Apokalypse

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Über die dringend gebotene „Entnazifizierung“ und die drohende Merkapolypse


Flickr-European People’s Party-CC BY 2.0 / facebook-Serge Menga

Nachdem unsere DIN-ISO-zertifizierten Leitmedien, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges  unter Schirmherrschaft der US Alliierten den Auftrag erhielten, Deutschland zu entnazifizieren und seine Einwohner zu fortschrittsgläubigen Konsumbürgern zu erziehen, diesen Auftrag erfolgreich ausgeführt hatten, machen sie nun das, was in Frankensteins Keller erschaffene Monster eben manchmal so tun, wenn der Tag lang ist: Sie beginnen, ihre eigenen Herren, denen sie dienen sollten, in den Würgegriff zu nehmen und ihnen den Garaus zu machen.

So haben wir heute das historische Paradoxon vor uns, dass unsere Leitmedien in einem von Nazi-Denke bereits weitgehend befreiten Land nun selbst eine Neo-Nazifizierung in biblischem Ausmaß in Gang gesetzt haben. Das Etikett „Nazi“ wurde in den letzten beiden Jahren schneller gedruckt und verteilt als dies die EZB derzeit mit den Euroscheinen praktiziert. Die Bild-Zeitung, die bisher gerne „Wir sind Weltmeister“ und „Wir sind Papst“ getitelt hat, müsste heute eigentlich titeln: „Wir sind Nazi!“

Jeder, der irgendwie eine von der Merkel-Regierung abweichende Meinung hat (also nach vorsichtiger Schätzung eine zweistellige Millionenzahl an Deutschen ) ist nämlich – Nazi! Es hat wohl nicht einmal zu Zeiten des „Führers“ so viele „Nazis“ gegeben wie heute, denn der überwiegende Teil der Bevölkerung hat von der Merkel’schen Politik inzwischen die Nase gestrichen voll. Nehmen Sie sich also in Acht und trauen Sie keinem über den Weg: Mindestens jede zweite Oma, die ihnen auf der Straße begegnet – eine Nazi!, jede zweite Aldi-Kassiererin, bei der Sie Ihre Milch einkaufen – eine Nazi! Der mürrisch dreinschauende Mann hinterm Maronibrater: womöglich ein Nazi!

Zu aller Ernüchterung über die dunkeldeutsche Volksseele ist nun auch noch die Wahrheit über ehrenamtliche Sozialhelfer bei der Tafel herausgekommen: fiese Nazis, die dort Essen austeilen! Mit der Begründung, dass gebrechliche Rentner und alleinerziehende Mütter von jungen Flüchtlingen im wehrfähigen Alter beim Anstellen um das Essen zur Seite gedrängt würden („Wenn wir hier um 9 Uhr die Tür aufmachen, dann wird die Oma, die seit 7 Uhr da steht, weggeschubst“), hatte die Essener Tafel beschlossen, nur noch Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen. Es folgte ein medialer Sturm der Empörung, in dem der Tafel-Vorsitzende Jörg Sartor und seine 120 ehrenamtlichen Mitarbeiter als Rassisten und Nazis beschimpft wurden. In der Nacht zum Sonntag wurden mehrere Fahrzeuge und das Gebäude der Tafel mit den Worten „Nazis“ und „Fuck Nazis“ beschmiert (siehe Foto oben).

Auch die empörte Kanzlerin rügte die Tafel umgehend für ihre Entscheidung. Die regierungstreuen Leitmedien – deren Gewogenheit sich die GroKo soeben dadurch gesichert hat, dass sie den Arbeitgeberanteil an der Rentenversicherung für Zeitungsausträger von 15% auf 5% gekürzt hat (siehe nachdenkseiten)-, akkordieren die Rüge der Kanzlerin durch ein Feuerwerk an empörter Berichterstattung. Der Spiegel ließ in kurzer Folge gleich drei Artikel vom Stapel laufen, in dem die Essener Tafel für ihre Entscheidung verurteilt wird, der Focus titelte: „Essener Tafel-Chef zeigt keine Reue – Aufnahmestopp für Ausländer“ (siehe focus) und auch im ARD-Morgenmagazin wird daran gemahnt, dass  „Not und Bedürftigkeit im Vordergrund stehen müssen, nicht die Nationalität“.

Der Tafel-Vorsitzende Sartor verteidigte seine Entscheidung, obwohl ihn der auf ihn ausgeübte Druck „kurz vors Hinschmeißen“ gebracht habe („Im Moment macht mir Berlin die Hölle heiß“ / Quelle: t-online). Das Beispiel Sartors zeigt allerdings, dass es sich lohnt, einem merkelmedialen Shitstorm standzuhalten. Denn inzwischen hat sich die Stimmung deutlich gedreht. Nicht nur von Seiten der alternativen Medien kommt nun Empörung über die heuchlerische Haltung der Kanzlerin und der sogenannten „Antifa“ (zu deren obskurem Treiben siehe auch Nachrichtenspiegel)  zum Ausdruck – siehe auch das innerhalb kürzester Zeit 2,4 Millionen mal geteilte Statement des Kongolesen Serge Menga, für das er auf Facebook gesperrt wurde (noch abrufbar via YouTube). Jörg Sartor wird auch die Nazi-Aufschriften auf den LKWs nicht entfernen: „Die Lkws sollen durch die Stadt fahren, das sollen alle sehen!“

Indem sich zunehmend mehr Menschen für die realen Umstände der Essener Tafel interessierten,  ließ sich die Direktive von Merkel und ihren Berliner Maasmännchen schließlich nicht mehr länger aufrechterhalten, die Leitmedien rudern inzwischen zurück, im Spiegel schwingt sich Jakob Augstein sogar zu einer scharfen Kritik an der Abgehobenheit der Kanzlerin auf und empfiehlt ihr, zum vorliegenden Thema besser zu schweigen. Ihre Flüchtlingspolitik bezeichnet er ganz unverblümt als „Katastrophe“ (Quelle: Spiegel).

Wie auch Rüdiger Lenz in einem schonungslosen Kommentar auf KenFM beschreibt, hat Merkels konzeptlose Grenzöffnung, die in einem erodierenden Sozialsystem nun die Ärmsten der Armen auf der existenziellen Ebene aufeinanderprallen und um Essen und Wohnungsplätze streiten lässt, Gruppierungen wie AfD und Pegida erst den Boden bereitet („Sie bevorzugte damit ein Teile-und-Herrsche-Spiel und hat damit dieses Land derart gespalten, wie nie zuvor ein Kanzler dieser Republik es vermochte.“) Da auch diejenigen Parteien, die man bisher für die Opposition gehalten hatte, es sich mittlerweile in der politischen Sitzlandschaft bequem eingerichtet haben und keinen Pieps gegen Merkels eigenmächtige Politik der offenen Grenzen von sich gaben, haben sich nun eben andere Gruppierungen gefunden, die als Auffangbecken für die Empörung innerhalb der Bevölkerung dienen.

Menschen, die – aus nachvollziehbaren Gründen – Angst um Ihre Existenz und die Zukunft ihrer Kinder haben und daher gegen die Regierung demonstrieren, schnellfertig den Stempel „Nazi“ aufzudrücken und stattdessen den Kopf vor dem realen menschlichen Chaos, das man auf Regierungsebene zu verantworten hat, in den Sand zu stecken, wird sich womöglich als einer der schwerwiegendsten Fehler in der Nachkriegsgeschichte erweisen. Durch ein solch unreflektiertes Stigmatisieren lenken wir uns vor allem vor den wirklich faschistischen Tendenzen innerhalb unseres Finanz- und Wirtschaftssystems ab, das Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichnet, uns aber von Angela Merkel immer noch als Gutgehts-Wellnessprogramm verkauft wird. Wenn nun sogar diejenigen ins Visier der Nazi-Keule geraten, die eigentlich den letzte Kitt eines auseinanderfallenden Sozialsystems darstellen, indem sie sich in ihrer Freizeit dafür mühen, das auszubügeln, was die Regierung verursacht hat und dass die Ärmsten im Lande zumindest abgelaufenes Essen erhalten, dann beißt sich die Katze nun wirklich in den Schwanz.

Wir bräuchten also nicht nur eine Entmerkelung, sondern dringend auch eine zweite Entnazifizierung – diesmal wirklich „im Sinne des Wortes“: Unter der Ägide Merkels hat das Wort „Nazi“ einen dermaßen inflationären Missbrauch gefunden, dass es mittlerweile jeden Schrecken verloren hat. Bei Jung und Alt vernimmt man inzwischen: „Nazi? -Also, wenn das Nazi ist, dann bin ich auch Nazi.“

Theodor Adorno meinte: „Ich habe keine Angst vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.“ Waren Adornos Worte zu seinen Lebzeiten noch eine vage Unheilsahnung, so hat diese Ahnung heute bereits bedrohlich reale Formen angenommen: In einem offenen Brief warnen führende Konstrukteure der CIA-/NSA-Bürgerüberwachungsmaschinerie davor, dass wir gerade „schlüsselfertige Tyranneien“ errichten (Quelle: The Guardian).

Im Sinne Adornos täten wir also gut daran, die Nazi-Keule, mit der wir uns gegenseitig niederstrecken, wieder einzupacken und uns stattdessen auch mit denjenigen Mitbürgern wieder an einen Tisch zu setzen, die angeblich die Schmuddelkinder sind und die man mundtot machen möchte. Trotz aller Differenzen wird man im Dialog schnell sehen, dass man mit dem Anderen in Wirklichkeit sehr viel mehr gemeinsam hat als was einen von ihm scheinbar trennt. Die perfide Taktik ist es jedoch, bereits den Dialog bzw. ein Zusammenkommen zu unterbinden, indem man über massenmedialen Weg Ressentiments sät und solcherart die Bürger in einer Zeit, in der sie eigentlich zusammenhalten müssten, spaltet, isoliert und politisch marginalisiert.

Im Zuge dieser Manipulation wird immer noch das aus dem Mittelalter stammende Klischee bedient, das uns über Jahrhunderte in Angst und Schrecken gehalten und sich daher in unser Unterbewusstsein eingebrannt hat, auch wenn wir uns für noch so aufgeklärt und libertär halten: „Die Guten sind die, die sich der herrschenden Macht unterordnen (damals die Kirche), die Bösen und Verdammenswerten sind die Andersdenkenden (die Ketzer und Häretiker, heute: Querfront u. dgl.), die sich aus der herrschenden Meinung emanzipieren und eigenständig denken.“ – Wenn wir dieses inquisitorische Dogma sprengen, wäre unendlich viel ausgerichtet. In Wirklichkeit ist es nämlich dieses plumpe kirchliche Dogma, das in unserer Gesellschaft jegliche wirkliche Entwicklung blockiert und uns die individuelle Handlungskraft raubt. Dabei sind der Kaiser und der Papst heute nackt – niemand exkommuniziert und verbrennt uns heute mehr, wenn wir uns aus dem Mainstream emanzipieren! In Wirklichkeit ist es diese Emanzipation aus dem zur Normalität erklärten medialen Wahnsinn, der nun in der Merkapolypse zu enden droht, nach der wir uns aus unserem tiefsten Inneren heraus sehnen.

Wer sie trotz allem Gegenwind wagt, ist dem Abgrund der Merkapolypse und der Zombiefikation bereits fast schon entronnen.

„Wer etwas über das Leben lernen will, muss ins Kino gehen“ – Die Götterdämmerung 2018 und die kollektive Lust am Untergang

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Ein von der Todesgöttin Hel entfesselter dunkler Strudel steht am Firmament und will alles verschlingen (Marvel-„Thor: Ragnarok“ Offizieller Trailer/YouTube)

Künstler und Kreativschaffende hatten schon immer eine sehr feinsinnige Wahrnehmung für das, was sich als „Zeichen der Zeit“ gerade am Horizont abspielt, auch wenn dies für das Auge des fernsehenden Spiegelbildbürgers nicht direkt sichtbar ist. „Am Horizont leuchten die Zeichen der Zeit: Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit“, mit diesen Textzeilen fasste Reinhard Mey die Zeichen der Zeit schon vor einiger Zeit recht treffsicher in Worte (siehe „Das Narrenschiff“). Es waren allerdings noch vergleichsweise sozialromantische Zeiten, in denen Reinhard Mey diesen Text zimmerte. Inzwischen türmt sich am Himmel ein noch ungleich verheerenderes Zeichen auf, das alle bisherigen Zeichen in den Schatten stellt, alle Zukunftshoffnung zu ersticken droht und vermutlich die größte Herausforderung darstellt, vor der die Menschheit jemals gestanden hat – ein Zeichen, das von Kunstschaffenden wiederum relativ treffsicher aufgegriffen wird.

Noch niemals zuvor wurde in unseren Leitmedien mit solcher Leichtfertigkeit über die Möglichkeit eines nuklearen Erstschlags und über einen möglichen Schlagabtausch zwischen NATO und Russland, also über ein Game Over für uns alle, gesprochen. Doch selbst, wenn die Vernunft im gegenwärtigen Säbelrasseln die Oberhand behalten sollte und wir einem nuklearen Holocaust entgehen können, haben wir hundert Mittel an der Hand, uns trotzdem selbst den Garaus zu machen und uns ökologisch, wirtschaftlich, sozial, kulturell, technologisch, pädagogisch, sexuell und allgemeinmenschlich zu zerstören. Unsere Politiker und ihre neoliberalen Apologeten sind scheinbar wie wild zum Wahnsinn entschlossen, den sie euphemistisch „Fortschritt“ nennen und den sie um jeden Preis auf Schiene bringen wollen, obwohl der Grand Canyon, in den diese Schiene führt, bereits in Sichtweite ist. Wer sich dem zur Normalität erklärten Wahnsinn verweigert, gilt als Fortschrittsverweigerer und Querfrontler. Wie der Eifelphilosoph in seinem letzten Artikel feststellt, wäre entschlossenes zivilgesellschaftliches Engagement jetzt dringend vonnöten, um das Schlimmste zu verhindern, aber dennoch: eine unbegreifliche Lethargie hält uns darnieder und möchte uns jede Hoffnung rauben. Burnout und Angststörungen grassieren und greifen inzwischen sogar nach unseren Kindern, laut WHO-Statistik wird Depression demnächst zur Volkskrankheit Nr.1 avancieren – und das, obwohl uns der rasende technische Fortschritt doch angeblich zu strahlenden Menschen machen sollte. Wie man auch an den Wahlergebnissen sieht, haben wir uns an diesen Alltagswahnsinn und die chronifizierte Dunkelheit bereits so gewöhnt, dass wir diese für normal und alternativlos halten (siehe „Über die Logik des Gänsebratens“).

Anstatt uns gegen die Bedrohung aufzuraffen, scheint nun sogar eine gewisse Lust am Niedergang Platz zu greifen, die man nicht nur in den führenden Kulturevents zelebriert (siehe „Kulturtod 4.0“). Es ist nur allzu verständlich, dass wir uns lieber mit unterhaltsameren Dingen beschäftigen würden. Und ich weiß, dass es eine Zumutung ist, auf innere Realitäten hinzuweisen, wenn man sich sogar den äußerlich sichtbaren Realitäten beharrlich verweigert. Aber da 2017 unsere eigentlich stets um Entwarnung bemühten Wissenschaftler die ‚Doomsday Clock‘ (siehe „Bulletin of the Atomic Scientists„) um weitere 30 Sekunden vorstellen mussten und diese Uhr nun auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht – d.h. der symbolischen Apokalypse – steht, täten wir eventuell gut daran, zumindest für ein paar Augenblicke einmal den Blick auf diejenige dunkle Seite in unserem Wesen hinzulenken, die sich leider nicht nur bei Putin oder Trump verorten lässt, sondern die in jedem einzelnen von uns schlummert. Der feinsinnige UN Generalsekretär Dag Hammarskjöld spricht in seinem Tagebuch von einem „düsteren Kontrapunkt des Bösen, der in unserem Wesen, ja, von unserem Wesen, doch nicht unser Wesen ist“ und dass „etwas in uns die Katastrophe begrüßt und das Unglück sogar für die bejaht, zu denen wir halten“. Da wir diesen Teil in uns nicht im Auge behalten, sondern ihm vollkommen freie Zügel gelassen haben, hat er sich nun nach außen projiziert, verdunkelt den Himmel und versorgt uns mit pechschweren  Regenschauern, die jeden Ansatz von Konstruktivität zunichte machen wollen und alles zu ersticken drohen.

Zurück aber zum Film. Man mag der kunstschaffenden Avantgarde vorwerfen, dass sie heute in vielerlei Hinsicht exzentrisch, kommerzialisiert, dekadent und sonstiges sei, aber eines muss man den Kreativschaffenden unbedingt  lassen: Sie haben ein geradezu geniales Gespür für das, was momentan „in der Luft liegt“, thematisieren in ihren bildenden oder filmischen Werken also stets brandaktuelle Themen. Und genauso wie sich laut einer Umfrage inzwischen viele Bürger von Satireprogrammen wie Anstalt & Co. besser über das Zeitgeschehen informiert fühlen als durch die offiziellen Leitmedien, so kann man auch anhand von dem, was gerade filmisch inszeniert wird, ungemein Wichtiges über die globale Großwetterlage erfahren.

„Wer etwas über das Leben lernen will, muss ins Kino gehen“, meinte schon Kafka, der selbst ein passionierter Kinogeher war. Aktuell werden wir wieder aufgefordert, ins Kino zu gehen: „Thor: Tag der Entscheidung“ scheint einer der größten Kassenschlager aller Zeiten zu werden. In dem gestern in den Kinos angelaufenen Marvel-Epos sieht man den sonnenhaften Göttersohn Thor im Kampf gegen die Todesgöttin Hel, die nach jahretausendelanger Gefangenschaft wieder freikommt und nun nichts Geringeres einleiten will als Ragnarök, die Götterdämmerung – was gleichbedeutend wäre mit dem totalen Untergang der Welten rund um Asgaard & Co. Ihre Kräfte sind so gewaltig, dass zunächst nicht einmal der Götterheld Thor etwas gegen den von Hel ausgehenden dunklen Strudel, der die Sonne verdunkelt und alles in den Abgrund stürzen möchte, ausrichten kann. Wenn dieser alles erstickenwollende Strudel nicht aufgehalten wird, dann wäre das „das Ende von Allem“, bekommt man im Filmtrailer (siehe YouTube) von einer Stimme aus dem Off erklärt.


Hel, die Göttin des Todes wirft ihren Speer (Marvel-„Thor: Ragnarok“ Offizieller Trailer/YouTube)

136 Millionen Klicks erhielt der Trailer alleine innerhalb der ersten 24 Stunden nach seiner Veröffentlichung. 136 Millionen Menschen haben das cineastisch visualisierte Zeichen der Zeit also bereits vernommen, eine ganze Generation scharrt in den Startlöchern, um sich den gestern in den Kinos angelaufenen Film anzusehen. Auch wenn der Film selbst von den Disney-/Marvel-Studios relativ profan inszeniert ist, sollte man das Motiv der Menschen, die zu solchen Filmen in die Kinos strömen, nicht vorschnell profanisieren. Denn die Menschen, ob Jung oder Alt, sehen solche Filme nicht nur, weil sie nichts anderes zu tun haben, sondern weil sie von ihrem Inneren her einen tiefen Hunger nach Bildern haben, in denen sie etwas zu sehen bekommen, was den tieferen Ebenen des Zeitgeschehens und des Menschseins entspricht, was aber in unseren Leitmedien verbal nicht thematisiert wird.

Sie merken, dass ihnen ihre Politiker, die diese Leitmedien als ihr Sprachrohr benutzen, nicht die Wahrheit erzählen. Denn während besagte Politiker in ihren Wahlprogrammen irgendetwas von „einem Land, in dem wir gut und gerne leben“ memmeln, wird im Hintergrund eiskalt eine menschenverachtende neoliberale Agenda durchgezogen und sieht das Auge, egal wohin es blickt, überall nur, wie die Dinge mit rasanter Geschwindigkeit den Bach hinunter gehen. Der Bürger, der seiner ihn beherrschenden Obrigkeit aus einer archetypischen Anlage heraus immer noch so gerne vertrauen würde wie fürsorgenden Eltern, kann nicht mehr übersehen, wie er von den Regierenden verraten, verkauft und ihm das Fell über die Ohren gezogen wird. Er sehnt sich also nach Bildern, die ihm das Unfassbare zumindest auf unterbewusste Weise veranschaulichen.

Der Erfolg von Kassenschlagern wie „Matrix“ oder „Herr der Ringe“ erklärt sich durch nichts anderes, als dass durch die hierbei dargebotenen Bilder der Nerv der Zeit getroffen und archetypische Kräfte ins Licht gehoben werden, die im Unterbewussten des Einzelnen ebenso wie im von C.G. Jung zumindest bereits ansatzweise erforschten kollektiven Unterbewussten ihr Wesen bzw. ihr Unwesen treiben. Was in diesem Unterbewussten alles so west, wäre für die meisten ohne Vorbereitung bei Vollbewusstsein wohl nicht ertragbar, weshalb eine bildhafte Darstellung in Mythen und Sagen, oder eben im zeitgenössischen Medium des Films vielfach als die einzige akzeptable Darstellung erscheint, die breitenwirksam ins Volk einfließen kann.

Sigmund Freud war kurz vor seinem Tod fassungslos über die Dinge, die er in den Untiefen des Menschen ergründet hatte – unter anderem den Todestrieb Thanatos – und stammelte nur: „so viel Wahnsinn, so viel Wahnsinn…“. Der durchschnittliche Bürger ahnt das Ausmaß dieses Wahnsinns und scheut daher aus einer unbewussten Furcht heraus, den Deckel vom Topf  des Un(ter)bewussten zu heben, der aber heute bereits überkocht.

Dabei wäre die gute Nachricht: Dort im Unbewussten lauern nicht nur dunkle Kräfte, es gibt dort zum Glück auch viele lichte Kräfte bzw. konstruktive Antriebe, die den Menschen zu Liebe, Mitgefühl und Gewissen motivieren und die in Wirklichkeit viel stärker sind als die destruktiven Antriebe. Wenn man sich in diesen konstruktiven Kräften gründet, dann kann man es auch mit den alles verschlingen wollenden dunklen Kräften aufnehmen, so wie eben der Göttersohn Thor und seine Mitstreiter in der jüngsten Marvel-Verfilmung – der der Todesgöttin Hel am Ende schließlich doch noch den entscheidenden Tritt verpasst und damit die Götterdämmerung beendet.

Wäre auch schade, wenn die Menschen- und Götterevolution vorzeitig ein Ende gefunden hätte. Denn von der Thor-Saga sind laut Marvel-Studios insgesamt sieben Teile geplant und der aktuelle Film stellt erst Kapitel 3 dar. Mit einem Wort: Wir haben in der Evolution gerade Halbzeit – wenn wir es jetzt in der Halbzeit vermasseln, bloß weil wir gerade etwas müde geworden sind, dann verpassen wir womöglich die wichtigsten Episoden, die uns noch bevorstehen und das Happy End …

In diesem Sinne – damit wir nicht mit Hollywood enden -, zwei Verse aus dem Tagebuch von Dag Hammarskjöld:

„Wenn Morgenfrische der Mittagsmüdigkeit weicht,
wenn die Beinmuskeln vor Anspannung beben,
wenn der Weg unendlich scheint
und plötzlich nichts mehr gehen will, wie du wünschest –
gerade dann darfst du nicht zaudern.

(…)

Weiter! Welche Entfernung ich auch zurückgelegt,
sie gibt mir nicht das Recht, innezuhalten.
Weiter! Die Sorgfalt bei den letzten Schritten unter dem Gipfel
entscheidet über den Wert all dessen, was voraufgegangen sein mag.“


Nachsatz:


Kampf zwischen Walkyren und dem Heer der Todesgöttin Hel (Marvel-„Thor: Ragnarok“ Offizieller Trailer/YouTube)

Die Verfilmung des Mythos um Thor ist wie alles aus der Hollywood-Schmiede wieder einmal ambivalent: Einerseits bietet der Film archetypisch bewegende Bilder wie etwa den Kampf zwischen den Walkyren und dem dunklen Heer der Todesgöttin Hel (siehe oben), andererseits wurde mit dem ursprünglichen Gehalt der nordischen Göttersage, wie man sie von der Edda her kennt, arg Schindluder getrieben und diese bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Aus der jüngsten ORF-Rezension zum Film erfahren wir, dass der neuseeländische Regisseur Taika Waititi „die Göttersaga von unnötigem Ballast und Tiefgang befreit hat und sich ganz auf Schauwerte und Skurrilitäten konzentriert“, d.h., er den tiefen Sinn, der jeder Sage innewohnt, mit seinem Machwerk zu einem bananesken Action-Feuerwerk mit Hardrockhintermalung reduziert hat.

Schon im ersten Teil der Thor-Saga bewiesen die Marvel-Drehbuchschreiber ihren Willen zu sinnbefreiter Umdeutung der Edda, indem sie dem Erzbösewicht und Vater Lokis, Fárbauti, kurzerhand den Namen von Lokis Mutter, Laufey, verpassten. „Laufey“ klingt in den Ohren von Hollywoods Weinstein-Boys vermutlich einfach cooler. Während also bei Worten wie Ragnarök/Götterdämmerung, Thor, Odin ebenso wie Jotunheim – dem Reich der grausamen Frostriesen, die über die Menschheit eine neue Eiszeit bringen wollen -, dem nordischen Menschen in alter Zeit ein ehrfürchtiger Schauer über den Rücken gelaufen ist, so werden diese Namen in der Marvel-Comicschmiede nun mit nachdrücklicher Respektlosigkeit verhunzt und auf Teletubbie-Niveau heruntergeschraubt. Damit beim Zuseher keine Langeweile aufkommt, scheuten die Drehbuchautoren nicht einmal davor zurück, dem Göttersohn Thor das grüne Marvel-Comics Monster „Hulk“ als Kampfgefährten an die Seite zu stellen. Der Darsteller des Thor, Chris Hemsworth, beeindruckt durch das Chrisma eines Eishockeyspielers oder eines Barrista-Boys aus der Starbucks-Filiale von nebenan. Flotte Sprüche mit vorprogrammierten Lachern und Dauerexplosionen sorgen indes dafür, dass beim Zuseher keinesfalls Anflüge von Tiefgang oder Nachdenklichkeit aufkommen.

Ich empfehle also nicht, den Film anzugucken, da man genauso wie beim Essen alles was man sieht, ja auch verdauen muss. Bereits beim Ansehen des Trailers ergießt sich auf das Auge eine opulente Bilderflut, an der das Unterbewusste zumindest einige Tage zu kauen hat. Sieht man allerdings von der platten Hollywood-Inszenierung ab, dann ist das Thema selbst, das hier aufgegriffen und filmisch inszeniert wird, wieder einmal etwas, was zu 100% den Puls der Zeit trifft. Den sinnvollen Kern aus den immer reißerischer werdenden Hollywood-Produktionen herauszulösen, wird allerdings zunehmend schwieriger. Während sich der Geschichtenerzähler Michael Köhlmeier seinerzeit noch relativ leicht tat, in dem von Sylvester Stallone verkörperten Rambo nichts anderes zu verorten als eine etwas modernisierte Herakles-Heldenfigur, so wird die Aufrechterhaltung eines Heldenbildes in den neuen Hollywood-Produktionen zunehmend schwieriger, da es die Weinstein-Produzenten anscheinend gar nicht mehr ertragen, sich das Bild eines wirklichen Helden mit ritterhaften Tugenden vor Augen zu stellen. Man entwirft daher zunehmend zynische Anti-Helden mit fragwürdigen Charaktereigenschaften, lässt etwa den Superhelden Ironman im Film seine Popularität beim Volk fraglos ausnützen, indem er in Bars abhängt und Frauen abschleppt, lässt den Göttersohn Thor in einer Spelunke einen rumtrinken und anschließend mit seinen Saufkumpanen gröhlend durch die Straßen torkeln etc.

Eventuell tut man also besser daran, wieder die echte Edda aus dem Bücherschrank zu holen und in Muße ein paar Seiten darin zu blättern. Man wird sehen, dass sich dabei sehr viel lebendigere und schönere Bilder entwickeln als wenn man sich eine durch technisch perfekte 3D-Renderings brillierende Hollywood-Inszenierung vorsetzen lässt, die in Wirklichkeit die individuelle Phantasie beraubt. Ich kann mich noch gut erinnern, wie enttäuscht ich war, als ich nach dem begeisterten Lesen von J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“ – in meiner Jugendzeit noch ein literarischer Geheimtip – später dann die filmische Fassung zu sehen bekommen habe. Der Gandalf mit Trinkernase und profanem Gesichtsausdruck, den ich da zu sehen bekam, war im Vergleich zu der Heldenfigur, die ich beim Lesen des Buches in meinem Inneren aufgebaut hatte, ein arger Abstieg. Ich dachte mir: Wer zuerst den Film sieht und dann erst das Buch liest, ist dann bereits mit einer fixen Vorstellung behaftet, wie Gandalf und die übrigen Figuren der Mythologie aussehen. Dies einigen durchgeknallten Hollywood-Boys zu überlassen, ist eigentlich ein Raub der eigenen Vorstellungskraft. Gerade diese Vorstellungskraft brauchen wir heute aber dringend – um aus den Abwärtsgleisen der vermeintlichen Alternativlosigkeit auszubrechen und wieder den Weg aufwärts in eine menschenwürdige und nachhaltige Zukunft einzuschlagen.

 

Endzeit-Poesie 4.0: Der süße Brei


Fotos: cc by Parkwaechter

„Wozu, so fragt man sich, Reichtum, Wohlstand, Macht,
wenn alles dies den Menschen nur verflacht?“
(Christian Morgenstern)

Wohin man das Auge auch wendet, egal welchen Flatscreen man einschaltet, welches Presseblatt man aufschlägt oder welches Werbeplakat man anblickt – Helloween hat augenscheinlich übernommen. Der nackte Wahnsinn – manche mögen ihn auch Wohlstand oder Fortschritt nennen, da er sich dann leichter löffelt – steht uns nicht mehr nur bis zum Hals so wie in den 80er und 90er Jahren, sondern beginnt nach der Milleniumswende nun in Nase, Mund und Ohren einzulaufen.

Während eine von Peter Sloterdijk als „Hohlraumfigur in einer Lethargokratie“ bezeichnete Wellnesskanzlerin (Quelle: Handelsblatt) Schlaftabletten verteilt und uns in einem Lala-Land, in dem es allen gut geht, noch mehr Wohlschand schmackhaft machen will, meint der englische Grafiker Ken Garland, dass „unsere Überflussgesellschaft einen Punkt der Sättigung erreicht hat, an dem der schrille Schrei der Konsumpropaganda nichts weiter ist als bloßer Lärm.“

Die meisten bemerken zwar bereits, dass die von der Wellnesskanzlerin als alternativlos angesehene Überflussproduktion unsere Ökosysteme zum Kollabieren bringt und uns selbst den Atem raubt und in Angstzustände treibt (nach Aussage des Soziologen Hartmut Rosa wachen in unserer hochtechnisierten Welt jede der Nacht mehr Menschen schweißgebadet auf als in totalitären Regimen / Quelle: Zeit), trotzdem ist guter Rat nun teuer. Denn obwohl Fabian Scheidler „das Ende der Megamaschine“ bereits gekommen sieht, läuft diese kurz vorm Verglühungstod stehende Molochmaschine auf Hochtouren wie noch niemals zuvor und spuckt unermüdlich einen alles erstickenwollenden Werbekommerzrattenpornopuddingbrei aus, der bald die letzte Seitengasse füllt.

Wie bringt man diesen immerzu aufs Neue aufgewärmten Brei, von dem uns bereits allen schlecht ist, zum Stoppen? Die Antwort auf diese schicksalsschwere Frage, die man in der politischen, ökonomischen und naturwissenschaftlichen Zunft vergeblich sucht, findet man in bündiger Form bei … – den Gebrüdern Grimm:

Der süße Brei

(Brüder Grimm)

Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein, und sie hatten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hinaus in den Wald, und begegnete ihm da eine alte Frau, die wusste seinen Jammer schon und schenkte ihm ein Töpfchen, zu dem sollt‘ es sagen: „Töpfchen, koche“, so kochte es guten, süßen Hirsebrei. Und wenn es sagte: „Töpfchen, steh“, so hörte es wieder auf zu kochen.

Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim, und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei, sooft sie wollten.

Auf eine Zeit war das Mädchen ausgegangen, da sprach die Mutter: „Töpfchen, koche“, da kocht es, und sie isst sich satt; nun will sie, dass das Töpfchen wieder aufhören soll, aber sie weiß das Wort nicht. Also kocht es fort, und der Brei steigt über den Rand hinaus und kocht immerzu, die Küche und das ganze Haus voll und das zweite Haus und dann die Straße, als wollt’s die ganze Welt satt machen, und ist die größte Not, und kein Mensch weiß sich da zu helfen.

Endlich, wie nur noch ein einziges Haus übrig ist, da kommt das Kind heim und spricht nur: „Töpfchen, steh“, da steht es und hört auf zu kochen. Und wer wieder in die Stadt wollte, der musste sich durchessen.

 


Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Endzeitpoesie 4.0: Dostojewskijs Traum von der szientistischen Pest


Bild: flickr/Arun Jr/CC BY-NC-ND 2.0

Fjodor Dostojewskij gilt als einer der herausragendsten Psychologen der Weltliteratur, Hermann Hesse bezeichnete ihn sogar als einen „Seher und Propheten“. Wer sich heute mit seinem rationalen Verstand keinen Reim mehr auf die eskalierenden politischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Probleme bzw. den Wahnwitz unserer aus den Fugen geratenden Welt machen kann, der mag eventuell zwischen den Zeilen Dostojewskijs eine Antwort erhalten.

Was Dostojewskij bereits herannahen sah, erscheint angesichts der heutigen Weltlage gleichermaßen schaurig wie visionär. Von „Trichinien“, einer nie dagewesenen Pestilenz an bösen Geistern spricht er, die uns mit messerscharfem wissenschaftlichem Verstand begaben. Trotz – oder gerade aufgrund des intellektuellen Zenits, auf den uns diese Geister führen, kommt alles in den Verfall und beginnen wir, uns in einem besinnungslosen Taumel an Selbstverliebtheit und gleichzeitigem Hass aller Andersdenkenden gegenseitig zu erwürgen. Obwohl dieses große Würgen Aller gegen Alle laut dem Buch der Apokalypse eigentlich erst in einigen tausend Jahren hätte stattfinden sollen, so sind die zur Katalysierung des finalen Würgens vorgesehenen Trichinien durch einen bislang ungeklärten Betriebsunfall nun vorzeitig aus dem Reagenzglas von Industrie 4.0 entwichen und haben schon damit begonnen, in unseren Köpfen ihr gnadenloses Werk zu verrichten. Eine beeindruckend große Anzahl an akademisch höchstgradig gebildeten Menschen hat sich bereits, ohne sich dessen bewusst zu sein, zu Handpuppen dieser Trichinien gemacht und fährt mit durchgedrücktem Gaspedal auf den Grand Canyon zu.

Nicht nur der Nahe Osten sowie weite Teile Nord- und Zentralafrikas stehen in Flammen. Wenn auch noch auf medialer Ebene, hat das große Würgen und Selbstzerfleischen auch hierzulande bereits begonnen, die Scheiterhaufen für die Pogrome der Zukunft werden bereits geschlichtet. Pluralität der Meinungen und dialogisches Lernen waren gestern. Monokultur verspricht da mehr Effizienz. Und wenn unter den gentechnisch optimierten und mit Treibdünger angepumpten Hochleistungsnutzpflanzen zwischendurch doch irgendwo Kornblumen oder Kamillen aufschießen: „Round up ready“ erledigt das. Unkräuter auf dem neoliberalen Monokulturfeld (alternative Denker, Friedensaktivisten, Gemeinwohlökonomen und sonstige Querfrontler) werden von inquisitorischen Wächtern der wahren Wissenschaft, bestens vernetzt mit höchsten Kreisen aus Politik, Wirtschaft und Medien, im Namen des Fortschritts diffamiert, pathologisiert und als Vogelfreie zum Abschuss freigegeben (siehe „Netzfrauen am Scheiterhaufen – Über den Frevel des Alarmismus und seine unbarmherzige Ausrottung“).

Bange stellt man sich die Frage, ob es überhaupt noch möglich ist, die bereits geöffnete Büchse der Pandora wieder zu schließen und die intelligenzbestialen Trichinien zu bannen. Vieles deutet darauf hin, dass bereits eine Pandemie in Gange ist, die, wie Stephane Hessel warnte, die gesamten zivilisatorischen Errungenschaften der letzten Jahrhunderte dahinraffen und uns in ein sehr dunkles Zeitalter befördern könnte, wenn wir uns jetzt nicht dagegen aufrichten. Bei allem Schrecken der apokalyptischen Bilder, die wir täglich in der Tagesschau … – äh, ich meine, in Dostojewskijs Alptraum präsentiert bekommen, hat es doch auch etwas perfide Faszinierendes: Wer hätte gedacht, dass es der auf hybride Spitzen getriebene szientistische Intellekt des Menschen sein wird, der für die größtmögliche Ignoranz sorgen und ihn in den Abgrund stürzen wird? (siehe dazu auch Interview mit Noam Chomsky)

Wie auch immer, in den letzten Zeilen seines Traums deutet Dostojewskij immerhin an, dass die menschliche Tragödie nicht ganz umsonst sein wird. Zumindest ein kleines Häuflein an Menschen soll es geben, das sich vom nackten Wahnsinn nicht infiltrieren lässt und das in eine neue Zukunft hinüberleben wird. Dostojewskij verrät auch, dass das nicht die Dieter Bohlens, Kai Diekmanns, Angela Merkels oder sonstigen SUVs – ich meine natürlich: VIPs – sein werden, die derzeit noch formatfüllend die Leinwände und Flachbildschirme ausfüllen. Denn: „Niemand hatte diese Menschen irgendwo gesehen, niemand hatte ihr Wort und ihre Stimme gehört…“

Auszug aus Raskolnikoffs fünftem Traum („Schuld und Sühne“, F.M. Dostojewskij):

„Schon während der Genesung begann er sich seiner Träume zu erinnern, die er im Fieber phantasierend gehabt hatte. Ihm träumte in der Krankheit, dass die ganze Welt dazu verurteilt war, einer schrecklichen, unerhörten und nie dagewesenen Pestilenz, die aus den Tiefen Asiens über Europa kam, zum Opfer zu fallen. Alle sollten zugrunde gehen, außer einigen sehr wenigen Auserwählten. Es waren seltsame neue Trichinen aufgetaucht, mikroskopische Lebewesen, die sich in den Menschenleibern einnisteten. Aber diese Lebewesen waren Geister, begabt mit Verstand und Willen. Die Menschen, die sie in sich aufgenommen hatten, gebärdeten sich sofort wie Besessene und Wahnsinnige.

Aber noch nie, noch nie hatten Menschen sich für so klug gehalten und für so unerschütterlich in der Wahrheit, wie es diese Angesteckten taten. Nie hatten sie ihre Urteile, ihre wissenschaftlichen Ergebnisse, ihre sittlichen Überzeugungen und Glaubenssätze für unumstößlicher gehalten.

Ganze Ortschaften, ganze Städte und Völker wurden angesteckt und gebärdeten sich wie Wahnsinnige. Alle waren in Aufregung und verstanden einander nicht, ein jeder meinte, nur er allein sei im Besitz der Wahrheit, und es quälte ihn der Anblick der anderen, er schlug sich an die Brust, weinte und rang die Hände. Man wusste nicht, wen und wie man richten sollte, man konnte nicht übereinkommen, was für böse und was für gut zu halten sei. Man wusste nicht, wen man anklagen, wen man freisprechen sollte. Die Menschen erschlugen einander in einer gleichsam sinnlosen Wut. Ganze Heere sammelten sich gegeneinander, aber sie begannen schon auf dem Marsch plötzlich sich selbst zu bekriegen, die Kämpfer stürzten sich aufeinander, stachen und mordeten, bissen sich gegenseitig und fraßen einander auf.

In den Städten wurde den ganzen Tag die Sturmglocke geläutet: Alle wurden zusammengerufen, aber wer da rief und wozu man rief, das wusste niemand, jedoch alle waren in Aufregung. Man ließ das einfachste Handwerk im Stich, denn jeder kam mit seinen Gedanken, seinen Verbesserungen, die er vorschlug, und man konnte sich nicht einigen; der Ackerbau wurde eingestellt. Hier und da liefen Menschen zu Haufen zusammen, einigten sich über etwas, schwuren, einander nicht zu verlassen – aber gleich danach begannen sie etwas ganz anderes zu tun, als was sie soeben beschlossen hatten, begannen einander zu beschuldigen, wurden handgemein, fochten und schlugen sich gegenseitig tot. Feuersbrünste entstanden, Hungersnot trat ein. Alle und alles ging zugrunde. Die Pest schwoll an und verbreitete sich weiter und weiter.

Retten konnten sich in der ganzen Welt nur einige Menschen, das waren die Reinen und Auserwählten, denen bestimmt war, ein neues Menschengeschlecht und ein neues Leben zu begründen, die Erde zu erneuern und zu säubern; aber niemand hatte diese Menschen irgendwo gesehen, niemand hatte ihr Wort und ihre Stimme gehört…“

Nachsatz (25.09.2017): Wer die russische Sprache und ihren Duktus kennt, weiß um die Schwierigkeit von Übersetzungen ins Deutsche. Im o.a. Text angeführte Wörter wie „Reine und Auswerwählte“ klingen vielleicht etwas altbacken und historisch überholt. Würde Dostojekwskij heute leben, wählte er vermutlich ganz andere Wörter. Insbesondere würde er wohl die Wörter „Reine und Auserwählte“ seines passiven Beigeschmacks entkleiden und eine vollkommen aktive Formulierung wählen, wie sie für heute zeitgemäß wäre: Dass man nicht „erwählt“ wird , sondern man sich in Wirklichkeit täglich aufs Neue selbst wählt – zu dem, was man aus sich machen will. So hat heute jeder Mensch die freie Wahl, ob er sich der Vermassung ergeben und wahllos mit medialem Müll abfüllen lassen will – insofern dann seine Innenwelt „unrein“ wird – oder ob er „rein“ (d.h. seiner Individualität und der Humanität treu) bleiben und daher einen Weg gegen den Strom wählt, der zwar wesentlich mühsamer, dafür aber lohnend und in Wirklichkeit der einzig menschenwürdige ist.

Wieder einmal gilt: In der Wahl sind wir vollkommen frei, im Tragen der Folgewirkungen unserer Wahl bzw. dem damit einhergehenden Schicksal allerdings nicht mehr …

 


Allgemeines zur Kolumne „Endzeitpoesie 4.0 – Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod“:

Da in unserer aus den Fugen geratenden Welt vieles nicht mehr rational verstehbar und auch kaum noch ertragbar ist, brauchen wir dringend ein Gegengewicht aus dem Reich der Poesie … mit diesem geistigen Gegengift in den Adern wird vieles Unverständliche plötzlich wieder verständlich und Unerträgliches wieder ertragbar – oder noch besser: gestaltbar!

Denn die größte Lüge, die uns heute beigebracht wird, ist: dass der Einzelne ohnehin nichts tun kann. – Das genaue Gegenteil davon ist wahr: Es kommt auf jeden einzelnen an und das mehr als jemals zuvor. Und wie uns schon Dostojewskij erklärt hat, ist im Leben auch niemals etwas umsonst, selbst wenn eine Bemühung keinen sichtbaren Erfolg zeigt: „Alles ist wie ein Ozean, alles fließt und berührt sich; rührst du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.“

Gerade unsere geistlose Zeit braucht philosophische Gedanken wie eine Wüste das Wasser. Dieses Wasser – die Gedanken der großen Geister der Menschheit – gibt es schon lange. Aber die scheinbar alten – in Wirklichkeit ewig jungen – Gedanken bleiben nicht dieselben: Jeder, der sie aufgreift und verinnerlicht, färbt sie mit seiner individuellen Persönlichkeitsnote ein und bringt dadurch wieder ganz neue Farben in die Welt, die bisher noch nicht existiert haben. Und solche Farben braucht unsere grau gewordene Welt (siehe 1000 Gestalten.de) heute dringend – sie saugt sie auf wie ein trockener Schwamm das Wasser … damit wieder Neues, Kreatives, Menschliches entstehen kann.

In diesem Sinne wollen wir der pseudopragmatischen Alternativlosigkeit (siehe „Der Führer 4.0 – Er ist schon längst da“) die Gefolgschaft in den Grand Canyon verweigern und es lieber mit Ilija Trojanow halten: „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“. – Dann kann die scheinbare Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Angela Merkel und das namenlose Grauen … wollen einfach nicht in Ruhestand gehen

(Bild: cc by Jacques Prilleau)

Nicht einmal am Sonntag hat man seine Ruhe. Während Merkel und Schulz bei ihrem gestrigen Duett – pardon: Duell natürlich, Schlaftabletten verteilten, zündete Nordkorea eine Wasserstoffbombe, nachdem es bereits eine Langstreckenrakete über das benachbarte Japan geschickt hatte. Doch nicht nur in Nordkorea droht die Lage zu eskalieren. Allerortens kriechen retardierende Kräfte aus ihren Löchern und mobilisieren zum Angriff. Die US Senatoren McCain und Graham haben 2017 zum „Jahr der Offensive“ ausgerufen,  womöglich um einen durch eine jüngsten Pentagon-Studie prognostizierten Kollaps der USA (siehe Rubikon) doch noch abzuwenden. Indes übt sich die NATO im Abwerfen von Übungsatombomben an der russischen Grenze, „um einem Erstschlag der Russen zuvorzukommen“. Die deutsche Bundeskanzlerin reicht zum neuen Kalten Krieg eifrig ihre Hände und entsendet erstmals seit dem 2. Weltkrieg wieder Panzer an die russische Front. Russland schickt wiederum Schiffe mit nuklearen Marschflugkörpern ins Mittelmeer. Auch China legt als Antwort auf die von US-Außenminister Rex Tillerson angekündigte „härtere Gangart“ die nukleare Karte auf den Tisch und warnt vor einer „verheerenden Konfrontation“ (siehe Presse). Der russische UN-Botschafter Vasily Nebenzya bezeichnet die Beziehungen zwischen Russland und den USA mittlerweile als „schlechter“ als im Kalten Krieg,  also dramatischer als in jener Zeit, in der die Menschheit mehrmals nur knapp an einer nuklearen Katastrophe vorbeigeschlittert ist.

In der Fülle an katastrophalen Bildern, die täglich auf uns einstürmt, geht womöglich an vielen vorbei, was solche Aussagen und scheinbar nüchternen diplomatischen Codes bedeuten. Wie auch Götz Eisenberg bemerkt, „verschlingen wir unentwegt eine derart hohe Dosis an Dramatik, dass wir jede Fähigkeit zur Verarbeitung und Wahrnehmung einzubüßen drohen (…) Die Fülle der Nachrichten wird zum Widersacher der Wahrheit, unsere Aufnahmefähigkeit und Verarbeitungskapazität kollabiert unter dem Ansturm schrecklicher Bilder.“

Den wenigsten, die gestern Abend dem TV-Duell zwischen Merkel und Schulz zugeguckt haben (bei dem das Kanzleramt bereits von vornherein diktiert hat, was angesprochen werden darf und was auf keinen Fall – siehe Spiegel) , dürfte z.B. bewusst sein, dass die entgegen den massiven Warnungen Russlands in Europa stationierten NATO-Raketenabwehrstationen auch als Angriffswaffe konzipiert sind und Russland Atomraketen mit großer Sprengkraft auf Primärziele in Ramstein und Kaiserslautern gerichtet hat, da sich dort die Kommandozentralen des US-Raketenschildes befinden. Im Falle eines US-Raketenangriffs von deutschem Boden bliebe Russland nur eine Vorwarnzeit von ca. 15 Minuten, sodass die gesamte Region schon bei einem nur irrtümlich gemeldeten Lenkwaffenanflug sofort komplett ausgelöscht und Deutschland durch radioaktiven Fallout weiträumig verseucht würde.

Erzählungen aus dem Osten

In Zeiten des Kalten Krieges gab es bereits mehrere irrtümlich von Computersystemen ausgelöste Raketenalarme, bei denen das Auslösen eines verheerenden Gegenschlages nur um Haaresbreite verhindert werden konnte – manchmal nur, weil ein couragierter Ziviloffizier entgegen der Vorschrift gehandelt hat so wie seinerzeit Stanislav Petrow (siehe Spiegel):

„Kurz vor Mitternacht jaulten die Sirenen, auf dem 30 Meter messenden Bildschirm vor Petrow leuchteten rote Buchstaben auf: START. Das System hatte den Abschuss einer Atomrakete von einer US-Basis registriert. Spionagesatellit Kosmos 1382, seit einem Jahr im All, meldete den Beginn der Apokalypse. 25 Minuten blieben bis zum Einschlag, irgendwo in Russland.

(…)

Petrow jedoch bewahrte Ruhe. Er erhob sich von seinem Pult. Jeder seiner Untergebenen sollte ihn sehen. Er konnte jetzt keine Panik gebrauchen, er brüllte: „Hinsetzen! Weiterarbeiten!“

(…)

Dann rief er seinen Vorgesetzten an. „Es ist ein falscher Alarm“, rapportierte Petrow. Die Leitung knisterte. „Verstanden.“ Als Petrow auflegte, jaulten die Sirenen erneut: Kosmos 1382 meldete den zweiten Raketenstart und wenig später den Anflug drei weiterer Raketen. Die Systeme in Serpuchow-15 liefen einwandfrei, sie melden keine Fehler. Petrow misstraute den Riesenrechnern, die in 16 Schränken leise schnurrten, dennoch: „Wir sind klüger als die Computer. Wir haben sie geschaffen.“

Niemals war die Welt der atomaren Vernichtung näher als in dieser Nacht, sagt Bruce Blair, US-Abrüstungsexperte und heute Chef des World Security Institute. „Die oberste sowjetische Führung hätte, wenn sie über einen Angriff informiert worden wäre und da sie binnen Minuten einen Entschluss fällen musste, die Entscheidung für einen Vergeltungsangriff getroffen.“ Andropow, der damals bereits vom Krankenbett aus regierte, hätte wohl den „roten Knopf“ gedrückt – und damit einen tatsächlichen Nuklearschlag der Amerikaner provoziert.

(…)

„Die Welt kann froh sein, dass ich in dieser Nacht das Kommando geführt habe – und kein dumpfer Militär“, sagt Petrow heute. Vielleicht hätte ein Militär anders entschieden, streng nach Vorschrift, vermutlich falsch. Petrow dagegen vertraute seinem Gefühl. <<

Erzählungen aus dem Westen

Auch von amerikanischer Seite erfahren wir mit einigen Jahrzehnten Verzögerung, wie oft wir bereits am Abgrund vorbeigeschrammt sind. Computerfehler oder menschliche Fehlinterpretation hätten die Welt schon öfters beinahe in ein nukleares Inferno geführt. Der ehemalige Oberbefehlshaber der US-Atomstreitmacht, Lee Butler, erzählt: „Wir handelten wie Betrunkene!“ (siehe Spiegel):

Butler: Es gab viele Krisensituationen, die meisten wurden niemals bekannt.

SPIEGEL: Zum Beispiel?

Butler: Zum Beispiel wurde ein Nato-Manöver von den Sowjets als Vorbereitung eines realen Angriffs missinterpretiert.

(…) Die nuklearen Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion waren voller Krisen. Lange Zeit, oft Jahre, passierte wenig, worüber wir ernsthaft hätten besorgt sein müssen. Plötzlich gab es einen simplen Computerabsturz oder die falsche Interpretation eines Radarbildes – schon stolperten wir in eine Krise und standen am Abgrund zur nuklearen Apokalypse.“

SPIEGEL: Sie hatten aber doch den nuklearen Krieg geplant, was haben Sie denn in das Papier hineingeschrieben?

Butler: Der strategische nukleare Kriegsplan bestand hauptsächlich aus mathematischen Formeln (…) Bei der Frage nach der Zahl der Opfer fühlte ich mich an Josef Stalin erinnert, der gesagt hatte, der Tod eines einzelnen Menschen ist eine Tragödie, der von Millionen aber eine statistische Größe.

(…) In den 50 Jahren des Kalten Krieges haben die Vereinigten Staaten rund sechs Billionen Dollar für ihre Nuklearbewaffnung ausgegeben. Wir haben 70 000 nukleare Sprengköpfe für 116 unterschiedliche Waffentypen entwickelt, die von 65 verschiedenen Trägersystemen abgefeuert werden konnten. Wir haben sogar Artilleriegranaten mit Atomsprengsätzen bestückt. Nein, wir haben niemals die volle Bedeutung unseres Arsenals verstanden.

SPIEGEL: Ob die atomare Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis moralisch zu rechtfertigen sei, wurde außerhalb Amerikas oft diskutiert. Gab es in den USA offizielle Gremien, die sich damit befassten?

Butler: Nicht dass ich wüsste.  (…)

SPIEGEL: Sie waren mitverantwortlich für die Auswahl der 12 500 Ziele, in die Amerikas Nuklearsprengköpfe im Ernstfall einschlagen sollten. Wussten Sie eigentlich, was Sie da geplant hatten?

Butler: Ich war als Direktor der strategischen Nuklearkriegsplanung im Pentagon mitverantwortlich; ich habe aber nie die Bedeutung des Gesamtplans begriffen.

(…)

SPIEGEL: Fühlt sich Russland bedroht?

Butler: Das wäre kein Wunder. Es gibt keinen Warschauer Pakt mehr, wir aber erweitern die Nato und versichern, das habe weiter nichts zu bedeuten. Und wir modernisieren unsere Atomwaffen. Wir verspielen die kostbare Gelegenheit, neue Regeln der internationalen Sicherheit zu entwickeln, in denen Nuklearwaffen keinen Platz mehr haben.

(…) Wir handelten wie ein Betrunkener beim russischen Roulett, der zehnmal die Pistole abdrückt und dann erklärt: Guck mal, es ist überhaupt nicht gefährlich. In Wahrheit war das Nuklear-Roulett überaus gefährlich und arrogant. Es ist ein Wunder, dass wir es geschafft haben, uns irgendwie durchzuwursteln. Nukleare Abschreckung ist ein Hasardspiel, das irgendwann verlorengeht.

Alternativlose Abschreckung

Während also die derzeit praktizierte „Abschreckung“ laut dem ehemaligen Oberbefehlshaber der US-Atomstreitkräfte ein Hasardspiel ist, das jederzeit ins Auge gehen könnte und das wir bisher scheinbar nur durch höhere Fügung überlebt haben, so hat man heute vielfach den Eindruck, dass amtierende Spitzenpolitiker nicht mehr zwischen Videospielrealität und echtem Leben unterscheiden können. Nicht nur Verteidigungsministerin Von der Leyen erklärt in Hinblick auf die kommende WM in Russland lachend, dass „Deutschland auf jeden Fall schießendes Personal schicken wird“. Die gute Dame weiß anscheinend, wie leicht man mit solch sportlichen Ansagen eine Fußballnation begeistern kann, deren Sternstunde immer dann aufleuchtet, wenn die Bild-Zeitung wieder titeln kann: „Wir sind Weltmeister“ – wenn wir schon nicht mehr Papst sind. Im Windschatten solch sportlicher Ansagen wurden denn auch wirklich einige militärische Schachzüge gemacht, die den atomar bestückten russischen Bären jetzt ganz schön ins Schwitzen bringen und historische Traumata wecken (siehe „Wenn der russische Bär eine Anakonda am Hals und der Hund die Hausaufgaben gefressen hat“).

Aber was tut man in dem Land, in dem wir laut CDU-Wahlspruch “gut und gerne leben“ wollen, nicht alles für einen möglichen Weltmeistertitel? Um sicherzugehen, dass Deutschlands schießendes Personal dann am Rasen der kommenden WM auch wirklich gut in Schuss ist, wurde es einstweilen zum Training an die russische Grenze geschickt, um dort „für Abschreckung zu sorgen“ – erstmals seit Ende des zweiten Weltkriegs liegen also wieder deutsche Panzertruppen nur 120 km vor St. Petersburg und harren dort den ihnen erteilten Befehlen aus der NATO-Kommandozentrale.

Auch Angela Merkel sieht die zunehmende „Abschreckung“ und Konfrontation mit Russland als alternativlos an, obwohl sich diese Konfrontation sogar auf wirtschaftlicher Ebene – also auf derjenigen Ebene, der man in einer marktkonformen Demokratie alle anderen menschlichen Belange bedingungslos opfern muss – bereits als verheerend erwiesen hat: Nach Expertenschätzungen haben die gemäß transatlantischer Direktive ausgesprochenen Russland-Sanktionen alleine in Deutschland  bisher 500.000 Arbeitsplätze vernichtet und hat Europa einen Verlust von 100 Milliarden Euro erlitten, sodass sogar EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kurzzeitig aufjaulte und öffentlich bekundete: „Wir können uns unsere Politik nicht länger von den USA diktieren lassen.“

In einem Spiegel-Interview bringt Kreml-Berater Sergej Karaganow jedenfalls unmissverständlich zum Ausdruck, was eine Eskalation im momentanen NATO-Säbelrasseln für Deutschland bedeutete: Es würde ins offene Messer laufen. Russland wäre nicht bereit, sich auf eigenem Territorium in Scharmützel verwickeln zu lassen, sondern würde uns in solchem Falle einfach per Knopfdruck verdampfen (siehe Spiegel):

„Russland wird nie wieder auf seinem eigenen Territorium kämpfen (…) Im Falle einer Krise werden genau diese Waffen vernichtet (…) Wenn die NATO eine Aggression beginnt – gegen eine Atommacht wie uns -, wird sie bestraft werden.“

Das „Gerede“, dass Russland das Baltikum angreifen wolle, bezeichnet Karaganow als „idiotisch“. Doch nicht nur der Kreml-Berater sieht Idiotie. Soweit ich das aus dem Baltikum vernommen habe, sehen das die Menschen dort durchaus ähnlich. Einen Angriff von Seiten Russlands halten die meisten dort für absurd, auch wenn sich die NATO-assoziierten staatlichen Propagandaorgane nach Kräften bemühen, eine solche Bedrohung an die Wand zu malen. Viel mehr Angst haben die Menschen dort vor einer unnötigen Provokation und Eskalation im Zuge der NATO-Manöver an der russischen Grenze (wir berichteten).

Doch egal wie es der russische Bär auch drehen und wenden mag, er gilt nun einmal schon ganz einfach deswegen so gefährlich, weil er eben ein Bär ist. Selbst wenn dieser Bär, der sein Militärbudget dieses Jahr entgegen dem globalen Trend zur Aufrüstung um 25% gekürzt hat und nun bei 41 Milliarden Dollar rangiert (im Vergleich dazu USA: 622 Milliarden), so stellte Russland selbst dann noch eine empörende Gefahr dar, wenn es sein Militär morgen auf Null reduzieren und all seine Militärbasen in Kloster für buddhistische Mönche umwandeln sollte. Denn in den weiten Steppen Russlands haust bekanntlich das namenlose Grauen, das die marktkonformen Demokratien westlicher Prägung bedroht: Russische Hacker, die es einfach nicht lassen können, nächtens in die Tastatur ihrer Laptops zu hacken.

Schon seit Jahresbeginn dreht sich im US Kongress und den amerikanischen Medien fast alles um sie. Haben sie die US Wahl manipuliert und wollen sie nun auch die deutsche Wahl beeinflussen? –  Nicht nur die 27.000 Informationskriegs-Profis des amerikanischen Geheimdienstes (Quelle: Tagesanzeiger) und die 1.500 Mann der für „Kriegsführung im Informationszeitalter“ zuständigen“ 77. Social-Media Brigade Großbritanniens, die nichts anderes will als die „Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen“ (Quelle: Spiegel) rotieren in ihren unterirdischen digitalen Bunkern bereits auf Hochtouren, um das namenlose Grauen aus der russischen Wildnis einzudämmen. In konzertiertem Einvernehmen mit unseren Leitmedien versuchen die staatlichen Dienste auch hierzulande alles in ihren Kräften stehende, um uns fernsehende Fußballfreunde vor dieser abgründigen Gefahr rechtzeitig zu warnen und unsere Herzen und Köpfe zu gewinnen.

Bullshit News und Business as usual

Dabei ist es einem ambitionierten Journalisten-Team mit Namen „Veritas“ (lat. „Wahrheit“) bereits gelungen, die in internationalen Leitmedien wie CNN nonstop in immerzu neu aufgewärmten Varianten transportierte Russland-Bedrohung als Fake News zu enttarnen. Auf verdeckt aufgezeichneten Interviews mit leitenden CNN-Produzenten ist klar zu hören, was diese von den eigenen Stories über die Russland-Bedrohung und die angeblichen Wahlmanipulationen halten:  CNN-Produzent John Bonifield gibt dabei wörtlich zu, dass die ganzen Russland-Geschichten „Bullshit“ von CNN-Chef Jeff Zucker seien, „um die Quoten zu steigern“. Auf die Frage seines Gesprächspartners, wie das Erzeugen solcher Lügenkonstrukte denn mit journalistischer Ethik vereinbar sei, die ja in Journalismus-Schulen so hochgehalten werde, antwortete der CNN-Produzent: „Dort ist das gut und schön, aber hier, das ist Business!“

So nebenbei erfährt man in den Veritas-Interviews auch, was Chefredakteure der Leitmedien von den wählenden Bürgern, die sie mit ihren Nachrichten informieren, mitunter halten: „Die Wähler sind dumm wie Scheiße“ (Zitat Jimmy Carr, CNN-Produzent). Unverblümt erklärt Carr weiter, dass es bei allem nur um die Einschaltquoten gehe und dass Entscheidungen über die Inhalte der Sendungen von ganz oben kämen: „Das sind Entscheidungen, die von Leuten viel höher als ich gemacht werden und wenn sie ‚Wow‘ sagen und die Quoten steigen, dann sagen sie, macht genauso weiter wie bisher. Nun, das tun wir, es ist Russland, ISIS …“

Interessanterweise waren diese Enthüllungen von „Projekt Veritas“ in den deutschen Qualitätsmedien kaum eine Erwähnung wert. Entsprechende Berichte findet man nur bei RT und alternativen Medien (siehe z.B. sott.net). Dabei könnten diese Enthüllungen Licht in die dunklen Keller der Informationskriegsprofis bringen und hätten durchaus das Potential, die derzeitige Konfrontation mit Russland im Handumdrehen zu entschärfen, indem man die dort zusammenlaufenden Fäden ans Licht hebt – immerhin ist CNN jener internationale Sender, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass heute die halbe Welt Angst vor der potentiellen Aggression Russlands hat und Spitzenpolitiker ungestraft eine „Abschreckung“ in Form nuklearer Konfrontation fordern können.

Selbst der verschwörungsresistenteste Fernsehbürger kann sich also nicht mehr ganz des Eindruckes erwehren, dass es offensichtlich eine gar nicht so unbeträchtliche transatlantisch vernetzte Interessensgruppe gibt, die das von der Kanzlerin verkündete „gute und sichere“ Leben langweilig findet und die wesentlich höhere Profitmöglichkeiten darin sieht, wenn wir „wild und gefährlich“ leben. Womöglich geht es in der aktuellen NATO-/Ukraine-/Russlandkrise aber nicht nur um „Außenpolitik mit dem Ziel, Rohstoffe und Absatzmärkte für Rüstungsindustrie, Finanzindustrie und Energiekonzerne zu erobern“, so wie Oskar Lafontaine das gerade via Facebook formulierte und dabei an die Worte von US-Präsident Theodore Roosevelt gemahnt, wonach „hinter der angeblichen Regierung eine unsichtbare Regierung thront, die die Menschen nicht anerkennt, ihnen gegenüber nicht verpflichtet ist und keinerlei Verantwortung übernimmt.“ Vielleicht geht es einfach auch um Lifestyle – das weiß man doch schon seit James Dean, dass ein wildes und gefährliches Leben mehr Spaß verspricht, während ein Spießbürgerleben in Todsicherheit auch todlangweilig ist. Warum lassen wir also nicht einfach so wie Merkel Fünfe grad sein und nennen wir diese unsichtbare Garde an Schattenmännern (siehe auch „Sex, Lügen und Videos – Über die Five Eyes, die auch in Ihrem Schlafzimmer live dabei sein dürfen“)  einfach „unsere verlässlichen Freunde“, denen wir bedenkenlos die Schlüssel zu unserer Wohnung und unserer Zukunft in die Hand geben können? Geschult in den vier „D’s“ : „Deny/ Disrupt/ Degrade/ Deceive  – Verleumden/ Spalten/ Erniedrigen/ Irreführen“ – so lautet im O-Ton das Trainingsprogramm auf einer von Edward Snowden geleakten Geheimdienstfolie (Quelle: The Intercept) – werden diese verlässlichen Freunde die Welt schon schaukeln.

Wer keine Zeit hat, sich über diese verlässlichen Freunde und die Fäden transatlantischer Netzwerke und Pressure-Groups, in denen auch Bundeskanzlerin Merkel fest inkorporiert ist, detailliert zu informieren (siehe z.B. free21.org, Medien-Navigator, Swiss Propaganda Studie), dem sei hier eventuell eine kurze, humorvolle Einführung in das Spinnennetz der Macht von Erwin Pelzig anempfohlen oder der immer noch aktuelle Klassiker aus „Die Anstalt“ vom 29.04.2014. Auf „Fäden“ und deren Zusammenlaufen kommen wir ganz unten gleich noch zurück. Sind solche Fäden etwa der Grund, warum Angela Merkel die Forderung von Martin Schulz, dass amerikanische Atomwaffen aus Deutschland verschwinden sollen (siehe FAZ), gar nicht so toll findet? Huch, wer so denkt, hat sich vermutlich bereits durch eine subliminale Kampagne russischer Hacker beeinflussen lassen.

Deutsche Gründlichkeit

Wie auch immer, selbst wenn „Projekt Veritas“ bereits Wahrheit in die geostrategische Lügenmaschinerie gebracht hat und auch ein hochrangiges Konsortium ehemaliger US-Geheimdienstveteranen, darunter der ehem. technische NSA-Direktor William Binney, nach eingehender Analyse zum Schluss kommt, dass die angebliche Einmischung Russlands in westliche Wahlen haltlos ist (siehe Memorandum „Allegations of Hacking Election Are Baseless“), deutsche Gründlichkeit lässt trotz allem nicht locker und bleibt weiter am Ball. In einem jüngsten Artikel im Spiegel wird das namenlose Grauen erneut beschworen: „Im Raum steht eine perfekt terminierte Attacke auf den Bundestagswahlkampf“. Nicht nur ein „Kanzlerinnensturz“ wird befürchtet, auch über das das Bestreben, „ jene Kräfte zu pushen, die für einen russlandfreundlicheren Kurs stehen wie AfD, Linke und Teile der SPD“ wird gemunkelt. Tja, auf  einen russlandfreundlicheren Kurs einzuschwenken – das wäre ja wirklich das Schändlichste, was man sich derzeit vorstellen kann, dann müsste man das bereits budgetierte Aufrüstungsprogramm womöglich wieder abblasen. Gut, dass uns der Spiegel rechtzeitig vor solchen Tendenzen warnt.

Doch selbst wenn sich das namenlose Grauen tatsächlich erheben sollte, ist alles in Butter – wie man erfährt, haben die Social Engineering Experten des BSI bereits alle notwendigen digitalen Abwehrgeschütze in Stellung gebracht: „Das BSI hat seine Lagebeobachtung bis zum Abschluss der Bundestagswahl 2017 intensiviert und hält erweiterte Krisenreaktionskapazitäten für eventuelle Vorfälle bereit.“

Vor nicht DIN-ISO zertifizierten Nachrichten in  den sozialen Netzwerken wird dennoch gewarnt. Der Russe wird es am Wahlabend womöglich dort versuchen, uns von der Notwendigkeit eines „Kanzlerinnensturzes“ zu überzeugen. Da das namenlose Grauen so ganz ohne Namen nur halb so viel Gänsehaut erzeugt, liefert der Spiegel dem unbedarften Leser dann doch auch ein paar Nicknames an die Hand, unter welchen die russischen Hacker im Schlachtfeld des Internets mutmaßlich firmieren:  „Die Gruppe kursiert in der Szene unter Namen wie APT28, Fancy Bear oder Pawn Storm.“  Mir läuft sogleich ein kalter Schauer über den Rücken – solchen und ähnlichen Nicknames bin ich in diversen Internetforen bereits zuhauf begegnet, ohne zu wissen, dass ich mich dabei in Tuchfühlung mit den Dämonen von Lord Valdemort persönlich befunden habe. Mannomann, was war ich nur für ein naiver Tropf … ja, jetzt rächt es sich, dass ich nie die Internet-Erkläranweisungen von Sascha Lobo gelesen habe und auch den Spiegel, die „Bild-Zeitung für Abiturenten“ (Volker Pispers) längst abbestellt habe. Möglicherweise bin ich also jetzt ohne mein Wissen bereits vollkommen indoktriniert und deshalb in der Wahlkabine bereit zu einem „Kanzlerinnensturz“ und somit zum Ende der nuklearen Abschreckung an der russischen Grenze.

Merkels tatsächliche und vermeintliche Einwanderungspolitik

Atemlos lese ich die Warnungen im Spiegel weiter:  Von „prorussischen Aktivisten und wichtigen Multiplikatoren in sozialen Netzwerken“ ist die Rede, deren „Ziel dabei häufig Angela Merkel und die Einwanderungspolitik ist, für die sie tatsächlich und vermeintlich steht“. – Die Einwanderungspolitik, für die Merkel „tatsächlich und vermeintlich“ steht. Also, was ist sie nun, diese Einwanderungspolitik? Tatsächlich oder vermeintlich? Der politisch korrekte Spiegel-Journalist lässt dem Leser da ganz die Wahl. Progressive Leser dürfen Merkels Einwanderungspolitik als tatsächlich ansehen, eher konservative Leser dürfen selbige Einwanderungspolitik getrost auch als vermeintlich auffassen. Jedenfalls gilt die jüngste Aussage Merkels, dass es für Asylsuchende auch in Zukunft keine Obergrenze geben werde, als unbestritten tatsächlich. Der Widerstand ihres CSU-Opponenten Horst Seehofer, der ihr noch vor Kurzem mit Verfassungsklage drohte und versprach, dass er sich „bis zur letzten Patrone … gegen eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme“ sträuben werde, scheint ausgebügelt und alles wieder eitel Wonne.

Sogar der durch seine Wutrede bekanntgewordene Kongolese Serge Menga ist schon längst nicht mehr wütend, sondern lacht sich angesichts der paradiesischen Zustände im Schlamerkelland nur noch krumm (siehe YouTube).

Wäre ich einer der neoliberalen Finanz-Oligarchen, von denen Oskar Lafontaine in seinem oben erwähnten Blog spricht, dann würde ich mich jetzt ebenfalls krummlachen. Nicht nur die Gewerkschaften zerbröckeln (siehe FAZ), auch die Bürger sind zutiefst gespalten und dadurch marginalisiert wie noch niemals zuvor, sodass die neoliberale Agenda nun ohne nennenswerte Widerstände durchgezogen werden kann. Egal, wohin ich blicke, ob bei Bekannten, Freunden, in Büros oder in Familien: Fast überall sind gefühlte 50% der Gruppenmitglieder vehement für eine unbeschränkte Zuwanderung, da dies ein Gebot der Menschlichkeit darstelle, während sich die restlichen 50% vehement gegen eine solche Zuwanderung aussprechen. Nicht nur bei öffentlichen Kundgebungen bewerfen sich die einzelnen Gruppierungen mit Steinen und buhen sich wütend aus, auch in Familien herrscht seit der Grenzöffnung Zwist und so manche Freunde und Nachbarn reden seitdem nicht mehr miteinander. Damit haben wir eine Patt-Stellung par excellance und es freut sich der Dritte (die unsichtbare Hand des Marktes, die uns alle gemeinsam der Zitronenpresse zuführen will).

Der Bundeskanzlerin scheint die Grenzöffnung jedenfalls nicht geschadet zu haben. Laut aktueller Umfragen rangiert sie bei der Bundestagswahl mit 36-40%. Florian Rötzer resümiert in Telepolis: „Schulz und die SPD werden keine Chancen haben, die Zukunft wird schwarz getönt sein.“ Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Wer weiß, was vor der Bundestagswahl in drei Wochen noch alles passieren wird. Vielleicht reckt ja das namenlose Grauen doch noch seinen unsichtbaren Arm aus der Wolga und stürzt die Kanzlerin, die derzeit noch wie eine Sumo-Ringerin breitbeinig und unbeirrbar auf der Matte steht. Wie wird es dann mit unserer von Peter Sloterdijk als „Lethargokratie … mit einer Hohlraumfigur als Kanzlerin“ bezeichneten marktkonformen Demokratie weitergehen? Man wagt es gar nicht auszudenken …

Nach Ansicht der deutschen Nachrichtendienste und unserer Leitmedien wie etwa der  „Süddeutschen“ geben sich die russischen Hacker jedenfalls noch nicht geschlagen und verschwören sich unermüdlich – und das, obwohl es Verschwörungen laut einhelliger herrschender Meinung im 21. Jahrhundert ja gar nicht mehr gibt. Man lese und staune:

„Aus Sicht der deutschen Dienste besteht kein Zweifel daran, dass die Fäden – sollte es welche geben – im Kreml zusammenlaufen.“
(Quelle: Sueddeutsche)

Die Logik dieser Aussage in einem unserer DIN-ISO zertifizierten Leitmedien muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Also es gibt keine Beweise, dass solche „Fäden“ existieren. Aber sollten sie doch existieren, dann … laufen sie zweifellos im Kreml zusammen. Solch bestechende Argumentation inspiriert mich sogleich zu weiteren logischen Deduktionen, um die Rätsel unserer Zeit zu lösen: Neuerdings wird ja unter Physikern diskutiert, ob es Gravitationsstrahlen gibt. Also ich postuliere dann mal, dass diese Gravitationsstrahlen – sollte es sie geben – zweifellos aus der Raute der Bundekanzlerin entspringen. Woher soll eine solch unentrinnbare Schwerkraft, die derzeit alles wie ein Senkblei Richtung Meeresgrund zieht und Deutschland in die Selbstzerfleischung treiben will, denn auch sonst kommen?

Nachsatz:

Zum Glück erfahren wir gerade aus dem Postillon, dass an der Informationskriegsfront nicht alles so heiß gegessen wie gekocht wird:

„Beide doof“: Russischer Hacker unschlüssig, wen er bei Bundestagswahl unterstützen soll

<< Sankt Petersburg (dpo) – Der russische Hacker Anatoli Fadejew ist verzweifelt: Schon bald ist Bundestagswahl und der 27-Jährige aus Sankt Petersburg hat sich immer noch nicht entschieden, ob er Angela Merkel (CDU) oder Martin Schulz (SPD) attackieren soll, um den jeweils anderen zu begünstigen. Offenbar findet der direkt von Putin beauftragte Hacker beide diesjährigen Kanzlerkandidaten nicht überzeugend … >>
(Quelle: Postillon)


siehe auch:

Das namenlose Grauen – Teil 2: „Mir geht es gut, sonst ist mir alles scheißegal“

Nachrichtenspiegel: Was wir heute brauchen wie ein Loch im Knie: „Bodenständige“ Politiker im Maulwurfspelz und AFX-Parteien

Video des Monats – Steve Cutts uncut: „In This Cold Place“

Gerade frisch aus der Presse – das neueste Video von Steve Cutts. Wie gewohnt zeichnet er mit feiner Feder ein Plädoyer für das Modell der marktkonformen Demokratie und des transatlantischen Fracking-Prinzips („Put in poison, get out money“).

Aus dem Songtext-Refrain: „I’m tired … of feeling like it’s prison without walls …“

Video by Steve Cutts (siehe Galerie)

Endzeit-Poesie 4.0: Brennholz gegen Robotisierung und drohenden Erfrierungstod

Foto: cc-by Parkwaechter

Abgesehen von einigen Skeptikern, die die Parole „Weiter so!“ ausgeben, sind sich heute doch die meisten Menschen, die einen Kopf auf ihrem Torso tragen, darüber einig, dass es angesichts des eskalierenden globalen Wahnsinns eines grundlegenden Perspektivenwechsels bedarf. Doch wo sollen wir ansetzen, wo sich doch jede noch so schlaue strukturelle Agenda unserer akademischen Experten samt ihren streng-wissenschaftlichen Analysen als Treibsand erwiesen hat, der uns bei jeder Bewegung nur umso tiefer nach unten zieht? Auf politischem, ökonomischem und ökologischem Gebiet herrscht daher nicht ohne Grund die Parole, sich möglichst wenig zu bewegen und nichts ernsthaft ändern zu wollen, damit wir nicht gar zu schnell im Treibsand versinken, sondern wir noch ein paar Atemzüge machen und uns des abendlichen TV-Programms erfreuen können.

Währenddessen nähert sich uns am Horizont unter dem unscheinbar klingenden Appendix „4.0“ (Industrie 4.0,  Schule 4.0, Medizin 4.0, Gesellschaft 4.0 etc.) ein Hurrikan, dessen Tragweite noch die Wenigsten realisieren, der sich aber auf den Menschen umwerfender auswirken wird als alle bisher gekannten ökologischen, ökonomischen, militärischen, nuklearen, biotechnologischen und sonstigen Abgründe zusammen. Unter der naiv-fröhlich propagierten Agenda „4.0“ bzw. „digitalen Transformation der Gesellschaft“ ist nichts anderes geplant als die Ausklammerung des Menschen – insbesondere seiner Fähigkeiten zum Denken, Fühlen und Handeln – aus den bisherigen Lebenszusammenhängen. Stattdessen wird die Verantwortung an eine „künstliche Intelligenz“, also an eine digitale Elektronik bzw. an ein kaltes Zahlensystem übergeben (siehe dazu auch ein lesenswertes Essay in Peds Ansichten).

Da auch die Doomsday Clock (siehe „Bulletin of the Atomic Scientists„) mit Jahreswechsel zu 2017 um weitere 30 Sekunden vorgestellt wurde und nun auf zweieinhalb Minuten vor Mitternacht – d.h. der symbolischen Apokalypse – steht, werden manche meinen, dass gerade keine Zeit für philosophische Muße ist und man sich lieber „pragmatischen“ Dingen widmen sollte. Aber reißen wir uns einmal kurz von der alternativlosen Rautenperspektive los, und bedenken wir die Worte Fjodor Dostojewskijs:

„Und versucht nach Möglichkeit, den schlimmsten Unsinn zu vermeiden: Fakten, Fakten und nochmals Fakten.“ (Quelle: F.M. Dostojewskij, „Böse Geister“, Fischer Verlag, S.406 )

In diesem Sinne wollen wir unter der neuen Kolumne „Endzeit-Poesie 4.0“ ein bisschen philosophisches Brennholz verteilen. Jeder, der ein Streichholz zur Hand hat, kann dieses Brennholz entzünden und solcherart dem drohenden Erfrierungstod in Dantes Eishölle entgehen. Wenn wir viele sind, die es anzünden, dann können wir mit unserem gerade aus der Kurve fliegenden Zug vielleicht sogar noch die Kurve kriegen. Dann kann die gegenwärtige Endzeit zu einem neuen Anfang werden.

Wir haben genügend solches Brennholz auf Lager. Es ist nur zugeschüttet von einem „wabernden Morast“ (Zit. ORF), in dem wir nach Anusöffnungen suchen, um einen letzten emotionalen Kick zu erheischen (siehe „Kulturtod 4.0“) .

Da sich streng-wissenschaftliche Analysen bisher als weitgehend wirkungslos erwiesen haben, wollen wir also für einige Momente kurz die Blickrichtung ändern und die Poesie sprechen lassen. Sie kann uns so manche unlösbar erscheinende Rätsel der Gegenwart lösen, an denen unser neunmalkluger, aufs Äußerste zugespitzte Intellekt scheitert. Wer sich mit der Poesie anfreundet, der wird auch eines der grundlegenden Phänomene der Philosophie erfahren lernen: Dass unser Denken eigentlich nicht dazu da ist, um solange über etwas nachzubrüten, bis man für eine Fragestellung eine intellektuelle Lösung gefunden hat, sondern dass es ausreicht, die richtigen Fragen aufzustellen und unser Denken bloß dazu zu benützen, Sachverhalte zu charakterisieren und um sie herum zu kreisen. Am besten man schläft dann einfach darüber. Die Fragen werden sich in weiterer Folge schon von selbst lösen, Antworten und konkrete Lösungswege kristallisieren sich vor einem aus – ebenso wie der gesunde Impuls vor einem stehen wird, das Notwendige (das „Not-Wendende“ der griechischen Stoiker) zu tun. Wo zuvor noch lähmende Sachzwänglichkeit und tödliche Alternativlosigkeit geherrscht haben, eröffnet sich plötzlich ein gewaltiges Lebenspanorama mit unzähligen kreativen, humanen Lösungen. Das, was man dem Menschen nach fast zweitausend Jahren kirchlich geprägter Kulturgeschichte und Obrigkeitshörigkeit (‚extra ecclesiam nulla salus‘) abgesprochen hat, nämlich die Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Denken und Gestalten der Lebensumstände, belebt sich wieder und gewinnt Schwung.

Ausgestattet mit dieser reanimierten Fähigkeit kann man dem nackten Wahnsinn, der uns heute aus allen Richtungen angrinst, plötzlich wieder die Stirn bieten. Man erkennt dann, dass eine humane, ökologisch nachhaltige und sinnvolle Gestaltung unserer Zukunft möglich ist. „Nicht realistisch“ ist etwas nur deshalb, weil es nicht wirklich gewollt, nicht wirklich gedacht wird. Insofern sind unsere vielgelobten „Pragmatiker“ in Wirklichkeit die denkbar unpraktischsten Menschen – sie sind schlichtweg unfähig, den derzeit herrschenden, inhumanen Zuständen eine Wendung zu geben, da sie keine Ideale denken können, sondern nur gewohnt sind, sich auf vorgegebenen (technokratisch-nihilistisch-szientistischen) Gleisen zu bewegen.

Genug aber der Vorrede, kommen wir zur ersten Portion des versprochenen Brennholzes. Nehmen wir also die Poesie zu Hilfe, um alternativlose Krusten zu sprengen und eingefahrene Gleise zu verlassen. Zwischen den Zeilen echter Poesie lässt sich mehr herauslesen als in einer ganzen Bibliothek mit utilitaristischem Wissen der „herrschenden Lehre“. Lassen wir zum Einstand Fjodor Dostojewskij zu Wort kommen, wo er die Wurzel des gegenwärtigen und kommenden Übels sieht. Dostojewskij gilt ja als einer der herausragendsten Psychologen der Weltliteratur, Hermann Hesse bezeichnete ihn sogar als „Seher und Propheten“ – in der Tat musste ich über Dostojewskijs Fähigkeit, in die Zukunft zu schauen, staunen: Im vorletzten Absatz des nachfolgenden Textes sieht er sogar die Gründung der GWUP-/Skeptikerbewegung voraus!

(aus „Der Traum eines lächerlichen Menschen“, F.M. Dostojewskij:)

„Ich habe es bis jetzt verschwiegen, aber jetzt werde ich noch eine Wahrheit hinzufügen. Die Sache ist die, dass ich sie alle verdarb!

Ja, ja, es endete damit, dass ich sie alle verdarb! Wie das sich ereignen konnte, weiß ich nicht, doch erinnere ich mich deutlich, dass es so kam. Der Traum durchflog Jahrtausende und hinterließ bei mir nur den Gesamteindruck. Ich weiß nur, dass die Ursache des Sündenfalles ich war. Gleich einer scheußlichen Trichine, wie der Keim einer Seuche, die ganze Länder erfasst, so habe auch ich diese Erde angesteckt, die vor meiner Ankunft glücklich und frei von Sünde war. Sie lernten von mir das Lügen, fanden Gefallen am Lügen und erkannten den Reiz der Lüge. Oh, das begann vielleicht unschuldig, nur zum Spaß, aus Koketterie, als ergötzliches Spiel, vielleicht in der Tat aus einem Keim, doch dieser Keim der Lüge drang in ihre Herzen und gefiel ihnen sehr. Darauf entstand bald Wollust, aus Wollust Eifersucht, aus Eifersucht Grausamkeit . . . oh, ich weiß nicht wie, ich kann mich dessen nicht erinnern, genug, dass bald, sehr bald, das erste Blut floss: sie waren verwundert und entsetzt und fingen an, auseinander zu gehen und sich voneinander zu trennen.

Es entstanden Verbindungen, aber solche gegeneinander. Es begannen Vorwürfe und Beschuldigungen. Sie lernten die Scham kennen und erhoben dieselbe zur Tugend. Es entstand das Ehrgefühl; jede Verbindung erhob ihr eigenes Banner. Sie begannen die Tiere zu quälen und diese liefen von ihnen fort in die Wälder und wurden ihnen feind. Es begann ein Kampf um Sonderung und Trennung, um Persönliches, um Mein und Dein. Sie fingen an, in verschiedenen Sprachen zu reden.

Sie lernten das Leid kennen und gewannen es lieb; sie lechzten nach Qualen und behaupteten, dass man zur Wahrheit nur durch Qual gelangen könne. Jetzt erschien bei ihnen die Wissenschaft. Nachdem sie schlecht geworden waren — begannen sie von Brüderlichkeit und Menschlichkeit zu sprechen und erfassten erst diese Ideen. Nachdem sie zu Verbrechern geworden waren, erfanden sie die Gerechtigkeit und schrieben sich ganze Gesetzbücher vor, um sie zu beschützen; und zur Sicherung der Gesetzbücher stellten sie eine Guillotine auf.

Sie erinnerten sich kaum noch dessen, was sie verloren hatten; ja, sie wollten nicht einmal daran glauben, dass sie einstens unschuldig und glücklich gewesen waren. Sie lachten sogar schon über die Möglichkeit eines solchen früheren Glückes und nannten es ein Hirngespinst. Sie konnten sich dasselbe gar nicht vorstellen und in Formen versinnbildlichen, doch etwas war seltsam und wunderlich: wiewohl sie jeden Glauben an ihr gewesenes Glück verloren hatten und es nur ein Märchen nannten, begehrten sie doch so heftig, wieder von neuem unschuldig und glücklich zu sein, dass sie vor den Wünschen ihres Herzens gleich Kindern auf die Knie fielen, diese Wünsche vergötterten, Tempel erbauten und anfingen, ihre eigene Idee, ihren eigenen „Wunsch“ anzubeten; zu gleicher Zeit glaubten sie fest an die Unerfüllbarkeit desselben und beteten ihn dennoch unter Tränen an und sanken vor ihm auf die Knie.

Und trotz alledem, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, zu dem Zustande der Unschuld und der Glückseligkeit, den sie verloren hatten, zurückzukehren, und wenn ihnen jemand plötzlich diesen Zustand gezeigt und sie befragt hätte, ob sie zu ihm zurückzukehren wünschten — sie würden es gewiss abgelehnt haben.

Sie sprachen zu mir: „Mögen wir Lügner, böse und ungerechte Menschen sein, wir wissen das und weinen deswegen, wir martern uns dafür, wir strafen uns vielleicht mehr als selbst jener barmherzige Richter, der uns richten wird und dessen Namen wir nicht kennen. Aber wir haben eine Wissenschaft und mit ihrer Hilfe werden wir von neuem die Wahrheit finden; doch werden wir sie dann bewusst aufnehmen: Erkenntnis steht über dem Gefühl, die Erkenntnis des Lebens — steht über dem Leben. Die Wissenschaft wird uns Weisheit bringen, die Weisheit wird uns die Gesetze zeigen; und die Kenntnis der Gesetze des Glückes steht höher als das Glück selbst.“

Das sprachen sie. Und nach solchen Worten gewann jeder sich selbst mehr lieb als alle anderen — ja, sie konnten auch nicht anders handeln. Jeder wurde so sehr auf sein eigenes Ich bedacht, dass er aus allen Kräften bestrebt war, die anderen ja nur zu erniedrigen und zu unterdrücken; und darin sah er den Zweck seines Lebens. So kam Sklaverei, ja, es gab sogar freiwillige Sklaverei; die Schwachen unterwarfen sich gern den Stärkeren, nur mit der Bedingung, dass sie ihnen behilflich seien, die noch Schwächeren zu unterdrücken.

Es traten Gerechte auf, die zu diesen Menschen kamen und ihnen mit Tränen ihren Stolz vorhielten und über den Verlust von Maß und Harmonie und über die Einbuße der Scham sprachen. Sie wurden verlacht und mit Steinen beworfen. Heiliges Blut floss auf den Schwellen der Tempel.

Dafür aber erschienen Leute, die ausfindig zu machen versuchten: wie könnten sich alle wieder vereinigen und wie könnte jeder seine Selbstliebe pflegen, ohne seine Nächsten zu stören? Auf diese Art würden alle wieder gemeinsam wie in einer einträchtigen Gesellschaft leben. Ganze Kriege entstanden wegen dieser Idee. Alle Kriegführenden waren fest davon überzeugt, dass Wissenschaft, Weisheit und Selbsterhaltungstrieb zu guter Letzt die Menschen zwingen würden, sich zu einer einträchtigen vernünftigen Gesellschaft zusammenzufinden; und darum waren alle „Vernünftigen“ bemüht, vorläufig zur Abkürzung des Prozesses rasch alle Nichtvernünftigen, die ihre Ideen nicht verstanden, auszurotten, damit sie dem schließlichen Triumph ihrer Idee nicht im Wege stünden.

Aber der Selbsterhaltungstrieb wurde bald schwächer, es erschienen Stolze und Wollüstige, die geradezu forderten: Alles oder Nichts. Um alles zu erreichen, nahm man Zuflucht zum Verbrechen, und wenn es misslang – zum Selbstmord.

Es kamen Religionen auf mit dem Glauben an das Nichtsein und an die Selbstvernichtung zum Zwecke ewiger Ruhe im Nichts.

Endlich wurden diese Menschen müde in ihrer sinnlosen Arbeit und in ihren Gesichtern machte sich das Leiden bemerkbar. Und sie verkündeten: dass Leiden Schönheit bedeute, denn nur im Leiden sei ein Sinn enthalten. Sie priesen das Leiden in ihren Liedern. Ich ging unter ihnen umher, händeringend und klagend, aber ich liebte sie vielleicht noch mehr als damals, da auf ihren Gesichtern noch nicht das Leiden lag, ab sie noch unschuldig und wunderschön waren. Ich gewann ihre durch sie entweihte Erde noch mehr lieb als früher, da sie noch ein Paradies war, und nur deshalb, weil auf ihr das Leid erschienen war. Ach, ich liebte stets Leid und Gram, aber nur für mich, für mich allein; doch um sie weinte ich, da sie mich dauerten. Ich streckte ihnen meine Arme entgegen und beschuldigte, verachtete und verfluchte mich selbst voller Verzweiflung. Ich sagte ihnen, dass an all dem nur ich, ich allein schuld sei; dass ich ihnen die Verderbnis, Seuche und Lüge gebracht hätte. Ich flehte sie an, mich ans Kreuz zu schlagen; ich lehrte sie ein Kreuz zimmern. Ich vermochte nicht, ich hatte die Kraft nicht, mich selbst zu töten; ich wollte von ihnen Martern empfangen, ich dürstete nach Martern, dürstete danach, dass in diesen Martern mein Blut Tropfen um Tropfen schwinde. Aber sie, sie lachten mich nur aus und hielten mich am Ende für blödsinnig. Sie verteidigten mich: sie sagten, sie hätten nur das bekommen, was sie sich selbst gewünscht hatten und alles hätte gar nicht anders sein können. Endlich aber erklärten sie mir, dass ich ihnen gefährlich werde und dass sie mich ins Narrenhaus stecken würden, wenn ich nicht schwiege. Da drang das Leid mit solcher Heftigkeit in meine Seele ein, dass sich mein Herz zusammenkrampfte und ich fühlte, dass ich sterben müsse, und da …. ja, da erwachte ich.“

Gesamter Text siehe z.B. Archive.org

„Islamischer Staat“ – Sturm auf Europa … finanziert durch Petrodollar

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Donnerstag, 20.8.2015. Eifel. Verstehen Sie noch die Welt?  Nein? Ich auch nicht. Mir persönlich ist das besonders peinlich, weil sich eine meiner Aussagen über die Prophezeiungen des Nostradamus als völlig falsch erwiesen haben. Ich finde sie nicht im Netz – was auch nicht weiter stört, da jeder Ausleger des Nostradamus eigene Interpretationen für das Ende der Welt anfertigt. Die, um die es mir damals ging, besagte, dass der Islam die nächste große Gefahr für Europa werden wird, sah islamische Kämpfer die europäischen Hauptstädte fluten. „Was für ein Quatsch“, so empörte ich mich Anfang der achtziger Jahre und referierte detalliert über die Streitkräfte der Nato – allein der italienische Grenzschutz schien stark genug, um Europa vor muslimischen Horden zu schützen – mal davon abgesehen, dass Muslime damals als introvertiert, weltfremd und völlig friedlich galten. Das lernte man ja noch in der Schule: die Religion war Schuld an der Rückständigkeit und verantwortlich für die Schwäche der arabischen Völker.

2015 sieht die Welt anders aus – und es sieht so aus, als hätte die Welt endlich jene Bösewichter bekommen, die sie braucht, um den Islam zu hassen, endlich … denn „Al Kaida“ gab dafür leider nicht genug her. „Wie aus dem Nichts“ fielen sie über die irakische Stadt Mossul her und nahmen sie mit einer Hand voll Kämpfer ein. Der Deutschlandfunk beschreibt – systemkonform – in einem Bericht über ein Buch, dass das „Kalifat des Schreckens“ zum Thema hat, wie wir die Entwicklung zu sehen haben (siehe Deutschlandfunk):

„“Im Juni 2014 errang der IS mit der Einnahme der Stadt Mossul den bisher größten Erfolg seiner Geschichte. In den frühen Morgenstunden des 6. Juni nahmen 1.500 bis 2.000 Kämpfer die Stadt am Tigris mit ihren rund 1,5 Millionen Einwohnern im Sturm.“

Die Einnahme Mossuls kam völlig unerwartet, heißt es weiter, unerwartet für die irakische Regierung und den Nahen Osten, für die USA und die Weltöffentlichkeit.“

Ein Verhältnis von 1: 1000, Angreifer gegen Verteidiger – und das in einer Großstadt, die als das schwierigste Terrain innerhalb der Herausforderungen der modernen Kriegsführung gilt – jedenfalls hieß es so, als die US-Truppen Bagdad angriffen. Gnädigerweise hatte die irakische Armee die Stadt verlassen, war vor den brutalen Horden geflüchet. Wäre blöd für die kleine Truppe gewesen, wenn da jemand zurückgeschossen hätte. Die Geschichte wirkt ja fast wie ein kleines Märchen, so, als ob Allah selbst die unbesiegbaren Krieger aus dem Himmel herabgesandt hatte, um die Ungläubigen zu strafen.

Läßt man ihre Taten auf sich wirken, so denkt man eher: „Mad Max“ ist wahr geworden, die Hölle hat ihre Pforten geöffnet und ihre engagiertesten Seelen auf die Erde ausgespuckt: massenhafte Versklavung und Vergewaltigung von Frauen, Massenmorde an Jesiden, Christenvertreibungen, Folterungen, Hinrichtungen – alles ist im Angebot (siehe Spiegel). Aktuell toben sie gerade in Libyen, über 1000 Kilometer entfernt von ihrem Heimatkalifat, getrennt von ihm durch Länder wie Israel, Jordanien, Saudi-Arabien und Ägypten (siehe Zeit):

„Zahlreiche Aufständische wurden quer durch die Stadt an Metallgerüsten gekreuzigt. Exekutierte hingen an Brücken und Hochstraßen. IS-Kommandos richteten 22 Verletzte in ihren Betten hin und steckten anschließend das gesamte Lazarett in Brand. Nahe einer Schule im östlichen Wohnbezirk Nummer drei, dem Zentrum des Aufstands, fanden Augenzeugen zwölf Leichen mit abgeschlagenen Köpfen.“

Wie kommen die wohl nach Libyen? Wer den zitierten Zeit-Artikel weiter liest, erfährt, dass die meisten Dschihadisten aus Tunesien stammen … was noch weiter westlich des „Islamischen Staates“ liegt. Und wer animiert sie zu solchen brutalen Exzessen, die sie zu Feinden der ganzen Welt machen? Wer stachelt sie dazu auf, ihre Gräueltaten auch noch ins Netz zu stellen? Wir können ja kaum noch Luft holen: schon kommen neue Horrormeldungen über die kleine Bande von Gewaltverbrechern, die – trotz aller Widerstände, Bomben und bösen Worte – ein neues Kalifat nach dem anderen errichtet … oder sagen wir Emirat. Über eins in Ostlibyen berichtet der österreichische Standard (siehe Standard):

Die „Shura der Islamischen Jugend“ hat ihre Gründung im April öffentlich gemacht. Maskierte Männer in Militäruniformen und mit schwarzer Fahne paradierten mit Pick-ups durch die Straßen und stellten ihr eindrückliches Waffenarsenal zur Schau: Maschinengewehre, Granatwerfer und Flugabwehr-Raketen.

Wer sind eigentlich die militärischen Berater dieser Aktivisten? Wer hat eigentlich dieses Konzept der schnellen Eingreiftruppen entwickelt, die mit leichten Fahrzeugen tief ins Feindesland vorstoßen – was möglich ist, wenn sie die richtige Ausrüstung haben? Das war die US-Armee mit ihrem Konzept der „leichten Infanteriedivision“, eine Streitmacht, die in „low-level-Konflikten“ enorme Erfolge versprach. Bedingung war: Ausrüstung mit Flugabwehrraketen und Panzerabwehrraketen. Schwere Kampfhubschrauber stecken die Kugeln von Maschinengewehren locker weg, können aber dutzende leichter Fahrzeuge risikolos vom Erdboden verschwinden lassen – ebenso wie ein einzelner Kampfpanzer ganze Kolonnen dieser „Pick-up-Trucks“-Armeen aufhalten kann – davor muss man sich zuerst schützen, dann aber ist der Durchmarsch möglich. Ideales Einsatzgebiet für diese leichten Infanterieeinheiten? Städte, Gebirge, Waldgegenden (siehe Militäry Technologie, Vol 8, Iss 10, 1984, Seite 53, Artikel von Lon Nordeen über die Qualitäten der neuen leichten US-Infanteriedivisionen).

Seltsam, dass diese „IS-Terroristen“ diese optimale Ausrüstung haben – und Ausbildung. „Blitzkrieg“ ist hier die Devise – ein Wort das bis heute bei US-Militärs hohen Respekt genießt – jenem Militär, dass sich bedauerlicherweise ebenfalls durch Scheußlichkeiten gegen Zivilbevölkerung und Gefangene auszeichnet – auch im eigenen Land.

Doch noch mehr verwundert. Da hört die NSA die ganze Welt ab – vor allem aber Nordkorea, die BRD und den Irak. Wie effektiv das ist, musste kürzlich erst eine junge Deutsche erfahren, der die Einreise wegen eines Facebook-Chat-Eintrages verweigert wurde (hierzu und noch zu anderen verweigerten Einreisen bitte mal den Urlaubsguru lesen) – und da soll man glauben, dass niemand bemerkt hat, dass sich dort ein perfekt ausgerüsteter Kampfverband in Regimentsstärke bildet … der wohl ein wenig gefährlicher ist als eine 19-jährige Abiturientin?

Doch damit nicht genug: die Medien übertreffen sich geradezu in Meldungen über die unbesiegbare Armee der Gotteskrieger, die damit drohen, Deutschland anzugreifen (siehe Der Westen) und letztlich durch einen Angriff auf Indien das Ende der Welt herbeiführen wollen (siehe Focus, der auf einen Artikel von „USA Today“ verweist). Es wirkt seltsam, dass sich die Gotteskrieger scheinbar hervorragend mit dem Kalachakra des tibetanischen Buddhismus auskennen: nur dort – im Rahmen des Mythos um die mystische Stadt Schamballa findet man die Geschichte von dem mystischen Endzeitkrieg zwischen den Buddhisten und den Muslimen, der jetzt laut Focus in die Realität umgesetzt werden soll … und angesichts meiner Erfahrungen wage ich gar nicht mehr zu sagen: was für ein Nonsens.

Seltsamerweise merkt man bei den Kriegern Gottes eine seltsame Zurückhaltung gegenüber den USA, obwohl die sie bombadiert, eher scheint Europa zum Ziel zu werden. Informiert man sich weiter über jene Gruppierungen, die sich so unerwartet und plötzlich aus dem Hyperraum beamten wie die Angreifer am 11.9.2001 (obwohl es zu dieser Annahme auch Gegenstimmen gibt, siehe NDR), so wird es noch verworrener – zum Beispiel was die Finanzierung angeht (siehe Deutsche Welle), im Irak vermutet man Saudi Arabien als Unterstützer, doch:

Die USA, Verbündete Saudi-Arabiens, weisen die Anschuldigungen von Iraks Premierminister zurück. Die Äußerung seien „ungenau und beleidigend“, sagte Jen Psaki, eine Sprecherin des US-Außenministeriums am Dienstagabend.

Da stellt man sich schützend vor jemanden, den deutsche Experten für eindeutig schuldig halten:

Günter Meyer, der das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz leitet, hat jedoch keinen Zweifel an den Geldflüssen. „Die wichtigste Quelle der Finanzierung war bisher die Unterstützung aus den Golfstaaten, allen voran Saudi-Arabien, aber auch Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate“, so Meyer gegenüber der Deutschen Welle.

Man erfährt auch, warum Mossul so ein wichtiges Ziel war: dort haben die hirnlosen Rowdies zufällig die Zentralbank plündern können und so 429 Millionen Dollar erbeutet –  ein Bankraub im ganz großen Stil.

Ja – Saudi-Arabien. In der Zeit findet man dort eine Notiz, die seltsame Erinnerungen hervorruft (siehe Zeit):

„Saudi-Arabien bleibt ein entscheidender Geldgeber von Al-Kaida, den Taliban und anderen Terrorgruppen“, urteilte laut Wikileaks bereits 2009 die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton. 15 der 19 Attentäter vom 11. September 2001 stammten aus dem Königreich, mittlerweile sind nach Schätzungen diverser Geheimdienste 3.000 bis 4.000 junge Saudis in Syrien auf heiligem Kriegspfad, die meisten in den Reihen der schwarzen Kommandos des Islamischen Staates (IS).

Ja – 15 der 19 Attentäter des 11.9.2001 waren Saudis. Deshalb wurde ja auch Afghanistan angegriffen und besetzt. Und der Irak vernichtet. Logisch, oder? Wenn mich ein Hund ins Bein beißt, schlage ich auch sofort nach Katzen und hasse Mäuse.

Auch die „Tagesschau“ erklärt uns – entgegen der Meinung der USA – dass Saudis hinter der Finanzierung der IS stehen (siehe Tagesschau):

Die IS-Terroristen versorgen sich aus US-Militärbeständen, die die Amerikaner bei ihrem Abzug im Irak beließen. Sie kaufen auf dem Graumarkt weitere Waffen und Munition durch Gelder, die sie vor allem von reichen Golf-Arabern beziehen. In den sunnitischen Ländern gibt es etliche religiöse Stiftungen. Über diese Stiftungen fließen die Mittel direkt an die IS-Rebellen. Es gibt Reiche Golf-Araber – vor allem aus Saudi-Arabien, in geringerem Umfang auch aus Katar und Kuwait – die die Dschihad-Kämpfer bewundern.

Zu welchem Zweck hinterließen die USA eigentlich Waffen im Irak – und wer hat den Gotteskriegern verraten, wo sie aufzutreiben sind? Nun – der Blick wird durch die Worte der Tagesschau geschärft: es ist nicht „Saudi-Arabien“, das den Terror finanziert, sondern „Reiche“. Nun – nach der kleinen Anschubfinanzierung durch … „irgendwen“ … und durch den gezielten Angriff auf die Zentralbank von Mossul (was nirgendwo die Frage aufwirft, woher die „primitiven“ Hirten eigentlich wussten, wo diese Bank zu finden ist … und woher sie wussten, dass man dort richtig absahnen kann) kann sich die „Terrororganisation“ jetzt angeblich selbst mit Geld ausstatten – durch den Verkauf von Öl in der Türkei (siehe Süddeutsche). Die Türkei selbst bombadiert als Maßnahme gegen diesen Terror die Stellungen jener Kurden, die gegen die IS kämpfen – schützt so den Verkauf des Rauböls im eigenen Land. Keiner bombadiert die schwerfälligen, großen Tanklaster, niemand hält sie an der Grenze auf – trotz massiven Aufmarsches der türkischen Armee in diesem Gebiet (siehe Spiegel). Dafür scheint es Beweise dafür zu geben, dass auch die Türkei, aus der scheinbar schon mal „Lebensraum im Westen“ gefordert wurde (siehe Nachrichtenspiegel) sich fleißig an der Ausbildung neuer Terrorkampfverbände beteiligt (siehe Spiegel).

Merken Sie, warum ich etwas verwirrt bin – mitten im Vierten Weltkrieg, dem „Weltkrieg gegen den Terror“? (siehe Welt). Wie soll ich da noch die Nachricht verarbeiten, dass die Türkei und die Ukraine zusammen eine „Internationale Brigade“ bilden (siehe Voltaire.net)? Ach ja – Voltaire.net …. das darf man gar nicht lesen, erst recht nicht diesen Artikel … denn dann wird man völlig konfus, garantiert (siehe Voltaire.net):

Die Beamten der Europäischen Union irren sich komplett bei den islamistischen Anschlägen in Europa und bei der Migration zur Union der Kriege fliehenden Menschen. Thierry Meyssan zeigt, dass das alles nicht die unbeabsichtigte Folge der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika ist, sondern ein strategisches Ziel der Vereinigten Staaten.

Wenn die EU-Politiker ein wenig gereist wären, nicht nur im Irak, in Syrien, in Libyen, im Horn von Afrika, Nigeria und Mali, sondern auch in der Ukraine, hätten sie mit ihren eigenen Augen die Umsetzung dieser strategischen Doktrin gesehen.

Ein großer Plan gewisser „Kreise“ in den USA zur Destabilisierung des europäischen Konkurrenten durch Terrorismus (der wieder schwunghaft europaweit rechtsradikale Nationalisten stärkt, mit denen die Nato in der Ukraine schon gemeinsame Übungen macht), Import des Terrorismus durch Maximierung der Zuwanderung? Unmöglich – und doch überrascht die Realität immer wieder, aktuell durch die Nachricht, dass wir anstatt 500000 Flüchtlinge plötzlich mit 800 000 Flüchtlingen (siehe Spiegel) oder sogar einer Million rechnen müssen, finanziert durch die USA (siehe Voltaire.net), eine Entwicklung, die bedrohlich wird, wenn man erfährt, dass die IS ihre Kämpfer gezielt nach Europa befiehlt (siehe Welt, die gerade Europa für das nächste Schlachtfeld hält).

Sind Sie nun auch durcheinander, wissen nicht, was Sie tun sollen? Verstehen die Welt nicht mehr?

Brauchen Sie auch nicht, denn was Sie zu tun haben, wird Ihnen von deutschen Prominenten und Kadern der Geheimdienste schon vorgelebt: Sie sollen sich vorbildlich um Flüchtlinge kümmern … und den Islam hassen. Für Ersteres sorgen die Medien, für Letzteres ehemalige Fotojournalisten der Bildzeitung und eine stetig wachsende Bande von ultrarechten Junggermanen, die gerne ihre geistige Nähe zur Ehtik der IS demonstrieren. Das Chaos, das den Norden Afrikas und den Vorderen Orient verwüstet, breitet sich gerade in unseren Köpfen aus.

Und wem nützt das? Wem nützt die Zerrüttung staatlicher Gemeinschaften in Afrika und Europa, die Schwächung des Zusammenhaltes der Menschen in den Ländern?

Vor lauter Hilflosigkeit schaue ich nochmal bei Voltaire vorbei (siehe Voltaire.net):

Das Prinzip dieser strategischen Doktrin lässt sich so zusammenfassen: das einfachste, um natürliche Ressourcen eines Landes über einen langen Zeitraum zu plündern, ist nicht, es zu besetzen, sondern den Staat zu zerstören. Ohne Staat, keine Armee. Ohne feindliche Armee, kein Risiko für eine Niederlage. Deshalb ist das strategische Ziel der US-Armee und der von ihr geleiteten Allianz, der NATO, die Staaten zu zerstören. Was aus der betroffenen Bevölkerung wird, ist nicht Washingtons Problem.

Plumper Antiamerikanismus. Was für ein Nonsens – oder?

Allerdings … ganz im Sinne einer kaum bekannten Studie der britischen Armee aus dem Jahre 2007:

„Ein überraschendes Ergebnis war, „dass die Militärs sich vor Neomarxisten in der globalen Mittelklasse fürchten“; „der Konflikt der Staaten geht, der Konflikt der Klassen kommt“ (Aus: H.J.Krysmanski, 0,1 %, Das Imperium der Milliardäre, Westend 2. Auflage 2013, Seite 56/57).

So könnte ein Schuh daraus werden, der nicht dauernd auf den Verstand drückt: die Superklasse stürzt die Welt ins Chaos, um den Neomarxisten präventiv den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dort findet sich auch die Kompetenz, wilde Hirtenkrieger zu Kommandostreitkräften im Sinne der leichten US-Infanteriedivision umzuformen … und aus dem Nichts einen Staat zu schaffen, der perfekte Strukturen aufweist (siehe Südddeutsche). Die Agenten der Superklasse in Saudi-Arabien, die dortigen Herren über die Petrodollars hacken übrigens schon seit Jahrzehnten Köpfe ab, ohne dass die Tagesschau sich groß empört (siehe Schwäbisches Tagblatt).

Von dort kamen auch die Attentäter des „nine-eleven“ … oder von ihren Brüdern in den USA – so gesehen ist es egal, welcher Verschwörungstheorie man folgt.

Darf ich Sie noch ein letztes Mal verwirren? Die strenge Form des Islam, der die Welt terrorisiert und in Saudi-Arabien fest verankert ist, gilt nicht für die Zöglinge der Superreichen. Es heißt:

„Die Ausschweifungen von Mitgliedern der Herrscherfamilie sind einer der Gründe, warum Osama bin Laden den al Sauds den Krieg erklärt hat. Er wirft der Familie vor, sich mit ihrem Lebensstil und ihrer Politik vom Islam abwendet zu haben. Jeder aufrechte Muslim habe daher die Pflicht, dieses Regime zu stürzen.“ (siehe Tagessspiegel).

Da wird mir plausibel, warum die eine eigene Waffen-SS aufbauen, eine eigene „schwarze Garde“, die „dort draußen“ Krieg gegen alle führt und vor allem den Pöbel ins Chaos stürzt – einem Chaos, in dem man dann mit eigenen Privatarmeen prächtig durchregieren kann.

 

 

 

 

 

 

Reich gegen arm – das Endspiel.

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Samstag, 11.11.2015. Eifel. Bereiten Sie sich schon auf die Apokalypse vor? Kaufen Sie schon Nahrungsmittelreserven, damit es Ihnen nicht so geht wie den Griechen? Wissen Sie überhaupt, was den Griechen passiert ist? In einem Anfall von Wahrheitswahn hat der Spiegel kürzlich einige Fakten über Griechenland veröffentlicht (siehe Spiegel): die Renten sanken um 45 %, die ärmsten Haushalte verloren 86% ihrer Einkommen. Verglichen mit Deutschland wären hätten die Ärmsten einen Hartz IV-Regelsatz von 55 Euro im Monat – was unsere Wirtschaft begeistern würde. Ja – die „Wirtschaft“ (eigentlich nur ein Synonym für zahlungskräftige Lobbygruppen – ich habe in der Eifel mal ein paar „Inhaber“ gefragt: die waren sich sicher, nicht zur „Wirtschaft“ zu gehören) begrüßt Sanktionen, wie sie gegen Russland, den Irak, Griechenland oder deutsche Arbeitslose verhängt werden (siehe OTZ) – ach: hoppla, nein, da begrüßt nur ein Funktionär die Sanktionen gegen deutsche Arbeitslose, die anderen Sanktionen kamen mir selbst in den Sinn.

Im Irak haben Sie 500000 Kinder gekillt (siehe AG-Friedensforschung), die Zahl der Toten in Griechenland oder Russland sind noch nicht ermittelt worden – angesichts der Tatsache, dass der Zusammenhang zwischen Sanktionen (dem Abschneiden der Versorgungsleistungen) und toten Kindern bekannt ist, darf man wohl zurecht den Schluss ziehen, dass Sanktionen heutzutage mit einer Tötungsabsicht gegen die Zivilbevölkerung verbunden sind, oder – wenn ich nach Griechenland schaue – einem Vernichtungsprogramm für Arme gleichen.

Dieses Programm kann man auch in Deutschland erkennen – nur darf man hier nicht drüber reden. Vernichtung gilt erst dann als Vernichtung, wenn sie in Ausschwitz mit Gas an Juden vollzogen wird: darüber wachen die Rechtssozialisten der Republik, die – auf die Folgen von Hartz IV angesprochen – seltsam stumm werden.

Die Frankfurter Rundschau erläutert, wie lebensgefährlich Hartz IV ist (siehe fr-online.de):

Arbeitslosigkeit wirkt sich jedoch auch gesundheitlich aus. Mehrere Studien haben unabhängig voneinander ergeben, dass Arbeitslose besonders häufig und besonders schwer krank sind. Nach einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes aus dem Jahr 2010 waren Arbeitslose doppelt so häufig an Krebs und viermal häufiger psychisch erkrankt als Erwerbstätige. Nach einer 2006 veröffentlichten Untersuchung des Institutes für medizinische Psychologie der Universität Leipzig steigt das Sterblichkeitsrisiko von Arbeitslosen bereits kurz nach Beginn der Arbeitslosigkeit deutlich an.

Gründe sind unter anderem Suchterkrankungen, Bluthochdruck bis hin zum Herzinfarkt und Depressionen. Und nach einer jüngst veröffentlichten Studie der Universität Zürich liegt die Suizidrate von Erwerbslosen deutlich über der Suizidrate von Erwerbstätigen. Die „soziale Hängematte“ ist keine.

Eine tödliche Verachtung schlägt jenen Menschen entgegen, die aus der religiösen Anbetung von Arbeit ausgeschlossen sind, getragen von den Besserverdienern des Landes in Politik, Gesellschaft und Medien, Besserverdiener, die ihr Kapital maximal verzinst sehen möchten. Zwecks Kapitalvermehrung stellt ihnen die EZB gerade eine Billion Euro zur Verfügung – eine Summer, mit der man im Schlaf Millionär werden kann. Das werden ja auch viele: die Zahl der Millionäre steigt ständig, ihr Privatvermögen wird 2019 weltweit über 200 Billionen Dollar liegen (siehe Spiegel) – damit können sie die gesamten Waren und Dienstleistungen der Welt mehrfach kaufen. Woher das Geld stammt? Zu 73 Prozent aus Zinsleistungen, wie man sie aktuell aus Griechenland herauspresst.

Menschenleben spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle – wenn überhaupt. Sie sollen froh sein, wenn sie noch einen Bullshitjob ergattern – auch wenn ihnen der ihre ganze Lebensqualität wegfrisst (siehe Spiegel). Weltweit haben nur noch 25 % der Menschen einen festen Job (siehe Spiegel), 75 % zittern täglich um ihre Existenz. In Deutschland hat sich die Zahl der befristeten Arbeitsverträge in den letzten zwanzig Jahren verdreifacht, 42 Prozent aller neu abgeschlossenen Arbeitsverträge sind befristet (siehe Law-Blog). Schön, wenn man unter Ratten wäre, die haben jetzt wissenschaftlich bewiesen, dass sie „Empathie zeigen und die Not von Artgenossen wahrnehmen“ (siehe Standard.at) – eine Fähigkeit, die reichen Menschen immer mehr abgeht.

Wundert es einen, das die IWF-Chefin für ihre 37000 Euro im Monat keine Steuern zahlt (siehe t-online)  – aber den Griechen die Existenzgrundlage nimmt? Das ist doch das ganz normale asoziale Verhalten der neuen feudalen Oberschicht, die sich gerade zementiert – und einzementiert. In der Tat bauen sich die Superreichen in Deutschland gerade einen Superbunker – und zwar in der Nähe der Stadt Rothenstein. Schauen Sie ihn sich ruhig mal an, die britische Zeitung Daily Mail hat ein paar Aufnahmen davon veröffentlicht (siehe DailyMail). Bei den Preisen, die dort aufgerufen werden, können die gar keine Steuern zahlen – oder Rücksicht auf die Unterschichten nehmen, jene Unterschichten, die heute noch meinen, durch exesszive Quälerei aus ihren Kindern Geldbarone machen zu können und ihnen deshalb die Ferien stehlen: 55 % aller Eltern pfeifen auf Ferien (siehe Spiegel) – die aus gutem Grund so lange dauern, damit die Kinder auch mal ihre sozialen Qualitäten ausprobieren und zu sich selbst finden können.

Der „run“ auf die Plätze im Superbunker beginnt sehr früh – „the winner takes all“ wird einen von einer Million Menschen dorthin bringen. Der Rest vergeht in der Apokalypse – die scheinbar die Reichen mit ihren unendlichen Informationsmöglichkeiten viel eher kommen sehen als die Arbeits- und Konsumameisen der Unterschicht mit ihrem Trash-TV und staatlichem Beruhigungsfunk, die ganze Generationen zu lebensuntüchtigen Yuppies erzieht, die vor allem eins können: überzogene Erwartungshaltungen perfekt formulieren und mit äußerstem Nachdruck vertreten (siehe Welt) und so völlig fern von jener Welt leben, in denen kriminelle Elemente armen Menschen die Nieren klauen (siehe Spiegel).

Nun denn – zurück zur Apokalypse, auf die sich die Reichen vorbereiten, während die Armen noch vom Aufstieg träumen – einem Aufstieg, für den bei den enormen Zinserwartungen der Reichen überhaupt kein Geld mehr dasein wird.

Die Reichen – wissen halt mehr als wir. Sie wissen, dass das Spiel vorbei ist. Sie haben die Geschichte genau studiert, haben genug Geld, jene Fachbücher zu kaufen, in denen harte Fakten den Rahmen beschreiben, der unsere Zukunft bestimmt. Eins dieser Bücher hat mir jetzt ein Hartz-IV-Empfänger geschenkt – ein Moment, in dem ich meine Armut verwünschte, denn gerne hätte ich ihm das Geld dafür erstattet – was mein Geldbeutel jedoch momentan nicht hergibt. Es kostet hundert Euro, stammt von dem US-Ökonom Guido Giacomo Preparata und lautet „Wer Hitler mächtig machte“. 400 Seiten kompakte Information, die – würde es nach mir gehen – an jeder Schule, jeder Universität und jeder betrieblichen Ausbildungsstätte weltweit gelehrt werden sollten, Informationen, die man im Internet (noch) kaum findet.

Schon recht früh stößt man auf die Information, warum Bismark eigentlich die Sozialgesetzgebung einführte – nicht etwa, weil er das Empathieniveau von Ratten hatte, sondern weil er sah, dass das Gespenst des internationalen Sozialismus den feudalen Gesellschaften jener Zeit den Boden unter den Füßen wegzuziehen drohte. Gut bezahlte Rechtssozialisten wurden dann als „Gegenfeuer“ installiert (wir kennen sie heute als SPD), um die drohende weltweite Allianz von Normalmenschen zu verhindern. Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen – auch wenn es einem einen kalten Schauer über den Rücken jagt, wenn man sieht, dass die gleichen Finanzeliten gerade wieder einmal für einen neuen, großen europäischen Krieg trommeln – mit exakt den gleichen Methoden wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, vor dem großen Krieg, dem ersten großen Massenvernichtungskrieg, dessen grundlegenden Elemente man schon 1860-1865 im amerikanischen Bürgerkrieg studieren konnte.

Die Reichen wissen halt, dass die Zeit reif wäre für eine neue internationale Bewegung von Menschen, die kooperativ ein recht vernünftiges Ziel verfolgen, dass Immanuel Kant den „Ewigen Frieden“ genannt hat und eine kooperative, friedliche Gemeinschaft von vernunftbegabten Menschen mit gleichen Rechten beschreibt, die er als unaufhaltsam ansah. Nun – er hatte nicht mit dem Intrigenpotential der (hauptsächlich nichtjüdischen) Hochfinanz gerechnet. Wie beendet man eine solche Gemeinschaft? Man erstickt sie schon im Keim – in dem man sie einfach mal wieder gegeneinander marschieren läßt. Klappte schon zwei mal – die Verdienstaussichten waren phantastisch. Im Superbunker überlebt man die wirren Jahre zudem wie im Urlaub.

Diesmal jedoch – scheinen sie nicht so lange warten zu wollen, bis sich die ersten Ansätze produktiver Kooperation zeigen (wie ich sie z.B. in den umfangreichen Planungen von TREEEC wiederentdeckt habe, mit dessen Initiator man aktuell gerne mal selbst plaudern kann – siehe blog.treeec.xyz).

Die Zeit für Gegenmaßnahmen wird knapp … umso knapper, als das unsere Umwelt die kapitalistischen Produktionsmethoden nicht mehr aushält und wir langsam aber sicher flächendeckend mit Mikroplastik verseucht werden (siehe Zeit), doch noch knapper ist die Zahl jener Menschen, die versteht, dass man sich solchen Problemen besser in Gemeinschaft stellen kann. Lieber träumt man seinen Selbstversorgertraum (also ob die Söldner der Finanzfeudalisten die Ernte nicht mit Waffengewalt an sich nehmen würden), vom Auswandern (als ob es eine Fluchtmöglichkeit vor der Globalisierung gäbe) oder von der Million (mit der man in Deutschland endlich Vollbürgerstatus hätte) … d.h. man spielt das Spiel, dass US-Medien vorgeben: „Einer kam durch“.

Ich denke, diese Botschaft wird mit Absicht verbreitet, um den Solidargedanken im Menschen zu töten – wodurch er sozial weit unter ethische Normen fällt, die selbst im Tierreich Gültigkeit haben. Aber auch vor dieser sozialen Apokalypse kann man sich im Superbunker schön schützen, bis alle Leichen komplett verwest sind.

Und … was waren nochmal Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich kann Ihnen noch ein paar Tips geben: gründen Sie doch einfach internationale Solidargemeinschaften mit kapitalunabhängigen Medien, die untereinander in eigener Währung handeln. Sie wären verblüfft, wie viele Freunde sie in der Produktivwirtschaft finden, die unter dem Höhenflug der Finanzwirtschaft ebenfalls leidet – und ebenfalls keine soziale, atomare oder okologische Apokalypse gebrauchen können noch sich einen Platz im Superbunker leisten können. Sprechen Sie doch einfach mal jene 60 Prozent der Deutschen an, die nicht mehr an die Demokratie in Deutschland glauben.

Aber ich sehe: dafür haben Sie keine Zeit: sie müssen Ihre Kinder durch die Ferien peitschen. Ja – Sie haben recht: vielleicht kommt ja eins durch. Vielleicht sogar Ihres.

 

 

 

Bilderberger 2015: Daten, Fakten, Ziele – und Krieg im Sommer

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Donnerstag, 11.6.2015. Eifel. Es ist wieder Bilderbergtreffen und die Welt ist in Aufruhr. Heute treffen sich wieder einmal mächtige Männer und Frauen, um sich gegenseitig Vorträge zu halten. Manche von ihnen trafen sich erst am Wochenende im Rahmen des G-7 Gipfels, andere trafen sich an anderen Orten und knüpften ihre Netze. Bilderbergtreffen lassen sich immer gut verkaufen, sie haben etwas Elitäres, etwas Geheimnisvolles, etwas, dass an James Bond und Dr. No erinnert. Daraus lassen sich viele wunderbare Geschichten entwickeln, die die Phantasie anregen – und den Verstand verwirren. Dabei – seien wir mal ehrlich: in ermüdenden Vortragsorgien a´ 15 Minuten läßt sich keine Weltverschwörung organisieren – erst recht nicht mit ständig wechselnden Teilnehmern.

Schauen wir doch mal zurück in die Geschichte – und lauschen einem Menschen, der sich mit der Plutokratie beschäftigt: Prof. H.J.Krymanski von der Uni Münster, einem Mann, der sich beruflich mit den großen Mächten dieser Welt beschäftigt (siehe uni-münster):

„Es ging ja in den Fünfzigern darum, nach den disruptiven Kriegsgeschehnissen neue transatlantische Netzwerke unauffälliger privater Machtausübung aufzubauen. So unterschiedliche Akteure wie der (nicht zu unterschätzende) europäische Adel, große Konzerne (z.B. Unilever), Bankenvertreter, die Superreichen und natürlich auch das politische, wissenschaftliche und journalistische Dienstpersonal mussten wieder miteinander ins Gespräch gebracht werden.“

Harte Worte, wissenschaftlich fundierte Worte, die jeden Abend in die Tagesschau gehören. Den europäischen Adel als politisch aktives Element nimmt die deutsche Öffentlichkeit nicht war, sie werden eher in Goldenen Blättern als putzige Partytiere verheizt denn als antidemokratische Gegenmacht wahrgenommen – ein schwerer Fehler, den man jetzt schon bereuen darf: der Pöbel schläft, der Adel nicht. „Unauffällige, private Machtausübung“ ist eine schöne Umschreibung für die Untergrabung der Demokratie, der Herrschaft des Souveräns, des freien Bürgers. Und „Dienstpersonal“ beschreibt erschöpfend die Funktionen wichtiger Träger von Macht und Einfluss in unserer Gesellschaft: Sportler, Talkmaster, Bundeskanzler, Finanzminister, Professoren, Schriftsteller – alles Ameisen im großen Haufen der Superreichen.

Lauschen wir dem Widerständler der apokalyptischen Globalisierung weiter:

„Die ersten Bilderberg-Konferenzen hatten also weniger mit Verschwörung als mit ganz einfachen Gesetzmäßigkeiten des Machthandelns zu tun. Im geopolitischen Raum interagieren ja nicht ‚Freiheit‘, ‚Demokratie‘, ‚Neoliberalismus‘ oder ‚Sozialismus‘, sondern die Verkörperungen solcher Schemen: handelnde Individuen, die natürlich nicht auf das ganze historisch gewachsene Arsenal von Handlungsmöglichkeiten – und dazu gehören auch Geheimgespräche – verzichten möchten. Unter diesem Aspekt sind die Bilderberger dann etwas völlig Normales und wirklich nicht so wichtig. Und wenn wir uns Bilderberg-Dauergäste wie Henry Kissinger oder Gelegenheitsgäste wie Angela Merkel oder gar Guido Westerwelle wirklich etwas genauer anschauen oder beispielsweise die auf den ersten Blick durchaus beeindruckenden Listen der Teilnehmer der Konferenzen in Athen (2009) und in Sitges (2010), so sind die meisten dieser Personen trotz ihrer klingenden Namen letztlich doch nur Hilfsköche und Tellerwäscher aus der Großküche globaler Interessenpolitik. Die weltpolitische Entscheidungsmacht wird anders und woanders ausgeübt“

Angela Merkel – ein Hilfskoch und Tellerwäscher. Die oberste Machtinstanz der demokratischen Bundesrepublik: eine Handlanger von „echten“ Entscheidungsmächten. Und diese sind … na ja: reine Kannibalen:

„Superreiche verfügen über so viel Geld, dass Luxusgüterkonsum auch in seiner extremsten Form irrelevant wird – ob es sich nun um einen privaten Airbus 380 oder ein 30 Mio. Dollar teures Picasso-Gemälde oder einen 26-stöckigen mitten in Mumbai stehenden Privatpalast für 1 Mrd. Dollar handelt. Nein, hier geht es letztendlich um den Konsum von Menschen und Menschlichkeit. Und zwar nicht nur im Sinne von ‚Leibeigenschaft‘ (wie im Feudalismus) oder von ‚Verwarenförmigung‘ menschlicher Arbeitskraft (wie im Kapitalismus), sondern im Sinne einer neo-kapitalistischen Biopolitik, die man als neuen Kannibalismus bezeichnen könnte. Ich will dieses Bild jetzt nicht strapazieren. Aber die (post)moderne informatisierte und globalisierte Welt neo-kapitalistischer ‚Wertschöpfung‘ verlangt immer rücksichtsloser den ‚ganzen‘ Menschen. Es gibt keine freie Stelle in den Köpfen, die nicht vom Verwertungsanspruch der Renditejäger betroffen wäre. Die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit ist aufgehoben, die herrschenden Produktionsverhältnisse fressen den ganzen Menschen, dem jegliche Fluchtmöglichkeit außer der Hölle der totalen Ausgrenzung abgeschnitten ist.“

Die Stimme der Wissenschaft aus dem Jahre 2011 – beschreibt mit wenigen Worten eine Horrorzukunft, in der eine Bilderbergerkonferenz lediglich eine kleine Rauchpause für Tellerwäscher und Hilfsköche darstellt – ebenso wie der G 7 Gipfel. Wozu dann diese Treffen – von denen es jährlich Hunderte gibt … viele sehr diskret und privat organisiert (siehe z.B. Handelsblatt über die inneren Zirkel der Wirtschaftsmacht in Deutschland, ebenso Manager Magazin)? Nun – man möchte das Dienstpersonal miteinander ins Gespräch bringen … und – ganz primitiv – ein „Wir“- Gefühl erzeugen, um sich von den anderen, dem „Pöbel“ – also UNS abzugrenzen. Insofern können wir eine Erkenntnis schon mal festhalten: wer dort aufschlägt, hält den Souverän des Landes – den Bürger – für doofen Pöbel. Ein anderes Netzwerk hat dies mal deutlich ausgeführt (siehe Heise):

Der wichtigste Denker des CFR, Walter Lippmann, hat das Credo der Bevormundung in dankenswerter Offenheit dargelegt. Das Volk sei zu desinteressiert und zu ungebildet, um die Feinheiten der Außenpolitik zu verstehen. Die Parlamentarier wiederum seien nur daran interessiert, ihre Wählerklientel zu befriedigen. Deswegen müsse eine kleine Elite die Datenfülle verarbeiten, verdauen, und das Verdaute dann dem gemeinen Volk und den Volksvertretern so vereinfacht zur Entscheidung vorlegen, dass diese nur noch mit „ja“ oder „nein“ zu antworten hätten:

„… das allgemeine Interesse … kann nur durch eine spezialisierte Klasse verwaltet werden, deren persönliche Interessen über lokale Themen hinausreichen. Diese Klasse ist befreit von Verantwortung, denn sie agiert aufgrund von Informationen, die nicht Eigentum der Gemeinschaft sind; in Situationen, die das breite Publikum gar nicht begreift … die Männer, die aktuell gerade die Macht ausüben, versagen nicht etwa dabei, den Willen des Volkes widerzuspiegeln, denn in den meisten Sachfragen existiert ein solcher Wille gar nicht, sondern sie üben Macht aus aufgrund von Auffassungen, die vor der Wählerschaft verborgen sind.“

CFR ist das Council of Foreigen Realtion, ein weiterer Netzwerkknoten. Eine bemerkenswerte Offenheit, die Herr Lippmann an den Tag legt und die uns zeigt, dass wir schon lange entmündigt worden sind. Nicht schlimm? Denken wir uns einfach mal den Souverän als einzelnen König und nicht als erfolgreich bespaßter Millionenhaufen – wie würde Eure Majestät reagieren, wenn ihm zu Ohren käme, dass ihn ein Haufen Pfeffersäcke und Kofferameisen für einen debilen Trottel halten und ihn derart manipulieren wollen, dass er nur noch ausführendes Organ finsterer Hintergrundmächte wäre?

Richtig: die Königsgarde hätte lange Zeit ein freies Wochenende mehr, bis jeder dieser Verschwörer hinter Gittern sitzt. Wir jedoch – reagieren nicht: dafür sorgt die Bespaßungselite, die verantwortlich dafür ist, dass wir die Bundesliga und die Konkurrenzkämpfe der Hüpfdohlen für wichtiger halten als die Frage nach einem drohenden Krieg im Sommer, der nun ein weiteres Mal in den Fokus der Öffentlichkeit gerät siehe globalresearch):

Last week, former NSA intelligence analyst John Schindler posted a rather disturbing tweet. With a statement that one could only assume to be a reference towards Russia, Schindler wrote “Said a senior NATO (non-US) GOFO to me today: “We’ll probably be at war this summer. If we’re lucky it won’t be nuclear.” Let that sink in.”

Es ist seltsam, dass man mit solchen Meldungen Aufmerksamkeit erregen kann, aber nicht mit der nüchternen Beschreibung, dass ein Neokannibalismus die letzten freien Plätze in unseren Köpfen vertilgt: ein Hoch auf die erfolgreiche Herunternivelierung des Bildungsniveaus.

Es fällt schwer, solchen Meldungen Glauben zu schenken – zumal es nur drittklassiges Geplauder ist. „Vermutlich sind wir diesen Sommer im Krieg – mit etwas Glück nicht in einem nuklearen“ – ist eine interessante Vermutung, die jedermann anstellen könnte, der die seltsame Entwicklung der Weltpolitik in den letzten Jahren beobachtet hat – oder der einfach ernst nimmt, was die Regierung der USA selbst beschlossen hat: die Auslöschung von 60 Terrorstaaten (siehe Neopresse). Die haben also noch viel vor – aber wird darüber in den Bilderbergertreffen gesprochen?

Schauen wir uns doch mal die Themen an – sie sind öffentlich (siehe bilderbergmeetings.org):

  • Artificial Intelligence
  • Cybersecurity
  • Chemical Weapons Threats
  • Current Economic Issues
  • European Strategy
  • Globalisation
  • Greece
  • Iran
  • Middle East
  • NATO
  • Russia
  • Terrorism
  • United Kingdom
  • USA
  • US Elections

15 Themen, über die man im Geheimen reden möchte – und 130 Leute, die meinen, was dazu sagen zu müssen (Teilnehmerliste siehe bilderbergermeetings.org). Rechnen Sie doch einfach mal aus, wie der Tag strukturiert ist, wenn 130 Leute jeweils 15 min. Vortrag halten – an vier Tagen. Wissen Sie, wie das wirkt? Wie ein Bewerbermarathon an einem Theater. Ich kenne solche Events aus meiner beruflichen Vergangenheit – und weiß deshalb auch, dass das, was wirklich wichtig ist, von dem abhängig ist, der die Sitzordnung beim Essen arrangiert und so Gespräche gezielt in die richtigen Bahnen lenkt. Die Aufsätze zu den Themen werden doch sowieso von Ghostwritern geschrieben – oder denken Sie etwa, Frau von der Leyen, Verteidigungsministerin der Bundesrepublik Deutschland, schreibt ihre Reden dort selbst? Aber dort erhält der Vertreter der Superreichen (es reicht einer) eine gute Gelegenheit, einen Überblick über die Qulifikationen der Tellerwäscher und Hilfsköche zu bekommen … und kann den einen oder anderen für weitere Aufgaben empfehlen und nebenbei ein Gefühl dafür entwicklen, ob auch wirklich alle noch in der Spur laufen.

Und – ganz nebenbei – entwickelt sich ein „Wir“-Gefühl, das viel wichtiger ist als alle gesprochenen Worte: der Mensch neigt dazu, seinen „Verein“ zu verteidigen – erst recht, wenn es ein Verein ist, der – wie auch Freimaurer und Rotarier – dafür sorgen kann, dass das berufliche Leben weiterhin ziemlich glatt und reibungslos nach ganz oben führt … also: dorthin, was Hilfsköche und Tellerwäscher für „ganz oben“ halten.

Weil Bilderberg so harmlos ist, wie es ist, dürfen die Tellerwäscher des SPIEGEL auch heute darüber schreiben (siehe Spiegel):

„Nein, die Bilderberg-Konferenz ist nicht die geheime Weltregierung. Aber wenn in Tirol Rüstungshersteller auf Verteidigungspolitiker und Notenbanker auf Investmentprofis treffen, ist das problematisch – die Öffentlichkeit muss nämlich draußen bleiben.“

Ja – die Öffentlichkeit muss draußen bleiben. Es gibt zwar eine öffentliche Liste der Teilnehmer, eine öffentliche Liste der Themen – aber keine einzige Aufnahme der Sitzordnung beim Essen. Die Königsgarde hätte viel zu tun.

Wissen Sie, was viel problematischer ist – viel furchterregender? Ein Satz des SPIEGEL zum G 7 – Treffen (siehe Spiegel):

„Na ja. Checkpoints, Ausweiskontrollen, Sperrzonen, Uniformierte überall – schön ist das nicht, wenn man sich wegen eines Politikertreffens zeitweise vorkommt wie in einem Polizeistaat.“

Nein, schön ist das nicht, wenn es Momente gibt, in denen die Bundesrepublik Deutschland ein POLIZEISTAAT ist – denn solche Momente zu verlängern, ist dann ein Leichtes. Man sollte so etwas in einem demokratischen Land nirgends erleben müssen – zu keiner Zeit. Das korrespondiert sehr schön zu beunruhigenden Beobachtungen aus den USA (siehe Spiegel):

Das FBI betreibt seit Jahren ein geheimes Programm zur Überwachung der USA aus der Luft und zur Handy-Ortung, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Sie hat in einem einzigen Monat mehr als hundert solcher Flüge beobachtet.

Eine kleine Elite …. bespitzelt das desinteressierte und ungebildete Volk. Nun – man könnte es ja auch mal bilden, dann würde es vielleicht interessierter sein. Wer gestaltet nochmal den Inhalt unsere Medien? Ein paar der Gestalten findet man auch beim jetzigen Bilderbergtreffen. Gut – man kann sich auch selber bilden – doch das ist recht anstregend, und kaum möglich wenn es „keine freie Stelle mehr in den Köpfen gibt, die frei ist vom Verwertungsanspruch der Renditejäger“.

Merken Sie, wie sehr wir auf einmal in Ihrem realen Arbeits- und Freizeitalltag gelandet sind? Merken Sie, warum man Sie nie irgendwohin einladen wird? Weder zu den Rotariern, noch zu den Freimaurern, noch zur Atlantikbrücke, zum CFR, zur Bertelsmannparty oder zum Empfang in der US-Botschaft? Man dressiert sie mit viel Macht dazu, genau der doofe Pöbel zu werden, den man in Ihnen sieht. Und man hat klare Vorstellungen davon, wie man die Welt der Zukunft gestalten wird.

Auch das findet man in öffentlichen, „seriösen“ Medien – noch. Man muss etwas suchen und die Verbindungen selbst knüpfen – doch dann bleiben keine Fragen offen. Es gibt aktuell eine neue Studie zu den Reichen in New York, einem der beiden Machtzentren an der Ostküste (siehe Spiegel):

„Die Geschlechter trennt nicht nur die Tatsache, dass die Männer, oft als Hedgefondsmanager oder private Vermögensverwalter, Millionen scheffeln, während die Frauen ihre erworbene berufliche Kompetenz meist unentgeltlich für ehrenamtliche und karitative Zwecke einsetzen. Auch sonst schotten sich Frauen und Männer recht streng voneinander ab.“

„Selbst bei Dinnerpartys saßen Frauen und Männer meist getrennt, oft in getrennten Räumen.“

„Die weltweite ethnografische Datenlage ist klar: Je mehr eine Gesellschaft in Schichten organisiert und je hierarchischer sie organisiert ist, und je mehr nach Geschlechtern getrennt, desto niedriger ist der Status der Frauen“

Da endet man, wenn man am Ende seiner Karrierereise angekommen ist: im Mittelalter. Einem neuen Mittelalter, wo Frauen grundsätzlich nur noch Personal sind und Bürger umfassenden Verwertungsorgien unterzogen werden – und die Bilderbergerkonferenz nur ein winzig kleiner Teil dieser Orgien ist, wo sich Tellerwäscher anbieten und ihren Wunsch zum Ausdruck bringen, Millionär zu werden.

Wir können uns jedes Jahr aufs Neue über die Rekrutierungsveranstaltungen aufregen – das macht immer viel Spaß, ändert aber nichts. Das können wir noch hundert Jahre so machen. Hören wir zum Abschluß nochmal Herrn Krysmanski:

„Also: die Bilderberger würden sich in ein Lüftchen auflösen, wenn wir Marxens Aufforderung, „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern “, um den Satz ergänzten: Und es kommt darauf an, wer sie verändert. Bis jetzt habe ich diese notwendige zusätzliche Formel trotz Google im Netz nicht gefunden.“

Wunderbar, oder? Jetzt wissen wir, was wir zu tun haben, um die Bilderberger aufzulösen … und wir wissen, warum jede Aufregung über Bilderberger reine Energieverschwendung ist. Wir brauchen eine Formel zur Weltveränderung, die verhindert, dass wir wieder ins Mittelalter zurückfallen.

Und dafür … haben wir wirklich nicht mehr viel Zeit.

Wer macht mit?

Ach so – es ist Urlaubszeit. Ok – das verstehe ich.

Na – dann reden wir halt nach dem nächsten großen europäischen Krieg nochmal weiter über dieses Thema. Ja – den braucht man ab und zu zur Disziplinierung des Pöbels, damit der versteht, dass die Welt kein Ponyhof ist.

Bis dahin: viel Spaß!


 

Die Kriege der Neuzeit, der Todeskampf der USA und das Versagen der „Linken“.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Dienstag, 21.10.2014. Eifel. Wir befinden uns ja gerade im Krieg. Nein, nicht der mit Russland, jene neue, vom Westen gezielt herbeigeführte Wiederholung des kalten Krieges, der viel Geld in die Kassen der Rüstungsfirmen fließen lassen soll und wird. Ja – manchmal, wenn ich mir die brisante Entwicklung der letzten Monate so vor Augen führe, dann denke ich: es kann einem in der Tat so vorkommen, als wenn der Ukraine-Konflikt ein genialer Schachzug der Waffenlobby war – sobald die Forderung nach mehr Rüstung durchgewunken worden war, verebbte die üble Hetzkampagne gegen Putin in den Medien, ja, es wurden sogar selbstkritische Stimmen laut.

Ich meine auch nicht den Krieg reich gegen arm, der aktuell dazu führt, dass die Zahl der Obdachlosen in Deutschland seit 2010 um 15 % gestiegen ist (siehe Spiegel). Sicher, dass ist zwar schlimm, aber nichts, was unsere „Experten“ zum Nachdenken anregen würde.

Auch der Krieg alt gegen jung oder der Krieg gut gegen böse ist nicht gemeint, obwohl der durch ein aktuelles Buch gerade wieder ins Bewusstsein gerufen wurde. Karen Duve hat es geschrieben und erläutert, warum die Jugend gegen die Alten wie ´68 auf die Barrikaden gehen müßte, bevor die Alten jegliche Ressourcen aufgefressen haben und warum wir gerade in einem apokalyptischen Kampf „gut“ gegen „böse“ verstrickt sind (siehe Taz):

Selbstverständlich sind auch die Politik, der Kapitalismus und der Mensch als Gattung schuld. Vor allem aber ist es eine kleine Kaste ehrgeiziger, machtbesessener und risikobereiter Männer – teilweise echte Psychopathen –, die seit Urzeiten die Weltläufe und die Ideologien bestimmt und die langfristigen Interessen der Menschheit für den kurzfristigen Vorteil ihres Unternehmens aufs Spiel setzt, und zwar in jeder Staatsform, wie man am realen Kapitalismus sehen kann und am realen Sozialismus sehen konnte.

Gute junge Menschen gegen böse alte Menschen: noch ein Krieg, aber immer noch nicht der, den ich meine.

Ich meine den kommenden Währungskrieg. Ja, der Euro verliert an Wert, bald sogar massiv. Das könnte uns freuen, weil dann unsere Waren in den USA billiger werden. Es sollte uns aber nicht freuen, weil Öl in Dollar gehandelt wird: verliert der Euro an Wert, brechen unsere Spritpreise alle Höhenrekorde und man wird wegen einem vollen Tank mit seinem Bankberater sprechen müssen. Es ist aber nicht nur der Energiesektor, der dann Sorgen bereiten sollte: auch die USA selbst werden dann sauer. Klar: überschwemmen wir den Weltmarkt mit billigen Eurowaren, bleibt für die US-Firmen weniger übrig – deshalb droht der Währungskrieg.

Zwei wichtige Euro-Formate sprechen gerade darüber: der Focus und das österreichische Wirtschaftsblatt, in beiden Formaten kommen Experten zu Wort –  mit absonderlichem Ergebnis.

Der österreichische Nationalbankchef Ewald Nowotny jubelt über die anziehende Konjunktur: der billige Euro wird die Exporte nochmal nach vorne bringen (siehe Wirtschaftsblatt). Weitere Experten erwarten das nicht – und verweisen auf Japan, dessen Yen-Abwertung letztlich für die japanische Volkswirtschaft nichts gebracht hat (siehe Focus).

Ja – da steht ein Währungskrieg mit unseren mächtigsten Verbündeten ins Haus … gerade während einer Zeit, wo doch unsere Volkswirtschaften weiter zusammen wachsen sollen. Ja, da habe ich doch noch den Peter Tauber im Ohr, den jungenhaften Generalsekretär der CDU, der uns auf der Internetseite der CDU erklärt, warum das Freihandelsabkommen TTIP eigentlich so toll für Deutschland ist (siehe CDU).

Schon heute seien die EU und die USA wichtige Handelspartner. „Gemeinsam stehen sie für rund ein Drittel des weltweiten Handels. Sie erwirtschaften fast die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Was aber auch heißt: die sind direkte Konkurrenten. Ich habe mir die Rede von Herrn Tauber nochmal genauer angeschaut – und siehe da, ich fand da doch einen Satz, der verwunderte … zumal er ausgesprochen wurde, bevor die deutsche Öffentlichkeit überhaupt über den Währungskrieg informiert worden ist:

Fast nebenbei könne das Transatlantische Freihandelsabkommen auch einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die bestehenden Risse im transatlantischen Verhältnis zu kitten.

Ich würde ihn gerne fragen, welche Risse das eigentlich sind – und wie TTIP eigentlich wirkt, wenn man es mal aus der Sicht jener Menschen betrachtet, die sich in einem Währungskrieg mit der EU befinden, welche Möglichkeiten sich für unsere Währungsfeinde ergeben, sich ihrer lästigen europäischen Konkurrenz zu entledigen?

Andere sehen schon deutlicher, dass eine Annäherung an die USA enorme Folgen für die europäische Gesellschaft haben kann. Hören wir dazu doch mal einen direkten Konkurrenten des Herrn Tauber, den Herrn Michael Schlecht von den Linken:

Zwar ist die Wirtschaftsleistung der USA in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, die us-amerikanischen Beschäftigten arbeiteten immer produktiver. Dieser Wohlstandszuwachs jedoch floss komplett in die Taschen der Unternehmer. Aufgrund ihrer schwachen Verhandlungsmacht konnten die Beschäftigten nur Lohnerhöhungen erreichen, die gerade mal die Inflation ausgleichen.

25 Jahre ohne reales Einkommensplus – das ist schon echt eine Leistung eines flexiblen Arbeitsmarkts.

Ja – da wären wir doch wieder bei dem Krieg arm gegen reich – einem Krieg, bei dem deutsche Unternehmen übrigens nicht auf der Seite der deutschen Bevölkerung stehen. Von den billigen Löhnen vor allem im Süden der USA profitiert unter anderem der mächtige deutsche BMW-Konzern mit seinem Werk in Spartanburg, die mächtige Deutsche Bank empfiehlt schon lange die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes nach US-Vorbild … zum Schaden deutscher Arbeitnehmer. Noch eine Front, die es zu beachten gilt.

Die Macht der Konzerne wird durch dieses TTIP-Abkommen enorm vergrößert, Staaten werden für entgangene Profite in Haftung genommen (wenn ich allerdings mal als Verkäufer von Aldi die Regierung verklagen möchte, weil sie die Einführung elektronischer Kassen nicht aufgehalten hat, steht mir niemand bei … außer das Jobcenter mit Sanktionsandrohungen, wenn es mir nicht schnell genug gelingt, einen neuen Job für mich zu erfinden) und auch der ganz öffentliche Sektor inklusive Bildung ist in Gefahr, von Konzernen übernommen zu werden (siehe Netzfrauen).

Dabei hat der US-Präsident Obama kürzlich erst gesagt, wozu die wirtschaftlichen Anstrengungen der USA dienen (siehe Heise):

Nach Obama würden die Menschen auf der ganzen Welt erwarten, dass die USA vorangehen. Die Amerikaner seien schließlich „die Erben eines stolzen Vermächtnisses der Freiheit“. Man habe diese Woche der Welt gezeigt, „dass wir darauf vorbereitet sind, das Notwendige zu tun, um das Vermächtnis für die kommenden Generationen zu sichern“.

Gut – er meinte damit, dass die USA jene Nation sind, die alle möglichen Koalitionen gegen alle möglichen Feinde schmieden – aber genau genommen gilt dieses Ziel der „Sicherung des Erbes“ doch für alle Lebensbereiche, oder?

In dem Sinne ist eine Information der FAZ sehr interessant: Fannie Mae und Freddie Mac sind wieder im Spiel:

Die Hausfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac standen im Mittelpunkt der Finanzkrise in Amerika und wurden mit 188 Milliarden Dollar herausgepaukt. Eigentlich sollten sie abgewickelt werden. Doch nun wird ihre Rolle noch gestärkt.

Ihre Rolle …. ja, da sollte man sich dran erinnern:

Fannie Mae und Freddie Mac vergeben dabei selbst keine Hauskredite, sondern kaufen diese den Banken ab, verpacken sie zu Bündeln und verkaufen diese als hypothekenbesicherte Wertpapiere an Investoren. Gegen Gebühr sichern sie die Investoren auch gegen Verlustrisiken ab. Zusammen mit der Hausfinanzierungsagentur des Bundes besitzen oder garantieren Fannie und Freddie fast die Hälfte aller ausstehenden Hypotheken in den Vereinigten Staaten.

So wurden die Schrottpapiere in Massen produziert, die letztlich die Weltwirtschaft ins Wanken brachten. Jetzt, wo Goldman-Sachs-Mann Draghi wieder forderungsbasierte Wertpapiere aufkauft (ja, genau: den Ramsch, den die Banken sich in den USA gekauft haben), haben Fannie Mae und Freddie Mac wieder einen Sinn: weitermachen. Das sichert das Vermächtnis für die kommende Generation.

Ach ja – das Vermächtnis. Ich fürchte, dieses Vermächtnis müssen wir uns kurz mal anschauen. Der Deutschlandfunk hat dies kürzlich getan – in Form einer Buchbesprechung:

George Packer erzählt in seinem Buch „Die Abwicklung“ intelligent und anschaulich vom Verfall der sozialen, politischen und ökonomischen Strukturen in den USA, die lange für Stabilität sorgten. Durch die detaillierten Langzeitbeobachtungen und die kluge Auswahl seiner Protagonisten lassen sich Entwicklungen verfolgen, die möglicherweise auch auf Deutschland zukommen.

Das „Ende des american Dream“? Die „Abwicklung des alten Amerika“? Ja, was will denn Obama da überhaupt noch sichern? Lauschen wir weiter dem Deutschlandfunk – über die Träume des in Frankfurt am Main geborenen US-Milliardärs Peter Thiel:

Thiels Schlussfolgerung war pragmatisch: Er investiert jetzt in Technologien zur Verhinderung des Todes, die nur Billionären wie ihm zur Verfügung stehen. Falls das nicht klappen sollte, setzt er außerdem auf die Gründung schwimmender Kolonien in den Weltmeeren, wo der Pöbel keinen Zutritt hat. Demokratie jedenfalls ist in Thiels Augen eine Bedrohung für die Zukunft.

„Als Liberalist begrüßte er ein Amerika, in dem weder auf die alten Institutionen mehr Verlass war, noch auf die Gemeinschaften, die lange das einzige Sicherheitsnetz geboten hatten, die jedem, der dazugehörte, eine Stelle im Leben angewiesen und die gemeinsamen Ziele vorgegeben hatten. All das widersprach Thiels Vorstellungen zutiefst.“

Leute wie Peter Thiel waren eine Hauptmotivationsquelle für den politischen Journalisten Georg Packer:

Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte versetzt ihn in Wut, und er verwandelt diese Wut in einen scharfsichtigen, kritischen Blick auf den Eigennutz und die Kurzsichtigkeit der amerikanischen Elite.

Nun – wie wir sehen, sind wie schon wieder beim Kampf gut gegen böse gelandet. Für die Bösen stellt die Demokratie eine Bedrohung da, sie träumt von einem ewigen Leben auf schwimmenden Kolonien in den Weltmeeren, fernab des lästigen Volkes: faschistoide Träume einer neu erwachenden Herrenrasse, die Menschen nur dann ernst nehmen, wenn sie über Milliarden Dollar herrschen (ich schätze mal, die oben erwähnten“Billionäre“ sind ein Übersetzungsfehler).

Und so produzieren jetzt Fannie Mae und Freddie Mac weiter Ramschpapiere für die EZB, um in den USA weitere Milliardäre zu produzieren, während Obama als Führer der Welt dafür sorgt, dass deren Vermächtnis sicher bleibt.

Wie weit gehen die eigentlich bei der Absicherung ihrer Privilegien?

Darf ich mal ganz kurz Wikipedia zitieren – über den ehemaligen Drogenfahnder, CIA-Enthüller und Buchautor Michael C. Ruppert?

In seinem Buch Crossing the Rubicon schrieb er über den Einfluss der sinkenden weltweiten Ölreserven (Peak Oil) auf die Neuausrichtung der Geopolitik der USA in den letzten Jahren. In dem Buch vertritt Ruppert die These, dass die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA ein von staatlicher Seite benutztes Hilfsmittel im Dienste dieser Neuausrichtung waren. Das Buch ist eines der drei meistverkauften Sachbücher zum Thema in den USA.

Am 25. Juni 2006 wurde in die Redaktionsräume von From the Wilderness eingebrochen. Die Einbrecher stahlen nichts, sondern brachten alle sieben Computer in einen Raum und zerstörten sie systematisch mit Vorschlaghämmern.

Am 29. September 2008 veröffentlichte Ruppert in einem Artikel, dass er sich in persönlicher Gefahr („I am in personal danger now“) befinde, da er den unausgesprochenen Handel mit der Regierung, zurückgezogen zu leben und nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, gebrochen habe („I have broken an unspoken deal with the government to remain retired and not speak out.“)

From the Wildernis war (und ist) die Internetplattform, die sich mit Rupperts Thesen befasst (siehe FtW).

Im April 2014 hat Herr Ruppert dann auch folgerichtig Selbstmord begangen.

Spannend daran: relativ kurz zuvor wurde ein Film im History-Channel gezeigt, ein Film, in dem es über den drohenden Niedergang des US-Imperiums ging. „Die Vorzeichen der Apokalypse“ hieß der Film (hier noch bei Dokumonster archiviert). Hier erleben wir einen Michael C. Ruppert, der noch sehr engagiert scheint und viele Anregungen dazu gibt, als US-Bürger dem Untergang seines eigenen Landes nicht zwanghaft zu folgen. Nun – wollen wir keine Verschwörungstheorien in die Welt setzen – immerhin gibt es ja einen Abschiedsbrief von ihm (siehe reaseningconspiracy) – und es soll ja auch schon mal vorkommen, dass Menschen, die wider den Wünschen der US-Regierung mit unliebsamen Wahrheiten an die Öffentlichkeit gehen einfach zufällig und passenderweise sterben.

Ja – das kann wirklich vorkommen.

Auch bei denen, die behaupten, es sei staatlicherweise notwendig gewesen, die Anschläge vom 11.9.2001 durchzuführen, um „das Vermächtnis für die kommenden Generationen zu sichern“.

Doch kehren wir zurück nach Deutschland, zu den Kriegen, die dieses Land gerade mitmacht – wobei ja der Währungskrieg noch gar nicht offiziell ausgerufen wurde. Wie reagiert eigentlich unser intellektuelle Oberschicht darauf, von Kriegen an allen Enden bedroht zu werden? Ruft sie auf zu jenen neuen Revolutionen, zu jemen neuen „`68“, dass Karen Duve aktuell fordert? Was machen die, die kraft ihrer staatlich subventionierten Ausbildung eigentlich die Pflicht hätten, dem Land in Zeiten der Not mit ihrem Geist und ihrem Intellekt beizustehen – kurz: wo sind die kritischen „Linken“ im Zeitalter der versuchten Anbindung Deutschlands an den sterbenden Koloss USA?

Hören wir dazu die Soziologin Cornelia Koppetsch in einem Interview der Zeit:

Die bürgerlichen Milieus von heute leisten sich Biokisten, Terrakottafußböden, Holzspielzeug für die Kinder und Yogakurse zur Entspannung. Sie kultivieren Kirchenbesuche statt Ostermärschen und erklären die intakte Kleinfamilie zum höchsten Ideal der Lebensführung. Die Reste alternativer Entwürfe, getragen von Werten wie Autonomie, Selbstverwirklichung und Authentizität, sind in die Sphäre des Konsums gewandert.

Man konsumiert mit seiner geballten Kaufkraft noch linksromantisch, man sitzt in Szenecafés und macht es sich hinter Gründerzeitfassaden gemütlich, hat aber jeden Begriff politischen Handelns verloren. Die Linke ist inzwischen konservativ geworden.

Konsumzombies sind sie geworden. Menschen, die den Fetisch „Konsum“ als großen Zauber der Moderne entdeckt haben, als einziges Mittel, dass ihnen geblieben ist, um in einer „Gesellschaft der Angst“ (siehe hierzu den Soziologen Karl-Heinz-Bude im Spiegel) zu überleben. Atomkriege, Ölknappheit, Klimakatastrophe, Währungskriege, Ramschanleihen, Anstieg der Obdachlosigkeit, apokalyptische Kämpfe „gut“ gegen „böse“ … alles egal, solange nur der Junior durchs Gymnasium gepeitscht wird und Ikea Terrakottafliesen im Angebot hat.

Unserer linke Elite ist nicht weniger soziopathisch als die andere Elite, der wir laut Frau Duve unseren Untergang zu verdanken haben … und da kann man schon verstehen, warum Michael C. Ruppert sich das Leben genommen hat. Im Krieg „gut“ gegen „böse“  bauen die Bösen die Welt nach Belieben um, während die Guten glücklich auf ihren Terracottafliesen sitzen und mit ihrem einzigen Kind zusammen Disneyfilme gucken: und das ist der ganze Widerstand, den sie den hochkochenden Kriegen aller Coleur noch entgegensetzen können.

Ob das ausreicht?

 

 

 

 

 

 

 

Die Zombieapokalypse – heute schon aktuell!

Die Zombieapokalypse - heute schon aktuell!

Dienstag, 3.6.2014. Eifel. Als Philosoph genießt man derzeit noch ungeahnte Freiheiten – außerhalb des universitären Betriebs, innerhalb deren Philosophie heutzutage stellenweise als Unterpunkt der Betriebswirtschaft fungiert. Man kann sich zum Beispiel im Rahmen der Religionsphilosophie oder der Erkenntnistheorie „Märchen“ zuwenden, die einerseits heidnische Vorstellungen von Wirklichkeit transportieren, andererseits aber tiefenpsychologisch erstaunliche Erkenntnisse verbreiten (siehe hierzu z.B. Eugen Drewermanns tiefenpsychologische Interpretationen der Märchen oder Evangelien). Schnell merkt man, dass hinter „Märchen“ viel mehr steckt, als ihr Gebrauch als „Kindergeschichten“ hergibt.

Zu „Märchen“ bin ich durch „Star Wars“ und den „Herrn der Ringe“ gekommen: als junger Mensch konnte ich nicht verstehen, was denn meine Zeitgenossen an solchen modernen Märchen fanden: immerhin schrieben wir die siebziger Jahre, wir waren hip, frei und aufgeklärt: wie kann es da sein, dass Millionen Menschen von einem billigen Weltraummärchen verzaubert werden? Mehr und mehr merkte ich, dass Märchen nicht tot zu kriegen waren, sich neue Wege suchten, um Wahrheiten auszudrücken, das die Menschheit – gerade „befreit“ von alten Märchen – sich neue erzählt.

Unter den modernen Märchen gab es nun Gestalten, die klar zu identifizieren waren – das Monster von Frankenstein zum Beispiel: die Warnung vor den Folgen wahnsinnig gewordener Wissenschaft, die keinerlei moralische Grenzen mehr akzeptiert. Oder der Vampir, geschaffen von Bram Stoker im 19. Jahrhundert: blutsaugende Adelige waren gerade der Guillotine übergeben worden, aber die Erinnerung an das Bild des wahnsinnigen Grafen, der in seinem Schloß über dem Land thront und es mit seinen Steuern aussaugt war noch sehr lebendig … kein Wunder, das „Vampirmythen“ in Film und Literatur gerade eine beachtenswerte Wiedergeburt erleben. Womöglich saugt da gerade wieder jemand.

Gegen Ende der sechziger Jahre tauchte ein neuer Mythos auf, einer, der so noch nie zuvor in der westlichen Mythen- und Sagenwelt aufgetaucht war: der Zombie. George A. Romero erschuf ihn 1968 mit „Night of the living dead“, einem Werk, das auch im Museum of Modern Art aufgenommen wurde. Wir kannten schon Riesen, Zwerge, Drachen, Elfen, Hexen, Werwölfe, Spukgeister, Teufel und allerlei andere mythische Gestalten, aber so etwas war uns noch nicht untergekommen – umso überraschender war der weltweite Siegeszug dieses Urbildes: 2014 kennt ihn jedes Kind, die Zahl der Filme (und Videospiele) mit diesen Unholden übertrifft alle anderen mythischen Gestalten – der ZOMBIE ist die charakterisierende Märchengestalt unserer Zeit.

Er wird nun auch gerne soziologisch gedeutet – als Aufstand der Unterschicht gegen die Oberschicht. Aber erklärt das wirklich die Faszination dieses Themas? Weltweit gibt es inzwischen „Zombie-Walk“, wo die verfaulten, gefräßigen Untoten real durch unsere Städte wanken, es gibt Zombie-Live-Events, wo der Kampf gegen die Untoten praktisch geübt werden kann – hier ist vielleicht eine psychologische Deutung viel tiefgreifender – siehe Welt:

Die Wissenschaftlerin Sarah Lauro vertritt die Ansicht, dass die Faszination für Zombies ihre Ursache hat in der Unzufriedenheit des Einzelnen mit seiner Rolle in der Gesellschaft. „Das Interesse an den Untoten wächst in den Zeiten, in denen wir uns machtlos fühlen“, hat Lauro festgestellt. „Teilnehmern einer Zombie-Veranstaltung ist oft nicht bewusst, warum sie mitmachen. Für mich persönlich liegt es auf der Hand: Wir haben das Gefühl, tot zu sein.“

Es scheint mehr dran zu sein – auch die amerikanische Seuchenkontrollbehörde und das US-Militär sind von dem Thema sehr angerührt, siehe Spiegel:

Unzählige Untote als menschenfressende Feinde – darauf müssen junge US-Militärs sich einstellen. Das Pentagon hat für die Ausbildung ein Training entwickelt, in dem der Nachwuchs imaginäre Bedrohungen bewältigen soll.

Eine kleine Sensation, denn: für den Kampf gegen Frankenstein, Dracula oder Godzilla hat die US-Armee keine Planspiele entwickelt – selbst die wenigstens entfernt denkbare UFO-Invasion berührt die Militärs nicht – aber Planspiele zur Rettung einzelner „Lebendiger“ vor einem Heer von stumpf daherwankender Untoter, die noch nicht mal eine Türklinke bewältigen können und an Stacheldraht völlig verzweifeln müssten, die sind hoch aktuell.

Ein Schelm, wer nun daran denkt, das hier in Wirklichkeit die Rettung der Plutokratie der Superreichen im Falle des totalen Zusammenbruchs der Versorungsstrukturen der USA geprobt wird – so weit wollen wir hier gar nicht denken. Anderereseits – welche reale Bedrohung ähnelt diesem Szenario sonst:

Dafür gingen sie nach eigenen Angaben vom schlimmsten Fall aus: Dass eine riesige Menge von Untoten über die Erde wandelt und dabei zahlreiche Menschen infiziert und auffrisst, ohne dass es ein Gegenmittel gibt.

Mag es sein, dass es sich hier um eine riesige Menge von Menschen handelt, die … innerlich tot sind? Sich innerlich tot fühlen? Ihr eigenes elendiges Dasein nicht mehr aushalten?

Eine Antwort auf diese Frage erhalten wir vielleicht von Wolfgang Linser, Doktor für Chemie und Biochemie. Er promovierte über die Genregulation der Zellteilung – und war Schüler der mystischen Bruderschaft Sumarah in Solo auf Java (Der gläserne Zaun, Hrsg. v. Gehlen und Wolf, Syndikat 1983, Seite 306).

Er beschrieb unsere Kultur dereinst vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen. Im Internet sind sie leider aktuell nicht enthalten – darum zitiere ich sie hier mal:

Was rasa, ist, haben schon eine gute Zahl von Ethnologen aus dem Westen, aus der cogito-ergo-sum-Kultur zu erklären versucht, für die Leute daheim, für die „Kopf-Denk-Menschen“, für den Stamm der Denk-Barbaren, die durch grausame, entsetzliche Riten jedes Kind des Stammes, die männlichen ganz besonders, von ihrer natürlichen Offenheit für rasa, feeling, Gefühl, Empfindung abschneiden. Die jedes Kind des Stammes durch lange, brutale Abhärtung, durch entsetzlichen Drill, durch Einschüchterung, Konkurrenzangst, Kontrolle zu einem „Denk-Krieger“ machen, der sein ganzes Leben im vorderen Teil des Gehirns, in einer Art Computer-Walstatt zwischen den Augenbrauen lebt, kämpft, siegt und untergeht.

Ein Denk-Krieger, der zu seinem eigenen, tieferen Wesen, zu seinen Gefühlen, die in der Brust, im Bauch, im ganzen Körper, in einem Feld um den Körper herum, in einem gemeinsamen Feld von rasa zusammenschwingen mit anderen Menschen, keinen Kontakt mehr hat. Und schon gar nicht zu dem, was drunter, tiefer liegt. Der nichts mehr von sich selbst weiß, sein Geburtsrecht so tief verdrängt, verloren, vergessen hat, daß er nicht einmal mehr danach fragen kann.

Merkt man, wie vor diesen Worten eines Naturwissenschaftlers das Bild des Zombies vor dem geistigen Auge auftaucht? Eines Wesens, dessen Gefühlswelt sich in dem Gefühl „Hunger“ erschöpft – und dessen äußere Erscheinung seiner seelischen Armut, seiner inneren „Zerfressenheit“ gleich kommt? Noch ein Wort zum Normzustand des „normalen Menschen“ – des „lebendigen Menschen“, zu dessen Rettung die USA-Armee Planungen durchführt:

Es gibt eine „Innere Welt“, dunia batin, und eine „Äußere Welt“, dunia lahir, und der vollkommene Mensch lebt in Harmonie in beiden zugleich, im lahir-batin.

(aus: Der gläserne Zaun, Seite 143).

Wie Wolfgang Linser vermutet: eine Formel, die rund um den ganzen Globus jeder religiöse Mensch – nachempfinden kann.

Der Zombie jedoch, der „unvollkommene“, untote Mensch lebt nur noch in der äußeren Welt und kennt hier nur noch ein einziges Ziel: all jene fressen, die noch lebendig sind, die noch vollkommen sind, alle Konkurrenten fressen, die ihm aufzeigen, wir ärmlich seine Existenz geworden ist.

Wir nähern uns dem Lebensgefühl der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft im 21. Jahrhundert – und können langsam erahnen, warum „das Netz“ voller „hater“ ist (siehe hierzu Sybille Berg im Spiegel): im virtuellen Leben sind die Untoten schon hochgradig aktiv.

Aus der Sicht der javanischen Kultur erklärt sich unser Hang zu Zombies recht einfach: das sind wir selbst – darum erscheint uns diese irreale Phantasie auch so bedrohlich wirklich. Da wir nur gezwungenermaßen „Denk-Krieger“ sind, mit brutaler Gewalt erzeugte Denk-Maschinen, vestümmelt, aber noch nicht ganz tot, erkennen wir die Realität dieses Bildes mit unserem Gemüt … das, würde es Gestalt annehmen, einem untoten Unhold sehr ähnlich wäre. Darum läßt uns dieses Bild nicht los: es ist unsere Alltagswirklichkeit – und der Zustand unserer Umwelt, unsere Wirtschaftsordnung, unserer Verwaltung, unsere Finanzen und unserer Glückseligkeit entspricht diesem Bild vollkommen, das Thema „seelenloses Leben“ betrifft uns ganz persönlich auf vielen Ebenen des Alltages.

Nicht umsonst hat George A. Romero die Fortsetzung seines Horrorstücks in einem riesigen Kaufhaus gedreht: wer immer hirnlose, seelenlose Untote sehen will, schau mal seinen Mitmenschen beim „Shopping“ zu.

Und woanders? Lauschen wir nochmal Wolfgang Linser, der uns mit wenigen Worten die Grundlagen jeder Religion, jeder Magie, jeder Zauberei erklärt:

Die Javaner leben in rasa. Die verschiedenen feinen Abtönungen von rasa zu spüren, zu „fühl-sehen“, dauernd in einer Athmosphäre sich ändernder Gefühle, in einem eindeutig definierten Raum von rasa zu sein, der sich aus dem Einzel-rasa der beteiligten Menschen zum Gruppen-rasa, zur Gruppen“atmosphäre“ aufbaut, ist für sie so natürlich wie Luft zu atmen.

So natürlich, wie wir in unserer Kultur total im „Kopf“ leben, im „Denken“ zentriert und durch massive Barrieren von unseren Gefühlen, von „unserem“ rasa getrennt sind. In diesem Vorderkopf-Denken, der oberflächlichsten, gröbsten Abstufung des Denkens, leben wir, handeln wir, „befinden“ wir uns existentiell.

(aus: Der gläserne Zaun, Seite 142/143)

Die Produkte dieser untoten Denk-Barbaren? Auschwitz. Hiroshima. Weltwirtschaftskrise. Weltkriege. Hartz IV. Meere aus Plastikabfall. Sexuell missbrauchte Kinder – und Kinder, die Selbstmord verüben, um der Kultur der Untoten zu entkommen.

Und: Maschinenvergötzung. Hören wir dazu den Ethnologen Werner Müller, der sich nach seiner Habilitation „in die geschützte Ecke des Bibliothekswesens“ (der gläserne Zaun, Seite 305) zurückgezogen hatte und dort die Wirren des letzten Jahrhunderts überstand – er schrieb etwas über die Folgen der „Entzauberung“ der Welt:

Nun, die Wirkungen und Folgen dieser „Entzauberung“ bedrücken heute jedermann, auch die Entzauberer selbst. Die seit Galilei und Newton heraufdämmernde Maschinenvergötzung hat alle Hemmnisse vor sich niedergeworfen und mit ihrer Mechanistik fast sämtliche Bereiche des Lebens durchdrungen. Sie ist drauf und dran, sich zu einer Pseudoreligion ohne jede Konkurrenz herauszumausern mit Aufpassern, Inquisitoren, Denunzianten, festen Formeln und Sprachregelungen.

(aus: Der gläserne Zaun, Seite 138).

Die Vergötzung der Maschinenwelt führt direkt in das Horrorbild des Zombies: er ist das, was vom Menschen übrig bleibt, wenn man Maschinen zu Göttern erhebt – während die Vergötzung von Maschinen alles an religiösem Empfinden repräsentiert, wozu der untote Denkbarbar überhaupt noch fähig ist.

Werner Müller starb 1990, zum Verbleib von Wolfgang Linser enthält das Netz keine Informationen. Beide waren fester Bestandteil der damaligen grünen Bewegung, die sich 30 Jahre später in der Verpflichtung zum Gebrauch von hochgiftigen Energiesparlampen einen denkwürdigen Höhepunkt erarbeitet hat – einen Höhepunkt, der die Begrenztheit unseres „Vorderkopf-Denkens“ bei der Lösung der Probleme ebenso aufzeigt wie die Erfahrung unserer absoluten Machtlosigkeit.

Ich denke, die Zombieapokalypse kann selbst in einiger Zukunft Bestandteil einer neuen Märchenkultur sein, einer Kultur, die die Geschichte unseres Untergangs erzählt. Wahrscheinlich erzählt man sich diese Geschichte in den einfachen Hütten auf Java: wie die nicht-mehr-ganz-richtig-lebendigen Menschen die Welt überfluteten und sie mit Hilfe ihrer untoten Götzen in den Abgrund stürzten.

Wieso unsere Zombiegeschichten nichts von den Zombiegöttern erzählen, den Maschinengötzen?

Nun – dafür ist das Reflexionsvermögen der Untoten zu gering: so weit können wir Zombies überhaupt nicht mehr über unseren Horizont hinausdenken.

Was wir aber problemlos können: uns in eine Welt voller untoter Menschen hinein versetzen, die nur von der Lebendigkeit andere zehren können und diese vertilgen wollen: das ist nämlich unsere Alltag in der neoliberalen Wirtschaft. Das Nachzuempfinden gelingt allerdings nur noch den Lebendigen … und die sollten sich sehr vorsehen: ihre „untote“ Umwelt reagiert nicht gut auf Menschen, die noch fühlen können – Mitleid ist für den Untoten „Sozialromantik“.

Merken Sie nun, wie absolut real die Zombie-Apokalypse schon heute ist?

Waren Sie erstmal ab, wenn die Zombiebanken komplett zusammenbrechen – mag sein, dass der Kampf gegen Untote harmlos wirkt gegen das, was dann kommt.

Eigentlich kein Wunder, dass uns dieses Märchenbild absolut nicht losläßt, oder?

Heinrich Schirmbeck und der Untergang der Zivilisation: ketzerische Gedanken zu Karfreitag.

Heinrich Schirmbeck und der Untergang der Zivilisation: ketzerische Gedanken zu Karfreitag.

Freitag, 18.4.2014. Eifel. Heute ist Karfreitag. Heute vor über zweitausend Jahren starb der Sohn Gottes an einem Kreuz, hingerichtet vom römischen Imperium. Die Legende sagt: er starb, um unsere Sünden zu tilgen – eine Botschaft, deren Wichtigkeit man erst versteht, wenn man sich anschaut, welche Lasten die Religionen der Welt den Menschen sonst aufbürdeten, um sich von ihren Sünden (oder Schwächen) zu befreien, um Erleuchtung oder Erlösung zu finden. Deshalb nennt man die Legende von Christus ja die „Frohe Botschaft“. Was man von ihr allerdings in Kirchen und an öffentlichen Plätzen sehen kann, ist etwas anderes: ein Leichnam, hingerichtet von den Mächten und Gewalten der damaligen Gegenwart – nicht das geschickteste Symbol für eine „frohe Botschaft“, möchte man meinen.

Die frohe Botschaft? Ja – durch den Kreuzestod Jesu wurde – der Legende nach – die Menschheit befreit von der Herrschaft der „Mächte und Gewalten“.

„Mächte und Gewalten“? Zweitausend Jahre nach dem Kreuzestod wissen wir so gut wie gar nicht mehr, was damit gemeint war. Die Zeitgenossen Christi wussten das noch sehr gut. Sie repräsentieren die gefallene Seite der Schöpfung, zwar auch von Gott geschaffen, aber nicht gerade freundlich zu Menschen. Sie bringen Tod, Hass und Angst in das Leben der Menschen, Sünde, Tod und Teufel sind ihre Manifestationen. Sie gleichen jenen falschen Göttern, vor denen Gott selbst einst das Volk Israel gerettet hatte. Auch das war nichts Neues: die älteste menschliche Existenzweise ist die der nomadischen Stammesgesellschaften – und die hatten nur einen Gott, der im Himmel wohnte und sie behütete. Mit den Städten begann dann die Vielgötterei, es gab Götter für jede Gelegenheit, Mächte und Gewalten, die sich in alle Bereiche des menschlichen Lebens einmischten. Der Legende nach waren es – von Griechenland über Rom bis nach Germanien – vor allem die jungen, hübschen Töchter der Menschen, nach denen ihnen der Sinn stand: der Feudalstaat schuf sich so ein Abbild im Himmel.

Ja – der heutige Tag sollte eine große Befreiung mit sich bringen – schon vor zweitausend Jahren. Hat er ja auch. Niemand fürchtet sich mehr davor, dass ein blitzwütiger Odin die eigenen Töchter schändet, dass ein hintertriebener Loki die Ernte misslingen läßt oder ein wütender Thor das Gehöft mit seinem Hammer in Stücke schlägt. Was muss das für ein Leben gewesen sein, damals. Überall versteckten sich mächtige Götter, die übermächtigen, unsichtbaren, allgegenwärtigen Königen gleich über das ganze Erdenrund herrschten, unten auf der Erde hingegen der kleine, hilflose Bauer, gefesselt an die Scholle, jeden Launen seiner göttlichen Herren hilflos ausgeliefert.

Ich denke, man muss das mal erlebt und gelebt haben, um so ein Lebensgefühl nachvollziehen zu können.

Wir modernen Menschen können das gar nicht mehr. Wir sind vollkommen Herren über unser eigenes Schicksal, keine Mächte und Gewalten dirigieren unser Verhalten in unserem Leben, wir gestalten unseren Alltag ganz nach unserem eigenen, freien Willen: wie sollen wir nachempfinden können, wie es ist, das Niederste vom Niedersten zu sein, Gewürm unter den Stiefeln der mächtigen Germanengötter?

Nun – einer konnte das. Heinrich Schirmbeck war sein Name. Starb neunzigjährig im Jahre 2005 – am amerikanischen Unabhängigkeitstag. Auf der Internetseite der Heinrich Schirmbeck Gesellschaft findet man ein Zitat von ihm:

„Und wie dem Schöpfer seine Schöpfung, nämlich der Mensch, durch die Hybris der Erkenntnis gewissermaßen entglitt, so begann dem Menschen seine Schöpfung zu entgleiten, nämlich die Gesellschafts-, die Staaten-, die Institutionen- und Apparatenwelt. Wie Gott des Menschen nicht mehr Herr zu werden scheint, so wird der Mensch seiner Schöpfung nicht mehr Herr: sie entwickelt eine Eigengesetzlichkeit, die ihn in seiner Freiheit und Existenz bedroht“.

Eine Schöpfung, die uns in unserer Freiheit und Existenz bedroht? Unglaublich, oder?

Sie als moderner, aufgeklärter Mensch stehen dieser angedeuteten Rückkehr der alttestamentarischen „Mächte und Gewalten“ selbstverständlich skeptisch gegenüber. Wir leben in einer aufgeklärten Demokratie, haben seit bald siebzig Jahre Frieden und sind frei wie nie ein Mensch zuvor!

Schauen wir mal genauer hin. Schon mal überlegt, wo Ihr Essen herkommt?

Klar – aus dem Supermarkt. Wir alle bekommen es aus dem Supermarkt.

Wer füllt die Märkte? Wissen Sie das überhaupt noch?

Fünf – bis sechs „Konzerne“. Mehr nicht. Gigantische Institutionen mit unglaublicher Macht, reicher als die meisten Staaten, liefern Ihnen das Essen – jenes Essen, das früher von ganz allein im Wald und auf den Feldern wuchs – umsonst. Der „freie“ Mensch wurde so zu dem einzigen Wesen, das für seine Existenzs auf Erden bezahlen muss – als ob er ein fremdartiger Eindringling ist, der bloß geduldet wird.  Egal wie reich Sie nun sind, wie reich Sie sich fühlen: in Ihrer ganzen Existenz sind sie auf Gedeih und Verderb diesen Konzernen ausgeliefert.  Haben die Konzerne mal keine Lust mehr, ihre Arbeit zu machen (was SOFORT geschieht, wenn die Rendite zu niedrig ist), dann stellen sie ihre Arbeit ein, die Regale bleiben leer und Sie verhungern. Wer kontrolliert diese Gebilde, die uns auch mit Öl, Baustoffen, Waffen, Automobilen und enorm viel Unterhaltung versorgen?

Theoretisch: Menschen. Praktisch: Niemand. Diese Kapitalballungen haben ein Eigenleben. In dem kanadischen Film „Corporation“ wurde dies im Detail beschrieben, hier bei Facebook:

The Corporation ist ein kanadischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2003. Der Film analysiert das Verhalten von Großunternehmen im Geschäftsleben. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass solche Unternehmen in der Regel alle Kriterien für einen Psychopathen erfüllten, wenn Bewertungsmaßstäbe für menschliches Verhalten angelegt würden. Zudem wird dargelegt, dass solch ein Vergleich durchaus seine Berechtigung habe – weil Unternehmen als juristische Personen rechtlich größtenteils mit Menschen (Natürliche Personen) gleichgestellt seien. Einer der wesentlichen Aspekte des Films ist, dass Großunternehmen nur die eigenen Interessen verfolgen und dabei prinzipiell keinerlei Interessen anderer Personen – insbesondere von Menschen – berücksichtigen. Der Film wurde vom Rechtswissenschaftler Joel Bakan geschrieben und von Mark Achbar und Jennifer Abbott produziert.

Sie haben einen einzigen Zweck: soviel Geld wie nur irgend möglich aus dem Markt zu pressen – ohne Rücksicht auf Verluste. Selbst verantwortungsbewusste Geschäftsleiter scheitern an den Automatismen dieser künstlichen Konstrukte, die durch Verträge und Gesetze geschaffen wurden.

Gewaltige Psychopathen, mit gottähnlicher Macht ausgestattet – das hatten wir schon mal. Die Menschen hatten sie damals Odin, Zeus und Jupiter genannt.

Gehen wir weiter zu Ihrem politischen Leben. Sie haben ja mal einen Staat geschaffen, um vor solchen geistlos plündernden unmenschlichen Horden geschützt zu werden. Die Kräfte der Menschen sollten geeint werden, um selbst eine Macht zu bilden, die größer ist als das Schicksal selbst. Hungersnöte, Armut, willkürliche Not, Folter, Krieg – all das sollte für immer der Vergangenheit angehören. Zur Jahrhundertwende (1899) war man auch der Meinung, das Kriege in Europa völlig ausgeschlossen sind – man sei zu zivilisiert, um sich solcher Barbarei zuzuwenden.

Zwei Weltkriege später steht das inzwischen durch und durch demokratische Europa wieder am Abgrund eines Krieges, Truppen werden an die Ostfront verlegt, ein weiterer Krieg mit Russland steht bevor, federführend hier: die NATO und die STAATEN, weitere von Menschen geschaffene Mächte und Gewalten. Klar – die Nato und Deutschland: das sind WIR. WIR wählen unsere Abgeordneten, die wählen die Bundeskanzlerin und die schützt uns mit der Gewalt des Staates vor Not und Elend – und erst recht vor Krieg. So dachten wir jedenfalls, bis wir merkten: die Kanzlerin ist ja völlig hilflos – so hilflos wie der germanische Bauer angesichts der Allmacht seiner Götter. Das hat sie selbst zugegeben … und deshalb wurde „alternativlos“ zum Unwort des Jahres 2010 (siehe Spiegel). Sind Entscheidungen alternativlos, ist der Mensch hilflos … fremden Gewalten ausgeliefert. Momentan müssen wir hoffen, dass der Krieg gegen Russland nicht auch alternativlos ist.

Heinrich Schirmbeck übrigens hat diese „Alternativlosigkeit“ angesichts der Mächte und Gewalten schon früher kennenlernen dürfen. Als Gründungsmitglied der Grünen und Mitglied der Friedensbewegung durfte er eine ganz besondere Erfahrung machen – er, der 1991 noch eine umfangreiche Studie zum Völkerrechtsbruch durch die USA und die Vereinten Nationen im ersten Irakkrieg an alle wichtigen Politiker verschickte, erlebte, wie die einst so friedliebenden Grünen „alternativlos“ den ersten Einsatz deutscher Kampfbomber im Ausland seit 1945 befahlen – und bejubelten.

Die Sorge, dass die gleichen Automatismen einen weiteren Weltkrieg ins Leben rufen werden, scheint begründet – erst recht, seitdem die Politik auch ihre Hilflosigkeit gegen die agierenden Mächte und Gewalten eingestanden hat … ohne jedoch auch nur im Geringsten den Versuch zu unternehmen, sich die politische Macht zurück zu erobern: gegen Götter kämpfen halt selbst Könige vergebens.

Ja – sie sind wieder da, die Götter. Der Kreuzestod Christi scheint sinnlos, ja, das Symbol des Gottessohnes am Kreuz scheint ein höhnisches Symbol des Triumphes von Menschen geschaffener Imperien über Gott selbst geworden zu sein, Imperien, die sich selbst ganz offen als Gott ausgeben … oder haben Sie etwa noch nie von den „Märkten“ gehört, die mit „unsichtbarer Hand“ Ihr Leben dirigieren, ihren Arbeitsplatz nach China verlegen, ihren Sozialstaat vernichten (wobei das „Soziale“ der einzige legitime Grund für den Schutzbund „Staat“ ist), die Krümmung ihrer Banane vorschreiben oder die Art der Beleuchtung in ihrem Schlafzimmer bestimmen?

Die Herausforderung der Menschheit des 21. Jahrhundert erinnert an die Herausforderung vorchristlicher (und vorjüdischer) Zeiten. Auch damals war der Normalbürger unsichtbaren Mächten und Gewalten ausgeliefert, die ihn wie Spielzeug hin- und herschubsten. Wenn der Kriegsgott zur Feier rief, gab es keine Diskussionen mehr … jedenfalls so lange nicht, bis sich der alte Gott der Nomadenvölker mit seinen zehn Geboten durchsetzte, jener Gott, der letztlich vor 3000 Jahren die biblische Geschichte inspirierte und ein für allemal dem idiotischen Treiben der Mächte und Gewalten ein Ende setzte: es gab nur ein einen Gott – und der war lieb und gerecht und verbot das Töten.

Heute sind sie wieder da, die Mächte und Gewalten. Anders als Zeus und Ares haben sie jedoch reale Macht – Supermacht, sozusagen.

Als Staatenbünde, Wirtschaftskonzerne, Regierungsorganisationen, Parteien, die den Menschen seiner Freiheit berauben und in seiner Existenz bedrohen – doch anders als der Götterterror der Vergangenheit verfügen diese Mächte und Gewalten über reale Macht: Atomwaffen (die schon in den nächsten Wochen in Europa zum Einsatz kommen könnten), gentechnisch veränderte Nahrungsmittel (die von der Kanzlerin gegen den erklärten und erkannten Willen des Volkes eingeführt werden – alternativlos), chemisch und biologisch bis auf zelluläre Ebene hinab verseuchte Umwelt (man denke nur an … Plastik): die Bilanz unserer Zivilisation ist vernichtend – ihr Untergang scheint unausweichlich, so jedenfalls erklärt uns dies aktuell eine Studie der Nasa (siehe    N 24):

Fünf Risiko-Faktoren für den Kollaps der menschlichen Zivilisation haben der Mathematiker Safa Motesharrei und sein Team ausgemacht. Die Analyse der Entwicklung von Bevölkerungswachstum, Klimawandel, Wasserversorgung, Landwirtschaftsentwicklung und Energieverbrauch gibt Rückschlüsse auf die Stabilität unseres Wohlstandes.

Wenn diese fünf Faktoren so zusammenwirken, dass zwei bestimmte Entwicklungen einsetzen, ist der Kollaps unausweichlich. Diese beiden Entwicklungen sehen die Forscher als bereits eingetreten an: die Überlastung der Ökosysteme durch zu hohen Verbrauch der globalen Ressourcen bei gleichzeitiger Aufspaltung der Gesellschaft in reiche Eliten und den armen Rest. Beim Untergang aller großen Hochkulturen in den letzten fünftausend Jahren haben diese beiden Dynamiken eine zentrale Rolle gespielt.

Das ist die Erfahrung der Menschheit in den letzen siebentausend Jahren: Hochkulturen rotten sich selber aus. So sind wir bei ein paar Überlegungen zu Karfreitag mitten in den laufenden, alternativlosen Untergang unserer Hochkultur geraten.

Wie wir sehen, können wir eigentlich doch ganz gut nachempfinden, wie sich der kleine Bauer vor Ort gefühlt haben muss, in seiner Existenz ständig bedroht von großen, unsichtbaren Mächten und Gewalten.

Der Unterschied zu uns?

Er brauchte nicht von Konzernen durchgefüttert zu werden, durfte noch von dem leben, was das Land hergab. Und seine Götter hatten keine Nuklearwaffen, produzierten keine künstlichen Seuchen, verwüsteten ganze Landstriche oder rotteten in nie dagewesenem Maße Pflanzen und Tiere der natürlichen Umwelt des Menschen aus.

Letztendlich bleibt nicht viel übrig von unserem kulturellen Überlegensheitsgefühl, oder? Wir gleichen eher den Luxuspassagieren einer sinkenden Titanic, die noch Musik und Tanz pflegten, als die ersten Menschen in den weniger gut versorgten Gebieten des Schiffes schon ertranken.

Hören wir nochmal Heinrich Schirmbeck dazu, hier aus einer Rede zu seinem 90. Geburtstag auf Literaturkritik:

„In unserer Zeit vollzieht sich ein Vorgang, der wesentlich mehr zu sein scheint als die Bereicherung des Wirklichen um einen neuen Aspekt: es ist der Einbruch der Naturwissenschaften in unser Leben. Dieser Einbruch zeigt sich einmal in der Überflutung unseres Alltags mit technischen Geräten, in der Beschleunigung aller materiellen und informativen Prozesse. Er zeigt sich aber noch viel unheimlicher in der Entsinnlichung aller traditionellen Lebensverhältnisse. Es ist, als werde ihnen die Substanz zunehmend entzogen, so daß nur ein abstraktes Skelett von Funktionen übrigbleibt.“

Das schrieb er 1964.

Da gab es noch keine Handys, kein Privatfernsehen und keine Alternativlosigkeit in politischen Entscheidungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutschland 2013: der Kampf ums Trinkwasser! (Leider: schon verloren).

Mittwoch, 16.1.2013. Eifel. Es gibt Tage, an denen man nur noch eins kann: seine eigene Bequemlichkeit zu verfluchen, die eigene, ablehnende Haltung zur Todesstrafe nochmal deutlich überlegen, die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns deutlich zu hinterfragen und zu überlegen, ob wir uns nicht wirklich schnellstens der US-Waffenlobby anschließen sollten. Heute ist so ein Tag, der dazu anregt, die Flinte ins Korn zu schmeißen ... oder sich mit ihr in die tiefen Wälder zurückzuziehen, um von dort aus den letzten Widerstand der Menschheit zu organisieren ... gegen einen monströsen, selbst geschaffenen Feind.

Mittwoch, 16.1.2013. Eifel. Es gibt Tage, an denen man nur noch eins kann: seine eigene Bequemlichkeit zu verfluchen, die eigene, ablehnende Haltung zur Todesstrafe nochmal deutlich überlegen, die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns deutlich zu hinterfragen und zu überlegen, ob wir uns nicht wirklich schnellstens der US-Waffenlobby anschließen sollten. Heute ist so ein Tag, der dazu anregt, die Flinte ins Korn zu schmeißen … oder sich mit ihr in die tiefen Wälder zurückzuziehen, um von dort aus den letzten Widerstand der Menschheit zu organisieren … gegen einen monströsen, selbst geschaffenen Feind.

Am 22.3.2011 hatte ich noch gewarnt:

http://www.nachrichtenspiegel.de/2011/03/22/deutsche-weicheier-gruene-kriegstreiber-die-wasserkriege-und-die-taegliche-pressehurerei/

Und heute ist es soweit: Euer Wasser … ist weg. Ein für allemal. Meins auch … dabei haben wir in der Eifel vor allem eins: Wasser.

Doch holen wir lieber mal weiter aus.  Schauen wir einfach mal zurück nach … Bolivien. Liegt in Südamerika. Dort geschah im Jahre 2000 nach Christus etwas Ungeheuerliches, was es sogar kurz bis in die deutschen Nachrichten geschafft hat. Es gab Ende 2011 sogar einen Film, der die Ereignisse am Rande streift, siehe Süddeutsche:

Anfang 2000 in Bolivien: Die Wasserversorgung einer ganzen Stadt wird an ein Konsortium multinationaler US-Konzerne verkauft. Brunnen zu graben wird verboten, nicht einmal das Regenwasser darf gesammelt werden.

Was geschah dort? Ein Konzern greift versuchsweise nach einer der letzten Ressourcen, die noch nicht privatisiert sind: dem Wasser. Land und Essen besitzt man schon, Energie auch – aber Wasser und Luft sind noch umsonst. Das geht ja nun mal gar nicht.

Die Strategien sind immer diesselben – und altbekannt. Irgendwo auf der Welt schafft man Fakten, die dann nach und nach mit Methode Gesetz für alle werden – und wie üblich, wenn große Konzerne Politik machen, wird es im Alltag ziemlich absurd – wie zum Beispiel das Verbot, Regenwasser zu sammeln.

In Bolivien ist es gescheitert, siehe Wikipedia:

2000 unterzeichnete Bechtel einen Vertrag mit Hugo Banzer Suárez, dem früheren Diktator von Bolivien, mit dem die Wasserversorgung der drittgrößten Stadt Boliviens, Cochabamba, privatisiert wurde. Der Vertrag wurde offiziell von einer Bechtel Tochtergesellschaft Aguas del Tunari unterzeichnet, die speziell für diesen Zweck gegründet wurde. Kurze Zeit später verdreifachte das Unternehmen die Wassergebühren in der Stadt, woraus viele Proteste und Unruhen unter denen, die sich nicht länger sauberes Wasser leisten konnten, resultierten. Viele Menschen mussten ihre Kinder von der Schule nehmen und ihre Arztbesuche einstellen wegen der anormal hohen Wasserkosten. Bechtel verlangte sogar Zahlungen für Regenwasser und setzte ein Gesetz durch, das Grabungen neuer Brunnen verbot. Angesichts der folgenden Demonstrationen wurde das Kriegsrecht verhängt und die bolivianische Polizei tötete letztlich 6 Menschen und verletzte über 170 Protestierende. Inmitten von Boliviens nationalen wirtschaftlichem Kollaps und wachsender nationaler Unzufriedenheit über den wirtschaftlichen Zustand war die bolivianische Regierung gezwungen, von diesem Wasservertrag zurückzutreten.

Sechs Tote, 170 Verletzte, ein letztlich gestürzter Diktator … aber Bechtel hat trotzdem gewonnen:

2001 verklagte Bechtel die bolivianische Regierung auf 25 Mio. US$ entgangenem Gewinn.

So sind Konzerne eben, sie sind konstruiert, um aus allen Lebenslagen maximale Gewinne zu ziehen – und erledigen diese Aufgabe perfekt … ohne Rücksicht auf Verluste. Das trifft nicht nur auf Bechtel zu – obwohl sich diese Firma schon einen gewissen Namen gemacht hat, siehe Dr. Vinanda Shiva vom 26.3.2003, zitiert bei agp:

Einen Monat nach Beginn des Krieges gegen den Irak taucht der wirkliche Sieger auf. Bechtel hat einen 680 Millionen Dollar Vertrag für den Wiederaufbau des Irak erhalten.

Der von der USA geführte Krieg bombte erst die irakischen Krankenhäuser , Brücken und Wasserwerke aus, und jetzt ernten die US-Konzerne die Profite des „Wiederaufbaus“ einer Gesellschaft, die zuvor absichtlich zerstört wurde. Blut wurde nicht nur für Öl vergossen, sondern auch für die Kontrolle über Wasser und andere lebenswichtige Dienstleistungen. In einer Periode sinkenden Wirtschaftswachstums und einer Verlangsamung des Molochs Globalisierung wurde Krieg zu einer gebräuchlichen Entschuldigung für die Ausweitung der Herrschaft der Konzerne. Wenn die WTO nicht ausreicht führen wir Krieg.

Vor Konzernen gewarnt habe ich schon am 22.2.2009. Viele haben es gelesen, kaum einen hat´s interessiert, keiner hat es verstanden – dabei ging es um den größten Feind, den die menschliche Gesellschaft in diesen Tagen hat: um den Konzern.

Robert Hare, Psychologe und FBI-Berater kam zur Verdeutlichung dieser Tatsache auf eine recht unterhaltsame Idee.

Wenn ein Konzern, so seine Argumentation, als eine juristische Person angesehen werden will, dann ist es legitim, ihn den gleichen psychischen Kriterien zu unterwerfen wie … z.B. einen normalen Menschen.

Grundlage für den Test war:

Personality Diagnostic Checklist
WHO ICD 10
Manual of Mental Disorders DSM IV

Diese Standardkriterien sind auch jedem deutschen Psychiater geläufig.

Ziel war, zu sehen ob und bis zu welchem Grade Konzerne als „psychopathisch“ einzustufen sind. Bewertungskriterium war u.a., wie sie sich zu der Gesellschaft verhalten, in der sie ihre Geschäfte betreiben.

Folgende Kriterien wurden erfüllt:

1. Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen anderer
2. Unfähigkeit, dauerhafte Beziehungen einzugehen
3. Skrupellose Gefährdung anderer
4. Unfähigkeit, Schuld zu empfinden
5. Hinterlist, Lügen und Täuschen um des eigenen Vorteils willen
6. Verletzung sozialer Normen und gesetzlicher Vorschriften

Mehr Kriterien gibt es nicht. Die herrschende Institution unserer Zeit, eine juristisch handelnde und mit größter Machtfülle ausgestatte Person glicht nicht nur ein bischen einem Psychopaten.

Das psychische Profil dieses Monsters gleicht dem eines Massenmörders. Mit allen Konsequenzen.

(Quelle: „The Corporation, M.Achbar, J.Abbot & J.Bakan, DVD, erhältlich nur bei „Zweitausendeins“)

Solche krebsartigen Konstrukte lassen wir ungehindert in unserer Wirtschaft wachsen. Damit handeln wir als Volkswirtschaft in etwas so schlau wie jemand, der sich eine tödliche Infektion absichtlich selbst zuführt. Dabei geschieht das alles nicht in böser Absicht, sondern schlichtweg nur aus Dummheit. Aus Dummheit haben wir Gesetze durchgehen lassen, die „Personen“ konstruiert haben, die nun dabei sind, die ganze Welt zu verschlingen – Dr. Frankenstein lässt grüßen.

Nun sehen wir Deutschen das auf unseren Bildschirmen, lesen das in Büchern, Blogs, Artikeln und denken immer noch: das ist alles weit draußen. Das ist das Problem mit unsere Wahrnehmung und unserer kulturellen Entwicklung: wir haben uns in den letzten Jahren (auf Wunsch und Betreiben der Konzerne, die uns genau da haben wollten) zu Troglodyten zurückentwickelt … nach dreißigtausend Jahren ist der Mensch in jene Höhle zurückgekrochen, aus der er einst aufbrach, die Welt zu erobern. Dort sitzt er – quasi in Vollendung einer Parodie des platonischen Höhlengleichnisses – vor einem sprechenden Bild (wie es in der Apokalypse des Johannes auftaucht, Kapitel 13, Vers 15) und lässt sich treiben von den Träumereien, die dort präsentiert werden – und merkt kaum, das er sich mit Sendeformaten wie dem „Dschungelcamp“ langsam auf ein Niveau zu bewegt, das schon der römische Bürger in seiner späten Dekadenz ausgelebt hatte, als er sich am Löwenfraß ergötzte.

Was er eben so wenig merkt (vor allem, weil er sich noch nicht vorstellen kann, was es bedeutet): das die Konzerne nach dem gescheiterten Versuch der Privatisierung des Trinkwassers in Bolivien nicht etwa aufgegeben haben, sondern in logisch konsequenter Fortführung ihres gesetzlich vorgeschriebenen Auftrages der Erzielung maximaler Rendite für einige Auserwählte nicht nur die europäische Sozialversicherung zerschlagen, sondern sich – neben Post, Bahn und Telekom – auch das Wasser der Nationen aneignen.

Informiert wurde der Bürger darüber nicht. Herausgefunden haben das die letzten Reste verantwortungsbewussten Journalismus, die inzwischen ein kümmerliches Dasein zwischen Fußball, Tatort und Dschungelcamp führen: die Journalisten von Monitor. Sie fanden Erschreckendes heraus:

Krisenländer wie Portugal und Griechenland brauchen Geld, deshalb zwingt die Troika in Brüssel sie jetzt klammheimlich, ihre Wasserversorger zu verkaufen. Im Anhang der Troika-Verträge, die MONITOR vorliegen, sieht man: In Griechenland sollen die großen Wasserwerke von Athen und Thessaloniki verkauft werden. Zu Portugal heißt es: Die Privatisierung der nationalen Wasserbetriebe „Aguas de Portugal“ soll vorangetrieben werden. In Portugal protestieren mittlerweile immer mehr Menschen gegen diese Wasserprivatisierung, weil sie Angst haben vor hohen Preisen und schlechter Qualität. Aber die Krisenstaaten sind erst der Anfang. Die EU-Kommission holt jetzt zum großen Schlag aus. Der neue Richtlinienvorschlag für Konzessionsvergabe versteckt geschickt die Forderung, dass im Bereich der Wasserversorgung eine Marktöffnung erfolgen müsse. Was heißt das? Heide Rühle, die Wasserexpertin der europäischen Grünen, hat den Vorschlag genau studiert. Sie glaubt, dass die Kommission kurz davor ist, ihr Ziel zu erreichen – Wasserprivatisierung.

Während wir noch im Kino einige Rührstücke genießen, die die Wasserkriege von Bolivien am Rande erwähnen, stehen wir dicht davor, das aus unseren Leitungen … einfach nur noch giftiger Abfall kommt … oder gar nichts.

Übertrieben?

Schauen wir doch einmal bei Tadema, welche Erfahrungen man mit der Privatisierung von Wasser gemacht hat:

Die Wasserindustrie wurde 1989 privatisiert, jedenfalls in England und Wales. In Schottland und Nord- irland blieb sie staatlich. Die neuen Unternehmen machten in den ersten sieben Jahren Riesenprofite, sie griffen den Verbrauchern tief in die Taschen – ohne zu investieren. 1990 – ein Jahr nach der Privatisierung – wurden in England und Wales 2.756 Ruhr-Fälle gezählt, im Jahr darauf waren es schon 9.935. Die Zahl der Haushalte, denen das Wasser abgestellt wurde, hatte sich im gleichen Zeitraum verdreifacht: von 7.273 Fällen im Jahr 1990 auf 21.586 Fälle ein Jahr später.

Die übliche Misswirtschaft, wenn Konzerne Geschäfte übernehmen: die Preise steigen, die Qualität sinkt – bis es Tote gibt. Psychopathen kennen keine Hemmungen bei der Erzielung von Profiten.

Wir Bürger … wir fragen uns: was ist denn eigentlich da los in Brüssel. Dort sitzen doch die von uns bezahlten Politiker, deren Aufgabe es sein soll, gerade uns vor diesen Wasserkriegen zu schützen. Tadema jedoch zitiert da noch etwas mehr:

Der EU Handelskommissar Pascal Lamy stellt in einem Interview klar, daß auch die EU ihren Wasser- sektor liberalisieren will – ganz im Gegensatz zu allen bisherigen Behauptungen! In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 10.3.03 äußerte er sich folgendermaßen (Auszug):

SZ: Die Wasser-Versorgung ist für jeden Staat besonders sensibel. Haben Sie Vorschläge gemacht, den Wassermarkt in Europa zu öffnen? Hat es Anfragen aus anderen Ländern gegeben?

Lamy: Wir haben keine Anfragen. Aber ich mache Angebote. Weil ich ein Interesse daran habe, dass die Wasserversorgung geöffnet wird.

Pascal Lamy?

Träger des großen Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland … und vieler anderer Auszeichungen. Seit 2005 … Präsident der WTO (siehe Wikipedia) – eine der vielen überraschenden Karrieren jener Politiker, die sich scheinbar ohne äußeren Anlass für die Belange der Konzerne einsetzen, noch bevor die überhaupt öffentlich in Aktion getreten sind.

WTO? Der zivile Arm der kriegerischen Globalisierung – siehe oben.

In dem Monitorbericht kommt auch der Präsident des deutschen Städtetages zu Wort, der uns ein wenig aufklärt über die Verhältnisse in Brüssel:

Christian Ude, Präsident des Deutschen Städtetages: „Es ist wirklich bedauerlich, dass mancher Wettbewerbskommissar nur noch die Bedürfnisse seiner Gesprächspartner aus den Konzernchefetagen kennt und nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung.“

Das gilt nicht nur für Brüssel – sondern auch für Berlin.

2010 veröffentlichte die TAZ bemerkenswertes Material über den Verkauf der Berliner Wasserwerke:

Geheime Verträge zeigen: Berlin hat bei der Privatisierung seiner Wasserbetriebe den Käufern hohe Gewinne garantiert – auf Kosten der Verbraucher.

Die Vorgänge zeigen auch auf, wie Politik und Staat mittlerweile zueinander stehen – es sind Feinde:

Die Gewinne dagegen stiegen in der gleichen Zeit deutlich an – auch weil das Land den Käufern in den Geheimverträgen eine Gewinngarantie für das Monopolgeschäft zugesichert hatte. Die Kosten dafür wurden in die Wassertarife eingerechnet, also von den Berlinern bezahlt. Doch noch im Jahr 1999 erklärte das Landesverfassungsgericht die Grundlage für die Gewinngarantie für verfassungswidrig. In den Geheimverträgen ist festgelegt, dass das Land Berlin in dem Fall die privaten Anteilseigner schadlos stellen muss. Sie durften sich daher zuerst aus den Gewinnen der Wasserbetriebe bedienen – das Land musste nehmen, was übrig blieb.

Das muss man sich mal vorstellen: die Politik reagiert auf die festgestellte Verfassungswidrigkeit mit „Geheimverträgen“, die auf Kosten des Steuerzahlers Konzernen Monopolgewinne garantiert – selbst wenn die völlige Misswirtschaft betreiben. So könnte jeder Penner reicher Leistungsträger werden … und so werden die Penner in diesem Land auch reich. Früher nannte man das Wegelagerei – oder auch Landesverrat.

In Berlin gab es einen Volksentscheid zum Wasser – und Beobachtungen, die zeigen, dass „Linke“ in der Regierung die gleichen Wege einschlagen wie alle anderen Parteien (siehe Wikipedia):

Die meisten Bürger haben sich mit dem Volksentscheid für eine Rekommunalisierung der Wasserbetriebe ausgesprochen. Jedoch hält Wirtschaftssenator Harald Wolf von der Linken das neue Gesetz für verfassungswidrig und betreibt die Rekommunalisierung nur zögernd. Wolf wird ein Interessenkonflikt vorgeworfen, da er als Wirtschaftssenator die Interessen des Landes Berlin vertritt und gleichzeitig als Aufsichtsratschef der BWB für die Gewinne des Unternehmens verantwortlich ist.

Man kann wählen was man will – man wählt immer: den Konzern. Ob man will oder nicht.

Was in Bolivien scheiterte, wird in Europa, Deutschland und Berlin erfolgreich durchgeführt. Mit rechten, linken, sozialistischen oder christlichen Politikern – die Farbe spielt da schon längst keine Rolle mehr. Natürlich nicht nur hier. Der Film „Water makes Money“ informiert in breiter Front über die Offensive, die schon seit Jahrzehnten läuft – und über die hilfreiche Rolle, die „die Politik“ dabei spielt.

Es gibt wohl viele Lamys auf der Welt.

Zuviele.

Und wenn wir nicht weiterhin brav Preiserhöhungen schlucken wollen (oder darauf hoffen, das – wie in Berlin – das Kartellamt eingreift, um den Wasserpreiswucher zu beenden siehe Spiegel), dann sollten wir uns zusammenschließen – und hier unterschreiben:

Wasser ist ein Öffentliches Gut, keine Handelsware – Wir fordern die Europäische Kommission zur Vorlage eines Gesetzesvorschlags auf, der das Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung entsprechend der Resolution der Vereinten Nationen durchsetzt und eine funktionierende Wasser- und Abwasserwirtschaft als existenzsichernde öffentliche Dienstleistung für alle Menschen fördert. Diese EU-Rechtsvorschriften sollten die Regierungen dazu verpflichten, für alle Bürger und Bürgerinnen eine ausreichende Versorgung mit sauberem Trinkwasser sowie eine sanitäre Grundversorgung sicherzustellen. Wir stellen nachdrücklich folgende Forderungen:

  1. Die EU-Institutionen und die Mitgliedstaaten haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Bürger und Bürgerinnen das Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung haben.
  2. Die Versorgung mit Trinkwasser und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen darf nicht den Binnenmarktregeln unterworfen werden. Die Wasserwirtschaft ist von der Liberalisierungsagenda auszuschließen.
  3. Die EU verstärkt ihre Initiativen, einen universellen Zugang zu Wasser und sanitärer Grundversorgung zu erreichen.

Warum man unterschreiben sollte, wird auch gleich erläutert:

Weil du mit mindestens einem der Ziele übereinstimmst, die wir in dieser EBI formulieren:

  • Alle BürgerInnen in Europa sollten einen garantierten Zugang zu Wasserversorgung und sanitärer Grundversorgung haben. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es immer noch rund zwei Millionen Menschen in Europa ohne Trinkwasserversorgung und ohne Sanitärversorgung. Es gibt weiterhin zahlreiche Menschen mit niedrigen Einkommen, denen eine Liefersperre droht, wenn sie ihre Wasserrechnung nicht bezahlen können.  
  • Die Europäische Kommission sollte auf ihre konstanten Versuche verzichten, die Wasser- und Abwasserwirtschaft zu liberalisieren. Wenn man auf den Markt setzt, um diese Dienstleistungen zu erbringen, muss man damit rechnen, dass gut betuchte Kunden bessere Leistungen erhalten als Kunden, die finanziell weniger gut gestellt sind. „Kein Geld, kein Wasser“ wäre die Quintessenz einer markwirtschaftlich bestimmten Wasserversorgung. Wasser und sanitäre Grundversorgung sind aber ein Menschenrecht. Es ist Aufgabe und Verpflichtung jeder Regierung, diese Dienstleistungen allen Menschen zur Verfügung zu stellen.
  • Weltweit 800 Millionen Menschen haben nach wie vor keinen Zugang zu sauberem Wasser, mehr als zwei Milliarden Menschen müssen ohne Sanitärversorgung leben. Europa kann und sollte mehr unternehmen, damit Menschen auch in anderen Teilen der Welt das Menschenrecht auf Wasser und sanitäre Versorgung in Anspruch nehmen können.

Momentan ist der Kampf um das deutsche Trinkwasser schon verloren. Hinter unserem Rücken plant die EU-Kommission den Ausverkauf der europäischen Wasserreserven.

Zehn Jahre noch, dann werden wir uns nicht mehr über Hartz IV aufregen … sondern über jene, die in ihren Wohnungen verdurstet sind, weil der Konzern das Wasser abgestellt hat.

Wenn wir noch länger darauf beharren, Höhlenbewohner zu werden und ausschließlich den Informationen, Wünschen und Begierden großer Konzerne zu folgen, dann werden wir wohl unausweichlich dem Schicksal jener Toglodyten folgen, die man nur noch in einigen Berichten antiker Autoren findet:

wir werden einfach aussterben.

Der Reiche als Feind der Menschheit: Details zur Apokalypse und möglichem Widerstand

Sonntag, 23.9.2012. Eifel. Eine ganz besonders liebe Freundin hat mir gestern einen Artikel geschickt. Ich nutze die Gelegenheit jetzt hier mal, um mich für die vielen Male zu entschuldigen, wo ich sie barsch am Telefon unterbrochen habe, weil ich keine Zeit hatte, ihr zuzuhören. Telefonate dauern bei mir oft viele Stunden - weil ich nicht nur erzählen, sondern auch zuhören kann. Samira ist einer der reichsten Menschen, die  ich in meinem Leben kennengelernt habe.  Sie wohnt in einem umgebauten Schweinestall, zu dem sie sich einen wunderschönen Garten geschaffen hat. Die Samen, die sie selber züchtet, kann sie im Ort gegen Demeterfleisch eintauschen (Kostenpunkt: 10 Euro für 500 g). Sie hat viel Zeit für sich, ihre Hobbys, ihre Mitmenschen und demonstriert tagtäglich, wie wenig Geld man braucht für ein glückliches, selbstbestimmtes und weitgehend unabhängiges Leben. Wäre schön, wenn alle Deutschen so leben könnten, leider gelingt es den Wenigsten, sich gegen die Flut von Vorschriften, Maßstäben, Handlungsanweisungen, freundlichen Empfehlungen und indirekten Richtlinien durchzusetzen, die die Medien in breitester Front tagtäglich als Euronorm für Deutschland durchsetzen: was man isst, wie man wohnt, wie man die Wände streicht, welche Möbel wie hingestellt werden, wie oft man sich wie und womit die Zähne putzt, wieviel man wiegen darf, wie man sich kleiden muß - die Liste der ungeschriebenen Lebensgesetze ist enorm lang und wird tagtäglich mehrfach in allen Medienformaten veröffentlicht ... bis es wirklich richtig sitzt.

Sonntag, 23.9.2012. Eifel. Eine ganz besonders liebe Freundin hat mir gestern einen Artikel geschickt. Ich nutze die Gelegenheit jetzt hier mal, um mich für die vielen Male zu entschuldigen, wo ich sie barsch am Telefon unterbrochen habe, weil ich keine Zeit hatte, ihr zuzuhören. Telefonate dauern bei mir oft viele Stunden – weil ich nicht nur erzählen, sondern auch zuhören kann. Samira ist einer der reichsten Menschen, die  ich in meinem Leben kennengelernt habe.  Sie wohnt in einem umgebauten Schweinestall, zu dem sie sich einen wunderschönen Garten geschaffen hat. Die Samen, die sie selber züchtet, kann sie im Ort gegen Demeterfleisch eintauschen (Kostenpunkt: 10 Euro für 500 g). Sie hat viel Zeit für sich, ihre Hobbys, ihre Mitmenschen und demonstriert tagtäglich, wie wenig Geld man braucht für ein glückliches, selbstbestimmtes und weitgehend unabhängiges Leben. Wäre schön, wenn alle Deutschen so leben könnten, leider gelingt es den Wenigsten, sich gegen die Flut von Vorschriften, Maßstäben, Handlungsanweisungen, freundlichen Empfehlungen und indirekten Richtlinien durchzusetzen, die die Medien in breitester Front tagtäglich als Euronorm für Deutschland durchsetzen: was man isst, wie man wohnt, wie man die Wände streicht, welche Möbel wie hingestellt werden, wie oft man sich wie und womit die Zähne putzt, wieviel man wiegen darf, wie man sich kleiden muß – die Liste der ungeschriebenen Lebensgesetze ist enorm lang und wird tagtäglich mehrfach in allen Medienformaten veröffentlicht … bis es wirklich richtig sitzt.

Nun: 2012 sitzt es enorm richtig und wir Menschen haben noch nicht mal gemerkt, das wir unter dem Banner der „Freiheit“ das reglementierteste Leben leben, das es je auf diesem Planeten gegeben hat.  Wir wundern uns gelegentlich, das sich das Leben um uns herum in reine Gülle verwandelt, aber niemand mehr den Mut besitzt, rein rational zu handeln und effektiven Widerstand zu leisten.  Würden wir einfach mal eine Liste jener Regeln erstellen, die uns daran hindern, so friedlich, sinnlich und bewusst zu leben, wie wir wollen, dann würden wir sehr schnell sehen: wir haben gar keinen Platz mehr für Widerstand: die Grenzen, die man leise und heimlich unsere Freiheit gesetzt hat, sind inzwischen so eng, das wir kaum noch Luft zum atmen haben.

Dabei gäbe es eigentlich allen Grund zum Widerstand. Wir müssten blitzschnell eine totale Kehrtwendung hinlegen, um die drohende Apokalypse noch zu stoppen.  Apokalypse? Ja, sämtliche apokalyptischen Reiter haben momentan Kurs auf Europa gesetzt – und wir wissen das. Hunger zum Beispiel. Er ist in breiter Front auf dem Vormarsch – gezielt von einigen Menschen beschworen. „Hunger“ versteht der neutestamentarische Mensch als Teuerung – und wer heute mal schnell Euro-Preise in DM umrechnet, weiß, das Teuerung uns fest im Griff hat – nicht nur bei Benzin, Strom und Wasser. Das ist im Prinzip ja nichts Schlimmes, so etwas geschieht halt mal im Leben – aber hier wird die Armut künstlich gezüchtet: die Regale sind voll, aber das Geld in den Taschen fehlt. Das horten nämlich Banken im Auftrag von Geldhortern, die ihren Reichtum oft genug mit Drogen- Menschen- und Waffenhandel gemacht haben … aber das gilt ja eigentlich für allen Reichtum in Europa, wenn man nur weit genug in der Geschichte zurückschaut.

Die Ausbreitung von Hunger (bzw. Armut) in Europa hat sogar etwas zutiefst teuflisches und enthält Elemente von purem Sadismus: immerhin steht der Leidende inmitten überquellenden Reichtums, darf sich Tag für Tag die Exzesse der Superreichen auf seinen eigenen Straßen anschauen und muss hilflos zusehen, wie immer mehr Luxusrentner mit ihren SUV´s den Rohstoffreichtum der Erde sinnlos verbrennen. Eigentlich müsste unsere Kultur den Armen und Arbeitslosen Schmerzensgeld zahlen – und schon hätten wir eine weitere Legitimation für ein ordentliches Bürgergeld. Eine kleine Entschuldigung für die höllischen Strafen, die wir unseren Mitbürgern Tag für Tag zumuten, in dem wir sie inmitten eines noch nie dagewesenen Überflusses bitterarm halten, sollte doch wohl möglich sein.

Es ist aber nicht nur Hunger, der sich breit macht: auch die Pest (im weiteren Sinne: die Krankheit) breitet sich in ungeheurer Geschwindigkeit aus – auch weil die Krankenkassen das Geld lieber behalten als für die Kranken ausgeben: nur so macht man ordentliche Gewinne. Wie ich sehe, ist mein Nachbar nicht allein mit dem Problem, das er sein Haus verkaufen musste, um die Medikamente für seinen Sohn bezahlen zu können, siehe Abendblatt:

Die heute acht Jahre alte Enkelin des Täters war mit einem Herzfehler zur Welt gekommen. Sie wurde mehrmals operiert. Die Krankenkasse zahle nicht für Therapien, die die Folgen der Krankheit und der Operationen lindern könnten, hieß es in einer Erklärung des Angeklagten, die sein Anwalt im Prozess verlas. Der Täter selbst habe nach einem Brand in seinem Möbelhandel 150 000 Euro Schulden.

Tja, das war es dann mit unserem Sozialstaat, der Hunger und Pest draußen halten sollte: die Reichen haben die apokalyptischen Reiter zu einem großen Festmal nach Deutschland eingeladen … und wir merken es noch nicht mal. Gut, das die Deutschen immer kranker werden – vor allem durch Depressionen – das merken wir schon. Das Gefühl von Unfreiheit und  Hilflosigkeit, während die höllischen Gesellen ungehindert durch die Straßen toben, hat schon seinen Preis: aber so sind halt die Gesetze des neuen apokalyptischen Zeitalters – wir helfen nicht mehr, wir schauen nur noch hilflos zu, weil wir die Welt nur noch durch den Bildschirm wahrnehmen und akzeptiert haben, das die Reichen und ihre Speichellecker die Armen zu bösen Untermenschen deklariert haben, die man ganz skrupellos entsorgen kann – und während wir tatenlos zuschauen, treiben wir uns selbst immer tiefer in die Depression – die menschliche und die wirtschaftliche.

Die Euthanasie läuft leise aber sicher. Die Uniformen der Killerbanden sind nicht mehr deutlich erkennbar (aber liegen finanziell immer im obersten Bereich, Hugo Boss verdient wieder gut an ihnen), ihre Methoden sind subtiler geworden – anstatt Gas droht „Entzug der Regelleistungen“, der nun auch augenscheinlich bei Kranken und nicht nur bei Arbeitslosen durchgezogen wird.

Auch der Tod – ein weiterer apokalyptischer Reiter – reitet wieder ungehindert durch Europa. Er steht nicht nur für das Sterben, sondern auch für Furcht und Niedergang. Ängste haben in dieser Zeit Hochkonjunktur – und auch ganz zurecht. Es ist ja nicht nur der Niedergang des Sozialstaates, den wir widerstandslos hinnehmen – auch die Demokratie spülen wir hemmungslos durchs Klo. Wir hatten ganz vergessen, das der demokratische Bürger auch ein Minimum an wirtschaftlicher Souveränität braucht, um demokratische Prozesse am Leben zu erhalten. Doch nicht nur unsere Ideale befinden sich im Niedergang, das Leben selbst ist in Gefahr.  Die Vergiftung aller unserer Lebensgrundlagen schreitet ständig weiter voran: Luft, Wasser, Erde, Nahrung werden zusehends zu gegen den Menschen gerichtete Waffen, Plastik, Antibiotika, Pestizide, Schwermetalle, Benzin und andere schöne Produkte von „Wissenschaft“ und „Wirtschaft“ sorgen in beständig steigendem Maße dafür, das der Mensch elendig dahinvegetieren und sein Leben in Angst und Schrecken verbringen muss, um zitternd auf die todsichere Diagnose „Krebs“ zu warten.

Natürlich darf der letzte der Reiter nicht fehlen, jener Schrecken, den wir schon vor hundert Jahren ausrotten wollten, als die europäischen Völker die längste Friedensperiode ihrer Geschichte durchlebt hatten: der Krieg. Er kommt seit zehn Jahren mit großer Gewalt wieder zurück in den deutschen Alltag – und vielleicht sogar bald mit ähnlich großer Gewalt wie 1914, wenn gewisse Entwicklungen nicht aufgehalten werden.

Das ist das Ergebnis von 100 Jahren Wissenschaft, Wirtschaft und Politik: die apokalyptischen Reiter sind wieder da – wider alle Vernunft, aller Rationalität, aller Menschlichkeit und allen Reichtums, den wie vor allem dem Frieden, der Gerechtigkeit, der Freiheit und der Brüderlichkeit der Menschen zu verdanken haben. Wären wir alle so unethische asoziale Bestien wie die Reichen, wären Räuberbanden die mächtigsten Organisationen im Land und wir hätten ein zivilisatorisches Niveau wie Somalia oder der Kongo, in dem Umverteilung von gehorteten Reichtümern schnell und unbürokratisch erfolgt – mit der Kalaschnikow als wichtigstem Werkzeug der Wirtschaft.

Nun, genau genommen sind es gerade Räuberbanden, die unser Land ausplündern: nichts anderes sind jene Netzwerke von Politik, Show-Business, Wirtschaft und Wissenschaft, die ihre Priviliegien dazu ausnutzen, an der Ausplünderung und Abschaffung des Volkes zu arbeiten … womit wir zu dem Artikel kommen, den mir die glückliche Samira freundlicherweise hat zukommen lassen, einem Artikel, der zeigt, das an dem Ersatz der Menschheit durch Maschinen nun auch in ganz neuen Dimensionen gezielt gearbeitet wird: jetzt ist es auch der Journalist, der durch Roboter verdrängt werden soll, siehe Le Monde diplomatique:

Die Sache entbehrt nicht der Ironie: Automatisierte Plattformen „verfassen“ jetzt Berichte über Firmen, die ihr Geld durch automatisierten Handel verdienen. Diese Berichte fließen wieder ins Finanzsystem ein und helfen den Algorithmen, noch lukrativere Geschäfte zu aufzuspüren. Es handelt sich also im Wesentlichen um Journalismus von Robotern für Roboter. Die Menschen behalten nur noch das Geld für sich.

Narrative Science ist nur eine von mehreren Firmen, die sich der Entwicklung von automatisierter journalistischer Software verschrieben hat. Solche Start-up-Unternehmen arbeiten vor allem in Nischenbereichen des Journalismus wie Sport, Finanzen oder Immobilien, wo Nachrichten meist demselben Grundmuster folgen und sich gewöhnlich um bestimmte Statistiken drehen. Doch seit Neuestem widmen sie sich auch noch politischer Berichterstattung.

Nun – nicht die Menschen behalten das Geld für sich, die Reichen behalten das Geld für sich. Sie entfesseln gezielt die apokalyptischen Reiter, um  ihren Reichtum vor dem Volk zu schützen und benutzen ihren Reichtum bewußt dazu, immer mehr Menschen (bzw. ihre Arbeitsplätze) gezielt durch Roboter zu ersetzen. Roboter streiken nicht, widersprechen nicht, werden nicht krank, brauchen keine Mittagspause, müssen nicht aufs Klo und kennen auch keine ethischen Prinzipien.

Mitten vor unseren Augen nimmt eine Hollywood-Horrorphantasie Gestalt an: der Mensch wird durch die Maschine verdrängt – Pardon, nicht durch die Maschine, sondern durch den Reichen, der immer mehr seiner Speichellecker durch Maschinen ersetzt. Der Reiche verseucht und verpestet die ganze  Erde mit seinen Giften, raubt ihre Ressourcen, arbeitet gezielt an der Verdrängung der Menschheit (und gleichzeitig an ihrer Ausrottung) … und wir lassen uns das alles gefallen. Bald werden Roboter komplett die vierte Macht übernehmen – und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis auch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Polizeigewalt von Maschinen ausgeübt werden, weil der Mensch einfach zu teuer geworden ist.

Dabei haben wir gerade eine Riesenchance … direkt vor unserer Nase. Der Spiegel berichtet in seinem Artikel über den Armutsbericht der Bundesregierung darüber:

Gleichzeitig ist die Zustimmung der Deutschen zu staatlichen Maßnahmen, um Einkommensunterschiede zu verringern, deutlich gestiegen: Vor zehn Jahren war nur gut die Hälfte der Deutschen dafür, ein Viertel lehnte dergleichen ab – 2010 befürworteten schon zwei Drittel entsprechende Eingriffe, und nur noch 15 Prozent waren dagegen.

Selbst die Millionäre in Deutschland verlieren an Substanz gegenüber den Supervermögen, die immer mehr Geld ansaugen, das der Menschheit insgesamt dann fehlt. Schauen wir uns doch die Perversionen mal an, die „die Märkte“ (und die Roboter, die in ihnen agieren) zu den Herren des Universums machen. Pimco zum Beispiel (ein Unternehmen der deutschen Allianzgruppe) spielt mit 1400 Milliarden Dollar herum (siehe Welt). Das ist Geld, das die Reichen nicht brauchen, weshalb sie es irgendwo anlegen wollen. Nehme man das Geld der Allianz weg und würde es den europäischen Staaten geben, würden wir die apokalyptischen Reiter schnell wieder dahinjagen können, wo sie hingehören: ins Reich der Mythen und Märchen – weit fort von unserem Alltag.

Und das ist nur einer von vielen „Vermögensverwaltern“.

Wir wissen genau, was mit einem Herzen geschieht, das unregelmäßig durchblutet wird: es erleidet einen Infarkt, der Mensch stirbt oft genug daran. Fragen Sie mal Ihren Kardiologen: viele Bereiche des Herzens sind dabei überversorgt – und diese Überversorgung zieht den schwachen Zellen das letzte Blut ab. Diabetiker kennen das aus ganz anderer Perspektive: ihnen faulen die Füße weg, wenn das Blut nicht mehr unten ankommt. Auch hier stirbt letztlich der ganze Mensch – es sei denn, er lässt sich wie ein Bekannter von mir den Fuß abschneiden (Paralellen zur aktuellen Gesundheits- und Sozialpolitik sind hier vielleicht gar nicht mal zufällig).  Er war allerdings Arzt und wusste, das er nicht mehr lange leben würde, wenn er nicht zu einschneidenden Maßnahmen bereit wäre, genauso wußte er aber, das nicht der tote Fuß das Problem war.

Geld – ist das Blut unseres Wirtschaftskreislaufes. Verteilen wir es ungleichmässig, stirbt die Volkswirtschaft – mit tödlicher Sicherheit. Man muss kein Kommunist sein, um dies zu merken – eine medizinische Grundausbildung reicht schon.

Zwei Drittel der Bürger sind für die notwendigen Eingriffe zur Rettung der Volkswirtschaft, für dringend notwendige Operationen zur Verhinderung der Apokalypse – doch seltsamerweise kommt ihre Meinung in der Demokratie nicht oben an. Das ist kein Wunder, wenn man sich unsere Volksvertreter anschaut, siehe Welt:

Was fährt er denn auch Porsche? „Kollegen raten mir schon länger, das Auto in der Garage stehen zu lassen“, sagt der EU-Abgeordnete Miroslav Ouzky. Er sah nie einen Grund dafür, seinen Cayenne zu verstecken, ebenso wenig wie die Taucheruhr italienischen Fabrikats am Handgelenk.

Der Reiche hat schon längst dafür gesorgt, das sämtliche demokratischen Organisationen von ihm durchdrungen werden: wie eine Seuche, eine Pest hat er alle Ebenen der Macht infiziert – und infiziert beständig weiter. Sein Denken, seine Macht, sein Lebensstil gleicht auch eher einer Religion als einer wirtschaftlichen Kaste: es sind Gläubige, die er sich heranzüchtet, sobald sie Ämter bekleiden. Man erkennt sie am Auto, an den Uhren und – der Kenner weiß das – vor allem an den Schuhen und den Knopflöchern im Anzug.

Wir sehen ihren Einfluss Tag für Tag – und wundern uns auch gar nicht mehr, das der „Sozialist“ Hollande so schnell und unkompliziert im Geheimen mit seiner „Angela“ kungelt (siehe Handelsblatt) und so gezielt an einem Europa der Porschfahrer arbeitet – obwohl seine Wähler etwas anderes wollten.

Was können wir nun konkret tun? Erste Schritte zur Lösung sind einfach, wenn man das Problem kennt – leider kennen viele das Problem nicht. Man braucht also zuerst die Herrschaft über die Medien: Radio, Zeitung, Fernsehen. Jeder Revolutionär besetzt zuerst die Rundfunkstationen – die Reichen haben das bei ihrem Putsch ebenso gehandhabt. Dabei wären sogar marktwirtschaftliche Prinzipien nutzbar: einfach ein Medium (oder besser: viele) schaffen, das nicht die Meinung der Reichen vervielfältigt, sondern die Meinung jener, die die Apokalypse aufhalten wollen. Lesen die zwei Drittel, die sich gegen den tobenden Wahnsinn stemmen wollen, nicht mehr in den Propagandablättchen der Reichen, bekommt man (neben einem Leben mit plötzlich überraschend wenigen Regeln) auch schnell durch Parteigründung die notwendigen zwei-Drittel-Mehrheiten im Parlament – und kann die Marktwirtschaft wieder auf einen gesunden Weg zurückführen, der nicht zwangsläufig in einer Apokalypse endet. Man muss jedoch sorgfältigst darauf achten, das es keinerlei Berührungen der neuen Mandatsträger mit den alten Reichen gibt – keine gemeinsamen Essen, keine gemeinsamen Besuche von Kunstaustellungen, keine Wanderungen, keine Gespräche, keine Kungeleien und vor allem keine „Freundschaften“.

Der Reiche als Funktion muss zu jenem geächteten Feind werden, der er auch letztendlich für die ganze wunderbare Welt ist. Zu jenen Schmarotzern und Parasiten, die tagtäglich an unsere Vergiftung, Verarmung und Auslöschung arbeiten, darf es keinen Kontakt geben … wir werden uns dazu durchringen müssen, ihnen notfalls die Bürgerrechte zu entziehen, wenn sie mit ihrem Krieg gegen die Armen (der in der Zeit oder der Süddeutschen schon öffentlich diskutiert wird) nicht aufhören wollen.

Und das ist das, was uns allen klar werden muss: der Reiche will nicht nur unser Geld,  er will unsere Vernichtung und nimmt dafür billigend die Zerstörung der ganzen Welt in Kauf … einer Welt, die er dann für sich aus Samentresoren ganz neu erschaffen kann – und anhand der Existenz dieser Tresore sieht man, wie ernst ihm das mit der Auslöschung ist.

Wir müssen jedoch aufpassen, das wir den Reichen als Menschen nicht genau so behandeln wie er uns: schnell würden wir uns eine neue Kaste von unmenschlichen asozialen Ungeheuern züchten, wenn wir ihre Unethik ebenfalls übernehmen.

Was hindert uns eigentlich daran, damit sofort morgen anzufangen?

Auch hier ist die Antwort leicht: wir haben kein Geld, keine Zeit – und zu viele Depressionen.

Aber auch hier ist die Lösung schon in der Beschreibung des Problems enthalten…. und zur Not kann man einfach mal Samira fragen.

(Geschrieben von Eifelphilosoph am 23.9.2012 unter mehrstündiger Belagerung durch ein gelangweiltes  fünfjähriges Kindes, das Eisenbahnvideos gucken will).

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum die Menschheit ausgerottet gehört – und ausgerottet wird. Über Elite und Gemüse.

Samstag, 15.9.2012. Eifel. Seltsame Gefühle treiben mich derzeit um. Das erste mal in meinem 52-jährigen Leben trauere ich um den scheidenden Sommer - so als ob es der letzte Sommer der Menschheit gewesen wäre. Und vor allem: was war das für ein Sommer! Keine einzige Kirsche war zu ernten - und kein Mückenstich zu verzeichnen. Nun, das mit den Mücken war vorherzusehen, die Welt hatte dies schon im Januar angekündigt: der laue Winter sollte dafür verantwortlich sein. Aber was war mit den anderen lästigen Insekten, die uns hier auf dem Land (mit Schafen, Ziegen, Pferden und Kühen in direkter Nachbarschaft) Jahr für Jahr plagen? Keine Bremsen, keine Marienkäfer, eine einzige Zecke - und trotz 5000 Kilometer Fahrstrecke mit dem PKW kaum Insektenreste auf dem Auto. Gut, das erspart die gründliche Wäsche - aber lässt einen etwas nachdenklich zurück. Schon als Kind dachte ich: was würde eigentlich die arrogante, eingebildete und von der eigenen grenzenlosen Überlegenheit völlig überzeugte Menschheit machen, wenn die Natur ... mal einen Tag durchschläft, wenn im Frühjahr einfach mal nichts blüht? Genau genommen ... wissen wir gar nicht, was Pflanzen eigentlich dazu bringt, jedes Jahr wieder aus dem Winterschlaf zu erwachen und für das Überleben der gesamten Tierwelt zu sorgen - uns eingeschlossen. Wir können einige Prozesse mit Begriffen aus unseren Theorien über Chemie beschreiben - was aber genau genommen nur den Beweischarakter von Verschwörungstheorien hat.  In den neunziger Jahren gab es eine Fernsehserie, die erstaunliche Dinge über das geheime Leben der Pflanzen zutage förderte: Erkenntnisse über ihre Wahrnehmungen, Empfindungen und über viele unerklärliche Wunder des Pflanzenreiches. Es mag sein, das es in hundert Jahren einmal ein so mutiges Werk über das Prekariat der Menschheit gibt, in dem man auch hier - zur Überraschung aller - feststellt, das die unnützen Esser in der Tat Gefühle hatten, bewusst kommunizieren und erstaunliche Intelligenz vortäuschen konnten. Nehme ich aktuelle Verschwörungstheorien ernst, dann wird es dann aber kein Prekariat mehr geben - die Bosse haben beschlossen, uns auszurotten (siehe Politaia.org).

Samstag, 15.9.2012. Eifel. Seltsame Gefühle treiben mich derzeit um. Das erste mal in meinem 52-jährigen Leben trauere ich um den scheidenden Sommer – so als ob es der letzte Sommer der Menschheit gewesen wäre. Und vor allem: was war das für ein Sommer! Keine einzige Kirsche war zu ernten – und kein Mückenstich zu verzeichnen. Nun, das mit den Mücken war vorherzusehen, die Welt hatte dies schon im Januar angekündigt: der laue Winter sollte dafür verantwortlich sein. Aber was war mit den anderen lästigen Insekten, die uns hier auf dem Land (mit Schafen, Ziegen, Pferden und Kühen in direkter Nachbarschaft) Jahr für Jahr plagen? Keine Bremsen, keine Marienkäfer, eine einzige Zecke – und trotz 5000 Kilometer Fahrstrecke mit dem PKW kaum Insektenreste auf dem Auto. Gut, das erspart die gründliche Wäsche – aber lässt einen etwas nachdenklich zurück. Schon als Kind dachte ich: was würde eigentlich die arrogante, eingebildete und von der eigenen grenzenlosen Überlegenheit völlig überzeugte Menschheit machen, wenn die Natur …  mal einen Tag durchschläft, wenn im Frühjahr einfach mal nichts blüht? Genau genommen … wissen wir gar nicht, was Pflanzen eigentlich dazu bringt, jedes Jahr wieder aus dem Winterschlaf zu erwachen und für das Überleben der gesamten Tierwelt zu sorgen – uns eingeschlossen. Wir können einige Prozesse mit Begriffen aus unseren Theorien über Chemie beschreiben – was aber genau genommen nur den Beweischarakter von Verschwörungstheorien hat.  In den neunziger Jahren gab es eine Fernsehserie, die erstaunliche Dinge über das geheime Leben der Pflanzen zutage förderte: Erkenntnisse über ihre Wahrnehmungen, Empfindungen und über viele unerklärliche Wunder des Pflanzenreiches. Es mag sein, das es in hundert Jahren einmal ein so mutiges Werk über das Prekariat der Menschheit gibt, in dem man auch hier – zur Überraschung aller – feststellt, das die unnützen Esser in der Tat Gefühle hatten, bewusst kommunizieren und erstaunliche Intelligenz aufweisen konnten. Nehme ich aktuelle Verschwörungstheorien ernst, dann wird es dann aber kein Prekariat mehr geben – die Bosse haben beschlossen, uns auszurotten (siehe Politaia.org).

Diesen Theorien stehen wir Menschen in aller Regel sehr ungläubig  gegenüber – und doch gibt es eine unbekannte (aber einflussreiche) Gruppe von Menschen, die offensichtlich schon eine Obergrenze für menschenwürdiges Leben auf diesem Planeten festgesetzt hat: die Georgia Guidestones nennen hier 500 Millionen als das absolute Maximum. Was mit den anderen 6,5 Milliarden geschehen soll, überlassen sie allerdings der Phantasie der Bewunderer dieses Ökomanifests.

Natürlich ist der Massenmord an 6,5 Milliarden Menschen für uns undenkbar, er würde jeder den Deutschen in den letzten Jahrzehnten mühsam anerzogenen Menschenfreundlichkeit diametral widersprechen – und wenn ich mich auf meinen Wanderungen durch die Medienwelt so umschaue, so scheinen mir die Exzesse des Dritten Reiches in Deutschland mehr und mehr in den Bereich der Phantasie zu wandern denn in den Bereich konkret ausgelebter Weltanschauung: so unglaublich sind die Vorfälle der Zeit von 1933-1945, das allein Hollywood ihnen eine angemessene Heimat geben kann – mit deutschen und österreischischen Schauspielern in den Hauptrollen.

Was war dort geschehen?

Eine Gruppe von Menschen hatte Theorien gebildet, die dem Verhältnis der Menschheit zur Pflanzenwelt entsprachen. „Mensch“ war der blonde, blauäugige Arier mit einer überlegenen genetischen Ausstattung, „Pflanze“ war der Jude, der Kommunist, der Zigeuner, der Christ, der „Andere“, der auch gerne mal der Nachbar sein konnte, dessen Frau/Auto/Haus/Grundstück/Vermögen der Parteibonze/Goldfasan (wie der Volksmund die damaligen „Leistungsträger“ nannte) gerne haben wollte.

Das System funktionierte toll, Berge von Goldzähnen machten aus armen Ariern reiche Stützen der Gesellschaft, wer nicht Arier war, konnte sich leicht in das Seelenleben einer Pflanze hineindenken: in jenen Zustand, wo man nur noch als materielle Substanz nützlich ist aber nicht mehr als Lebewesen gewürdigt wird.

Auch heute bildet eine Gruppe von Menschen Theorien über ihre eigenen Überlegenheit: ein „leadership-Gen“ teilt die neoliberal traktierte Menschheit in „gut“ und „böse“, in „wertvoll“ und „Ramsch“, in „Wolf“ und „Schaf“, in „oben“ und „unten“.

Ihre Argumente sind durchaus plausibel, denn wie es aussieht, arbeiten wir Normalschafe sowieso nur an unserer eigenen Vernichtung. Es ist ja nicht mehr die Frage, „ob“ die Welt untergeht, sondern nur noch „wie“. Werden wir an Plastik ersticken – oder ausgerottet, weil irgendwann eine zufällig in die menschliche Gensequenz eingeschleuste Plastikinformation unsere Fähigkeit Kinder zu bekommen eliminiert? Oder werden wir ausgerottet, weil die Klimakatastrophe den Planeten in einen für Säugetiere unbewohnbaren Staubklotz verwandelt? Schaffen wir es vielleicht doch noch, die große atomare Konfrontation zwischen China/Russland und den USA zu arrangieren? Immerhin arbeitet man gerade gezielt an Krisenherden (siehe z.B. Stern), die letztlich – wenn sie nicht gelöscht werden – den Einsatz deutscher Soldaten im Pazifik möglich machen, wenn wir im Rahmen der Nato-Verpflichtungen den USA zur Hilfe kommen müssen, die angegriffen wurden, als sie den Japanern beistanden.

Undenkbar? Wir sind schon wegen weniger in andere Länder einmarschiert.

Und der Rest? Wird uns doch Tag für Tag gepredigt. Das der „american way of life“ mit Einfamilienhaus, Zweitwagen, Swimming-Pool und jährlich wechselnden Komplettmöblierungen den Planeten in eine Mülldeponie verwandelt, ist doch heute jedem Deutschen klar: darum haben wir doch die gelben Tonnen vor jeder Haustür und verzichten mannhaft auf den Gebrauch von Bierdosen. Was wir dabei nur übersehen: jener „way of life“ ist der Hauptmotor der „Konjunkturlokomotive“ Amerika, siehe FTD:

Knapp zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung entfallen auf den Konsum. Ein ungewöhnlich hoher Wert. Mit der Ausgabenfreude der Verbraucher steht und fällt damit die Wachstumsdynamik in den USA.

Nur wenn der US-Konsument weiter fleissig an der Zumüllung des Planeten arbeitet, können wir die Weltwirtschaft retten.

Wenn der US-Konsument aber weiter fleißig an der Zumüllung des Planeten arbeitet (und Inder, Brasilianer und Chinesen ihm gleich tun), dann brauchen wir mehrere neue Planeten, die die Ressourcen für den „american-way-of-life“ liefern – und eine neue Heimat. Laut Stern sind wir Deutschen (Stand: 2011) immerhin noch auf Platz 6 der schlimmsten Klimasünder der Welt, in Deutschland selbst ganz vorne mit dabei: NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD), dessen 450-PS-Audi satte 20 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht (siehe Der Westen). So etwas kann man sich nur gönnen, wenn man bereit ist, hemmungslos auf die Lebensarbeitsleistung seiner Mitmenschen zuzugreifen und die Zukunft der Kinder gerne für einen steuerfinanzierten Geschwindigkeitsrausch auf der Autobahn verheizt.

Aktuell verbrauchen wir die Ressourcen von 1,5 Planeten – ab 2050 brauchen wir einen kompletten zweiten Planeten dazu (siehe Foodprintnetwork), der uns hilft, Ressourcen in Müll zu verwandeln. Der Wirtschaft geht es dann allerdings gut, wir werden eine ganze Reihe von theoretischen Werten auf den Konten haben – nur Güter wie Luft, Wasser und Nahrung werden etwas knapper werden – aber wer braucht das schon, wenn man Geld hat?

Frecherweise würde ich behaupten, das ein Großteil der Wissenschaftler, die den aktuellen Umweltdaten folgen, logischerweise einen rabiaten Abbau der Weltbevölkerung begrüßen werden … und ich denke auch, ein Großteil der moralinsauren Bundesbürger werden betreten wegschauen, wenn eine Bevölkerungsreduktion außerhalb Europas den eigenen überdimensionierten Lebensstil sichert: als Reichsbürger haben sie es schon mal getan und seit Hartz IV gibt es kaum einen Grund anzunehmen, das sich hier an der Grundeinstellung etwas geändert hat – oder ist es etwa übertrieben, zu behaupten, das die Menschen in Deutschland zum überwiegenden Teil weggeschaut haben, als Millionen ihrer Mitbürger zu menschlichem Unkraut degradiert wurden, zu nutzlosen Essern und „Parasiten“ (so SPD-Minister Clement, Parteigenosse der steuerfinanzierten „Umweltsau“ Jäger) und als Millionen von Kindern die Zukunft genommen wurde, als sie per Gesetz zu sozialem Abschaum deklariert wurden, der in Deutschland nie wieder eine Zukunft haben wird (siehe OECD-Bericht im Spiegel)? Nebenbei bemerkt – diese Entwicklung setzt sich aktuell in Spanien fort, siehe FAZ.

Das war – jedenfalls für pingelige Philosophen, die eher nach Prinzipien messen denn nach Parteipropaganda – ein großer Schritt … ein Schritt, der jetzt aktuell in größerem Maßstab nachgemacht wird, siehe Welt: 13-Stunden Tage, sechsmal in der Woche bis zum 67. Lebensjahr (natürlich bei sinkenden Stundenlöhnen) sollen Griechenland in ein Arbeitgeberparadies verwandeln, in das die deutsche Wirtschaft dann hemmungslos ihre Produktion verlegen wird … wenn der Deutsche nicht mitzieht. Wir kennen das Prinzip schon: die Agenda 2010 hat den deutschen Sozialstaat in ein Leiharbeitsparadies verwandelt, in dem jeder, der nur skrupellos genug ist, an der Arbeitskraft der Arbeitslosen super verdienen kann und dabei noch die Rendite der Superreichen fördert und jeder, der sich nicht verleihen möchte, mit der kompletten Streichung des Regelsatzes rechnen muss – was derweil schon zu ersten Hungertoten im eigentlich sehr reichen Deutschland geführt hat.

So gingen wir früher nur mit Nutzpflanzen auf dem Feld um – aber wir gewöhnen uns von Jahr zu Jahr mehr daran, das das auch mit Menschen (den „Kosten auf zwei Beinen“, die „nicht essen sollen, wenn sie nicht arbeiten“) geht, was zur Zunahme solcher hirnloser Eskapaden führt, die der Schraubenfabrikant Würth aktuell aufführt (siehe z.B. Spiegel): völlig abgehoben von jeglicher Normalität des bundesdeutschen Berufsalltages will er seine Aussendienstler nun ab 7.30 beim Kunden sehen – sonst droht Kündigung -, freuen wir uns also in Zukunft auf Würth-Mitarbeiter, die stundenlang auf Parkplätzen lagern, während ihre Kundern erst ab 9.00 ihre Geschäfte öffnen. Man fragt sich, was droht, wenn dieser Rüffel keine Erfolg hat – sollen die dann in Zukunft vielleicht schon ab 6 Uhr vor verschlossenen Türen stehen anstatt erst ab 8 Uhr?

Man schüttelt nur den Kopf über die Irrationalität solcher Provinzfürsten … und doch ist dies nur ein aktuelles Beispiel dafür, wie weltfremd aber siegessicher sich unsere „Elite“ gebärdet.

Und von diesen Menschen erwarten wir ernsthaft die Rettung der Welt – für alle?

Auch für Arbeitslose, Frührentner, Zigeuner, Schwule, Juden, faule Säcke und nutzlose Esser?

Undenkbar – erst recht in Zeiten, wo der Moslem an sich ebenfalls in die Kategorie „Unkraut“ fällt – mit zu erwartenden Folgen auch für deutsche Botschaften (siehe Welt).

Eher kann man erwarten, das die Elite (mit besten ökologischen Argumenten ausgestattet) mit einem mutigen Schnitt, einer beispiellosen Amputation dafür sorgen wird, das das Unkraut vom Feld verschwindet.  So denkt die Elite – und der deutschte Schraubenkönig demonstriert dies ungeniert in aller Öffentlichkeit. Sie werden sich sogar als Helden fühlen, als Menschen, die mit einer schier übermenschlichen Kraftanstrengung schmerzliche aber notwendige Einschnitte vornehmen mussten, um das Überleben der ganzen Menschheit zu sichern: Statuen, Gedenktage und Orden werden den „Rettern der Menschheit“ sicher  sein, die sprachlichen Muster, die dann angewandt werden, sind im Faschismus ausprobiert worden, finden aktuell bei jeder Sozialkürzung Verwendung und gehören zum Standardvokabular der Euroretter, wenn sie von ihren „alternativlosen Einschnitten“ fabulieren.

Es ist somit nach der betriebswirtschaftlichen Logik des Marktes nicht die Frage, ob es eine Bevölkerungsreduktion gibt, sondern nur, wann sie in die heiße Phase eintritt und wen es zuerst trifft.

Zu ungeheuerlich?

Illustrieren wir die aktuellen Ungeheuerlichkeiten anhand eines weiteren Beispiels, das fast für eine Unzahl von Kältetoten in Deutschland gesorgt hätte – oder noch sorgen wird: laut Handelsblatt wollen führende Stromversorger ihre Kraftwerke abschalten – mit möglichen katastrophalen Folgen für die Stromversorgung Deutschlands im kommenden Winter. Ohne Strom werden viele Ölheizungen nicht laufen, viele Arme werden sich keine Alternativen erlauben können und bei entsprechenden Temperaturen einfach eingehen. So etwas nimmt die deutsche Wirtschaft im Jahre 2012 ernsthaft in Kauf – weil sie zu wenig Gewinne macht.

„Ausdrücklich: Ich denke nicht daran, den Außendienst abzuschaffen, appelliere aber an Sie alle, die Geduld der Zentrale nicht zu überfordern.“

So wird der Schraubenkönig im oben genannten Spiegelartikel zitiert.

Ausdrücklich: Wir denken nicht daran, den Sozialstaat abzuschaffen, appellieren aber an Sie alle, die Geduld der Regierung nicht zu überfordern“ – das ist die politische Botschaft der Agenda 2010, die sich nun europaweit durchsetzt.

Ausdrücklich: Wir denke nicht daran, den Menschen abzuschaffen, appellieren aber an alle, die Geduld der Elite der Entscheidungsträger  nicht zu überfordern“ – so mag die Botschaft der Zukunft aussehen – und mehrheitlich würden wir uns der betriebswirtschaftlichen Logik dieses Denkens Widerspruchslos anschließen.

So gesehen … ist es nicht unglaublich, das die Elite die Menschheit ausrotten will, sondern eher, das sie es noch nicht getan haben.

Gründe dafür gäbe es genug.

Was hätten wir aber für eine Menschheit werden können, wenn wir die Botschaft über das „geheime Leben der Pflanzen“ in den neunziger Jahren verinnerlicht und ein partnerschaftliches Verhältnis zum Gemüse aufgebaut hätten: wir wären fern von jeder Sozialreform und überrascht, wieviel empfindungsfähiges Leben es wirklich auf diesem Planeten gibt …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sozial ist, was Arbeit schafft – und gelb ist, was dick macht. Die Erde als Scheibe.

Dienstag, 24.7.2012. Eifel. Das Leben ist schön, oder? Wie toll ist es doch, in einer Welt zu leben, die einfach perfekt ist. Jedenfalls … wenn man die Gelegenheit hat, einfach leicht bekleidet in freier Natur in der Sonne liegen zu können, fern vom Lärm und Getobe der Zivilisation. Nun ist der Eindruck der Perfektion natürlich relativ: als biologische Einheiten müssen wir perfekt angepasst sein, um überleben zu können – das gilt für uns Menschen wie für alle Lebewesen … und diese Fähigkeit zur Anpassung zeichnet uns aus … im ganz groben gesehen. Wir als Menschen können aber noch mehr – viel mehr. Als soziale Wesen konnten wir unsere Kräfte vereinen und den Spieß einfach mal umdrehen: wir passten uns unsere Umwelt an. Im Prinzip ein guter Schritt, ein mutiger Schritt – und vielleicht sogar der Schritt, den die Natur (also: das perfekte harmonische System, in dem die Menschheit eingebettet ist) mit dem Experiment Mensch einmal ausprobieren wollte. Schnell wäre man geneigt, religiös zu werden und den Menschen als schöpferischen Sohn Gottes zu betrachten, würde dieser Sohnemann nicht Sätze voller vollendeter Idiotie von sie geben wie den Satz: SOZIAL IST, WAS ARBEIT SCHAFFT.

Sicher haben Sie den Satz schon mal gehört? Seit Jahrzehnten gärt er im Deutschen Volk und gilt als Entschuldigung dafür, das man jetzt mal richtig die Sau ´rauslassen kann, so richtig asozial werden kann, Kinder, Arme, Alte und Kranke hungern lassen kann weil sie selbst dann am Sozialen nicht teilhaben können, wenn irgendwer Arbeit geschaffen hat. Insofern wäre Kinderarbeit in diesem System sogar begrüßenswert … und es arbeiten ja auch immer mehr Kinder, gerade aus „verhartzten“ Familien. Auch die Arbeit von Alten wird wieder geschätzt, die Phantasien der Machthaber bei der Verlegung des Renteneintrittsalters finden keine Grenzen mehr. Sieht man den Krankenstand der Deutschen, so weiß man, das die auch krank arbeiten gehen: Grundprinzipien des sozialen Miteinanders, die bei den „Wilden“ in Amerika, Afrika und Australien noch selbstverständlich waren, werden hier handstreichartig ausser Kraft gesetzt.

So verstehen wir schon, das wir uns als „zivilisierte Menschen“ unverhofft in einer historischen Phase unglaublicher Degeneration befinden, die alle Träume von „Fortschritt“ im Handstreich zunichte macht. Deutschland hatte 1933 – 1945 die unglaubliche Ehre, die Vorpremiere der Aufführung eines ganz neuen Stückes vollendeter menschlicher Degeneration zu erleben und man ging mit diesem Zeitabschnitt lange so um, als wäre sie nur ein Ausrutscher gewesen, eine historische Peinlichkeit, über die man gerne den Mantel des betroffenen Schweigens deckt, damit niemand mehr erkennen konnte, wie aus dem Volk der Dichter und Denker das Volk der Richter und Henker gemacht wurde – und woher das Geld dafür kam.

Nachher würde man sehen, das man des Experiment gerade global wiederholen möchte. Gut – mit diesem „man“ bin ich nun bekennender Verschwörungstheoretiker und werde auch nichts anderes sein können, weil ich davon ausgehe, das politische Entscheidungen nicht mit Orakelkugeln, I-Ging und Tarotkarten gefällt werden sondern Ergebnis von gründlicher Überlegung, Berechnung und Kalkül sind. Ebenso gehe ich davon aus, das Kampagnen wie die „Sozial-ist-was-Arbeit-schafft“-Kampagne nicht vom gelangweilten Praktikanten auf dem Klo entdeckt wurden sondern das Ergebnis ausgeklügelter Strategie und Überlegung sind, hinter der Menschen mit Intelligenz und Bildung stecken … und den fiesen Absichten der hemmungslosen Selbstbereicherung, an denen die Demokratie und die Wirtschaft letztlich zugrunde geht, weil wir noch wesentlich mehr nutzlose Luxusesser mit durchziehen müssen als noch zu Zeiten des Feudalismus – und wenn wir nicht endlich anfangen, auch über ein demokratieverträgliches Höchsteinkommen zu reden, dann kriegen wir den Feudalismus komplett wieder – nur mit noch mehr Prinzen.

Doch bleiben wir erstmal bei unserem Satz „Sozial ist, was Arbeit schafft“, bevor ich wieder zu weit aushole. Betrachten wir einfach diesen Satz mal nüchtern und unvoreingenommen – und holen uns bei seiner Betrachtung Hilfe von den Medien, dem Spiegel zum Beispiel.

Um Präsident Baschar al-Assad in Syrien zu stürzen, bekommen die Aufständischen offenbar massive Hilfe aus dem Ausland. Frühere Mitglieder der britischen Spezialeinheit SAS bildeten die Rebellen aus, berichten die „Daily Mail“ und der „Daily Express“. Die beiden Zeitungen berufen sich dabei auf ein ungenanntes britisches Armeemitglied.

Ich weiß, diese Nachricht ist nebenbei die Bestätigung für die Theorie, das die Unruhen in Nordafrika extern gesteuert werden, ich weiß aber auch, das solche Wahrheiten mit dem Bannspruch „Verschwörungstheorie“ als tabu gebrandmarkt worden sind wie ehedem das Wissen darum, das die Erde keine Scheibe ist. Mir geht es auch nur darum, diese Nachricht in Verbindung mit unserem neoliberalen Leitsatz zu bringen und festzustellen: Ja, Krieg ist enorm sozial – einfach mal darüber nachdenken, wieviel da kaputt geht und nachher von deutschen Firmen wieder aufgebaut werden kann. Da wird eine Menge Arbeit geschaffen – also ist es sozial.

Was müssen sich Lybier, Tunesier, Ägypter und Syrier gerade freuen, von den Afghanen, Irakern und (bald) Iranern ganz zu schweigen. Der von Nostradamus prophezeite Krieg gegen den Islam (bei diesem Gedanken lachten politische Gebildete in den siebziger Jahren noch laut los: Krieg von demokratischen Staaten gegen soziale Religionen ist ja auch ein ziemlicher irrer Gedanke) ist in vollem Gang und produzierte Arbeitsplätze ohne Grenzen – auch bei der heimischen Waffenindustrie.

Doch fort vom sozialen Krieg, hin zu einem ganz anderen Thema, gefunden bei der Welt:

Im europäischen Vergleich hat die Qualität des deutschen Gesundheitssystems stark nachgelassen. Krankenhäuser stehen im Verdacht, mit Behandlungen verdienen zu wollen, die auch zu Hause möglich wären.

Deutschland war vor wenigen Wochen beim Euro Health Consumer Index (EHCI) von Rang 6 auf Rang 14 abgerutscht. Die Bundesrepublik liege im Ranking von 34 Gesundheitssystemen nun auf dem gleichen Niveau wie Irland und Tschechien

Für unsere Gesundheit zahlen wir den Preis eines noblen Sportwagens. bekommen dafür einen Trabant und sollen auch noch super dankbar dafür sein.

Wenn alljährlich die Nutzviehmedien aufschreien, das „jeder dritte Euro für Soziales“ draufgeht (was nebenbei fälschlicherweise ganz schnell den Arbeitslosen angehängt wird), so trägt dies der Tatsache Rechnung, das wir uns dieses System ohne Nutzen extrem viel Kosten lassen, siehe Wikipedia:

Im Vergleich der Gesundheitsausgaben in den OECD-Ländern lag Deutschland 2006 mit einem Anteil von 10,6 % des BIP an vierter Stelle. Das deutsche Gesundheitssystem ist damit eines der teuersten der Welt. Die öffentliche Hand trug 77 % dieser Kosten (OECD-Durchschnitt: 73 %). Auch die Personaldichte ist in Deutschland überdurchschnittlich hoch. 2006 kamen auf 1000 Einwohner 3,5 niedergelassene Ärzte und 9,8 Krankenpfleger, verglichen mit 3,1 Ärzten und 9,7 Krankenpflegern im OECD-Durchschnitt.

Im Jahr 2007 arbeiteten 4,4 Millionen Menschen in der Gesundheitswirtschaft. Das waren etwa 10 % aller Beschäftigten in Deutschland. Im Jahr 2008 waren es 76.000 Beschäftigte mehr als im Vorjahr.

Krankheit ist – wie man sieht – sehr sozial, weil sie enorm viel Arbeit schafft. Gesundheit nicht so, weshalb ja auch 10% der deutschen Beschäftigten auf Staatskosten „behandeln“ anstatt heilen. „Heilen“ … ist auch ein aussterbender Begriff. Er gefährdet direkt die Interessen der Krankheitsindustrie, die man bei uns ironischerweise „Gesundheitswesen“ nennt – und zu dem die Süddeutsche letztes Jahr einen passenden Artikel verfasst hat:

Was darf’s sein: Alzheimer, weibliche Unlust, Depression, Prä-Diabetes oder doch nur Cellulite? Diagnosen sind für alle da. Die Medizinwirtschaft ist darauf angewiesen, ständig neue Krankheiten zu erfinden oder bestehende Leiden auszuweiten. Gesund ist das ganz sicher nicht.

Aber erfundene Krankheiten, künstlich verlängerte Krankheiten oder auch beruflich gezüchtete Krankheiten sind bei uns als sehr sozial definiert: sie schaffen Arbeit, weshalb Kritik am deutschen Krankheitsförderwesen ebenso tabu ist wie die Unterstellung, die gesellschaftlichen Machthaber würden mit Intelligenz und Überlegung Entscheidungen treffen.

Sicher würfeln die nur – nun, manchmal wirkt das in der Tat so.

Kommen wir zum letzten Punkt der Betrachtung unseres neoliberalen Leitsatzes, fort von Krieg und Krankheit, hin zur Wirtschaft. Vielleicht macht der Satz wenigstens dort Sinn, das wäre zu hoffen, denn laut Handelsblatt kommen schlimme Zeiten auf Deutschland zu: ein neuer Paukenschlag der ökonomischen Sterndeuter der aktuellen Machthaber weckt Deutschland aus seinem Dornröschenschlaf auf:

Die US-Ratingagentur hat den Ausblick auf die Kreditwürdigkeit Deutschlands am Montagabend nach US-Börsenschluss von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Grund: die wachsenden Belastungen des Landes in der Euro-Krise und die Unsicherheit über den weiteren Verlauf.

Für Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble sind düstere Prognosen der drei großen Ratingagenturen nichts Ungewöhnliches. Doch das Moody’s-Urteil stellt eine neue Dimension dar. Es ist eine Warnung, dass auf mittlere Sicht eine Herabstufung der Bonität Deutschlands droht, sollte sich die Lage weiter verschlechtern. Dies könnte dann höhere Zinsen bei der Refinanzierung und einen erheblichen Imageschaden bedeuten.

Das heißt für uns: griechische Verhältnisse. Massenarbeitslosigkeit, Hunger, steigende Kindersterblichkeit – all das, was sich hinter der freundlichen Formulierung „drastische Sparmaßnahmen“ verbirgt.  Ist das nun sozial, fragen wir uns?

Na klar.

Dank der Krise gibt es viele neue zusätzliche Prinzenjobs im finanziellen Halbgottbereich: ESM macht es möglich. Keine Frage, das kollabierende Kinder in Griechenland, Massenarbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit im Sinne unseres Leitsatzes als sehr sozial angesehen werden, wenn nur … neue Prinzenjobs damit geschaffen werden. So gibt es immer mehr Armut, immer mehr Krieg, Hunger und Krankheit dank eines einzigen Leitsatzes, der ungefähr so sinnig ist wie der Leitsatz „Gelb ist, was dick macht“ … ein Satz, der wie der neoliberale Leitsatz nur dann wirklich Sinn macht, wenn man ihn in einen ganz eng begrenzten Zusammenhang stellt und mit einer gelben McDonalds-Reklametafel verbindet.

Außerhalb dieses engen Zusammenhanges ist der Satz ein ebensolcher Blödsinn wie die Behauptung das die Erde eine Scheibe ist.

Was aber beiden Sätzen auf jeden Fall innewohnt, ist ein Ausblick auf den geistigen Horizont der Verfasser solcher absurden „Wahrheiten“: sie sind entweder grenzenlos dämlich – oder grenzenlos verschlagen.

Zurück nun zu meinem beschaulichen Liegestuhl in meinem kleinen Eifelparadies, das – noch – meine Heimat ist. Hier erlebe ich Harmonie, Perfektion, Frieden und Ruhe, wo sich –  fern von allem politischem Alltagschrecken und kleingeistigem Tabuterror ein weiterer Gedanke bildet:

wo Krieg sozial ist, Krankheit sozial ist, Hunger sozial ist, da erhebt eine greuliche Kultur ihr grässlich degeneriertes Haupt, die wirklich gar nichts Soziales mehr an sich hat, die aber durch Verherrlichung von Krieg, Hunger und Krankheit als Arbeitsplatzbeschaffer eine neue Religion zelebriert, die ganz alte Wurzeln hat: die Zelebrierung des Kultes der Apokalyptischen Reiter der „Offenbarung des Johannes“.

Und auf einmal ist man wirklich wieder bei den Zeiten angelangt, bei denen die Erde wieder nichts weiter als eine Scheibe sein durfte: im finstersten Mittelalter. Man denke nur, das heute jemand kurz entschlossen die Kugelhaftigkeit der Erde auf den Index setzen würde (das geht leicht, wenn man diese Tatsache mit der Brandmarke „Verschwörungstheorie“ versieht, die jedes nüchterne Nachdenken über Alternativen zur Regierungsmeinung verbietet): schon morgen würde man sich unwohl fühlen, weil im Kinderzimmer noch ein Globus steht.

Und so – aus dem Paradies zwischen grüner Umwelt, blauem Himmel und strahlender Sonne (einem Paradies, das nahezu weltweit kostenfrei zur Verfügung steht, aber zunehmend von der Bauindustrie zubetoniert und von der Urlaubsindustrie zugelärmt wird) betrachtet, wird die „zivilisierte“  Menschheit zu einem kopflosen Haufen Ameisen, die fleissig dran arbeiten, altertümliche Prophezeiungen von apokalyptischen Reitern der Endzeit Wirklichkeit werden zu lassen.

Nicht mehr lange, und die Erde wird wieder zur Scheibe.

Der gebetsartig rituell vorgebrachte idiotische Satz „Sozial ist, was Arbeit schafft“ deutet auf jeden Fall schon darauf hin, das wir hinreichend geistigen Verfall vorzuweisen haben (oder gemeinste Bosheit, wenn man sich den Gedanken an Verschwörungen zum Zwecke der Bonusmehrung nicht verbieten lassen möchte), das solche mittelalterliche Wahrheiten bald wieder per Dekret erlassen werden können.

Wem das noch zu wenig ist, der wende doch einfach den Satz mal auf andere Themengebiete an: Prostitution, Drogenhandel, Menschenhandel, Raub, Mord, Vergewaltigung – er passt immer.

Nur die Welt, die er mit aufbaut, ist das konkrete Gegenteil jenes Paradieses, das der Mensch sich hätte schaffen können – und mein Garten zeigt, das solche Paradiese möglich sind.

Sie wachsen sogar ganz umsonst.

Noch.

 

 

Währungs- und Wirtschaftscrash 2012 – und die Überlebensstrategien

"Das Ende ist nah" ... das merkt bald jeder. Wohin man auch kommt, mit wem man auch spricht: allen sitzt es in den Knochen. Wer Hartz IV bezieht, bemerkt die Erschütterungen am Schnellsten, zuvor jedoch bemerkt es der Sachbearbeiter. Wer jedoch noch viel früher dran ist, das Ende unserer zivilisierten Gesellschaft klar vor Augen zu sehen, das sind die, die sie in den Abgrund gesteuert haben um für einen kurze Zeit ihre Mietfrauen von der Steuer absetzen zu können ... und welche asozialen Degenerationserscheinungen es da sonst noch so gibt.  Darum ist es interessant, zu sehen, welche Strategien die Investmentbanker und Wirtschaftsprofis momentan fahren, siehe Zeit:

„Das Ende ist nah“ … das merkt bald jeder. Wohin man auch kommt, mit wem man auch spricht: allen sitzt es in den Knochen. Wer Hartz IV bezieht, bemerkt die Erschütterungen am Schnellsten, zuvor jedoch bemerkt es der Sachbearbeiter. Wer jedoch noch viel früher dran ist, das Ende unserer zivilisierten Gesellschaft klar vor Augen zu sehen, das sind die, die sie in den Abgrund gesteuert haben um für einen kurze Zeit ihre Mietfrauen von der Steuer absetzen zu können … und welche asozialen Degenerationserscheinungen es da sonst noch so gibt.  Darum ist es interessant, zu sehen, welche Strategien die Investmentbanker und Wirtschaftsprofis momentan fahren, siehe Zeit:

Und natürlich hält auch Max Otte die Schuldenquote des Westens für besorgniserregend hoch. Deshalb investiere er selbst außer in Aktien seit Jahren in Wald, Ackerland, Gold.

Es macht schon den Eindruck einer sehr breiten Bewegung, die da in „Expertenkreisen“ abläuft, so berichtet ein Hersteller von Notrationen:

Aber so etwas wie in den letzten drei Jahren hat er noch nie erlebt: dass plötzlich Männer in Nadelstreifen bei ihm bestellen, Zahlenmenschen, wohlhabende Finanzleute. Es habe etwa zehn Monate vor Lehman begonnen (die Reichen wissen ja immer schon vorher Bescheid), Orders aus London, teilweise sechsstellig, allem Anschein nach aus Finanzkreisen. Inzwischen, behauptet Kögel, kämen 60 Prozent seiner Kundschaft aus der Finanzbranche, und selbst zweieinhalb Jahre nach dem Urknall lasse die Nachfrage nicht nach. Investmentbanker, Ehefrauen von Investmentbankern, Direktoren kleiner österreichischer Banken. Von denen habe sich in den letzten Jahren ein gutes Dutzend mit Vorräten bei ihm eingedeckt, oft für die Mitarbeiter noch mit dazu.

Der Autor des Artikels zitiert auch aus einer E-Mail:

»Um es gleich vorwegzunehmen«, stand da, »die meisten Leute in meinem direkten Umfeld haben den Glauben an Deutschland/Europa/eine bessere Zukunft verloren. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Banker in London sich Ackerland, Gold und Hard Assetszulegen und gleichzeitig hoffen, dass die jetzige Form der Geldvermehrung noch lange anhält. Doch jeder ist sich bewusst, dass wir in einer gekauften Zeit leben.«

Verschuldete Menschen leben immer in einer gekauften Zeit. Wir sind als Staat hochverschuldet – und doch übertreffen unsere Schulden noch nicht unser Gesamtvermögen, siehe FAZ:

Die privaten Haushalte in Deutschland haben im vergangenen Jahr ihr Geldvermögen um 4,7 Prozent oder 220 Milliarden auf 4,88 Billionen Euro gesteigert. Zu diesem Ergebnis kommen die Volkswirte der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie.

Wir sehen also: da ist noch viel Luft drin. Vielleicht mal die Gelegenheit, die Idee des „Notopfers Deutschland“ weiter zu verbreiten, bevor wir als Gesellschaft in unruhigere Fahrwasser gelangen.  Oder mal drauf hinzuweisen, wie wir im Vergleich zu Griechenland dastehen:

Indes bringen tausende Griechen ihre Ersparnisse im Ausland in Sicherheit. Die privaten Geldeinlagen sind laut Angaben der Athener Nationalbank von Januar 2010 bis April 2011 um mehr als 31Mrd. Euro auf 165,5 Mrd. Euro zurückgegangen.

Wir haben mehr Zuwachs als die Gesamtvermögen.

Es ist sehr verwunderlich, einen solchen Artikel in der Zeit zu finden. Die Zeit, unser intellektuelles Flagschiff, kann sich das auch leisten. Wer die liest, sitzt fest im Sattel und kann sich einen Blick auf die Welt jenseits der Aufschwungpropaganda gönnen, um im Anschluss den Diener einkaufen zu schicken.  Seit Fukushima wissen wir, wie gefährlich unsere „Just-in-Time“-Produktion ist. Geschieht etwas unvorhersehbares – was im System „Leben“ oft geschieht – bricht das System zusammen. Vielleicht auch ein Grund, warum wir unseren Alltag immer lebloser, mechanischer gestalten.

Die groben Skizzen der Endzeitstimmung unter den Verantwortlichen, den Experten und Fachleuten, den Wirtschaftslenkern und Politikern sind nicht fein genug, um wirklich zu beunruhigen, aber deutlich genug, um jeden Menschen mit etwas Sachverstand klar zu machen, das sich die Leistungselite auf ein Ende vorbereitet, ein Ende, von dem man mit Sicherheit ausgeht, das es kommt: man weiß nur noch nicht, wann es soweit ist.

Bis 2012 werden wir wahrscheinlich nicht warten müssen. Geht nur ein wenig fehl, dann haben wir nächste Woche schon einen heißen Krieg gegen China. Wie das geht? Drohnen schießen weiter auf Pakistan, Chinesen eilen zur Hilfe, schiessen Drohnen ab, die USA rufen den Bündnisfall aus und unsere Bundeswehr darf von Afghanistan aus Richtung Tibet marschieren.

Ein bequemer Krieg für die USA, wenn alle ihre Massenvernichtungswaffen im Schrank lassen – was im Zweiten Weltkrieg auch geklappt hat. Selbst Hitler ließ sein Giftgas im Schrank (oder im KZ).  Ein Krieg, wie ihn die USA lieben: die Europäer führen ihn und sie produzieren die Waffen dafür. Ging ja auch schon zweimal gut.

Gleich morgen früh, wenn die Börse öffnet, könnte die nächste Nachricht dafür sorgen, das der Dax zum Sturzflug einsetzt: die unabwendbare Pleite der USA (die im Übrigen ihre Fähigkeit Krieg  zu führen nicht beeinträchtigt – ganz im Gegenteil, man hätte einen Grund, landesweit das Kriegsrecht einzuführen). Vielleicht reicht ja schon die Nachricht, das erneut 22 Krankenkassen vor der Pleite stehen, weil sie die Ansprüche der Ärzteschaft und der Pharmaindustrie nicht mehr finanzieren können.

Oder die EHEC-Infektionen erreichen die Millionengrenze und entpuppt sich als neue unaufhaltsame Katastrophe.

Vielleicht spielt ja auch die Natur verrückt, liefert uns neue Rekorddürren, Tornados, die Städte eleminieren oder neue Superbeben, die unsere Infrastruktur endgültig zerrütten.

Laut junge Welt bereiten sich auch die politischen Kreise auf eine ganz neue Art des Miteinanders vor:

So könnten Eltern Schulräume selbst streichen, statt zunächst darüber zu streiten, »wer es bezahlt, wenn einer von der Leiter fällt«. Wenn das gelinge, hätte Berlin auch wieder genug Geld, geben sich Hassemer und seine Mitstreiter überzeugt. Das hört sich im ersten Moment nach hohlem Geschwätz an. Dahinter steckt jedoch eine Lobby, die sich die weitgehende Entstaatlichung wesentlicher Bereiche der Stadtentwicklung auf die Fahnen geschrieben hat. Und bei allen im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien rennt sie damit offene Türen ein.

Die Entstaatlichung der Bereich der Stadtentwicklung? Es ist der unverhohlene Aufruf zur Zwangsarbeit auch für jene, die gerade mal nicht arbeitslos sind – die Mobilisierung des Volkes für den Endkampf, eine Mobilisierung, an der die LINKEN ebenso mitarbeiten wie GRÜNE, FDP, CDU und SPD. So sendet auch die Politik neben den Aufschwungtheorien auch ganz praktische Endzeitsignale, während spanienleben uns schon mal Bilder von dem zukünftigen Miteinander von Bürger und Staat im vereinten Europa schickt.

Man sieht also – Gründe für Endzeitstimmug gibt es genug.

Die veröffentlichten Gegenstrategien jedoch … sind erstaunlich dämlich. Sie passen aber zu dem Denkmuster asozialer Charaktere, die wirklich glauben, sie könnten im Falle des Zusammenbruches der Zivilgesellschaft weiterhin auf die staatlichen Eigentumsgarantien bauen.

Wo kein Staat ist, da gibt es auch kein Eigentum mehr – es sei denn, man kann es verteidigen.

Erlischt das Staatsrecht, gilt wieder Naturrecht – das ist in der Regel das Recht des Stärkeren. Der Stärkere ist dann jedoch nicht mehr derjenige mit den besten advokatischen Winkelzügen, den schlauesten Anlagetipps oder den besten Beziehungen in Börsenkreisen, sondern derjenige, er es schafft, Gemeinschaften um sich zu bilden. Der Brionianzug wird dann seine Macht verloren haben.

In der postapokalyptischen Gesellschaft ist das Gemüsebeet auf der Alm ja sehr lustig … bis die Zahnschmerzen kommen, die Nierenkolik die Schmerzen unerträglich werden lässt oder einfach das ganz normal Alter zuschlägt und man den Dosenöffner nicht mehr bedienen kann.

Was Menschen überlebensfähig macht, ist Gemeinschaft. Jenseits der von der Konsumindustrie propagierten Einzelkämpfermentalität ist die Bildung von arbeitsteiligen Gemeinschaften die sicherste Zukunftsvorsorge.

Das läuft schon seit Jahrtausenden so.

Ebenso gibt es schon seit Jahrtausenden die Industrie, die an Weltuntergangsängsten prächtig verdient: mit Bücher, Notrationen und dem Wunsch: „Gebt mir all euer Geld, das Ende ist nah!“.

Viel erquickender als als einsamer Kräuterkauer in den Wäldern dahin zu vegetieren ist das Leben in Gemeinschaften und der Neuaufbau der Gesellschaft auf den Trümmern der Alten.

Was wir da jedoch überhaupt nicht brauchen werden, sind die alten Egomanen mit ihrem „Master of the Universe“-Trip. Die sollten wir schnellstens entsorgen, sobald sie in die Nähe kommen, sonst werden sie auch neue Staaten wieder mit ihren Ängsten, Zwängen und Anlagestrategien an die Wand fahren.

„Zukunft“ heißt immer „Gemeinschaft“, der einsame Wolf erfriert nur im Wald – früher oder später, falls er nicht an Einsamkeit, Vergiftung oder einer Infektion stirbt.

Wenn wir aber verstanden haben, das „Zukunft“ „Gemeinschaft“ ist, dann … könnten wir jetzt schon damit anfangen. Noch ist die soziale Infrastruktur aktiv, obwohl Armeen von „Beratern“ an ihrem Abbau arbeiten. Noch können wir das Schlimmste verhindern. Allerdings … läuft die Zeit gegen uns. Viel haben wir nicht mehr davon, in der Tat leben wir von gekaufter Zeit … auf Pump gekaufter Zeit.

Und wer meint, das er mit seiner Garage voller Dosen gut durch die schlimmen Zeiten kommt, der sollte sich mal an einen alten Slogan erinnern:

„Eat the rich!“

Nicht auszuschliessen, das diese Devise in Zukunft Leitspruch einer Gemeinschaft wird, die Teile ihrer Menschlichkeit dem Verdauungsapparat geopfert hat. Ein Grund auf für Reiche, mal darüber nachzudenken, ob man sich nicht mal auf des gute alte MITEINANDER besinnen sollte, anstatt beständig und immer intensiver an einer Welt des GEGENEINANDERS zu arbeiten.

„Lieber arm als Schaschlik“ möchte ich da mal zur Besinnung mitgeben.

Auferstehung und Weltuntergang: Frohe Ostern!

24.4.2011. Immer noch Ostern. Heute: Auferstehung. Ein ganz wichtiger Faktor im christlichen Leben. Einfach mal heute in die Kirche gehen - da wird man es erfahren. Zuvor jedoch - ein Blick zurück. Was weiß man eigentlich heute über den Gründer der christlichen Kirche, diesen Jesus. Es gibt genug Menschen, die schreiben tagtäglich so viel über ihn, als würden sie ihn persönlich kennen. Einigen von ihnen erscheint er ja auch regelmäßig, sagen sie jedenfalls. Die anderen, die keinen persönliche Termin erhalten und auch nicht während der Schriftlektüre vom Heiligen Geist durchflutet werden, haben nur ... Papier. Fünf bis sechs Evangelien, wobei Matthäus und Lukas von Markus und einer unbekannten Quelle, genannt Logienquelle Q, abgeschrieben haben, dann noch Johannes, der etwas schräg im Raum steht - und Thomas, der allerdings nur noch zerfetzt vorhanden ist und ansonsten auch nicht von der Kirche anerkannt wird.

24.4.2011. Immer noch Ostern. Heute: Auferstehung. Ein ganz wichtiger Faktor im christlichen Leben. Einfach mal heute in die Kirche gehen – da wird man es erfahren. Zuvor jedoch – ein Blick zurück. Was weiß man eigentlich heute über den Gründer der christlichen Kirche, diesen Jesus. Es gibt genug Menschen, die schreiben tagtäglich so viel über ihn, als würden sie ihn persönlich kennen. Einigen von ihnen erscheint er ja auch regelmäßig, sagen sie jedenfalls. Die anderen, die keinen persönliche Termin erhalten und auch nicht während der Schriftlektüre vom Heiligen Geist durchflutet werden, haben nur … Papier. Fünf bis sechs Evangelien, wobei Matthäus und Lukas von Markus und einer unbekannten Quelle, genannt Logienquelle Q, abgeschrieben haben, dann noch Johannes, der etwas schräg im Raum steht – und Thomas, der allerdings nur noch zerfetzt vorhanden ist und ansonsten auch nicht von der Kirche anerkannt wird.

Möglicherweise gibt es ein Nazarenerevangelium, das völlig verschollen ist, von dem aber die anderen alle abgeschrieben haben – doch das ist bislang bloße Theorie.

Ursprünglich gab es viele mündliche Überlieferungen, die irgendwann – lange nach Jesu Tod, wann genau ist auch umstritten – gesammelt wurden. Manche gefielen der Kirche, manche nicht. So entstand die Bibel. Viele Worte Jesu sind unrettbar verloren – davon kann man inzwischen ausgehen. Ein Wunder, das man überhaupt noch über ihn spricht. Mehr noch scheint es ein Wunder, das man zur damaligen Zeit überhaupt über ihn gesprochen hat: Wanderprediger gab es zu Hauf, man kam kaum über die Straße, ohne mit ihnen zusammenzustoßen.

Andererseits – nimmt man ernst, was die in den Evangelien gesammelten Bruchstücke aussagen, so hatte er eine kleine Besonderheit, die ihm viel Aufmerksamkeit beschert hat: er heilte Kranke in Massen. Ich weiß – das stört den Theologen, weil der Sohn Gottes ja seine Göttlichkeit nicht beweisen brauchen muss – aber es beruhigt den fragenden Geist. Man stelle sich vor: da zieht jemand durch die Hamburger Innenstadt und heilt alle Kranken, wandert durch die Uniklinik Eppendorf, die daraufhin die Tore schließen kann, macht Blinde sehend, Lahme gehend und weckt nebenbei noch ein paar Tote auf – das würde doch sogar heute für eine Einladung bei Maischberger reichen. Wenn der dann noch die Geschäftemacher aus der Kirche vertreibt, wäre ihm ein Spiegelinterview sicher – genau so sicher wie sein wahrscheinliches Ende … immerhin ruft er zur Umkehr auf. Ständig, immer und überall, hin zu einer ganz anderen Art von Leben. Das wäre fatal. Das hören wir nicht gern. Dann redet er noch gerne vom nahen Ende … und das passt uns so kurz vor der Rente gar nicht. Wir hören da lieber Legenden vom Aufschwung.

Nun, vom nahen Ende reden viele Menschen, seit zweitausend Jahren schon. Aktuell liegt der Koppverlag mit Gerard Celente ganz vorne:

Seit etwa 20 Monaten prognostizierte Celente den Crash der Vereinigten Staaten und Europas – allerdings bislang für die zweite Hälfte des Jahres 2012. Nun korrigiert er sich und warnt vor dem Ausbruch von Krieg überall vor unseren Haustüren schon 2011. Und zwar in den Vereinigten Staaten wie auch in Europa. Der Grund: Die Rückkehr der Wirtschaftskrise, die unabwendbare Schuldenlast und Migrationsströme von Menschen, die aus ärmeren Staaten zu uns kommen und nach einem besseren Leben suchen.

Celente nennt die Verlautbarungen westlicher Regierungen, die derzeit einen wirtschaftlichen »Aufschwung« prognostizieren, »reine Propaganda«.

In der Europäischen Union werde es wohl am schlimmsten werden. Sehr bald schon werden die EU-Bürger nach Auffassung von Gerald Celente merken, wie sie von der EU belogen und betrogen worden seien. Ihr Geld, ihre Ersparnisse, ihre Zukunftsvorsorge – alles weg.

Apokalypse schon 2011 – verursacht von einer verschwörerischen Finanzelite. Und das von einem Trendforscher. Irrt der sich, hat seine Firma bald noch Ramschstatus.  Das ist doch wirklich undenkbar – und das gerade am Feiertag.

Ganz undenkbar? Ein großer Teil der Versorgung mit Nahrungsmittel im europäischen Raum liegt nur noch in den Händen einiger weniger Konzerne, weltweit werden es bald nur noch vier sein, die die Saatgutversorgung in Händen halten. Da könnte doch mal was schiefgehen … wie bei den Banken.

Wie werden wir uns verhalten, wenn es wirtschaftlich enger wird? Nun – wie verhalten wir uns heute? Wir sortieren Menschen aus, mehr und mehr, jeden Tag. Wir übergeben sie den Jobcentern (ehedem ARGE), dort wird die weitere Verwertbarkeit kritisch geprüft oder man reicht sie durch zur Rentenanstalt oder zur Psychiatrie – so kriegt man schöne Statistiken. Die Kinder der Menschen – völlig egal. Ausschußware. Schon heute, wo alles reichlich vorhanden ist und kaum noch Käufer findet.

Bei der aktuellen Moral … kann es schnell eng werden. Es wird ja jetzt schon eng – ohne Not. Und die Not rückt täglich näher, siehe Welt:

Ernsthafte Zweifel an der Solidität der USA nähren die Angst vor einer Schuldenkrise. Nun fällt Europa als letzter Verbündeter noch weg.

Schneller als man denkt, kann wieder ein Kartenhaus zusammenstürzen. Gerade dieses Jahr zeigt, wie rasant sich Rahmenbedingungen ändern können – siehe Nordafrika oder Japan. Genauso kann auch einfach mal nichts geschehen. Hört man allerdings jenem Verein zu, dem unser Bundespräsident angehört, so merkt man, das es dort Parallelen zu Celente gibt, siehe Pro Christ:

Was haben Japan, Afrika & Islam mit Gott zu tun?

Hat das alles etwas mit Gott zu tun? Jesus wurde von seinen Schülern gefragt: „Was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende der Welt?“ (Matthäus 24). Er nannte die Signale: Religiöse Verführung, Kriege, Revolutionen, Hungersnöte, Erbeben, Christenverfolgungen, eine extreme Zunahme der Verachtung von Recht und Gerechtigkeit. Wie aktuell! „Seht zu und erschreckt nicht … es ist noch nicht das Ende da“, sagt Jesus. Diese Schrecken seien der Anfang der Geburtswehen der neuen Welt, die Gott schaffen wird. Jesus nennt noch ein Indiz, dass wir auf der Zielgeraden der Geschichte sind: Das Evangelium wird allen Völkern verkündet. Ja, auch das geschieht heute.

Jesus war realistisch: „Sie aßen und tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten … Und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin – , so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohnes.“

Die Furcht Gottes ist der Weisheit Anfang. Wir brauchen jetzt Weisheit – bitter nötig.“

Kurz vor dem Ende der Zeit geben die nochmal richtig Gas, siehe Handelsblatt:

Rentrop engagiert sich im Kuratorium der Bewegung Pro Christ, in dem sich auch andere Unternehmer finden, etwa Heinz-Horst Deichmann, Alexander Graf zu Castell-Castell und Friedhhelm Loh, der Präsident des Elektronikverbands ZVEI. Pro Christ veranstaltet Mega-Events im Stil der amerikanischen Evangelikalen mit Tausenden von Teilnehmern und Satellitenübertragung.

In den Leitlinien heißt es: „Wir beten kontinuierlich, damit wir erkennen, welche Wege und Methoden wir wählen sollen.“ Dazu gehört ein Gebetsnewsletter. Auch hier gibt es keine Berührungsangst gegenüber Geld: „Pro Christ for business“ wirbt dafür, Geschäftsfreunde mit Jesus bekannt zu machen, und schlägt dazu Veranstaltungen in edler Atmosphäre vor, als Beispiele werden genannt: „Bentley-Salon, Ferrari-Halle, Edel-Werkstatt, Oldtimer-Ausstellung.“

Nun – nicht jeder kommt ins Himmelreich … zumindest nicht über den Bentley-Salon und die Ferrariwerkstatt. Schon spannend, welchem Glauben unser Bundespräsident anhängt … und erst recht erstaunlich, welche Wendungen die Legenden über jene wundertätige und zaubermächtige Gestalt vor zweitausend Jahren inzwischen nehmen.

Wie oft denken unsere politischen und wirtschaftlichen Führer wohl an diese „Zielgerade“? Oder an den Weltuntergang – was für uns kleine Würstchen vor Ort eigentlich dasselbe ist?

Das wir heute immer noch über jene Gestalt in den Legenden reden, über die nur ein paar Papierfetzen Zeugnis ablegen, hat nicht nur damit zu tun, das sie die Medizin revolutionierte, in dem sie durch Dämonenaustreibung Krankheiten heilte. Sie hat auch damit zu tun, das sie selbst aus eigener Kraft den Tod überwand – obwohl die Theorien der Theologen zu diesem Thema weit auseinander liegen wie auch die Deutungen der einzelnen Konfessionen.

Fakt scheint zu sein – sofern man das aus der Ferne überhaupt beurteilen kann – das hunderte von Menschen Jesus nach seinem Tode gesehen haben, viele haben mit ihm gesprochen. Sowas hinterlässt bleibende Eindrücke, das erzählt man sich noch Jahre später.

Kein Wunder also, das auch heute noch manche Leute von dieser Geschichte beeindruckt sind, obwohl sie Elemente enthält, die beim Osterspaziergang stören könnten, siehe Bibel-online:

3 Und als er auf dem Ölberge saß, traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das alles geschehen? Und welches wird das Zeichen sein deiner Zukunft und des Endes der Welt? (Apostelgeschichte 1.6-8) 4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe. 5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen, und sagen: „Ich bin Christus“ und werden viele verführen. (Johannes 5.43) (1. Johannes 2.18) 6 Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen; sehet zu und erschreckt euch nicht. Das muß zum ersten alles geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. 7 Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich gegen das andere, und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder. 8 Da wird sich allererst die Not anheben.
9 Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr müßt gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern. (Johannes 16.2) (Matthäus 10.17-22) 10 Dann werden sich viele ärgern und werden untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. 11 Und es werden sich viel falsche Propheten erheben und werden viele verführen. (2. Petrus 2.1) (1. Johannes 4.1) 12 und dieweil die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten. (2. Timotheus 3.1-5) 13 Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig. (Offenbarung 13.10) 14 Und es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker, und dann wird das Ende kommen. (Matthäus 28.19)

Das hört sich … fast wie Gerald Celente an. Es fragt sich nur … wieviel Kraft man eigentlich in sich hat, den Weltuntergang aufzuhalten, wenn man ihn als Voraussetzung für seine eigene Auferstehung braucht.  Gäbe es da nicht den kleinen Hauch einer Verführung dazu, ihn ein kleines bischen zu …. beschleunigen? Immerhin geht es um die eigene Auferstehung.

Und so kommen wir von kleinen Textfragementen über einen Wanderprediger unter tausenden direkt in eine unheimliche politische Wirklichkeit.

Und fast scheint es, als ob man die Hoffnung teilen müßte, um  noch Utopien leben zu können: die Hoffnung, das es keine Legende ist,  das am Ende der Drangsal ein neues Zeitalter ersteht. Und noch mehr Hoffnung gibt es, wenn sich herumspricht, das Nächstenliebe unbedingte Voraussetzung für das Himmelreich ist. Dann könnten wir uns den Weltuntergang vielleicht doch noch ersparen. Wenn allerdings wirklich die Liebe in vielen erkaltet und die Ungerechtigkeiten überhand nehmen, werden wir vielleicht wirklich noch im Laufe des Jahres Verteilungskämpfe auf dem Aldi-Parkplatz erleben, nachdem die letzten Dosen verkauft worden sind.

Deshalb hier noch einmal, solange es noch geht: Frohe Ostern!


 


 

 

 

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