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Dirk Pohlmann – Sofatalk

Dirk Pohlmann ist freier Journalist und Drehbuchautor vor allem für Dokumentarfilme. Er kennt sich aus in der Medienwelt und spricht mit David Vandeven im Sofatalk darüber.

Die Kopftransplantation

Eggink01

Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eggink

Florian Prosch i.A. der Piccolo Puppenspiele für die WP – Archiv der Piccolo PuppenspieleHandpuppe „Kasper“ von Theo Eggink; Fundus der Piccolo Puppenspiele

Wenn der Beschauarzt kommt zu einem möglichen Toten
dessen Herz schlägt noch und der Körper ist noch warm
der Arzt stellt den Totenschein aus und kassiert damit Banknoten
kommt man drauf, dass der Tote noch lebte, dann ist der Beschauarzt arm

Doch um dieses Gesetz zu umgehen
muss man nach dem Hirntode sehen
denn willst Du ein Organ entnehmen
muss das lebend noch geschehen

dieses neue Gesetz besagt
dass Du wirst nicht geklagt
wenn Du einem herzschlagenden Patient
entnimmst die Organe ganz behend

Wenn die Menschen völlern und saufen
bekommen sie Diabetes und Zirrhose
und wenn sie wie die Schlöte rauchen
dann brauchen neue Ersatzteile in Narkose

Wenn andere auf der Straße rasen ohne Ende
werden sie bald zur nötigen Organspende
die Organspende ist ein gutes Geschäft
das ist den Händlern und Verwertern nur recht

für ein gutes Organspende-Business
brauchts keine Tempolimits und ganz viel Stress
wer in Ruhe zur Arbeit will, fährt mit der Bahn
da kommt er in D oft zu spät, aber sicher an

da es nun gibt bald ein neues Gesetz über den Tod
kommt die Moral jetzt immer mehr in Not
vor allem wenn der Hirntod ist bald das Recht
dann ist das für hirnlose Banditen schlecht

denn wenn ein hirnloser Gauner ja offiziell nicht lebt
er in großer Todesgefahr schwebt
es könnte ja sein, dass ein von ihm Betrogener meint
dieser Bandit ist hirnlos, wie es scheint

da sieht der Betrogene sich im Recht
und dem Banditen geht es schlecht
flugs ist sein Leben ausradiert
der Betrogene denkt, dass ihm selbst deshalb nichts passiert

doch um diese Gefahr zu vermindern
möchte man in Bayern das gerne hindern
es kann da jeder ganz ohne Grund
angehalten werden, auch nicht vermummt

und eins zwei drei
hat jeden die Polizei
viele oben dürfen ihr Hirn gar nicht zeigen
sich nicht in Wärme den Bürgern hinneigen

Sie müssen die Unwahrheit sagen
auch wenn sie darüber klagen
und schon können die Bürger meinen
da oben sind hirnlose Vereine

und weil man ja nicht geduldig stillhalten will
für manche Bonzen gibts rasch einen neuen Kopf
eine Kopftransplantantation ist ja ohnehin nicht viel
und denkt der dann noch immer nicht, so pack ihn halt am Schopf

doch wenn der Kopf dann herunterfällt
und die Weisheit am Boden zerschellt
da war die Operation verfehlt
das kostet den Operateur viel Geld

Doch die Kopftransplantation
Kannte man schon im alten Rom!
Da kamen wahnsinnigen Cäsaren rasch zum Sturz
Ihre Regierungszeit die war oft kurz

Deshalb wurde auf den Statuen oft nur der Kopf getauscht
die Cäsaren waren trotzdem auch von ihrer Macht berauscht
die Köpfe musste man nur schrauben
dass das heute nicht mehr nötig ist könnt Ihr mir glauben:

Ein Entscheidungsträger kommt zu Verantwortung und hohen Ehren
da kann er sich seiner Berater gar nicht mehr erwehren
sein eigenes Gehirn das schickt er dann in den Ruhestand
geht er selbst in Rente, dann wird ihm das Denken wieder zuerkannt

Bei Tante Merkel hat gut keklappt die Geschicht
deshalb hat sie so ein merkwürdiges Gesicht
sie beherrscht die Kunst zu manipulieren
und viele tun das nicht kapieren

Eliten, Staat und Religion
das ist die Kunst der Manipulation
nicht nur im alten Rom
kannte man das schon

Die Moral von der Geschicht
verlier die Hoffnung nicht
lass das Land nur mehr von Rentnern regieren
da können wir nichts mehr verlieren

Lass doch Dein Denken nicht der Obrigkeit
da kommen wir alle nicht weit
da werden wir alle nicht gescheit
sei zu Änderungen gern bereit

doch an Stelle auf die da oben zu zielen
könnte man seinen Wissensdurst stillen
selber bauen gute Gedanken
die auch vor der Lüge nicht wanken

 

Etwas Altes, Etwas Neues

dav


Eigentlich ein Test, aber mit Video

Dr. Daniele Ganser: Können wir den Medien vertrauen?

Variation eines kalten Morgens



Die Dunkle Seite des Motors



Antifa-Terror … oder was? Faschismus auf dem Vormarsch

Dienstag, 20.2.2018. Eifel. Ja, ich bin ja froh, dass es die Antifa gibt. Ja – ich kann mich halt noch an die alten Zeiten im Ruhrgebiet erinnern, Ende der siebziger Jahre, wo braune Schlägerkommandos durch die Gassen schlichen und jeden zusammenschlugen, der nicht so aussah, als hätte er in der Hitlerjugend eine Chance auf ein Ehrenabzeichen. Damals kam dann – unterstützt von den damals noch lebenden Kommunisten – tatkräftige Menschen auf die Straße, die dem braunen Terror ein Ende setzen wollten … und letztlich gesetzt haben. Es war auf einmal nicht mehr so risikolos, Behinderte zusammenzuschlagen – das mag der stolze deutsche Nazi nicht. Er mit hundert Mann hinter sich, schwer bewaffnet, ihm gegenüber ein Rollstuhlfahrer jüdischen Glaubens: ja, das ist seine wahre Welt. Aber echter Widerstand? Nein, das hat der Führer nicht gerne – ein Grund, weshalb man ja damals ganz schnell alle umgebracht hat, die Widerstand im Sinn hatten.

Ja – damals. Damals – so lernte ich noch im Geschichtsunterricht – hatten die Kommunisten und Sozialdemokraten 300 000 Mann unter Waffen – mehr als die Reichswehr. Man hätte dem braunen Spuk einiges entgegenzusetzen gehabt … doch man fürchtete den Bürgerkrieg. Der kam dann auch, aber leise – gegen unbewaffnete Zivilisten, Frauen, Kinder, Behinderte. Ich mag auch gar nicht mehr Juden sagen, weil … die Reduktion auf die Mordopfer jüdischen Glaubens minimiert den Schrecken eines Systems, das wesentlich mehr Slawen ermordete als jüdische Mitbürger … und wir sollten uns nicht in Sicherheit wiegen, weil der Antisemitismus aus Deutschland gebannt worden sein soll. Sicher: immer noch kann man als CDU-Mann deutliche Worte sprechen (siehe Zeit):

„Im Januar sagte der Bürgermeister von Korschenbroich, Graf von Spee, während der Etatberatungen in seiner Gemeinde, daß „für den Ausgleich des Haushaltes einige reiche Juden erschlagen werden“ müßten.“

Das Tabu zerbricht – so lautete der Titel jenes Artikels aus dem Jahre 1986 – und in der Tat sah es so aus, als würde sich der braune Geist wieder über Deutschland erheben, hätte nun genug geruht, würde wieder nach Macht und Geltung streben, wieder Lager bauen wollen, in denen „die anderen“ leise beseitigt wurden.

Damals war ich froh darüber, dass es die Antifa gab. Man erinnert sich nicht gerne an die Zeiten, als Helmut Kohl die „geistig-moralische Wende“ beschwor, von der niemand jemals etwas bemerkt hatte – anders als von der Dominanz des „Share-Holder-Value“, die mit einem Schlag alle Firmen im Lande zu tributpflichtigen Vasallen erklärte, die keine sicheren, sauberen, sinnvollen Produkte mehr herstellen wollten, sondern nur noch eins im Sinn hatten: auf Kosten von Arbeitnehmern, Verbrauchern, der Umwelt und der Zukunft unserer Kinder Gewinne machen, koste es, was es wolle. Ja – schauen Sie ruhig skeptisch, aber: dass wir nun Keime in allen Gewässern haben, die gegen alle bekannten Antibiotika resistent sind (siehe Tagesschau), haben wir einer besonderen Art zu denken zu verdanken: einem Denken, dass im Prinzip (aber noch nicht im Detail) faschistoid ist – alles für mich, nichts für die anderen. Diese Keime könnten die Bevölkerung Europas Schaden zufügen wie die schwarze Pest – aber dafür wurde enorm viel Geld eingespart, das die Herren des großen Geldes einkassierten. Ist so ähnlich wie: reiche Juden für den Haushalt erschlagen.

Ebenso ist es mit dem Mikroplastik: früher nur in Flüssen, ist es nun überall auf der Welt (siehe Spektrum):

„Mikroplastik an Land stellt offenbar ein erheblich unterschätztes Problem dar: Die kleinen Kügelchen und Fasern aus Kunststoff sind in Böden und Binnengewässern inzwischen allgegenwärtig. Je nach Umgebung finde sich an Land das 4- bis 23-Fache der in Ozeanen üblichen Menge, schreiben Forscher um Anderson Abel de Souza Machado vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB).“

Ja – ich weiß: Umweltthemen sind langweilig wie die Debatte über Frauenrechte, aber sie trifft den Kern der Aussagen, die früher Antifaschisten vereinte – und höchst wachsam werden ließ: dort herrschte in der Tat die Überzeugung, dass Faschismus der politische Zustand einer kapitalistischen Gesellschaft ist, die in ihren Endzügen liegt … somit wäre es hochaktuell, gerade jetzt besonders wachsam zu sein. Inzwischen bedrohen die Spätfolgen des sterbenden Kapitalismus nicht nur Arme, Schwache und Hilflose, sondern zerstören die Lebensgrundlage der ganzen Menschheit – für Profit, der in Steueroasen nutzlos herumliegt. Was für ein Wahn! Und sozial: sieht es auch nicht besser aus. Die Armut nimmt beständig weiter zu – auf der anderen Seite wachsen irrsinnige Geldhaufen, die sich mit den Tricks der Banken noch ins Unendliche vermehren: wo soll das alles enden? Man wagt nicht drüber nachzudenken, denn: das hat schon der Historiker Götz Aly mit seinen Werken getan und nachgezeichnet, dass die Organisation der Massenvernichtung unter anderem auch ganz einfache, betriebswirtschaftliche Gründe hatte und die Idee der Massenaussiedlung jüdischer Bürger nach Madagaskar verdrängte. Es war einfach nicht mehr genug zu essen für „die da unten“ da (nein: die da oben litten nie), also … zerschredderte man ein paar Millionen von den Armen für die Wohllebe der Reichen (und natürlich für die Rationen der Soldatenfrauen, die man unbedingt bei Laune halten wollte).

Und auch im politischen Bereich macht sich die braune Sprache des Untermenschen langsam breit – eine Vorbereitung für die Entsorgung jener, die viel zu viel sind, mein Freund und Kollege Marigny de Grilleau hat dazu mal einige Aussagen gesammelt – über Ratten jagen, Sterilisierung und Hungertod ist ja schon alles im Gespräch (siehe Marigny de Grilleau).

Man sollte froh sein, dass es die Antifa gibt – bei solchen Zuständen. Tobt der Kapitalismus weiter durch die Gassen, bleibt bald nur noch der Faschismus als politisches System (und da haben schon einige Chief Execution Officers neidisch nach China geschaut, weil man da so schön durchregieren kann. Ist nur leider kommunistisch – aber die Methoden fänd´ der Führer auch toll – jeder Führer).

Die haben ja auch Gutes geleistet – es hatte schon seinen Grund, warum Boris Becker Fan dieser Gruppierungen war (siehe Focus). Sie haben herausgefunden, dass der Attentäter von Henriette Riek Ende der 90´er auf Rudolf Hess Gedenkmärschen war (siehe Spiegel) und wurden wegen ihrer Aufdeckungsarbeit sogar 2016 sogar vom Verfassungsschutz gelobt – die Bewegung, die ihre Ursprünge im Jahre 1923 hat, hat ihren Platz in der Gesellschaft gefunden.

Doch was höre ich heute?

Ich bekam einen Anruf von einem Freund von mir, der mich auf Vorfälle in Hamburg aufmerksam machte. Es gab eine Demonstration: „Merkel muss weg“. Unpolitische Menschen – sich mit einem seltsamen politischem Anliegen, denn: über den „Merkel-muss-weg-Blödsinn“ habe ich mich ja schon mal ausführlich geäußert. Wirkt wie: „Wenn der Jude erstmal draußen ist, ist alles heileheile“, das übliche Sündenbockprinzip, das schon seit Jahrtausenden Menschen das Leben kostet. Aber: das darf man in diesem Land noch sagen – und erst wenn man das nicht mehr darf, wird es kritisch. 50 Leute kamen auf diese Demo (manche meinen, es waren sogar hundert) und forderten: Merkel muss weg.

Was geschah dann?

Die Antifa marschierte auf. Und ich dachte: die gäbe es so gar nicht mehr. Sicher: wenn G 20 Gipfel sind, dann sind sie alle wieder da. Ist ja auch nach alter antifaschistischer Sitte die passende Gelegenheit: die Globalisierung – die als solche in unseren Landen gar nicht mehr hinterfragt werden darf, so als könnte man sie nicht per Gesetz einfach in allen Formen unterbinden – ist der Motor der aktuell laufenden Neofeudalisierungswelle, die Weltheit für Armut, Hunger und Ausbeutung sorgt. Doch auch da – sind sie seltsam, diese Gestalten: durchtrainiert, geübt darin, Autoscheiben einzuschmeißen – was nicht einfach ist, wie mir eine Freundin jüngst mitteilte, die ihre eigenen Autoscheibe mit einem Hammer zerschlagen wollte … dauerte ewig. Anders als bei diesen dunklen Gestalten, die ohne Rucksäcke in militärisch anmutenden Formationen durch die Straßen laufen. Doch wollen wir nicht weiter darüber spekulieren, wer da wirklich durch die Straßen tobte: in Hamburg bei der Demo gegen Merkel stellte sich die Antifa auf die Seite der Globalisierungsfürstin Angela Merkel.

Ich war verdutzt. Es war keine AfD-Demo – es waren eine Hand voll Bürger, die mit der Politik und Person der deutschen Bundeskanzlerin nicht einverstanden waren. Zu einer AfD-Demo wären sicher auch deutlich mehr Menschen gekommen: immerhin liegt die Partei aktuell in den Umfragen bei 16 Prozent, Tendenz – steigend. Ich habe die Menschen gesehen: gibt ja Internet und Videos – nicht gerade der übliche rechtsradikale Mob. Ohne hunderte Polizisten und noch mehr „Antifa“ hätte sich wahrscheinlich niemand drum gekümmert – die wären kaum wahrnehmbar gewesen. Darf man daran erinnern, dass unter Merkel „linksunten-indymedia“ verboten worden war – ein letzter Rest linker Plattformen in Deutschland?

Wer ist denn eigentlich diese Antifa? War die nicht schon lange tot? Jedenfalls … war es das, was ich im Laufe der Zeit so aus den Autonomen Zentren vernahm, in denen ich gelegentlich zu Gast war: die Musik gefällt mir (deutlich besser als die Karnevalsmärsche der Gegenwart), die Leute sind locker und freundlich, kleiden sich öfter mal in schwarz, aber wirken friedlich – und überhaupt nicht sportlich genug, um solche Bilder wie beim G 20 Gipfel zu erzeugen. 2016 habe ich mal eine Frau von der Antifa in Aachen reden hören dürfen, sie meinte aber, sie wäre gar nicht von der Antifa und irgendwie gäbe es so was ja auch gar nicht: womit sie Recht hat: antifaschistische Arbeit speist sich aus unterschiedlichen Quellen: SPD, KPD, MLPD, Gewerkschaften und freie Geister, Kirchenleute und CDU-Aktivisten findet man dort seltener. Was stört also so bei der Merkel-muss-weg-Demo (bei der es nach anderen Aussagen 230 Teilnehmer gab – im Laufe des Marsches schlossen sich noch andere an)?

Und vor allem: was stört so sehr daran, dass man die Initiatorin der Minidemo persönlich angreifen muss, ja, sogar ihr Haus und ihre Kinder angreift? Doch: Reifen wurden zerstochen, Wände beschmiert, das Kinderzimmerfenster eingeschlagen (siehe Mopo). Kennt man, solche Szenen aus dem dritten Reich, wenn es um Juden ging. War es die Antifa? Heißt nicht in gewissen Kreisen heute nicht alles schon Antifa, was nicht irgendwann mal an einer „Rettet-Hess-Demo“ teilgenommen hat? In den USA gilt die „Antifa“ (die – wenn sie überhaupt existiert – gar keine geschlossene Partei ist sondern ein lockeres Bündnis von Menschen, die den Führer nun mal eben nicht lieb haben … was man in diesem Land noch darf) inzwischen schon als eher terroristische Vereinigung (siehe njhomelandsecurity), wobei die unter Antifa eher Anarchisten verstehen – über die nochmal gesondert zu schreiben ist, weil sie ein ganz feines, hochgeistiges und friedliches Völkchen sind, die der urdemokratischen Meinung sind, dass Menschen niemals über Menschen herrschen dürfen … nicht in der Politik, nicht in der Religion, nicht in der Firma – aber das können Sie dann mit ihrem Chef selbst besprechen.

Genau genommen … weiß man gar nichts. Irgendwer erkärt irgendwen zu „Rechten“ … und deren Gegner dann zu „Antifa“. Cooles Spiel. Natürlich: wer eine CDU-Kanzlerin nicht mag, der kann nur „rechts“ sein. Wer Merkel verteidigt, kann nur ausgesprochener Antifaschist sein – womit die G-20-Antifa wohl so eine Anti-Antifa ist, weil sie die von der Antifa geschützte Merkel nicht mögen.

Wird langsam irre, oder?

Ist aber leicht zu erklären – brauche ich nur selbst nicht machen, dass hat schon Markus Günter getan (siehe FAZ: Kampf gegen Rechts: ein Volk von Antifaschisten)

„Wenn es stimmt, was Franz Werfel einst schrieb, dass nämlich neben dem Geschlechtstrieb kein Bedürfnis das Handeln des Menschen so sehr bestimmt wie die Sehnsucht nach moralischer Überlegenheit, dann ist leicht zu verstehen, warum der Kampf gegen Rechts solche Energien freisetzt: Er belohnt den Kämpfer mit einem maßlosen, ja mit dem denkbar größten moralischen Sieg überhaupt. Man stellt sich schließlich – irgendwie, im weitesten Sinne oder so – gegen Hitler und den Holocaust.“

Und das obwohl … es ja Hitler auch nur darum ging: sich (und bis zu einem gewissen Grad die Deutschen) über andere zu stellen. Und die anderen waren irgendwann nur noch Kosten auf zwei Beinen und mussten weg, damit die Bilanz stimmte. Gibt es diesen Trieb der moralischen Überlegenheit, dann ist er der größte Feind der Menschheit, denn: es braucht immer den anderen, der Unterlegen sein muss – da können sie ganz beliebige Namen einsetzen.

„Hinzu kommt, dass Antifaschismus noch nie so billig zu haben war wie heute. Früher konnte er das Leben kosten, heute kostet er nicht mehr als ein Lippenbekenntnis unter Gleichgesinnten – und schon gehört man dazu, zum erlesenen Kreis der Aufrichtigen, Anständigen, Tapferen. Die Kämpfer gegen Rechts bilden den Adelsstand der aufgeklärten Gesellschaft. Oder noch einen Schuss polemischer: Hier findet ein Ablasshandel statt; die moralische Überlegenheit kann man einfach erwerben, indem man dem Kampf gegen Rechts beitritt.“

In meiner Jugend bedeutete Antifaschismus noch handfeste Streitigkeiten mit Menschen, die offen NS-Symbole trugen – doch davon gibt es nicht genug.

„Der Kampf gegen Rechts braucht immer neue Nahrung. Er muss immer neue Objekte finden, die sich für Ableitung und Übertragung eignen – oder eben passend gemacht werden. Da es aber echte Nazis, Rechtsextremisten, Antisemiten und Rassisten nicht in ausreichender Zahl gibt, geraten auch Akteure und Strömungen ins antifaschistische Visier, die sich nur schwer unter den Begriff Rechts bringen lassen. Da verwischen dann schnell mal die Unterschiede zwischen NPD und AfD, da steht der konservative Flügel der CSU unter Faschismusverdacht, und Thilo Sarrazin liegt auf der Linie von Jean-Marie Le Pen. Auf Details kommt es nicht an. Wo antifaschistisch gehobelt wird, fallen sehr grobe Späne.“

Die schwarzen Listen derer, von denen das Land dringend gesäubert werden muss, müssen gefüllt werden. Sie kommen leicht drauf: Merkel zu kritisieren – selbst mit vernünftigen Gründen – reicht aus: sie sind rechtsradikal. So wahnhaft ist diese Zeit schon, in der selbstverliebte Herrenmenschen gerne Untermenschen jagen, der Arier braucht wieder seinen Slawen. Und es wird wirklich wieder völlig absurd in diesem Land, lauschen wir weiter Markus Günter:

„Mitunter nimmt der Wunsch, sich in die Pose des Kämpfers gegen Rechts zu werfen, geradezu pathologische Züge an wie im Fall des im Januar ermordeten Asylbewerbers Khaled Idris Bahray. Der zwanzig Jahre alte Mann aus Eritrea war in Dresden erstochen worden, und weil Dresden die Hauptstadt von Pegida ist, gingen 3000 Menschen ohne jede Kenntnis über Tat und Täter auf die Straße, um „Pegidas erstes Todesopfer“ zu beklagen. Volker Beck von den Grünen erstattete sogar unverzüglich Strafanzeige gegen die Kripo, die er mit den rassistischen Mördern irgendwie im geheimen Bunde wähnte. Auch hielt Beck es für denkbar, wenn nicht gar wahrscheinlich, dass die Polizisten die Spuren der rassistischen Tat verwischt hätten. Als dann ein Landsmann des Mannes den Mord gestand, ließen sich die Demonstranten davon kaum aus dem Tritt bringen und behaupteten trotzig: „Rassismus tötet!““

Und die echte Antifa? Kümmert sich eigentlich um echte Nazis – wie schon immer. Einfach mal bei denen ´reinschauen – hier haben sie gegen die Weiße Wölfe Terrorcrew ermittelt (siehe afnpnds), da kann man sich einfach mal eine Ahnung davon abholen, was wirklich rechts ist – und was wirklich antifa wäre.

Und ich jetzt? Immer noch verwirrt, denn: die Antifa-Frau aus Aachen, die keine Antifa sein wollte aber mit denen mitdemonstrierte, war auch noch bei den Montagsdemos als Redner (die ja auch von „Antifa“ angegriffen wurden), war bei den Linken, den Veganern, der Piratenpartei und wo weiß ich noch alles. Privat ist sie Mitglied eines satanischen Ordens, der immer mehr Anhänger hat – und wohnt in einem feudalen Schloss nahe Berlin, das ihr Freund (auch arm aber superaktiv) gekauft hat. Mit welchem Geld? Will gar nicht weiter nachfragen.

Und weiter – bin ich jetzt „rechts“ oder „antifa“? Also: ganz ehrlich: ich bin überzeugter Antifaschist. Es entsetzt mich zutiefst, dass die deutsche Gesellschaft mit ihren Dichtern und Denkern so schwach war, dass sie gegen die Invasion der Wahnhaften nichts entgegen zu setzen hatte, und mehr denn je bin ich überzeugt, dass sich das wiederholen kann -und wiederholen wird. Ohne NS-Symbolik – auf die sich die echte Antifa so gerne stürzt. Und mehr als alles andere entsetzt es mich, dass wir Menschen verlernen, miteinander zu reden – und überall nur noch „Rechte“ oder „Antifa“ sehen. Und dass die Rechten nach 12 Jahren CDU-Regierung unter Merkel die größte Gefahr in den „links-grün-versifften Gutmenschen“ sehen, läßt die Idiotie nur noch größer erscheinen.

Währenddessen werden Microplastik und Monsterkeime weiter produziert – und türkisch-kurdische Fussballspieler auf der A4 bei Düren beschossen (siehe dw). Da fahre ich auch gerne mal lang.

Und wenn ich jetzt frage: wem nützt eigentlich die epische Aufteilung der Bürger in „Rechte“ und „Antifa“, bin ich mit Sicherheit wieder selbst der Nazi. Oder der links-grün-versiffte Gutmensch. Auf jeden Fall jemand, mit dem man nicht reden braucht.

Und genau das ist das Ende unserer Gesellschaft.

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Meinst Du, die Russen wollen Krieg? – Gelesen von Ben Becker

Jewgeni Jewtuschenko schrieb das Gedicht “Meinst du, die Russen wollen Krieg?”, das für viele Menschen auch in unserem Land bis heute eines der eindrucksvollsten Antikriegsgedichte geblieben ist.
Jewgeni Alexandrowitsch Jewtuschenko ( kyrillisch Евгений Александрович Евтушенко ) * 18. Juli 1932 Eisenbahnstation Nishneudinsk Irkutsker Oblast / Sibirien ist ein bekannter russischer Dichter und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Epilog

Weil ich einem Volkstamm zugehörig bin, der unter anderem die Kehrwoche erfunden hat, kann ich nicht ausziehen, ohne ein letztes Mal eben jene in der mir möglichen Akkuratess durchzuführen wohlgemerkt, im übertragenen Sinne. Es wird kein Ritual sein. Vielleicht hat es eine Art kathartische Funktion, aber das ist egal. Es gilt lose Fäden zusammen zu spinnen und einen Punkt zu setzen, wo ich mir ein Komma gewünscht hätte. Oder einen Doppelpunkt.
Die losen Fäden der Geschichten, die sich in der Vergangenheit und in der Zukunft zutragen bzw zutrugen, kann man wohl nur in der Gegenwart zusammenführen. In der Zukunft werde ich jedenfalls mit Ralf in ein Bergwerk hinabsteigen. Wir werden uns bei dieser Gelegenheit das letzte Mal begegnen. Lange werden wir nicht unter Tage sein.
In meiner Vergangenheit, als Protagonist der Geschichte über den „Angehenden Junggesellen und der Halbzeugfabrik“ habe ich im Untertitel das Busenmädchen von Seite drei untergebracht. Ansonsten gab es nicht viel mehr zu erzählen. Man arbeitet, verdient Geld, lebt, Punkt. Ich erwähnte noch einen Kollegen und schrieb etwas über Leid, Alkohol und Gesichter in deren tiefster Schicht noch Reste der Lebensfreude eines Kindes zu erkennen war. Er ist jetzt bestimmt tot, sah damals schon zwanzig Jahre älter aus, als er war.
Das erzähle ich nur, weil Ralf das Gesicht dieses Kollegen haben wird, was ich damals selbstverständlich noch nicht wusste. Ralf wird mich in die Stollen eines Bergwerks begleiten, mich ein letztes Mal mahnen, ihn nicht anzusehen, was ich aber ein erstes und damit letztes Mal ignorieren werde. Freilich weiß ich, zu welchem Zweck, er mich dort hinunter bringen wird. Das tut aber noch nichts zur Sache. Oder nicht mehr. Ich werde ihn jedenfalls nie wiedersehen.
Oben schreibe ich von einem Auszug, doch das stimmt nicht ganz. Ich gehe einfach weg.
Eigentlich hatte ich geplant mein Konto bis zur Dispogrenze abzuräumen, bevor ich mich aus dem Staub mache. Da ist aber nichts mehr, weil mir der Kontostand immer egal war. Er ist mir egal und er wird mir egal sein. Probleme haben komischerweise immer die anderen damit. Der Vermieter zum Beispiel. Es ist die Sozialwohnungsbaugesellschaft der Stadt. Von mir aus könnte es auch irgendein Privatkapitalist sein. Es ist mir egal. Ich wende keine Lebenszeit mehr für das Verfassen einer ordentlichen Kündigung auf, es erscheint mir schlicht nicht sinnvoll. Ich verlasse einfach diesen Ort. Im Rucksack befinden sich eineinhalb Schachteln Kippen und zwölf Dosen Bier, mehr war finanziell nicht drin. Ich trage das gefälschte „England“-T-Shirt vom Vietnamesenmarkt, das vorgibt von Motörhead zu sein und dunkelbraune Cargo-Shorts, deren rechte Tasche ungewohnterweise keine Schlüssel ausbeulen, werde sie nicht brauchen. Der Sommer beginnt gerade, ich werde so schnell nicht erfrieren. Ich weiß nicht, wohin mich mein Weg führt, was mir widerfahren wird und trotzdem habe ich keine Angst. Alles was ich verlieren könnte, lasse ich zurück.
Ich überlege kurz, ob ich das Skizzenbuch und das Bündel Bleistifte, die ich bereitgelegt hatte, in den Rucksack packen soll, entscheide mich dagegen. Mir ist, wenn man es so ausdrücken möchte, die Sinnhaftigkeit bestimmter Arten menschlichen Tuns nicht mehr sehr geläufig. In einigen Augenblicken werde ich den Rechner herunterfahren, den Rucksack schultern, die knarzende Treppe heruntergehen und das Backsteinhaus, die Straße, das Viertel, die Stadt, verlassen.

Leben im Paradies – Die Groko macht das schon – Gezielte Propaganda

Deutschland – Leben im Paradies – Lüge und Wahrheit

Grimms Märchen Ausgabe 2015 Aus Politik – Wirtschaft – Gesellschaft

Grimms Märchen Ausgabe 2015 Aus Politik – Wirtschaft – Gesellschaft

Refugees Welcome – Was von Politiker – Medien und Gutmenschen verschwiegen wird

Liebe Flüchtlinge was man Euch verschweigt!
Was Sie über Deutschland wissen sollten!

Was ich unbedingt mal los werden muss

Botschaft-An ALLE BERATER/ EXPERTEN/ KUGELSCHEISSER für ALLES und NICHTS

ARD Stellt fest – „Die eigentliche Schande sind unsere Politiker“

+++ Was ist denn bei der ARD los? +++
+++ Kommentar von Georg Restle (25.08.2015 22.33 Uhr) +++
Die eigentliche Schande sind unsere Politiker!
Unbedingt angesehen IHR GLAUBT DAS NICHT!!!!!

Meinungsfreiheit – Meinungsvielfalt und Toleranz – Der kleine Unterschied

Ich erachte es für angebracht einige Worte zu Beginn meines Beitrages auszuführen, denn das ist in der heutigen Zeit wichtig und zwingend notwendig um nicht im Nachgang in eine Ecke gedrängt zu werden in der man nicht gerne stehen möchte.
Wer heute eine Meinung sagt oder sogar diese vertritt begibt sich in Gefahr niedergemacht zu werden, es sei denn er verzichtet politisch – gesellschaftliche Tatsachen nicht kritisch zu hinterfragen und sich der Herde von Gutmenschen und deren Ansichten zu unterwerfen und politisch korrekt seine Gedanken zu Papier zu bringen, oder in den PC zu tippen.

Es gab Zeiten da wurden Meinungen und Ansichten leidenschaftlich diskutiert, auch zu schwierigen Themen der Geschichte und der Gegenwart. Heute, so scheint es, gibt es nur noch schwarz und weiß, wer nicht die offizielle politische korrekte Meinung vertritt und diese veröffentlicht, der ist entweder ein Arschloch und wenn es ganz schlimm kommt ein Terrorist, Rassist oder gar ein Nazi.

Und da wären wir schon beim Thema, denn der kleine Unterschied ist, aus welcher politischen – gesellschaftlichen Position man ein Thema bewertet und zum Besten bringt.
Es gilt das ungeschriebene Gesetz, wer die Macht hat, der hat auch das Recht die Dinge so darzustellen wie sie zu sein haben, Kritiker sind da nur unerwünschte Störfaktoren das das mal klar ist und diese Störfaktoren müssen mit allen Mitteln bekämpft werden.

Nun bin ich an den Punkt angekommen wo ich Gefahr laufe von einen Fettnapf in den Anderen zu treten, wenn ich Beispiele ausführe von politisch – gesellschaftliche Tatsachen/Ereignissen der Gegenwart.

Aktuell berichten die Medien über ein kleines Städtchens Namens Freital, nahe Dresden.
Da stehen also 150, manchmal auch 200 Bürger und protestieren gegen Flüchtlinge und Asylbewerber welche in ein nicht genutztes Hotel untergebracht werden sollen.
Und „ausländerfeindliche Parolen“ werden dort auch gerufen. Ja das ist so, Dummköpfe hat es schon immer gegeben, seit Gott den Menschen schuf. Nun das bringt auf jeden Fall Einschaltquoten und die üblichen Schlagzeilen in der Presse.
Die Hintergründe was diese Dummköpfe so empört und auf die Straße treibt, verkommt zur Nebensache, denn dann müsste man als Ursache das Versagen von Politikern auch gleich mit benennen, die geglaubt haben, dass man ganz still und leise eine Entscheidung zu treffen, wie man sie getroffen hat, ohne zu informieren.
Dumm gelaufen, da nützt es auch nichts wenn der Ministerpräsident von Sachsen Medienwirksam am „Tatort“ auftaucht und bessere Informationspolitik verspricht.
Danach setzte er sich in seinen gut beschützten gepanzerten Dienstwagen und fuhr von Tannen, wie es Politiker eben immer machen, was bleibt ist das „Problem“.

Ach ja, weil wir gerade über Politiker-innen reden und den Flüchtlingen und Asylbewerbern. Was unterscheidet denn eigentlich Regierungschefs in den Ländern Europas welche öffentlich sich weigern Flüchtlinge und Asylbewerber in ihren Ländern aufzunehmen von den Dummköpfen aus Freital? Und die Wortwahl und Begründungen in den Medien sind so klar und deutlich wie „ausländerfeindliche Parolen“. Und da ist er, der kleine Unterschied, die einen sind Dummköpfe und für die Anderen gilt das ungeschriebene Gesetz der Macht.

Was haben sich Politiker-innen aufgeregt über die Bespitzelung von Arbeitnehmer-innen durch Wirtschaftslumpen in deren Betrieben. Darüber wird heute gar nicht mehr gesprochen und keiner fragt nach ob sich was geändert hat. Nun gut, dass kann man von der Politik auch nicht erwarten, denn die damals „empörten Politiker-innen“ wurden selbst bespitzelt und weil jeder jeden bespitzelt, haben die Politiker-innen ein Gesetz verabschiedet und wir Alle werden bald bespitzelt. Das hat die Staatssicherheit in der DDR auch gemacht. Der kleine Unterschied zur DDR ist, Heute ist bespitzeln des Volkes demokratisch und rechtsstaatlich, was sich nicht von früher zu heute unterscheidet, dass Volk ist der Feind und muss bespitzelt werden.

Ganz schlimm wird es wenn der kleine Unterschied gar nicht sichtbar wird, den von Mann und Frau. War man doch der Meinung, mehr Frauen an die Macht und die Welt wird besser. Merkel, Christine Lagarde, von der Leyen, Andrea Nahles sind die besten Beispiele dafür, dass die Welt nicht besser geworden ist wenn Frauen Macht haben. Sie verkaufen Waffen, entscheiden über Krieg und Frieden, heben oder senken den Daumen wenn es um die Schicksale von Menschen, ja sogar ganzer Länder und Völker geht und Lügen genau wie Männer in der Politik.
Schopenhauer (deutscher Philosoph 1788-1860) muss es geahnt haben, er sagte einmal über die Frauen: „…. Das Weib sei …… instinktartig verschlagen, falsch, treulos, undankbar, habe einen unaustilgbaren Hang zum Lügen und besitze deshalb keine Eignung zu eidlicher Aussage und ähnliches.…“. Und bevor die weiblichen Leser denken, ich bin ein Frauenhasser möchte mich outen, ich liebe Frauen und das ausschließlich. Sich zur Monogamie zu bekennen ist heute auch nicht ganz einfach weil das bei manchen Menschen den Verdacht nahelegt man habe was gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Ehrlich gesagt kann ich diese überzogene Diskussion über die gleichgeschlechtliche Ehe nicht nachvollziehen.

Diese ganze Diskussion und wie das Thema behandelt wird ist zu einer Heuchelei und Wahlkampfthema von Parteien verkommen. Das Thema gleichgeschlechtliche Ehe wäre wohl kaum so hochgekocht, hätte Irland die gleichgeschlechtliche Ehe per Gesetz legalisiert. Eine sachliche entgegengesetzte Auffassung zur gleichgeschlechtlichen Ehe wird sofort kriminalisiert und als Schwulenhass betitelt, auch eine Form der Toleranz.

Aber es darf doch mal die Frage erlaubt sein, was uns eigentlich verpflichtet, gleiches Gesetz einzuführen? Wenn ein Land sich nach der Gesetzgebung anderer Länder richtet, dann finde ich das ganz schön verlogen. China findet Kinderarbeit auch nicht schlimm, in den USA kann jedes Arschloch sich eine Waffe kaufen und die Todesstrafe haben die auch.
Ich weiß, Vergleiche hinken immer, aber keine käme auf die Idee in Deutschland das auch per Gesetz zu beschließen, oder? Na ja was nicht ist kann ja noch werden.
Wer heute noch an Meinungsfreiheit – Meinungsvielfalt und Toleranz glaubt der ist ein naiver Optimist, denn er will die Realität nicht sehen. Wir befinden uns in einer Gesellschaft wo Meinungsfreiheit – Meinungsvielfalt und Toleranz vorgegaukelt wird und nur geduldet wird, so lange es den Mächtigen dienlich ist.

Autostrich

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Lebenstraum

Ich mag Bier nicht nur wegen des Alkohols. Er macht mich so gleichgültig, wie ich gerne nüchtern wäre. Ich mag es auch wegen der Müdigkeit. Selbst die Apothekerrundschau preist die einschlaffördernde Wirkung des Hopfens. Obwohl ich davon ausgehe, dass in dieser Industrieplörre nur noch marginale Mengen primärer und sekundärer Pflanzenstoffe enthalten sind. Egal, es macht mich trotzdem müde. Ralfs Rausschmiss gestern beschäftigt mich. An seiner Stelle würde ich mich nicht mehr sehen lassen. Auf aggressive Arschlöcher könnte ich gerne verzichten. Nichts desto trotz hoffe ich auf sein Erscheinen. Ich möchte mich entschuldigen. Als ich die dritte leere Dose im Handschuhfach verstaue und die vierte heraushole, raschelt es draußen unter dem halb geöffneten Beifahrerfenster. Eine Schwebefliege fliegt herein, mustert kurz auf fünf Zentimetern Abstand mein gerötetes aber entspanntes Gesicht und schwebt dann, eine kleine beneidenswert elegante Kurve fliegend, uninteressiert und leicht angeekelt wieder hinaus. Das Rascheln war wahrscheinlich ein irgendein Tier. Eine Maus vielleicht oder ein Vogel.
Ein Seeotter wäre schön gewesen. Ich liebe Seeotter. Hier gibt es aber zweifellos zu wenig Wasser für Seeotter. Ich öffne die Dose, die zwischen meinen Schenkeln meine Eier kühlte und denke an Seeotter und ihr glänzendes nasses Fell, an meine Müdigkeit und habe etwas Angst. Ich habe Angst, Ralf könnte nicht mehr auftauchen. Um die Angst nicht spüren zu müssen, versuche ich darüber nachzudenken, ob ich vom Bier müde bin oder von den Anstrengungen des Lebens. Weil irgendwelche Arschlöcher, die mir egal sind, meinen, ich müsste mich für etwas anstrengen, was mir egal ist, strenge ich mich an. Die Anstrengung darüber nachzudenken macht mich noch müder.
Ich stelle die Sitzlehne ein wenig nach hinten, lehne meine beginnende Hinterkopfglatze gegen die Kopfstütze und schließe die Augen. Das Zirpen einer nahen Grille übertönt das ferne Brummen eines fleißigen Traktors auf einem Feld. Es riecht nach geschnittenem Gras und Bier und Meer, weil ein nass glänzender Seeotter im warmen Blau meines Gehirns elegante Figuren schwimmt. Ich schwimme nackt mit ihm und kann ohne Mühe folgen. Nach einer kitschigen Kür aus engen und weiten Loopings und Pirouetten geht mir die Luft aus und ich muss auftauchen.
Chlorwasser brennt in meiner Nase. Ich lege meine weißen, schlaffen, Schreibtischarbeiter-Arme auf die heißen Fliesen am Rand des Schwimmerbeckens und spüre eine gar nicht mal unangenehme Kälte an meinem zur Nichtigkeit zusammengeschrumpelten Hodensack.
Meine billige C&A-Badehose mit Ostblockanmutung schwimmt zwei Meter von mir entfernt. Ohne zu zögern bemühe ich mich zu ihr zu kommen und hoffe, niemand taucht mit Brille in meiner Nähe. Doch plötzlich scheint das Wasser wie Gelee zu sein und ich komme, trotz panischer Anstrengung, keinen Millimeter voran. Schon nach ein paar Sekunden bin ich außer Atem und schlucke Wasser. Es gerät in meine Luftröhre und zwingt mich zu husten. Todesangst breitet isch in meinem Gedärm aus und bildet schnell Metastasen in meinem Gehirn. Urlötzlich taucht, wie ein Buckelwal beim Sprung, ein riesiger Ralf auf, greift durch die mächtige Gischt meine Badehose und präsentiert sie lachend dem umstehenden Publikum. Alte Weiber mit Krampfaderbeinen und Badehauben, die wie Blumenbeete aussehen, feiste, käsige Kinder mit eisverschmierten Gesichtern, dichtbehaarte, schmerbäuchige Sonnenbrillenträger mit engen Badehosen, die ihre ebenso haarigen Hoden anatomisch ziemlich genau abzeichnen, lachen mich aus. Ich weiß, dass sie meinen bevorstehenden Tod nicht bedauern werden. Ich fühle mich so einsam wie nie zuvor und die trübblaue von gelben Schleiern durchsetzte Brühe schwappt über mir zusammen. Riesenralfs Beine strampeln unscharf, fast greifbar. Sein dunkles Gelächter tönt dumpf und unglaublich laut durch das Wasser an meine Ohren und übertönt weit in der Entfernung liegendes Kindergekreische und leise Musikfetzen. Weil ich den letzten Rest meines wachen Bewusstseins dafür brauche mich gegen den Atemreflex zu wehren, höre ich auf mich zu bewegen und sinke langsam in eine unendlich schwarze Tiefe. Ralfs Lachen wird immer leiser. Ehe es ganz schwarz um mich herum wird, sehe ich weit entfernt den verschwommenen Schatten eines Seeotters elegant seine Bahnen ziehen.
Das laute Zuschlagen einer Autotür weckt mich, ich kreische kurz wie eine schreckhafte Magd.
„Oh, verzeih‘, Penner. Dein Schnarchen hallt kilometerweit und vertreibt alles Lebendige aus diesem schönen Biotop.“
Ich bin noch nicht ganz wach:„Auch die Seeotter?“
„Was?!“
„Ähh, nichts.“
Meine Zunge klebt noch am Gaumen, die Lippen am Zahnfleisch. Es schmeckt nach vergorenem Rasenschnitt mit Marderkötteln. Ich denke an die Fishermen’s, aber momentan bin ich ja noch beim Bier.
„Hast du mir ins Maul gekackt, während ich schlief? Bekloppter Badehosenfetischist.“
„Du redest wirres Zeug, Penner. Ich tippe auf Morbus Korsakow.“
„Lass gut sein, gib mir einen kurzen Moment.“
Die Dose liegt der Länge nach auf dem Beifahrersitz, der das Bier gierig aufsaugte. Feiner Sitz. Der Geruch wird mich auf ewig begleiten. Ich greife ins Handschuhfach und prüfe die Temperatur von Dose Nummer fünf. Gerade noch trinkbar. Ach Quatsch, wieso mache ich mir was vor. Ich hätte es auch zehn Grad wärmer gesoffen. Als ich behutsam an der Lasche ziehe, sauge ich zeitgleich mit einer langen Schnute und weit aufgerissenen Augen den Schaum von der runden Blechoberfläche. Kurz muss ich an die urbane Legende mit der Rattenpisse denken. Aber nur kurz, momentan glaube ich nicht an sie. Bei Tomatenfischdosen dagegen fast immer.
Ich bin froh, dass Ralf hinter mir sitzt.
„Sorry wegen gestern, Mann. Ich bin gerade etwas gestresst.“ Ich schwindle ein wenig. In Wirklichkeit kotzt mich einfach nur fast alles an. Nur Ralf nicht.
„Schon gut.“
Ich nehme einen Schluck. Dann noch einen.
„Ich habe irres Zeug geträumt.“ Ein weiterer Schluck.
„Dass jemand wie du normales Zeug träumt, wäre mir gar nicht erst in den Sinn gekommen. Lass‘ hören, Penner!“
Während ich die Freibadgeschichte zum Besten gebe, entscheide ich mich spontan einige Details zu ändern. Den Seeotter lasse ich weg und Ralf ersetze ich durch irgendeinen Typen, den ich sehr detailliert beschreibe, um mein Flunkern glaubwürdig zu machen. Ich frage ihn, was der Traum bedeuten könnte.
„Ist doch klar. Du hast Angst die Hosen runterzulassen.“
Ich kann mir denken, wie er es meint. Dennoch spiele ich den Clown: „Na ja, ich bin ja nun wirklich kein ausgewiesener Gliedvorzeiger. Aber übertrieben schamhaft eigentlich auch nicht. Willste mal sehen?“ Ich zeige mit einer pistolenartigen Rapperhandbewegung der Rechten auf meinen Schritt. Mit der halbvollen Bier Dose in der anderen Hand komme ich mir wie ein dummer Teenageridiot vor.
Ich mag das Wort Gliedvorzeiger. Es klingt nach Sittengesetzen aus der wilhelminischen Zeit. Wenn ich um die vorletzten Jahrhundertwende herum aus einem kaiserlichen Richtermund „…wegen wiederholten Gliedvorzeigens…!“ vernäme, hätte ich lachen müssen. Auch als gleich darauf verurteilter Gliedvorzeiger.
„Du hast Angst, dich so zu zeigen wie du bist. Für mich ist das ziemlich eindeutig.“
„Das ist ganz sicher so und das weiß ich auch ohne deine Deutung. Schön blöd wär‘ ich, würde ich mich so geben wie ich bin: Ein gescheitertes Nichts, herum geworfen von ökonomischen und sozialen Zwängen, die eigentlich Zwangsneurosen einer Gesellschaft sind, die sich vormacht, in irgendeiner Weise etwas mit humanistischen Prinzipien zu tun zu haben.Wir haben doch alles, was diese Bezeichnung verdient aus den Augen verloren; vielleicht hat es das gar nie gegeben und war nur eine nette Fingerübung für Philosophen. Total bescheuert wär‘ ich, würde ich mich inmitten von Nichtsen, die sich mit Verkaufsargumenten des eigenen Egos panzern, ungeschützt bewegen. Nein, mein Lieber, das Spiel spiele ich mit, auch wenn es mir nicht gefällt. Man hat sich für den besten seines Fachs zu halten? Alles klar, Chef, kein Problem! Stopf‘ ich mir ein paar Socken in die Hose und verkünde mit dem gespielten Brustton der Überzeugung, dass alle anderen windige Ärsche sind und kleine Pimmel haben. So rechtfertige ich mein Gehalt und der Boss hat ein gutes Gewissen, weil er das Gefühl hat, er gibt es dem Richtigen. Umgeben von Idioten, die glauben, sie hätten sich irgendetwas verdient, nur weil sie bei der Spermalotterie das große Los gezogen haben, tue ich eben auch so, als gäbe es die Masse der Hungerleider und Ausgebeuteten nicht, deren Elend unseren „Wohlstand“ mit ermöglicht. Lasse ich die Hosen herunter, schnappt mich das System aus neoliberalen Vorurteilen und Managermagazinweisheiten, zerkaut mich zwischen Leistungsvorstellungen, Arbeits- und Sozialgesetzen und spuckt oder scheißt mich als gescheitertes Nichts wieder aus. Das war ich vorher, das werde ich bleiben, was nur niemand sieht, weil ich den Mimikri der deutschen Unternehmenskultur auch beherrsche. Ich unterscheide mich vielleicht insoweit, dass mein Ehrgeiz, ein schnuckeliges Eigenheim oder eine tolle Blechbüchse aus Ingolstadt, München oder Stuttgart zu besitzen, gegen null geht. Damit rutscht der Bund meiner Hose schon soweit herunter, dass man hinter meinem Rücken über das Bauarbeiterdekolleté lacht, wenn ich mich bücke.“
Ralf spricht erst, als ich nach einer kurzen Weile am Bier nippe:
„Willst du ewig so weitermachen?“
„Bis zur Rente oder Leberzirrhose.“ Ich hebe feierlich die Dose. Wir wissen beide, dass ich so nicht weitermachen werde und lachen leise. Wir wissen nur nicht, wann dieser Zeitpunkt gekommen sein wird. Heute noch nicht.
„Schätze, du musst los, Penner.“
Beim Verstauen der Dose sehe ich den den dunklen Bierfleck auf dem Beifahrersitz. Er hat die Form eines schwimmenden Seeotters. Es könnte aber auch eine durch im Meer verkippten Atommüll mutierte Meerjungfrau sein. Ralf hat die Tür schon geöffnet und steht wohl schon draußen, als er mich nochmal anspricht:
„Ich glaube, du hast vorhin ein wenig geflunkert. Weißt du, was ich denke? Ich denke, du selbst warst derjenige, der deine Badehose genommen hat. Du selbst bist dein Problem und deine Lösung.“
Ganz kurz habe ich die Absicht, seine Aussage richtig zu stellen, lasse es aber.
„Du könntest recht haben. Reden wir morgen weiter.“
Ralf schließt die Tür, ich starte den Motor.
Ich glaube, es macht keinen Unterschied.

Autostrich

Lebenslügen

serpents

Auf der Autobahn regnete es noch, als würde eine höhere Macht alles an die Gegenwart erinnernde hinweg schwemmen wollen. Jetzt, da ich hier stehe und hoffe, dass Ralf auch heute wieder erscheint, verziehen sich langsam die grau-orangen Wolken. Über dem Horizont, der aus kleinen filigranen Scherenschnitten von Bäumen und Büschen zusammengesetzt ist, wagt sich ein Stück blauer Himmel hervor. Es wird ein schöner Tag werden. Ich sehe Fresken von Tiepolo vor mir und rieche den leicht ranzigen Duft von Ölfarben, obwohl es wohl eher nach feuchtem Putz riechen müsste. Die Apokalypse riecht eher nach Ölfarben als nach frischem Putz. Sie ist bestimmt schön. So schön, wie dieser sich öffnende Tag, der noch hinter den barocken Wolken liegt. Fast die ganze Fahrt hierher versuchte ich mir vorzustellen, was ich wohl angesichts des sich nahenden sicheren Weltenendes denken würde. Hier kapituliert sogar meine fast ständig in irren Bahnen mäandernde Phantasie. Ich weiß nur ganz sicher, was ich NICHT denken würde: Nämlich zu wenig für andere und für Geld gearbeitet zu haben. Vielleicht hätte ich bedauert zu wenig auf dem Gebiet Zeichnerei ausprobiert zu haben; zu wenig mutig gewesen zu sein. Der Gedanke an ein Ende macht mich traurig. Ich merke, dass Dose Nummer zwo auch am Ende ist und hole die nächste aus dem Handschuhfach.
Mit Verwandlungen dagegen könnte ich gut leben. Und wenn sie auch nur daraus bestehen, dass Dinge altern und sich langsam auflösen. Wieder denke ich an ein Bild von Tiepolo. Ich sah es in der Gallerie dell’Accademia in Venedig. Die „Die Geißel der Schlangen“ ist ein Fries, Öl auf Leinwand, das, so nehme ich es an, eine zeitlang nicht optimal gelagert war. Die Leinwand ist zerknittert und teilweise wirken die Farben verblasst und abgeschabt. Wenn man nah herantritt, sieht man die Pinselstriche des Malers. Sie sind rasch und schwungvoll ausgeführt. Es lebte durch den Maler, es lebt durch seine Vergänglichkeit und vielleicht wird es, wenn es nicht mehr existiert, leben, weil sich jemand daran erinnert. Wie gern würde ich jetzt über die Alpen nach Venedig, der alten Touristenlüge, fahren, nur um dieses eine Gemälde nochmal zu sehen. Der Weg ins Büro hat aber keine Abzweigung. Ich hebe die Dose und trinke auf den Tod der Neigung durch die Pflicht: „Er war ein guter Lügner und die Geschäftsführung dankt ihm dafür von ganzem Herzen, hätten wir doch sonst auf seine überaus nützliche Arbeit verzichten müssen. Amen.“
Während des langen Zuges aus der Dose hallen die Worte „überaus nützliche Arbeit“ in meinem Kopf wieder. Ein mieses Gefühl kommt in mir hoch und beginnt an den Schleimhautfalten meines Magens zu nagen. Überaus nützliche Arbeit. Nützlich. Eine der Schlangen Tiepolos hat sich wohl in meiner Körpermitte materialisiert und beginnt mich zu geißeln. Dose vier kommt wie gerufen.

Diesmal bin ich anwesend, als er ins Auto steigt und ich wundere mich zum ersten mal darüber, wie er es schafft trotz seiner Winzigkeit die Tür zu öffnen und sie, nachdem er mit einem leisen Rascheln eingestiegen ist, zu schließen, ohne ein überflüssiges Geräusch zu verursachen. Unsere Begegnung gestern war also vielleicht doch keine Wahnvorstellung eines Trinkers. Wenn doch, ereilt sie mich gerade nochmal. Dennoch macht es mir keine Angst. Angst kann ich hervorragend wegtrinken. Ich nehme den geschätzt vorletzten Zug dieses schon durch die Wärme meiner Hände unangenehm lau werdenden Bieres und stelle eine Frage in Richtung Windschutzscheibe: „Kennst du dich mit Schlangen aus?“ Er brummt dunkler und leiser werdend, bevor er antwortet:
„Das ist eine sehr ungewöhnliche Frage.“
„Oh entschuldige bitte. Wie kann ich nur in einer alltäglichen Situation wie dieser eine so ungewöhnliche Frage stellen! Ich formuliere sie anders, Señor Spitzfindig: Warum leckst du mich nicht am Arsch und verpisst dich?“
„Gemach, gemach, tut mir leid, ich hätte nur mit anderen Fragen gerechnet. Mit der, warum ich hier bin zum Beispiel.“
Ich hasse Klugscheißer. Besonders, wenn ich mich durch sie zurechtgewiesen fühle. Ich versuche so ätzend zu sein, wie ich kann:
„Wenn ich wissen will, warum du kleiner Wichser ohne meine Erlaubnis in mein Auto steigst und mich beim Saufen störst, dann frage ich dich!“
Es interessiert mich eigentlich brennend. Aber mein Stolz wird es wohl eine ganze Weile nicht zulassen, ihm diese Frage direkt zu stellen.
„Ok, ok, verzeih bitte.“ Ich unterstütze die beruhigende Wirkung seiner Entschuldigung mit einem letzten Zug aus der Dose. „Schlangen also.“ Dann hole ich mir das vorletzte Bier aus dem Handschuhfach und öffne es, während Ralf erzählt:
„Ich kannte eine Kreuzotter ganz gut, aber wir haben uns aus den Augen verloren. Ist schon eine Weile her. Früher traf man sie regelmäßig. Aber heute sind sie selten geworden. Ich habe schon Jahre keine mehr gesehen, geschweige denn gesprochen.“
„Du kannst mit ihnen sprechen?“
„Ich kann mit allem sprechen, was eine Seele hat.“
„Demnach müsste ich also auch eine Seele haben.“
„Ich dachte wir sprechen über Schlangen?“
„Du weichst aus.“
„Nein, mir war nur nicht klar, ob das eine Frage oder eine Feststellung war. Selbstverständlich hast du eine Seele. Obwohl es eigentlich so nicht ganz richtig formuliert ist. Es ist eher so, dass du auch Seele bist. Ich kann mich also mit allem unterhalten, was auch Seele ist. Wenn man sagt, man HÄTTE eine Seele, dann würde das ausdrücken, man wäre in irgendeiner Weise getrennt von ihr und könnte sie vielleicht sogar loswerden. Das ist aber nicht möglich. Man kann sie auch nicht besitzen. Sie ist da. Das ist alles.“ In meiner Vorstellung sitzt auf der hinteren Sitzbank gerade ein kleiner, alter Asiate im Schneidersitz mit langem, fusselig dünnem Bart und hat die Hände in die Ärmel seines seidenen Kimonos gesteckt. Er mag seinen grünen Tee stark und bitter, hat die 36 Kammern des Shaolin durchschritten und die Schlitze seiner Augen gehen in Fächern aus tiefen Lachfalten über.
„Hat sie einen Zweck?“
Er raschelt leise, setzt sich wohl zurecht.
„Hast du einen Zweck?“
Ich überlege kurz während ich trinke.
„Eines jeden Zweckes ist…“, die Biere wirken, ich werde unangemessen laut, und recke den Zeigefinger meiner freien Hand in die Luft, „…seine Lebenszeit zu einem höchst möglichen Preis mit allen Mitteln, die einem zur Verfügung stehen und deren Anwendung man moralisch vertreten kann zu kapitalisieren; ein angepasstes Mitglied des Heeres des zinskapitalistischen Arbeitspersonals zu sein und in deren Hierarchie eine so hohe Position zu ergattern, wie es die guten oder schlechten Charaktereigenschaften zulassen. Das nennt man dann Karriere!“
Bei „Karriere“ mache ich Gänsefüßchen in die Luft. Das Bier in der Dose schwappt bedenklich und lasst sich kurz an der Öffnung blicken. Sie ist aber glücklicherweise schon fast leer. Ich gebe mir den Rest davon und fahre fort:
„Ich versuche meine Mitgliedschaft in diesem Scheißverein so zu gestalten, dass ich am besten mit den Umständen klar komme. Angeschickert lügt es sich einfach leichter. Was glaubst du wie viele sich hemmungslos überschätzende Vollidioten mir den ganzen Tag begegnen, die ich nüchtern wahrscheinlich schwer beleidigen, wenn nicht sogar verletzen würde. Je höher die Position, desto voller der Idiot!“
„Dann müsstest du eigentlich der Oberboss des ganzen Vereins sein.“
„Korrektamundo, Muchacho! Ich trinke mich für die Arbeitswelt tauglich.“ Ich lalle.
Als ich mich zum Handschuhfach hinüber beuge, um eine weitere Dose herauszuholen, halte ich den Bruchteil einer Sekunde inne, bevor ich die nächste Dose heraushole. Mein Pegel ist sehr arbeitstauglich mittlerweile. Ralf hat mein Zögern bemerkt:
„Was hielt dich gerade eben zurück?“
„Eine Schlange.“
Ich betrachte die ungeöffnete Dose und und wische mit dem Daumen das Kondenswasser von der kühlen Blechoberfläche.
„Jetzt verstehe ich. So etwas wie Gewissensbisse.“
„Ja, kommt hin. Weil ich spüre, dass ich das Falsche tue. Doch damit meine ich nicht das Saufen. Und ich habe auch nicht die Befürchtung mein Beitrag zum Profit der Unternehmensinhaber könnte zu klein sein. Das ist mir scheißegal.“ Diesmal mache ich Gänsefüßchen bei „Beitrag“, „Bruttosozialprodukt“, „Firma“ und „profitabel“. Mir ist mittlerweile etwas schwindlig.
„Genauso viel oder mehr wie meine Vorgesetzten leiste ich sogar noch besoffen. Locker. Weil ich keine Energie in substanzloser Wichtigtuerei verschwende.
Ich vergeude meine Lebenszeit mit Tätigkeiten in einer Organisationsstruktur, die sich irgendwelche Bosse aus dem Fundus betriebswirtschaftlicher Theorien und Traditionen herausgegriffen haben, weil sie glauben, sie machten damit den größten Reibach. Und selbst dieser Fundus ist nur die Kloake irgendwelcher Märkte, die in Wirklichkeit keine sind und nur so heißen, weil wir es alle einfach mal glauben möchten, sie wären welche.
Ich vergeude die Hälfte meiner wachen Lebenszeit in meinen besten Jahren mit Scheiß, der mich nicht interessiert und mir nur deshalb nicht völlig egal ist, weil ich mir damit Hausen und Fressen sichere!
Was ich aber mit Leidenschaft und Befriedigung tue, das,von dem ich wirklich zulasse, dass es mich definiert und meinem Leben ein Sinn gibt, muss ich in der Zeit tun, die mir der kräftezehrende Kampf um Tauschmittel übriglässt und würde nie ein halbwegs sicheres Überleben ermöglichen. Ich weiß, dass es falsch ist mich zu fügen und muss es trotzdem tun.“
„Und du bist dir wirklich sicher, dass deine Begabung nicht wirklich das Saufen ist?“
Ich spüre wie er, als er höhnisch „Begabung“ ausspricht, mit den kleinen Zeige- und Mittelfingern seiner kleinen Händchen kleine Gänsefüßchen macht. Ich bin müde und zornig:
„Verpiss‘ dich, ich muss.“
Wir verabschieden uns nicht. Auf dem Weg ins Büro höre ich kein Inforadio. Ich lege eine meiner vielen nicht beschrifteten Mix-CDs ein. Drei Hombres singen von Biertrinkern und Teufelskerlen.

Statement Nahles zu Hartz IV-Mindestlohn verkackt-Entrechtung Gewerkschaften

SPD KANN ALLES – AUSSER SOZIAL
Hartz IV eingeführt – Mindestlohn verkackt – Gewerkschaften zerschlagen
Dramatische Szenen auf den Straßen Deutschland wegen Hartz IV – Mindestlohn und Entrechtung der Gewerkschaften.

Wir müssen mal über die Gewerkschaften reden

Gewerkschaften vertreten die Interessen von Arbeitnehmern, so jedenfalls ist die veröffentlichte Meinung, wenn man eine Umfrage machen würde, aber selbstredend sehen sich so die Gewerkschaften selbst. Die Botschaften welche man öffentlich zum Besten gibt sind eindeutig und unmissverständlich, wir (die Gewerkschaften) sind Garant der Arbeiter im Kampf gegen Billiglohn, Leiharbeit und natürlich wirbt mit dem Slogan „ gutes Geld, für gute Arbeit.

Wir erleben, zurzeit eine „Streikwelle“, für die Rechte der „Arbeitnehmer“ im Kampf gegen Billiglohn, Leiharbeit und für gutes Geld, für gute Arbeit.

Erst vor kurzen hat der neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann, die Share Economy (Menschen tauschen Waren und Dienstleistungen per Online) kritisiert und spricht von „schlicht neue Formen von Sklavenarbeit“, ein neues Arbeitsmodell das nach dem Prinzip TEILE und LEIDE funktionieren soll, wenn man den neuen DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann glauben kann. Jedenfalls ist die Empörung der Gewerkschaftsführer groß, könnte man meinen.

Aber wie das Leben so ist, Anspruch und Realität sind manchmal eine ANDERE, wenn man mal die Gewerkschaften als Arbeitgeber betrachtet.
Friede, Freude, Eierkuchen bei den Gewerkschaften als Arbeitgeber?
Da könnten bei kritischer Betrachtung doch einige Zweifel aufkommen.
Würden sie, liebe Leser/innen glauben, wenn behauptet wird, „der Deutsche Gewerkschaftsbund besitzt Leiharbeitsfirma“.

Hierzu ist ein Blick in die jüngste Vergangenheit hilfreich.

In einen 2013 veröffentlichten Dossier veröffentlichte LabourNet Germany unter der Überschrift „DGB stellte Streikbrecher“ folgendes: „“Gewerkschaftseigene Leiharbeitsfirma sabotierte 2011 und 2009 Arbeitskampf bei Supermarktkette. Konsequenzen nach Pressebericht: Betrieb wird eingestellt, Prokurist muss gehen. Nicht genug, dass der Deutsche Gewerkschaftsbund jahrelang eine eigene Leiharbeitsfirma betrieb und so zur Unterminierung der Flächentarifverträge beitrug.
Das Unternehmen »Weitblick-Personalpartner GmbH« kooperierte darüber hinaus beim Streikbruch. Nach jW-Recherchen versorgte »Weitblick«, eine hundertprozentige Tochter des DGB-Berufsfortbildungswerkes Bfw, in der Vergangenheit wiederholt Filialen der Supermarktkette Real mit Leiharbeitskräften, während diese durch die Gewerkschaft ver.di bestreikt wurden. Wie junge Welt aus ver.di-Kreisen im Saarland erfuhr, war dies zuletzt während der Einzelhandelsstreiks 2011 und 2009 der Fall. Das Bfw bestätigte die Vorwürfe am Freitag auf Nachfrage…” Artikel von Jörn Boewe in junge Welt vom 18.02.2013.

Nun wem „LabourNet Germany“ und die „junge Welt“ politisch zu LINKS erscheint, für den hab ich da noch eine andere Quelle anzubieten, zum gleichen Sachverhalt.
„SPIEGEL ONLINE“ berichtet Zeitgleich unter der Überschrift:
„DGB-Firmenbeteiligung: Gewerkschafter zahlen Leiharbeitern zu wenig“ und wird wie folgt zitiert:
“Der DGB wettert gegen Leiharbeit – verdient aber selbst daran. Jüngst gelobten die Gewerkschafter Besserung, doch nach Informationen von SPIEGEL ONLINE zahlen sie den Beschäftigten noch immer weniger als diesen zusteht.
Ein bisschen peinlich ist dem Deutschen Gewerkschaftsbund die Sache offenbar schon. Nachdem SPIEGEL ONLINE über die DGB-eigene Zeitarbeitstochter Weitblick-Personalpartner GmbH im saarländischen Neunkirchen berichtet hatte, wurde die Website des Unternehmens stillgelegt. “Seite im Aufbau” steht da jetzt nur noch. Die Firma selbst verweist bei Anfragen auf die Pressestelle des DGB, von dort heißt es lapidar: “Die Leiharbeit wird nicht weiter beworben, da sie nicht weiter betrieben werden soll.” Allerdings gibt der DGB selbst zu, dass es derzeit nicht absehbar sei, wann das sein werde…” Artikel von Nicolai Kwasniewski bei Spiegel online vom 08.02.2013.

Einfach unglaublich sollte man meinen, da geißelt der DGB Leiharbeit und Billiglöhne und selbst „verdient(e)“ man eben auch von diesen Prinzip der „Ausbeutung“.

Was aber sagten der DGB und sein Bundesvorstand zu dem geschilderten Fall?
Zitat: “… Beim DGB-Bundesvorstand hieß es auf Nachfrage, die weitblick-Personalpartner GmbH sei »überwiegend« mit der »Gründung von Transfergesellschaften für von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte« befasst. In »begrenztem Maße« betreibe man auch eine »vermittlungsorientierte Arbeitnehmerüberlassung«, allerdings nur »am Standort Neunkirchen/Saarland«. (…)Wie der DGB gegenüber jWelt erklärte, erhalten die Beschäftigten in Neunkirchen »künftig mindestens 8,50 Euro, also nicht mehr die 8,19 Euro, die der IGZ-Tarifvertrag vorsieht«. Ausschreibungen über die Jobbörse der BA werde es »künftig nicht mehr geben«…”

Legendär auch der Bremerhavener Filz. Eins der größten Leiharbeitsunternehmen der Region wurde von SPD- und IG-Metall-Funktionären geführt, einem Netzwerk von SPD- und Gewerkschaftsfunktionären, welches systematisch Beschäftigtenrechte „unterlaufen“ haben soll.
Der Geschäftsführer der Leiharbeitsfirma war Chef der SPD und der DGB fand das in Ordnung.

Heute protestieren Gewerkschaften bundesweit gegen den Missbrauch von Leiharbeit/ Zeitarbeit und Werksverträge, vergessen wird dabei, dass es Gewerkschaften waren, welche stillgehalten haben als die Politik das Prinzip der „Ausbeutung“ per Gesetz beschlossen hatten.
Offensichtlich haben Gewerkschaften bei Bedarf eben auch das Prinzip der „Ausbeutung“ für „normal“ erachtet und davon profitiert.

Abschlussbemerkungen

Heute mit den Finger auf Andere zu zeigen und die Mitverantwortung zu leugnen ist schäbig, denn Gewerkschaftsfunktionäre tragen eine Mitverantwortung, dass die Leiharbeit/Zeitarbeit/Werkverträge heute Speerspitze für Lohndumping, Zersetzung der Flächentarifverträge und der tarifvertraglich und gesetzlich geschützten normalen Arbeitsverhältnisse sind und zur Spaltung der Belegschaften, die Schwächung der Gewerkschaft, der gewerkschaftlichen Kampfkraft der Arbeitnehmer beigetragen haben.

Streiks und Aktionen jedoch, die sich weiterhin auf Appellen zur Korrektur und Nachbesserung der bestehenden Gesetzen beschränken, damals wie heute erst recht, sind keine wirkliche Mobilisierung der Entfaltung einer organisierten Kraft der Arbeiterschaft. Und es ist auch nicht anzunehmen, dass die Gewerkschaftsverantwortlichen daran glauben, dass durch Streik und Aktionen tatsächlich Regierungsmaßnahmen gestoppt werden können.
Wenn Leiharbeit ein gefährliches Instrument für die Zersetzung der tarifvertraglich und gesetzlich geschützten Arbeitsverhältnisse sind, kann die Forderung nur heißen: Verbot/ Wiederverbot der Leiharbeit/Zeitarbeit/Werkverträge mit den Ziel, Integration aller Menschen in tarifvertraglich und gesetzlich geschützte normalen Arbeitsverhältnisse.

Und wer von den Gewerkschaftsverantwortlichen interessiert und kümmert sich eigentlich noch um DIE, welche von der Politik verraten und von den Gewerkschaften verkauft wurden, um DIE welche in Armut per Gesetz leben müssen, um DIE welche täglich von Armutsbehörden verwaltet, erniedrigt, gequält und entmündigt werden?

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