Amerikanismus

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Heimatflug der transatlantisch-außerirdischen Maasmännchen


Fotocollage: Rubikon-Magazin für die kritische Masse / CC 4.0

„Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und Rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.“
(Reinhard Mey, Das Narrenschiff)

Obwohl bereits alle Alarmglocken läuten und uns täglich mehrere Eimer kaltes Wasser über unsere wohlstandsverwöhnten Köpfe geschüttet werden, folgen wir weiterhin unbeirrt dem Blinde-Kuh-Spiel der Kanzlerin, lassen uns Schlaftabletten verpassen und die Augen verbinden … legen dann wie Schlafwandler die Hände auf die Schultern unserer Vordermänner/-frauen und trotten gemeinsam wie in einer Polonaise-Schlange hintereinander her – angeführt von einer offensichtlich suizidalen Rautenkönigin, die uns über die Atlantikbrücke auf einen Marsch ohne Wiederkehr Richtung Grand Canyon schickt. Der Weg in den Grand Canyon wird auf Anordnung der EU-Kommission gerade panzertauglich ausgebaut (siehe Spiegel), die Rutsche in den Abgrund verbal eingeseift (siehe „Zwei Minuten vor Mitternacht … Men in Black, eine durchgeknallte Bundeswehr-Chefin und die Friedenstauben-Verschwörung“).

Obwohl der Weg über die Atlantikbrücke ein breiter ist – er gilt nicht nur als alternativlos, sondern auch als deppensicher, man kann ihn sogar smartphonewischend mit zum Boden gesenkten Blick dahinschlendern – so ist trotzdem bereits eine unerwartet große Anzahl an Menschen nach links oder rechts abgedriftet und von der Brücke gestürzt – später wird sich herausstellen, dass die allwissende Cloud unsere Virtual Reality-Brille einfach mit falschen GPS-Daten versorgt hat. Die Spiegelbildbürger, die dieser Virtual Reality-Brille wie blind vertraut haben, sind von den transatlantischen Fluten für immer verschlungen worden. Während die Spitzen des Polonaise-Trecks – die Rautenkönigin und ihre transatlantischen Offiziere – bereits über die Brücke übergesetzt haben, mit ihren „verlässlichen Freunden“ am virtuellen Lagerfeuer sitzen und über die Herde schäkern, die sie gerade mit verbundenen Augen in ein Industrie 4.0-Katzenfutterwerk zur Endverwertung bzw. in die digitale Transformation lotsen, so passiert mit der über die Brücke marschierenden Herde allerdings etwas Unerwartetes:

Das GPS-Signal des transatlantischen Satellitennetzwerks ist nun vollends ausgefallen, die mitten auf der Atlantikbrücke befindlichen Bürger kämpfen mit ihrem Navigationssystem und wissen nicht mehr, wo links und rechts, vorne und hinten ist. Sie merken, dass sie keinen Boden mehr unter ihren Füßen haben und schon mit dem nächsten unvorsichtigen Schritt auf Nimmerwiedersehen von der Brücke stürzen könnten. Immer mehr Bürger reißen sich daher ihre Virtual Reality-Brille vom Kopf und schmeißen sie ins Meer. Sie sehen nun nicht mehr Tagesschau, sondern die Realität. Empörte Schreie werden laut, da nun für jedermann ersichtlich ist, wohin die Polonaise der Kanzlerin führt: Der gähnende Abgrund des Grand Canyon ist bereits in Sichtweite. „Verdammt noch mal, wir wollten doch gut und gerne leben und nicht als Faschiertes im Katzenfutter landen!“, tönt es von allen Seiten.

Da sich am Horizont gerade ein mächtiger transatlantischer Sturm zusammenbraut, der alle Bürger von der Brücke zu fegen droht, ist guter Rat nun teuer. Ein junger Startup-Unternehmer aus Bochum hat schließlich die rettende Idee: Er holt sein Smartphone aus der Tasche und ordert bei Elon Musk eine Space-X Rakete. Ursprünglich für eine Mission zum Mars gedacht, wird die Rakete kurzerhand für einen Flug zum Mond umprogrammiert. Die weiteren Aufgaben sind schnell verteilt: Ein Wildhüter fängt die außer Rand und Band geratenen Groko-Alphatiere mit einem Netz ein und übergibt sie an einige DHL-Paketboten des Trecks. Die chronisch unterbezahlten, aber in diesem Fall hochmotivierten Jungs machen sich fachkundig ans Werk und schnüren die Rautenkönigin samt ihren von der Leyne gelassenen Maasmännchen zu einem kompakten Paket, frankiert mit einem One-Way-Ticket zum Mond. Mit ohrenbetäubendem Getöse wird die Space-X Rakete schließlich gezündet.

Kaum hat die Rakete mit ihrer verstrahlten Fracht den Orbit verlassen, beginnt auf der Erde die seit Jahren verdunkelte Sonne wieder zu scheinen, auch die kollektive Depression löst sich auf wie die Abgaswolke eines softwaremanipulierten  VW-Motors im frischen Wind. Die Menschen müssen nun nicht mehr in den Abgrund schauen, sondern machen mitten auf der Brücke kehrt und wenden sich wieder einer hoffnungsvollen, durch Menschlichkeit und Gemeinwohl geprägten Zukunft hin.

Kopfschüttelnd rätselt man, wie man es nur so weit kommen lassen konnte und um Haaresbreite freiwillig ins offene Messer gelaufen wäre. Aber wie auch immer – Ende gut, alles gut. Wenn die Menschen abends mit ihren Kindern den Mond betrachten, dann reden sie über das Mondkalb, das sich dort oben befindet, fortan nicht mehr im Singular, sondern im Plural.


Bild: Jacques Prilleau /pixabay CC0

 


Lesetip:

Zur obigen Fotocollage von „Rubikon-Magazin für die kritische Masse“ findet sich ein weiterführender Link zu einer Reportage von Frieder Wagner über das wohl größte Kriegsverbrechen unserer Zeit:  Uranmunition – „Ein Menschheitsverbrechen“ – ein Thema, über das unsere DIN-ISO zertifizierten Leitmedien weiterhin eisern schweigen.

Auf Rubikon siehe auch: „Die geplante Zerschlagung Syriens“ und „Der provozierte Krieg“-„Der völkerrechtswidrige Angriff auf Syrien ist als Kriegserklärung an Russland zu verstehen“

Auf der unabhängigen Plattform „Swiss Propaganda Research“ finden sich weitere lesenswerte Analysen über das mediale und geostrategische Netz von Angela Merkels „verlässlichen Freunden“:

Über transatlantische Geopolitik und die Rolle des US Präsidenten

Über das globale Spinnennetz des CFR

„Der Propaganda-Multiplikator“ – Drei globale Nachrichtenagenturen als Zapfsäulen für die nationalen Massenmedien

Medien-Navigator

siehe auch:
John Perkins – Bekenntnisse eines Wirtschaftskillers (Kurzfassung via Youtube)

Die Weltherrschaft der USA – Methoden, Ziele und Auswirkungen. Über „Amerikanismus“.

Freitag, 4.8.2017. Eifel. Wissen Sie eigentlich, wann die „herrschenden Kreise“ in den USA die Pläne für die Weltherrschaft geschmiedet haben? Wann jene Nation, die in unzähligen Werbefilmen als „Hort der Demokratie, der Freiheit und der Menschlichkeit“ gepriesen wird, beschlossen hat, dass die Welt nur noch einen Herren zu haben hat? Wann beschlossen wurde, dass man nach dem Fällen der Bäume und Indianer und der Eroberung des Westens den unaufhaltsamen Siegeszug des „american way of live“ weltweit ausweiten würde? Ich kann ihnen den genauen Tag auch nicht sagen, aber mir ist bekannt, dass es mit Kuba begann – und dem US-Präsidenten John Quincey Adams … und zwar 1820 (siehe Noam Chomsky, War against People, Piper, 2. Aufl. 2006, Seite 64). Eine Kultur wie eine Mongolenhorde, ausgestattet mit räuberischem Personal aller europäischer Nationen, die zuvor von ihren Herren gelernt hatten, dass die Ausplünderung der Welt, der Schwächeren, der Friedlichen enorme Rendite verspricht und aus jedem Hanswurst einen Millionär machen kann. Sie wissen worauf ich hinaus will? Nach den ersten – vielleicht noch harmlosen – Auswanderern, die in friedlicher Koexistenz mit den Indianern lebten, kamen die Räuber, Gauner, Halsabschneider, die eine schnelle Mark witterten: Land, Fälle, Skalps, Vieh, Gold, später Öl – da gab es reichlich Beute zu machen (siehe hierzu: 500 Nations, Alvin M. Josephy, Weltbild 2007 – am besten mal das ganze Buch über die Geschichte der Indianer und ihre fünfhundert Nationen lesen). Eine gigantische Räuberbande durchzog die Länder, gesteuert von den „reichen Familien“  – zuerst jenen, die noch in den Herrschaftshäusern Europas saßen, dann jenen, die schon mit Geld ins „Reich Gottes auf Erden“ kamen oder eben jene, deren Vorfahren schon reichlich zugegriffen hatten. Und als man die Grenzen des Kontinentes erreicht hatte – die Grenzen des räuberischen Wachstums – was es nur logisch, dass man Flotten baute, damit das Wachstum weiter fortschreiten konnte.

Harte Worte, oder?

Ich weiß, dass ich mir nun harsche Kritik zuziehen werde, höre jetzt schon die bezahlte Meute toben, hier würde Antiamerikanismus gepredigt. Antiamerikanismus – haben  Sie sich über dieses Wort schon mal Gedanken gemacht? Nein? Wieso nicht, Sie hören es doch einmal die Woche – mindestens. Sie wissen auch, was damit gemeint ist: aufrührerische Reden gegen den großen Bruder führen – das ist verpönt. Aber mal was anderes: Antikommunismus kennen Sie auch, ist die Bewegung, die gegen den Kommunismus organisiert. Was aber organisiert der Antiamerikanismus? Was ist – jetzt mal genauer gefragt – Amerikanismus?

Antiamerikanismus kennen wir genau (siehe Spiegel):

„In der Auseinandersetzung mit Russland zeigt sich bei Teilen der deutschen Bevölkerung antiamerikanisches Denken. Das mutet an wie ein pubertärer Komplex.“

Später in dem hämischen Artikel erfahren wir, dass dieser „Komplex“ noch andere Dimensionen hat: Paranoia. Wer die USA kritisiert, muss geisteskrank sein. Und das schreibt ein Mainstreamnobelblatt, ohne zu stammeln oder rot zu werden … da läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken.

Ich halte mich nicht für antiamerikanisch. Ich war ein paar mal dort und fand, dass dort wunderbare Menschen leben – wie überall auf diesem Planeten. Gut – dass die die meisten Massenmörder der zivilisierten Menschheit ihr eigen nennen, hat mich immer etwas irritiert – doch von denen habe ich bewusst keinen kennengelernt. Ich habe viele tolle Erlebnisse mit den einfachen Menschen dort gehabt, die es mir unmöglich machen würden, blinden Amerikanismus zu predigen, auch heute habe ich noch Kontakte in diesem Land, auf die ich nichts kommen lassen möchte. Was haben jene Menschen auf mit ihren Führern zu tun? Sie machen das, was alle Lebewesen machen: erfüllen ihren Auftrag, in dem sie für ihr eigenes Überleben sorgen – und das Überleben der Art. Die Bühne jedoch für das Theaterstück – die Megastädte, die Auto- und Eisenbahnen, die ganze Infrastruktur … für die zeichnen andere verantwortlich. Gilt ja auch für Deutschland: wann hat Sie mal jemand gefragt, ob sie gerne eine Autobahn, eine Eisenbahnlinie oder einen Flughafen neben Ihrem Garten haben wollen? Oder Gift im Essen, Nanoplastik im Wasser, Feinstaub in der Luft? Das … organisieren andere – wie ich entsetzt erfuhr, werden inzwischen sogar Kinderleichen zu Nahrungsmittel verarbeitet … als Geschmacksverstärker (siehe liebeistleben). Gut, so darf man das nicht sehen: aktuell ist der Bürger, der Mensch, das Individuum – genau genommen also: NUR SIE! – für alle Übel der Welt höchstpersönlich selbst verantwortlich, obwohl er nie direkt zu einer der kritischen großen Entscheidungen befragt wurde.

Aber auch das gehört zu dem, was ich jetzt mal … Amerikanismus nenne. Politischen Amerikanismus, denn in der Sprachwissenschaft gibt es den Begriff schon, er bezeichnet die besondere Art des Englischen, die dort gesprochen wird, ebenso wurde der Begriff schon mal in der katholischen Kirche verwendet – um die besondere Situation der katholischen Gläubigen in den protestantisch geprägten USA zu beschreiben.

1898 wurde der weltweite Raubzug der USA fortgesetzt: Kuba, Puerto Rico, die Phillipinen wurden erobert, ebenso wurde Hawai annektiert und als strategisches Ziel China ausgewiesen – und die Oberherrschaft über die Weltmeere geplant (siehe Chomsky, a.a.O.). Ja, Sie lesen richtig: die USA wurden nicht zufällig Weltmacht Nr. 1, die führenden Kreise führten die ersten notwendigen Schritte dazu bereits 1898 – nach langer Planung – aus. Natürlich brauchte man auch Panama, damit die großen – gerade im Bau befindlichen – Flotten zwischen beiden Weltmeeren schnell hin- und hergeschoben werden konnten. Schauen Sie sich mal einfach den Panamakonflikt an – Roosevelts Räuberei an Kolumbien. Wikipedia hat zu ihm eine interessante Formulierung  veröffentlicht (siehe Wikipedia):

„Zwischen 1903 und 1968 galt Panama als eine konstitutionelle Demokratie, die von einer kommerziell orientierten Oligarchie beherrscht wurde“

Irre, oder? Wie kann man sich Demokratie nennen, wenn man von einer kommerziell orientierten Oligarchie beherrscht wird? Nun – das ist halt der american way of life, der große „american dream“ – kurz: Amerikanismus. Wer das Geld hat, hat die Macht – und daran soll nicht gerüttelt werden. Wenn die Schriftstellerin Birgit Vanderbecke gerne wüßte, von wem wir regiert werden (siehe hinter-den-schlagzeilen), so vermag ihr ein Blick auf den „Amerikanismus“ in Panama helfen, eine Antwort zu finden.

Verlassen wir das 19. und 20. Jahrhundert, wagen einen Sprung in die Gegenwart. Wir überspringen einfach mal die beiden Weltkriege, die – ehrlich gesagt – dem Vormarsch der USA sehr dienlich waren. Im 21. Jahrhundert können wir von einer Weltherrschaft des Amerikanismus sprechen, die einhundert Jahre zuvor eingefädelt wurde – während man uns immer beibringt, dass Politik nicht länger als vier Jahre denken und planen kann. Die Methoden der Herrschaft haben sich jedoch weitgehend verändert: es sind nicht mehr die US-Kanonenboote, die für die Öffnung der Häfen sorgen (wie dereinst in Japan), das Modell Panama hatte sich als so erfolgreich gezeigt, dass man es heutzutage weltweit anwendet. Hören wir Noam Chomsky zu – einem Amerikaner, den ich zum Beispiel sehr schätze, weil er die helle Seite der freiheitsliebenden Bevölkerung präsentiert, der sich zu der Schuldenkrise der Welt äußert (siehe Chomsky, a.a.O., Seite 71):

„Das Geld wurde nicht von Campesinos, Fabrikarbeitern oder Slumbewohnern geliehen. Die Bevölkerungsmehrheit hatte wenig von den Anleihen, sondern oftmals unter den Folgen zu leiden. Aber der herrschenden Ideologie gemäß muss sie die Last der Rückzahlungen tragen, während die Risiken durch Stützungskäufe des Weltwährungsfonds (die an Kreditgeber und Investoren, nicht an die Länder gehen) und andere Maßnahmen auf die Steuerzahler im Westen übertragen werden. Kürzlich vergebene Kredite des IWF halten sich an diese Norm, weil „private Kreditoren die IWF-Gelder in die eigenen Tasche steckten, während die Schuldnerländer die Schulden der Privatwirtschaft im Endeffekt nationalisiert haben“. Durch solche Maßnahmen werden die Banken, die faule Kredite gewähren, ebenso geschützt wie die Eliten in Wirtschaft und Militär, die sich selbst bereicherten, während sie den Reichtum außer Landes schafften und die Ressourcen ihres Heimatlandes in Besitz nahmen.“

Erkennen Sie sich schon wieder? Ja, Sie sind der Campesino, Fabrikarbeiter oder Slumbewohner – und ihre Kinder und Enkel werden deren Lebensumständen immer näher kommen. Das ist der geniale Trick der Welteroberer: wozu Blut riskieren, wenn man auch anders zum Ziel kommen kann? Einfach den Regierungen Geld schenken – wofür die dann US-Waffen kaufen, Konzerne beauftragen oder hemmungslos Waren konsumieren – und dann die Zinsen und Rückzahlungen von den Bürgern leisten lassen, also: Amerikanismus verbreiten. Raten Sie mal, wer die massiv gestiegenen Diäten bezahlt, während die Mittelschicht – allen Unkenrufen zum Trotz – immer weiter schrumpft (siehe Zeit)? 1995 lag das Durchschnittseinkommen bei 2470 Euro, 2016 sind es 3898 Euro (Männer, Vollzeit, siehe Statista), also 1428 Euro mehr. Die Diäten eines Bundestagsabgeordneten lagen – ohne die zusätzlichen Pauschalen – 1995 bei … irrsinnigen … 5300 Euro, 2016 bei 9327 Euro (siehe Flegel): das sind 4000 Euro mehr. Fast das dreifache der Steigerungen – und mehr als das dreifache, wenn man die Löhne aller Arbeitnehmer einbezieht, denn dann kommen wir 2014 auf einen Medianlohn von 2990 Euro …. während ein Abgeordneter zu dem bestbezahlten obersten Prozent des Landes gehört (siehe Spiegel).

Für wen macht der wohl noch Politik? Erst recht, wenn man überlegt, dass nach Erkenntnissen jede Form von Macht auch die Ehrlichsten dazu verführt, sich zu bereichern (siehe Standard).

Ein riesengroßer Raubzug, den Chomsky an mehreren Beispielen belegt, die besagen, dass die Summe der außer Landes geschafften Werte in aller Regel der kompletten Staatsverschuldung entspricht. Allein die Summe der aus Deutschland abgezogenen Gelder in der Schweiz beträgt 400 Milliarden Euro (siehe Tagesspiegel): verstehen Sie langsam, warum Sie immer mehr arbeiten müssen, immer weniger Kaufkraft zugestanden bekommen aber andere immer reicher werden – ohne große Anstrengungen? Ja: das ist Amerikanismus. Das ist „Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ (siehe Zbigniew Brzezinski, Kopp Verlag, 4. Auflage 2017), der Kampf um die eurasische Weltinsel, der gerade mit den Konfliktfeldern Ukraine, Nordkorea und Irak/Syrien in eine neue Phase des heißen Krieges eintritt, um dem Amerikanismus neue Plündergebiete zu besorgen. Diese Plündergebiete brauchen auch wir Deutschen – ohne das Lithium aus Bolivien sind unsere Träume vom Elektroauto schnell ausgeträumt (siehe Welt).

Man kauft sich einfach mit Krediten bei dem oberen Prozent ein, Kredite, die dann die unteren 99 Prozent bezahlen können – und übt so quasi kostenfrei Weltherrschaft aus. Die Abgeordneten kriegen unanständig hohe Diäten, die Konzernmanager Traumgehälter der Großfürstenklasse, die Aktionäre Renditen, die kaum mit der realen Marktlage in Einklang zu bringen sind – und bezahlt wird das aus den Kürzungen in der Sozialgesetzgebung. Darum arbeiten wir mehr und mehr, während unsere Schulen, Straßen und Krankenhäuser zerfallen. Amerikanismus halt. Und wer den beschreibt … bekommt dicken Ärger. Ist paranoid.

Ob das auch wohl die Griechen so sehen, die nach der gleichen Methode „behandelt“ wurden, deren Oberschicht ebenfalls gigantische Geldmengen ins Ausland schaffte, was der Bürger mit Rentenkürzungen bezahlten musste – und jetzt mit der Verramschung seiner lebensnotwendigen Grundversorgung, des … Wassers (siehe taz). Wer übrigens an weiteren Details interessiert ist, wie Außendienstmitarbeiter des Amerikanismus Regierungen auf Kurs bringen, der sei an das Werk „Bekenntnisse eines economic hit man“ verwiesen, dem wir ein paar Innenansichten des Amerikanismus verdanken (siehe Spiegel):

„Sein erklärtes Ziel: „Mit viel Geld Regierungen von Dritte-Welt-Ländern in ein Netzwerk aus US-Interessen hineinzuziehen und sie in eine finanzielle Abhängigkeit zu befördern, die sie für die USA wirtschaftlich und politisch steuerbar macht.“ Kurz: Volkswirtschaften zu ruinieren.“

Studieren Sie die hier genannten Quellen ruhig sorgfältig, ich erarbeite sie mir nicht umsonst. Ist ja auch alles bekannt, schon seit Jahren, seit Jahrzehnten. Wir wissen auch, wo das enden wird: in einer neuen Orgie des globalen Rassismus, die wir schon in jetzt erkennen können: hochedle Leistungsträger gegen nichtsnutzige Schmarotzer und Parasiten – das ist seit 2005 die Parole im einst so demokratischen Deutschland. Der Staat bürgt mit gigantischen Beträgen (Beispiel: Bankenrettung – um nur eins zu nennen) dafür, dass sich die großen Konzerne den so hoch gepriesenen „Gesetzen des Marktes“ nicht mehr stellen müssen – sondern ganz sicher immer vom Staat gerettet werden, während der Arbeitslose eine besondere Verfolgung zu befürchten hat. Merkt man doch an der aktuellen Dieselaffäre … die nun mit einer „Software“ gelöst wird (siehe ntv). Warum nicht gleich mit einer neuen Wagenfarbe? Ist wahrscheinlich teurer als die Software.

Amerikanismus live. Mitten in Deutschland. Erkennen viele, nur nennen sie es nicht so (siehe Zeit):

„Man muss sich noch einmal an den Ausgang der Geschichte erinnern, um die ganze Ungeheuerlichkeit dieses Verhaltens zu begreifen: Da täuscht eine Industrie nicht nur ihre Kunden, indem sie ihnen Autos verkauft, die nicht leisten, was die Werbung verspricht. Sie mutet wider besseres Wissen vielen Millionen Menschen zu, gefährlich schlechte Luft zu atmen und macht damit Rekordgewinne. Und jetzt erlaubt ihr die Bundesregierung auch noch, den Schaden nicht mal ganz zu reparieren, sondern lässt sie mit völlig unzureichenden Maßnahmen davonkommen.“

Der kleine Gangster kriegt Gefängnis, der große einen Gipfel. Wieder einmal wurde uns gezeigt, wer hier das Sagen hat. Und wer zahlen darf (siehe Spiegel):

„Das deutsche Auto ist systemrelevant. Was anderswo die Banken waren, könnten hierzulande die PS-Konzerne werden – too big to fail. Sollten sie in existenzielle Schwierigkeiten geraten, dürfte ihnen der Staat zu Hilfe eilen, wie bereits das Gezerre um Opel 2009 angedeutet hat.“

Wie Chomsky schrieb, was der Panamakrieg lehrte: Amerikanismus ist eine Demokratie, die von einer wirtschaftlichen Oligarchie auf Kosten der Bevölkerungsmehrheit fürstlich durchgefüttert wird – und das gerne weltweit, auch in den letzten Flecken der Erde. Schauen Sie sich mal die Liste der Dienstwagen der Ministerien an (siehe Deutsche Umwelthilfe): der dreckigste Diesel Deutschland (siehe Duh) befördert die meisten Minister, in der Aufstellung der dreckigsten Diesel wird er noch nicht mal erwähnt (siehe Duh), toppt der doch den Spitzenreiter fast um das Dreifache.

Und: lassen die Minister ihre Autos jetzt stehen? Wahrscheinlich sind sie damit stolz zum Dieselgipfel gebraust – und brausen auch weiterhin damit herum.

Ach ja: Rassismus. für den brauchen wir auch ein neues Wort.

Der alte wurde wie folgt beschrieben:

„Die Art (gedeutet als durch Geburt erworbene und vom „Blut“ erhaltene Rasse) ist für den Wert des Menschen ausschlaggebend. „Hohe Art“ (Rasse) wird durch niedrige Art (Rasse) herabgezogen (verunreinigt, gemindert), was für die „höchste Art“ (Rasse) immer nur abträglich sein kann“ (siehe: Friedrich Wilhelm Haack, Europas neue Religionen, Sekten, Gurus, Satanskult, Bertelsmann 1991, Seite 108)

Ersetzen Sie Blut, Art, Rasse durch …. Kontostand (ja, das wird nicht einfach zu formulieren, aber: Sie schaffen das). Und nennen Sie diese Form von Rassismus Amerikanismus – dann können Sie sich selbst ausrechnen, wie die Zukunft ihrer Kinder aussieht und warum die Gegenwart immer unerträglicher wird – trotz Demokratie. Geplant seit 200 Jahren, organisiert von 200 Familien (siehe Berliner Zeitung):

„Die USA wird von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben“, sagt der Vorstands-Chef der Atlantik-Brücke, Arndt Oetker. Um Probleme effizient zu lösen, ist es eben hilfreicher, wenn sich die Entscheidungsträger persönlich kennen.“

Und wir Bürger selbst? Nun – beweisen eins ums andere Mal, dass wir ganz feine Menschen sind (siehe Herzsfelder Zeitung):

„Nach drei Tagen mit 11 000 zahlenden Besuchern plus deren Kindern, die freien Eintritt haben, sagt Polizeioberkommissar Oliver Vogt, der seit Dienstag die Einsatzleitung beim Burg Herzberg Festival hatte, am Samstagabend: „Wir hatten bisher nicht eine einzige Strafanzeige, keine Diebstähle, Schlägereien oder Hinweise auf Belästigungen“

Und auch die Polizei zeigt ihr Gesicht als … Freund und Helfer.

„Dieses Lob an die Besucher, die vom Schlamm-Fest bis zum Tanz im Sonnenschein alle Festival-Wetter im Zeitraffer erleben durften, bekam die Polizei aber auch zahlreich von den Hippies zurück. Überall ein Dankeschön fürs Mit-Anpacken, wenn mal ein Wagen im Schlamm steckenblieb (was hundertfach vorkam)“

Eine kurze Notiz zum größten Hippiefestival in Deutschland. In Wacken – wo heftig gehardrockt wird – soll es ähnlich gewesen sein, hörte ich.

Das sind wir, wenn wir außerhalb des Amerikanismus leben.

Während unsere reiche Regierung die Ausweitung des Amerikanismus plant – wie jüngst beim G 20 Gipfel (siehe Spiegel):

„Erklärtes Ziel demnach: „Die Rahmenbedingungen für nationale und internationale Investoren sollen verbessert und der Zugang zu Krediten (……) erleichtert werden.“ Die afrikanischen Partner sollen im Gegenzug erneuerbare Energien fördern und den Finanzsektor reformieren.“

Noch Fragen?

 

 

 

 

 

Die böse Welt – der gute Mensch

Digital StillCamera

Freitag, 11.12.2015. Eifel. Wir werden heute mal über etwas anderes sprechen müssen, fort von den ständig übler werdenden Niederträchtigkeiten der Menschenwelt, fort von ihrem andauernden Vernichtungsfeldzug gegen die natürliche Welt, fort von der drohenden Vernichtung allen menschlichen Lebens auf diesem Planeten durch atomare Kriege, völligen Kollaps der lebenserhaltenden Natursysteme oder dem totalen Zusammenbruch des Welthandels und der Nahrungsmittelversorgung durch absolut unverantwortliche Spielereien mit Tauschmitteln, die diesen friedlichen Handel fördern und nicht ausbeuten sollen. Stattdessen werden wir uns einmal radikalen Perspektiven zuwenden, die für unser geistiges und seelisches Wohlbefinden einige Bedeutung haben.

Ich meine jetzt nicht die akademischen Spielereien mit willkürlichen Wertungen. Die sind intellektuell ganz spaßig, aber real völlig bedeutungslos, weil sie keine Bezugsrahmen haben. Ein Beispiel kennt jeder von Ihnen: das Glas ist halb voll – oder halb leer, je nach dem Auge des Betrachters. Der Spruch wirkt so gut, weil er twittertauglich ist, schnell über die Lippen kommt und die Verantwortung für den Zustand der gesammten Welt in das betrachtende Subjekt, das Individuum verlagert. Gehen wir über Twitterdimensionen hinaus, wird es schnell unruhig im Glas. Nehmen wir an, sie sind durstig, bräuchten ein Glas Wasser, um zu überleben – da bringt Ihnen das halbe Glas den sicheren Tod. Wasser trinken ist für uns absolut lebensnotwendig, noch schneller als bei Nahrungsmangel hören wir auf zu funktionieren: das volle Glas ist also absolutes Sicherheitsminimum, mit leeren Gläsern – und seien sie auch nur halb leer – können wir in Wirklichkeit nicht viel anfangen, ihr Nutzen ist generell mangelhaft. Wir haben – wollen wir weiterhin in der Welt die Kunst des Denkens üben – gar keine Freiheit, über den Gebrauch von Wasser zu entscheiden, ein halb leeres Glas ist IMMER ein Warnsignal für den ganzen Körper. Der Verstand weiß genau: ist auch der letzte Rest Wasser aus dem Glas – das schon jetzt beängstigend leer ist – wird es schnell unlustig … und lebensgefährlich, deshalb ist ihm ein volles Glas lieber.

Ja, wir werten hier auch – aber haben auch einen Bezugsrahmen: einen Körper, der hauptsächlich aus Wasser besteht und beständige Wasserzufuhr braucht. Das volle Glas ist gut, das leere Glas böse, das halbleere Glas befindet sich auf dem Weg zum Tode – sofern es nicht bald wieder jemand füllt.

Bitte bedenken Sie: Sprüche wie diese sollen uns in Ruhe wiegen und vor allem dazu erziehen, mit allem zufrieden zu sein, was man uns noch übrig läßt, ohne direkt danach zu fragen: „Hey, welcher Sack hat aus meinem Glas getrunken!?!“

Nehmen wir einen anderen Rahmen: die „Welt“.

Unsere modernste Weltdeutung ist: sie ist chaotisch und zufällig aus dem Urschlamm entstanden, kann aufgrund dieser wirren Grundbedingungen jederzeit völlig unberechenbar aus den Fugen geraten.

Merken Sie, dass was nicht stimmt?

Ersteres wird Ihnen jeder Naturwissenschaftler bestätigen. Doch die Konsequenz daraus … hören Sie so gut wie nie. Wir sind hier mitten in der religiöse Weltdeutung – obwohl wir noch gar nicht den Bereich der Religion berührt haben, wir sind mitten im „Glauben“ angelangt – der, wie wir wissen, nicht viel wissenschaftliches an sich hat. Diese chaotische und zufällig entstandene Welt kennen wir seit Jahrtausenden – in allen Religionen, auch in unserer christlich-jüdischen Weltdeutung. „Gottes Geist schwebte über den Wassern“ – so fängt unsere Welt an. Die Wasser – sind finster, wild, chaotisch, mit dem Leben nicht zu vereinbaren. Sie erinnern an Tiamat, die babylonische Salzwassergöttin und ihren schrecklichen Sohn Quingu, die mit ihrer Armee aus Dämonen die Menschheit vernichten wollte. Die Schöpfungsgeschichten der Menschheit ähneln sich da sehr – es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sie man voneinander abgeschrieben hat. Die Bibel enthält viel, was in anderen Kulturkreisen Vorläufer hatte – zum Beispiel die Sintflutsage oder die zehn Gebote, die für unsere Rechtsprechung so wichtig sind und das chaotische Faustrecht abgelöst haben.

Die Wasser sind auch dämonisch, sie sind nicht wertneutral. Der Leviathan – ein finsterstes, riesiges Meeresungeheuer, das Luther (bewusst?) falsch als „Wal“ übersetzte – ist ein Überbleibsel jener Mächte, die Gott „bei der Schöpfung überging“, Mächte, die heutzutage jederzeit an den Grenzen der Schöpfung lauern und zum chaotischen, leeren Nichts zurückkehren wollen, einer lebenfeindlichen Existenz jenseits unserer Vorstellungskraft, atomare Wüsten kämen ihren Vorstellungen eines gelungenen Urlaubs schon etwas nahe (oder unsere „Agrarsteppen“) – doch wären selbst sie noch viel zu voll und geordnet.

Es ist eine faszinierende Perspektive, die unsere Naturwissenschaft dort auftut: obwohl sie sich antireligiös geben, mit vielen Geschenken kommen (früher mit Glasperlen, heute mit Kraftfahrzeugen, Zentralheizungen, Flachbildschirmen, Laptops und Smartphones), erfüllen sie aus dem Blickwinkel eines babylonischen Bürgers doch die Funktion von Priestern der gräßlichen Tiamat mit ihrer Armee von Ungeheuern, die die Welt vernichten wollen. Ist sicher nur ein Zufall, dass die Ungeheuer der „Wissenschaft“ ebenfalls gerade die Welt vernichten … bzw. WIR die Welt vernichten, weil die „Glasperlen“, mit denen man uns verführte, außerordentlich giftige Nebenwirkungen haben.

Andererseits … vermitteln sie jedoch jetzt den Eindruck, die Welt sei ein stabiler, für die Ewigkeit geschaffener Ort, ein Ort, perfekt dafür geschaffen, das für sich einzigartige und fehlerfrei auf den eigenen Leib zugeschnittene individuelle Shampoo käuflich zu erwerben (als ob Haare waschen der Gipfel des Lebenssinns wäre) – oder irre ich da? Also – ich habe die letzten Monate ein paar mal Werbung sehen können … jenen Ort, wo „Wissenschaft“ ihre Produkte an den Mann und die Frau bringt: die Welt die ich dort sehe ist durch und durch gut, ohne Mangel, ohne Leid, ohne Not, ohne Tod und Krankheit – nur strahlende Menschen in wunderschöner Natur, fernab aller Trübnisse – zu ihrem vollendeten Glück fehlt nur noch die Krönung: der richtige Joghurt, der passende Lippenstift und der politisch korrekte Blockbusterfilm, den „alle gucken müssen“.

Es gab eine Zeit, da habe ich diese Welt geglaubt. Ich war jung, gesund, erfolgreich, gern bereit zu glauben, dass die Welt ein wunderschöner Ort sei, nur für mein Wohlfühlen geschaffen – kein Wunder, wohne ja auch in der „Ersten Welt“ – dem Riesenpalast der Moderne. Dann begegnete ich im Rahmen der psychologischen Ausbildung in der Pharmaindustrie (nach langen Jahren im akademischen Elfenbeinturm, in dem es bei bester Versorgung kein echtes Leid gab) einem Mann, dessen Körper verkrüppelt war und der uns einige Grundlagen über Psychologie vermittelte. Er kam nebenbei auf diese Illusion einer „guten“ Welt zu sprechen, auf jene Religion der Fantasterei und Einbildung, die uns beständig einreden will, dass alles wunderbar ist … und es „Deutschland gut gehe“ (eine krasse Lüge angesichts der realen Wirtschaftsdaten – dazu ein andermal mehr) und wir nur noch eins zu tun haben: den richtigen Ort für unser Lieblingsurlaubsbild an der idealen Wand unseres überteuerten heimischen Konsumtempels zu finden. Wie kann eine Welt gut sein, so fragte er uns, in der kleine Kinder wie er von Kinderlähmung verkrüppelt werden, noch bevor sie die Chance hatten, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen?

Es ist eine alte Frage der Menschheit – allerdings keine ganz alte. Für die ältesten Kulturen war klar: die Welt ist ein finsterer, bösartiger, gemeiner Ort, der eine ganze Büchse der Pandora enthielt, aus der sich alle Übel der Welt ergossen: Tod, Krankheit und ARBEIT (darüber … werden wir noch gesondert reden müssen, wir können aber schon jetzt sagen, dass eine Kultur, in der Arbeit zum Inbegriff alles Guten und zur ersten Bürgerpflicht wurde, eine Kultur des Bösen ist – jedenfalls für die überwiegende Mehrheit der jemals lebenden Menschen, die diese Arbeit zur Belustigung und Bereicherung einiger weniger Banker und Politiker leisten mussten). Das Böse – kam von außen in die Welt, die vorher ein paradiesischer Ort war. Auch Buddhismus und Hinduismus kennen diese Sichtweise, ebenso die archaischeren Glaubensformen eher schamanistischer Ausprägungen. Erst die christlichen Theologen bekamen damit ein Problem – allerding lediglich ein Problem der theologischen Systematik: wie kann das Böse in einer Welt existieren, die von einem guten, gerechten, liebevollen Gott geschaffen und regiert wurde? Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig – und laufen auf diese Geschichte mit dem leeren oder vollen Glas heraus, die der Hinduismus mit der Antwort gerecht zu werden versucht, dass das Glas generell eine finstere Illusion ist, während der Buddhismus das Glas (bzw. den damit verbundenen Durst) als Schrecken gebietendes Hindernis auf dem Weg ins Nirvana betrachtet.

Wir aber: bleiben erstmal im Hier und Jetzt – und bei dem kleinen Menschen mit der Kinderlähmung, dessen Leid begann, noch bevor sein Bewusstsein reif genug war, jene Dummheiten zu begehen, die ihn an der Erlösung hinderten, wir bleiben bei jenen Menschen, die (nach Sartre) in die Welt geworfen wurden und sich darin zurecht finden müssen, fernab des Luxus einer theologischen Ausbildung und ihrer akademischen Feinheiten (über die tausend Bücher zu schreiben wären). Jenem Menschen zu sagen, die Welt sei gut, nur er habe etwas falsch gemacht, ist ebenfalls eine moderne Interpretation, die 18000 Kindern, die täglich an Hunger sterben (ein äußerst qualvoller Tod, wie jeder weiß, der schon mal wirklichen Hunger erlitten hat)(siehe Zeit) auch noch die volle Verantwortung für ihr Leid übertragen: sie haben wahrscheinlich falsch visioniert, falsch gefühlt, falsche Affirmationen gebildet, falsche Gebete falsch gesprochen, haben ein mangelndes Selbstwertgefühl gepflegt, haben es sich in der Opferrolle bequem gemacht oder haben einfach falsch gedacht: in Wirklicheit war ihr Glas ja halb voll. Nur aufgrund ihrer existentiellen Minderwertigkeit sind sie jetzt … tot.

Es ist eine große, weltweite (politische, philosophische, religiöse und wirtschaftliche) Bewegung, Kern des „Amerikanismus“ (den wir als solchen nicht kennen, aber „Antiamerikanismus“ kennen wir sehr gut): die Welt ist gut und perfekt, und wer nicht faul ist (oder sonstwie minderwertig wie das hungernde Kind) und fleißig arbeitet kommt ins Paradies der Konsumgötter, kann sich seinen irdenen Käfig mit edelsten Materialien schmücken … anstatt ihm zu entfliehen. Diese Kultur, dessen Leitspruch „The winner takes all“ aus Milliarden Menschen automatisch Verlierer macht – egal, wie fleißig sie für den zweiten, dritten und vierten Platz gearbeitet haben … oder für den letzten – legt alle Verantwortung für den Zustand der Welt bequemerweise in das Individuum, in … das Opfer, „Opfer sein“ wird als bewusst freiwillig gewählte Qualität minderwertigen Menschenmaterials (das falsch fühlt, falsch glaubt, falsch denkt – siehe oben) definiert.

Ich jedoch … denke an das kleine Kind mit der Kinderlähmung. Sicher: dieses Kind hatte es weit gebracht, konnte jedes Wochenende nach London fliegen um dort Saxophon zu spielen – doch lieber wäre es gesund gewesen, anstatt täglich aufs Neue mit den Qualen seiner Behinderung leben zu müssen.

Nun – Wertungen sind immer problematisch, darüber kann man mit Buddhisten und Hinduisten lange diskutieren – auch sie haben ihre Kasten, die ihre Privilegien durch unausgegorene Philosophien schützen müssen, weshalb sie leicht sagen können: „In Wirklichkeit gibt es nichts schlechtes“ (siehe Deutschlandradio):

Das Böse in der Welt ist Menschenwerk. Darin besteht Einigkeit zwischen einem Muslim, einem Hindu und einer Buddhistin. Sowohl Allah als auch „Brahman“, so nennen die Hindus das Göttliche, und auch der universelle Geist, von dem die Buddhisten sprechen, werden frei von aller Bosheit vorgestellt. Woher kommt dann aber der menschliche Hang zum Bösen?

Nun – für jene, für die das Böse kein Menschenwerk ist, ist das gar keine Frage – für die Katharer zum Beispiel, für die die Welt ein böser, misratener Ort war, regiert von einem finsteren Gott, der jene wilden Wasser befehligte über der der Geist des wahren Gottes schwebte und danach trachtete, den Menschen soviel Erleichterung wie möglich zu schaffen. Die Kirche rottet die Katharer aus (die Gründe sind vielfältig, einer ist rein logischer Natur: sie hatten einen zweiten, weniger mächtigen düsteren Gott neben dem Allmächtigen geschaffen) und damit jene, die einen wunden Punkt in der christliche Lehre herausgearbeitet hatten: auch Christus lebte in einer bösen Welt, in der finstere Dämonen Menschen krank machten und ein wild gewordener Satan alle Menschenreiche befehligte (doch: gehen Sie mal nicht in die Kirche und lesen Sie die Evangelien selbst – am besten in verschiedenen Übersetzungen – sie werden sich wundern, in welcher Welt sich der Sohn Gottes … mit großer Macht … bewegte).

Das Böse in der Welt ins Menschenwerk – ohne Weiteres. Das Gute – aber auch. Für den Reichen in seinem Palast ist es außerordentlich nützlich zu sagen: ihr könntet alle einen Palast haben, wenn ihr nur nicht so falsch und minderwertig währet. Der Arme arbeitet fortan nicht nur weniger murrend weiter für den Reichtum des Palastes, er arbeitet auch fleissig an sich selbst, womit er völlig aus dem Handeln kommt und nur noch um sich selbst kreist: noch so viel Denken beschert keine einzige Gurke zusätzlich. Doch schaut man den Armen an, so sehen wir erstaunliches: er ist wahrlich in der Lage, das Leid eines verletzten Tieres zu erkennen, es bei sich aufzunehmen, zu hegen und zu pflegen und nach der Genesung in die Freiheit zu entlassen. Selbst bei jenen Wesen, die ihn jagen und fressen könnten, kann er Mitleid und Mitgefühl walten lassen … ähnliches gibt es aber auch für Tiere (da gibt es Berichte von Wölfen, Affen und Delphinen, die sich um Menschen in Not kümmerten). Er ist in der Lage, sich „die Welt untertan zu machen“ und aktiv gegen das Leid, dass sie enthält, vorzugehen. Sicher – er kann von den bösen Mächten der Welt verführt werden (wollte man sogar mit dem Sohn Gottes selbst machen)… aber sich auch gegen die böse Welt stellen, weil in ihm auch Bilder einer besseren Welt existieren.

Was wäre das für ein Leben, in der wir die Welt als „böse“ definieren (ja: frecherweise machen wir absichtlich von unsere Soueränität in der Weltdeutung Gebrauch, einem Recht, das uns von Geburt an zusteht – wir brauchen hier keine Schützenhilfe von Theologen, Akademikern oder Priestern, noch brauchen wir irgendeine Legitimierung … könnten aber leicht auf Erfahrungen unserer Vorfahren verweisen, die erlebt  haben, wie „gut“ die Welt war, als das ewige Eis Europa verschlang-  was es in Zukunft wieder tun wird). Ja – sie mag chaotisch, sinnlos und widerwärtig sein, wie die Naturwissenschaft predigt: aber wir haben die Freiheit, die Kraft und die Macht, die unserem Geist entspringt, jenem außerweltlichem Guten, das einen Funken des wahren Gottes in uns darstellt, der … „über den Wassern“ schwebte, die heute die Bretter sind, die die Welt bedeuten.

Das Böse – dass sind Kälte, Hunger, Durst, feindliche Bakterien (Leben, das unser Körper jeden Tag ohne uns zu fragen mit tödlicher Gewalt bekämpft, um der Vernichtung zu entgehen), Viren (die nach unsere Definiton kein Leben sind und eher wie biologische Kampfstoffe des Altertums wirken) und Menschen, die (an sich nicht böse, sondern geistig und sozial schwach und deshalb leicht verführbar) dem finsteren Herrscher der Welt ehrfurchtsvoll als Priester und Handlanger dienen. Wären wir in unserer eingeschränkten Wohlstandsblasenrealität nicht so unendlich weit vom natürlichen Leben entfernt, würden wir auch noch wissen, dass Raubtiere ebenso furchtbar werden können (erst recht, wenn sie sich die wehrlosen Kinder als Beute erwählen) wie Pflanzenfresser, die – wenn es zu viele werden – ganze Landstriche in totes Ödland verwandeln können. Gilt auch für süße Kaninchen.

Was wäre das für ein Weltbild, dass aus dem Menschen ein ursprünglich gutes, edles, gerechtes und außerordentlich soziales Wesen macht, geschaffen, den feindlichen Mächten der Welt zu trotzen, ausgestattet mit unveräußerlichen Rechten, die der Große Geist ihm verliehen hat und die ihm kein Wesen dieser Welt gerechterweise nehmen kann. Sie wären alle Helden, die ein kräftiges Selbstbewusstsein entwickeln könnten – auch Brillenträger, die sich sonst endlos quälen müssen, wieso sie die Verantwortung für ihre schlechten Augen haben. Sozial – ist der Mensch auf jeden Fall. Wird oft vergessen – aber unsere eigentlichen Stärken sind nicht die kräftigen Klauen, die übermächtigen Beine, das stachelige Fell, die mächtigen Hörner oder das kräftige Gebiss, sondern die wunderbare Fähigkeit, sich mit anderen Menschen (und Tieren) verbünden zu können, um gemeinsam mit Ihnen aktiv und kraftvoll lebenswerten Raum in der wilden, wirren, bösen Welt zu erschaffen.

Entscheiden Sie also selbst, wie Sie sich sehen wollen: als missratenes Unwesen in einer perfekt von der Wissenschaft gestalteten Welt … oder als Pionier in einer lebensfeindlichen Umwelt, in der jede Abweichung des Körpers oder des Charakters nur eine Wirkung der bösartigen Welt ist. Überlegen Sie doch einfach, welches Weltbild ihr eigenes Wohlbefinden mehr fördert und der planetaren Lebensgemeinschaft (zu der auch Pflanzen gehören) den größten Nutzen bringt, welches Weltbild sie eher zur aktiven Umgestaltung ihrer (feindlichen) Umwelt bringt – und welches eher dem Frieden der Paläste dient. Diese Entscheidung … dürfen Sie selbst frei treffen – und sie wird Ihr gesamtes Wohlbefinden beeinflussen, ihre Handlungsmacht … und ihre politische Einstellung.

Darum stehen diese Worte in der Rubrik „Politik“ … denn diese erste Entscheidung bedingt alle folgenden.

Man muss aber erstmal an den Anfang der Entscheidungskette zurückgehen, was ich heute für Sie – so kurz wie nur irgend möglich – getan habe. Ob Sie mir folgen wollen – ist ihre freie Wahl. Wenn Sie sich als voll verantwortliches minderwertiges Wesen in einer an sich völlig verantwortungslosen perfekten Welt wohl fühlen, ist das Ihre Sache. Ich kann Ihnen nur sagen: in Wahrheit sind Sie für die meisten Erscheinungen der Welt in ihrem Leben nicht verantwortlich, dafür haben Sie viel zu wenig Macht – und jeder Gedanke, was sie bloß nur wieder falsch gemacht haben, weil ihre Firma ihren Arbeitsplatz wegrationalisiert hat oder Banker die gesamte Zivilgesellschaft betrügen und mit Hilfe der Politik ausplündern oder weil ihr Rücken schmerzt, es gerade heute regnet oder gerade Sie nie im Lotto gewinnen oder ihre Tochter gestern an Leukämie gestorben ist, ist vergeudete Lebenszeit.

Ich persönlich habe meine Entscheidung getroffen und kann sagen: ich fühle mich außerordentlich wohl damit, habe daraus eine wissenschaftlich attestierte „extrem soziale Einstellung“ entwickelt und kreise lieber um die Täter als um mich. Das ich arm, krank, einsam und sterblich bin (dem Fluch der fremdbestimmten Arbeit bin ich krankheitsbedingt ein wenig entkommen – dafür nimmt das Kreisen um die Täter, die Diener des Bösen, sehr viel Raum in meinem Leben ein, was auch Arbeit ist), ficht mich nicht weiter an noch kratzt es an meinem Selbstwertgefühl.

Ich selbst – bin schon völlig in Ordnung, wie die meisten (99 Prozent, um genau zu sein) meiner Mitmenschen auch, die nicht mehr wollen, als den Übeln der Welt zu entfliehen. Und gäbe es dieses „draußen“ nicht – ich wäre überglücklich, könnte meinen Seelenfrieden bis ans Ende meiner Tage genießen.

Doch da draußen … da stimmt was gewaltig nicht.

Und das ist auf keinen Fall Ihre Schuld – wäre jedenfalls meine Meinung.

Es ist die Welt als solche, an der es hakt. Aber gewaltig.

Die Religion der Asozialen: tödliches Zombieland Deutschland

Die Religion der Asozialen: tödliches Zombieland Deutschland

Mittwoch, 7.5.2014. Eifel. Kennen Sie André Heinz M.? Geboren am 8.10.1964? Wahrscheinlich nicht. Sie werden ihn auch nicht kennenlernen. Er war gelernter Schiffsmechaniker, starb am 20.2.2014. Eine Facebookintiiative hat dafür gesorgt, dass er ein Grabkreuz bekommt, die Stadt hätte ihn sonst – nach der Einäscherung – im Reihengrab verscharrt. Es gibt unter der oben verlinkten Adresse auch ein Videointerview, wer will, kann sich André näher anschauen. Er war Zeuge eines Brandanschlages auf Obdachlose, der die Öffentlichkeit in Deutschland nicht groß interessiert hat (obwohl sogar die „Bild“ in „feige“ nennt), wir interessieren uns eher dafür, dass die „Geißens“ beliebter sind als die „Simpsons“ – das ist unsere Welt. Eine tote Welt bunter Lügenbilder, die wir täglich bewusst konsumieren … und die uns täglich ein bischen mehr „untot“ werden läßt.

Untot – heißt: nicht mehr ganz lebendig, nicht mehr menschlich … aber noch nicht ganz tot.

Wissen Sie, was André´s größter Wunsch war?

Eine Toilette. Ja – er war obdachlos. Seine Lebensgeschichte werden wir nie erfahren – was ich sehr schade finde. Solche Menschen haben in der Regel eine viel spannendere Geschichte zu erzählen als die Käfigmenschen, die in vorgefertigten Jobs ihr Leben verbrennen. Ja – am Ende des Lebens wird man das merken: was einen interessant gemacht hat, was einem einen unverwechselbaren Charakter gegeben hat, waren nicht die Zeiten, wo man der vorgegebenen Norm von Arbeitgebern und Werbeindustrie entsprochen hat, sondern Zeiten, wo man dem Wind trotzt und erfolgreich gegen den Strom schwamm.

Bäume sind da ähnlich. Schön finden wir jene, die allein, gut gewachsen auf freiem Feld stehen. Jene, die kerzengerade in Reih´ und Glied zum Zwecke des Holzerwerbs düster die Wälder verunstalten, gelangen seltener auf Hochglanzposter.

Die Käfigmenschen haben Toiletten. Sie haben alles, was eine Legehenne auch braucht, jede Sekunde ihres Tages ist strukturiert und durchgeplant – und je mehr man sich dem unterwirft, umso höher steigt man in der Hierarchie. Ich habe da mal ein Beispiel herausgesucht, gefunden bei der Initiative Wirtschaftsdemokratie:

Meine Arbeitswoche begann montags um vier Uhr in der Früh. Da klingelte der Wecker, und die Reise zum Kunden begann. Jeden Tag um 18 Uhr war es Zeit für den sogenannten Battle Call: eine mehr oder weniger kurze Sitzung, in der das Projektteam besprach, welche Aufgaben noch am selben Tag zu bewältigen seien. Feierabend selten vor 23 Uhr. Leistung ist in diesem System die einzige Religion. Wer das Risiko scheut, überlebt am besten. Die Leute sind ängstlich und brutal ehrgeizig, Statussymbole sind ihnen wichtig. Und man muss technokratisch veranlagt sein, sonst langweilen einen die Analysen und scheinrationalen Prognosen…“

Ich kenne solche Arbeitstage aus eigener Anschauung. Ich weiß auch, was man damit verdienen kann … und welchen Preis man dafür bezahlt: das Denken stirbt. Das Leben reduziert sich schnell auf bloße Reaktion auf Außenreize. Man wird wieder zu einem Tier im Dschungel – aus reiner Müdigkeit. Jahre wertvollen, unwiederbringlichen Lebens verstreichen so völlig nutzlos.

Völlig nutzlos?

Denken Sie mal drüber nach: wer hat schon jemals auf seinem Sterbebett geäußert, dass es sein größter Fehler war, damals nicht länger im Büro geblieben zu sein, noch einen Kunden zusätzlich besucht oder noch schnell nach Feierabend ein paar Paletten umsortiert zu haben – Gedanken, die in einem Film zur Senkung der Arbeitsmoral zur Sprache kommen.

Ein Film von Marc Bauer aus dem Jahre 2013 über die Masters of the Universe zeigt die Gegenwelt, die Spitze unserer menschlichen Existenz (siehe Spielboden.at):

Er war einer der führenden Investmentbanker in Deutschland. Er machte Gewinne in Millionenhöhe. Jetzt sitzt er in einer verlassenen Bank mitten in Frankfurt und redet zum ersten Mal. Eine beängstigende Innenperspektive aus einer größenwahnsinnigen, quasi-religiösen Parallelwelt hinter verspiegelten Fassaden.

Als Investmentbanker verschob er Milliardenbeträge per Mausklick und verdiente weit über eine Million Euro im Jahr.

Wer in die Turm-Welt aufgenommen wird, zahlt einen hohen Preis. Das Anforderungsprofil, das Voss beschreibt, klingt, als gebe man seine Persönlichkeit in der Lobby ab: „Angenommen, Sie wollen da rein. Wie muss ich sein? Was erwartet mich da? Auf jeden Fall ohne Murren Schulterklappen sammeln. Die Schulterklappen sammelt man durch One-Nighter oder Two-Nighter. One-Nighter ist, wenn Sie eine Nacht im Büro schlafen, Two-Nighter sind zwei Nächte, das heißt: Durcharbeiten.“

Voss steht in einem ausrangierten Bankenturm und erzählt, wie das Belohnungssystem funktioniert. Wer genug Nächte durchgearbeitet habe, werde mit größeren Aufgaben belohnt, „aber nur, wenn Sie nicht den kleinsten Anschein des Zweifels erwecken, dass es vielleicht Sachen gibt, die man anders machen könnte“. Politische Äußerungen? „Bloß nicht! Sie müssen bereit sein, Ihr Leben aufzugeben.“

Sollte man sich zweimal durchlesen, damit es verstanden wird und sitzt: am anderen Ende des Beschäftigunsspektrums (welches vom Arbeitslosen bis zum Millionär reicht) wartet … die Aufgabe des Lebens für ein quasireligiöses System.

Quasireligiös?

In Form des Amerikanismus ist es eine Religion, eine zutiefst Asoziale sogar, die mehr und mehr unser ganzes Leben bestimmt – und die zu negieren umgehend als „Antiamerikanismus“ gebrandmarkt wird. „Amerikanismus“ durchdringt unsere Kultur durch und durch, überschreibt alte Werte in unglaublicher Geschwindigkeit, hunderte von „Ratgebern“ und „Psychogurus“ predigen sie, Unternehmensberater tragen sie in Firmen, Behörden und Universitäten hinein, sie wird – je nach Kundenkreis – als Mangementphilosophie, Motivationstraining oder Esoterik verkauft, ihr Sinn, ihre Funktion ist aber immer dieselbe:

Nach der Kollision mit dem Eisberg geht der Kapitän der Titanic zur dritten Klasse und sagt ihr: „Ab sofort seit ihr jetzt mal für euch selbst verantwortlich. Hört auf über euren Zustand zu klagen, es war eure Art zu denken, zu fühlen, zu leben, die euch in diese Situation gebracht hat. Hört auf zu jammern und zu klagen und dauernd andere für euer Schicksal verantwortlich zu machen! Seid nett zu euren Mitmenschen, packt eure Probleme selber an dann wird der Erfolg nicht auf sich warten lassen!“ – sprachs, schloß die eisernen Türen ab und begab sich auf das Rettungsboot. Nein – der Kapitän der echten Titanic ging natürlich mit seinem Schiff unter – Türen zur dritten Klasse wurden aber trotzdem verschlossen: Asozialität ist Urgrund des Amerikanismus.

Aus „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ ist „Kümmere Dich um Deinen eigenen Scheiß!“ geworden.

Ich denke auch nicht, dass der Vergleich mit der Titanic hinkt. „Selbstverantwortung“ ist erst dann ein Wert geworden, als das Schiff zu sinken begann und die Ressourcen zu schwinden begannen, zuvor war noch klar, dass der Mensch ein soziales Wesen ist – was auch seine Stärke gegenüber einer feindlichen Umwelt ausmachte. Wir fänden es auch ziemlich blöde, wenn sich jeder der Passagiere der Titanic mit einem selbstgefertigtem Schilfboot auf die Reise in die USA machen würde … obwohl die Religion des Amerikanismus genau das von uns verlangen würde. Allerdings … ist diese Religion ja auch  nicht wirklich ernst gemeint, sie wurde wirklich nur gezielt für die dritte Klasse entworfen, um sich in Notzeiten lästigen sozialen Verpflichtungen entledigen zu können.

Es ist eine Religion der Asozialen, die praktisch das genaue Gegenteil der christlichen Religion darstellt. Sie macht aus Arbeit einen Fetisch, einen Selbstzweck, der keinerlei eigenen Sinn mehr macht. Und was nennt man nicht alles Arbeit!

Jeder zweite Deutsche arbeitet heute an Bildschirmarbeitsplätzen im Büro (siehe Büro-Forum) – eine Form von „Arbeit“, die man früher als Urlaub angesehen hätte: man hat es warm und trocken, ist von Wind und Wetter geschützt und kann während der Arbeit sogar Nahrung zu sich nehmen, Radio hören, Kaffee trinken. Im rauheren Handwerk arbeiten nur noch 5 Millionen Menschen (siehe AOK), ebenso in der verarbeitenden Industrie (siehe Destasis). Weitere fünf Millionen (mit Steigerungsraten von bis zu 20 %  in den letzten Jahren – siehe bpd und ständig neuen Rekorden an Beschäftigten -siehe destasis) arbeiten in Gesundheitswesen. Handwerk und Industrie stellen unverzichtbare Arbeiten dar – aber brauchen wirklich ein Handwerker und ein Industriearbeiter einen eigenen Gesundheitsarbeiter – und drei Leute, die sie verwalten?

Seien Sie ehrlich: wann haben Sie persönlich im Alltag schon mal dringend eine Bürokraft gebraucht? Produkte aus der Industrie sind inzwischen unverzichtbar, Handwerker bracht jeder mal … aber wann haben Sie schon mal händeringend die Gelben Seiten nach einem Büroservice durchsucht?

Gedanken wie diese – die zu einem 3-Stunden-Arbeitstag bei vollem Lohnausgleich führen könnten, der jede Form von Hartz IV überflüssig machen würde und uns echtes Leben … wie es 10000 Jahre lang üblich war – zurückgeben könnte, werden nicht gemacht. Stattdessen macht man sich andere Gedanken, siehe Manager Magazin:

Die Deutschen sind reich wie lange nicht, ergibt ein aktueller Bericht der Bundesbank. Nur – davon haben sie nichts. Denn es fehlt ihnen an Vertrauen.

Welches Vertrauen?

Das in die Finanzmärkte.

Das ist die Lebensrealität der „Two-Nighter“, die sich in einem virtuellen Paralelluniversum befinden und so „beschäftigt“ werden, dass sie kaum jemals merken, was sie da eigentlich tun. Dafür werden sie – nicht per „Leistung“ sondern per Entscheidung der Geschäftsleitung (und der Politik) – mit Tauschmitteln so überversorgt, dass der Konsum jeden kreativen Gedanken im Keim erstickt: auch das Geld will – einmal verdient – beschäftigt werden.

Ich denke zu solchen Gelegenheiten immer mal wieder gerne an André Heinz M., für den die täglichen Toilettengänge schon eine enorme Herausforderung darstellen: „André – was Du brauchst, ist einfach mehr Vertrauen in die Finanzmärkte … mehr nicht!„.

In solchen Situationen merkt man die Absurdität der Situation, merkt, wie irrational das religiöse Glaubenssystem der Moderne geworden ist. Jeder – wirklich jeder – kann wissen, dass das Schiff sinkt. Sogar die konservative „Welt“ bringt derzeit einen Artikel, der aufzeigt, dass unsere Wirtschaftssysem ein „Sozialismus für Reiche“ ist, der automatisch zu hohen Gewinnen für hohe Vermögen führt … bezahlt durch Menschen wie André Heinz M, der am Ende gar nichts mehr hat und unter einer Brücke lebt, während die „Sieger“ des Systems „ihr Leben aufgeben“.

Wer gewinnt wirklich?

Keiner. Wenigstens kein Mensch.

Ein solches System, in dem alle verlieren, wäre eigentlich unvorstellbar …. würden nicht alle der Irrationalität einiger weniger „Entscheider“ und ihrer Agenten in Werbung und Beratung folgen. So etwas kann sich nur als Religion durchsetzen … und letztlich nur dann „erfolgreich“ sein, wenn sich der Großteil der Bevölkerung in Untote verwandelt …. in Leute, die zwar noch irgendwie leben, aber eben … wie der oben zitierte Manager … „ihr Leben abgeben“.

Den Armen hingegen wird das Leben dann ganz automatisch genommen – was auch eine Logik des Systems ist, denn „falsch sein“ muss bestraft werden. Wir nehmen es deshalb hin, dass Arme 11 Jahre früher steben (siehe Zeit), mit solchen Eckdaten treiben wir die Zombies zu noch mehr Leistung … die oft nur darin besteht, Papier von links nach rechts zu räumen, möglichst 20 Stunden täglich.

„Arbeit“ ist unser Gottesdienst geworden  – und deshalb voller Beschäftigungsmüll. Wer viel betet (also viel Leben abgibt), bekommt soviel Ressourcen, dass er dreimal im Jahr in einem großen Ritual („Urlaub“ genannt) dem Rest der Welt seine eigene Überlegenheit demonstrieren und dabei die Lebensgrundlage der Menschheit durch sinnlose Vernichtung natürlicher Ressourcen mehr zerstören kann als es André  je möglich gewesen wäre. Er bekommt – wie jeder dienstbare Priester – Schmuck, feine Stöffchen und eine noble Kutsche, um der Umwelt zu zeigen, wie großzügig der neue Gott ist, wenn man ihm nur eifrig dient.

Und was macht derzeit die dritte Klasse? Weicht von den verschlossenen Gittern zurück und beschäftigt sich mit sich selbst, folgt den Geboten, dass sie ihr Denken, ihr Fühlen, ihr Sein ändern müssen, sie arbeiten innigst „an sich selbst“, um den Göttern des Schicksals gefällig zu sein, streng dem geheimen Versprechen folgend, dass die ganze Welt sich ändern wird, wenn nur sie sich ändern. Das die erste Klasse – Verbreiter jenes Kultes des „richtigen Denken“ – statt gezieler Arbeit an sich selbst lieber Rettungsboote mit Vorräten füllt, nimmt man nicht mehr war – so sehr ist man in sich selbst versunken.

Die schreckliche Wahrheit ist nämlich: die Religion der Asozialen funktioniert nur perfekt in einem Land voller Untoter, voller Zombies, die hirnlos nach Fleisch blöken. Nach Menschenfleisch.

Und wenn der Hunger zu groß wird … verbrennt man einfach ein paar Obdachlose. Zombies … empfinden nichts mehr dabei – ebensowenig wie jene, die Opfer der Armut einäschern und anonym in Reihengräbern verscharren.

 

 

 

Dokumente deutscher Dämlichkeit: Montagsdemos – wer für Frieden ist, ist ein Nazi.

Dokumente deutscher Dämlichkeit: Montagsdemos - wer für Frieden ist, ist ein Nazi.

Samstag, 19.4.2014. Eifel. Große Aufregung erhebt sich gerade in Deutschland. Ein wildes Getöse geht um in der Facebooklandschaft: Jutta Ditfurth entfreundet alle Facebookfreunde, die „KenJebsen“ gelikt haben. Ich weiß, dass hört sich an wie der Anfang von einem sehr schlechten Witz, ist aber Realität. Das kann man auch noch nachvollziehen. Seitdem Ken Jebsen (Künstlername) der Bundeskanzlerin einen Brief über „Nationalzionisten“ geschrieben hat, die „Israel besetzt halten“  (ich verlinke solche Gülle nicht, wer sich hier für das Original interessiert, muss selber arbeiten), kann der sich in meinen Augen auch eine Hakenkreuzarmbinde gönnen: ich bin diese hinterhältigen Versuche, Hitlers Judenmorde im Nachhinein schön zu reden oder vielleicht neue Judenprogrome (diesmal im Kampf gegen „Zionisten“, wie man den Juden als Eingeweihter heute nennt)  zu initieren, um sein Werk beenden zu können, endgültig leid.

Es ging aber nicht nur um KenJebsen – es ging auch um die neuen Montagsdemos. Wie der geneigte  Leser vielleicht mitbekommen hat, hat der Osterhase uns in diesem Jahr eine kleine Weltkriegsgefahr ins Nest gelegt. Deutsche Medien hatten schon 2013 beschlossen, den russischen Präsidenten Wladimir Putin in breiter Front als unerträglichen Unhold darzustellen, der einfach nur – hach – unerträglich ist. So unerträglich, dass er eigentlich weg muss … aber das sagt man nicht gerne so deutlich. Da der selbst bei seinem Volk sehr beliebt ist und sich – anders als unsere Politiker – stundenlangen Fragenmarathons im TV stellt (siehe Spiegel) und sich somit demokratischer gebärdet als des politische Personal Deutschlands, geht das nicht so leicht … außer vielleicht durch einen kleinen Krieg?

Nun – diese Kriegsgefahr, dieses irrationale und unerklärliche Umschlagen der Politik des demokratischen Westens in völkerrechtswidrige Angriffskriege haben wir schon oft erleben dürfen – selbst dann, als die Friedensbewegung selbst an den Hebeln der politischen Macht drehen durfte: Bomben auf den Kosovo läuteten ein ganz neues Kapitel deutscher Außenpolitik ein – wie 1939-1945 lösten wir Konflikte (auch jene, die es ohne uns gar nicht gegeben hätte) wieder mit Bombenterror. Diesmal war es allerdings nicht der Hitler, diesmal waren es SPD und GRÜNE – was sich auch eher wie ein Witz anhört. Die haben auch nichts dazu gelernt, tönt doch der SPD-Außenminister gerade herum, dass er „Russland zum Krieg bereit“ sieht(siehe Welt), obwohl die Nato selbst die Journalistenlegenden über den angeblichen Großaufmarsch russischer Truppen in Zweifel ziehen (siehe Spiegel).

Nun entschieden sich einige Leute, zu Montagsdemos für den Frieden aufzurufen. Ich bekam davon nichts mit – so weitreichend scheinen die Aufrufe also nicht gewesen zu sein. Das erste, was ich davon mitbekam, war, dass man da nicht hingegen sollte, weil da auch „Rechte“ bei seien. Also: „böse Menschen“. Dabei ist „rechts“ zu sein im Prinzip nicht verboten – einfach mal die Merkel fragen. Aber natürlich: Antisemitismus hatte schon mal schlimme Folgen. Die Warnungen vor den „Rechten“ nahmen mehr und mehr zu, letztlich schlossen sich sogar die deutschen Leitmedien der Warnung an: Spiegel-online machte daraus ein ganz großes Thema und löste so elegant auch ein Phänomen der Gegenwart: die vielen kritischen Stimmen von Lesern (quer durch alle Medienformate) gegen die Putin- und Russenhatz in den deutschen Medien (nahezu ausschließlich vorgenommen von Absolventen privater „Journalistenschulen“ – was natürlich ganz unbedenklich ist) seien in einer Riesenverschwörung bei Facebook begründet. Eine Verschwörungstheorie – ja! Aber eine von den „guten“ – deshalb ist sie ok. Dort findet Antisemitismus statt, weil dort Antisemitisten sind – eine erstaunliche Schlußfolgerung. Antisemitismus findet in ganz Deutschland statt, sogar ein Mitherausgeber des Spiegel geriet schon in die Kritik: ist Deutschland deshalb ein judenfeindliches, antisemitisches Land zu nennen?

Es wurde sogar die ganz große Keule geschwungen: dort gibt es „Antiamerikanismus“. Seit wann ist „Amerikanimus“ selbstverständliche Pflicht in Deutschland? Sind wir Religion geworden? „Verschwörungstheorien“ tauchen dort auf, wie grausam. Etwa wie die über die Lüge der aus den Brutkästen geraubten Babys in Kuweit, die Massenvernichtungswaffen im Irak oder die außergerichtlichen Massenexekutionen ferngesteuerter US-Drohnen … oder etwa der völkerrechtswidrige Kosovokrieg der deutschen Edelgrünen? Oder etwa die Theorie, dass die NSA Deutschland abhört, als seien wir ärgste Feinde? Und – huch – es taucht auch „Esoterik“ auf. Ganz schlimm: die Mystik des Zen-Buddhismus, die Schriften von Platon und Pythagoras oder die schon von Krankenkassen bezahlte Akupunktur bedrohen wirklich die Grundfesten des zivilisierten Abendlandes. Inhaltslose Worthülsen, als „Argumentationsdusche“ aneinandergereiht gehören zu den grausigsten Methoden erfolgloser Staubsaugervertreter – aber vielleicht lernt man das ja gerade auf den privaten Journalistenschulen.

Und – wie bequem: so könnte man sämtliche (von mir inzwischen täglich gelesene, häufig sehr intelligente, witzige, freche) Kritik an der einseitigen (und bezahlten)Berichterstattung deutscher Edelfedern dem wiedererstarken des Nationalsozialismus in die Schuhe schieben. Nicht nur Putin ist Hitler, sondern jeder, der die USA kritisiert, ist ein Hitler (oder befindet sich in einer „pubertären, antiamerikanischen Nische“ – wie uns ein weitere Spiegel-Artikel erklärt, für den ich jetzt mal keine Werbung mache). Jeder, der für ihre Arbeit bezahlte Journalisten kritisiert oder eine andere Meinung als sie hat, ist ein Hitler. Wer bei Facebook mit Anonymus vernetzt ist, ist ein Hitler. Wer Facebookfreunde hat, die KenJebsen liken, ist ein Hitler. Wer keine Schwulen liebt, ist ein Hitler. Wer Vegetarier ist, ist ein Hitler. Wer für Tierrechte eintritt, ist ein Hitler. Wer gegen Zinsen ist, ist ein Hitler. Wr für die Occupy-Bewegung ist, ist ein Hitler. Wer gegen den Kapitalismus ist, sowieso.

So jedenfalls kommt es einem vor, wenn man die Hysterie erst halbwegs verdaut hat. Wird es dann ruhiger, wird es Zeit für Besinnung (übrigens auch eine Form von „Esoterik“, als Meinungsbildung auch eine Form von „Verschwörungstheorie“ … eine Worthülse, mit der inzwischen alle unabhängige Meinungsbildung in den Dreck gezogen wird, ohne das dies den pubertären Edelfedern überhaupt auffällt).

Man kann erschrocken darüber sein, dass die Montagsdemos von Faschisten unterwandert sind. Man kann erschrocken darüber sein, dass Medien, Polizei, Parteien, Sozialverbände und Kirchen von Nazis unterwandert sind – und ich selbst habe mir genug Ärger eingehandelt, in dem ich noch ein paar mehr gefunden habe.

Ich gehöre aber zu den Menschen, die erleben durften, dass linke Grüne gerne andere Länder bombadieren: ja, da habe ich auch an meiner Wahrnehmung gezweifelt. Für mich ist „links“ nicht mehr automatisch „gut“; seit der Einführung von Hartz IV (und der immer halbherzigeren Kritik der „Linken“ daran) halte ich einige linke Strömungen in Deutschland (zum Beispiel SPD und Grüne) für extrem anfällig für das Gedankengut um den Spruch „Arbeit macht frei“, der – ich hoffe, da liege ich richtig – mal richtig echt „rechts“ war. Jedenfalls stand er auf den Konzentrationslagern, in die man die Arbeitslosen gesteckt hatte.

Natürlich ist Antisemitismus schlimm: er steckt hinter 90% der aus Deutschland kommenden Israelkritik, die immer vergisst, dass es ohne Deutschland kein Israel gegeben hätte, wir (als Land) also die eigentliche Ursache für „Zionismus“ sind … und nicht unheimliche Weltverschwörer.

Natürlich ist auch der Missbrauch mystischen Gedankengutes schlimm – man sollte jedoch bedenken, dass die Abwehr hier leichter viele, gäbe es mehr Bildung zu dem Thema … und weniger unfundierte Meinung.

Bei den Montagsdemos bin ich aber jetzt den Idioten fast auf den Leim gegangen: wenn angesichts der aktuellen politischen Lage (in der schon deutsche Truppen an die Ostfront verlegt werden) Menschen sich für den Frieden auf die Straße stellen, dann IST ES EGAL, was sie sonst noch so denken. FRIEDEN – ist eindeutig ein höheres Gut als jene Werte, die einen den rechten Rand der Politik mit Argusaugen beobachten lassen. Es ist also VÖLLIG EGAL, was diese Leute von den Montagsdemos sonst noch so denken.

Erstaunlich – oder?

Im ersten Reflex war ich auch der Meinung: das ist ein Riesenpfui, da sollte man nicht hingehen.

Aber es geht hier um Frieden. Bricht der Krieg erstmal aus, ist für feingeistige Haarspaltereien politischer Kaffeehausrevoluzer kein Raum mehr, dann sterben Millionen unschuldiger Menschen einen grausamen Flammentod … und ich soll das begrüßen, nur weil da auch politisch Andersdenkende auftreten? Lieber Atombomben auf Nürnberg als Jürgen Elsässer als Vortragsredner? Ehrlich?

Die ganze Affäre – ein einziges Dokument deutscher Dämlichkeit. Hirnlose Phrasendrescher versuchen Politik zu machen … vielleicht ist das die einzige funktionierende Erklärung für die Entsendung deutscher Soldaten in den Kosovo durch die Politiker der Friedensbewegung.

Und Jutta Ditfurth? Veröffentlicht gerade fast täglich Bilder mit Hüten aus Alufolie. Soll wohl irgendwie lustig sein – ist wohl ein Witz für „Eingeweihte“. Ich erinnere mich da lieber an andere Aussagen von ihr, Aussagen, die man heute nicht mehr machen darf, siehe Cyberweiber

Was vielleicht auch andere Ursachen hat, wie Ditfurth andeutet: so gab ihr als Parteisprecherin nach erfolgreicher Bundestagswahl 1987 das US-Aussenministerium zu verstehen, man wolle sie „näher kennenlernen“, was sie als eine ihrerseits „äusserst unerwünschte“ Kontaktaufnahme der CIA verstand. Schliesslich wurde eine Vortragsreise Ditfurths in den USA genützt, bei der sie einmal vor einem „sonderbaren Publikum“ referierte – unter anderem VertreterInnen der Deutschland-Abteilung der CIA, von NATO- und US-Militär, von republikanischen Think-Tanks und State Department. Sie sprach NATO-kritisch über deutsche und US-Aussenpolitik und wurde dann von einem hohen Offizier „angebrüllt“: „ohne Zustimmung der USA hätte es die Grünen nie gegeben!“

Da würde man hellhörig werden uns sich fragen: wie groß ist der Einfluss der USA in Deutschland eigentlich? Da der Amerikanismus uns verpflichtet, alle Informationen, die die USA in ein schlechtes Licht stellen, zu ignorieren, fragen wir uns lieber gar nicht.

Die gleiche Affäre gibt es noch mal mit anderen Schwerpunkten, hier bei lightways aus dem Artikel „Zahltag, Junker Joschka“ von Jutta Ditfurth:

Etwa 1986 überbrachte man mir das Ansinnen des US-Außenministeriums, mich „näher kennenlernen“. Meine klare Abfuhr gefiel nicht, so nutzte man meinen Aufenthalt in Washington, wo ich auf Einladung einer Universität einen Vortrag über die deutsche Innen- und Außenpolitik hielt, für ungebetene Annäherungen. Es kam – unter Beobachtung der deutschen Abteilung der CIA – zu heftigen Auseinandersetzungen mit Vertretern des US-Militärs, des Außenministeriums und des Reaganschen Think-tanks: Ich griff z.B. die US-Außenpolitikin Nicaragua an und dieNato. Dennoch wurde ich aufgefordert, eine Studie über meine Partei zu erstellen. Ich lehnte ab, und mir wurde vorgehalten, daß zwei Grüne, einer davon Lukas Beckmann,ihre Arbeit bereits angeboten hatten. 

Also arbeiten führende grüne Politiker für die CIA? Darüber dürfen wir heute nicht mehr nachdenken, das wäre „Verschwörungstheorie“ – und wir wären damit Nazis.

Ich denke da an einen älteren Artikel des Schweizer „Tagesanzeigers“ aus dem Jahre 2009. Tum Curley, Chef der Nachrichtenagentur AP, war der Kragen geplatzt:

Die Bush-Administration hat das US-Militär in eine globale Propaganda-Maschine verwandelt. Tom Curley, Chef der amerikanischen Nachrichtenagentur AP, kann dazu nicht mehr länger schweigen. Am Wochenende referierte er an der Universität von Kansas vor Journalisten über den Druck des US-Verteidigungsministeriums auf seine Berichterstatter in Kriegsgebieten wie Irak oder Afghanistan. Sein Fazit: «Es wird langsam unerträglich.» Hohe Generäle hätten gedroht, dass man die AP und ihn ruinieren werde, wenn die Reporter weiterhin auf ihren journalistischen Prinzipien beharren würden.

Ist es jener Druck, der deutsche Journalisten im Jahre 2014 zum hemmunglos unkritischen Amerikanismus verdammt? Es lohnt sich, den Artikel weiter zu studieren:

Das US-Militär hat seine Propagandaabteilung gewaltig ausgebaut. Nichts wird unversucht gelassen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Laut AP-Recherchen verfügt das Pentagon über 27’000 Personen, die ausschliesslich für die Öffentlichkeitsarbeit (PR, Werbung, Rekrutierung) zuständig sind. Zum Vergleich: Das gesamte US-Aussenministerium mit Hillary Clinton an der Spitze beschäftigt rund 30’000 Personen. Die PR-Maschinerie des Militärs kostet die Steuerzahler jährlich 4,7 Milliarden Dollar. Seit 2004 sind die Ausgaben um 63 Prozent gewachsen. Wozu diese Mittel genau eingesetzt werden, bleibt meist geheim.

Nun – für die Beeinflussung der Berichterstattung in Deutschland braucht man keine 27 000 Leute. Da reichen ein paar Dutzend Chefredakteure – und schon wird aus Antiamerikanismus ein inoffizieller Straftatbestand.

Ob man die Grünen für den Kosowokrieg auch bezahlt hat?

Auf jeden Fall haben wir nun einen hinreichenden Grund dafür, zu erkennen, warum man ein Nazi ist, wenn man für den Frieden ist.

Oder einen Artikel wie diesen hier schreibt. So verrückt ist die Welt gerade wieder mal geworden.

Vielleicht brauchen wir aber wieder einen Weltkrieg, um zu verstehen, dass FRIEDEN wichtiger ist als die Gesinnung jener Leute, die zu einer Demonstration für ihn aufrufen. Und wem deren Meinung nicht passt, der kann ja mit demonstrieren und krude Geschichtsfälschungen im Dialog gerade rücken. Aber nur fernbleiben, alle als Nazis deklarieren und schon mal Namenslisten für stalinistische Säuberungen erstellen (ein anderes Hobby linker Facebookkommunisten), ist vielleicht zu wenig, um ein neues Kosovo zu verhindern.

Auch dort galt es, gegen Hitler zu Felde zu ziehen.

 

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