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KiK und der Kampf gegen Armut in Deutschland

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Mittwoch, 1.7.2015. Eifel. Ja – ich habe es nun verstanden. Wurde mir ja oft gepredigt: Kauft nicht bei KiK, denn da stimmt einiges nicht. Mein Kopf versteht das sofort: ich kenne die Berichte der staatstragenden Medien sehr gut: Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen, Druck, scharfe Kontrollen, Tricksereien: das Erste hat oft genug darüber berichtet. Man kann ja auch gar nicht oft genug darüber berichten, was in der Welt der Wirtschaft so an Missständen vorhanden ist: mit der Ausbeutung von Schwächeren läßt sich halt gut Geld machen. Nehmen wir zum Beispiel Disney. Ja – die, die die beliebten Kinderfilme drehen und einen riesigen Reibach damit machen. Sie haben sicher auch schon ein paar Dutzend Disneyfilme gesehen – Sie, der sie nicht bei KiK einkaufen müssen, können sich Kinobesuche ja auch noch leisten. Darf ich Ihnen dazu mal etwas erzählen, was seltsamerweise nicht im Ersten oder auf RTL gesendet wird?

„Im Herbst 2002 wurde durch eine Untersuchung der International Transport Workers Association bekannt unter welchen Bedingungen die Angestellten luxuriöser Walt-Disney-Kreuzfahrtschiffe wie etwa „Disney Magic“ arbeiten müssen: Sie haben extrem lange Arbeitszeiten – bis zu 16 Stunden täglich, sieben Tage in der Woche – und sind unterbezahlt“ (aus: Klaus Werner/Hans Weiss, Das neue Schwarzbuch Markenfirmen, 5. Auflage 2009, Seite 295).

Was bei Disney „unterbezahlt“ heißt, kann man ebenfalls nachlesen:

18 Stunden Arbeitszeit täglich, durchgehend an sieben Tagen die Woche, viele Monate lang. Sechzehnjährige Frauen erhielten pro Monat zwischen 38 und 63 Euro. (Werner/Weiss, a.a.O.)

Und – gibt es eine große Kampagne gegen Disney? „Schaut keine Disneyfilme!!!“ – suche ich vergebens in den deutschen Medien, aber ein „kauft nicht bei KiK“ höre ich schon in den Eifeldörfern.

Wissen Sie, wer noch alles an Kinderarbeit gut verdient hat? Nestle zum Beispiel: hier findet man sogar Kindersklaverei (Werner/Weiss, a.a.O., Seite 334), McDonalds (hier gab es Kinderarbeit sogar in England, siehe Werner/Weiss a.a.O, Seite 328). Nike (Werner/Weiss a.a.O, Seite 336), Adidas (Werner/Weiss a.a.O, Seite 264). Coca Cola (Werner/Weiss a.a.O, Seite 284), die neben der Kinderarbeit auch die Aussendung von Todesschwadronen gegen Gewerkschafter zu verantworten haben. Die Auflistung ließe sich endlos fortsetzen … aber wer ruft schon zum Boykott gegen Adidas, Nike oder Coca Cola auf?

Doch wir wollen uns heute gar nicht mit den endlosen Verfehlungen von Großkonzernen beschäftigen, die in der einen oder anderen Form tagtäglich laufen und auch laufen müssen: Konzerne sind gesetzlich zur Maximierung der Rendite verpflichtet, nicht zur Maximierung der Lebensqualität von Mitmenschen – und das Management hat nur noch die Aufgabe, so viel Rendite wie möglich bei möglichst wenig auffälliger Ausbeutung der Mitmenschen zu erwirtschaften. Die Schuld an dieser Misere tragen ganz allein SIE. Sie sind der Souverän des Landes, Sie machen die Gesetze … bzw. lassen sie machen.

Kommt Ihnen nicht so vor? Na – einfach mal weniger „shoppen“, weniger Disney gucken, weniger Cola trinken und mehr über die politischen Wirklichkeiten im Land erfahren, dann würden Sie sehen, dass letztendlich der Souverän des Landes die Verantwortung trägt.

Die wollen Sie doch auch gerne den Kunden von KIK aufbürden, oder? Jenem Geschäft, das in seinem Namen „Kunde ist König“ trägt. Es ist ja auch leicht, den KiK-Kunden die Verantwortung zu übertragen: es ist nicht sonderlich „hip“ noch sonderlich modisch, was man dort findet – aber es reicht aus, um nicht nackt oder in Fetzen durch die Gegend laufen zu müssen. KiK – ist preiswert … was auch meiner persönlichen Börse sehr entgegenkommt.

Es ist leicht, zu fordern „kauft nicht bei KiK“, leicht, das „Prekariat“, die überhaupt erst durch staatlichen Willen und staatliche Zwangsmaßnahmen sowie großer Mediengewalt gestaltete und geformte Unterschicht wegen ihres Kaufverhaltens zu verfolgen, während man mit seinen Nike-Schuhen im Kino Disney-Filme guckt und dabei eine kühle Coke schlürft. Es ist auch verständlich, dass man sich gegen Kinderarbeit und Ausbeutung wehrt – doch vergisst man schnell, dass es nicht der Konsument ist, der hier die Hauptlast der Verantwortung tragen sollte: die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die Unarten des Neokapitalismus, die durch mangelnde Staatsgewalt grenzenlos ausufern können, sind die Ursache sämtlicher Verwerfungen: allein ein Importverbot von Schmuddelware könnte hier schon Wunder wirken – auch auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Aber das will der Souverän ja gar nicht: ein solches Importverbot würde ja die Gewinne der Globalisierungsfreunde schmälern, die EXTRA dort produzieren, wo für Arbeit nichts gezahlt wird – oder jedenfalls nichts, was einem hilft, ein souveränes, selbstbestimmtes Leben zu leben.

Doch bleiben wir bei der Verfolgung der KiK-Kunden, denen man implizit eine aus Armut geborene Unmoral vorwirft – obwohl sie eigentlich nur preiswerte T-Shirts und Unterhosen für ihre Kinder kaufen wollten, ohne damit gleich einen  Auftrag zur Massenvernichtung durch Arbeit zu erteilen. Was sollten sie auch tun?

Nun – der Adidas-Blockwart weiß sofort Bescheid: mehr Geld verdienen, damit sie ordentlich einkaufen können – zum Beispiel bei Otto, Reebock oder H&M – alles Firmen, die im Schwarbuch Markenfirmen wegen ausbeuterischer Maßnahmen angeklagt wurden (Werner/Weiss a.a.O, Stichwort: „Firmenportraits).

Doch wie sollen sie das machen?

Nun – ganz einfach: wir verdienen Unsummen im Export, letztes Jahr waren es 1,13 Billionen Euro – als 1130 Milliarden – die wir als Erlös von Verkäufen im Ausland eingenommen haben. Dort kann man noch richtig verdienen. Was sind unsere Hauptexportschlager?

Autos – 202 Milliarden

Maschinen – 165 Milliarden

Chemische Erzeugnisse – 107 Milliarden (Quelle zum Export: Statista).

Nun raten Sie mal, wer unsere teuren Autos kauft?

Sie wissen es nicht?

Ich kann es Ihnen sagen: wer in der Pyramide der Ausbeutungskette ganz oben sitzt, fern von den Betrieben, in denen Arbeiterinnen barfuß in  Chemiebrühe stehen müssen ( wie z.B. bei Deichmann, Werner/Weiss a.a.O, Seite 289). Gibt es eigentlich Kampagnen gegen die Produktion in China – oder den Verkauf von Luxusgütern in Ausbeuterländern? Nein? Wie verblüffend – aber wenn arme Menschen bei KiK einkaufen, da brüllt der Mob auf einmal.

Man merkt ja auch, warum. Die, die am meisten Dreck am Stecken haben, schreien immer am Lautesten „haltet den Dieb!“. Autos zum Beispiel – sind giftiger Sondermüll auf vier Rädern. Doch, bitte: lesen Sie in einem älteren Spiegel nach (siehe Spiegel, Ausgabe 37/1989)

„Allmählich erst erschließt sich Politikern und Umweltschützern, daß jedes Auto, genaugenommen, ein Stück Sondermüll auf Rädern ist. Zu gut einem Drittel bestehen Kraftfahrzeuge aus Umweltgiften oder anderen schwer zu entsorgenden Materialien.

Ein Auto enthält nicht nur – in Armaturen, Blinkleuchten, Fußmatten, Polstern, Isoliermatten oder Karosserieteilen – bis zu 30 Kunststoffarten, sondern auch gefährliche Batteriesäuren, Bremsflüssigkeiten und Getriebeöle, Schmierfette, Metallic-Lacke und Elektronikteile.“

Wir verseuchen weltweit die Umwelt mit Sondermüll auf Rädern – und verdienen uns dumm und dämlich daran, sind sogar Meister der weltweiten Umweltzerstörung und Ressourcenvernichtung infolge von … „Fahrspaß“.  Das ist dann „gut“ – und wer gut ist, darf auch Kinderarbeit von Adidas, Nike und Disney konsumieren. Wer böse ist, kauft bei KiK. Noch ein Sonderblick auf unseren SUV-Wahn: je größer das Auto, umso mehr Müll bleibt letztlich in der Landschaft liegen, wenn der Wagen „durch“ ist. Aber wer denkt schon so weit von diesen „guten“ Menschen.

Zurück zu KiK. Zurück zu den Kunden, die sich entschlossen haben (oder dazu verurteilt wurden), ihr Leben auf niedrigstem Ressourcenverbrauch (sprich: Geld) zu gestalten, zurück zu einem Unternehmen, dass in Deutschland etwas ganz Besonderes macht: sich aktiv in den Kampf gegen Armut zu engagieren, in dem sie Ware anbieten, die es auch ärmsten Menschen erlaubt, nicht in Lumpen herumlaufen zu müssen – was anderen sicher gut gefallen würde, da man dann die Unterschicht deutlicher erkennen könnte.

Ja – das ist die andere Seite von KiK, eine Seite, die Bessermenschen nicht sehen brauchen. Sie richten ihren Blick auf die Kinderarbeit (die bei ihren Lieblingskonzernen zwecks Sicherung der eigenen Überversorgung mit Tauschmitteln selbstverständlich völlig aktzeptabel ist) und sehen nicht, dass KiK mehr zur Linderung der Folgen der Armut in Deutschland beiträgt als die „Nobelmarken“, die die Ausbeuter, Anlagebetrüger, Steuerhinterzieher, Menschenhändler, Drogenbarone und Waffenschieber mit Luxusautos und anderen Statussymbolen aussttatten und damit sogar den Zielen der rot-grünen Bundesregierung zuwiderhandelt: sie vermindern den „Druck“, den Politik gezielt auf Arme ausüben wollte und will, in dem sie Preise bieten, die Arme nicht überfordern.

Wer sich im Übrigen auch noch im Kampf gegen die Armut in Deutschland auszeichnet, sind die Konzerne E-Bay und Amazon – ebenfalls viel und gern gescholtene Bösewichter … während man über die Verfehlungen von Siemens, Exxon, Ford, Shell, Tommy Hilfiger, Unilever, Aldi, C&A, Daimler-Chrysler, Knoll, Kraft, Levi Strauss und Triumph gerne verständnisvoll hinwegsieht, damit sich noble Bessermenschenmythen nicht in Rauch auflösen und man erkennen muss, dass die ganze Maschine schlecht ist, die gerade den Planeten auffrisst – und nicht nur jener Teil von ihr, der hilft, die Folgen der Armut zu lindern.

Wer nun entsetzt ist über diese Worte, der sei daran erinnert, dass dies ein Nachdenkmagazin ist – und keine Bessermenschenpropagandaschleuder. Klar sind die Arbeitsbedingungen bei KiK schlecht – aber wo finden wir denn heutzutage noch richtig gute Arbeitsbedingungen? Sicher beuten Zulieferbetriebe Menschen aus – aber was meinen Sie denn, warum ALLE in Billigländern produzieren und sich dabei eine goldene Nase verdienen, die hierzulande dann der Firma Porsche enorme Gewinne beschert, von denen die Mitarbeiter dann in der Karibik den dicken Mann machen können?

Es ist der Sinn von Globalisierung, die Armen der Welt auszuplündern – und wir machen da ganz vorne mit. Wir alle. Und wer ressourcengierig mit dem SUV vor dem Bioladen posiert, gebräunt von vier Wochen Urlaub in Neuseeland, gehört zu der Spitze der Weltvernichter – und nicht die arme Mutter, die bei KiK einkauft, damit ihre Kinder von Arschlochkindern in der Schule etwas weniger Häme bekommen, weil sie wenigstens mal was „Neues“ anhaben.

Insofern: Danke KiK für den engagierten Kampf gegen die Folgen der Armut in Deutschland.

PS: wenn Sie sich gegen Kinderarbeit engagieren wollen – gern! Ich empfehle da ganz oben anzufangen – bei der Kinderarbeit in den USA (siehe Huffingtonpost). Wie man der dem Artikel dort beiliegenden Karte entnehmen kann … ist Kinderarbeit Standard in der Welt.  Deshalb produzieren unsere Arbeitgeber dort auch gern.

 

 

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