Apell

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Macht das Tor auf. Bitte

Dies ist ein Appell an die entscheidenden Politikerinnen und Politiker, die sich am Mittwoch über die weitere Corona-Politik austauschen. Wir können ja Ihre Vorsicht verstehen. Aber bitte beachten Sie, dass es nicht nur Inzidenzwerte zu beachten gibt. Gravierend und von Bedeutung für Ihre Entscheidungen sollten auch die Folgen sein. Die Folgen für unsere Kinder und Jugendlichen und sehr viele oft weniger privilegierte Mitmenschen sind jetzt schon so gravierend, dass eine Revision, dass eine differenzierte Öffnung not-wendig ist und nicht verzögert werden sollte.

Viele Kinder und Jugendliche sind jetzt schon seit Monaten eingesperrt, werden sowohl der Bildung als auch ihrer sozialen Kontakte beraubt, und nicht jeder hat dabei das Glück, dass diese herben Einschnitte von einem intakten Familienverband aufgefangen werden können. Beim digitalen Fernunterricht bleiben vor allem die Kinder auf der Strecke, die eine gute pädagogische Betreuung nötiger haben als andere. Auch Studierende sind auf sich gestellt. Vielen sind die Nebenjobs weggebrochen, die sie dringend brauchen, um ihr Studium zu finanzieren. Wer keine finanzstarken Eltern im Rücken hat, bleibt oft auf der Strecke.

In unzähligen Berufen und Wirtschaftsbereichen herrscht die nackte Panik. Wie viele Kneipen, Restaurants, Cafés, Hotels, Friseursalons, Buchhandlungen, Boutiquen oder Fitnessstudios wieder öffnen können, ist ungewiss. Fest steht nur, dass die Zahl der Pleiten mit jeder Woche Lockdown steigt. Vor allem die kleinen, oft seit Generationen bestehenden Familienbetriebe sind gefährdet, während sich die Großkonzerne mit ihren anonymen Filialgeschäften und Franchisemodellen bereits die Hände reiben.

Es gibt nicht nur Menschen, die an oder mit Corona sterben oder an diesem Virus erkranken. Vor allem die psychischen Folgen des Lockdown, die Depressionen und Suizide werden kaum beachtet. Vom Homeoffice im Grünen heraus ist es nun einmal nicht so leicht, sich vorzustellen, wie es ist, wenn man monatelang mit seinen Kindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung eingesperrt ist, an Ängsten um die eigene Zukunft und die Zukunft der Kinder verzweifelt und keine Perspektive auf Besserung hat. Es gibt nicht nur den Tod, es gibt auch noch das Leben. Dies scheinen viele vergessen zu haben.

Wir appellieren auch an unsere Kolleginnen und Kollegen in den Medien, in Fernsehen, Hörfunk und Zeitungen. Machen Sie sich bitte stark für eine Abwägung zwischen Gesundheitsrisiken und den Risiken für unsere Familien, für unser gesellschaftliches Leben, vor allem für die Kinder und Jugendlichen.

Die NachDenkSeiten

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