro für eine leere Flüchtlingsunterkunft – jeden Monat (siehe NDR). Weil ich fies bin, kommt mir da gleich der Verdacht, dass dies der Hauptgrund dafür ist, dass „Flüchtlinge“ vor allem im Südwesten Deutschlands untergebracht werden (siehe destasis) – wo man gerne „gutes“ Geld verdient – am liebsten ohne jegliche Arbeit.

Nach meinem Willen übrigens – der nicht weniger entschlossen ist als der Wille der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Berliner Union – sollte man diese Lumpen wegen Planung einer gezielten Massenvernichtung deutscher Staatsbürger umgehend allesamt verhaften und einsperren, irgendwelche Terroristengesetze sollten doch dafür herhalten können – sonst brauchen wir neue. Wir hatten sowas schon mal – das wird dem Realschüler Christian Gräff vielleicht nicht bewusst sein, er hat ja auch genug damit zu tun, jeden Monat das Zehnfache von dem zu verbraten, was man Arbeitslosen als Grundsicherung zugesteht. Wir kriegen doch diese neuen Polizeigesetze – und der Mann und sein Verein dürften sich doch wohl genug als „Gefährder“ positioniert haben, die man schon vor der Massentötung aus Habgier inhaftieren darf.

Puh – jetzt sind wir schon wieder weit vom Thema entfernt – oder auch nicht, denn: diese asozialen Entwicklungen im Lande gründen alle auf jenem reichsdeutschen Arbeitskult … der natürlich nur fürs Volk gilt, nicht für die Gauleiter, Plantagenbesitzer und Gutsherren, die ganz tief in die Gemeinschaftskasse greifen – auch mit jedem idiotischen Mammutprojekt, an dem Parteifreunde super verdienen … und von dem man im Nachhinein sagt, dass man es im Prinzip nie wieder bauen würde – wie Stuttgart 21 (siehe Spiegel).

Vielleicht denken Sie einfach mal heute über jenen Spruch nach, der seit Ewigkeiten durchs Land geistert: der Franzose arbeitet, um zu leben – und der Deutsche lebt um zu arbeiten.

Das hat auch religiöse Dimensionen, wie Ihnen jeder gebildete Christ bestätigen kann: der christliche Gott ist der Gott des Lebens, der Gott allen Lebendigen, er erfreut sich mehr an Franzosen, die das Leben, das ihnen geschenkt wurde, lieben und genießen anstatt an Deutschen, die Arbeit heiligen … obwohl nur noch ein kleiner Bruchteil von ihnen wirklich Arbeit hat, die man auch als solche bezeichnen kann.

Nebenbei … können Sie jetzt aber auch verstehen, warum der Atheismus eine wichtige flankierende Maßnahme der Plantagenbesitzer ist: ein Paradies, in dem alle nackt in der Sonne wie im Urlaub herumlaufen und gratis Essen und Trinken bekommen, ist dem Gutsherren ein Dorn im Auge – wie soll er da Bezirksstadtrat werden und kräftig abkassieren?

Die Vernichtung der Welt durch „Arbeit“ – eine Zwischenbilanz menschlicher Freiheit vor dem nächsten Crash

Dienstag, 9.1.2018. Eifel. Wunderbare Welt, in der wir leben, oder? Doch: wunderbar. Sehen Sie: da gibt es zum Beispiel diese Engländerin, die Parkinson riechen kann – Jahre, bevor die Ärzte in der Lage sind, ihn zu diagnostizieren (siehe Grenzwissenschaften). Nur ein Beispiel von vielen – aber ein einziges reicht doch aus um zu sagen: was für eine wunderbare Welt! Was für Potentiale Menschen doch haben! Was könnte das doch für eine Welt sein, wenn: ja wenn alles einfach besser laufen würde.  Stattdessen leben wir in einer Welt, in der Menschen bestraft werden sollen, die Flaschenpfand sammeln. Ja – schauen Sie sich diesen Irrsinn doch einfach mal an (siehe Saarbrücker Zeitung):

„Im Oktober 2016 angelte ein Ehepaar aus München, von Beruf Rentner und Reinigungskraft, mithilfe eines Greifarmes Flaschen aus einem Altglascontainer. Die beiden hatten vor, anschließend das Pfand für die Flaschen einzulösen. Bei der Sammelaktion wurden sie von Anwohnern beobachtet und der Polizei gemeldet. Die Polizei wurde aktiv. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein und beantragte schließlich für beide Eheleute beim Amtsgericht München Strafbefehle wegen Diebstahls.“

Irre, oder? Gut, dass der Richter als allerletzte Bremse aktiv wurde – mit einer überraschenden Begründung:

„Mit dem Einwurf der Glasflaschen in den Container geht das Eigentum an den Flaschen auf den Betreiber der Altglascontainer über.“ Von ihrem Eigentümer würden solche Pfandflaschen aber nicht aussortiert sondern mit den anderen Flaschen eingeschmolzen. Maßgeblich für die Berechnung ihres Wertes sei deshalb der Wert, den die insgesamt 18 entwendeten Glasflaschen für diese Recycling-Firma haben. Dieser Wert des eingeschmolzenen Glases sei jedoch „so minimal“, dass er im konkreten Fall gar nicht habe geklärt werden können. Es sei deshalb unklar geblieben, welchen Wert die 18 Flaschen im Rahmen des Recyclingprozesses am Ende überhaupt haben“

Damit gab sich die Staatsanwaltschaft natürlich nicht zufrieden, sie … ging in die nächste Instanz. Lesen Sie selbst nach, wie das endete: in München, einer der reichsten Städte in Deutschland. Erklärt mir gut, warum ich diese Stadt nicht mag. Ich würde gerne mal dagegenrechnen, wie viel Schaden dem Steuerzahler durch diese Aktion entstanden ist – und die Kosten den Beteiligten vom Lohn abziehen – oder den „guten Bürgern“ als Strafe für asoziales Verhalten aufbrummen – aber asoziales Verhalten ist ja nicht strafbar, obwohl es Schäden in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro verursacht … würde Jahre dauern, das alles nachzurechnen, die Zeit habe ich nicht. Denken Sie nur an den letzten Börsencrash 2008 (die Lehmannpleite – nach Angaben von hier schon oft zitierten Experten nur ein kleines Vorbeben dessen, was noch auf uns lauert): da haben Sie schon Schaden genug.

Wie – das wissen Sie nicht? Müsste doch eigentlich jeden Tag in der Tagesschau kommen, was da an „Vermögenswerten“ vernichtet wurde – durch Taschenspielertricks, Lügen und hinterlistigsten Betrug – nicht zuletzt aber auch durch Gier, Dummheit und schlampige Arbeit. 50 Billionen sind da vernichtet worden (siehe FAZ) … das sind 50 000 Milliarden: die meisten Menschen verstehen diese Zahlen gar nicht mehr mangels Bildung. Knapp 200 Jahre den deutschen Staatshaushalt finanziert: das wäre drin gewesen. Die Armut auf der ganzen Welt ausgelöscht: man denke nur, dass auf jeden Menschen rein rechnerisch 7000 Euro entfallen wären – für Menschen, die von zwei Euro am Tag leben, wäre das das Einkommen für zehn Jahre gewesen. Denen das einfach mal so geschenkt: was wäre das für ein Fest geworden!

Sogar in den reichen Ländern hätte sich jeder Bürger über das kleine Geldgeschenk gefreut: eine Familie mit zwei Kindern hätten schon 28000 Euro mehr gehabt – es sei denn, sie bezögen Harzt IV, dann hätte ihnen der Staat das sofort wieder weggenommen … genau wie das Kindergeld. Kindergeld gibt es nur für Reiche in Deutschland, die Armen sollen sehen, wo sie bleiben. Auch asozial, oder?

Bitte? Doch: das ist doch die Philosophie, die dahintersteckt! Oder glauben Sie etwa, es würde sonst Sinn machen, Menschen, die Flaschenpfand sammeln, mit der ganzen Härte des Gesetzes, mit Polizei und Staatsanwaltschaft zu verfolgen – und dem „gerechten“ Zorn der gelangweilten dekadenten Anwohner wenn es nicht um eine ganz wichtige Sache ging?

Habe nicht in Erinnerung, dass wir tausende von Finanzspekulateuren verfolgt haben – obwohl die meisten wussten, was da für seltsame Schuldverschreibungspakete geschnürt wurden – die nur für irrsinnige, kriminelle und absolut dissoziale Charaktere Sinn machen. Dafür habe ich aber gelesen, dass das Kasino wieder brummt: die Wirtschaftszeitungen sind voll von diesen Nachrichten – und wir haben ja ein neues Casino: Bitcoin. Erhalte täglich ein Dutzend Angebote von Menschen, die mich mit Bitcoin reich machen möchten.  Richtig reich. Habe ja auch von einem gelesen, der hatte 20 Bitcoin für drei Euro gekauft – wenn die Prognosen stimmen, dass der Bitcoin Ende 2018 bei 100 000 Euro liegt (für EINEN), dann ist dieser Mensch Millionär. Also: wenn er seine Luftwerte rechtzeitig verkauft – an andere, die dann den Schaden haben, wenn die Blase wieder platzt.

Ja: das sagt einem keiner bei diesen Erfolgsgeschichten, oder? Auch an dem Finanzcrash haben viele Menschen irrsinnige Summen verdient: mit Geld, das gar nicht existierte. Mit Optionen auf Möglichkeiten, die nie real waren. Kein normales, soziales mit Vernunft begabtes Wesen würde auf diese Art und Weise wirtschaften wollen: um über den Winter zu kommen, brauchen wir reale Nahrung, echtes Wasser, in Grad messbare Heizmöglichkeiten – und keine Versprechungen von Zauberkünstlern. Diese Art von Wirtschaft erinnert ein wenig an die Ursprünge des Ärztekultes im Westen: jenen Mann im Planwagen, der durch die Dörfer zog und Erdöl in Flaschen (ohne zu wissen, was es eigentlich war) als Allheilmittel gegen alles verkauft hat – und regelmäßig ganz schnell das Städtchen verlassen musste, wenn die Nebenwirkungen seiner Therapie sichtbar wurden. Ja: das ist das Geheimnis großen Reichtums, der nicht durch Arbeit erworben werden kann – den Sie niemals erwerben werden können, wenn Sie jeden Tag brav in die Firma gehen. Gigantischer Reichtum ist nur möglich, wenn sie skrupellos anderen was wegnehmen. Nehmen Sie einem Menschen 80 Millionen, dann ist das Diebstahl – und sehr schwer. Nehmen Sie aber von 80 Millionen Menschen nur einen Euro – merkt es keiner, Sie haben aber die gleiche Summe auf dem Konto.

So funktioniert unser System – und als Mittel, uns das Geld aus den Taschen zu ziehen, wurde der Konzern erfunden: gigantische, kaum noch durchschaubare Konstrukte, die selbst gewiefte Steuerprüfer ins Leere laufen lassen aber hervorragend als jene Maschinen funktionieren, die Milliarden Menschen Euros und Dollar aus der Tasche ziehen, um einigen wenigen Milliarden in die Kasse zu spülen. Kein Wunder, dass das niemand mehr Kapitalismus nennen mag – und mit Marktwirtschaft hat das alles überhaupt nichts mehr zu tun.

Wissen Sie noch, wie das mal anfing? Der Kapitalismus hat ja so ein schönes Bild dafür geschaffen: den Markt … jene Flecken, aus denen später Dörfer wurden, dann Städte. Dort treffen sich die Schweinezüchter mit den Weizenpflanzern, die Weinbauern mit den Möhrenfürsten, die Künstler und Dichter, die Ärzte und Rechtsanwälte und alle tauschen ihre Waren und Dienstleistungen aus, bis alle satt, zufrieden und glücklich nach Hause fahren. So – das Ideal. Dort … treffen sich freie Menschen zum freien Austausch ihrer Überschüsse. Die Praxis ist: 99 Prozent der Dorfbewohner haben kein Land mehr. 99 Prozent der Dorfbewohner wurden mit staatlicher Gewalt von den bislang freien und geldlosen Zugängen zu Nahrung, Wasser, Obdach und Wärme abgeschnitten – sie sind schon hoch verschuldet, wenn sie nur zur Welt kommen. Ja: nun schauen Sie nicht so. Essen wächst überall umsonst – von ganz alleine. Es ist ein bewusster Willensakt zu sagen: das ist jetzt alles MEINS. Und ihr anderen … müsst jetzt dafür BEZAHLEN, um essen zu dürfen. Macht ihr das nicht – müsst ihr eben hungern. Die Äcker wurden dereinst zusammengelegt, weil sie so wirtschaftlich effektiver waren. Das befahl dereinst der Staat. Ist wie mit der Industrialisierung: auch die wurde staatlich (also: mit unseren Steuergeldern) reichlich gefördert, wir bauten Straßen, Schienen, begradigten Flüsse, damit die Firmen an ihre Rohstoffe kamen und ihre Waren weiterleiten konnten, wir haben in hundert Jahren das ganze Land komplett zugebaut, damit die Firmen effektiver Gewinn machen können … aber nur noch für sich. Durch die Zusammenlegung von Grundstücken (für die eine kleine – heute völlig unbedeutende – Entschädigung gezahlt wurde) gab es einen gigantischen Produktivitätsgewinn – und aus den Bevölkerungen der Länder wurden abhängige Sklavenkulturen, die jederzeit fürchten mussten, dass der Wert ihres Geldes von heute auf morgen absackte, weil gewiefte Spekulanten wieder asoziale Spielchen gespielt hatten. Das haben wir schon mal drastisch erlebt – und bewegen uns wieder darauf zu.

Heute: gehört alles anonymen Megamächten. 99 Prozent der Bevölkerung sind in eine große Maschine eingebunden – und die anderen Völker sollen mit Frondiensten in dieser Maschine beglückt werden, wenn wir ihnen erstmal die „Demokratie gebracht haben“ – was ja der große Kreuzzug des 21. Jahrhunderts ist: den Menschen „die Demokratie bringen“. Ja: so sieht unser Dorf heute aus: rund um den Markt – der eine Megastadt geworden ist – stehen große Werke, die die völlig verarmte Stadtbevölkerung mit dem Notwendigsten (und meist qualitativ minderwertigem) versorgen. Jederzeit werden die Preise erhöht, um mehr und mehr aus der Notsituation abschöpfen zu können, gleichzeitig werden die Ärmsten der Armen gejagt – ganz nach dem Motto: 0hne Hungertod keine Motivation. Die Arbeitsbienen sollten ja wissen, warum sie täglich mehr strampeln – sie sollen wissen, wovor sie davonlaufen müssen: vor der Hartzhölle, die eine ewige, die Seele zerfetzende Demütigung ist, begleitet vom Hohnlachen der Mitmenschen – jene Typen, die auch Pfandflaschen mit ihrem Leben verteidigen und für 1,44 Euro Altglas die gesamte Staatsmacht entfesseln … aber das jonglieren mit Billionen gelassen hinnehmen.

Völlig verarmte Stadtbevölkerung? In einem Land, dem es niemals zuvor in seiner Geschichte besser ging?

Das überrascht jetzt, oder? Sind wir nicht alle superreich – im Vergleich zu jenen Millionen, die in Afrika verhungern? Ist nicht sogar der verharzte Mensch reich zu nennen im Vergleich zu jenen Hunderttausenden, die in der Wüste verrecken auf dem Weg in unser gelobtes Land?

Nimmt man das als Maßstab, was uns tagaus tagein gepredigt wird: dann ja. Denkt man aber an jenen Begriff der Freiheit, der jahrtausendelang Wunschtraum der Menschen war: dann – ganz klar und eindeutig – nein.

Ein freier Mensch hat die völlige Souveränität über seine Nahrungsversorgung, die die Natur in übergroßer Fülle bereit hält. Er hat die völlige Verfügungsgewalt über seine Wasserversorgung – jenes Wasser, das völlig umsonst vom Himmel fällt und völlig umsonst die Bäche und Flüße herunterfließt. Er kann sein Obdach mit seinen eigenen Händen bauen aus jenen Materialien, die völlig umsonst wachsen – und in großer Zahl nachwachsen. Er kann essen, bis er satt ist, trinken, bis der Durst gewichen ist … und schlafen, bis er ausgeschlafen ist. Ja: ausschlafen ist wichtig. Für die Gesundheit, die Laune, die Leistungsfähigkeit und die Lebensdauer. Schlafentzug … ist Folter. Fragen Sie mal in Guantanamo nach – die arbeiten professionell damit. Auch die RAF-Häftlinge in Stammheim wurden dieser Folter unterzogen – leider hat die entsprechende Arbeit von Amnesty International hierzu noch keinen Einzug ins Internet gehalten, lediglich bei Wikipedia findet sich ein Hinweis dazu (siehe Wikipedia).

Und Sie? Werden jeden Morgen von einer Maschine aus Morpheus Armen gerissen, um ihr Werk zu tun, bzw. das Ihrer Herren. Gut, dass wir noch gar nicht wissen, was Schlaf eigentlich ist, wozu er gut ist, was er alles bewirkt: wir haben bislang nicht mehr als Verschwörungstheorien zum Schlaf – besser gesagt: Hypothesen. Und Verschwörungstheorien sind ja das Werk des Teufels, wie wir alle wissen … sollen.

Ja, sicher: wir haben SUV´s, Flugzeuge, Flachbildfernseher, Smartphones, Staubsauger, steigende Krebsraten und wachsende Zahlen an Burn-Out-Fällen – das hat der freie Mann in den Wäldern nicht. Erinnert mich an die Vernichtung der Kultur der nordamerikanischen Indianer: die bekamen Glasperlen und Alkohol … unsere Glasperlen laufen mit Strom und glitzern deshalb noch mehr – aber sind wir deshalb „frei“?.

Testen Sie doch mal Ihre Freiheit. Für einen guten Zweck. Machen Sie sich doch einfach morgen mal auf eine Wanderung nach … sagen wir … Jerusalem. Sie könnten daraus ein religiös motiviertes Ding machen, so eine Art Wallfahrt: also etwas, das kulturell noch hoch anerkannt sein müsste. Oder wandern Sie nach Rom. Oder Helgoland – dem „heilig Land“. Oder irgendwo hin, mir egal wo. Und dann beobachten Sie mal ganz genau, wie es um Ihre Freiheit bestellt ist … die in Massen hereinflatternden Rechnungen, die beglichen werden wollen, werden Ihnen zeigen, wie frei Sie sind … bzw. wie sehr sie „in Schuld“ stehen. Es droht Kündigung des Arbeitsverhältnisses … und Sanktionen des Jobcenters. Sie werden auch – trotz Zelt – Schwierigkeiten haben, irgendwo zu nächtigen: denn das ist verboten. Immerhin sind schon zwei Drittel des deutschen Landes in privater Hand – also nicht in Ihrer (siehe Stern) Das Essen entlang ihres Weges … gehört alles jemand anderem, obwohl niemand von den Besitzern dafür sorgen kann, dass es überhaupt wächst … die leben auch nur davon, dass uns die Natur seit  Millionen von Jahren reich beschenkt. Nehmen Sie nur einen einzigen Apfel … die ganze Gewalt des modernen industriellen Staates würde Ihnen ihre engen Grenzen aufzeigen. Sie könnten sich auf Visionssuche begeben, wie es in vielen Traditionen der Menschheit ganz natürlich war – um die Vision, den Sinn, den Zweck für Ihr eigenes, ganz persönliches Leben zu erhalten … bevor Sie, wie die meisten modernen Menschen … auf dem Sterbebett bereuen müssen, dass sie überhaupt kein Leben gelebt haben, sondern nur Vorschriften befolgten und Erwartungen befriedigten.

Ja – lauschen Sie mal den Worten der Sterbenden (siehe Stern):

„Es sind nicht so sehr die großen und kleinen Träume wie Weltreisen, schicke Häuser, mehr Sex oder noch mehr Geld, deren Fehlen die Todgeweihten bereuen, sondern die unerfüllten, zwischenmenschliche Dinge: Auf Platz eins etwa steht der Wunsch „den Mut gehabt zu haben, mein eigenes Leben zu leben“. Viele der Menschen hätten sich darüber beklagt, zu oft den Erwartungen anderer entsprochen zu haben, statt ihren eigenen Wünschen nachzugehen. „Die meisten hätten nicht einmal die Hälfte ihrer Träume verwirklicht“, so die Palliativpflegerin, die jahrelang Menschen in den Tod begleitet und ihre Erfahrungen zunächst in einem vielbeachteten Blog verarbeitet hat.“

Ja – es gibt auch etwas zum Thema „Arbeit“.

„Vor allem Männer bedauerten in ihren letzten Tagen und Stunden, dass sie „zu viel Zeit ihres Lebens in der Tretmühle des Arbeitslebens“ verbracht hätten, wie die Autorin schreibt. Sie grämten sich, sich zu wenig um Kinder, Partner und Freunde gekümmert zu haben. Frauen hätten sich zwar auch über zu viel Arbeit beklagt, aber längst nicht so häufig wie Männer, so Ware: „Sie waren meistens eben nicht die Familienernährer.“ 

Ist das die Abschiedsbetrachtung eines freien Menschen? Die große Maschine der Superreichen (ja: man braucht viel Geld um so eine Maschine zu errichten. Und es sind viel weniger Juden als die reichen, angelsächsischen Protestanten, die dieses Geld in Händen halten – um nebenbei mal mit einer alten Lügengeschichte aufzuräumen, die aber gern von reichen angelsächsischen Protestanten verbreitet wird um aus dem Schussfeld zu kommen und Millionen Mitbürger jüdischer Religion das Leben gekostet hat).

Wissen Sie, was andere von unserem modernen Leben halten – das Lebensinn, Lebensqualität, Lebensinhalte systematisch in großem Umfang vernichtet, das aus dem Tod das grausame Ende eines um alles betrogenen Menschen macht? Ich habe da eine Stimme, die vor allem bei Konservativen und Grünen (ist ja inzwischen dasselbe) gerne gehört wird: Ernst Jünger.

„Der Mensch, sagte Jünger ist „in einer großen Maschine gefangen, die zu seiner Vernichtung entwickelt worden war“ und dazu, ihn zu „foltern“.

„Jünger glaubte, dass nur zwei Wege aus der Folterkammer führen: Verbrechen oder das Dickicht.“ (siehe Preparata, Dunker und Humblott 2015, Seite 209.)

Verbrechen? Lehmann! Das Dickicht? Oh – das muss ich erklären:

„Das „Dickicht“ war für Jünger ein symbolischer Raum der Freiheit welchen sich der Widerstandskämpfer „jenseits der Linie“  wie eine Oase in der nihilistischen Wüste schuf, in der ihn der Leviathan der Technologie nicht erreichen konnte“ (Preparata, a.a.O., Seite 208).

Ein – symbolischer Raum. Früher: der Wald, in den sich die Partisanen und Rebellen zurückzogen. Heute – wären das andere Räume, eher virtueller Natur. Vielleicht ein Grund, warum sich so viele junge Menschen (hauptsächlich: Jungs) angesichts der Welt, die sie erwartet (und angesichts der Folgen der Sklaverei, die sie bei ihren Eltern detalliert beobachten können) erstmal in die Welt der Videospiele zurückziehen, Technik nutzen, um ihr zu entkommen. Ja – darüber kann man meckern bis zum geht nicht mehr, jedoch: vielleicht riechen die jungen Menschen das Ende unserer Zivilisation so wie andere Parkinson riechen können. Und ich rede hier noch nicht mal von der massiven Umweltverschmutzung (da China unseren Müll nicht mehr nimmt (siehe Zeit), werden wir mit unseren 617 Kilo Müll pro Kopf und Jahr (siehe FAZ) bald Probleme bekommen: lagern Sie das mal in Ihrer Wohnung!), über die sich andere schon genug ausgelassen haben … und die unser Ende vielleicht schon in wenigen Jahren bewirkt, wenn mangels Insekten keine Befruchtung mehr stattfindet und … einfach gar nichts mehr wächst. Überhaupt nichts mehr.

Über Jünger – den ich nicht schätze – reden wir später mal länger. Doch seine Perspektive auf unsere Kultur … entspricht den Fakten. Seit längstens 300 Jahren arbeiten wir mit aller Kraft an unseren Arbeitsplätzen an nichts anderem als der Vernichtung der Menschheit – wofür die Haupttäter Glasperlen der Extraklasse erhalten. Auschwitz, Hiroshima: keine Unfälle der Geschichte, sondern logische Erscheinungsformen einer bösartigen Kultur – der bösartigsten, die wir bislang kannten – so bösartig und abartig asozial, dass wir Menschen verfolgen, die Pfandflaschen retten (und damit der Umwelt dienen) – oder Container für Obdachlose verbieten, die ehrenvolle Unternehmer kostenlos bereit stellen (siehe rp-online).

Das ist Ihnen alles zu düster? Die Börse brummt doch, Bitcoin macht alle reich? Ok: eins noch, dann ist für heute Schluss (siehe Spiegel):

„Die Ursachen für diese weltweite Jagd nach neuen Höhepunkten ist bekannt: die globale Liquiditätsflut der Zentralbanken. Seit Jahren werden die Börsen durch die ultralockere Geldpolitik angetrieben und gestützt. Denn wegen der niedrigen Zinsen bringen Anleihen kaum mehr Rendite. Und das viele Geld, das die Notenbanken durch ihr Programm in den Markt pumpen, geben Investoren aus, um Aktien zu kaufen. Das treibt die Kurse nach oben.“

Unser Geld – der einzige Zugang zu Wasser, Nahrung, Wärme und Obdach – wird in gigantischen Massen gedruckt, damit Investoren sich noch mehr Ansprüche ausrechnen können. Ja – Geld: das ist in erster Linie nur Anspruch auf Waren. Selbst: ist es nichts. Und je mehr man davon druckt … umso wertloser wird es. Wer genug davon geschenkt bekommt (ja: das wird VERSCHENKT … ein anderes Wort für „ultralockere Geldpolitik“ … nur IHNEN schenkt man das nicht, nur der Geldadel – der den Blutadel a´la Jünger ersetzt hat – darf sich damit reich rechnen … und mehr und mehr Land kaufen – das einzige von wirklichem Wert), darf sich glücklich schätzen, die anderen … kommen für die Folgen auf. Wenn die Blase platzt … haben wir wieder Weimarer Verhältnisse.

Was das heist?

Nun: ein Brötchen kostet dann … 5 Millionen Euro. Was meinen Sie, warum so viele Menschen in Entscheidungspositionen dem Geld wie die Irren hinterherjagen. Die … schauen in die Zukunft und wollen noch Brötchen.

Und Sie? Arbeiten als kleines Rädchen in einer Maschine, die sich unaufhaltsam und zielgerichtet auf diese Apokalypse zubewegt: die große Leistung unseres Gesamtsystems wird die Verwüstung des ganzen Planeten sein – Ihre „Arbeit“ ist zu einhundert Prozent ein Beitrag zur Vernichtung ihres persönlichen Lebenssinns, der Ökosphäre sowie der Reichtümer der Menschheit, als Dank dafür erhalten Sie jährlich 617 Kilo Müll.

Total schlau.

Wird also Zeit, sich im „Dickicht“ in Sicherheit zu bringen … wenn die neue Megablase platzt (was entsprechend den Gerüchten aus in der Regel gut informierten Kreisen schon dieses Jahr der Fall sein soll) … brauchen wir frische, ausgeruhte Kräfte, die den Wiederaufbau in Angriff nehmen.

 

 

 

Lohnarbeit schlimmer als Sklaverei: über Herrenmenschen und Untermenschen

Freitag, 21.7.2017. Eifel. Es geschieht soviel in der Welt, dass man kaum noch weiß, wo man anfangen soll, die bedenklichen Entwicklungen aufzuzeigen. Dirk Müller (also: Mister Dax) warnte kürzlich in einer Videobotschaft vor der Einführung der künstlichen Intelligenz – die würde uns alle fertig machen. Auf You tube erzählte mir ein Geheimdienstler aus Südosteuropa, dass Deutschland dicht vor einem Bürgerkrieg steht, getragen von den neuen Einwanderern. War ein Fernsehinterview. Sowas – kommt woanders ins Fernsehen … und hier dürfen wir noch nicht einmal darüber diskutieren, ob wir Einwanderungsland werden wollen oder nicht. Sie hätten den mal hören sollen: der hat ganz offen von einer gezielten Attacke der Ölstaaten gesprochen, die sich ihre Macht auch nach dem Öl (ja – das geht bald zu Ende, sehr bald) erhalten wollen: ich habe ja den Mund nicht mehr zu bekommen vor lauter Schrecken über soviel politische Unkorrektheit. Mehr habe ich mich jedoch darüber erschrocken, dass ich mir nicht mehr locker alle Diskussionen im öffentlichen Raum anhören darf: schnell landet man auf einer Liste (die fertigen ja Rechte und Linke überall an) und wird bearbeitet: von schwarzen Neonazikommandos, schwarzen Antifaschisten oder der schwarzen Polizei.

Ja – auch die Polizei ist nicht mehr nur noch Freund und Helfer (außer hier in der Eifel), sondern auch immer mehr Exekutor von politischer Gewalt: das lassen die vielen Berichte über sinnlose Polizeigewalt in Hamburg vermuten (siehe junge Welt). Wissen Sie, was merkwürdig ist? Nur so ein Beobachtung am Rande: wenn die Spitzenfunktionäre der Machtstaaten sich sinnlos in Hamburg treffen, kommen erstmal 20000 Polizisten wegen der „Sicherheit“. Wenn der potentielle britische Thronfolger durch deutsche Innenstädte streift … dann reichen eine Hand voll Sicherheitsbeamte, der kann samt Prinzessin einfach in der Menge baden und es geschieht ihm nichts … dabei wäre er doch ein so bedeutsames Angriffsziel für Terroristen oder Antikapitalisten. Müsste nicht mindestens 1000 voll bewaffnete Beamte Heidelberg belagern?

Ach, was mache ich mir da überhaupt Gedanken. Habe ja noch nicht mal verstanden, warum aus der großen „rechten Bedrohung“ auf einmal wieder eine linke Bedrohung wurde: erinnert an ein Fähnchen, das im Winde weht – oder Bedrohungen, die je nach Wetterlage den Bedürfnissen angepasst … wenn nicht sogar staatlicherseits initiiert werden (so Gregor Gysi, siehe t-online). Vielleicht auch ein Grund, warum Kate und Wilhelm nichts zu befürchten haben: es sind gerade keine V-Leute in Heidelberg. Außerdem durfte das königliche Paar sich ja aussuchen, wem sie begegnen wollten (siehe Stuttgarter Zeitung):

Davor hat die Stadt 200 Ehrengäste vor das Rathaus geladen. Wer zu den Auserwählten gehört, ist geheim. Das Paar habe sich „einen Querschnitt durch die Stadtgesellschaft gewünscht““

Verstehen Sie schon, warum ich von Herrenmenschen und Untermenschen rede? Das sind ja wieder Zustände wie im Feudalstaat. Auf der anderen Seite die bittere Erfahrung:  ruft der Normalbürger um Hilfe, weil seine Freundin von Einwanderern vergewaltigt wird, interessiert sich die Polizei nicht so dafür (siehe Focus). Dafür werden Journalisten überwacht, die Brisantes über sonderbare Vorfälle innerhalb der Polizei ermittelten (siehe kn-online). Nun – wir sollten vielleicht froh sein, dass wir noch keine amerikanischen Verhältnisse haben: dort wird man schon mal erschossen, wenn man den Notruf wählt (siehe Spiegel). Haben Sie sich wirklich noch nie gefragt, wieso für dahergelaufene aristokratische Snobs Ausgangssperren für Behördenmitarbeiter verhängt werden können, Wochenmärkte geschlossen werden und sogar der Schiffsverkehr eingestellt wird? Aber Sie dürfen noch nicht mal auf Ihrer eigenen Terrasse in ihrem eigenen Haus rauchen wann sie wollen und müssen dort einen korrekten Stundenplan einhalten  (siehe WDR).

Wo leben wir hier eigentlich?

Nun … diese Frage wird uns ja von der Kanzlerin persönlich beantwortet: „Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude“! Und wer zu diesem Satz in Opposition geht, ist eine linke Sau, ein rechtes Schwein oder Hartz IV-Empfänger, die Titel sind egal, Hauptsache es wird wieder klar: es gibt Herrenmenschen in Deutschland, um die sich unser Sicherheitsapparat ganz besonders sorgfältig kümmert … und es gibt Untermenschen, vor denen die Herrenmenschen vom Sicherheitsapparat geschützt werden müssen. Wäre es wirklich zu viel von Kate und Wilhelm verlangt, wenn man von ihnen erwarten würde, ganz incognito wie Sie und ich durchs Land zu reisen? Mal ehrlich: wer würde die denn erkennen, wenn sie vor einem stehen würden? Klar: es gibt gewisse Risiken. Die haben Sie und ich aber auch: neuerdings bilden sich schon Mobs aus 1000 Leuten, um zu randalieren – ganz ohne G 20  (siehe Spiegel).

Haben wir Mäusekot, Schaben und Käfer in dem Mehl, aus dem unser Brot gebacken wird, bleiben die Berichte geheim (siehe Spiegel), der Untermensch darf Müll essen. Die Herrrenmenschen aber: die bleiben straffrei, zum Beispiel die, die uns in einer großen kriminellen Massenaktion getürkte Dieselautos verkauft haben, die dann gar nicht mehr so klima- und verbrauchsfreundlich waren wie gehofft … in den USA werden die weltweit zur Fahndung ausgeschrieben, von unseren Herren jedoch … nicht ausgeliefert (siehe Süddeutsche). Wenn die Käufer Pech haben, legt die EU Ihnen die entsprechenden Modelle ab nächstem Jahr still (siehe Spiegel). Sowas machen Herrenmenschen mit Untermenschen.

Die machen aber noch mehr. „Die Industrie“ (auch so ein schrecklich inhaltsleeres Kampfwort, von denen unser Alltag übervoll ist, um keine Verantwortlichen mehr nennen zu müssen) hat eine so gute Stimmung „wie seit sechs Jahre nicht mehr“ (siehe Spiegel) – und die Frage nach dem Warum ist leicht zu beantworten (siehe jungewelt):

„Sie malochen an Fließbändern oder Supermarktkassen. Doch mit ihrem Lohn kommen sie nicht über die Armutsgrenze hinaus: Mehr als vier Millionen Beschäftigte fristeten 2014 ein Leben am unteren Limit – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Während die Wirtschaft brummt und die Arbeitsagenturen monatlich sinkende Erwerbslosenzahlen bejubeln, erhöht sich die Zahl der Hungerlöhner weiter.“

Weiß jetzt nicht, ob die junge Welt aktuell als rechtsradikal oder linksradikal oder arbeitslos zu bezeichnen ist, aber klar wird, warum die Industrie jubelt: die Politik stellt ihnen immer mehr Gratisarbeitskräfte zur Verfügung, an denen sich bestens abkassieren läßt – und das aktuelle Wahlprogramm der Union zeigt, dass man das auch die nächsten Jahre beibehalten und noch ausdehnen will (siehe Spiegel):

„Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer haben das gemeinsame Wahlprogramm der Union vorgestellt. „Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“, ist das Leitthema. Erreicht werden solle dies unter anderem bis zum Jahr 2025 mit einer Vollbeschäftigung, kündigte Merkel an. Eine Arbeitslosenquote unter 3 Prozent gilt als Vollbeschäftigung.“

Das „wir“ der Kanzlerin bezieht sich nun nicht auf Sie und mich, sondern auf sie und Horst Seehofer: die – und deren Kameraden -leben hier gut und gerne, verkaufen manipulierte Luschenautos und Madenbrote für goldene Berge und werden umfangreich vor Strafverfolgung geschützt … anstatt dass man den Betrieb enteignet und in einen genossenschaftlichen Betrieb umwandeln, in dem Bürger Autos für Bürger bauen – mit einer Sorgfalt und Umsichtigkeit, die sich Herrenmenschen gar nicht vorstellen können.

Um uns … geht es schon lange nicht mehr. Das kann ich Ihnen auch an einem einfachen Beispiel erklären: Sie wissen ja, wie fleißig die Deutschen sind – oder? Wir arbeiten gerne, immer und überall, auch umsonst – und darum ist unser Land ja auch perfekter als die Schweiz, richtig? Sollte man jedenfalls erwarten. Ein Land, wo immer und überall gearbeitet wird, sollte doch wohl gut in Schuss sein – das kennen Sie doch von Ihrem Haushalt! Doch wie sieht unser Land aus – obwohl so viele Menschen „Arbeit“ haben, mehr als seit vielen Jahren? Grausem sieht das Land aus, marode bis ins Mark (siehe Spiegel):

„Deutschland verschleißt: So lautet das Urteil einer von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingesetzten Expertenkommission, die in den nächsten Tagen einen weiteren Bericht darüber vorlegen will, wie es um die Infrastruktur der drittgrößten Exportnation der Erde bestellt ist. Die Daten sind alarmierend. Seit über zehn Jahren sind die Nettoinvestitionen des Staates zumeist negativ, was bedeutet, dass Straßen und öffentliche Gebäude schneller kaputtgehen, als sie repariert werden.“

Die Zustände sind so schlimm, dass schon die ersten Bundesländer erwägen, aus Deutschland auszutreten (siehe yahoo).

Wie kann das eigentlich sein, dass alle soviel rackern … und so wenig geleistet wird? Wie kann es sein, dass unser Land verrottet (wer hier Nationalismus fürchtet: ich rede von unserem gemeinsamen Verwaltungsbezirk, nicht von „Nation“ oder anderen verklärten Deutschtümeleien), während 40 Millionen Deutsche täglich malochen wie die Blöden? Wie kann es sein, dass Kanzlerin Merkel als Kanzlerin des Ruinenlandes in die Geschichte eingehen wird, in dem öffentliche Sicherheit nur noch für Herrenmenschen garantiert werden kann, während unsere Straßen, unsere Schulen und unsere Krankenhäuser immer mehr Dritte-Welt-Niveau erreichen? Ich gehe auch davon aus, dass dies nicht nur ein deutsches Problem ist, in England und den USA sieht es ähnlich aus (dazu später mehr), die haben ja auch diesen „Neoliberalismus“ schon früher ins Leben gerufen, jene Wirtschaftsform, die garantiert, dass die Kriminellen auf Kosten der ehrlich arbeitenden Menschen beständig reicher werden und sich ihren Reichtum dann durch Staatsgewalt schützen lassen können.

Wissen Sie – nebenbei bemerkt – was noch schlimmer ist als die zerbröckelnde Infrastruktur? Die Vernichtung der natürlichen Umwelt: 80 Prozent weniger Insekten als 1982 (siehe Spiegel) – und aktuell macht man sich Gedanken darüber, dass auch die Vögel sich verabschieden (siehe Spiegel). Und wie reagiert „die Industrie“ darauf? Will nächstes Jahr erstmal das vollautomatische Taxi einführen (siehe FAZ), der vollautomatische Fahrgast ist wohl auch schon im Gespräch – mal abgesehen davon, dass der neue Herrenmensch nicht mehr nur theoretisch ein Blutsauger ist, sondern sich real Blut von jungen Menschen injizieren läßt, um länger leben zu können (siehe Zeit) und von eigenen Superreichenwelten auf den Weiten der Meere träumt (siehe Spiegel), während wir anderen – also Sie und ich – absolut überflüssig werden (siehe Basellandschaftliche Zeitung) – sozusagen Biomüll auf zwei Beinen, vielleicht noch zu Organspenden zu gebrauchen … wozu man uns auf besonderen Farmen speziell kontrollieren müsste, damit wir nichts falsches essen – jedenfalls einen Teil von uns, während die anderen in den Ruinen ihrer alten Städte ums nackte Überleben kämpfen.

Und wieso lassen wir das eigentlich mit uns machen?

Nun – das ist eine ganz alte Geschichte.

Sie begann, als wie die Sklaverei durch eine noch viel schlimmere Form der Ausbeutung ersetzten: die Lohnarbeit, als jene Form von „Beschäftigung“, die uns seit hundert Jahren vollmundig als Religion gepredigt wird. Das Lohnarbeit selbst als Sklaverei angesehen wird, dürfte ja schon bekannt sein (siehe Taz):

„Beim Müßiggang geht es nicht um ein angenehmes Leben. Nicht mal um ein leichtes Leben. Vielleicht ist dein Leben sehr hart und du hast kein Geld. Aber du bist frei. Du tust, was Dir Spaß macht. Darum geht es, das hat schon Sokrates gelehrt. Auch Jesus hatte keinen Job. Lohnarbeit ist Sklaverei.“

Sagt Tim Hodgkinson, Initiator der Akademie für Faulheit- jener Faulheit, die Kanzler Schröder für ganz Deutschland als unrechtmäßig erklärt hat (siehe manager-magazin) und so schon 2001 indirekt jene Arbeitspflicht einführte, die nicht dem Land sondern nur den Herrschenden dient – jenen Herrschenden, deren größte Leistung im Leben es zumeist war, Erbe gewesen zu sein. Ist ja auch egal, wer herrscht, Hauptsache, die Kaste bekommt genug Personal, um funktionieren zu können.

Nun – jetzt denken Sie sicher: gut, Lohnarbeit hat ja schon was von Sklaverei – zumindest bleibt recht wenig zum Leben über … mal abgesehen davon, dass noch nie jemand durch Lohnarbeit reich geworden ist. Aber schlimmer als Sklaverei kann das doch nicht sein?

Bedenken Sie eins: als Sklave haben Sie für ihren Eigentümer noch einen gewissen Wert, er könnte sie noch verkaufen und hat deshalb ein gewisses Interesse daran, Sie nicht nur mit Madenbrot zu füttern. Als Lohnarbeiter reduziert sich der Wert deutlich: man braucht Sie ja nur für kurze Zeit – und wenn Sie es nicht schaffen, besser als die Maschinen (oder erstmal: besser als ihr Kollege) zu sein, dann sind sie nur noch … „Kosten auf zwei Beinen“. Betriebswirtschaftlich so nützlich wie ein Krebsgeschwür.

Blicken wir mal in eine Hochburg der Sklaverei: das alte Rom (siehe Zeit):

„Sklaverei war oft besser als Lohnarbeit. In Nordafrika war die typische Sklavenarbeit gerade nicht der Einsatz bei der Ernte von Wein, Oliven oder Getreide, wo man sich sechzehn Stunden lang täglich bücken musste. Diese harte Arbeit, die immer saisonale Arbeit war, erledigten freie Lohnarbeiter. Sie wurden mit Geld, Getreide und Wein bezahlt.“

„Sklaven verrichteten in der extrem arbeitsteiligen Wirtschaft des Römischen Reiches spezialisierte Arbeiten.“

„Jede Farm wurde von einem Sklaven verwaltet, der quasi Managementfunktion hatte.“

„In der Tat: Man muss sich das als eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit vorstellen – mit der Zuständigkeit für viele weitere Sklaven, die auch Verwaltungsfunktionen hatten. Unter ihnen gab es freie Pachtbauern und Lohnarbeiter. Nehmen wir als groben Vergleich die Familie Quandt, denen ein großer Teil der BMW-Aktien gehört: Der BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer wäre dann also ihr Sklave, der ein großes Unternehmen operativ führt.“

Warum kommt mir da nur das bundesdeutsche Beamtentum in den Sinn … jene Menschen, denen per Staatsgewalt das Recht auf Streik und Arbeitskampf genommen wurde, deren Pensionen in Zukunft jedoch die öffentlichen Haushalte sprengen werden (siehe Wiwo)?

Wohingegen der lohnarbeitende Untermensch mit immer weniger auskommen muss. Das war ja auch der Grund, warum es vielen befreiten Sklaven in den USA in den Fabriken des Nordens schlechter ging als auf den Farmen des Südens (siehe Südkurier): können die Herren die Preise für Wohnung, Heizung und Nahrung frei festsetzen, bleibt recht wenig über für den „freien Mann“, dessen Freiheit bald nur noch darin bestand, mit der ihm auferlegten Armut auf die Art und Weise umgehen zu dürfen, die ihm als die Beste dünkte.

Lohnarbeit schlimmer als Sklavenarbeit – wer hätte das gedacht? Und wer hätte gedacht, dass sich da seit 2000 Jahren nichts dran geändert hat?

Und wenn uns ausländische Königshäuser besuchen, können sie sich ein paar Sklaven zum Klatschen bestellen – wie vor 2000 Jahren.

Was wir dagegen tun können?

Nun – vielleicht nochmal Tim Hodgkinson lauschen (nochmal Taz):

„Na ja, ich bin Anarchist, ich sage niemandem, was er tun soll. Aber es gibt in unserer Kultur nur noch eine einzige Einstellung zur Arbeit. Und das ist falsch. Es ist genau so gut, im Bett liegen zu bleiben wie zur Arbeit zu gehen. Faulheit ist menschlich – und produktiv. Denken Sie an John Lennon. Er war sehr faul. Und sehr produktiv. Im Mittelalter wurden Leute verachtet, die zu viel gearbeitet haben. Das ist uns völlig verloren gegangen.“

Und dann müssen wir erstmal lernen, dass der lohnabhängige Untermensch noch unter dem Sklaven steht – oder sehen Sie das anders?

Bedenken Sie bitte, dass die Zukunft Ihrer Kinder auf einer Blutfarm für Herrenmenschen enden kann … wenn die Karawane so weiterzieht.

 

Karmahof in Eiserfey – wo die Utopie der planetaren Zivilgesellschaft Realität wird.

Sonntag, 19.6.2017. Eifel. Wir müssen mal reden. Über Ihre Zukunft. Über Ihr Leben. Und über die Zukunft des Planeten, auf dem wir alle wohnen. Sie kennen die Versprechungen der Industrie – oder? „Kaufe und Du wirst glücklich!“ … und Sie kauften, bekamen Depressionen und Born-Out und wurden unglücklich. Dauert allerdings ein paar Jahre bis man das merkt. Wissen Sie, was aktuell sterbende Menschen am meisten bedauern? Das sie nicht ihr eigenes Leben gelebt haben, sondern das Leben jemand anderes (siehe Tagesanzeiger). Sie bedauern auch, dass sie soviel gearbeitet haben – was man heute so alles Arbeit nennt. Man stelle sich vor, man hätte nur ein Leben? Wäre grausam, wenn man das so sinn- und freudlos verplempern lassen würde – oder? Und was tun Sie mit Ihrer Arbeit? Teil einer Maschine sein, die den ganzen Planeten verwüstet. Ich gehe mal davon aus, dass das bekannt ist, ja? Sollte jeden Tag in der Tagesschau kommen, aber das würde das Volk ja nur deprimieren – dann doch lieber Fußballergebnisse.

Nun – reden wir erstmal über Ihre Zukunft. Die ist für Sie und den Großteil Ihrer Freunde, mit denen Sie sich heute beim Grillen treffen, düster. Nicht nur, weil Sie sterben werden. Das müssen wir alle mal durchmachen. Da musste bisher jeder durch. In unserer Konsumkultur: das absolute Ende jeglichen „Shoppings“, das absolute Ende aller „Game-Shows“ – und Alkohol, um das alles ertragen zu können, gibt es auch nicht mehr – soviel zumindest ist sicher. Der Tod kann jederzeit kommen – sogar gleich jetzt, während Sie diese Zeilen lesen, kann sich eine Ihrer Zellen entscheiden, Krebszelle zu werden und in Ihrem Körper großen Unfug anrichten, in dem sie sich frei und ohne Zwang ganz willkürlicher Selbstverwirklichung hingibt – also sogar einigen Zielen der Konsumkultur folgt. Nun – „Selbstverwirklichung“ hört sich immer groß an – nur: wer sind Sie selbst eigentlich? Haben Sie sich das schon mal gefragt? Ernsthaft, allein, in stiller Stunde?

Würde ich Sie das fragen: Sie hätten gleich eine Antwort parat: ich bin Schreiner. Ich bin Polizist. Ich bin Lehrer. Ich bin Straßenbauer. Autmechaniker. Bürokraft. Arzt. Oder: ich bin reicher Mann – oder reiche Frau, habe es geschafft, brauche mich nicht mehr mit niedrigen Dienstgraden der Arbeitswelt zu identifizieren, kann den ganzen Tag hemmungslos shoppen. Millionär sein gilt als Beruf – unhinterfragbar.

Nun – ich frage Sie aber nicht. Ich weiß, dass die Zahl jener Menschen, die sich mit Ihrer Stellung in der Welt aktiv auseinandersetzen, beständig schrumpft, da der Konsumgott (siehe Prof. Dr. Tiedemann in der Tagesschau) uns schon als Kinder Selbstdefinitionen frei Haus liefert, die im gesellschaftlichen Umgang zu offenbaren sind: Sie kennen doch diese Frage fremder Menschen, die spätestens nach fünf Minuten Gespräch kommt: „Und – was machen Sie beruflich?“. Wir lassen uns definieren nach Funktionen, die wir in einem kannibalistisch-kapitalistischen System zur Renditevermehrung einnehmen – oder nach Funktionen, die wir in einer globalen Vernichtungsmaschinerie erfüllen. Ja – ich denke, dass brauche ich hier nicht nochmal zu betonen, das sollten Sie schon mal vernommen haben: unsere Art zu leben frisst den Planeten auf, wir müssen dringend etwas ändern um nicht demnächst zu den ausgestorbenen Arten zu gehören. Sie können das einfach selbst mal nachprüfen: machen Sie den Autoscheibentest – und fragen Sie Ihre Eltern, wie früher die Autoscheibe nach einer Fahrt über Land aussah…sie war übersät mit Insektenleichen. Heute – das wissen Sie selbst – haben wir das Problem kaum noch, das Insektensterben hat apokalyptische Ausmaße erreicht, in letzter Zeit folgen die Vögel (siehe Welt). Die globale Wahrheit ist noch viel schlimmer: wir befinden uns in einer Zeit weltweiten Artensterbens, jährlich verschwinden 58000 Tierarten (siehe Spiegel): eine Massenvernichtung, wie sie seit 65 Millionen Jahren nicht mehr vorgekommen ist (siehe wwf).

Zusätzlich gehen uns die Rohstoffe aus: wir vergeuden sie in Massen – so sehr, dass sogar bald der Sand knapp wird (siehe Tagesspiegel) … und das Wasser (siehe Spiegel).

Nun – das geht Sie nichts an, denken Sie? Sand haben Sie im Garten Ihres Einfamilienhauses im Sandkasten, Wasser kommt aus der Leitung – sogar der Pool ist voll?

Nun, dann müssen wir noch etwas ausholen: einige wenige werden in der Maschinerie noch fürstlich entlohnt werden – auch wenn sie keine großartigen Leistungen vollbracht haben. 2 Millionen bekommt zum Beispiel der scheidende Opelchef – dafür, dass die Firma Opel Teil des gigantischen Konzentrationsprozesses in der Wirtschaft geworden ist (siehe FAZ) … wo wir ebenfalls ein „Artensterben“ beobachten können … bei großen und kleinen Firmen. Ebenso gibt es Millionen für die Organisatoren der Rationalisierungsprozesse, die immer weiter fortschreiten: aktuell legt eine Studie dar, dass Facharbeiter vom Aussterben bedroht sind (siehe Spiegel), Zuwächse gibt es bei Bullshitjobs und jenen, die diese Leute ausbeuten helfen – also den Führungskräften. 18 Millionen Jobs werden in den nächsten Jahren in Deutschland wegfallen (siehe Welt). Die Politik reagiert auch darauf – absonderlich: in den SPD-Ministerien steigen die Zahl der befristeten Verträge rasant (siehe FAZ) …. und die Mechanisierung der Arbeitswelt wird mit Hochdruck vorangetrieben (siehe Nachrichtenspiegel), blind, wahnsinnig, idiotisch gar, scheinbar ohne Ziel und Verstand.

Wird die Politik das richten? Nun – die Zahl der psychisch Erkrankten hat sich in Deutschland seit 1995 verdreifacht (siehe wiwo), misst man den Anstieg seit 2011, kommt man auf einen Anstieg von 80 Prozent (siehe Münchener Institut) – und was meint die Bundeskanzlerin dazu?

„Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut!“ (siehe Tagesspiegel).

Die Immobilienpreise steigen schneller als die Einkommen – was zu einem gravierenden Wohnungsmangel führen wird (siehe Spiegel), Flaschensammler kommen wegen 1,44 Euro vor Gericht (siehe tz) die „Jobcenter“ schicken sogar schwer kranke Menschen unter Zwang zur Arbeit (siehe Berliner Zeitung) – ich frage mich, von welchen Menschen die Kanzlerin redet? Anstatt dass wir unsere Arbeitszeit auf Steinzeitniveau reduzieren (4 Stunden am Tag, inklusive Hausarbeit – siehe Zeit) – wie es einst von den Propheten des Konsumkultes prophezeit wurde – wächst unser Arbeitsvolumen ständig … selbst wenn man sich nur auf die Erwerbsarbeit bezieht (siehe nt-v).

Sieht düster aus, oder? Nun – sage ich doch.

Dabei … wäre es so einfach, dagegen anzugehen. Kostet kein Geld – erspart sogar vieles – wenn man dem bekanntesten Hirnforscher Deutschlands folgt und … die Menschen an ihre Würde erinnert (siehe Utopia). Man kann und darf sich schon vor seinem Tode daran erinnern, dass man eine würdevolle Person ist – und das es besser wäre, wir würden uns gegenseitig nach unseren Wünschen, unseren Träumen, unseren Utopien fragen, nach dem Dienst, den wir gerne der Ökosphäre und unseren Mitgeschöpfen und Mitmenschen leisten möchten als nach unserer Position in einem sterbenden Wirtschaftssystem.

Eine lange Vorrede, ich weiß. Aber ich halte sie für wichtig, damit Sie die Bedeutung des Ortes verstehen, von dem ich Ihnen nun erzählen möchte – wie alles gewinnt er seinen Wert aus der Perspektive, aus dem man ihn betrachtet – und ich möchte da einerseits die globale Perspektive wählen … und jene, die Prof Hüther angedeutet hat, denn: es ist ein Ort, an dem jeder Mensch sein darf, was er ist – und nicht was die Welt aus einem gemacht hat.

Ich fand diesen Ort zufällig, war mit Freunden bei der 1150-Jahr-Feier in Eiserfey – und lernte dort sehr kurz den Karmahof kennen, wo man Musikinstrumente schnitzen konnte (siehe eiserfey). Nun – tausende von Leuten waren unterwegs. meine Begleitung drängte zum Mittagsmahl – ich hatte nur einen kurzen Eindruck von dem Ort, dachte mir: „Oh – die Dorfjugend baut sich einen Abenteuerspielplatz mit Kräuteranbau – wie schön“ – und zog gezwungenermaßen weiter. Später dann – nach einigen Gesprächen mit Einheimischen – schaute ich mal im Internet nach … und fand überraschende Dimensionen des Hofes, dessen Name erwarten lies, dass man dort nur in zauberhaftem Orange gewandete indische Mönche vorfand.

Ich setzte mich mit dem Besitzer des Karmahofes in Verbindung – Andreas Korczak mit Namen, wie ich ein Ruhrgebietsflüchtling – und wir telefonierten erstmal zwei Stunden lang … wofür weder er noch ich Zeit hatten. Ich erfuhr erstaunliches. 800 Menschen haben den Hof schon besucht – und zwar, da ist sich Andreas sicher – aus jedem Land der Erde. Damit ist der Karmahof der internationalste Treffpunkt der Eifel. Und es kommen Menschen mit jedem erdenklichen sozialem Hintergrund … auch aus Kreisen, die man nie vermutet hätte. Ich durfte auch erfahren, woher der Name „Karmahof“ stammt: von einer Kölner Yogagruppe, die dort häufiger zu Gast war, so wie auch der WDR, der einen kleinen Film über den Hof drehte („Leben auf dem Karmahof“).

Die überraschendsten Gäste waren wohl die Schamanen aus Südamerika, die unvermutet aufschlugen, weil … ihre Geister ihnen gesagt hatten, dass sie ihre Botschaft nun an die Welt weitergeben mussten. Erinnerte mich an John Perkins, jenem Insider aus den Kreisen der „Economic hit man“ (siehe Nachrichtenspiegel), der sich nach seinen dunklen Erfahrungen mit der agressiven imperialen Wirtschaftswelt den Schamanen des Amazonasgebiet zuwandte, weil dort die größte Chance auf eine Philosophie sah, die Heilung einer geschändeten Welt versprach – und damit sehr nahe an jenen Entwurf kam, den Gerald Hüther mit seiner Rückbesinnung an die Würde des Menschen erreichen will.

Hat der Karmahof (ein Name, der – wie Andreas meinte – nicht für immer und ewig Bestand haben muss und sich nur zufällig ergab) nun eine Philosophie, ein Leitbild, ein Konzept? Nun – die Antwort ist überraschend: nein. Obwohl im Internet als Selbstversorgerhof angepriesen, gibt es kein Konzept, keine Ideologie, kein Dogma, dem man folgen muss: die Menschen sind willkommen, wie sie sind. Sicher, es wird Gartenbau betrieben – im Sinne der Permakultur, um Alternativen zu unseren ausgelaugten Böden zu entwickeln, doch eher im Fokus steht das gemeinsame Lernen, das gemeinsame Arbeiten, das gemeinsame Entwickeln von Fertigkeiten. Die Besucher können sich dort erfahren, wie sie sind – und haben die Freiheit, sich selbst in Gemeinschaft mit anderen zu erfahren – mit Menschen aus aller Welt. Es wird auch mit Lehmbau experimentiert, Brot backen steht auf dem Programm … und ja: man kann auch Musikinstrumente herstellen (ich denke: die werden nicht wirklich nur geschnitzt).

Wer ist nun dieser Andreas Korczak? Ein Professor für Musik in Belgien. Musiktherapeut. Bildhauer. Vater von drei Kindern. Wohnt auf dem Hof … ganz minimalistisch in einem Bauwagen. Erzählt begeistert vom „Containern“ – jenem Sport, dem immer mehr Menschen ohne Not nachkommen (siehe z.B. Der Westen) um gegen die irrsinnige Lebensmittelverschwendung in unserem Alltag zu demonstrieren (immerhin jedes Jahr 11 Millionen Tonnen – eine LKW-Kette von 440000 Sattelschleppern – siehe Verbraucherzentrale) Er erzählt begeistert von den Erfahrungen, die er mit den Menschen aus aller Welt machte – und wie befriedigend es ist, am Ende des Tages die Ergebnisse der eigenen Arbeit zu sehen … viel befriedigender, als wenn man die Arbeit von Handwerkern ausführen läßt, über deren Rechnung man sich doch nur ärgert.

Hören wir ihn mal selbst:

„Stell dir vor, es gäbe einen Ort, an dem du einfach du selbst sein darfst.

Ein Ort an dem Du Gemeinschaft leben und erleben kannst, dich zusammen mit anderen austauschen, zusammen an kreativen Projekten arbeiten, vielfältigste Tätigkeiten erlernen kannst. Vom alten Handwerk bis hin zum ökologischen Renovieren, dem Gemüse Anbau, der Bildhauerei, gemeinsamem Musizieren, Schwitzhütten bauen oder dem Strohballen Hausbau, ist alles dabei. Der Kreativität und dem freien Ausdruck sind keine Grenzen gesetzt. Ein Platz wo das Kind und der Erwachsene in Dir Freunde und Willkommen sind. Und es geht noch weiter, stell‘ dir vor, an diesem Ort, lebst du für einige Zeit, in einem Bauwagen, einer Yurte, einer Instrumentenbauwerkstatt oder in einem Alten Fachwerkhaus zu Leben. Aus einer klaren Quelle dein Wasser zu trinken, in einem alte Brotbackofen zusammen das Brot zu backen, Nahrung aus dem Garten zu ernten, auszuprobieren wie es ist autark zu leben. Nachts in einer Badewanne unter den Sternen zu baden, morgens die Rehe im eigenen Wald zu sehen, frischen Apfelsaft zu machen oder deine eigene Gitarre, Geige, Ukulele zu bauen. Die Füße im Sommer im kühlen Bach baumeln zu lassen, den Klang des Wassers zu lauschen und dabei Himbeeren zu naschen. Ohne dafür direkt etwas bezahlen zu müssen.“

Stell´ Dir vor, an diesem Ort Menschen aus aller Welt begegnen zu können – wie den beiden Mädchen aus Hongkong, die das erste Mal erlebten, was es heißt, kalt duschen zu müssen – weil es warmes Wasser nur bis März gibt. Manche der Menschen bleiben ein paar Tage, manche … ein paar Monate.

Was Sie dort erleben können? Einen Ort, an dem Sie sich der Frage nach dem Sinn Ihres Lebens stellen können, einen Ort, wo Sie kurze (oder lange) Zeit Gast sein dürfen, um für sich erleben zu können, wer Sie wirklich sind … und was und wie Ihr Leben sein soll. Man muss nicht zwangsläufig auf das Sterbebett warten, um sich diese Frage stellen zu dürfen. Es ist ein Ort – einer von vielen, wie ich hoffe – an dem der Traum der planetaren Zivilgesellschaft schon heute Realität geworden ist.

Es geht mir jedoch nicht darum, Werbung für weitere Besuche des Hofes zu machen. Besucher hat er, so glaube ich, schon genug. Man sollte nicht außer acht lassen, dass dort auch (zumindest zeitweise) eine Familie wohnt – das es … trotz Trennung der Eltern … ein zauberhaftes Heim für Kinder ist, die Zeit mit ihren Eltern brauchen. In den nächsten Wochen wird dort eine Gruppe von 40 Menschen „Ökodorfleben“ erforschen – da ist sowieso geschlossene Gesellschaft. Und dann … schickt man besser mal eine E-Mail – mit viel Geduld. Andreas hat noch ein paar hundert zu beantworten … aus düsterem Anlaß.

Aktuell wohnt er allein auf dem Hof, arbeitet hart, kommt nicht dazu, die vielen Pläne weiter zu entwickeln. Er liebt seinen Beruf – Studenten in den Bau historischer Instrumente einzuführen – doch kostet das viel Zeit, die dem Hof verloren geht, wichtige Projekte müssen verschoben werden, denn: es gibt ein kleines Geldproblem. Hören wir ihn selbst:

„Als ich mit meiner damaligen Partnerin den Hof und das Land erworben habe hat sie 18000 Euro in den Kauf eingebracht und ihre Eltern haben uns 30000 € geliehen. Dieses Geld wird nun juristisch eingeklagt und wenn ich es nicht schaffe, es in kürzester Zeit zurück zu zahlen, steht die Zwangsversteigerung vor der Tür.“

Darum … wohnt außer ihm gerade niemand mehr dort: es ist kein sicheres Heim mehr. Wer glaubt, Professoren in Belgien seien so reich, dass sie alles allein tragen könnten, der irrt. Es geht so knapp, meint Andreas, den Hof halten kann er schon allein … nur fehlt Geld für jede Investition. Und je mehr er arbeiten muss – umso mehr Zeit fehlt für Entwicklungen. Es gibt Konzepte von Freunden zur wirtschaftlichen Vermarkung des 400 Jahre alten Hofes mit 8000 m2 Grundstück – doch es geht Andreas nicht um den bloßen Erhalt einer Immobilie, wie er oft genug betont: es geht um den Erhalt des offenen Platzes und seiner vielen hundert Freunde aus aller Welt … weshalb er auch alle Angebote von Freunden, sich dort einzukaufen und dort zu wohnen, ablehnt: schnell könnte es werden wie in vielen anderen Gemeinschaften, dass sich eine geschlossene Gesellschaft bildet, die sich kaum von den anderen Einfamilienhäusern der Republik unterscheidet, sich isoliert und den Grundgedanken des Ortes so … auslöscht.

Auch die Fernsehberichte beziehen sich auf die Notlage … von 500 000 Zuschauern haben 9 gespendet. 1500 Menschen waren auf Hofseite im Netz, davon haben 150 gespendet. (siehe leetchi). Aktuell werden noch 12000 Euro gebraucht – ein Klacks für viele, die von den Zinsen leben. Warum ich das nun schreibe?

Nun ja – es gibt größere Not auf der Welt, das stimmt. Sicher – mit Geld kann hier geholfen werden … aber vielleicht kennt ja jemand Förderwege für Gelder, die sonst unnütz für Golfplätze eingesetzt werden. Vielleicht hat jemand einen reichen Onkel, der am Ende seines Lebens mal was Gutes tun möchte. Oder ein Lottogewinn liegt nutzlos auf dem Konto. Der Hof kann Hilfe jeder Art gebrauchen: Baumaterialien, Arbeitskraft, Aufmerksamkeit. Was man zurückbekommen kann? Einen Ort, an dem die Zukunft Wirklichkeit wird – und von dem man ein Teil werden kann – so wie viele schon Teil des Ortes geworden sind.

Nochmal Gerald Hüther? Bitte schön (wieder Utopia):

„Bisher haben wir immer gedacht, dass wir Menschen von außen dazu bringen können, ihr Verhalten zu ändern. Doch noch nie sind die Leute mit solchen großen Autos umhergefahren, noch nie waren die landwirtschaftlichen Nutzflächen so ausgebeutet und noch nie ist so viel Plastikmüll in den Meeren geschwommen. Also heißt das doch, dass unsere bisherigen Strategien nicht funktioniert haben.

Wenn es also nicht von außen geht, muss es von innen gehen. Wir müssen uns fragen: Was im Menschen kann man wachrufen und stärken, damit er aufwacht und sich anders verhält?“

Und … so muss man denke ich hinzufügen … glücklicher und mehr er selbst wird.

Ich habe Andreas gestern besucht – und durfte auch erleben, wie offen und herzlich andere zufällige Besucher dort empfangen wurden, die zeitgleich überraschend vorbei kamen. Habe ein paar Aufnahmen gemacht, damit man mal einen Eindruck bekommt – womit ich meine Erläuterungen auch beenden möchte. Man kann dann vielleicht besser für sich entscheiden, ob man noch irgendwo etwas von diesem „Geld“ sinnlos herumliegen hat – und es in „Zukunft für die Menschheit“ investieren möchte. Das geht hier.

 

 

Der Schulz(d)effekt und der schleichende Genozid in Deutschland

Freitag, 7.4.2017. Eifel. Na, sind Sie auch so begeistert? Von Martin Schulz? Dem Heilsbringer? Der sich vor allem um die „hart arbeitenden Menschen“ kümmern will? Klar, hört sich erstmal gut an. „Hart arbeitende Menschen“ sollten ja wirklich auch besonders gewürdigt werden. Kennen Sie eigentlich einen, der wirklich „hart“ arbeitet? Ich finde, das hört sich im ersten Moment immer nach Masochismus an: Härte gegen sich selbst, Härte gegen die Mitmenschen, Härte gegen die Umwelt, gegen Kinder, Arme, Alte und Kranke – Härte ist cool. Alle finden Härte toll: die Masochisten, weil Härte so richtig schön weh tut, die Sadisten, weil Härte so richtig schön weh tut – aber den anderen. Bestimmen geistig Kranke nun unsere Werte? Was ist mit den Normalen, die lieber schmerzvermeidend leben und arbeiten wollen – wie alle biologischen Lebewesen auf diesem Planeten? Gibt es für die keinen Platz mehr?

Haben Sie schon mal einen Baum gefällt? Vielleicht, mit den modernen Motorsägen ist das ja auch kein Problem – es sei denn, man ist blöd und steht völlig falsch … oder hat nicht auf die Reichweite der Äste geachtet, wenn der Baum fällt. Sie merken: ich habe Erfahrung in diesem Bereich. Ich wollte aber gar nicht über das Baumfällen reden, sondern über das Ausgraben der Wurzeln. Baumfällen – ist was für Weicheier, die richtig harten Typen graben Wurzeln aus. Ja: das ist knallharte Arbeit in oft ungünstiger Haltung, wer da dann abends nach Hause kommt, der sollte nicht auch noch selber kochen müssen: kann der auch gar nicht, dafür ist er zu kaputt. Insofern verstehe ich schon die Forderung von diesem Schulz: um diese Menschen muss man sich kümmern. Nur: Baumwurzelausgraber ist kein Hauptjob, das macht man, wenn man ein Feld braucht und den Wald roden will: die wirklich richtig fruchtbare Arbeit – das säen – kommt viel später und ist auch nicht hart: leise und sanft rieseln die Körner aus weicher Hand in kleiner Menge zu Boden: keine harte Arbeit, sondern sehr soft. Mit einer ausgegrabenen Wurzel können Sie – trotz aller Härte der Arbeit – nichts anfangen … außer vielleicht als Deko neben dem Haus.

Man fragt sich also: was will dieser Schulz also mit diesen hart arbeitenden Menschen, die er in den Mittelpunkt stellen will? Eine Sammlung von Wurzeln fürs Kanzleramt? Scherz beiseite: harte Arbeit machen heute Maschinen, fast überall. Die Gruppe der Menschen, die wirklich noch substantielle Bedingungen für das Prädikat „harte Arbeit“ erfüllen, ist winzig klein. Steinbruch, zum Beispiel: früher noch als Strafarbeit für Kriminelle angedacht, wird heute von dicken Menschen erledigt, die in dicken Maschinen sitzen und die Steine in dicke LKW´s laden, mit denen andere dicke Männer sie dann fortschaffen – ohne selbst auch nur einen Handschlag zu tun. Natürlich wollen alle harte Typen sein, weshalb jeder heute „harte Arbeit“ macht – wenn man ihn selbst fragt. Sie haben völlig Recht, wenn Sie jetzt meinen, dass die Psyche ja auch eine Rolle spielt, nur: da werden wir kein Ende finden, denn Psyche ist schon belastet und überfordert durch einen normalen Einkauf in einer großen Stadt: unser ganzer Lebensstil überfordert sie, nicht nur die Arbeit. Ich kenne auch genug Männer, die vor dem normalen Familienleben ins Büro flüchten – weil es ihnen psychisch zu hart ist. Büro ist leise, still, ruhig dagegen. Und erzählen Sie mir jetzt nicht, dass Sie für das hin- und herräumen von kleinen Handouts jetzt auch das Prädikat „harte Arbeit“ wollen.

Nun – der Schulzeffekt ist ja jetzt schnell zum Schulzdeffekt geworden: obwohl 100 % der SPD-Deligierten ihn gewählt haben – ein Traum wie in Nordkorea. Aber noch so viel Eigenlob und grundlose Euphorie kommt halt nicht gegen die Realität an, „positives Denken“ ist immer sehr weich und angenehm, bis die Wirklichkeit an die Tür klopft – und die klopfte mit minus einem Prozent für die SPD an. Vielen blieb ich „Schulz“ im Halse stecken. Auch hart – jedenfalls für eine Partei, die dort 1990 noch 54 Prozent hatte und nun unter dreißig Prozent liegt. Damit ist dann ja auch die Bundestagswahl schon gelaufen, wir werden uns aufs Dauermerkeln einrichten müssen.

Dabei hätte der Schulz doch viel erreichen können. Das meinte auch Jakob Augstein, der auf den urigen Gedanken kam, Schulz sollte – neben sozialer Gerechtigkeit – den Deutschen wieder eine Heimat bieten (siehe Spiegel), eine Heimat, die es bei zuviel Migration nicht mehr geben könnte. Erwartet man eigentlich eher bei anderen politischen Gruppen, solche Argumente – aber die deutsche Wirklichkeit ändert sich ja gerade wieder, kehrt zurück zu alten Wurzlen, bei denen mit Minderleistern einfach mal kurzer Prozess gemacht wurde – was alle Sadisten zutiefst erfreut. Auch ich würde sagen, dass wir ernsthafte Probleme haben – die allerdings nichts mit Migranten oder Weicharbeitern zu tun haben, sondern mit einem Genozid – einem Völkermord. Nicht schnell, hart und brutal … sondern langsam, schleichend, fast schon sanft und kaum merklich, wenn man nur kurze Zeiträume betrachtet. Ich weiß: Genozid ist ein hartes Wort. Aber was lernen wir in der Schule? Überschriften sollen Aufmerksamkeit erzeugen. Mehr nicht.

Gut, blicken wir nach … Delmenhorst. Dort ist etwas geschehen, was eine neue Qualität im Spiel zwischen Staatsgewalt und Bürger einbringt: die Massenabschaltung von Wasserversorgung. 350 Menschen müssen nun vor den Toren ihres Wohnblocks Wasser in Eimern in ihre Wohnungen schleppen: besonders cool ist das für die „hart arbeitenden Menschen“ (zu denen sich wahrscheinlich jeder zählt, aber die Delmenhorster nun zurecht: zehn-Liter-Eimer in den fünften Stock zu schleppen ist schon hart), die eine Stunde früher aufstehen müssen, um zehn Eimer für die Morgendusche, zwei für die Toilette und einen fürs Frühstück (Kaffee!) bereit gestellt zu haben. Auch Familien mit Kindern dürfen endlos schleppen, die ganz Alten müssen beten, dass noch einer im Block sozial denkt und ihnen was mitbringt. Der Grund für diese Strafmaßnahme, die ja auch Mieter trifft, die brav ihre Wasserrechnungen zahlen: die Eigentümergesellschaft hat den Wasserwerken die Wasserrechnung nicht bezahlt (siehe Spiegel). Anstatt dass man diese Gesellschaft umgehend enteignet und das Eigentum den brav zahlenden Mietern (oder der Gemeinde) überträgt, läßt man lieber die Mieter dursten. Wissen Sie eigentlich, was Wasser in der Produktion kostet? Richtig: gar nichts. Das fällt umsonst vom Himmel. Klar, die Leitungen, die Wasserwerke, die Kläranlagen: die kosten was. Und wer hat die bezahlt? Richtig: auch Sie. Schon lange. Trotzdem haben Sie – wie der Fall Delmenhorst jetzt zeigt – kein Grundrecht auf Wasser, das die Natur Ihnen schenkt.

Ähnlich ist es mit der Autobahnmaut. Sie haben die Autobahn gebaut, zahlen enorme Steuern (Benzinsteuern – bitte nicht vergessen: 64 Cent von jedem Euro gehen an den Staat … auch bei Geringverdienern, Arbeitslosen oder Rentnern) für Ihren Unterhalt und bekommen letztlich von Ihrem Minister eine Rechnung über 50 Milliarden, die nun für Reparaturen fehlen … obwohl die Groko die irrsinnige Summe von 265 Milliarden Euro unter anderem in Neubau von Autobahnen stecken möchte (siehe Spiegel), die nachher wieder Reparaturkosten verursachen. Würde ich so wirtschaften – ich wäre schon längst bankrott. Würde mein Finanzverwalter so wirtschaften – er wäre schon längst gefeuert. Wirtschaftet unsere Regierung so – erhöhen sich Abgeordnete die Diäten … inzwischen automatisch, weil das so angenehmer ist. Die Maut wird einer Betreibergesellschaft zugeführt, wodurch die Hoheit über die Autobahnen zentralisiert wird (oder soll ich: stalinisiert sagen?), die Länder bekommen dafür großzügige Geldgeschenke (siehe Berliner Zeitung) und wir saftige Rechnungen, denn: stetig steigende Maut ist eingeplant. Das ist vor allem schlimm für 40 Prozent der Bevölkerung, jenen Menschen, deren Nettoeinkommen real niedriger liegt als Mitte der neunziger Jahre (siehe Spiegel). Ist Ihnen klar, was das heißt – in einem Land, wo die Grundbedürfnisse … sogar das Wasser … nur gegen Geld zu haben ist? Nahrung, Wärme, Strom: alles nur gegen Bares. Essen wächst zwar nach wie vor umsonst, Sonne und Wind spenden Gratisenergie ohne Unterlass – aber einige wenige Räuber haben sich das Geschäft unter den Nagel gerissen.

Können Sie sich vorstellen, was mit diesen 40 Prozent geschieht (vor kurzem -also 2016 – waren es übrigens noch 33 Prozent: das „untere Drittel“, siehe Deutschlandradio), wenn der Trend so weitergeht? Ständig steigende Preise, Kosten, Steuern, Beiträge bei sinkendem Lohn – in einer Umwelt in der – ganz widernatürlich – nur noch Geld und nicht mehr Arbeit Zugang zu überlebenswichtigen Ressourcen sichert? Wie lange meinen Sie könnten Sie ohne Essen, Trinken und Wärme in den Straßen von Hannover überleben – nackt? Und zunehmend wird das ihre Realität, denn: sozialer Wohnungsbau ist eine aussterbende Angelegenheit. Vor allem die Begründung ist interessant: es gibt zu wenig Rendite und man kann die Mieten nicht schnell genug steigen lassen (siehe Spiegel). Wissen Sie, was das für eine Argumentation ist? Die von Feudalherren – oder von Sklaventreibern. Ja – Kapitalismus ist immer und überall die Reinkarnation der alten Sklavenhalterstaaten: viele arbeiten für fast nichts, damit wenige in Eselsmilch baden können: an diesem Prinzip hat sich nicht viel geändert, außer dass wir inzwischen ein paar Hofnarren des großen Geldes selbst mitbestimmen dürfen … also die Wahl zwischen Merkel und Schulz haben.

Irre, oder? „In vielen Unternehmen sind Mitarbeiter nur moderne Sklaven“ konnte ich kürzlich erst lesen (Magazin Bilanz auf Xing): und ich denke, Sie können das aus eigener Erfahrung bestätigen – oder? Ach, wollen wir mal nicht persönlich werden. Es ginge auch anders. Nehmen wir ruhig mal ein Wasserwerk. Was ist Sinn und Zweck dieser „Firma“? Wasser zur Verfügung stellen. Kommt das Wasser sauber aus dem Hahn, ist die Firma erfolgreich, die Investition sinnvoll und die Rendite gerecht. Wozu da noch irgendwelche hohen Tiere dazwischenschalten, die man zusätzlich noch auf hohem Niveau durchfüttern muss? Das kann man auch auf alle anderen Firmen übertragen, die Schuhe, Benzin, Äpfel oder Teppiche liefern. Das wäre eine gesunde Wirtschaft, doch unsere funktioniert zu einem anderen Zweck: um immer mehr Sklavenhalter auf hohem, arbeitsfreien Niveau durchzufüttern, damit die mit noch mehr luxuriösem Unfug die Umwelt noch weiter vernichten können. Hören Sie dazu mal den Soziologen Oliver Nachtwey (siehe Frankfurter Rundschau).

„Was gilt als Leistung in unserer Gesellschaft? Der Aufwand ist es offensichtlich nicht: Viele Menschen arbeiten hart, bekommen dafür aber wenig Anerkennung und insbesondere wenig Gehalt. Denken sie nur an Krankenschwestern oder Kindergärtnerinnen. Andere gelten als Leistungsträger, zum Beispiel Manager, vor allem weil sie viel verdienen. Und selbst bei objektiv schlechten Leistungen erhalten sie einen hohen Bonus, schließlich sind sie ja per Definition Leistungsträger. Der Begriff der Leistung hat heutzutage wenig mit Aufwand und viel mit Status und Macht zu tun. Zuweilen dient er dazu, andere gesellschaftliche Gruppen abzuwerten.“

Nehmen Sie ein aktuelles Beispiel – eins von vielen, in denen die dekadenten Sklavenhalter erfolgreiche Firmen ruinieren, um selbst dick abkassieren zu können: unser gutes, altes Langneseeis fällt dem gerade zum Opfer (siehe Spiegel):

„Die feindliche Übernahme hat Unilever abgewehrt, jetzt baut sich der Hersteller von Langnese-Eis komplett um. Sparten werden zusammengelegt, Jobs gestrichen, die Werbung gekürzt – profitieren sollen die Aktionäre.“

Aktionäre sind Leute die Geld in Firmen investieren. In der Werbung ist das der hart arbeitende Rentner, in der Realität sind das Banken und Versicherungen, die das künstlich neu gedruckte Geld in Billionnhöhe von dem Herrn Draghi zur Verwaltung fast geschenkt bekommen (da wurde nirgends hart gearbeitet, aber überall dick kassiert) und nun damit auf den Markt drängen, um damit noch mehr leistungslose Gewinne zu machen – auf Kosten der Warenqualität, der Arbeitsqualität und der Lebensqualität aller Bürger dieses Planeten. Solche Schmarotzer hätte man früher auf dem Dorf einfach enteignet … weshalb die auch diese dicken Burgen bauten, um sich vor den zornigen Bauern zu schützen und ihr Madenleben weiter genießen zu können.

Nur noch mal eine Zahl: der Schuldenstand der Welt stieg noch auf 215 Billionen Dollar – in Zahlen wären das 215 000 000 000 000. (siehe Handelsblatt auf Xing). Bei sieben Millarden Menschen wären das        31 000 Dollar pro Kopf – ein großer Teil davon entstand in den Industriestaaten durch die Rettung jener Banken, die nun unser Wirtschaftssystem wieder zu großen Raubangriffen einiger weniger auf das Vermögen der Mehrheit missbrauchen. Jene Banken, die schon mal fünf Milliarden irrtümlich falsch überweisen (hier mal die Staatsbank KfW, siehe Spiegel).

Da gäbe es für einen Schulz doch viel zu tun: den beständigen, rücksichtslosen Raubzug des Geldes durch die Wirtschaft hält eine Volkswirtschaft nicht ewig aus, wenn innerhalb eines Jahres aus dem unteren Drittel untere 40 Prozent werden, weiß man, wohin der Zug fährt: in den Abgrund.

Genozid ist Ihnen trotzdem noch ein zu hartes Wort?

Hinsetzen! Lesen Sie mal den Artikel aus der FAZ über die kollabierende Arbeiterklasse in den USA (siehe FAZ) und die neue Todesursache, die dort auftaucht:

„Die Weißen sterben demzufolge überproportional häufig an Ursachen, die Experten unter der Rubrik „Tod aus Hoffnungslosigkeit“ zusammenfassen. Zu dieser Kategorie gehören Selbstmord, Drogentod nach Überdosis oder an Krankheiten, die Alkoholmissbrauch folgen. Case und Deaton zufolge sinkt die Lebenserwartung der Gruppe seit dem Jahr 1999. Das ist eine dramatische Entwicklung angesichts der Tatsache, dass in nahezu allen Industrieländern über fast alle Bevölkerungsgruppen hinweg die Lebenserwartung stetig steigt.“

Und das ist unser wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorreiter. Verstehe auch, dass so viele Trump gewählt haben: alles ist besser als der Tod. Ist Ihnen das erstmal Tod genug?

Nun – in zehn Jahren werden wir uns wiedersprechen. Dann werden aus den unteren dreißig die unteren sechzig geworden sein – wenn „die Wirtschaft“ 18 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland durch Automaten ersetzt hat. Und wenn die Menschen ohne Arbeit dann keine Rendite mehr bringen – stellen wir denen das Wasser ab, verbieten ihnen den Zugang zu Straßen, schneiden sie komplett von der Geldversorgung ab… den Rest erledigt dann die Natur.

Ich bleibe mal dabei: ich nenne das einen schleichenden Genozid – auch wenn manch einem bei diesem Begriff die Stricknadel aus der Hand fällt.

Kapitalismus? Abschaffen. Und zwar gestern! Oder … bluten. Und sterben.

Digital StillCamera

Freitag, 18.11.2016. Eifel. Ja, was verlange ich denn heute von Ihnen? Die mutigste Tat Ihres Lebens: sich gegen die Religion der Gegenwart zu stellen: gegen  Geld, Arbeit, gegen Schulden, Wachstum und Wirtschaft. Jedenfalls … wird man Ihnen erzählen, dass es so wäre, dass dies mein Ansinnen sei. Ich möchte Sie jedoch aufmuntern, gegen Armut zu sein, gegen Hunger, gegen Ausbeutung, gegen Kinderarbeit, gegen Kriege, Arbeitszwang und Massenvernichtung von menschlichem Leben – wozu es irgendwann kommen muss, wenn der Zinseszinszwang die letzten Cent aus den Taschen saugt und einfach kein Geld mehr da ist, alle zu ernähren. Unglaublich? Entsprechende Pläne hegten schon unpolitische Akademiker in den dreißiger und vierziger Jahren bezüglich der jüdischen, russischen und polnischen Bevölkerung: die nicht ausbeutungsfähigen (alte Menschen, kranke Menschen, Kinder) sollten auf Nulldiät gesetzt werden – sprich: verhungern – damit „Das Reich“ in Wohlstand leben konnte. Unpolitische Akademiker? Ja – die machten danach ja übergangslos Karriere in der Bundesrepublik Deutschland, die meinte, auf solche „Fachkräfte“ nicht verzichten zu können. Außerdem – so wurde uns erzählt – war ja Hitler tot und der Faschismus somit bis in alle Ewigkeiten gebannt.

Ich möchte Ihnen zum besseren Verständnis mal eine Geschichte erzählen, in der Sie und ich vorkommen.

Denken Sie sich einfach mal, wir fahren zusammen in Urlaub. Nein, wir fahren nicht: wir fliegen. Nach Neuseeland, da wohnt ein guter Freund von mir, der vermietet dort Ferienzimmer: wir wären herzlich willkommen. Wegen ihm käme ja sogar ich mit, der ansonsten sehr reiseunlustig ist. Neuseeland wird Ihnen gefallen, ist eins der schönsten Länder auf der Erde. Nicht so schön wie die Eifel, auch nicht so umweltfreundlich zu erreichen – aber es ist ja erst mal nur eine Geschichte.

Unterwegs macht die moderne Technik das, was Technik immer und überall macht: sie geht kaputt. Unser Flieger gibt den Geist auf, nicht am Boden, wo es bequem und sicher wäre, sondern in der Luft. Wir stürzen ab. Glück im Unglück beschert uns eine Notwasserung ganz in der Nähe eine unbewohnten Insel, von denen es dort noch tausende gibt (manche von ihnen sind sogar käuflich zu erwerben).

Da sitzen wir nun: anstatt lustiges Treiben im Club haben wir endloses Elend am Strand. Wir können uns kurz freuen, das niemand verstorben ist … doch dann holt uns die schreckliche Realität ein. Wir merken, dass wir leider mit nur mangelhaften Körpern ausgestattet sind. Sie sind zwar bei weitem zuverlässiger als Technik jeder Art, können sich selbst reparieren und mit Energie (Strom) versorgen, besitzen eine der kostbarsten chemischen Fabriken auf Erden (die Leber), können Wärme auch ohne Verbrennungsmotoren erzeugen … aber brauchen permanent Wärme, Wasser und Nahrung, um weiter ihre phantastische Arbeit zu leisten. Einen Tag schaffen wir ohne Wärme, drei ohne Wasser, ein paar mehr ohne Nahrung – doch dann ist mit Funkionsaussetzern zu rechnen.

Wir müssen also schnell starten mit „Wirtschaft“ und die benötigten Elemente heranschaffen. Ich habe wie immer ein Feuerzeug in der Hosentasche, so dass das erste Problem (Wärme) schnell gelöst werden kann. Als Teilnehmer diverser „Survival-Trainings“ rate ich auch schnell zur sofortigen Arbeit: die Zeit läuft. Große Diskussions- und Klagerunden sind zwar menschlich verständlich, führen aber – wie der wache Geist schnell selbst erkennt – nur zu noch mehr Klagegründen. Sicher wird es manche Menschen geben, denen das sofort zuviel ist, die einen Schock haben und versorgt werden müssen. Die müssen gepflegt werden, bis sie die anderen ersetzen können, die sich sofort auf die Suche nach Feuerholz, Essen und Wasser machen. Ja, da dürfen wir sofort aufmerken: außerhalb der menschlichen Gedankengebäude ist Wärme, Essen und Wasser UMSONST, wird einfach von der Natur geschenkt, ist in Hülle und Fülle vorhanden – selbst in ärmsten Ländern, bedarf nur ein wenig Arbeit, um die Früchte zu ernten.

Schnell sind die Aufgaben verteilt, ja nach Höhe des Selbstorganisationsgrades der einzelnen Teilnehmer der Gemeinschaft suchen sie sich die Aufgaben selbst, ist der niedriger (wie bei Menschen aus arbeitsteiligen Gesellschaften üblich), so kann ein Philosoph helfen: das Denken in Bildern und Netzen ist genau das, was man jetzt braucht, weil es schneller funktioniert – ein kurzer Blick genügt schon, um zu  erkennen, dass wir zu wenig Leute für Wasser haben (das wird schneller dringend) und zu viele für Holz (liegt direkt am Strand schon in Massen herum). Jener, der diesen Prozess aushilfsweise organisiert, ist in der Wirtschaft „der Boss“ – er nimmt einem das Denken ab … allerdings sinnvollerweise nur für einen Übergangszeitraum: die Organisation von Ablaufprozessen ist gedanklich sehr anstregend und vor allem: dürfen keinerlei Fehler gemacht werden, weil die Folgen tödlich wären. Jener „Boss“ sitzt also noch am Schreibtisch, während andere schon schlafen: an seinen Planungen hängt viel in der Startphase … aber auch wirklich nur da. Wir können uns auch einen Flieger voller Survivalvolk denken – die brauchen keinen Chef, die wissen schon alles … und wenn die hinreichend sozial sind, dann landen die traumatisierten Schockpatienten auch nicht sofort bei den Fischen im Meer.

Je besser die Arbeit organisiert wird, umso mehr freie Kapazitäten hat man, um z.B. Leuchfeuer zu bauen, die Hütten zu verbessern, Wälder zu roden und mit Anpflanzungen zu beginnen – oder am Strand zu liegen und entspannt einfach mal gar nichts zu tun und sein Leben zu genießen: so, wie es die Schöpfung einst vorgesehen hatte. Drei Stunden Arbeit am Tag für die Grundversorgung – der Rest ist frei. Nun – mit den Survivalfreaks möchte ich nicht gerne dort landen: es sind meist notorische Einzelgänger, nur auf sich bedacht – es gibt einfach herzlich wenig zu lachen mit ihnen, sehe schon vor mir, wei die abends grimmig allein am Lagerfeuer sitzen und an einer mageren Ratte nagen, während wie anderen schon Brot backen, Bier trinken und ausgelassene Feste feiern … dank selbst gebranntem Alkohol.

Ja: dank Arbeit (ohne Schulden, Zinsen und Lohn) haben wir unsere Insel nach einem Jahr in ein Paradies verwandelt, das schöner ist als Neuseeland, es wird unser coolster Urlaub aller Zeiten.

Ab wann kippt das Paradies?

Nun – ab dem Moment, wo sich einer an den Strand setzt und sagt: „Ich mache die Bank“ … und billige Palmblätter gegen Arbeit und Produkte eintauscht. Die Palmblätter – bislang ein vorzüglicher Ersatz für Toilettenpapier – sind auch umsonst in großer Menge vorhanden, aber es „zählen“ auf einmal nur noch die, die sein Handzeichen aufweisen.

Es ist der kritische Moment unserer Gemeinschaft … und der Philosoph zieht sich auch genau in diesem Moment allein in den Wald zurück, um das Beispiel nicht zu gefährden mit seiner blöden Frage: wozu Bank?

Vielleicht stellen sich viele die Frage, doch der Banker ist natürlich ein rhetorisch geschickter Verführer (keine Frage: besuchen sie einfach mal den Anlageberater ihrer Sparkasse und erleben Sie es selbst) und hat eine teuflische Botschaft: wer genug seiner Palmblätter hat, braucht nicht mehr arbeiten, bekommt aber mehr Essen und Wasser als die anderen, ja, kann sich von den anderen sogar einen Palast bauen lassen.

Aufrechte Demokraten, denen der Zusammenhang von Arbeit und Leben noch gegenwärtig ist (darum sind wir ja gerade auf dieser Insel als Modell, um den noch mal klar ins Auge zu fassen), würden den Banker sofort in die Meere zurückjagen – oder ihn zum Holz sammeln auf die andere Seite der Insel schicken. Doch – und hier nähern wir uns der Realität – wo haben wir die noch, die aufrechten Demokraten? Wir haben ja moderne Menschen hier – so wie Sie – die die Verlockungen des arbeitsfreien Lebens, in dessen Mittelpunkt das eigene Ego steht, ohne weiteres zu schätzen wissen, die der Verheißung von grenzenlosem Ausleben aller Wünsche, Träume und Phantasien nicht widerstehen können. Zwar stellen sich auch den Zögernden noch Fragen („wie soll das alles funktionieren – Palmblätter sind doch nicht nahrhaft?“) und diesen Moment nutzen die reiferen Charaktere aus, um den Banker zur Rede zu stellen, vor dem Unsinn zu warnen, der mehr Arbeit für viele bedeutet und die Freizeit enorm einschränken wird, damit wenige Palmblätter verwalten … doch in dem Moment kommt dem Banker eine teuflische Idee: „Wir brauchen eine Regierung!“.

Auf einmal gefällt ihm die Idee der Demokratie, die zuvor – ohne große Tamtam – einfach funktionierte, weil die Menschen Zeit und gute Laune genug hatten, um alle Differenzen friedlich austragen zu können. Nur: es steckt halt auch eine teuflische Idee dahinter, denn: „Regierung“ … ist der Schritt zur Abschaffung der Demokratie.

Natürlich ist die Idee „Demokratie“ verlockend und plausibel – alle machen mit. Warum man nun Menschen, die sich nicht durch Leistung qualifizieren, die man nur in gewissen Momenten abrufen braucht, für alle Ewigkeiten in Herrschaftspositionen setzen muss – völlig unabhängig davon, ob sie wirklich die Qualität zur Führung einer demokratischen Zivilgesellschaft haben oder nur besonders verlogene, hinterhältige und berechnende Karrieristen sind – diese Frage stellt erstmal keiner: er wäre ja sofort ein Faschist. Und wer drängt nun in die Regierung? Nun – die Laumalocher. Jene, die noch nie einen Hammer in der Hand hatten. Jene, die sehen, dass sie dann ganz nahe an dem Palmblatthügel des Bankers sitzen, den sie mit Hilfe der Dümmeren in der Gemeinschaft verteidigen, in dem sie ihnen Waffen besorgen – die ersten Waffen, die blutige Wunden verursachen.

So sprengt der Banker unser Paradies – den Rest sehen Sie in Ihrem eigenen Leben, denn: mit Hilfe der Regierung setzt der Banker neue Regeln durch: „Zinsen“ kommen in die Welt. Wer krank ist und sich zum Überleben zehn Palmblätter leiht, muss elf zurückzahlen. Je länger das System läuft, umso weniger Palmblätter hat die Insel, es wird noch später sogar auf Muscheln und Steine zurückgegriffen – alles wertloser Tand – um das System mit „Tauschmitteln“ auszustatten. Und da sich auf Seiten des Bankers gut leben läßt – die bleiben bei Gewitter und strömendem Regen einfach in der Hütte sitzen und warten darauf, dass die „Arbeiter“ (wie man die anderen,  minderwertigen Gestalten nennt) sie füttern und umsorgen; ja, sie führen sogar den Titel „Arbeitnehmer“ ein – es ist ja der Banker, dessen Futterbedarf den anderen überhaupt die viele zusätzliche Arbeit verschafft, die sie annehmen – weshalb sie „Arbeitnehmer“ werden und er „Arbeitgeber“.

Der Trend zum „Bankersein“ verstärkt sich, da alle merken: die echte Arbeit wird von immer weniger Menschen gemacht, die sich gesundheitlich kaputt malochen. Das Leben verschlechtert sich insgesamt: da immer mehr Menschen frei von Arbeit nur von Palmblättern, Steinen und Muscheln leben wollen, werden die Ressourcen knapp. Anstatt den eigenen Bedarf zu zügeln oder selbst mal mit anzupacken anstatt nur bei feierlichen Eröffnungen Bänder zu zerschneiden, um neue Lustwandelwege für die oberen Zehntausend zu eröffnen, nimmt die Regierung lieber jene ins Auge, die sich nicht wehren können, jene, die ohnehin nur noch verbrauchen, jene Menschen, die von der deutschen Wirtschaft – ob nun im Nationalsozialismus oder in der Bundesrepublik ist da völlig egal, diese Regeln gelten systemübergreifend (wie wir im Alltag ja an allen Ecken und Enden sehen) – als „Ballastexistenzen“ angesehen werden, weil sie dem Banker überhaupt keine Rendite mehr bescheren.

Schleichend und langsam – oder schnell und grausam – werden sie ausgemerzt. Die Art der Vernichtung ist direkt vom Widerstand jener abhängig, die sich nicht dem Banker und seinem Palmblattwahn angeschlossen haben, jenem Wahn, der – dank Regierung – mitlerweile die ganze Insel zu Privateigentum erklärt hat, für das man – sofern man auf der Insel bleiben möchte – „Miete“ zahlen muss … also Zinsen fürs nackte Wohnen, was vorher 100 000 Jahre lang völlig umsonst war. Ist der Widerstand hart und unnachgiebig, werden viele Widerworte gemacht, die Menschen anstecken und aufklären können, wird der Kurs der Vernichtung sanft sein, über „gerechte“ Sanktionen, über schönes Reden von „Fördern und Fordern“; ist der Widerstand aber schwach – oder die Menschen sogar schon so verroht, dass sie über die ihre Mitmenschen hinwegsteigen, die sterbend vor den Palmblattautomaten stehen – dann wird die Vernichtung betriebswirtschaftlich effektiver organisiert.

Wie endet unsere Insel nach hundert Jahren?

So wie wir. Eine kleine Kaste von Asozialen (es reichen zehn Prozent der Gesellschaft, wie bei uns: siehe Spiegel) saugt sich maschinell automatisch die Taschen so voll, dass sie gar nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld, während ein ständig wachsender Teil der Bevölkerung immer schneller rennen muss für immer weniger Palmblätter. Große Sympathie finden die asozialen Gestalten bei ihresgleichen: den Faulen, Asozialen, Laumalochern und Nichtstuern, die gerne für Null Arbeit in Saus und Braus leben. Um das zu tarnen, verwässern sie auch den Arbeitsbegriff und tun so, als wäre ein Tag mit Kaffee, Kuchen und Heizung im Büro ähnlich schlimm wie zehn Stunden Steine kloppen, Kranke und Alte pflegen oder den Acker zu pflügen, als wären „Geschäftsessen“ und „Tagungen“ zu vergleichen mit den Tagen, die Feuerwehrleute und Rettungssanitäter hinter sich bringen müssen, ja selbst Tage im gut geheizten, weich gepolsterten Parlament – von uns anderen als Unterhaltung in der Freizeit auf dem Sofa genossen – werden so hoch gehalten (und dotiert) als entsprechen sie zwanzig-Stunden-Schichten beim Straßenbau im Winter … nur viel viel besser bezahlt.

Straßenbau hat schon einige Menschen zerstört, im Parlament ist noch niemand vor Überarbeitung zusammengebrochen, bezahlt wird es aber besser als die Arbeit auf Ölbohrplattformen, die jederzeit das eigene Leben kosten kann. Der gefährlichste Beruf in Deutschland ist momentan der Gerüstbauer – doch sind es nicht diese Menschen, denen wir das meiste Geld geben. Über ein Viertel aller Arbeitnehmer werden im Laufe ihres Lebens berufsunfähig, bei Gerüstbauern und Dachdeckern sind es über fünfzig Prozent (siehe Statista), doch nicht diese Menschen bekommen das Geld … sondern jene Verwaltungsmenschen in Versicherungen, Banken und Regierungen, die ihnen gerechte Entlohnung des Risikos vorenthalten. Ja – schauen Sie sich mal die Statistiken an: dort, wo viel Geld gemacht wird, ist das Risiko am geringsten, köperlich oder geistig zu schaden zu kommen.

Und nochmal hundert Jahre?

Ach komm – jetzt denken Sie doch bitte mal selbst nach, wo das endet. Ach was – ich sag´ es einfach mal: immer und überall endet Kapitalismus im Faschismus. Der Anspruch auf „die ganze Welt plus fünfundzwanzig Prozent arbeitsfreie Eigenkapitalrendite“ funktioniert nicht, weil nur eine Welt da ist – was die blöden Kapitalisten nicht von ihren strunzdummen Forderungen nach mehr, mehr, immer mehr und nochmal mehr abhält. Es gibt betriebswirtschaftlich unter kapitalistischen Rahmenbedingungen gesehen gar keine Alternative zur Massenvernichtung der unnützen Esser, die nichts anderes leisten können als Rendite zu mindern, in dem sie essen, schlafen, trinken, warm haben wollen und unter sich machen. Man könnte sogar ausrechnen, wann genau der Moment kommt, an dem die Geldgier der zehn Prozent anfängt, an dem Lebensminimum des unteren Drittels zu nagen. In Deutschland haben wir das sogar schon: rotgrün hat erst die Spitzensteuersätze gesenkt … und sich dann das Geld von den Arbeitslosen geholt, die per Gesetz zu „Parasiten“ und „Sozialschmarotzern“ erklärt wurden, mit großer Unterstützung unserer Medien, die auf unsere Insel in Gestalt wandernder Boten unterwegs sind, die mit Trommeln und Trompeten beständig rund um die Uhr die Glaubenssätze der Lumpenelite verbreiten, um jeden eigenen Gedanken zu unterdrücken.

Was uns noch verbindet? Hier und auf unserer Insel gibt es ein „Dschungelcamp“ zur Belustigung der Massen mit enormer politischer Funktion: dort werden Höflinge, die in Ungnade gefallen sind, dem Spott des Pöbels ausgeliefert um ihm für einen Moment eine Illusion von Macht und Gerechtigkeit zu geben, die ihm eine kurze Entlastung schafft: schon die alten Römer wussten, dass man so für Ruhe sorgen kann, ganz nach der Regel der Mafia: erschieße einen, diszipliniere hundert.

Nun werden Sie sich fragen: was macht eigentlich der Philosoph, dessen Aufgabe es ist, „Mind-Maps“ – also: Weltbilder – zu entwerfen, anhand derer Arbeit und Verteilung organisiert werden kann?

Nun – er arbeite erstmal an neuen „Mind Maps“, unauffällig, weit zurückgezogen. Er sieht, dass Blut fließen wird – viel Blut. Leise und unauffällig – in alte Lumpen gekleidet – bewegt er sich durch die Menge der Menschen, sucht die, die für den Neuaufbau nützlich sind. Es gibt keine Alternative zu diesem Blut fließen: Aufstand oder Auschwitz, dass ist hier die Frage. Entweder findet sich ein militärisch hinreichend perfekter Kriegshäuptling, der den Filz mit harter Hand zerschlägt – womit sich der Traum des „gerechten Königs“ Bahn bricht, der die Menschen schon seit Jahrtausenden verführt (und immer nur zum „Tyrannenwechsel“ geeignet ist, wie die Geschichte unserer Revolutionen gezeigt hat), wieder mal erfüllt … oder das System der Ausbeutung kommt zu jenem Punkt, wo „Minderleister“ existentiell zu stören beginnen und ein weniger gerechter Kriegshäuptling die Vernichtung organisiert.

Wie auch immer: es wird der Moment kommen, wo wieder aufgebaut werden muss, wo wir wieder nackt, hungrig, durstig und frierend am Strand sitzen. Und dort muss dann effektiv Arbeit organisiert werden, um Leid zu mindern. Und es gilt, einen Satz – am besten mit den Anspruch eines nicht hinterfragbaren „Wortes Gottes“ – in die Welt zu setzen, einen Leitsatz, der Kapitalismus für immer unmöglich macht.

„Liebt euren Nächsten wie euch selbst“ – war schon mal ein mächtiger Leitsatz, die das mächtige, römische Imperium als äußerst bedrohlich empfand.

Vielleicht … hat der Philosoph auch die leise Hoffnung, dass es endlich mal gelingen möge, den blutigen Krieg der Waffen durch den weisen Krieg der Worte zu  ersetzen, der für alle Gewinn bringen würde. Doch schaue ich mir die Gegenwart an, so schwindet alle Hoffnung. Die Menschen sind sogar immer weniger an der Lage, selbst einfachste soziale System wie „Familie“ am Leben zu erhalten, selbst die winzigste Miniorganisation „Beziehung“ wird immer unmöglicher – wie will man da Hoffnung haben können (über die Gefährlichkeit unsere neuen „Nichtbeziehungen“ siehe Zett), komplexere Systeme erfolgreich ans Laufen zu kriegen.

Die Alternativen zum Kapitalismus sind längst da (um mal wieder eine zu nennen: Treeec) – nur fehlen die Menschen, sie ins Leben zu rufen. Nicht umsonst ist Dschungelcamp Deutschlands erfolgreichste Sendung.

Also … bleibt nur noch die Vorbereitung auf blutige Zeiten, die täglich näher kommen – wie jetzt bei dem erfolgreichen Superkonzern VW, der erstmal 30000 Arbeitsplätze abbaut (siehe Handelsblatt) … innerhalb der nächsten vier Jahre, hauptsächlich in Deutschland. Die wollen halt nicht mehr Autos für alle – sondern mehr Palmblätter für die oberen Zehntausend.

 

 

Die Arbeit: heiligste Kuh Deutschlands … und der tödlichste Kult

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Samstag, 5.11.2016, Eifel. Können Sie sich noch an Indien erinnern? Ja? Also – früher mal? Was haben wir über die Inder gelacht. Kein Wunder, dass die Briten da einmarschieren mussten, um die Demokratie zu bringen. Nein, warten Sie – Demokratie bringen wir ja heute beim Einmarschieren … ach Mensch, was haben wir denn damals noch gebracht? Die Queen? Ach –  nein, jetzt fällt es mir wieder ein: das Christentum. Ja, erst kamen die Mönche, dann wurde irgendwann einer von denen umgebracht – zum Beispiel, weil es schwierig ist, komplexe theologische Systeme miteinander zu verbinden, wenn man der Landessprache, der Sitten und Gebräuche nicht mächtig ist und auf eine Kultur trifft, deren Religion 5000 Jahre alt ist und die selbst meinen, dass  sie schon wissen, wovon sie sprechen – und nachdem dann ein Mönch (ein heiliger Mann! Besonders schützenswert … wenns gerade in den Kram passt) zu Tode gekommen war, kamen die Schutztruppen, die sich mit überlegener Waffentechnik durch das Land schossen. Ja, so war das früher. Heute schicken wir keine Mönche mehr, sondern NGO´s, Geschäftsleute oder economic hit man – und die bringen dann auch gleich ihren neuen Gott mit, der den alten Gott der Mönche nahtlos ersetzt hat.

Aber darüber wollte ich ja gar nicht reden, es ging ja nur um Indien.

Wissen Sie noch, worüber wir uns damals amüsiert haben? Die Zeitungen waren voll von Karikaturen darüber, das müssen Sie doch noch wissen? Die Kühe! Ja – da gibt es einen ganzen Kontinent voller lebendiger Kühe, in dem fürchterliche Hungersnot herrschte, Kühe, die noch nicht mal verscheucht wurden, wenn sie den Verkehr blockierten. Können Sie sich das vorstellen? Gut – die Kuh im Verkehr sorgte für ein enorm entschleunigtes Leben – um das wir heute mühsam kämpfen müssen, aber wir wissen doch, was Kühe bedeuten können: Steaks, Salami, Rinderhack für Hamburger – die dummen Inder lebten im Paradies, ohne es zu merken! Und was sagten die Inder? „Kühe sind heilig“!

Unglaublich für uns, oder? Essen als heilig anzusehen. Würden wir Essen als heilig ansehen – oder es nur respektvoll betrachten: unsere ganze profitable Lebensmittelindustrie könnte dicht machen – da werden größtenteils Abfälle durch viel Chemie zu Massenfutter geformt, ohne das wir es wissen. Aber wir sind trotzdem „Schuld“, wenn wir das kaufen.

Nun – dass die Kuh in Indien heilig war, hat eine lange Geschichte, eine Geschichte, die uns als aufgeklärte westliche Demokraten nicht zu interessieren braucht: wir wissen, dass wir das Herrenvolk der ganzen Welt sind und dass unsere Vorstellungen Wahrheit sind, eine Wahrheit, die wir zur Not mit der Waffe in der Hand verteidigen: weltweit. Was wäre aber wenn … wir selber so eine heilige Kuh hätten? Wenn wir selber völlig irrational werden, unmenschlich, grausam, wenn einer unsere heilige Kuh vom Hof schubst, weil die unter sich macht?

Haben wir nicht, sagen Sie. Blödsinn, sage ich. Schon beim Thema „Kühe essen“ springen mich sektiererische Kultisten des Westens an, die äußerst merkwürdige und seltsame Praktiken zum Standard erheben wollen: die Heiligkeit nicht nur der Kuh sondern aller Tiere, die lieb und knuffig aussehen und im weitesten Sinne dem Kindchenschema entsprechen – also große Kulleraugen haben. Für Spinnen und Skorpione wird da weniger geworben – insgeheim ist man sogar dankbar, wenn ein mutiger Barbar das Problem mit festem Stiefelabsatz grundsätzlich aus der Welt schafft, auch will man nicht manchen Wespenarten verbieten, ihre Eier in lebende Wesen abzulegen: es geht ja auch nur darum, seine Mitmenschen mit „Übergutmensch“-Gehabe zu dominieren, sie zu unterjochen und ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen. Früher, als wir noch über heilige Kühe lachten, wussten wir auch noch, dass es sich dabei um eine „Kolonialisierung des Bewusstseins“ handelt, einen unmenschlichen, agressiven Akt der im Ansatz zu ersticken ist, weil es sich dabei um eine der fiesesten Manifestationen des Feudalismus handelt.

Nun – ich will nicht über Veganer sprechen, sie sind nur ein kleiner, unbedeutender Kult, einer von vielen, der versucht, die Zwänge, die wir in den sechziger Jahren abgeschüttelt hatten, neu zu errichten, neue Ketten zu schmieden, neue Zäune zu ziehen – aus bloßer Willkür und – wie für imperiale Lebensformen üblich erstklassigen ethischen Motiven: nur so kann man die Soldaten Gottes dazu bringen, jede Form von Scham, Anstand, Respekt und Toleranz hinter sich zu lassen. In Wirklichkeit – so habe ich jetzt lernen müssen – ist Sojamilch so künstlich wie Coka Cola (siehe Focus), nur dank viel Chemie überhaupt genießbar. Und das vegane Leben? Schlichtweg nicht zu leben ohne die vielen „Supplementangebote“ der Pharmaindustrie (nein, dazu verlinke ich mal nicht, da ich über die lebensgefährdende Wirkung dieses Drecks schon beruflich informiert wurde – siehe z.B. Focus). Ja: „Veganer“ – als selbst definierte Supergutmenschen – sind die heimliche Speerspitze der Pharmaindustrie – und zwar eine tödliche Speerspitze. Das kommt von diesen heiligen Kühen, über die wir nur lachen, wenn wir sie bei anderen sehen.

Das war jetzt aber nur eine unserer kleinen Kühe, ein unbedeutender, düsterer politischer Kult, der bald wieder verschwinden wird – und nicht zu verwechseln mit Menschen, die aus Respekt vor dem Leben selbst keine fleischlichen Produkte essen noch Abfälle von Schlachtungen als Kleidung tragen – das sollte noch gesagt sein. Der gute Mensch und der „Übergutmensch“ sind halt zwei ganz unterschiedliche Seiten einer Medaillie. Kommen wir lieber zu den großen heiligen Kühen.

Kommen wir … zur Arbeit.

Sie wissen, was das ist, nehme ich an? Will ich gar nicht hören. Ich werde Ihnen sagen, was das ist: aufstehen, wenn der Körper noch nach Schlaf verlangt, reisen, wenn er noch zu ruhen wünscht, sich frühmorgens schon in Gedränge und riesigem Lärm von Blechlawinen quälen (Lärm – nach Kübler-Ross eine der beiden bedrohlichsten Urängste des Menschen), ohne genügend Zeit für ein gutes Frühstück zu haben, den ganzen Tag in völlig unnatürlicher, einseitiger, gesundheitsschädlicher Haltung zu verbringen – fern von seinen Lieben, mit denen man das Leben teilen wollte –  und Tätigkeiten in permanenter Dauer zu verrichten, für die der Körper nicht geschaffen ist: und das ganze immer schneller, eifriger, ergebener als noch am Tag zuvor, so sehr, dass man abends erschöpft und geistlos vor flimmernden Schirmen sitzt, die einem sagen, mit welchen Produkten man sich kurz Erleicherung von der Qual erschaffen kann – Produkte, ohne die es die Qual gar nicht gäbe.

Merken Sie schon jetzt, dass wir mit unserer heiligen Kuh in den Augen der alten Inder ziemlich doof dastehen? Und wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, dass diese Maschinerie, der wir unser Leben so begeistert hingeben, die Ökosphäre das ganzen Planeten mit vielfältigen Giften verseucht. Alte Kabbalisten – viel jünger als Inder – wüssten sofort, was sie denken sollten, wenn sie unsere „Wirtschaft“ betrachten: Samael, Prinz der Gifte, oberster Herrscher des dunklen kabbalistischen Baumes (jedenfalls nach einfacher Auslegung), hat die Gewalt über die Erde erhalten: der düsterste Kult des mythischen Kosmos ist Realität geworden, hat Macht über alle Menschen erlangt und bringt sie langsam auf tausendfasche Weise zu  Tode (zum Beispiel durch künstliche Vitamine – das sei nochmal erwähnt). Wir lachen über die heilige Kuh der Inder, lassen aber Kali, die finstere Göttin, frei in unserem Lande schalten und walten wie sie will, opfern ihr unsere Bäume, Flüsse, Seen, unsere Luft, unsere Äcker und unseren ganzen Lebensraum.

Doch verlassen wir die Sphäre der alten Weisen, flüchten wir sie schnell: ja, wir müssen sie flüchten, denn unsere Welt ist in ihren Augen der Gipfel der Verkommenheit, während wir uns als gesegnete Genießer der Vollkommenheit betrachten.

Bleiben wir bei der Arbeit, nur so, wie wir sie sehen. Warum machen Sie das eigentlich? Ganz ehrlich jetzt. Klar, um Geld zu verdienen. Warum müssen Sie „Geld verdienen“? In einer Welt, die Gott mit Fülle an Nahrung, Wasser, Luft und Raum gesegnet hat: alles Millionen Jahre lang völlig umsonst? Nun – ganz umsonst war es nicht, drei bis vier Stunden mussten Sie schon täglich investieren – inklusive Hausarbeit. Arbeit in freier Natur, wann Sie wollten, wo Sie wollen, wie Sie wollten. Beeren und Feuerholz sammeln, mit den Jägern auf Fernreisen gehen, Wasser schleppen, Felder bestellen: zu tun gab es genug, aber jeder konnte – je nach persönlicher Verfassung – an der Arbeit teilhaben, die gerade zu ihm passte … während Sie 9 Stunden im Büro hängen (eine davon eine erbärmliche Pause umgeben von Lärm und Häßlichkeit), dann noch zwei Stunden „einkaufen“ und zwei Stunden „Hausputz“ machen, um die letzten vier Stunden mit dem zu verbringen, was ihre Herren für Sie als „Unterhaltung“ vorgesehen haben. Dschungelcamp zum Beispiel, die modernisierte Version des „Löwen fressen Christen“-Spektakels im alten Rom.

Also nochmal: warum müssen Sie „Geld verdienen“ – sich selbst verkaufen, wie es früher nur Sklaven mussten?

Ganz einfach: weil Ihnen jemand den Reichtum der Welt gestohlen hat und Ihnen kleine Bröckchen davon überteuert verkauft, damit Sie nicht so leiden wie die Menschen in Afrika. „Jemand“ hat heute kaum noch ein Gesicht, es gibt kaum noch Köpfe für die Guillotine: man hat aus diesem Unfall der Geschichte gelernt. Kein Feindbild – keine Revolution. Und das Abkassieren kann endlos weitergehen, ohne dass es einer merkt.

Das verstehen Sie nicht?

Nun – ich erkläre Ihnen das mal an einem Beispiel, zitiere hierzu mal die „Lügenpresse“ – um zu zeigen, dass dort noch nicht alles verloren ist (siehe Zeit):

„Nach Informationen der ZEIT beziehen 16 ehemalige EU-Kommissare der Barroso-Kommission noch immer Übergangszahlungen von jährlich mindestens 99.996 Euro pro Kopf. Sie bekommen das Geld aus Brüssel, obwohl viele von ihnen längst neue, gut dotierte Spitzenposten in Wirtschaft und Politik haben. Das geht aus einer Liste hervor, die die EU-Kommission der ZEIT übermitteln musste.“

99996 Euro – zusätzlich. Die wenigsten Deutschen verdienen überhaupt nur die Hälfte davon.

Noch ein Beispiel?

Gern (siehe t-online):

„Ehemalige Minister aus Nordrhein-Westfalen sind mit durchschnittlich mehr als 7600 Euro die bestbezahlten Politiker-Rentner Deutschlands. Ihre Altersbezüge liegen mit 7642 Euro monatlich sogar um zwei Drittel höher als die Pensionen früherer Bundesminister.“

Da wird mit der großen Kelle abgegriffen. Von diesen Menschen haben wir … eine Million im Land. „Leistungsträger“ genannt, was auch Sinn macht: die Vermögen und der Luxus dieser Menschen wird durch die Leistung anderer Menschen getragen: die Hälfte Ihrer Lebenszeit arbeiten Sie für „die“, die man sonst auch gerne einfach nur „Chef“ nennt. Zu hinterfragen, warum der „Chef“ hundertmal soviel verdient wie Sie, der Sie die ganze Arbeit machen, gilt als verpönt, lächerlich, gemeingefährlich, ja: es wurde sogar kürzlich das Wort „sozialistisch“ wieder als Schimpfwort eingeführt – in Bezug auf Sozialdemokraten in der Wallonie, die der Ausweitung der geballten Macht der Leistungsträger kurz im Wege standen.

Wahrscheinlich kommen wir sogar über eine Million, wenn wir alle die zählen, die von Beiträgen, Steuern, Abgaben finanziert werden – ich rede hier aber nur von der Feudalklasse, die sich am elitärsten bei den „Grünen“ manifestiert, seitdem die FDP Schwächen zeigte.

Bleiben wir aber bei dem Grund, der das alles möglich macht: jenen unheimlichen Kult der „Arbeit“, der sich – von außen betrachtet – in nichts unterscheidet vom Kult der anderen heiligen Kühe, außer, dass er viel tiefer, gründlicher, versklavender in unser Alltagsleben eingreift als es andere Kulte bislang getan haben. Ja, ok: die katholische Kirche war da schon sehr weit, der Protestantismus ebenso – aber wo man früher den „Zehnten“ im Jahr gab, gibt man heute sechs „Zehnte“. Man sieht: das Geschäft der Ausplünderung läuft nach wie vor … und zwar mit steigender Geschwindigkeit.

Es gibt eine Million reicher Menschen in Deutschland – viele davon reich geworden, dass der deutsche Staatsbürger ein fleißiger, treuer, gemütlicher Mensch ist, der ordentlich arbeitet. Und weil das System so gut funktioniert, ist der Andrang in die Feudalkaste so groß und vergrößert so auch den Druck auf die, die noch echte Arbeitsleistung erbringen müssen, damit genug zum Verteilen da ist. Damit Ihnen das mal klar ist: die vier Stunden, die Sie mehr arbeiten als als gemäß Naturrecht zu verlangen wäre, arbeiten Sie nur für die immensen Gehälter ihrer Chefs, die hauptsächlich dafür bezahlt werden, Sie täglich zu noch mehr Leistung anzutreiben. Ganz oben in dem System sammeln sich natürlich ungeheure, unglaubliche Summen, die absolut staatsgefährdend sind – aber wer will wirklich dagegen seine Stimme erheben … sind doch alle abhängig vom Fluss des Geldes anstatt von den Früchten des Feldes, die es – relativ neu in der Geschichte der Menschheit – nur noch gegen Bares gibt.

Und der Zugang zu diesem lebensspendenden, perversen, unnatürlichen Fluss des Geldes wird immer weiter beschränkt: die Gier nach immer mehr Geld für die Starken, Mächtigen, Herrschenden werden keine Grenzen mehr gesetzt, der Staat – einst als Schutz gegen den Feudalismus gedacht – wird mehr und mehr zum Inkassounternehmen der Diener des Goldenen Kalbes, um das das ganze Volk zu tanzen hat, wenn es nicht sanktoniert werden möchte und so auf subtile Art und Weise vom Leben zum Tode gebracht, in todesähnliche Zustände genötigt wird.

„Arbeit“ – als widernatürlicher, irrationaler, gottferner Kult? In einer aufgeklärten, christlichen Gesellschaft, deren Erklärung der „Allgemeinen Menschenrechte“ genau auf diesen Weisheiten des christlichen Abendlands gründet – und aus den Erfahrungen der höllischen Jahren des Nationalsozialismus, der diesen Kult öffentlich zum höchsten Gut erhoben hat – weil Gauleiter von den Früchten dieses Kultes ganz herrlich und in Fülle leben konnten? Das kann doch nicht sein!

Arbeit – so wird uns gepredigt in Schule, Erziehungsberatung und Universitäten – ist ein Grundbedürfnis des Menschen! Ohne Arbeit verwahrlost er, verliert Struktur, gerät in jene Spähren des Chaos, die das Alte Testament schon als Reich des Bösen fürchtete. Kann sein, dass die Recht haben, doch die Natur selbst hat uns ein Maß an Arbeit auferlegt, das vier Stunden am Tag beansprucht. Nicht mehr. Inklusive Einkauf und Hausarbeit. Wären wir vermessen, von unseren Herren die Einhaltung dieser Vorraussetzungen zu forden? Dann wäre auch Zeit für die anderen Grundbedürfnisse, Zeit dafür, dass jeder Mensch Gelegenheit hat, seine eigene, individuelle Lebensspur in dem Reich der Geschichte zu ziehen, Zeit, jenes Leben zu leben, für das Gott ihn in die Welt gesetzt hat – anstatt ein Leben zu führen, das völlig von den Nutznießern der „Leistungsgesellschaft“ determiniert wird, die ständig nach mehr und mehr und immer mehr verlangen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen – außer jener, dass sie uns nicht verhungern lassen, wenn wir uns ihren Unwillen zuziehen … was sich in Deutschland seit Einführung der Hartz-IV-Gesetze auch geändert hat.

Fragen wir doch mal die Menschen selbst, was sie von dieser „Arbeit“ halten.

Der „Spiegel“, Haus- und Hofblatt der Leistungsträgergesellschaft, präsentierte kürzlich einen Artikel – ganz im Sinne der „Kolonialisierung des Bewusstseins“ – der uns mit erstaunlichen Erkenntnissen konfrontierte (siehe Spiegel):

„Millionen Deutsche wollen mehr arbeiten“

26757 Leser beteiligten sich an der Umfrage – jene Leser, die ganz gut im Geldfluss stehen, weshalb Spiegel-Online je sehr gut verdient mit Artikeln und Anzeigen über Reisen und Luxusgüter. 21737 Leser (81,24%) gaben eine eindeutige Meinung zu dem Artikel ab … obwohl sie nicht zu den aussätzigen Arbeitslosen gehören (siehe Spiegel):

„Mehr arbeiten? Auf gar keinen Fall!“

Solche Ergebnisse fährt man ein, wenn „Kult“ auf „Mensch“ trifft.

Lachen Sie immer noch über die heiligen Kühe der Inder? Sie haben selbst eine im Zentrum Ihres Lebens stehen, um welche Sie täglich tanzen, ohne wirklich genau zu wissen, warum das so ist. Sie rudern wie ein psychisch kranker Galeerensklave immer weiter und schneller, damit der feiste Sack auf dem Oberdeck einen Geschwindigkeitsrausch bekommt, völlig überwältigt von der „Leistung“ seines Schiffes, für die er alle fürstlich lobt … und gerade mal so am Leben erhält, damit sie nicht tot am Ruder hängen.

Nicht zu ändern, meinen Sie? Alles zu groß und komplex? Vor allem für Sie?

Mumpitz. Wir können so etwas. Schauen Sie sich die Schifffahrt an: weltweit, zentral gesteuert haben wir den gesamten Warentransort von Stückgut auf Container umgestellt – im kommunistischen China, im kapitalistischen Amerika und in allen anderen Ländern der Welt. Stellen Sie sich mal vor, wir würden andere Lebensbereiche mit der gleichen Entschlossenheit, der gleichen Planung und Vernunft modernisieren – zum Beispiel um „Mensch“ von „entfremdeter Arbeit“ zu befreien…

Geschieht ja auch … nur werden Sie davon nichts haben: die Industrialisierung 4.0 wird allein in Deutschland 18 Millionen Arbeitsplätze abbauen und somit den Zugang zum Geldfluss und den Feldfrüchten für nochmal 18 Millionen Menschen versperren: ein Albtraumszenario, das Schritt für Schritt Realität wird (siehe Spiegel). Die Gebetsplätze für das Goldene Kalb werden sehr knapp werden – wenn wir nicht für unser natürliches Lebensrecht kämpfen … und die zentralen Versorgungselemente (Nahrung, Energie, Wasser, Wohnraum, Landbesitz) wieder in die eigene Hand nehmen.

Darf ich mal was biblisches zur Arbeit sagen? Nur, weil wir hier ja in einer christlich-abendländischen Kultur leben?

„Doch ist Arbeit auch der Bereich, in dem die Sünde am stärksten in Erscheinung tritt. Willkür, Gewalttat, Ungerechtigkeit und Raffgier machen die Arbeit zu einer erdrückenden Last für den Menschen und zu einer Quelle des Hasses und der Entzweihung“.

Das eigentlich positive Bild der Arbeit – die schöpferische und damit gottähnliche Tätigkeit, wird durch den fremdorganisierten Arbeitsprozess pervertiert.

„Dadurch, dass der Mensch zu Gott nein gesagt hat, hat er auch zu seiner Schöpfung und Schöpfungsordnung nein gesagt. Er hat sich gerade dort selbst in Frage gestellt, wo er schöpferisch tätig sein will. Er hat sich die Welt der Arbeit verfremdet. Dadurch ist sie unmenschlich geworden oder kann es jederzeit werden. So ist der Mensch gerade dort, wo er durch seine eigene Schöpfung am weitesten über sich hinauswächst, am meisten gefährdet. Er kann sich durch diese radikal in Frage stellen, ja vernichten.“ (aus: Praktisches Bibellexikon, Herder, 8.Auflage 1985, Seite 66).

Das war jetzt nicht Marx oder der böse Sozialismus, sondern … die Weisheit von Ziegenhirten aus dem ersten Jahrtausend vor Christi Geburt.

Und beschreibt unseren Alltag bis ins Detail. Und den Weg der „Minderleister“ nach Dachau.

Ich hoffe, das Lachen über heilige Kühe bleibt Ihnen jetzt im Halse stecken.

Ich fürchte nur: für diesen perversen, vernichtenden Kult gilt das gleiche wie für die Terrororganisation „Islamischer Staat“: mit der Yogamatte unter dem Arm werden wir ihn nicht los. Weiß man auch in den USA … weshalb man dort an gewaltfreiem Widerstand und Aktionen zum zivilen Ungehorsam im Rahmen einer Aktion „Demokratischer Frühling“ arbeitet.

Wann fangen Sie damit an?

Das Recht auf Faulheit und die Gesellschaft der Zukunft

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Freitag. 4.12.2015. Eifel. Ja – da gab es mal einen deutschen Führer. So einen Kanzlertyp. Der hatte eine ganze Gang hinter sich – auch Rocker, über drei Ecken, die das Zuhältmillieu in seiner Heimatstadt bildeten und bei einem engen Freund ein- und ausgingen, bei dem der Kanzler gelegentlich übernachtete, wenn die alte Ehefrau wieder mal ausgedient hatte. Der Geschichte ist dieser Kanzler vor allem durch einen Satz bekannt. Nein – nicht „Arbeit macht frei“. Das war einer seiner Vorgänger – aber in die Richtung ging das Zitat: „Es gibt kein Recht auf Faulheit„.

Kaum einer fragte sich, was das eigentlich sei: die Faulheit. Nun – ich kann es Ihnen zeigen: kaufen Sie sich mal ein „Lifestyle“-Magazin. Sie finden dort keine schwer arbeitenden Menschen auf der Ackerscholle, sondern sich in der Sonne räkelnde Faulenzer. Zig Millionen Deutschen gelten sie als Vorbild: wann immer sie mal frei haben, vernichten sie großflächig Umwelt um wochenlang geist- und sinnlos an Stränden des Mittelmeers, des Pazifiks und Atlantiks herum zu hängen – nicht um Land und Leute kennen zu lernen, um andere Lebensweisen und Kulturen zu studieren, ihre Strategien zur Lebensbewältigung zu erforschen, sondern einfach nur um faul am Strand zu liegen und absolut nichts zu tun. Die ganze Elite der Gesellschaft strebt nach dieser Lebensweise – gerne auch auf der eigenen Yacht oder der eigenen Insel.

„Fete und Fun, Champagner und Harald Schmidt heißt das Credo der konsumorientierten Leistungsbürger, und niemand möchte sich dabei von vier Millionen Arbeitslosen stören lassen, die scheinbar nie verschwinden wollen, obwohl die Wirtschaft doch so boomt“ (siehe Spiegel).

Der Siegeszug einer 700 Billionen-Euro-Blase an Derivaten – zehn mal soviel, wie der Wert aller Waren und Dienstleistungen der Welt in einem Jahr zusammengenommen – beruht nur auf dem Wunsch, Geld für sich arbeiten zu lassen, damit man selber nicht mehr arbeiten muss und Zeit hat für die gigantische Spaßindustrie, die auf niedrigstem Niveau dunkelste Triebe bedient, um ja keinen Geist aufkommen zu lassen.

Seltsam nur: zu Anfang des Jahres überraschte das Manager-Magazin mit einer unheimlichen Nachricht: sieben Gründe wurden aufgeführt, warum faule Menschen erfolgreicher sind. Unter anderem wurde Bill Gates – mal reichster Mann der Welt – zitiert, weil er lieber faule Menschen einstellt, um seinen Konzern erfolgreich zu machen (siehe Manager-Magazin):

„Kein geringerer als Bill Gates wird von Medien zitiert mit den Worten, er würde immer eine faule Person einstellen, um einen schwierigen Job zu machen. Denn faule Menschen würden einen einfachen Weg finden, um die Sache zu erledigen.“

Faule Menschen ermöglichen einen Höchstgrad an Effizienz, „Arbeit für den Papierkorb“ – Hauptbeschäftigung der meisten Mitarbeiter in Konzernzentralen – ist ihnen fremd.

„Faule Menschen sind häufig in der Lage, Aufgaben in sehr kurzer Zeit zu erledigen.“

Ich merke: manche Leser kriegen jetzt schon Schnappatmung. Man weiß ja, worauf das hinausläuft: der russischer Sender RTDeutsch hat das ja kürzlich auf den Punkt gebracht – in einer beispiellosen wehrkraftzersetzenden Attacke auf unsere Arbeitsmoral (siehe rtdeutsch):

„In einem aktuellen Debattenbeitrag fordert David Spencer, Professor für Wirtschaft und politische Ökonomie, die Ausweitung des Wochenendes. Drei, besser noch vier Tage in der Woche sollten der persönlichen Entfaltung, für Hobbies und zum Ausruhen vorenthalten werden“

Ungeheuerlich, oder? Wo kämen wir dahin, wenn wir uns vier Tage die Woche selbst entfalten würden?

Nun – diese Frage stellen sich natürlich in erster Linie die Menschen, die „ihr Geld für sich arbeiten lassen wollen“. Ein fieser Spruch – und eine böse Lüge: Geld kann gar nicht arbeiten. In Wirklichkeit wollen sie andere für sich arbeiten lassen: nur so ist richtig fetter Reichtum möglich, das weiß man seit den Sklavenhaltergesellschaften im alten Rom – und seit den Erfahrungen der Unternehmer im amerikanischen Bürgerkrieg weiß man auch, dass es viel effizientere Formen der Sklaverei gibt als die Sklavenhaltung selbst, wo der Sklavenhalter noch für Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Versorgung selbst sorgen musste. Viel günstiger ist es, hier nach „Freiheit und Selbstverantwortung“ zu rufen … und dann Löhne zu zahlen, die es unmöglich machen, Unterkunft, Verpflegung und ärztliche Versorgung erwirtschaften zu können – da bleibt dann ein ordentlicher Gewinn über.

Jenen, die sich faul auf den Decks ihrer Megayachten räkeln ist völlig klar, wohin das Recht auf Faulheit für alle hinführen würde: sie müßten selber wieder arbeiten, anstatt durch die Arbeit ihrer Rechenmaschinen an den Wettbüros der Börsen automatisch jedes Jahr völlig gratis eine fürstliche Versorgung garantiert zu bekommen. Auch der Kanzler fürchtet sich: das Recht auf Faulheit für alle versteht er völlig zurecht als Griff nach seinen Diäten – Arbeit droht!

Andere für sich arbeiten zu lassen – das wissen wir – ist ungerecht. Zahlt man einen gerechten Ausgleich für die Arbeit, bleibt man selber arm, tut man es nicht – ist man ein Betrüger. Unsere Elite hat sich für das Betrügertum entschieden, um der Arbeit völlig zu entsagen: tagen sie auf Kosten anderer in teuersten Hotels bei luxuriösester Speise, so ist dies „Arbeit“ … und davon machen sie gerne viel. Tagt der Arbeitslose auf eigene Kosten im Vereinsheim bei selbstgemachtem Kartoffelsalat, um den Tanzverein der Kinder am Leben zu erhalten, so ist das Faulheit und arbeitsfremdes Verhalten.

Dabei – ist diese Faulheit auch für den „kleinen Mann“ sehr wichtig. Das erkannte schon ein Revolutionär des 19. Jahrhunderts (siehe den Soziologen Lessenich im Standard):

Das Recht auf Faulheit ist eine polemische und provokative Umschreibung eines zunächst ziemlich reformistisch anmutenden Gedankens, nämlich einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung. Im Grunde genommen ist die Idee schon 1883 bei Lafargue: Es wird so viel produziert, dass es eigentlich reichen würde, um bei angemessenen Verteilungsstrukturen alle Menschen dieser Gesellschaft mit einem Einkommen zu versorgen, das ihnen den Lebensunterhalt sichert – und vielleicht noch etwas darüber hinaus.

Ja- bei angemessenen Verteilungsstrukturen könnten wir alle faul wie die Reichen und der Kanzler sein. Hat jedoch die Regierung bei der Konstruktion dieser Verteilungsstrukturen Fehler gemacht, hat vergessen, dass alles Geld primär der Gemeinschaft der Bürger und nicht dem Räuber (also: dem „Privatmann“) gehört, so haben wir wieder die Verhältnisse römischer Galeeren: damit der Konsul Wasserski fahren kann, müssen alle äußerst fleißig sein – und genug ist es nie.

Lauschen wir nochmal dem Soziologen Lessenich:

Lafargues Kritik an der Arbeiterbewegung ist, dass sie sich zum Instrument einer bürgerlichen Arbeitsethik machen lässt, die letztlich darauf beruht, andere für sich arbeiten zu lassen.

Unsere gute, alte, bürgerliche Arbeitsethik – von Grund auf kriminell? Aber: wie sollen wir denn leben ohne unsere Restaurants, unser Taxifahrer, unsere Handwerker, unsere Putzfrauen, unsere Komödianten und musikalischen Hofnarren? Wie sollen wir uns denn noch als Könige fühlen – wenn uns niemand mehr dient und bedient?

Wissen Sie eigentlich noch, wie sich der frühe Marx das Leben der Zukunft vorgestellt hat? Die Zeit erinnert daran (siehe Zeit):

„Ähnliche Gedanken finden sich auch noch beim jungen Marx, der eine Gesellschaft zeichnet, die es dem Individuum ermöglicht, „heute dies, morgen jenes zu tun, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe – ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden“. Er zögerte nicht, ausdrücklich von einer „Aufhebung der Arbeit“ zu sprechen.“

Sie erinnert aber auch daran, wie der „real existierende Sozialismus“ zum Instrument der Sklavenhaltergesellschaft wurde, weil auch der Funktionär wusste, wie seine Bezüge erwirtschaftet wurden:

„…das theoretische Organ der Kommunistischen Partei der Sowjetunion „Kommunist“ hat sie (also: die Vorstellungen des jungen Marx) noch im August 1960 als „unintelligent“ und „spießbürgerlich“ diffamiert!“

Man sieht: die Kommunistische Partei ist von Kanzler Schröder (oder seinem Vorgänger) gar nicht weit entfernt – eigentlich überhaupt nicht. Zum Wohle der Regierenden hat man unten zu schuften: Wasserski mit einer Galeere verlangt den vollen Arbeitseinsatz der Mannschaft – auch bei den „Roten“. Manche sitzen aber auch einfach nur gerne oben in der Sonne und freuen sich über den Gedanken an die hunderte, die unter ihnen im Dunklen schuften.

Wussten Sie übrigens, dass Faulheit an sich nicht schlecht ist? Sie ist sogar eine wichtige Voraussetzung für unsere Wettbewerbsfähigkeit – in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland sogar DIE wichtigste Voraussetzung (siehe Zeit):

Dabei wissen Philosophen längst, dass Geist und Seele schöpferische Pausen brauchen. Nun wird diese Weisheit auch von der Wissenschaft entdeckt. Hirnforscher und Psychologen zeigen, wie wichtig Auszeiten und Momente des Nichtstuns sind: Diese fördern nicht nur die Regeneration und stärken das Gedächtnis, sondern sind geradezu die Voraussetzung für Einfallsreichtum und Kreativität, vor allem aber für das seelische Gleichgewicht.

Ja – hören Sie mal, was kreative Menschen wirklich auszeichnet (siehe Huffingtonpost):

Kreative Menschen wissen, dass Tagträumerei alles andere als Zeitverschwendung ist, auch wenn ihre Lehrer ihnen etwas anderes gesagt haben.

Laut Psychologin Rebecca L. McMillian, Ko-Autorin des Aufsatzes „Ode an das konstruktive Tagträumen“, kann das Durchwandern von Gedanken den Prozess der „kreativen Inkubation“ fördern: das heißt Ideen können geboren werden. Und viele von uns wissen, dass die besten Gedanken meistens aus dem Nichts kommen, wenn wir mit unserem Geist eigentlich irgendwo anders sind.

Tagträumerei mag manchen sinnlos erscheinen, jedoch zeigt eine Studie von 2012, dass sie eigentlich hohe Intelligenz voraussetzt. Tagträumerei festigt im Gehirn Verbindungen und erzeugt Erkenntnisse. Neurowissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass Tagträumerei die gleichen Vorgänge im Gehirn auslöst wie Vorstellungsvermögen und Kreativität.

Diese Faulenzer: immer auf dem Weg zum nächsten Nobelpreis. Nur für uns Deutsche gilt: wir haben kein Recht auf Kreativität, Genialität, Einfallsreichtum … und kein Recht auf seelisches Gleichgewicht. Haben Sie sich schon mal gefragt, wann die letzte bahnbrechende Erfindung aus Deutschland kam? Wir waren mal die Apotheke der Welt – Medizin kam aus Deutschland. Heute … sind wie nur noch Meister in Apothekenpreisen – aber von denen führen viele Faule ein fürstliches Leben. Aktuell … verlieren wir sogar die Fähigkeit, einen einfachen Flughafen zu bauen.

Nun – es ist bald Weihnachten. Ich fand da eine Predigt aus dem Jahre 2009, eine Predigt, die sich als ein „Lob auf das Nichtstun“ versteht (siehe Muenster):

„Es hat den Anschein, als dass in der neapolitanischen Krippe die weihnachtliche Geburtsszene nur ein Mauerblümchendasein fristet. Im Grunde kümmern sich die unzähligen bunten Gestalten des städtischen Lebens nicht im Mindesten um das heilige Ereignis. Geschäftig kreist man um sich selbst und die Nachbarn. Ganz Neapel nimmt nichts vom Weihnachtsgeheimnis wahr… Ganz Neapel? Nein! Ein Unbeugsamer ist da, der sich dem emsigen Trubel von Handel und Wandel verweigert. Es ist der sogenannte Nullafacente, der Nichtstuer.
Er, Faulenzer von Natur und Beruf, hat nichts zu tun. Er kann sich ganz der Betrachtung hingeben. Er schaut auf die Krippe und das neugeborene Kind. Sein Blick ist der Blick der Meditation – und eben nicht der des Handels. Seine Haltung ist die der Anbetung– und eben nicht die des Palavers.“

Ja – das heiligste Ereignis der westlichen Menschheit … wie jedes Jahr nur gewürdigt, geschätzt und begriffen von den Nichtstuern. Die andern müssen dafür warten bis zu ihrem Tod. Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, was Sie am Meisten bedauern werden, wenn Ihr Exitus in den nächsten Minuten bevorsteht (was sehr schnell geschehen kann – und mit absoluter Sicherheit in Ihrem Leben eintreten wird)? Eine australische Krankenschwester hat das mal zusammengefasst (siehe Tagesanzeiger):

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“

„Ich wünschte, ich hätte nicht soviel gearbeitet“

„Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“

„Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben“

„Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“.

Der Faulenzer – meditativ, kreativ, erfinderisch wie er ist – kommt auf diese Gedanken schon früher, schneidet sich – unbeugsam und rebellisch wie der nun mal ist – eine dicke Scheibe vom Leben ab, das die Lumpenelite allein für sich selbst gepachtet sehen will. So hat er eine gute Chance auf ein erfülltes Leben – und einen friedlichen Tod.

Die Natur hatte eigentlich schon alles für uns trefflich eingerichtet: 3-4 Stunden Arbeit am Tag – soviel war nötig, um in der Natur zu überleben. Hausarbeit war da schon mit eingerechnet. Wochenarbeitszeit von 21 Stunden: das ist das absolute Maximum dessen, was man der biologischen Entität Mensch zumuten darf: alles andere wäre ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und wie wir von Bill Gates wissen, schaffen die Faulen in dieser Zeit wesentlich mehr als die „leidenschaftslosen Pflichterfüller“, die wir derzeit in Massen an unseren Schulen erziehen (siehe Professor Gerald Hüther in Horizonworld)

Wir wissen also, wie die Gesellschaft der Zukunft aussehen muss: das Recht auf Faulheit muss Grundrecht werden, damit wir wieder eine Chance haben, zu den führenden Problemlösern dieser Welt zu gehören. Stattdessen haben wir eine Gesellschaft, in der der Staat den Zwang zur Arbeit (ein Gegenteil zum Recht auf Nichtstun) durch die Agenda 2010 eingeführt hat – eine Agenda, die viele Freiheitsrechte beschneidet, die man nur durch Arbeit zurückbekommt: Arbeit macht frei, sagte ja mal ein Kanzler, der heute als Inbegriff des Bösen schlechthin gilt.

Ich höre wieder Schnappatmung und tausend Fragen.

Wer soll das bezahlen – ist die Frage, die am lautesten durchdringt.

Hier sei daran erinnert, dass jeder … wirklich JEDER … nur Geld hat, weil er es von anderen bekommt: der Arzt, der Wissenschaftler, der Ingenieur, der Kanzler, der Pfarrer, der Lehrer wie der Arbeitslose. Geld schaffen: das macht nur der Staat, also die Gemeinschaft der Bürger (und natürlich kriminelle Banker mit substanzlosen Krediten und irrsinnigen Wetten, doch das ist lediglich eine Verirrung der Moderne). Es ist nur eine politische Entscheidung, dass wir die Erziehungsleistung der Eltern und die Gesundheitspflege ihrer Kinder nicht honorieren, aus Lehrern und Ärzten aber reiche Menschen machen. Hier wirkt kein Naturrecht – wie das Recht auf Muße – sondern reine Willkür, die durch nichts zu rechtfertigen ist … außer durch die Gier der Geldempfänger.

Einen Haken gibt es aber – etwas scheinen wir vergessen zu haben. Wie sonst lassen sich folgende Beobachtungen in den Kreisen reicher Müßiggänger erklären – die ja nun wirklich noch nie als kreative Vorreiter einer kulturellen Evolution erkennbar waren (siehe nzz):

„Die moderne Tischgesellschaft, selbst unter sogenannten Akademikern oder Bildungsbürgern, ist die demokratisierte Fassung des antiken Gastmahls. Mit weniger Popanz, Inszenierung und Dekadenz zwar, aber ähnlich inhaltsleer und selbstbezüglich. Wir sitzen auf Rattan in überdekorierten Wohnzimmern, streicheln Apple, grillieren auf Weber-Fabrikaten von der Grösse eines Kleinwagens und ergehen uns sonst noch in Selbstbestätigung, gegenseitiger Anerkennung für Einrichtungsgegenstände und leicht dosierten Distinktionsgesten – so viel Bourdieu hat noch jeder internalisiert. Das Gesprächsniveau am Tisch verhält sich dabei oft indirekt proportional zur Höhe des Durchschnittseinkommens. Der klassische Bildungsbürger wird langsam abgelöst durch ein akademisch zertifiziertes, aber intellektuell desinteressiertes Diplom-Proletariat aus Ärzten, Juristen, Lehrern, Bankern und Ingenieuren. Wir haben uns in einen Zustand der Wohlstandsbehinderung hineinpäppeln lassen.“

Ist dies nicht der Gegenbeweis dafür, dass Faulheit Kreativität erzeugt? Oder ist es eher der Beweis dafür, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Himmelreich der guten Gefühle kommt?

Nun – das wohlstandsbehinderte Diplomproletariat schmückt sich gerne mit unzähligen Statussymbolen, die Reichtum vortäuschen sollen, ist allerdings von der kreativen Faulheit weit entfernt: die beständige Arbeit an der Selbstoptimierung verdrängt jeden Gedanken an Muße und Faulheit, ein ästhetisch normierender Körperkult nimmt den ganzen Mann in Anspruch (siehe lernen aus der Geschichte):

„Wirklich, mit „Sir“ Rasir-Seife oder –Creme ist der böse Bart im Nu verschwunden. Besonders dankbar bin ich aber meiner fürsorglichen Frau, daß sie mir die höchst angenehme Nachbehandlungbeigebracht hat. „Sir“ Rasir-Wasser, wie fein entspannt und glättet es die Haut. Und dann wie eine zarte Liebkosung „Sir“ Rasir-Puder, er beruhigt und kühlt. Das ist ein Genuß!“

Reklame im Nationalsozialismus – jener urdeutschen Religion, die Zwangsarbeit zu Bürgerpflicht machte … und jedem Bürger zeigte, wie „man“ sich anzog, was „man“ hörte, was „man“ las, wie „man“ wohnte oder seinen Bart rasierte. Was habe ich dazu in einem aktuellen Spiegelartikel gelesen? Sehen Sie selbst (siehe Spiegel):

„Wir lesen dieselben Bestseller, pfeifen dieselben Hits, nutzen dieselbe Suchmaschine, tummeln uns im selben sozialen Netzwerk und schmieden die gleichen Karrierepläne. Und natürlich sehen wir im Fernsehen dieselbe Werbung, die Millionen Menschen individuelles Glück verspricht, sofern diese – aufgepasst! – alle das gleiche Duschgel, die gleiche Versicherung oder die gleiche Schlaftablette kaufen. Da weiß man, was man hat: ein Reihenleben im Reihenhaus.“

Erinnert an das geschäftige Treiben an der oben erwähnten neapolitanischen Krippe. Wir sehen: wir haben diesen Kanzler („Arbeit macht frei“) mit seinem Wunsch nach Normierung jeglicher Lebensäußerung des Individuums noch lange nicht hinter uns gelassen, seine gruseligen Fantastereien vom „optimierten Herrenmenschen“, dem natürlich mehr Ressourcen des Landes zustehen als dem „Pack“, sind immer noch sehr lebendig.

Aber wir wissen, wie unser Paragraph 1 der neuen Gesellschaftsordnung aussehen muss: „Die Würde des Faulen ist unantastbar“. Den Paragraphen haben wir heute schon … aber ich denke, es ist Zeit, ihn im Sinne der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte zu präzisieren, denn:

– der Faule wird zur effektiven Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme dringend gebraucht

– der Faule liefert uns jene Kreativität, die wir für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft brauchen

– der Faule strotzt nur so vor seelischer Gesundheit und entlastet die Krankenkassen

– der Faule verbraucht deutlich weniger Energie und:

– der Faule ist der Eckpfeiler eines die Demokratie begründenden wachen und aufmerksamen, souveränen Individualismus

Außerdem – ist er absolut kriegsuntauglich … und weist damit auf eine Welt, in der der „Ewige Friede“ Realität geworden ist.

Und ganz nebenbei weist er noch auf eine sicheren Weg zu Gott – falls man diesen Weg mal brauchen sollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die besten Aprilscherze 2014

Mittwoch, 2.4.2014. Eifel. Na: haben Sie es gemerkt? Gestern war erster April - und ich sage gleich: es war ein sehr guter erster April. Letztes Jahr war er etwas mau, da hat es sich gar nicht gelohnt, sich an die Tastatur zu setzen, doch dieses Jahr gab es ein Feuerwerk an lustigen Meldung, die sich gegenseitig zu übertreffen versuchten. Besonders tat sich dabei Spiegel-Online hervor: den Scherzbuben war diesmal wirklich nichts heilig - aber man musste schon genauer hinschauen, um die Joke-Meldungen zu erkennen - für den normalen Bild-Leser war diesmal nichts dabei.


Mittwoch, 2.4.2014. Eifel. Na: haben Sie es gemerkt? Gestern war erster April – und ich sage gleich: es war ein sehr guter erster April. Letztes Jahr war er etwas mau, da hat es sich gar nicht gelohnt, sich an die Tastatur zu setzen, doch dieses Jahr gab es ein Feuerwerk an lustigen Meldung, die sich gegenseitig zu übertreffen versuchten. Besonders tat sich dabei Spiegel-Online hervor: den Scherzbuben war diesmal wirklich nichts heilig – aber man musste schon genauer hinschauen, um die Joke-Meldungen zu erkennen – für den normalen Bild-Leser war diesmal nichts dabei.

Da gab es doch in der Tat die Meldung, das es Mindeslohn nicht für Langzeitarbeitslose gibt. Na – merken sie den Fehler? Hört sich ganz nach Großkotz – äh – Groko – an, ist aber totaler Schwachsinn: Langzeitarbeitslose gehen doch gar nicht arbeiten. Die kriegen also überhaupt keinen Lohn! Hahaha – selten so gelacht.

Oder der Witz, dass 20 % der deutschen Schüler an Alltagsproblemen scheitern – schön wär´s. Haben Sie in ihrem Leben auch nur EINMAL einen deutschen SCHULBUS gesehen – oder wie sich der deutsche Schüler darin gebärdet? SIE WERDEN KEINE ZWANZIG PROZENT FINDEN, DIE AUCH NUR MIT DEM BUSFAHREN KLARKOMMEN … geschweige denn mit den anderen Herausforderungen das Alltags!

Die Zeit hat sich allerdings auch was zu dem Thema ausgedacht: ein echter Schenkelklopfer: angeblich sollen deutsche Schüler Probleme kreativer als der Durchschnitt lösen. Die Antagonisten „deutsch“ und „kreativ“ in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen: das hat seit hundert Jahren keiner mehr versucht. Respekt: der Aprilscherz war genial durchdacht. Und zudem: setzen Sie sich mit dem geistigen Bild im Kopf mal in einen Schulbus: Sie werden vor Lachen nicht mehr zum Luftholen kommen!

Schön auch – wieder Spiegel – die Meldung, dass ein junger US-Amerikaner für Schüsse auf das Weiße Haus 25 Jahre Haft bekam. Der war echt gut: nur auspegrägte Amerikakenner konnten den erkennen und amüsierten sich köstlich über den hintergründigen Witz. Die wissen halt, dass in den USA schon Sondereinsatzgruppen arbeitslose Wildcamper grundlos abknallen (siehe Spiegel vom heutigen Tage) – würde wirklich jemand auf das Weiße Haus schießen, so würde er die nächsten hundert Jahre nicht mehr aus den Folterkellern von Guantanamo kommen anstatt nur billige 25 Jahre Gefängnis bei Vollverpflegung zu erhalten. Respekt: der Scherz war super durchdacht.

In die gleiche Kerbe schlägt die Spiegelmeldung, dass das CIA die Regierung über ihre brutalen Folterkammern getäuscht hat. Hahahahaha … der ist ja wohl ultragut. Ohne Regierung gäbe es das weltweite Netz von Geheimgefängnissen gar nicht, in denen auch schon mal gefoltert wird, wenn man sicher ist, dass das Opfer gar nichts weiß. Und außerdem ist das: VERSCHWÖRUNGSTHEORIE. Super gemacht, der Scherz, wirklich hintergründig und fein ausgesponnen.

Sehr raffiniert ist auch die Meldung zur Türkei (wieder Spiegel): angeblich sei jetzt die CDU gegen den Beitritt Erdogans in die EU, weil er seinen politischen Gegnern gedroht hat, sie bis in ihre Höhlen zu verfolgen. Haben Sie den geglaubt? Wirklich? Wer hat den zusammen mit den USA bin Laden bis in seine Höhle verfolgt – und wer ist als Oppositionspolitikerin extra bis in die USA gemerkelt, um sich dafür zu entschuldigen, dass die Bundeswehr nicht an der Jagd auf Saddam Hussein teilnimmt? Na? Ich sehe: jetzt verstehen Sie den Witz.

Etwas fade fand ich die Meldung, dass die Griechen nochmal sechs Milliarden Euro erhalten sollen (das letzte Mal: Spiegel). In Griechenland sind sie Krankenhäuser zu, die Rentner verroten auf der Straße, die Jugend bringt sich massenweise wegen endlosem Elend um: dass da für den IWF gar nichts mehr zu holen ist, ist jedem klar. Aprilscherz – aber im Vergleich zu den anderen recht billig.

Das Handelsblatt brachte eine Meldung, auf die ich fast selbst hereingefallen wäre: angeblich haben die Allianzvertreter ausgerechnet, wie hoch der Versicherungsschaden für erschlagene Orks, verwundete Könige und verlorenen Fisch im Film „Der Hobbit“ ist. Nun – Zeit genug hätten die Laumalocher ja dafür gehabt, immerhin leben sie gut auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Blöde und gelangweilt genug dürften sie auch sein: immerhin rollen die Beiträge von selbst aufs Konto. Wäre nicht der 1. April gewesen: ich wäre darauf hereingefallen. So jedoch konnte ich mich gerade noch bremsen: auch die weißen Kragen der Versicherung sollten kapiert haben, dass es sich bei dem Film um ein erfundenes Machwerk handelt, dessen Helden und Bösewichtern man keine Versicherung verkaufen kann.

Der Brüller ist allerdings ein Artikel im Handelsblatt-Kaufhaus, den man sich auch noch für 79 Cent bezahlen lassen möchte. Hoffentlich hat niemand das Geld ausgegeben: es geht um DAX-KONZERNE, die ARBEITSPLÄTZE SCHAFFEN. Leute: es war 1. April! Das hätten Sie sich aber wirklich denken können. Dax-Konzerne, die Arbeitsplätze schaffen, sind so real wie kreative Deutsche oder gut bezahlte Langzeitarbeitslose außerhalb des Parlaments! Ein Riesenbrüller!

Wer aber auch wirklich einen Preis erhalten sollte, ist die FAZ. Ihr Aprilscherz war ziemlich gut versteckt. Den muss ich auch so zitieren, wie sie ihn gebracht haben – soviel Raffinesse kann ich mit meinen einfachen Worten nicht beschreiben:

Während die Pannen am Berliner Großflughafen BER kein Ende nehmen, wachsen die Baukosten immer weiter: Einem Bericht zufolge sollen sie nochmals um zwei Milliarden Euro steigen. Es werde gar erwogen, den Flughafen komplett neu zu bauen.

Die zwei Milliarden mehr – die hätte man ja noch geschluckt. So einen Umgang mit Steuergeldern – selbst in diesen Höhen – ist man gewöhnt, darum suchen ja „Unternehmer“ die Nähe zu „Politikern“, um mit öffentlichen Großbauten so richtig schön abzusahnen. Klar ist es völliger Nonsens, schlechtem Geld noch gutes hinterherzuwerfen (ursprünglich sollte das Teil 2,5 Milliarden Euro kosten … jetzt sind wir schon bei 8 Milliarden: es haben sich wohl noch mehr mit Entscheidungsträgern verwandte oder verschwägerte Unternehmer gefunden, die für viel Geld an der Ruine mitschrauben wollen ) … aber das hätte man vielleicht durchgehen lassen. Aber: dass die das ganze Teil KOMPLETT NEU BAUEN wollen … Hut ab – die Meldung hat Klasse. Das ist wirklich schon ein Idiotentest für die Leserschaft.

Die Welt wagt sich dieses Jahr ebenfalls mit einem nicht leicht durchschaubaren Aprilscherz in die Welt der Arbeitslosen … bzw. in die Welt der Medizin. Angeblich – da lächelt man schon im Ansatz – werden in Deutschland laut einer Bertelsmannstudie 9 Millionen depressive Menschen nicht ausreichend behandelt bzw. bekommen „kaum Hilfe“. Na – den haben Sie aber bemerkt, oder?

EINE GANZE BEHÖRDE kümmert sich in Deutschland um die Depressiven: die kriegen Hartz IV und Druck, wenn sie dem nicht gewachsen sind, gibt es Sanktionen PLUS folgende Obdachlosigkeit, im Anschluss an diese werden sie von Sondereinsatzkommandos der Polizei erschossen. Ach nein, das waren ja die USA … derem „erfolgreichen“  System wir uns so gerne anschließen. Und nur neun Millionen Deutsche depressiv? Das war ja wohl wirklich nur mal ganz früher der Fall, als noch Wirtschaftswunder für gute Laune sorgten.

Respekt: auch dieser Scherz gut durchdacht und geschickt gesetzt – aber leider völlig weltfremd.

In die gleiche Kerbe versucht auch Yahoo zu schlagen, erweist sich hier aber als drittklassiges Nachrichtenportal und drittklassiger Aprilscherzler: psychische Erkrankungen DURCH ARBEIT sollen enorm zunehmen. DURCH ARBEIT! In DEUTSCHLAND! In Deutschland macht Arbeit psychisch gesund! Und frei! Und glücklich! Und schützt vor Obdachlosigkeit und erschossen werden! Nein nein, der war billig und schlecht gemacht. Arbeit ist in Deutschland DIE Therapie für alle psychisch Kranken – siehe Spiegel:

Arbeit macht krank. In vielen Teilen der Gesellschaft und in den Medien ist das der Tenor. Vertreter aus der Psychiatrie, sozialen Einrichtungen, der Bundesagentur für Arbeit und Rentenversicherungen widersprechen dem aber. Auf der Fachtagung „Arbeit für psychisch Kranke“, die am Mittwoch in Berlin stattfand, diskutierten Experten über Chancen für Menschen mit psychischen Erkrankungen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei betonte Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): „Die Erschöpfung durch Arbeitsstress ist nur ein Aspekt. Arbeit schützt Menschen auch vor psychischen Erkrankungen.“

Ja: das ist DEUTSCHLAND! Das weiß jeder … und deshalb ist der Scherz von Yahoo so schlecht.

Kommen wir aber jetzt zum Spitzenreiter der Aprilscherze dieses Jahres: Putin und die Ukraine!

Hier hat die Tagesschau den Vogel abgeschossen – humorlos und dumm. Gut – die Meldung über gemeinsame Militärmanöver der Ukraine mit der Nato im Sommer zeugt von einer gewissen Mühe um das Thema „Aprilscherz“ … nur: man darf dann nicht gleichzeitig die Meldung bringen, dass die Ukraine ihre paramilitärischen Verbände entwaffnen will, weil die völlig außer Kontrolle geraten:

Am Montagabend hatte ein Radikaler um sich geschossen und dabei drei Menschen verletzt, unter ihnen einen stellvertretenden Bürgermeister der Stadt.

Das ist natürlich auch ein Aprilscherz: niemand kann in Kiew auf die mordenden Banden verzichten:

Der als gewaltbereit bekannte Rechte Sektor spielte bei dem politischen Umsturz in der Ukraine eine Schlüsselrolle.

Und wer bitte schön soll an dem Nato-Manöver teilnehmen, wenn diese Banden keine Waffen mehr haben? Also, Tagesschau: am 1.4.2015 bitte die Scherze besser synchronisieren.

Ebenso niveaulos ist der Versuch von Yahoo, den alten Joschka Fischer mit einem Handelsblattartikel aufzuwärmen, wo der jetzt – ganz in altbekannter Tradition – wieder einen neuen Kosovoeinsatz der Bundeswehr für nötig hält: PUTIN WILL DIE OSTUKRAINE – so der schlecht durchdachte Scherz. Gähn.

Besser ist da T-Online. Die haben einen Superknaller gebracht, den sie so gut fanden, dass er schon am 31.3.2014 erschien – wohl um lange genug nachwirken zu können. Also ehrlich: DEN hätte ich auch nicht lange für mich behalten können!

Wladimir Putin will auch Finnland und Georgien annektieren

 

Hach … nee, mir kommen jetzt noch die Tränen. Gut, der war einen Tag zu früh – aber dafür doppelt gut. Vorsicht, ihr Hellseher von der Telekom: im nächsten Jahr wird das kaum noch zu überbieten sein! Da muss der schon in Paris einmarschieren und Rom plündern! Aber: ich bin mir sicher, Euch wird da was Gutes einfallen! Freue mich schon jetzt!

Ach ja … der Looser des Jahres 2014 bezüglich des Aprilscherzratings ist dieses Mal Wolfgang Schäuble. Ja – unser Dauerminister, von dem ich immer noch gerne wüsste, wo die 100 000 D-Mark von dem Herrn Schreiber geblieben sind. Dienstältester Abgeordneter in der BRD, vergesslich wie ein Stück Zaunpfahl – sogar wenn es um Geld geht – und was die Scherze angeht: völlig humorlos. Gut – er hat sich bemüht: aber wir wissen ja auch, was das heist, wenn so was in einem Arbeitszeugnis steht. Hier also der Knaller unseres Dauerdiätenbeziehers, zitiert nach Spiegel:

Mit einem brisanten Vergleich verschärft Finanzminister Wolfgang Schäuble den Streit mit Russland in der Krim-Krise. Öffentlich zieht er Parallelen zwischen der Annexion der Krim durch Wladimir Putin und dem Anschluss des Sudetenlandes durch Adolf Hitler.

Oh man, Schäuble!!! Ein lahmer, alter Hitlergag – im 21. Jahrhundert. 41 Jahre Parlament – da hat man jeden Bezug zur Realität endgültig und unwiederruflich verloren, da offenbaren sich die wirklich bedenklichen Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit: man denkt, mit dem Humor der fünfziger Jahre könnte man wirklich noch groß was reißen.

Putin ist der neue Hitler. Gähn.

Dauergähn.

Und brandgefährlich. Was man im Parlament nicht so mitbekommt: „Hitler“ ist keine Beleidigung, „Hitler“ ist der Einsatzbefehl für Sonderkommandos der USA zur Exekution von Obdachlosen oder anderen unerwünschten Personen Hört man im Polizeifunk: „Achtung, da zeltet ein Hitler illegal“ oder „Achtung, im Irak (oder Syrien, oder Panama, oder Lybien, oder sonstwo) ist ein „Hitler“ in der Regierung“, kann man schon mal den Bestatter rufen.

Außerdem ist es besonders peinlich, dass der Gag auch schon am 31. 3. 2014 gebracht wurde – Schäuble hielt den selbst wohl für total super und konnte sich nicht bremsen.

Gähn.

Ultrasuperdauergähn.

Na, dass war es dann auch mal wieder in diesem Jahr – oder habe ich etwas Wichtiges übersehen?

Die waren doch klasse, oder?

Wirklich: das beste Jahr sei langem!

 

 

 

 

 

 

 

 

Die dunkle Seite der „Arbeit“: über das Ende der sozialen Gesellschaft

Die dunkle Seite der "Arbeit": über das Ende der sozialen Gesellschaft

Samstag, 21.12.2013. Eifel. Sonnenwende. Der finsterste Tag des Jahres. Zeit also für richtig finstere Geschichten – über Arbeit zum Beispiel. Arbeit ist – das wissen wir, weil wir es in der Schule so gelernt haben – ein Glücksfall für die Menschen. Was würden wir nur tun, wenn wir sie nicht hätten? Sie füllt unseren Tag aus, gibt unserem Leben Struktur, ohne die wir uns wohl ganz schnell von der Brücke stürzen würden. Sie schenkt uns unglaubliche Erfolgserlebnisse, die wir ohne sie gar nicht hätten, sie füllt uns aus und bestimmt, wer wir sind im Leben. Darum ist Arbeitslosigkeit ja auch so schlimm: die sind nichts mehr. Gar nichts.

Vor tausend Jahren noch wäre ein Mensch verhungert, wenn er nicht beständig gegen die Natur gearbeitet hätte. Das hat uns so eindeutig geprägt, dass wir immer noch die alten Werte der Ackerbau- und Viehzuchtgesellschaft transportieren – einer Gesellschaft, die noch für jeden etwas zu tun fand, sei er auch noch so behindert … und auch für jeden etwas zu Essen hatte. Aus dem Grund hat man es ja in Massen produziert, dieses Essen, die Produktionsmethoden immer weiter verfeinert, bis ganz wenige Großlandwirte die zusammengelegten Flächen so effektiv bewirtschaften konnten, dass nie mehr Hungersnot zu befürchten war.

Darum schmeißen wir heute unglaublich viele Lebensmittel fort – und den Armen zum Fraß vor. Die müssen ihren Ausgliederungsbescheid vorlegen („Hartz-IV-Bescheid“) und bekommen dann den Müll der Wohlstandsgesellschaft sehr günstig verkauft – Müll, den man sonst kostspielig entsorgen müßte. Geniale Idee von McKinsey. Das läßt eine Gesellschaft mit sich machen, die mit Werten aus der Zeit Karl des Großen modernes Leben spielt und die Armut, der wir durch die Arbeit vieler Generationen entkommen sind, künstlich wieder einführt. Die Armen sitzen aber nicht mehr gemeinsam mit dem übrigen Dorf an der Tafel, sie müssen sich das Essen vom modernen Misthaufen holen. Menschlich hat sich bei uns einiges an Werten verändert.

Nun – wir wollen uns nicht lange aufhalten mit „Wertediskussionen“. Unsere Zeit schätzt die Wertlosigkeit, hat extra ein Wort dafür gefunden, um den Zustand zu verteidigen: alles, was „Werte“ hochhält, wird als „Sozialromantik“ angeprangert. Wir brauchen auch keine Werte mehr – die werden vorgegeben. „Arbeit“ ist der einzige Wert, der zählt. Arbeiten für die Maximierung der Kapitalrendite von superreichen Arbeitslosen, die dann den anderen Arbeitslosen in vielen medialen Formaten als Lebensvorbilder gepriesen werden: wer es schafft, durch einen bewußten und gezielten antisozialen Akt nur noch von der Arbeit anderer Leute zu leben, der „hat es geschafft“. Wer gezwungen ist, von Almosen anderer Leute zu leben, weil sein Arbeitsplatz abgeschafft wurde, wird abgeschafft.

So etwas gehört natürlich nicht hinterfragt: der gemeinsame Dienst an der Eigenkapitalrendite steht für jeden Deutschen weit außerhalb jeder Kritik. Wir arbeiten gerne umsonst für den Reichtum anderer – so selbstlos sind nur wir.

Doch hier … müssen wir leider warnend einschreiten: „Arbeit“ hat auch eine dunkle Seite.

Nein, nicht nur die, dass sie krank macht. Sicher, es ist auch nicht angenehm, blind zu werden, weil man zu lange vor den Bildschirmen gesessen hat (siehe Focus). Aber das meine ich nicht – was stört uns schon unsere Gesundheit, wenn wir sie zum Wohle des deutschen superreichen Nichtstuers opfern dürfen.

Ich meine, so menschlich-seelische Degenerationen, die uns während der Arbeit ereilen – selbst dann, wenn wir selbst noch ziemlich viel Geld für unsere „Arbeit“ bekommen. Schauen wir uns das doch mal genauer an – Anna Kistner hat das für uns im Spiegel ausgeführt: Zehn Belege für die rasante Verspießerung von Festangestellten. Anna Kistner ist seit kurzem (Mai 2013) Korrespondentin des Spiegel in Bayern. Sie hatte uns schon einmal darüber aufgeklärt, was man heute alles vorlegen muss, um eine Mietwohnung zu bekommen, siehe Spiegel:

Man muss freundlich sein zu diesem Makler. Und eine Bewerbungsmappe für ihn zusammenstellen. Darin enthalten: Visitenkarte, Schufa-Auskunft, Kopie der letzten drei Gehaltszettel, Kopie des Personalausweises, gern auch der Arbeitsvertrag und ein ausformulierter Lebenslauf. Ein Foto auf dem Deckblatt der Bewerbungsmappe ist Pflicht.

Eine Bewerbungsmappe für eine Mietwohnung. Man muss heute schon tief buckeln, um sein Grundrecht auf wohnen verwirklichen zu können. Rechte muss man sich halt leisten können.

Nun – eine Wohnung hat Anna Kistner bekommen, da haben wir eine Sorge weniger. Das ist auch gut so, denn mit den Belegen zu ihrer eigenen Verspießerung hat sie ein wichtiges Dokument verfasst, dass uns die dunklen Seiten von „Arbeit“ deutlich vor Augen führt. Gehen wir die einzelnen Punkte ihres Artikels einfach mal durch.

1. Arbeit macht unsozial

Wo vorher der Studienkollege noch mit seinem Schlafsack übernachten konnte, ist auf einmal eine „No-go“-Zone entstanden. Aus Freunden werden Kosten auf zwei Beinen, lästige Fliegen, die die Abendruhe stören.

2. Arbeit fördert Gier

Wo vorher noch der bescheidene 1,5 Liter-Wein aus der Aldi-Tüte für Mordsstimmung in der WG sorgte, breitet sich heute die Gier nach „Vollmundigkeit“ aus.

3. Arbeit fördert echten „Herrengeist“.

Wer arbeitet, braucht eine Putzfrau. Arbeit adelt (Hitlers Motto für den Reichsarbeitsdienst), und Adel braucht Personal

4. Arbeit fördert Umweltzerstörung

Wo früher der Urlaub umweltverträglich und erlebnisreich im Zelt verbracht wurde, muss heute die Bettenburg herhalten, die ganze Landstriche für ewig verschandelt.

5. Arbeit fördert sprachliche Verarmung

Außer Gesprächen über das Wetter ist keine lebendige Kommunikation mehr möglich.

6. Arbeit tötet die eigene Lebendigkeit ab

Wo früher der gesellige Abend in einer Studentenkneipe jede Party an Stimmung übertraf, wird heute Ersatzleben vor dem Fernsehbildschirm konsumiert, wo man beobachten kann, wie spannend das Leben sein könnte, wäre man kein Hamster im Rade.

7. Arbeit fördert Vernichtung der Individualität

Der Kampf um die heilige persönliche Kaffeetasse, die nach Dienstschluss diebstahlsicher weggeschlossen wird, ist das letzte Aufbäumen des Individuums, bevor es gleichgeschaltet unbemerkt in der Masse versinkt.

8. Arbeit fördert Entfremdung vom Leben selbst

So wird die vergessene Topfblume auf der Fensterbank zum Symbol für den Zustand der eigenen Seele, die unbemerkt vertrocknet.

9. Arbeit fördert Ängstlichkeit

Wo früher das mutige helmlose Radeln durch die Innenstadt ein letztes Gefühl von Freiheit und Abenteuer vermittelte, ist auch einmal Helmpflicht angesagt: so beginnt das Ende des Leben mit der ersten Angst vor dem Tod

10. Arbeit vernichtet Kreativität

Kleidung – für viele wichtigster Ausdruck der Kreativität im persönlichen Bereich – wir normgerecht, es zählt, was „man“ trägt, wie „man“ lebt … und was „man“ denkt.

So können wir hier – am Beispiel Anna Kistners – erkennen, wie gezielt, systematisch und umfassend Arbeit „Leben“ vernichtet. Man fühlt sich versucht, von „Vernichtung durch Arbeit“ zu sprechen, doch dieser Begriff wurde schon vorher von anderen besetzt. Es fällt auch nicht jedem auf, was die Arbeitswelt mit einem anstellt, noch fällt den meisten Menschen auf, wie rar eigentlich diese lebenslangen Festanstellungen geworden sind: natürlich braucht man da Personal … man kann es sich ja auch leisten, gehört zu den besonders gesegneten Menschen dieses Landes.

Gut, das es Frau Kistner aufgefallen ist – vielleicht helfen da Erfahrung wie das Gespräch mit dem Menschen, der eine „WG“ für den „Idealzustand im Leben“ hält (siehe Süddeutsche). Ist es ja auch – man schaue sich mal an, wie die Menschheit hunderttausend Jahre lang gelebt hat (Imperien ausgenommen – die haben auch die Mietskasernen eingeführt, für Mietsklaven, deren Ernährung man nicht dauerhaft am Hals haben will).

Wir merken schnell: „Arbeit“ ist nicht gleich „Arbeit“. Echte Arbeit wird heute nur noch von einem Bruchteil der Bevölkerung geleistet, die meisten bekommen Arbeitsersatzstoff zugewiesen, damit sie denken, wir würden immer noch zu Zeiten Karl des Großen leben, wo Arbeit echten Wert darstellte … und aufgrund der körperlichen und seelischen Deformationen immer als Fluch verstanden wurde.

Wahrscheinlich gibt es deshalb so heftige Angriffe auf Religion und Kirche in unserer Zeit: der Kult der Arbeit befreit sich von der Konkurrenz, die mit ihrer Sicht von „Arbeit“ direkt im Gegensatz zu unserem heutigen Verständnis steht.

Arbeit – so steht es in der Bibel – wurde als Fluch und Strafe verstanden, der auf uns kam, als wir aus dem Paradies verschwinden mussten. Da ich nun jeden Tag den Bauarbeitern zusehen darf, die bei Wind und Wetter ein Superluxusferienhaus für einen jungen, dynamischen Investmentbanker aus Amsterdam errichten, weiß ich, wovon ich rede.

Die Jungs leisten noch richtig echte Arbeit – auch am Wochenende, wo unser 30-jähriger frisch aufgestiegene Banker für den privaten Investmentkunden sich mit seinem Privatflugzeug vergnügt und sich dank seiner Nähe zum privaten Geldverteilungsapparat mit Tauschmitteln überfressen darf, während andere sich von seinem Müll ernähren müssen.

Das große Geld braucht nämlich keine Arbeit mehr – es vermehrt sich inzwischen von selbst. Deshalb müssen die schwer arbeitenden Maurer auch dankbar sein, wenn man ihnen ein paar Tropfen des Geldflusses zukommen läßt, der in Banken überreichlich sprudelt. In Wirklichkeit – braucht das Geld sie nicht mehr.

Wenn wir merken, dass es in Wirklichkeit überhaupt keine Werte schafft, sondern nur Leben vernichtet, wird es zu spät sein.

Man wird wohl noch eine Weile brauchen, bis man verstanden hat, das die entwickelten Demokratien gerade wegen ihres Arbeitsbegriffes am Abgrund stehen, das es gerade die charakterlichen Deformationen durch moderne Pseudoarbeit (und modernes Pseudoleben) sind, die dafür sorgen, dass die Fundamente zusammenbrechen, das es wieder möglich ist, dass Erzieherinnen Kinder an Stühle fesseln, in den dunklen Keller sperren und sie zwingen, ihr eigenes Erbrochenes zu essen (siehe N24) – so wie es meiner Mutter beim „Bund deutscher Mädel“ auch ergangen ist.

Das hemmungslose Aufblühen schwarzer Pädagogik ist nur ein Zeichen für das Wachstum eines neuen Zeitgeistes, der sich in den entwickelten Demokratien entfaltet, die nun am Abgrund stehen (siehe Heise):

Die Völker der demokratischen Staaten sehen sich von Oligarchien beherrscht, die ihre eigenen, höchst eigennützigen Interessen verfolgen und sich nicht mehr um die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Interessen der Menschen scheren, die sie eigentlich vertreten sollen. Die Wirtschafts- und Sozialpolitik aller entwickelten Demokratien geht in immer stärkerem Maße an den Bedürfnissen der Bevölkerungsmehrheit vorbei und richtet sich zunehmend gegen die eigene Bevölkerung.

Es mehren sich die Zweifel, ob die herrschenden Demokratien überhaupt noch handlungsfähig sind; denn die eigentliche Krise ist die Krise der repräsentativen Demokratie. Die strukturellen Schwächen dieses Ordnungssystems treten heute so krass hervor wie nie zuvor. Eine erfolgreiche Krisenbewältigung würde einen radikalen Politikwandel erfordern. 

Und das alles ist nur möglich, weil wir es zulassen, von einem Arbeitsbegriff terrorisiert zu werden, der uns charakterlich und seelisch tief deformiert.

Ach ja – ich vergaß: Seele … hat man als moderner Mensch nicht mehr.

Jetzt verstehe ich auch den „Zombie-Hype“: er spiegelt die seelische Verfassung jener Menschen wieder, die sich noch erfolgreich gegen die Deformation wehren und sich so in einer extrem feindlichen, dämonischen Umwelt wieder finden.

Wahrscheinlich bald auch mit Waffengewalt: immerhin stehen wir am Agrund und preisen hemmunglos den „Fortschritt“. Wohin man kommt, wenn man am Agrund weiter fortschreitet, mag sich jeder selbst ausmalen.

PS: Ana Kistner an dieser Stelle vielen Dank für ihre Beschreibung der Vertreibung aus dem Paradies, die man selbst als große Erfolgsstory erlebt und verkauft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arbeit im Jahre 2013

Der Deutsche und sein liebstes Kind – die Arbeit.

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Faschismus der Rasse und Faschismus der Arbeit.

Faschismus der Rasse und Faschismus der Arbeit.

Dienstag, 15. Oktober 2013. Eifel. Großbritannien baut eine Cyberarmee auf. Gunter Dueck macht sich schon mal seine Gedanken darüber und ängstigt die Reichen, in dem er darauf hinweist, dass die TAN-Generatoren leicht von fremden Mächten ausgetrickst werden können, die dann einfach mal das ganze Geld von allen Konten einer Bank umbuchen: Kriegsführung der Zukunft. Damit sollten wir rechnen, wenn es uns nicht gelingt, Frieden zu erhalten. Im Zeitalter der Aufklärung war dieser Frieden das höchste Ziel, von Krieg hatte man die Nase voll: dreißigjähriger Krieg, siebenjähriger Krieg – vielleicht sogar ewiger Krieg jeder gegen jeden … das wollte man nicht mehr. Die Idee dazu war einfach: Gott weg, König weg, das Volk regieren lassen und zuvorderst die Vernunft fördern, die dann alles allein optimal regeln würde. Der Mensch sollte heraustreten aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit – und alle jubelten. Das Paradies schien in greifbare Nähe gerückt, das Himmelreich war nah. Dann kam – vor fast einhundert Jahren – der erste Weltkrieg.

Der einzige Mensch auf dem europäischen Kontinent, der vorhersagte, dass dieser Krieg unführbar sein würde, war … ein polnischer Bankier. Jahrelang mordeten Maschinengewehre und Granaten Soldaten im Stacheldrahtverhau, der jede Bewegung unmöglich machte – genau wie es jener Bankier vorausgesagt hatte. Es war auch eine einfache Vorhersage: die Kombination von Stacheldraht und MG-Feuer ist tödlich – für beide Seiten.

Man nahm an, dass der erste Weltkrieg ein Unfall war, jener Krieg, der geführt werden musste, um alle Kriege für ewig zu beenden. 25 Jahre später begann der Zweite Weltkrieg, der der Idee der Aufklärung einige weitere Tiefschläge versetzte: sogar der wahnhafte Hitler verzichtete auf den Einsatz von Giftgas, dafür entwickelten die Demokratien mit der Atomwaffe eine noch viel vernichtendere Option. Zudem kam es zu etwas außerordentlich grauenhaftem: ein ganze Volk wurde ausgelöscht. Die europäischen Progrome gegen Juden erreichten gerade in Deutschland – dem Land der Dichter und Denker – einen neuen, endgültigen Höhepunkt: die industrielle Massenvernichtung von Menschen wurde in die Tat umgesetzt … mit deutscher Gründlichkeit.

Das Entsetzen über diese Entwicklung hält bis heute an, doch kaum jemand erinnert sich noch daran, warum das eigentlich so entsetzlich ist. Völkermord ist ein altes Hobby der imperial denkenden Menschheit, der Mensch ist halt der Wolf des Menschen … und deshalb hielten Denker wie Hobbes Demokratie für unmöglich: nur ein absolut mächtiger König sei in der Lage, den Wolfsmenschen im Zaum zu halten.

Peinlich für alle Aufklärer: die Geschichte scheint Hobbes Recht zu geben.

Nun gehöre ich zu denen, die beständig vor Faschismus warnen. Würde ich auch machen, wenn ich ganz allein mit dieser Überzeugung wäre. Darf ich auch – selbst wenn es manchen nicht passt: in diesem Land herrscht Meinungsfreiheit. Warum es zu dieser völligen Vernichtung der Ideale der Aufklärung im Dritten Reich kommen konnte, weiß noch keiner. Wir als Deutsche verdrängen das Thema lieber, konzentrieren uns darauf, dass nie wieder ein Adolf Hitler SA-Schläger durch die Straßen treiben wird. Da Hitler tot ist, können wir uns sicher sein, mit diesem Kampf gegen Rechts sehr erfolgreich zu sein.

Wie immer aber, wenn man eine Krankheit nur verdrängt und nicht heilt, sucht sie sich andere Bahnen, in denen sie sich ausdrücken kann: wer zu lange seinen Schnupfen ignoriert, kriegt später einen massiven Herzschaden – man kennt das aus der Medizin.

Was wir erlebt hatten, war ein Faschismus der Rasse. Das ist nichts Besonderes. Die USA – die große Freiheitsnation – haben mit dieser Strömung seit ihrer Gründung zu kämpfen, die Ureinwohner sind derweil fast ausgerottet, die Juden können von vielen Völkern erzählen (Polen, Russen, Franzosen – um nur ein paar zu nennen) denen der Faschismus der Rasse bekannt ist: die unausrottbare Überzeugung, es gebe wertvolle Menschen und minder wertvolle (wenn nicht sogar schädliche) Menschen.

Der Faschismus der Rasse hat in Deutschland sogar besonders krude (aber auch extrem kraftvolle) Blüten erzeugt: hier wurde der Kampf gegen das Judentum zum religiösen Weltkrieg „Gut“ gegen „Böse“, der blonde Arier gegen den dunklen Juden. Wie üblich, war das sogar sehr gut gemeint. Die hatten keine bösen Absichten beim Entwurf dieses Mythos, die waren (und sind auch heute noch) fest davon überzeugt, dass das wahr ist und sie der (undankbaren) Welt doch nur einen großen Gefallen tun wollen. Wie üblich, wenn etwas nur „gut gemeint“ war, ging es sehr in die Hose.

Man hätte viel daraus lernen können: zum Beispiel, dass manche „Meinungen“ einfach schon an sich „Verbrechen“ sind. Wie ich aktuell lese, haben das noch nicht alle verstanden. Man hätte daraus lernen können, das Vernunft und Demokratie nicht ausreichen, den Dämon im Zaum zu halten – ja, und fast scheint es zu sein, als wenn der Gottkönig die einzige politische Alternative ist, die uns nach diesen Erfahrungen noch bleibt. Der wird vielleicht ja jetzt auch kommen, die EU ist auf dem besten Wege dazu, ihn zu installieren – obwohl die sicher auch alles nur gut meinen.

Es gibt natürlich Menschen, die profitieren von faschistischen Gesellschaften – ebenso haben faschistische Gesellschaften für uniformierte Bürger Vorteile zu bieten, die nicht von der Hand zu weisen sind: man fühlt sich nicht mehr allein, ist Teil einer großen Wertegemeinschaft, kann sich hemmungslos an den Gütern jener bereichern, die keine Uniform wollten. Wichtiger aber ist der Vorteil für jene, die wirkliche Macht in Form von Land und Geld haben: sie geraten bei diesen chaotischen Zuständen völlig aus der Schusslinie, in die sie seit der Oktoberrevolution hineingeraten sind.

Ein Schelm, wer denkt, diese Mächte hätten sich seit der Französischen Revolution in Luft aufgelöst: sie protzen nur weniger mit Öffentlichkeit. Nach wie vor sind sie aber bestimmt durch ihre Angst vor der Masse, die ihnen ihre Golfplätze besetzen könnte, um dort ein neues Woodstock zu veranstalten.

Eine wehrhafte Demokratie mit unaufgearbeitetem Faschismus der Rasse ist deshalb gut beraten, aufmerksam auf andere Ausdrucksformen zu schauen, die er annehmen kann – und die gibt es eine, die 1938 schon mal angetestet wurde: der Faschismus der Arbeit.

Arbeit ist an und für sich nichts Schlechtes. Landen wir alle auf einer einsamen Insel, so hilft nur Arbeit, um unser Überleben zu retten: dort wäre für Debatten über ein bedingungsloses Grundeinkommen gar kein Platz – im Gegenteil: Debatten jeder Art würden erstmal das Überleben gefährden – wir bräuchten Wärme, Wasser, Nahrung, bevor wir diskutieren, welche Staatsform wir uns geben. Hier diktiert erstmal die Not die Politik – und zwingt zu gemeinschaftlichem, sozialen und solidarischem Handeln, da ist für Egomanen kein Platz, solche Luxusgeschöpfe können sich nur Luxusgesellschaften leisten.

Der Begriff Arbeit kann aber auch missbraucht werden … wie der Begriff Rasse, Volk, Nation und jeder andere Begriff auch.

Im Jahre 2013 wird die Arbeit weitgehend von Maschinen gemacht, Arbeit ist ein knappes Gut geworden, sie liegt nicht mehr auf der Straße. Ebenso wird das Tauschmittel Geld künstlich verknappt (das braucht man zur Züchtung von Luxusmenschen, von denen man sich die Rettung der Wirtschaft verspricht – was die allerdings praktisch gar nicht leisten), von Arbeit allein können viele gar nicht mehr leben – ihre Zahl geht in die Millionen.

Und in einer solchen Situation hat der Faschismus der Rasse eine neue Ausrucksmöglichkeit: anstatt Ausländerfeindlichkeit findet er Armenfeindlichkeit attraktiv.

Wer Armenfeindlichkeit nicht gut findet, ist eben Sozialromantiker und damit ziemlich bescheuert: diese Meinung hat sich schon in breiter Front durchgesetzt.

Die Logik ist überwältigend: an der herrschenden (und DROHENDEN) Armut sind die ARMEN schuld – ganz klar. Rotten wir die Armen aus, verschwindet auch die Armut. Superlogisch, oder? Wir können die Armen auch einfach zur Arbeit zwingen (genau zu jener Arbeit, die schon für Arbeitnehmer erlebbar ist), dann sind sie vielleicht gar nicht mehr arm und wir können unseren Reichtum unbegrenzt genießen.

Schön wäre auch, wenn man die Armen öffentlich kennzeichnen würde, damit jeder sie erkennt. Es wäre auch gut, sie in Lager zu halten, wo sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren können: Bewerbungen schreiben, ordentlich aussehen, Gabelstaplerfahrscheine machen – was so ein Armer eben zu tun hat. Und wenn der nicht spurt: einfach mal das Essen streichen, der Hunger wird ihm schon beibringen, gehorsam zu sein.

Faschismus der Arbeit – heute schon aktiv.

Geht ganz ohne Hitler und SA/SS, aber nicht ohne die gleichen asozialen Gestalten im Hintergrund, die sich jetzt nicht mehr am Vermögen der Juden sondern am Vermögen älterer Arbeitsloser bereichern: kraft Gesetz. „Sozialverträgliches Frühableben“ ist schon im Gespräch, noch ein paar Jahre weiter, dann wird es Tat werden: versprochen.

Die Logik des Faschismus erlaubt keinen anderen Umgang mit dem Gegner/Opfer als dessen völlige Ausrottung, man bildet ja gerade deshalb diese „Kampfbünde“, um sich in Zeiten größter Not gegen einen überwältigenden Feind zu stemmen: das internationale Judentum oder den Sozialschmarotzer.

Damit Faschismus sich nie wieder Bahn bricht, wurden die Allgemeinen Menschenrechte gesetzt: Werte mit der Macht eines Königs. Das war eine autoritäre Tat der Notwehr, die sich jeder Meinungsfreiheit entzieht: darüber wird nicht mehr diskutiert – das hatten wir aus dem Zweiten Weltkrieg gelernt.

Vielleicht kann man mir kurz mal helfen: in wie vielen Punkten bricht die deutsche Sozialgesetzgebung im Jahre 2013 aktuell Menschenrechte? Bin da gerade nicht auf dem neuesten Stand, vielleicht kann da jemand weiterhelfen.

„Würde des Menschen. Nichts davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen. Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.“ Friedrich Schiller Ende Oktober 2008 urteilte das Landessozialgericht Darmstadt, dass die Hartz-IV-Regelsätze für Familien weder mit der Menschenwürde noch mit dem sozialen Rechtsstaat vereinbar sind.  (Aus: Blätter für deutsche und Internationale Politik, hier von Franz Segbers)

Arbeit wird zum Maßstab für den Lebensberechtigungsschein, der Arbeitsbegriff missbraucht für Selektion und (erstmal) soziale Vernichtung. Alltag in Deutschland im Jahre 2013, Folge einer nie verstandenen noch verarbeiteten faschistischen Vergangenheit, die viele gerne wiederholen würden, könnte man ihnen garantieren, dass sie die Uniform bekommen.

Die Uniformen sind schon da: 15 000 Euro kosten sie – das Stück.  Eingeweihte erkennen diese Uniformen (dazu gehören auch spezielle Uhren, Krawatten und Schuhe, die Hemden nicht zu vergessen): der Dresscode der Elite. Früher trugen sie andere Uniformen und missbrauchten den Begriff Rasse (der an und für sich ja auch ziemlich harmlos ist, bis er zur „Rassenpolitik“ wird, wie Arbeit zu „Arbeitsmarktpolitik“ geworden ist – und damit zu einem Instrument der Machtausübung).  Heute sind die Uniformen dezenter – wie auch das Auftreten.

Doch die Ergebnisse werden allmählich ähnlicher, auch wenn sich das nur jenen erschließt, die Faschismus auch dann erkennen, wenn er nicht deutlich durch Hakenkreuzarmbinden gekennzeichnet ist.

Der nächste Hitler wird auch nicht Hitler heißen, es kann sogar sein, dass er zu Juden sehr freundlich ist (die haben jetzt Atombomben, dass ändert alles), seine Partei wird auch nicht mehr NSDAP sein – aber eins kann ich Euch versichern: die Leichenberge werden sich nicht unterscheiden. In einer Gesellschaft in der Maschinen die Arbeit erledigen und die Rendite bringen, sind Normalbürger nur noch eins: Kosten auf zwei Beinen.

Und was machen wir mit Kostenfaktoren?

Wir liquidieren sie.

Cyberarmeen – wie üblich nur zum Schutz gedacht – können das sehr schnell erledigen: ein Knopfdruck und die komplette Existenz ist vernichtet, samt Eintrag im Grundbuch, beim Einwohnermeldeamt, der Rentenversicherung und der Löschung aller Konten und Vermögenswerte. Den Rest erledigt die Natur schon ganz von allein, zur Not helfen Gesetze gegen Obdachlose, die aktuell schon in Ländern der EU in Erprobung sind.

 

 

 

 

 

 

 

Der Arbeitsterror der Lumpenelite – ein Livebericht

Der Arbeitsterror der Lumpenelite - ein Livebericht

Montag, 14.10.2013. Eifel. Montag ist der häßlichste Tag der Woche, oder? Niemand mag Montag – jedenfalls, solange der Chef nicht in der Nähe ist. Kommt der herein, flötet man natürlich durchs Büro, wie unglaublich glücklich man ist, dass das häßliche Wochenende endlich vorbei ist – da habe ich doch Recht, oder? Eins meiner eindrucksvollsten Erlebnisse als schreibender Mensch war das Echo auf einen Artikel mit dem provokanten Titel „Arbeit ist Scheiße“ – da kamen in der Tat Arbeitslose und klagten darüber, dass dieser Artikel zu einer verstärkten Verfolgung von Arbeitslosen führen würde: die Wahrheit ist in Deutschland verboten – auch wenn jeder sie kennt und abends an der Theke leise und verstohlen ausspricht. Der Spiegel traut sich das aktuell  mal:

Hinterm Firmentor wohnt das Elend. Mitarbeiter ächzen unter Arbeitslasten. Sie schuften, bis der Arzt kommt, und der Arzt kommt oft: Die Burnout-Kliniken quellen über, sie sind zu den Seelen-Kläranlagen einer zum Himmel stinkenden Arbeitswelt geworden. Zwischen 2005 und 2011 haben sich die Krankheitstage wegen Burnout verelffacht, auf 2,7 Millionen. Jede dritte Frühverrentung hat psychische Gründe. Im Schnitt sind diese „Rentner“ 48 Jahre alt.

Da bürden die Firmen dem Sozialstaat enorme Lasten auf, gebärden sich wie parasitäre Schmarotzer – und niemand beschwert sich? Wir hatten doch gelernt, dass parasitäre Schmarotzer schlimm, pfui und böse sind – das Bundesarbeitsministerium hatte extra eine Broschüre dafür entwickelt, damit das auch jeder begreift. Wer so unverantwortlich mit Mitarbeitern umgeht und serienmäßig Frührentner produziert, belastet die Sozialkassen doppelt und dreifach – doch da schweigt die Bildzeitung?

Der ideale Mitarbeiter hat kein Leben mehr, nur noch ein Berufsleben. Wenn das Firmen-Handy klingelt, ist der Sex vorbei, der Urlaub gestorben. Zwölf-Stunden-Tage laufen unter „Einsatzfreude“. Jede E-Mail schreit nach sofortiger Antwort, auch nachts. Wer nicht schnell genug protestiert, wird von seinem Chef als Facebook-Freund zwangsadoptiert und bis ins private Fotoalbum verfolgt.

Das erinnert mich an meine eigene frühere Berufstätigkeit, die einen solch´ nachhaltigen Eindruck auf mich hatte, dass sie mich heute noch – viele Jahre später – in nahezu jedem Traum verfolgt. Bringt man gute Leistung, hält man sogar so lange durch, bis der Rücken bricht. Glücklich die, die jede Herausforderung gescheut und sich gezielt vor jeder Arbeit gedrückt haben, die lieber anderen die Lösung von Problemen überließen und Arbeitslosigkeit als Kururlaub genossen: die sind heute gesund, während ich nicht weiß, wie ich über den Tag kommen soll.

Darum hasse ich auch Handys und Laptops. Bin einer der letzten lebenden Zeugen, wie dieses Giftzeug in den Arbeitsalltag eingedrungen ist und fortan jeden Feierabend unmöglich machte. Da hilft es auch nichts, wenn man viel Geld verdient – ohne Leben hat der Mammon keinen Wert. Das ganze Arbeitsleben wurde einfach mal sprachlich umdefiniert – ein genialer Trick:

Doch wer der süßen Melodie hinters Firmentor folgt, stolpert in eine Arbeitshölle, wie sie die Welt seit dem Frühkapitalismus nicht mehr gesehen hat. Die Firmen flöten, „du bist selbst für deinen Erfolg verantwortlich“, gemeint ist: „Der Misserfolg kostet dich den Kopf!“ Die Firmen flöten, „du kannst deine Arbeit frei einteilen“, gemeint ist: „Mach bloß nicht Feierabend, bevor alles fertig ist.“ Die Firmen flöten, „du kannst alles bei uns erreichen“, gemeint ist: „Wenn du auf der Strecke bleibst, liegt es nur an dir!“

ARBEIT IST FREUDE – so die neue Version von ARBEIT MACHT FREI. Wer diese überwältigende Freude nicht empfindet, ja, wer gar Anzeichen von Schwäche zeigt, kriegt ganz schnell den Begriff „Minderleister“, sein Alltag wird von Privatdetektiven begleitet (ja, dafür ist Geld da) die für einen kleinen Aufpreis einen Spesenbetrug bescheinigen, von dem der Minderleister selbst dann ganz überrascht ist … da hilft jedoch kein Gericht mehr, „das Verhältnis ist zerrüttet“ – und ein Exempel statuiert.

„ARBEIT IST FREUDE“ ist nun nicht vom Himmel gefallen – nur: in einer Zeit, in der Medien und Regierung Denkverbote aussprechen („Verschwörungstheorien!!!“) darf darüber nicht mehr offen geredet werden – außer hier. Ich tue es mal trotzdem, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass dieses System krank macht – und ich war dabei, als es krank wurde.

Die große Invasion begann Anfang der neunziger Jahre. Eine ganz neue Branche hatte sich konstatiert: die Unternehmensberater. Der Autor dieser Zeilen hatte selbst eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei ihnen. Ich hatte zwar von Wirtschaft keine Ahnung, aber ein „sehr gut“ auf dem Universitätszeugnis: das reicht. Drei Jahre wollte man mich international ausbilden – jeweils eins davon in Japan und den USA – und dann hätte ich richtig dick abräumen sollen als „international erfahrender Profi“. Ich konnte nur gerade nicht, hatte zwei süße kleine Kinder – außerdem hatte ich das Prinzip schnell erkannt: man wollte mich als Kasperle aufbauen, als Spitze der Leistungselite.

Niemals hätte ich in den drei Jahren genug Erfahrungen gesammelt, die ein Wirtschaftsstudium und zehn Jahre betriebliche Praxis ersetzen konnten, um Unternehmen einen echten Gewinn bieten zu können – doch darum ging es ja auch gar nicht.

Es ging um etwas, dass alle Kriterien einer Verschwörungstheorie erfüllte, aber direkt neben dem eigenen Arbeitsplatz ablief – mit Folgen, die der oben zitierte Martin Wehrle eindrucksvoll beschreit. Es ging um den Umbau der ganzen deutschen Gesellschaft, zentral gesteuert von einer kleinen Gruppe von „Entscheidern“, angekündigt auf Geschäftsleiterfortbildungen, durchgeführt von einer ganzen Armee fleißiger Unternehmensberater.

Was der Arbeitnehmer davon mitbekam? Nun – auf einmal gab es „Lean Management“ (man sparte in der Führungsebene) und „Share Holder Value“ – Marktanteile, Firmenergebnisse und gesellschaftlicher Mehrwert des Unternehmens waren egal, nur noch die Rendite der Anteilseigner zählte. Die Qualität der Arbeit, die Qualität der Ware, umweltschonende Produktion und Vertrieb, Mitarbeiterrechte – alles egal. Es war entschieden worden, die ganze Gesellschaft umzubauen – und dafür waren diese „Unternehmensberater“ unterwegs.

Man sollte nun meinen, dass die deutsche Gesellschaft auf diesen Umstand aufmerksam geworden wäre – doch was liest man derzeit im Spiegel?

KarriereSPIEGEL: Sie haben dann bei einer bekannten Unternehmensberatung gearbeitet. Sie schreiben in Ihrem Buch, dass in der Branche Berater mit einem Praktikum bei Bertelsmann schon als Medienexperten verkauft werden. Wie viel Bluff gehört zum Beraterdasein?

Herles: Jede Menge. Das ist aber so gewollt. Man verkauft die Perspektive des Außenstehenden, will aber gleichzeitig Industrieexperte sein. Schwierig in einer Branche, in der die meisten Menschen unter 35 sind. Woher sollen die Industrieerfahrung haben? Aber die Geblufften lassen sich zu gerne bluffen. Denn durch die Berater können sie ihre eigenen Hände in Unschuld waschen.

Alles nur ein großer Bluff. Alle wissen es. Alle leiden darunter – besonders die, die Aufgrund der eifrigen Wühlarbeit von Unternehmensberatern arbeitslos geworden sind. Ja – das musste nebenbei noch installiert werden, damit der ganz große Coup gegen die Lebensqualität in Deutschland gelang: man brauchte eine repressive Sozialpolitik, der Staat musste mit aller staatlichen Gewalt ins Arbeitsleben eingreifen, man brauchte am Ende der Nahrungskette einen Reißwolf. Wir kennen ihn als „Hartz IV“ – so etwas als Unternehmensberater in der Politik zu installieren ist kein Problem, wenn man nur genug Politiker findet, die 30 000 -Euro-Anzüge geil finden.

Der geheime Trick des Erfolges ist allen bekannt: am Ende der Beratung sollten schon ein paar Köpfe rollen. Das treibt den Aktienkurs nach oben (immer!), das bringt einen sofortigen Anstieg des „Share Holder Value“ und macht den übrig gebliebenen Mitarbeitern klar, wo der Hammer hängt. Gehaltserhöhungen, Betriebsrat, gesundheitsschonende Arbeitszeit: ein Luxus, den sich keiner mehr leisten kann – und keiner mehr zu fordern traut. Dafür macht man gerne die Arbeit von drei Kollegen mit, bereit, den nächsten Coup der Branche zu ertragen: den Verzicht auf Schlaf.

KarriereSPIEGEL: Wie viele Nächte können Sie durcharbeiten?

Herles: Sogenannte Allnighter sind in der Branche tatsächlich durchaus üblich. Ich persönlich habe nie wirklich durchgearbeitet, aber oft nur sehr kurz geschlafen.

Völlig verrückt? Leider nein. Habe selbst erleben dürfen, wie sich „Führungskräfte“ der Pharmaindustrie mit Personalverantwortung damit brüsteten, dass sie kaum Schlaf brauchten – und sich gegenseitig unterboten, bis sie nahe Null waren. Da erfolgreiche „Manager“ keinen Schlaf brauchen, hatten wir schnell die 120- Stunden-Woche: weil ARBEIT FREUDE MACHT, hat sich auf keiner getraut, zu meckern. Das der Verein eine enorm hohe Unfallrate im Straßenverkehr hatte und regelmäßig 5-er BMW´s zerlegte, war nie ein Thema: das geschieht eben, wenn die Elite unterwegs ist … wo gehobelt wird, da fallen Späne, auf die man dann noch stolz ist.

Eine Elite von Idioten, die aber dafür außerordentlich gut bezahlt werden – dafür, neue Werte vorzuleben und in die Gesellschaft zu tragen.

Was man schnell vergisst: das Geld für diese Idioten fällt nicht als Geschenk vom Himmel, das wird von „Entscheidern“ angewiesen, die sich gut überlegen, warum sie was wohin schicken. Es ist nicht der liebe Gott, der „Entscheider“ oder die „Leistungselite“ reich macht, sondern eine Hand voll Leute, die Preise festsetzen – auch die Preise für „Manager“.  Es war eine politische Entscheidung auf höchster wirtschaftlicher Ebene, die die Gehälter für die Lumpenelite in perverse Höhen getrieben haben und auch ihre Handlanger mit enormen materiellen Vorzügen ausstatteten, so dass wirklich jeder normale Arbeiter sehen konnte: hier kommen die neuen Könige.

Das war bewusst so installiert worden – und bezahlt von jenen Gewinnen, die dem Steuerzahler durch überhöhte Preise, Steuerhinterziehung, Betrug oder dem Vertrieb minderwertiger Ware aus der Tasche gezogen wurden.

Ganz Deutschland wurde zu einem Arbeitslager, in dem die Demokratie einen leisen Tod starb – aber wehe man erzählte davon.

Man braucht auch gar nicht davon zu erzählen. Stellen Sie sich einfach mal heute morgen an eine Ampel und schauen sie sich die Gesichter der Leute an, bevor sie ihr Pokerface für den Controller aufsetzen: dort sieht man ehrlicher, wie viel Freude Arbeit macht.

Sie kennen die Wahrheit, auch wenn es verpönt ist, darüber zu sprechen. Hören wir noch einmal Martin Wehrle dazu:

Frei ist sie tatsächlich, die moderne Arbeitswelt, aber nur frei von Berechenbarkeit: Wer jahrzehntelang beste Arbeit leistet, kann über Nacht für die Rendite rausgekegelt werden; frei von Gerechtigkeit ist sie: Die Reallöhne der Mitarbeiter sind zwischen 2000 und 2012 um 1,8 Prozent gesunken, während die Unternehmensgewinne durch die Decke schießen; und frei ist sie von einer Abgrenzung zum Privatleben: Der Feierabend ist kein Schlusspfiff mehr, nur noch Auftakt zur Verlängerung.

Gesunde Menschen gehen rein in die Firmen, und kranke kommen raus. Die Fließbänder der schönen neuen Arbeitswelt produzieren Volksleiden wie Bluthochdruck, ADHS und Burnout.

Und wer zahlt die Zeche dafür?

Die Leute, die sich heute morgen aus dem Bett gequält haben, um ab 9 überglücklich im Büro zu sitzen, voller Freude darüber, einen weiteren Tag 0hne Hartz IV erleben zu dürfen.

Wissen Sie, wie man das System beschreiben könnte?

„Vernichtung durch Arbeit“. Ein Prinzip, dass der deutschen Elite schon früher großen Spaß bereitet hat.

 

 

Sarah Wagenknecht in Aachen und die Arbeitslügen der deutschen Kultur.

Montag, 9.9.2013. Eifel. Ein fieser Tag - wie jeder Montag. Seltsam, dass der Montag so einen Ruf hat, oder? Immerhin leben wir in einem Land, in dem Arbeit heilig ist, heilig zu sein hat. Arbeit - in christlichen Zeiten ein Fluch des Gottes und auch in außerchristlichen Bereichen wegen Schmerzen, Langeweile und Stumpfsinnigkeit nicht sehr geschätzt - ist Lebenssinn geworden. "Frieden ist Krieg" - so tönen die Propagandatrompeten der Neuzeit, "Arbeit ist Lust".  Niemand würde es wagen, in der Öffentlichkeit zu behaupten, dass Arbeit Scheiße ist (äh, doch, ich. Aber das ist schon eine Weile her und ich bin dafür auch ordentlich geschimpft worden). Doch was sehe ich Montagmorgen? Oder schon den ganzen Sonntag? Lauter Leute, die jammern und klagen, dass die Tretmühle schon wieder losgeht - egal ob in Firma oder Behörde. Was für eine Beschisskultur - um es mal deutlich zu sagen. Feiern gigantische "thanks-god-it´s-friday-Partys", aber finden Arbeit natürlich supercool, können sich eine andere Existenz als die des "workoholic" gar nicht vorstellen - jedenfalls nicht offiziell. Wieso werden Arbeitslose eigentlich mit solchen hasserfüllten, niederträchtigen Schmähungen überzogen, wenn doch Arbeit ein so toller Wert ist? Mitleid müsste man mit ihnen haben, dürfen sie doch nicht teilhaben an einer solchen tollen hocherotischen Arbeitswelt! Die Realität ist: Neid ist das hauptsächliche Gefühl, das Arbeitslose erzeugen. Die haben Zeit, sitzen den ganzen Tag mit Bier vor der Plasmaglotze und fühlen sich pudelwohl! Na, da muss ja nach Hitler gerufen werden, der endlich mal richtig aufräumt. Dabei muss man viel eher mit den eigenen Lebenslügen aufräumen - doch dafür ist man zu feige, zu ängstlich, würde das doch bedeuten, sich gegen die offiziell von Kreisen der Politik und Wirtschaft gewünschten Ansichten zu stellen.

Montag, 9.9.2013. Eifel. Ein fieser Tag – wie jeder Montag. Seltsam, dass der Montag so einen Ruf hat, oder? Immerhin leben wir in einem Land, in dem Arbeit heilig ist, heilig zu sein hat. Arbeit – in christlichen Zeiten ein Fluch des Gottes und auch in außerchristlichen Bereichen wegen Schmerzen, Langeweile und Stumpfsinnigkeit nicht sehr geschätzt – ist Lebenssinn geworden. „Frieden ist Krieg“ – so tönen die Propagandatrompeten der Neuzeit, „Arbeit ist Lust“.  Niemand würde es wagen, in der Öffentlichkeit zu behaupten, dass Arbeit Scheiße ist (äh, doch, ich. Aber das ist schon eine Weile her und ich bin dafür auch ordentlich geschimpft worden). Doch was sehe ich Montagmorgen? Oder schon den ganzen Sonntag? Lauter Leute, die jammern und klagen, dass die Tretmühle schon wieder losgeht – egal ob in Firma oder Behörde. Was für eine Beschisskultur – um es mal deutlich zu sagen. Feiern gigantische „thanks-god-it´s-friday-Partys“, aber finden Arbeit natürlich supercool, können sich eine andere Existenz als die des „workoholic“ gar nicht vorstellen – jedenfalls nicht offiziell. Wieso werden Arbeitslose eigentlich mit solchen hasserfüllten, niederträchtigen Schmähungen überzogen, wenn doch Arbeit ein so toller Wert ist? Mitleid müsste man mit ihnen haben, dürfen sie doch nicht teilhaben an einer solch´ tollen hocherotischen Arbeitswelt! Die Realität ist: Neid ist das hauptsächliche Gefühl, das Arbeitslose erzeugen. Die haben Zeit, sitzen den ganzen Tag mit Bier vor der Plasmaglotze und fühlen sich pudelwohl! Na, da muss ja nach Hitler gerufen werden, der endlich mal richtig aufräumt. Dabei muss man viel eher mit den eigenen Lebenslügen aufräumen – doch dafür ist man zu feige, zu ängstlich, würde das doch bedeuten, sich gegen die offiziell von Kreisen der Politik und Wirtschaft gewünschten Ansichten zu stellen.

Woher ich diese Gedanken habe? Von Sarah Wagenknecht – also, von meinem Eindruck von ihrem Auftritt. Sie sprach am Samstag in Aachen – und ich war da. War ein Fehler, mein Rücken erlaubt solche Experimente nicht. Aber ich habe etwas dazugelernt: so was rechtfertigt jeden Schmerz. Ich habe eine tolle Rede gehört, habe Zahlen gehört, die auch die SPD und CDU vor sich hertragen. Das hat mich schon mal verblüfft – hatte ich doch selber Zahlen ausgegraben, die die offiziellen Propagandazahlen Lügen strafen. Rechne ich nach strengen Maßstäben durch, dann komme ich locker auf eine Arbeitslosigkeit von über sechzig Prozent. Das korrespondiert auch mit den Datensätzen der Jobcenter: 42 Millionen Menschen sind dort schon registriert: bei 40,5 Millionen Menschen, die überhaupt irgendeine Form von Arbeit haben, fand ich das erschreckend viel. Warum erwähnt man das nicht bei den Linken?

Noch weiter verwundert  hat mich der Gebrauch des Begriffes Arbeit. Was wurde da gejammert und geklagt über mangelnde Arbeit, über die vielen Menschen, die zu wenig an diesem kostbaren Gut teilhaben konnten. Ich schaute mich um, sah meine Mitmenschen an, sah ihre zerschlissenen Schuhe (da achten die wenigsten drauf – ist ja auch ziemlich weit unten und ziemlich weit weg vom Kopf), ihre selbst geschnittenen Frisuren (ja, das sieht man), ihre verfaulten Zähne (Praxisgebühr hatte halt doch Folgen – und den Eigenbeitrag für´s Porzellaninlay kann man von Billiggehältern nicht bezahlen) oder ihre Kleidung, die deutliche Zeichen des Verfalls trug: ich wusste sofort: die brauchen GELD, nicht ARBEIT. Arbeiten können die doch gar nicht mehr. Arbeit zu bekommen ist nicht Ergebnis intensiven Wunschdenkens, nicht Folge großer Gebete zum Universum oder Konsequenz eines ominösen „Secret“ (hierzu folgt an anderer Stelle mehr) sondern die Entscheidung eines Personalverantwortlichen! Erschreckend, oder? Ist bei den Jobcentern und Politikern kaum bekannt – aber für die Arbeitslosigkeit in Deutschland tragen Personalverantwortliche die Hauptverantwortung: NIEMAND ANDERS stellt in Deutschland Menschen ein. Ihre zumeist von der Fernsehwerbung verwöhnten Anschauungen, wie Mensch auszusehen hat, kann – dank Bundesregierung – KEIN ARBEITSLOSER GERECHT WERDEN!. Ist einfach viel zu teuer, dieser ganze Bluff.

„Ordentliche Kleidung“ kostet schon etwas. Ein guter Anzug, italienische Schuhe und Hemden, Socken aus Dänemark – da ist schnell ein gebrauchter Kleinwagen zusammen. Ja, ich war auch mal personalverantwortlich und weiß, worauf man achten muss. Habe ich mühsam gelernt. Da hat man Richtlinien zu erfüllen, sonst ist man selbst schnell draußen: Mitarbeiter sollten (und das wird gerne arbeitsvertraglich so festgehalten) so aussehen, dass sie ohne große Umkleidungsaktionen umgehend im Fernsehen auftreten können. An diesem Menschenbild arbeiten die Medien konzentriert mit (ja, auch Martin Sonneborn von der PARTEI).

Und wer hält sich alles daran?

Alle.

Einfach mal in die Einkaufszonen der Republik schauen – oder in den deutschen Bundestag. So uniformiert ist sonst nur die Bundeswehr oder andere Karnevalsvereine.  Vergeblich sucht man die langhaarigen Männer in Jesuslatschen oder die vollbärtigen Marxjünger, der Bundestag sieht aus wie ein großer Verein in Firmenkleidung, man fühlt sich wie bei einem Besuch bei McDonalds – und kriegt auch ähnliche Qualität serviert. Denen soll ich abnehmen, dass sie unterschiedlicher Meinung sind, für unterschiedliche politische Entwürfe stehen? Sie demonstrieren doch ihre politische Richtung jeden Tag! Ja – Kleidung ist auch Kommunikation, ist auch Botschaft – soll ein Zusammengehörigkeitsgefühl ausdrücken.

Man kann das auch noch präzisieren: welche Botschaft drückt denn ein feiner Anzug aus?

„Ich mache mir die Hände nicht mehr schmutzig. Ich habe es geschafft, ich bin was Besseres!“.

„Was Besseres“ stellt man dann auch gerne ein, man erhofft sich davon, damit ein Stück des repräsentierten Erfolgs kaufen zu können.

Aber wie steht „was Besseres“ zum Thema Arbeit? Nun – in so einem Anzug kann man nur wenig mehr tun als repräsentieren. Kranke oder Alte pflegen, mit Kindern spielen, den Acker bestellen oder Nudeln verkaufen geht damit nur schlecht, wäre auch schade um den guten Stoff. Noch nicht mal im Büro taugt er zur Tat – eigentlich ist er das Signal: „ich kann nur auf Kosten anderer gut leben – und habe Spass wie Bolle dabei“.

Nun – Sarah Wagenknecht hatte keinen Anzug. Sie war außerordentlich mutig und trug ein Kostüm, mit dem sie auf einem Sektempfang in einem Nobelgeschäft der Düsseldorfer Köngisallee oder einer Tagung der deutschen Pharmaindustrie nicht sonderlich aufgefallen wäre. Den Mut hat die deutsche Bundeskanzlerin nicht, sie traut sich nicht aus ihrem Hosenanzug.

Politiker haben ja auch generell nicht viel mit Arbeit zu tun, darum nennt man sie ja auch „Abgeordnete“. Sie sind aus der normalen Arbeitsordnung entfernt worden, um die politischen Geschäfte einer Gemeinschaft zu erledigen. Dass könnte man natürlich auch tun, ohne sich mit den Statussymbolen einer bis ins Mark dekadenten Oberschicht zu schmücken – aber dies ist ein freies Land, weshalb sich unsere Abgeordnete anders entschieden haben und beim Tanz ums Goldene Kalb ganz besonders schräge Figuren auf dem Parkett zeichnen.

Das gilt leider auch für die „Linken“. Wir sollten trotzdem froh sein, dass es sie gibt, denn nach sechzig Jahren Filz, Netzwerken und Korruption hat auch der allerletzte Depp begriffen, dass man im Prinzip nur die Wahl für einen Flügel der großen deutschen Einheitspartei SCFUDDP (Sozialchristlichfreie Union der deutschen demokratischen Parteien) hat: entweder für Angela Merkel (Kanzlerin der großen Koalition) oder Peer Steinbrück (Finanzminister der großen Koalition), deren Programme sich noch am deutlichsten durch die Wahl der Papierqualität unterscheiden, auf denen sie gedruckt sind. Inhalte sind ja auch – siehe Wahlplakate – kein Thema.

Mag man die große Koalition der SCFUDDP nicht, wohnt man definitiv im falschen Land.

Klar, man kann die Linke wählen … aber wer moderierte den Auftritt von Sarah Wagenknecht? Eine „lustige Frau“, eine Komödiantin, gekleidet in der Uniform der deutschen Hausfrau der sechziger Jahre. Sollte wohl lustig sein (war es auch – stellenweise), doch dem politisch interessierten Bürger störte das sehr, war es doch gleichzeitig eine deutliche Verunglimpfung des einfachen Bürgers, der schon allein in seinem (perfekt imitierten) Aussehen unglaublich lächerlich wirkt im Vergleich zu dieser Ikone der Linken.

Nun – diese lächerliche Gestalt aus dem einfachen Volk war auch äußerst devot und demütig der großen Ikone der Linken gegenüber: wie es sich gehört, wenn Herrenvolk sich unter Urnenpöbel mischt.

Als Nachdenkmagazin blickt man natürlich auch gerne hinter die Kulissen – auch wenn man selbst nicht besser aussieht als das Publikum und sich schon denken kann, dass man mit der Kluft nicht sonderlich gut ankommt bei den oberen Zehntausend.

Hinter der Bühne wartete – neben dem üblichen Sicherheitspersonal und der Polizei – eine riesige schwarze Limousine mit Berliner Kennzeichen, die hinteren Scheiben so getönt, dass der Pöbel den Fahrgast nicht weiter wahrnehmen konnte. Hier stieg Sarah Wagenknecht ein – und verschwand.

Mit „Arbeit“ kann man eine solche Limousine nicht bezahlen. Ein seltsames Bild – und angesichts der Rede und des Umfeldes eine seltsame Botschaft. Ich fühle mich ein wenig wie im Kabarett – obwohl diese Wirkung natürlich nicht beabsichtigt war. In Wirklichkeit hatte sich niemand Gedanken gemacht, wie ein solches Bild wohl beim Volk ankommt – woraus die direkte Botschaft kommt, dass der Eindruck, den man beim Urnenpöbel macht, sowieso keine Rolle mehr spielt.

Nicht, das wir uns falsch verstehen. Sarah Wagenknecht ist kein sonderlich herzlicher Mensch – aber sie hat sich große Mühe gegeben, in Kontakt mit dem Publikum zu kommen. Sie hatte neben der Bühne Zeit für ein paar enthusiastische Fans und verteilte auch hinter der Bühne noch Autogrammkarten. Das ist für einen Kopfmenschen eine große Leistung, die andere nicht in diesem Ausmaß geleistet hätten.

Was mir aber nicht aus dem Kopf gehen wird, ist das Bild mit der Limousine … und der Umgang mit dem Wort „Arbeit“.

Wir brauchen keine Arbeit. Alle finden Arbeit lästig und ungut, weshalb sie auch immer häufiger von Maschinen gemacht wird, die Wissenschaftler und Ingenieure direkt im Auftrag der Konzernleitung entwickeln, um die lästige Abhängigkeit von Arbeitern los zu werden.

Es ist eine Lüge, dass Arbeit gut, edel und schön ist: und das demonstrieren mir die Deutschen jeden Montagmorgen. Da gibt es keine Freudenschreie, keine großen Partys, die schon um fünf Uhr stattfinden, weil man es gar nicht erwarten kann, um neun Uhr endlich im Büro zu sein. Freitagnachmittag … ja, da wird schon mal gefeiert. Manchmal sogar ziemlich lange. Aber Montag?

Einfach mal am Sonntagabend durch Facobook stöbern und sich die Klagen der Bürger über den Wochenanfang anhören … da weiß man schon genug.

Was man aber auch weiß (und dies hat Frau Wagenknecht auch deutlich beschrieben): das Volk ist schon zu sehr eingeschüchtert, um sich selbst die Wahrheit einzugestehen.

Einfach mal direkt auf Menschen zugehen und sie nach ihrer Meinung zum Thema Arbeit fragen: was kommen da nur für seltsame Verrenkungen. Alle finden es supertoll, dass es so etwas wie Arbeit überhaupt gibt, etwas Schöneres kann man sich im Leben gar nicht vorstellen.

Warum spielen dann immer mehr Leute Lotto? Warum dieses Theater um den Montag? Wobei genau wird da eigentlich gelogen?

Warum gelogen wird, kann ich sagen: man hat Angst vor dem Jobcenter. Man stelle sich mal vor, man würde arbeitslos und der Sachbearbeiter hätte Aussagen zum eigenen Verhältnis von „Arbeit“ vor sich liegen. Sofort könnte man sich eine Sanktion einhandeln, weil die eigene Einstellung einer erfolgreichen Arbeitsaufnahme im Wege steht: sofort reagiert der Staat mit dem Entzug der Lebensgrundlagen und droht so mit Gewalt, die den Tod billigend in Kauf nimmt.

Deshalb jubeln alle über Arbeit: öffentliche Jubelverweigerung kann ganz schnell zum Tode führen.

Die Menschen wissen das. Sie wissen auch, welche Macht dieses System Arbeitgebern in die Hände gibt: sie werden auf einmal mittelbar Herren über Leben und Tod, die Nähe zur Leibeigenschaft ist unverkennbar.

Hätte man darüber nicht auch mal reden müssen – als „Linke“?

Immerhin: ich rede ja auch darüber.

Worüber ich mich noch ein wenig wundere, ist, dass es den Sonntag überhaupt noch gibt. So hocherotisch wir Arbeit nun mal ist, müssten doch alle seine Abschaffung fordern.

Na, das wird sicher noch kommen.

Ich warte dann auf die Partys, die dann stattfinden werden, weil endlich noch ein lästiger, langweiliger, unproduktiver Tag der unbegrenzten Arbeitslust zur Verfügung gestellt würde: das gibt sicher spontane Massendemos auf den Straßen zum Lob der Regierung, die sich an diesen Tag endlich herangewagt hat und die jahrhundertelange Dominanz der Kirchen endlich überwunden hat.

Ich suche derweil mal nach einer Partei, die so ehrlich ist wie Volker Pispers, der mal zugab, dass er keine Arbeit braucht – er bräuchte nur Geld, meinte er, beschäftigen könne er sich selber.

Der Besuch bei den Linken hat mir auf jeden Fall ein ungutes Bauchgefühl beschert – trotz schönem Wortgeklingels.

 

 

 

Der Nachrichtenspiegel auf Facebook

 

Ja, nun ist es soweit. Es gibt eine Nachrichtenspiegel-Facebook-Seite. Ein riesengroßer Sprung über meinen datenschutzaffinen Schatten und noch viel mehr Palaver mit dem Interface, den Einstellungen und der sogenannten Usability. Die dadurch neu ergrauten Haare kann ich im Spiegel deutlich sehen. Die Bißspuren in der Tastatur auch.

Egal, die Menge der Verweise, die seid einiger Zeit über Facebook kommen (kann ich an den Referrern sehen) legten den Entschluß nahe, auch hier mal „Hallo“ zu sagen.

Aber, aus zeitlichen Gründen können wir leider kein Extra-Programm für Facebook leisten.

Wir haben dummerweise alle noch Dinge neben der Informationssammlung, Sortierung und Aufbereitung für die Leser zu erledigen. Dinge, die mit Nahrungsmittelbeschaffung, Kindererziehung und -bespaßung,  sauberen Wohnungen, Ämtern, Rechtsanwälten, Hobbys, Geldbeschaffung, Waschmaschinenbestückung, Brautschau (na ja, nicht alle von uns), Trinkgelagen, Tarotkarten, E-Mails, Erdstrahlen, über 300 RSS-Feeds im Reader – die gelesen werden wollen um auf dem Laufenden zu bleiben, das Lesen auf toten Bäumen, Unterhaltungsfilmen, Musik, Musik machen, Computerspiele und anderen, meist furchtbar profanen Dingen zu tun haben – ok, ich schweife ab. Entschuldigung.
Denn wenn man sich nur mit Polititk, Wirtschaft, realen und eingebildeten Verschwörungen und dem, was sonst noch um einen herum passiert beschäftigt, verliert man irgendwann die Bodenhaftung, wird Depressiv und fängt an, abzudrehen. Wir sind auch nur ganz normale Menschen.

Im Großen und Ganzen gibts daher auf Facebook, wie auch auf Twitter, nur Hinweise, daß hier im Nachrichtenspiegel wieder was Neues erschienen ist. Etwas, daß vielleicht jemanden zum Nachdenken anregt – der sich bisher nur gewundert hat was eigentlich so komisch ist oder irgendwie nicht Richtig zu sein scheint. Für denjenigen, der mit anderen Sachen beschäftigt war und gerade aufwacht, ein Artikel der einfach nur die Meinung von jemandem bestärkt oder auch der nur weitere Argumente für die bereits Überzeugten bringt.

So leid es mit tut, dies ist ein „Friss oder Stirb“. Wir wollen euch kein Geld abnehmen für das, was wir hier tun, aber wir haben auch nur begrenzte Ressourcen. Und die meisten von uns stecken mehr Energie, Zeit und Geld hier rein als Gut für sie ist.

Aber wir wollen es genau so und werden genau so weitermachen!

Und dafür maße ich mir jetzt mal an, denjenigen zu Danken, die hier mitspielen und genau das leisten. Ausdrücklich auch unserem Tagesbildbeauftragten, Jotha. Der es geschafft hat, seid Bestehen des Nachrichtenspiegels jeden Tag(!) ein neues Bild des Tages hervorzuzaubern. (Ok, bis auf eine Ausnahme von 2 Tagen, und daran war ich Schuld. Mea Culpa)

Vielen Dank, daß ihr, die Leser, uns über die Zugriffszahlen zeigt, daß wir es nicht umsonst machen.

Und wenn es nur dafür ist daß ihr nicht anfangt zu stottern, wenn Euch mal eure Kinder fragen, was ihr denn dagegen getan habt, daß es so schlimm geworden ist. Viel besser wäre es, wenn sie fragen, was ihr DAFÜR dafür getan habt, daß es NICHT so schlimm geworden ist.

Nicht vergessen, Ignoranz bedingt keine Unverwundbarkeit. Wenn der Kopf erst mal im Sand steckt wird das Atmen schwer. Und es kratzt im Hals.

Ergo – tut bitte etwas dafür, damit sich die schlimmen Dinge ändern.
Ich meine nicht diejenigen, die bereits in Initiativen mitarbeiten und sich „für die gute Sache“ aufreiben. Nein, ihr, die ihr vor dem Monitor sitzt und passiv zwar Einverstanden mit den (meisten) der hier dargelegten Kritiken, den Denkanstößen und den Ideen seid. Die eine Veränderung der Umstände wollen aber sich nicht trauen und deshalb immer noch das kleine Rädchen im Getriebe spielen. Ihr seid diejenigen, weshalb das „System“ immer noch funktioniert und andere auf eurem Rücken mit eurem Geld Feste feiern. Seid der Sand, nicht das Öl. Öl ist schmierig. Ich glaube, Dreckscheuder und der E-Philosoph hecken da was aus.

Aber vergesst nicht, der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Immer Cool bleiben und jeden sein Leben leben lassen.
Nur eben nicht das Leben der wirklichen Sozialschmarotzer unterstützen. Ich meine diejenigen, die andere für sich arbeiten lassen und sich dann auch noch als Leistungsträger feiern lassen obwohl sie nur als Parasiten von genau der besagten Leistung der im allgemeinen fleißigen „normalen“ Menschen schmarotzen. Es ist genug für Alle da. Aber ist ist insgesamt nicht genug da, daß eine einzige Familie zum Beispiel 700 Millionen mit einer Firma, die mal ein eigenen KZ hatte, verdient. Oder daß jemand stirbt (was immer traurig ist, jeder hat jemanden, der ihn vermisst – hoffentlich), der ein Vermögen von ca. 8 Milliarden Euro hat. Das ist Pervers.

Es muß ja nicht viel sein. Ich persönlich mach ja eigentlich auch nur die Technik, gebe launige Kommentare ab, stelle ab und an ein Video ein und kümmer mich um die E-Mails, einen Teil der Kommentare und um das Finanzielle. Warum? – Weil ich gerne Artikel lese die nicht in der Milliardärspresse erscheinen würden. Und weil ich Kinder, habe die mich irgendwann mal fragen werden… – aber das hatten wir ja schon.

Arbeit macht nicht frei – Arbeit macht arm und krank….und tot. Über Sklaverei in Deutschland.

Freitag, 22.2.2013. Eifel. Vor ein paar Monaten hatte ich mal einen mutigen Artikel geschrieben: Arbeit ist Scheiße hies er und war trotz der deftigen Überschrift in feinem Ton gehalten. Es kam, wie es zu erwarten war - ich wurde gescholten. Ein denkwürdiger Moment. Eine "Universaldiletantin" trat auf und kritisierte die Majestätsbeleidigung:

Traurig
Das Erwachsenen gut gebildeten Menschen nix besseres einfällt, als sich in die soziale Hängematte zu legen. Das ist schön einfach, das kostet keine Mühe. Mal abgesehen davon, das solche Artikel anderen Arbeitslosen, das Leben zur Hölle machen.

Freitag, 22.2.2013. Eifel. Vor ein paar Monaten hatte ich mal einen mutigen Artikel geschrieben: Arbeit ist Scheiße hies er und war trotz der deftigen Überschrift in feinem Ton gehalten. Es kam, wie es zu erwarten war – ich wurde gescholten. Ein denkwürdiger Moment. Eine „Universaldilettantin“ trat auf und kritisierte die Majestätsbeleidigung:

Traurig
Das Erwachsenen gut gebildeten Menschen nix besseres einfällt, als sich in die soziale Hängematte zu legen. Das ist schön einfach, das kostet keine Mühe. Mal abgesehen davon, das solche Artikel anderen Arbeitslosen, das Leben zur Hölle machen.

Die Schreibfehler in dem Zitat habe ich korrigiert, Kommafehler nicht. Offenbar hatte die Dilettantin auch den Artikel nicht gelesen – aber das stört ja manche nicht dabei, ihre Meinung abzugeben. Ich für meinen Teil fand es auf jeden Fall einmal wichtig, darauf hinzuweisen, warum ARBEIT eigentlich BEZAHLT gehört – der Zusammenhang ist nämlich immer mehr Menschen unklar, die für Ein-Euro-Jobs oder im Rahmen von Praktika faktisch umsonst arbeiten.

Gut: zu ein Euro-Jobs zwingt einen die Staatsgewalt unter Androhung von Obdachlosigkeit, Hunger- und Kältetod. Wird in Deutschland selten besprochen, das halten wir wie die Sache mit den Juden: wir vergasen sie, aber wir reden nicht darüber – und wissen auch von nichts.

Der Spiegel weist aktuell auf eine Studie hin, die die unglaublich lebensverlängernde Wirkung der Nichtraucherei belegt: neun Jahre länger kann man dann leben. Einer der Kommentatoren zu dem Artikel (Nr. 8: Sozial_Distortion) weist auf die Nebenwirkung der lebensverlängernden Maßnahme hin, die die Mehrheit der Deutschen im Alter erwartet:

Neun Jahre, oder sogar noch länger mit mickriger Rente in einer kalten Bude gerade mal so überleben, oder in einem Altenheim für maximales Geld bei minimaler Versorgung wund gelegen dahinvegetieren. Was für schöne Aussichten für das Gros der zukünftigen „ich habe immer gesund gelebt“ – Rentner.

Noch eine Realität, über die wir nicht sprechen, obwohl sie alle ereilen wird. Eigentlich arbeiten wir wie die Blöden, um der Altersarmut zu entkommen – jener Altersarmut, die für die meisten von uns jetzt schon sicher ist – in Folge der Turbulenzen, die sich durch die von unseren Politikern auf breiter Front bejubelte Freihandelszone mit den USA ergeben werden, werden es noch deutlich mehr werden. Es war schon immer ein Ziel der Menschen, sich durch Arbeit in jungen Jahren einen gewissen Wohlstand zu erarbeiten, damit man im Alter nicht mehr so rackern muss. Früher ging das auch noch – selbst zu Zeiten der Industrialisierung.

Auto, Haus, Urlaubsreisen – all das konnte sich der kleine Mann leisten, weshalb er so begeistert vom Kapitalismus war … auch dann, wenn er im real existierenden Sozialismus lebte.  Oder erst recht dann. Heute ist das anders: seit dreizehn Jahren hat es real keine Lohnerhöhungen mehr gegeben – nur ein paar Plazebos zur Beruhigung der Nerven zwischendurch, die gab es, siehe Badische Zeitung:

Die Beschäftigten in Deutschland verdienen also nach Abzug der Inflationsrate heute weniger als vor dreizehn Jahren, sogar weniger als vor 20 Jahren. Denn schon 1992 lagen die Löhne – immer nach Abzug der Preissteigerung – höher als heute.

Der Lebensstandard sinkt unaufhörlich … dabei rackern wir uns ordentlich ab, siehe Bayrischer Rundfunk:

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich in der Arbeitswelt der Menschen drastische Veränderungen ergeben. Früher war es üblich, von der Ausbildung bis zum Ruhestand beim selben Arbeitgeber sein Auskommen zu verdienen. Außerdem ist die Arbeitsmenge kontinuierlich angewachsen, denn die Aufgaben, die der einzelne zu bewältigen hat, werden mehr, während sich der dafür zur Verfügung stehende Zeitraum verkürzt. Für ein hohes Maß an permanenter Anspannung sorgt heute bei vielen schon allein die Angst um den Job. 

Selbst wenn wir krank sind, gehen wir arbeiten – und jeder kennt den Grund dafür:

Die niedrige Zahl der Fehlzeiten im deutschen Arbeitsleben ist auch Ausdruck einer ständig wachsenden Angst um den Job. Diese führt in vielen Fällen dazu, dass man auch dann im Büro erscheint, wenn man gesundheitlich nicht dazu in der Lage wäre.

Wir gehen arbeiten, weil wir Angst haben. Das muss man sich mal genau überlegen: wir gehen nicht mehr arbeiten, weil wir unseren Lebensstandard verbessern wollen (was bei den Löhnen sowieso ein schlechter Witz wäre), wir gehen nicht mehr arbeiten, um unsere Zukunft abzusichern (die sowieso schon verloren ist), wir gehen arbeiten, weil wir Angst haben.

Wie Sklaven, die sind ähnlich motiviert.

Sklaven dürfen sich auch nicht über die Unerträglichkeit ihrer Situation unterhalten. Besser sie loben die Verhältnisse über den grünen Klee, damit die Meister auch hochzufrieden mit ihnen sind – das war schon im alten Rom so. Und bloß nicht darüber beschweren, das Sklaverei eigentlich verboten gehört – das führt dazu, das den vielen Sklaven, die noch auf dem Marktplatz des Jobcenters herumlungern, „das Leben zur Hölle gemacht wird“.

Darüber, das auch den arbeitenden Menschen das Leben zur Hölle gemacht wird, wird ebenfalls nicht geredet. Demokratie endet am Werkstor – immer öfter. Stört uns das? Und hinter den Mauern der Arbeitgeber macht Arbeit wieder nur noch krank – und mal wieder nicht frei, wie versprochen, siehe Handelsblatt:

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat eine umfangreiche Untersuchung zur Arbeitsbelastung und ihren Auswirkungen vorgelegt. 17.000 Befragungen geben ein umfangreiches Bild. Für 43 Prozent der deutschen Arbeitnehmer hat der Stress bei der Arbeit demnach in den vergangenen zwei Jahren zugenommen.

Noch ein paar Daten zur „Arbeit“? Bitte schön:

Die Mittagspause ist bei vielen schon lange nicht mehr die Regel: Jeder Vierte (26 Prozent) gibt an die Pause ausfallen zu lassen.

Wozu muss man auch Essen, wenn man ARBEIT hat?

Jeder zweite Arbeitnehmer hat Rückenprobleme, jeder dritte klagt über Kopfschmerzen, jeder vierte hat Schlafstörungen, jeder fünfte fühlt sich körperlich oder emotional erschöpft. Als arbeitgeberfreundliches Magazin unterlegt das Handelsblatt die Ergebnisse mit entsprechend manipulativen humorvollen Bildern, so dass gleich klar wird: wir wollen das nicht ernst nehmen.

Dabei sind die Zusammenhänge bekannt. Schon vor neun Jahren warnte die Welt vor den Folgen der „Arbeitsverdichtung“ und erwähnt nebenbei, das in Japan jedes Jahr ZEHNTAUSEND TOTE in Folge dieser Überlastung zu beklagen sind. In Deutschland werden solche Studien erst gar nicht durchgeführt: unser Arbeitsethos darf nicht leiden, unsere heilige Kuh nicht angerührt werden  – auch dann nicht, wenn sie Leben vernichtet.

Das Arbeitsverdichtung keine natürliche Ursache ist, sondern gezielt von Unternehmensberatern im Sinne des Share Holder Value in die Welt getragen wurde, wird dabei gerne übersehen.

Ja – auf einmal sind wir in der Welt des großen Geldes, die es sich erlaubt hat, durch gut verdienende Unternehmensberater erfolgreich in die Arbeitswelt hinein zu regieren. Nicht mehr die Qualität der Produkte ist Sinn des unternehmerischen Handelns, sondern nur noch der Gewinn der Investoren. Die sehen natürlich außerordentlich ungern, das Arbeiter Pausen machen, krank sind oder bezahlt werden – und die Politik hilft ihnen in großem Umfang dabei, ihre Interessen durchzusetzen.

Moment aber: wird denn gar nicht mehr bezahlt?

Natürlich nicht. Es gibt noch ein paar Dinge mit denen man Geld machen kann. Auto fahren, zum Beispiel. Je schneller man fährt, je mehr man sich und andere gefährdet und die Umwelt sinnlos ruiniert, umso mehr Geld bekommt man: Schumacher – 25 Millionen, Vettel – 18 Millionen, Rosberg – 14 Millionen – jedes Jahr. Fußball spielen wird auch reich belohnt: Lahm – 9 Millionen, Schweinsteiger – 9 Millionen, Neuer – 8 Millionen, Ballack – 7,5 Millionen (siehe wofam.de).

Wo kommt das Geld her?

Nun – letztlich von uns, die wir für Arbeit nichts mehr bekommen. Die leben ein Leben in Saus und Braus, während wir uns krank malochen und unser Lebensende hungernd und frierend im Dunkeln verbringen.

Cool, oder?

Für das, was ein Schuhmacher für ein Jahr Auto fahren bekommt, müsste ein Durschnittsverdiener in Deutschland über SIEBENHUNDERT JAHRE arbeiten. Warum werden wir eigentlich nicht alle Rennfahrer? Ach ja, ich vergaß: für Normalbürger gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Besser noch wird es, wenn wir uns der Quelle des Geldwesens zuwenden: den Banken. Dort kann man sogar 80 Millionen Euro verdienen – siehe Spiegel:

Der Franzose Christian Bittar soll laut „Stern“ für das Jahr 2008 Bonuszahlungen in Höhe von 80 Millionen Euro genehmigt bekommen haben.

Brisant ist der hohe Bonus vor allem wegen Bittars mutmaßlicher Verwicklung in den Skandal um manipulierte Referenzzinssätze wie den Libor oder den Euribor.

Bittar konnte so viel verdienen, weil sein Arbeitsvertrag ihm einen prozentualen Anteil an den Gewinnen versprach, die er für die Bank erwirtschaftete – und zwar unbegrenzt, ohne Deckelung. 2008 machte er offenbar das Geschäft seines Lebens. Damals hatte er darauf gesetzt, dass sich die Differenz zwischen den Referenzzinssätzen verschiedener Laufzeiten vergrößern würde. Die Wette ging auf. Im Gesamtjahr verdiente die Bank mit den Zins-Geschäften laut „Wall Street Journal“ damals rund 500 Millionen Euro.

Mit Wetten auf manipulierte Referenzzinssätze kann man offenbar gut verdienen. 2285 Jahre müsste der deutsche Durchschnittsarbeiter dafür arbeiten – das ist selbst mit großzügig nach hinten verlegtem Renteneintrittsalter nicht mehr zu schaffen.

Besser kann das nur noch George Soros. Der hat jetzt gegen den Yen gewettet und eine Milliarde Dollar verdient – völlig ohne Risiko, siehe Nachrichten-t-online:

Soros‘ Firma und andere Hedge-Fonds-Manager gingen beim Yen short, das heißt, sie verkauften die Währung, ohne sie zu besitzen, in der Hoffnung, sich günstiger mit der Währung eindecken zu können, wenn das entsprechende Options-Papier fällig wird. Diese Strategie schien zumindest seit November 2012 einigermaßen risikoarm gewesen zu sein, denn Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe hatte bereits vor seiner Wahl im Dezember seine Abwertungsstrategie propagiert.

Wieviel Jahre unser deutscher Arbeitnehmer sich im Büro dafür krank schuften muss, möchte ich gar nicht mehr ausrechnen. Toll ist: man kann inzwischen eine Milliarde Dollar machen, ohne die Ware, mit der man handelt, überhaupt zu besitzen! Und das finden alle völlig ok. Andererseits führt die Arbeitsverdichtung zwecks Deckung dieser Traumgewinne zur effektiven Vernichtung menschlicher Gesundheit, menschlichen Wohlstandes und konkret sogar zur Vernichtung von Menschenleben – das stört niemanden.

Es gibt wenige Stimmen aus der Wirtschaft, die dazu passende Kommentare abgeben, wie hier der Unctad Chefökonom Flaßbeck in Capital:

Die Hoffnung, durch Finanzanlagen schnell reich zu werden, muss zerstört werden. Denn sie führt immer wieder zu neuen Krisen, die unendlich teuer sind. Die Menschen müssen irgendwann wieder begreifen, dass man durch Finanzanlagen nicht automatisch reich wird. Man muss arbeiten. Es gab einmal eine Zeit, in der für junge, intelligente Leute klar war: Über etwas Praktisches, Wirkliches oder Technisches kann man reich werden. Aber nicht über Finanz­anlagen.

„Man muss arbeiten“ – das ist dem Chefökonom klar. Anderen ist klar, das es auch reicht, wenn andere für einen arbeiten: dann kann man selbst Einkommen in Höhe einer zweitausendjährigen Arbeitsleistung erzielen, ohne dafür auch nur einen Finger krumm zu machen.

Römische Imperatoren haben das genauso gesehen – und Rom geschah das gleiche, was uns droht, der komplette Untergang:

Obwohl Volkswirte schlechte Anleger sind, denn sie schauen viel zu weit voraus. Wenn man das System einmal halbwegs verstanden hat, dann weiß man: Es muss irgendwann crashen. Ein Banker würde mir wahrscheinlich zu Aktien raten, aber ich glaube, der nächste Crash kommt bald.

Und wer darf dann wieder die Zeche zahlen? Wissen wir doch genau.

Es gab einmal eine Zeit, in der für junge, intelligente Leute klar war: Über etwas Praktisches, Wirkliches oder Technisches kann man reich werden.

Was Flaßbeck damit sagen will: diese Zeit ist vorbei. Heute demonstrieren Leistungsträger jeden Tag in aller Öffentlichkeit auf allen Kanälen, das man mit Arbeit nicht reich wird, sondern arm – und krank. Reich wird man, wenn man zur Unterhaltung der Reichen Fussball spielt, Auto fährt, wie Günter Jauch den dummen Bürger vorführt, Zinssätze manipuliert oder mit Währungen handelt, die man gar nicht besitzt.

Das kann man als normaler Mensch gar nicht mehr verstehen – wir kommen ja auch ins Gefängnis, wenn wir Autos verkaufen, die wir nicht haben.

Man stelle sich nur mal vor, wie das Leben eines Michael Schuhmacher verlaufen wäre, wenn der Arbeiten gegangen wäre? Oder das von Christian Bittar – oder George Soros? Die hätten noch viele Jahrtausende Arbeit vor sich, um das zu verdienen, was sie jetzt bekommen haben.

Und da kann man doch sehen, das erwachsenen, gut gebildeten Menschen doch noch etwas anderes einfällt, als sich in die soziale Hängematte zu legen: durch Lug und Trug Milliarden machen, die allen anderen dann in der Tasche fehlen.

Wie bitte – soviel Geld ist das gar nicht?

Das sind über ZWEI BILLIONEN EURO – allein für Deutschland. Das ist das Vermögen der stetig wachsenden Millionärskaste in Deutschland (und es entspricht vollumfänglich der deutschen Staatsverschuldung) – und da ist garantiert keiner dabei, der es durch den klassischen sozialversicherungspflichtigen Job zu Reichtum gebracht hat – ausgenommen vielleicht ein paar von denen, die auf Kosten der Arbeitslosenversicherung  leben, siehe Focus:

An der Spitze will Weise handverlesene Leute sehen, die Erfahrungen im Ausland und in der Wirtschaft haben. Insgesamt 20 Millionen Euro zahlt die BA ihren außertariflich vergüteten Leistungsträgern („AT-Beschäftigte“) pro Jahr – von ihnen gibt es 240. Spitzenverdiener unter ihnen ist mit gut 200 000 Euro im Jahr der Herr über das weit verzweigte Datennetz der Behörde, Klaus Vitt, ein Profi mit jahrelanger Telekom-Erfahrung.

Fünf Jahre gut von den Versicherungsgeldern der Arbeiter gelebt – schon hat man seine erste Million. Weise selbst muss laut Gehaltsreport nur vier Jahre für seine erste Million arbeiten. Dafür werden dann Arbeitslosen die Leistungen gekürzt, für die sie vorher fleißig und großzügig in den Versicherungstopf einbezahlt haben, aus dem Frank Weise so großzügig schöpft und damit mehr verdient als die deutsche Bundeskanzlerin (siehe Wiwo), während seine Versicherungsnehmer aus lauter Not in Scharen in eine unsichere Selbstständigkeit abwandern: die Zahl der Solounternehmer ist in den letzten Jahren um 40 % gestiegen, siehe Spiegel, ein Drittel von ihnen lebt im Niedriglohnbereich – mit entsprechenden Rentenaussichten.

Jetzt verstehen wir aber, warum die Arbeitszwangbehörde ihren Bütteln so gute Löhne zahlt (aufgrund derer die Arbeitslosen so wenig Geld haben): die Botschaft, das Arbeitsverweigerung mit Hunger, Kälte und Obdachlosigkeit bestraft wird, muss mit Nachdruck unters Volk gebracht werden – denn das Volk weiß schon längst, das Arbeit arm und krank macht.

Nur ein paar Dilettanten glauben noch daran, das Arbeit frei macht – aber das war 1933-1945 auch schon ein falsches Versprechen.

Was wir tun müssen, ergibt sich natürlich aus der Sachlage: das Geld muss aus den Händen der Betrüger, Abzocker, Spesenritter, Behördengreifer und Spaßapostel wieder in die Hände jener, die echte Arbeit machen: eine Verdoppelung der Gehälter bei radikaler Kürzung der Arbeitszeit scheint angemessen – dann haben wir auch kein Problem mehr mit der Arbeitslosigkeit oder den „faulen Säcken“ in den sozialen Hängematten: wenn sich Arbeit wieder lohnt, wird man sich wundern, wie schnell die angeblich „Faulen“ auf einmal werden können.

Geld ist genug da. Zur Not können wir ja auch Yen verkaufen, die wir nicht haben – wir als Staat haben deutlich mehr Investmentkapital als George Soros, der nur mit seinem Familienvermögen von 15 Milliarden spekuliert.  Dann könnten wir vielleicht alle den alten Menschheitstraum der griechischen Philosophie leben, siehe Spiegel:

Für die griechischen Philosophen sind die Aufgaben, für die der Mensch „gemacht“ ist: Kontemplation, Wissenschaft, Politik. Oder anders: Nachdenken und philosophische Abhandlungen veröffentlichen. Der freie Mann besitzt große Ländereien, auf denen Tagelöhner und Sklaven die Arbeit verrichten.

Und wir haben heute Maschinen, die diese Arbeit verrichten. Nur deren Gewinn … wird anders verteilt. Schade auch, denn sonst könnte heute … jeder ein FREIER MANN sein – nicht nur die mit einem Mindestbarvermögen von einer Million Euro.

 

 

 

Mord im Jobcenter. Und versuchter Massenmord an Arbeitslosen. „Deutschland“ live 2012.

Freitag, 28.9.2012. Eifel. Es ist mal Zeit für ein paar klare Worte - zum Beispiel über uns. Dies hier ist ein Nachdenkmagazin - kein öffentlich-rechtliches Bauchpinselmagazin und auch kein privates Tittenformat. Hier sitzen Menschen, die zum Nachdenken anregen möchten - manche mit Worten, manche mit Bildern - und selten kommen auch kleine Filmchen ins Spiel. Weil wir wenige Menschen sind, ist der Hörfunkbereich noch unterrepräsentiert. Wir arbeiten daran. Wer aber zu den 1.08 Millionen Menschen gehört, die sich an diesen Ort begeben, muss damit rechnen, das hier klare Worte geäußert werden - Worte, die zum Teil gar nicht die Meinung der Redaktion sind - und in meinem Falle noch nicht mal immer die Meinung des Autors wiedergeben. Mit dem Artikel "Arbeit ist Scheiße" habe ich mir erlaubt, einmal das auszusprechen, was die überwiegende Mehrheit der Deutschen denkt. Viele Studien belegen das - obwohl morgens alle mit eingestanztem Dauerlächeln vor dem Chef erscheinen - vorbei die Zeit, an der man die eigene Meinung offen am Gesicht ablesen konnte. Dies ist eine moderne Form von Tyrannei - breitflächig unterstützt von Bauchpinselmagazinen und Tittenformaten (mit ihrer virtuellen Dauerbotschaft: wer nur fleißig genug ist, darf auch mal anfassen!). Die Politik weiß dass ... und hat deshalb "Druck" erfunden (ja, DRUCK, das kann man überall nachlesen, damals wie heute noch). Ein Regime, das Druck auf das Volk ausübt, das das Volk sozusagen "pressiert" - wie nennt man das? Nun - Tyrannei, Diktatur, Unrechtsstaat ... da haben wir viele Begriffe für, die alle eins besagen: dort, wo die Regierung das Volk auspresst, herrscht schon lange keine Gerechtigkeit mehr - und die Demokratie ist weit weit fort, denn sie steht immer und überall für die Werte "Freiheit", "Gleichheit" und "Brüderlichkeit". Dort ist für Erpressung kein Platz.

Freitag, 28.9.2012. Eifel. Es ist mal Zeit für ein paar klare Worte – zum Beispiel über uns. Dies hier ist ein Nachdenkmagazin – kein öffentlich-rechtliches Bauchpinselmagazin und auch kein privates Tittenformat. Hier sitzen Menschen, die zum Nachdenken anregen möchten – manche mit Worten, manche mit Bildern – und selten kommen auch kleine Filmchen ins Spiel. Weil wir wenige Menschen sind, ist der Hörfunkbereich noch unterrepräsentiert. Wir arbeiten daran. Wer aber zu den 1.08 Millionen Menschen gehört, die sich an diesen Ort begeben, muss damit rechnen, das hier klare Worte geäußert werden – Worte, die zum Teil gar nicht die Meinung der Redaktion sind – und in meinem Falle noch nicht mal immer die Meinung des Autors wiedergeben. Mit dem Artikel „Arbeit ist Scheiße“ habe ich mir erlaubt, einmal das auszusprechen, was die überwiegende Mehrheit der Deutschen denkt. Viele Studien belegen das – obwohl morgens alle mit eingestanztem Dauerlächeln vor dem Chef erscheinen – vorbei die Zeit, an der man die eigene Meinung offen am Gesicht ablesen konnte. Dies ist eine moderne Form von Tyrannei – breitflächig unterstützt von Bauchpinselmagazinen und Tittenformaten (mit ihrer virtuellen Dauerbotschaft: wer nur fleißig genug ist, darf auch mal anfassen!). Die Politik weiß dass … und hat deshalb „Druck“ erfunden (ja, DRUCK, das kann man überall nachlesen, damals wie heute noch). Ein Regime, das Druck auf das Volk ausübt, das das Volk sozusagen „pressiert“ – wie nennt man das? Nun – Tyrannei, Diktatur, Unrechtsstaat, Reich des Bösen … da haben wir viele Begriffe für, die alle eins besagen: dort, wo die Regierung das Volk auspresst, herrscht schon lange keine Gerechtigkeit mehr – und die Demokratie ist weit weit fort, denn sie steht immer und überall für die Werte „Freiheit“, „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“. Dort ist für Erpressung kein Platz.

Nun haben wir für diesen Artikel einen Kommentar erhalten, der mir besonders gefiel, ich möchte ihn hier nochmal zitieren (Schreibfehler sind entfernt worden):

Traurig
Das erwachsenen gut gebildeten Menschen nix besseres einfällt, als sich in die soziale Hängematte zu legen. Das ist schön einfach, das kostet keine Mühe. Mal abgesehen davon, das solche Artikel anderen Arbeitslosen, das Leben zur Hölle machen.

Herrlich, oder? Und so schön devot. Wahrscheinlich merkt es der Kommentator gar nicht. Was ist geschehen? Nun, einer wagte es auszusprechen, was alle denken: „Arbeit ist Scheiße“. Das ist auch der Grund, weshalb sie früher mal bezahlt wurde: die Umwandlung des menschlichen Wesens in einen Produktionsfaktor ist schmerzlich, weil sie seinem ganzen sozialen Wesen als freier Jäger und Sammler widerspricht – deshalb kriegt man ja auch Geld dafür.

Gut, jedenfalls früher. Heute ist das anders … heute bekommt man immer weniger, und wer Pech hat und wegen Geschlecht, Alter, Krankheit oder Erschöpfung aus dem System fällt, bekommt gar nichts mehr – soll aber trotzdem arbeiten. Das ist das Prinzip Hartz IV, die große Reform, die die damaligen linken Kräfte der Gesellschaft eingeführt haben. Hintergrund war die Annahme, das das Volk böse ist und nur in der sozialen Hängematte herumlungert. Diese Annahme ist schon eine Unverschämtheit einer Kaste von Berufspolitikern, die in ihrem Leben weitgehend nur von anderen gelebt haben – aber ich verstehe, das ihnen diese Unterstellung schnell über die Lippen kommt: selbst liegen sie nur allzugern in der von Diäten prall gefüllten Hängematte – da bleibt es nicht aus, das man anderen immer und überall die gleiche Motivation unterstellt. Ebenso unverschämt ist es, das sie im Weiteren die Versicherungsgelder für sich einbehalten haben (eine Sauerei, die jetzt die Krankenkassen nachmachen: Beiträge kassieren ohne Gegenleistung bringen zu müssen: ein Paradies für jeden Halsabschneider bzw. Renditejäger) und aus jedem Arbeitslosen einen Sozialfall gemacht haben. Gleichzeitig wurden die Schmierfinken von der Leine gelassen, seelenlose Lohnschreiber, die in alter „Stürmermanier“ über jeden herfallen, der ihnen von ihren Bossen aufs Tablett gelegt wird: der Arbeitslose wurde diskriminiert wie früher nur Ausländer, Juden oder Farbige in den USA … was, nebenbei, auch ein deutliches Licht auf den „demokratischen“ Zustand unserer Gesellschaft wirft.

Er wurde kriminalisiert bis zum geht nicht mehr, mit der Kamera bis ins Schlafzimmer verfolgt, wo die Behörde Art und Anzahl der Unterhosen  zählte, die um das Bett herum verteilt waren. Gleichzeitig wurde der entrechtete Arbeitslose auch enteignet: die Täter wussten ganz genau, das es sich bei den Arbeitslosen nicht um chronische Sozialfälle handelte, sondern um fleissige sparsame Menschen, die was auf der hohen Kante hatten: Wohneigentum, Versicherungen, Sparbücher, Altersvorsorge: auf all das wurde hemmungslos zugegriffen, das Gesetz lies dort kein Schlupfloch zu – sogar die Weihnachtsgeschenke von Oma für die Kinder oder die Arbeitslöhne der Kinder fürs Zeitungsaustragen wurden einkassiert. Diese vernichtende Brutalität gegen eine willkürlich ausgewählte Gruppe der Bevölkerung fand medial nur ein geringes Echo. Von den großen Medien erlaubte sich nur der Stern eine Kritik zu veröffentlichen – eine Kritik, von der sich der Chefredakteur im Vorwort gleich distanzierte: Arno Luik´s Artikel über den Putsch von oben vom 21.10.2004 sprach mutig aus, worum es damals ging:

„Notwendige Reformen“, die „ohne Alternativen“ sind – dieses Reden hat einen totalitären Charakter. Ein Verdacht: Die Reformer argumentieren so apodiktisch, weil sie genau wissen, mit dieser Politik zertrümmern sie so ziemlich alles, wofür die „Soziale Marktwirtschaft“ der Bundesrepublik Deutschland einst stand: ein sozialer Staat, der dafür sorgte, dass die privaten Risiken Alter, Arbeitslosigkeit, Krankheit grundsätzlich kollektiv abgesichert wurden. „Modell Deutschland“ nannte das voller Stolz der sozialdemokratische Kanzler Helmut Schmidt

Das war das Ende der Bundesrepublik Deutschland, eingeleitet durch eine feindliche Übernahme der DDR, die damals so keiner wollte. Aber dieser offensive Schritt hatte soviel Staub aufgewirbelt, hinter dem man ganz schnell ein neues Deutschland aufbauen konnte: den BankenRettungsDienst. Man gewöhnte sich durch die Affären der Treuhand schnell daran, das kriminelles Vorgehen, Vetternwirtschaft und hemmungslose persönliche Bereicherung zum ethischen Standard in Politik und Wirtschaft geworden waren – und man konnte sich vorstellen, in welcher Form Staat das enden wird: in einem Staat, der zum Feind seiner Bürger wird und die Gelder der Bürger nicht als deren treuhänderisch zu verwaltendes Vermögen ansieht, sondern als Beute eines besonders cleveren Raubzuges.  Wahrscheinlich verstehen sich deshalb Banker und Politiker so gut.

Und „Arbeit“, die früher Scheiße sein durfte (und schon immer war), war auf einmal … Pflicht. Ich möchte hier gerne mal auf einen anderen Kommentar zu dem o.g. Artikel hinweisen, in dem Karen mal die Wortbedeutung von ARBEIT ermittelt hat:

germanisch: arbaiþis, gotisch: arbaiþs, althochdeutsch: arapeit, mittelhochdeutsch: arebeit, arbeit = Mühe, Beschwernis, Leiden, wahrscheinlich gemeinsame Herkunft mit Altkirchenslawisch работа (rabota: Mühsal, Sklaverei)

das Wort war für Waisen ohne familiären Rückhalt, die sich als Mägde/Knechte verkaufen mußten um zu überleben …

Arbeit macht aus Menschen Roboter – jedenfalls solange, bis echte Maschinen die Arbeit übernehmen können. Und in einer Geldwelt erniedrigt sie uns zu Sklaven, die keine andere Wahl mehr haben, als sich jeden Tag ihres Lebens zu verkaufen – unter strenger Aufsicht des Staates.

Machen Sie nicht mehr mit, wagen Sie es, von ihren unantastbaren Menschenrechten wirklich Gebrauch zu machen … ja, dann droht der Entzug der Regelleistungen. Die Kontrollen greifen aber schon wesentlich früher: schauen Sie sich doch mal die Reaktionen in Ihrer Firma an, wenn sie mit Jesuskutte, Jesuslatschen, langen Haaren und Vollbart zur Arbeit erscheinen – als dem Outfit des Sohnes Gottes auf Erden, einer überall in diesem Land akzeptierten und respektierten Autorität. Sie werden schneller Leistungsempfänger, als Sie bis drei zählen können – dabei haben Sie noch gar nicht die angefangen, die „frohe Botschaft“ zu verkünden.

Weil Arbeit Beschwernis, Mühe und Leiden bedeutet (man sieht, die Erfinder dieses Wortes kannten noch Arbeit aus eigener Anschauung – anders als unsere politischen Marionetten der Hochfinanz) wird sie in der Regel nicht als angenehm empfunden. Wenn der Staat aber mit Gewalt darauf besteht und großen Druck auf Menschen ausübt, sich in ein Gefilde zu bewegen, in dem Beschwernis, Mühe und Leiden warten, so kann man sich vorstellen, das es irgendwann irgendwo mal knallt.

Meistens knallt es heimlich still und leise auf einem Hochstand im Wald oder im Keller des so geliebten Einfamilienhauses, für das man vierzig Jahre unermüdlich geschuftet hat. Davon erfahren wir weniger. Manchmal knallt es aber auch in der Behörde – wie jetzt. Ich habe eine Weile gewartet, um diesen Artikel zu schreiben, weil ich wissen wollte, wie die Medien den Täter beschreiben. Was werden sie aus ihm machen? „Achmed“ ist nun ein schon verdächtig klingender Name – leicht hätte man auf die Idee kommen können, das Al Kaida (eine der vom CIA finanzierten Rogue Groups) im Spiel ist der jahrelang angekündigte moslemische Terror endlich Deutschland erreicht. Heute kann ich sagen: man hat sich aus politischen Gründen gegen den Moslem und den Migrationshintergrund entschieden, sondern lieber nochmal gegen den deutschen Staatsfeind Nr. 1 geschossen: den Arbeitslosen.

Die deutsche Polizeigewerkschaft weiß, worum es da geht, hier zitiert aus dem Spiegel:

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hingegen hält die Übergriffe nicht für unvermeidbar. „Wenn es um die Existenz geht, dann sind Kurzschlusshandlungen aus Wut und Verzweiflung alles andere als unvorhersehbar“, so der nordrhein-westfälische DPolG-Landesvorsitzende Erich Rettinghaus.

Für Arbeitslose geht es beim Jobcenter nicht nur um Zuschüsse für einen Kühlschrank (nein, so etwas gibt es nicht wirklich – ist nur eine Illustration) sondern um DIE NACKTE EXISTENZ. Immer wieder, jeden Tag. Und die so von der Politik „zerdrückten“, „beraubten“ und hilflos gedemütigten Menschen werden betreut von Mitarbeitern, die aus den Privatisierungsorgien von Bahn und Post übrig geblieben sind … und nicht unbedingt deutlich viel mehr verdienen als die Arbeitslosen selbst.

Seit diesem Tag ist jedem Jobcentermitarbeiter bewusst, das er in Lebensgefahr schwebt. Der Arbeitgeber sieht das ähnlich – als Reaktion auf diesen Einzelfall sollen jetzt bundesweit alle Jobcenter umgebaut werden (ja, dafür ist immer Geld da – die Bauwirtschaft braucht Aufträge im Gegenzug für Parteispenden) – in Zukunft soll auch noch ein zweiter Angestellter bei vertraulichen Gesprächen  mitlauschen dürfen.

Das Motiv des Täters? Gehe ich nach den Schilderungen des Focus, würde ich sagen: die übliche massive psychische Zerrüttung, die man bei Jobcenterkunden antrifft, die jahrelang in einem superreichen Land um ihre nackte Existenz fürchten müssen. Bei jeder Einladung, jedem Mitarbeiterwechsel immer die gleiche Furcht: hoffentlich kann ich die Auflagen diesmal noch erfüllen, bevor sie mir und meinen Kindern den Lebensberechtigungsschein entziehen, in dem sie die Regelleistungen streichen, hoffentlich gerate ich heute nicht an einen soziopathischen Idioten, der sich an meiner Ohnmacht weidet.

Vielleicht hat er aber auch nur einfach diesen Artikel bei „gegen-Hartz“ gelesen:

Wie erst jetzt bekannt wurde, verpflichtete das Jobcenter in Plauen Hartz IV Bezieher im Plauener Hammerpark zu arbeiten, um dort das Unterholz zu entfernen. Das Brisante: Stadtämter vermuten, dass in diesem Park noch zahlreiche Blindgänger-Bomben aus dem zweiten Weltkrieg lagern. Bevor jedoch der Kampfmittelbeseitigungsdienst anrückt, sollten die insgesamt neun als Ein-Euro-Kräfte eingesetzten Hartz IV Bezieher das Unterholz entfernen. Wer sich weigert entsprechende Maßnahmen seitens des Jobcenters durchzuführen, muss mit massiven Sanktionen in Form von Leistungsentzug rechnen.

Das ist in meinen Augen versuchter Massenmord. So etwas gibt es in Diktaturen in Südostasien, die unliebsame Mitbürger zum Minenräumen über Minenfelder laufen lassen – und das dieses in diesem unserem deutschen Lande wieder möglich ist, zeigt deutlich, wie weit wir schon von der alten demokratischen Grundordnung entfernt sind, wie brutal und grausam unser Asozialstaat schon geworden ist.  Die Grausamkeit wird sich jetzt auch im Weiteren zeigen: das Opfer hinterläßt einen Mann mit einem kleinen Kind – zwei weitere Opfer der Folgen sozialdemokratischer Arbeitsmarktpolitik.  Was den Opfern jetzt droht?

Nun: Hartz IV. So sozial ist unser Staat. Der Mann des Opfers ist zukünftig alleinerziehend und steht damit ganz vorne in der Arbeitslosenschlange. Das Kind – das hören wir oft genug – hat fortan nur noch ganz geringe Chancen, aus dem Hartz-Ghetto zu entkommen.

Der Täter hat alle Strafe des Gesetzes verdient – ich denke aber, das man letztlich auf „nicht zurechnungsfähig“ plädieren wird. Arbeitslosigkeit macht krank: körperlich wie psychisch. Eigentlich betreuen deshalb Jobcenter größtenteils Kranke – ohne dazu allerdings die notwendigen Perspektiven und Ausbildungen zu haben.

Dem Opfer jedoch – gebührt ein bundesweiter Gedenktag, wie man ihn nennen soll, weiß ich noch nicht. Tag der Schröder/Fischer-Opfer? Tag der Hartz-Toten? Tag der Renditeleichen? Kann sich ja mal jeder selbst Gedanken drüber machen.

Und die Familien der beiden … für die kann man in diesem Land nur noch beten.

Soweit sind wir wieder.

Doch seien wir fair: der Staat tut was für die Familien: beide kriegen jetzt den Alleinerziehendenzuschlag, jene Prämie, die der Staat jenen Menschen zahlt, die sich von ihrem Partner trennen. Warum man dafür Boni bekommt, habe ich noch nicht verstanden – aber es ist so.

Was ich mir für die Zukunft wünsche ist eine Gesellschaft, die die politisch Verantwortlichen für diese Zustände ihrer gerechten Strafe zuführt. Gibt es eigentlich noch „schweren Kerker“? So mit Steinbrucharbeit und allem?

Sicher haben wir aber noch mehr scharfe Bomben, die geräumt werden müssten … da wäre es nur fair, das die Täter auch mal Hand anlegen.

Für die meisten dieser Krawattenkomödianten wäre dies das erste Mal in ihrem Leben, das sie echter Arbeit begegnen.

 

 

 

 

 

 

Arbeit ist Scheiße.

Arbeit ist Scheiße.

Mittwoch, 26.9.2012. Eifel. Die Verwendung von Kraftausdrücken in der deutschen Sprache ist weitgehend unerwünscht.  Sie widersprechen der natürlichen Vornehmheit des deutschen Menschen, der sich zivilisiert dünkt und dies gerne auch nach außen durch ein kontrolliertes Verhalten kundtut. Immerhin will man ja nicht mit den Plebs, dem Mob oder dem Pöbel gleichgestellt werden.  Letztere bilden die Mehrheit des Volkes. Oh – ich vergaß: der Mensch beginnt in Deutschland erst ab 1.000.000 Euro Barvermögen. Alles darunter ist „sozial schwach“. Es ist natürlich kein korrekter Gebrauch der deutschen Sprache, Menschen, die nur wenig Geld haben, gleich als sozial schwach zu bezeichnen. Sie können ja trotzdem liebevoll mit ihren Kindern umgehen, respektvoll ihre Eltern im Alter pflegen, einen hohen Grad an Hilfsbereitschaft innerhalb ihres sozialen Umfeldes bilden und ein angesehenes Mitglied der Gemeinde sein, wie es so schön heißt. Sie haben halt nur wenig Geld, so, wie es sich für gute Christen, die ins Himmelreich kommen wollen, halt geziemt. Gerade eine christliche Gesellschaft sollte der Armut deshalb einen gewissen Respekt zollen, kann sie doch Ausdruck sein für einen Ausbund an hohen Werten, die vielleicht sogar bewusst auf den Mammon verzichten.  Umso verstörender ist es, wenn eine sich zum Christentum bekennende Nation die zudem als Volk der Dichter und Denker galt im Gebrauch ihrer Worte so unschicklich ist – andererseits aber das gemeine Kraftwort, das ja bekanntermaßen auch den Emotionen Ausdruck verleihen soll,  so gering achten.  Wenden wir uns aber nun dem zentralen Thema zu, dem wir dieses Kraftwort gewidmet haben: der Arbeit.

Um Arbeit ranken sich viele Mythen und Legenden – die christliche Wertegemeinschaft hat sie sogar als Fluch verstanden. Ist halt nicht angenehm, bei Wind und Wetter den ganzen Tag auf dem Feld zu stehen, um die Ernte einzubringen. Nicht angenehm, aber notwendig. Und immerhin: man ist den ganzen Tag an der freien Luft, verbringt ganz viel Zeit mit seinen Kindern, seinen Freunden, seiner Frau, seiner Familie, Zeit, die die Arbeit doch sehr erträglich machen. Ausserdem hat man das Ziel der Arbeit ganz klar vor Augen: Nahrungsmittel gewinnen, die einem helfen, den Winter zu überstehen.  Gut, essen umsonst frei Haus wäre wahrscheinlich angenehmer, ist aber leider gerade nicht im Angebot. Diese Form von Arbeit ist heute für viele schon ein Traum – ein Traum vom guten Leben, denn was uns blüht, war noch um vieles schlimmer als der biblische Fluch.

Im 18. Jahrhundert begann eine Bewegung, die heute den gesamten Planeten in ihrer Gewalt hat: der Mensch emanzipierte sich von der Kirche, wurde sich seiner eigenen Kraft bewusst und fing an, Maschinen zu erschaffen. Die ersten waren noch primitiv, einfach und kamen ohne menschliche Hilfe überhaupt nicht aus. Darum brauchten Fabriken und Banken den Menschen. Viele Werber zogen übers Land, um die ständig unzufriedene Jugend in die Städte zu locken: dort gab es nackte Frauen, scharfen Schnaps, Essen im Überfluss, keine Regeln und keine nervigen Eltern … man musste nur eins werden mit der Maschine, jene Teile durch Fleisch ersetzen, die noch nicht Metall sein konnten. Natürlich hatten die Werber gelogen – zwar boten die Städte Unterhaltung im Übermaß, aber es gab dort auch Preise, die sich nur jene leisten konnten, die uneingeschränkten Zugriff auf das Geld hatten: Banker und Fabrikanten.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die Maschinen wurden immer perfekter, der Mensch wurde immer überflüssiger.  Manche merkten das früh – die Weberaufstände bezeugen den ersten Widerstand gegen die Maschinen – oder den ersten Widerstand gegen die Folgen der Globalisierung. Später wurden sogar Revolutionen daraus – da die aber eher Kirchen niederrissen als Maschinen, änderte das an der Zerrüttung der menschlichen Gemeinschaft wenig. Gut – Arbeit wurde auf einmal Wert geschätzt, die übliche Einstellung der wirklich sozial Schwachen, das Arbeit Menschen schmutzig mache und ihrer nicht würdig sei, war schon bald veraltet: Arbeit wurde im dritten Reich sogar „geadelt“ – ein Begriff, der jenen Menschen eine besondere Bedeutung verleihen soll, die an sich nichts Besonderes aufweisen können: die ganze europäische Adelsklasse lebte gut von dem Schwindel. Bis ins späte zwanzigste Jahrhundert hinein hielt sich auch noch die Überzeugung, das man für Arbeit auch eine gewissen Entlohnung in Form von Geld bekam, die es auch jenen Menschen, die die ganzen Waren produzierten, erlaubte, ein wenig von der kunterbunten Warenwelt für sich zu behalten. Diese Überzeugung änderte sich jedoch im 21. Jahrhundert vollständig, die Maschinen waren inzwischen so perfekt, das man nur noch einen Bruchteil der Menschheit für die edle Arbeit hatte … und wie war diese Arbeit zu etwas völlig entmenschlichtem verkommen.

„Arbeit ist Scheiße“ – war die Überzeugung der ganzen zivilisierten Menschheit querbeet. Jeder wusste, das es für den Menschen als biologisches Wesen nicht natürlich ist, weit vor Sonnenaufgang aufzustehen, sich täglich einem mechanisch anmutenden Prozess (duschen, ankleiden, frühstücken, Zähne putzen, Bahn – oder Auto fahren) zu unterwerfen, der wider all seiner natürlichen Lebensgewohnheiten war. Im Anschluss an diesen Prozess war Käfighaltung vorgesehen: ein ständig wachsender Teil der Bevölkerung verbrachte einen Großteil des Tages in klimatisierten Räumen, abgeschottet vom natürlichen Licht, gehalten wie Legehennen und auch ausgestattet mit einer ähnlich geringen Bewegungsfreiheit. Selbst das übliche „arrangieren“ mit den Umständen gelang dank McKinsey nicht mehr: harmlos klingende „Zielvereinbarungen“ forderten gegen jede Vernunft eine jährliche Leistungssteigerung um 10 %. Jedem geistig klar denkenden Menschen ist klar, das so etwas bedeutet, das man in zehn Jahren für das gleiche Geld die doppelte Arbeit leisten musste – bei gleicher Arbeitszeit, was auch bedeuten kann, das momentan alle nur mit halber Kraft arbeiten.  Jedem geistig klar denkendem Menschen ist auch klar, das das nicht zu schaffen ist, das er irgendwann an dem mehr und mehr und mehr an Arbeit zerbrechen muss. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf einen weiteren Aspekt des Arbeitsalltages, den Umgang mit den Kollegen. Anders als früher, auf dem Feld, wo man den ganzen Tag im Kreise seiner Lieben verbringen durfte, war man jetzt nur mit Fremden zusammen – Fremden, die Feinde waren, darauf hofften, das der Nebenmann früher als man selbst ins Gras biss, weil das die eigene Zugehörigkeit zur Firma noch verlängerte.

Das führte zu eigenartigen Erscheinungen im Selektionsprozess, der selbst schon durch das firmeninterne Rating und Ranking unterträglich genug war: nun wurden auch Kleidung, Frisur, Körpergeruch und Maniküre beurteilt, was oft genug dazu führt, das Menschen miteinander im Bett landeten, die sich eigentlich „gar nicht riechen konnten“, das aber unter den Parfümwolken nicht erfahrbar war. Geld für das eigenen Leben, für das, was man wirklich für sich selbst brauchte, gab es immer weniger: man musste ja „den Anforderungen genügen“.

Zudem war natürlich allen klar, das Arbeit ein völliger Scheiß war: jeder, der nur ein bisschen Grips im Kopf hatte, investierte den um ihr zu entkommen. Ganz größenwahnsinnige Konstrukte wurden erschaffen, um sich mit Hilfe magisch anmutender mathematischer Formeln einen Reichtum auszurechnen, der einen selbst von der Arbeit befreite und die drei nächsten Generationen gleich mit. Nebenbei bemerkt war dieser Trend auch die Ursache für den Begriff „sozial schwach“ – denn jene Bewegung, die nichts anderes im Sinn hatte, als sich mit Hilfe vieler Tricks und Kniffe (meist: „Zinsen“ genannt – oder „Markt“) selbst unendlich auf Kosten anderer bereichern wollte, war in der Tat an der menschlichen Gemeinschaft überhaupt nicht mehr interessiert und galt zurecht als sozial schwach – clever, wie sie waren, haben sie dann den Begriff dann lieber schnell anderen umgehängt, bevor alle merkten, was gerade geschah.

Natürlich erzeugt ein solcher Zustand ein breites Unbehagen in der Bevölkerung, die Welt klärt aktuell darüber auf:

70 Prozent stimmten dabei sogar der Aussage zu: „Deutschland geht immer mehr den Bach runter.“

Sie kennen die Ursache für dieses Gefühl auch ganz gut:

Mehr als 60 Prozent befürchten, dass Deutschland zur Zwei-Klassen-Gesellschaft wird. Gleichzeitig fordern zwei Drittel, dem „allgemeinen Werteverfall“ den Kampf anzusagen.

Nun – dafür ist es wohl nun zu spät.  Durch die klaglose Akzeptanz eines jeden Arbeitsplatzes – sei er auch noch so gesundheitsgefährdend, nervtötend, lebenszeitraubend, langweilig oder völlig sinnentleert tun wir uns selbst Gewalt an – eine Gewalt, die man mit keinem Geld der Welt aufwiegen könnte – und erst recht nicht mit den aktuellen Mickerlöhnen. Wir vergewaltigen uns selbst, jeden Tag und mehrmals am Tag, um nur jenen heiligen Arbeitsplatz auszufüllen, der letztlich unsere Gesundheit ruiniert, unser Seele deformiert und unsere Psyche drangsaliert. Vergewaltigungsopfer sind aber keine guten Widerständler … sie ziehen sich abends schwer verletzt in ihre Wohnhöhle zurück und lassen sich von den immer dreister die Wirklichkeit verzerrenden Medien eine Welt vorgauckeln, die schon für ihre Eltern nicht mehr real war.  Noch schlimmer ist aber: wir nehmen den Vergewaltiger jeden Tag mit. Wir sind es ja selbst.

Dabei sehen wir wirklich, das Deutschland jeden Tag weiter den Bach heruntergeht. Nicht nur Deutschland – auch die Welt. Ein Blick in Auswüchse der westlichen Lebensgemeinschaft macht das deutlich: in Griechenland fordert die Troika jetzt „Massenentlassungen aus Prinzip“, 50 000 sollen es erstmal sein, die zusehen sollen, wie sie ohne Geld in einer Welt überleben, in der Geld=Essen ist (siehe Heise), da Griechenland aber ständig neuen Geldbedarf meldet (siehe Focus), dürften es bald mehr werden. Zunehmen dürfte auch der Abbau aller gesellschaftlichen Dienste – in Griechenland macht jetzt eine ganze Stadt zu (siehe deutsche Mittelstandsnachrichten), in den USA haben die ersten Städte kein Geld mehr für die Polizei (siehe deutsche Wirtschaftsnachrichten), dafür übertreffen die Selbstmorde dort jetzt die Anzahl der Verkehrstoten (siehe Gegenfrage).

Eine Zeit der Hochkonjunktur für Sozialrevolutionäre, möchte man meinen – aber nicht innerhalb eines Volkes von Vergewaltigern. Hierzu müssen erstmal Grundlagen geschaffen werden – und eine der wichtigsten Grundlagen ist die Erkenntnis, das Arbeit Scheiße ist (für dieses Kraftwort möchte ich mich gern sofort bei sensibleren Lesern entschuldigen, aber es ist hier einfach mal jenseits jeglicher guter Erziehung notwendig, Klartext zu reden).

Arbeit ist Scheiße. Das muss oberste Parole werden. Nicht arbeiten an sich – sondern DIE ARBEIT, die uns heute als solche verkauft wird, denn arbeiten: das tun wir jeden Tag. Spülen, kochen, Wäsche waschen, Betten machen, Eltern pflegen, Kinder erziehen, dem Nachbarn helfen, im Verein aktiv werden – sowas erledigen wir alle nebenbei: ohne Zeitdruck, ohne Leistungsdruck, ohne Anpassungsdruck und ohne Kündigungsdruck, oft sogar mit guter Laune weil begleitet von guter Musik, freundlichen Menschen und strahlendem Sonnenschein.

Arbeit ist Scheiße. Sie ist gesundheitsgefährdend, verhindert den gezielten Aufbau von Vermögen, das man aus Überschüssen der eigenen Arbeitskraft aufbaut (Überschüssen, mit denen andere gerade Kapital aufbauen), zerreißt die Familien, zerstört die ganze Sozialstruktur der menschlichen Gemeinschaft, was letztlich zur Erodierung des gesamten demokratischen Gemeinwesens führt – und zu enormen Kosten im sozialen Bereich.

Um das  zu erkennen, muss man das aber einfach mal mutig formulieren: Arbeit ist Scheiße.

Durch ARBEIT dringt der FEIND ins LEBEN – darum mal ein Hoch auf jene Menschen, die freiwillig in Hartz IV gehen, um dem Feind zu entfliehen. Einen davon habe ich jetzt kennengelernt – und ich möchte ihn nur kurz anonym zitieren (anonym, damit er nicht verfolgt wird wegen seiner Lebensphilosophie – ich denke, dieser Schritt ist in Deutschland 2012 notwendig):

Ich war z.B. freiwillig H4. Das war mir alle male lieber als mich unter Idioten in idiotische Strukturen einzuordnen, da kannst nicht genug Geld bekommen um den Lebensverlust nur andeutend auszugleichen …

Es waren mal schöne Zeiten als Politiker und Gewerkschafter solche Wahrheiten offen aussprechen konnten – lang ist´s her.

Und ein Hoch auf jene Menschen, die die Arbeit fliehen, um arbeiten zu gehen: zwei kann man da gerade auf ihrer mühsamen Reise durch Mexiko begleiten, zwei deutsche Frauen Mitte vierzig (also jenes Alter, wo das Verfallsdatum für den Arbeitssklavenmarkt schon weit überschritten wurde), die einfach ihre Sachen gepackt haben und nach Mexiko gezogen sind: Güeras in Mexiko lautet der Blog, in dem sie regelmäßig über ihre Abenteuer berichten … jedenfalls so lange der Computer nicht geklaut wird. Aktuell sind sie – soweit der Redaktion bekannt ist – in Peru und arbeiten dort: pflanzen für eine bessere, nachhaltigere, gerechtere Welt – Plan Verde genannt. Ich habe mal gefragt, warum sie das gemacht haben. Die Antwort fand ich … beeindruckend:

Wir möchten andere Formen des Zusammenlebens leben, wo nicht ständig nur das „Gesetz des Stärkeren“ regiert. 

Weiß eigentlich noch einer, das diese Form des Zusammenlebens unsere ureigenste menschliche Form ist? Deshalb haben wir Stadt und Staat gegründet, um dem Recht des Stärkeren zu entkommen – und jetzt dulden wir es mitten unter uns, nur weil es durch Arbeitszwang bzw. Geld ausgeübt wird?

Natürlich können nicht alle auswandern – für viele wird das jedoch die einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in sozialer Verantwortung sein, die sie in ihrem Leben noch kriegen können, denn in Deutschland – das sehen ja auch die Meisten so – geht es beständig bergab.  Wir könnten uns aber auch einfach erstmal hinsetzen, und die Wurzel des Übels beim Namen nennen:

Arbeit ist Scheiße!

PS: Die Frauen auf der Flucht vor dem Gesetz des Stärkeren kann man im Übrigen untersützen: sie haben viel gearbeitet, um in einem eigens eingerichteten Shop eine Vielzahl von Produkten anzubieten, die ihren besonderen Reiz dadurch bekommen, das sie Teil eines Abenteuers sind. Ist doch bald Weihnachten – da sucht man doch immer etwas ganz besonderes.

Mir fehlt noch das T-Shirt mit dem Aufdruck Arbeit ist Scheiße – aber man kann ja nicht alles haben. Bei dem Wort Arbeit hätte ich gerne das Arbeitsamts-A, damit auch alle wissen, was gemeint ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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