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„Der Griff nach Eurasien“ – Hermann Ploppa

Hermann Ploppa ist bekannt für seine akribische Recherche und pointierte Interpretation historischer und politischer Ereignisse. Er bringt zusammen, was in der deutschen Medienlandschaft, vor allem auch im Hinblick auf die eigene Historie, komplett verdrängt wurde.

Syrienkrieg, Kurdenkrieg, Propagandakrieg

Die parteiische Macht um acht

Syrienkrieg, Kurdenkrieg, Propagandakrieg

Die Tagesschau stützt ihr Nachrichtenangebot auf transatlantische Agenturen und deren AgitProp-Material

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

Die Türkei ist unter Bruch des Völkerrechts in Nordsyrien eingefallen, mit Zustimmung der  USA. Die haben sich mit ihren „Willigen“ Großbritannien und Frankreich vom Acker gemacht. Rund um die türkische „Operation Friedensquelle“ stinkt es nach Absprache unter allen Konfliktparteien, Kurden inklusive. Kanzlerin Merkel soll bereits im Frühjahr ihr Einverständnis mit Erdogans Plänen erklärt haben. Aber sie, ihre Außenminister-Attrappe Maas sowie die EU insgesamt tun jetzt schrecklich empört und machen dicke Backen. Und die Tagesschau? Leidet an Allergie gegen analytisches Denken, gründliches Recherchieren und sauberes Berichten. Und ist mit ihrem Informationsauftrag objektiv überfordert.

Unsere Spitzenleute aus Hamburg stellen nicht mal die nächstliegenden Fragen: Was wird jetzt aus dem Einsatz der Bundeswehr in Syrien? Was folgt aus der Pleite der deutschen Außenpolitik im Hinblick auf Syrien? Nein, von dieser Redaktion mit dem schönen Titel „ARD-aktuell“ ist keine umfassende Information zu erwarten. Sie machte tagelang nicht mal aufs Offensichtliche aufmerksam: Die Präsidenten Erdogan, Trump, Putin und Assad schert das hilflose deutsche und europäische Gesabbel einen feuchten Staub. ARD-Spitzenjournalisten versuchen aus ihrer Kenntnisarmut bezüglich Kriegsmotiven und -zielen eine Tugend zu machen; sie geben als Ouvertüre ihrer Berichterstattung schon mal die Kurden in Nordsyrien als jüngstes Opfer der Geopolitik aus, als von den USA Verratene; deren „Autonomie“-Projekt Rojava sei am Ende. (1)

Ein Blick in die eigenen Archive hätte sie daran erinnert, dass sie selbst vor gut sechs Jahren die Behauptung verbreitet hatten, die USA wollten nur zeitlich begrenzt in Nordsyrien „eingreifen“. Ein weiterer Blick ins Lexikon hätte ihnen klargemacht, dass „Autonomie“ lediglich selbständige Verwaltung nach innen, jedoch im Übrigen die Unterordnung unter die Außen-, Verteidigungs- und Finanzpolitik sowie unter das Rechtssystem des Zentralstaates bedeutet. Autonomie hatte Syriens Präsident Assad den Kurden wiederholt angeboten. (2) Sie hatten stattdessen wechselnde Bündnisse mit Gegnern Syriens vorgezogen, die syrischen Ölquellen auf eigene Rechnung bewirtschaftet und sich dem Zentralstaat in jeder Hinsicht verweigert. Kurdischer Separatismus, nicht Autonomiestreben: Ein Blick ins Geschichtsbuch hätte ARD-aktuell-Redakteure gelehrt, dass die kurdische Historie eine ebenso tragische wie erfolglose, von Betrug und Verrat der Clanführer sowie von tiefer Zerstrittenheit der Stämme geprägte Suche nach Eigenstaatlichkeit ist. (3, 4)

Obamas „rote Linie“: auch schon vergessen? Erst wurde sie wegen nie nachgewiesener syrischer Sarin-Nervengasangriffe auf die Rebellen deklariert. (5) Als Syriens Präsident Assad überraschend sein Chemiewaffenarsenal unter internationaler Kontrolle vernichten ließ (6), wurde der Kriegsgrund gewechselt wie die schmutzigen Socken: Auf einmal sollte die US-Einmischung der Abwehr der IS-Terroristen dienen. Der „Islamische Staat“ sei eine Gefahr für den gesamten Westen, nicht bloß für Syrien.

Tatsächlich ging es den USA nur darum, den Russen das Feld nicht allein zu überlassen. Eine klare Strategie gegen den IS hatte das Obama-Regime nicht (7). Nur Verbündete für seine abenteuerliche Politik fanden sich schnell, eine Allianz von aggressiven „Willigen“: Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen, Dänemark, Kanada, Türkei, später zeitweise auch noch die Niederlande und Belgien. (8) Und Deutschland? Selbstredend: Die Bundesregierung spielte den politisch inkompetenten, gewissenlosen „Adabei“. Sie diskutierte am 1. Dezember 2015 einen Einsatz der Bundeswehr in Syrien und ließ ihn – ohne ein notwendiges UN-Mandat – von der Bundestagsmehrheit am 4.Dezember beschließen:

“ In diesem Zusammenhang werden auch militärische Maßnahmen auf syrischem Gebiet durchgeführt, da die syrische Regierung nicht in der Lage und/oder nicht willens ist, die von ihrem Territorium ausgehenden Angriffe durch den IS zu unterbinden” (Drucksache 18/6866) (9)

Das muss man besonders würdigen:

Syrien „nicht in der Lage und/oder nicht willens“!

Diese Bösartigkeit war nicht mehr zu toppen. Einem Land, das bereits von internationalen Söldnerbanden, Dschihadisten und Al-Kaida-Mördern verwüstet und an den Rand des Abgrunds gebombt worden war – im Auftrag und mithilfe der USA sowie von deren türkischen, arabischen und europäischen Hiwis! – nun obendrein vorzuwerfen, es sei nicht willens, auch noch den Terror der Kopfabschneider des IS zu unterbinden, das ist der Gipfel deutscher Widerwärtigkeit. Die Tagesschauredaktion prostituierte sich seinerzeit als kritiklose Verkünderin des Kriegseinsatzes von Bundesluftwaffe und Bundesmarine. (10) Was scherte die Journaille schon das Grundgesetz oder das Völkerrecht?

Der Umgang mit den Konflikten in der Großregion Syrien, Irak und Türkei zeigt, mit welcher Verlogenheit, Menschenverachtung und Brutalität der Westen und seine Verbündeten Staaten zerstören, Millionen Menschen in Tod und Elend stürzen, sinnlos Lebensgrundlagen und Kulturgüter vernichten. Schlimmer geht nimmer, aber sie tragen auch noch in maßloser Heuchelei als Motiv die Ideale “Humanität”, “Frieden” und “Freiheit” als Monstranz vor sich her. Sie können sich auf ihre Staatsmedien verlassen, die stellen keine Fragen und gucken niemandem untern Rock. Falls es von dorten gar zu penetrant stinkt, versprühen sie ihr Sprachparfüm: „Invasion“, „Militäroperation“, „Offensive“ usw.

Nur ja kein klares Wort von der Tagesschau: Krieg!

Im Krieg gegen Syrien haben Deutschland, EU, USA, Golfstaaten und viele andere Länder jahrelang das Völkerrecht in Grund und Boden getrampelt. Nicht mehr erfassbar ist die Zahl ihrer Kriegsverbrechen, begangen allein in der Absicht, die Regierung Syriens zu stürzen. Heute heuchelt die Regierung Merkel, „Fluchtursachen bekämpfen“ zu wollen, trägt jedoch gnadenlos dazu bei, der Zivilbevölkerung das Überleben in Syrien zu erschweren. Deshalb wagen viele syrische Flüchtlinge nicht, in ihre Heimat zurückzukehren. Die von Deutschland maßgeblich betriebene EU-Sanktionspolitik trifft in Syrien die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Medizin und Energie. Völkerrechtswidrig, notabene, denn diese Sanktionen seitens der europäischen Kriegspartei verletzen das Humanitäre Völkerrecht. (11)

Trotz dieser Verbrechen sind weite Kreise der deutschen Bevölkerung der Überzeugung, dass “wir” gut und untadelig gegenüber unseren ausländischen “Mitmenschen” seien und nur die “anderen” (“Machthaber” Assad und „autoritärer“ Putin) ihre Opfer brutal, mörderisch und menschenverachtend terrorisierten. Am Zustandekommen dieser Weltsicht hat die Tagesschau erheblichen Anteil. Wie sich schwerste Kriegsverbrechen und die Missachtung moralischer Normen für die Bevölkerung unsichtbar machen lassen (allein vier Millionen tote Muslime in den vergangenen 15 Jahren gehen auf das Konto des Wertewestens, ohne dass uns das bewusst ist), hat Rainer Mausfeld in seinem Vortrag “Warum schweigen die Lämmer?” aufgezeigt. (12)

Nicht nur, aber gerade wieder in der Syrien-Berichterstattung erweist sich ARD-aktuell mit der Verbreitung von Desinformation und Meinungsmanipulation als zuverlässiger Begleiter und Interessenvertreter der Berliner Regierung und der herrschenden transatlantischen Eliten. Am Beispiel der Nachrichtengestaltung über die Türkei und deren Krieg gegen Syrien lässt sich aufzeigen, wie parteiisch und kritiklos oberflächlich die Tagesschau „informiert“. Noch ist die Türkei eben NATO-Mitglied, und gegen einen Bündnispartner wird keine große Keule geschwungen. Auch nicht in unseren Massenmedien. Mit seiner Grenze zum Krisenbogen in Nahost und der beherrschenden Stellung an Bosporus und Schwarzem Meer ist dieser „Partner“ Türkei für die NATO einfach unersetzlich, zumal er nach den USA auch die zweitgrößte Armee des Bündnisses stellt.

(Die Türkei) liefert einen wichtigen Beitrag zu Nato-Operationen. Die Nato wäre ohne die Türkei zweifellos schwächer“ (13),

sagte Nato-Generalsekretär Stoltenberg und ließ die Katze aus dem Sack: Die Türkei grenze an die strategisch bedeutsame Schwarzmeerregion und

ist damit für das Verhältnis gegenüber Russland für das Bündnis wichtig.” (ebd.)

Mit anderen Worten: Deshalb soll man den Türken getrost den Völkerrechtsbruch und ein paar abscheuliche Kriegsverbrechen nachsehen, aktuell die Erschießung von kurdischen Gefangenen und von Zivilisten, den planvollen Einsatz von islamistischen Mördermilizionären (14), den Artilleriebeschuss von städtischen Wohngebieten, die Vertreibung der Zivilbevölkerung … So knautscht der oberste NATO-Funktionär sich die Ideale der „Westlichen Wertegemeinschaft“ halt zurecht und versucht, seinen Dreckskittel als weiße Weste auszugeben:

 „Auch wenn die Türkei ernstzunehmende Sicherheitssorgen hat, erwarten wir von der Türkei, mit Zurückhaltung vorzugehen“ (15),

sagte er bei seinem jüngsten Besuch in Ankara. Er hätte auch sagen können: „Wenn ihr die Sau schon schlachtet, dann macht das aber schön langsam und mit Gefühl, damit es nicht so blutet.“

Stoltenberg, der NATO-Hampelmann, weiß sich einig mit unserer auf Fensterreden und Theaterdonner beschränkten deutschen Politikerklasse. Bundeskanzlerin Merkel habe sich in einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten für eine „umgehende Beendigung der Militäroperation in Nordsyrien“ ausgesprochen, meldete die Tagesschau und war offenkundig nicht fähig und/oder willens, nach der Antwort zu fragen, die der Türke daraufhin gegeben hatte. (16) Nur „Muttis“ angebliche Sorge um den Frieden galt es dem deutschen Publikum zu vermitteln: Ungeachtet berechtigter türkischer Sicherheitsinteressen drohe die Offensive zur Vertreibung größerer Teile lokaler Bevölkerung, zur Destabilisierung der Region und zum Wiedererstarken der Terrororganisation ‚Islamischer Staat’ zu führen.” Diese scheinheiligen Sprüche wurden im gesamten Mainstream als „Nachricht“ verbreitet. (17)

Erdogan dürfte schwer beeindruckt gewesen sein. Bei einer nachfolgenden Ansprache in Ankara fragte er nach Berlin gewandt ebenso höhnisch wie aggressiv:

„Seid ihr auf unserer Seite oder auf der Seite der Terrororganisation?“ (18)

Und schon war erst mal Ruhe im Berliner Karton. Nicht für lange allerdings. Am 17. Oktober gab die Tagesschau Merkels Regierungserklärung vor dem Bundestag auszugsweise wieder. Die Kanzlerin verlangte darin erneut einen Rückzug der Türkei und warnte – welch unfassbare Verlogenheit! –

„Die Militäroperation der Türkei in Syrien bringt in dem ohnehin geschundenen Land nur neues menschliches Leid mit sich.“ (19, 20)

So sind sie, unsere Charakterdarsteller der “Westlichen Wertegemeinschaft”: Bei friedlichen, von der Bevölkerung gewollten Sezessionen wie im Falle der Krim empören sie sich über eine angebliche Völkerrechtsverletzung, bezichtigen Russland der Annexion und beordern Panzerbataillone und Luftwaffengeschwader an die Ostfront. Beim völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Syrien und angesichts der dort veranstalteten  Gräuel ihrer Verbündeten schließen sie die Augen und geben ein paar Seufzer von sich. An ein sofortiges und konsequentes Waffenembargo gegen die Türkei denken sie nicht, von Wirtschaftssanktionen gegen Ankara ganz zu schweigen. Mit Sanktionen terrorisieren sie lieber die syrische Bevölkerung. (21)

Der unaufrichtige Stil, der Verzicht auf eigenständige Recherche und objektive Beschreibung von Interessenlagen, die Unterwerfung unter das transatlantische Propagandadiktat haben Tradition bei ARD-aktuell. Von Beginn des Syrienkriegs im Jahr 2011 an hat diese Redaktion unzählige Völkerrechtsverletzungen der Westlichen Wertegemeinschaft verharmlost oder verschwiegen. Nachrichtenunterschlagung und Falschnachrichten insbesondere hinsichtlich der äußerst zwielichtigen Rolle der Türkei waren gang und gäbe. (22)

Erinnerlich ist sicher noch, dass in der Tagesschau davon die Rede war, dass die Türkei ein ”Teil der von den USA angeführten Koalition gegen den Islamischen Staat“ sei. Eine grobe Irreführung war das, denn wohl bombardierte die Türkei in diesem Bündnis fröhlich mit, machte aber unter der Hand blendende Geschäfte mit den Kopfabschneidern des IS.

“Es ist nicht zu vergessen, dass die türkische Nation dem IS und seinen dschihadistischen Satellitenorganisationen Zuflucht, Reisedokumente, medizinische Versorgung und logistische Unterstützung gewährt hat. Die Türkei war der Hauptempfänger von Öl, das vom Islamischen Staat exportiert wurde, und die Türkei unterhielt Freihandelszonen mit IS in Dscharablus und Ras Al Ayn, die den Islamischen Staat belieferten und ihn über Wasser hielten. Das war Erdogans Politik, und sie wurde vom MIT (Türkischer Geheimdienst) und den türkischen Streitkräften durchgeführt.” (23)

Auch in der Kurdenfrage rudert ARD-aktuell bis heute mit Erdogan im gleichen Boot: Alleweil wird da von

“Schwierigkeiten mit kurdischen Extremisten bzw. der verbotenen PKK im Südosten der Türkei” (24, 25)

schwadroniert. Den Hinweis, dass die PKK bei den UN nicht mehr in der Liste der als terroristisch geltenden Gruppen aufgeführt ist, unterlässt ARD-aktuell regelmäßig und hält damit das vom Verfassungsschutz gepflegte diffamierende Bild vom PKK-Terrorismus gegenüber den Zuschauern aufrecht.

Beim türkischen Angriff auf Afrin (“Operation Ölzweig”) Anfang 2018 setzte ARD-aktuell der Liebedienerei vor dem „Partner“ in Ankara die Krone auf; unisono mit der Merkel-Regierung fand die Darstellung dieses Völkerrechtsbruchs phasenweise in der Diktion türkischer Regierungssprecher statt:

 „Jubel für die befreundete türkische Armee … Es seien kurdische Kräfte gewesen, die Hunderttausende arabische Bewohner in die Flüchtlingslager getrieben hätten, sagt ein anderer Mann, der jubelnd am Straßenrand steht”, 

ließen Tagesschau & Co. verlauten und quasselten damit Erdogans Völkerrechtsbruch zu. Die Angegriffenen, die Kurden, kamen damals nicht zu Wort. (26) Wen wundert das noch?

Der Begriff “Völkerrechtsbruch” spielte in der gesamten Berichterstattung zum Überfall auf Afrin keine Rolle, obwohl sogar der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages gutachtete:

“Einen überzeugenden Beweis dafür, dass sich die allgemeine Bedrohungssituation an der syrisch-türkischen Grenze zu einer konkreten Selbstverteidigungslage verdichtet hat, hat die Türkei nicht angetreten.” (27)

Das Gutachten wurde sowohl von der Bundesregierung als auch von ARD-aktuell ignoriert. Scheinheilig wie gewohnt bezeichnete die Kanzlerin die türkische Aggression in Afrin als „inakzeptabel“, genehmigte aber weiterhin Rüstungsexporte. (28) Parallel dazu unterschlug die Tagesschau, dass aus Afrin 200 000 Kurden mithilfe der mörderischen dschihadistischen Hilfstruppen Erdogans vertrieben wurden. Das Fähnchen der Redaktion flatterte im NATO-Wind.

Jetzt, ein Jahr später, seit US-Präsident Trump die Kurden als Verbündete im Kampf gegen den IS fallen ließ und sie der Unterwerfung und Vertreibung durch die türkischen Aggressoren aussetzt (29), fließen plötzlich in der Tagesschau die Krokodilstränen. Gegen den ohnehin missliebigen und grobschlächtigen Trump sind ja verbale Ausfälle erlaubt: Der US-Präsident übe

 “Verrat an einem Verbündeten”,

heißt es da. Und als die ARD-aktuell-Redaktion tatsächlich berichtet, Syriens Präsident Assad habe den Kurden Schutz und Zusammenarbeit angeboten, kommt sie auf einmal sogar ohne den Schmähtitel “Machthaber“ aus. (30) Auch ansonsten war vorübergehend sachlicher Journalismus angesagt: ARD-Kommentatoren wagten sich aus der Deckung des transatlantischen Schutzwalls und sprachen Klartext. (31) Ausnahmsweise.

Das war allerdings  beileibe kein grundsätzlicher Kurswechsel. Die Redaktion folgte nur notgedrungen der Einsicht, dass eine fortgesetzt türkenfreundliche und kurdenfeindliche Berichterstattung aus Syrien der Öffentlichkeit nicht mehr vermittelbar gewesen wäre. Stattdessen nimmt sie nun die Gegenposition ein und bietet eine andere Art von Wirklichkeitsverfälschung: Die Kurden werden glorifiziert als Verfechter von Demokratie, Gleichberechtigung für Frauen, tüchtige und erfolgreiche Menschen, deren

„Wirtschaft floriert, im Vergleich zu Restsyrien”. (32)

Mit keinem Wort weist diese Journaille darauf hin, dass Syriens Ölquellen hauptsächlich in Nordosten des Landes sprudeln, dass die Kurden die Region abspalteten und sich die Ressourcen im Verein mit den USA widerrechtlich aneigneten, und dass in diesem Ränkespiel eine der entscheidenden Ursachen für die vollkommen desolate wirtschaftliche Situation Syriens zu sehen ist.

Wie konnten sich die Kurden nur jemals auf die USA als Schutzmacht verlassen? Eine Frage, die die Tagesschau im Bezug auf deutsche Interessenlagen ebenfalls nicht stellte. Eine Frage, die sich jedem „Partner“ dieser westlichen Wertegemeinschaft aufdrängt, sogar den Saudis. (33). Die Anschlussfrage für einen qualifizierten deutschen Außenminister müsste doch lauten:

Was hält uns Deutsche eigentlich in der NATO, in diesem Syndikat von Völkerrechtsverächtern und Kriegsverbrechern?

Und die Tagesschau müsste diesen Minister vom ARD-Hauptstadtstudio dazu befragen lassen, und zwar unter Verzicht auf alle bisher übliche Schleimscheißerei.

Aber ach, das ist ja das Elend: Die ARD-aktuell macht ihren Job nicht, sondern betreibt bloß Gefälligkeitsjournalismus. Ein besonders eindrucksvolles Muster von Manipulation ist das „Erklärstück“ über die angeblichen Interessenlagen der Beteiligten im kurdisch-türkischen Konflikt. (34) Darin fehlt der deutsche Part, obwohl unsere Regierung fraglos bis zur Halskrause mit im Schlamassel steckt – und obwohl sie eine Hauptrolle bei der europäischen Widerwärtigkeit spielt, die Türkei als Bollwerk gegen syrische Flüchtlinge aufzubauen. Sie legt dem Erdogan für die dazu erforderlichen Schweinereien denn auch sechs Euromilliarden auf die Kralle – in Raten.

Merkel, Maas und ihre EU-Kumpane wollen die europäischen Länder soweit möglich “flüchtlingsfrei” halten. Die zwangsweise Umsiedlung syrischer Hilfebedürftiger in wüstenähnliche Gebiete und abgeschirmte “Sicherheitszonen” weit weg von Europa nehmen sie in Kauf. Es handelt sich unbestreitbar um eine weitere schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts. Um die naheliegende Problemlösung, nämlich die brutalen Sanktionen aufzuheben, über den Wiederaufbau Syriens mit den Verantwortlichen in Damaskus zu verhandeln und dafür die Milliardenbeträge aufzuwenden, weil das die freiwillige Rückkehr der syrischen Flüchtlinge ermöglichte, machen diese Politnieten einen großen Bogen. Wo Machtfragen entschieden werden, bleibt mitmenschliche Vernunft oft auf der Strecke.

Erdogans Pläne für “Abschiebelager” jenseits der Südgrenze seines Staates sind, wie eingangs erwähnt, nicht neu. So hatte er großmäulig schon vor Monaten angekündigt, dass das staatliche Wohnungsbauunternehmen Toki im nun umkämpften Sicherheitsstreifen “zweistöckige Häuser mit Garten” für die rückkehrenden Syrer bauen werde. Merkel habe diese Pläne gutgeheißen, ließ er bereits Anfang des Jahres wissen. (35) Deutsch-türkische Kumpanei: so eng, so verständnisinnig und „freundschaftlich“, dass unser Außenminister-Darsteller Maas beim Besuch in Ankara mit seinem türkischen Amtskollegen zum vertraulichen Du überging und die bisherigen Meinungsverschiedenheiten als “Missverständnisse” abtat. (36) Ein Schmierlappen wirkt dagegen vergleichsweise appetitlich.

Auch für dieses Detail – unser Außenministerlein ohne Rückgrat scharwenzelt vor der Hohen Pforte – war kein Platz in den Angeboten der Tagesschau. Sie übernahm lieber unkritisch die euphemistische Formel “Sicherheitszone” von der türkischen Regierung, als von einer geplanten Annexions- und Deportationszone zu sprechen. Obwohl außer Frage steht, dass die Türkei weder echten Bedarf noch gar einen Anspruch auf eine Sicherheitszone auf syrischem Territorium hat. Die syrisch-türkische Grenze ist bereits eine der am stärksten befestigten und bewachten Grenzen der Welt. Ein hoher und viele Meter tiefer Stacheldrahtwall auf stark vermintem Gelände und mit Wachposten auf kurze Distanz zueinander, so zeigt sich diese Sperranlage auf der gesamten Grenzlänge. (37)

Das ist die Kulisse, vor der die Tagesschau schon jetzt versucht, die geplante Deportation von Flüchtlingen zu verschleiern und die deutsche Öffentlichkeit für die Deportationszone einzunehmen. (38) Tenor: Ist doch alles halb so schlimm, das sagen ja sogar die Menschen, die dort leben … Eine grundsätzlich kritische Position gegen den türkischen Expansionismus nach Syrien wird nicht riskiert.

Verkehrte Welt. Verkehrt unter tätiger Mitwirkung der Tagesschau: Da entscheidet dieser abstoßende, großsprecherische, grobschlächtige, stillose, pöbelnde, von seinen innen- und außenpolitischen Gegnern ebenso gehasste wie verachtete US-Präsident Trump endlich und ausnahmsweise, mal das Richtige zu tun – ob willentlich oder unbeabsichtigt, bleibt dahingestellt – und beendet eine völkerrechtswidrige militärische Einmischung der USA. Er lässt die Bombenflüge einstellen und befiehlt seinen Truppen den Abzug aus einem Land, in dem sie nichts verloren hatten und von dem er ohnehin nicht viel zu wissen scheint; prompt wird ihm auch das wieder als geostrategischer Fehler angekreidet, als „Verrat an Verbündeten“, als Geschenk an IS-Terroristen, als Preisgabe einer geopolitisch wichtigen Bastion der USA und als Verzichtpolitik zugunsten Putins.

So tönt es auch aus der Tagesschau. Nicht wortwörtlich, aber dem Sinne nach. Dass sich mit dem US-Rückzug zumindest eine Option für das Ende des seit fast neun Jahren tobenden Syrienkrieges ergibt, darauf machte die ARD-aktuell-Redaktion nicht aufmerksam. Sie setzt ohnehin nicht auf den Wissens- und Erfahrungsreichtum unabhängiger Fachleute. Die Journalistin Karin Leukefeld, der Publizist Michael Lüders oder Prof. Günter Meyer beispielsweise tauchen nicht als Interviewpartner im Nachrichtenangebot auf, trotz ihrer enormen Sachkenntnis.  (39).

Tagesschau-Leute versetzen sich auch nicht in die Lebensrealität der Bewohner Nordsyriens und empfinden nicht nach, dass die selbst einen brüchigen, vorübergehenden Waffenstillstand und den Teilabzug kurdischer Milizen als ein Geschenk des Himmels begrüßen. Kaum hatte Trump mit einer Feuerpause seinen neuesten „Deal“ gemacht, erlaubte sich die intellektuelle Lichtgestalt der Tagesthemen, Caren Miosga, den als wertlos zu bemäkeln:

„Nach Syrien und zu einer Waffenruhe, die den Namen nicht verdient. Das war gestern Abend schon klar. Heute Nacht und am Tag wurde weitergeschossen…“(40)

Die Redaktion wahrt den Kurs der US-amerikanischen Kriegsindustrie und deren politischer Gefolgschaft, voran der deutschen Regierung. Dass die Berliner Außenpolitik nicht den kleinsten substantiellen Beitrag zur Konfliktlösung in Syrien leistet, bleibt unkommentiert. Nicht etwa die Tagesschau, sondern ein hessischer Publizist und seine Unterstützer hielten fest, was tatsächlich hinter den Berliner Kulissen gespielt wurde: Dass unser größter Außenminister aller Zeiten, der ungebremste Selbstdarsteller Heiko Maas, abseits jeder friedenspolitischen Linie mit den kurdischen Anführern in „Rojava“ paktierte, solange die noch das syrische Öl kontrollierten, es dem syrischen Staat entzogen und ihn damit wirtschaftlich auszubluten halfen. (41)

Die ARD-aktuell sollte auftragsgemäß das Informationsinteresse der Öffentlichkeit wahrnehmen und es insbesondere gegenüber der Bundesregierung durchsetzen. Ergo müsste die Redaktion das „ARD-Hauptstadtstudio“ beauftragen, sich diesen Maas mal gründlich vorzuknöpfen, ihn journalistisch sauber zu durchleuchten und auf sein Normalmaß zurechtzuschrumpfen. Doch eher geht das bekannte Kamel durchs besagte Nadelöhr. Bis dahin heißt es nur „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“. Alle Angaben wie immer ohne Gewähr.

 

Quellen

(1) https://www.tagesschau.de/kommentar/nordsyrien-tuerkei-101.html
(2) https://www.rubikon.news/artikel/kurden-im-zwielicht
(3) https://www.youtube.com/watch?v=NzdZes1MFa0.
(4) https://www.westendverlag.de/buch/die-kurden/
(5) https://www.heise.de/tp/features/US-Verteidigungsminister-Mattis-Keine-soliden-Beweise-fuer-Chemiewaffenangriff-4023021.html
(6) https://www.spiegel.de/politik/ausland/giftgas-aus-syrien-usa-melden-zerstoerung-der-chemiewaffen-a-986816.html
(7) https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/obama-und-der-syrien-konflikt-unloesbare-widersprueche-12569426.html
(8) https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Allianz_gegen_den_Islamischen_Staat
(9) https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2015/kw49-de-bundeswehreinsatz-isis-freitag-397884
(10) https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-11471.html
(11) https://www.eda.admin.ch/dam/eda/de/documents/publications/GlossarezurAussenpolitik/ABC-Humanitaeren-Voelkerrechts_de.pdf
(12) https://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150806_Mausfeld.pdf
(13) https://www.welt.de/politik/ausland/article164117644/Die-Nato-waere-ohne-die-Tuerkei-zweifellos-schwaecher.html
(14) https://www.heise.de/tp/features/Tuerkische-Proxy-Truppen-Das-uebelste-Gesindel-4559155.html
(15) https://www.dw.com/de/nato-mahnt-türkei-zur-zurückhaltung/a-50792615
(16) https://www.tagesschau.de/inland/merkel-tuerkei-159.html
(17) https://www.spiegel.de/politik/ausland/offensive-in-syrien-angela-merkel-fordert-umgehende-beendigung-a-1291349.html
(18) https://www.tagesschau.de/inland/merkel-tuerkei-159.html
(19) https://www.tagesschau.de/inland/merkel-bundestag-brexit-103.html
(20) https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/merkel-wirft-türkei-destabilisierung-in-syrien-vor/ar-AAIV4XD?ocid=spartandhp
(21) https://www.rubikon.news/artikel/sanktionen-bis-zum-tod
(22) https://publikumskonferenz.de/forum/viewtopic.php?f=44&t=1262
(23) https://www.heise.de/tp/features/Erdogans-Ziel-ist-die-regionale-Dominanz-4551918.html
(24) https://www.tagesschau.de/kommentar/kommentar-nordsyrien-101.html
(25) https://www.tagesschau.de/inland/pkk-129.html
(26) https://www.tagesschau.de/ausland/tuerkei-syrien-149.html
(27) https://www.bundestag.de/blob/546854/07106ad6d7fc869307c6c7495eda3923/wd-2-023-18-pdf-data.pdf
(28) https://blog.ard-hauptstadtstudio.de/afrin-ruestungsexporte-101/
(29) https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/arabische-hilfstruppen-erdogans-schreckliche-helfer-16431463.html
(30) https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-tuerkei-147.html
(31) https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-604553.html
(32) https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-tuerkei-143~_origin-5ae5a3fe-1258-4098-bf31-98f868c63c9b.html
(33) https://russia-insider.com/en/politics/no-more-blank-check-syria-withdrawal-signals-saudis-they-cannot-count-us-fighting-their
(34) https://www.tagesschau.de/ausland/nordsyrien-krieg-akteure-101.html
(35) https://www.tagesspiegel.de/politik/bis-zu-einer-million-zusaetzliche-fluechtlinge-aus-syrien-erdogan-droht-europa-mit-grenzoeffnung/24985940.html
(36) https://taz.de/Heiko-Maas-zu-Besuch-in-der-Tuerkei/!5533765/
(37) https://www.mena-watch.com/die-tuerkei-braucht-keine-sicherheitszone-in-syrien/
(38) https://www.tagesschau.de/ausland/syrien-sicherheitszone-tuerkei-fluechtlinge-103.html
(39) https://web.de/magazine/politik/syrien-konflikt/experte-tuerkischen-militaeroperation-syrien-erdogan-scheitern-34096368
(40) https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt-7075.html
(41) http://www.barth-engelbart.de/?p=217517

 

Das Autoren-Team: 

Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.

Volker Bräutigam, Jahrgang 1941, Redakteur. 1975 bis 1996 Mitarbeiter des NDR, zunächst in der Tagesschau, von 1992 an in der Kulturredaktion für N3. Danach Lehrauftrag an der Fu-Jen-Universität in Taipeh.

Anmerkung der Autoren:

Unsere Beiträge stehen zur freien Verfügung. Wir schreiben nicht für Honorar, sondern gegen die „mediale Massenverblödung“ (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden vom Verein „Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtlicher Medien e.V.“ dokumentiert: https://publikumskonferenz.de/blog 

Die Zukunft: der Triumph der Barbarei

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Sonntag, 20.Oktober 2019, Eifel. Vor unseren Augen bricht derzeit eine ganze Weltordnung zusammen, doch niemanden kümmerts. Erdogan, der Mann, der Gegner und Journalisten verfolgen läßt wie kein anderes Natomitglied, überfällt ganz offen und ohne Scham sein Nachbarland – aber erst nachdem die Amerikaner, die es vorher überfallen hatten, abgezogen waren. Kriegserklärungen gab es keine, die Genfer Konvention wurde augenscheinlich auch nicht eingehalten, jedenfalls hört man von „türkischfreundlichen Milizen“, die Hinrichtungen vollziehen (siehe t-online). Er spricht offen davon, dasser sich am großosmanischen Reich orientiert, es als „Vorbild“ nimmt – angeblich erzählt er häufiger sogar stolz von der Belagerung Wiens durch die Türken (siehe Welt). Erinnert mich an Mussolini, der sich am römischen Reich orientierte und das Mittelmeer zu seinem Meer machen wollte. Wer finanziert diese Milizen? Nun – Überraschung: die Bundesrepublik Deutschland. Ja – wir finanzieren dort sogar rechtsextreme Brigaden (siehe Heise). Nur damit Sie mal wissen, was mit  Ihrer CO2-Steuer so alles gemacht wird.

Was ist nur aus unserer einst so modernen, aufgeklärten Welt geworden? Wir hatten nach zwei verheerenden Weltkriegen – bei denen Deutschland nicht so gut weg gekommen ist – so viele politische Mechanismen installiert, die Kriege auf ewig verhindern sollten – und doch gelingt es nicht. Auch die Aussichten für die Zukunft sind entsprechend düster: wir erklären keine Kriege mehr – so wie Japan noch offziell den USA oder auch Hitlerdeutschland – wir führen einfach militärische Offensiven durch, die Kollateralschäden in Millionenhöhe hinterlassen, nehmen aber das Wort Krieg gar nicht mehr in den Mund: genial, oder? Man stelle sich vor, wir würden alles so verfahren: einfach das Wort „Raub“ aus dem Sprachgebrauch streichen und demnächst mit der Kalaschnikow bei Aldi einkaufen, lustige Beschreibungen würden uns sicher dafür einfallen – zur Not gibt es eine ganze gut bezahlte Branche, deren Beruf es ist, solche Begriffe zu erfinden … „Einkauf mit robustem Mandat“ käme mir da so in den Sinn. So kann auch jeder zu einem sonst unerschwinglichem umweltfreundlichen Tesla oder Elektroporsche kommen. Auch die Mietprobleme könnten sich so lösen lassen: einfach einziehen und es „Wohnungstausch“ nennen: wir kriegen eure Villa, ihr unsere Schimmelbude, die ihr uns zuvor teuer vermietet habt.

Bezogen auf das eigene Land wird einem schnell klar: solche Regeln der Barbarei wollen wir national gar nicht haben, international sind sie aber schon längst da – und sie färben ab. Das Respekt und Anstand, Ehre und Würde eher seltenere Erscheinungen geworden sind, kann eigentlich jeder schnell merken, ich sage nur: Hartz IV. Wir haben oft darüber gesprochen, Fallbeispiele veröffentlicht – man muss die Klage nicht endlos neu formulieren. Den einen ist es zur Genüge bekannt, die anderen beten, dass sie nicht in eine solche Situation geraten: wie 1933-45, als immer mehr Nachbarn spurlos verschwanden. Sie staunen? Meinen, dass sei nicht so schlimm? Mir liegt ein Protokoll eines Hausbesuches des Ermittlungsdienstes des Jobcenters Rhein-Neckar vor, das einem die Haare zu Berge stehen läßt. Leider kann ich es nicht veröffentlichen – ich traue mich nicht … und merke selbst schon die Angst, die die Betroffenen selbst spüren müssten. Klar wäre es ein leichtes, die Beschreibung zu kopieren und hier hinein zu stellen: aber was dann? Es sind zwei schwer kranke Menschen, die davon betroffen sind – und dass dieser Staat selbst alleinerziehenden Müttern die Bezüge um 100 Prozent kürzt: das war sogar schon Thema in der satirischen Heute-Show des ZDF. Kürzung heißt: auch Miete und Krankenkassenbeiträge werden nicht mehr bezahlt. Was heißt das eigentlic konkret? Nun: das Kind wird zum Tode durch verhungern preis gegeben, weil die Mutter nicht genug anschafft. Soweit sind wir in diesem Land. Und deshalb halte ich mich lieber zurück, um die Augenzeugen des Vorfalls zu schützen.

Sicher, werden Sie jetzt sagen: das sind Einzelfälle. Bedauerliche Einzelfälle, die nun mal vorkommen. Nur: als Philosoph darf man das anders sehen, weil wir nach den allgemeinen Prinzipien schauen, die unsere Zivilisation tragen und ausmachen, jene viel beschworenen Werte, für die wir jeden Tag aufs neue in den Krieg ziehen und uns völlig unbekannte Menschen töten – wie in Afghanistan und Mali.

Sie werden wahrscheinlich nun auch anbringen: die schreckliche Zeit des Dritten Reiches ließe sich doch überhaupt nicht vergleichen mit der Gegenwart: immerhin haben wir keine Konzentrationslager – obwohl sowas für Arbeitslose auch schon mal gefordert wurde … ebenso wie ihre öffentliche Kennzeichnung, wobei noch nicht klar war, wie denn das Symbol aussehen sollte, dass jeder Arbeitslose zu tragen hätte.

Sie verkennen die taktische und strategische Situation der damaligen und der heutigen Zeit. Damals war Deutschland noch ein Land mit viel Ackerbau, voller Felder und Wälder. Man wusste, wo was zu holen war, die dezentrale Versorgung hatte eben auch Vorteile, zumal – die Deutschen an sich (von ihren Führungen mal abgesehen) ein recht anständiges, hilfsbereites und gastfreundliches Volk waren – so wie es die germanischen Sitten (siehe Aphorismen) verlangten: es war also denkbar, dass schnell viele Nachbarn einsprangen, wenn Not war. Also musste man die Menschen zur Vernichtung ins Lager verfrachten – was teuer war.

Heute aber – gibt es nur noch wenig landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, ihre Zahl hat allein seit 1975 rapide abgenommen (siehe Statista). Wer hier was zu essen haben will, der braucht Geld, denn unsere Anbauflächen liegen in China bzw. Afrika. Und wenn man den Menschen das Geld streicht … nun, dann gibt es eine gute Chance, dass sie verhungern. Noch gibt es genug Mitmenschen, die diese Situation verhindern, aber machen wir uns nichts vor: nach dem Willen des Staates wären sie dem Tode geweiht. Das geht bei unserem hohen Organisationsgrad ganz ohne Lager.

Flankierend zu der Versorgungssituation sind jedoch auch zwei weitere Maßnahmen ergriffen worden – nicht nur in Deutschland – die dafür sorgen, dass die Hilfsbereitschaft heutzutage nicht mehr all zu weit reicht.

Die eine Maßnahme war: eine große Medienoffensive auf breiter Front, die den arbeitslosen Mitmenschen als asozialen Parasiten darstellte – sogar in Broschüren des Ministeriums (siehe Harald Thomé)

„Biologen verwenden für „Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedi-gung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben“, übereinstimmend die Bezeichnung „Parasiten“. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen. Schließlich ist Sozialbetrug nicht durch die Natur bestimmt, sondern vom Willen des Einzel-nen gesteuert. Wer den Grundstock seines Haushaltseinkommens bei der Arbeitsagentur oder der für das Arbeitslosengeld II zuständigen Behörde kassiert und im Hauptberuf oder nebenher schwarzarbeitet, handelt deshalb besonders verwerflich. Schwarzarbeiter nehmen den Staat auf doppelte Weise aus: Erstens verdienen sie Lohn, für den sie weder Steuern noch Sozialabgaben entrichten. Dabei benutzen sie dieselben Straßen, schicken ihre Kinder in dieselben Schulen und rufen in Not dieselben Polizisten zu Hilfe wie die ehrlichen Steuerzahler. Aber schwarzarbeitende Arbeitslose verweigern nicht nur ihren Anteil an der „Ge-meinschaftskasse“; zusätzlich bedienen sie sich aus den Töpfen, die von der Mehrheit der Ehrlichen im Land gefüllt werden.“

Liest sich wie eine Abhandlung nationalsozialistischer Völkerkundler über jüdische Mitbürger – ist auch im Prinzip dasselbe. Da hat eine Menschenverachtung in den Behörden und der Regierung überlebt, die noch schlimme Folgen haben wird, wenn wir sie nicht eindämmen. Übrigens kommt niemand auf die Idee, den gleichen Grundsatz, der hier für Arbeitslose aufgestellt wird, auf große Konzerne zu übertragen: auch sie nutzen unsere Straßen, schicken ihre Kinder (und die ihrer Mitarbeiter) auf unsere Schulen und rufen in Not diesselben Polizisten wie die ehrlichen Steuerzahler – obwohl sie teilweise trotz Milliardengewinnen weniger Steuern zahlen als … ich.

Die andere Maßnahme war subtiler, läuft aber weltweit mit sehr großem Erfolg: die Zerstörung des Urvertrauens in die Menschheit als solche, die ebenfalls in breiter Front vorgenommen wird. Sie ist substantiell noch zersetzender als die Schaffen einer neuen Kaste von Ausgestossenen (früher: Juden, heute: Arbeitslose) und kommt ganz harmlos daher: als Unterhaltungsfilm. Im nationalen Filmmarkt sind es die Krimis, die uns umerziehen: dort sehen wir mindestens zehn mal soviel Mordopfer wie es überhaupt in der Realität gibt, ein grenzenloses Gemetzel in deutschen Stuben (siehe z.B. Stern). Der „Gast“ der Edda ist … ein potentieller Mörder geworden.

Noch brutaler zeigen sich internationale Produktionen, die mit großem Aufwand herausgebracht werden – nehmen wir als herausragendes Beispiel die Endlosserie „Walking Dead“, die den Weg einer kleinen Gruppe verlorener Menschen in einer von Dämonen (Zombies) überranten Welt beschreibt … eigentlich ein Mythos, der wie geschaffen ist, eine Geschichte zu erzählen, wie sich die Menschheit vereint angesichts größter Gefahr – doch erzählt wird eine andere Geschichte, denn: nicht die Zombies sind das eigentlich dämonische, sondern – die Menschen. Kannibalen, Massenmörder, Barbaren, sadistische Tyrannen: der Zusammenbruch der bürgerlichen Ordnung zeigt, was der Mensch wirklich ist: eine Bestie.

Der nächste Blockbuster: Games of Thrones. So eine Art „Dallas“ im Mittelalter – und in der Tat wurde mit dieser alten Serie über texanische Ölbarone der Angriff auf das allgemein positive Menschenbild in breiter Front gestartet: Held der Serie war J.R.Ewing (genial dargestellt von Larry Hagman), ein sadistischer asozialer Psychopath, der genau den „Erfolgstyp“ zeigte, den Reagan und Thatcher hervorzubringen wünschten. Während es bei „Dallas“ noch einen positiven Gegenpol zu dem Bösen gab (den jüngeren Bruder, die ruhigen Eltern), fällt der bei Games of Thrones völlig weg: der Mensch ist dort des Menschen Wolf – und ich behaupte, dass so etwas mit völliger Absicht verbreitet wird. Es ist eine Serie, die dem Weltbild von „Aktenzeichen XY“ Recht gibt, wo jeden Freitag Abend dem westdeutschen Bürger gezeigt wurde, wie niederträchtig, hinterhältig und gemein sein Nachbar war – eine ganze Industrie an Versicherungen und Sicherheitsfirmen hat sich eine goldene Nase an der Philosophie verdient … während wir in der Eifel noch offene Wohnungstüren haben, damit die Nachbarn auf ein Pläuschchen hereinkommen können.

Noch mehr Beispiele? Machen Sie doch einfach den Fernseher an – die Menschenverachtung sieht man nicht nur in angelsächsischen Serien, sondern auch im Dschungelcamp. bei DSDS, Big Brother oder diversen Modell- und Datingshows. Soll ja jetzt auch ein Fernsehformat geben, wo „der Hartzer“ vorgeführt wird. Und Anschläge wie der in Halle sorgen dafür, dass solche dunklen Mythen weiter verbreitet werden, wie es scheint, hat der antisemitische Attentäter nebenbei einen Gesinnungsgenossen erschossen (siehe Taz): Barbaren unter sich, das zeigt, wie gefährlich die Welt da draußen geworden ist. Kein Wunder, dass nur noch Kinder demonstrieren gehen.

Das ganze hat einen sehr bedeutsamen Hintergrund aus der Tradition der politischen Philosophie. Thomas Hobbes (1588-1679) hatte seinerzeit in seiner Schrift Leviathan ein Plädoyer für den absoluten Herrscher gehalten, dass in sich logisch und sehr überzeugen war. Damit seine Staatstheorie funktioniert, bedurfte es nur einer kleinen Voraussetzung: der Mensch musste an sich ein absolut asoziales Wesen sein – der Mensch musste zum „Wolf des Menschen“ werden. Natürlich müssen alle Menschen – oder wenigstens die Mehrheit – dieser Idee zustimmen … und da sind wir auf dem besten Wege. Dort wo der Mensch der Wolf des Menschen ist, braucht man eine – alternativlose – Supermacht, die diese Bestie im Zaum hält: den Monarchen. Ich gebe der Menschheit keine hundert Jahre mehr, dann haben wir ihn wieder: den absolutistischen Herrscher. Praktisch gesehen ist er heute schon da, als Weltherrscher in Form von weitgehend unbekannten „Investoren“, die die Geschicke des Planeten lenken.

Ist der Mensch aber ein soziales Wesen – wie etwa die alten Germanen – dann brauchen wir keinen Kaiser. So einfach ist politische Philosophie.

Und wenn Länder anfangen, sich untereinander wie Barbaren zu verhalten: wie wird wohl dann die politische Forderung der Zukunft aussehen? Die Schlussfolgerung ist jetzt schon erkennbar: wir werden eine autoritäre Macht brauchen, die mit strenger Hand durchgreift – gegen Erdogan und gegen Arbeitslose.

Und alle werden wieder jubeln.

Erstmal.

Und dann wird man wieder merken, was es wirklich bedeutet. wenn Menschen keine Würde mehr haben – und was dann wieder alles passieren kann.

Denken Sie nur mal daran, was Wirtschftsminister Peter Altmaier gerade an die Wand malt: es ist kein Geld für Rente mehr da (siehe ntv). Und was dann?

Im Klima-Bürgerkrieg  – Wenn sogar Friedensbewegte die Mistgabel aus dem Keller holen …


Obwohl man auf Rubikon in letzter Zeit auch fragwürdige Artikel zu lesen bekommt, z.B. Plädoyers für das Anheimgeben der Menschheit an die „Künstliche Intelligenz“, also unter ein kaltes Zahlensystem (siehe „Auf die Knie vor Gott KI“), so muss man diesem Magazin auch zugute halten, dass es ein relativ breites Spektrum an Meinungen veröffentlicht und durchaus auch unpopuläre Stimmen zu Wort kommen lässt. Inmitten der aktuellen Klimadiskussion grenzt es ja fast schon an Ketzerei, wenn ein Autor sich diesbezüglich nicht bedingungslos demjenigen unterstellt, was man derzeit gemeinhin als rationale Vernunft und Wissenschaftlichkeit versteht. „Unite Behind The Science“ ist das Gebot der Stunde. Konzernwirtschaftliche („wissenschaftliche“) Experten sollen jetzt alles regeln. Angesichts der drohenden  Katastrophe darf man die Entscheidungshoheit nicht mehr dummen Politikern überlassen, die von noch dümmeren Bürgern gewählt werden.

Sogar unsere vermeintlich klügsten Köpfe in Sachen Meinungsmanagement und massenmedialer Manipulationstechniken sind aktuell geneigt, mit diesen Experten an einem Strang zu ziehen und blasen zum Kampf gegen die noch verbliebenen Feinde der wissenschaftlichen Vernunft: zum „Kampf gegen Rechts“, gegen „Querfront“ und „Verschwörungstheoretiker“, die sich dem wissenschaftlichen Konsens entgegenstellen und damit unsere Zukunft gefährden. Sogar bei alternativen Journalisten, die sich bisher in sehr verdienstvoller Weise für Toleranz und kritisches Denken wider die herrschende Meinung eingesetzt haben, ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht. Auch ihnen kommt nun zu Bewusstsein, dass man gegenüber den unverbesserlichen Querköpfen endlich eine andere Gangart einschlagen muss, so wie das auch unsere Regierung im Chor mit dem Bundespräsidenten fordert.

How dare you?

Dieses „Pack“, dem nicht nur Sigmar Gabriel, Angela Merkel, Heiko Maas und Frank-Walter Steinmeier bereits ihre ganze Verachtung ausgedrückt haben, bekommt es nun auch mit den Vertretern der alternativen Intelligenzia zu tun, die nun ebenfalls realisieren, wie verachtenswert dumm dieser Pöbel eigentlich ist und mit was für „Plumpsklokommentaren“ (Bröckers) dieser Pöbel da auch am laufenden Band die Foren flutet.

Diese einfältigen, bildungsfernen Kleinbürger, die gegen Monatsende kaum wissen, wie sie die Rechnungen begleichen und ihre Familie durchbringen sollen und nebenher akut mit Jobverlust bedroht sind, haben die nichts anderes zu tun als auf diese arglose Greta und den hippen Rezo loszugehen? Auch auf den Nachdenkseiten, die sich ansonsten eher für die Position des von der SPD verwaisten kleinen Mannes einsetzen, kann man die widerspenstige Haltung des kleinen Mannes bzw. der kleinen Frau nicht mehr nachvollziehen und gibt man sich fassungslos über das breite negative Feedback, das nach euphemistischer Berichterstattung über die Klimabewegung rund um Rezo und Greta von der Stammleserschaft zu vernehmen war. Wie kann es nur so einen Shitstorm über etwas geben, was doch „nur gut ist“, frägt sich NDS-Chefredakteur Jens Berger. Und veröffentlicht postwendend eine „Worst Of“-Leserbriefcollage, anhand derer nun hoffentlich jeder vernünftige Bürger ersehen kann, wie unqualifiziert und abseitig die Kritiker der Klimabewegung argumentieren und dass man schleunigst etwas unternehmen sollte, wenn dieses Land nicht endgültig zu Dunkeldeutschland werden soll. Auch Rubikon-Chefredakteur Jens Wernicke sieht für Kritiker der  Klimabewegung „keinerlei wissenschaftlichen Spielraum“, Tilo Jung&Naiv hat schon vor einiger Zeit auf Twitter aufgefordert, dass man solche Menschen „lächerlich machen muss“.

Ja wirklich: Warum hält dieser Pöbel nicht einfach still und lässt sich das Fell über die Ohren ziehen, während jetzt im Zuge der medial forcierten CO2-Debatte alle anderen abgründigen Probleme einfach vom Tisch verschwinden? How dare you? Wie kann es dieses bildungsferne Pack, das sich tagsüber mit ölverschmierten Fingern in irgendeiner Fertigungshalle als Arbeitsameisen in der Zulieferungsindustrie für SUVs und sonstige Wohlstandprodukte für die Ober- und Mittelklasse verdingt, wagen, sich dann abends trotz Erschöpfung noch hinter den Bildschirm zu setzen und „mit subjektiv überzeugten Intuitionen“ gegen das Widerstand zu leisten, was doch herrschender Konsens unserer wissenschaftlichen Experten ist? Da müssen sogar die scharfsinnigsten Kognitionswissenschaftler passen, das sei „kognitionswissenschaftlich nicht zu erklären“ (Mausfeld). Dass Noam Chomsky, den unsere alternative Intelligenzia  eigentlich gelesen haben sollte, besagte  wissenschaftlichen Experten als „säkulare Hohepriester und Wachhunde der Machtelite“ bezeichnet, die dem Pöbel „verkünden, was er glauben soll“ … – wie vergessen scheinen alle diese Einsichten, die uns in der Maschinerie des Manufacturing Consent eigentlich stets zur Vorsicht gegenüber herrschenden Ansichten und medial propagierten Trends anhalten sollten. Aber mit der drohenden Klimakatastrophe, in Kombination mit dem Auftreten argloser schützenswerter Kinder und Jugendlicher, die jetzt zu unser aller Freude endlich anfangen aufzuwachen und politisch zu werden, wird  jetzt offensichtlich etwas getriggert, das selbst bei den scharfsinnigsten und zweifellos wohlmeinenden Intellektuellen einige Hebel umlegt.

Teufelskreis

Liest man die aktuellen Forumskommentare und sozialen Medien quer, so zeigt sich eine vielfache Enttäuschung über Personen aus dem alternativen Medienspektrum, von denen man vor Kurzem noch restlos begeistert war und von denen man sich Aufklärung und eine Wende der Verhältnisse versprochen hat. Viele enttäuschte Diskussionsteilnehmer sind nun ebenfalls geneigt, gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten und alles, was diese vormals geschätzten Köpfe an wertvollen Beiträgen geleistet haben, für nichtig zu erklären. Inmitten dieser Unmutsbekundungen, unter denen es zweifellos auch unqualifizierte und unter der Gürtellinie liegende gibt, lassen sich alternative Journalisten mitunter sogar zu regelrechten Publikumsbeschimpfungen hinreißen, in denen dem undankbaren Leserpublikum sowie auch Kollegen die Leviten gelesen werden (hat man doch sein ganzes Herzblut in die Aufklärung investiert) und man diesem Publikum seinerseits mehr oder weniger direkt erklärt, dass man sich solche Dummheit niemals erwartet hätte. Mit einem Wort: Es droht gerade ein Art Teufelskreis einzusetzen, in dem sich alle – an sich an Aufklärung und Überwindung des neoliberal-kapitalistisch-transatlantischen Wahnsinns interessierten – Beteiligten und frühere Partner hoffnungslos miteinander zu zerstreiten und zu spalten drohen. Wir münden damit geradewegs in jene Dynamik, vor der uns Noam Chomsky eindringlich gewarnt hat: Dass die Bevölkerung „sozial atomisiert, fragmentiert und dadurch politisch marginalisiert“ werden soll.

Hochspannung sucht Blitzableiter

Inmitten der derzeit hochaufgeladenen und gereizten Stimmung ist es durchaus verständlich, dass man mit Rundumschlägen tabula rasa machen und endlich wieder der vermeintlichen Vernunft Geltung verschaffen möchte. Wir täten aber eventuell alle gut daran, uns zu fragen, ob wir mit unserem Eifer, auch wenn wir diesen für noch so berechtigt, „wissenschaftlich“ oder sonst etwas halten, nicht gerade einen Bärendienst verrichten. Und welche ungesehenen Dritten sich dabei gerade ins Fäustchen lachen. Dazu muss man Folgendes verstehen: Die unerträgliche Spannung, die uns alle plagt und die täglich größer zu werden scheint, kommt nicht von ungefähr. Sie kommt nur leider meist von ganz anderer Richtung, als man sie vermeint. Mit jeder nicht erkannten Lüge und Manipulation – und diese prasseln über eine fast schon bewundernswerte medial-politische Hochleistungsmaschinerie  nonstop auf uns ein; auch diejenigen, die die grundlegenden Manipulations- und Suggestionstechniken kennen, schaffen es nicht, 100% davon abzuwehren, auch bei ihnen bleibt ein Teil davon unbewusst und wirkt sich aus – baut  sich innerlich eine kaum erklärbare Spannung auf, die dann natürlich nach einem Blitzableiter sucht. Man sollte sich nur fragen, ob die Richtung, in die man den Blitz dann einschlagen lässt, wirklich die richtige Adresse ist.

Das Gute an dem ganzen Drama

So ernüchternd und desillusionierend die derzeitige Situation auch ist. Sie hat auch etwas Positives: Man darf erkennen, dass einem nun nichts / niemand bleibt, auf den man sich stützen kann. Wie gerne hätten wir doch ein paar kluge Köpfe gehabt, die alles für uns regeln und die der neoliberalen Misere ein Ende bereiten. Nun die Enttäuschung, dass das so nicht funktioniert. Überhaupt leben wir ja in einem Zeitalter der Enttäuschung (der Ent-Täuschung), in der alle Illusionen zerbröckeln, obwohl die Illusionsindustrie auf Hochtouren nonstop neue Produkte ausstößt.

Die Erfahrung des Enttäuschtwerdens dürfen wir heute auf allen erdenklichen Ebenen, öffentlichen wie privaten, machen. So schmerzlich es auch ist, das Enttäuschtwerden hat aber auch sein Gutes. Es soll nicht Anlass sein, daran zu verzweifeln, sondern es zwingt einen eben, sich ganz auf die eigenen Beine zu stellen, sich zu eigener, höchst individueller Auseinandersetzung aufzurichten und nicht mehr nur bloß das zu akzeptieren, was einem vorgekaut wurde. Am effektivsten ist der diesbezügliche Fortschritt, wenn man sich sogar in der Hoffnung auf diejenigen enttäuscht sieht, die man intellektuell weit über sich  gesehen hat und die man für besonders schlau gehalten hat. Nun kommt man eben nicht drum herum: Man muss sich selbst schlau machen, sich eigenständig Anschauungen bilden und mit den hierbei errungenen Schlüssen gegebenenfalls auch entgegen allen anderen, scheinbar übermächtigen, alternativlosen, vernünftigen herrschenden Meinungen der „Experten“ standhalten.

Wie oft hat sich in der Geschichte doch schon das, was die herrschende Meinung war, und der sich auch fast die gesamte akademische Intelligenz und die gutbürgerliche Burgeoisie angeschlossen haben, als reiner Wahnsinn herausgestellt? Wie oft hat der versprochene „Fortschritt“ nicht schon in ein Trümmerfeld geführt? Und der Kampf gegen Verweigerer dieses Fortschritts zur größten Unmenschlichkeit, zu Willkür, Folter, Umerziehungslagern und „Säuberungsaktionen“? Wenn man sich die derzeitige Radikalisierung der Sprache ansieht, auch innerhalb der alternativen Foren, dann sind wir womöglich gar nicht mehr so weit weg von solchen Säuberungsaktionen und Umerziehungsmaßnahmen, und werden diese ja mitunter auch bereits unverhohlen gefordert. Wenn nun die letzten Schutzdämme brechen und auch im Lager der alternativen Medienschaffenden, die sich solchen Tendenzen und dem neoliberalen Meinungsfaschismus bisher entgegengestellt haben, nun der „Kampf gegen Rechts“ und gegen unverbesserliche Querfrontköpfe und Verschwörungstheoretiker ausgerufen wird, dann werden wohl auch die Regierenden wenig Veranlassung sehen, sich noch länger zurückzuhalten.

Jeder, dem es in die Hände gegeben ist, über mediale Plattformen in größerem Umfang Meinung zu machen, darf selbst verantworten, wie er sich im aktuellen Klimabürgerkrieg verhält. Dem kleinen Mann und der kleinen Frau auf der Straße bleibt jedenfalls heute nur eines: Sich zu allem wirklich selbst eine Anschauung und Meinung zu bilden. Und vor allem: Sich diese freie Anschauungs- und Meinungsbildung von NIEMANDEM absprechen zu lassen, schon gar nicht von „Experten“, und selbst nicht von den scheinbar neunmalklügsten Überfliegern und „Durchblickern“. Wobei es bei der Anschauungs- und Meinungsbildung aber wirklich auf die Reihenfolge ankommt: Zuerst Anschauung und dann Meinung, nicht umgekehrt – laut Goethe ist unser Denken nämlich nicht dazu da, um sofort zu einem schnellen Urteil zu kommen. Hingegen sei das Denken lediglich dazu da, um über längere Zeit um etwas zu kreisen, es von verschiedenen Perspektiven zu betrachten (währenddessen man willentliche Kraft aufwenden muss, um aufsteigende Projektionen und vorgefasste Schemata zu unterdrücken), sodass sich das richtige Urteil über eine Sache bzw. eine Person durch diese Art des denkenden Wahrnehmens dann irgendwann wie von selbst ergibt. – Meist, wenn man über eine Frage geschlafen hat.

Und auch wenn unser herrschendes akademisches System uns das abspricht: Ein solches eigenständiges Urteil ist dem einzelnen auch gegenüber Gebieten möglich, auf denen er kein ausgewiesener Experte ist und keine universitäre Ausbildung genossen hat. Aber er kann sich nichts desto trotz eine profunde Anschauung bilden, was die Experten auf dem Gebiet der Medizin, Pharma, Gentechnik, Robotik, Nuklearkraft etc. betreiben und er kann dies in seiner gesamtgesellschaftlichen Auswirkung eventuell sogar besser beurteilen als die darin involvierten Experten selbst, da er eben mehr Distanz dazu hat.

Jeder, der diese Fähigkeit zur eigenständigen Urteilsbildung ausgebildet hat, ist dann für Manipulationen aller Art weitgehend unerreichbar. Er wird auch nicht enttäuscht sein, wenn Personen, auf die er bisher große Stücke gehalten hat, sich bei gewissen Themen von der herrschenden Meinung vereinnahmen lassen. Er ist in sich selbst gegründet. Und selbst wenn alles um ihn herum in Trümmer fällt: Er weiß, dass er authentisch dem treu geblieben ist, was er eigenständig erkannt hat und sich keine fremde Meinung irgendwelcher Autoritäten aufoktroyieren hat lassen, auch wenn diese Autoritäten noch so gewaltig oder „streng wissenschaftlich“ aufgetreten sind.

Wenn man jemanden oder etwas richtig zuordnen kann, dann braucht es im Übrigen auch kein Entweder-Oder, kein Schwarz/Weiß, keine unnötige Spaltungen und keine Säuberungen mehr. Dann kann jeder seinen angemessenen Platz haben (aber auch nicht mehr). Dann sind auch Greta und Rezo kein Problem mehr. Dann könnten wir uns vielmehr fragen, wo wir Erwachsenen uns zurückgelehnt haben bzw. was wir versäumt haben, sodass nun ein Schulmädchen wie Greta und ein Sitcom- und Promotionvideo-Freak wie Rezo dieses Vakuum ausfüllen und uns erklären müssen, wo es lang geht.

Nachwuchstalent mit Durchblick

Jemand, der die angesprochene Anschauungs- und Urteilsfähigkeit bereits in viel weitergehenderer Weise entwickelt hat als so manche alten Hasen und Profi-Journalisten von Spiegel & Co., ist der junge Nachwuchsjournalist Nicolas Riedl (einer der nach meinem Dafürhalten derzeit erfrischendsten und klarsichtigsten Köpfe in der gesamten Rubikon-Redaktion). Während die Profi-Journalisten Rezo umgehend auf das Titelcover des Spiegel gehoben haben und ihn allen Ernstes mit Rudi Dutschke und seine jungen Kolleginnen wie die von ihm gecoachte Porno-Youtuberin Katja Krasavice mit der Außerparlamentarischen Opposition/APO vergleichen (worüber sich Rezo selbst hoffentlich krummgelacht hat) und auch die alternativen Journalisten verzückt die Augen verdreht und Rezo ob seiner Pfiffigkeit über den Klee gelobt haben, so kommt der junge Nicolas Riedl nach Sichtung des Sachverhalts zu einem ganz nüchternen Urteil, was Rezo ist: ein „Youtube-Kasperl“. Das braucht nun überhaupt nicht abwertend gemeint sein und es ist ja auch nichts Schlimmes, ein Kasperl zu sein, wenn der eben am richtigen Platz stünde. Wir brauchen definitiv auch Kasperles, die uns in unserer bewölkten Zeit unterhalten und etwas zum Lachen bringen. Und Rezo ist zweifellos ein sehr begabter und cleverer Kasperl. Aber ihn zum neuen Rudi Dutschke zu erheben, nun ja, da darf man sich nicht wundern, wenn manche dann doch die Augen verdrehen und abwinken.

Und wenn ein Youtube-Kasperl, der bisher mit dem Drehen von Challenge- und Prankvideos beschäftigt war und inmitten seiner Dauerschaumparty kurz einmal den Kopf gehoben hat, um uns zu sagen, was nun zu tun ist (sich bedingungslos „auf die Seite der Experten zu stellen“, frei nach dem FFF-Slogan „Unite Behind The Science“), und wenn eine silikongeschönte und zentimeterdick geschminkte Porno-Youtuberin, die soeben noch vor laufender SAT1-Kamera masturbierend  in der Badewanne gesessen hat (siehe Promi Big Brother) und deren Songs Rezo begeistert remixt (Textauszug/Refrain: „Ich will immer mehr, von dem Gucci-Flair…“ – siehe unten/Youtube ), uns stellvertretend für weitere 90+-Superyoutuber erklärt, dass in einem aufgeklärten Land kein Platz für Politiker sei, die den wissenschaftlichen Konsens leugnen (siehe Minute 01:10 im ebenfalls millionenfach gesehenen Folgevideo der 90+-Superyoutuber) und uns ebenfalls auffordert, uns einmütig in eine Reihe mit den Experten zu stellen (Rezo: „Es gibt nur eine legitime Meinung“), nun ja, ist es dann wirklich so abwegig, dass sich da nicht ein jeder der lustigen Polonaise-Schlange der neuen Influencer anschließen und fröhlich fähnchenschwingend mit dem streng wissenschaftlichen Expertenzug mitmarschieren will, sondern dass bei nicht wenigen Skepsis aufkommt?

Dass bei dieser Anbiederung an die Experten desjenigen herrschenden Systems, die uns geradewegs an den Rande des Ökozids gebracht haben, manchen Bürgern Übles schwant, und die zweifellos gut gemeinten Äußerungen von Greta, Rezo, Katja & Co. auch in der Tat sogleich von unlauteren Interessen missbraucht werden, z.B. für die Forderung des World Economic Forum, der Lobbyorganisation der 1000 größten globalen Konzerne, nach einer technokratischen „Global Governance“: Konzernwirtschaftliche Experten bzw. die „Wissenschaft“ sollen jetzt unter Umgehung demokratischer und rechtsstaatlicher Mechanismen alles regeln und die Politiker sollen die Regelungen nur noch dem Volk verkaufen (siehe Norbert Häring: „Der Griff der Großkonzerne nach der Weltherrschaft“).

Braucht es uns wirklich zu wundern, dass angesichts solcher Bestrebungen mancher kleine, bereits leidvoll geschröpfte Mäusefriedhofsbürger lieber auf seine von Prof. Mausfeld so verschmähte „Intuition“ hört, und sich solchen Bestrebungen intuitiv verwehrt, von denen er, ohne dass er sie vollendet versteht, zumindest ahnt, dass sie für ihn und seine Kinder nichts Gutes, sondern womöglich nur weitere Ausbeutung und Maßregelung bedeuten werden? Dass solch kleiner Mann trotz mangelnden Studiums der Kognitionswissenschaften oder einer sonstigen Wissenschaft sich zumindest noch erinnern kann, dass es gegen wirklich systemgefährliche Persönlichkeiten wie Rudi Dutschke, in dessen Liga der neue Influencer Rezo von den Leitmedienjournalisten hochgehoben wird, seitens der Springerpresse damals noch Lynchaufrufe gab (die dann aus dem gutbürgerlichen Lager auch exekutiert wurden), während Rezo heute vollen medialen Rückenwind genießt und mit seinem flammenden Appell („Wählt nicht die CDU, nicht die SPD und auf gar keinen Fall die AfD!“) kurz vor der EU-Wahl fast auf allen Bildschirmen präsent war? Und der damit maßgeblich zum Wahlsieg derjenigen strammen NATO-Partei beigetragen hat (den „Grünen“ – laut Willy Wimmer „der geborenen Kriegspartei“), die von mächtigen transatlantischen Thinktanks als „einzige noch wirklich pro-europäische Partei“ promotet wird und deren Vorsitzender bereits als der nächste Kanzler gehandelt wird? Während die Doomsday Clock auf zwei Minuten vor Mitternacht, also der nuklearen Katastrophe vorgestellt wurde?

Ist es wirklich so abwegig, dass sich da auf breiter Front Ablehnung regt, auch wenn die Adressaten dieser Ablehnung (Greta und Rezo) eigentlich die falsche Adresse sind und sich die populistische Empörung eher auf diejenigen Machtstrukturen und Lobbygruppen richten sollte, welche die Rezo- und Greta-Bewegung für ihre Absichten auszunutzen versuchen? Das Problem: Diese Machtstrukturen sind für den kleinen Bürger weitgehend unsichtbar. Die meisten haben vermutlich noch nicht einmal davon gehört, dass es ein World Economic Forum gibt und welche politischen Ziele dieser globale Konzernverbund verfolgt. Um dies zu erkennen, bräuchten sie die Hilfe von Kognitionswissenschaftlern und Globalisierungsexperten, die das zu analysieren und zu deuten vermögen (so wie das Norbert Häring im oben genannten Artikel in vorbildlicher Weise gemacht hat). Wenn diese Kognitionswissenschaftler und Globalisierungsexperten nun aber stattdessen zum „Kampf gegen Rechts“ blasen oder diesen Bürger-Kampf durch ihre zweifellos wohlmeinenden Wortmeldungen zumindest befeuern, obwohl sie vor einiger Zeit bereits selbst erkannt haben, dass der Kampf gegen Rechts nur „ein Fake-Kampf“ ist (Mausfeld), um vor den wirklichen Problemen abzulenken, dann wird leider wertvolles Pulver verschossen, ohne dass uns das weiterbringt. – Während die Meinungsmacher und Spindoctoren des Neoliberalismus süffisant lächelnd zum Endsieg ansetzen.

 


Nachsatz:

Eigentlich wollte ich mich gar nicht in die Grubenkämpfe der aktuellen Klimadebatte hineinbegeben, sondern nur auf einen jüngsten Artikel hinweisen, der nach meiner Einschätzung einen vergleichsweise wohltuenden Perspektivenwechsel vorschlägt. Der Autor Charles Eisenstein ist Mathematiker und Philosoph (eine Studienkombination, die heute leider viel zu selten gewählt wird, aber die eigentlich obligatorisch sein sollte, wenn wir wirklich überleben wollen). In seinem Artikel weist der Mathematiker-Philosoph auf den eigentlichen Feind hin, mit dem wir es heute zu tun haben: den „instrumentellen Utilitarismus“, also die reine Nützlichkeitsbezogenheit, auf der unser derzeitiges, alles zu verschlingen drohendes System beruht – und nicht nur unser System, sondern, wie der Autor Charles Eisenstein feststellt, leider auch die derzeitige Klimadebatte.

Gemäß dieser Mentalität des instrumentellen Utilitarismus ist die Natur nur deshalb wertvoll, weil sie für uns von Nutzen ist. Solange wir nicht den Blick für den eigenständigen Wert jedes Wesens, jedes Flusses und jedes Baumes wiedergewinnen, unterlägen wir dieser (toten) Mentalität. Die Welt sei dann „letztlich nichts weiter als ein Haufen von nützlichem Kram“. Alle Maßnahmen zum Schutz des Klimas wären demnach unwirksam oder würden sogar nach hinten losgehen, solange wir aus diesem Narrativ heraus agieren.

Eisenstein:

„Dass dieser Schrecken des Klimawandels so gut zu unserer gewohnten Denkweise passt, sollte uns zum Innehalten veranlassen. Es bedeutet nicht, dass der Klimawandel nicht alarmierend ist oder dass der Mensch ihn nicht verursacht hat, aber es deutet darauf hin, dass unsere Herangehensweise an das Problem den psychischen und ideologischen Unterbau des Systems zu stärken vermag, das den Planeten verschlingt.  Dies ist besonders wichtig, da sich die Aktivisten nahezu uneingeschränkt darüber einig sind, dass die Bemühungen zur Begrenzung der Kohlenstoffemissionen kläglich gescheitert sind. Dieser Misserfolg ist jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass die Bewegung zu radikal ist und „enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten“ oder das Oxymoron des „nachhaltigen Wachstums“ annehmen muss. Es ist eher so, dass sie nicht radikal genug ist — noch nicht bereit, die zentralen, unsichtbaren Narrative infrage zu stellen, die unsere Zivilisation lenken. Im Gegenteil, die Bewegung selbst verkörpert sie.

(…)

Folgt man diesem Muster, dann sind Treibhausgase der Feind, und die Lösung, der Weg, um den „Klimawandel zu bekämpfen“ oder gegen die „globale Erwärmung zu kämpfen“ (beides gebräuchliche Formulierungen), besteht darin, Emissionen zu reduzieren (oder die CO2-Sequestrierung zu erhöhen). Um die Geldmetapher zu verwenden, werden CO2-Emissionen zum Wertmaßstab, zu einer Zahl, die es zu minimieren gilt und zu einer Kennzahl, auf der man die Richtlinien stützen kann. Dieser Ansatz passt auch gut in unsere Kultur: Es ist der Inbegriff von Rationalität, Entscheidungen anhand von Zahlen zu treffen. Um eine wissenschaftliche Entscheidung zu treffen, werden Daten gesammelt, Projektionen erstellt und die wahrscheinlichen Ergebnisse gemäß der Messwerte ausgewertet.

Das zu tun, verursacht drei Probleme:

    • das Unmessbare und das Qualitative werden zwangsläufig abgewertet;
    • das angewandte Messsystem beinhaltet und erhält bestehende Vorurteile und Machtverhältnisse, die ihrerseits einen Ökozid zur Folge haben;
    • hierdurch wird die Illusion von Vorhersehbarkeit und Kontrolle gefördert, die die Wahrscheinlichkeit widernatürlicher, unbeabsichtigter Konsequenzen verschleiert.

Um das Problem zu erkennen, betrachten wir das Projekt der Tehri-Talsperre am indischen Fluss Bhilangna, das ursprüngliche Ökosysteme und alte Bauernhöfe überschwemmte und hunderttausende Dorfbewohner vertrieb. Es wurde für seinen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasen angepriesen und war eine von vielen Talsperren, die Emissionshandelszertifikate generierten.

Zumindest oberflächlich hat es seinen messbaren Zweck erreicht. Aber was ist mit den vertriebenen Dorfbewohnern? Nach den Angaben, die gemessen werden können, hat sich ihr Leben verbessert: Jeder von ihnen erhielt eine Unterkunft, die in Bezug auf Quadratmeterzahl, Sanitärinstallation und Elektrifizierung der angestammten Behausung überlegen war.

In Bezug auf die verlorenen Traditionen jedoch, die abgebrochenen sozialen Beziehungen, die verlorenen Erinnerungen, das verlorene Wissen und die Einzigartigkeit jedes überschwemmten Ortes — kurz gesagt, in Bezug auf das, was nicht gemessen werden konnte (Problem 1), als auch
das, was als nicht messenswert angesehen wurde (Problem 2) — haben Mensch und Natur einen schwerwiegenden Verlust erlitten.

Was Problem 3 betrifft, ist es auf lange Sicht zweifelhaft, ob die Talsperre den CO2-Gehalt überhaupt gesenkt hat: Man sollte bedenken, dass traditionelle landwirtschaftliche Praktiken den Kohlenstoff im Boden binden können und dass die neu urbanisierten Dorfbewohner wahrscheinlich bald einen Lebensstil angenommen haben werden, der mehr Kohlenstoff verbraucht.

(…)

Ich möchte vielmehr anmerken, dass diese Misserfolge etwas gemeinsam haben – sie betonen das Globale gegenüber dem Regionalen, das Entfernte gegenüber dem Augenblicklichen, das Messbare gegenüber dem Qualitativen – und dass genau diese Überbetonung Teil derselben Mentalität ist, die der Krise von Anfang an zugrunde liegt.

(…)

Es ist das Vertrauen in mathematische Modelle, das es uns ermöglicht, Entscheidungen anhand von Zahlen zu treffen. Es ist die Überzeugung, dass wir eine „Ursache“ identifizieren können –  eine Ursache, die eines, aber eben nicht alles beinhaltet – und dass wir die Realität dadurch verstehen können, indem wir sie zerlegen und in Variablen isolieren.

Meistens bedeutet das allerdings, dass Entscheidungen „anhand von Zahlen“ aus finanziellen Gesichtspunkten getroffen werden. Ist es wirklich eine tiefgreifende Veränderung, dieselben Methoden und Denkweisen zu verwenden und diese dann auf eine andere Zahl anzuwenden?

(…)

Die Erde ist ein komplexes, lebendes System, dessen Aufrechterhaltung der Homöostase von der widerstandsfähigen Wechselwirkung jedes lebenden und nicht lebenden Teilsystems abhängt. Ich vermute, dass die größte Bedrohung nicht von den Treibhausgase als solchen, sondern vom Verlust von Wäldern, Feuchtgebieten und marinen Ökosystemen ausgeht.

Leben erhält Leben. Wenn diese homöostatischen Beziehungen zusammenbrechen, sind die Folgen unvorhersehbar: möglicherweise eine globale Erwärmung oder auch eine globale Abkühlung. Oder die zunehmend instabilen Rotationen eines Systems, das außer Kontrolle gerät.

(…)

Ja, wir sollten den direkten CO2-Ausstoß reduzieren — der Verlust des homöostatischen Gleichgewichts wird durch die Erhöhung des Energiedurchsatzes in einem dissipativen System noch verstärkt —, aber das Hauptaugenmerk muss auf der Gesundheit der menschlichen und natürlichen Systeme auf allen Ebenen liegen, bis hin zur lokalen und persönlichen Ebene.

(…)

Was würde passieren, wenn wir das Lokale, das Unmittelbare, das Qualitative, das Lebendige und das Schöne neu bewerten würden?

(…)

Indem wir uns auf CO2 konzentrieren, fördern wir potenziell katastrophale Geoengineering-Programme, wie das Einbringen von Eisenoxid in die Ozeane oder Schwefelsäure in die Atmosphäre. Wir gehen davon aus, dass ein technologisches Herumdoktern an den CO2-Werten das Problem lösen wird, ohne dass sich unser Verhältnis zum Planeten grundlegend ändert, und befördern die Idee, dass wir uns endlos aus den Konsequenzen unseres Handelns herausmanipulieren können. Das geht in die gleiche Richtung wie die Anwendung von Gewalt, um „Terroristen“ zu stoppen und sich dann gegen die daraus resultierende Feindseligkeit mit noch mehr Gewalt zu schützen. Auch hier besteht eine Parallele zur Mentalität des Krieges.

(…)

Das verbreitete Argument, der Klimawandel sei schlimm, weil er unsere Zukunft bedroht, stärkt die Mentalität des instrumentellen Utilitarismus: Die Natur ist wertvoll, weil sie für uns von Nutzen ist. Haben nicht der Planet und alle seine Wesen einen eigenständigen Wert? Oder ist die Welt letztlich nichts weiter als ein Haufen von nützlichem Kram?

(…)

Vielleicht sollten wir all diese Angelegenheiten auf Eis legen — was werden sie schließlich ausmachen, wenn der Planet unbewohnbar wird? — solange, bis wir das Problem des Klimawandels gelöst haben. Auch hier sehen wir wieder die Mentalität von Geld und Krieg. Lebe nicht jetzt dein Leben, sondern warte, bis du finanzielle Sicherheit erreicht hast. Opfere alles für die Kriegsanstrengungen. Diese Denkweise ist falsch. Die oben aufgeführten Probleme haben alles mit dem Klima zu tun, denn die Ursache für die Klimainstabilität beinhaltet alles: das ganze Ausmaß unserer Trennung von Erde, Natur, Herz, Wahrheit, Liebe, Gemeinschaft und Mitgefühl.

(…)

Wenn sich tatsächlich das Selbst und die Welt, die Menschheit und die Natur wechselseitig spiegeln und Teil voneinander sind, dann sollte es nahe liegen, dass eine Instabilität des Klimas mit einer Instabilität des sozialen und politischen Klimas einhergeht und dass Ungleichgewichte im Bereich der Natur Ungleichgewichte im menschlichen Bereich widerspiegeln.

(…)

Treibhausgase sind nur ein Medium — wahrscheinlich eines von vielen, deren wir uns nicht einmal bewusst sind —, nach dem dieses Prinzip funktioniert.

Wenn wir dieses Prinzip ignorieren, wird sich das symptomatische Fieber des Klimawandels nur weiter verschlechtern, unabhängig davon, welche makroskopischen Maßnahmen wir ergreifen, um die unmittelbaren Ursachen anzugehen.

Diese Maßnahmen werden unwirksam sein oder sogar nach hinten losgehen, wie sie es jetzt schon tun, wenn wir nicht aus einem Narrativ heraus agieren, das jede Art, jeden Menschen, jeden Wald, jeden Fluss für sich wertschätzt und nicht nach ihrem instrumentellen Nutzen bewertet.

Lasst uns den Krieg gegen den Klimawandel aufgeben und die Dinge neu bewerten, die von der Mentalität des Krieges ausgeschlossen werden. Paradoxerweise kann dann, und nur dann, das Fieber abklingen und der CO2-Gehalt sinken.“

ganzer Text: Charles Eisenstein – „Der größere Zusammenhang“
(Artikel aus 2014, übersetzt und veröffentlicht von Rubikon am 15. Oktober 2019)

Fotos: pixabay CC0 (1/2)
Titel (Wortmarke „Klimabürgerkrieg“): © Eifelphilosoph

Wie könnt ihr es wagen?!

Über die Zukunft entscheiden vor allem Menschen, die nur noch relativ wenig davon vor sich haben: die älteren Menschen. Nun da der „Zwergenaufstand“ der Jugend den Globus aufrüttelt, sind nicht wenige Altvordere pikiert. Wie können die es wagen, über ihre Zukunft selbst bestimmen zu wollen, anstatt brav hinzunehmen, was wir über sie verhängt haben? Früher hieß es mal: „Meine Kinder sollen es besser haben!“ Heute legen wir ihnen schon Steine in den Weg, wenn sie das absolute Minimum fordern: ihr nacktes Überleben. Gretas rhetorischer Geniestreich war insofern mehr als berechtigt. Was sich graumelierte Machthaber gegenüber den künftigen Generationen herausnehmen, ist eine absolute Frechheit. Wer von der älteren Generation einsichtig ist, sollte der Jugend jetzt Respekt zollen und sie in ihr ihrem Anliegen — unser aller Anliegen! — unterstützen.

Katalonien: Spanien am Rande des Nervenzusammenbruchs – Updates

ARTE blickt aufgrund der Verurteilungen von neun Separatistenführern wegen des Unabhängigkeitsreferendums auf die politische Krise 2017 in Katalonien zurück. Der Dokumentarfilm begleitet die Protagonisten der Krise – darunter Carles Puigdemont, abgesetzter Präsident der Katalonischen Regierung – vor den Neuwahlen im Dezember 2017.

Am Montagabend hat es in Barcelona schwere Zusammenstöße zwischen Befürwortern der Katalanischen Unabhängigkeit und der Polizei gegeben. Allein am Flughafen, wo mehrere hundert Aktivisten die Hallen und Zufahrten blockierten, soll es über 70 Verletze gegeben haben. Mit zuvor gekauften Billigtickets verschafften sich die Aktivisten Zutritt zum Sicherheitsbereich.

Katalonien: Unruhen weiten sich nach Gerichtsurteilen gegen Unabhängigkeitsbewegung aus

Proteste in Katalonien: Die Vorgeschichte

Mit Jutta Ditfurth gegen Extinction Rebellion

Ein Kommentar von Florian Kirner.

Und dann ist plötzlich Weihnachten – mitten im Oktober!

Die antideutschen „Ruhrbarone“ und die Redaktion des linksradikalen „Lower Class Magazins“, Bernhard Loyen von KenFM, Rainer Balcerowiak, der gerne im Neuen Deutschland veröffentlicht, Volker Beck von den Grünen, die Ex-Grüne Jutta Ditfurth, Oliver Janich und die Leute von der BILD, von Russia Today, von der Jungle World und von Cicero – alle sitzen sie einträchtig unterm geschmückten Baum und können ihre so plötzliche Einigkeit schier nicht fassen.

Hartz-IV-Folter – ein Livebericht

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Sonntag, 6.10.2019. Eifel. Springer, Bosch, Daimler, Ford, VW, Continental, Siemens, Deutsche Bank, Galeria Kaufhof, Ryanair, Tesla, Opel, Ing Diba – alles große Firmen, die in Massen Stellen abbauen, oft im fünfstelligen Bereich. Da die Wirtschaft insgesamt schwächelt, wird da noch mehr zu erwarten sein. Im Vergleich zum Vorjahr sehe ich bei Lehrstellen in unserer Umgebung ebenfalls einen massiven Abbau von Angeboten an real vorhandenen Ausbildungsstellen: nur eine lokale Momentaufnahme, die aber auch so aussieht, als ob man sich auf harte Jahre einstellt.

Früher waren wir Sozialstaat. Nachdem wir verkohlt, geschrödert und zugemerkelt wurden, ist wenig davon über. Folter ist in unseren Alltag eingezogen – doch wir sehen sie nicht, weil nicht darüber berichtet wird. In einem geniale Coup hat die Schweinebande diesen Landes (denke da an die Farm der Tiere, Orwell) es geschafft, dass Arbeitnehmer für die Schaffung von Arbeitsplätzen nun völlig allein verantwortlich sind. Da ist jetzt jeder eine Ich Ag und selbst dafür verantwortlich, sich so professionell und effektiv zu vermarkten, dass weder Alter noch Brüche im Lebenslauf noch Krankheit ihn daran hindern, innerhalb weniger Wochen eine neue Arbeit zu bekommen. Das erwartet jetzt hunderttausend Deutsche, denn nach einem Jahr ist die Schonfrist vorbei: Hartz IV kommt. Man wird zum Abschaum erklärt, zum Untermenschen, zum neuen Juden, der dankbar sein darf, dass man ihn nicht sofort der Vernichtung zuführt.

Vernichtung? Zu hart gesprochen? Schwebt da Empörung über das Käse-Sahne-Torte? Wird der Kaffee womöglich kalt darüber?

Wir reden hier über Millionen Mitmenschen, die der Folter unterworfen werden: absichtlich und mit ausdrücklichem staatlichen Willen. Ich sage es nochmal: Folter.

Was sagt Wikipedia zu Folter (siehe Wikipedia):

Folter (auch Marter oder Tortur) ist das gezielte Zufügen von psychischem oder physischem Leid (Gewalt, Qualen, Schmerz, Angst, massive Erniedrigung) an Menschen durch andere Menschen oder Interessengruppen.

Zu Folter gehören nicht nur glühende Eisen, Streckbänke und Marterpfähle, sondern auch … Angst und massive Erniedrigung. Also dass, was unsere Politiker so liebevoll „Druck“ nennen. Hartz IV Empfänger müssen in ständiger Angst leben, dass der Sachbearbeiter keine Sanktionen ausspricht – oder nach dem Sektfrühstück nach der Feier des Kollegengeburtstages nicht übersieht, die Miete zu überweisen … was schon Menschen in die Nähe von Obdachlosigkeit geführt hat. Jeden Tag Angst vor der Post, die im Briefkasten liegt. Vielleicht wieder ein Arbeitsangebot im Rotlichtmillieu für die junge Mutter? Wieder ein Job, den man mit angegriffener Gesundheit nicht machen kann? Oder einer, der die Gesundheit massiv verschlechtern wird, dafür aber superschlecht bezahlt wird? Ist alles im Angebot: was an Stellen beim Jobcenter landet ist der Bodensatz der Angebote, die freiwillig nie einer machen würde.

Aber ich sehe: bevor ich fortfahre mit meinen Argumenten, sollte man die Opfer mal selbst zu Worte kommen lassen. Ich habe hier einen Livebericht zugesandt bekommen, der eloquent und feinsinnig die neuesten Instrumente beschreibt: das Chancenteilhabegesetz. Erinnern Sie sich bei der Lektüre bitte daran, dass massive Erniedrigung auch Folter ist – und es ist von der Empfindsamkeit (oder der Selbstachtung) des Einzelnen abhängig, ab wann Erniedrigung als massiv empfunden wird: ein Leibeigener des Mittelalters hat da sicher eine größere Toleranzschwelle als ein gebildeter Bürger des Mittelstandes wie unser Zeuge hier:

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Chancenteilhabegesetz, Maßnahmenträger, heiße Luft. Anonymisierung (der folgende Beitrag wird im Hinblick auf mögliche rechtliche Folgeauseinandersetzungen anonymisiert verfasst. Der sog. Maßnahmenträger ist in der Region, die den Verfasser beheimatet, ein wirtschaftliches Schwergewicht, das bei einer konkreten Namensnennung durchaus einen gewichtigen juristischen Einfluß auf eine Unterlassung dieses Textes geltend machen könnte. Ein sog. „Hartzer“ sollte sich sowieso immer dreimal überlegen, was er öffentlich äußert oder unternimmt. Die real existierende Parallelgesetzgebung des SGB II bis X zum GG der BRD macht dies eben möglich. Nichtsdestoweniger versichert der Verfasser ausdrücklich,hier lediglich die Wahrheit zu schildern, ohne jegliches Zudichten irgendwelcher Farbnoten, seien sie positivistischer oder negativistischer oder sonstwie subjektivischer Art)Hartz-IV-Überschau (wem dies bereits elementar bekannt ist, springe gleich zum u. g. Abschnitt Chancenteilhabegesetz) Über das meist kontraproduktiv oder doch massiv an den Interessen der Betroffenen vorbei wirkende Hartz-IV-Repressionsregime wurde sowohl in den auf der Nachrichtenspiegelseite erschienenen Artikeln wie auf mannigfach vorhandenen anderen Internetplattformen berichtet. Das ursprünglich postulierte „Fördern und Fordern“ dieser Gesetzgebung hat sich für den Interessierten wie Betroffenen längst als eine Art sadomasochistischer Nonsense herausgestellt. Ein technokratischer Nonsens zudem, der weder Betroffene wieder in Arbeit bringt, noch dem Staat Ausgaben einspart. Das Gegenteil indes ist der Fall: mit solchem Aktionismus, wie ihn die Überschrift bereits andeutet, werden bedeutsame Kosten einer jeden praktischen Sinn entbehrenden „Armutsindustrie“ zu allem Überfluß noch zusätzlich generiert. Wie dies im einzelnen nun geschieht – darüber möchte dieser Artikel Auskunft geben. Genug nun der einleitenden Worte, die dem interessierten Bürger nun bereitsals zu zahlreich oder zu tendenziell vorkommen mögen. Ein sog. „Hartzer“ wird sich viel einfacher in einer solchen Schilderung als mitbetroffen wiederfinden. Doch genau hier liegt ja der Dreh- u. Angelpunkt der Notwendigkeit solcher Schilderungen: von der Hartz-IV-Repression betroffen zu sein, ist dem Mitbürger tatsächlich schwer zu vermitteln. „Die im Dunkel sieht man nicht“ – sagte wie eben heutigentags wieder passend einst Berthold Brecht.

Und gerade ein solch positivistisch färbender Ausdruck wie „Chancenteilhabegesetz“ verleitet nun den voreiligen Betrachter von außerhalb zu realitätsfernen Schlußfolgerung. Allerdings, wie in meinem Fall, auch den in dieser Sache zunächst unerfahren gewesenen Hartz-IV-Betroffenen.

Chancenteilhabegesetz

Nach der Dürre solch theoretischer Gesamtbetrachtungen nun jedoch zu den frischen Wassern des prallen Direkterlebens einer solchen Maßnahme, die da angeblich fluggs und flott in Arbeit bringen sollte. Im folgenden will ich versuchen, das Zwiegespräch zwischen den Ansichten des Mitbürgers außerhalb und das reale Erleben des Betroffenen innerhalb des Maßnahmenmechanismus flüssig in Einklang zu bringen. Auch um aufzuzeigen, welche Paradoxie sich da durchaus um bzw. innerhalb eines einzigen Kopfes aufbaut. Es beginnt an einem Tag im Jobcenter vor dem Schreibtisch eines Arbeitsvermittlers. Die mageren Zahlungen des JC wurden zuvor von der Leistungsabteilung desselben auf Euro 300.- pro Monat festgesetzt, da eine Bedarfsgemeinschaft statt einer tatsächlich vorhandenen Wohngemeinschaft vorläge. Dies bedeutet konkret, das dieser Hartzer nun für seinen Lebensunterhalt und seine Mietaufwendungen nun nicht mehr als eben Euro 300.- erhält. Den gesamten restlichen Lebensaufwand soll seine Mitbewohnerin, die das Jobcenter als Teil der imaginierten Bedarfsgemeinschaft einstuft, ab nun von Euro 1000.- Erwerbsminderungsrente pro Monat mittragen. Die Miete in einer Hochpreisregion beträgt ca. Euro 600.-. Somit verbleiben ihr und ihm nunmehr Euro 700.- für den Lebensunterhalt: also Nahrung, Kleidung, Energie, Kommunikation und das sonstige Leben. Wozu dann im Falle zweierPersonen über fünfzig auch überlebenswichtige Medikationszuzahlungen gehören, sowie jegliche Kosten des in der Region unabdingbaren ÖPNV. Auch eine Fahrt um JC schlägt Euro 12.- bereits zu Buche. Ein Besuch der Tafelläden entfällt, da ebenfalls mit Fahrtkosten von Euro 7 bereits behaftet. Kurzum: es reicht nicht nur nicht; es reicht hinten und vorne nirgends. (ich betone diese Problematik zuvörderst, da sie eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung mit dem Maßnahmeträger spielen wird). An diesem Tag vor dem Schreibtisch der Integrationsfachkraft des JC wird nun dem Hartzer eine Maßnahme gemäß Chancenteilhabegesetz diktiert. Wie, diktieren? Wird der Mitbürger sich hier fragen? Ich lasse mir nichts diktieren! Nun: ohne Einwilligung u. Unterschrift in und unter eine Eingliederungsvereinbarung (EGV) wird sanktioniert werden. Zuerst 30% der Leistungen, dann 100%. Obwohl die Hartz-IV-Gesetze dies explizit so nicht vorsehen, wird es dennoch praktiziert. Informationen über die wirkliche rechtliche Situationen werden selbstverständlich nicht erteilt. Anordnung – Unterschrift – Befolgung: oder Sanktion.

An diesem Tag vor dem jetzt schon dreimal erwähnten Büromöbel werden aber auch Versprechungen laut. Hoffnungen geweckt. Perspektiven projiziert.„Endlich wieder Arbeit. Endlich raus aus Hartz-IV. Ende der Repression, des Mangels – Freiheit. Lebensinhalt ganz neu“. Zufolge des Chancenteilhabegesetzes soll Arbeit auf fünf Jahre vom Staat finanziert werden. Das heißt salopp: ein Arbeitgeber nimmt den Hartzer als Azubi wie einen Menschen der HKL II in den Betrieb, und erhält auf 2 Jahre 100% des Tariflohnes (oder des Mindestlohnes – dieser Punkt ist nach wie vor strittig – auch trotz hartnäckigem Nachfragen wurde mir dies nicht punktgenau dargelegt), danach jeweils 10% weniger. Der Mitbürger oder der illusorisch nicht realitätsnahe Hartzer wird in jedem Falle den hier ausgelegten Köder „Arbeit“ willig aufnehmen. Schlechter kann sich das Leben ja nimmer entwickeln. „Arbeit hat noch niemandem geschadet. Besser was tun, als gar nichts. Gegen den Amtsschimmel kommt niemand an“ – diese Weisheiten haben wir alten BRD-Hasen von unseren Altvorderen zur Genüge gelernt. Besser, sie wieder zu befolgen. Und nun lockt doch da dieser rote Teppich, der mir Hartzer beim Eintritt in den Betrieb ausgerollt wird: da wird man mich wohl einarbeiten. Besser könnte es eigentlich nicht kommen. Da wird man doch an der Ehre gepackt, es endlich wieder zu versuchen. Vielleicht gibt es ja auch gute Jobs, die man kann und auch wirklich machen will? Ergebnis: unterschrieben, wacker hingegangen, machen: so schlimm kann ́s nicht werden. Auf die Integrationsberatung folgt auch bald der Bescheid: 6 Wochen Kursdauer beim Maßnahmeträger, individuelle Betreuung u. Zeitlicher Umfang innert dieser 6 Wochen nach Maßgabe der Coaches. Rührend: man wird sogar regelrecht trainiert – fast wie die Stars. Hier wird der Mitbürger noch freudig einstimmen: den Hartzern schadet es nicht, mal was zu machen.Geholfen wird ihnen auch noch dabei. SO schön hab ich ́s nie gehabt. Kriegen sogar Geld vom Staat. Geht an den Chef, ja. Aber für so einen: der kann ja nimmer soviel. Soll er froh sein über das, was er hat. Soweit, so klar.Erster Tag beim Maßnahmenmträger. Anreise zu immerhin Euro 7.- auf eigene Kosten vorverauslagt. Freundlicher, verständnisvoller Empfang. Hochmotivation schafft motivierte Ausgangslage auf beiden Seiten.

Zunächst Gespräch. Nochmals Gespräch. Viele Gespräche sollen folgen. Darlegung des eigenen berufllichen Werdegangs: Ausbildung, dann Studium, internationale und nationale beruflliche Stationen. Fremdsprechen, BWL, VWL, SAP-Kenntnisse, verhandlungserfahren, businessversiert: phantastisch. SIE sind unser Mann. Wir tun alles für Sie. Irgendwelche Wünsche? Abneigungen? Probleme: wir lösen sie. Für Sie! Auf uns ist Verlaß. Wie steht ́s mit der Psyche? WIR sind auch Therapeuten! Die Mitarbeiterin, halb so alt wie ich, gab sich größte Mühe aus – wie ich annehme – sogar ehrlichem Herzen und einer gewissen Sympathie. Ich meinerseits gebe alles, hier professionell und geschäftlich konstruktiv mitzuwirken. Tatsächlich scheint sich dieses Berufbildungswerk auszukennen im Fördern und fordern.Zunächst wie gehabt also Gespräch, die ersten zwei Tage lang. Auch am dritten Tag noch Gespräche. Es wird rundrum eruiert, wer man ist; was man kann; wohin man möchte; welche tatsächlichen Vermittlungsprobleme bisher vorlagen. Die sind auch kurz erzählt: Alter über fünfzig, Langzeitsarbeitslosigkeit, Freelancer-Karriere = diskontinuierlicher Lebenslauf, nicht wenige notgedrungene Jobwechsel, stark generalisiertes Know-How-Profil, längere Auslandserfahrungen statt zwei, drei Festanstellungen in der beruflichen Vita. Dazu eben die finanzielle Not als Bedarfsgemeinschaft, die auch die Arbeitsaufnahme im Büro erschwert. Keine berufsadäquate Kleidung, keine Fahrtkosten drin, keine Telekommunikation. Kurzum: die zwangsläufige Misere desjenigen, der zuvorkeinerlei Fördern vor dem Fordern erlebt hat. Hier spätestens müßte der Mitbürger mir zustimmen, da er als kfm. Gebildeter von Werbungskosten etwas verstehen müßte. Immerhin kann er die ja in seiner Einkommenssteuererklärung geltend machen. Danach wendet sich das Blatt, und Mitarbeiterin etwa in meinem Alter tritt auf den Plan. Es spielt sich nun ein good cop – bad cop Szenario vor meinen Augen ab. Mit einem Mal wird das einladende verständnissimulierende Verhalten von einem scharfen Erzieherton abgelöst.

Es folgen Sprüche wie: [„Lippenbekenntnisse kann hier niemand dulden. Wer meint, sich auf Staatskosten bei einem Arbeitgeber ausruhen zu können, fliegt gleich wieder raus. Solch einen Fall hatten wir bereits hier. Einen Hund, den man zum jagen tragen muß, braucht niemand. Seien Sie dessen gewiß! Fahrtkosten werden hier nur erstattet, wenn Sie sich vorab eine Monatskarte besorgen. Haben Sie sich nicht so mit dem Geld: Sie kriegen es ja von uns wieder. Ihre Mitbewohnerin bezieht doch eine sehr hohe Rente. Da haben Sie ́s in Ihrer BG doch besser als ein Hartz-IV-Betroffenener alleine. Ihre Sorge um berufsgemäße Kleidung und eine nötige Zahnreinigung interessiert hier nicht. Jedenfalls jetzt nicht. Ihr Kurs hier wird insgesamt zunächst 5 (in Worten„fünf“) Monate dauern, und nötigenfalls auch länger, bis wir sie vermittelt haben. Der Bescheid vom JC ist für uns irrelevant, WIR entscheiden, wie lange es für Sie hier dauern wird. Die Arbeitgeber akquieren wir hier – das hat Sie nicht zu interessieren, wo und bei wem Sie arbeiten werden. Zunächst ist es für Sie wichtig, daß Sie sich an einen Rhythmus gewöhnen, hier dreimal die Woche zum Gespräch zu erscheinen. (auf meinen Einwand hin, das ich mein Leben lang immer um sechs aufstehe, wurde nicht bzw. abweisend eingegangen). Wichtig ist, das Sie das hier erst wieder erlernen. Ihre bisherige Qualifikation ist nicht entscheidend. Zwischen der SAP und uns besteht keinerlei Verbindung (was nachweislich eine grobe Lüge ist, da das Berufsbildungswerk 2012 eine Ausbildungskooperationsvereinbarung mit der SAP-AG unterzeichnet hat). Kleidung können sie günstig im 2nd-Hand-Ladenkaufen. Reden Sie mit Ihrer Mitbewohnerin. Sie müssen endlich lernen, sich selbst nicht mehr im Wege zu stehen. Denken Sie positiv! Deuten Sie negativen in positiven Streß um. Distress wird zu Eustress (was immer damit gemeint sein soll. Scientologen werden das besser zu erklären wissen als meine Wenigkeit; Streß ist für mich ganz einfach Streß). Hier haben wir für Sie drei mögliche Stellenbewerbungen bei der DB: Lokführer, Elektroniker, Busfahrer. (als ob mich die DB je als chron. Hep-C u. Schmerzkranken je nehmen würde, ganz davon abgesehen, das ich für das techn. Personal wenig geeignet bin). Hören Sie mit ihren paranoiden Gedanken auf: Sie stehen sich nur selbst im Weg. Wenn wir Sie nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt vermitteln können, steht in einem unserer nachhaltigen Projekte (gemeint war ein eventgastronomisches Privatprojekt des Maßnahmeträgers) ein zweiter Arbeitsmarkt zur Verfügung für Sie. Auch die Callcenterjobs des JC sollten Sie ernstnehmen – da können wir auch für Sie tätig werden. Vorab jedoch ist es prioritär, das Sie regemäßig fünf Monate lang bei uns dreimal die Woche hier erscheinen, vorerst zum Gespräch, daß wir Ihre erstarrten Denkweisen aufbrechen können. Sollten Sie unsere Anweisungen ignorieren, hätte das ernste Konsequenzen für Sie“

Darüber hinaus nötigte mich der Maßnahmenträger dann noch, an einer dubiosen Gruppensitzung teilzunnehmen, wo einander vollkommen wildfremde Leute auf einmal zu viert über teilweise innerste persönliche Dinge zu sprechen genötigt wurden. Hauptinhalt dieses Coachings war dann ebenfalls die Unsinnsmanie der negativen in die angeblich positive Streßumwandlung, sowie die Abwehr anscheinender „Depressionen“ u. „Paranoia“, die hier den Kursteilnehmern unterstellt wurden. Zeitgleich dazu war Duktus u. Tonfall der Belehrungen von DER Art, wie man sie in einem dieser unglückseligen Heime für sogenannte schwererziehbare Jugendliche aufbringt.

Die Generalstrategie in solchen Gesprächen ist eigentlich eine einfache: auf eine Antwort des Hartzer-Probanden erfolgt eine dreimalige Nachfrage, ob es denn verstanden hätte, worum es ginge. Also der Art, wie man mit geistig gehandicappten oder erziehungsunwilligen und damit unmündigen Personen zu sprechen pflegt. Auch der schon ein paarmal angesprochene Mitbürger müßte sich hier wundern, ob er SO behandelt werden wollte, wenn er tatsächlich einfach nur eine Arbeit antreten möchte. Kein Personalwirt würde so mit Bewerbern verfahren können. Selbst in einem wirklich derben Assessment-Center neueren Typs SO nicht. Nach einem sechsten Tag und einem darauffolgenden Telephonat mit eben dieser bad-cop-Dame (die jüngere Kollegin hatte nach drei Tagen überraschenderweise ihren letzten Arbeitstag dort und überließ sozusagen einem Nachfolger das sensible Feld der Menschenbeackerung) war mir dann kristallklar zu Bewußtsein gekommen, das es diesen Maßnahmeträgern in keinster Weise um Vermittlung in Arbeit geht. Auch und gerade die etwaigen Möglichkeiten eines Chancenteilhabegesetzes sind diese armutsindustriellen Geschäftemachern offensichtlich völlig egal (ungeachtet der Tatsache, das staatliche Lohnsubventionen ohnehin fragwürdig sind). Ohne hier große Analyse betreiben zu müssen, würde auch Dir, verehrter Mitbürger, klar sein, das sich hier ein quasi-mafiöser Moloch auf dem Rücken der Erwerbslosen wie zu Lasten des Steuerzahlers Geldbeutel breit gemacht hat, dessen einziges Interesse es offensichtlich ist, an jedem Hartzer so viel als nur möglich mitzuverdienen. Die Propaganda vom ach so faulen Hartzer, der trotz ach so liebenswürdiger Maßnahmen nicht in Arbeit zu bringen ist, dürfte in spätestens einem Jahr kaum auf sich warten lassen. Unter leider notwendiger Auslassung so manch anderer unappetittlicher Details beendete ich diese Aufführung hier für das erste. Der Hauptzweck dieser Arbeit besteht ja auch in einem einzigen Zweck, nämlich den der nötigen Warnung vor solchem verlogenen Budenzauber. Zum einen, um unbedarfte andere Hartz-IV-Betroffene vor dieser Art Maßnahmen zu schützen. Zum anderen, um Dir, lieber Mitbürger, vor Augen zu führen, wie hier Dein hart verdientes Steuergeld für den privaten Nonsenseprofit einiger Armutsindustrieller verschleudert wird, so daß Du weißt, was Du der Bildzeitung glauben kannst, wenn diese wieder titelt:„Hartzer findet trotz teurer Hilfemaßnahmen keinen Job.Hartzer will nicht arbeiten“Ich hoffe, mich hier sowohl für den Mitbürger, wie für den Hartz-IV-Betroffenen als auch den interessierten Mitleser verständlich genug ausgedrückt zu haben.„Wer Augen hat, der sehe, wer Ohren hat, der höre“ – sagt die Bibel, und damit schließe ich rechtmäßig, warnend eben vor genau dieser HEISSEN LUFT. Amen.


Und – alles gelesen? Sofern Sie noch kein Millionär sind, sollten Sie dem aufmerksam lauschen. Hier schreibt kein versoffener Asozialer, sondern ein akademisch geschulter Bildungsbürger: der Foltermaschine ist egal, wer da reinkommt. Bin zwar kein Journalist und erfinde solche Geschichten auch nicht wie Relotius vom „Spiegel“, habe aber trotzdem mal mit Menschen gesprochen, die für solche Bildungsträger arbeiten und solche Maßnahmen durchführen. Das gelang erst nach langem Vertrauensaufbau und Zusicherung der absoluten Anonymität. Was fand ich: Menschen, die auch eine Hartz IV-Vergangenheit hatten. Keine pädagogische Ausbildung, aber Krankheiten und Alter als Handicap. Menschen, die ihren Job machen, um der Hartz-Folter zu entkommen. Das gleiche Modell wurde in den Konzentrationslagern gefahren, wo Aufseher aus den Reihen der Häftlinge ausgesucht werden. Junge Sozialarbeiter habe ich auch gesprochen: die gehen schnell wieder, wenn sie merken, wo sie da gelandet sind, wenden sich entsetzt und erschrocken ab.

Und die Menschen vom Jobcenter selbst? Viele vom gleichen Schlage, kaum vermittelbar im echten Arbeitsmarkt – aber: Glück gehabt. Und die Maßnahmen? Müssen sein, wird von oben angeordnet, widersetzt sich jemand, könnte der Zeitvertrag nicht verlängert werden. Und ist ja auch toll: jeder, der in einer Vernichtungsmaßnahme ist, wird nicht als Arbeitsloser gezählt.

Ich kann nur sagen: nehmen Sie diese Berichte ernst. Während ganz Deutschland offiziell einmütig Händchen haltend im „Kampf gegen Rechts“ aufsteht und Annette Kahane hinter jedem Mädchenzopf die Auferstehung der Waffen-SS sieht, ist der echte Faschismus schon längst tief im Staat verwurzelt – jener Faschismus, der nicht mit lächerlichen Symbolen spielt um „die anderen“ zu ärgern, sondern der, der mit staatlicher Allmacht Menschen in die Vernichtung treibt – jedenfalls erstmal in die soziale Vernichtung.

Zehntausende werden das jetzt merken. Nach einem Jahr wird jegliche Qualifikation aberkannt (seitdem haben wir auch das Märchen vom Fachkräftemangel), man wird zum ungelernten Hilfsarbeiter und bekomme die entsprechenden Jobs.

Und dann gilt für Sie: „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Franz Müntefering, SPD.

Und dieser Staat hat schon bei Millionen Menschen dafür gesorgt, dass dieser Befehl von oben bittere Realität wurde – auch für Kinder. Und DAS – ist das Land in dem wir wirklich leben. Und deshalb gibt es auch keine großen Demos mehr, jeder weiß: es ist wieder soweit. Demokratie ist vorbei, jetzt geht es nur noch darum, der Folter zu entkommen.

Menschen mit philosophischer Vorbildung dürften das früher erkennen, weil man hier darauf geschult wird, die hinter den Fakten liegenden Prinzipien zu erkennen und weniger der Werbung und Manipulation anheim zu fallen. Aber auch die sind erschreckend ruhig geworden. Oder: verständlicherweise ruhig.

The Queen of Fake News – TACHELES #16

Diese Tacheles-Sendung mit Röper und Stein fand ohne Stein statt. Leider gab es Internet-Probleme bei Robert, um die Sendung nicht ausfallen zu lassen, haben wir einen Überraschungsgast in die Sendung geholt. Das Hauptthema war der „Ukraine-Skandal“, den die beiden in allen Details und seinen Ursprüngen beleuchtet haben und der sicher der größte Fake des Jahres ist, wie die beiden aufzeigen. Dann gab es noch, wo sie schon dabei waren, am Ende einen kleinen Exkurs in die heutige Ukraine und die Situation dort.

United into Great(a) Desaster

Fröhlich auf der Rutsche in eine Faschiermaschine …

Möchte ja nun wirklich nicht auch noch eine Latte vom bereits glühend heißen Klimawandel-Diskussionszaun reißen. Hoffe insbesondere, dass dieses 16jährige schwedische Mädchen, das da in eine Megamaschine hineingeschickt wird, an der bisher jede ernsthaft gemeinte humanitäre oder ökologische Ambition der Zivilgesellschaft abgeprallt ist und die auf hochprofessionelle Weise nicht nur Meinung machen, sondern auch ganze Länder im Handumdrehen plattmachen kann, gesund bleibt. Bitte auch nicht unnötig auf die Kinder einhacken. An sich wäre es doch erfreulich, dass Generation Touchdisplay endlich aus dem Gaming-Modus aufwacht und was bewegen will. Dass es mächtige Thinktanks, Konzerne und Global Player gibt, die diese Dynamik missbrauchen wollen? Ja, warum sollten die das nicht machen, die Manufacturing Consent-Experten dort müssen ja was für ihr Geld tun. Die haben klare Interessen und klare Aufträge.

Aber auch wir älteren Semester aus der Zivilgesellschaft hätten einen klaren Auftrag: Den Jüngeren unter die Arme zu greifen und vor eben solcher Manipulation zu bewahren, sodass die ganze Dynamik nicht in die falsche Richtung abgesaugt wird. Das geht aber nicht, indem an ihnen nur sagt, wie doof sie sind. Bitte bei dieser Gelegenheit einmal kurz nachdenken, wie wir selbst als 30, 40  oder 50-Jährige noch gewaltigen Illusionen aufgesessen sind und wie schmerzhaft es war, über gewisse Dinge, Parteien, Politiker, Programme etc. enttäuscht zu werden, sodass es einem sogar als erwachsenem Menschen mehrmals wie Schuppen von den Augen gefallen ist: „Wie dumm war ich denn eigentlich, mich so verarschen zu lassen?“ Aber von 14jährigen Kindern will man erwarten, dass die schon voll souverän den Durchblick haben und gegen Manipulation immun sind? Wie kommt es überhaupt dazu, dass die Kinder, heute weitgehend ohne echte Bildung, also praktisch waffenlos, jetzt den Notaufstand proben müssen, während wir Erwachsenen in nach scharfen Lösemitteln stinkenden Hochglanzprospekten nach dem neuen SUV unserer Wahl gustieren? Und auch die Generation der Studenten – bisher immer ein Hort revolutionärer Veränderungen – heute voll auslässt bzw. lieber an der eigenen „Karriere“ bastelt und Gratis-Praktika bei Bayer & Co. sammelt? Sollten wir uns nicht in Grund und Boden schämen, dass jetzt von Kindern unser von allen Seiten gefracktes und vergiftetes Ökosystem gerettet werden soll? Zumindest einen Ausspruch Gretas werden ihre Skeptiker ebenso wie ihre Follower nicht in Abrede stellen können (wenn man einmal von der nicht für jedermann leicht verdaulichen emotionalen Art, wie sie das sagt, absieht) – an die erwachsene Welt bei ihrer jüngsten UN Rede: „Wie könnt ihr es wagen, jetzt zu uns jungen Leuten zu kommen, um Hoffnung zu schöpfen?“

Kann man es also Kindern im Schulalter wirklich übelnehmen, wenn sie nun Gefahr laufen, sich auf eine Rutsche zu setzen, auf der sie in linearer Bahn in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt werden? In einer Zeit, in der Kinder in den Schulen (laut dem Präsidenten der Europäischen Akademie der Wissenschaften: „reine Vertrottelungsanstalten“) von klein auf zu nichts anderem dressiert werden als „Malen nach Zahlen“ bzw. sich eben auf eine Rutsche zu setzen, die andere gelegt haben? Wir selbst haben es achselzuckend hingenommen, dass Kinder keine echte Bildung mehr bekommen, sondern nur noch eine AUSbildung. Doch hören wir auf, über unsere Versäumnisse zu lamentieren. Das bringt nicht viel, ich weiß. Jetzt müssen wir in die Gänge kommen, denn es brennt der Hut. Die bisherigen Rutschen, die uns die neoliberale Polit-/Medien-/Meinungsmaschinerie gelegt hat, haben in ein Schlammbad geführt. Das war zwar unangenehm, aber – zumindest für uns hier in Mitteleuropa – noch nicht existenzbedrohlich. Was aber, wenn die Rutschen eines immer unersättlicher werdenden Profitmolochs nun nicht in ein Schlammbad, sondern in eine Knochenmühle führen? Der neoliberale Moloch hat nämlich gewaltigen Hunger und es gibt für ihn auf dem globalen Weideland kaum noch saftige Wiesen, die er kahlfressen kann. Während hier im angeblich wohlhabendsten und wirtschaftsbrummendsten Land Europas immer noch relativ viele gut gemästete Kühe und Suvs herumstehen. Kann sich nach über 70 Jahren Frieden und Wohlstand kaum noch jemand vorstellen, dass diese Kühe geschlachtet werden und es womöglich gar keine „Wies’n“ mehr geben wird, ich weiß.

Solange KANN sich die Welt nicht ändern …

Ich merke, ich muss mich am Riemen reißen. Da Texte, die über Twitterformat hinausgehen, von vielen ja kaum noch gelesen werden, zumindest diesen Gedanken gleich am Anfang: Diese Welt kann sich nicht verändern, wenn die substanziellen Gedanken dazu fehlen! Da wird alles noch so laute Protestieren nicht viel helfen. Es bräuchte eine ganz neue Demonstrationskultur. Nicht immer nur gegen das Desaströse protestieren und notdürftig das Schlimmste verhindern wollen, damit hinken wir ja hinter all den Schweinereien doch nur hinterher. Viel wirksamer wäre es, wenn wir ein positives, würdevolles Bild von Mensch und Umwelt aufbauen und dann von Politik und Wirtschaft die Rahmenbedingungen fordern, damit sich dieses entfalten kann. Und jeder alternativlose Politiker, der das verweigert, was eigentlich kein gesunder Mensch verweigern kann, z.B. nachhaltigen Frieden anstatt fortwährender Eskalation, disqualifiziert sich demgegenüber ganz von selbst und muss schmelzen wie ein Schneemann in der Sonne.

Gleich vorneweg: Nein, das wird leider nicht gehen, indem man Grün wählt. Glaubt mir, ich habe das als Youngster damals auch schon probiert mit dem Grün-Wählen. Rausgekommnen ist das genaue Gegenteil von dem Erhofften: Verwicklung des Souveräns in NATO-Angriffskriege, Zerstörung der Europäischen Friedensordnung durch von Grünen gezeichnete „Assoziierungsverträge“ mit Ukraine etc., mittlerweile ans Suizidale grenzende Kriegstrommelei gegen Russland, Panzer auf ehemals sowjetischem Gebiet, sogar direkter Ausverkauf der Umwelt durch Glyphosat- und Pestizidlobbying, Fracking etc. (siehe z.B. Artikel von Jens Bernert: „Die Umwelt-Verräter“). Die Veränderung, die wir uns wünschen, wird auch nicht kommen, indem wir auf unserem Smartphone auf den METOO-Button drücken, sondern nur, indem sich jeder individuell aufrichtet und verantwortlich fühlt.

In eurer Hölle kann ich nicht atmen!

Ich möchte inmitten des Minenfeldes an widerstreitenden Interessen, in dem sich gerade selbst unsere vermeintlich klügsten Köpfe hoffnungslos aufreiben, nicht noch weiter polarisieren, sondern nur eine kleine – unparteiische – Randnotiz anmerken. Vielleicht ist die Vehemenz, mit der sich gerade die Kontroversen entladen, auch etwas ganz Natürliches, wenn man bedenkt in welch gigantischem Maßstab die Massen heute manipuliert und mittels perfektionierter manufacturing consent-Techniken in eine für den neoliberalen Moloch ungefährliche Richtung gegängelt werden, und wie sich mit jeder nicht erkannten Lüge und Manipulation innerlich eine kaum erklärbare Spannung aufbaut, die dann natürlich nach einem Blitzableiter sucht. Man sollte sich nur fragen, ob die Richtung, in der man den Blitz dann einschlagen lässt, wirklich die richtige Adresse ist, während sich diejenigen, dank deren gigantomanischer Hochspannungs-Generatoren wir alle unter solch mittlerweile fast unerträglichen Spannungen leiden, sich ins Fäustchen lachen. In einer von Manipulation und Lüge aufgeladenen Atmosphäre, die unter anderen Vorzeichen durchaus wieder an dunkelste geschichtliche Zeiten erinnert, in denen wache Köpfe wie Juri Galanskow ausrufen mussten: „In eurer Hölle kann ich nicht atmen!“.

Hier also nicht noch mehr Senf, sondern ein bisschen Wasser, das ich nicht einmal direkt in den infowars-Brand schütten möchte, sondern das ich einfach so nebenher auf den Tisch stelle. Niemand muss davon trinken, es steht jedem frei, zu hochprozentigeren Spirituosen zu greifen. Auch den japanischen Kamikaze-Piloten hat man ja ein Gläschen Schnaps gereicht und nicht Wasser, damit sie unbeirrt die feindliche Fregatte versenken konnten.

Da ich mit einem Gläschen Wasser gegen ein Gläschen Schnaps naturgemäß nicht ankomme, daher nachfolgend gleich drei kleine Gläschen Wasser – die zwar wiewohl auf einer zur Rotglut erhitzten Ofenplatte vermutlich ebenso im Nu verpuffen werden, aber man soll ja nichts unversucht lassen. Die Gläschen Wasser sind auch nicht dazu gedacht, um den derzeitigen Flächenbrand zu löschen (soweit bin ich Realist, um zu wissen, dass das vergeblich wäre), sie können aber demjenigen, der zugreift, ein bisschen zur Ausnüchterung dienen und zumindest die Alkoholkonzentration, die uns derzeit in den Adern zirkuliert, etwas verdünnen. Denn wenn wir bei der Geschwindigkeit, mit der wir gerade auf der transatlantischen Autobahn unterwegs sind, zuviel Promille im Blut haben, dann könnte es leicht sein, dass wir eine Massenkarambolage verursachen.

Gläschen #1:
Wer leben will, sollte nicht den Tod wählen

Also, nur so nebenbei und ganz frei, Gläschen Nr.1:

Der Slogan „UNITE BEHIND THE SCIENCE“, unter welchem die Fridays for Future Bewegung und Gretas transatlantischer Segelturn gelabelt wurden, klingt zwar zweifellos besser als „UNITE BEHIND THE ECONOMY“ oder „UNITE BEHIND THE POWER“, meint aber leider im Prinzip dasselbe.

Das Ganze ist gleichermaßen perfide wie perfekt. Während sich der ganze Wust an Sympathie und Antipathie auf eine unbedarfte Galeonsfigur fokussiert, wird im Hintergrund die eigentliche Nummer durchgezogen, die jetzt auf der Agenda steht. Und der fast alle – Gretas und Rezos Kritiker ebenso wie ihre Verteidiger – einen Bärendienst erweisen: Die Installation der „Global Governance“-Agenda, wie sie aktuell vom World Economic Forum (der Lobbyorganisation der 1000 größten globalen Konzerne) gefordert wird: Konzernwirtschaftliche Experten bzw. die „Wissenschaft“ sollen jetzt unter Umgehung demokratischer und rechtsstaatlicher Mechanismen alles regeln und die Politiker sollen es nur noch dem Volk verkaufen. Eventuell diese beiden Artikel lesen+sickern lassen, dann ahnt man, was gerade hinter den streng wissenschaftlichen Kulissen abläuft bzw. was noch kommen soll:

„Der Griff der Großkonzerne nach der Weltherrschaft“ (Norbert Häring)

und

„Terror und Technokratie“ (Matthias Burchardt)

Auch die 90 Super-Youtuber rund um Rezo (ja, allesamt pfiffig, cool und mit anerkennenswertem jugendlichen Elan, keine Frage) schwören gerade ihre Millionenschaften an Followern auf das ein, was jetzt das alternativlos „Vernünftige“ sei: Sich „auf die Seite der Experten stellen“. – Derjenigen Experten, dank deren „streng wissenschaftlicher“ Denkweise und unbestreitbar effizienter Agenda unser Planet jetzt kurz vorm Ökozid und wir auch auf praktisch allen anderen Ebenen des Lebens am Rande des Abgrunds stehen. Mit einer zwar gut gemeinten Absicht, aber unglaublich naiven Weltsicht erwartet man nun von denjenigen Experten des etablierten Systems, das Jean Ziegler als kannibalisch und deren akademisch akkreditierte Wissenschaftler Noam Chomsky als „säkulare Hohepriester der Machtelite, die uns verkünden, was wir glauben sollen“ bezeichnet, allen Ernstes die Lösung und man möchte sich „auf deren Seite stellen“. – Auf die Seite derjenigen „wissenschaftlichen“ Experten, die schon bisher an der Kurbel dieses Systems gedreht haben, das uns mittlerweile an den Rande des Ökozids geführt hat. Experten einer Wissenschaft, die im Grunde immer noch auf der tödlichen Denkweise ihres Ahnvaters Francis Bacon beruht (siehe „Warum überhaupt noch denken?“). Wenn wir dem derzeitigen Credo der sogenannten Wissenschaft, die in vielerlei Hinsicht eher eine Nichtwissenwollenschaft verkörpert, weiter folgen, dann war’s das. Dieses Credo bzw. Basisaxiom lautet:

„Mensch und Welt sind nur geistlose Kohlenstoffzusammenballungen,
ergo ist alles Wurst,
ergo können Mensch und Umwelt nach reinen Effizienzkriterien ausgeschlachtet werden.“

Dazu ein andernmal mehr, hier nur in short: Liebe Kids: Wenn Ihr leben wollt, dann solltet Ihr nicht den Tod wählen!

Noam Chomsky, ein Professor, der selbst fast sein ganzes Leben am Campus (wörtlich übersetzt: am „Schlachtfeld“) der Wissenschaft verbracht hat, bezeichnet die Akteure derjenigen heutigen „Wissenschaft“, hinter die sich die soeben aus dem Gaming-Modus erwachte Generation Instagram bedingungslos stellen möchte, als „Wachhunde der Machtelite“ und als „deeply indoctrinated“. Und hinter Wachhunde, die von einem System, das Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichnet, nach neoliberaler Doktrin indoktriniert wurden, will man sich nun allen Ernstes stellen? (siehe auch Interview mit Prof. Christian Kreiß über „Gekaufte Wissenschaft“ und „Missbrauchte Wissenschaft im Dienst der Konzerne“ auf heise.de).

Das mag für unsereins‘ tagesschauguckende Bürger, die wir von Kindesbeinen an von einem technokratischen Schul- und Ausbildungssystem ebenfalls im Sinne dieses Systems „deeply indoctrinated“  (zu deutsch: zutiefst gehirngewaschen) werden, jetzt vielleicht wie reine Häresie klingen, bei der wir zuerst einen hochroten Kopf bekommen und dann eine innere Implosion verspüren werden, aber ich meine es trotzdem ernst: Wenn wir eine reale Chance auf ein Überleben haben wollen und um die Megamaschine zu stoppen, die alle noch verbliebenen Umwelt- und Humaressourcen verschlingen möchte, dann müsste man den Spieß geradewegs umdrehen:

DESTROY THIS SCIENCE!

Um das System in Frage zu stellen, müsste sich die FFF-Bewegung das Motto „DESTROY THIS SCIENCE!“ auf die Fahnen schreiben. Mit „UNITE BEHIND THE SCIENCE“, so wie das auch der Millionen-Influencer Rezo und die 90+Super-Youtuber propagieren, werden sie hingegen Ökozid hoch 3 bekommen, auch wenn sie es noch so gut meinen.

Denn bei aller hybrider Intelligenz und  akademischer Eloquenz sind es überwiegend astreine Nihilisten, die derzeit im Namen der „Wissenschaft“ am großen konzernwirtschaftlichen/militärischen/politischen Rad drehen. Nicht dass es nicht denkbar wäre, dass wir einmal eine wirkliche, der Wahrheit und dem Menschen verpflichtete Wissenschaft hätten, aber derzeit sind wir davon noch weit entfernt. Wer das als Schmähung der ach so ehrenwerten Wissenschaft auffasst, der nehme mich ruhig beim Wort: Auch wenn mancher Wissenschaftsgläubige darüber noch lachen wird, aber wenn er aufmerksam und ehrlich beobachtet, wird er sehen: Jede einzelne (politische, soziale, ökonomische, „ökologische“) Maßnahme, die aus der derzeit vorherrschenden, bloß „evidenzbasierten, streng wissenschaftlichen“ Denkweise hervorgeht, wird sich nur als Bewegung im Treibsand erweisen, in dem der ohnehin bereits bis zur Brust eingesunkene Mensch nur noch weiter versinkt. Die „evidenzbasierten“ Argumente der „Experten“ mögen dabei noch so neunmalschlau, naturwissenschaftlich, empirisch, vernünftig, fortschrittlich und alternativlos klingen … merkt euch diese einfache Formel, über die man als aufgeklärter Freund von Sheldon Coopers Big Bang Theory heute zwar noch lachen mag: Jeder einzelne Schritt aus „evidenzbasierten“ (=szientistisch-technizistisch-nihilistischen) Motivgründen ist ein Schritt Richtung Untergang. Denn wie Burchardt in seinem oben verlinkten Essay ganz richtig anmerkt, ist diese Ausrichtung im Grunde „zutiefst nihilistisch und deshalb unfähig ist, eine Sinnfigur hervorzubringen“. Sie mache uns zu „Insassen einer apolitischen, technokratisch-ökonomistischen Untertanenfabrik und Sachzwangdiktatur“ und würde letztlich in nichts anderem enden als in einem barbarischen „Kampf Jeder gegen Jeden“.

Es ist also nicht CO2, Greta,die Klimaleugner, Rainer Rupp, die Rechten, die Linken,  etc., die wir stoppen müssen, sondern was wir schlicht und ergreifend stoppen bzw. überwinden müssen, um zu überleben und wieder eine hoffnungsvolle Zukunft aufbauen zu können, ist: DER NIHILISMUS mit seinem o.a. Credo, dass ungeachtet aller schönen Worte von Umwelt und Menschlichkeit  (in deren Formulierung sie Meister sind) im Grunde alles Wurst ist und daher der reinen Nützlichkeitsmaxime unterworfen werden kann. Gerade den Nihilismus wollen die neoliberalen Eliten aber gerade mit Brachialgewalt etablieren, denn nur er gewährt die vollendete Ausschlachtung der noch verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen. Aufgrund dieses Mindsets der derzeitigen „Wissenschaft“ wird bei der aktuellen Klimadiskussion auch nicht viel anderes rauskommen als wieder neue Geschäftsmodelle, Steuerlasten, Zertifikatehandel mit CO2 etc., die der Umwelt noch mehr den Garaus machen und so nebenbei auch noch armen Menschen vollends das Wasser abgraben, indem diese die Lebenshaltungskosten nicht mehr stemmen können.

Der Politologe Hermann Ploppa formuliert in einem jüngsten Artikel („The Licence to Kill“) einen noch wenig realisierten Gedanken, der aber nicht ganz von der Hand zu weisen ist: Dass CO2- und Schadstoff-Zertifikate ja eigentlich nichts anderes sind als Lizenzen,  um die Umwelt zu versauen. So wie auch das wirtschaftlich schwache Griechenland seine ihm zugeteilten Verschmutzungsrechte an andere, finanzkräftige Länder verkauft hat, die damit dann guten Gewissens und mit öko-zertifiziertem Grünem Daumen aus vollen Rohren Dreck in die Luft blasen konnten. Ploppa: „Mal im Ernst: solange alle, aber wirklich alle Protagonisten der augenblicklichen Klimadebatte diesem marktradikalen Schwindel aufsitzen, können sich die Konzernlenker mit ihren Zigarren und ihren Zylinderhüten bequem zurücklehnen, ihren Bourbon schlürfen und über das dumme Volk grinsen.“

Gläschen #2:
Wake up Tweet

Abgesehen davon, dass die junge Aktivistin, über die da getwittert wird, nicht ganz im Kontext zu CO2 steht, mag dieser Tweet trotzdem zum Nachdenken geben. Auch ich habe  bisher bei ausnahmslos allen ökologischen, humanitären oder sonstigen Initiativen, die ernsthaft  die herrschenden Machtstrukturen und das System hinterfragt haben, nichts anderes erlebt, als dass diesen sofort ein eisiger Wind ins Gesicht geschlagen hat, sie blockiert und verhindert wurden, wo nur geht. Wenn nun eine Bewegung den vollen Rückenwind und das Wohlwollen mächtiger transatlantischer Thinktanks genießt, deren profitabelstes Business eigentlich Death and Destruction ist, und wenn sogar die gigantische, den Finanz-/Konzern-/Politmächten zur Verfügung stehende Medienmaschinerie das Ganze noch aufbläst – eine Medienmaschinerie, die abweichende, dem neoliberalen System gefährliche Meinungen ansonsten umgehend diffamiert und ausgrenzt oder noch effektiver: einfach totschweigt (was bei einem kleinen Mädchen, das irgendwo in Buxtehude in Schweden begonnen hat, mit einem Pappschild für Klima herumzustehen, wohl kein Problem gewesen wäre), dann muss man leider auch als argloser Mensch Schlimmes befürchten. Was ja nun auch bereits in Form des ersten Groko-Klimasteuerpakets zumindest teilweise eingetreten ist. Und wenn man die bereits offen formulierten Absichten der konzernwirtschaftlichen Global Governance Lobbyisten ansieht, ist das erst der Anfang und ist noch weitaus Schlimmeres im Anrollen.

Ganz von ungefähr kommt der im Netz gerade die Runde gehende Tweet von „Syrian Girl“ also vielleicht doch nicht:

„The difference between establishment created child activists like #GretaThunberg and organic ones like Rachel Corrie is, real symbols of rebellion are crushed by the elites, run over by bulldozers. They’re not given Nobel prizes, yacht rides & book deals.“


Quelle: Twitter/Syrian Girl/https://twitter.com/Partisangirl/status/1176672254265982976 (24.09.2019)

Gläschen #3:
George Carlin mal wieder

Zuletzt auch noch zu Gläschen Nr.3, in dem, ich gebe es zu, nicht nur Wasser, sondern auch ein gehöriger Schuss Scotch drin ist. Man könnte das, was der Satiriker George Carlin da sagt, natürlich auch arg missverstehen, aber was kann man denn eigentlich nicht missverstehen, wenn man sich nicht die Zeit nimmt, den Kern einer Sache in Ruhe zu reflektieren, anstatt nur sofort aus dem Bauch heraus und gemäß seiner bisher gefassten Meinungen zu reagieren?

Carlin (zu einer bereits vor Jahrzehnten stattgefundenen, in ähnlicher Weise medial-emotional gepushten Bewegung / Fundstück in einem Artikel von Berhard Loyen):

„Also die Arroganz der Leute – Rettet den Planeten! Wie bitte, wollt ihr mich verarschen? Wir müssen doch erstmal mit uns selbst klarkommen (…) aber bevor wir aufeinander aufpassen, müssen wir natürlich erstmal den fuckin’ planet retten (…). Ich werde langsam müde von diesem Scheiß. Müde, echt müde von diesem Scheiß.“

Er wird dann etwas deutlicher, was er von diesen Leuten hält, wie sie leben, was sie denken um dann folgenden Satz zu vorzutragen, Zitat: „Der Planet ist eigentlich soweit in Ordnung. Die Leute sind am Arsch. Der Unterschied sei, dem Planeten geht es doch soweit okay, der kommt schon irgendwie alleine klar, mit seinem Alter von etwa 4,6 Milliarden Jahren. Das eigentliche Problem, der Mensch nehme sich da etwas wichtiger, für das, was er darstelle. Wie lange gibt es den modernen Menschen? 200 oder 300000 Jahre? Wann war doch gleich die industrielle Revolution? Vor gut 250 Jahren. Also, 250 gegen 4,6 Milliarden Jahre… und WIR wollen allen Ernstes den fuckin’ planet retten?
(Video im Original: siehe Twitter)

 

Nachsatz:

Wir können trotzdem dafür sorgen, dass die gelenkte Klimawandel-Diskussion  für die neoliberalen Strippenzieher ein Schuss nach hinten wird. An uns liegt es, die bereits entfachte FFF-Dynamik so gut wie möglich in eine konstruktive Richtung zu führen bzw. vor totaler Vereinnahmung der Global Governance Lobbyisten bewahren. Wie im nachfolgenden Video zu sehen, fängt es schon zu wirken an, dass FFF auch mit substanziellen Informationen beliefert wird. Womit die von der Klimawandeldiskussion bisher wohl am meisten profitierenden Grünen nicht gerechnet haben: Bei der Klimastreik-Demo in Berlin sind die Grünen selbst zur Zielscheibe der Kritik und aufgrund ihrer heuchlerischen und kriegstreiberischen Politik praktisch als Nobrainer-Partei angeprangert worden. Wenn sich das unter Generation Instagram rumspricht, könnte der Rezo-Effekt schnell wieder abflauen und auch Habeck wäre als Merkelnachfolger womöglich abgesagt. In diesem Sinne: Weiter so! Diese Stoßrichtung stimmt. Wir dürfen den drohenden Ökozid nicht bloß auf die drei Buchstaben CO2 reduzieren lassen, sondern wir müssen ganz grundlegend die Systemfrage stellen. Und von diesem von Jean Ziegler als „kannibalisch“ bezeichneten System sind die sogenannten Grünen längst ein fest embeddeder und sogar besonders virulenter Teil, also eigentlich genauso ein Fall für die Tonne wie die CDU. Da darf man sich von der Farbe des Anstrichs und hip designten PR-Kampagnen nicht täuschen lassen.

P.P.S.:

Und an die Adresse der Klimadiskussions-Kritiker, die meinen, dass Deutschland angesichts seines marginalen Anteils am weltweiten Schadstoffausstoße für die globale Situation ohnehin keine Rolle spiele: Das mag zwar hinsichtlich CO2 gelten, aber in sehr viel weitergehender Hinsicht ist diese Haltung falsch: Deutschland hätte als Kulturnation und wirtschaftlich gewichtigstes Land Europas sogar eine sehr große Bedeutung für die Zukunft, wäre gewissermaßen sogar für das Gleichgewicht zwischen Ost und West und damit für Frieden und Weiterexistenz schlechthin verantwortlich. Die derzeitige Merkel-Maas-Regierung versagt in dieser Hinsicht leider VOLLSTÄNDIG.

Dabei kommt es nicht nur auf faktische Knebelungen durch transatlantische Pressure-Groups an, es ist schon so wie Polit-Urgestein Willy Wimmer in einem Interview schildert: Auf dem Parkett der internationalen Diplomatie kommt es vor allem auch auf die Haltung an, die man einnimmt bzw. das Rückgrat, das man beweist. Auf diese Weise konnten deutsche Spitzenpolitiker zu seiner Amtszeit auch gegenüber den immer noch mit ihrer Militärpräsenz im Land anwesenden ‚Siegermächten‘ selbstbewusst für das eintreten, was die Humanität und Vernunft gebietet und Unverschämtes bzw. die eigene Existenz bedrohende Ambitionen – die es schon damals gab und wohl immer geben wird – ganz klar zurückweisen. In der Ära Merkel wurde nun erstmals rein gar nichts von den unverschämten Ambitionen derjenigen Hochfinanzinteressen, die sich gerne als „der Markt“ bezeichnen, zurückgewiesen, sondern wurde deren neoliberaler Plünderungsraubzug samt eskalierender nuklear Bedrohung auf der eurasischen Festplatte entgegen aller eigener vitaler Interessen und der Friedenssicherung willfährig abgenickt, so wie das ein Land noch niemals zuvor erlebt hat.

Und wenn Habeck an die Macht käme, würde dieses „Prinzip Merkel“ 1:1 weitergehen (lt. Roger Willemsen, der das „Prinzip Merkel“ als Zuschauer im Bundestag ein ganzes Jahr lang aufmerksam beobachtet und darüber ein Buch geschrieben hat, bedeutet dieses Prinzip: „Betäubungszonen ausbreiten“), während alles wie gewohnt weiter den Bach runtergeht und die noch verbliebenen Umwelt- und Humanressourcen abgewickelt werden.

Mit anderen Worten: Habeck als Kanzler bzw. die Grünen in der nächsten Regierung wären der endgültige Sargnagel für unsere Umwelt und den Frieden in Europa. Da darf man sich vom grünen Anstrich nicht täuschen lassen. Und da hilft es auch wenig, dass die Habecktruppe in der unteren Körperregion mit 60 Geschlechtern aufwartet, wenn im Oberstübchen nur gähnende Leere herrscht und man eigentlich ideologischen Bankrott anmelden müsste.

 

Titelfoto: Stencil Greta Thunberg/Flickr/Ersteller: Carsten Smithby (CC BY-NC-ND 2.0)

Fotos Wasserglas: pixabay/CC0

Pure Heuchelei – Null Konsequenz für Klimakiller-Konzerne, aber den Bürgern das Heizen verteuern

Das Klimapaket der Großen Koalition beweise, dass sie nicht das Rückgrat habe, sich mit den wirklichen Klimasündern anzulegen. Das meinte heute die scheidende Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht. Es sei „ein Flickenteppich an Subventionen und ein sinnloses Abkassieren der Verbraucher“. „Das Weltklima werden sie so ganz bestimmt nicht retten“, schob sie hinterher.

Brennpunkt Naher Osten- Tacheles #15

Dieses Mal haben Röper und Stein wieder einige interessante Themen aufgegriffen. Der Schwerpunkt war die Krise im Nahen Osten: Was ist bekannt über den Angriff auf die saudische Raffinerie, was sind die Hintergründe des Konfliktes mit dem Iran und worum geht es eigentlich in dem Atomabkommen?

Zum Nahen Osten gehört natürlich auch Israel und die Ankündigung Netanjahus, das Westjordanland zu annektieren. Bei der Gelegenheit stellte sich die Frage, wie die westlichen Medien echten und angeblichen Annektionen umgehen.

Und auch einen Blick in Ukraine gab es noch, denn es gibt einiges Hin und Her um die Frage des nächsten Treffens im Normandie-Format, wo in Kiew anscheinend eine Hand nicht weiß, was die andere tut.

NATO-Geheimarmeen und Operation Gladio

Der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser sprach am 14. September 2009 an der Universität Basel über die NATO-Geheimarmeen, die er als illegal einstuft, weil sie weder der Bevölkerung noch den Parlamenten in den betroffenen Ländern bekannt waren.

Im Vortrag stützt sich Ganser auf seine Doktorarbeit im Fachbereich Geschichte, welche er an der Universität Basel zu diesem Thema verfasst hat. Das Buch wurde in zehn Sprachen übersetzt und erschien auf Deutsch 2008 im Orell Füssli Verlag unter dem Titel: „NATO Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung“.

Kapitalismus am Ende: Massentötung beschlossen, Kannibalismus angedacht

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Sonntag, 15.9.2019. Eifel. Was machen wir eigentlich, wenn sich die Wirtschaft aus dem Staat zurückzieht? Einfach, weil „Staat“ nicht genug Rendite bringt? Fremdartige Frage, oder? Wir sind gar nicht mehr gewöhnt, solche Fragen zu stellen. Wir können auch fragen: was machen wir, wenn „die Wirtschaft“ sich aus der Gesellschaft zurückzieht – um es ganz klar auf den Punkt zu bringen, denn Staat: das sind in erster Linie wir alle – auch wenn weder wir noch unsere Regierung das wahrhaben will.

Wir brauchen auch nicht lange auf die Antwort zu dieser Frage warten: die Wirtschaft hat sich gerade mit einem großen Paukenschlag aus der Gesellschaft verabschiedet – Sie werden es in den Nachrichten mitbekommen haben: die großen Pharmafirmen verabschieden sich völlig aus der Antibiotikaforschung – und die kleinen haben nicht das Geld dafür, Präparate zur Marktreife zu bringen (siehe Tagesschau). Die Begrüdung der Konzerne ist einfach: es bringt nicht genug Rendite. Nun darf man sich ein wenig in die Materie einarbeiten, um zu verstehen, was diese Entscheidung bedeutet – und ich fürchte, viele haben das noch nicht verstanden, obwohl die Tagesschau ausdrücklich auf diese Gefahr hinweist.

Seit der Einführung des ersten Antibiotikums (Penicilin) und seiner unüberlegten und massenhaften Anwendung (auch bei Tieren, wodurch wir schon Antibiotika im Trinkwasser haben – siehe Handelsblatt – wobei gesagt werden muss, dass unser Trinkwasser oft besser ist als teure Blubberwässer – siehe Test) haben wir ein Problem: die Natur schlägt zurück. Die Bakterien entwickeln Resistenzen gegen Antibiotika, weshalb wir neue erfinden mussten. Das war ja auch lange ein gutes Geschäft für die Industrie: nach ein paar Jahren waren die einst neuen Substanzen nicht mehr so wirksam – neue Waffen mussten an die Front. Auch die kamen bei der Tierzüchtung in Massen zum Einsatz (dafür waren sie nie gedacht – aber egal, war gut für die Rendite).

Nun – Jahre lang lief das ganz gut: bis jetzt. Dabei hatten sich erst vor 3 Jahren noch einhundert Pharmafirmen zusammengeschlossen, um der Bedrohung durch resistenze Keime Herr zu werden. Doch jetzt – ist keine Firma mehr da. Keine einzige. Wirkstoffe gibt es wohl noch (siehe das Schicksal der kleinen Firma Achaogen – siehe Tagesschau) aber die werden nicht bis zur Marktreife entwickelt. Was ist mich frage: wer hat eigentlich jetzt – nach dem Konkurs – die Patente für diese Superantibiotika von Achaogen? Denn immerhin: auch wenn sich diese Stoffe für die breite Masse nicht lohnen, so können doch jene Menschen, die ein eigenes Raumfahrtprogramm finanzieren können, auch die Herrstellung von Superantibiotika finanzieren – jedoch nur für einen kleinen Kreis als Notfallpräparate.

Gruselige Gedanken?

Es gibt zu dem Thema viel Resonanz im Netz – was nicht wundern sollte. Auch jenseits spezieller Deutungen der Georgia Guide Stones (siehe Wikipedia) wird klar, dass viele der Meinung sind, es gäbe zu viele Menschen auf der Erde – und nicht nur das: der Mensch ist auch noch schlecht. Es gibt eine breite Front gegen die Menschheit, in der sich Scientologen, Veganer, Tierschützer, Esoteriker, Politiker, Konzernchefs, Wissenschaftler und Superreiche einreihen und die Meinung pflegen: der Mensch sei schlecht (außer denjenigen selbst natürlich). Sogar als Krankheit für die Erde wurde er schon bezeichnet (siehe morgenpost) – aber hier kommen wir ja wieder in den Bereich des verbotenen Denkens, der „Verschwörungstheorie“ – jenes Schlagwort, dass alle Ideen in den Orkus des Verderbens verbannt, die auch nur im Geringsten andeuten, dass die Mächtigen dieser Erde etwas anderes als nur das Gute, Reine, Edle im Schilde führen. In einem solchen Klima wird es viele Menschen geben, die die Entscheidung der Konzerne still begrüßen.

Die Tagesschau berichtet von 30000 Toten im Jahr in Europa, die den Superkeimen zum Opfer fallen: bleibt die Menschheit ohne jene Antibiotika, wird die Todesursache Krebs von der Todesursache Keime bis 2050 überholt werden: Zustände wie im Mittelalter, wo Epedemien ganze Landstriche auslöschten, werden wieder denkbar – erst recht, weil wir duch Dauerurlauberei jeden noch so irren Keim aus den letzten Ecken der Erde nach Europa holen.

Unglaublich, oder? Da verurteilen die reichsten Konzerne der Welt 10 Millionen Menschen zum Tode, weil lebensretttende Maßnahmen nicht mehr genug Profit einbringen.

Ich hoffe, Ihnen ist klar, was das bedeutet?

Nun – das ist der Startschuss zur Abwicklung der demokratischen Zivilgesellschaft, deren Überleben den Superreichen und ihren Bütteln zuviel kostet. Es war absehbar, dass die Realwirtschaft – also: wir Menschen und unsere elendigen Versorgungsbedürfnisse – irgendwann mal lästig werden würden, so lästig wie die Insassen der Konzentrationslager ihren Verwaltern wurden. Eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösung wäre: es gäbe diese Menschen gar nicht, die mit viel Aufwand versorgt werden müssten, die unendlich viel Geld kosten, das sich doch auf den Finanzmärkten so wunderbar von selbst vermehren könnte – während die Rendite bei der Lebensrettung ziemlich bescheiden ausfällt. Manchmal muss man sogar draufzahlen.

Darum „entkoppeln“ sich die Finanzmärkte von der Realwirtschaft – die bringt einfach zu wenig. Solche Aussagen findet man nicht in sozialistischen Kampfblättern sondern in seriösen konservativen deutschen Wirtschaftszeitungen wie Wiwo, wo der Textchef schon 2013 die Entwicklung beschrieb (siehe Wiwo) die Heute zur Antibiotikakatastrophe geführt hat.

Der Hintergrund ist relativ einfach zu verstehen: damit noch ordentlich Rendite in Realwirtschaft gemacht werden kann, muss die Politik Zwangsmaßnahmen ergreifen, um die Geld- und Habgier der Anleger (wie sie so fein genannt werden im Krieg der Worte – dabei sind sie eher Faulpelze und Parasiten) zu befriedigen. Brauchen wir ein paar Beispiele dafür? Gut.

Nehmen wir die Dieselautos. Kurz vorher noch als umweltfreundlichstes Auto der Welt gepriesen (unter anderem mit großem Werbeaufwand in den USA, wo kaum Diesel fuhren), war er auf einmal des Teufels. Von heute auf morgen war er böse: und das eröffnete vielen ein gigantisches Geschäft. Schauen Sie mal, wo die überall fahren, diese Diesel (siehe Focus): in ganz Europa konnte man mit deutschen Diesel gute Geschäfte machen, weil Millionen deutsche Autofahrer fürchten mussten, nächste Woche nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren zu können, dann gekündigt zu werden und der Horrormühle Hartz IV anheim zu fallen, wo man nach einem Jahr zum Hilfsarbeiter degradiert wird – allen Doktortiteln zum trotz. Wer da schlau war, hat auf Export gesetzt: hier Diesel günstig eingekauft und dann mit Milliardengewinnen im Ausland verkauft. Gezahlt hat das – der kleine Mann. Also: Sie.

Weil das noch nicht reicht, gibt es jetzt die Automaut für alle (siehe Focus). Für Straßen und Autobahnen, die wir schon längst mehrfach bezahlt haben, dürfen wir jetzt noch mehr bezahlen. Das geschieht, sobald der Kapitalismus keine ausreichende Rendite mehr findet: dann muss mit Staatsgewalt Rendite geschaffen werden. Und glauben Sie mal nicht, dass die Steuergelder einfach nur so dann der Allgemeinheit zugute kommen: von dem Geld sichern sich die Großfürsten in der Bundespolitik ihre persönliche Entourage, da werden Aufträge an Firmen erteilt, üppige Beraterhonorare gezahlt (siehe Focus – Frau von der Leyen zahlt da schon mal für 7 Monate 200 000 Euro an „Berater“ – an mehrere. Was soll´s: ist ja nicht ihr Geld. Aber so wird man überraschend Königin von Europa).

Ach ja: Diesel. Da ist jetzt auch dem letzten aufgefallen, dass der Feldzug gegen Diesel im Prinzip auch gegen Ölheizungen geführt werden muss: immerhin verbrennen die denselben Stoff. Riesengeschäft für Konzerne: Ölheizungen sollen verboten werden (siehe FAZ). Im sterbenden Kapitalismus hat der Staat nur noch eine Aufgabe: mit Staatsgewalt neue Renditemöglichkeiten zu schaffen – auch durch die Körper der Bürger.

Ja – was ist denn die Impfflicht anderes als ein großes Geschenk an die Pharmaindustrie? Und was machen wir eigentlich, wenn die neben der Antibiotikaforschung auch noch die Impfforschung einstellen? Oder mit ihrem ganzen Kapital nur noch an den Finanzmärkten spekulieren? Nun – solange der Staat die Impferei bezahlt, ist ja alles gut. Nachdem der Staat die Organe seiner Bürger per Gesetz zum Staatseigentum erklärt hat – es sei denn, man hat die Möglichkeit, laut und deutlich zu widersprechen … unter Zeugen … – wurden auch die Pauschalen für die Krankenhäuser erhöht, damit auch reichlich Organe verpflanzt werden (siehe Bundesgesundheitsministerium) … und so ein renditefreundlicher Markt entsteht.  Viele, die sich ihre Leber durch Suff versaut oder die Herzkranzgefäße durch fettiges Essen und Rauchen verstopft haben, haben nun die Chance auf völlig neue Organe, so dass die Völlerei weitergehen kann – auf Kosten von Menschenleben, die durch die einzigartige Diagnose „Hirntod“ (also nur teilweise tot) Ware wurden. Wie fragwürdig die recht beliebig auslegbare Diagnose sein kann, kann man einem Artikel der Frankfurter Rundschau entnehmen (siehe FR), verantwortungsbewusste Politik sehe anders aus.

Prima, oder?

Was machen wir eigentlich, wenn die Mineralölfirmen beschließen, kein Öl mehr nach Deutschland oder Europa zu liefern – weil es sich nicht mehr lohnt? Lachen Sie nicht: die Firmen haben sich schon mal verabschiedet, weil es hier Arbeitsschutzgesetze, Gewerkschaften und Anstand gab – sowas mag der Raubtierkapitalismus nicht. Nun – das wurde ja auch alles ausgehölt und wir haben einen großen Teil unserer Bevölkerung dafür abgestellt, Sklavenarbeit für „die Wirtschaft“ zu machen: als entrechtete Niedriglöhner, von denen es immer mehr gibt (siehe Focus). Warum kostbares saudisches Öl nach Sachsen liefern, wenn es in Texas viel mehr Dollar dafür gibt? Und durch die Niedrigzinspolitik – die als einzige das marode System noch schützen kann – wird der Euro langfristig immer weniger Wert. Wer noch genug Geld hat zu sparen, wird dadurch auch noch nebenbei enteignet.

Wussten Sie schon, dass die Schweiz nun ihre Züge hier reparieren läßt – weil wir offiziell Billiglohnland geworden sind (siehe Tagesschau). Über der Schweiz lacht die Sonne, über Deutschland die ganze Welt. Ja – wir sind hier krasser, weil wir Frontland sind im Kampf gegen den Bürger, weil wir europäische Führungsnation sind, die alles sofort umsetzt, was die Märkte für sinnvoll erachten. Und das kostet uns einiges.

Können Sie sich noch an Franz-Josef-Strauß erinnern? Wahlkampf in den siebziger Jahren? Was hat der über die Sozis geschimpft: die könnten nicht mit Geld umgehen. 1975 hatten wir eine Staatsverschuldung von 130 Milliarden Euro. 1982 – 1998 regierte die CDU unangefochten, 1995 hatten wir schon 1000 Milliarden Euro Schulden. 2005 übernahm Angela Merkel das Ruder mit 1500 Milliarden Euro Schulden und fügte in nur fünf Jahren nochmal 500 Milliarden oben drauf – mehr als Kohl zwischen 1990 und 1995 geschafft hatte (siehe Statista).

Das Geld ist natürlich nicht weg – es ist nur woanders. Unsere Staatsschulden sind die Rendite der Wirtschaft. Eine endlose Reihe irrsinniger Projekte – und gleichzeitig eine endlose Reihe von Zahlungen an die „Investoren“ – bis nichts mehr geht.

Jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Man kann noch ein wenig Geld mit Diesellügen, Organorgien und Co2-Steuer machen – das war es dann aber auch. Magnus Söderlund, ein Schwede, Lehrstuhlinhaber eines der renommiertesten Institute Schwedens, das international bestens vernetzt ist, brachte unlängst im schwedischen Privatfernsehen eine neue Idee ein: wir könnten doch auch das Fleisch der Toten essen (siehe TV 4): auf  der Suche nach Rendite werden die letzten Möglichkeiten ausgeschöpft.

Und wenn die nicht mehr reichen?

Nun – was dann passiert, haben die Pharmariesen vorgemacht: wir machen den Laden einfach dicht. Niemand verdient mehr genug (was ja sehr relativ ist) an der Versorgung von 500 Millionen Europäern, die nur Endverbraucher sind, aber sonst keinerlei Nutzen mehr haben. Schon das Wort „Endverbraucher“ schreit ja geradezu nach einer „Endlösung“.

Mindestens 10 Millionen Menschen kostet diese Entscheidung der Wirtschaft das Leben. Und wenn hier die Tankstellen zugemacht werden, weil niemand mehr Öl nach Europa liefern möchte und der Haufen zerstrittener Kleinstaaten keine Bedeutung mehr auf den Märkten hat, dann werden auch die Letzten merken, dass die fetten Jahre vorbei sind.

Sie sehen also: die Überschrift zu diesen Gedanken war mal wieder reisserisch, aber zu verantworten.

Und was jetzt zu tun ist? Nun – viel, wenn wir überleben wollen … und nicht damit zufrieden sind, in Zukunft nur noch Ware (oder „Fleisch“) zu sein. Was zu tun ist, das gab das Wirtschaftsmagazin Wiso schon in dem oben zitierten Artikel vor: wir müssen die Systemfrage stellen. Aber wer das macht – wer Wörter wie Kommunismus und Sozialismus in den Mund nimmt – darf sich in diesem Land sicher sein, gerade von denen am meisten Gegenwind zu bekommen, die ihren Diesel verramscht haben, mit seltsamen Substanzen gespritzt werden, deren Organe nun Staatseigentum snd, die ständig weniger Lohn für ständig mehr Arbeit bekommen und dafür keine Rente mehr erhalten.

Darum wohl werden die Anstößte zur Systemdebatte aus dem konservativen Wirtschaftsraum ungehört bleiben – und wir eine Zukunft bekommen, in der der Tod wieder Erlösung bedeutet.

 

 

Self-Debunking 4.0

162 screenshot Facebook MG2


Screenshot von Bundesregierung/Facebook 10.09.2019 (Quellenlink)

Der Professionalität und Raffinesse der politisch-medialen Maschinerie einer Kanzlerin, die es  geschafft hat, eine ganze Nation zu „chloroformieren“ und die mit jedem gesprochenen Wort „Betäubungszonen ausbreitet“ (© Roger Willemsen), werden Historiker und Marketingexperten der Zukunft, die den neoliberalen Holocaust überlebt haben, einmal immer noch ihren Respekt zollen müssen.

Je nachdem, ob man (Galgen-)Humor hat oder nicht, mag man das lustig finden oder auch nicht: Schon seit einiger Zeit beobachte ich mit Verblüffung, wie sich fast in jedem Propaganda-Sujet auch irgendwie die Sache selbst bzw. das Motiv dahinter verrät, wenn man nur genau hinguckt. Auch im jüngsten Shitsheet der Bundesregierung – siehe oben – ist das so: Da steht doch tatsächlich als einer der drei Hauptpunkte zur Frage „Warum zahlen wir Steuern?“: „ZUR LENKUNG VON VERHALTEN“ (sic!)


Nachsatz:

Manipulative Machwerke sollte man niemals einfach so ins Netz stellen, ohne auch die notwendige Portion Gegengift bereitzustellen – gibt sonst innerlich üble Gärungen, Verknorksungen und Kurzschlüsse. Da ich nicht gut und gerne (von Steuergeldern) lebe, sondern selbst und ständig, und daher gerade nicht die notwendige Muße habe, hier eine Ampulle Antidot eines FB-Kommilitonen, der es bereits auf den Punkt bringt:

>> wisst ihr, ich arbeite echt recht hart. und wenn ich mir als kleiner selbständiger jeden monat (bzw. am ende des jahres) anschaue, was mir der staat einfach so wegnimmt… zertrümmere ich regelmäßig vor wut mindestens ein *gestört aber geil*-album. oder zwei.

ich hätte überhaupt kein problem damit, wenn dieses konstrukt namens bundesrepublik meine steuern sinnvollen dinge zuführen würde. eben jene, die die bundesregierung hier so kindgerecht auf facebook aufbereitet: für schulen, für kultur, wasserversorgung, renten, kinder…

so: ist es aber nicht freunde. denn: die größte lüge ist die auslassung.

ich bin echt ein fan dieser alten weisheit. weil eben die wirklich wichtigen dinge die sind, die verschwiegen werden. vor allem: von der propaganda. und so ist der ZWEITHÖCHSTE kostenpunkt in diesem staat: das militär.

und den fakt findet ihr irgendwie nicht im post der bundesregierung. komisch.

schon jetzt gibt die deutsche regierung jährlich 43 MILLIARDEN EURO steuergeld jährlich für den krieg aus. das reicht aber nicht: denn bis 2024 sollen noch viel mehr der hart erarbeiteten steuergelder aller bürger in panzer, flugzeuge und maschinengewehre fließen. und zwar mit einer über 30%-steigerung im vergleich zu heute.

heißt konkret, dass der deutsche militärhaushalt in wenigen jahren bei unfassbaren 85 milliarden euro pro jahr liegen wird. für das komplette ressort *natur, heimat und umweltschutz* gibt deutschland übrigens aktuell jährlich stattliche 2 milliarden euro aus. nur so als sidekick adressiert an die kids, die freitags gerne laut werden.

russland, das größte land der erde, senkte übrigens jüngst erst seine rüstungsausgaben auf 61 milliarden euro. ganz im sinne der strammen altvorderen so mancher regierungsmitglieder werden wir also in dieser hinsicht bald *den russen* überholt haben.

das neue kriegsbudget deutschlands ist mehr als das großbritanniens, mehr als das frankreichs. es wäre der zweitgrößte militärhaushalt innerhalb der nato nach den usa, der anerkannt liebevollsten friedensmacht des planeten und: die höchste ausgabe deutschlands für sein militär seit gründung dieses staates.

AUCH die höchste seit gründung der bundesrepublik ist übrigens: die armutsrate. noch nie waren mehr menschen in diesem land arm. noch nie lebten mehr menschen in diesem land im elend. noch nie hungerten mehr kinder in diesem land. jedes 4. kind in diesem land gilt offiziell als *arm* (im osten ist es jedes 3.). jedes 5. kind geht hungrig ins bett.

aber hey, all das: erzählen euch niedliche social media bildchen der bundesregierung eben eher: nicht. <<

(…)

>> kinderbetreuung, schulen, kultur… oder geht eure kohle doch eher für panzer an der russischen grenze drauf? <<
(Quelle: Markus Gelau / Facebook)

Aufwachen mit Daniele Ganser in 14 Minuten

Am 8. September 2017 sprach der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser in der Erlöserkirche in Kaiserslautern im Rahmen der Demonstration „Stopp Air Base Ramstein“. In diesem Zusammenschnitt der Rede von 14 Minuten erklärt der Historiker die Grundzüge des US-Imperialismus.

Deutschland 2019: POLITIKNOTSTAND – auf breiter Front

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Sonntag, 25.8.2019. Eifel. Mehr und mehr Gemeinden rufen den Klimanotstand aus. Was das soll, habe ich so nicht verstanden – aber das wird auch selten ausführlich erläutert. Generell geht es wohl darum, den Volkssturm gegen den Klimawandel zu entfachen bzw. erstmal zu erklären, dass ein Notstand da ist. Also – so eine symbolische Maßnahme, die viel Papier verbraucht und keinerlei Effekt erkennen läßt: genau das richtige für postdemokratische Strukturen – viel Rauch um Nichts wäre hier die Devise. In dem Zusammenhang kam mir eine fiese Idee: wäre es nicht auch mal Zeit, den Politiknotstand auszurufen? Am besten weltweit? Also: POLITIKNOTSTAND!

Auch politisch steuern wir einer großen Katastrophe entgegen – mal wieder. Die Medien sind ja voll davon: Krieg mit Russland, Krieg mit China, Krieg mit Iran – und die Bundesrepublik ganz vorne mit dabei als internationale Söldnertruppe der Globalisierer, dienstbar, gehorsam, devot … ausgestattet mit dem bald größten Wehretat der bundesdeutschen Geschichte von 85 Milliarden Euro. Hartz IV kommt jedes Jahr nur auf 22 Milliarden: der angebliche so große Kostentreiber erscheint auf einmal ganz schön preiswert. Wieso brauchen wir so einen großen Wehretat? Welche Feinde haben die gemütlichen Deutschen eigentlich noch in der Welt?

Nun – wir haben eigentlich keine Feinde mehr (außer die USA, die den alten Nazi immer noch als Feindbild für Hollywood brauchen und ohne den keine Angstbilder kreiren können) – und selbst können wir ja auch aktuell kein Land benennen, dessen Existenz zu unserer ganz persönlichen Sicherheit erstmal ausgelöscht werden müsste – keins jedenfalls aus Russland, dass uns nun zum dritten Mal in hundert Jahren von der Millionärspresse als Erbfeind vorgeführt wird, weil die Inhaber der Millionärspresse sich über Lebensraum im Osten freuen würden – und ganz viele US-Anleger ebenfalls. Da gibt es Bauland und Rohstoffe in großen Mengen, wäre da nicht der Putin: was könnte man da verdienen!

Nun Außenpolitik ist eins der Felder, wo sich der Politiknotstand deutlich abzeichnet – wie ich finde. Anstelle von Diplomatie sind wieder Bomben bevorzugtes Mittel der Wahl – wir brauchen auch keine eigenen Bomben mehr, es reicht, wenn wir uns wie in Rammstein als Flugzeugträger der USA demütigst und devot zur Verfügung stellen: dann wird unsere Kanzlerin auch von allen gelobt, wenn sie die USA besucht. Völkerrechtswidrige Kriege – früher mal ein absolutes NO-GO – sind heute an der Tagesordnung, weil die USA einen großen Haufen auf das Völkerrecht setzen: ihr Projekt für ein neues amerikanisches Jahrhundert läuft auf vollen Touren – mehr und mehr wird die Welt mit Militärbasen überzogen. Noch nicht mal das allgemeine unantastbare Menschenrecht des Individuums wird respektiert: weltweit werden Männer, Frauen und Kinder willkürlich – ohne Prozess, ohne Verhandlung, ohne Gerichtsbeschluss – von automatisierten Kampfmaschinen zerfetzt … ohne dass sich auch nur eine Stimme dagegen erhebt. Das hier ist Mord aus niedrigsten Beweggründen – kann doch nicht angehen, dass sowas ungeahndet bleibt? Serienmord – in aller Öffentlichkeit – ohne dass die demokratische Zivilgesellschaft ihre Stimme erhebt?

Nun gut: die USA haben viele Serienkiller, das gehört wohl schon zu ihrer Tradition dazu, dass immer mal wieder ein loszieht um etwas Stimmung zu machen. Aber das die das auch jetzt weltweit dürfen – und der Hauptverantwortliche dafür immer noch seinen Friedensnobelpreis besitzt … nun ja: wir reden gerade über POLITIKNOTNSTAND. Wir erhöhen übrigens unseren Wehretat auf direkte Anweisung aus den USA – ich hoffe, das ist soweit in den Nachrichten mitverfolgt worden? Trump wird von allen – in manchmal ziemlich arroganter Art und Weise – kritisiert und lächerlich gemacht: aber seinen Befehlen gehorcht man trotzdem – als freie, souveräne Nation unter freien, souveränen Nationen?

Gehen wir fort von der Weltpolitik. Kehren wir zuerst vor unsere eigenen Tür. Wissen Sie eigentlich noch, wofür wir Politik machen? Was Politik eigentlich ist? Ist gelegentlich mal sinnvoll zu schauen, was Wörter meinen, die wir täglich gebrauchen: das Wort stammt aus dem altgriechischen – polis = Stadt/Staat. Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, bedarf es viel Gerede damit der Friede gewahrt bleibt. Darum hat man ja überhaupt Städte gebaut: damit man Frieden vor den Räuberbanden hatte. Und diesen Frieden wollte man – trotz der Enge – auch innerhalb der Stadt erleben dürfen. Der Sinn aller Geisteswissenschaften – soweit darf man sagen – ist Friedenssicherung. Sie sollen jeden befähigen, den jeweils anderen verstehen zu können, erkennen zu können, dass auch er ein Mensch ist, der durch sein Schicksal zu dem geworden ist, was er nun mal ist – so wie man selbst durch ein anderes Schicksal anders geworden ist.

Dafür – und nur dafür – geben wir Geld aus für Ökonomen, Historiker, Sprachwissenschaftler aller Art, Psychologen, Soziologen und Philosophen aus: sie alle sollen uns helfen, den Frieden zu bewahren, in dem wir den jeweils anderen verstehen. Niemals wieder wollten wir verführbar werden, den anderen zum „Hunnen“ werden zu lassen (das waren die Deutschen in der Propaganda des ersten Weltkrieges), zum Untermenschen, zum Nichtmenschen – denn dann ist der Frieden in Gefahr. Übrigens ist auch schon die Differenzierung „Frieden“ und „sozialer Frieden“ ein kriegerischer Akt in einer Gemeinschaft – er suggeriert, dass der soziale Frieden eine Unterform von Frieden ist … doch dem ist nicht so: Frieden – können nur soziale Wesen leben, also Menschen. Ein Land, dass keinen sozialen Frieden hat – hat gar keinen Frieden. Was hier vertuscht wird? Nun – die Art der Waffe, die den Frieden stört- hier ist es die Wirtschaft. Lehmannpapiere und CumEx-Skandal haben gezeigt, dass die Räuberbanden jetzt hinter den Stadtmauern aktiv sind: Zeit, Alarm zu schlagen.

Das alle sollten Sie übrigens als mündiger Bürger wissen, ja geradezu auswendig aufsagen können: eine Demokratie fordert schon etwas mehr geistige Leistung von einem als ein Platz im römischen Zirkus oder auf einer US-Plantage – aber wahrscheinlich werden diese Grundlagen friedlichen Zusammenlebens gar nicht mehr gelehrt: der Gipfel der Verblödung war für mich hier ein Gymnasiallehrer (Mathematik) der für die AfD ein politisches Amt anstrebte – und sich über die „Schwafelwissenschaften“ ausließ … aber sich gleichzeitig für ein Schwafelamt bewarb. Sowas unterrichtet unsere Kinder, nebenbei bemerkt. Gott sei Dank nur in Mathematik – im Vergleich zu Geisteswissenschaften ist das ein sehr einfaches Fach.

Schauen wir also mal, wie friedlich unser Leben in Deutschland ist.

Wir arbeiten mehr als die Hälfte des Jahres für andere – Tendenz steigend. Das bezieht sich jedoch nur auf den Staat und seine gierigen Diener, zusätzlich arbeiten wir noch für Energiekonzerne, Banken und Versicherungen – also eigentlich für jeden, der willkürlich Rechnungen schreiben kann und gerne wie ein Großfürst auf Kosten anderer lebt. Wissen Sie, wie viele Millionäre die Umverteilung von unten nach oben bislang produziert hat? Wir haben über 2 Millionen Millionäre. 2023 rechnet man mit einem weiteren Anstieg auf 3 Millionen (siehe FAZ), das ist eine Steigerung von 41 Prozent. Gut für die, die in dem Strom mitschwimmen können – schlecht für die, die diese Vermögen bezahlen sollen. Das sind dann die anderen … die mit „abhängiger“ Arbeit, jene, die so langsam aussortiert werden, nach dem man ihr ganzes Vermögen enteignet hat. Ja – das gibt es in Deutschland: Enteignung. Aber nur bei Armen – ganz Armen. Gehört zum Prinzip Hartz IV oder Grundsicherung im Alter dazu, dass man all sein Hab´und Gut versilbern muss, wenn man überleben will – und 18 Millionen Menschen wurden bisher allein durch das Hartz IV-System ihrer Vermögen beraubt … die jetzt woanders sind. Viele haben jetzt kein Haus mehr, während ein paar wenige viele Häuser haben und an den Wuchermieten fett verdienen. Zeit für Politik, oder?

Wir kennen die Warnungen über die Umverteilung von unten nach oben. Zudem gibt es sie auch von Staat zu Privat – und Süd nach Nord (global betrachtet). So läuft die Maschine seit 70 Jahren – und inzwischen auf Hochtouren, so dass auch wir in der kleinen Bundesrepublik unter die Räder kommen. Doch die real existierende Umverteilung ist ja nur ein Problem. Ein ganz anderes, kleines Beispiel findet sich vor Ihrer Haustür: der gelbe Müll. Nur wenige können sich daran erinnern, wie wir den MÜLLNOTSTAND angegangen sind, in dem wir anfingen, Müll zu trennen. Wir haben sogar – manipuliert durch Bilder von häßlichen Müllhalden – eine Ökosteuer eingeführt, ein duales System, das die Plastikmüllberge verhindern sollte. Und – wo sind wir heute?  Seit 1993 trennen wir Müll vorbildich – seit über einem Vierteljahrhundert. Und was passiert? Mein Müll schwimmt gerade vor Malayisa. Ja – es sind ein paar Leute Millionäre dadurch geworden – doch das Müllproblem ist immer größer geworden. Und die gleichen Leute versprechen nun, dass sie mit Hilfe der Co2-Steuer das ganz große Rad drehen wollen. Jene Leute, die bewiesen haben, dass sie selbst einfachste Bauprojekte wie BER, Elbphilharmonie oder Stuttgart 21 nicht hinbekommen …. aber daran super abkassieren können. Bin sicher, auch die drei Projekte haben wieder Millionäre produziert – auf Kosten von uns allen.

So läuft ja auch das Projekt Migration. Ganz viele junge Männer aus unterenwickelten Teilen der Welt mit zum Teil gruseligen Frauenbildern werden in Massen importiert und arbeiten dann fleissig im Billiglohnbereich – wo der Unternehmer am meisten abgreift. Die übrigen, nicht integrierbaren bezahlt der Steuerzahler. Manchmal sogar mit seinem Leben. Ja – aber so versteht man, wie die klassische Unternehmerpartei CDU auf einmal so für offene Grenzen ist: damit können einzelne richtig gut verdienen. Die meisten aber – bezahlen dafür.

Gründe genug für das Ausrufen des POLITIKNOTSTANDES?

Nein, natürlich nicht. Außenpolitisch haben wir ein Totalversagen – das Recht des Stärkeren setzt sich gnadenlos durch, weil Feiglinge Hochkonjunktur haben. Innenpolitisch ist das Totalversagen ebenso groß: wir haben eine Regierung von Reichen (und wer zuvor nicht reich war, wird durch „Diäten“ reich gemacht) für Reiche – und die anderen sollen immer mehr dafür bezahlen … bis sie nicht mehr können und zunehmend aussortiert werden. Wir haben aber noch ein Problem: die Sprache.

Ohne Sprache gibt es keine Politik. Diktaturen können auch ohne Wortsprache funktionieren: der Knüppel reicht als Zeichensprache. Merken ja gerade viele Franzosen. Und plündern kann man völlig kommunikationslos – sogar in unserem Land. Einfach die Preise erhöhen und die Kohle ist im Sack. Demokratien jedoch – brauchen die Sprache dringend, immerhin muss viele Angelegenheiten innerhalb der Gemeinschaft regeln – und will man das ohne Waffen schaffen, braucht man Worte dazu.

Die Sprache jedoch – das merke ich zusehends – hat man uns raffiniert geklaut. Gehört mit zu den Techniken des Empörungsmanagements. Ganz fatal: die fehlende Links-Rechts-Unterscheidung, die Rainer Mausfeld noch für „ganz fundamental für den ganzen politischen Bereich“ hält (Mausfeld, Warum schweigen die Lämmer, Westendverlag, Seite 210). Es war mal lange Zeit sehr einfach, über „links“ und „rechts“ zu reden. Rechts, das war: Adel, Klerus, Militär. Links – alle, die von Rechts getreten, geschlagen, ausgebeutet wurden und damit nicht glücklich waren. Jeder, der die Pyramide aufbauen wollte (unten die Fleissigen, die alles tragen – oben die Pharaonen, die sich sonnen), war rechts … oder hätte rechts genannt werden müssen, damit die Unterteilung noch Sinn macht. Ja – auch der „real existierende Sozialismus“ ist demnach „rechts“, von Stalin ganz zu schweigen. Auch nur Räuberbanden, die anderen Adel (Kommissare), einen anderen Klerus (Parteibüro) und andere Generäle hatten, aber das alte System nicht gundlegend änderten. Jene „Linke“, die das wollten, sind schon lange ausgerottet.

Ja – während ich gelegentlich von Narrativen höre, nachdem eine linke sozialistische Internationale Brüssel erobert haben soll und nun eine neue Weltordnung etabliert – Hand in Hand mit linken Supermilliardären – machen politische Aktivisten vor Ort ganz andere Erfahrungen: Bewegungen (hier Extinction Rebellion, siehe Spiegel) haben nur dann eine Chance, wenn sie jedweden Kontakt mit „links“ vermeiden. Die Obrigkeit ist sich immer noch bewusst, was links eigentlich bedeutet: Widerstand gegen die Enteignungsgewalt.

Wir werden also im Rahmen der Ausrufung des POLITIKNOTSTANDES unsere Sprache zurückerobern müssen – und auch ein paar Begriffe für die linke Seite zurückerobern müssen: Frieden, Sicherheit, Freiheit, Wohlstand – und Fortschritt sind klassisch linke Werte. Man hört sie auch von Rechten – aber da gelten sie nur für sich selbst: da ist ein Einzelner sicher, frei, lebt friedlich seinen Wohlstand und schreitet bei der Kapitalbildung fort – Linke jedoch wollen das für alle und jeden. Die besonders Mutigen sogar weltweit. Um Links zu sein, muss man schon auch sein Hirn bemühen: Parolen brüllen, die Hacken gehorsamst aneinanderschlagen – nun, das wäre eher rechts. Natürlich kann man den grassierende Neoliberalismus auch als sozialistisch bezeichnen – weil er  so viele wie möglich enteignen will um ein paar wenigen ein Kurfüstendasein zu bescheren – aber dann kommen wir vollend in den Bereich der Sprachverwirrung: wenn wir Hühnchen Tisch nennen und grün nass, dann kommen wir grün aus dem Bad und bestellen uns im Restaurant gebratene Tische. Und soweit sind wir gerade – sehr zur Belustigung der Pharaonen.

Die jedoch treiben ihr Spiel weiter, den Krieg Reich gegen Arm, Privat gegen Staat, Nord gegen Süd. Schritt für Schritt werden wir zurückgedrängt in eine mittelalterliche Gesellschaft, wo Gott (also: „der Markt“ – jener Gott, der auch von Atheisten kritiklos akzeptiert wird) alles prima eingerichtet hat, wo eine gottgewollte Obrigkeit über die niedere Gattung der Untermenschen herrscht, die für diesen Dienst ja wirklich gern jeden Cent opfern möchten, um der Obrigkeit das harte Los der Regentschaft angemessen zu vergüten.

Und falls Sie sich nun entspannt zurücklehnen und sagen: ich gehöre noch lange nicht zu den Menschen mit einem Jahreseinkommen unter 21 000 Euro (nach einem Radiokommentar bei WDR 5 angeblich inzwischen über die Hälfte der Einkommen in diesem „reichen“ Land), die beständig weiter absacken: hören Sie zuvor mal den Herrn Kaeser von Siemens: 90 Prozent der Mittelschicht werden in den nächsten Jahren gnadenlos vernichtet – durch Maschinen (siehe: Nachrichtenspiegel).  Denken Sie daran: wenn 300 Krankenhäuser geschlossen werden, dann fallen auch 300 Chefarztpositionen weg. Betrifft also bald alles nicht mehr nur die „anderen“.

Wir werden uns neue Methoden einfallen lassen müssen, wie wir als demokratische Zivilgesellschaft gegen die rechte Offensive (die auch immer schön mit linken Worten verkleidet wird: Reformen … zum Beispiel) vorgehen. Dazu müssen wir erstmal Entscheidungen treffen – allein, ohne Hilfe von oben: die Entscheidung, ob es gerechtfertigt ist, den Politiknotstand auszurufen.

Meine Meinung wäre: ja – schon lange. Seitdem Zeitpunkt, an dem man deutschen Bundeskanzler vorgetragen hat, dass sie von nun an unter der Diktatur der Märkte stehen.

Was aber nun Adel, Klerus und Militär angeht – so darf man auch hier umdenken. Adel – ist heute komplett Großkapital. Der Klerus ist durch die Medien erstetzt worden – und das Militär wird weitgehend durch Geheimdienste und Privatarmeen ersetzt. Wir gehen auch öfter zur Kirche als damals: immer wenn wir den Fernseher anmachen, leisten wir unseren Gottesdienst und lauschen der Botschaft der Märkte. Aber das Prinzip bleibt das Gleiche wie zu Zeiten der Pharonen.

 

 

 

 

Bauer, Bürger, Edelmann: der real existierende Neofeudalismus in Deutschland 2019 – und seine Exzesse

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Sonntag, 18.8.2019. Eifel. Im Rahmen des „betreuten Denkens“ haben wir ja eine Losung erhalten, nach der wir uns zu richten haben: dies ist das beste Deutschland, das wir je hatten. Diese Losung hat die Führerin der vierten Reiches ausgegeben, das 2019 ganz Europa beherrscht – und das nun mit Ursula von der Leyen endlich eine deutsche – Entschuldigung – europäische Kaiserin hat. Endlich – 230 Jahre nach der französischen Revolution von 1789 – ist wieder eine genetisch adelige Person an der Spitze des Kontinents … und zwar aus Deutschland, wie es sich der Führer erträumt hat. Wir herrschen allerdings smart mit Geld – nicht mehr mit Karabinern. Jedenfalls: in Deutschland.

Was ist nur aus der kleinen, gemütlichen, friedlichen Bonner Republik geworden, die ein Garant war für Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit, Fortschritt, jener Demokratie, die als Vorbild der Welt galt und für die wir bewundert wurden? Bewundert nicht etwa weil wir in Punkto Demokratie schon das Ende erreicht hätten, sondern weil wir mit Willy Brandt einen Bundeskanzler hatten, der im Folge der Unruhen der ausgehenden sechziger Jahre den Zeitgeist zutreffend formuliert und uns alle dazu aufforderte, „mehr Demokratie zu wagen“.

Ja – es gibt noch mehr Demokratie als das, was uns gerade zu leben gestattet wird. Was wir haben, nennt man „repräsentative“ Demokratie – da regiert nicht das Volk selbst, sondern wählt Repräsentanten aus, die von einer kleinen Gruppe von Parteien vorgestellt werden. Diese Parteien wiederum sind in großem Maße empfänglich für Parteispenden – da gibt es viele Pöstchen für Menschen, die sich mit normalem Arbeitsleben nicht ganz so gut anfreunden können und deshalb gerne was mit geregelten Bürozeiten haben, dort, wo der Kaffee fließt und man sicher vor Nässe und Kälte ist. Mehr noch als Parteispenden sind natürlich die persönlichen Aussichten der „Spitzenpolitiker“ von belang: auch die wollen lebenslänglich einen Versorger haben – egal wo, egal wer, Hauptsache soviel Geld wie möglich. Allein was Parteispenden angeht, sind wir im besten Deutschland, das wir je hatten, nicht optimal aufgestellt: das bemängelt sogar der Europarat (siehe Spiegel).

Mehr Demokratie wagen – das war Bestandteil der Regierungserklärung Willy Brandts von Oktober 1969 (siehe Willy Brandt). Der nächste wichtige Schritt zur kompletten Vernichtung der überlebenden Strukturen des Dritten Reiches, einem pervertiertem und degeneriertem Staatswesen, dass sich anmaßte, völliges Besitzrecht über seine Bürger auszuüben – inklusive der Entscheidung, ob ein Bürger lebenswert war oder nicht. Ja – ich weiß, dass ist jetzt ein etwas anderes „Narrativ“ als man uns normalerweise verkaufen möchte, ich wähle dieses Narrativ aber mit Absicht – und es ist auch nicht verkehrt. Bald fünfzig Jahre ist es her, dass Willy Brandt diese damals sehr mutige Erklärung abgegeben hat – und im Jahrzehnt danach fingen die Bürger an, selbst aktiv zu werden. Bei der darauf folgenden Bundestagswahl 1972 gingen 91,1 Prozent der Wähler zur Wahl (siehe statista) – ein Wert, der danach nie wieder erreicht wurde. Bürgerinitiativen bildeten sich über das ganze Land hinweg: für Frieden, für den Schutz der Umwelt, für die Gleichstellung der Frau (die zu Zeiten der Regierungserklärung noch ihren Ehemann fragen musste, ob sie denn eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen dürfte – also im Prinzip noch Eigentum des Mannes war … das Gesetz wurde erst 1977 geändert, siehe Focus), für die Rechte von Homosexuellen Paaren und Behinderten – und für die Rechte der Arbeitnehmer.

Es ist wohl gerade dieser Welle des Engagements zu verdanken, dass sich das Gesicht der Republik geändert hatte – und viele, die heute in Regierungsverantwortung sind, genießen die Früchte dieser leisen und friedlichen Evolution der Bundesrepublik, die damals noch dem Ideal der Demokratie folgen wollte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Fünfzig Jahre später hat sich das Gesicht des Landes geändert. Das war zu erwarten gewesen – oder sagen wir besser: man hätte es erwarten können, wenn man nicht zu naiv und blauäugig gewesen wäre, wenn man nicht stillschweigend davon ausgegangen wäre, dass die Machtelite sich diese friedliche Revolution einfach gefallen lassen würde.

Das hat sie nicht.

Stattdessen fing sie ihrerseits an, eine Konterrevolution zu beginnen. Die Zeichen dafür standen gut, denn: diese Revolution fand international statt. Auch die USA hatten ihre Probleme mit mündigen Bürgern, die die Verfassung lesen und verstehen konnten … und die langsam verstanden, warum die repräsentative Demokratie eingeführt wurde: um die Besitzverhältnisse zu garantieren. Wer das Land besaß, sollte auch herrschen – egal, wie er zu dem Landbesitz gekommen war. Im Zusammenhang mit der Geschichte der USA war das besonders pikant: da klebte Blut an den Händen der nahen Vorfahren: noch 1876 schlugen die vereinten Indianerstämme General Custer am Little Big Horn, Geronimo, der letzte große Indianerführer, starb erst 1909 – die gr0ßen Ländereien waren also erst kurz zuvor den Einheimischen gestohlen worden. In Europa hatten wir uns an diese Großgrundbesitzer schon gewöhnt: Barone wie die Guttenbergs haben Land schon seit 800 Jahren in ihrem Besitz – dass die auch als Raubritter unterwegs waren, interessiert da eher niemanden mehr (siehe Wikipedia).

Ach – wissen Sie eigentlich, wie man den Adel in moderner Sprache beschreiben würde? Das war das Dienstpersonal der damaligen Warlords, bezahlte Söldner, die als Dank für Massenmord an der Zivilbevölkerung (oder an anderen Warlords) „Lehen“ erhielten. Nun – die Dienstschranzen selbst beschreiben das natürlich in anderer Sprache, aber wir progressiven, aufrichtigen Demokraten dürfen da ruhig mal ein wahres Wort reden – zumal es um etwas wichtiges geht: nicht wer das Land besitzt, sollte es regieren – sondern wer das Land regiert (also WIR als Gemeinschaft der Bürger) sollten das Land auch besitzen … was unser Leben sehr erleichtern würde. Das Recht auf Wohnen, Nahrung und Heizung ließe sich dann schon mal leicht und kostengünstig durchsetzen.

2019 haben wir ein anderes Deutschland – das ich schon mal der Geschichte vorgreifend als „Viertes Reich“ beschreibe. Die Warlords haben wieder die Macht übernommen, der Staat pervertiert erneut – mit immer neuen Übergriffen und Zumutungen, einer immer weiter militarisierten Polizei, einer Bundeswehr, die gegen das eigene Volk eingesetzt werden kann, einer flächendeckenden zivil-militärischen Zusammenarbeit und … ach, dass ist Ihnen jetzt wahrscheinlich noch gar nicht bekannt? Wird auch nicht groß drüber geschrieben – weder vom Mainstream noch von den „alternativen“ Medien. Geht leider immer wieder unter. Ich zitiere mal, was da läuft – ja? Direkt von der Bundeswehr selbst (siehe Streitkräftebasis):

„Damit nicht genug – mit den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte stehen den Streitkräften Reservedienstleistende zur Verfügung die im Katastrophenfall zu Wach-und Sicherungsaufgaben herangezogen werden können und so einen andauernden Beitrag zur Auftragserfüllung der Bundeswehr leisten. Diese Kompanien bieten für alle Reservisten eine militärische Heimat, die zukünftig ehrenamtlich als Beorderte eine wesentlichen Beitrag zum Heimat- und Katastrophenschutz leisten wollen. So kann die Bundeswehr – bestehende Verbände einbezogen – schnell und gezielt ihre Hilfe bereitstellen.“

Wach- und Sicherungsaufgaben – von Reservisten. Sozusagen eine Privatarmee. Im Narrativ der Warlords natürlich nur friedliche Helfer im Katastrophenfalle – aber wieso muss man die Bundesrepublik flächendeckend mit diesen Kompanien überziehen? Und wieso wissen wir als Bürger nicht, wer in unserer Nachbarschaft da alles mitmacht? Was machen diese Kompanien eigentlich, wenn es am 20.9.2019 wirklich zu einem Generalstreik kommt – und nicht nur Jugendliche die Arbeit niederlegen, sondern alle – weil alle die Schnauze gewaltig voll haben?

In Frankreich kann man seit 40 Wochen erleben, zu welcher Gewalt repräsentative Demokratien inzwischen greifen, um Widerstand zu brechen – sogar friedlichen Widerstand. Aber es ist halt Widerstand gegen substantielle Elemente des Lebens: Widerstand gegen „Preise“. Und „Preise“ (darunter sind auch Steuern zu verstehen, die Preise aufs Leben selbst darstellen) sind ganz wichtig für die ökonomischen Warlords, die sich moralisch in Nichts von den alten Warlords unterscheiden. Es ist im Prinzip das gleiche Elend, dass sie verbreiten: früher haben sie die Ernten beschlagnahmt, damit der Baron und seine Schläger weiterhin arbeitsfrei leben konnten (was der eigentlich Antrieb der ganzen Bewegung war: ohne Arbeit auf Großfürstenniveau durchs Leben zu kommen), heute nehmen sie einfach das Geld.

Nur gut, dass und sie Millionärspresse (also: alles, was wir unter „Medien“ verstehen) vor detallierten Berichten über die Zustände in Frankreich beschützt. Im März waren es 12 Tote und 3000 Verletzte (siehe jungewelt), wobei „Verletzte“ Augenlicht oder Gliedmaßen verloren haben – wir dürfen also zurecht von Verstümmelten reden.

Kommen wir zurück zum „Vierten Reich“. Wir haben wieder „unwertes Leben“. Die alten Losung: „Bauer, Bürger, Edelmann“ – die sich seit dem Kaiserreich unverändert im Schulsystem widerspiegelt (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) – ist aktueller denn ja. Nicht mehr mit Titeln (das kommt vielleicht auch wieder, wäre aber unwichtig) sondern mit Klassifizierungen über das Gehalt (also – nicht das, was man verdient, sondern das, was andere einem zuteilen – eine ganz wichtige, in breiter Front verschleierte Tatsache): Mit 1000 Euro sind Sie Bauer (das erkennt man an Ihrer Kleidung, Ihrer Frisur, Ihrer Wohnung, Ihrem Auto, Ihren Urlaubsfotos und dem Essen, dass Sie sich leisten können), mit 2500 Euro sind sie Bürger – und ab 5000 Euro (netto, wohlgemerkt) sind sie Oberschicht, also: Edelmann (siehe Zeit). Darüber gibt es die Lehensgrafen (Millionäre), die Großfürsten (Milliardäre) und ganz oben: GOTT – die großen Fonds wie Blackrock mit einem derzeitigen Kapital von 6800 Milliarden Dollar (größter Einzelaktionär bei 20 von 30 Daxkonzernen, siehe ARD). Zum Vergleich: das gesamte Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik erreichte 2018 noch nicht mal die Hälfte (siehe Statista).

Es ist also völlig falsch, von „Neoliberalismus“ zu reden – korrekterweise müssten wir von Neofeudalismus reden: war marschieren im Stechschritt zurück ins Mittelalter. Wieder findet eine Umverteilung von Unten nach Oben statt, wieder werden die Ernten gestohlen – und auch die Kinder. Die Umverteilung läuft aber auch global – was aus unseren „Bauern“ noch reiche Menschen macht (was einem gelegentlich ja auch mal vom Adel unter die Nase gehalten wird): hören Sie sich mal dazu einen Nobelpreisträger aus dem Kongo an (siehe Utopia): die mittelalterliche Grausamkeit im Miteinander ist auch wieder da.

Ach ja – die Kinder. 2013 lief im deutschen Fernsehen ein gut recherchierter Spielfilm (Operation Zucker), 2016 eine Fortsetzung (Operation Zucker: Jagdgesellschaft). Inhalt: organisierter Kindesmissbrauch auf höchstem Niveau – durchgeführt von den „Leistungsträgern“ dieser Republik (den Bütteln der Warlords, um unser Narrativ zu verwenden). 2013 gab es auch eine Talkshow dazu (Maischberger), in der man erfahren konnte, das Akademiker da nicht unterrepräsentiert sind – und das die auch Babys zum Zwecke des Missbrauchs heranzüchten. Wer da jetzt an die tausenden verschollenen Flüchtlingskinder denkt, ist – so vermute ich – auf der richtigen Spur. Für so etwas braucht man ganz viel Geld und eine perfekte Organisation – aber das wurde von der Autorin des „Spiegel“ schon während der Talkshow gekonnt zerredet – sogar als der zuständige Regierungsvertreter auf die vielen Toten Zeugen im Falle Detroux (siehe Tagesspiegel) hinwies („das ist nicht bewiesen“ kanzelte sie ihn barsch ab – die Zeugen bleiben aber trotzdem tot … was eine sehr große Unwahrscheinlichkeit darstellt).

Die Filme sollten gut recherchiert sein – und hatten keinerlei Folgen, trotz der großen Empörung. Es ist nicht die beste Quelle, die man aufrufen kann – aber unterstützt wird die Recherche durch einen Ex-CIA-Agenten, der ähnliches berichtet (siehe Epochtimes), wir finden das auch in Großbritannien (siehe Welt) oder Portugal (siehe Welt) – um nur einige zu nennen. Die Kinderklauindustrie ist derzeit auf einem Höchststand: insgesamt sind es 181000 Kinder, die 2016 in Heimen und Pflegefamilien untergebracht wurden (siehe Ärztezeitung): interessant, aus welcher sozialen Kaste sie stammen:

„Der Großteil der Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien kommen nach Angaben der Bundesregierung aus sozial schwachen Verhältnissen: 78 Prozent der Kinder stammen demnach aus Herkunftsfamilien, die Transferleistungen beziehen, 55 Prozent aus Allein­erziehendenhaushalten.“

Bauernkinder – frei zum Gebrauch. Unwertes Leben halt. Man könnte meinen, der Baron Gilles de Rais weilt wieder unter uns (zu seinen bizarren Folterungen und Morden an womöglich 400 Kindern siehe Welt). Und er hat so viel Macht, dass die Bundesrepublik ihm keinen Einhalt gebieten kann.

Fort nun von den dunklen Geheimnissen der „Elite“, denn: nicht nur die Kinder sind Freiwild, auch die Bauern selbst. Per Gesetz sichert sich der Staat (in Person des Jens Spahn) den Zugriff auf die Organe – und sichert gleichzeitig ab, dass Transplantationen auch ordentliche Gewinne abwerfen (siehe Ärztezeitung). Ebenso wird eine Impfpflicht eingeführt … der man sich aber durch die Zahlung von 2500 Euro entziehen kann (siehe Welt). Auch: Bauer, Bürger, Edelmann. Ebenso ist geplant, Beatmungspatienten zwangseinweisen zu lassen (siehe Ärztezeitung) – natürlich sind die Sprachlösungen in einem positven Erzählstil verfasst. Auch Flüchtlinge sollen der Impffplicht unterzogen werden (siehe Spiegel): ein Riesengeschäft für die Elite.

Ach ja: Flüchtlinge. Die importierten Arbeitnehmer stellen einen gewaltigen Gewinn für die Grafen und Fürsten dar: zwei Drittel von ihnen arbeiten im Niedriglohnbereich (siehe O-Ton Arbeitsmarkt): da kann man schon erahnen, warum die Arbeitgeberpartei CDU auf einmal so ausländerfreundlich geworden ist. Auch das Dritte Reich hatte diese Fremdarbeiter geschätzt: 7,8 Millionen durften 1944 für das Deutsche Reich schuften – umsonst. Nun ja- sie wurden ernährt und nicht erschossen (siehe Wikipedia). Jedenfalls nicht, solange sie noch Leistung brachten.

Genug bei den Ausgestossenen verweilt. Kommen wir zu den „Goldfasanen“ des neuen Adels – aber nur noch kurz. Während man etwas mehr als 2 Euro täglich für der Ernährung der Kinder von Arbeislosen für völlig ausreichend hält, genehmigen sich Minister schon mal ein Mahl in Höhe von 12000 Euro – um alte Adelsgeschlechter zu bewirten (siehe Hanserundschau). Besonders delikat angesichts der derzeitigen Klimadebatte: die Garantie für einen Kredit von 2,6 Milliarden Euro für den Bau von Riesenkreuzfahrtschiffen (siehe Ostseezeitung). Klappt das Geschäft, werden die Grafen sehr reich. Klappt es nicht – zahlen die Bauern. Wie im Mittelalter. Und die Cum-Ex-Geschäfte, die 53 Milliarden Euro – unsere Euro – in die Kanäle der Neofeudalisten spülten? Laufen munter weiter (siehe Zeit). 53 Milliarden? Das sind 600 Euro pro Kopf. Von jedem – auch von Grundsicherungsrentnern, die fürs monatliche Leben deutlich weniger haben. Darauf nun noch Ökosteuer (minimal 600 Euro) und Supermaut „für alle und überall“ (siehe Focus): die systematisierte Produktion von „Bauern“ ist sichergestellt.

Und: was machen wir nun dagegen? Wir, die wir sogar gegen den weit bekannten Missbrauch von Kindern (und wir reden hier über Folter, nicht über Schmusesex) nicht verhindern können – noch nicht mal dieser Bestialität werden wir Herr.

Warum nicht?

Nun – weil uns das wichtigste Instrument des Widerstandes genommen wurde: die Sprache. Wir haben es mit genialen Think-Tanks zu tun – hunderten davon – die uns einfach die Sprache genommen haben. Sie malten des Gespenst einer „links-grün versifften“, „sozialistischen“ oder „supermarxistischen“ NWO an die Wand (was man im Osten eher glauben konnte, weil die dortigen feudalistische Strukturen  als „links“ verkauft wurden – dabei wurde nur das Personal ausgewechselt, die autoritären Strukturen blieben gleich), so dass das Volk ihr Heil in „rechten“ Weltbildern suchen muss: den Weltbildern des Feudalismus. Sehr intelligent und geschickt gemacht, muss ich sagen. Hut ab – das ist schon eine Leistung. Jene „Kommunisten“, die in der alten BRD noch nicht mal Hauptschullehrer werden konnten. „Nazis rein, Linke raus“ – so beschreibt ein Historiker den Radikalenerlass von 1972 (siehe Zeit).

Und trotzdem wird uns jetzt – erfolgreich – verkauft, dass die Linken (über 40 Jahre unsichtbar) auf einmal die Weltherrschaft an sich gerissen haben. Das Gegenteil ist der Fall: der Feudalstaat hat die Demokratie gefressen, für die Linke immer bereit waren, ihr Leben zu lassen. Da wir aber keine Linken mehr haben … kennen wir solche Menschen gar nicht mehr.

Jenseits des globalisierten Feudalismus ist gedanklich … nur noch ein großes Nichts.

Und damit sind wir das schlechteste Deutschland, das es je gegeben hat – weil wir keine Zukunft mehr haben … und nirgendwo noch Alliierte sind, die den pervertierten Staat für uns beseitigen.

Oder?

 

 

Neue Steuern auf CO2, Fleisch, und worauf noch?

Ganz offensichtlich hat es so gut geklappt, den Menschen glauben zu machen, dass die Welt untergehen wird, wenn die Bundesregierung keine CO2-Steuer einführt, so drohen jetzt weitere Steuern, die auf geringen Widerstand stoßen sollen, indem man das schlechte Gewissen der Menschen aktiviert. Bei der immer noch gültigen Sektsteuer, die ebenfalls natürlich rein zweckgebunden für die Erneuerung der kaiserlichen Flotte eingeführt worden war, da war es noch der Patriotismus, mit dem neue Steuern leichter eingeführt werden konnten. Heute ist es das schlechte Gewissen, das Gefühl, für den Untergang der Menschheit verantwortlich zu sein, wenn man keine CO2-Steuer bezahlt, oder für die tierquälerische Tierhaltung, wenn man keine Fleischsteuer bezahlt. Und wenn man der vorbestraften neuen Chefin der europäischen Zentralbank Christine Lagarde folgt, die meint, dass Menschen einfach zu alt würden, ist man vermutlich demnächst an der Überbevölkerung schuld, wenn man keine Steuer zahlt, die das frühzeitige Ableben der Menschen fördern soll.

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