Ansehen

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Roland Koch und die stinkenden Fischköpfe

Kinder lernen ja ziemlich viel durch Vorbilder. Menschen auch. Das finden Menschen sogar gut, weil es so schön einfach ist.  „Ich möchte sein wie Angela Merkel“ hört man weniger, aber wäre auch ein gangbarer Weg.

Jetzt schimpft man ja sehr über Menschen, die gegen Moslems in Deutschland sind, ganz vorne an Thilo Sarrazin. Sie sollten anders sein, diese Deutschen, aber nicht so. Aber was macht aber ihr Leittier, ihr Führungskraft? Läßt Moslems in Afghanistan erschießen. Ja, also – wenn die Kanzlerin das darf, dann darf man das doch selber auch. Ist wie mit dem privaten Spionagering in Afghanistan: wenn die Führungskräfte keinerlei Moral mehr zeigen, wie soll dann das folgende Volk noch wissen, wo es langgeht? Hierzu mal ein Beispiel aus dem Spiegel:

Im Kampf gegen die Taliban lagert das US-Militär immer mehr Aufgaben an private Sicherheitsdienste aus – verliert dabei aber die Kontrolle. Laut einem Untersuchungsbericht des Pentagons haben ehemalige Elitesoldaten und CIA-Mitarbeiter am Hindukusch eigenmächtig einen Spionagering aufgebaut.

So läuft das dann. Die haben doch ihr Leben lang nichts anderes gelernt.  Was erwartet man denn, wenn man die dann von der Leine läßt? Mehr Weisheit als im Pentagon – schön wäre es.  Sommer wäre dieses Jahr auch schön gewesen, war aber alle.

Man muß aber gar nicht so weit ins fremde Ausland gehen, wo der Moslem, der hierzulande zu einer bedrohten Art wird (worüber sich alle ganz pflichtschuldigst echauffieren) schon ganz offiziell erschossen wird. Auch in Deutschland findet man Beispiele genug dazu – zum Beispiel bei der von der Leyen, der Mutter der Arbeitslosen. Fünf Euro war ihr letztes Wort, weil wir ja alle kein Geld haben. Bei der nächsten Diskussion über Diätenerhöhungen möchte ich dieses Wort gerne nochmal aufgreifen. Wenn wir kein Geld haben, dann sollte doch die Regierung mal mit guten Beispiel vorangehen – da lernt dann auch das Volk von.

Das Verkehrsministerium zum Beispiel hat es begriffen. Wenn wir in Afghanistan Moslems erschiessen, aber andererseits auch Moslems im eigenen Land haben, dann muß Deutschland wieder kriegstauglicher werden, so der Spiegel.

Die Bundesregierung bangt um die Sicherheit des Schienenverkehrs. Weil die Bahn zu schlecht gewappnet sei, droht dem Zugbetrieb angeblich bei Naturkatastrophen und Anschlägen der Zusammenbruch – nach SPIEGEL-Informationen soll der Konzern nun Dutzende unterirdische Krisenleitstellen einrichten.

Wäre vielleicht günstiger, wenn Merkel aufhören würde, Moslems im Ausland zu erschiessen, aber ich glaube, das geht aus irgendwelchen Gründen nicht, die wir kleinen Leute nicht verstehen.  Wir kleinen Leute verstehen ja viel nicht, zum Beispiel die Ernennung eines Roland Koch zum Chef des Baukonzerns Bilfinger und Berger.  Man fragt sich doch: was macht denn der Mann da? Welche Ahnung hat der denn vom Baugewerbe? Keine, sagen die Leute von der Börse, die ja richtig Ahnung haben. Deshalb ging der Kurs von Bilfinger und Berger gestern ja um 4% zurück. Nochmal 25 Tage lang diese Entwicklung und man kann sich den Koch von dem kaufen, was die von der Leyen auf den Regelsatz draufschlagen will.  Dann hätte man gleich 70000 Arbeitsplätze. Diese Ernennung war halt sehr sehr teuer für den Konzern, weil die Aktionäre Roland Koch für eine Pfeife halten.

Ich war dann mal bei Roland Koch selber zuhause um zu sehen, was der wirklich kann.

Auf Abitur und Grundwehrdienst folgten ein Jura-Studium und die Niederlassung als selbständiger Rechtsanwalt. Spezialisiert auf Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht übte er diesen Beruf bis 1999 aus.

Privat ist er dafür bekannt, dass er gerne und gut kocht (2003 wurde er sogar als “Hobbykoch des Jahres” ausgezeichnet), hier und da den Tennisschläger schwingt und, wann immer es möglich ist, als Besucher in Kunstmuseen auftaucht.

Der Europäische Wirtschaftssenat e. V. (EWS) hat Roland Koch im Februar 2006 für dessen Verdienste um den Abbau überflüssiger Bürokratie mit dem EWS-Award 2005 ausgezeichnet.

Also, er kann – Jura. Er kann kochen, Tennis spielen und ist ein Kunstkenner. Das hört sich teuer an und qualifiziert deshalb auf jeden Fall zum Chefposten eines Baukonzerns, oder?

Nee, nicht wirklich.  Ich denke, da müßte man weiter schauen, zum Beispiel bei Wikipedia:

Im Zusammenhang mit der Spendenaffäre der Bundes-CDU wurde auch eine Affäre der hessischen CDU bekannt. Unter anderem hatten der ehemalige Innenminister Manfred Kanther und der frühere CDU-Landesschatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein mehrere illegale Parteispenden als angebliches Vermächtnis von verstorbenen Juden verbucht.

Roland Koch erklärte, diese Vorgänge seien ihm nicht bekannt gewesen, und er versprach die „brutalstmögliche Aufklärung“. Auf einer Pressekonferenz am 10. Januar 2000 verschwieg er trotz mehrfacher Nachfrage die Rückdatierung eines Kreditvertrags über 2 Mio. D-Mark, der Geldflüsse in der Parteibuchhaltung rechtfertigen sollte.

Unterstützt durch die CDU und den hessischen Landesverband der FDP verblieb Koch trotz mehrfacher Rücktrittsforderungen im Amt. Der damalige Chef der Staatskanzlei, Franz Josef Jung, trat hingegen zurück, was von Beobachtern als Bauernopfer interpretiert wurde.[9] Die Opposition im hessischen Landtag kritisierte auch insbesondere, dass Kochs Wahlkampf 1998/1999 teilweise durch die schwarzen Kassen finanziert worden war, und versuchte, eine Annullierung der Wahl zu erreichen, was jedoch fehlschlug.[10]

Aha. Ein Lügner und Schwindler, der andere opfert um sich selbst zu schützen? Aber es kommt ja noch mehr. Wie kaum ein anderer gehörte Roland Koch (neben Joschka Fischer und Gerhard Schröder) zu jenen Politikern, die aus der Bundesrepublik Deutschland einen Selbstbedienungsladen für Konzerne gemacht haben:

Studiengebühren von bis zu 1500 Euro pro Semester, damit nur noch die richtig reichen studieren können

Abitur mit zwölf Jahren, damit man schneller aufs Menschenmaterial zugreifen kann

Einstieg in die Privatisierung von Haftanstalten

Verkauf der Unikliniken an private Betreiber (Rhönkliniken, da hatte der Guttenberg satte 260 Millionen Euro abkassiert)

Somit an Roland Koch an der Privatisierung der Bundesrepublik Deutschland maßgeblichen Einfluß gehabt. Wenn so etwas nicht irgendwann belohnt wird, würde sich bald kein Politiker mehr finden, der sich für den Ausverkauf des Landes unbeliebt macht.  In einem solchen Fall kann man ja nicht auf die Bürger hören oder auf die Aktionäre und Börsianer,  da verliert man gerne 100 Millionen Euro an einem Tag (was 4% der Marktkapitalisierung von Bilfinger und Berger entspricht).

Nun darf man nicht unterstellen, das Roland Koch dies alles absichtlich getan hat um sich in ein rechtes Licht zu setzen.  Wir kleinen Leute verstehen so etwas einfach nicht.  Wir denken sofort an Korruption, wie die Janine Wissler in der FAZ zitiert wird:

Aus Sicht von Linken-Fraktionschefin Janine Wissler weckt Kochs Verhalten bei vielen Menschen den „Verdacht der Korruption“.

Auch andere äußern in dem Artikel ihre Verwunderung:

Auch die Grünen kritisierten, dass Koch schon im März, also keine sieben Monate nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident, in den Vorstand eines großen Baukonzerns aufrücken werde. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Landtag, Mathias Wagner, wies darauf hin, dass Bilfinger Berger unter anderem einen Auftrag über 80 Millionen Euro zum Bau der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen erhalten habe. Dieses Projekt sei nur dank der Unterstützung durch die von Koch geführte Landesregierung möglich geworden.

Darüber hinaus hört man:

Der „nahtlose Wechsel“ des CDU-Politikers in ein Unternehmen schade dem Ansehen der Politik.

Welchem Ansehen?

Hierzu mal was älteres aus dem Westen:

Laut einer Umfrage der Zeitschrift „Reader’s Digest“ sind Politiker die am geringsten geschätzte Berufsgruppe.

Nur jeder Vierte traut Journalisten. Sie erreichen 26 Prozent und damit nur unwesentlich mehr als Reiseveranstalter (25) oder Gewerkschaftsführer (23). Am Ende der Vertrauensskala rangieren Finanzberater (16), Fußballspieler (12), Autoverkäufer (11) und schließlich an 18. Stelle Politiker (10).

Die Deutschen würden lieber Finanzberatern und Autoverkäufern als Politikern trauen – laut Umfrage vom März 2010.

„Ein Fisch stinkt immer vom Kopfe her“ … so der Volksmund, der auch weiß, das „eine Hand die andere wäscht“.

Aber das man Deutschland wieder bombensicherer bauen möchte, verstehe ich langsam schon.

Die American Chamber of Commerce hatte übrigens im September Roland Koch noch den Silver Arward verliehe, wie er auf seiner persönlichen Seite angibt.

Die werden schon wissen, warum.  Studiengebühren, Privatisierung von Haftanstalten und Universitäten – ist ja genau ihre Welt. Und das von ihm eingeführte Kopftuchverbot für Beamte wird jenen, mit denen wir zusammen Moslems in Afghanistan erschiessen, wohl auch gefallen.

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