2014

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Ein frohes Jahr 2014 !

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2014

© Jotha

Jahresausblick 2014: Medienlügen, Ermächtigungsgesetz und Bankenterror voraus

Jahresausblick 2014: Medienlügen, Ermächtigungsgesetz und Bankenterror voraus

Samstag, 28.12.2013. Eifel. Zum Jahresende erstmal ein persönliches Wort. Aktuell leide ich sehr unter den Nachwirkungen einer langen Autofahrt, kann also jetzt einige Tage nicht gut sitzen, stehen oder gehen. Auch erreicht mich gerade Behördenterror. Wohne zwar nicht nur räumlich weit draußen, sondern auch geistig und gesellschaftlich, aber das heißt nicht, dass das Imperium einen nicht aufspüren kann. In der Nacht zum zweiten Weihnachtsfeiertag hin hat mich um 3.30 Uhr ein Hubschrauber geweckt, der bis nach 4 Uhr morgens dicht über unserem abgelegenem Hause schwebte. Dann kam die Kündigung eines unserer Mitschreiber, die von völlig Unbekannten im Namen eines unserer Autoren geschickt wurde, wir bekamen Serverprobleme, unser Mailsystem fing an, meine Mails an mich selber zu schicken und aktuell nervt mich ein Speichersignal, dass alle zehn Sekunden in diesem Text auftaucht. Insgesamt also nicht die Zeit, sich groß warnend, mahnend und predigend auf die Straße zu stellen und vor dem Untergang der Welt zu warnen.

Zudem macht mir die Mietpreisentwicklung große Sorgen – zunehmend sehe ich, das jenes Finanzvolumen, dass ich mit meinen gesundheitlichen Einschränkungen (ja – ist nicht nur Rücken, vier Finger müssen auch operiert werden – man funktioniert halt wirklich nicht besser, wenn man älter wird) erwirtschaften kann, mittelfristig nicht mehr mit der Mietpreisentwicklung in der Eifel mithalten kann: da droht also Obdachlosigkeit, wenn irgendwann weitere Mitglieder unserer Hausgemeinschaft das abgelegene Heim verlassen – was ihnen nur zu raten ist.

Weise Gedanken brauchen Abgeschiedenheit, Ruhe und Geborgenheit. Leider reichen schon kleine Unpässlichkeiten, um den ruhigen Fluß der Gedanken zu stören. Manchmal ist das gut, aber zur Entwicklung von Lösungen nicht die optimale Situation: findet man sich mitten in einem Waldbrand wieder, hat man erstmal andere Probleme als die Pläne zur Wiederaufforstung im Detail aufzuarbeiten, selbst für schnelle Brandbekämpfungsmaßnahmen ist da nicht immer Zeit. Deshalb hätte ich mir nun gerne ein paar Tage Ruhe gegönnt, wenn nicht …. ja, wenn nicht schon wieder der Wahnsinn fortschreiten würde. Nehmen wir nur mal ein paar Nachrichten im Spiegel der letzten Tage.

Konjunktur robust, Arbeitsmarkt stabil, Euro-Krise abgeflaut: Angesichts der wirtschaftlichen Lage schauen viele Deutsche optimistisch aufs neue Jahr. So gut war die Stimmung seit Mitte der Neunziger nicht mehr.

So verkündet das ein Presserorgan des Systems, eine Zeitschrift, die es geschafft hat, den Schritt vom kritischen Nachrichtenmedium zum vollumfänglichen Regierungsorgan vollständig zu vollziehen. Natürlich brauchen wir Optimismus, wenn der nicht im Volk vorhanden ist, wird er eben befohlen. Dafür befragt man 1600 seltsame Menschen – beziehungsweise, läßt sie durch schlecht bezahlte „freiberufliche“ Interviewer vorgefertigte Fragebögen ausfüllen und interpretiert das Ergebnis – das oft durch die Art der Frage schon feststeht – als Bombenerfolg der Mediendemokratie, dass Maßstäbe setzt. Man kennt halt seine „Schweigespirale“, das hat man in der Journalistenschule gelernt – und man weiß auf diesem Instrument zu spielen:

Die Vertreter der jeweils vermeintlich herrschenden Meinung vertreten diese offensiv; die Vertreter der vermeintlichen Minderheitsmeinung verstummten umso mehr, je mehr sie sich in der Minderheit glaubten. Verkürzt beschrieben, beobachtet der Mensch als „soziale Haut“ mit einem „quasi-statistischen Wahrnehmungsorgan“ die politische Meinungsverteilung, um sich dann auf die Seite der Sieger zu schlagen

So befiehlt man Massen, ohne das sie es merken. Einfach einen halbwegs seriös untermauerten Artikel schreiben, dort publizieren, wo Entscheider schnell die Überschriften lesen, schon ist der Artikel Gesetz: wehe dem, der es wagt, in der Öffentlichkeit noch deutlich zu sagen, dass er eine andere Meinung als die Herrschermeinung vertritt – ihm drohen Konsequenzen, der ist ein „Looser“ … oder wie man am Arbeitsplatz dann heute sonst noch so tituliert wird.

Natürlich darf auch nicht die Aussicht auf enorm explodierenden Export nicht fehlen … wegen dem wir selbstverständlich gerne zu Sklavenlöhnen arbeiten, um DEUTSCHLAND nicht zu gefährden.

Die Anti-Euro-Partei AfD gehorcht schon jetzt dem eisernen Diktat der Schweigespirale, der Spiegel macht darauf aufmerksam. Wieder einmal schien ein streng nationalsozialistisch orientierter Geselle enttarnt worden zu sein, der durch folgende Aussagen auf sich aufmerksam gemacht hat:

„Der heutige Sozialismus, der sich Demokratie schimpft, muss das gleiche Schicksal wie der Ostblock vor mehr als 20 Jahren erleiden. Nur so können wir die satanistischen Elemente der Finanz-Oligopole von den westlichen Völkern wieder abschütteln, die wie die Zecken das Blut der Völker aussaugen und die Körper mit tödlichen Bakterien verseuchen.“

Stünde da irgendwo „Jude“ könnte man es verstehen: das wäre dann der alte NS-Mythos vom bösen Bankerweltjudentum, der beständig neu versucht, sich in das Denken der Menschen zu schleichen. Aber da steht nirgendwo Jude, noch kann man das aus der Aussage ableiten. Gut, die kapitalistische Demokratie „sozialistisch“ zu nennen, zeugt schon von ordentlichen geistigen Verirrungen und passt überhaupt nicht zu der Vorstellung global supermächtiger Banker – eine Vorstellung, mit der man bei Linken eher punkten könnte.

So jedoch wirkt es merkwürdig, weil es Sprachverbote ausdrückt und sie gesellschaftsfähig macht – vielleicht wird das der einzige Sinn dieser von vielen Kapitalisten empfohlenen AfD: sie soll jegliche Form von Kritik am Bankenwesen mit braunem Schleim überziehen, so dass sie tabu werden. Dafür würde ich als Banker dann auch gerne mal spenden.

Das der moderne Finanzkapitalismus gerechterweise „satanisch“ zu nennen ist, ergibt sich aus seinem Wertekanon: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst“ ist das genaue Gegenteil jenes Verhaltens, dass die christliche Botschaft als „Sozialromantik“ verbrämt … und das findet man hochkonzentriert im Bankenwesen. Das die internationale Bankenunion Völker auspresst wie eine Zitrone, haben wir in diesem Jahr (wie auch in den Jahren zuvor) genug erlebt, dass sie mit viel künstlich selbst geschaffenem Geld einen großen Einfluss auf das Denken, das Fühlen, die Werte und Verhaltensnormen eines Volkes ausüben, kann schnell und leicht dargelegt werden – so leicht, dass man es gar nicht groß erläutern muss, es reicht, die mehrseitigen Bankbotschaften in Spiegel, Stern, Handelsblatt, Focus und Managermagazin wahrzunehmen: Botschaften, die als „Werbung“ unkontrolliert Einfluß auf das Unterbewußtsein der Leser nehmen.

Lange werden wir diese Anti-Banken-Perspektiven nicht mehr verwenden können, ohne rechtsradikal zu sein: wer nicht für den internationalen Bankenclan ist, ist ein Nazi. Und während der einfache Bürger noch dabei ist, sein Meinungskleid nach weiteren braunen Flecken zu durchsuchen, marschiert der Bankenclan gleich weiter: die vielen Parteispenden an deutsche Großparteien (allein 4,6 Millionen offiziell zwischen 2000 und 2009 – nur von der Deutschen Bank, siehe Lobbypedia) sorgen für eine gewisse politische Landschaft, die nun anfängt, Allmachtsphantasien auszuleben, siehe Spiegel:

Bundestagspräsident Norbert Lammert wirbt seit Monaten dafür, die Legislaturperiode des Bundestags von vier auf fünf Jahre zu verlängern. Jetzt bekommt er für seinen Vorstoß Unterstützung aus den Reihen der Großen Koalition. Vertreter der Unions- und SPD-Fraktion sprachen sich für eine Debatte aus.

„Macht macht wahnsinnig“ – und die Allmacht der schwarz-roten Koalition läßt schon jetzt alle Hemmungen fallen: dieser Vorstoß ist nicht anderes als der hemmungslose Griff nach der Staatsgewalt – wer weiß, was denen dann in fünf Jahren einfallen wird, wenn die Spitzen der Parteien die offizielle Einheitspartei ausrufen, um „Deutschland nach vorne zu bringen“, um in der Krise (die keinesfalls vorbei ist, nur weil billiges Geld in Massen gedruckt wird und so die Börsenkurse nach oben treibt) „regierungsfähig zu bleiben“, „die Zeichen der Zeit richtig zu deuten“ … und wie man diesen „alternativlosen“ Schritt noch erklären wird.

Am Ende werden die Parlamentarier dem gerne zustimmen – vor allem, wenn eine Legislaturperiode dann 20 Jahre dauert und sie so ihre Luxusexistenz bis ans Ende ihrer Tage leben können: die Räuberallianz im Parlament wird da kein Halten kennen, das neue DEUTSCHE REICH wird unaufhaltsam kommen: wird spannend werden, zu sehen, was man von Hitler alles gelernt hat. Eins ist schon zu erkennen: ohne den Nuklearschirm der USA geht gar nichts, darum ist Gehorsam gegenüber den USA ERSTE BÜRGERPFLICHT, ebenso Gehorsam gegenüber der DEUTSCHEN BANK, deren Chef schon jetzt seinen privaten Geburtstag mit äußerst mächtigen Freunden im Kanzleramt feiern kann, als würde es ihm gehören.

Tut es ja auch – aber darüber dürfen wir nicht reden.

Dabei tut es Not, zu erkennen, wie sehr Banken unser gesellschaftliches Leben verändern. In einem Interview der Welt mit dem Kulturwissenschaftler Klaus Leggewie erfahren wir etwas über die Macht der Banken:

Die Immobilienwirtschaft, die hochgradig spekulativ geworden ist, hat diese Tendenz jedenfalls beschleunigt: Das Finanzkapital baut in den Innenstädten für sich selbst Büroraum, ergänzt durch entsprechende Wohnmöglichkeiten in aufwendig restaurierten Innenstadtbezirken.

Finanzmenschen verdrängen Realmenschen wie Finanzwirtschaft die Realwirtschaft verdrängt.

Deutschland verödet dadurch wie die Innenstädte des Landes, einige wenige „happy few“ werden in Paradiesen leben, die von der Infrastruktur und Leistungsfähigkeit des ganzen Landes enorm profitieren, der Rest wird beständig weiter auf der Flucht vor der Finanzwirtschaft sein, deren künstlich aufgeblasenen Renditen kein normaler Unternehmer etwas entgegen zu setzen hat.

Natürlich könnte man erste Schritte dagegen planen. Ein Zinsverbot …. das wäre schon ein Traum. Schön wäre auch, wenn die Arbeitgeber des Landes die Gehälter wieder direkt an die Arbeiter und Angestellten auszahlen würden: die alte „Lohntüte“ hatte sich doch bewehrt. Schön wäre auch, wenn Unternehmer ihre Investitionen von selbst ersparten Geld tätigen würden anstatt sich Milliarden von Banken zu leihen … leider wären sie dann nicht mehr konkurrenzfähig, da die wirklichen „Leistungsträger“ der Wirtschaft deshalb so erfolgreich sind, weil sie ihre Ideen bequem mit Bankmilliarden umsetzen können … geht was schief, zahlt der Staat und die Gemeinschaft.

Man könnte den Bankenclan einfach austrocknen – man stelle sich vor, wir schaffen neues Geld, dass nur außerhalb von Banken gehandelt werden darf: den Taler, der den Menschen zur Verfügung gestellt wird, um Waren und Dienstleistungen auszutauschen: deshalb ist Geld ehedem geschaffen worden, nicht, um durch raffinierten Rechentricks auf einmal überraschend Milliardär zu sein.

Man sieht: wir haben keine Zeit für Krankheit, Behördenterror, Weihnachtsfeiern oder plumpe Gemütlichkeit.

Die künstlich aufgeblähte Geldmacht der Banken gestaltet unser ganzes gesellschaftliches Zusammenleben um. Sie leben vor, welche Kleidung, welche Wohnart und welches Sozialverhalten gesellschaftliche Norm werden, vertreiben die große Mehrheit der Bevölkerung aus den gut ausgebauten Innenstädten, legen fest, wie viele Millionen man braucht, um ein anständiger Bürger zu sein.

Das Parlament folgt dem Trend brav, siehe Süddeutsche:

Mehr Gehalt für Bundestagsabgeordnete: Regierung und SPD haben sich darauf geeinigt, die Diäten 2012 und 2013 um je 292 Euro zu erhöhen. Damit verdienen die Volksvertreter bald fast 8000 Euro monatlich.

Dafür findet man immer Mehrheiten. Diäten werden aus dem gleichen Topf bezahlt wie Arbeitslosengeld – dort jedoch haben Kinder von Arbeitslosen weniger für ihren Gesamtbedarf als der Abgeordnete sich jährlich an Erhöhung gönnt, verdienen sie dazu, greift der Staat auch dieses Geld ab, während Abgeordnete durch „Vorträge“ – unter anderem für den Bankenclan und die von ihm abhängigen Konzerne – Millionen dazu verdienen.

Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, das sich die optimistischen Parolen der Meinungsforscher in der Realität nicht wiederspiegeln: hier erkennen wir nur, dass die Finanzwirtschaft schon längst die gesellschaftliche Macht an sich gerissen hat und dies auch offen demonstriert. Der politische Arm der Finanzmenschen (das Parlament und die Parteispitzen) folgt dem Kult des Geldes mit großer Begeisterung (man kennt sich ja auch persönlich) – alles andere ist „Sozialromantik“.

Und ebenso braucht man wenig Phantasie, um sich vorstellen zu können, das Orte wie der Nachrichtenspiegel irgendwann Säuberungsaktionen zum Opfer fallen werden, weil sie die Schweigespirale absichtlich durchbrechen.

Noch bin ich aber gewillt, die Häufung von Unpässlichkeiten zum Jahresende dem Zufall zuzuschreiben … doch leicht hätte aus der aktuellen Situation böses Blut entstehen können: man stelle sich vor, wir hätten reagiert, wie Finanzmenschen es tun und die virtuelle Existenz eines Mitschreibers (scheinbar) wunschgemäß vollständig ausgelöscht … ohne das dieser auch nur im Geringsten gewußt hätte, worum es geht.

So eine Aktion zur Weihnachtszeit zu starten, wo jeder genug mit sich selbst zu tun hat, ist schon sehr geschickt.

Gott sei Dank … sind wir nicht „jeder“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Zigeunern lernen – oder untergehen?

Von Zigeunern lernen - oder untergehen?

Sonntag, 20.10.2013. Eifel. Seit einiger Zeit habe ich das Angebot eines Lesers, uns Liveberichte über Roma aus Rumänien zu schicken. Nun – ich höre gerne etwas aus Rumänien, zumal dieser Leser ein sehr interessanter und weltgewandter Mensch ist, nur sagt mir das Thema „Roma“ nichts. Also war ich heute einmal in einer Galerie (Eifel Kunst), wo ein stellvertretender Bürgermeister ein paar und ein Seelsorger ganz viele Worte über Roma sprachen – umgeben von zahlreichen Fotos echter Zigeuner. Es waren interessante Einblicke in eine fremde Welt, gekrönt von der Frage, warum eigentlich die Zigeuner in der ganzen Welt so abgelehnt werden. Ich möchte hier übrigens den deutschen Begriff Zigeuner verwenden, ich denke, als „Gadscho“ darf ich das auch, weil ich sowieso von nichts eine Ahnung habe.

Es ist natürlich auch die Frage, warum Hexen auf der ganzen Welt so eine Ablehnung erfahren. Das Reden über Hexen ist ebenso schwierig wie das Reden über Zigeuner, erst recht, wenn man erfährt, dass echte Hexen in der Ethnologie vor allem eins sind: unsichtbar und körperlos. So wie man weiß, dass Zigeuner stehlen und auf die Straße kacken, weiß man, dass die Kirche Hexen verbrannt hat – völlig abgesehen von der Tatsache, dass echte Hexen körperlos sind und gar nicht verbrannt werden können … es sei denn, man unterstellt einfach mal der Nachbarin, dass sie eine sei. So schnell werden Begriffe Mordinstrumente.

Das mit den Kirchen ist eine Lüge – aber das stört heutzutage niemanden mehr, die „aufgeklärte Gesellschaft“ kann mit Lügen gut leben, wenn sie nur ihren Zweck erfüllen. Heute weiß man, dass es nicht die Kirchen waren, die Hexen verbrannten, sondern Staat und Gesellschaft, also „die Guten“. Die gleichen „Guten“ haben auch Juden, Kommunisten, Schwule und alle anderen verbrannt, die ihnen gerade nicht in den Kram passten, ist also gar keine Besonderheit, wenn man merkt, dass die auch Hexen und Zigeuner jagen, der eine oder andere Arbeitslose erhält gerade auch eine Prise Menschenhatz – im angeblich so aufgeklärten Deutschland des 21. Jahrhunderts.

Nur wenigen fällt auf, dass die unbegründete, industrielle Vernichtung von Menschenmassen eine Erscheinung der „Moderne“ ist, unser Alltag ist voll von lustigen Sprachbrocken, die solche Erscheinungen begleiten: „Sozialromantik“, „sozialverträgliches Frühableben“, „Kosten auf zwei Beinen“, selbst Minister reden schon gerne von „Schmarotzern“, „Parasiten“, die „nicht essen sollen, wenn sie nicht arbeiten“: das ist die Ethik von Freunden der Leibeigenschaft, die den Menschen nur nach seinem materiellen Nutzen beschreiben. Sie haben auch gezeigt, wie man mit Menschen verfährt, die unnütze Esser geworden sind. Wird gerne verdrängt in Deutschland, ist aber trotzdem wahr.

Ebenso verdrängen wir, dass wir Zigeuner genauso der Massenvernichtung zugeführt haben wie Juden, da gab es echt keinen Unterschied – nur haben Zigeuner keine Lobby, die sie international verteidigen würden.

Auf der Ausstellung tat dies ein Seelsorger der Kirche – und ich habe mir erlaubt, schweigend und interessiert zuzuhören.

Einige interessante Momente sind hängen geblieben: die große Liebe zu Kindern, der starke soziale Zusammenhalt, die Wertschätzung der Alten.

Seltsam, dass so etwas in den großen Medien gar nicht hängen bleibt.

Ich kenne persönlich keine Roma, weiß also überhaupt nicht, was von den Warnungen über den 1.Januar 2014 zu halten ist, wenn die Roma Deutschland überschwemmen. Vielleicht nicht viel, viele Zigeuner sind seit Jahrhunderten in Deutschland ansässig und – wie ich lernen durfte – teilweise steinreiche Immobilienbesitzer. So etwas ergibt sich schon mal, wenn Familien über Generationen eng zusammenarbeiten.

Ich kenne nur die aufgebauschten Medienberichte über Zigeunerhäuser aus dem Ruhrgebiet, die mich nicht verwundern: überall auf der Welt entwickeln Nomaden schwer erträgliche Eigenheiten, wenn man ihnen ein sesshaftes Leben aufzwingt. Überall auf der Welt entwickeln Volksgruppen seltsames Verhalten, wenn sie sich von einer Mehrheit verfolgt fühlen – was dann für die Mehrheit der untrügliche Beweis ist, dass man sie zurecht verfolgt.

Während des Vortrags kam mir Vine Deloria in den Sinn, ein Rechts- und Politikwissenschaftler aus den USA, der in den siebziger Jahren mit seinem Buch „Nur Stämme werden überleben“ erfolgreich war. Ich zitiere mal aus seinem Buch, hier bei Amazon veröffentlicht:

»Wir haben Leute gehört, die uns predigten, wir müßten alles Indianische aufgeben, denn es sei Indianern unmöglich, ihre Lebensweise innerhalb der zivilisierten Welt beizubehalten. Wir haben zugesehen, wie Land gestohlen wurde, damit riesige Dämme und Fabriken gebaut werden konnten. Jedesmal, wenn wir uns der ausbeuterischen Landnutzung widersetzten, wurde uns erklärt, Fortschritt sei notwendig für den „American Way of Life“. Jetzt ist das Lachen an uns. Nach 400 Jahren fröhlichen Raubbaus findet sich der weiße Mann nur eine Generation von der Auslöschung des Lebens auf unserem Planeten entfernt. Natürlich werden auch die Indianer ausgelöscht – aber nicht, weil wir nicht begriffen hätten, was vor sich geht. Nicht, weil wir uns nicht gewehrt hätten, und auch nicht, weil wir uns geweigert hätten, Stellung zu beziehen. «

Der weiße Mann – der „Gadscho“ – nur eine Generation von der Auslöschung entfernt: noch eine Wahrheit, die wir gerne verdrängen. Ob nun genveränderndes Plastik, dass das Potential hat, die Menschheit unfruchtbar zu machen, Atomwaffen und künstlich modifizierte Superseuchen, ein kapitalistisches Wirtschaftssystem, dass sich gerade selbst auffrisst, Konzerne, die Saatgut mit Todesgenen versehen und Gifte flächendeckend verteilen oder einfach unser Alltag voller Lebensmittelskandalen und krebserregenden Stoffen in sämtlichen alltäglichen Gegenständen: nur noch radikale Verdrängung der Probleme erlaubt es uns, ausgelassen den Kölner Karneval zu genießen – anstatt die Energie in die Lösung der Probleme zu stecken.

Ich möchte auch gerne jeden Kritiker der Zigeuner mal auf den Prüfstand stellen. Wo wäre man im Alter lieber: im vertrauten Kreis der Familie – oder abgestellt auf der obersten Etage eines Altenheimes, wo nur einmal am Tag ein Pfleger nach dem Rechten schaut – selbst dann, wenn man seine eigenen Angelegenheiten nicht selbst erledigen kann. Wer hinschaut, wie wir mit unseren Alten umgehen – schon jetzt – dem wird schnell klar, welche Zustände Personalmangel und Kostendruck in Zukunft in diesen Verwahranstalten Alltag werden lassen. Auch das: verdrängen wir, ebenso wie die Tatsache, dass die Jugend schon jetzt durchblicken läßt, wie sie mit den Alten umgehen will: der Ausdruck „Gammelfleisch“ spricht eine deutliche Sprache – die Sprache der Verrohung, die Übles ahnen läßt.

Die Kinder – so habe ich gelernt – werden dort wie kleine Prinzen behandelt. Und unsere Kinder? Die Kinder der „überlegenen Kultur“, die seit Jahrzehnten am Abgrund tanzt und täglich (!) mehr an Gleichgewicht verliert? Im kinderfeindlichsten Land Europas (wenn nicht gar der Welt) mag ich diese Frage gar nicht mehr stellen, unterbezahlte Erzieherinnen und überarbeitete Eltern können hier kaum mehr bieten als systematische Verwahrlosung, die weit von den hehren Erziehungsidealen der „Aufklärer“ entfernt sind.

Schaue ich mir an, welchen „Diebstahl“ unsere Generation an der deutschen Jugend vollzieht, wie wir ihnen Schuldenberge auflasten, die sie nie zurückzahlen können (erst recht nicht mit der billigen Ausbildung deutscher Schulen in einer Wirtschaft, die lieber von der Steuer absetzbare Maschinen anschafft als Menschen beschäftigt) – da wird das geklaute Huhn von nebenan ein ganz kleines Problem.

Wenig gelernt habe ich über die Frage, ob die Zigeuner glücklich mit ihrer Kultur sind, ihren Stämmen, Riten, verschworenen Gebräuchen. Was ich aber annehme, ist, das wir mit unserer Kultur unglücklich sind … aber kaum noch einer traut sich das zu sagen: wie leben in der besten aller möglichen Welten, wer das nicht einsieht, kann ja „nach drüben gehen“ – was mangels konkret gelebter gesellschaftlicher Alternative nur noch das Jenseits sein kann.

In Tschechien möchte man Roma schon wieder „ins Gas schicken“ (siehe SWR). Dort scheint man die deutsche Vergangenheit nicht verdrängt zu haben: im Gegenteil, man findet sie gut.

Der echte Nazi findet seinen „Juden“ überall – und wenn die Juden alle sind, dann sucht er sich eben andere: Schwule, Arbeitslose, Christen, Zigeuner – egal, Hauptsache, es passt ein Stiefel ins Gesicht. Warum überrascht es eigentlich nicht, dass einige NS-Auffassungen vom Zigeuner in Deutschland bis in die neunziger Jahre hinweg fortgelebt haben. Demnach sind Zigeuner eine

„erbliche Unterschicht“ minderer „Bevölkerungsqualität“, die durch eine im Vergleich zur Mehrheitsbevölkerung überdurchschnittliche Kriminalitätsrate bei unterdurchschnittlicher Intelligenz charakterisiert sei und sich zur Begrenzung des damit verbundenen gesellschaftlichen Konfliktpotenzials weniger für strukturell angelegte Förder- und Bildungsprogramme als für die bevölkerungssanitäre Maßnahme der Geburtenkontrolle empfehle

Siehe Wikipedia. Rassenhygiene im vereinten Deutschland – ganz aktuell. „Bevölkerungsanitäre Maßnahmen“ – wir hätten bei der Wiedervereinigung viel kritischer Fragen sollen, was da eigentlich über die Grenze kommt, will mir scheinen.

Machen das Zigeuner eigentlich auch? Planen die auch die Auslöschung ganzer Volksgruppen? Haben die sich schon mal durchgeführt?

Die moderne Kultur des weißen Mannes stünde nicht sehr gut da, wenn man sie mit jenem Blick misst, den man Zigeunern angedeihen läßt. Unsere Industrieanlagen jedenfalls haben größeren Schaden angerichtet als die Diebstähle der Zigeuner, machen die heute noch. In vielen Städten haben Industrien Menschen getötet – in großem Umfang sogar. Eine Kupferhütte in der Nachbarschaft sorgt ganz schnell für einen Anstieg des „plötzlichen Kindstodes“ – doch das Progrom gegen die Kupferhütte blieb bislang aus. Das Auto tötet jährlich Millionen (weltweit 1,2 Millionen im Jahr, siehe FAZ, Tendenz stark steigend, siehe Focus), doch führt das nicht dazu, dass es jemand aus dem Land verbannen will.

Fünf Jahre Straßenverkehr werden mehr Menschen töten als der Holocaust – für die Massenvernichtung von Menschen haben wir in der Tat ein Händchen.

Der Zigeunerköttel auf der Straße führt zum Volksaufruhr (kürzlich in Norwegen, leider – und zurecht –  nicht mehr zitierbar), doch der Hundekot (pro Tag 2500 Tonnen, siehe shortnews) findet kaum Erwähnung.

Ich kann mir nicht helfen: je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftige, umso mehr frage ich mich: vielleicht sollten wir eher von Zigeunern lernen als sie zu jagen. Ihre Kultur hat deutlich länger überlebt als unsere – und wie lange unsere es noch macht, ist sehr fraglich. Schon jetzt brauchen wir die Rohstoffe mehrerer Planeten, um unseren Lebensstil fortführen zu können – wir haben aber nur einen. Auch ein Problem, dass wir gerne verdrängen, um noch mal ungestört eine Folge „Wetten Dass“ sehen zu können.

Ja, ich weiß: Zigeuner machen Müll. Schmeißen den einfach auf die Straße, wo alle ihn sehen können.

Und was machen wir? Produzieren Müll, pro Kopf 448 Kilo im Jahr im Jahre 2008, 455 im Jahre 2009, Tendenz: steigend (siehe Rp-online), Hundekot nicht eingerechnet.  Der löst sich nicht in Luft auf, wenn wir den in den Eimer schmeißen – wir verschiffen den bis nach Afrika, damit wir ihn nicht mehr sehen.

Verdrängung pur.

Ist es vielleicht so, dass der Müll der Zigeuner uns nur ärgert, weil er uns an unseren eigenen Müll erinnert, weil sie sichtbar machen, was wir so gern verbergen würden?

Ich werde nur immer unsicherer, ob ich noch mehr Negatives über Roma lesen möchte. Ich fürchte, wenn wir einen fairen Vergleich anstellen (und nicht wieder sichtbare Menschen im Kampf gegen unsichtbare Hexen verbrennen, um das dann der Kirche in die Schuhe zu schieben), würde unsere Kultur nicht besser aussehen.

Und bevor die nach guter deutscher Tradition  „ab ins Gas gehen“, sollten wir die lieber aufnehmen – als kleines Zeichen, dass wenigstens wir aus der Geschichte gelernt haben. Vielleicht kann man von denen auch viel für die Zukunft lernen: wie man als Familienverband in feindlicher Umwelt überleben kann.

Ich denke, für deutsche Familien ist das ein sehr interessantes Thema, denn die – stehen kurz vor der Ausrottung, ein Thema, das Konservative und Ultrarechte sonst gerne beklagen.

Und die Diebstähle, der seltsam zwanglose Umgang mit dem Eigentum der Gadschos? Ich kenne das Ausmaß nicht, aber ich weiß, was Banker schon jetzt weltweit abgegriffen haben: über eine Billion Dollar. Stört sich einer um Banker in der Nachbarschaft? Fürchtet man die? Nein.

Sollte man aber: die haben jetzt den ganz großen Coup vor, siehe Deutsche Wirtschaftsnachrichten:

Die große weltweite Enteignung wird konkret: Der Internationale Währungsfonds verlangt eine allgemeine „Schulden-Steuer“ in Höhe von 10 Prozent für jeden Haushalt in der Euro-Zone, der auch nur über geringe Ersparnisse verfügt. Das Geld soll für den Schulden-Dienst verwendet werden. Damit sollen die Forderungen der Banken befriedigt und das Schulden-System gerettet werden. Dieses Konzept habe sich bereits nach dem Ersten Weltkrieg in Europa bewährt. Der Vorstoß sollte jeden Sparer in höchste Alarm-Bereitschaft versetzen.

Cool, oder?

Während der aufrechte Deutsche den Zigeuner jagt, der sich ein Hemd von der Wäscheleine nahm, klaut ihm der Banker zehn Prozent seiner Ersparnisse.

Wetten, dass hinter dem Banker niemand herrennt, noch dass sich jemand Gedanken darüber macht, ob man Banker überhaupt ins Land lassen sollte?

Sollte man nicht – doch das ist eine andere Geschichte.

 

 

 

 

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