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Medienmanipulation im Kriegsfall: über Superwaffen und Flüchtlingskrise

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Mittwoch, 11.11.1015. Eifel. Nun – eigentlich wollte ich heute eine Eilmeldung verschicken und verkünden, dass der Dritte Weltkrieg schon vorbei ist. Der Grund ist einfach: gemäß ersten Meldungen hat die Russische Förderation ein Waffensystem entwickelt, das in der Lage ist, die elektronische Kommunikation des Gegners vollkommen lahm zu legen. „Eloka“ – elektronische Kampfführung – ist der Herzstück aller modernen Streitkräfte, sie maximiert Erfolge und minimiert Verluste – wie man im „Blitzkrieg“ gegen den Irak sehen konnte. Gäbe es nun ein Waffensystem, dass diese elektronische Kriegsführung völlig eleminiert: der Besitzer wäre konventionell nahezu unbesiegbar, weil er alle Vorteile einer modernen Kriegsführung auf seiner Seite  hat, in einem „Blitzkrieg“ sämtliche Nachbarn unterwerfen könnte und eine tödliche Gefahr für die US-Luftwaffe und die US-Flugzeugträger darstellen würde, Elemente, die die Machtbasis der USA im Ausland darstellen.

In der Tat gibt es Indizien, dass es so ein System gibt, Russland seine Wirkung demonstriert hat und die Nato deshalb ihren aggressiven Ton deutlich heruntergefahren hat: der Dritte Weltkrieg wäre vorbei, bevor er heiß geworden ist, weil die verantwortlichen Militärs erkannt haben, dass sie diesen Krieg aktuell nur verlieren können. Da würde erklären, weshalb wir aktuell so wenig über die Ukraine hören – obwohl mich Meldungen erreichen, dass der Krieg dort weiterhin voll im Gange ist (siehe remember.tv). Es war die unheimliche Gleichschaltung deutscher Medien während der laufenden Ukraine-Krise, die die deutsche Bevölkerung bis tief hinein in den kabarettistischen Bereich verstört hat, ebenso sollte das aktuelle Schweigen über die Ukraine verstören. Noch letztes Jahr sah es so aus, als würde sich im Kampf um die Ukraine das Geschick der ganzen westlichen Welt entscheiden – heute spricht man viel verhaltener darüber. Ja – es könnte sein, dass eine überlegene russische Waffe der Nato einen dicken Dämpfer verpasst hat.

Auch politisch gibt es Indizien, dass die Riege der „Entscheider“ einen neuen Kurs fährt: kaum groß diskutiert wurde die Reise des bundesdeutschen Vizekanzlers nach Russland, wo er unverholen die Existenz kriegstreibender Kräfte innerhalb der Nato zugab – mag sein, dass Deutschland hier das erste „Friedensangebot“ unterbreitet hat, als erstes Land die Konsequenzen aus der frisch erkannten militärischen Überlegenheit Russlands gezogen hat. Wie gesagt: Indizien, die darauf hinweisen, dass die Berichterstattung über die russische Superwaffe seriös ist.

Ein drittes Indiz: die Aktion in Syrien. Was machen russische Truppen in Syrien? Sie springen einem befreundeten Machthaber bei – so als ob sie seit dem verlorenen Krieg in Afghanistan nicht verstanden hätten, dass dies nur ein einem blutigen Desaster enden kann. Es sei denn … es hat sich wirklich etwas entscheidendes geändert und man nutzt den Krieg in Syrien, um seine Überlegenheit zu demonstrieren, so wie damals Deutschland und Russland den Bürgerkrieg in Spanien zur Erprobung ihrer „Muskeln“ nutzen. Doch kommen wir erstmal zu initialen Ereignis.

Was war geschehen?

Voltairenet.org hatte letztes Jahr einen Artikel veröffentlich, in dem die Frage aufgeworfen wurde, was der USS Donald Cook solche Angst gemacht hat:

„Das US-Außenministerium hat anerkannt, dass die Besatzung des Zerstörers USS Donald Cook stark demoralisiert wäre, seitdem er im Schwarzen Meer durch ein russisches Kampf-Flugzeug Suchoi-24 (Su-24) überflogen wurde, das weder Bomben noch Raketen besaß, sondern nur ein elektronischen Kriegsgerät.“

Solche Manöver sind nicht ungewöhnlich und sollten niemanden demoralisieren, doch es kam ja noch schlimmer:

„Als das russische Flugzeug die Annäherungs-Phase begann, hätte dieses elektronische Kriegs-Gerät alle Radar, Kontrollvorrichtungen, Übertragung von Informationssystemen, usw. an Bord des US-Zerstörers außerstand gesetzt. Mit anderen Worten, das allmächtige heute montierte, oder noch in Montage befindliche Aegis System für die Verteidigung der modernsten Schiffe der NATO, wurde einfach wie ein Fernseher mit einer Fernbedienung ausgeschaltet.“

Damit wäre klar: sämtliche Nato-Kriegsschiffe weltweit, sämtliche Kampfflugzeuge und Bodentruppen wären blind und taub geworden, könnten im Ernstfall nur als Enten bezeichnet werden, die auf ihren Abschuss warten. Eine Sensation: der Dritte Weltkrieg wäre vorbei. An einem einzigen Tag könnte Russland – wie Israel schon in den sechziger Jahren demonstriert hat – die Luftwaffe der Nato in Europa ausschalten, ohne mit Widerstand rechnen zu müssen, die mächtige US-Navy wäre zu einer Armada von Badewannen degradiert worden, die Machtbalance würde sich weltweit verschieben.

Voltairnet legt schnell noch nach: angeblich hat Russland die Steuerung der USS Ronald Reagen lahm gelegt … doch Quellenangaben sucht man hier vergebens, es gibt nur einen Link zu dem Artikel über die USS Donald Cook. Zeit, sich genauer um diesen Vorfall zu kümmern. Dies hat man dankenswerterweise bei Heise schon getan (siehe Heise), wo man etwas gelassener urteilt, weil es zu dem Vorfall über die USS Donald Cook nur eine einzige Quelle gibt: die staatliche russische Nachrichtenagentur (aktuell: Sputnik.news). Und wer erzählt uns die Geschichte von der Wunderwaffe? Nicht die russische Marine, nicht die russische Luftwaffe, nicht die russische Regierung, nicht die Agentur selbst – obwohl sie allen Grund dazu hätten, darüber zu triumphieren, sondern … Pawel Solotarjow, Stellvertreter des Direktors des Instituts für USA und Kanada der Akademie der Wissenschaften Russlands. Der Mann war früher etwas anders: Generalmajor Solotarjow war früher Chef der Abteilung für Verwaltung und Information des russischen Verteidigungsministerium (siehe BZ aus dem Jahre 1996), der zwar immer wieder als Gesprächspartner der Medien auftaucht, aber als Stellvertreter eines kleinen Instituts ziemlich … abgestellt und ausrangiert wirkt.

Nun legt Voltairenet ja noch nach, berichtet über eine riesige Blase über Syrien, die die gesamte Kriegsführung der USA in Syrien unmöglich machen soll – doch die Quellenangaben (wieder ein Bezug zur USS Donald Cook) zeigen: die Blase ist eine Ente – also ein Gerücht. Von einer Blase redet der US-General Breedlove in der Washington Post (siehe Washington Post), doch der Schwerpunkt seiner Warnung bezieht sich nicht auf unheimliche neue russische elektronische Superwaffen, sondern auf die Errichtung von russischen Luftverteidigungssystemen, die sich offensichtlich nicht gegen die Islamisten richten, sondern gegen … jemand anders. Alle Legenden um die Superwaffe der Russischen Förderation … eine Geschichte eines Generals im Ruhestand. Oder aber … die Indiskretion eines Eingeweihten?

Die Lahmlegung des Aegis-Verteidigungssystems wäre wahrscheinlich ein Segen für die Menschheit, die meisten werden wohl schon vergessen haben, dass es 1988 für den Tod von 290 Zivilisten des Fluges 655 der Iran Air verantwortlich ist: das automatische Aegis-System der USS Vincennes hatte die riesige Passagiermaschine versehentlich für einen Kampfjet gehalten und abgeschossen (siehe Washington Post).

Also … leider keine Entwarnung. Schade, dass die Wahrheit immer das erste Opfer im Krieg ist – und besonders schade, dass Voltaire.net Nachrichten so unreflektiert verbreitet. Und doch ist der Auftritt Russlands in Syrien von Überraschungen für den Westen begleitet: ganz offen demonstriert Russland die Leistungsfähigkeit seiner „cruise missels“, die – ersten Berichten zufolge – den westlichen Geschossen ebenbürtig sind (siehe New York Times) und nebenbei die Botschaft verbreiten, dass der Raketenabwehrschild über Europa ganz preiswert umgangen werden kann. Stimmen die offiziellen Daten über das neue russische Luftabwehrsystem S-400 (die – überraschenderweise – ganz plakativ nur amerikanische Flugkörper als potentielle Ziele ausweist, siehe Sputniknews), verfügt Russland über ein erstaunliches Deffensivsystem, dass gegen Tarnkappenbomber und ballistische Raketen eingesetzt werden kann – falls es nicht ebenfalls nur Propaganda ist.

Etwas weniger Propaganda und den Ausblick auf eine ganz andere Art von Krieg bietet Voltairenet mit einem Artikel über „Strategisch manipulierte Migration als Kriegswaffe“ (siehe Voltairnet.org), der in der Tat auf eine Arbeit von Kelly M. Greenhill aus dem Jahre 2008 verweist (siehe tandfonline), wo diese Kriegswaffe als relevant eingestuft wurde. Ja, wirklich: da machen sich Menschen gezielt Gedanken über Völkerwanderung als Kriegswaffe. Wieder einmal verweist Voltairenet auf eine russische Zeitung … bzw. auf eine Arbeit eines russischen Kollegen von Generalmajor Pawel Solotarjow, der durch Analyse von Twitterbotschaften zu erstaunlichen Erkenntnissen kommt (siehe Voltairenet):

„Diese Studie schließt an die vorhergehende an. Sie zeigt, dass die gegenwärtige Einwanderungswelle nach Europa organisiert ist, um Menschenmassen nach Deutschland zu lenken.“

Eine gruselige Botschaft – wenn sie wahr wäre. Beweisen jedoch – läßt es sich mal wieder nicht. Der angegebene Link bezieht sich auf eine Ausgabe der Komsomolska Prawda, die sich im Besitz des staatlichen Gasprom-Konzerns befindet (wo sich der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder und der Herr Putin gelegentlich zum Feiern treffen) (siehe Süddeutsche), der immer wieder zitierte Wissenschaftler Vladimir Shalak hat diesen Artikel jedoch nicht selbst geschrieben – der Autor dieses Artikels, der von Voltairnet über die Orientelreview nach Deutschland kam, ist ЧЕРНЫХ Евгений, der in seiner „Boulevardzeitung“ auch schon mal über die lebensverlängernde Wirkung der Faulheit (siehe Komsomolka Pravda) oder das ideale Gewicht (siehe Komsomolka Pravda) informierte. Zur Orientierung: Die „Komsomolska“ bedient in Russland das gleiche Marktsegment (mit augenscheinlich ähnlichen Methoden) wie in Deutschland die Bildzeitung. Keine seriöse Quelle für eine solche brisante und Zwietracht fördernde Information.

Nun wäre man geneigt, sich zur Ruhe zu legen, denn: alles war nur heiße Luft. Doch dann … kommt die Tagesschau mit folgender Meldung (siehe Tagesschau):

„Orientierung in der Fremde – für Flüchtlinge ist das wichtig. Sie haben eine beschwerliche Reise hinter sich. Die Initiative „Welcome 2 Europe“ will ihnen Hilfestellung geben. Jan Lukas Strozyk hat für tagesschau.de Mitgründerin Nevroz Duman interviewt.“

Ein Ratgeber für Flüchtlinge, der 25000 tausend mal in Griechenland ausgeteilt wurde, ruft Fragen auf:

„Ihre Broschüren könnten auch als eine Anleitung zur Flucht missverstanden werden. Haben Sie keine Sorge, dass Sie ungewollt Schlepper unterstützen?“

Die Antwort:

„Menschen kommen nach Europa, weil sie leben wollen und nicht wegen eines Stückes Papier. Es ist menschenrechtsverachtend, zu behaupten, dass so etwas Schleppern hilft. Was wir bieten, sind Informationen für Menschen in Not, die ein Anrecht auf dieses Wissen haben. Flüchtlinge haben ein Recht darauf, zu erfahren, welche Gesetze und Regelungen in den jeweiligen Ländern existieren. Die Menschen kommen in Panik, sie wissen nicht, wie es mit ihnen weiter geht.“

Hört sich gut an. Die Aktivistin kennt die Nöte, sie hat selbst ein solches Schicksal hinter sich (siehe Frankfurter Rundschau). Doch es gibt mehr als nur ein Stück Papier, mehr als nur eine Aufklärung über Rechte.

Die Website der Aktion klärt im „livefeed“ über jede aktuelle Entwicklung in ganz Europa auf, beschreibt gängige Transitrouten und aktuelle politische Entwicklungen (siehe W2Eu), konkrete Informationen gibt es zu über 30 Ländern in Europa und Nordafrika … jedoch keine Informationen zu Asyl in den USA, Kanada, Neuseeland oder Australien, dafür aber eine konkrete Ansage zur Ukraine-Krise, zu finden mitten zwischen den Informationen über die aktuelle Asyl-Situation in einzelnen Ländern (siehe W2EU):

„We strongly condemn the Russian military intervention in the territory of Ukraine as well as the attempts to exploit the current situation by certain groups and their collaborators. We remind that these actions violate international law and we believe that responsibility for what is going on is entirely on those who decided to aggression, primarily, on the political leaders of the Russian Federation and on those who supported this decision.“

Genau der gleiche Ton, den unsere Medien angeschlagen hatten: hier als „Impfung“ von Millionen Asylbewerbern zwischen anderen Texten versteckt.

Was soll das?

Nun: es gibt einige Behauptungen, dass W2EU finanziell indirekt von George Soros finanziert wird, der in den Putsch in der Ukraine involviert war (siehe jungewelt). In der Tat findet sich auf der von ihm gegründeten „Opensociety“-Stiftung ein umfangreiches Programm zur Förderung von Migration (siehe opensocietyfoundations) bzw. zum Schutz von Migranten, doch … der oft in diesem Zusammenhang zitierte Bericht von Sky gibt diesen Zusammenhang nicht her (siehe news.Sky) – und auch sonst fand ich da auf den ersten Blick keine Verbindungen.

Dafür fand ich etwas anderes aus dem Umfeld des umtriebigen Milliardärs. Die opensocietyfoundation finanziert das Projekt Syndikate mit, dass den Zusammenschluss von 468 Zeitungen und Zeitschriften aus 153 Ländern darstellt, Deutschland ist unter anderem mit der Süddeutschen Zeitung, dem Handelsblatt, Capital und der Welt dabei. Am 2. Oktober veröffentlichte dort Richard M. Haass einen Artikel über die drei großen Krisen Europas (siehe project-syndikate): die schwache Wirtschaft, die Ukraine … und die „Volkerwanderung“, die mutig aber „unnachhaltig“ angegangen wird und bald die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit, der Toleranz und physischen Kapazitäten stoßen wird … Formulierungen, für die man in Deutschland aktuell zum „Nazi“ erklärt wird. Undenkbar also, dass ein George Soros diese „beunruhigende Krise“ auch noch forciert, oder? Der Autor Richard N. Haass ist übrigens Präsident des Councils of Foreign Relation, der Originaltitel seines Aufsatzes lautet: „Managing Europes perfect storm“.

Einen Sturm, über den wir gar nicht reden dürfen – und auch gar nicht mehr reden können, denn die Wahrheit ist im aktuellen Krieg mal wieder das erste Opfer gewesen.

 

 

 

 

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