Agenda 2010

This tag is associated with 64 posts

Jobcenter maßen sich die Kompetenzen von Staatsanwälten an!

Ermitteln auf Verdacht
Neue Weisung regelt Bußgeldverfahren gegen Hartz-IV-Bezieher. Demnach haben Jobcenter ähnliche Kompetenzen wie ein Staatsanwalt
Wenn es darum geht, Hartz-IV-Bezieher umfassend zu bespitzeln, ist der Bundesagentur für Arbeit (BA) kein Aufwand zu hoch. Für die Bußgeldparagraphen 63 und 64 im Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) hat die Mammutbehörde nun 75 Seiten umfassende »Fachliche Hinweise« herausgegeben……..

Das Lied der Woche Hartz IV – Jetzt gehör‘ ich denen… – Chr. Holzhöfer

Christoph Holzhöfer

Wir sind deren Eigentum, wir sind deren Besitz …

Mein Name ist Manfred Hengesbach
52 bin ich heut‘ geworden
Seit 3 Jahren bin ich auf Hartz IV
Bin jeden Tag ein wenig mehr gestorben
Ich hatte mal ’n schönen Job
Doch die Firma hat Pleite gemacht
& wie ’s dann mit mir den Bach runter ging
Das hätt‘ ich nie gedacht

Jetzt gehör‘ ich denen, die da sitzen auf ‚m Amt
& denen, die die große Politik machen im Land
Ich bin deren Eigentum, ich bin deren Besitz
Ich hab‘ kein eigenes Leben mehr, die bestimmen über mich

Meine schöne Wohnung musste ich aufgeben
Hab‘ jetzt ’ne 1-Raum-Wohnung am Stadtrand
& was ich tun & lassen darf
Das sagt mir jetzt das Amt
& wisst ihr Leute, wie das ist
Wenn dich da so ’n junger Wichser sanktioniert
Nur weil du ’n Job nicht annimmst
Weil du da nur ausgebeutet wirst

Aber ich gehöre ja denen, die da sitzen auf ‚m Amt
& denen, die die große Politik machen im Land
Ich bin deren Eigentum, ich bin deren Besitz
Ich hab‘ kein eigenes Leben mehr, die bestimmen über mich

& wie sagte schon mein‘ Oma
Kommt die Armut in das Haus
Dann geht so langsam, nach & nach
Die Liebe auch hinaus
Meine Frau, die ist gegangen
Nach 30 Jahren, die meiste Zeit war ’s schön
Die hat jetzt ’n Neuen, der hat ’n guten Job
Ich kann sie gut verstehen

Denn ich gehör‘ doch denen, die da sitzen auf ‚m Amt
& denen, die die große Politik machen im Land
Ich bin deren Eigentum, ich bin deren Besitz
Ich hab‘ kein eigenes Leben mehr, die bestimmen über mich

Ja, mein Name ist Manfred Hengsbach
52 bin ich nun
Alles was ich mal besaß, hab‘ ich verloren
& geht ’s so weiter, bring‘ ich mich noch um
Deutschland geht ’s gut?! Was für ’ne Scheiße
Leckt mich am Arsch! Mir geht es schlecht
Wie so vielen hier im Land & kei’n interesssiert ’s
Wir sind doch nur noch Dreck

Wir gehören denen, die da sitzen auf ‚m Amt
& denen, die die große Politik machen im Land
Wir sind deren Eigentum, wir sind deren Besitz
Wir haben kein eigenes Leben mehr, die bestimmen über uns

Atlantikbrücke, TTIP und Flüchtlingskrise: die geheimen Spiele der Mächtigen

Digital StillCamera

Montag, 7.3.2016. Eifel. Sagen Sie mal: kommt Ihnen Ihr Land nicht auch manchmal etwas seltsam vor? So, als ob da irgendetwas nicht mit stimmen würde? Ich meine: finden Sie es normal, dass wir Jugoslawien angegriffen haben? Ja, das war ein Angriffskrieg der Bundeswehr (Menschenrechtsbellizismus ist das Wort dafür, ist so ähnlich wie Tierschutzschlachtungen oder Naturschutzverwüstungen – der ganz normale Wahnsinn eben) mit vielen toten Zivilisten. Oder die Wiedervereinigung: finden Sie es normal, dass wir unsere „Brüder und Schwestern“ für hundert Mark Begrüßungsgeld enteignet haben? Warum durften eigentlich vom Volk wirtschaftlich erfolgreich geführte Konzerne wie der Mineralölkonzern Minol nicht als von der Belegschaft im Rahmen einer Genossenschaft geführten Form weiterlaufen – warum wurden also die Arbeiter, denen der Betrieb vorher gehörte, enteignet und verramscht (bis auf vier Minol-Tankstellen, die noch existieren). Wäre es im Rahmen von „Mehr-Demokratie-wagen“ (Willy Brandt, SPD) nicht mal spannend gewesen, zu sehen, wie sich solche Betriebe im Wettbewerb machen?

Nein – bleiben Sie noch eine Weile, ich habe noch ein paar Fragen, nicht nur zur feindlichen Übernahme der DDR (ja – so nennt man das in der Wirtschaft, wenn Firmen gegen ihren Willen übernommen werden), deren Preis wir nun in Form von brennenden Flüchtlingsheimen zahlen. Wie kann es eigentlich sein, dass sich unsere Regierung bzw. die in unserer Regierung vertretenen Parteien entgegen der UN-Charta (Artikel 2, Ziffer 7) in die inneren Angelegenheiten eines Landes einmischen (Ukraine) … bis hin zu Kriegsdrohungen nach Russland – einem Land, mit dem wir kurz zuvor noch gute Geschäfte gemacht hatten, was immer eine gute Ausgangsbasis für Frieden ist? In manche fernen, fremden Ländern sind wir sogar schon mit Bodentruppen einmarschiert (z.B. Afghanistan), ohne dass man uns vorher gefragt hat, ob wir deutschen Bürger das so gerne hätten. Ebenso beteiligt man sich an gefährlichen militärischen Abenteuern (Syrien) – auch wenn es direkt gegen die Meinung der Mehrheit des Volkes ist – wie alles, was an Sauereien die letzten Jahre geschehen ist. Man hat uns ja auch nicht gefragt, ob man den Sozialstaat abbauen und die Finanzmärkte destabilisieren soll, was uns viel Lebensqualität, viel Geld …und einiges an Menschenleben im Inneren gekostet hat.

Dreister noch, drastischer, ja, ein Schlag ins Gesicht des aufrechten demokratischen Bürgers ist die Aufdeckung der Existenz von Geheimverträgen (wie ANFA und TTIP … und was es sonst noch so alles an Geheimverhandlungen gibt, die wir aktuell noch gar nicht kennen), bei der wir uns kaum noch entsinnen, warum wir uns darüber aufregen sollten, dürfen … und müssen.

Vielleicht darf ich daran erinnern, dass eine Demokratie keine Geheimnisse kennt – jedenfalls keine der Regierung vor dem Volk. Hat eine Regierung Geheimnisse vor dem Volk (und sei es nur eine falsche Parkquittung), so kann zurecht man von Bandenbildung, Verrat, Diebstahl und Verschwörung reden. Das sind unsere Verwaltungsangestellten – mehr nicht, auch wenn sie sich gerne mal als unsere Herren aufspielen, wenn sie vor der Presse als ominöses „Wir“ auftreten – als wären sie etwas ganz anderes als ihre Wähler. Stellen Sie sich mal vor, wie Ihr Chef in der Firma reagieren würde, wenn er sie bei geheimen Verhandlungen mit anderen Firmen ertappen würde, wo es um sein Geld oder seine Rechte geht? Schnell könnten Sie die rudimentären Reste unseres Sozialstaates studieren gehen – von unten. Wir aber … reden nicht davon. Dürfen wir auch gar nicht – was meinen Sie, warum massiv gegen „Verschwörungstheorien“ vorgegangen wird, Theorien, die nichts anderes wollen, als jene Wirklichkeiten abbilden, in denen es absichtlich und umfangreich geplante Geheimoperationen von Machtkartellen innerhalb einer Solidargemeinschaft gegen eben diese Gemeinschaft geht? Oder – einmal anders herum gefragt: wer sollte schon etwas gegen die Bildung dieser Theorien haben, wenn nicht die Verschwörer selbst?

Kartelle – darüber sollten wir mal kurz reden. Kartelle waren hundert Jahre lang für die deutsche Wirtschaft kennzeichnend, der größte Feind der Kartelle auf deutschem Boden war Ludwig Ehrhard, der Begründer der sozialen Marktwirtschaft. Wo es Kartelle gibt – also: Zusammenschlüsse von Menschen, die augenscheinlich konkurrieren, aber im Geheimen gemeinsame Ziele verfolgen (in der Wirtschaft wären zum Beispiel die Preiskartelle zu nennen – Bierbrauer und Zementfirmen waren da mal sehr engagiert … und über Ölkonzerne wollen wir da gar nicht reden) – wird die Freiheit hintergangen – und das Soziale ebenso, vom „heiligen Wettbewerb“ ganz zu schweigen. In der Wirtschaft kümmert sich das Kartellamt darum, verhindert marktbeherrschende Zusammenschlüsse, die die soziale Marktwirtschaft aushebeln würden, aber in der Politik?

Ich möchte Ihnen eins dieser Kartelle vorstellen (und betrete damit schon den verbotenen Bereich der Verschwörungstheorie, obwohl ich doch gar keine Theorien formuliere, sondern nur Fakten zitiere): die Atlantikbrücke, einen eingetragenen Verein, rechtlich ähnlich dem Karnickelzüchterverein Bottrop, nur halt mit ganz besonderen Teilnehmern (siehe Atlantik-Brücke):

„Die Atlantik-Brücke ist ein gemeinnütziger, privater und überparteilicher Verein, der das Ziel hat, eine Brücke zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zu schlagen. Im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten steht das Bemühen um ein besseres gegenseitiges Verständnis.

Zielgruppe sind deutsche und amerikanische Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, den Streitkräften, der Wissenschaft, den Medien und der Kultur, die bei der Atlantik-Brücke einen Rahmen für vertrauliche Gespräche finden, aber auch Nachwuchsführungskräfte, die auf den „Young Leaders“-Konferenzen Netzwerke schmieden und den transatlantischen Dialog in der kommenden Generation lebendig halten. Mit ihren Studienreisen für amerikanische Lehrer möchte die Atlantik-Brücke ein differenziertes Bild vom modernen Deutschland vermitteln.

Die rund 500 Mitglieder der Atlantik-Brücke kommen vorwiegend aus der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaft und den Medien. Die Mitgliedschaft erfolgt auf Einladung.“

Hätten wir ein politisches Kartellamt: die Alarmlampen müssten auf „rot“ stehen, allein wegen dem letzten Satz. Ja: selbst wenn Sie ein begeisterter Freund der USA sind und leidenschaftlich dafür werben würden, dass Deutschland ein weiterer Bundesstaat der USA wird: sie kämen da nicht rein. Der Verein ist „privat“, bestimmt selbst, welche Entscheidungsträger er für würdig erachtet, seinen Zielen zu dienen und welche nicht. Das hier eine Diskriminierung stattfindet – darüber wollen wir gar nicht reden.

Die Ziele der Atlantikbrücke – einmal abesehen von den oben genannten Beschreibungen – hatte einst der Puddingkönig Oettker (natürlich selbst Mitglied, fünf Jahre lang Vorstandsvorsitzender der Atlantikbrücke) beschrieben – bezeichnenderweise ist dieses Zitat aus dem Wikipediaeintrag zur Atlantikbrücke gelöscht worden, aber man findet es … noch … bei der Berliner Zeitung:

„“Die USA wird von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben“, sagt der Vorstands-Chef der Atlantik-Brücke, Arndt Oetker.“

Während wir noch denken, dass die USA eine Demokratie seien, in der nur zufällig gerade wieder eine Millionärin und ein Milliardär um das Präsidentenamt kämpfen, haben die Freunde der USA ein ganz anderes Bild davon: es handelt sich hier um eine Oligarchie nach ukrainischem (oder russischem bzw. chinesischem) Vorbild, in der 200 superreiche Familienoberhäupter das politische Geschäft organisieren – und das wollen wir in Deutschland auch. Sichern Sie sich dieses Zitat – ich fürchte, es wird bald auch hier gelöscht werden.

Denken wir es uns für einen Moment anders herum: dass diese 200 Familien über die Atlantikbrücke den Einfluss ihres oligarchischen Systems auf die Welt (hier: auf Deutschland) ausdehnen wollen – immerhin war der Gründer dieser Bewegung – die ursprünglich reinweg auf Hamburg begrenzt war – ein namhafter US-Banker: Eric Warburg, Sproß einer der reichsten Bankerfamilien der USA. Schon macht es Sinn, dass dieser „Verein“ sich seine Mitglieder selbst aussucht, anstatt den normalen Weg eines Vereins zu gehen und alle aufzunehmen, die die gleichen Interessen haben.

Wer wird aufgenommen? Entscheidungsträger. Helmut Schmidt, Angela Merkel, Guido Westerwelle, Sigmar Gabriel, Phillip Rösler, Hans-Peter Friedrich, Katrin Goehring-Eckhard, Martin Lindner, Jan Fleischhauer (der „schwarze Kanal“ vom Spiegel), Claus Kleber (ZDF), Martin Winterkorn – die Liste der bekannten Namen ließe sich endlos weiterverfolgen … wenn wir denn alle kennen würden. Denken Sie sich das mal so: all´ jene haben sich dazu verschworen, den Willen der 200 reichen US-Familien in Deutschland umzusetzen: die Agenda 2010 war übrigens nur eins der Projekte, die in Deutschland den Interessen jener „Anleger“ dienten.

Wie kann es eigentlich sein, dass sich so ein Kartell – das ja auch hunderte von Wirtschaftsbossen und Unternehmensberater vereint – mitten in Deutschland bilden kann, ohne dass sich da Widerstand bildet? Nun – der bildet sich: ein paar Wissenschaftler machen sich Gedanken darüber – denn die Atlantikbrücke ist ja nur eine jener Kartelle, die bewusst innerhalb der Entscheiderlandschaft der Welt geprägt werden: Bilderbergerkonferenzen, Weltwirtschaftsgipfel von Davos, die verschiedenen „Council of foreigen Relation“ wären da auch noch zu nennen … und belegen einen unheimlichen, antidemokratischen Trend (siehe Deutschlandfunk):

„Dass praktisch zwischen die Welt der Wirtschaft und die Welt der Politik kein Blatt mehr passt. Also diese beiden Bereiche gehen zunehmend nahtlos ineinander über, wenn wir das an den Personen festmachen.“ Wir erleben derzeit, so sein Eindruck, „Tendenzen der Re-Feudalisierung. Das heißt, dass neben den offiziellen Strukturen, neben den demokratischen Strukturen, dass die inoffiziellen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht gewinnen. Und diese Eliten, diese selbst ernannten Eliten, die oben sitzen, die schotten sich zunehmend ab.“

So der Soziologe Rudolf Sturmberger.

Diese Eliten züchten sich aber auch ihren eigenen Nachwuchs heran. Schon frühzeitig werden „Eliten“ ausgewählt, die in Zukunft die guten Kontakte im Sinne der regierenden Familien der USA pflegen dürfen, lassen Sie sich mal überraschen, welche Namen dort alle auftauchen:

Hans-Gerd Pöttering (CDU), ehem. Präsident des Europaparlaments, Silvia Koch-Mehrin (FDP), ehem. Vizepräsident des Europaparlaments, Jens Weidmann, Chef der Bundesbank, Hubertus Heil (stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion), Cem Özdemir (Bundesvorsitzender der Grünen, stellvertretender Vorsitzender im ZDF Fernsehrat), Baron Guttenberg (CDU), Christian Wulff (Bundespräsident, CDU), Jürgen Großmann (RWE, VW, Deutsche Bahn, MTU) – alles Absolventen des „Young-Leaders-Programm„:

„Das Programm für junge Führungskräfte aus Deutschland und den USA gehört zu den erfolgreichsten Projekten der Atlantik-Brücke. Die Deutsch-Amerikanische Young Leaders- Konferenz bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, eine Woche  aktuelle Themen mit transatlantischem Bezug intensiv zu diskutieren. Führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden als Gastredner eingeladen.“

Erstaunlich, was für ein gutes Händchen das Auswahlkomitee hat. Oder … ist diese Auswahl Voraussetzung für die spätere Karriere? Ich weiß noch nicht, wie ich das verstehen soll. Jedenfalls ist nun auch ein Linker Mitglied geworden: Stefan Liebich soll dort für die Linke an wichtige Informationen kommen (siehe Gregor Gysi im Neuen-Deutschland) … Informationen, die wohl sonst geheim sind, so geheim in etwa wie ANFA (siehe ntv) oder TTIP.

Ja TTIP: so erklärt uns das die Atlantikbrücke:

„Erklärtes Ziel der Verhandlungspartner ist der bestmöglichste Abbau von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen, also sowohl den Abbau von Zöllen als auch von Schranken, die durch unterschiedliche Standards und Regulierungen bestehen. Von einer weiteren Öffnung der Märkte und größerer Investitionssicherheit erwarten beide Seiten positive Wachstums- und Beschäftigungseffekte. Preise für die Verbraucher sollen sinken, die Produkt- und Dienstleistungsvielfalt sich erhöhen. Im Einigungsfall entstünde ein Wirtschaftsblock für über 800 Millionen Europäer und Amerikaner, welcher rund die Hälfte der globalen Wirtschaftskraft in sich vereint. Beide Wirtschaftsblöcke sind bereits heute die wichtigsten Handelspartner füreinander, für Deutschland sind die USA größter Handelspartner außerhalb der EU. Das Handelsvolumen zwischen der EU und den USA belief sich in 2014 auf rund 516 Milliarden Euro, womit TTIP die größte Freihandelszone der Welt schaffen würde.“

Die informieren ihre Mitglieder ganz ausgewogen über TTIP – die Kritiker kommen dort mit einem inhaltsleerem Demoaufruf zu Wort (siehe DGB) – oder einer „Broschüre“ der Grünen (siehe GrüneEuropa), während die „Gegenseite“ (inklusive der Konrad-Adenauer-Stiftung) massiv Werbung machen darf: das doofe, primitive, immer meckernde Volk gegen die weisen Herren aus dem Abendland.

TTIP ist – als „Geheimvertrag“ – etwas, was die Bundespolizei schon direkt an der Grenze zurückschicken müßte … wäre das Land nicht untergraben von übermächtigen Netzwerken, die gerne am Bürger und der Demokratie vorbeiverhandeln. TTIP wird aber auch als wunderbare Rettung verkauft … als Rettungsmöglichkeit vor dem „Worst Case“ Szenario, dass der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Burkhard Schwenker seinen Vereinsmitgliedern auf den Weg mitgab (siehe Atlantikbrücke):

„Die Digitalisierung der Wirtschaft schreitet schnell voran, unsere Arbeitsmärkte verändern sich rasant und fundamental, und gleichzeitig bleibt das Wachstum aus. Das alte Schlagwort eines „industriellen Proletariats“ würde wahr und mit jedem Flüchtling nur noch verstärkt werden.“

Ja – viele Wissenschaftler warnen davor, dass diese Version der Zukunft wahr werden wird … genauer gesagt: man weiß überhaupt nicht, wie man ihr entkommen kann, da große wirtschaftliche Gewalten mit Hochdruck an der Realisierung arbeiten. Wie gut, dass wir einen tollen Zauber im Gepäck haben. Hören wir nochmal Professor Schwenker am 25.November 2015:

Hier kommt TTIP ins Spiel, denn TTIP bietet auch eine Chance auf das zusätzliche Wirtschaftswachstum, das wir brauchen, um auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet zu sein. Ich möchte jetzt nicht so weit gehen, dass TTIP zur Bewältigung der Flüchtlingskrise notwendig ist – aber es ist ein Hebel, um sie in den nächsten Jahren besser zu bewältigen: mit mehr finanziellen Mitteln, mit einer positiveren Stimmung und mit besseren Zukunftsaussichten für Alt- und Neubürger.

Warum er nicht so weit gehen möchte, erzählt er uns nicht. Aber die Zeitschrift „Die Welt“ – unter dem Vorstandsvorsitzenden und „Young Leader“ der Atlantikbrücke Matthias Döpfner – informierte uns vorsorglich schon 2014 darüber, dass jeder zweite Job in Deutschland verschwinden wird (siehe Welt), „Worst Case“ also schon längst Fakt ist und wir – gerade wegen der vielen Neuzugänge am Arbeitsmarkt – jetzt TTIP so dringend brauchen wie noch nie zuvor.

Wissen Sie, was dort im Februar gepredigt wurde (siehe Atlantikbrücke):

„Bei der Veranstaltung in Berlin betonte sie, wie wichtig vorausschauende Planung und internationale Kooperation im Umgang mit Flüchtlings- und Migrationsströmen sei. Eine immer striktere Abschottung der Grenzen spiele nur organisierten Schleusern in die Hände. Napolitano hob hervor, dass Deutschland zurzeit eine mutige Führungsrolle bei der Bewältigung der Krise einnehme und mit seinem längerfristigen, multinationalen Ansatz auf dem richtigen Weg sei. Sie sieht die aktuelle Situation außerdem als eine Prüfung für die Institutionen der Europäischen Union. Es werde sich bald zeigen, ob die Strukturen der EU ausreichen, um eine gemeinsame Antwort auf die Krise zu finden.“

Eine mutige Führungsrolle … die nur durch TTIP nicht zum Desaster wird? Wussten Sie schon im Februar 2015 von einer Flüchtlingskrise? Sie müssen dieses Datum übrigens auf Umwegen finden: es existiert nur noch bei der Google-Beschreibung des Vortrages, auf der Seite der Atlantik-Brücke ist da nichts zu finden.

Wäre es wirklich zu weit gedacht, wenn man sich all´ die anderen, merkwürdigen Erscheinungen der gesellschaftlichen „Überraschungen“ der letzten Jahrzehnte durch diese Geheimbünde und ihre Aktivitäten erkären würde? Durch gezielte Meinungsbildung auf Veranlassung einer transatlantischen Oligarchie, die ihren Einfluss ständig erweitern möchte – und auch nicht davor zurückschreckt, Fakten zu schaffen?

Und was passiert eigentlich, wenn die Institutionen der Europäischen Union ihre „Prüfung“ nicht bestehen … welche „Reformen“ kündigen sich denn da an? Welche „neue Strukturen“ werden denn da notwendig werden, wenn „wir“ das – entgegen der Beschwörungen der Kanzliern – „nicht schaffen“?

Wer nun meint, die AfD sei hier die Rettung … den muss ich ein wenig enttäuschen. Der Versuch, auf der Seite der AfD Positionen zu TTIP zu finden, führte heute zu vielen toten Links und der allgemeinen Aussagen, dass es „in der bisherigen Form“ nicht aktzeptabel sei. Nun – umformen kann man das sicher, Hauptsache, man bekennt sich zur „transatlantischen Sicherheitsarchitektur, deren entscheidener Anker das Bündnis mit den USA ist“ (Zitat aus dem außenpolitischen Parteiprogramm der AfD). Aber sicher wird die Atlantikbrücke bald an die AfD herantreten, um ihre erfolgreiche Politik mit neuen Gesichtern fortzusetzen – und die werden begeistert annehmen.

 

„SPD – WIR HABEN ENTSCHIEDEN – DAS WICHTIGE TUN“

„SPD – WIR HABEN ENTSCHIEDEN – DAS WICHTIGE TUN“

Ich kann mit Hartz IV überleben – Dafür zahle ich einen Preis

Ich kann mit Hartz IV überleben – Dafür zahle ich einen Preis
Ein Kommentar/Beschreibung wie sich das Leben mit Hartz IV darstellt

Max Uthoff – Verrohung der Gesellschaft Hartz IV

Gut, dass man mit den Ohren nicht blinzeln kann: bei Max Uthoff hätte man keine Zeit dazu. Wortgewaltig, messerscharf und höchst unterhaltsam erzählt er seine Sicht der Dinge auf die Welt mit all ihren Absurditäten. Wenn Sprache die Waffe des Pazifisten ist, dann ist Max Uthoff der James Bond des Kabaretts.

Krieg gegen Arme dank hausgemachter Flüchtlingskatastrophe weiterhin erfolgreich und hoch rentabel

Digital StillCamera

Freitag, 9.10.2015. Eifel. Manchmal stelle ich mir die Frage: warum schreibe ich eigentlich. Die Antwort könnte sein: weil ich es kann. Könnte reichen – stimmt aber nicht. Ich kann meine Zeit auch mit anderen Dingen verbringen – so lese ich wesentlich mehr, als ich schreibe. Armut hilft mir dabei: der Fluch, nicht „shoppen“ zu können – also dem herrschenden Kult dienen zu dürfen – erspart einem viel Zeit, man kann gut den Sokrates machen und die vielen Dinge auf dem Markt bewundern, die man überhaupt nicht braucht. Spart man dann noch Zeit durch strikte TV-Abstinenz, stellt sich ein ungeahnter Reichtum ein … den man für Unfug einsetzen könnte … oder für einen Blick auf die Zukunft. Für mich selbst ist dieser Blick nicht mehr so wichtig: ich bin Jahrgang 1959, viele Menschen, die jünger sind als ich, sind schon gestorben – und mein gesundheitlicher Zustand ist nicht mehr so, dass ich mir ein all zu langes Leben wünsche. Aber: ich habe Kinder, sieben an der Zahl. Für sie ist Zukunft schon wichtig: ich gönne ihnen ein volles, erfülltes Leben wie ich es hatte, wie vieler meiner Generation es hatten – doch was ich aktuell in den Medien lese, färbt ihre Aussichten düster: der Weltkrieg Reich gegen Arm – oder Mammon gegen Ethik – erreicht ständig neue Höhepunkte, die Armen werden brutal an die Wand gedrückt – mit Vorsatz, Plan und entschiedenem Willen.

Ich habe in den letzten Wochen viel über die Flüchtlingskatastrophe gesprochen – ohne jedoch dieses Wort zu gebrauchen. Das war ein Fehler, den es wäre angemessen gewesen, von einer Katastrophe zu sprechen: wenn Millionen Menschen ihre Heimat verlassen, um „woanders ihr Glück zu versuchen“ (oder sich „neuen Lebensraum im Norden zu suchen“, was eine andere Formulierung für den gleichen Tatbestand beschreibt), dann ist dies eine Katastrophe … in erster Linie für die Kinder, die direkt oder indirekt von der spontan losgebrochenen (oder von unbekannter Seite losgetretenen) Flüchtlingswelle betroffen sind: sie eignen sich am wenigsten als Wandervögel und werden an den Folgen dieser Aktionen lebenslänglich zu leiden haben: da hilft auch der Teddybär nicht, den sie von wohlmeinenden Neureichen geschenkt bekommen.

Es ist Wohlsprech angeordnet, ganz Deutschland feiert selbstverliebt seine soziale Seite – eigentlich ein Grund zur Freude, jedoch mit einer asozialen Fratze im Hintergrund. Vielleicht werden die Flüchtlinge auch aktuell dazu missbraucht, die eigene asoziale Visage etwas aufzuhübschen, etwas gegen die Erkenntnis zu tun, dass man selber Schuld ist an der Misere, am Hunger, am Elend, am Müll in der Welt, dass man mit einem kleinen Teddybär für Wohlstandsflüchtlinge wieder etwas gut machen möchte, während man den Rest des Tages wieder sein Bestes gibt, den Planeten weiter zu zerstören, mehr „Sondermüll auf vier Rädern“ zu produzieren, der in Afrika ganze Landstriche verseucht, mehr Kinder in Bangladesh auszubeuten (die für 17 Cent die Stunde oder 28 Euro im Monat die Kleider für unsere Wohlstandsknubbel nähen, dabei bis zu den Knöcheln in giftigen Abfällen stehen – das ZDF hat dies neulich schön dokumentiert) und mehr Arme zu Fremden im eigenen Land zu machen.

Ja – die Armen in Deutschland vermissen seit Jahren jene Fürsorgekultur, die nun Wohlstandsflüchtlingen entgegengebracht wird. Darf man überhaupt Wohlstandsflüchtlinge sagen? Nun – das ist nicht meine Sicht der Dinge, offiziell werden sie ja auch Kriegsflüchtlinge genannt – aber andererseits wird nur über ihre Verwertbarkeit im Arbeitsmarkt verhandelt, die gegeben zu sein scheint … wenn ich dem untereinander eng verzahnten deutschen Machtkartell der Spitzen von Wirtschaft/Medien/Politik glauben darf … was ich mir hier einfach mal erlaube, weil ich Menschen kenne, die Krieg erlebt haben und durch ihn traumatisiert sind. Glauben Sie mir: die sind im Rahmen unserer Hochleistungsgesellschaft überhaupt nicht vermittelbar, die brauchen einen Therapieplatz im Sanatorium … lebenslänglich. Die durch Kriegsfolgen ausgelösten Traumata sind kaum zu behandeln – und erst recht nicht zu heilen, da ist an arbeiten erstmal gar nicht zu denken … weshalb ich schließe, dass jeder weiß, dass es sich um Wohlstandsflüchtlinge handelt. Aber die Gier nach immer mehr, die Lust daran, Partner, Eltern und Kinder allein zu lassen für den Tanz um das Goldene Kalb: dafür hat die High Society der Republik viel Verständnis: da kommen Glaubensbrüder ins Land.

Währenddessen sterben unsere Armen an der gleichen brutalen Sanktionspolitik wie die Armen in Syrien, die kein Geld für die Überfahrt hatten, eine private Initiative listet gerade die Toten in Deutschland auf, reist durchs Land, um auf diese Sozialmorde aufmerksam zu machen (siehe DieOpferAngenda2010). Es gibt einzelne Helden in diesem Sanktionskrieg gegen „unbotmäßige“ Arme wie jene Landrätin, die den Jobcentern die Sanktionen verbot (siehe gegenhartz), der ganze Bundestag – voll mit leistungsfremden Neureichen – steht weiterhin voll hinter den scharfen, tödlichen Sanktionen gegen die eigenen Bürger (siehe grundeinkommen). Es gibt einzelne Stimmen, die eine deutliche Sprache sprechen und fordern, dass „Sozialrecht nicht mehr als Strafrecht zu missbrauchen“ (siehe Deutschlandradio) doch die gehen unter in dem Sanktionswahn deutscher Behörden … die für die Sozialmorde fürstlich honoriert werden, obwohl ja angeblich „kein Geld da ist“ (siehe gegenhartz):

„Nach einer Auswertung des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) haben sich die Vorstandsbezüge der Bundesagentur für Arbeit (BA) still heimlich, dafür aber drastisch, erhöht. So sind die Bezüge zwischen 2005 bis 2014 um 90,2 Prozent auf insgesamt „rund 871.000 Euro“ gestiegen.“

Ungeheuerlich, oder? Aber Teil der Superagenda 2010 – den neoliberalen Gedankenspielchen der „Entscheider“, die den ganzen Feldzug gegen die europäischen Sozialstaaten unterstützen und finanzierten – die sind sogar namentlich bekannt, haben sich in einer Anzeige öffentlich hinter den Hartz-Kanzler gestellt (siehe Nachdenkseiten, die diese Anzeige dankenswerterweise archiviert haben).

Die gleichen Entscheider verteilen nun Teddybären an Menschen, die vor Merkels Sanktionen in Syrien fliehen. Manche Psychoanalytiker sehen darin einen Wahn und denken, Merkel ist „von allen guten Geistern verlassen“ (siehe tlz), halten sie für nicht ganz zurechnungsfähig … dabei folgt sie doch nur der Agenda 2010 weiter, die die Wirtschaft dem „Kanzler der Bosse“ eingetrichtert hatte – jene Wirtschaft, die sich hier über verschenkte Teddybären genauso freut wie über Kinder in Bangladesh, die für 17 Cent die Stunde arbeiten und mit 30 schon reif für die nicht vorhandene Rente sind.

Wir schauen viel zu selten aus der Perspektive des Krieges „Reich gegen Arm“, der aktuell als Weltkrieg quer durch alle Nationen läuft – und seltsame Allianzen offenbart (siehe Spiegel):

„Schröder nahm an einem Beraterkreis der kasachischen Regierung teil, für den auch Altbundespräsident Horst Köhler zunächst zugesagt hatte; Schily und Gauweiler beteiligten sich an der Verfolgung des früheren Schwiegersohns des Präsidenten, Rachat Alijew. Dieser war in seiner Heimat in Ungnade gefallen und hatte sich vor dem kasachischen Regime nach Europa in Sicherheit gebracht.“

Wer Geld hat, ist gut: so der Leitsatz der neoliberalen Moderne, des „kannibalistischen Neokapitalismus“. Diktatoren haben Geld, also sind sie bedingungslos gut. Flüchtlinge, die es bis nach Deutschland schaffen, sind bedingungslos gut, weil reich, also ist jede Kritik an ihnen böse – in etwa so böse, wie die mit Strafe verfolgte Armut. Mal ehrlich: können Sie sich vorstellen, dass deutsche Neureiche – wie etwa jene Superreichen, die sich in der „Agentur für Arbeit“ an den Versicherungsgeldern der Arbeitnehmer hemmungslos bereichern – Hartz IV-Abhängige (die Parias der Republik) mit dem gleichen Jubel umsorgen wir Flüchtlinge? Natürlich nicht: Flüchtlinge haben bewiesen, dass sie alles geben, um konsumieren zu können (um mal eine andere Formulierung für „Wohlstandsflüchtlinge“ zu gebrauchen): die passen zu „uns“, sind übereifrige Bewerber für eine neoliberale Funktionselite, reich an Jugend und Gesundheit (und Geld für den Schleuser): daran profitieren „wir“ gern. Das „die Wirtschaft“ und „die Politik“ sich dadurch ein eigenes Volk schafft, weil sie mit dem alten nicht klar kommt, wird Realität. Haben eigentlich schon alle vergessen, wie sich Helmut Kohl mit den Russlanddeutschen Wähler ins Land geholt hat? Ja? Ich kann da mal in meinem Archiv die Briefe suchen, die die CDU damals den Neuankömmlingen geschickt hatte: sie sollten nicht vergessen, wer sie ins Land geholt hat. Merke(l)n Sie nun, dass da eine gewisse Tradition gewahrt wird … und kein Wahn gelebt?

Die neoliberale Front in Deutschland wird mehr und mehr zu Minderheit, rot/rot/grün hätte schon bei der letzten Wahl eine stabile Mehrheit gehabt – die Eingeborenen haben zunehmend die Nase voll von dem Wi/Me/Pol-Kartell, der geschlossenen Front der Absahn- und Lumpenelite in Wirtschaft, Medien und Politik: Zeit also, die Eingeborenen etwas auszudünnen, sie etwas mehr mit anderen Themen zu beschäftigen, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen, Zeit, für etwas mehr „Druck“, der für unser hoch verschuldetes, dicht bevölkertes Land vor eine enorme Zerreißprobe stellen wird: es werden Milliardenkosten auf die Deutschen zukommen – Geld, dass für unsere Armen und ihre 2,6 Millionen Kinder nicht da war, aber für 1,5 Millionen Einwanderer jederzeit zur Verfügung steht … 1,5 Millionen jedes Jahr, wie jetzt zu hören ist (siehe n-tv, wo auch folgendes Zitat zu finden ist):

„Oftmals bringen sie eine überdurchschnittliche Motivation, Eigeninitiative sowie eine hohe Lern- und Leistungsbereitschaft mit, die auch zum Teil fehlende Sprachkenntnisse und Zeugnisse kompensiert“, schreibt die Arbeitsagentur.

Es wird also eng werden auf dem deutschen Wohnungsmarkt, der sowieso schon kaum noch Platz für Arme hat (siehe Tagesschau):

„Immer mehr Menschen in Deutschland sind ohne Wohnung. Deshalb schlägt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe Alarm. „Wir haben für 2014 einen drastischen Anstieg der Wohnungslosigkeit ermittelt“, sagt Geschäftsführer Thomas Specht. „2014 waren etwa 335.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung. Verglichen zu 2012 ist dies ein Anstieg um zirka 18 Prozent.““

Da inzwischen Städte schon Mietern die Wohnungen kündigen, um noch mehr Flüchtlinge „mit überdurchschnittlicher Motivation, Eigeninitiative und einer hohen Lern- und Leistungsbereitschaft“ unterzubringen, wird die Obdachlosigkeit bald wohl die Millionengrenze erreichen: für „Flüchtlinge“ werden neue Sozialwohnungen gebaut (siehe Spiegel), das eigene Volk (gerne als „Pack“, „faule Säcke“, „Parasiten“, „Schmarotzer“ oder „bildungsferne Schicht“ bezeichnet) darf nun mit längerer Lebensarbeitszeit rechnen … an Stelle einer Sondersteuer für Reiche, die schon jetzt davon träumen, wie sie die Arbeitskraft der Einwanderer in Riesenprofite umwandeln können – ohne Rücksicht auf Verluste.

Bedenkliche Stimmen werden gnadenlos abgestraft – wie etwa jene griechischstämmige Bochumer Polizistin, die bezeugt, dass die Einwanderer mit Frauen nicht viel anfangen können (siehe Der Westen): wen interessiert das schon: wir sind ja nicht Russland, in dem 43 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sind (siehe Spiegel), wir sind Deutschland, das Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch und Zwangsprostitution in überfüllten Lagern billigend in Kauf nimmt (siehe Spiegel) …. und ignoriert, dass ein solches Sozialverhalten mit den Werten der westlichen Kultur nicht in Einklang zu bringen ist.

Doch … welche Werte werden das in Zukunft sein?

Werte, die es erlauben, den Charakter eines Landes zu ändern, ohne das eigene Volk zu befragen. Werte, die es erlauben, dass Scharfschützen – wir aktuell in England – auf friedliche Demonstrationen angesetzt werden (siehe Radio Utopie). Jene Werte, die bedingungslose Unterstützung für Räuberbanden fordern (siehe Spiegel):

„Kiew hat dabei versagt, das Gewaltmonopol des Staates wieder herzustellen. Noch immer ziehen schwer bewaffnete Freikorps durch die Lande. Manche stehen politischen Parteien nahe, manche Oligarchen, manche Kriminellen.“

Ein Traum der Reichen: mit Privatarmeen (wie der IS) plündernd durch die Länder ziehen zu können, ohne von sozialen Konstruktionen wie „Staat“ noch groß daran gehindert zu werden: genau das verdient natürlich „unsere“ Unterstützung, ebenso wie die zunehmend irrsinniger werdenden Bombadierungen des „Westens“, die sich ganz bewusst und absichtlich gegen soziale Einrichtungen mit globalen Charakter wenden – oder wie soll ich mir sonst erklären, dass trotz Kenntnis der Sachlage ein Krankenhaus der „Ärzte ohne Grenzen“ bombadiert wurde (siehe Zeit):

„Ärzte ohne Grenzen teilte mit, dass allen Konfliktparteien vorsorglich mehrfach die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen übermittelt worden seien, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert; dennoch habe das Bombardement noch mehr als 30 Minuten angehalten“

Oder soll ich wirklich glauben, dass das US-Militär mit seinen hoch gerüsteten Aufklärungsmitteln nicht weiß, wohin es seine Bomben „mit chirugischer Präzision“ schmeißt? Wäre ja auch blöd für unsere Arbeitsmärkte, wenn es den Flüchtlingen in ihrer Heimat zu gut ginge: deshalb ja auch die weltfremde und verantwortungsscheue Formulierung „da ist Krieg“ anstelle der Formulierung „da machen wir Krieg“.

Haben Sie auch nur einmal vernommen, dass die deutsche Bundeskanzlerin ihre Sanktionen gegen Syrien einstellen möchte – Sanktionen, die … wie schon im Irak … in erster Linie die Zivilbevölkerung treffen? Sie können sich die Liste der Sanktionen im Internet anschauen – ich fand interessante Details (siehe WKO):

„Die im Anhang X gelisteten Luxusgüter sind weitgehend durch Preisgrenzen präzisiert. Es handelt sich dabei beispielsweise um Fahrzeuge samt Zubehör, Bekleidung und Schuhe, Lederwaren, Besteck, Geschirr, Glaswaren, Parfums, Weise, Uhren, Kunstgegenstände, Sportartikel, Spielautomaten, etc.“

Wer das will … muss seine Heimat verlassen, sein Glück woanders suchen. Die Deutschen jedoch – sollen nach Ansicht „der Wirtschaft“ längere Lebensarbeitszeiten in  Kauf nehmen und auf den Mindestlohn verzichten (siehe Welt): eine interessante Forderung für Bürger, denen man eine „Willkommenskultur“ abverlangt, die aktuell die kostengünstige Unterbringung von Flüchtlingen in Privatwohnungen anstrebt (siehe Spiegel). Wie lang soll das gut gehen?

Ich jedoch – wollte über die Zukunft schreiben, über die Zukunft meiner Kinder. Was geht mich auch der Rest der Welt an.

Sie werden in einem Land groß werden, dass entschieden hat, dass Flüchtlinge bessere, schützenswertere Menschen sind als sie selbst. Sie empfängt niemand mit einem Teddybären, ihr Vater ist Sünder – krank geworden durch Arbeit – und Sünder verdienen keine Gnade … sondern Sippenhaft. Sie werden in einem Land groß werden, das ihnen keine Heimat mehr sein will, gnadenlos Sanktionen in der Welt (und im eigenen Land) verteilt, um neues „Menschenmaterial“ zu importieren – ohne Rücksicht darauf, dass sie in ihren Heimatländern schmerzhaft vermisst werden.

Sie werden in einer Welt leben müssen, in der nackte Gewalt offen und vom Kartell gebilligt an der Tagesordnung ist (siehe t-online):

„Ich führe die größte Streitmacht der Erde, und ich werde nicht zögern, sie zum Schutze meines Landes oder eines Verbündeten einzusetzen“, sagte Obama vor den Vereinten Nationen weiter. „Aber wir können nicht in eine Welt der Konflikte und der Abschottung zurückgehen. Wir leben in einer verbundenen Welt, in der es andere Wege geben muss, um Streit beizulegen.“

Allerdings … schotten sich die USA selbst sehr gegen syrische Flüchtlinge ab, auch wenn sie nun bis zu 10 000 aufnehmen wollen, weil für sie „Umsiedlung keine Lösung ist“ (siehe Tagesschau) – es sei denn, es wird nach Deutschland/Europa umgesiedelt.

Sie werden in einer Welt leben, in der alle demokratischen diplomatischen Systeme vollständig versagt haben, in der jederzeit wieder ein „totaler Krieg“ droht – wie aktuell im Nahen Osten (siehe Spiegel), ohne dass sich jemand darüber wundert, wie das eigentlich geschehen konnte, wie es sein kann, dass sämtliche Sicherheitssysteme, die während des „Kalten Krieges“ aufgebaut wurden, vollständig versagt haben.

Sie werden in einer Welt leben, in der sie – politisch gesehen – nur noch die Wahl zwischen zwei Alternativen haben: bedingungsloser Gehorsam gegenüber den Parolen des Wi/Me/Pol-Kartells … oder „braun“ sein, was ein Synonym für „absolut böse“ ist.

Sie werden in einer Welt leben, in der der Krieg Reich gegen Arm eskaliert, in der reiche Machtkartelle den Staat beseitigen, wie sie ihn schon in Afghanistan, Lybien, der Ukraine und dem Irak beseitigt haben, um blutrünstigen „privaten“ Banden Tür und Tor zu öffnen … Banden, die von Reichen finanziert werden, Banden, die nun jenes Öl verkaufen, dass Syriens Regierung nicht mehr verkaufen durfte.

Ehrlich gesagt: hätte ich ihnen lieber eine andere Welt hinterlassen.

PS: sie werden mich nun zurecht fragen, wie man mit der Flüchtlingskatastrophe denn umgehen sollte. Ich möchte die Frage allerdings gerne weitergeben: ich hielt schon die Bombadierung ihrer Heimat für falsch, halte ihre Ausbeutung für ungeheuerlich und die Vorspielung des „Paradieses Deutschland“ für unverantwortlich … und ich kann nicht alle Probleme lösen, die die Lumpenelite produziert. So gedanken- und verantwortungslos wie derzeit agiert wird, nehme ich an, dass die Lösung „braun“ (noch brauner als bei der Europawahl) ausfällt … was der Lumpenelite ebenfalls sehr gefallen wird, erhöht es doch ihre Macht gegen den Staat als solchen, der Schutzgemeinschaft der Bürger. Die Flüchtlinge wird letztlich keiner haben wollen (außer denen, die man „nutzbar“ machen kann), sie werden sich überwiegend zu den deutschen „Parasiten“ gesellen müssen … und keine sonderliche Zukunft in einem Land haben, das ganz schnell wieder „Migrationshintergrund“ als „verdächtig“ ansehen wird. Eine perfide Entwicklung … an der vor allem die Reichen gut verdienen werden, die sich aktuell an der steuerfinanzierten Unterbringung der Flüchtlinge durch Traummieten eine weitere goldene Nase verdienen (siehe Süddeutsche). Verlieren werden die Armen.

Doch wen interessieren die schon.

Was mir jedoch … ehrlich gesagt … etwas fehlt, ist die große Solidarität der Reichen in diesem Land, die einfach mal die Hälfte ihres Vermögens spenden (sagen wir mal: 2,5 Billionen Euro), um diese „historische Herausforderung“ bewältigen zu können. Aus dieser Richtung kommen jedoch … wie immer … nur Forderungen „an alle“, die die Gürtel wieder mal enger schnallen sollen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Fall Kerstin Baither – Jobcenter Gnadenlos und Rechtswidrig

Ohne Worte!!

Bildungsferne Schichten – Neofaschismus in Deutschland

Digital StillCamera

Donnerstag, 25.6.2015. Eifel. Es tobt ein Krieg in Deutschland – gnadenlos, ohne Rücksicht, brutal … und noch ziemlich verdeckt. Es ist – erstmal noch – ein subversiver Krieg, der allerdings ein eindeutiges Ziel hat: die Spaltung der Gesellschaft in eine halbgottähnliche Herrenrasse und eine ameisenhafte Unterschicht. Wir Deutschen kennen das schon: wir haben dieses Lied schon einmal gesungen: 1933-1945. Viele Elemente, die damals im Chor waren, wurden nie ausradiert und sehen seit einigen Jahren ihre Chance gekommen, das neue Reich, den Neofaschismus, so leise wir möglich wieder zu errichten.

Doch – huch: was sind das für Worte? Halbgottähnliche Herrenrasse? Ja – sie arbeiten mit Hochdruck daran, dieses Bild in der Öffentlichkeit zu erzeugen. Sie haben perfekte Körper – dank dem massiven Einsatz verstümmelnder Chirugie. Sie bewegen sich in Fahrzeugen über Land, von denen die Masse der Einwohner nur träumen kann, können Sprit in solchen Mengen verbrauchen, als ob die Sonne selbst ihnen Energie geben könnte, sie können fliegen – und zwar in edelstem Ambiente – erhalten als „Promis“ von den Medien eine Verehrung, wie sie früher nur antiken Götterstatuen zukam, reisen in edelsten Yachten, tragen Kleidung zum Preis von Einfamilienhäusern, schmücken sich mit edelsten Steinen und Düften, für ein ein normaler Mensch drei Leben lang arbeiten müsste und wohnen in Nobelheimen, die selbst Asgard, den Olymp oder das Paradies selbst als billige Kaschemmen deklassieren. Sie leben auf Ländereien, die eine Stadt beherbergen könnten, reservieren sich die reinsten Naturparadiese für sich selbst – wie auch die schönsten Frauen (oder Männer) dieses Planeten.

Tag für Tag demonstrieren sie der Unterschicht ihre epochale Überlegenheit: im Straßenverkehr, in der Luft, im Stadtbild, im Fernsehen. Lediglich die mangelnde Bildung in der Bildungsrepublik Deutschland führt dazu, dass sie nicht sofort als das erkannt werden, was sie sein wollen: eine Herrenrasse, geschaffen aus täglichem Bade in großem Geld, den Ameisenmenschen in allem überlegen, was das Auge nur erfassen kann.

Doch noch ein großes Wort erfüllt mit Furcht: Neofaschismus. Ehedem bezeichnete man damit Menschen, die nicht verstanden haben, das Adolf Hitler – der große „Erlöser“ des deutschen Volkes – tot ist und zudem ziemlich dumm war, doch damit verkürzt man den Faschismusbegriff soweit, dass er nicht mehr funktioniert und uns vor echtem Neofaschismus warnen kann, gleichfalls verkürzt man ihn, wenn man ihn auf bloßen Antisemitismus reduziert. Zwar war der Jude der dramatische Bösewicht im Reich der Herrenmenschen, ein Bösewicht, den man brauchte, um die eigenen Reihen fest geschlossen zu halten – doch der Faschismus erschöpfte sich nicht im Antisemitismus. Primär wollte er – sogar durch „Züchtung“ – eine reine, edle Herrenrasse etablieren, die allen anderen auf der Welt überlegen war – vor allem den minderwertigen Slawen im Osten und den degenerierten Demokraten im Westen, die zwar biologisch der Herrenrasse nahe kamen, aber als ideologisch verseucht galten.

Doch kehren wir zurück zum Krieg, der sich primär erstmal in der Phase der „Machtergreifung“ befindet, in der Phase der Spaltung der Gesellschaft in „gut“ (adelige Herrenrasse) und „böse“ (minderwertige Untermenschen). In seine heiße Phase trat er im Jahre 2005 ein, als Millionen von Arbeitslosen enteignet und einer Verfolgungsbehörde von 110000 Mitarbeitern mit 50 Milliarden Euro Jahresbudget ausgeliefert wurden – zum Vergleich: für die Bundeswehr gaben wir im Jahre 2013 30 Milliarden Euro aus – trotz deutschen Bestrebens, weltweit als Söldner des ominösen „Westens“ aufzutreten. Die Schaffung einer vogelfreien Unterschicht ist den Neofaschisten in Deutschland halt viel wert – mehr, als die Verteidigung des Landes gegen äußere Feinde. Auf einmal wurde – per Gesetz – aus einem normalen Arbeitslosen, der eine Versichungsleistung bezog, für die er ordentlich eingezahlt hatte, ein Sozialschmarotzer – ein Neojude – verantwortlich für alles Böse dieser Welt.

Diese Erschaffung der Agenda 2010 war ein bewusster Akt zur Schaffung einer flächendeckenden Unterschicht, prima dazu geeignet, eine Oberschicht herauszuarbeiten, die besser riecht als wir, besser aussieht als wir, schneller fährt und weiter fliegt als wir, nobler wohnt als wir …. kurzum: besser lebt als wir und deshalb auch besser ist als wir: die Bessermenschen waren geboren und erzeugten fortan einen enormen „run“ der Restmenschen auf die Symbole der Bessermenschen, in der Hoffnung, das die Anschaffung eines spritfressenden SUV´s zur problemlosen Verlängerung des Lebensberechtigungsscheins führte und regelmäßige Fernstreisen in die letzten unberührten Naturareale vor dem Tode bewahren.

Natürlich ist man in der Welt der besseren Herrenmenschen – bleiben wir kurzerhand bei: Bessermenschen – nicht so blöd und führt den Putsch so offen wir möglich aus, noch ist es zu früh, die Masken fallen zu lassen, noch besteht die Gefahr, dass bei der nächsten Wahl 50 Prozent der Deutschen die „Bibeltreuen Christen“ wählen, die „Violetten“ oder die „Familienpartei“ – was schon reichen würde, um „das System“ für vier Jahre lahm zu legen und der geschundenen Demokratie eine Chance auf Erholung zu geben. Stattdessen arbeitet man lieber subversiv – dafür aber auf allen Kanälen … vor allem: auf allen Fernsehkanälen, die einem als „Hintergrundmusik“ in Werbung und Krimi vor allem eins zeigen: wie „man“ zu leben hat, um die Gunst der Bessermenschen zu erringen.

Subversiv? Ein wichtiges Wort, bitte merken Sie es sich (siehe neues Wort)

„Das Adjektiv subversiv bedeutet “umstürzlerisch” und beschreibt Tätigkeiten, die erstens auf den Umsturz oder die Änderung der vorherrschenden (staatlichen) Ordnung abzielen und zweitens oft im Verborgenen betrieben werden. Auch die diese Tätigkeiten ausführenden Personen oder Organisationen können als subversiv bezeichnet werden.“

Ja – es soll eine staatliche Ordnung verändert werden – und sie wird auch verändert. Ein wichtiges Instrument dafür ist erstmal die Sprache, Sprache, die unsere ganze Wirklichkeit definiert. „Neojude“ beschreibt zwar den faktischen Stellenwert einer Personengruppe innerhalb einer faschistoiden Herrenmenschengesellschaft, wäre aber zu deutlich und zu leicht identifizierbar, man konstruiert im Krieg der Worte lieber andere Begriffe, die die gleiche Funktion haben und derselben Vernichtungsabsicht dienen, aber an der Masse der Gesellschaft erstmal unbemerkt vorübergehen. Um einen der zentralen Kampfbegriffe geht es hier: „bildungsferne Schichten“ lautet er.

Bevor wir uns dem Begriff nähern, erstmal jedoch eine Frage: was ist denn das, „Bildung“?

Ein akzeptable Definition finde ich in Österreich – gerade in einem Artikel über „bildungsferne Schichten“ (siehe diePresse):

„Anders als Ausbildung, die abprüfbar dazu führt, dass man etwas kann, zeichnet sich Bildung dadurch aus, dass sie dazu führt, etwas zu werden: eine bewusste, darüber nachdenkende und dies erwägende Persönlichkeit.“

Anders als bei Günter Jauch durch Abfragen von „Technoquatsch“ und „Wissensmüll“ eine Million zu verdienen, dient Bildung dazu, zu hinterfragen, was denn da eigentlich genau in dieser Sendung geschieht, welchen Stellenwert das dort abgefragte „Wissen“ im Alltag der Menschheit hat, welchen Nutzen es bei der Gestaltung der Zukunft und der Ausformung eines glückseligen Charakters hat, der allen Stürmen des Lebens gelassen trotzen kann (das Ergebnis ist: Null – nur mal für die ganz neugierigen Leser).

Bildung ermöglicht eine bewusst nachdenkende, abwägende Persönlichkeit – für solche Menschen haben die Bessermenschen auch einen Begriff erfunden: „Verschwörungstheoretiker“ – wer selber denkt, ist schon verdächtig.

Auch die Bundeszentrale für politische Bildung – die Speerspitze unsere Bildungsrepublik – befasst sich mit diesem Begriff – auf sehr entlarvende Weise (siehe bpb):

Die Zusammenhänge zwischen einem schwachen sozialen Hintergrund und einem niedrigen Bildungsniveau sind in Deutschland auffallend hoch. Es existiert eine bildungsferne Schicht, deren Bildungsmängel so gravierend sind, dass daraus individuell prekäre Lebenslagen und gesellschaftliche Probleme erwachsen. Zur Entschärfung dieser Probleme sind geeignete Bildungsmaßnahmen zu entwickeln, die dieser bisher hochgradig vernachlässigten Zielgruppe ein selbstbestimmtes Leben in sozialer Verantwortung ermöglichen.

Der Artikel aus dem Jahre 2007 – jener Zeit, als die SPD noch meinte, es gäbe kein Prekariat (siehe RP), obwohl sie es selbst geschaffen hatte – ist für gebildete Menschen kaum zu ertragen, voller Unlogik, Kurzschlüsse und haltloser Vorurteile – aber in bildungsfernen Zeiten, wo Bildung selbst zur verbalen Abstrafung als „Verschwörungstheoretiker“ führt, geht so etwas locker als „politische Bildung“ durch.

Noch irrer wird es, wenn wir in die Hamburger Morgenpost schauen: (siehe Hamburger Morgenpost)

Trotz eines erleichterten Hochschulzugangs ist die Studierbereitschaft von jungen Menschen mit Hochschulreife aus bildungsfernen Schichten deutlich gesunken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Zentrums für europäische Sozialforschung, die die Vodafone Stiftung in Berlin vorstellte.

Junge Menschen mit Hochschulreife – der höchste Schulabschluss in Deutschland, trotzdem bleibt man „bildungsfern“. Wie verblödet muss man sein, um solche Sätze formulieren zu können? Wer Bildung hat, erkennt schnell: hier handelt es sich um einen Kampfbegriff, um einen Begriff, der als Waffe ersonnen wurde und als solche benutzt wird, einen Begriff, der sozial – noch nicht physisch – eliminieren soll und seine Bestimmung immer perfekter erfüllt. Gemeint ist damit eigentlich: ARM.

Die Bessermenschen wählen auch nicht den Weg über das staatliche Schulsystem, ihre Kinder werden in gesonderten Ordensburgen erzogen – gleich den Ordensburgen der Nationalsozialisten:

„Die Luxusliebenden zieht es in die Schweiz, ins Lyceum Alpinum, 1850 Meter über dem Meer, keine 20 Minuten von Sant Moritz entfernt. Die Freunde des Lyceums werben mit den Namen der prominenten Absolventen: Ferdinand Piech, Graf von Faber-Castell und Gunter Sachs sind hier zur Schule gegangen. Und dann sind da noch die Schlösser. Idyllisch an Seen oder auf Bergen gelegen, locken Schloss Luisenlund im Norden, Schloss Torgelow im Osten, Schloss Neubeuern im Süden und natürlich der Platzhirsch, Schloss Salem“ (aus: Gestatten Elite, Auf den Spuren der Mächtigen von morgen, Julia Friedrichs, Hoffmann und Campe, 1. Auflage 2008, Seite 187).

Angestrebt wird durch die Ausbildung der Elite in Ordensburgen eine Sicherung der Position der Bessermenschen in den Führungsetagen der Wirtschaft nach britischem Vorbild:

„Sein Kind nach Eton, Winchester oder Harrow zu schicken kostet soviel, wie ein Durchschnittsbrite pro Jahr verdient. Stipendien gibt es kaum, die Upperclass ist unter sich und bleibt es. Die Absolventen der britischen Privatschulen führen die britischen Banken und Versicherungen, sie leiteten im Jahr 2005 über die Hälfte der großen, britischen Unternehmen.“ (Friedrichs, a.a.O.)

Selbst im Studium hilft Geld, Firmen ähnlich „Textconsulting“ (deren Betreiber – ausgewandert nach England –  unter anderem in pseudowissenschaftlichen Blogs auch vor dem „Horror der sozialen Gleichheit“ warnen – oder meinen, dass man sich „Pazifismus leisten können“ muss) erstellen Gutachten, mit denen Papas Anwalt die Professoren der Universitäten durch die Gerichtsäle jagt, bis der Wunschabschluss erreicht ist.

Die besondere Qualität des Bessermenschen? REICH, sonst nichts. Oder geil auf Reichtum, das reicht auch schon aus, um gehobene Dienstleistungsfunktionen zu ergattern. Die Gründer des christlichen Abendlandes – griechische Asketen, römische Stoiker und christliche Schriftgelehrte und Eremiten sowie französische Kaiser (ja – auch Napoleon gehört dazu, siehe Code zivil)- würden sich ob dieser Degeneration des Bildungsbegriffes im Grabe umdrehen, die Kenntnis von Prada, Hugo Boss und Manolo Blanic haben das Studium der platonischen Schriften und augustinischen Lehren komplett ersetzt.

Doch wir stoßen hier auf ein weiteres Element, dass der Betrachtung wert ist: die Anfälligkeit der Deutschen für faschistoide Systeme, eine Schwäche, die einen Hitler samt SA ermöglichte (siehe FAZ):

Die Deutschen dagegen, so gleichheitsliebend sie sich in Umfragen auch geben mögen, denken auch hundert Jahre nach der Abschaffung der Stände gern in Schichten. Viele halten angeblich die Schichten für so festgefügt, dass sie nicht mehr an die Möglichkeit eines „Aufstiegs“ von unten nach oben glauben. Offenbar hält sich sogar in einer vom Ausland oft für egalitär gehaltenen Gesellschaft eine Art Kastendenken.

Ein Kastendenken, dass dazu führt, dass Jugendämter immer mehr Kinder aus „bildungsfernen Schichten“ „in Obhut nehmen“ – eine Tatsache, die in den USA schon als „Echo Nazideutschlands“ registriert wurde (wir berichteten).

Noch gibt es Widerstand in Deutschland – noch. Jedenfalls bis zur Abschaffung des Bargeldes (darüber … werden wir noch berichten, da droht ein Horror der besonderen Art). Noch findet man in den Medien wache Geister – jedoch ohne Macht (siehe t-online):

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio, selbst Kind italienischer Einwanderer, wandte bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein, dass man den Ausdruck „bildungsferne Schichten“ überhaupt nicht akzeptieren dürfe. Dies manifestiere auch 100 Jahre nach Abschaffung der Stände deutsches „Kastendenken“, in dem nur wenig Durchlässigkeit für einen „Aufstieg von unten nach oben“ bestehe.

Ähnlich kritisch sieht das die Nationale Armutskonferenz (NAK). Sie spricht dem Begriff jegliche Neutralität ab und hat deshalb vergangenes Jahr „bildungsferne Schichten“ nach „sozial Schwache“ auf Platz fünf der Liste der sozialen Unwörter gesetzt, die allesamt als irreführend, diskriminierend oder schlichtweg als semantischer Unsinn negativ auffallen. „Sprache ist nicht neutral, Sprache bewertet.

Sprache bewertet. Teilt Freund und Feind, zündelt am Bürgerkrieg zwischen Reich und Arm, einem Krieg, der die Lebensumstände der nächsten tausend Jahre prägen wird (wie wir noch berichten werden). Ja – wirklich tausend Jahre, denn mit den Speicher-, Registratur- und Überwachungsmedien der Moderne wird jeder Widerstand gegen den anwachsenden Neofaschismus der reichen Bessermenschen gegen die Armen – alle Armen, auch jene mit Abitur und Doktortitel – bedeutungslos, erst recht, wenn Drohnen das Land perfekt überwachen – und Polizeiroboter die Exekutive bilden.

Warum das zur Gegenwehr reizen sollte?

Das Wort Bildungsfern führt direkt in die Gaskammer – und ich unterstelle jedem, der es benutzt, genau diese Absicht … es sei denn, er erklärt sich offiziell zum Idioten, der keine Ahnung von dem hat, was er so daherblubbert. Allerdings rechne ich weniger mit Konzentrationslagern – aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen. Schon damals zeigte sich aber, wie wichtig eine funktionierende EDV für den reibungslosen Ablauf des Geschäftes hat. Neue Technik erlaubt aber eine ganz andere Form der Ausgrenzung – mitten im Alltag.

Und dieser Zukunft nähern wir uns jeden Tag ein kleines bischen mehr an.

Zweifel an der Gaskammer – bzw. der Vernichtungsabsicht?

Was meinen Sie. wie lange die Bessermenschen ihre kostspielige Existenz als Minderleister finanzieren möchten, wo doch Roboter Ihre Arbeit viel besser machen? Sie – als Mitglied der privatschulfernen Schichten (um mal einen anderen, passenderen Begriff dafür einzuführen, weil Ihre Eltern keine 20000 Euro pro Schuljahr in Ihr Abitur investiert haben) – können noch nicht mal eine Tiefkühlpizza in den Backofen schieben … wie mir letztens versichert wurde.

Doch durch solche Aussagen wird den „bildungsfernen Schichten“ jener Rest an Menschlichkeit abgesprochen, der verhindert, dass sie wie Ungeziefer ausradiert werden.

Und auch das ist ein passendes Synonym für „bildungsferne Schichten“ aus der Sicht der Bessermenschen: UNGEZIEFER.

Das sind WIR für DIE, die jeden Abend zu uns aus dem Fernseher sprechen.

Aber das muss uns wahrlich nicht auch noch gefallen.

 

 

Max Uthoff über sozialstaatliches Waterboarding Hartz IV

[…] Täglich müssen Tausende von Menschen an den Tafeln um Essen betteln und dann kommt Katrin Göring-Eckardt … Die ihre volkswirtschaftlichen Erkenntnisse im internationalen Institut für Milchmädchen erworben hat, die mit ihrer Partei „Die Grünen“ – Hartz IV und die Armut überhaupt erst manifestiert haben, und schreibt in ihrem Buch über die Tafeln: Es ist ein Glück, dass es die Tafeln gibt, sie sind die Antwort auf das Problem der Armut in unserem Land. Katrin Göring-Eckardt deren Verstand sich vor langer, langer Zeit – wie ein Auswanderer in südliche Gefilde abgesetzt hat, um dort an der Strandbar ein Bier zu trinken, zusammen mit der Würde von Joschka Fischer […] – Max Uthoff

 

Angela Merkel: Deutschland geht es schlecht!

Digital StillCamera

Dienstag, 14.4.2015. Eifel. Kaum zu glauben, aber wahr: das Kanzleramt startet schon wieder eine neue „Bürgerversteher-Initiative“ (siehe Spiegel). Eigentlich eine erfreuliche Nachricht – stünde das Ergebnis nicht schon von vornherein fest: „Deutschland geht es gut“. Wer kennt sie nicht, die offizielle Parole der Kanzlerin, in vielen bunten Blättern oft beschrieben? Sicher werden manche dieser Parole auch zustimmen, wenn sie in ihrem Golfclub sitzen, aus dem Ledersessel heraus durch die Schlossfenster an einem Champagner nippend über das Grün starren und sich von den ständigen Anrufen ihrer Anlageberater belästigt fühlen, weil schon wieder irrsinnig viel Geld aufgelaufen ist, das verwaltet werden möchte.

Viele Deutschen jedoch sehen das anders – nur werden die von der Kanzlerin nicht zum Essen ins Kanzleramt eingeladen, ja, die werden sogar kaum Zeit haben, sich um diese Initiative groß zu kümmern, weil der Alltag sie mit allerlei Terror überzieht. Sicher: wer reicht ist, der wird immer reicher, kann sich gar nicht mehr dagegen wehren. Die Zahl der Millionäre und Milliardäre und Supermilliardäre in Deutschland nimmt ja auch gewaltig zu: harmlose Leibesertüchtiger und Fernsehclowns werden von der Industrie (und durch die Zwangseintreibungen der GEZ) mit Millionen überschüttet, um den Rest der Bürger in engen Bahnen zu führen. 5,3 Millionen Euro verdient der Verwaltungsangestellte in Spitzenpositionen – Tendenz: enorm steigend (siehe Spiegel). Was machen diese Leute mit dem Geld – bringen es in die Schweiz. Dort befinden sich auf der Liste der 300 reichsten Schweizer allein 60 Deutsche (siehe Spiegel).

Terror im Alltag?

Ja, Arbeit zum Beispiel.

„Viele Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten mehr, als ihnen guttut. Grund ist der hohe Druck am Arbeitsplatz, der viele Beschäftigte dazu verleitet, fahrlässig mit ihrer Gesundheit umzugehen.“ (siehe Zeit).

„Fahrlässig mit der Gesundheit umgehen“ heißt auf Deutsch: enorme Kosten für die Sozialkassen produzieren, die anfallen, wenn die Gesundheit zusammenbricht. Wer arbeitet normalerweise so? Sklaven, Zwangsarbeiter, Menschen, deren Leben in Gefahr ist. Ja – schauen Sie sich das mal genau an:

„18 Prozent stoßen oft an ihre Leistungsgrenzen, 23 Prozent machen keine Pausen. Jeder Achte kommt sogar krank zur Arbeit.“

„42 Prozent beklagten, dass das Arbeitsumfeld durch steigende Leistungsziele geprägt werde. Jeder Dritte weiß nicht mehr, wie er den Ansprüchen gerecht werden soll. Werden zu hohe Ziele dennoch erreicht, gelten diese sofort als neuer Maßstab.“ (siehe Spiegel).

Wir wissen auch genau, warum das so ist. „Führen mit Zielen“ nennt sich das – da kann Frau Merkel einfach mal die Geburtstagsrunde um Ackermann befragen, die haben das in Deutschland mit eingeführt. Das Prinzip ist ganz einfach: die Leistung wird vorgegeben – alle befinden sich im Daueraccord … zu dem man sich früher freiwillig melden musste, weil nicht jeder mit diesem Druck gut zurechtkommt. Renditen und Dividenden (also: leistungsloses Einkommen) müssen in ständig steigender Höhe erwirtschaftet werden, will Ackermann eine Rendite von 25 %, dann bekommt irgendjemand (und zwar viele) diese Zahl auf ihren Schreibtisch und haben sie zu erfüllen.

Dort, wo Vernunft herrscht, erkennt man den Wahnsinn schnell – selbst wenn es sich nur um 10 Prozent Steigerungsrate handelt. Nehmen wir mal an, Sie müssen Ihre Arbeitsleistung jährlich um 10 Prozent steigern … dann arbeiten sie in zehn Jahren doppelt soviel wie heute … sind aber nicht mehr so jung. Nochmal zehn Jahre … da arbeiten sie schon viermal soviel wie heute: entweder waren sie in ihrer Jugend also ein völlig fauler Sack … oder Sie sind mit Mitte vierzig völlig am Ende. Und dies stellt keine Momentaufnahme da, sondern einen sich beständig steigernden Prozess, der zentral gesteuert wurde.

Zentral gesteuert?

Ja. Wer in den neunziger Jahren mit Mitarbeiterführung zu tun hatte, hat den Wechsel deutlich miterlebt – aber auch andere bemerkten die Armeen der „Unternehmensberater“, die „Führen mit Zielen“ in Behörden, Universitäten, Firmen und Konzernen einführten: ein Fest für Verschwörungstheoretiker … wenn die es nur mal finden würden. Ganz viel Geld von Steuerzahlern, Beitragszahlern und Firmenbelegschaften floss überreichlich in diese Berater, die das Land, die Wirtschaft, ja, das ganze Leben umbauen sollten …. und umbauten. Wer hat sie nicht gesehen, wie sie mit ihren Stoppuhren sogar durch Schulen wanderten, um Maximierungspotentiale zu erschließen, so den Grundsatz ins Land zwingend, dass wir für die Arbeit leben und auf ewig zu leben haben, damit eine kleine Oberschicht ihre leistungslosen Einkünfte hat.

Für Menschen, die von den frei erfundenen Gesetzen des Kapitalmarktes leben dürfen, ein Paradies, für Menschen, die jedoch nur ihre Arbeitskraft vermarkten können, ein Horror. Es ist ein Spiel, dass sie niemals gewinnen können: logischerweise erreichen Sie im Alter (das heißt heutzutage schon ab 40 … oder ab 35, je nach Branche) irgendwann die Grenze, wo das Alter selbst die Leistungsgrenze runterfährt … jene Grenze, die sie selbst durch ihre eigene, meist unterbezahlte Arbeit sehr hoch geschoben haben.

Vernichtung durch Arbeit geht auch ganz ohne Lager.

Man hätte schon in den neunziger Jahren wissen können, wo das ein Vierteljahrhundert später endet, doch Deutschland wählt lieber konservativ – und das heißt: es wählt lieber doof (siehe Spiegel):

„Je intelligenter Menschen sind, umso eher sind sie bereit, sich auf Neues einzulassen. Konservative und religiöse Menschen haben hingegen einen geringeren Intelligenzquotienten“

Das gilt auch für konservative Akademiker – den Artikel aber mit einem biersaufenden Horst Seehofer zu ilustrieren, war gemein vom Spiegel.

Haben Sie eigentlich eine Vorstellung davon, wie hoch das leistungslose, bedingungslose Grundeinkommen der feudalen deutschen Oberschicht ist?

2003 belief es sich auf 12 Milliarden Euro, für 2015 werden 37 Milliarden erwartet, 2016  schon 40 Milliarden angepeilt (siehe Welt). Sicher, Kritiker weden einwenden: dass ist nur Theorie – und eine bedeutungslose Folge des „billigen Geldes“ der EZB, große Fonds kaufen aufgrund schierer Verzweiflung und Langeweile gigantische Mengen an Aktien und treiben den Kurs künstlich nach oben, bis die ganze Blase platzt – darum läßt man sich ja sogar beim Golfspielen vom Anlageberater stören: man muss auf der Hut sein, wenn die Verkaufswellen starten. Wer da pennt, kann ganz schnell arm werden.

Wissen Sie, was die Arbeitslosen den Bund kosten? Die viel gescholtenen Kostentreiber der Republik? 19 Milliarden Euro im Jahr (siehe: gegen-Hartz). Näme man der feudalen Oberschicht nur die Hälfte der Gewinne: es wäre Schluss mit der Armut in Deutschland. Wir hätten wieder einen richtigen SOZIAL-Staat – anstatt einen FEUDAL-Staat für Neureiche und die vielen Millionen, die es gerne werden wollen.

Ach ja – die Arbeitslosen. Damit die Reichen durch die Überarbeitung der arbeitenden Menschen immer reicher werden konnten (eine andere Formulierung für: „Führen mit Zielen“), musste der Sozialstaat abgeschafft werden: die letzte Fluchtmöglichkeit vor der Vernichtung durch Arbeit musste eliminiert werden, das geschah durch die Agenda 2010, eine sozialdemokratische aber trotzdem konservative (also: doofe) Sozialreform, die vor allem eins ist: verfassungsfeindlich (siehe Zeit). Durch die Agenda 2010 instrumtalisierte die SPD den Sozialstaat zur Rute, mit der Arbeitnehmer weiter geknechtet werden konnten, bei Widerstand und Zuwiderhandlungen drohen verfassungswidrige Sanktionen, die zum Tode führen können: eine entsetzliche Wahrheit unserer Zeit, die kaum noch eine laut auszusprechen wagt – schnell könnte die Politik über gute Kontakte zu Wirtschaftsverbänden einzelne Unternehmer (also: meinen Chef!) dazu motivieren, mich vor die Tür zu setzen.

Dabei ist Arbeitslosigkeit kein Straftatbestand (also: in Deutschland de facto schon), Arbeitlose sind zudem nicht „schuld“ daran, dass ihre Körper so empfindlich sind und ohne ausreichend Wärme, Flüssigkeit und Nahrung einfach nur tot und stinkend in den Einkaufspassagen der Städte liegen würden. Arbeitslosigkeit ist eine Folge doofer Politik, die die letzten industriellen Revolutionen einfach verpasst hat und gerade die nächste verpennt.

Wirklich schön doof: da hat man auf der einen Seite eine gut gepamperte, weich gepuderte Allianz von Banken, Wissenschaftlern und Unternehmern, die beständig mit Hochdruck an der Reduktion von Arbeitskosten (sprich: Arbeitsplätzen) arbeiten und auf der anderen Seite Politiker, die per Gesetz eine Gesellschaft so konstruieren, dass der Erwerbsarbeitsplatz Gundlage einer jeden gesellschaftlichen Teilhabe wird – das kann nur schief gehen.

Man könnte eine Gesellschaft per Gesetz auch anders konstruieren – zum Beispiel die Dividenengewinne aus der fortschreitenden industriellen Revolution zu 50 Prozent zu Deckung der Kosten verwenden, die für die Folgen dieser Revolution aufgewendet werden müssen, anstatt immer nur Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren, ja, man könnte sogar eine ganz neue Wirtschaftsordnung gestalten – die Leipziger Studentin Felicitas Sommer zum Beispiel hätte da ein paar Ideen für eine lebenslustige Gesellschaft ohne Wachstum (siehe LVZ-online).

Wie es aussieht, wird es auch höchste Zeit für solche Alternativen. 60 Prozent der Bürger in Deutschland sehen die Demokratie als marode an (siehe Handelsblatt), 80 Prozent berichten Ähnliches vom Zustand der deutschen Straßen (siehe Stern), für deren Erhaltung der Staat viel Geld kassiert, dass er aber lieber in Diäten der Abgeordneten investiert, die sich – siehe „Soli“ – den lieben langen Tag mit der Erfindung neuer Steuerarten beschäftigen, um die eigenen Taschen noch weiter füllen zu können. Sogar aus den Reihen der gut versorgten staatlichen Wissenschaftler kommen beunruhigende Nachrichten: der Kapitalismus ist kaputt (siehe Spiegel):

„So sieht’s aus: Der Kapitalismus funktioniert nicht mehr, wie er soll. Billiges Geld treibt die Börsenkurse in immer lichtere Höhen, während gleichzeitig weniger Mittel in neue Maschinen, Anlagen und Knowhow fließen. Das hat drastische Folgen: Weil die Produktivität der Arbeiter kaum noch steigt, stagnieren ihre Löhne. Parallel dazu explodieren förmlich die Einkommen derjenigen, deren Entlohnung vom Finanzmarkt beeinflusst wird – siehe die stark gestiegenen deutschen Vorstandsgehälter.“

Die Folgen?

Immer mehr Deutsche geraten in eine Schuldenspirale (siehe Heise):

„Der Wirtschaft geht es gut, wenn die Menschen konsumfreudig sind. Dafür brauchen sie Geld, sind also auch Lohnsteigerungen notwendig, um nicht von Renten etc. zu sprechen. Zwar gab es in den letzten Jahren einen leichten Anstieg der Realeinkommen, vor allem wegen dem geringen Anstieg der Verbraucherpreise, aber die zwischen 2001 und 2009 erlittenen Einbußen werden noch nicht wettgemacht. Und es gab praktisch keine Veränderung des Realeinkommens im Vergleich zu den neunziger Jahren. Dagegen steigen bekanntlich die Vermögen und werden die Reichen immer reicher. Aber das fließt nicht in den Konsum, sondern eher zu den Börsen.“

Gäbe man das Geld den Arbeitslosen – der Staat hätte durch den steigenden Konsum, die zusätzlichen Arbeitsplätze, die wiederum mehr Konsum nach sich ziehen, mehr davon. Für jeden in Arbeitslose investierten Euro (aber: WIRKLICH in Arbeitslose, nicht in die Aasgeier, die als Coaches, Trainer, Berater von ihrem Elend profitieren) bekommt der Staat 1,6 Euro zurück: das rechnete der Nobelpreisträger für Wirtschaft Joseph Stiglitz vor. Steckt man das Geld in Reiche – stecken die es so lange in die Börse, bis der erste Großanleger verkauft: dann kippt das System und vernichtet wieder staatliche Gelder in Billionenhöhe.

Ach … wie schön wäre eine Regierung, die mal nicht konservativ ist – anstelle jener, die offen doof oder versteckt und verhalten doof sind.

So müssen wir uns an Meldungen gewöhnen, dass ein Hedge-Fond-Manager (also: ein Verwaltungsangestellter), der von der Verwaltung der Gelder unseres Golf-spielenden Snobs lebt, seiner Frau 450 Millionen Euro wegen der Scheidung überweisen muss (siehe Spiegel) … das sind 2,4 Prozent der GESAMTEN LEISTUNGEN DES BUNDES AN ARBEITSLOSE. Also: mit dem Vermögen von 20 Hedgefondmanagern (NUR ihrem PRIVATVERMÖGEN) könnten wir Millionen von Arbeitslosen über Wasser halten, von denen wir noch viel mehr erwarten dürfen: in fünf Jahren hält die vierte industrielle Revolution in der Kölner Verwaltung – dem letzten Biotop für gemütliche Minderleister – Einzug: eine Smart-Phone-App ersetzt die Meldeämter (siehe KSTA). Wer nicht gerade unter der geistigen Einschränkung „konservativ“ leidet, weiß, was das für die anderen Ämter in Deutschland (und Millionen anderer „Dienstleister“) bedeutet: eine Massenarbeitslosigkeit, wie wir sie noch nie gesehen haben.

Schon wieder.

Und was macht die Regierung, die Elite, die Wissenschaft dagegen?

Zitieren wir Georg Diez aus dem Spiegel, der hier für uns antwortet (siehe Spiegel):

„Kein Wille zur Veränderung, keine neuen Strukturen, keine zupackenden Gestalter: Was eine soeben erschienene Streitschrift den Universitäten attestiert, lässt sich problemlos auf andere Institutionen in diesem Land übertragen.“

Nun – liebe Frau Merkel – ein paar klare Worte direkt an Sie.

Sie brauchen die Deutschen nicht noch mal befragen, die in diesem Artikel gesammelten Quellen belegen eindeutig: es geht Deutschland schlecht. Den Straßen, den Menschen, den Gebäuden – alles marode, krank, bis an die Grenze des Zerbrechens überbelastet, viele nur noch durch staatliche Gewalt durch die Straßen gejagt – die im 21. Jahrhundert subtiler daherkommt als zu früheren, feudalen Zeiten. Mangelndes Geld – das an anderen Stellen, wo es sich sowieso schon angehäuft hat – üppigst sprudeld … Steuergeld, wohlgemerkt … erstickt jede Kreativität im Land, mangelnde Bildung fördert breitflächig jene Blödheit, die uns hindert, die Herausforderungen der Zukunft mutig zu gestalten. Statt dessen verharren wir bangend in beengten Verhältnissen, die jährlich für immer mehr Menschen immer unerträglicher werden.

Sie machen stattdessen große Weltpolitik, führen Deutschland durch erstaunlich geistlose Urteilsbildung an den Rand eines Weltkrieges (siehe Focus), und wenn das nicht klappt, wenigstens an den Rand eines Weltwährungskrieges (siehe Manager Magazin … der Artikel wurde 2014 großzügig bei „Lifestyle“ versteckt, damit ihn nur wenige finden), lassen zu, dass der Sozialstaat (den wir angesichts der immer dichter aufeinander folgenden industriellen Revolutionen dringend brauchen – und von Helmut Schmidt mehrfach als „Europas größte kulturelle Errungenschaft im 20. Jahrhundert“ bezeichnet) ins Heimatmuseum gesteckt wird (siehe n-tv) und in den Schulen größmöglicher weltfremder Unfug praktiziert wird (siehe Spiegel) … obwohl wir unsere Jugend auf eine ganz ander Zukunft, eine ganz andere Art zu leben vorbereiten müßten.

Aktuell kippt auch mehr und mehr der Glaube an die Justiz – einem Menschen das Augenlicht zu rauben, bleibt folgenlos für die staatlichen Täter (siehe Süddeutsche). Das alles, Frau Merkel, kann man erfahren, wenn man nur aufmerksam durch die staatstragenden Medien geht … bei den alternativen Medien sieht es noch schlimmer aus.

Ich befürchte sogar, dass Sie mit ihrere Kampagne „Gut-leben-in-Deutschland“ wieder gezielt konservative Menschen fragen werden … und das macht mir große Sorgen (wegen derer kognitiven Minderleistung).

Nachher suchen ihre Berater die sogar gezielt aus, um Sie nicht zu erschrecken.

Darum möchte ich Ihnen einfach mal sagen, was mir wichtig ist … und was allen Bürgern in Deutschland per Tradition und Verfassung wichtig zu sein hat.

Freiheit – statt Drangsalierung und Bespitzelung

Gleichheit – statt mit Staatsmitteln erzeugtem monetären Feudalismus

Brüderlichkeit – statt mir viel Geld gezüchteter Egomanie

Wenn man das kennt … wozu nochmal nachfragen? Ich kann Ihnen garantieren: alle vernünftigen Bürger werden diesen Werten zustimmen. Erst recht die, die gut in Geschichte sind. Die konservativen Nobelgolfer jedoch … werden das anders sehen.

Ja, Frau Merkel: Deutschland geht es schlecht.

Das kann man schon jetzt wissen.

Bullshitjobs – Bullshitleben. Vernichtung durch Arbeit.

Digital StillCamera

Freitag, 13.3.2015. Eifel. Geben Sie zu: Sie freuen sich. Woher ich das weiß? Nun – es ist Freitag. Und obwohl Freitag der 13. ein traditioneller Unglückstag ist, freuen Sie sich, denn: es ist Freitag. Im angelsächsischen Sprachraum Grund für eine Party: die „thank-god-it´s-fryday-party“.  Im Geschäftsknigge für Angestellte sind an dem Tag sogar Lockerungen in der Kleidungsordnung erlaubt – welch´ Sensation. Es wurde sogar von einzelnen Fällen berichtet, in denen auf die Krawatte verzichtet werden durfte – unglaublich, eigentlich.

Es zeugt von einem erstaunlichen Mut, sich mit einer solchen Einstellung in der Öffentlichkeit zu zeigen, sich vor aller Augen darüber zu freuen, dass Freitag ist – obwohl man damit nur ein kleines Teilchen einer großen, weltumspannenden Bewegung ist. Immerhin: jeder, der sich über das Ende der Arbeitswoche öffentliche freut, riskiert, von einem gewieften Anwalt wegen mangelnder Motivation aus der Firma geschmissen zu werden: der neue deutsche Arbeitnehmer geht gern zur Arbeit (das suggeriert uns die Werbung für Kaffee, Autos und die „richtige“ Krawatte ganz nebenbei, neben der Produktbewerbung wird für das richtige Hintergrundrauschen gesorgt), er gibt alles für seinen Chef, den er heiß und innig liebt, verehrt, bewundert und ehrfürchtig zu ihm aufschaut. Er gibt alles für die Firma, die ihm Mutter, Vater und Gott geworden ist – und nimmt es deshalb mit der Bezahlung nicht mehr so genau: die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens steht im Vordergrund – und wenn der Markt es befiehlt, dürfen es auch schon mal sechzig Stunden die Woche sein.

Freitag ist immer der Tag, an dem schon ein Blick in die U-Bahn reicht, um die neoliberalen Lügenmärchen über das glückliche Arbeitsleben ins Reich der Mythen und Legenden zu verbannen: die absolute Mehrheit der arbeitenden Menschen findet ihre „Jobs“ beschissen. Ist das nicht seltsam?

Nun – die Sprache selbst teilt uns das ja schon mit. Früher hatten wir „Berufe“ – also eine Arbeit,  zu der notfalls sogar Gott selbst uns berufen hatte. Ja – da gab es noch begnadete Dachdecker, Maurer, Schreiner, da konnte Handwerk noch Kunst sein, die allgemein bewundert wurde. Ersetzt haben wir den sinnerfüllenden Beruf durch den „Job“ … einen Begriff, dessen Herkunft unbekannt ist. Nur bei Wikipedia finden wir einen kleinen Verweis auf „Ijob“ … zu deutsch: Hiob, einer der führenden Leidgestalten des alten Testamentes, Sinnbild für unermessliches Leid (Verlust von Vermögen, Gesundheit, Frau, Kindern) … und folgender Belohnung. Wären wir frech und rebellisch, könnten wir montag morgens aufbrechen, um „den Hiob zu machen“ … und womöglich entstand dieses Wort genaus so.

Ja – der Montag. Für all´ jene, die ihren Chef heiß und innig lieben (was auch Pflicht ist, um nicht als Nörgler aus der Firma zu fliegen), die in ihrer Tätigkeit als Aktienanalyst, Call-Center-Agent oder Unternehmensberater den großen Sinn ihres Lebens gefunden haben, eigentlich ein Tag, der mehr gefeiert werden sollte als der Freitag … jedoch fehlt von dieser überschießenden Freude montag morgens jede Spur.

Es ist nichts Neues, worüber wir hier reden: die Süddeutsche widmet dem Problem seit Jahren immer wieder ihre Aufmerksamkeit – ohne jeden Erfolg, ohne jede Resultate oder Gegenmaßnahmen. Aktuell wird wieder gestöhnt: angeblich haben 15 Prozent der Deutschen „innerlich gekündigt“ (siehe Süddeutsche) … das wären bei 41 Millionen arbeitenden Menschen immerhin sechs Millionen. Glaubt man nicht, oder? Jedenfalls nicht nach einem Blick in die Autos, die montagmorgens in die Städte strömen. Anders schon die Zahl von 85 Prozent, die ihren Hiob nur noch nach Vorschrift erledigen … Dienst nach Vorschrift leisten. Diese Zahl glaubt sofort jeder, der in unserer Dienstleistungsgesellschaft mal eine Dienstleistung benötigte – z.B. von der Telekom.

Ich persönlich würde eher einschätzen, dass Mitarbeiter, die Dienst nach Vorschrift machen, genauso innerlich gekündigt haben, wie die anderen 15 %. Schon 2012 stellt die Süddeutsche Zeitung fest, dass jeder zweite Arbeitnehmer gerne seinen Hiob woanders verrichten würde (siehe Süddeutsche). Das ist nur nicht mehr so einfach – dafür hat der Gesetzgeber gesorgt. Er hat auch dafür gesorgt, dass der Lohn fürs Hiob-machen immer geringer wird, ja, dass es geradezu Pflicht wird, den Hiob zu mimen, ohne dafür Lohn zu verlangen. Ja – während viele Führungskräfte über Motivation diskutieren, hat der Staat mit der Agenda 2010 – im Prinzip von Kapitalisten sehr verpönter Art und Weise – in den Markt eingegriffen und mit Staatsgewalt drakonische Strafen für mangelnden Arbeitseinsatz verhängt: Obdachlosigkeit, Hunger, früher Tod inklusive.

Wer seinen  Hiob nicht macht, wird vogelfrei – auch eine Form der Motivation. Man findet sie sonst nur in Schützengräben, Arbeitslagern oder in sektenähnlichen Strukturen – aber darüber redet man in Deutschland nicht gern. Wo der Staat so durchgreift, braucht der Chef sich um Motivation keine Sorgen zu machen: ein Foto vom örtlichen Jobcenter über seinem Schreibtisch reicht als Argumentationshilfe – auch bei Verhandlungen über Beförderung und Lohnsteigerungen – völlig aus, für den Rest sorgen staatliche Exekutoren – willkommen zurück im stalinistischen Gulag.

Was unterscheidet den Hiob vom Beruf? Nur eins: den Beruf macht man sein Leben lang, den Hiob nur kurze Zeit. Der Lohn für den Hiob wird allerdings immer geringer, dank massiven Einsatzes der Staatsgewalt ist es deutschen Unternehmen gelungen, ganz neue Formen der Beschäftigung zu finden, über die sich die Süddeutsche ebenfalls gerne aufregt (siehe http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zeitarbeit-lohndumping-burn-out-wir-ausgebeuteten-1.2376298#5):

Jeden Monat komme ich der Insolvenz einen Schritt näher. Ich bin Psychotherapeutin in Ausbildung (PiA), noch ziemlich am Anfang. Ich arbeite im Schnitt 50 Stunden pro Woche: neben der theoretischen Ausbildung arbeite ich in der Klinik und in einem Nebenjob. Mit dem habe ich im Februar gut 650 Euro verdient, das reicht gerade, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Ich schreibe an drei bis vier Tagen die Woche Berichte für die Kostenübernahme von Therapien für die Krankenkassen. Pro Bericht bekomme ich bis zu 80 Euro – wenn einer aufwändiger ist und ich länger brauche, ist es mein Problem.

Erstaunlich, dass das auch Psychotherapeuten trifft – jene Menschen, die uns von den Folgen unserer Hioberei kurieren sollten. Geht wohl kaum unter diesen Bedingungen:

Ich sitze allein im Büro und empfange stündlich Patienten – wenn ich einen Arzt hinzuziehe, gerät der Zeitplan durcheinander. Deswegen muss ich eigenständig entscheiden, ob beispielsweise Suizidgefahr bei jemandem besteht. Bezahlt werde ich in Essensmarken.

Ja – im Lande des Hartz-Gulags gilt eine Essensmarke schon als Lohn genug. Wer da noch Geld will, gilt schnell als unverschämt.

Die Süddeutsche hat viele Fälle in ihrer Artikelserie aufgelistet, die uns einen gewissen Einblick in den Alltag Hiobs geben: beständige Unsicherheit, kaum Lohn, beständige Übergriffe auf die Freizeit, Arbeitszeiten weit über die natürliche Belastungsgrenzen hinaus … man versteht, warum der Freitag gefeiert wird. Das Wochenende: ein kurzer Moment der Erlösung, ein kurzer Einblick in echtes, selbst bestimmtes Leben, in dem man seiner Berufung nachgehen kann, bevor der Montag wieder kommt … der Tag des Hiob.

Ja – was ist aus uns geworden, aus den Abenteurern, die fremde Kontinente erforschten, aus den mutigen Kaufleuten und Seefahrern, die Handelsrouten erschlossen, die ganz Landstriche belebten, aus den mutigen Rittern, die für Witwen und Waisen stritten, den Dichtern und Denkern, die Zukunft formten und den Alltag schmückten: all jene „Helden der Arbeit“ sind zu Ameisen degeneriert, die wie kleine Maschinen im Getriebe funktionieren müssen. Der Mensch wurde mechanisiert, die Arbeit – einst im Paradies als „Mitschöpfertum“ göttlicher Auftrag der liebevollen, künstlerisch aktiven Mitgestaltung der Welt – wird zur Pflichterfüllung durch Roboter .. jene Wesen, die wir noch eine Weile ersetzen müssen, bis sie uns ersetzen.

Aus der Krone der Schöpfung ist das Schmierfett das Kapitalismus geworden – das spüren die Ameisen jeden Wochenanfang aufs Neue. Und der Kapitalismus arbeitet beständig daran, dass dieses Fett durch ständig billigere Angebot ersetzt wird, benutzt seine Gewinne zunehmend, um Personalabbau zu finanzieren (Ebay: 2400 Kündigungen nach einer Gewinnsteigerung von ZEHN PROZENT; American Express: 4000 Kündigungen nach einer Gewinnsteigerun von ELF PROZENT … siehe FAZ; oder Siemens: 9000 Kündigungen … siehe Heise … nach einem Gewinnzuwachs von FÜNFUNDZWANZIG PROZENT … siehe Spiegel).

Für solche einen Stumpfsinn ist der Mensch nicht geschaffen – doch wir zwingen ihn mit Staatsgewalt, den Stumpfsinn auch noch mit großer Begeisterung zu leben. Ja – es gibt eine arbeitsrechtlich abgesicherte Pflicht zur Freundlichkeit (siehe z.B. experto oder – aktueller – jurablogs). Dass die Simulation nicht vorhandener Gefühle eine Gewaltanwendung – Ver-ge-waltigung – der eigenen Persönlichkeit darstellt: darüber wollen wir im Gulag gar nicht erst reden, sonst zeigt der Chef uns wieder das Bild vom Jobcenter. Wir reden auch nicht über die tiefgehenden Eingriffe in unsere Persönlichkeit durch „business codes“ in der Kleiderordnung, welcher wir in vielen Unternehmen durch den Einsatz eigener Kapitalmittel gerecht werden müssen.

Gibt es nicht ganze Fernsehserien, die den Horror des normalen Büroalltags detalliert beschreiben … und alle erkennen sich darin wieder?

Auf jeden Fall gibt es einen Begriff, der derweil nur am avantgardistischen Rande unserer Gesellschaft auftaucht: den Begriff der „Bullshitjobs“ … womit im Prinzip eigentlich alle Tätigkeiten zu beschreiben wären, bei denen wir „den Hiob machen“ müssen, aber im Besonderen eine Art von „Beschäftigung“ gemeint ist, der viele aktuell noch nachgehen (siehe 20.Min.ch):

Dieser bezeichnet Tätigkeiten, bei denen am Ende des Tages kein Produkt sichtbar ist und deshalb der Sinn für den Arbeiter nicht ersichtlich ist, als «Bullshit-Jobs». Als Beispiele nennt er Arbeiten im Personalwesen, in der Verwaltung oder im Telemarketing, bei denen die Angestellten nur damit beschäftigt seien, «andere Arbeitnehmer zu kontrollieren oder Eigentum zu bewachen». Wirtschaftlich gesehen seien diese Tätigkeiten reine Verschwendung, so Graeber.

Ja – die Herren der Arbeit, die Fürsten der Jobs … haben selber einen Bullshitjob, der wirtschaftlich gesehen reine Verschwendung ist. Das dürfte auch für die 100 000 Jobs in der Arbeitslosenarmutsüberwachung der Bundesagentur für Armut – äh, Arbeit – gelten. In einer Gesellschaft, in der immer weniger Arbeit vorhanden ist, kommen immer mehr nur dadurch über die Runden, dass sie die wenigen, die was zu tun haben, überwachen – oder eben die überwachen, die nichts mehr zu tun haben.

Sprach ich nicht schon vom Gulag?

Was nur keiner aussprechen möchte: Bullshitjobs führen zu Bullshitleben. Und sorgen auch dafür, dass andere – die Armee der Kontrollierten – ebenso ein Bullshitleben führen. Wer hat sie nicht schon mal erlebt, die Heerscharen der Unternehmensberater – junge, völlig lebensunerfahrene und zumeist lebensuntüchtige Menschen – die mit der Stoppuhr in der Hand die Bewegungsgeschwindigkeit von Malergesellen, Krankenschwestern und Grundschullehrerinnen maßen, um für flottere Bewegungsabläufe zu sorgen.

Flott – sind wir alle geworden: und durch die Bullshittypen mit ihren selbstbeweihräuchernden „Maximierungstrategien“ sind auch die letzten funktionierenden Berufe zu „Jobs“ geworden, zu quälender Hioberei anstatt zu schöpferisch-kreativem Gestalten. Zeiten, wo wir den Hang zur „Maximierung“ noch als Sucht zur „Ausbeutung“ beschreiben durften, sind auch per Gesetz vorbei: wer kommunistisch denkt (also: Systemalternativen aufzeigen möchte), erhält Berufsverbot. Die Bullshitjobs der Bullshittypen verwandeln unser ganzes Leben in Bullshit … und das erklärt hinreichend unsere Beobachtungen zu dem seltsamen Verhalten der Großstädter am Freitag und am Montag.

Und doch – möchte ich noch einen Schritt weitergehen, ja, muss noch einen Schritt weitergehen: das durch Bullshitjobs gemaßregelte Bullshitleben – das uns Zwänge auferlegt wie Strafgefangenen (Kleidung, Frisur, Auftreten, Erreichbarkeit) – ist Vernichtung durch Arbeit, wie es totalitäre Systeme vorleben: noch nicht in dem Ausmaß, wie es in Spitzenzeiten solcher Gesellschaftsordnungen erreicht wird, aber schon mit demselben Kurs.

Das ist auch kein Geheimnis, noch esoterisches Wissen kommunistisch angehauchter Kreise – sondern rein medizinische Folge unserer Arbeitsorganisation (siehe standard.at):

Wir haben die Kontrolle und Reglementierung der Lebendigkeit auf die Spitze getrieben. Burnout-Patienten sind Vorreiter eines Systemcrashs, doch wir sehen die Warnung nicht“

Unser ganzes gesellschaftliches System ist in Gefahr – und das kann man am „Freitag-Hype“ gut erkennen.

Betroffene flüchten sich in aufputschende Mittel, verdrängen das Problem und leben von einem Wochenende zum nächsten. Erst schleichend kommt es zu Symptomen wie Desorientierung, Sinnverlust und Antriebslosigkeit. In weiterer Folge werden einem zuerst die anderen Menschen, dann auch man sich selbst fremd. Schließlich werden alle lebenswichtigen Körperfunktionen, Antrieb und Motivation auf ein Minimum heruntergefahren.

Kaffee übrigens ist ein Aufputschmittel. Können Sie sich Ihren Alltag noch ohne Kaffee vorstellen?

Leben Sie auch schon nur noch von Wochenende zu Wochenende? Haben Sie auch schon festgestellt, dass Sie immer mehr Zeit vor dem Fernseher verbringen und künstliches Konservenleben visuell konsumieren, weil Sie kein Eigenleben mehr haben? Und immer weniger Kraft, was anderes zu tun, als sich passiv von den Experten des Telemarketings berieseln zu lassen?

Vernichtung durch Arbeit … da verseht man den Horror vor Montag umso besser – aber der Freude auf den Freitag bekommt einen schalen Beigeschmack: je größer die Freude auf den Freitag, umso höher die Chance, auf einen Burnout zuzusteuern.

Auch ein Kündigungsgrund.

Also: Lieber Freitags jammern und Montags jubeln als umgekehrt.

Soviel Gewalt gegen sich selbst muss sein.

Kein Wunder, dass die Mehrheit der Deutschen überzeugt davon ist, dass Deutschland keine Demokratie mehr ist (siehe Handelsblatt). Vernichtung in welcher Form auch immer -und sei es nur die Vernichtung von selbstbestimmten Leben, Zukunftsperspektiven, Familien, Glück, Gesundheit, Antrieb, Motivation, Schaffensfreude, Lebenssinn – passt nicht zu einer Demokratie.

Und wo das Alltag ist, ist die politische Grundordnung eine andere.

Auch wenn man darüber nicht spricht.

Vielleicht haben die unbekannten Anarchisten in der Londoner U-Bahn ja recht (siehe Story-Filter):

«Es ist, als ob jemand da draussen sinnlose Arbeitsplätze erfindet, nur damit wir weiterarbeiten»

Und während wir so „beschäftigt“ sind ( – ach – noch gar nicht bemerkt, dass „Beschäftigung“ das Wort „Arbeit“ fast überall im amtlichen und politischen Sprachgebrauch ersetzt hat?), kommen wir gar nicht mehr dazu, über unser Leben, unsere Existenz, unseren Sinn nachzudenken: jene Qualität, die uns von Tieren unterscheidet, verschwindet aus dem Kosmos menschlichen Seins.

Und so werden wir nie merken, dass wir schon wieder auf ein System zusteuern, ja, es sogar schon leben, in dem Vernichtung durch Arbeit Standard ist.

Schön blöd, oder?

Übrigens: die Kosten für „innere Kündigung“ belaufen sich laut Welt auf 118 Milliarden Euro im Jahr (siehe Welt). Von dem Geld könnte man allen ausgebrannten Menschen Hartz IV zahlen – bei verdoppelten Regelsätzen – und hätte trotzdem noch einen Gewinn.

 

 

 

 

 

 

 

Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz

Digital StillCamera

Mittwoch, 11.3.2015, Eifel. „Hartz IV – die größte Vernichtungsaktion seit Auschwitz“ – wer sich einen solchen Titel erlaubt, macht sich in der Regel sehr unbeliebt. Zum einen natürlich in der Politik, die diese „moderne Dienstleistung am Arbeitsmarkt“ als größten Triumph sozialdemokratischer Kreatitivät und Einfallsreichtums wie eine Siegesfahne vor sich herträgt: in jenen Sphären hört man nicht gerne Kritik an der eigenen Schaffenskraft, noch wird man gerne auf die Folgen der eigenen, schier grenzenlosen Dummheit, Faulheit und Ignoranz aufmerksam gemacht.

Dummheit, Faulheit, Ignoranz? Habe ich da den Mund nicht zu voll genommen? Nun – ich denke nicht. Peter Hartz hat eine Strategie vertreten, die man im Management als durchaus fortschrittlich bezeichnen kann – innerhalb eines Unternehmens. Mitarbeiter, die nicht die erforderliche Leistungen bringen, werden gefördert anstatt gefeuert, erhalten Hilfen anstatt Abmahnungen: eine Einstellung, die einem sozialen Staatswesen (und ein solches haben wir laut Gesetz zu sein) durchaus angemessen ist. Das es auch anders geht, zeigen viele Beispiele. Der „Spiegel“ zum Beispiel bietet ja in seinem „Karriere“-Ressort immer mal wieder nassforschen Jungjuristen ein Forum für ihre antisozialen Ausbrüche in punkto Arbeitsrecht. Erkennbar ist, dass im Sinne der Renditemaximierung die Aussortierung von Kranken aktuell neue Höhepunkte erreicht, ja: viele personalverantwortliche Mitarbeiter in Unternehmen scheinen so viel Zeit zuviel zu haben, dass sie Seminare besuchen können, wo ihnen kreative Kündigungsgründe beigebracht werden – heute zum Beispiel in Stuttgart (siehe Schreiner-Praxisseminare: „Die Kündigung „störender“ Arbeitnehmer“).

Das soziale Empfinden (und somit auch die Treue zum Verfassungsgrundsatz der Sozialstaatlichkeit) scheint vielen Anwälten abhanden gekommen zu sein, ohne zu zögern wird aktuell sogar stolz ein schwaches Immunsystem als Grund für die endgültige Aussortierung aus dem Arbeitsleben benannt (siehe Spiegel): vor diesem Hintergrund wirkt die Personalarbeit von VW in der Tat vorbildlich – und die Idee, eine solche gründliche, systematische Förderung auch jenen angedeihen zu lassen, die von weniger sozial eingestellten Anwälten ins soziale Jenseits befördert werden, begrüßenswert.

Dann jedoch kam diese Forderung in die Sphären der Politik – wo ich nicht umhin kann, Dummheit, Faulheit und Ignoranz zu vermuten, um nicht wirklich einfach Boshaftigkeit unterstellen zu müssen. Was geschah dort mit den Ideen? Erstmal wurde gekürzt – und ein vollumfänglicher Zugriff auf das Vermögen von Arbeitslosen möglich gemacht – „Enteignung“, das sozialistische Schreckgespenst, wurde für ausgewählte Personenkreise in Deutschland plötzlich Realität. Wo früher der Grundsatz herrschte, dass man Sozialhilfe zur Sicherung des Lebensstandards gewährt, galt heute: wer einmal von einem cleveren Anwalt aus der Firma geboxt wurde, ist selber Schuld und haftet mit seinem ganzen Vermögen für das Geschehen. In Kreisen, in denen die Verpflichtung zum Sozialstaatscharakter dieses Landes weniger ernst genommen wird und man sich lieber mit der Arroganz von „Macht“ umgibt, ein Vorgang, der keinerlei zweifelnde Gedanken aufkommen ließ.

Das man in Folge eines stark zusammengestrichenen Versorgungssatzes nicht mehr in der Lage war, um sozialen Leben teil zu haben, interessierte niemanden im Ministerium – und schnell meldeten sich auch „Wissenschaftler“, die den Versorgungssatz nochmal um 66% senken wollten: das erste Mal spürte man in Deutschland wieder den Willen zur Vernichtung „unwerten Lebens“ aus Akademiker- und Regierungskreisen, ohne das es jemanden groß störte. Keiner bemerkte, dass Kosten für bewerbungsfördernde Kleidung (inkl. teurer Brillen), Kosmetika, professionelle Fotografien inklusive Frisur mit einem Hungerregelsatz gar nicht mehr zu bewältigen waren, der Gesetzgeber also entweder bewusst und mit Absicht oder aber aus reiner Dummheit heraus den Opfern der Globalisierung ihre ganze Zukunft nahm … bzw. diese Zukunft vernichtete … ihre und die ihrer Kinder gleich mit.

Nun sieh mal einer an: das Wort Vernichtung taucht im Diskurs über moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt überraschend früh auf – und führt in Deutschland natürlich umgehend zu Vergleichen mit Zeiten, in denen schon mal großflächig vernichtet wurde. Hier haben wir die zweite große Tabuzone der bundesdeutschen Gesellschaft (neben der – unerwünschten – Kritik am Regierungshandeln): die deutschen Vernichtungslager der Vergangenheit. Ja: sogar selbsternannte und großspurige Arbeitslosenaktivisten reagieren mit äußerster Empörung und drastischen Maßnahmen auf nur den leistesten Vergleich moderner deutscher „Sozialpolitik“ mit den Vernichtungslagern des Dritten Reiches, sie greifen zum Äußersten: zur „Entfreundung“ der Betreffenden auf ihrem Facebook-Account. Sie reagieren nach dem gleichen Prinzip wie die Führer des Nationalsozialismus: was stört muss weg! Man kann nur hoffen, dass solche Gestalten niemals mehr Macht bekommen, als ihnen Facebook gibt – denn sonst werden die Öfen wieder angeheizt, damit die Störer eleminiert werden können.

Der Umgang mit dem Dritten Reich ist problematisch – weshalb man es gerne ins Reich der Mythen und Märchen verbannt, es als kleinen Ausrutscher darstellt, als winzigen Unfall der Geschichte, der sich selbstverständlich niemals wiederholen kann, weil es so absolut unwahrscheinlich und undenkbar war, dass so etwas überhaupt jemals passiert. Hitler und die Nazis – das ist ein Thema für Hollywood, aber nicht mehr für den modernen gesellschaftlichen Diskurs. Sicher: wir haben ja auch alles unternommen, damit sich 1933 – 1945 nicht wiederholt: Hitler, Goebbels und Himmler sind tot, die NSDAP verboten (und sogar ihre Symbole!!!) und überhaupt schreiben wir das 21. Jahrhundert, weshalb sich 1933 sowieso schon nicht wiederholen kann – also können wir uns doch in Sicherheit wiegen und den peinlichen kleinen Zwischenfall eigentlich vergessen … und all´ jene eleminieren, die als unbequeme Unken unser gemütliches „deutsch sein“ stören und darauf hinweisen, dass Massenvernichtung von Mitmenschen auch 2033 wieder denkbar wird – mit anderen Führern, anderen Parteien, anderen Symbolen.

Das einzige, was man dazu braucht, ist ein entsprechender „Zeitgeist“, Menschen, die durch die Menschenhatz konkrete Vorteile haben und sie sich durch die Verfolgung anderer sichern können.

Ein Beispiel?

Nun – bleiben wir bei den Arbeitslosen in Deutschland. 40 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten, 3 Millionen sind nach offizieller Lesart arbeitslos. Das „arbeitslos“ ein unzumutbarer Zustand ist, ist allen klar, weshalb wir reagieren wie alle sozialen Gemeinschaften: wir gründen eine Kasse, die im Notfall (falls die Exekutionsjuristen mal wieder erfolgreich waren) die Folgen der Arbeitslosigkeit abmildert  – und die Folgen sind heutzutage bedrohlicher als vor hundert Jahren, wo selbst einfache Arbeiter noch das Hausschwein und den kleinen Gemüsegarten hatten, um wenigstens eine kleine Sicherheit in der Hinterhand zu haben. 3 Prozent ihres Bruttoarbeitslohnes zahlen die 40 Millionen Menschen, laut deutscher Rentenversicherung liegt das Durschnittseinkommen 2015 bei 2917 Euro monatlich, d.h. jeder der 40 Millionen arbeitenden Menschen zahlt jeden Monat 87 Euro, um im Notfall vor den Folgen der Arbeitslosigkeit geschützt zu werden.

Jetzt stellen Sie sich mal kurz vor, diese 40 Millionen würden den 3 Millionen Arbeitslosen das Geld persönlich auszahlen, ganz im Sinne der ursprünglichen, selbst organisierten Arbeitersozialversicherungen, die man für Witwen und Waisen ohne staatliche Hilfe eingerichtet hatte: jeder Arbeitslose würde 1137 Euro monatlich bekommen, um wieder auf die Beine zu kommen. Schon eine stolze Summe – knapp doppelt soviel, wie er jetzt inklusive Heizung, Miete und Wasser erhält. Da wäre sogar Spielraum für kreative Unternehmensgründungen anstatt für passives Dahinvegetieren bei Wasser, Brot und Kerzenlicht.

Warum stellt eigentlich niemand mal die Frage, wo das ganze Geld bleibt? Nun – man würde schnell viele hunderttausend Menschen identifizieren können, die an der üblen Behandlung von Arbeitslosen ein substanzielles Interesse haben: nämlich jene, die zwischen den Beitragszahlern und den Beitragsempfängern sitzen und es sich dort richtig gut gehen lassen – je höher in der Hierarchie, umso fetter. Natürlich hat man dort ein profundes Interesse daran, substanzielle Fragen zum Umgang mit Versicherungsgeldern zu vermeiden, ja: das ganze System ist darauf angewiesen, dass solche Fragen vermieden werden – sonst käme man noch auf ganz andere Ideen.

Welche?

Nun: die Hälfte des Jahres arbeiten Sie für den Staat. Sogar wenn Sie minimale Renten und Sozialleistungen beziehen, greift er noch 19 Prozent Mehrwertsteuer ab. Und was bekommen Sie dafür? Marode Brücken, sanierungsbedürftige Schulen, ein Gesundheitswesen auf dem Niveau eines EU-Randstaatees, eine Armutsverfolgungsbehörde, die lieber Arme verfolgt als Armut zu bekämpfen … und auch gerne schon mal einen allgemeinen Drogenmissbrauchsverdacht in die Tat umsetzt und massenhaft Drogentests von Versichertengeldern anschafft (siehe Mitteldeutsche Zeitung), Tests, die mit großer Wahrscheinlichkeit im deutschen Bundestag erfolgreicher zum Einsatz kommen würden.  Aktuell verfolgen von Steuergeldern finanzierte „Sozialkommissare“ sogar Behinderte (siehe Ostseezeitung) und kriminalisieren so eine weitere Schicht von Mitbürgern: nach den Arbeitslosen kommen die Kranken als unwerwünschte Personen in den Fokus der Aufmerksamkeit der Beitragsgeldabsahner. Diese Absahner sind in der Tat sehr alarmiert: die Kosten für Sozialhilfe steigen, der größte Batzen davon sind Eingliederungsbehilfen für Behinderte (siehe Spiegel): das Geld, was die Behinderten dort in Folge unseres Sozialstaatsgebotes in Anspruch nehmen, fehlt für die Dientstreisen aller Akteure nach Australien, Brasilien oder in die USA, für ausgedehnte Betriebsfeiern oder großzügige Beförderung vor Pensionseintritt.

Nun – das reicht noch nicht für einen Vergleich mit den Vernichtungslagern des Dritten Reiches, die manche als natürliche Folgen der kapitalistischen Ordnung ansehen  – ja, mal im Ernst gefragt: wo sollen denn die von den Arbeitgebern systematisch aussortierten „Minderleister“ (also „Kranke“) anders hin? Irgendwann bilden die eine große, nicht mehr verwertbare Masse, die Kosten verursacht – und Kosten gehören nach der in unseren Breitengraden angebeteten betriebswirtschaftlichen Logik eleminiert. Da die ganze Maschine schon einmal – aus recht ähnlichen Gründen – in Deutschland funktionierte, warum sollte sie nicht wieder anlaufen können? Nur, weil wir das Hakenkreuzsymbol verboten haben und Adolf Hitler tot ist?

Doch wir reden hier schon von der Zukunft, auf die wir uns logisch geradlinig zubewegen, wenn wir anfangen, Menschen wieder als „unwertes Leben“ zu stigmatisieren, als „Parasiten“ und „Schmarotzer“. In der Tat vergessen wir schnell, dass Auschwitz am Ende einer Entwicklung einer hoch zivilisierten Gesellschaft stand – und nicht plötzlich von dämonischen Aliens ins Reichsgebiet gebeamt wurde … obwohl das eine Vorstellung ist, die vielen Verantwortlichen (gestern wie heute) sehr angenehm wäre, enthebt sie doch jeder Verantwortlichkeit (wie auch die Sichtweise als „einmaliger, nicht wiederholbarer Unfall“).

Mir geht es um die Vernichtungsaktion, die in der Gegenwart läuft. Jetzt und hier. Vor aller Augen.

Während deutsche Wissenschaftler im Zeitgeist der kostengünstigen Massenvernichtung von drastisch niedrigen Regelsätzen träumen (siehe TAZ aus dem Jahre 2008) und so dem Steuerzahler noch mehr Leistungen vorenthalten wollen (um dann für die eigene Universität eine dicke Scheibe Zusatzgeld zu erhalten) sehen Wissenschaftler aus Schottland etwas anderes: endgültige Vernichtung.

Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die am 18.2.2015 von der American Psychological Association veröffentlicht wurde und uns mit etwas Entsetzlichem konfrontiert (siehe Apa): Arbeitslosigkeit verändert den Kern der menschlichen Persönlichkeit, jenen Ort, den man bislang immer für unantastbar gehalten hat, endgültig.

“The results challenge the idea that our personalities are ‘fixed’ and show that the effects of external factors such as unemployment can have large impacts on our basic personality,” said Christopher J. Boyce, PhD, of the University of Stirling in the United Kingdom. “This indicates that unemployment has wider psychological implications than previously thought.”

Arbeitslosigkeit vernichtet … Persönlichkeit.

Das, was uns am meisten ausmacht.

Infolge dessen ist ein Gesetz, dass hauptsächlich zum Ziel hat, Arbeitslose unter Zuhilfenahme massivster Diskriminierung und existenzbedrohender Sanktionen im von der Industrie zur Gewinnmaximierung von Anlegern mangelns sonstiger Leistungsfähigkeit dringend benötigten Niedriglohnsektors zu platzieren und zu halten ein Gesetz zur Massenvernichtung menschlicher Persönlichkeit – und die Vernichtung des Persönlichkeitskerns (nach etwas zwei Jahren) führt zu absoluten Minimierung der Chancen auf dem Jobmarkt.

So erschaffen wir zielgerichtet jene Art von Menschen, vor denen uns Gerhard Schröder eigentlich warnen wollte.

Ob und wie es mit Auschwitz verglichen werden kann, wird die Zukunft zeigen. Darüber brauchen wir auch jetzt nicht zu spekulieren, denn wir haben unsere eigene Vernichtungsorgie: jetzt, hier und heute, ganz ohne Hitler, Hakenkreuze und braune Uniformen.

Es ist die größte Massenvernichtungsaktion auf deutschem Boden seit Ausschwitz – was hauptsächlich der Tatsache geschuldet ist, dass wir eben jahrzehntelang konstruktive Sozialstaatspolitik verfolgt haben, die ohne Vernichtung von künstlich aussortierten Menschen bzw. der Vernichtung ihrer Persönlichkeit auskam.

Sicherlich kann man den Opfern auch entgegnen: seit froh, dass ihr überhaupt noch was kriegt. Sprüche dieser Art bekommen wir oft zu hören – und viel zu selten wird dagegen gehalten, dass wir einen Gesellschaftsvertrag haben, der uns als Sozialstaat definiert. Wer damit nicht leben kann und will, dem steht es frei, in Länder auszuwandern, in denen andere Gesellschaftsordnungen praktiziert werden … und in denen jene Armut grassiert, mit denen man hier den Armen drohen will.

Dort wird aber auch häufig mit der Kalaschnikow eingekauft.

Man kann aber aus andereseits sagen: die Vermögen der Deutschen explodieren geradezu, beständig erreichen uns neue Triumphmeldungen.

Die Geschichten darüber, dass uns das Geld ausgeht, waren also gelogen.

Es war auch nie wahr, dass die Juden in den Osten ausgesiedelt wurden und dort niedliche kleine Höfe bestellen durften.

Es ist auch nicht wahr, dass Arbeitslose gefördert werden.

Wahr ist, dass Arbeitslosigkeit den Kern der Persönlichkeit zerstört – und wir in Deutschland eine Gesetzgebung und einen entsprechenden Zeitgeist haben, die Arbeitslosigkeit für ausgewählte Störer zum gewollten Dauerzustand zwecks Disziplinierung der Niedriglöhner und Zeitarbeiter macht  – und damit zur größten Vernichtungsaktion seit Auschwitz.

Nicht größer. nicht gleich groß – aber die größte seit damals.

Ich finde schon, das sollte mal gesagt werden, bevor andere Professoren auf neue krude Ideen zur Kostensenkung kommen – oder?

 

 

 

 

Deutschland im Herbst 2014: Staatsstreich durch die Agenda 2010

Digital StillCamera

Donnerstag, 19.12.2014. Eifel. Kennen Sie den Film „Deutschland im Herbst“? Er setzt sich mit den deutschen Zuständen im Jahre 1977 auseinander. Nahmhafte Schauspieler nahmen keine Gagen für ihre Mitwirkung im Film – dafür nahmen die Regisseure eine merkwürdige Botschaft mit (siehe Wikipedia):

„Nach so einer Arbeit mit diesem Film, nach den Erfahrungen, die man dabei macht, fragt man sich nicht mehr, warum gibt es sogenannte Terroristen, sondern wie kommt es, daß es nicht viel mehr gibt. Wie kommt es, daß nicht alle um sich schlagen.“

Es war eine seltsame Zeit – und ich war live dabei. Man konnte in jenen Jahren die Erfahrung machen, dass Polizei mit Maschinenpistolen ins Auto zielte, nur weil man das Haar länger trug. Verdächtig waren alles und jeder, der irgendwie anders war – und das waren viele. Es war die Zeit der großen Demonstrationen, die Geburt eines lebensbejahenden Widerstandes, der nicht nur eine neue Politik sondern sogar einen neuen Lebensstil wollte: „alternativ“ sollte er sein – und erlaubt war so ziemlich alles.

Es tut gut, sich an diese Zeit zu erinnern, denn: heute steht die Polizei nicht mit Maschinenpistolen an Straßensperren herum und durchsucht willkürlich jedes Auto. Es tut auch gut, sich an den Film zu erinnern, weil jene Intellektuellen, die dort zur Tat schritten, merkwürdige Beobachtungen gemacht hatte, Ungereimtheiten aufdeckten und Strömungen sichtbar machten, die große Sorgen hätten bereiten sollen. Berufsverbote prägten das Land, alte Nazi-Kader wurden sichtbar, die immer noch die Politik beherrschten – und oft bekam man die geschilderte politische Realität gedanklich nicht in eine logische Reihenfolge: nach dem 11.9.2001 machte man in den USA ähnliche Erfahrungen.

Nazi-Kader?

Nun – heute, im Jahre 2014 darf offen ausgesprochen werden, was damals noch ein Skandal gewesen wäre – aber eine Vermutung, die viele hatten (siehe Zeit):

Die Verfolgung von Kommunisten sei in der Bundesrepublik eben nicht nur wegen des Konflikts mit der DDR heftiger ausgefallen als in anderen Staaten – sondern auch, weil ein Großteil der Verantwortlichen ein starkes Eigeninteresse daran gehabt habe: Die einzige politische Gruppe, die weiterhin „in aller Öffentlichkeit aus der NS-Belastung eines Beamten oder Richters dessen mangelnde Eignung ableitete“, sollte mundtot gemacht werden.

Ja – die Funktionseliten des NS-Staates waren kritiklos in die BRD übernommen worden, hatten die Macht wiedererlangt und jagten die einzigen, die ihnen gefährlich werden konnten: die strammen Linken. Hätte man so etwas damals geschrieben: das wäre undenkbar gewesen. Eine Verschwörungstheorie.

Ebenso wäre es undenkbar gewesen, dass die Regierung einen belügt: samt Medien. Es war ja Kennzeichen einer Demokratie, dass alle alles überall sagen durften – und damals durfte man das noch, es gab noch keine Denkverbote wie heute, wo alles, was nicht der Wirklichkeitsauslegung der Bundesregierung entspricht, als „Verschwörungstheorie“ (also: aus in boshafter Absicht erzeugtem Lügenmärchen) gebrannt markt wird, ohne die Theorien im Einzelnen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

Wollen wir das aber auch wirklich? Will das wirklich noch jemand, nachdem wir in diesen Tagen erfahren haben, wie bestialisch der US-Geheimdienst weltweit foltert, ja, wie McDonalds Zweigstellen eröffnet hat, um als Amerikaner Deutsche in Ungarn foltern zu können?

Anfang der neunziger Jahre erschien das Buch „Das RAF-Phantom“ – ein Werk dass heute undenkbar wäre. Einer der Autoren ist heute sozial geächtet (Gerhard Wisnewski), weil er die Wirklichkeitsauslegung der US-Regierung in Frage stellte. Merkwürdige Dinge wurden in den Werk angedeutet, Indizien geliefert, die belegen konnten, dass die ominöse RAF (wenigstens die zweite Generation) Werkzeug westlicher Geheimdienste war, um wirtschaftliche Konkurrenz auszuschalten (siehe Wikipedia):

Die meisten Mordopfer hätten berufliche Hintergründe gehabt, die eine Ermordung durch Dritte plausibel erscheinen ließen. Laut den Autoren seien diese vermeintlichen Motive in mehreren der Mordfälle ähnlich und deuteten angeblich auf ausländische Geheimdienste als eigentliche Täter. Dabei nennen sie als ihren Hauptverdächtigen die CIA, deren Verstrickung in ähnliche Operationen bereits mehrfach nachgewiesen sei. Als Beispiel nennen die Autoren die als Strategie der Spannung bekannt gewordenen Vorgänge in Italien. Dort wurden eine Anzahl terroristischer Anschläge der 1970er und 1980er Jahre, die ursprünglich den Roten Brigaden angelastet worden waren, ab 1984 erneut untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die eigentlichen Täter mit der NATO-Organisation Gladio und italienischen Geheimdiensten kooperierende Rechtsextremisten waren. Außerdem stellte sich heraus, dass die Roten Brigaden zum Teil von Geheimdienstmitarbeitern unterwandert waren.

Ungeheuerlich, oder? Ausländische Geheimdienste ermorden in Deutschland Wirtschaftsführer und lasten das der Linken an – was für eine Geschichte. Nur: das ist keine Theorie, das waren knallharte Fakten. Blutige Fakten. Fakten einer unheimlichen Alllianz von Rechtsextremisten und staatlichen Stellen – jedenfalls in Italien. Die Bilanz dort? Hunderte von Toten und ein zerrütettes Staatswesen, das von einer Freimaurerloge unterwandert wurde, die die Macht im Staate ausüben wollten.

Ach ja: P 2, Propaganda Due. Der Wikipediaartikel enthält momentan noch brisante Zitate, hier einer von Renate Igel, die ein Buch über die Loge verfasst hatte:

„Es war Ted Shackly, Direktor aller verdeckten Operationen der CIA im Italien der 70er Jahre, der den Chef der Freimaurerloge P2 Alexander Haig vorstellte. Haig und Kissinger gaben Gelli im Herbst 1969 die Ermächtigung für die Rekrutierung von 400 hohen italienischen und NATO-Offizieren in seine Loge.“

Ist ja lange her – nur: die Regierungsform in den USA, besser gesagt: die Machtstrukturen dort sind immer noch dieselben. Lauschen wir dem ermittelnden Staatsanwalt, was diese 400 Mann alles in die Wege geleitet haben:

„In dieser Liste standen die Namen aller hochrangigen Militärs, die Chefs der Geheimdienste, eine ganze Reihe von Richtern und Staatsanwälten und natürlich viele Politiker, dann Geschäftsleute. Zur gleichen Zeit fiel uns der sogenannte ‚Piano di Rinascità’, der Erneuerungsplan von Gelli in die Hände, der die Verfassung des Staates ersetzen sollte. Erst hatte Licio Gelli Terrorbanden finanziert, um den Umsturz herbeizuführen, dann hat er sich ab Mitte der 70ger Jahre systematisch in den Staatsapparat eingeschlichen und beherrschte weite Teile der Politik. Wer irgendeine Führungsposition einnehmen wollte, der musste Mitglied der Loge P2 sein. Oder: Wer gute Geschäfte machen wollte… Und nicht nur das: über die P2 kontrollierten die westlichen Geheimdienste unser Land. Denn die P2 hatte alle in der Hand: Politiker, Militärs und unsere Geheimdienste. Alle.“

Alles Fakten, alles nicht verarbeitete Vergangenheit. Wie sollte man das auch verarbeiten in einem Land, in dem Denkverbote herrschen?

Noch ein Zitat aus dem Artikel – noch ein Staatsanwalt:

„Der so genannten „Strategie der Spannung“ folgte schließlich die Strategie der Machtübernahme mithilfe der Massenmedien. Das erfinde ich nicht, denn das steht so im Erneuerungsprogramm von Licio Gelli, das man Anfang der 80er Jahre bei ihm beschlagnahmt hat. In diesem Pogramm, eine Anleitung zum Staatsstreich, ist das Verschwinden der Linksparteien vorgesehen, die Auflösung der Gewerkschaften, dazu der Aufbau eines privaten Fernsehsystems und gleichzeitig die Aushöhlung des staatlichen Fernsehens RAI.

Keine Verschwörungstheorie, sondern die Aufdeckung eines handfesten Skandals in Italien, einer Allianz von Nato, Mafia, Bankern und Geschäftemachern – unter der Führung und mit dem Segen westlicher Geheimdienste.

Halten wir ein wenig inne. Der junge Geist neigt dazu, Fakten endlos aneinander zu reihen, der ältere Geist sucht eher Verbindungen, schlüssige Zusammenhänge.

Kommt uns das nicht ein wenig bekannt vor: „Machtübernahme mit Hilfe der Massenmedien“? Verschwinden von Linksparteien, Auflösung der Gewerkschaften, Aufbau privater Fernsehsender, Aushöhlung der öffentlich rechtlichen Medien?

Wir schreiben das Jahr 2014, der US-Präsident Barrack Obama erklärt ganz Russland zur größten Gefahr für die Welt (siehe N 24) und die ganzen deutschen Medien folgen ihm in erstaunlichem Gleichschritt. Deutschland hat mit der NSU ein aktives, rechtes Mordkommando in Deutschland – mit ulkigen Begleiterscheinungen: so erschien des Fahnungsfoto eines der Mörder in einem „Tatort“-Spielfilm (siehe Spiegel), ein deutscher Geheimdienst führte schon früh geheime Akten über das Mordkommando (siehe Deutschlandradio), was man aber kaum vertiefen kann, weil der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses überraschenderweise im Besitz von Kinderpornos ist – was die weitere Untersuchung der Affäre durch ihn unmöglich machte.

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Das Land ist gelähmt. Der Streit der politischen Parteien geht praktisch nur noch darum, wer für wie viele seiner Leute die hoch dotierten Pöstchen abgreifen kann und dafür im Namen der Industrie gesellschaftliche Normen durchsetzt, die arbeitslose Kapitalvermehrung in großem Ausmaß sicher stellen – auf Kosten der Allgemeinheit.

Gelungen ist das durch das Verbot von Linksparteien, die Lähmung der Gewerkschaften, den Aufbau privater Fernsehanstalten und die Aushöhlung der staatlichen Fernsehsender, die unter direkter Kontrolle der Parteien stehen. Wären wir Italien, wir könnten glauben, das Licio Gelli wieder zurück ist.

Die Vernichtung des politschen Willens des deutschen Volkes, das mit den „Grünen“ eine echte, gefährliche Alternative für das mit NSDAP-Funktionseliten durchsetze System geboren hatte, war recht einfach. Es scheint, als hätte jemand die Schwachstelle der westlichen Gesellschaft gründlich studiert und das schwächste Element ausgemacht, um der Gesellschaft das Genick zu brechen: die Abhängigkeit vom Arbeitsplatz.

Mit Hilfe von Politik und Massenmedien wurde „Arbeit“ zum Fetisch, die Verantwortung für die Folgen massiven Arbeitsplatzabbaus in den Unternehmen wurde den Entlassenen ganz allein aufgebürdet: wer in Zukunft Durst in der Wüste hatte, musste selber für Wasser sorgen; die Brunnenvergifter hatten neue Regeln gesetzt. Wir gewöhnen uns seit dem langsam an unglaubliche Zustände, eine Treibjagd auf willkürlich selektierte Teile der deutschen Bevölkerung, die an düsterste Zeiten erinnert, sogar Kindesentzug kommt jetzt als Maßnahme im Regelvollzug zum Tragen (siehe gegen Hartz), Verwandte werden zur Aussage gezwungen (siehe gegen-Hartz), Fördermittel zum Aufblähen des Bürokatiemonsters verwendet (siehe gegen-Hartz), das derzeit schon über 42 Millionen deutsche Bürger in ihren Computern hat: eine geheime Volkszählung der besonderen Art.

Arbeitslose Juristen müssen mit Hausverbot (und Obdachlosigkeit samt Hungertod) rechnen, wenn sie sich nicht fügen (siehe Der Westen), der „Jahrhundertflop“ (so der paritätische Wohlfahrtsverband über die H4-Reform, siehe Neues Deutschland) hat sich als ideales Werkzeug zur „Entsolidarisierung der Gesellschaft“ (siehe Heitmeyerstudie bei Böll.de) erwiesen, der deutsche Leiharbeiter (Pendant zum chinesischen Wanderarbeiter) wurde aktuell für alle Ewigkeiten höchstrichterlich zur rechtlosen Person erklärt (siehe Spiegel). In einem der ehedem reichsten Länder der Welt sind 13 Millionen Menschen von Armut bedroht (siehe Netzplanet), weshalb Nachrichten über massive Umsatzeinbrüche beim Einzelhandel (siehe FAZ) nicht sonderlich überraschen sollten.

Andererseits ist zu beobachten, dass „Faulenzen im Job“ zunehmend ein massives Problem darstellt (siehe Spiegel): während die Arbeitslosen ohne Arbeitsvertrag hungern und frieren sollen, machen sich die Arbeitslosen mit Arbeitsvertrag ein lustiges Leben auf Kosten der Allgemeinheit: Leistungsgesellschaft ist das schon lange nicht mehr – nur: man redet nicht oft darüber, denn wer nicht ausselektiert wurde, darf seine Privilegien hemmungslos genießen … falls er nicht alt oder krank wird.

Aus der Not Kapital zu schlagen ist für die gesellschaftliche Elite zur Norm geworden (siehe Der Westen zum Thema „Problemhäuser), dass man sich das Studium durch den Verkauf seines Körpers verdient, akzeptables Feuilleton-Thema (siehe die dereinst renommierte „Zeit“ unter der Rubrik „Studium“). Die Kinder verdummen immer mehr, ohne dass es jemand kümmert (siehe Berliner Kurier) dafür herrscht zunehmend Korruption im Land (siehe Focus), „geschmiert“ wird in Brüssel ganz öffentlich, Hauptinvestoren: US-Konzerne wie Phillip Morris, Exxon Mobil und Microsoft (siehe Focus), politische Aussagen werden auch für Satiriker potentiell gefährlich (siehe Heise):

Ob man vielleicht einmal Putin verraten sollte, dass man missliebige Meinungen am Landgericht Hamburg genauso effizient verbieten lassen kann wie in seinem eigenen straff geführten Reich, das so schrecklich sein soll? Wäre es nicht die politische Aufgabe freier westlicher Journalisten gewesen, dem Osten ein Vorbild in Sachen Pressefreiheit zu geben und wenigstens die Freiheit der Satire zu achten?

2014 veröffentlich die „Huffington-Post“ einen Artikel über „8 gute Gründe, genau jetzt aus Deutschland auszuwandern“ (siehe Huffington-Post), die Gründe, die das rechtskonservative Medium erwähnt, sollte man sich gut anschauen:

Radikalisiertes Meinungsklima, mangelnder Optimismus, tief sitzende Ängste, wachsender Antisemitismus und Islamhass. Gut, dass sind nur fünf. aber „Angst“ wurde mehrfach genannt.

Darf man noch nach den Gründen für die Angst fragen? Oder greift hier schon das Denkverbot … der Bann von „Verschwörungstheorien“?.

Die Gründe sind einfach: wer dem Kapital nicht mehr effektiv zu Diensten sein kann, wer nicht devot genug ist oder sogar Kritik an den Machthabern übt, wird wirtschaftlich ausselektiert. Man braucht heutzutage keine Schlägerkommandos mehr, um Menschen kalt zu stellen (und auch keine Straßensperren mit Maschinenpistolen): der Organisationsgrad der Gesellschaft ist so weit, dass man Wiederstand einfach gezielt durch Unterbrechung der Versorgung eliminieren kann – eine Lektion, die man aus den Kesselschlachten des Zweiten Weltkrieges gelernt hatte: einfach die Versorgung unterbinden, und schon hat man eine ganze Armee vernichtet – mit relativ wenig Aufwand.

Betriebswirtschaftlich außerordentlich sinnvoll.

Wollen wir noch mal ein wenig mutig sein? Kurz an ein Denkverbot kratzen (was mir persönlich von engagierten, bekannten namhaften Politikern der Linken den Vorwurf eingebracht hat, ich würde „leichte Verschwörungstheorien“ entwerfen – ein Akt, der tief blicken läßt und zeigt, wie tief der Gehorsam gegenüber dem System selbst in den Knochen der Opposition steckt)?

Was wäre, wenn die Agenda 2010 nicht durch Zufall, durch Würfeln oder Ziehung der Lottozahlen über uns gekommen wäre, sondern durch Plan und Absicht? Durch den Plan und die Absicht, einen der führenden Konkurrenten auf den internationalen Märkten auszuschalten, in dem man seine Bevölkerung (wie zuvor schon die eigene) spaltet – in arm und reich zum Beispiel? In Vollbürger und Vogelfreie? Einen Plan, der schon in den siebziger Jahren dazu führte, dass man gefährliche deutsche Manager gezielt ausschaltete und nebenbei noch die einzige Kraft im Lande eliminierte, die ein substantielles Interesse am Kampf gegen neu aufkeimendes faschistoides Gedankengut hat … und die nötige Kompetenz, dies ziemlich frühzeitig wahr zu  nehmen?

Diese Verschwörungstheorie erschien dereinst im Stern (und langsam verschwindet sie aus dem Netz, wie ich heute merken durfte, eine philosophische Praxis hat sie noch archiviert):

Es spricht der Kanzler: Die Reformen sind alternativlos. Sie müssen noch viel weiter gehen, sagt der BDI-Chef Michael Rogowski, und die grüne Fraktionschefin Göring-Eckardt sekundiert:“Ja, diese Reformen müssen wir durchziehen!“ Und in einer ganzseitigen Anzeige der „SZ“ rufen einige Dutzende Millionäre unter der Überschrift „Auch wir sind das Volk“: Die Reformen sind „überlebensnotwendig“. Ebenso wie die Politiker und Wirtschaftsführer, so spielen Radio, Fernsehen, Zeitungen dasselbe Lied: Man muss an den Reformen festhalten – „unbeirrt“. So eine allumfassende Übereinstimmung von Politik, Wirtschaft und Medien hat es im Nachkriegsdeutschland schon lange nicht mehr,nein, noch nie gegeben. Die Reformen sie sind die neue Staatsreligion. Wer daher am Nutzen und der Weisheit dieser Reformen zweifelt, wird zum Außenseiter abgestempelt, der nicht ernst zu nehmen ist. Es steht eine Sozialstaatsklausel im Grundgesetz, aber wer darin erinnert, wird freigegeben zum Gespött.

Zehn Jahre später: keine Wort mehr über den Putsch.

Ein Film wie „Deutschland im Herbst“ – 2014 undenkbar. Die von Arno Luik beobachtete Gleichschaltung der Medien hat absurdeste Züge angenommen (siehe Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt): jede Diktatur würde sich solche Journalisten wünschen.

Deutschland im Herbst 2014 ist ein Land, in dem die nackte Angst herrscht. Wer das Land kritisiert und gegen die Parole verstößt, dass es Deutschland gut gehe (und somit jedem – aber auch wirklich JEDEM einzelnen … und wehe, man verweigert da die Zustimmung – auch im persönlichen Bereich) wird mit Gespött seitens führender Systemsatiriker bestraft, die als „Comedy“ ein Zerrbild hurmovoller Gesellschaftskritik geworden sind und sich hauptsächlich darin ergötzen, immer neue Schwache zu selektieren, neue Schwächen aufzudecken in einem Land, dass nur noch den Starken anbetet.

Deutschland im Herbst 2014: ein Land, in dem man sich der Bösartigkeit verdächtig macht, wenn man Wikipedia zitiert und auf reale, historisch belegte Verschwörungen von Geheimdiensten, Mafia, Freimaurern und Rechtsextremen hinweist.

Deutschland im Herbst 2014: ein Land, in dem Kriminelle seltsamerweise perfekt organisierte Kundgebungen Krimineller („Hooligans“ … gelten doch generell als kriminelle Gewalttäter, oder?) gegen Ausländer mit wachsender Teilnehmerzahl auf die Straße bringen

Deutschland im Herbst 2014: das Land, in dem es eine besondere Nachricht ist, dass CDU-Politiker wirklich ohne Fremdeinfluss einfach so in der Sauna verstorben sind (siehe Spiegel). Nicht, dass da jemand auf Gedanken kommt … die sowieso verboten sind

Deutschland im Herbst 2014: nicht mehr das Land, in dem man sich wundert, warum nicht noch viel mehr Menschen um sich schlagen – sondern das Land, dass man nach Ansicht konservativer Medien schnellstmöglichst verlassen sollte … wenn man noch kann.

Die „westliche Wertegemeinschaft“ und ihre Werte: Selektion, Folter, Drogen, Dreck, Kindesmissbrauch und ihr neuer Gott

Digital StillCamera

 

 

Freitag, 12.12.2014. Eifel. Ja, wir leben derzeit ja in der westlichen Wertegemeinschaft. Auch schon länger – die hat sich während des Zweiten Weltkrieges gebildet: als Bollwerk gegen die Hunnen, die Russen, die Roten, die Bestien, die Nicht- und Unmenschen – also all jene, die nicht jubeln, wenn ihnen der „american way of life“ ins Land sickert. Man kann den „american way of life“ (dem immer weniger Amerikaner trauen) auch einfach beschreiben: „Gib mir all´ Dein Geld“. Ja – wir schauen immer auf die „Winner“ und vergessen dabei schnell, dass die ihre Milliarden nur auf unterschiedlichstem Wege von den „Loosern“ abgezogen haben. Ja – ich kann mich an Zeiten erinnern, wo Pädagogen und Psychologen die Abschaffung primitiven „Rankings“ im Sportunterricht (und im Sport generell) abschaffen wollten, weil man für einen „Sieger“ zehn, hundert oder tausend „Verlierer“ produziert; für den einen auf dem Treppchen mussten viele andere am Wegesrand liegenbleiben. Ja – schauen sie sich mal an, was das volkswirtschaftlich anrichtet: das Wertesystem produziert serienweise Menschen, die sich als Versager und Verlierer fühlen – mit enormen Folgen für ihre Leistungsfähigkeit.

Seltsamerweise macht man sich darüber keine Gedanken: „Selektion“ ist eins unserer Lieblingsspiele, das läuft schon seit Urzeiten („Wer ist Herr, wer ist Sklave“?) und sollte durch die Einführung der demokratischen Zivilgesellschaft aufgelöst werden. Leider – war man nicht gründlich genug, hatte den Sport übersehen, wo das Prinzip „Selektion“weiter vor sich hinwucherte. Man verdient auch gut an der Selektion: entlässt Microsoft mal eben 18000 Mitarbeiter („Entlassungen“ sind eine weitere, gern praktizierte Form der Selektion) steigen gleich die Börsenkurse (siehe Newsslash): so verdient man doppelt. Ebay schlägt jetzt ganz gezielt in die gleiche Kerbe: trotz gut laufender Geschäfte feuert man mal eben 3000 Mitarbeiter, „um sich für Investoren interessanter zu machen“ (siehe Spiegel).

Aktuell tritt neben der Selektion auch ein weiterer westlicher Wert in den Vordergrund: die Folter. Weltweit hat die CIA Foltergefängnisse eingerichtet, zum Teil mit Hilfe anderer westlicher Staaten – sogar die Schweden haben ihnen Opfer zugeliefert – um bestialische Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Es kam aber noch schlimmer: die Folter geschah nicht etwa auf Grund menschlicher Entgleisungen, sondern wurde ganz professionell mit hochgradig krimineller Absicht ins Leben gerufen (siehe Spiegel):

Bei „Dr. Swigert“ und „Dr. Dunbar“ handelt es sich um zwei Militärpsychologen, die die CIA beauftragte, die schlimmsten Foltermethoden zu entwickeln und sogar persönlich durchführen zu lassen. Obwohl bis dahin ohne jede praktische Erfahrung mit „verschärften Verhörmethoden“, habe das Duo schließlich eine so zentrale Rolle gespielt, dass die CIA ihr Folterprogramm ab 2005 fast ganz an die Privatfirma der Männer „outgesourct“ habe.

Wissen Sie, was die Menschheit an dem Holocaust so entsetzt hatte? Nicht die Tatsache, dass Menschen andere Menschen in Massen umbringen – das gab es schon öfter. Aber dass sich der die Wissenschaft komplett mit all ihrer Kraft und Leistungsfähigkeit in einen Vernichtungsapparat integrieren lässt, ja, diesen sogar ersinnt, baut und mitbetreibt (und als Mediziner wie Dr. Mengele sogar einen riesigen Nutzen aus dem vorhandenen „Material“ ziehen kann): das hat viele Hoffnungen und Träume der Menschheit nachhaltig zerstört und bewiesen, dass „Wissenschaft“ keinerlei moralischen Wert in sich trägt und der „Wissenschaftler“ ebenso brutaler Täter werden kann wie die „bildungsfernen Schichten“: nur mit viel größerer Wirkung.

Hier sind es zwei Psychologen, die – noch eine Steigerung des Grauens, wie sie wohl nur in den USA möglich ist – eine Privatfirma betreiben und aus Folter einen lukratien Geschäftszweig machen.

Wir haben es hier aber nur mit den großen Folterungen zu tun, das Prinzip „Folter“ hat in den letzten Jahren weite Teile unserer Gesellschaft durchdrungen – und wird auch von vielen als normaler Umgang akzeptiert. Ja – nehmen wir mal wieder das oft strapazierte Thema Hartz IV. Ich zitiere mal ein – künstliches – Testament eines Arbeitslosen (gegen-Hartz), ein literarisches Stück der Extraklasse:

Das „Paradestück“ Schröders, die Hartz-Reformen und davon besonders die vierte, erwiesen sich für den Betroffenen als ein Weg, gepflastert mit Demütigung, Verachtung, Menschenrechtsverletzung, Bevormundung, Engstirnigkeit, Unwissenheit und Ignoranz.

Hinzu kommen noch – nicht erwähnt im Testament – die ständigen Ängste, von einem gering qualifizierten Sachbearbeiter mit Sanktionen überzogen zu werden, die Hunger und Obdachlosigkeit nach sich ziehen können, wobei der Tod des Sanktionierten billigend in Kauf genommen wird: das läßt sich ohne Probleme als Form von Folter anerkennen.

Huch – wir foltern in Deutschland Arbeitslose?

Ja – jetzt schauen Sie sich doch mal die Antifolterkonvention an:

Die UN–Antifolterkon­ven­tion enthält in ihrem Artikel 1 eine Def­i­n­i­tion der Folter:

Nach Artikel 1 der Kon­ven­tion ver­steht man unter Folter jede Hand­lung, durch die einer Per­son vorsät­zlich große kör­per­liche oder seel­is­che Schmerzen oder Lei­den zuge­fügt wer­den. Diese Def­i­n­i­tion wird durch erk­lärende Beispiele noch weiter spez­i­fiziert. So muss diese Schmerzen bzw. Lei­den zuführende Hand­lung erfolgen:

  • z. Bsp. um von der Per­son oder einem Drit­ten eine Aus­sage oder ein Geständ­nis zu erlangen,
  • um sie für eine tat­säch­lich oder mut­maßlich von ihr oder einem Drit­ten began­gene Tat zu bestrafen,
  • um sie oder einen Drit­ten einzuschüchtern oder zu nötigen
  • oder aus einem anderen, auf irgen­deiner Art von Diskri­m­inierun­gen beruhen­den Grund.

Dabei ist allerd­ings Voraus­set­zung nach Artikel 1, dass

  • diese Schmerzen oder Lei­den von einem Ange­höri­gen des öffentlichen Dienstes
  • oder einer anderen in amtlicher Eigen­schaft han­del­nden Person,
  • auf deren Veranlassung
  • oder mit deren aus­drück­lichem oder stillschweigen­dem Einverständnis  

Hartz IV-Sanktionen werden von Angehörigen des öffentlichen Dienstes verhängt, um Arbeitslose einzuschüchtern und zu nötigen … z.B. zur Arbeitsaufnahme oder zur Teilnahme an unsinnigen Maßnahmen. Bestraft werden sie für ihre Arbeitslosigkeit, diskriminiert werden sie, um die „soziale Hängematte“ unattraktiv zu machen und arbeitende Menschen einzuschüchtern. Das geschieht auch mit nachhaltigem Erfolg: seit Einführung der Folter für Arbeitslose arbeitet inzwischen jeder vierte Deutsche als Geringverdiener (siehe Spiegel).

„Sanktionen“ – auch im internationalen Parkett ein gern und schnell genommenes Instrument des staatlichen Miteinanders der Bestrafung, Nötigung und Einschüchterung, welches die alten „vertrauensbildenden Maßnahmen“ völlig verdrängt hat: so was kann man schon „Zeitgeist“ nennen.

Diese Art von Folter wird auch von privaten Hilfsorganisationen angewandt, die sich als Zuchtmeister von Hilfebedürftigen aufspielen, ohne zu merken, was sie da eigentlich wirklich machen (siehe Der Westen):

1800 Einzelpersonen oder Familien erhalten bei der Essener Tafel Woche für Woche Lebensmittel. Wer dreimal bei der Lebensmittel-Ausgabe der Tafel fehlt, verliert seine Karte für ein Jahr. Angesichts des großen Andrangs müsse man streng sein, sagt der Tafel-Verein.

Selektion – und Folter. Westliche Werte – wie gehabt. Es gibt aber noch mehr „Werte“, die man sich richtig was kosten läßt: Drogen zum Beispiel.

Kürzlich fand die Polizei in Australien drei Tonnen Drogen aus Deutschland, Marktwert: eine Milliarde Euro. Der Stoff kam aus Hamburg (siehe Spiegel). Drogen für EINE MILLIARDE. Wer soll die eigentlich alle nehmen? Anders gefragt: gibt es noch Menschen, die ohne auskommen? Auch nur EINEN? Und wir halten den „Kampf gegen die Arbeitslosigkeit“ für so wichtig, dass wir eine Behörde von 100000 Sanktionieren einrichten – anstatt die Leute in die Drogenfahndung zu stecken? (Auch in der Steuerfahndung wären die wahrscheinlich gewinnbringender eingesetzt – aber das widerspräche den Werten Folter und Selektion).
Wie wichtig Drogen in Deutschland sind – sogar in Deutschland – zeigen interessante Untersuchungen schon seit vielen Jahren – zum Beispiel die Flusswasserstudie aus dem Jahre 2000, siehe Spiegel:
Erstmals haben Forscher das Wasser deutscher Flüsse in einer umfangreichen Studie auf Kokainspuren untersucht. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Deutschen weit mehr Kokain konsumieren als bisher vermutet – allein am Rhein jährlich im Wert von 1,6 Milliarden Euro.

Drogen bestimmen mehr und mehr den Alltag eines Lebens im Folter- und Selektionsstaat, den man anders wohl nicht aushalten kann. Sogar der Chef der Grünen züchtet auf seinem Balkon eine Hanfpflanze (siehe Der Westen), in 22 von 28 Toiletten des Berliner Reichtstagsgebäudes fand man Spuren von Kokain (siehe Spiegel aus dem Jahre 2005, bezug nehmend auf eine Sendung von Sat 1).

Als wären Selektion, Folter und Drogen nicht schon genug Werte der westlichen Wertegemeinschaft, die zeigen, dass wir auch Dreck am Stecken haben, um den wir uns kümmern sollten, bevor wir andere verurteilen, kommt noch ein weiterer Wert dazu: eben der eben genannte Dreck.

Ja: kürzlich verkündete das Handelsblatt, welche Städte in Deutschland die dreckigsten seien. Überraschenderweise nahmen nicht die klassischen Ruhrgebietsstädte wie Duisburg oder Gelsenkirchen die vordersten Plätze ein, sondern die Metropolen der deutschen Schickeria: auf Platz 1 kam Stuttgart, auf Platz 2 München – als Städte mit der höchsten Feinstaubbelastung (siehe Handelsblatt). Ja – dort, wo die Industrie so richtig brummt, ist es auch wieder mal so richtig schön dreckig. Aber über die Schattenseiten unsere Unkultur reden wir ja nicht so gerne.

Leider kommt noch eine dazu, eine, die größten Abscheu erzeugt und deshalb gerne weit verdrängt wird.

Kindesmissbrauch.

Nicht der alltägliche, der schon schimm genug ist – sondern der systematisierte, der von einer Leistungselite im Koksrausch begangen wird. In Belgien verschwanden die Spuren sehr schnell … bzw. starben 30 Zeugen, die belegen konnten, dass hinter der Affäre Detroux noch viel mehr stand als ein durchgeknallter Einzeltäter. In Portugal hatte man den Fall Casa Pia, in den Mediengrößen und Spitzen der Politik verwickelt waren (auch der ehemalige Premier- und Arbeitsminister) – und jetzt kommt England dazu, das schon zuvor durch mehrere Fälle systematischen Missbrauchs von sich reden machte. Die Welt berichtet darüber (siehe Welt):

In London gärt ein unfassbarer Pädophilen-Skandal. Darin verwickelt: Politiker, Richter, V.I.P.s. Der Verdacht: Geheimdienste deckten den Kinderschänderring im Regierungsviertel – und auch Morde.

Diese Geschichte liest sich wie das Drehbuch eines schlechten Krimis. Es geht um einen Pädophilenring, dem prominente Politiker, Richter und andere Personen des öffentlichen Lebens angehören. Und es geht um Kinder, die über Jahre hinweg missbraucht, einige von ihnen gar ermordet wurden.

Eine Nachricht, die einen erblassen lässt. Was spielt sich eigentlich hinter den Kulissen unsere Weltpolitik ab? Welche perverse Gestalten überziehen unser Welt mit Selektion, Folter, Drogen und Dreck, um sich als Lohn an unseren Kindern gütlich zu tun?

Es ist natürlich nur eine Momentaufnahme, einige willkürlich herausgegriffene Aufnahmen einer Gegenwart, die – so scheint es – völlig aus den Fugen gerät. Doch sollten wir diese Aufnahmen deshalb vergessen, verdrängen, ignorieren?

Die Dimensionen der Entgleisungen der westlichen Wertegemeinschaft haben ein solches Ausmaß erreicht, dass man sich schämen muss, dazu zu gehören. Es ist eine Gemeinschaft von Unwerten … und mit der Meinung stehe ich nicht alleine da. Der Papst selbst – oberster Hüter der so oft gepriesenen Werte des christlichen Abendlandes – fällt ein vernichtendes Urteil über die westliche Wertegemeinschaft, führende Volkswirtschaften sanieren sich durch den Verkauf von Waffen (ja – hier steht Deutschland inzwischen ganz weit vorne), Kriege dienen unverzichtbar als Stützen eines großen Imperiums, Menschen werden dem Idol „Geld“ geopfert, ja, Geld“ ist der neue Gott geworden (siehe Zeit).

Schauen Sie sich bitte diese westliche Wertegemeinschaft an, deren Friedensnobelpreisträger den Drohnenkrieg gegen die Zivilbevölkerung auf ein nie dagewesenes Niveau gebracht hat, schauen Sie sich diese Gemeinschaft an, die Selektion, Folter, Drogen, Dreck und Kindesmissbrauch als unverzichtbare Werte vorlebt … und dann fragen Sie sich, wie das auf Russen oder Moslems wirkt.

Ich könnte verstehen, wenn die da Angst kriegen und sich Sorgen um ihre Familien machen.

In den Augen unseres obersten Wertehüters  haben wir – die westlichen Kulturen – die größtmögliche Sünde begangen, die man sich im christlichen Wertekanon vorstellen kann:

„Das Wirtschaftssystem sollte im Dienst des Menschen stehen. Aber wir haben das Geld in den Mittelpunkt gerückt, das Geld als Gott.“

Kein Wunder, dass dieser Artikel über den Papst sehr kurz und knapp ist. So etwas hören wir nicht gern: Geld als Gott – das ist die größte denkbare Sünde einer Wertegemeinschaft, die sich dereinst nominell aus dem Christentum heraus definierte – aus ihm und den zehn Geboten, die zuallererst davor warnten, sich anderen Göttern zuzuwenden.

Das haben wir jetzt getan – und wundern uns darüber, mit welchem Zorn man unsere Kultur ablehnt.

Ich denke – es sind gerade die Momentaufnahmen unserer Kultur, die unser Ansehen weltweit schädigen.

So aber – sind wir nicht jene „Guten“, als die wir gesehen werden wollen, und deshalb bleibt uns der Krieg als einziges Kommunikationsinstrument übrig, denn als „gut“ kann man eine Gesellschaft, in der solche Momentaufnahmen möglich sind, nicht auf Anhieb erkennen, weshalb „wir“ für „die anderen“ (zu denen jetzt auch unsere eigene Kirche gehört) einfach nur … „böse“ sind.

 

Der Holocaust an Arbeitslosen: jetzt live in Deutschland – und alle schauen weg!

Digital StillCamera

Dienstag, 2.12.2014. Eifel. Ein trüber, nebeliger Tag in der Eifel, wie geschaffen, über trübe, nebelige Dinge nachzudenken – wie zum Beispiel über den Brief einer „Andrea“, den ich gestern erhielt – oder über die Ansicht eines langjährigen Bloggerkollegen, dass viele von uns resignieren und aufgeben … oder über das Entsetzen vieler politisch aktiver Menschen, dass die „Hartzer“ so schrecklich faul sind – so faul, wie Regierung und Wirtschaft sie darstellen. Ja: die große Hoffnung vieler Linker, dass sich die ärmsten des Landes erheben, um sie auf den Köngisthron zu tragen, hat sich nicht erfüllt … und selbst wollen sie den langen Marsch nicht wagen. Sie marschieren lieber weiter mit dem staatlichen „rundum-sorglos-Paket“ durch die Institutionen und halten sie so am Leben … viele alte „68´er“ sitzen jetzt als Abteilungsleiter in den Jobcentern der Gemeinden, weil die Parteien mit ihren arbeitenlosen Sozialarbeitern sonst nichts anfangen konnte.

Was sie dort leiten, ist ein beispielloses Vernichtungsprogramm, über das man nicht reden darf, weil man sonst Ärger mit Arbeitslosenaktivisten bekommt: mein Freund „Grilleau de Marigny“ kann davon ein Lied singen. Ja: Verweise auf die NS-Zeit sind nicht gern gesehen, sofort hat man eine breite Front hypermoralischer Pseudohistoriker gegen sich, die beständig behaupten, der Holocaust sei so einzigartig, das Leid der KZ-Insassen so unvergleichlich, dass man niemals Vergleiche ziehen könne.

Die armen Tröpfe – so viel Meinung, so wenig Bildung.

Gut – kümmern wir uns zuerst um das Sterben der Menschen im Holocaust, um die erneute Ausrottung eines ganzen Volkes, um einen erneuten Genozid.

Was ist daran so einzigartig?

Kann sich noch jemand an die Tasmanier erinnern? Nein? Wurden völlig ausgerottet, die letzten starben Ende des 19. Jahrhunderts.

Oder die Glaubensgemeinschaft der Katharer, die ein besonders „reines“ Christentum leben wollten? Ausgerottet – mit Stumpf um Stil, die letzten 178 Überlebenden wurden 1278 verbrannt. Schon mal aufgezählt, wie viele Indianerstämme die Eroberung Amerikas nicht überstanden haben? 500 Staaten (ja: Staaten) gab es da, mit zum Teil kulturell sehr hochstehenden Gesellschaften (von denen die USA unter anderem ihre Verfassung haben) … alle fort.

Die Liste der Genozide läßt sich noch deutlich verlängern – nur wird dieses Wissen nicht so sehr verbreitet. Die Tatsache, dass Menschen Menschen in Massen töten, ja, ganze Kulturen auslöschen, ist nichts besonderes – sogar das Christentum wäre durch Rom fast ausgelöscht worden (das es im Prinzip durch „Rom“ wirklich ausgelöscht wurde, bevor es überhaupt seine tiefere Wirkung entfalten konnte, ist eine andere Geschichte. Man ist hier bei der Auslöschung sehr elegant vorgegangen und hat die Christen einfach zu einer Staatsreligion erhoben – den Rest erledigte die Korruption).

Was war es dann? Die Art zu sterben? Wollen wir uns wirklich auf das dünne Eis begeben, gewaltsame Tötungen in „gute“ und „schlechte“ einzuteilen? Wie wollen wir das machen? Dauer der Angst? Intensität der Schmerzen? Chinesische Folterkünstler schafften es, Menschen drei Wochen bei massiver Folter am Leben zu lassen – das ganze geschah in aller Öffentlichkeit, ähnlich dem Treiben im Circus Maximus des römischen Imperiums.

Oder ist es die Tatsache, dass sich hier die „Kulturmenschheit“ als Täter entpuppte, jene Herrenrasse, die auch heute noch die Welt ihrem Willen unterwerfen will? Ich denke … hier liegt die wahre Wurzel unseres Grauens: die Täter des Holocausts sehen wir morgens, wenn wir in den Spiegel schauen.

Dabei liegt die Wurzel zum Holocaust nicht einzig im Parteiprogramm der NSDAP – nein, eigentlich haben die nur aufgegriffen, was mehrheitsfähig war. Darf ich mal einen Schweizer Arzt zitieren, einen aus dem Jahre 1904?

„Wenn dann die schlechteste Menschenware Dutzende von Dummköpfen, Verbrechern, Krüppeln, Tuberkulosen und sonstigen Missgestalten erzeugt hat, bauen wir überall Irrenanstalten, Epileptikeranstalten, Altersasyle und Zuchthäuser, um die schlimmsten Früchte ihrer Entartung auf unsere Kosten zu versorgen. Und wir merken nicht, dass diese Humanität die Kulturmenschheit allmählich zugrunde richtet“

(der schweizer Arzt August Forel, persönliche bekannt mit Charles Darwin, aus: Kurt G. Büchel, Heilen verboten töten erlaubt – die organisierte Kriminalität im Gesundheitswesen, Bertelsmann 2003, Seite 101)

Es waren die Anhänger Darwins, die seine Theorie der Auslese (eine zutiefst antichristliche aber urkapitalistische Theorie, die heute als „Neoliberalismus“ wieder die Sozialpolitik bestimmt) auf die menschliche Gesellschaft übertrugen: schon 1904 hätte man Mahnungen schreiben können, dass diese Philosophie Massenmorde produzieren wird – früher oder später. Die Sozialdarwinisten liefen Sturm gegen die bismarksche Sozialversicherung – und mit „Hartz IV“ hat der Kampf der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts tobt, wieder einen neuen Höhepunkt erreicht: der Punkt ging voll an die Sozialdarwinisten.

Wer meint, der Holocaust wäre nur durch die NSDAP und Hitler möglich gewesen, irrt. Die „Bewegung“ durfte sich 1933 – 1945 nur ungehindert austoben, vorbereitet wurde das ganze aber schon, bevor ein Hitler überhaupt nur geboren wurde. 1945 wurde nur ein kleiner Arm der Bestie zerschlagen, die sich einige Jahre wieder zurückzog, aber ihre Lehren vom „unwerten Leben“ weiter verkündete, verbreitete und langsam wieder neue Mehrheiten aufbaute, bis sie 2005 triumphieren konnte: endlich hatte man wieder eine Mehrheit im Parlament, einen Angelpunkt, mit dem man wieder die ganze zivilisierte Menschheit tyrannisieren konnte um eine neues Vernichtungsprogramm aufzulegen.

Ja – ich spreche von einem Vernichtungsprogramm … auch wenn mich jetzt engagierte Arbeitslosenaktivisten aus ihrer Facebook-Freundesliste streichen (das gröbste an politischer Tat, zu der sie in der Lage sind!): ich will nicht den letzten Holocaust verharmlosen, sondern den nächsten verhindern, weil ich weiß, dass die „Herrrenmenschen“ nicht 1933 aus der Hölle auf die Erde gekommen sind: sie waren die willkommenen Vollstrecker einer Gesellschaftsordnung, die von der deutschen Ärzteschaft seit dem 19. Jahrhundert gefordert wurde (siehe hierzu Büchel, a.a.O., Kapitel 2 – danach sieht man die „Halbgötter in Weiß“ aus einer etwas anderen Perspektive) … und die Schöpfer dieser „Herrenmenschengedanken“ haben 1945 völlig folgenlos überstanden, um weiter an dem großen Ziel zu arbeiten: die „saubere“ Menschheit, die „reine Rasse“ … und an dem „perfekten“ Menschen.

Ja – wer hier Vergleiche verbietet, respektiert nicht die Leiden der Holocaust-Opfer – er bereitet den neuen mit vor!

Und der läuft schon:

So hat der US-amerikanische Forscher Christopher Hudson in einer Langzeitstudie aus den Jahren 1994 bis 2000 ermittelt, dass bei von ihm mit ihren Daten erfassten 34.000 PatientInnen vier Siebtel wegen Armut oder des Absturzes in Arbeitslosigkeit an Depression oder Schizophrenie erkrankten. Und der deutsche Medizinsoziologe Johannes Siegrist von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf ist zu ähnlichen Ergebnissen gelangt, bestätigt darin von dem Diplom-Psychologen Frank Meiners, der für die DAK entsprechende Krankendaten ausgewertet hat. Depression aber, das ist nicht nur einfach “ein bisschen” Lustlosigkeit und “ein bisschen” Verstimmung, “ein bisschen” Niedergeschlagenheit und “ein bisschen” Antriebslosigkeit – was übrigens schon Erklärung genug dafür wäre, dass Arbeitslose nicht einmal mehr wählen gehen. Nein, Depression ist auch Körperveränderung, vereinfacht gesagt: veränderte Gehirnchemie.

Wir wissen, dass wir hier mit unserer Gesellschaftsordnung wieder Lebensqualität in Massen vernichten – ohne das es irgendjemanden stört. Auch die Ärzteschaft nicht:

Meine Enttäuschung gilt nicht den Opfern, sondern deren potentiellen Helferinnen und Helfern. Sollte den Medizinern und Psychotherapeuten ihr objektiver Zynismus entgehen? Hinter verschlossener Tür, in ihren Behandlungszimmern, den Patientinnen und Patienten mit all ihrer Kompetenz zu helfen und helfen zu wollen. Dort also ihren Mund aufzumachen! Und draußen – in der Welt, die seit längerem aus politischen Gründen auch eine Welt der Krankheitsverursachungen ist – den Mund zu halten und auf den eigenen Kongressen stattdessen lieber über neue Psychopharmaka zu diskutieren und neue Formen der Kurzzeittherapien! Fast könnte man meinen, die Ärzte und Psychotherapeuten schwiegen deshalb so beharrlich in der Gesellschaft, weil ihnen sonst die verheerende Hartz IV-Politik nicht so viele neue Patientinnen und Patienten zutriebe und damit lukratives “Krankenmaterial”!

Die Zitate stammen aus einem Text, den ich bei Konstantin Wecker gefunden habe, Autor des Textes ist (vermutlich) Holdger Platta – es geht um die für viele unerklärliche Passivität der Hartz IV-Empfänger (siehe: hinter den Schlagzeilen). Selten wurden die gesundheitsvernichtenden Wirkungen von Harzt IV so zentriert auf einen Punkt gebracht – aber es geht ja nicht nur um die Vernichtung von Gesundheit: es geht um die Vernichtung von Menschenleben in ungeahnter Größenordnung:

Wie Experten mittlerweile wissen, ist die Entwürdigung der ALG-II-BezieherInnen bei vielen längst schon so weit fortgeschritten, dass sie ernsthaft und ernstzunehmend aufs schwerste erkrankt sind. Erkrankt nicht unbedingt im körperlichen Sinne – das oft allerdings auch: die sogenannte “Morbiditätsrate”, der Anteil körperlich Erkrankter, liegt bei den Armen in Deutschland durchschnittlich doppelt so hoch wie bei den anderen Bevölkerungsschichten; und bei der sogenannten “Mortalitätsrate”, der Sterblichkeit, ist von Wissenschaftlern festgestellt worden, dass Arme im Durchschnitt sieben bis zehn Jahre früher sterben als die Menschen aus den höheren Einkommensgruppen (sieben Jahre früher die Frauen, zehn Jahre früher die Männer).

Das ist Massenmord – angesichts des Reichtums der Bundesrepublik vermeidbar (also politische bewusst gewollt) und in einer Größenordnung von 7 Millionen Menschen, 1,6 Millionen davon Kinder (also auch mengenmäßig durchaus vergleichbar).

Hier und jetzt in unserem Alltag.

Der Unterschied? Man eliminiert die Augesonderten mit „Hungerkost“ – ein erprobtes Mittel der Ärzteschaft im Rahmen der Euthanasie. Lager braucht man nicht mehr, unter betriebswirtschaftlichen Bedingungen sind selbst die zu teuer, außerdem machen moderne Überwachungsmethoden Lager überflüssig, die kalten Schimmelbuden der „Entsorgten“ haben zudem enorme Vorteile bei der „Entsorgung“: man braucht in Folge der Vereinzelung nicht nicht Lageraufständen zu rechnen, man muss nur dafür sorgen, dass die „ständig erreichbar“ sind – und die Stadt nicht verlassen … aber das gehört ja zum Gesetz dazu.

Wie 1933 – 1945 redet man nicht darüber – es sei denn, in kleinen Blogs, die ihre exzentrische Sicht verbreiten dürfen, um als Feigenblatt einer Freiheit zu dienen, die schon seit vielen Jahren einer Diktatur des Profits und einem Terror der Betriebswirtschaft gewichen ist, die letztlich selbst nur eine Ausprägung des Sozialdarwinismus ist: die Auslese erfolgt nicht mehr an der Rampe, sondern im Bewerbungsgespräch, hier wird das alte, schwache, kranke Menschenmaterial auf eine Art und Weise gründlich von einer Allianz der Profiteure aussortiert, dass es den Sozialdarwinisten eine reine Freude wäre.

Natürlich wagen wir hier eine scharfe Gratwanderung, denn: jede Relativierung der Gräuel des Nationalsozialismus führt dazu, dass seine Anhänger (die zahlreicher sind, als man sich vorstellen kann, weil Antisemitismus immer noch Volkssport breiter Schichten deutscher und österreichischer Dauergimpel ist) wieder Morgenluft wittert, um dann letztlich dem schon mehrheits- und gesellschaftsfähigen Sozialdarwinismus wieder einen starken Arm zu verleihen. „Sie“ marschieren ja auch schon wieder, natürlich – wie immer – im Namen des Guten. Im Namen des Guten werden sie auch – aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen – mit Hartz VIII die Vernichtungslager betreiben, weil einfach nicht mehr genug Geld für das Prekariat da ist, für jene bildungsferne Schichten, die sich mit dem Kindergeld ein gutes Leben machen, als Parasiten und Schmarotzer auf Kosten der „guten“ Menschen leben und aufgrund von mangelnder Sachkompetenz, Krankheit, Alter oder psychischen Deformationen (zum Beispiel „Depressionen“) nie mehr dem Arbeitsmarkt zur vollen Verwertung (und Verwurstung) zur Verfügung gestellt werden können … das sind alles schon jetzt Begrifflichkeiten, die unseren Alltag prägen.

Ich habe hier volles Verständnis für die Angst von Menschen, für ihre Resignation, für ihre Niedergeschlagenheit – zumal sich ja auch die Mehrheit des „Widerstandes“ einer kritischen „Restöffentlichkeit“ sich damit begnügt, Fragen zu stellen – als könne man im Jahre 2014 noch vernünftigerweise irgendwelche Zweifel daran haben, dass in den Machtapparaten der USA eine finstere Kraft die Vorherrschaft erlangt hat, der man – rückblickend – ohne jeden Zweifel zutrauen kann, „nine-eleven“ geschickt eingefädelt zu haben, um ihre politischen Gelüste weltweit hemmungslos austoben zu können. Ja – selbst wenn die amtliche Verschwörungstheorie der Wahrheit entsprechen sollte, entwickelt sich die Geschichte der Folgejahre eher in jene Richtung, die die Kritiker der amtlichen Verschwörungstheorie prophezeit haben: ein möglicher dritter Weltkrieg (ausgelöst durch den Konflikt um die Ukraine oder um den Konflikt um ein paar Inseln im Pazifik), eine mögliche neue Massenvernichtung unwerten Lebens (für die sich die US-Polizei nach den Ereignissen von Fergusson langsam rüstet) wären ohne „nine-eleven“ undenkbar gewesen – und sind jetzt Alltag.

Bleiben wir aber noch einen Moment in Deutschland – denn für diesen Verwaltungsbezirk des US-Imperiums zeichen wir als Bürger verantwortlich.

Hier produzieren wir Armut in Massen, die konkret Menschen tötet – zehn Jahre früher, als es natürlicherweise sein müßte.

Und wir … schauen weg.

Wir produzieren Krankheiten in Massen, die Menschen in den Suizid treiben.

Und wir … schauen weg.

Wir hinterlassen unseren Kindern eine gesellschaftliche, ökologische und wirtschaftliche Trümmerlandschaft, um einigen wenigen zu unvorstellbarem Reichtum zu verhelfen.

Und wir … schauen weg.

Und genauso werden jene zwei Drittel der Gesellschaft, die schon 1933 – 1945 (aus durchaus unterschiedlichen Gründen) weggeschaut haben (und heute Wähler der „großen Koalition“ sind, die jene zwei Drittel hervorragend repräsentiert) wegschauen, wenn die westlichen Industrienationen wieder anfangen, ihr „unwertes Leben“ von „ihrem Leid zu befreien“.

Sie sind immer noch skeptisch?

Nun – niemand behauptet, dass wir aktuell das Jahr 1933 schreiben. Eher bewegen wir uns im Rahmen von 1923 – aber wir bereiten uns vor.

So undenkbar, dass 2025 „mobile Sterbehilfeteams“ des Jobcenters schwer depressive unvermittelbare Arbeitlose von ihrem Leid erlösen – natürlich nur auf ihren ausdrücklichen „eigenen Wunsch“ hin … der in etwa so frei sein dürfte wie heute schon die Einwilligung zur „Eingliederungsvereinbarunt“ „völlig freiwillig“ geschieht – und bei mangelnder Freiwilligkeit eben als Erlass verfügt wird?

Das Leid der Ärmsten berührt uns nicht mehr.

Die Kosten, die sie uns aufbürden, beunruhigen jene, die in einer Blase von Glasperlenwohlstand vor sich hin dämmern.

Und der Sozialdarwinismus ist wieder im Aufwind – wie man in ganz Europa und den USA sieht, als internationale Bewegung.

Wir können wissen, wo das endet.

„Mobile Sterbehilfeteams“? Wird es jetzt in Holland geben. Eine Ärztin möchte das auch in Deutschland einführen (siehe „Welt„) … in guter, alter Tradition, die seit dem 19. Jahrhundert ungebrochen ist.

Und das Blogger resignieren, kann ich verstehen: die Zahl der Wegschauer wächst, jeden Tag. Ebenso wie die Zahl der Täter, die nachgezüchtet werden – als Juristen mit Tötungsphantasien, Studenten mit unstillbaren Luxuswünschen und anderen Erfüllungsgehilfen, für die Mitleid nur noch Sozialromantik ist, die bei der Erfüllung der eigenen Konsumphantasien stört.

 

 

HARTZ IV – BIS DAS DER TOD UNS SCHEIDET

„Man kann es sehr hart ausdrücken: Das Gesetz, das als Hartz-IV bekannt ist, trägt nicht nur den Namen eines rechtskräftig verurteilen Straftäters, sondern kann auch zum Tode führen.

Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen, lautet die Quintessenz dieser von der Schröder-Regierung eingeführten sozialpolitischen Umbau-Maßnahme“.  Hartz-IV hat schon auf grausige Weise seine finale Logik beweisen Arbeitszwang und Sanktionen durch Hartz IV Behörden kennt keine Würde und Gnade. Mit Opfern der sozialen Kälte kann man Profite  machen, handelt es sich doch nur um den Wohlstandsmüll, Parasiten der Gesellschaft. Medien in Springerstiefeln und STERNendeutlern  sind FOCUsiert  auf nagte Ärsche und Ditten und all den leistungslosen Eliten, Steuerhinterziehungsopfer.
Sie beschränken sich in ihrer Berichterstattung meistens auf angebliche „Sozialschmarotzer, Bildungsferne Unterschicht die zu faul sind zu arbeiten“.

Die täglichen Hartz IV Verbrechen werden verschwiegen!

 

 

Die EU stinkt! Über die gezielten Verarmungsprogramme für Deutschland.

Montag, 25.3.2013. Eifel. Endlich Ferien - wie ich höre, auch von der Krise. Zypern ist gerettet - irgendwie. Schon wieder. Lang ist her, da war Zypern schon mal zu retten: das NATO-Mitglied Türkei nahm dem NATO-Mitglied Griechenland ein Drittel der Insel mit militärischer Gewalt weg, ohne das die US-Flotte sie daran gehindert hätte. Angriffskriege unter Natomitgliedern waren damals protokollarisch noch nicht geregelt. Was war das für eine Peinlichkeit, als am 20. Juli 1974 türkische Truppen im Rahmen der Operation Attila den Norden Zyperns besetzten - "der Russe" war begeistert, zeigte sich doch erneut, wie dekadent die kapitalistische Nato war. Die Insel ist immer noch geteilt - davon erfährt man im Rahmen der neuen Zypernkrise nur wenig. Die oft zitierten "britischen Geldbesitzer" auf der Insel dürften sich aus den Kriegsflüchtlingen der damaligen Tage rekrutieren, in Großbritannien wohnen heutzutage mehr türkische Zyprioten als auf Zypern selbst, siehe Wikipedia. Dort erfährt man auch, das der EU-Beitritt der Insel nicht ganz korrekt war - eigentlich kann nur die ganze Insel beitreten. Aber - wie immer, wenn die EU etwas will, dann kriegt sie das auch. Hätte sie sich korrekt verhalten, dann hätten wir nie ein Zypernproblem gehabt - aber die Gier, Größe, Macht und Herrlichkeit der EU grenzenlos auszuweiten war größer als die Tatsache, das eine 2/3-Insel nicht beitreten kann.

Montag, 25.3.2013. Eifel. Endlich Ferien – wie ich höre, auch von der Krise. Zypern ist gerettet – irgendwie. Schon wieder. Lang ist her, da war Zypern schon mal zu retten: das NATO-Mitglied Türkei nahm dem NATO-Mitglied Griechenland ein Drittel der Insel mit militärischer Gewalt weg, ohne das die US-Flotte sie daran gehindert hätte. Angriffskriege unter Natomitgliedern waren damals protokollarisch noch nicht geregelt. Was war das für eine Peinlichkeit, als am 20. Juli 1974 türkische Truppen im Rahmen der Operation Attila den Norden Zyperns besetzten – „der Russe“ war begeistert, zeigte sich doch erneut, wie dekadent die kapitalistische Nato war. Die Insel ist immer noch geteilt – davon erfährt man im Rahmen der neuen Zypernkrise nur wenig. Die oft zitierten „britischen Geldbesitzer“ auf der Insel dürften sich aus den Kriegsflüchtlingen der damaligen Tage rekrutieren, in Großbritannien wohnen heutzutage mehr türkische Zyprioten als auf Zypern selbst, siehe Wikipedia. Dort erfährt man auch, das der EU-Beitritt der Insel nicht ganz korrekt war – eigentlich kann nur die ganze Insel beitreten. Aber – wie immer, wenn die EU etwas will, dann kriegt sie das auch. Hätte sie sich korrekt verhalten, dann hätten wir nie ein Zypernproblem gehabt – aber die Gier, Größe, Macht und Herrlichkeit der EU grenzenlos auszuweiten war größer als die Tatsache, das eine 2/3-Insel nicht beitreten kann.

Nun ja – wie haben´s halt jetzt wieder einmal geschafft … und gerade noch den GAU für europäische Sparer vermieden: den direkten Zugriff der Staatsmacht auf die ganz privaten Sparkonten. Haben wir das wirklich geschafft? Der Spiegel weist heute darauf hin, das die Sicherheit von Kleinsparerguthaben in Krisenländern ab sofort nicht mehr gegeben ist: soviel sollte man aus dem Zirkus gelernt haben. Das Handelsblatt hatte vor ein paar Tagen berichtet, das die Europäische Zentralbank verschiedene Instrumente zur Kontrolle des Kapitalverkehrs in Zypern vorbereitet, unter anderem sollte man nicht mehr als 400 Euro pro Tag abheben können, aktuell sollen es nur noch 100 Euro sein, Onlinebanking war eine Zeit lang völlig unmöglich.

Gut – die Instrumente werden jetzt nicht eingesetzt … aber sie sind doch jetzt da, oder?

Sie schweben über uns wie das Damoklesschwert Hartz IV über den deutschen Arbeitern und Angestellten, die im Falle der Arbeitlosigkeit auch jeden Moment vom Staat komplett enteignet werden können – nur kräht bei denen kein Hahn danach. Wir haben halt Sozialdarwinismus und finden den auch gut – wer versagt, muss zur Belustigung der Republik Scheiße fressen.

Es sei denn, er lebt nicht in Deutschland.

Das ist eine Erkenntnis, die mir erst langsam dämmert, den Verdacht hege ich schon lange, seit dem ich sehe, welch´ teure Häuser sich Holländer aus verdachtsgemäß niedrigen Einkommensschichten in der Eifel kaufen können.  Wir hören immer wieder Horrormeldungen aus dem Ausland – ganz so, wie es die Kanzlerin von den Chefredakteuren zwecks gemeinsamer Steuerung des Tankers Deutschland wünscht. Die wirkliche Horrormeldung ist aber: die sind schon längst alle viel reicher als wir. Der Hintergrund erläutert eine Studie der Bundesbank:

Ein deutscher Durchschnittshaushalt hat laut der Bundesbank-Studie ein Bruttovermögen von 67.900 Euro. Abzüglich der Schulden bleibt ein Nettovermögen von 51.400 Euro, wie die Deutsche Bundesbank gestern bei der Präsentation ihrer Studie  Private Haushalte und ihre Finanzen in Eltville berichtete. Das Durchschnittsvermögen der reichsten zehn Prozent, die 59, 2 Prozent des Nettovermögens besitzen, liegt mit brutto 440.000 Euro und netto 195.200 Euro sehr deutlich höher. 73 Prozent der Deutschen hingegen haben mittlerweile ein „unterdurchschnittliches“ Nettovermögen. Die Mittelschicht dünnt also erheblich nach unten aus.

73 % der Deutschen haben ein unterdurchschnittliches Nettovermögen – Tendenz: steigend für die Schicht, sinkend für das Vermögen.

Ist das das Volk, das die EU retten soll?

Interessant ist, dass das mittlere Nettovermögen der Deutschen im europäischen Vergleich miserabel ausfällt. In Frankreich beträgt es 113.500 Euro pro Haushalt, in den von der großen Krise geschüttelten Ländern Spanien erstaunliche 178.300 und in Italien 163.900 Euro.

Der Grund für den mehr als bescheidenen Vermögenswert im reichen Deutschland ist die extrem niedrige Eigenheim-Quote. Von den Deutschen besitzen nur 44,2 Prozent ein Haus oder eine Wohnung. In Frankreich sind es 57,9 Prozent, in Italien 68,4 Prozent und in Spanien sogar 82,7 Prozent, im Vergleich mit Deutschland also fast die doppelte Anzahl.

Man merkt, warum die Ausweitung von Hartz IV interessant sein könnte: da draußen warten ganz viele Immobilien auf den potenten Käufer aus Deutschland … zum Beispiel in Spanien. Das Land verliert im 1. Quartal nochmal 300 000 Arbeitsplätze (siehe Alambus.blog), seine Verschuldung steigt auf neue Rekordwerte (siehe Spiegel), aber die Bürger brauchen keine Angst vor Obdachlosigkeit zu haben, weil fast doppelt so viele Spanier wie Deutsche ihr Eigenheim haben.

Die deutschen Eigenheime sind zudem auch deutlich weniger Wert als die der europäischen Brüder und Schwestern, siehe Institut der deutschen Wirtschaft:

In den letzten vier Jahrzehnten haben die Immobilienpreise nur in den 70er Jahren real zugelegt. Seit den 80er Jahren haben die Hauspreise hingegen durchschnittlich real an Wert verloren (Tabelle). Ganz anders in Spanien, den Niederlanden oder auch dem Vereinigten Königreich. Dort sind die Preise allenfalls in einer Zeitperiode gefallen. In den meisten Zeitperioden sind die Preise jedoch kräftig gestiegen, teilweise sogar um mehr als 80 Prozent in 10 Jahren.

Wer dort ein Haus hat und verkauft, der kann sich in Deutschland gleich zwei leisten. Wir sind Billigland – nicht nur bei den Löhnen. Die neuen Polen Europas.

Warum schafft unsere Regierung so etwas nicht, was im Rest Europas Normalität ist? Warum versagt hier unsere Wirtschaft so völlig, wo man doch gerade zehntausende von „Anlageberatern“ durch die Gegend schickt, um den Deutschen zu mehr Vermögen zu verhelfen? Wieso gibt es hier eigentlich kein gigantisches Hilfsprogramm für Deutschland, die verarmende Mieternation im Herzen Europas?

Während wir auf keinen grünen Zweig kommen, steigt allerdings unsere Pro-Kopf-Verschuldung hinsichtlich der Staatsschulden ständig weiter an: die 73%, die unter dem Durchschnitt verdienen, müssen schon ganz schön knechten, um ihren Anteil zusammen zu bekommen.

Nun – eine Antwort auf die Frage ergibt sich schon aus der Agenda 2010: man wollte den flexiblen Arbeitnehmer, was ein Leser des Handelsblattes deutlich formulierte:

Flexibilisierung heißt nichts anderes als Lohndrückerei bei gleichzeitiger Rund-um-die-Uhr Verfügbarkeit.

In dem Artikel ging es um den „Erfolg“ der Agenda 2010, der sich bei näherem Hinsehen als „Scheinriese“ entpuppt, siehe nochmal Handelsblatt:

Die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 haben nach einem Zeitungsbericht nicht mehr Beschäftigung gebracht. Die Zahl der Arbeitsstunden lag im vergangenen Jahr bei 58,1 Milliarden und damit 0,3 Prozent höher als 2000, wie die „Berliner Zeitung“ aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken zitierte.

Man sieht: es ging eher um ein Programm zur Vernichtung des lebenslänglichen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatzes als um ein Programm zu Bekämpfung der Arbeitslosigkeit: ein Volk von Wanderarbeitern sollte geschaffen werden – und die brauchen weder Wohneigentum noch sonst ein Vermögen, eher im Gegenteil: haben die zuviel, dann wandern die zuwenig.

Die gleiche EU, die jetzt die gespaltene Miniinsel mit 10 Milliarden Euro rettet, bleibt stumm und still, wenn es um die Verarmung Deutschlands geht. Geht es aber um Maßnahmen zur Förderung der Verarmung, dann fallen denen ziemlich viele neue Ideen ein – zum Beispiel die „Wärmedämmung“, die aktuell von der EU vorgenommen wird. Hausbesitzer in Deutschland (also …. die kleine, noch nicht verarmte Minderheit) sind momentan nicht nur angehalten, die Sanierung der Straße in Deutschland mitzutragen, sondern auch noch zusätzliche Maßnahmen zur Wärmedämmung vorzunehmen – im Schnitt 17 000 Euro, siehe Wirtschaftswoche.

Im gleichen Artikel wird auch eine Studie zitiert, die belegt, das die Dämmung sogar zu einem Anstieg der Heizkosten führt – da hat die EU sich wohl mal wieder richtig vertan – aber nicht nur das. Capital beschreibt weitere EU-diktierte Scheußlichkeiten an deutschen Häusern:

BASF weist diese Vorwürfe zurück. „Bei unfachmännisch sanierten Altbauten kann es unter Umständen zu Wartungsbedarf kommen, aber Styropor ist darauf angelegt, so lange zu halten wie ein Haus“, sagt Jürgen Fischer. In der Theorie stimmt das auch.

Die Praxis indes sieht oft anders aus: Mal nisten sich in den weichen WDVS-Fassaden Mäuse ein, mal Spechte, mal sorgt die Witterung für Risse in der schützenden Außenschicht. So oder so ist die Fassade dann undicht, anfällig für Wasserschäden, Schimmel, Wärmeverlust. Nach Angaben des Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau liegt die schadenfreie Lebensdauer von Styropor-WDVS im Schnitt bei nur 22 Jahren.

Und wie oft hat Henrich schon wärmegedämmte Gebäude begutachtet, deren Außenwände sich bereits nach wenigen Monaten grün verfärbten. ­Fritschiella heißt die Übeltäterin – eine Grünalge, die auf den Kunststofffassaden ideale ­Lebensbedingungen vorfindet. Gerade Nordwände, die kaum von Sonne beschienen werden, sind oft feucht und kühl, beste Voraussetzungen für die Alge, sich rasant zu vermehren. Gleiches gelte für Schimmel, den der Sachverständige immer wieder hinter den Platten oder an Anschlusspunkten, Übergängen und Verklebungsstellen entdeckt.

Viele Styropor-WDVS werden daher mittlerweile mit Algiziden und Fungi­ziden getränkt. Die Mittel waschen sich mit der Zeit aus, gelangen ins Grundwasser. Welchen Schaden sie dort anrichten, ist noch weitgehend unerforscht.

„Weitgehend unerforscht“? Im Internet habe ich auf Anhieb keine Studie gefunden, weiß aber aus NRW, das einzelne Gemeinden schon mit einer Schadstofferhöhung von 600% über Norm leben müssen … alles ausgewaschener Mist aus den Dämmplatten, heißt es unter der Hand.

Capital ist nun sicher keine linksradikale Zeitschrift – und doch wagt sie sich etwas zu schreiben, was bei anderen als „Verschwörungstheorie“ abgelehnt worden wäre:

Es greift alles ineinander: Die Politik gibt den Immobilienbesitzern das Ziel vor und braucht dazu Normen. Diese Normen werden von Lobbyisten festgelegt, und schon stellt sich ganz Deutschland als ein Sanierungsfall heraus. Und schon lohnen sich auch 20 Zentimeter dicke Styroporplatten. Die Immobilienbesitzer müssen sich schließlich an die Normen halten.

Fazit: Die Politik feiert sich für ihre ­klimapolitischen Erfolge, die Industrie kassiert ab. Und der Hausbesitzer ist der Dumme.

Es lohnt sich, den Artikel im Detail zu lesen und sich kündig darüber zu machen, wie einflussreiche Konzerne über finanziell abhängige Institute wissenschaftlich „gesicherte“ Normen entwickeln, um das ganz große Geschäft zu machen.

Das Geschäft mit dem Dämmstoff Neopor führte beim Hauptanbieter BASF zu einer Verdreifachung der Produktion in Deutschland (siehe Euripcities), während 2012 Anlagen in Indien und Malaysia geschlossen wurden (siehe Chemmanager-online): dank brummendem EU-Geschäft sind die Märkt unrelevant geworden.

Wer nun denkt: damit ist es aber genug mit der EU – der irrt. Dieses zu einem Instrument des Lobbyismus verkommene politische Spektakel (das die armen Deutschen von allen Ländern am meisten kostet) plant noch weitere Schläge zur Verarmung des Bürgers – oder zur Rettung der Industrie. Den neuesten Plan – für den jetzt schon Wissenschaftler ganz neue Theorien aufstellen – benennt die Zeitschrift Focus:

Die EU-Umweltkomission will laut eines Medienberichtes angeblich alle Autos in Großstädten verbieten, die Baujahr 2004 oder älter sind. In Deutschland dürfte dann rund jedes zweite Auto nicht mehr in die Stadt fahren.

Ab wann verbietet die EU eigentlich Bürger in Großstädten, die älter als 65 Jahre sind? Begründungen dafür ließen sich – bei entsprechender Bezahlung – schnell finden, „Umwelt“ allein gibt da schon genug her. Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, können sich in den Städten sowieso schon nicht halten.

Nun, es ist Zeit, aus der deutschen Armut aufzutauchen und sich wieder der Europapolitik zuzuwenden, die jetzt mit dem Coup in Zypern wieder Kasse gemacht hat. Diesmal wurden „Reiche“ enteignet – sagen uns die Medien – und zwar genau die richtigen: alles geldwaschende Drogenmafiosi, so tönt es aus allen Rohren.

Das hört sich gerecht an – ist es aber nicht. Über die Enteignung von Kapital aus Verbrechen entscheidet in demokratischen Zivilgesellschaften ein Gericht – nicht der Finanzminister des eigentlich ärmsten Landes der EU – in diesem Falle: Deutschland. Und der wagt es auch noch, sich jetzt vor die Zyprer zu stellen und denen zu sagen, das jetzt harte Zeiten auf sie zukommen werden. Der Mann ist nur mein Angestellter – und ich wünsche nicht, das der durch die Welt zieht und meinen europäischen Brüdern Angst macht.

Sowas kann schlimm enden, siehe Heise:

„Die Regierung gehorcht nur Technokraten der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank, den Finanzmärkten und Frau Angela Merkel“, kritisiert Soares. Portugal verliere die Unabhängigkeit und sei ein „Protektorat“ von „Wucherern“.

Das meint Mário Suarez, ein ehemaliger Ministerpräsident Portugals. Er rechnet mit gewalttägigen Unruhen … und wie sich zeigt, ist die Troika durch solche Aktionen in der Tat zu bewegen:

Dass sich die Lage im Land zuspitzt, sieht offenbar auch die Troika ein. Aus verschiedenen Quellen ist zu vernehmen, dass sie Portugal erneut mehr Zeit für den Defizitabbau einräumt. Wie Irland soll auch Portugal mit der Rückzahlung der Hilfskredite erst viel später beginnen, um „Belastungsspitzen“ zu vermeiden.

Geht also – solange Deutschland zahlt und ruhig hält.

Wir sitzen lieber in unseren verschimmelten, vergifteten Styroporkartons, trauen uns mit unserem alten Renault nicht mehr auf die Straße und arbeiten rund um die Uhr für beständig weniger Geld, während wir darauf warten, das die EZB ihre „Instrumente“ auch mal in Deutschland einsetzt, um auch noch den Rest des Geldes abzugreifen.

Wer nicht ruhig hält, ist die Eifel. Hier vor Ort weigert man sich, der EU-Verordnung über die Gestaltung von Kreisverkehren nachzukommen (siehe Aachener Nachrichten). Solange die Pariser ihren Triumphbogen nicht abreißen, wird auch in der Eifel an den mit Kunstobjekten lokaler Künstler vollgepackten Kreisverkehren nicht herumgebastelt.

Nun – vielleicht fängt  ja hier vor Ort der Prozess an, der Deutschland zum Umdenken bewegt … bevor noch die EU festlegt, wie viel Geld wir monatlich bezahlen müssen, um einen echten Arbeitsplatz zugeteilt zu bekommen.

Obwohl – auf solche Ideen kommt die deutsche Politik sicher noch von selbst.

 

 

 

 

 

Wahl in Niedersachsen: 97% wählen spätrömische Dekadenz

Wahl in Niedersachsen: 97% wählen spätrömische Dekadenz

Dienstag, 22.1.2013. Eifel. Es war ja jetzt Wahl in Niedersachsen. Das haben die meisten sicher schon vergessen. Von den Niedersachsen selbst sind nur 59,4 % wählen gegangen, 40,6 % folgten dem Slogan: „Scheiß´ auf die Demokratie!“. Nun – natürlich ist der Slogan so nicht ganz richtig. Die Beschreibung der Motivationslage der Nichtwähler aber schon. Wahlen sind eins der letzten legitimen Machtmittel, die der Souverän in diesem Lande noch hat. Wenn er etwas ändern wollte: kein Problem, durch ein kleines Kreuz – auch nur alle vier Jahre, man will ja keinen überfordern – kann man das bewältigen. Man muß ja nicht das Beste wählen, was man sich ausdenken kann – aber man könnte die momentanen Machtverhältnisse ordentlich durcheinanderbringen. Ja – das geht. Hätten alle die Piratenpartei gewählt, kämen die auf 42,7%. Hätten alle die Linke gewählt, wären kamen sie auf 43,7 % (wobei sich die Prozentzahlen natürlich je nach Wahlbeteiligung ändern – ich will hier nur grobe Anschauungen liefern). Wieviele Arbeitslose gibt es nun in Niedersachsen?

Wir wissen es nicht. Hinreichend oft ist belegt worden, das die Bundesagentur für Armutsförderung Höchstleistungen in der Disziplin „Lügen mit Statistik“ erbringt. Aber wir können davon ausgehen, das die öffentlichen Zahlen eine gewisse Mindeszahl nennen: Unterbeschäftigte (ohne Kurzarbeit) sowie Arbeitslose (ALG 1 und 2) kommen offiziell auf 600 000 Stimmen. Das ist schon ganz ordentlich, wenn man überlegt, das die Piraten mit 36000 Stimmen (siehe Spiegel) 2,1 % bekommen haben. Laut öffentlichem amtlichem Endergebnis waren es allerdings 75 539 Stimmen, die 2,1 % der Wähler ausmachten (siehe Wikipedia) – mehr als doppelt so viele – aber wen stört das schon.

Es waren 6,1 Millionen Wahlberechtigte (laut Spiegel) oder 6,2 Millionen (laut FAZ), 2,48 Millionen sind gar nicht erst zur Wahl gegangen. Selbst 1947 war die Wahlbeteiligung höher, gar nicht zu reden von 1974, als die bösen, unmoralischen Versager von ´68 soviel politischen Wirbel erzeugten, das 84,4% der Bevölkerung wählen gegangen sind (siehe Statista). Wenn ich von 6,2 Millionen Wählern ausgehe und die 2,52 Millionen Wähler abziehe, die dem demokratischen Zirkus den Rücken zugekehrt  haben, dann komme ich auf 3,58 Millionen, die Grundlage der Prozentrechnung werden. Mit nur 35800 Stimmen erhalte ich ein komplettes Prozent … mit 600 000 Stimmen der Arbeitslosen und Minijobber wären es schon 16,76 % (was auch nur ein Näherungswert ist).

Damit wären alle rot/grün/schwarz/gelben Planspiele dahin.

Nun – warum sollte man Piraten wählen? Weil es die einzige Partei ist, die sich der sozialen Frage ganz konstruktiv stellt. Keine der anderen Parteien hat bis heute verstanden, das es einen Zusammenhang gibt zwischen der Agenda 2010 und dem Rückgang der Wahlbeteiligung: diese Agenda war der Todesstoß für die Demokratie, das Bündnis der „Etablierten“ hat die Tür hinter sich zugeschmissen und dem Wähler gezeigt, wo sein Platz ist.

Zudem haben die Piraten wohl als eine der ersten Parteien verstanden, das die Gesellschaft sich verändert hat und das die politische Wirklichkeit des Jahres 2013 mit alten Kalauern aus dem 19. Jahrhundert nicht mehr zu fassen ist: wir haben heute keinen Kampf mehr zwischen Arbeitern und Unternehmern – kalt lächelnd hat der Kapitalismus aus den Arbeitern Aktionäre gemacht – eine Entwicklung, die auch den Gewerkschaften den Boden unter den Füssen gezogen hat.

Der traditionelle Arbeiter wählt heute seinen Konzern (also: SPD/CDU/CSU/FDP, jene Parteien, die den Wirtschaftsgiganten bedenkenlos Tür und Tor öffnen), aus der einfachen Logik heraus, das es ihm gut geht, wenn es dem Betrieb gut geht. Wer keinen Betrieb hat, den er wählen kann … wählt gar nicht. Was auch sonst?

Was aber die Piraten noch haben, sind gläserne Abgeordnete. Ich war aus diesem Grund mal bei Christoph Lauer, der für die Piraten im Berliner Landtag sitzt:

Diäten 2013: 3.477,- Euro monatlich die ich voll versteuern muss. Ich erhalte kein 13. Monatsgehalt.

Es liegt noch keine Vorausschätzung des Finanzamtes für 2013 vor.

Aufwandsentschädigung 2013: 1.018,- Euro monatlich steuerfrei

Zuschuss zur Krankenkasse 2013: 245,- Euro

Diäten 2012: 3.369,- Euro monatlich die ich voll versteuern muss. Ich erhalte kein 13. Monatsgehalt.

Jährlich erhalte ich somit 40.428,- Euro, von denen ich 8.489,88 Euro Einkommenssteuer sowie 467,- Euro Solidaritätszuschlag abführen muss.

Aufwandsentschädigung 2012: 994,- Euro monatlich steuerfrei

Zuschuss zur Krankenkasse 2012: 238,- Euro

Minutiös listet er jedes Treffen mit Lobbyisten auf, führt Buch über seine Aktivitäten und lebt den „gläsernen Abgeordneten“. Dafür zahle ich gerne Steuern – man sieht, was man für sein Geld bekommt. Vorbildliche, politische Kultur … und dafür begeistern sich nur noch 2,1 % der Leute, die überhaupt noch wählen gehen?

1972 (nach den Studentenrevolten) hatten wir eine Wahlbeteiligung von 91 % bei Bundestagswahlen. Man glaubte noch, das Wahlen etwas ändern können. 2009 – nach dem die Wahrheit über Hartz IV den letzten Wähler erreicht hatte – waren es noch 70,8 %. Versteht man jetzt, warum die ´68er dämonisiert werden mußten?

Zuviel Demokratie.

Warum führe ich eigentlich die LINKEN nicht als Wahlalternative auf?

Nun – die Wähleralternative soziale Gerechtigkeit bekäme auf jeden Fall meine Stimme … die Auffangstelle für SED-Funktionäre und Gewerkschaftsbüttel allerdings nicht.

Was Gewerkschaften sein könnten, sieht man in Griechenland, siehe Spiegel:

Der Strom fällt aus, Müllberge wachsen, Züge fahren nicht: Griechenlands Gewerkschaften streiken nonstop, mobilisieren Hunderttausende zum Anti-Spar-Protest. Kompromisse gelten den Arbeitervertretern als Niederlage. Die fehlende Verhandlungskultur wird zum ernsten ökonomischen Problem.

Die fehlende Verhandlungskultur wird zum ernsten ökonomischen Problem? Nun – wohin die vorhandene Verhandlungskultur führt, sehen wir in Deutschland, ebenfalls im Spiegel:

Zeitarbeit ist in deutschen Unternehmen allgegenwärtig – und wird von den Gewerkschaften zum Teil scharf kritisiert. Der Deutsche Gewerkschaftsbund mischt in dem Geschäft mit einer eigenen Firma mit und zahlt Löhne, die unter dem von DGB-Chef Sommer geforderten Mindestlohn liegen.

Das ist eine Gewerkschaft in einer Aktienkultur: ein weiterer großer „Player“ am Markt.

Doch zurück zu der Niedersachsenwahl, die – wie alle Landtagswahlen der letzten Jahre – deutlich zeigen, wie sehr sich dieses Land geändert hat. Wenn man sich Gedanken macht über Widerstand, Aufstand oder nur lebhafte Gegenwehr, muss man sich diesen Zahlen nüchtern stellen.

2013 ist das Jahr, in dem man in Deutschland eindeutig feststellen kann, das ein Drittel der Gesellschaft ich völlig von der Demokratie verabschiedet hat. Nur ein Drittel?

Richten wir unseren Blick mal auf die Eifel, wo dieses Jahr zu Weihnachten etwas ganz Ungeheuerliches geschehen ist, siehe Spiegel

Ein privater Bildungsträger in Rheinland-Pfalz verlost auf einem Weihnachtsmarkt Dienstleistungen älterer Langzeitarbeitsloser an Firmen. Gewerkschafter sind entsetzt. Es sei doch alles gut gemeint gewesen, sagt das Unternehmen.

Der dekadente spätrömische Sklavenmarkt hat wieder Einzug gehalten in den europäischen Alltag – nein, noch schlimmer. In Rom mussten die Sklavenkäufer noch bezahlen – in der Eifel bekommen sie die Sklaven geschenkt:

Dabei konnten die Unternehmen neben einem Workshop oder Büroartikeln auch Dienste der Arbeitslosen gewinnen. Dazu zählten etwa die Reinigung von Fenstern und Fußböden oder die Gestaltung einer Firmen-Website. Und weil das offenbar noch nicht kreativ genug war, durften einige der Arbeitslosen die Ziehung der Lose zusätzlich mit einer weihnachtlichen Aufführung untermalen.

Anders als bei einer normalen Tombola mussten die Firmen nicht für ihr Los zahlen, auch Nieten gab es nicht. Die DG Mittelrhein wollte schließlich das soziale Firmenengagement belohnen – gemeint ist damit die Bereitstellung unbezahlter Arbeitsplätze für eine kurze Zeit. Rund 30 Unternehmen gefiel das Angebot so gut, dass sie bei der Ziehung mitmachten.

30 Unternehmen machen mit. 30 Unternehmen, deren politisches Bewußtsein so weit degeneriert ist, das es ihnen egal scheint, das hier gerade die Grundfesten der Demokratie gesprengt werden: der Souverän wird versteigert.

Und was macht der Souverän dagegen? Reicht er Strafanzeige wegen Menschenhandel ein? Beschwert er sich bei der ILO oder der UNO?

Dennoch zeigt sich der Praktikant in spe zufrieden mit dem Kurzzeitjob, bei dem er unter anderem für das Unternehmen eine Fotoserie erstellt. Er mache sich derzeit als Fotograf und Webdesigner selbstständig, sagt der 57-jährige Jürgen Lücker. „Vielleicht ergibt sich durch das Praktikum langfristig der eine oder andere Job.“ Wie er selbst hätten auch die anderen Teilnehmer die Verlosungsaktion als Chance begriffen, schildert er seinen Eindruck. Menschenverachtend fand er die Aktion nicht.

Soweit sind wir schon. Auf die 68er schimpfen, aber die Gratis-Versteigerung von Menschen völlig in Ordnung finden.

Das erklärt das Ergebnis der Niedersachsenwahl vollkommen.

Das erklärt auch, warum die Bundesanstalt für Arbeitslosenversteigerung die Förderung von Arbeitslose komplett eingestellt hat, siehe Spiegel:

Die Bundesagentur für Arbeit hat bereitstehende Mittel in Höhe von 900 Millionen Euro gespart – jetzt fließt die Summe zurück in den Bundeshaushalt. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, sollten mit dem Geld eigentlich Arbeitslose in den Jobmarkt eingegliedert werden.

„Eigentlich“. Man kann aber auch in politisches Signal setzen und sagen: nehmt das Geld zurück, an der Eingliederung von Arbeitslosen hat die Bundesagentur für Arbeit kein Interesse mehr“. 900 Millionen Euro … das wären 22500 Jobs a´40000 Euro. 22500 Arme weniger, die man zum Beispiel für die Förderung demokratischen Denkens in Deutschland hätte beschäftigen können … und sei es nur, das sie durch die Gemeinde wandern und Werbung für die Beteiligung an der nächsten Wahl machen oder auch einfach eine Ausbildung zum Fachkraft machen, um den grassierenden Fachkräftemangel in Deutschland zu beheben.

Warum sollte man aber Geld für Bildung ausgeben … wenn man die Leute schon umsonst versteigern lassen kann und die auch noch begeistert mitmachen?

Selbst wenn man die Linken noch als Wahlalternative tolerieren würde (was ich seit den Erfahrungen in Berlin nicht mehr mache, aber lassen wir mal „fünfe gerade sein“ – einfach weil Sarah Wagenknecht wohl aktuell die realistischste Wirtschaftspolitikerin im Lande ist), muss man klar sehen:  knapp 6 Millionen Niedersachsen finden dieses System toll.

Grob gepeilt: 97 %.

97% sind für einen undemokratischen Sklavenhalterstaat – auch die absolute Mehrheit derjenigen, die versteigert werden.

Und ich erspare euch heute auch Berichte über Einzelfälle von engagierten Arbeitslosen (und Mitgliedern der Linkspartei) die in ihren privaten Blogs heute voller orgiastischem Stolz von ihrem „Chef“ berichten: „Hurra, ich herrenloser Hund gehöre endlich wieder jemandem!“.

So etwas niederschmetterndes soll man als engagierter Leser einfach mal selber suchen.

Das ist die Lage in Deutschland im Jahre 2013.

Vor einhundert Jahren sah es anders aus. Vor einhundert Jahren gab es auch noch „Arbeiter“ – heute sind das alles Unternehmer geworden, weil man ihnen beigebracht hat, das sie ja auch am Markt aktiv sind, weil sie ihre Arbeitskraft verkaufen … und wer das sehr geschickt macht, bekommt Aktien samt Gewinnbeteiligung.

Wer das ungeschickt macht … der kann im Rahmen einer Versteigerung noch einen der begehrten Arbeitsplätze bekommen – die selbst schon so wertvoll geworden sind, das es gar keiner Bezahlung mehr bedarf.

Das Unternehmerlager in Deutschland im Jahre 2013 hat 97% – mindestens, denn die Piratenpartei gilt ja auch nicht gerade als unternehmerfeindlich.

Wie man hier glauben kann, mit marxistischen Parolen Veränderungen herbeiführen zu können, erschließt sich mir nicht.

Was aber offensichtlich ist: wie sehr man eine Gesellschaft gleich schalten kann, wenn man nur die Medien mit Gewalt im Zaum hält. Wie das geht, erläutert ein Blog aus der Schweiz, siehe jcx1:

Die Agenturen wählen die für sie und der Ihnen verbundenen Kunden/Interessen die (angeblich) wichtigsten Themen aus den weltweiten (meist Konzern- und offiziellen Polit-)Nachrichten (genannt ‘Pool’) aus, bereiten sie als Volltext (fixfertige Artikel – inkl. Färbung für Ansichten/Meinungsvorgaben – als ‘Copy&Paste’-Grundlage) auf und schicken diese hochfrequent in die sogenannten Newsfeeds, welche in den Redaktionen solche ‘Nachrichten’ sprudeln lassen, dass unsereins die Ohren flattern. Die Agenturen entscheiden auch, welche Informationen nicht in die Newsfeeds gelangen, resp. mit einem Bann (Fachjargon ‘Blackout‘ – trotz angeblicher Informations- und Meinungsäusserungsfreiheit) belegt werden – davon lesen Sie dann nie etwas in den sog. ‘offiziellen Qualitätsmedien’ (u.a. auch nicht Ihrer Lieblingszeitung) – höchstens in aufmerksamen, engagierten, alternativen Medien.

So entsteht unsere „Meinungsvielfalt“, die in etwa so vielfältig ist wie die Alternativen, die man bei der politischen Wahl hat.

Wir können noch wählen, welche politischen Kasperle die Direktiven der Konzernetagen (sprich: „Märkte“) ausführen und durchreichen dürfen – ob wir dieses System allerdings selbst überhaupt noch wollen: darüber dürfen wir keinerlei Gedanken verschwenden … und daran halten sich auch 97 % der Bevölkerung.

Wer also immer von Aufstand, Revolution, Evolution oder sonstigen Änderungen träumt, sollte sich diese Zahlen vor Augen halten und dabei berücksichtigen, das nahezu 100 % der Medien zentral gesteuert werden … mit überwältigendem Ergebnis.

Dagegen stehen: eine handvoll kleine alternative Medien, eine handvoll Demokraten, die in etwa jenem kleinen gallischen Dorf entsprechen, das sich in einem bekanntem Comic dem römischen Imperium entgegenstellt … bzw. erfolgreich versucht, im Imperium zu überleben.

Die haben aber einen Zaubertrank.

Und während wir weiter von einer anderen Zukunft träumen, gestalten die Konzerne die ihrige, siehe Spiegel:

Eine britische Firma will Handelsschiffe mit einer privaten Kriegsflotte vor Angriffen auf See schützen. Hinter dem Projekt steht ein ehemaliger Fremdenlegionär, der zu einem der mächtigsten Rohstoffhändler der Welt aufgestiegen ist.

Zufällig kam tags darauf die Meldung, das Piraten wieder einen Tanker gekapert haben – siehe Spiegel. 

So schaffen Unternehmer Wirklichkeit – und das nicht nur auf dem Bildschirm in unserem Wohnzimmer.

Vielleicht gibt es auch bald ein „Dschungelcamp“ in Somalia, wo Arbeitslose versuchen, im somalischen Bürgerkrieg zu überleben. Der Sieger bekommt einen Praktikumsplatz bei RTL.

 

 

 

 

 

Die letzten 100 Artikel