11.9.2001

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Dr. Daniele Ganser am Telefon zum neuen Buch „Imperium USA“

Am 25.4.2020 hat der Historiker Dr. Daniele Ganser mit Ken Jebsen über sein neues Buch „Imperium USA“ gesprochen, das Ende April neu auf den Markt kam. Nach Ansicht vieler haben die USA den stärksten destabilisierenden Einfluss auf das Weltgeschehen und stellen somit die grösste Bedrohung für den Weltfrieden dar (Allensbach 2019, Gallup International 2013). Diese traurige Spitzenstellung hat sich die Weltmacht Nr. 1 nicht von ungefähr erworben. Keine andere Nation hat seit 1945 so viele andere Länder bombardiert und so viele Regierungen gestürzt wie die USA. Sie unterhalten die meisten Militärstützpunkte, exportieren die meisten Waffen und haben den höchsten Rüstungsetat der Welt. Daniele Ganser beschreibt in seinem neuen Buch eindrücklich, wie die USA Weltmachtpolitik betreiben, in der Gewalt ein zentrales Element darstellt.

Die Kriege der Neuzeit, der Todeskampf der USA und das Versagen der „Linken“.

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Dienstag, 21.10.2014. Eifel. Wir befinden uns ja gerade im Krieg. Nein, nicht der mit Russland, jene neue, vom Westen gezielt herbeigeführte Wiederholung des kalten Krieges, der viel Geld in die Kassen der Rüstungsfirmen fließen lassen soll und wird. Ja – manchmal, wenn ich mir die brisante Entwicklung der letzten Monate so vor Augen führe, dann denke ich: es kann einem in der Tat so vorkommen, als wenn der Ukraine-Konflikt ein genialer Schachzug der Waffenlobby war – sobald die Forderung nach mehr Rüstung durchgewunken worden war, verebbte die üble Hetzkampagne gegen Putin in den Medien, ja, es wurden sogar selbstkritische Stimmen laut.

Ich meine auch nicht den Krieg reich gegen arm, der aktuell dazu führt, dass die Zahl der Obdachlosen in Deutschland seit 2010 um 15 % gestiegen ist (siehe Spiegel). Sicher, dass ist zwar schlimm, aber nichts, was unsere „Experten“ zum Nachdenken anregen würde.

Auch der Krieg alt gegen jung oder der Krieg gut gegen böse ist nicht gemeint, obwohl der durch ein aktuelles Buch gerade wieder ins Bewusstsein gerufen wurde. Karen Duve hat es geschrieben und erläutert, warum die Jugend gegen die Alten wie ´68 auf die Barrikaden gehen müßte, bevor die Alten jegliche Ressourcen aufgefressen haben und warum wir gerade in einem apokalyptischen Kampf „gut“ gegen „böse“ verstrickt sind (siehe Taz):

Selbstverständlich sind auch die Politik, der Kapitalismus und der Mensch als Gattung schuld. Vor allem aber ist es eine kleine Kaste ehrgeiziger, machtbesessener und risikobereiter Männer – teilweise echte Psychopathen –, die seit Urzeiten die Weltläufe und die Ideologien bestimmt und die langfristigen Interessen der Menschheit für den kurzfristigen Vorteil ihres Unternehmens aufs Spiel setzt, und zwar in jeder Staatsform, wie man am realen Kapitalismus sehen kann und am realen Sozialismus sehen konnte.

Gute junge Menschen gegen böse alte Menschen: noch ein Krieg, aber immer noch nicht der, den ich meine.

Ich meine den kommenden Währungskrieg. Ja, der Euro verliert an Wert, bald sogar massiv. Das könnte uns freuen, weil dann unsere Waren in den USA billiger werden. Es sollte uns aber nicht freuen, weil Öl in Dollar gehandelt wird: verliert der Euro an Wert, brechen unsere Spritpreise alle Höhenrekorde und man wird wegen einem vollen Tank mit seinem Bankberater sprechen müssen. Es ist aber nicht nur der Energiesektor, der dann Sorgen bereiten sollte: auch die USA selbst werden dann sauer. Klar: überschwemmen wir den Weltmarkt mit billigen Eurowaren, bleibt für die US-Firmen weniger übrig – deshalb droht der Währungskrieg.

Zwei wichtige Euro-Formate sprechen gerade darüber: der Focus und das österreichische Wirtschaftsblatt, in beiden Formaten kommen Experten zu Wort –  mit absonderlichem Ergebnis.

Der österreichische Nationalbankchef Ewald Nowotny jubelt über die anziehende Konjunktur: der billige Euro wird die Exporte nochmal nach vorne bringen (siehe Wirtschaftsblatt). Weitere Experten erwarten das nicht – und verweisen auf Japan, dessen Yen-Abwertung letztlich für die japanische Volkswirtschaft nichts gebracht hat (siehe Focus).

Ja – da steht ein Währungskrieg mit unseren mächtigsten Verbündeten ins Haus … gerade während einer Zeit, wo doch unsere Volkswirtschaften weiter zusammen wachsen sollen. Ja, da habe ich doch noch den Peter Tauber im Ohr, den jungenhaften Generalsekretär der CDU, der uns auf der Internetseite der CDU erklärt, warum das Freihandelsabkommen TTIP eigentlich so toll für Deutschland ist (siehe CDU).

Schon heute seien die EU und die USA wichtige Handelspartner. „Gemeinsam stehen sie für rund ein Drittel des weltweiten Handels. Sie erwirtschaften fast die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Was aber auch heißt: die sind direkte Konkurrenten. Ich habe mir die Rede von Herrn Tauber nochmal genauer angeschaut – und siehe da, ich fand da doch einen Satz, der verwunderte … zumal er ausgesprochen wurde, bevor die deutsche Öffentlichkeit überhaupt über den Währungskrieg informiert worden ist:

Fast nebenbei könne das Transatlantische Freihandelsabkommen auch einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die bestehenden Risse im transatlantischen Verhältnis zu kitten.

Ich würde ihn gerne fragen, welche Risse das eigentlich sind – und wie TTIP eigentlich wirkt, wenn man es mal aus der Sicht jener Menschen betrachtet, die sich in einem Währungskrieg mit der EU befinden, welche Möglichkeiten sich für unsere Währungsfeinde ergeben, sich ihrer lästigen europäischen Konkurrenz zu entledigen?

Andere sehen schon deutlicher, dass eine Annäherung an die USA enorme Folgen für die europäische Gesellschaft haben kann. Hören wir dazu doch mal einen direkten Konkurrenten des Herrn Tauber, den Herrn Michael Schlecht von den Linken:

Zwar ist die Wirtschaftsleistung der USA in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, die us-amerikanischen Beschäftigten arbeiteten immer produktiver. Dieser Wohlstandszuwachs jedoch floss komplett in die Taschen der Unternehmer. Aufgrund ihrer schwachen Verhandlungsmacht konnten die Beschäftigten nur Lohnerhöhungen erreichen, die gerade mal die Inflation ausgleichen.

25 Jahre ohne reales Einkommensplus – das ist schon echt eine Leistung eines flexiblen Arbeitsmarkts.

Ja – da wären wir doch wieder bei dem Krieg arm gegen reich – einem Krieg, bei dem deutsche Unternehmen übrigens nicht auf der Seite der deutschen Bevölkerung stehen. Von den billigen Löhnen vor allem im Süden der USA profitiert unter anderem der mächtige deutsche BMW-Konzern mit seinem Werk in Spartanburg, die mächtige Deutsche Bank empfiehlt schon lange die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes nach US-Vorbild … zum Schaden deutscher Arbeitnehmer. Noch eine Front, die es zu beachten gilt.

Die Macht der Konzerne wird durch dieses TTIP-Abkommen enorm vergrößert, Staaten werden für entgangene Profite in Haftung genommen (wenn ich allerdings mal als Verkäufer von Aldi die Regierung verklagen möchte, weil sie die Einführung elektronischer Kassen nicht aufgehalten hat, steht mir niemand bei … außer das Jobcenter mit Sanktionsandrohungen, wenn es mir nicht schnell genug gelingt, einen neuen Job für mich zu erfinden) und auch der ganz öffentliche Sektor inklusive Bildung ist in Gefahr, von Konzernen übernommen zu werden (siehe Netzfrauen).

Dabei hat der US-Präsident Obama kürzlich erst gesagt, wozu die wirtschaftlichen Anstrengungen der USA dienen (siehe Heise):

Nach Obama würden die Menschen auf der ganzen Welt erwarten, dass die USA vorangehen. Die Amerikaner seien schließlich „die Erben eines stolzen Vermächtnisses der Freiheit“. Man habe diese Woche der Welt gezeigt, „dass wir darauf vorbereitet sind, das Notwendige zu tun, um das Vermächtnis für die kommenden Generationen zu sichern“.

Gut – er meinte damit, dass die USA jene Nation sind, die alle möglichen Koalitionen gegen alle möglichen Feinde schmieden – aber genau genommen gilt dieses Ziel der „Sicherung des Erbes“ doch für alle Lebensbereiche, oder?

In dem Sinne ist eine Information der FAZ sehr interessant: Fannie Mae und Freddie Mac sind wieder im Spiel:

Die Hausfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac standen im Mittelpunkt der Finanzkrise in Amerika und wurden mit 188 Milliarden Dollar herausgepaukt. Eigentlich sollten sie abgewickelt werden. Doch nun wird ihre Rolle noch gestärkt.

Ihre Rolle …. ja, da sollte man sich dran erinnern:

Fannie Mae und Freddie Mac vergeben dabei selbst keine Hauskredite, sondern kaufen diese den Banken ab, verpacken sie zu Bündeln und verkaufen diese als hypothekenbesicherte Wertpapiere an Investoren. Gegen Gebühr sichern sie die Investoren auch gegen Verlustrisiken ab. Zusammen mit der Hausfinanzierungsagentur des Bundes besitzen oder garantieren Fannie und Freddie fast die Hälfte aller ausstehenden Hypotheken in den Vereinigten Staaten.

So wurden die Schrottpapiere in Massen produziert, die letztlich die Weltwirtschaft ins Wanken brachten. Jetzt, wo Goldman-Sachs-Mann Draghi wieder forderungsbasierte Wertpapiere aufkauft (ja, genau: den Ramsch, den die Banken sich in den USA gekauft haben), haben Fannie Mae und Freddie Mac wieder einen Sinn: weitermachen. Das sichert das Vermächtnis für die kommende Generation.

Ach ja – das Vermächtnis. Ich fürchte, dieses Vermächtnis müssen wir uns kurz mal anschauen. Der Deutschlandfunk hat dies kürzlich getan – in Form einer Buchbesprechung:

George Packer erzählt in seinem Buch „Die Abwicklung“ intelligent und anschaulich vom Verfall der sozialen, politischen und ökonomischen Strukturen in den USA, die lange für Stabilität sorgten. Durch die detaillierten Langzeitbeobachtungen und die kluge Auswahl seiner Protagonisten lassen sich Entwicklungen verfolgen, die möglicherweise auch auf Deutschland zukommen.

Das „Ende des american Dream“? Die „Abwicklung des alten Amerika“? Ja, was will denn Obama da überhaupt noch sichern? Lauschen wir weiter dem Deutschlandfunk – über die Träume des in Frankfurt am Main geborenen US-Milliardärs Peter Thiel:

Thiels Schlussfolgerung war pragmatisch: Er investiert jetzt in Technologien zur Verhinderung des Todes, die nur Billionären wie ihm zur Verfügung stehen. Falls das nicht klappen sollte, setzt er außerdem auf die Gründung schwimmender Kolonien in den Weltmeeren, wo der Pöbel keinen Zutritt hat. Demokratie jedenfalls ist in Thiels Augen eine Bedrohung für die Zukunft.

„Als Liberalist begrüßte er ein Amerika, in dem weder auf die alten Institutionen mehr Verlass war, noch auf die Gemeinschaften, die lange das einzige Sicherheitsnetz geboten hatten, die jedem, der dazugehörte, eine Stelle im Leben angewiesen und die gemeinsamen Ziele vorgegeben hatten. All das widersprach Thiels Vorstellungen zutiefst.“

Leute wie Peter Thiel waren eine Hauptmotivationsquelle für den politischen Journalisten Georg Packer:

Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte versetzt ihn in Wut, und er verwandelt diese Wut in einen scharfsichtigen, kritischen Blick auf den Eigennutz und die Kurzsichtigkeit der amerikanischen Elite.

Nun – wie wir sehen, sind wie schon wieder beim Kampf gut gegen böse gelandet. Für die Bösen stellt die Demokratie eine Bedrohung da, sie träumt von einem ewigen Leben auf schwimmenden Kolonien in den Weltmeeren, fernab des lästigen Volkes: faschistoide Träume einer neu erwachenden Herrenrasse, die Menschen nur dann ernst nehmen, wenn sie über Milliarden Dollar herrschen (ich schätze mal, die oben erwähnten“Billionäre“ sind ein Übersetzungsfehler).

Und so produzieren jetzt Fannie Mae und Freddie Mac weiter Ramschpapiere für die EZB, um in den USA weitere Milliardäre zu produzieren, während Obama als Führer der Welt dafür sorgt, dass deren Vermächtnis sicher bleibt.

Wie weit gehen die eigentlich bei der Absicherung ihrer Privilegien?

Darf ich mal ganz kurz Wikipedia zitieren – über den ehemaligen Drogenfahnder, CIA-Enthüller und Buchautor Michael C. Ruppert?

In seinem Buch Crossing the Rubicon schrieb er über den Einfluss der sinkenden weltweiten Ölreserven (Peak Oil) auf die Neuausrichtung der Geopolitik der USA in den letzten Jahren. In dem Buch vertritt Ruppert die These, dass die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA ein von staatlicher Seite benutztes Hilfsmittel im Dienste dieser Neuausrichtung waren. Das Buch ist eines der drei meistverkauften Sachbücher zum Thema in den USA.

Am 25. Juni 2006 wurde in die Redaktionsräume von From the Wilderness eingebrochen. Die Einbrecher stahlen nichts, sondern brachten alle sieben Computer in einen Raum und zerstörten sie systematisch mit Vorschlaghämmern.

Am 29. September 2008 veröffentlichte Ruppert in einem Artikel, dass er sich in persönlicher Gefahr („I am in personal danger now“) befinde, da er den unausgesprochenen Handel mit der Regierung, zurückgezogen zu leben und nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, gebrochen habe („I have broken an unspoken deal with the government to remain retired and not speak out.“)

From the Wildernis war (und ist) die Internetplattform, die sich mit Rupperts Thesen befasst (siehe FtW).

Im April 2014 hat Herr Ruppert dann auch folgerichtig Selbstmord begangen.

Spannend daran: relativ kurz zuvor wurde ein Film im History-Channel gezeigt, ein Film, in dem es über den drohenden Niedergang des US-Imperiums ging. „Die Vorzeichen der Apokalypse“ hieß der Film (hier noch bei Dokumonster archiviert). Hier erleben wir einen Michael C. Ruppert, der noch sehr engagiert scheint und viele Anregungen dazu gibt, als US-Bürger dem Untergang seines eigenen Landes nicht zwanghaft zu folgen. Nun – wollen wir keine Verschwörungstheorien in die Welt setzen – immerhin gibt es ja einen Abschiedsbrief von ihm (siehe reaseningconspiracy) – und es soll ja auch schon mal vorkommen, dass Menschen, die wider den Wünschen der US-Regierung mit unliebsamen Wahrheiten an die Öffentlichkeit gehen einfach zufällig und passenderweise sterben.

Ja – das kann wirklich vorkommen.

Auch bei denen, die behaupten, es sei staatlicherweise notwendig gewesen, die Anschläge vom 11.9.2001 durchzuführen, um „das Vermächtnis für die kommenden Generationen zu sichern“.

Doch kehren wir zurück nach Deutschland, zu den Kriegen, die dieses Land gerade mitmacht – wobei ja der Währungskrieg noch gar nicht offiziell ausgerufen wurde. Wie reagiert eigentlich unser intellektuelle Oberschicht darauf, von Kriegen an allen Enden bedroht zu werden? Ruft sie auf zu jenen neuen Revolutionen, zu jemen neuen „`68“, dass Karen Duve aktuell fordert? Was machen die, die kraft ihrer staatlich subventionierten Ausbildung eigentlich die Pflicht hätten, dem Land in Zeiten der Not mit ihrem Geist und ihrem Intellekt beizustehen – kurz: wo sind die kritischen „Linken“ im Zeitalter der versuchten Anbindung Deutschlands an den sterbenden Koloss USA?

Hören wir dazu die Soziologin Cornelia Koppetsch in einem Interview der Zeit:

Die bürgerlichen Milieus von heute leisten sich Biokisten, Terrakottafußböden, Holzspielzeug für die Kinder und Yogakurse zur Entspannung. Sie kultivieren Kirchenbesuche statt Ostermärschen und erklären die intakte Kleinfamilie zum höchsten Ideal der Lebensführung. Die Reste alternativer Entwürfe, getragen von Werten wie Autonomie, Selbstverwirklichung und Authentizität, sind in die Sphäre des Konsums gewandert.

Man konsumiert mit seiner geballten Kaufkraft noch linksromantisch, man sitzt in Szenecafés und macht es sich hinter Gründerzeitfassaden gemütlich, hat aber jeden Begriff politischen Handelns verloren. Die Linke ist inzwischen konservativ geworden.

Konsumzombies sind sie geworden. Menschen, die den Fetisch „Konsum“ als großen Zauber der Moderne entdeckt haben, als einziges Mittel, dass ihnen geblieben ist, um in einer „Gesellschaft der Angst“ (siehe hierzu den Soziologen Karl-Heinz-Bude im Spiegel) zu überleben. Atomkriege, Ölknappheit, Klimakatastrophe, Währungskriege, Ramschanleihen, Anstieg der Obdachlosigkeit, apokalyptische Kämpfe „gut“ gegen „böse“ … alles egal, solange nur der Junior durchs Gymnasium gepeitscht wird und Ikea Terrakottafliesen im Angebot hat.

Unserer linke Elite ist nicht weniger soziopathisch als die andere Elite, der wir laut Frau Duve unseren Untergang zu verdanken haben … und da kann man schon verstehen, warum Michael C. Ruppert sich das Leben genommen hat. Im Krieg „gut“ gegen „böse“  bauen die Bösen die Welt nach Belieben um, während die Guten glücklich auf ihren Terracottafliesen sitzen und mit ihrem einzigen Kind zusammen Disneyfilme gucken: und das ist der ganze Widerstand, den sie den hochkochenden Kriegen aller Coleur noch entgegensetzen können.

Ob das ausreicht?

 

 

 

 

 

 

 

11.9.2001 – wie nine-eleven die Welt veränderte … und wie wir darauf reagieren könnten

eifelphilosoph_200

eifelphilosoph_200Donnerstag, 11.9.2014, Eifel. Können Sie sich heute noch an den 11.9.2001 erinnern – den ersten Tag der neuen Zeitrechnung? Also: ich kanns. Vormittags hatte ich während einer Geschäftsreise eine kurze Pause bei meiner Mutter gemacht. Während des gemütlichen Kaffeetrinkens kam ein Anruf ihrer Freundin: in Amerika würden überall Flugzeuge vom Himmel fallen und in Häuser stürzen.

Nun – ihre Freundin war auch schon etwas älter … also schalteten wir den Fernseher ein. In der Tat – ein paar Flugzeuge waren in Häuser gestürzt. Die Türme standen noch.

Ich hatte nicht viel Zeit, die Show zu genießen, mußte weiter nach Münster zur Messe und nach dem Rechten schauen.

Auf der Messe gab es etwas abseits einen großen Bildschirm an der Wand – hier liefen nur Nachrichten über die Ereignisse in New York. Es interessierten sich nicht viele dafür – das war aber normal. Immerhin war es Pharmaindustrie, die sich dort traf – Abteilung Medizintechnik – da interessiert man sich nicht für Menschen, sondern für Profit. Da nine-eleven nicht profitträchtig war, waren andere Geschäfte wichtiger.

An unserem Stand war nicht viel los, wir waren überbesetzt – das erlaubte mir, ab und zu einen Blick auf die Tafel zu werfen. Mir kam sofort der Gedanke, dass ab heute nichts mehr so sein würde, wie zuvor … einen Satz, den ich danach dutzendfach vernommen hatte. Alle hatten Recht damit: der Tag veränderte das Leben der Menschheit auf dem ganzen Planeten … wird nur selten drüber nachgedacht.

Gut – mit dem Denken hat es der Deutsche nicht so. Gehorsam, Disziplin, Nibelungentreue – das sind so seine Domänen. Frauenverachtung, Menschenjagd und Mobbing sollen auch gerne praktiziert werden. Kein Wunder, dass das Thema nine-eleven bei uns so langsam in Vergessenheit gerät, mehr berührt uns die Frage, wie „Wetten Das“ weitergeht: TV-Formate bestimmen für uns schon längst die Definition von „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“.

Dabei sind die Folgen von nine-eleven überall in Deutschland zu spüren.

Ein Beispiel?

Gern.

Der Bundespräsident Johannes Rau hatte am 11.9.2001 in Helsinki eine Rede gehalten, die sich direkt auf die Anschläge bezog: offenbar konnte er gut improvisieren. Seine Worte zeigen noch auf, wie außerordentlich weise und friedensorientiert dieses Land noch 2001 war. Lauschen wir seinen Worten ein wenig (siehe Bundespräsident):

Die Nachricht, die uns diese Leidensgesänge vermitteln wollen, ist älter als das Mittelalter und älter als unser Leben. Diese Nachricht heißt: Hass zerstört die Welt und Hass vernichtet Menschen. Darum geht es überall, in Finnland und in Deutschland, in Europa und in Amerika, im Nahen Osten und im fernen Asien: Dem Hass zu widerstehen und der Nächstenliebe Raum zu schaffen. Wer nicht hasst, sagt auch Nein zur Gewalt. Wer Nein zu Gewalt sagt, macht das Leben unserer Kinder erst möglich.

Das klingt weise, oder? Perfekt angemessen für einen weisen Bundespräsidenten, den Repräsentanten einer friedlichen, demokratischen Republik.

Wollen Sie wirklich wissen, was der heutige Bundespräsident so von sich gibt? Die Süddeutsche beschreibt seine Position kurz und knapp (siehe Süddeutsche):

Deutschland habe jahrzehntelang die gebotene Zurückhaltung gezeigt. Dies müsse sich ändern, meint Bundespräsident Gauck. Es solle mehr zur Lösung internationaler Konflikte beitragen – notfalls mit Kampfeinsätzen der Bundeswehr.

Auch in der aktuellen, brandgefährlichen Krise um die Zustände in der Ukraine gießt der Ost-Pfarrer gerne „Öl ins Feuer“ (siehe Süddeutsche): aus dem Friedensamt ist ein Kriegsamt geworden, das gerne die militärische Führung im Land übernimmt.

Welch ein Unterschied zu dem Demokraten aus dem alten Westen! Ich weiß natürlich nicht, ob der Unterschied nur aus der sozialistischen Sozialisation entstanden ist – oder nur aus Befolgung der Direktiven jener Akteure, die für die Möglichkeit, dass ein Gauck Präsident der Bundesrepublik Deutschland wird, hauptsächlich Verantwortung tragen, in dem sie Großdeutschland überhaupt erst wieder möglich gemacht haben.

Johannes Rau rief zum Kampf gegen den Hass auf – zum Kampf für Nächstenliebe. Das wäre ein Kampf für wahre Helden. Wir haben uns für etwas anderes entschieden: für den Weg der Feiglinge. Wir sagen JA zur Gewalt … und zerstören so das Leben unsere eigenen Kinder.

Seitdem ist einiges möglich geworden: wir überfallen andere Länder. „Wir“ – das ist auch die Bundeswehr, die in Afghanistan mit dabei war. Die Lüge hat Einzug gehalten in die Politik – sogar die große Lüge, die Lüge der Diktatoren und Wahnsinnigen, die unter Vortäuschung falscher Tatsachen andere Länder überfallen – früher hätte man so etwas nur einem Hitler zugetraut, heute erleben wir dassselbe bei großen Demokratien.

Hass zerstört die Welt – Hass vernichtet Menschen.

Unter dem Stichwort „Guantanamo“ haben wir erleben dürfen, wie eine demokratische Nation bewusst und absichtlich – also voll verantwortlich für das, was da geschieht – einen rechtsfreien Raum schafft, um Folter an wilkürlich festgesetzten Menschen wieder möglich zu machen: eine Terrorherrschaft der besonderen Form hat sich vor unseren Augen etabliert, weltweit sind Häscherkommandos im Einsatz, um Futter für das rechtsfreie Lager auf Kuba zu finden – und niemand stört sich daran, noch fragt man sich: was ist eigentlich in die Amerikaner gefahren?

Nun – was in die Amerikaner gefahren ist, ist das gleiche, was in die Deutschen gefahren ist: die Angst vor Hass. Neue Gesetze haben den Hass in den USA erlebbar gemacht – sogar ein neuer Sport hat sich entwickelt: „swatting“ hetzt harmlosen Zeitgenossen paramilitärische Einsatzkommandos auf den Hals – aus Spaß (siehe Spiegel).

Ja – nine-eleven war für Bin-Laden ein voller Erfolg: er hat die USA in einen Polizeistaat verwandelt. Merken Sie, dass wir uns für diese Sichtweise überhaupt nicht mit „Verschwörungstheorien“ auseinandersetzen müssen? Nine-eleven hat der großen Demokratie USA einen Todesstoß versetzt: schlimmer als durch die eigene Regierung wurden noch nie die Bürgerrechte eingeschränkt, der „Patriot Act“ gab FBI und CIA weitreichend Befugnisse … bezüglich Abhörmaßnahmen, Konteneinsicht und Einsatzgebieten (siehe Wikipedia).

Wer wurde da wirklich Feind der Bürger? Wer sähte den Hass im eigenen Land?

Und wie geht es den Bürgern sonst so – in einer Kriegswirtschaft? Ihre Leiden steigern sich in ungeahntem Ausmaß, aber Dank der Allgegenwart der Sicherheitsbehörden behält man die Kontrolle über die Massen, die man zur Not ohne Gerichtsbeschluss verhaften kann. Kommen Sie doch mal mit, begleiten Sie mich bei einem Besuch im US-Landwirtschaftsministerium, das für die Lebensmittelmarken zuständig ist (siehe usda.gov): 2001 wurden 17 Millionen Lebensmittelmarken ausgegeben, um das Verhungern der Ärmsten zu verhindern. 2013 sind es bereits 47 Millionen … ein Anstieg von über 275 Prozent!

Sehen so Sieger aus?

Und sonst? Wie siehts sonst auf der Welt aus?

Lauschen wir dazu Stefan Kuzmany, der heute ein paar Worte zum Jahrestag von nine-eleven im Spiegel veröffentlicht hat (siehe Spiegel):

Die alte Angst lauert wieder in den Nachrichten aus aller Welt, an einem Tag wie heute kann man sich um viele Jahre zurückgeworfen fühlen. Der Nahostkonflikt scheint unlösbarer, der islamistische Terror bedrohlicher denn je, und man kann schon froh sein um jede Stunde, in der im Osten der Ukraine niemand er- oder abgeschossen wird. Dafür entsteht dort gerade ein neuer Eiserner Vorhang, und bildmächtig präsentiert die Bundeswehr deutsche Kampfjets in Lettland, eine Alarmrotte zum Einsatz gegen eindringende russische Flieger. Vor zwanzig Jahren schloss die Nato eine „Partnerschaft für den Frieden“ mit Russland, von der ist längst keine Rede mehr, im Gegenteil: Die Jahre der Annäherung scheinen wie weggewischt, im Radio läuft wieder „Land of Confusion“ und im Baltikum spielen sie „Top Gun“.

Wie es aussieht, hat der „Kampf gegen den Terror“ den Terror richtig stark und die USA richtig schwach gemacht … jedenfalls ihre Bürger, die jederzeit mit Hungersnöten und SWAT-Terror rechnen dürfen.

Partnerschaft für den Frieden? Nur noch interessant für „Sozialromantiker“ und „Putinisten“ – neue Schimpfwörter aus der verbalen Waffenkammer der Apostel des Hasses, die – wenn wir Johannes Rau da mal folgen wollen – die Welt zerstören, die Menschheit vernichten und das Leben unserer Kinder unmöglich machen.

Neue politische Gestaltungsmöglichkeiten haben sich ergeben – und werden genutzt. In Zeiten einer großen Krise in der Ukraine macht man … gemeinsame Manöver mit einer Regierung, deren Legitimität angekratzt ist (siehe Spiegel): aus der Partnerschaft für den Frieden sind deutliche Signale einer Kameradschaft für den Krieg geworden. Aber noch schlimmer: der Triumph des Hasses über die Nächstenliebe gebiert täglich neue Ungeheuer – hören wir nochmal Herrn Kuzmany dazu:

Gerade hat der US-Präsident Barack Obama seine Nation und mithin die westliche Welt auf einen neuen Krieg gegen den Terror eingeschworen, diesmal muss der sogenannte „Islamische Staat“ vernichtet werden, eine entfesselte Horde, die mit ihrer Wucht und verrohten Grausamkeit selbst al-Qaida in den Schatten zu stellen scheint.

„Eine entfesselte Horde voller verrohter Grausamkeit“ … mit dieser mythischen Sprache sind wir jenseits der Menschlichkeit im Reich der Hobbits und Orks angekommen. Darf man fragen, welche Ungeheuer nach dem neuen „Krieg gegen den neuen Terror“ geboren werden?

Nein, darf man nicht. Eine weitere Folge von nine-eleven ist: der Bevölkerung ist es bei Strafe durch völlige soziale Ächtung verboten, Wahrheitstheorien über politische Abläufe zu bilden, den Auslegungen und Deutungen der politischen Wirklichkeit durch die jeweils jeglichem Lobbyismus offen zugänglichen Regierungsvertretern ist kritiklos Folge zu leisten.  Oder – einfacher gesagt: Verschwörungstheorien sind böse. Dabei sind Verschwörungstheorien von heute immer die Skandale von morgen und die lehrreichen Fundstücke der Geschichte von übermorgen. Aber: per Erlass des US-Präsidenten (bzw. durch seine mündliche Anordnung) ist jede Kritik an der Regierungsmeinung extrem unerwünscht … deshalb dürfen wir auch nicht weiter nachfragen, warum ein John McCain überall dort auftaucht, wo staatliche Strukturen destabilisiert werden, ebenso wenig werden wir uns über die Seidenstraßenstrategie der USA informieren (es sei denn, jemand googelt jetzt).

Alle halten sich an diesen öffentlichen Maulkorberlass, der Wahrheitsfindung zum Entschlussakt der Regierung werden läßt. Kein Wunder: den Regierungen in aller Welt gefällt so eine Haltung.

Wir brauchen aber auch keine Verschwörungstheorien, um unsere Schlussfolgerungen zu ziehen. Wer definitiv seit 13 Jahren die Welt mit Terror überzieht, ist die Regierung der USA. Das ist Fakt und wird auch nicht geleugnet. Den gleichen Terror erleben wir im Inneren der USA – er erreicht gerade wieder in Fergusson einen neuen Höhepunkt. Einmärsche in fremde Länder, gezielte Eskalationsstrategien, Einmischungen in innere Angelegenheiten, tausendfacher Drohnenmord: das geht alles ganz öffentlich vor sich, da ist nichts geheim, nichts verborgen. Ebensowenig bleibt irgendetwas den Spionen der NSA verborgen, das mussten wir bitter lernen.

Aber: nein, wir fragen auch nicht nach, warum die allmächtige NSA überhaupt nichts von den Absichten Bin Ladens erfahren hat.

Was wir machen – wir Deutschen – seit dem 11.9.2001? Wir haben verstanden!

Wir haben verstanden, dass Mächte des Hasses die Welt überfluten, Mächte, denen wir infolge gezielter Desinformation völlig hilflos gegenüber stehen … und deshalb verkriechen wir uns zu Hause in unsere vier Wände (siehe Spiegel):

In ihrer Freizeit verlassen die meisten Deutschen laut „Freizeit-Monitor“ das Haus lieber nicht. Fernsehen ist immer noch Lieblingsbeschäftigung, außer bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Seit dem 11.9.2001 – und seit den daraus resultierenden Entwicklungen – haben die Deutschen verstanden, dass sie keine Chance haben zu verstehen, was auf einmal da draußen los ist, draußen, in der Welt jenseits ihrer Haustür, wo sogar schon Arbeitslose als Volksfeinde vogelfrei gestellt werden. Schauen Sie sich mal an, wie sich die Demonstrationskultur in Deutschland seit dem 11.9.2001 verändert hat: sie ist fast völlig erloschen. Wer sich trotzdem auf die Straße traut, muss damit rechnen, massiv persönlich angegriffen zu werden.

Noch ein Beispiel, wie der Hass seitdem die Welt regiert? Bitte, lesen Sie (siehe Zeit):

Deutsche Polizisten sind weit davon entfernt, wie ihre US-Kollegen mit gepanzerten Fahrzeugen und Granatwerfern auf Streife zu fahren. Doch die Haltung, mit der die Beamten den Bürgern gegenübertreten, ändert sich. Ein Polizist mit gezückter Dienstwaffe könnte bald ein gewohntes Bild werden.

„Was beim Friseur der Kamm ist, ist bei uns die Waffe“, sagt ein Berliner Polizeiausbilder. Er bringt den Polizisten in der Ausbildung und später beim Schießtraining bei, dass sie ihre Dienstwaffe früher ziehen sollen, erklärt er.

Noch ein paar Jahre, dann sind auch die mit Granatwerfern und Panzerwagen auf Streife. Keine Sorge – war früher in den USA auch undenkbar, allein die Kosten wären zu hoch gewesen …. erst recht aber die Gefahren für Unbeteiligte: die Achtung vor ihnen hätte den Einsatz unpräziser Granatwerfer undenkbar sein lassen.

Was wäre wohl gewesen, wenn wir – nur als Deutsche – 2001 wohl dem Herrn Rau gefolgt wären … und uns gegen den Hass entschieden hätten? Wir hätten die Gandhis der Welt werden können – anstatt die Söldner in einem verlorenen Anti-Terror-Kampf, der das amerikanische Volk in die Hungersnot trieb, das Ansehen der USA ins Bodenlose sinken läßt  und ständig neue Terrorungeheuer gebiert – eins schlimmer als das Andere.

So jedoch ist aus der Welt der Nächstenliebe eine Welt des Hasses geworden … und wir werden alle dafür einen hohen Preis bezahlen.

Das tun wir schon jetzt.

Die große Hoffnung für uns? Das es wirklich eine Hand voll Verschwörer waren, die die Welt ins Chaos stürzen wollte. Die kann man isolieren und verhaften und den alten Kurs des partnerschaftlichen Miteinanders fortsetzen, der Wirtschaft und Demokratie wachsen und gedeihen läßt. Wäre ein schwerer, blutiger Weg – aber gangbar.

Wenn wir Pech haben, ist es nur menschliche Dummheit, die unseren Weg diktiert – dann ist das Ende unabwendbar.

Es sei denn, wir kehren um und werden weise wie Johannes Rau, Mahatma Gandhi oder Christus persönlich. Letzterer hat – im Angesichts der Schrecken des römischen Imperiums – eine generelle Abkehr von der Kultur des Hasses empfohlen.

Leider auch vergeblich.

 

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